Psychiatrie der Zukunft – 8. Berliner Psychiatrietage

Die Häufigkeit psychischer Störungen wird von führenden Experten sehr hoch geschätzt. Zunehmendes Alter und Stress werden hierfür häufig genannt. Für manche liegt der Schlüssel zum Verstehen und Behandeln psychischer Störungen in Genen und neuronalen Verschaltungen; andere weisen auf die bedeutende Rolle des Sozialen. Mit Blick auf Chancen, Risiken und Veränderungen in der Psychiatrie fand an der Berliner Universitätsklinik Charité gerade eine wegweisende Tagung statt. Mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Ich schaute aus dem beschlagenen Fenster der Boeing 757-200, einem außergewöhnlich großen Mittelstreckenflugzeug für einen deutschen Inlandsflug. Beim Boarding hatte man uns darauf hingewiesen, dass der Flug komplett ausgebucht sei und wir daher Gepäck auch unter den Sitzen verstauen sollten. Falls wir uns alle daran hielten, dann könnten wir vielleicht ohne Verspätung starten, merkte die Flugbegleitung etwas zynisch an. Draußen wurde es weißer und weißer, fiel der Schnee Millimeter für Millimeter.

Das Boarding verlief einigermaßen diszipliniert, ich bekam nur ein, zwei harte Laptoptaschen gegen die Schulter – der Nachteil, wenn man am Gang sitzt – sowie die Jacke einer Französin ins Gesicht, die sie unbedingt noch in das Fach über mir quetschen wollte. Wir saßen alle bald brav angeschnallt in unseren Sitzen, starteten aber dennoch mit gut einer Stunde Verspätung. Die widrigen Wetterumstände hatten eine weitere Räumung der Startbahn sowie eine Enteisung des Flugzeugs notwendig gemacht. Die Pilotin und ihre Crew flogen uns dann aber zuverlässig in ein zu diesem Zeitpunkt zwar kaltes aber noch schneefreies Berlin. Beim Aussteigen machte ich übrigens ein zweites Mal Bekanntschaft mit der Jacke und diesmal auch mit der Besitzerin, die sich jedenfalls knapp auf Englisch entschuldigte.

Die Anreise klappte leider nicht für alle

Der Grund für meine Reise war ein Vortrag mit dem Titel Die Neurogesellschaft: Das Soziale und die Gehirn-Identität auf den 8. Berliner Psychiatrietagen. Kritisch reflektierende Perspektiven auf die Anwendungsgebiete der Neurowissenschaften liegen ja zurzeit voll im Trend, glaubt man neueren wissenschaftssoziologischen Analysen. In diesen wird sogar schon der Begriff „Neuro-Skeptizismus“ verwendet, um den zunehmenden kritischen Trend innerhalb der Fachwelt zu dokumentieren. Dementsprechend standen Chancen, Risiken, Veränderungen auf dem Tagungsprogramm, zum Beispiel

…die Durchdringung der Gesellschaft mit semi-neurowissenschaftlichem Wissen, das vor allem in den Medien, aber auch von einzelnen Protagonisten unserer Zunft mitunter unreflektiert verbreitet wird. (aus dem Tagungsprogramm)

Ich hatte zunächst erwogen, am Donnerstag, dem ersten Veranstaltungstag, nach Berlin zu reisen, da ich am Mittwoch noch meine Vorlesung „Einführung in die Neurophilosophie“ in München halten musste. Aufgrund des hochinteressanten Programms (PDF) entschied ich mich aber für den Flug am Mittwoch unter Inkaufnahme von zusätzlichem Reisestress, um keinen der Vorträge zu verpassen. Wie sich im Nachhinein ergab, war das eine glückliche Entscheidung, denn ich hatte einen der letzten Flüge erwischt. Am Donnerstag machte das starke Winterwetter die Abflüge aus München unmöglich, weswegen sogar der von vielen erwartete Abendvortrag Florian Holsboers, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrische Forschung in München, über die Zukunft der Medikamente in der Psychiatrie leider ausfallen musste.

Berliner Psychiatrietage lockten knapp 400 TeilnehmerInnen

Am Donnerstag konnte zumindest für mich aber nicht mehr viel schief gehen, denn die Veranstalter hatte mich im mercure-Hotel in der Invalidenstraße untergebracht, von wo aus es nur noch ein kleiner Spaziergang zum Langenbeck-Virchow-Haus neben dem großen Bettenhaus der Charité war. An dieser Stelle sei dem außergewöhnlich freundlichen Hotelpersonal und für das sehr ruhige Zimmer und umfangreiche Frühstücksbuffet gedankt. Zum Ausgleich für das kalte Winterwetter draußen vor der Tür hätte ich mir nur noch eine Badewanne gewünscht; aber man kann ja nicht immer alles haben.


Die 8. Berliner Psychiatrietage fanden im Langenbeck-Virchow-Haus in der Luisenstraße statt.

Als die Tagung, die von Michael Dettling vom Bereich Sozialpsychiatrie der Charité veranstaltet wurde, begann, wurde ich mir schnell eines naiven Fehlschlusses bewusst: Ich hatte mit einer kleinen Expertenrunde gerechnet, die über Trends in der gegenwärtigen Psychiatrie diskutiert, fand mich aber auf einer Veranstaltung mit rund 400 TeilnehmerInnen, darunter natürlich vor allem PsychiaterInnen und PsychologInnen aber auch SozialarbeiterInnen und PatientInnen, wieder. Der große Vorlesungssaal war für die Veranstaltung tatsächlich notwendig – und ich hatte noch nicht einmal damit angefangen, meinen Vortrag zusammenzustellen. Zum Glück war ich erst am späten Nachmittag des zweiten Tags dran, musste dann aber am Donnerstagabend noch bis ca. 1:30 Uhr im Hotel arbeiten.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Die Tagung zur Zukunft begann nach einem kurzen Grußwort Michael Dettling in der Vergangenheit, nämlich mit einem Vortrag des Medizingeschichtlers Ralf Forsbach aus Bonn, der uns auf seine Reise von der Steinzeit, aus der es schon Belege für therapeutische Schädelöffnungen – sogenannte Trepanationen – gibt, über Mittelalter und Neuzeit in die Moderne mitnahm. Wichtige Zwischenstationen waren beispielsweise die Nazi-Ärzte im Dritten Reich, die aus der Ferne mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit sogenannte Euthanasien anordneten, und auch neuere Entwicklungen der Sozialpsychiatrie, die im Gegenteil darauf abzielten, Menschen mit psychischen Problemen ein stabiles soziales Umfeld zu verschaffen.

Damit lieferte Forsbach die perfekte Nahtstelle zum nächsten Vortrag von Hans-Joachim Salize aus Mannheim, der über die Zukunftsfähigkeit des Sozialen in der Psychiatrie sprach. Unter anderem mit Blick auf die steigenden Gesundheitskosten der psychiatrischen Pharmakotherapie, die im krassen Gegensatz zu den fehlenden Leistungsnachweisen der modernen Medikamente stünden, sowie anhand eigener Studien, argumentierte er für die wichtige Rolle des Sozialen. Eindrucksvoll war auch die bildliche Darstellung der Entwicklung sozialpsychiatrischer Begleitung in Mannheim: Während 1960 die psychiatrische Versorgung in das ca. 35km vom Stadtzentrum entfernte Landeskrankenhaus ausgelagert gewesen sei, befänden sich inzwischen duzende Hilfseinrichtungen in der Stadt, darunter natürlich insbesondere auch das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit gleich im Rotlichtviertel.

Rund 40% der Menschen psychisch gestört

Anschließend stellte Frank Jacobi aus Dresden, der dort mit Hans-Ulrich Wittchen in einem europäischen Konsortium Daten zur Verbreitung psychischer Störungen erhebt. Jacobi erklärte die hohe Prävalenz von ca. 40% europäischer BürgerInnen, die innerhalb eines Jahres die Kriterien für mindestens eine psychische Störung erfüllten, mit der Normalität dieser Störungen in einem Menschenleben.

Diese hohen Zahlen, die ich andernorts schon kommentiert habe (Beinahe jede(r) Zweite gilt als psychisch gestört), lassen dann aber auch eine andere Vermutung zu: Wenn psychische Störungen so normal sind, wieso nennen wir sie dann überhaupt noch Störung? Natürlich geht es hier im Hintergrund um die immer schon fließende Grenze zwischen Krankheit und Gesundheit. Dass alle dieser Menschen zwingend zum Psychologen oder Psychiater müssten, behauptete Jacobi meiner Erinnerung nach jedoch nicht; allerdings wies er u.a. aufgrund der hohen Wartezeiten für Hilfesuchende auf die bestehende therapeutische Unterversorgung hin.

Keine Angst vor der Zukunft!

Der erste Veranstaltungstag klang mit einem kritischen Vortrag zum Burnout-Begriff von Ulrich Hegerl aus Leipzig, einem über neue gesundheitsökonomische Entwicklungen in der Versorgung psychisch Kranker von Gerd Glaeske aus Bremen und der besonders unterhaltsamen Reise in die Zukunft(sforschung) von Reinhold Popp aus Salzburg aus.

Letzterer machte deutlich, dass uns kein Gesellschaftsproblem eine pessimistische Sichtweise auf die Zukunft aufzwinge. Egal ob demografische Entwicklung, Digitalisierung oder die Entwicklung der Marktwirtschaft, Popp konnte allen Trends viel Positives abgewinnen. Das war für manche Anwesende jedoch etwas zu viel des Guten und daher meldeten sich in der Diskussion auch einige kritische Stimmen zu Wort.

Neuro-Optimismus statt Skepsis!

Zu der euphorisch-optimistischen Stimmung Popps passte auch der erste Vortrag am zweiten Veranstaltungstag: Dieter Braus aus Wiesbaden sprach unter dem Titel EinBlick ins Gehirn über das Potenzial von Gen- und bildgebender Hirnforschung für die Psychiatrie. Von dem eingangs erwähnten Neuroskeptizismus wollte er nicht viel wissen; so konterte er meine Einwände in der Diskussion damit, es gebe eben auch schlechte Forschung. Würde man die Hirnforschung aber richtig einsetzen, dann sei sie für die Psychiatrie von großer Bedeutung.

Ich würde mich durchaus gerne aus wissenschaftstheoretischer Sicht noch genauer mit ihm darüber unterhalten, wie gute von schlechten Studien genau zu unterscheiden sind – und wieso die schlechten dann überhaupt noch publiziert werden. Dass er zumindest mit großem Erfolg publizieren kann, zeigt zum Beispiel seine Veröffentlichung in Nature Neuroscience. Entgegen verbreiteten Presseberichten hätten sie übrigens nicht gezeigt, dass ein bestimmtes Medikament das Hirn schrumpfen lasse.

Wir behandeln Menschen, nicht Hirne

Die Feststellung, dass Psychologen und Psychiater Menschen behandeln und keine Gehirne, war im Anschluss daran Martin Hautzinger aus Tübingen besonders wichtig. Tatsächlich zeigte er auch mit Belegen aus Meta-Analysen sowie seiner eigenen Forschung seitenweise psychologische und soziale Faktoren, die die Entstehung und den Verlauf psychischer Störungen beeinflussen.

Zu dieser ausgewogenen, wenn auch etwas komplizierten Darstellung, passte meines Erachtens auch der nächste Vortrag über die Entwicklung von Medikamenten in der Psychiatrie. Diesen hielt Ion-George Anghelescu aus Liebenburg. Die Entwicklung neuer Psychopharmaka sei sowohl aus finanzieller, wie gesetzlicher und wissenschaftlicher Sicht sehr schwierig geworden. Dennoch wies er auch auf das Potenzial dieser Forschung im Interesse der Patienten.

Auch Gehirn-Doping darf nicht fehlen

Dass wir aber nicht alles schlucken sollten, dafür plädiert Klaus Lieb bekanntermaßen in seinem gleichnamigen Buch über Gehirndoping. Also war es wenig überraschend, dass er genau über dieses Thema referierte. Hierüber habe ich hier bei Menschen-Bilder ja schon oft genug geschrieben (Kategorie: Cognitive Enhancement). Neu war für mich – und folglich dann auch für LeserInnen, die meine Berichte zum Thema hier regelmäßig verfolgen – der Verweis auf eine neue Studie, derzufolge 20% befragter Studierender in Mainz angaben, im letzten Jahr wenigstens einmal Gehirndoping betrieben zu haben. Die entsprechende Veröffentlichung konnte ich leider immer noch nicht finden; sie befindet sich wohl im Erscheinen, und diese Angabe habe ich hier jüngst kommentiert (Neuro-Enhancement oder wie man aus einem Mythos Profit schlägt).

Dann näherte sich auch schon der Block, in dem ich selbst dran kam. Den Vortritt hatte aber erst Gabriel Curio, für den sein Vortrag über Gehirn-Computer-Nahtstellen ein Heimspiel war. Die Forschung des interdisziplinären Netzwerks Berlin Brain Computer Interface zeigt auf beeindruckende Weise, wie man durch die Steuerung seiner psychischen Prozesse Computer steuern kann. Dies kann insbesondere für Menschen mit einer Lähmung oder im Locked-In-Zustand eine große Hilfe darstellen.

Therapeutisches Handeln ist manchmal politisch!

Pünktlich zu meinem Vortrag war ich mit den Folien der Präsentation fertig. Neben aktuellen Trends in der Neuro-Kommunikation war es mir besonders wichtig, auf die politische Dimension von Psychologie und Psychiatrie hinzuweisen. Natürlich wollen die TherapeutInnen und ÄrztInnen ihren Patienten helfen. Doch indem sie Medikamente verschreiben – ebenso auch bei manchen Formen von Gesprächstherapie – Lokalisieren sie das Problem im Patienten beziehungsweise dessen Gehirn. In der Geschichte gibt es aber auch Beispiele dafür, dass das zur individuellen Behandlung eines sozialen Problems führt, für das es auch eine soziale Lösung gibt.

So ist etwa bekannt, dass viele Frauen in den USA der 1950er Jahre Beruhigungs-, Schlafmittel oder andere Psychopharmaka bekommen haben, um wieder als Hausfrauen zu funktionieren (siehe Werbebeispiele hier oder hier). Die Rolling Stones widmeten diesem Trend das Lied Mother’s Little Helpers. Waren diese Frauen Hirnkrank oder gesellschaftlich in eine unvorteilhafte Rolle gedrängt? Die Frau schluckt am Ende eine Überdosis und stirbt.

Ein Jahrzehnt später, in den 1960ern, wurden farbige Aktivisten aus der Bürgerrechtsbewegung vermehrt psychiatrisiert, galten sie als aggressiv und bekamen eine Schizophrenie diagnostiziert. Der Medizinanthropologe Jonathan Metzl spricht daher von der Protest-Psychose und belegt, wie Schizophrenie eine „schwarze“ Krankheit wurde. Interessanterweise haben übrigens umgekehrt afro-amerikanische Psychiater damals Rassismus als eine psychische Störung aufgefasst und damit ihre Widersacher psychiatrisiert.

Gehirn-Plastizität als Anpassung oder Autonomie

Das Zücken eines Rezeptblocks, das Verordnen einer Therapie, kurz, ärztliches und psychotherapeutisches Handeln kann also politisches Handeln sein. Dies war eine meiner zentralen Aussagen, auch wenn ich damit natürlich nicht nahelegen wollte, dass dies zwangsläufig so ist. Bei meiner Schlussfolgerung war mir jedoch wichtig, auf zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Gehirn-Plastizität hinzuweisen: Wir können gemäß einem Imperativ der Anpassung daraus die Forderung ableiten, uns beziehungsweise unsere Gehirne an die Umwelt und die Forderungen der Gesellschaft anzupassen. Wir können umgekehrt als Menschen aber auch einen Imperativ der Autonomie formulieren, der besagt, dass wir uns unsere Umwelt so gestalten, dass wir das Gehirn bekommen beziehungsweise die Person werden, das/die wir uns wünschen.

Natürlich ist auch Autonomie nur in bestimmten Grenzen möglich. Wenn wir jedoch immer nur vom Gehirn aus denken, dann begehen wir den neurodeterministischen Fehlschluss (Warum der Neurodeterminist irrt) und übersehen wir mögliche Alternativen für die Problemlösung. Die Einnahme unterschiedlicher Perspektiven beruht jedoch gerade nicht auf einer Vernachlässigung des Gehirns, sondern in der Feststellung, dass sich alle unsere Erfahrungen auf unser Gehirn auswirken. Selbst wenn man also mit Wolf Singer so weit geht und sagt, dass Verschaltungen uns festlegen, ist damit noch lange nicht gesagt, wer oder was wiederum diese Verschaltungen festlegt.

Der Seelenbegriff in der Psychiatrie

Der zweite Tag endete dann noch mit einem phänomenologisch-psychiatrischen Vortrag von Daniel Hell aus Meilen, der früher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich war. Hell sprach über die Bedeutung des Seelenbegriffs und betrieb damit aber keine Metaphysik, sondern setzte sich für die Berücksichtigung der Ersten- und Zweite-Person-Perspektive in der Psychiatrie ebenso wie im Zusammenleben überhaupt ein.


Dieser repräsentative und große Vorlesungssaal war für die rund 400 TeilnehmerInnen der Tagung auch nötig.

Im Zuge der Entwicklung moderner Verfahren, wie etwa der Apparate der bildgebenden Hirnforschung, habe die Außensicht auf den Menschen aus der Dritten-Person-Perspektive die anderen Sichtweisen verdrängt. Ohne die Berücksichtigung des Erlebens eines Patienten blieben jedoch therapeutisch wichtige Einsichten auf der Strecke. Zum Verstehen eines Patienten gehöre dessen Erfahrungssichtweise unerlässlich hinzu.

Vielfalt in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Berlin

Am letzten Veranstaltungstag, dem Samstag, stellten sich dann noch einige Abteilungen der Psychiatrie an der Charité vor: So sprach Eric Hahn über die vietnamesische Ambulanz, in der es sogar das Angebot fremdsprachlicher Betreuung unter Berücksichtigung der Landestraditionen gibt, Natascha Schwertfeger über die Angebote für Mütter, die nach der Geburt eine psychische Störung entwickeln und die Beziehung zu ihrem Kind ablehnen, Oliver Peters über die Betreuung älterer Menschen und schließlich noch Christian Otte über die Auswirkungen schwerer psychischer Ereignisse auf das Herz.

Natascha Schwertfeger war übrigens die einzige Frau unter den Vortragenden. Sie sprach jedoch nicht nur mit viel Überzeugungskraft über dieses wichtige Problem, das leider in unserer Gesellschaft stigmatisiert sei – schließlich erwarte man von Müttern, sich über das Baby zu freuen. Sie tat dies auch noch in einer Weise, die etwa in Verwendung von Fremdworten den Vorträgen männlicher Kollegen in nichts nachstand. So spricht man in ihrem Gebiet von „postpartalen“ Geschehnissen – damit ist wohl die Trennung von Mutter und Kind bei der Geburt gemeint; und zum Glück konnte ich dank meines Laptops und der Internetverbindung auch solche Wörter wie Ex… Exa… Exazerbation online im Duden nachschlagen. Die Mütter haben aber sicher mit Abstand die schönsten Stationszimmer, die ihnen hoffentlich dabei helfen, ihre psychischen Probleme zu überwinden und eine gesunde emotionale Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.

Dass sich die Tagung für mich und sicher auch für viele der anderen TeilnehmerInnen gelohnt hat, sagt mir nicht nur die Erfahrung. Darüber hinaus dokumentieren nämlich auch noch schlappe vierzehn Seiten Vortragsmitschriften die interessanten Erkenntnisse, die ich festgehalten habe. In diesem Sinne allen SprecherInnen, Diskutierenden und ganz besonders dem Veranstalter sowie seinem Organisationsteam meinen ganz herzlichen Dank!

 

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Framing als Notwendigkeit+Problem

    Framing als die „Einbettung von Ereignissen und Themen in subjektive Deutungsrahmen“ beschreibt heute treffend wie die real existierenden multiplen Realitäten in unserer pluralistischen Gesellschaft wahrgenommen werden.
    Für den einen ist der Rahmen, in den er alles hineinstellt das menschliche Gehirn, für den andern ist es das existierende Gesundheits- und Medizinsystem, für wieder einen andern liegt die Realität in der Zukunftstechnologie, die allem erst einen Sinn gibt.
    Natürlich ist jede Person durch ihren Werdegang, ihren Beruf und ihre Sozialisierung geframet. Wer von postpartal und Exazerbation spricht muss wohl eine Medizinerin sein. Auf diese Worte aber zu verzichten nur weil Teile der Zuhörer keine Mediziner sind, das verlangt den angestammten Rahmen zu verlassen und sich neuen Rahmen oder gar fehlenden Rahmen zu stellen.

    Rahmen geben natürlich auch immer Halt, denn innerhalb des Rahmens kennt man sich aus und kennt auch Genossen. Aus allen Rahmen herausfallen ist dagegen fast schon etwas gefährliches und ungesundes. Viele der oben beschrieben psychisch Gestörten sind möglicherweise solche, die aus den ihnen vertrauten Rahmen gefallen sind. Deshalb verwundert es nicht, dass heute 40% irgendwann während eines Jahres psychisch gestört sind, denn wo es viele Rahmen gibt gibt es auch viele Möglichkeiten aus dem Rahmen zu fallen.

  2. Wir machen den Weg frei

    „Für manche liegt der Schlüssel zum Verstehen und Behandeln psychischer Störungen in Genen und neuronalen Verschaltungen;…“,

    „andere weisen auf die bedeutende Rolle des Sozialen“,

    … aber „wegweisend“ wird die Tagung schon sein, gelt?

    Ich bin schon sehr gespannt, wie der gemeinsame Weg dann aussehen wird. Es lebe die Psychiatrie der Zukunft, ich bin gerne bereit, dafür Steuern zu zahlen, von meiner Hände Arbeit dafür etwas abzugeben, dass es Gemütlich bleibt, da oben.

  3. Zitat Dieter Braus:
    „Würde man die Hirnforschung aber richtig einsetzen, dann sei sie für die Psychiatrie von großer Bedeutung.“

    -> Jaja, das hat man betreffend der Atomforschung auch gesagt. Und ausserdem hat der sicher nur eines im Sinne – nämlich: Wiederum die Ruhigstellung desintegrierter Individuen. Ruhe und Ordnung sind eben hoch angesehene Zustände. Und schon gar nicht darf man Forschungziele kritisieren. Zu sagen, man müsse Forschung nur richtig einsetzen, dann wäre alles schön, ist deswegen banale und ignorante Scheixxe.

    Fakt wird sein: Wenn Pandorras Box geöffnet wird, wird auch alles daraus verwendet. Da kann man von gutem Willen lange reden. Das ist nur eine Frage der Perspektive. Und die bestimmt wer? Ja, der totalitäre demokratische Mob (im Zweifel – wie beim Ruf nach Sicherheit immer. Man braucht dem Mob nur die Versuchung vorzuwerfen un der nimmt sie feige und ängstlich auf). Die scheinheilige These von der „Heilung“ schwerer Krankheiten klingt wie Hohn in meinen Ohren. Ich bin Psychiatrieerfahren.

    Und anlehnend zum Thema Psychiatie (und Bedeutung von Therapiemethoden) kann man nur sagen: Es geht eben ausschliesslich um Ruhigstellung und Persönlichkeitsveränderung, damit mit einem Individuum leichter umgegangen werden kann. Sprich: Damit es sich leichter leiten und befehlen lässt und im Szenesprech „ansprechbar“ ist/wird.
    Mir kommt es als eine arrogante Heuchellei vor, was der da sagt – „gebt mir die Erlaubnis für die Manipulation von Bewusstseinen und Gehirnprozessen“. Damit zukünftig der Mensch noch „gleicher“ (und unfähiger) gemacht werden kann. Ah, doch noch einer, der Menschen und nicht Gehirne behandelt? Der war doch für die Quote, oder?
    Mein Kompliment für das Thema „politisch“ in Verbindung mit Psychiatrie und besonders „Gewaltgenen“. Und deine Meinung über Neurodeterminismus hast du auch ein wenig relativiert. Das finde ich gut so. Wir sind wohl doch nicht so weit auseinander!?

    Ich habe nichts gegen Forschung. Aber hier scheint wieder eindeutig durch, wozu das getan wird. Es handelt sich nur noch am Rande um Grundlagen – die verlockende Zielsetzung … die interessant machen soll heisst: Wir werden zukünftig Verbrecher und kriminelle zu guten Menschen machen können. Das hört sich nicht anders an, als wenn ein Hitler spricht.

    Anstatt aufzurüsten, gehört die PSychiatrie auf ihr wesendliches reduziert und nicht, wie derzeit für jeden desintegrierten Problemfall. Derzeit ist die Psychiatrie ein Werkzeug zur Degenerierung von unangepassten und unzufriedenen – sogesehen hoch politisch. Man ist im Handumdrehen völlig rechtlos und ohne Beistand, so man in die Sphäre der Psychiatrie gelangt. Und die ganze Diagnose-Struktur entbehrt jeder Plausibilität. In der ICD 10 stehen hundert fast frei wählbare Visionen zur systematischen Demütigung von unerwünschten Persönlichkeiten. Viele Krankheiten ohne echte organische Phatologie – also sogesehen frei erfunden, weil es sich so schön daherreden lässt. Zu diesen 100 möglichen „Krankheiten“ stehen aber nur einige wenige unterschiedliche Wirkstoffe zur Therapie gegenüber, die das Konzept dann auch konterkarrieren, weil sie also nahezu gleich wirken und also das gleiche Ziel haben. Viele Präparatenamen bedeuten nicht viele Therapien.

    Das Ganze ist ein Unterdrückungsinstrument aller erster Klasse und gehört ernsthaft völlig neu durchdacht.

    Leider kommt demnächst die neue DSM 5 auf den Markt, die zukünftig noch mehr potenzial zur Pathologisierung bereitstellt. Das ergibt dann keinen Polizeistaat, sondern einen Psychiatriestaat, der seine Bürger einfach als „krank“ abstempelt und somit rechtlich reichlich Möglichkeiten zur Therapie hat, die erstens nicht unbedingt nötig sind und zweitens auch noch ritterlich als Hilfeleistung angeboten wird. Strukturelle Heuchellei mit gesetzlicher Absicherung. Eines Tages wird auch der Herr Schleim eingeliefert werden, weil er kritik an der Psychiatrie geübt hat. Wo er doch weiß, wie „zielführend“ das System ist (Erfolgsrate statistisch gut nachweisbar – „Erfolg“ aber nur aus der Perspektive des Beobachters und da kommt eine andere Sicht bei herraus).
    Von einer Psychologin habe ich mir mal sagen lassen müssen, dass man Ärzte nicht so beikommt (wie ich es tat), weil die alle Narzisten sind. Studiert, womöglich noch promoviert und hochbezahlt – stehen einem vermeindlich „irren“ gegenüber, von dem sie sich nicht belehren lassen wollen. Als ich mir das auf der Zunge zergehen habe lassen, ist mir meine Rolle als Don Quichotte vollends klar geworden. Die Ärzte hören den Patienten überhaupt nicht zu. Heterophänomenologie eben – der Mensch redet den ganzen Tag nur wirres zeug, vor allem die Irren konfabulieren aus dem Vollen, also wozu seinen Worten lauschen und drüber denken? sie haben sowieso genug Listen zur Einordnung. Leider ohne Gegenstand.

    Die „Protest-Psychose“ ist eine entlarvende Diagnose. Psychosen werden heute noch aufgrund von Oppositionsverhalten diagnostiziert – so an mir demonstriert, als ich wegen meiner gesundheitlichen Beschwerden erheblich „protestierte“ – beim Gesundheitsamt, bei der Krankenkasse und bei den Ärzten. Ergebnis: unterbringung und Zwangsmedikation für Wochen aufgrund einer „akuten Psychose“ aus dem schizophrenen Formenkreis.

    Und das wird zukünftig noch einfacher. In der DSM 5 soll es zuknftig die Diagnose „affektive Dysregulation“ geben. Was da so alles zusammengefasst werden kann? Reichlich Verhalten jedenfalls. Es ist eine gefährliche Angelegenheit, wenn die Totalität zukünftig nicht aus der politischen Richtung kommt, sondern per Gesundheitssystem und ihre zivilen Funktionäre. Prima Zukunft. Wir werden endlich sicher und unbehelligt unser Leben führen können. Aber sicher auch ziemlich per legalen Drogen beeinflußt ins leere glotzen – und willenlos dahinvegitieren.

  4. @Stephan: Therapie als Politik

    Zum Politischen der Therapie fällt mir spontan Michel Foucault ein, insbesondere Wahnsinn und Gesellschaft.
    Zumal er auch gut zu deinen vorangegangenen Posts über die Freiheit passt, denn wie ihn ein Amazon-Kommentator zitierte, … wird [man] sich seinen eigenen gesunden Menschenverstand nicht dadurch beweisen können, daß man seinen Nachbarn einsperrt. Oder therapiert…
    Also doch lieber Gruppen-Therapie für die Gesellschaft, oder?

  5. Foucault ist gut gewählt.

    Etwa hier: Biomacht
    http://de.wikipedia.org/wiki/Biomacht

    In diesem Sinne bin ich dann wohl auch vergiftet worden.

    Ich hatte vor Jahren mal irgendwo aufgrschrieben (erwähnt), dass sich die Institution Staat bei Klärung und Sicherung der aussenpolitischen Verhältnisse voll und ganz nach innen wenden kann. Und seine eigenen Bürger nach Wünschen zu „Konditionieren“.

    Dieser Zustand trat unleugbar nachdem zweiten Weltkrieg ein und nimmt nun weiter seinen Lauf – auch durch Erkenntnisse und tehnologischen Fortschritt.
    Es scheint sogar möglich zu sein, einem Individuum das Träumen zu unterbinden. Er wird bei intensiven Träumen dann einfach (irgendwie) zum Aufwachen gebracht. (erst heute morgen wieder so bei mir passiert).
    Wie das geht? hm, … jedenfalls gibt es eine Vibration im Kopf wie bei einem Vibrationsalarm bei einem Handy , direkt nach dem Wachwerden.
    Möglicherweise findet ein (luzider) Traum unter Emission von bestimmten Frequenzen statt, die etwa durch GSM-Funkanlagen empfangen werden kann und darauf eine Vibration im Kopf auslösen kann. Setzt natürlich vorraus, dass das Individuum eine unverkennbare Identität im System hat. (Sonst würden dochhunderte Menschen in der Umgebung mit mir aufwachen).
    Bedeutet aber auch, dass man also auch jederzeit ortbar und identifizierbar sei, wenn man nur in die Reichweite einer Funkanlage mit entsprechender Funktion ist. Und Handys sind dann also zur Ortung nicht mehr notwendig.

  6. Der „Staat“ ist hier völlig ohne genaue Eingrenzung erwähnt. Es kann auch ganz andere Institution hier aktiv sein. Da kommen gleich wieder absurde Weltverschwörungsthesen in den Sinn. wie absurd sie sind, ist unklar, weil niemand so genau hinschaut.

  7. Encephaliatrie statt Psychiatrie

    Ja, ein hochinteressantes Symposium. Für mich ist es freilich immer wieder erstaunlich, mit welcher Nonchalance die etablierte Universitätspsychiatrie den sozialen Ansatz vernachlässigt. Es wurden meist ungebrochen zukunftsfroh die Möglichkeiten bildgebender Verfahren, invasiver und noninvasiver Methoden oder der Nanotechnologie vorgetragen. Kamen von einem der wenigen verbliebenen Sozialpsychiater, einem Neurophilosophen oder einigen Psychotherapeuten nachdenkliche Töne, betonten Vertreter der Neuropsychologie gerne ihre vermeintliche Überlegenheit. Natürlich berücksichtige man bei der Anamnese die soziale Situation des Patienten, aber Freud sei überwunden („Mich interessieren doch nicht die Kindheit und die Verwandten“). Man brauche auch keine Sozialpsychiatrie und könne dieses Feld getrost den Soziologen überlassen. Den Patienten helfe man nicht durch Anleitung zur Autonomie, sondern zur Anpassung.
    Die Entrüstung unter der Minorität der Kritiker war folglich auch während der 8. Berliner Psychiatrie-Tage groß. Will man etwa die „Schlecker-Frau“ durch die Verabreichung von Psychopharmaka ebenso an die schwierigen Lebensumstände „anpassen“ wie die gehetzte G-8-Generation? Neuro-Enhancement nicht zum Wohle des Kranken oder der Gesellschaft, sondern zum Nutzen des „Kapitals“ und der angeblich von ihm gesteuerten Politik? Ein Hauch von 68 wehte für einen Moment durch die Reihen, doch lächelte die neuropsychiatrische Majorität nur mitleidig.
    Dabei hatte Stephan Schleim in seinem Beitrag gerade beispielhaft davon berichtet, dass Forscher an Möglichkeiten zur Beruhigung aufgedrehter Kita-Kinder arbeiten, den Ansatz, die Lebensumstände der Kinder in den Blick zu nehmen, aber außer Acht lassen. Es kommen dann Zweifel an der gesundheitsökonomisch begründeten Erwartung von Hans-Joachim Salize auf, es stünde eine Epoche der Sozialpsychiatrie bevor. Vielleicht wäre es tatsächlich ehrlicher, den Vorschlag von Daniel Hell aufzunehmen und zwischen Psychiatrie (Seelenheilkunde) und Encephaliatrie (Gehirnheilkunde) zu unterscheiden. Dass eine solche scharfe Trennung den Kranken nicht zu Gute kommen würde, ist offensichtlich.

  8. @Forsbach:Psychiatrie vs Psychologie

    Psychiatrie hatte schon von Beginn weg einen „biologischen“ Blick auf psychische Erkrankungen. In der Wikipedia liest man dazu:

    „Wilhelm Griesinger hatte Mitte des 19. Jahrhunderts mit der These, seelische Erkrankungen seien Erkrankungen des Gehirns, die wichtigste Grundlage der modernen Psychiatrie formuliert“

    Krankheitsbilder mit der sich die Universitätspsychiatrie schwerpunktmässig befasst sind ja dementsprechend Schizophrenien und schwere Depressionen und bis jetzt steht bei schweren und akuten Verläufen dieser Krankheitsbilder die Medikation im
    Vordergrund. Davon abzugrenzen ist die Psychologie. Psychologische Herangehensweisen kennt zwar auch die universitärere Psychiatrie, allerdings mehr in der Rehabilitation der Patienten nicht in der Behandlung eines schizophrenen Schubes oder einer schweren Depression. Dazu liest man in der Wikipedia:
    „Die moderne Psychiatrie gründet sich demzufolge im Wesentlichen auf die Erkenntnisse der biologischen Psychiatrie und die Reformbemühungen der Sozialpsychiatrie. Übergreifend wird derzeit von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis ausgegangen, das heißt, ein Zusammenspiel von biologischen, psychischen und sozialen Einflüssen wird als ursächlich für die Entwicklung psychischer Störungen angesehen. Daraus ergibt sich auch in der Behandlung ein multimodaler Ansatz, der biologische (v. a. psychopharmakologische), psychotherapeutische und soziale Aspekte enthält.“

    Wie kann nun die Hirnforschung hier eingeordnet werden mit ihren morphologischen Korrelaten, bildgebenden Verfahren und funktionellen Untersuchungen? Die folgenden Punkte sind Hinweise:
    1) Aufklärung der Hirnkorrelate zu Erkrankungen wie Schizophrenie, schweren Depressionen, ADHS, etc.
    2) Aufklärung der Wirkungsmechanismen von Medikamenten und ihren Einfluss auf Neurotransmitter
    3) exotisch, aber erforschenswert: Mindreading bei Patienten mit bestimmten Störungen und Folgerungen daraus für die weiter Therapie

    Naturgemäss ist der Blick aufs Hirn zum grossen Teil ein Blick auf die biologischen Grundlagen von psychiatrischen Erkrankungen.

    Prinzipiell bedeutet das aber nicht, dass das oben erwähnte Zusammenspiel von biologischen, psychischen und sozialen Einflüssen nun eine kleinere Rolle spielt.

    Wichtig scheint mir auch die obigen Punkte als Zukunftsperspektiven zu sehen und zu erkennen, dass das meiste was mit Neurologie und Hirnforschung zu tun hat eben Forschung und (noch) nicht klinischer Alltag ist.

  9. psychische Störungen

    Wenn psychische Störungen so normal sind, wieso nennen wir sie dann überhaupt noch Störung?

    Vor allem: Wer wird gestört?`

    Und hier fällt dann der Primärverdacht auf therapeutisch wirkenden Kräfte, die -ganz global- auch für DSM-5 verantwortlich sind, also für etwas mit dem auch Geld verdient werden kann.

    MFG
    Dr. W

  10. Geld

    oder Verwaltungslust.

    Der Administrationismus oder Bürokratismus ist ja im Kommen. Der Sozialapparat frisst mehr als 50% des Bundeshaushalts, dazu kommen noch die 10% für den Schuldendienst.

    „Ermutigende“ Zeichen kommen auch aus den Staaten.

    LOL, die zunehmende Infantilisierung der Gesellschaft darf vielleicht auch noch angemerkt werden, wie die Fertilitätsrate. Da passt viel zusammen.

    MFG
    Dr. W (der aber nicht weiter vom Thema weg will und sich ausklinkt)

  11. Psychopharmaka wird heute wie Hundefutter an Menschen vergeben, die das gar nicht brauchen. Psychiater sind Drogen Dealer die Ihre Patienten süchtig machen.

    • Da hat einer mit dem selben Namen wie ich eine ziemlich schlechte Meinung, die ich absolut nicht teile! Wenn dieses Forum Avatare anzeigen würde, könnte man es wahrscheinlich daran erkennen. Aber wir sind hier ja nicht bei den ScienceBlogs, obwohl auch beim laden dieser Seiten regelmässig was von Gravtar kommt, wo die Avatare ja meisstens herkommen…

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