Mit Achtsamkeit die Sorgen überwinden

Thich Nhat Hanh CloseupViele Menschen leiden unter Angst, Sorgen, Einsamkeit. Der buddhistische Mönch und Zen-Meister Thich Nhat Hanh lehrte vier Tage lang in Köln und Umgebung die Methode der Achtsamkeit, um im Hier und Jetzt Glück zu erleben und sich vom Leiden zu befreien. Jeweils mehr als 1.000 Menschen kamen, um seine Vorträge zu hören und mit ihm zu meditieren.

So still wie am siebenstündigen „Tag der Achtsamkeit“ am letzten Samstag dürfte es in der Aula der Universität zu Köln selten zugegangen sein – jedenfalls dann, wenn der vietnamesische Mönch oder jemand aus seinem Gefolge gerade sprach oder eine Meditation anleitete. Dabei war der Raum bis an den Rand mit interessierten Hörern gefüllt. Selbst wer eine Stunde früher kam, konnte nur mit Glück einen der besseren Sitzplätze ergattern. Auch wenn die Veranstaltung immer noch einige Größenordnungen kleiner angesiedelt war als etwa der einwöchige Besuch des Dalai Lama in Hamburg 2007, herrschte an den vier Tagen der Veranstaltung unter der Überschrift „Frieden im Alltag finden“ helle Begeisterung unter den Besuchern.

Thich Nhat Hanh, der inzwischen 82-jährige Mönch, hat sich bereits in den 1960er Jahren mit seinen Bemühungen für das Ende des Vietnamkriegs international hervorgetan. 1968 wurde er sogar von Martin Luther King jr. für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, den er jedoch nicht erhielt. Als Konsequenz seines Einsatzes war ihm dafür für beinahe vierzig Jahre die Einreise ein seine Heimat verwehrt geblieben und durfte er erst 2005 wieder nach Vietnam reisen. Damit ist er ähnlich wie der Dalai Lama ins Exil gezwungen worden.

Diese Zeit hat Thay, Lehrer, wie ihn seine Anhänger schlicht nennen, zur Gründung vieler Gemeinschaften weltweit und zum Schreiben von beinahe hundert Büchern, die in viele Sprachen übersetzt sind, nutzen können. Neben Plum Village, dem Pflaumendorf in Südfrankreich, das inzwischen zu einem Verbund mehrerer Klöster angewachsen ist, sind so einige Zentren in den Vereinigten Staaten und jüngst auch in Waldbröl in der Nähe von Köln entstanden. Die Europäisches Institut für Angewandten Buddhismus genannte Einrichtung wird zurzeit noch saniert und soll später bis zu mehreren Hundert Interessierten gleichzeitig das Studium und Praktizieren buddhistischer Lehren ermöglichen. Das Gebäude war vorher eine Akademie der Bundeswehr und hat sogar eine traurige Vergangenheit als Irrenhaus, in dem die Nazis während des Zweiten Weltkriegs psychisch kranke Menschen beseitigten – oder solche, die sie dafür hielten.

Thich Nhat Hanh bei einer GehmeditationDoch worum geht es in den Lehren des Zen-Meisters? Um Achtsamkeit, das Leben im Hier im Jetzt, im gegenwärtigen Augenblick. Keine Grübelei über die Vergangenheit, keine Angst vor der Zukunft soll den kostbaren Moment verdunklen. Als einen ersten Schritt in diese Richtung unterrichten die Buddhisten das Beobachten des eigenen Atems. Entweder beim Sitzen in einer entspannten aber stabilen Körperhaltung oder bei einer Gehmeditation gilt es, das tiefe Ein- und Ausatmen des Körpers aufmerksam zu verfolgen. Mit so einer Gehmeditation, bei der man üblicherweise zwei oder drei Schritte pro Atemzug geht, wurden nicht wenige Kölner in Staunen versetzt, als die Menschenmasse über das Gelände der Universität lief. Anschließend versammelte man sich auf der Wiese und aß dort sein Mittagessen in Stille. Das Foto links zeigt den vietnamesischen Lehrer bei der Leitung einer solchen Gehmeditation.

Zugegeben, Meditation und Achtsamkeit mögen manchen Menschen komisch vorkommen. Tatsächlich durchmischen sich mancherorts auch buddhistische Lehren mit Volks- und Aberglauben, mit Ahnenkult, mit Esoterik und Heilsversprechen. Selbst in seriös angelegten Schriften zum Buddhismus kann es passieren, Bezügen zu übersinnlichen Fähigkeiten wie dem Laufen auf Wasser oder Lesen von Gedanken zu begegnen, die man durch besondere Übungen entwickeln könne. Aber auch Buddhismus ist nicht immer gleich Buddhismus – und es kann sich im Einzelfall schon lohnen, sich auf eine Meditationsübung einzulassen und selbst zu schauen, was das mit einem macht. Denn als das wollte der Buddha seine Lehren verstanden wissen, wie es in den ursprünglichen Schriften heißt: als Lehre über den Weg zur Beendung des Leidens.

Fotos: Europäisches Institut für Angewandten Buddhismus

Stephan Schleim

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www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @Schleim

    Gegenwart, dies hier jetzt, ist der unmittelbare, natürliche und unhintergehbar erste Zugang zur Wirklichkeit überhaupt. Vom Erleben her wird einem erst bewusst, dass bereits die Alltagserfahrung begrifflich-abstrakt strukturiert ist, die wissenschaftliche Weltsicht ja ohnehin. Die Zen-Buddhisten sprechen zurecht von einer Rückkehr in einen natürlichen Zustand (der eigentlich auch nie verlassen wurde, jedoch aus dem Blick geraten kann). „Übung“ ist hier m.E. eher ironisch zu verstehen – denn jeder kann von Anfang an meisterhaft bei der Zen-Meditation gegen eine Wand schauen usw.

    Theorien über die Welt erscheinen „im Lichte“ dieser Gegenwart unmittelbaren Erlebens verändert; auch manche philosophische Probleme stellen sich anders da, wandeln sich gleichsam eher in Kôans. Dies hier jetzt bietet jedoch keinen greifbaren Nutzen, erklärt nichts, trägt nicht zur Lösung von Problemen bei, schon gar nicht zur intellektuellen Lösung von Problemen. Es mag „heilsam“ sein, sein Leben von der Gegenwart her zu gestalten und zu erleiden – aber Leiden heilen und überwinden in einem praktisch-objektiven Sinne ist durch Erleben/Achtsamkeit m.E. nicht möglich. — Aber vielleicht ist es ja auch zu kurz gesprungen, Leiden ausschließlich als etwas zu Überwindendes zu betrachten (was es natürlich immer auch ist).

    Gegenwart, Zen/Zazen, usw. – das sind alles vor-akademische, a-rationale Phänomene. Danke, Herr Schleim, für den Mut, diese hier in den Brainlogs ins Gespräch zu bringen.

  2. Meditation und philosophische Probleme

    Ich bin auch skeptisch, ob man durch das Leben im gegenwärtigen Moment philosophische Probleme lösen kann — aber sie können vielleicht verschwinden oder einfach aufhören, einem als wichtig zu erscheinen. Ist das Universum unendlich? Gibt es ein Leben im Jenseits? Den ursprünglichen Schriften zufolge heißt es, der Buddha habe sich nicht auf metaphysische Spekulation einlassen wollen.

    Vielleicht lassen sich aber Illusionen als solche durchschauen? Was halten Sie von dieser Möglichkeit? Führende Hirnforscher erzählen uns doch seit Jahren etwas von der Illusion des Selbst — den Buddhisten zufolge könne man das durch „tiefes Schauen“ direkt erfahren.

    Mir ist schon klar, dass das in wissenschaftlichen Kreisen ein heikles Thema ist. Bevor der Dalai Lama 2005 auf der SfN-Konferenz in Washington sprach, hatte es eine Unterschriftenaktion gegeben, in der sich mehr als 1.000 Neurowissenschaftler (teils mit sehr ausgefeilter Polemik) gegen den Vortrag stellten und eine Absage forderten. Man hört auch, dass Wissenschaftler, die ihre Befunde zur Meditation veröffentlichen wollen, bisweilen auf großen Widerstand stoßen.

    Meine ganz persönliche Erfahrung war, dass mich diese Meditationsübungen während eines zweiwöchigen Retreats viel glücklicher machen konnten, als ich es von einem all-inclusive Urlaub in der Karibik mit der Traumfrau an meiner Seite erwarten würde — und das war auch noch billiger und umweltschonender!

  3. „Vielleicht lassen sich aber Illusionen als solche durchschauen? Was halten Sie von dieser Möglichkeit? Führende Hirnforscher erzählen uns doch seit Jahren etwas von der Illusion des Selbst…“

    Buddha sagt: Alles, was wir sind, ist das Resultat von dem was wir gedacht haben. Unsere Existenz basiert auf Gedanken.

    Da habe ich in Spektrum der Wissenschaft einen schönen Leserbrief mit dem Titel
    „Auch die Wissenschaft ist letztlich nur eine Illusion“ gefunden. Der passt hier schön zu Ihrem Thema!

    http://www.spektrum.de/artikel/872749

  4. … sich vergegenwärtigen

    Bewusstsein ist ein (in der Regel kein kontinuierlicher und qualitativ gleichförmiger) Prozess … eben (seiner Selbst) im Gegenwärtigen bewusst sein. Das Gegenwärtige „hier & jetzt“ ist Erfahrung durch (unsere) Sinne, eben Sinneserfahrung … auch wenn wir (unser „ich“), wie sich immer deutlicher zeigt, allgemein gesagt nur über diejenigen Sinneserfahrungen vom Gehirn „informiert“ wird, die unser Gehirn für „bedeutungsvoll“ hält. Dies betrifft sowohl den Prozess des Erlebens (also das Bewusstsein) als auch die erlebte Umwelt (das da-draußen) selbst. Eine sehr selten gestellte Frage ist: „Wie kommt die Welt aus unserem „Kopf“ (Gehirn) wieder heraus?“

    Das „da Draußen“ muss in der Weise „real“ sein, dass etwas anderes (ein „Sinnesapparat“) damit in Wechselwirkung stehen kann. Also müssen auch alle Voraussetzungen, z. B: Musik zu hören, bzw. zu musizieren von Anfang an in dieser Welt vorhanden gewesen sein.

    Inzwischen gehört es schon zum guten Ton, über (banal formuliert) „Hirnforschung“ zu diskutieren und philosophieren, in Fachkreisen wie auch beim interessierten Otto Normalverbraucher. Anhand der heutigen Möglichkeiten und den resultierenden Ergebnissen dieser Hirnforschung ist es kaum verwunderlich, dass Abseits der bisherigen Interessen der Naturwissenschaften „Sinnlichkeit“ im wahrsten Sinne des Wortes einbezogen wird. Die Bandbreite der Interessen an „sinnliche Erfahrungen“ (wozu ja auch wissenschaftliche Erkenntnisse zählen) ist riesig, ZEN, Meditation, Buddhismus als auch Religiosität oder Transzendenz allgemein usw. werden inzwischen vorbehaltslos einbezogen. Selbst Phänomene weit abseits allen heutigen Verständnisvermögens, die (heute) noch in den Themenkreis der so genannten Parapsychologie einsortiert werden, finden zunehmend ernstes wissenschaftliches Interesse. Ich halte dies für eine positive Entwicklung.

    Tatsache ist, wenn ich mir mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen habe, habe ich hier und jetzt Schmerzen und es gibt Reaktionen sowohl am Daumen als auch in meinen Gefühlen. Und diese Erfahrung hat Konsequenzen, bewusst wie unbewusst. Wenn mir mein Job gekündigt wurde, unterscheidet sich dieses „Erlebnis“ in keinster Weise davon. Mein Körper als auch meine Gefühle zeigen Reaktionen, es gibt Konsequenzen. Beides „ist“ hier und jetzt … und unabhängig davon, welchen mentalen Ansatz mein persönliches Weltbild hat, mit Leid oder Heil umzugehen. Unsere Welt, als alles was jeder auf seine persönliche Weise sinnlich erleben kann, existiert in der Weise, das sie IST. Die Welt IST einfach. Somit ist auch alles von DIESER Welt!

    Einerseits … unabhängig davon, ob wir das, was diese Welt ist, als Illusion oder Simulation bezeichnen oder als Traum empfinden … ob wir uns darin als bewusst aufmerksam erleben, gestalten, leiden, unser Heil suchen … ob wir nun traumwandlerisch durch diese Welt schrammen (also das, was ohnehin geschieht einfach so „laufen“ lassen) oder mit aller Aufmerksamkeit tief versenkt meditierend in uns ruhen, das IST (SEIN) dieser Welt bleibst davon unberührt.

    Andererseits … wiederum unabhängig davon, dass diese Welt IST … ist Aufmerksamkeit, besser gesagt Achtsamkeit, das Mittel der Wahl, sein bewusstes Sein zu fördern. (Er-) Leben ist immer auch Aufmerksamkeit. Achtsamkeit geht weit darüber hinaus, in dem der Achtsame jedem Geschehen Bedeutung schenkt. Bedeutung ist an Wert und Charakter gebunden. Durch Achtsamkeit schenken wir unserem Leben Inhalt und „Sinn“.

  5. @ Müller

    Danke, Herr Müller, für diesen Abriss ihrer Philosophie.

    Ich würde gerne entgegnen, das die Untersuchung von Meditation oder anderen Verfahren nicht überall vorbehaltlos aufgenommen wird — manche halten den Forschungsgegenstand per se für unwissenschaftlich.

    Wie das Gehirn entscheidet, auswählt usw., darauf will ich jetzt nicht anspielen — Sie haben sich insgesamt so viel Mühe gegeben, den metaphorischen Gebrauch hervorzuheben.

  6. @ Stefan: Toller Artikel!

    Lieber Stefan,

    ein schöner Beitrag! Und zufällig haben wir gerade beide Beiträge zu verschiedenen Aspekten des Buddhismus laufen – selbstverständlich verlinke ich gleich auch hierher!

    Zu Meditations- und Hirnstudien kann ich nur sagen, dass sie die evolutions- und neurobiologischen Forschungen zu religiösen Erfahrungen und Verhaltensweisen (z.B. Ritualen) maßgeblich mit in Gang gebracht haben: So Austins „Zen and the Brain“ von 1999, Newberg u.v.m. Inzwischen ist es als Forschungsthema eigentlich weitgehend etabliert, die dogmatischen Das-darf-man-nicht-erforschen sind m.E. auf dem Rückzug. Die Einladung des Dalai Lama, der u.a. seine Mönche zur Teilnahme an Studien aufgerufen hatte, zu der Neurologentagung fand ich deswegen völlig berechtigt und ein Teil des Widerstands gegen ihn war ja auch eher politisch als wissenschaftlich bedingt.

    Und doch bleibt das interessante Phänomen, dass mancher, der bis gerade noch Wissenschaft über alles stellen wollte, plötzlich z.B. gar nicht mehr erforscht haben will, warum sich der Stephan Schleim nach diesen Tagen plötzlich besser, glücklicher, ausgeglichener und (sieht man diesen Beitrag an 🙂 ) ggf. sogar mutiger fühlte. Ich finde, das lässt sich erforschen, übrigens auch ohne dass die Erfahrungen selbst dabei ihre Qualität verlieren.

    Herzliche Grüße, weiterhin alles Gute!

  7. @ Michael: Buddhismus vs. Wissenschaft

    Es bleibt zu beobachten, ob das nur eine Mode ist, dass es zurzeit diesen Austausch von Neurowissenschaftlern, Psychologen und Buddhisten gibt oder ob hier langfristig etwas passiert. Vielleicht gibt es irgendwann einemal eine Zeitschrift „Buddhismus und Wissenschaft“ oder so ähnlich.

    Ich sehe das so, dass sich Wissenschaft und Buddhismus in vielen Punkten nicht widersprechen, eben weil sie sich in vielen Punkten gar nicht so leicht aufeinander beziehen lassen. Ähnlich ist das meines Erachtens auch mit den Evolutionstheorien und Religionen.

    Wenn man genauer hinschaut, dann findet man aber Aussagen, mit denen sich viele Wissenschaftler schwer tun würden; beispielsweise lehrt der Dalai Lama, es gebe ein subtiles Bewusstsein, das nicht ans Gehirn gebunden sei. Oder der im deutschen Sprachraum durchaus als Kompetenz geltende Meditationslehrer Fred von Allmen beschreibt in seinem neuen Buch über Buddhismus ganz unverhohlen, durch Praktizieren des Yoga-Tantra könne man übersinnliche Fähigkeiten wie das Laufen auf dem Wasser, Gehen durch Wänder oder auch Lesen von Gedanken realisieren.

    Ebenso wenig, wie es „die“ Wissenschaft gibt, gibt es auch „den“ Buddhismus. Daher sollte man schon etwas genauer hinschauen, wie es um die Vereinbarkeit der beiden bestellt ist.

    Aber du hast natürlich Recht: all das könnte man wissenschaftlich erforschen. Nur frage ich mich, ob das dann eine Einbahnstraße wäre oder auch auf buddhistische Traditionen zurückwirken könnte — schon bei Ricard & Singer habe ich ja bezweifelt, dass Meditationserfahrene hier etwas Neues dazu lernen, wenn sie sich Singers Ausführungen über Meditation anhören.

  8. @ Stephan: Genau!

    Lieber Stephan,

    ja, da bin ich bei Dir. M.E. müssen Religionen und Wissenschaften gar nicht in allen Aussagen übereinstimmen – schon deshalb nicht, weil sie ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen, unterschiedliche Geschichten und Erfahrungen repräsentieren usw. Es wäre das Ende menschlich-kultureller Vielfalt, würden wir die Wissenschaft als DIN-Norm betrachten, der sich alle anderen Lebensbereiche unterzuordnen hätten.

    Aber ein wirklich wissenschaftlich interessierter Mensch sollte m.E. kein Phänomen von der unvoreingenommenen, seriösen Erforschung ausnehmen. Und ein religiöser Mensch, der nach Wahrheit strebt, sich nicht umgekehrt vor wissenschaftlicher Erkenntnis fürchten. Dann kann es m.E. durchaus zu sinnvollem Dialog kommen, mit Erkenntnischancen für alle Beteiligten. Über den Standpunkt einer „Mode“ sind die entsprechenden Forschungen auf jeden Fall schon längst hinaus.

    Habe dazu übrigens gerade einen Beitrag auf scilogs.eu fertig gestellt:
    Religulous – Who’s ridiculing whom?

    Ist aber immer noch sehr einsam da… Ich fände es klasse, wenn Du kommentierend oder *hoff* bloggend dort mitmachen würdest!

  9. @ Michael

    Ich möchte gar nicht von „Funktionen“ der Wissenschaften oder Religionen sprechen; das hört sich schon wieder so pragmatistisch an. Sprachanalytisch würde ich es so ausdrücken, dass die jeweiligen Sprachspiele oft ganz unterschiedliche Gegenstandsbereiche haben: hier physikos, die natürlichen Dinge, und dort metaphysikos, das die Natur Transzendierende.

    Ich bedaure, dass sich deine blumigen Beiträge bei den europäischen Scilogs sehr einsam fühlen. Ich bin zurzeit mit den deutschen Texten aber schon so ausgelastet, dass ich dort noch nicht mitmischen kann.

  10. Achtsamkeit

    Mittlerweile (2011) gibt es im Internet eine auf Aktuellstes anspielende „Einführung“ ins Thema „Achtsamkeit“ hier und den Vorschlag einer auf der Psychologie der Aufmerksamkeit basierenden spezifischen Definition von „Achtsamkeit“ hier, bei der das gesamte und m.W. nur im Buddhismus bekannte Spektrum von Aufmerksamkeitsleistungen berücksichtigt wird.

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