Prost! Bier und Glyphosat

Ich wollte das ja eigentlich ignorieren, aber manchmal muss man seinem Herzen doch Luft machen.

Vermutlich haben alle mitbekommen, wie letzte Woche wieder eine neue Sau durch das mediale Dorf gejagt wurde. Glyphosat und Monsanto sind immer noch für viele klicks gut (hier stimme ich Philipp Hummel zu). Und dabei ist es meistens vollkommen egal, ob der Zusammenhang überhaupt real ist oder die gefundenen Mengen relevant, geschweige denn die Ergebnisse reproduzierbar.
Und nun also im Bier. Die vom Umweltinstitut München e.V in den beliebtesten Bieren gefundenen Werte liegen irgendwo zwischen 29,74 µg/l und 0,46 µg/l. Ersteres entspricht knapp 30 Parts per billion, also 30 Teilchen auf eine Milliarde. Letzteres ist noch einmal eine gute Größenordnung darunter.

Helles im Glas-Helles (pale beer)

Ein krebserregender Stoff im Bier? Nein, Doch, Oooh! Public Domain.

Mal ganz davon abgesehen, dass es in meinen Augen absolut faszinierend ist, dass wir derartig kleine Mengen einer Substanz überhaupt messen können. Was soll uns das ganze sagen? Dass wir hier um einige Größenordnungen über der Trinkwasserverordnung liegen? Ja und?
Vor allem aber wird schnell deutlich, dass (zumindest sehe ich das so) hier in erster Linie Angst geschürt werden soll (und das wieder macht den Vorwurf des Umweltinstituts München e.V in Richtung des Bundesinstituts für Risikobewertung etwas schräg).

Woran kann man erkennen, dass hier in erster Linie mit der Angst der Menschen gespielt wird? Das fängt in den Nachrichten an („heute“ vom 25.02.2016), wo die eine Mitarbeiterin vom Umweltinstitut München e.V in voller Überzeugung den Satz zum Besten gibt „ein Wahrscheinlich krebserregender Stoff gehöre einfach nicht ins Bier“. In ähnlicher Weise findet sich das auch auf den Seiten des Umweltinstituts.

„Für krebserregende Stoffe gibt es keine Untergrenze, ab der sie unschädlich sind. Diese Position vertritt auch das BfR – allerdings nur bei anderen problematischen Stoffen, denn beim Glyphosat will das BfR keine Krebsgefahr sehen.„

Was kann man dazu sagen? Eigentlich fällt mir dazu nur eines ein, abgesehen davon, dass hier allem Anschein nach der Grenzwert an die Nachweisgrenze gekoppelt werden soll (was ziemlicher Blödsinn ist): Es befindet sich ein mit Sicherheit krebserregender Stoff im Bier, und das definitiv nicht im ppb-Bereich. Ethanol spielt, was die Kanzerogenität angeht, in einer ganz anderen Liga als Glyphosat (auch wenn er nicht von Monsanto als Herbizid verkauft wird und sich daher nicht so zum Angst schüren eignen will). Während sich um die Kanzerogenität von Glyphosat nämlich noch gestritten wird und die WHO das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ einstuft, ist die Kanzerogenität von Ethanol definitiv nachgewiesen. Unter diesem Gesichtspunkt kommt einem die Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung ganz anders entgegen, nach der man 1000 l des am höchsten belasteten Bieres pro Tag trinken müsste, damit man eine relevante Menge an Glyphosat aufnehmen würde. Bei dieser Menge an Flüssigkeit wäre übrigens nicht einmal der Alkoholgehalt des Bieres das größte Problem. Schon bei wesentlich geringeren Trinkmengen wäre nämlich das im Bier enthaltene Dihydrogenmonoxid aka „Wasser“ tödlich.
Und noch etwas ist bemerkenswert. Immer wenn man Glyphosat kritisiert, sollte man durchaus auch im Hinterkopf haben, dass es Herbizide mit einer erheblich höheren Toxizität gibt. Und die könnten, gesetzt den Fall, Glyphosat würde verboten, für Ersatz sorgen. Das wäre dann ein ziemlicher Pyrrhussieg, oder? Denn in unserer hochtechnisierten und sehr leistungsfähigen Landwirtschaft, der wir im Übrigen unsere Ernährung und den Mangel an Erfahrung mit Hungersnöten verdanken sind die verschiedenen Pflanzenschutzmittel wohl nicht mehr wegzudenken.

Natürlich darf man den Einsatz der Mittel kritisieren. Und man darf auch Verzicht fordern. Das halte ich durchaus für legitim und diskussionswürdig. Aber hier wird mit der Angst der Menschen vor Krebs versucht, Politik zu machen. Frei nach dem Motto:
Wahrscheinlich krebserregender Stoff im ppm-Bereich im Bier: Kreisch!!!!1dreizehn
sicher krebserregender Stoff im Bier im Prozentbereich: Noch `ne Runde!
Na dann: Prost!

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen