Captain Cook und der Venustransit

Hier im Göttinger Raum hatten wir ja nicht gerade Glück mit dem Wetter, so dass ich den Venustransit heute Morgen nicht sehen konnte. Aber die zahl der beeindruckenden Bilder und Videos im Internet ist Legion, und so können auch Langschläfer und vom Wetter herausgeforderte die Sache nach erleben und müssen nicht 115 Jahre bis zum nächsten Mal warten.

Denn obwohl die Venus auf ihrer innen liegenden Umlaufbahn die langsamere Erde rund alle anderthalb Jahre überholt, müssen beide Planeten sich an einem der Schnittlinien ihrer Bahnen befinden, denn die Bahn der Venus ist gegenüber der Erdbahn um rund 3,4 ° geneigt. Daher zieht die Venus meist unsichtbar oberhalb oder unterhalb der Sonnenscheibe vorbei. Aus den Bahnparametern erklärt sich auch die Periode der Venustransite mit einem langen Abstand von 105 bzw. 122 Jahren und einem kurzen von rund 8 Jahren.

 

 

Während heute derartige astronomische Ereignisse fast schon Massenveranstaltungen sind, und dank der modernen Medien von vielen Menschen aufmerksam verfolg werden, war das bei früheren Gelegenheiten meist mit erheblich mehr Aufwand verbunden. Denn abgesehen von der Seltenheit und dem „Thrill“, so etwas zu beobachten, bietet so ein Venustransit auch für die Wissenschaft eine interessante Möglichkeit. Eine davon ist (oder besser: war) die Frage, wie weit denn die Venus und die Sonne von der Erde entfernt war. Die Keplerschen Gesetze legen die relativen Entfernungen der Himmelskörper fest. Und um die Entfernung zur Venus zu bestimmen, wollte man die Dauer eines Venustransits an verschiedenen Punkten der Erde möglichst präzise messen, je weiter voneinander entfernt, desto besser.

 

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Die Skizzen des Venustransits, von Captain Cook (oben) und Charles Green (unten). Zum vergrößern anklicken. Image scan provided by the Museum of the History of Science, Oxford. Originally published as part of “Observations Made, by Appointment of the Royal Society, at King George’s Island in the South Sea; By Mr. Charles Green, Formerly Assistant at the Royal Observatory at Greenwich, and Lieut. James Cook, of His Majesty’s Ship the Endeavour,” in Philosophical Transactions, 61 (1771), 397-421. Caption by Michael Carlowicz.

Das sagt sich heute, im Zeitalter des Düsenflugzeugs bestimmt leichter als früher, wo Seereisen Monate oder sogar Jahre dauern konnten. Doch wo ein Wille ist, da gibt es auch Wege. Und so war wohl eine der Motivationen für Captain Cooks erster Pazifikreise die Möglichkeit, den Venustransit vom 3. Juni 1769 im Pazifik, genauer gesagt auf Tahiti am Point Venus, zu beobachten. Zu dem Zweck war der Astronom Charles Green mitsamt seiner Beobachtungsausrüstung mit an Bord der Endeavour gegangen. Sowohl Green als auch Cook fertigten Skizzen des Ereignisses an, wie oben zu sehen.

Und man kann auch sehr schön erkennen, welches Problem den Astronomen damals zu schaffen machte. Denn die Bestimmung des exakten Anfangs und des Endes des Transits waren nicht mit der für die Entfernungsmessung nötigen Präzision möglich. Die Zeiten des Transitbeginns verschiedener Beobachter an ein und demselben Ort schwankten, weil sich ein Phänomen bemerkbar macht. Die Venus löste sich beim 2. Kontakt nicht normal von der Sonnenscheibe, sondern blieb durch ein schwarzes brückenartiges Gebilde noch leicht „kleben“. Lange hat man über die Ursachen gerätselt, aber nimmt man an, dass es sich um ein Zusammenspiel der Randverdunklung der Sonne mit atmosphärischen Turbulenzen und optischen Eigenschaften der verwendeten Teleskope handeln mag.

Von diesem und anderen historischen Venustansits zeugen etliche Denkmale, über die Eva Bambach berichtet.

Zum aktuellen Venustransit gibt es jede Menge Informationen und Bilder im Netz, zum Beispiel bei Michael Khan, Jan Hattenbach (auch in der FAZ) und Susanne Hoffmann. Und wer keine Lust hat, bis zum Jahr 2117 zu warten, der kann sich das Ganze als Video ansehen, wie sich der Transit im nahen Ultraviolett Bereich zeigt.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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