Warum bloggen wir eigentlich?

Gestern trafen sich im pfälzischen Deidesheim gut vierzig Blogger, die in den verschiedenen Bereichen der SciLogs (WissensLogs, ChronoLogs, KosmoLogs und die Ihnen schon bekannten BrainLogs) für den Spektrum Verlag Blogs schreiben. In Workshops, Diskussionen sowie bei Speis' und Trank wurde dabei auch über den Sinn und Unsinn der Bloggerei gegrübelt. Als Motiv fiel beispielsweise „Sendungsbewusstsein“ ein, das Bedürfnis nach Kommunikation, Spaß am Schreiben oder auch der Wunsch, sein Fachgebiet der Öffentlichkeit näher zu bringen, es zu „popularisieren“.

Ich blogge, um Kompliziertes verständlich weiter zu geben, es mit vielen Leuten zu teilen. (Peter van der Veen, Archäologische Spatenstiche, ChronoLogs)

Dabei kam eine Unterscheidung zwischen Wissenschaftler- und Wissenschaftsblogs ins Gespräch. In ersteren würden Wissenschaftler über ihre eigene Arbeit schreiben, in letzteren eher journalistisch interessierte Autoren über die wissenschaftlichen Funde aus dem Feld, das sie interessiere und in dem sie eine gewisse Kompetenz besäßen. Schaut man mit dieser Unterscheidung auf die BrainLogs, dann muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die meisten hier Wissenschaftsblogs sind. Eine Ausnahme mögen manche Beiträge Helmut Wichts sein, wenn er fasziniert von seiner Arbeit als Anatom schreibt – die Faszination geht dabei schnell auf den Leser über, das Verständnis (zumindest auf mich) leider nicht. Die BrainLogs sind eben kein Volkshochschulkurs. Zu meiner Freude unterhält uns der motorradfahrende Medizindozent aber meist mit originellen, manchmal gar absurden Feuilletonbeiträgen.

Mir gefällt die Freiheit am besten, keinerlei Beschränkung bei Themenwahl und Form zu haben. (Katja Schwab, Psychologieblog, BrainLogs)

Es ist also deutlich, dass es hier zwar um Wissenschaft geht, das Geschriebene selbst aber nicht Wissenschaft ist. Das mag manche Leserinnen und Leser enttäuschen, die mancherorts schon die Unwissenschaftlichkeit bestimmter Beiträge oder Kommentare monierten. Ich täte aber beispielsweise schlecht daran, würde ich meine eigenen wissenschaftlichen Ergebnisse in den BrainLogs berichten: Einerseits hätte ich dann vielleicht nur ein bis zweimal im Jahr etwas zu sagen, andererseits würde mir das beruflich ernsthafte Probleme einhandeln. Bestenfalls hätte ich dann bloß Ärger mit dem Chef und wäre die Publikation in einem Fachmagazin schwerer, schlimmstenfalls würde ein anderer meine Idee aufgreifen und als seine eigene publizieren. Wer mit dem Gedanken spielt, Blogs könnten die wissenschaftlichen Zeitschriften ersetzen, der irrt meines Erachtens.

Ich habe ein Mitteilungsbedürfnis, andere Leute an der Wissenschaft teilhaben zu lassen. (Leonard Burtscher, Promotion mit Interferenzen, KosmoLogs)

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die traditionellen Publikationswege durchaus verbesserungsfähig sind; viele Zeitschriften bemühen sich aber auch schon darum, den Anschluss ans Web 2.0 zu finden: Advanced Online Publications machen die Texte lange verfügbar, bevor sie erscheinen; und die Public Library of Science bietet mit ihrem PLoS One seit kurzem sogar eine Online-Zeitschrift an, die den Blogs gar nicht so unähnlich ist. Erfordernis ist lediglich, dass ein bestimmter Forscher, der im Gegensatz zum herkömmlichen Peer Review auch namentlich genannt wird, die methodische Richtigkeit der Studie bestätigt. Darüber hinaus haben die Forscher freie Hand, ihre Ergebnisse zu berichten. Wie in den SciLogs gibt es dann auch dort die Möglichkeit, die Studie online zu kommentieren.

Ich mag den Austausch mit anderen – Zeitzeugen und Interessierten. (Marvin Brendel, DDR Geschichtsbuch, ChronoLogs)

Man kann also ins Schwärmen geraten, wenn es um die Zukunft der Wissenschaftsblogs geht; man mag an eine ideale Welt mit perfekter bidirektionaler Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Gesellschaft denken; man kann aber auch einfach zugeben, dass wir davon noch weit entfernt sind. Bis dahin ist das Bloggen aber keinesfalls überflüssig, sondern es erfüllt eine wichtige Funktion, die es vorher noch nicht gab. In dieser Schnelligkeit, mit dieser Freiheit ohne redaktionelle Kontrolle und mit der Möglichkeit, so nah an den journalistischen Texten dran zu sein und darüber öffentlich diskutieren zu können, das ging und geht mit den Printmedien nicht. Schon manche Kommentare eines einzigen Blogeintrags würden das Leserforum einer Zeitschrift sprengen. So könnte auch die neue Arbeitsteilung zwischen Online- und Printmedien aussehen: Wer es möglichst schnell wissen will und mitdiskutieren möchte, der macht das im Web; wer es genauer wissen will und sich für die Hintergründe interessiert, der kauft sich das Heft.

Ich möchte über aktuelles aus der Astronomie berichten und mein persönliches Statement dazu abgeben. (Andreas Müller, Einsteins Kosmos, KosmoLogs)

Vielleicht ist das Journalismus 2.0? Ich habe das selbst am eigenen Leib erfahren, als ich letzten Mai von der Gedankenforscher-Konferenz in Berlin berichtete. Die erste Newsmeldung gab es schon, während ich noch die letzten Vorträge hörte, quasi ein Livebericht. Ein ausführlicher Magazinbericht, an dem ich weiter feilen musste, erschien etwas später. Allerdings setzt Journalismus 2.0 auch den Leser 2.0 voraus; dieser muss wissen, dass die Texte im Internet anderen Ansprüchen genügen als die redaktionell bearbeiteten Magazinbeiträge. Wer möglichst schnell sein will, der macht eher einen Fehler, der sich nicht nur auf die Orthographie beschränken muss; und in der Hektik eines Liveberichts kann es schon einmal zu einem Missverständnis zwischen Autor und Redakteur kommen, das man später ausbügeln muss. Der Leser 2.0 hat daher einen internen Page Rank-Mechanismus, der ihm anzeigt, wie sehr er dem gerade gelesenen Text trauen kann. Im Web dürften das ein bis zwei Punkte weniger sein als im Printbereich. Damit aber genug Theorie, ab jetzt wird wieder über Wissenschaft gebloggt! Ich lade Sie aber noch herzlich dazu ein, Ihre Meinung zur Diskussion zu stellen; und beantworten Sie mir doch die Frage, was Sie sich von den Wissenschaftsblogs überhaupt wünschen?

+++ Aktuelles Update +++ 9. März 2008 +++ 12:00 Uhr +++

Helmut Wicht gewinnt den SciLogs Bloggerpreis

+++ Aktuelles Update +++ 9. März 2008 +++ 12:00 Uhr +++ 

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Diary“ vs. „Science for all“?

    So wie einige Beiträge hier
    Was sind (gute) Wissenschaftsblogs ?
    vermuten lassen, sollte das Bloggen zunächst zur eigenen Gedankensortierung und Themensammlung dienen. Da dies i.d.R. allerdings im „Lichte der Öffentlichkeit“ geschieht, kommt man als Blogger nicht daran vorbei, wie man seine und die Wünsche des Lesers „unter einen Hut“ bringen kann….

    In den Beiträgen kristallisieren sich bei nicht in der Wissenschaft des Bloggers beheimateten Lesern durchaus Wünsche heraus, welche von Wissenschaftsblogs gerne, kritisch beleuchtet, wissenschaftliche Erkenntnisse verarbeitet haben möchten….

    Schlussendlich bleibt dann für jeden Blogger die Frage, welchen Leserkreis er um sich scharen möchte ;-))

  2. @ Fischer

    Der Schleim ist schneller als der Schall. Der tippte schon, als die Worte des letzten Vortrages noch nicht verhallt waren.

    Eins war wirklich nett in Deidesheim: wir Blogger sind uns rasch darüber klar geworden, was WIR eigentlich wollen. Die unterschiedlichsten Dinge, und fast bin ich geneigt, es noch pointierter darzustellen als der Stephan. Vom Feuilletonisten, der seine Volten schlagen möchte, über den Denker, er im Dialog seine Argumente prüfen will, bis zum Wissenschaftler, der ernsthaft informieren will, war alles vertreten. Lauter Gestalten also, die man ohnehin von der Bühne der Wissenschaftspublizistik her kennt.

    Das Publikum jedoch – das unbekannte Wesen. Was will es? Wer ist es? Man rätselte.

    Auf der Bahnfahrt nach Hause kam mir die (eigentlich triviale) Einsicht, dass das Publikum vermutlich genauso heterogen ist. Von daher ist die „bunte Bonboniere“, die Scilogs momentan bietet, eigentlich genau das Richtige: bedienen Sie sich!

    Ohne Risiken und Nebenwirkungen jedoch. Die Damen und Herren, die ich da traf, verkörpern tatsächlich „Wissenschaft“, in all ihren Facetten und Motivationen und Gemütslagen. Die Gespräche, die ich führte, unterschieden sich nicht wesentlich von denen, die ich von Fachkongressen kenne – nur waren sie interdisziplinärer. Mit anderen Worten: das Unternehmen „Scilogs“ erscheint mir als der durchaus seriöse Versuch, Ihnen, werte Leser, einen Einblick in das Getriebe der Wissenschaft aus erster Hand zu geben.

    Wobei es eben nicht nur „Ergebnisse“ sind, die hier referiert werden. Wissenschaft ist AUCH (danke an Marc von der „wissenswerkstatt“) Betrieb, Gerede, Befindlichkeit, Motivation, partikulares (Des-)Interesse, nobelpreisverdächtige Inspiration aber mitunter auch einfach Gewäsch, geistreiches hoffentlich oder zumindest heiteres.

    Alles da.

  3. Interdisziplin (@Helmut Wicht)

    „Die Damen und Herren, die ich da traf, verkörpern tatsächlich ‚Wissenschaft‘, in all ihren Facetten und Motivationen und Gemütslagen. Die Gespräche, die ich führte, unterschieden sich nicht wesentlich von denen, die ich von Fachkongressen kenne – nur waren sie interdisziplinärer.“

    Da geht mir das Herz auf 🙂 Mein Desiderat an das ganze Projekt Scilogs…

    Doch viel wichtiger: Glückwunsch nochmal, Helmut!

  4. „Bonboniere“ ist …

    tausendmal schöner als Wildwuchs, finde ich. Ein Hoch auf den bloggenden Weinkönig Helmut I.! 🙂

  5. Vielfalt, Interdisziplinarität & Leser

    @ Doktorarbeit
    Warum nicht 😉 Gibt ja einige Diss-Blogs“
    Wahrscheinlich würde die „gebloggte“ Doktorarbeit auch viel spannender sein… Die Gedanken – die Blockaden – neue Ideen – Kommentare – wieder neue Gedanken – Erschöpfung ;-)) denn das macht vermutlich noch mehr Arbeit…
    Ich fänd’s klasse und bestimmt andere auch….Wer dem Thema folgen kann kann dann „live“ am Entstehungsprozess teilnehmen – vielleicht sogar einmal den Schreiber aufbauen oder auch mit Einwänden zusetzen…kreative Prozesse beschleunigen oder blockieren…. Allerdings gäbe es dann vielleicht bei der „Eidformel“ ein paar Probleme…..es müssten wohl auch noch ein paar Regularien des Wissenschaftsbetriebes dafür geändert werden?…

    Da die menschliche Natur eher die Abwechslung, als die Eintönigkeit sucht…haben Wissenschaftsblogger hier die Chance auch ganz neue „Variationen“ über oder aus der Wissenschaft zu entwickeln…..

    wobei auch gelungene Beispiele bereits existieren…..Herr Wicht und der Scilogs Bloggerpreis sprechen für sich…..

    Vielleicht folgen diesem Beispiel der kreativen Variationskunst des Wissenschaftsbloggings noch viele weitere….

    Für mich ist der interdisziplinäre Aspekt wichtig und der Spass den Dingen auf den Grund zu gehen. Außerdem möchte ich, so weit wie möglich, meine Leser daran teilhaben lassen. Dabei ist mir wichtig, dass ich die Erwartungen meiner Leser weitgehend erfüllen kann. Insofern sehe ich das Bloggen auch als Entwicklungsprozess meiner selbst.Im Moment sehe ich mich eher noch als „Übende“. Solange das Wissenschaftsblogging noch in den „Kinderschuhen“ steckt, schätze ich, dass durch die Kommunikation mit dem Leser bzw. den BloggerkollegInnen eine ständige „Weiterentwicklung“ des Bloggens und der Blogger erfolgen wird.

  6. Leider konnte ich wegen eines Seminars und meinem Umzug nicht zum Treffen kommen, hoffe aber, dass alle viel Spaß hatten und sich rege austauschen konnten. Zum Thema: Sicherlich wird niemand ein Weblog führen ohne auch ein wenig die narzisstische Gratifikation zu genießen. Wissenschaftler- versus Wissenschaftslog: Ich sehe in einem Blog auch keinen Ersatz für Fachzeitschriften und sehe mich bzgl. des Publizierens eigener Forschungsergebnisse mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie den im Text genannten. Bezüglich meiner klinischen Arbeit bin ich in der Möglichkeit, den Lesern Einblicke zu geben ganz klar durch die Schweigepflicht limitiert. Dennoch bietet sich hier die großartige Möglichkeit, meine (auch mal unbequeme) Meinung zu bestimmten Themen öffentlich zu machen, ohne dafür 5 Peer-Reviewer überzeugen zu müssen. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass ich zu meinen Arbeiten zuerst eine Fachpublikation bei einem Printmagazin unterbringe und dann in meinem Weblog eine „ungezähmte“ Variante dazu anbiete. Dabei könnte gerade zu psychotherapeutischen Themen eine Sicht auf das gleiche Thema ermöglicht werden, die sich von den zur Journalpublikation oft notwendigen schulentheoretischen Fesseln befreit.
    Dennoch liefert das natürlich nicht genügent „Futter“ für wöchentliche Postings. Dennoch ist mein Ziel eigentlich, etwas mehr über „eigene“ Themen zu schreiben, statt „nur“ andere Veröffentlichungen oder Meldungen zu kommentieren.

    Onlinepublikation wird tatsächlich zusehends interessanter. Ein Kollege hat kürzlich recherchiert und herausgefunden, dass das PLoS Online-Journal einen Impact Factor von >13 (!) hat. Allerdings muss man oft eine ziemlich hohe Gebühr zahlen um die „Unkosten“ des Peer-Reviews-Verfahrens dieser Open Access Journals zu decken. 1000€ für IF 13? Dabei verkaufen diese Onlinezeitschriften vor allem den Vertrauensbonus (siehe interner Page Rank des Leser 2.0) durch das Review-Verfahren und die Listung in Citation Reports. Denn nur weil ein Text gelayoutet in PDF-Form präsentiert wird, ist er ja noch lange nicht besser als ein Weblogeintrag.

    Thema „Volkshochschule“: Das finde ich in der Tat schwierig. Wie sehr soll ich meine Texte für „Laien“ verständlich machen? Sollte ich Themen aus meinem Fach für ein nicht-Fachpublikum zugänglich machen? Gibt es da nicht bessere Autoren, ist das nicht abgegrast? Andererseits: Versteht man mein Geschreibsel, wenn man nicht aus der gleichen Fachrichtung kommt oder zumindest eigene Berührungspunkte hat? Vielleicht müsste ich mein „Publikum“ einfach besser kennen lernen?

  7. @ Wölfelschneider

    Kurz etwas zum Treffen. Da haben Sie wirklich etwas verpaßt! Als sich am ersten Tag alle trafen und ich mir das alles so anschaute, fragte ich mich, wie lange es wohl dauern wird, bis alle warm miteinander werden, falls überhaupt. Ich war überrascht, wie schnell das ging. Das Wochenende hatte eigentlich alles zu bieten. Sehr spannende Fachbeiträge und Diskussionen rund zum Thema Blogs. Interessante Unterhaltungen mit Bloggern aus fremden Wissensgebieten. Und nicht zuletzt eine tolle Zeit der Gemeinschaft, mit fast schon liebevolle Begegnungen von Menschen, trotz sehr unterschiedliche Charaktäre und Standpunkte. Also, meine Erwartungen hat es bei weitem übertroffen.

  8. @ Wölfelschneider @ Armand

    Ja, schade, dass Sie nicht dabei waren; Ihr medizinischer Kollege Matthis Synofzik aus Tübingen musste auch aus dienstlichen Gründen kurzfristig absagen, wie ich hörte.

    Was die Impact Factors angeht, hat Ihr Kollege aber wohl PLoS One mit einer der anderen PLoS-Publikationen (z.B. PLoS Biology, IF 14,1; PLoS Medicine, IF 13,8) verwechselt. PLoS One ist so neu, das hat noch gar keinen.

    Frau Armand, *Sie* überzeugen die Fakultät und meine Betreuer, dass ich per Blog promovieren darf, und dann schreibe *ich* die Texte. 🙂

    Allen eine schöne Woche

  9. @ Schleim, Promotion

    Ich muss, ich MUSS jetzt einfach dieses Wortspiel loswerden, auch wenn’s noch so lateinisch und daher noch so hochnäsig und fachchinesisch daherkommt.

    Promotion und Habilitation – bislang hiess das meistens: eine fette Monographie, die keiner, ausser dem Betreuer (vielleicht), den Gutachtern (mitunter) und dem Schreiber selbst (hoffentlich) je las. Ein Datengrab also. Neue Tendenz aber: Einfach die Einzelpublikationen zusammenheften und ein Vor- und Nachwort dazu verfassen.

    Letztere Art der Habilitation/Promotion nennt man „kumulativ“. Die erste, klassische sollte man daher eigentlich „tumulativ“ nennen…

    (Cumulus: der Haufen. Tumulus: der Grabhügel.)

  10. @Huhn: Jetzt legen Sie auch noch den Finger in die Wunde! 😉 Nächstes Jahr(?) dann…

    @Schleim: Sie haben recht, es ging da wohl um eine der Sub-Zeitschriften, ich glaube PLoS Medicine.

    @Wicht: Guter Punkt! Ich weiß selbst nicht so recht, welche der Varianten ich besser finde. Irgendwie bin ich dann doch so konservativ, dass ich meine, man sollte einmal eine „richtige“ Monographie verfasst haben (kann aber auch eine Selbstaufmunterungsformel sein…). Andererseits sind kumulative Arbeiten ja auch entschlackt und sparen sich den ganzen (ohnehin zu beerdigenden) formellen Teil. Wenn man sich dann manch medizinische (um das Klischee zu bedienen: chirurgische)copy-paste Dissertation anschaut, ist bei zusammengehefteten Einzelpublikationen der Anspruch ggf. höher.

  11. @ Martin Huhn: Das ist mein Beitrag…

    …zumindest hätte ich ihn fast wörtlich ganz genau so geschrieben! 100% Zustimmung! (-:

    Ich war nicht nur fachlich absolut positiv überrascht, sondern auch menschlich. Das war ein Höhepunkt des jungen Jahres. Wahrscheinlich war es für uns halt alle mal toll, zu spüren „Wissenschafts-Blogger, you are not alone“… (-;

    @ Stephan

    Toller Artikel! Und jetzt darf ichs ja sagen, oder!?

    STEPHAN HATTE SAMSTAG GEBURTSTAG! Und ich musste ihm hoch und heilig versprechen, es nicht zu verraten – wil er keinen Bohei um sich wollte. What a mensch! Und ich wäre fast geplatzt, vor lauter Beichtgeheimnis…

  12. Michael,

    danke für deine Diskretion; vielleicht bin ich in dieser Hinsicht schon asiatisch: dort feiert man nämlich nicht so sehr den individuellen Geburtstag, sondern das Neujahr.

    In Japan ging das sogar so weit, dass man sich gar nicht den Geburtstag merkte, sondern immer am Jahresende ein Jahr aufs Alter drauf schlug — alle hatten also gemeinsam Geburtstag.

    Meine Kollegen mussten mich auch ausdrücklich darum bitten, das Geschenk auszupacken; das gilt nämlich als gierig. Ein Reiseführer für Taiwan — wie passend!

    Viele Grüße und bis bald, spätestens bis zum nächsten Bloggertreffen; vielleicht sieht man sich aber vorher auf einer Konferenz?

  13. @ Helmut: Genau!

    „Letztere Art der Habilitation/Promotion nennt man „kumulativ“. Die erste, klassische sollte man daher eigentlich „tumulativ“ nennen…

    (Cumulus: der Haufen. Tumulus: der Grabhügel.)“

    Genial! Ich bin aber mal von einem Prof gerüffelt worden, weil ich allzu teure und spezielle Fachbücher als „Wissensgräber“ bezeichnet hatte. Denn gerade Studierende können sich nicht endlos viel leisten und in den Bibliotheken kommen logischerweise nur sehr wenige an das gleiche Exemplar.

    Außerdem muss das ja gar nicht nur negativ sein: Bestimmt werden wir gerade in der Blogosphäre immer mehr „Wissensarchäologen“ vorfinden, die in die Unmengen vergessenen und verschütteten Wissens eintauchen und gar spannende Funde daraus bergen…

  14. P.S. Herr Wicht,

    das wäre aber pessimistisch, Helmut, würde man die Bücher gleich für den Grabhügel schreiben. Ich weiß nur von einem deutschen Philosophen, der nach seiner Promotion Selbstmord beging (und wo es auch einen Kausalzusammenhang zwischen Philosophie und Suizid gab).

    Manche Doktorarbeiten verkaufen sich doch ganz gut. Man denke an Klaus Theweleits „Männerphantasien“, die allerdings entgegen der ersten Vermutung (und dem Umschlag) gar nicht so viel mit Sex zu tun haben, sondern mit Krieg.

    Vielleicht gibt es also nicht nur die tumulativen, sondern auch die tumultativen Dissertationen (von lat. tumultus, Aufruhr)? So eine würde ich jedenfalls gerne schreiben.

    In diesem Sinne, ganz subversiv,

    Stephan

  15. Lars,

    ruhte in diesem Grabhügel ein Toter in Frieden, wäre es schon Störung der Totenruhe, die Dissertation auch nur aus dem Grabe zu nehmen!

    Manchmal vollzieht sich so etwas aber auch ohne Tumult; denkt man beispielsweise an Herrn Hübscher, der sich in Schopenhauers Grab bestatten ließ. Für Hübschers Frau war allerdings kein Platz mehr übrig. Eine Geschichte für einen Blog? Bitte aber ein Chronolog!

  16. @ Blume @ Schleim @ Wölfelschneider

    Danke für Eure Bereitschaft, sich auf die Welt des Wortspieles einzulassen. Daher noch eines (ein morbides, wie es sich für den Anatomen gehört) oben drauf:

    Überschrift:
    „Grabinschrift des Akademikers“
    oder:
    „Nos habebit humus“
    oder gar:
    „Lob des Wissenschaftsblogs“

    Da liegt er.
    Im Humus, da. Tief/
    war’n seine Gedanken/
    doch publizierte er sie/
    stets tumulativ/
    in Folianten/
    oder kumulativ/
    in bekannten/
    Magazinen vom Fach/
    die keine Sau/
    jemals beschaut/
    ach…/
    vergessen…/
    begraben…/
    Drum lass‘ Dir raten/
    als junger Adept/
    der Akademie/
    zögere nie/
    blogge im Web/
    streite Dich dorten/
    mit den Kohorten/
    der anderen Blogger/
    und nimm‘ es locker/
    wenn man sich fetzt/
    Man ist halt vernetzt/
    ’s ist tumultative/
    Stimmung im Netz/
    Schau nicht nur zu!/
    Sed tumultum vive!/
    Quia melior in tumultu/
    quam in humile humo tumuli.

    (Weia – heffentlich stimmt jetzt das Latein:
    „Leb‘ den Tumult! Denn im Tumult ist es besser, als in der schäbigen Erde des Grabes!“

  17. Bilder – und Widerspruch

    Hallo in die Runde: Es gibt die ersten Bilder vom scilogs-Treffen:
    http://www.spektrum.de/artikel/945986

    Und @Stephan: Ich muss Dir beleidigt widersprechen. Du schreibst: „So könnte auch die neue Arbeitsteilung zwischen Online- und Printmedien aussehen: Wer es möglichst schnell wissen will und mitdiskutieren möchte, der macht das im Web; wer es genauer wissen will und sich für die Hintergründe interessiert, der kauft sich das Heft.“

    Die spektrumdirekt-Redaktion schreibt auch online reichlich Hintergründiges!

    Beste Grüße an alle
    Richard

  18. Anti-Tumulus-Petition für S. Schleim?

    ich bin dabei !

    Wissenschafts-Comedy pur 😉 ach, danke für so viel tiefsinnige Unterhaltung.
    Und so ganz leicht scheinen doch die ersten Zweifel zu kommen, ob nicht doch eine Online-Blog-Dissertation mehr Spass bereiten könnte?? Ach Herr Schleim….gerne würde ich Ihre Doktorväter überzeugen ;-)..
    Also, wer sind die Ansprechpartner?

    Ob sich Herr Könneker, angesichts derart lehrreicher, witziger und unterhaltsamer Beiträge schon die Herausgabe eines „Best of Blogs“ – Buches überlegt hat? Wenn Sie alle hier so weitermachen (siehe auch „Kommentar in Gedichten“ The Moral Brain) könnte das doch glatt ein Bestseller werden! ;-))

  19. @ Wicht

    Überschrift:
    „Grabinschrift des Akademikers“ …

    Das war mal wieder ein feiner Text. Hast Du eigentlich schon eine Namensforschung betrieben? Ist da nicht mal was falsch gelaufen? Mir kommt es so vor, als sei aus einem U ein I gemacht worden. Wie kann von einem Wicht so ein Text kommen der eine Wucht ist?

  20. Richard,

    ich verstehe, wie du meinen Satz verstanden hast; jetzt werde ich bestimmt nicht aufs nächste Treffen eingeladen und wenn doch, dann nur, wenn ich für 50 Leute das Geschirr spüle — allerdings verlinkt mein „Positivbeispiel“ ja auch auf einen Online-Beitrag und zwar beim ersten Online-Magazin Deutschlands, nämlich Telepolis.

    Ich muss gestehen, in der Print-/Online-Unterscheidung war ich also selbst nich so konsequent; und die schnell/ausführlich-Unterscheidung lässt sich ganz sicher online durchhalten, siehe auch spektrumdirekt.

    Wenn du dich nun aber als alter Hase in die Diskussion bei einem Greenhorn wie mir einklinkst, dann verrate mir (uns) doch bitte, wie du das siehst, das Verhältnis zwischen Print- und Online-Journalismus.

  21. Hallo Stephan,

    …da hast Du mir aber einen großen Ball zugeworfen. „Alter Hase“ – na, ich weiß ja nicht.

    Aber erstmal: Klar bist Du das nächste Mal dabei, ich bekäme doch sonst mächtig Ärger mit ’ner Menge anderer Leute. Das Geschirrspülen machen wir dann gemeinsam!

    Also, der Versuch einer Antwort: Ja, die meisten Netznutzer mögen kurze Infos suchen. Das heißt aber nicht, dass Tiefe nicht erlaubt geschweige denn nicht erwünscht ist. Nehmen wir doch als Beispiel die scilogs: Wie wir bei unserem Treffen gesehen haben, verweilen die Besucher auf jeder einzelnen dieser Blogseiten im Schnitt(!) eine Minute und elf Sekunden. Das ist – vor allem im Vergleich – richtig viel.
    Meine Interpretation: Wo Tiefe geboten wird, wird diese auch dankbar angenommen.

    Bei spektrumdirekt haben wir immer die das Ziel verfolgt, bewährte Formate aus der Printwelt dem Medium online gemäß anzupassen oder weiter zu entwickeln:
    Also Kürze, wo Kürze geboten ist, Hintergrund, wenn der Stoff die Tiefe hergibt. Kommentare bei Themen, die einer Wertung bedürfen. Und Unterhaltung, wenn es unterhaltend sein kann.
    Das schöne dabei: Wir sehen nicht nur, dass die Leser damit zufrieden sind, sondern das es uns so selbst auch richtig Spaß macht – deutlich mehr, als „nur“ Meldungen zu fabrizieren.

    Freue mich auf eine weitere fruchtbare Auseinandersetzung und ein bereicherndes Nebeneinander von Blogs und Internetzeitungen,

    herzlichst

    Richard

    PS an alle: Jetzt gibt’s auch eine Webseite zu unserem scilogs-Treffen:
    http://www.spektrum.de/scilogspreis

  22. @ Richard,

    das „Das Geschirrspülen machen wir dann gemeinsam!“

    ist dokumentiert. Offline, konservativ bibliothekskonform in hochwertiger papiernerner Haptik.

    Gibt sicher Prozente, besten Dank für das Angebot!

  23. @Stephan zur Kommunikation

    Lieber Stephan,

    jetzt verstehe ich auch den Zweck Deines wochenendlichen Interviews. War abzusehen 🙂 Das war jedenfalls eine gut beobachtete Außenansicht eines Internen, die ich gerne unterschreibe.
    Zum bidirektionalen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: Ich fürchte, dass die (auch an dem Blogger-Wochenende diagnostizierte) Asymmetrie zwischen wissendem Wissenschaftler und unwissendem Laien bestehen bleiben wird. Daraus resultiert eine Kommunikation, die nicht auf Augenhöhe ist, was dazu führt, dass bei einer solchen Kommunikation der Wissenschaftler doziert und erklärt, während der laienhafte Zuhörer lauscht und versteht. Ein Laie wird kaum einen Wissenschaftler hinterfragen können. Klingt hart, vielleicht sogar arrogant, aber ich sehe da keinen Ausweg. – Der Trost: Abseits unseres Metiers sind wir alle Laien.

    Ein Wissenschaftsblog ist meines Erachtens vielmehr eine (gerne auch subjektive) Berichterstattung, eine (hoffentlich unterhaltsame) Meinung eines bloggenden Wissenschaftlers, die ein Forum bietet für Schmankerl, die man sonst im WWW nicht findet.

    Beste Grüße,
    Andreas

  24. Fundstück…

    …im Blog Astrodicticum Simplex des Astronomen Florian Freistetter:

    http://www.astrodicticum-simplex.de/wordpress/2008/03/11/wissenschaftsbloggen-im-17-jahrhundert/

    Auszug:
    *Große Physiker wie Newton, Hooke, Boyle, Wren, Huygens, Leibniz und viele mehr gehörten zu ihren frühen Mitgliedern. Sie alle haben ihre Erkenntnisse und Forschungen in den Philosophical Transactions veröffentlicht.

    Ich hab mir nun einige Artikel dort angesehen – und das ganze hat mich nicht so sehr an eine wissenschaftliche Zeitschrift, wie wir sie heute kennen erinnert sondern viel mehr an das, was die modernen Wissenschaftsblogger tun.*

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