Homöopathie — Nichts drin, nichts dran

Die Homöopathie, hat mal einer gesagt, sei für die Medizin ungefähr das, was die Luftgitarre für die Musik darstelle. Und mit dem Vergleich liegt man auch nicht besonders falsch. Beispielsweise glauben zwar viele Leute, die Homöopathie sei ein sanftes Naturheilverfahren und übersehen dabei, dass sie mit Kräutermedizin eigentlich noch viel weniger vergleichbar ist, als so manches herkömmliches Medikament. Dieser Glauben wird wohl auch durch die lateinischen Bezeichnungen gedeckt. Wer von uns versteht schon Latein? Für die allermeisten ist das doch nur eine tote Sprache, oder? Würde sonst jemand Hundekot bei Schlafmangel nehmen? Wie wäre es mit Uranium metallicum oder vielleicht Plutonium nitricum? Würde man es sich ebenso unbefangen in die Hausapotheke stellen, wenn einfach Uran oder Plutoniumnitrat draufstehen würde? Bei manchen Homöopathika fragt man sich, wie und woraus sie wirklich hergestellt werden. Placenta humana beispielsweise, menschliche Placenta. Und warum haben homöopathische Medikamente aus Lac delphinum (Delphinmilch) , orcinus orca (Haut des Schwertwals)oder Pili Orang Utan (Haut und Fell von Menschenaffen, gleiches gilt für Goril.) noch nicht Greenpeace auf die Tagesordnung gerufen? Und wie bitte sehr werden vacuum und diverse noch albernere Dinge (Magnetis polus arcticus, Lux lunae, Gravitas) hergestellt? Und das schönste daran ist doch, all diese angeblichen Medikamente sind noch nichteinmal einer klinischen Prüfung unterzogen worden, bevor sie in den Verkehr gebracht wurden. Und das brauchen sie auch nicht, denn für Homöopathika scheinen andere Regeln zu gelten.

(21) Angesichts der Besonderheiten der homöopathischen Arzneimittel, wie etwa ihrer sehr geringen Wirkstoffkonzentration, und der Schwierigkeit der Anwendung der herkömmlichen statistischen Methoden bei klinischen Versuchen erscheint es wünschenswert, ein besonderes vereinfachtes Registrierungsverfahren für solche homöopathischen Arzneimittel vorzusehen, die ohne therapeutische Indikation und in einer Zubereitungsform und einer Dosierung, die kein Risiko für den Patienten darstellen, in Verkehr gebracht werden. (Quelle)

 

So sind natürlich auch bei der DHU rund die Hälfte aller dort vertriebenen Homöopathika ohne Arzneimittelprüfung. Die Packungen enthalten oftmals weder einen Dosierungshinweis. Man solle doch, da die Dosierung von den Beschwerden abhänge, einen Arzt konsultieren, findet sich meist auf dem Beipackzettel. Nur werden Homöopathika wohl in der Mehrzahl nicht von Ärzten verschrieben, sondern von Laien zur Selbstmedikation erworben.

Homöopathisches "Medikament". Kügelchen aus Zucker, sonst nichts. Wikimedia, user a3

Aus diesem Grunde hat am Sonnabend, den 5. Februar wieder die 10:23 Challenge stattgefunden. Hier wurde, unterstützt von der GWUP (die sich aus dem Anlass von der Carl und Veronica Carstens Stiftung mit dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem Arzneimittelgesetz (AMG) bedroht sieht) von Skeptikern eine Überdosis von Globuli mit gefährlich klingenden Namen eingenommen. Die Carstens Stiftung sieht darin den Aufruf zu einer genehmigungspflichtigen klinischen Prüfung (was ich ziemlich amüsant finde). Bislang haben ja die Globuli in allen halbwegs dem wissenschaftlichen Standard entsprechenden Studien deutlich gezeigt, dass sie nicht einen Hauch besser abschnitten als Placebos, und das also deren angebliche „Wirkung“ ebenso gut auf dem bekannten Placeboeffekt basieren kann. Vor allem, weil die von Homöopathen angegebene Wirkungsweise so überhaupt nicht mit den uns bekannten Naturgesetzen zu vereinbaren ist. Wasser hat eben nachweislich kein Gedächtnis, jedenfalls nichts, was dem Gleiche und über ein paar Picosekunden hinaus bestehen bliebe. Das wäre ja auch extrem interessant. Warum sollte sich das verschüttelte Wasser ausgerechnet an die angeblichen Wirkstoffe der Homöopathen erinnern, aber an all die anderen Stoffe, die ihm auf seinem Weg sei Anbeginn der Erde begegnet sind, garnicht? Und selbst bei kleinen Kindern oder Tieren, wo doch oft behauptet wird, hier könne nur eine echte Wirkung vorliegen, denn bei denen würde doch ein Placeboeffekt nicht vorkommen. Doch, das tut er. Und auch hier wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Wirkung der Homöopathika auf diesem beruhen.

In dem ovberen Video fasst James Randi noch einmal  alles zusammen, was es über das Thema zu sagen gibt. Darunter findet sich ein Mitschnitt der 10:23 Aktion an den Hamburger Landungsbrücken.

Veröffentlicht von

amphibol.blogspot.de/

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ‚Overdose‘

    Da liegt der Fehler von James Randi, das Zeug ist doch wirksamer je weniger man nimmt. Ich zum Beispiel bin kerngesund – warum? Weil ich niemals auch nur ein Fitzelchen homöopathischer Medikamente benutzt habe! Eine höhere Dilutation ist nicht möglich.

    QED

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