Gefahr beim Bernsteinsammeln: Weißer Phosphor

Aktuell gab es gerade wieder einen Fall bei bei Hubertsberg im Landkreis Plön (Schleswig-Holstein). Dort hatte ein Mann einen Stein am Strand gefunden, den er für Bernstein hielt. Immerhin ist Bernstein nicht so selten am Strand zu finden (ich selber hatte auch schon mehrmals Glück). Das Problem dabei war aber, dass es sich nicht um Bernstein handelte, sondern um Weißen Phosphor. Der kann, besonders wenn er verunreinigt wird, eine gelbliche Farbe mit wachsartigem Glanz annehmen. Dann kann er sehr leicht mit einem hellen, gelblichen Bernstein verwechselt werden. Das Problem dabei ist dann nur, dass Weißer Phosphor einige sehr unangenehme Eigenschaften hat. Sobald er trocken ist, entzündet er sich von alleine und brennt mit bis zu 1300 °C. Wer also einen solchen Brocken in seine Hosentasche (oder sonst irgendwo in Körpernähe) deponiert, riskiert schwerste Brandverletzungen. Denn entzündeten Phosphor kann man mit Wasser nicht einfach löschen (am Besten ist Sand oder Löschschaum). Bei Wasser verteilt sich der Phosphor nur besser und brennt dann um so schöner.

Und nicht nur das. Weißer Phosphor ist auch noch sehr giftig, die letale Dosis Weißen Phosphors liegt beim Menschen bei rund 50 mg.

Das Verbrennungsprodukte, Phosphorpentoxid kann schwere Verätzungen verursachen.

White P

Weißer Phosphor. By Dnn87 (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Amber Bernstein many stones

Bernstein in verschiedenen Varianten. Leicht mit Weißem Phosphor zu verwechseln. By User Lanzi (uploaded by Ra’ike) on de.wikipedia (own work from User Lanzi on de.wikipedia) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons.

Darum: Vorsicht bei Funden von Bernstein. Man sollte immer damit rechnen, dass man etwas anderes, unangenehmeres vor sich hat. Am Besten, man hält die Funde nicht am Körper oder in brennbaren Behältern auf. Brandverletzungen durch Weißen Phosphor sind meist schwer und verheilen ziemlich langsam.

Die Gefahr stammt aus den Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges. Besonders die Heeresversuchanstalt in Peenemünde auf Usedom war ein Ziel Alliierter Brandbombenangriffe. Hier ist die Chance durchaus gut, dass man Weißen Phosphor am Strand findet. Aber auch an anderen Ostseestränden sollte man vorsichtig sein. In der Ostsee liegen noch sehr viele alte Kampfmittel, die es hin und wieder auch an den Strand schaffen.

 

Phosphor statt Bernstein: Mann verletzt – NDR

Phosphorklumpen: Vermeintlicher Bernstein verbrennt Strandbesucher – Spiegel online

Gunnar Ries

Veröffentlicht von

amphibol.blogspot.de/

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • ..die offizielle Begründung lautet: „..weil’s zu teuer wäre,,“ – darum werden diese Altlasten nicht geräumt. Es liegt (wiedermal) am Geld…

    • Was man räumen will, muss man erst einmal finden. Beim weissen Phosphor sind die meisten Klumpen in einem sehr grossen Umkreis verteilt und verteilen sich durch Meeresströmungen noch weiter. Das macht die Sache extrem kompliziert.

  1. Entwarnung gibt es vermutlich, wenn deutlich sichtbar ein Insekt oder dergleichen eingeschlossen ist: So was findet sich in Phosphor ja eher nicht, oder?

  2. Weisser Phosphor ist recht weich und lässt sich mit einem Stück Holz schneiden / zerdrücken. Das geht mit Bernstein nicht.

  3. Hallo! Ich habe keinen Kommentar, sondern eine Frage: Weiß jemand, ob jemals weißer Phosphor als Leuchtmittel verwendet worden ist? Kann das im Altertum, zum Beispiel in Tempeln, der Fall gewesen sein? Wie hell brennt weißer Phosphor? Wie lange brennt eine wie große Menge? Wäre für Auskunft echt dankbar!
    Antwort gerne per Mail an heinold.ulrich@gmail.com

  4. Es ist „nur“ weißer Phosphor, der solch arge Verletzungen bringt! Diese unverantwortlichen Kriegsveranstalter hinterlassen immer sehr gefährliches Zeugs, das keine Menschenseele mehr wegräumen kann! Ein Glück, dass die damals nicht schon Streubomben verwendet haben. Heutzutage finden z.B. Kinder in Afrika/Asien diese Dinger, die aussehen wie Spielzeug, manchmal noch im Baum hängend………….WER räumt diese schlimmen Kampfmittel? …die Nato oder unsere Rüstungsindustrie vielleicht? Aber die haben ja mit ihrer Osterweiterung und Kriegsbildung in der Ukraine zu „tun“… make War = make MONEY

  5. Obwohl das Grundgesetz dieses Staatenbundes das Leben, die Gesundheit usw.schützen soll, wird unter den Vorwand der Kosten diese Norm missachtet. Kohl war es z.B. gleichgültig, was die Wiedervereinigung kostet. Weil gerade diesen Politiker die Kosten gleichgültig waren und auch jeder kleine Bürger und auch die Industrie zur Schadenswiedergutmachung herangezogen wird, sollte mit dem Biotop Ostsee nicht gespaßt werden.

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