Das ITVA Altlastensymposium 2016 in Dresden

Das ITVA Altlastensymposium fand in diesem Jahr in am 10. und 11. März in Dresden statt, parallel mit dem XXIV sächsischen Altlastenkolloquium. Das zusammenlegen dieser beiden Veranstaltungen setze nicht nur Synergieeffekte frei, sondern sorgte auch für eine sehr gut besuchte Veranstaltung. So gut besucht, dass in diesem Jahr sogar Spätanmeldern abgesagt werden musste, weil einfach nicht mehr in den Saal passten.

ITVA 2016 Dresden

Höchste Eisenbahn Altlasten! Eine Tagung mit eigener Straßenbahn. Eigenes Foto, CC-Lizenz

Geringfügigkeitsschwellen Die Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser, kurz LAWA, hat bereits 2004 ihre „Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten für das Grundwasser“ veröffentlicht. Im Laufe der Jahre sind neue Erkenntnisse hinzugekommen, die eine Überprüfung dieser Werte notwendig erscheinen ließen. Daher hat man sich bereits 2012/13 auf eine Aktualisierung geeinigt, an der es aber immer noch einigen Verbesserungsbedarf gibt. Unter anderem fehlte in der neuen Fassung ein Kapitel über Anwendungsregeln. Aus diesem Grund wurde im letzten Jahr ein neuer Entwurf vorgestellt. Was aber sind Geringfügigkeitsschwellenwerte und was ist ihre Bedeutung? Geringfügigkeitsschwellen (GFS) sind Konzentrationen anthropogen eingetragener Stoffe, bis zu denen eine räumlich begrenzte Änderung der chemischen Beschaffenheit des Grundwassers als geringfügig angesehen wird. Oberhalb der GFS liegt eine nachteilige Veränderung des Grundwassers, eine Grundwasserverunreinigung vor. Darunter wird davon ausgegangen, dass trotz gegenüber dem regionalen Hintergrund erhöhten Werte die Trinkwasserverordnung bzw. entsprechend abgeleitete Werte eingehalten werden können. Sie dienen vor allem der Beurteilung von Stoffen im Grundwasser, die durch anthropogene Einflüsse eingetragen werden. Ziel soll dabei eine bundeseinheitliche Bewertung sein.

Dabei spielen sowohl die Vorsorge als auch die Nachsorge und die Gefahrenabwehr eine Rolle. Und sie sollen natürlich fachlich nachvollziehbar und schlüssig sein. Andreas Zeddel machte den Anfang mit der Ableitung und den Anwendungsgrundsätzen der Geringfügigkeitsschwellenwerte. Bei der Ableitung der GFS werden die human- und die ökotoxikologische Wirkung des betreffenden Stoffes parallel betrachtet. Der jeweils kleinere Wert dient nach mehreren Plausibilitätsbetrachtungen als Grundlage für die Ausweisung des GFS. Besonders bei den ökotoxikologischen Werten ergaben sich in seit 2004 deutliche Änderungen. Dies führte besonders bei ökotoxikologisch abgeleiteten GFS zu teilweise drastischen Absenkungen. Für die Plausibilitätsbetrachtung werden sogenannte Basiswerte herangezogen. Diese sind geogene Hintergrundkonzentrationen des betreffenden Stoffes ermittelt aus 15 hydrologischen Bezugsräumen als 90 bzw. 95 Perzentilwert (Hier trat eine kleine Diskrepanz in den Darstellungen auf). Nikolaus Steiner hatte bezüglich der neuen Geringfügigkeitsschwellenwerte einige kritische Anmerkungen aus umweltrechtlicher Sicht beizusteuern. So basiert die Ableitung der GFS auf der Grundlage, dass Grundwasser überall und jederzeit auch ohne Aufbereitung unmittelbar als Trinkwasser genutzt werden kann.

Dies übertrifft dann sogar die Trinkwasserverordnung, die dieses nur für das aufbereitete Trinkwasser an der Zapfstelle fordert. Und in der Tat ist nicht jedes Grundwasser so rein, dass es problemlos für den menschlichen verzehr geeignet ist, auch ganz ohne anthropogenen Einfluss. Sehr oft befinden sich Stoffe in ihm, die einerseits aus geogenen Quellen stammen, es aber für den gefahrlosen Verzehr ungeeignet oder gar problematisch machen. Ein gutes Beispiel für manchen leicht absurd anmutenden GFS ist Fluorid. Laut Trinkwasserverordnung beträgt der Grenzwert im Trinkwasser 1500 µg/l. Wasser bis zu diesem Wert soll also von Menschen lebenslang ohne gesundheitliche Einschränkungen konsumiert werden. Die LAWA schlägt als GFS dagegen die Hälfte des Wertes der Trinkwasserverordnung, also 750 µg/l vor. Ähnliches liegt bei Kupfer vor, wo laut LAWA der GFS bei 5,4 µg/l liegt, die Trinkwasserverordnung jedoch 2000µg/l für tolerabel hält. Und auch die Trinkwasserverordnung wurde 2015 novelliert. Auch die Sache mit den Basiswerten sollte man durchaus kritisch betrachten. Der Grundgedanke, dass GFS im Bereich der geogenen Hintergrundwerte wohl kaum als nachteilige Veränderung gelten können, ist ja nicht so verkehrt. Das Problem dabei ist jedoch, dass es eben auch keine einheitlichen geogenen Hintergrundwerte gibt. Sie sind, im Gegenteil, regional sehr unterschiedlich. Es ist also ohne deren genaue Kenntnis sehr schwer abzuschätzen, ob eine Stoffkonzentration im Grundwasser nun überhaupt anthropogenen Ursprungs ist. Aus diesem Grund hat der ITVA angeregt, abweichende GFS-Werte unter Berücksichtigung des regionalen Hintergrundes zuzulassen. Gleichzeitig stellen die verschärften GFS auch eine nicht ganz unerhebliche Herausforderung an die Probenahme und an die Analytik (ein Phänomen, das ich auf einem anderen Gebiet, der Asbestanalytik ebenfalls kenne, siehe meine Beiträge zur dconex 2015 und 2016). Ein sicherer Nachweis der Unterschreitung sehr niedrige GFS in der analytischen Routine dürfte den analytischen Aufwand deutlich erhöhen.

m 18. April sollen die Änderungen des Vergaberechtsmodernisierungsgesetzes und der Verordnung zur Modernisierung des Vergaberechts in Kraft treten. Hierzu leistete der Vortrag von Stefan Hitter seinen Beitrag.

Ein Dauerbrenner unter den Altlasten sind die Kampfmittel. Und hier stellt sich regelmäßig die Frage, wer denn für den ganzen Spaß aufkommt. Im Bund-Länder-Verhältnis ist es in der Regel so, dass der Bund für Sondierung, Bergung und Beseitigung der reichseigenen Kampfmittel aufkommt, während für diejenigen der alliierten Streitkräfte die Länder zuständig sind. Letztere dürften, wie praktisch für den Bund, flächendeckend vermutlich auch die Mehrheit sein. Dass es mit der Haftung aber nicht immer so simpel ist, und private Grundstückseigentümer nicht immer damit rechnen dürfen, ihre Kosten ersetzt zu bekommen, erklärte uns Jens Nusser von Kopp-Assenmacher Rechtsanwälte anhand von jüngeren Beispielen aus der Rechtsprechung.

Das Risiko, mit Kampfmitteln und ähnlichem in Kontakt zu kommen, ist natürlich besonders bei der Konversion ehemaliger militärischer Standorte gegeben, obwohl hier auch noch eine Unzahl anderer Schadstoffe eine Rolle spielen können. Karsten Helms von Mull & Partner sowie Angela Dageförde von der Kanzlei Dageförde klärten uns über die Risiken und den Umgang damit auf.
Wenn wir es ernst meinen mit der Reduzierung des Flächenverbrauches von derzeit 63 ha/Tag auf 30 ha/Tag im Jahr 2020, dann geht das hauptsächlich über die Revitalisierung von Industriebrachen. Dies hat direkte Auswirkungen auf Abbrucharbeiten, die zunehmend komplexer werden. Klaus Konertz von Umtec Prof. Biener-Sasse-Konertz Partnerschaft Beratender Ingenieure mbB referierte über Bauherrenverantwortung und Haftungsfragen bei Abbrucharbeiten.
Eine oftmals vernachlässigte Form der Altlasten stellte uns Rainer Gellermann von der Nuclear Control & Consult GmbH vor. Unbemerkte radiologische Altlasten haben in der Vergangenheit zu einer Exposition von Menschen geführt. Ein Branchenkatalog könnte Hinweise bei der Historischen Erkundung auf die Relevanz einer Branche in Bezug auf die mögliche Kontamination geben. Branchenkataloge haben sich in Bezug auf chemisch-toxische Schadstoffe in verschiedenen Bundesländern bereits bewährt. Der Arbeitskreis natürliche Radioaktivität (AKNAT) des Deutsch-Schweizerischen Fachverbandes für Strahlenschutz e.V. hat auf der Grundlage des Branchenkataloges des Landes Baden-Württemberg einen Branchenkatalog (BK-AKNAT 2014) zur Bewertung der radiologischen Altlastenrelevanz gewerblicher und industrieller Standorte. Er ist als Arbeitshilfe gedacht und sollte nicht rein schematisch angewendet werden.
Manche der in dem Katalog aufgeführten Branchen sind sicher nicht allgemein als radiologisch verdächtig bekannt. So zum Beispiel Fotogroßlabore, denn im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert spielte auch Uran durchaus eine Rolle in der Fotografie. Oder Glashütten, bei denen Uran und Thorium ebenfalls eine Rolle spielten.
Welche Faktoren bei der mikrobiellen in-situ Sanierung eines LCKW Schadens eine Rolle spielen, konnten wir von Thomas Held von der ARCADIS Deutschland GmbH erfahren. Im Prinzip klingt das ganz einfach, in dem man ein geeignetes organische Substrat in den kontaminierten Grundwasserleiter einbringt, damit die Mikroorganismen den zur reduktiven Dechlorierung notwendigen Wasserstoff generieren können. In der Praxis kommen aber einige Schwierigkeiten hinzu. So muss das Substrat im Grundwasserleiter mit dem Substrat versorgt werden, damit konkurrierende Elektronenakzeptoren wie beispielsweise Nitrat, Eisen und Mangan aufgezehrt werden können. Erst dann kann Dehalococcoides ssp. (so am Standort vorhanden) mit der eigentlichen reduktiven Dechlorierung beginnen.

Die in-situ Verfahren zur Sanierung von Grundwasserkontaminationen mit LCKW haben sich in den letzten Jahren sehr entwickelt und stellen mittlerweile eine gute Alternative zu den traditionellen Sanierungsmethoden wie Aushub und pump&treat Verfahren dar. Stephan Hüttmann von der Sensatec GmbH stellte eine Studie über 55 abgeschlossene biologische LCKW-Sanierungen vor, von denen rund 25 mit passiver und 30 mit hydraulisch gemanagter Wirkstoffverteilung arbeiteten. Dabei wiesen die hydraulisch gemanagten Standorte teilweise mehr als doppelt so hohe LCKW Abreicherungen auf wie die passiv betriebenen. Bei letzteren führte im Extremfall erst eine hydraulisch aktive Verteilung zu Abbau der LCKW.

Wie man massive Ölschäden im Untergrund in den Griff bekommen kann, zeigte Ronald Giese vom GFI Grundwasser Consulting Institut GmbH Dresden. Hier sollen Ölkontaminationen auf dem Standort einer ehemaligen Braunkohleveredelunganlage saniert werden. Ein Enhanced Oil Recovery-Konzept (EOR) soll hier das bisherige pump & treat verfahren schrittweise ersetzen. n-Butanol wird als Waschfluid eingesetzt, um die Ölphase als öliges Mobilisat am Haltungsbrunnen zu fördern und den verbliebenen Rest dann durch aeroben in-situ Abbau zu sanieren. Dazu soll dann Sauerstoff direkt in den betroffenen Grundwasserleiter injiziert werden.

Als Altlasten stellen die Bergbauhinterlassenschaften immer besondere Fälle dar. Ganz besonders natürlich, wenn es sich um die Hinterlassenschaften von Uranbergbau handelt. Das Revitalisierungsgebiet „Saugrund“ in Freital ist ein gutes Beispiel, wie Rainer Stintz von der Landesdirektion Sachsen Michael Hüttl von der Wismut GmbH vorstellten.
Freital in Sachsen ist ein alter Industriestandort, der sehr eng mit der dortigen Steinkohleförderung zusammen hängt. Bereist im 16. Jahrhundert abgebaut war der Bergbau ab 1800 wichtigste Wirtschaftszweig, wovon im Sanierungsgebiet die Paul-Berndt-Halde kündet. Die Steinkohle und die vorhandene Wasserkraft lockten schon sehr früh auch Hüttenbetriebe an.So wurde das Sächsische Gussstahlwerk 1855 gegründet und erreichte um 1900 bei 1 200 Beschäftigten eine Jahresproduktion von 30 000 t Stahl. Die Rückstände und Schlacken der Stahlproduktion wurden in den Seitentälern deponiert.

Als die Steinkohleförderung im Revier zu Ende ging, wurde die Bergbaugeschichte durch den Uranabbau der Wismut-AG fortgesetzt, die 1947 in Freital die Uranvererzungen in den Steinkohlevorkommen bergmännisch anging und im Gebiet „Saugrund“ vier industrielle Absetzanlagen betrieb, in der die Rückstände der Uranerzaufbereitung eingespült wurden. Diese Absetzteiche waren durch einen Damm abgeriegelte Becken. Nach deren Einstellung 1962 wurden diese Absetzbecken nur sehr dürftig rekultiviert und dann in Nachnutzung gegeben.

Aufgrund der Uranvererzung stellen auch die alten Steinkohlenbergbauhalden wie die Paul-Berndt-Halde ein nicht zu unterschätzendes Umweltrisiko dar. Daher wurden sie mit mineralischen Dichtschichten und einer durchwurzelbaren Bodenschicht abgedeckt, um das Versickern von Niederschlagswasser in die Halde und das daraus resultierende herauslösen der Schadstoffe zu verhindern. Außerdem stellten die hohen Sulfatgehalte der Sickerwässer eine Gefahr für Bausubstanz und Abwasserkanäle dar. Nach Abschluss der Sanierung kann das Haldengelände erneut als gewerblicher Standort genutzt werden.

Ein Hauptaugenmerk bei der Sanierung galt den 4 Absetzteichen, von denen Teich 4 als Schwerpunktprojekt vorgestellt wurde.
Vor dem Einbau einer mineralischen Abdeckung musste das vorhandene Freiwasser entfernt werden. Auf die Abdeckung kam eine durchwurzelbare Bodenschicht. Die wassergesättigten Sedimente der Absetzbecken werden durch Vertikaldrainagen konsolidiert.

Alte Imprägnierwerke stellen oft Altlasten mit einem großen Gefährdungspotential für das Grundwasser dar, denn die bei der Behandlung der Hölzer verwendeten Teeröle und vor allem auch das Chrom sind immer wieder problematisch. In dem von Norbert Hüsers von GICON GmbH vorgestellten Fall handelt es sich mit dem Werk Wülknitz in Sachsen um einen Standort, der seit 1875 als Imprägnierwerk dient und bereits in den Jahren 1992 bis 2002 eine Teilsanierung der ungesättigten Bodenzone erfahren hat. Der kontaminierte Bereich beträgt ca. 3000 m² und erfasst den gesamten quartären Grundwasserleiter. An Schadstoffen ist das volle Programm vertreten, von PAK, BTEX und natürlich Chromsalze, letztere vor allem in der ungesättigten Zone. Ziel war es, Ein Konzept zur natürlichen Schadstoffminderung (MNA) als Alternative zu aktiven Sanierung zu erarbeiten. Eventuell käme auch eine Schadstoffreduzierung unter sulfatreduzierenden Bedingungen (ENA) in Frage, vor allem wegen der Größe des Schadens und der Tatsache, dass sich stromabwärts ein weiterer Schaden befindet, dessen Fahne sich nicht eindeutig trennen lässt. Dazu würde Sulfat als Elektronenakzeptor in das Grundwasser injiziert.

Ein weiterer Dauerbrenner sind alte Deponien, besonders, wen sie in der Nähe von größeren Fließgewässern liegen. In diesem Fall lagen sie im Überflutungsgebiet eines Flusses, enthielten Industrieabfälle und eine wirksame Abdichtung fehlte. Damit ergaben sich mehrere mögliche Gefährdungspfade, die Nina Menke von der CDM Smith Consult GmbH ökotoxikologische Gefahr hin beurteilte.

ITVA 2016 Dresden

Jan Müller (2. von links), der diesjährige ITVA-Preisträger. Eigenes Foto, CC-Lizenz

 

Auch die Herstellung von Stadtgas hat vielerorts für ausgedehnte Altlasten gesorgt. So auch im Fall der Großgaserei Magdeburg-Rothensee, in der in den Jahren 1935 bis 1993 Steinkohlenkoks und Stadtgas hergestellt wurde. Dabei fielen auch beträchtliche Mengen an Abfallprodukten wie Teer und Benzol an, die zu einem guten Teil ihren Weg in den Untergrund fanden. Wobei besonders der Teer hier sogar offen an der Oberfläche als Teersee auftrat. Um zum einen die Gefahr für die Umwelt zu beseitigen (und die Geruchsbelästigung für die sehr nahe Wohnbebauung) und auf der anderen Seite das Gelände für eine gewerbliche Nachnutzung vorzubereiten, waren einige Maßnahmen notwendig, wie Klaus Heise von der Landesanstalt für Altlastenfreiheit und Martin Asbrand von der Asbrand HYDRO Consult GmbH vorstellten.

Seit 1990 laufen besonders in Ostberlin eine Vielzahl von Grundwassersanierungen. Über diese mehr als 20 Jahre Erfahrung berichteten uns Andreas Zimmermann von der GESA Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH und Frank Rauch von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Die147 Altlastenprojekte stellen einen enormen Schatz an Erfahrungen mit sehr unterschiedlichen geologischen Hintergründen und verschiedenen Schadstoffen dar, aus denen man einige interessante Rückschlüsse ziehen kann. So hat sich herausgestellt, dass sich Grundwasserschäden mit verhältnismäßigen Mitteln meist nicht bis in den Bereich der für Berlin geltenden Prüfwerte saniert werden können. Im Prinzip hat sich gezeigt, dass eine erfolgreiche Sanierung derartiger Schäden nur mit einer Schadstoffreduzierung mittels Bodenaushub erreicht wurde. Die Pump and Treat Methoden, in die man so viel Hoffnung gesetzt hatte, konnten diese nicht erfüllen. Innovative in-situ Methoden zeigten sich meist genauso erfolglos. In den letzten 20 Jahren konnte mit ihnen keine Grundwasserschaden saniert werden. Vermutlich könnte dies durchaus in anderen Bundesländern bestritten werden, oder gibt es dort ähnliche Erfahrungen?

Manchmal ergeben sich Chancen auf Grundwassersanierungen auch bei ganz anderen Projekten. In Düsseldorf, so konnten wir von Inge Bantz vom Umweltamt Düsseldorf erfahren, führte der Bau einer neuen U-Bahnlinie zu erstaunlichen Sanierungserfolgen. Dabei gibt es gerade beim Tiefbau Aufgrund der Bauwasserhaltung einiges an Konfliktpotential bezüglich des Grundwassers. Auf der anderen Seite bietet sich hier natürlich auch immer eine Chance, das geförderte Wasser gleichzeitig zu behandeln. So lagen vor Beginn des Bauprojekts etliche großflächige Verunreinigungen mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, Chromaten und Cyaniden im innerstädtischen Baugebiet vor, die während der Baumaßnahmen deutlich reduziert werden konnten. Letztlich resultierten die Sanierungsmaßnahmen, die teilweise auch über das Bauprojekt hinaus aufrecht erhalten werden, in Schlagzeilen wie „U-Bahn schafft reines Wasser“.

Auf dem Gelände des Industrieparks „Schwarze Pumpe“ befand sich von 1955 an bis Anfang der 1990´er Jahre ein Zentrum der Braunkohleveredelung. Hier wurde aus Braunkohle sowohl Elektrizität als auch eine Reihe von anderen Produkten wie z.B. Stadtgas, Briketts und Koks hergestellt. Dabei kam es auch zu ausgedehnten Kontaminationen des Grundwassers mit diversen Schadstoffen, deren Sanierung seit 1999 uns Thomas Daffner vom Umweltbüro GmbH Vogtland darstellte.

Ein praxisorientiertes Verfahren zur Bewertung von Bodenkontaminationen an Chemiestandorten stellte uns Katja Amstätter von der CDM Smith Consult GmbH anhand eines Chemiestandortes mit rund 150 Jahren Produktionsgeschichte vor. Die vorgestellte Methode soll eine standortspezifische Beurteilung von Boden-Grundwasser Wirkungen von Schadstoffen ermöglichen, für die bislang keine Prüfwerte vorliegen. Daraus lassen sich dann wieder Stoffkonzentrationen ableiten, oberhalb derer eine Beeinträchtigung des Grundwassers bei einem Sickerwassereintrag auch zu erwarten ist.

Ebenso wichtig ist natürlich die Entwicklung von Sanierungszielen, ohne die eine Sanierung meist nur schwer erfolgreich durchzuführen ist. Christian Poggendorf von der Prof. Burmeier Ingenieursgesellschaft mbH hat dazu einen interessanten Fall vorgestellt. Hier lag ein CKW-Schaden vor, der bereits langjährig mit hydraulischen Maßnahmen gesichert wurde. Im laufe der Jahre haben sich stagnierende Schadstoffausträge eingestellt und es wurde sehr kontrovers diskutiert, ob und wie die hydraulischen Maßnahmen noch sinnvoll sind oder ob sie abgebrochen werden können.

Den letzten Vortrag hielt der diesjährige ITVA-Preisträger in der Kategorie Diplom-/ Masterarbeiten, Jan Müller über die Bewertung der Nachhaltigkeit von Altlastensanierungen mittels Ökobilanzierung und Multikriterienanalyse. Ziel ist es, die Durchführung von Altlastensanierungen zukunftsfähig auszurichten sowie bestehende Methoden dahingehend zu optimieren.

Leider konnte in diesem Jahr kein Preis in der Kategorie Doktorarbeit vergeben werden, soweit ich weiß mangels Masse. Von daher auch hier der Aufruf, entsprechende Diplom-, Master- oder Doktorarbeiten auch beim ITVA einzureichen.
Insgesamt kann man über die diesjährige Tagung einiges sagen. Zum einen war der Tagungsort sicher sehr schön gedacht, aber aufgrund des Andrangs auch sehr voll. Was, zusammen mit sehr unbequemen Sitzen die Sache nicht unbedingt leichter machte. Im Gegenteil. Etwaige Notizen gestalteten sich auch für normal gebaute Mitteleuropäer schwierig und waren meist nur durch genaue Koordination mit den Sitznachbarn in leserlicher Form möglich. Dies ist in meinen Augen durchaus schade, vor allem, weil es doch um sehr interessante Vorträge ging, und die ausführlichen Abstracts hätte man dabei sicher noch um die eine oder andere Notiz vervollständigen können.

Aber das nur als kleine Kritik am Rande. Es war wieder sehr spannend und interessant und es wurden wieder interessante Kontakte geknüpft. Und auch das Rahmenprogramm mit den Stadtführungen am Abend hat sich gelohnt. Dresden ist wunderschön und jederzeit eine Reise wert. Und ja, ich werde auch im nächsten Jahr wieder versuchen, bei der ITVA Tagung wieder dabei zu sein, diesmal in Bremen.

Flaggen vor der Semperoper in Dresden

Auch das ist Dresden. Vor der Semperoper und anderen Gebäuden wird für Weltoffenheit und Toleranz geworben. Eigenes Foto, CC-Lizenz

Weitere Bilder der restlichen Vortragenden finden sich unter https://flic.kr/s/aHsktrigcF

 

pdf-Dateien mit den Abstracts der Vorträge finden sich auf der Seite des ITVA

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na, das nenne ich mal einen ausführlichen Bericht -vielen Dank dafür. Da u.a. auch die Rede war von in-situ-Sanierungen von CKW-Schäden: ist die Sanierung mittels eiserner Spundwände eigentlich tot? In den 90ern wurde das als Königsweg diskutiert, aber ich hatte den Verdacht, dass die meisten Sanierungserfolge eher auf Adsorptionseffekten beruhten.

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