Doch kein Doppelschlag!

Manchmal stellt man im Brustton der Überzeugung Behauptungen auf, die bei näherer Betrachtung so dann doch nicht haltbar sind. Denn oft stellen neue Erkenntnisse die alten in Frage. So zu Beispiel meine kühne Behauptung eines Doppeleinschlags bei den Clearwater Lake Kratern in Kanada.

Clearwter lakes Kanada

Die Clearwater Lakes, wie sie sich dem Auge des Satelliten am 29. Juni 2013 präsentierten. Das kleine weiße Rechteck zeigt den Ausschnitt der Vergrößerung unten. NASA Earth Observatory images by Jesse Allen and Robert Simmon, using Landsat 8 data from the USGS Earth Explorer.

So wie sie sich uns hier präsentieren, scheinen die beiden Krater ja regelrecht das Paradebeispiel eines Doppeleinschlags zu sein, der unsere Erde hier vor rund 290 Millionen Jahren im Perm traf. Das Bild ist so eindrucksvoll, dass allem Anschein niemand die Sache ernsthaft in Frage stellte. Zumindest auch nicht das NASA Landsat Team.

Es wird ja immer gesagt, dass in der Wissenschaft alles auch anzuzweifeln ist. Und so auch hier. Irgendwann kommt immer mal jemand daher, der sich die Sache etwas näher anschaut. In diesem Fall eine Arbeitsgruppe um Martin Schmieder von der University of Western Australia in Perth (der mir freundlicherweise schon vorab einen Kommentar hat zukommen lassen.. Die beteiligten haben jetzt die Gesteine Mit Hilfe der Argon-Argon-Methode neu datiert, die von den Einschlägen betroffen wurden. Und zur Überraschung hat sich da etwas gezeigt, das ziemlich deutlich gegen die These eines Doppeleinschlags spricht.

 

Dabei macht man sich die Tatsache zu Nutze, dass Ereignisse wie beispielsweise Asteroideneinschläge die entsprechenden geologischen Uhren der Gesteine wider zurückstellt. Kaliumhaltige Minerale bilden sich erneut aus der Impaktschmelze und diesen Zeitpunkt kann man dann datieren.

Wenig überraschend zeigte sich der westliche Krater mit einem Alter von 286 Millionen Jahren eindeutig permischen Alters. Der östliche Krater jedoch brachte es laut der Datierung auf ein Alter von 460 bis 470 Millionen Jahren und entstand demnach bereits im Ordovizium.

Es gibt noch weitere Hinweise, die ebenso gegen eine Gleichzeitigkeit der beiden Krater sprechen. Zum einen die Magnetisierung der Impaktgesteine. bei zeitgleich entstandenen Kratern sollte sie eigentlich ebenfalls gleich sein und der damaligen magnetischen Breite entsprechen. Sie ist aber ebenfalls unterschiedlich. Und die geochemischen Spuren deuten auf unterschiedlichen Chemismus der beiden Asteroiden hin, zumindest der östliche Krater dürfte von einem L-Chondriten, also einem Steinmeteoriten verursacht worden sein. für den westlichen Krater fehlen vergleichbare Spuren. Letzteres muss aber nicht zwingend gegen einen Doppeleinschlag sprechen, könnten doch auch zwei chemisch unterschiedliche Himmelskörper einander umkreist haben, bevor sie auf der Erde einschlugen.

Was den älteren östlichen Krater angeht, so passt er in eine Reihe anderer mehr oder weniger ordovizischer Impaktkrater, die sich in Nordamerika und Nordeuropa (warum da? Weil dort entsprechend alte Gesteine erhalten sind). Irgendwann vor 470 Millionen Jahren scheint sich ein größeres Ereignis zugetragen zu haben, bei dem sich ein L-Chondritischer Asteroide in seine Einzelteile zerlegt hat. Und das hatte durchaus Folgen hier unten auf der Erde.

Hier haben wir also einen Ort, der das seltene Glück (wenn man es so nennen will) hatte, innerhalb geologisch durchaus überschaubarer Zeit zweimal von großen Asteroiden getroffen zu werden. Die Nähe der beiden Krater ist also nichts als ein dummer Zufall.

 

Ich nehme also alles zurück und behaupte ab jetzt das Gegenteil….
Martin Schmieder, Winfried H. Schwarz, Mario Trieloff, Eric Tohver, Elmar Buchner, Jens Hopp, Gordon R. Osinski, New 40Ar/39Ar dating of the Clearwater Lake impact structures (Québec, Canada) – Not the binary asteroid impact it seems?, Geochimica et Cosmochimica Acta, Available online 7 October 2014, ISSN 0016-7037, http://dx.doi.org/10.1016/j.gca.2014.09.037.
(http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001670371400595X)

Gunnar Ries

Veröffentlicht von

amphibol.blogspot.de/

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zumindest war ja eindeutig jedem klar, dass es Einschläge sind.

    Das ist es dann aber unverständlicherweise angesichts der Formation in der Hudson-Bay leider nicht. Und das auch trotz der ziemlich eindeutigen Anzeichen (sehr symmetrisch runder Kraterrand im osten und eine ebenso symmetrische, angedeutete Zentralwölbung in der Mitte.

    Das ist mir unverständlich. Würde es also tatsächlich ein Einschlagkrater sein, dann wäre es der größte Krater, den man auf der Erde kennt. Und er ist auch noch deutlich sichtbar. (mit einem Durchmesser von über 400 Kilometer).

    Dagegen stinkt der vermeinlich größte Krater in Südafrika so richtig ab.

  2. Spricht aber offensichtlich so einiges gegen die EInschlagstheorie, wodurch die meisten Geologen eben nicht von einen Einschlag ausgehen, siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Hudson_Bay#Geology

    Und sehr syymetrisch kommt mir das nun nicht vor und wo findet sich da eine Zentralwölbung? Da liegen 3 km Sedimente darüber, da sollte von einem Einschlag eigentlich nix mehr erkennbar sein. Mit der gleichen Logik kann ich auch den gesamten Golf von Mexiko als Einschlagskrater nehmen.

    • Nein, da liegt keine dicke Sedimentschicht drüber. Das sind eindeutig Felsformationen. Wie das so üblich ist in den Breitengraden – wo die Erd und Vegetationsschicht sehr dünn ist und Uferbereiche eh freigespühlt sind.
      Und nur die östliche Bucht in der Hudson-Bay ist der Einschlagkrater. Die davorgelagerte Inselgruppe als übriggebliebene Zentralwölbung – der Rest davon ist ausgewaschen und weggespühlt über die Zeit.

      Der Manicouagan stausee ist für solche Einschläge ein Paradebeispiel. Und die Felsen sind sehr eindrücklich und gar nicht mit viel Sediment bedeckt.

      Und selbst wenn die Inselgruppe nicht aus üblichen Fels durch einen Einschlag erzeugt bestehen, haben sie doch eine extreme Festigkeit und Beständigkeit als „Sediment“, da es ansonsten längst von den Eismassen weggeschliffen sein müsste, die da seit Ewigkeiten jedes Jahr drüberrutschen. Wäre die nur einfaches Sediment, gäbe es keine Inseln mehr.

      Und wenn es letztlich tatsächlich nicht eutlich genug ein Einschlagkrater sei, dann ist es andersrum ein Wunder der Natur, die da eine solch besondere Form hat entstehen lassen. Für erklärbar natürliche (witterungsbedingte, Wasserströmungen) Formung gibt es aber aus der Ferne auch keine besonderen Bedingungen.

      Den Golf von Mexiko ein Einschlagskrater?

      Naja, möglich wäre es – aber … die Anzeichen sind dort eben nicht so deutlich.

      Auch die mittleren Great Lakes könnten ein Einschlagkrater sein – mit der Michigan-Halbinsel als Zentralwölbung.

      Was da beim Lars Fischer über die Hudson-Bay im Gespräch gewesen (im Kommentarbereich), war ich (chris eben). Das spricht jetzt nicht dafür, dass es im „Gespräch“ ist, oder?
      Man muß offenbar auch etwas offen sein, wenn man sich bestimmte Hinweise auf Einschläge als solche denkt. Denn nicht alle Objekte aus dem All haben zwingend die gleiche (grob ähnliche) Zusammensetzung. Die möglichen Zusammensetzungen sind da fast unendlich unterschiedlich – vor allem bei einem 4,5 Milliarden Jahre bestehendem Planete fallen nicht immer Objekte konkret kategorisierbarer Bestandteile und Zusammensetzung vom Himmel.

      Aber mir ist es gleich, was man in der Formation sehen will. Vielleicht war ja auch ein spät-präkambrischer Riesenaffe (5 kilometer groß) damals schon mit Trigonometrie vertraut und hat sich einen „Garten Eden“ in der Natur gebaut. Ein Kinderspiel für solch einen Riesen.

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