Mehrheit für IQ-Doping

Leserinnen und Leser von Gehirn&Geist haben in einer Online-Umfrage entschieden: Würden sie IQ-Dopingmittel nehmen? Dürfte man bestimmte Berufsgruppen dazu zwingen? Gibt es einen ethischen Unterschied zwischen Psychopharmaka und herkömmlichen Mitteln wie Koffein? Hier möchte ich die Ergebnisse vorstellen und kommentieren.

Würden Sie IQ-Dopingmittel einnehmen, wenn keine Nebenwirkungen zu befürchten sind und sie legal erhältlich wären?

Knapp 170 Personen haben an der Befragung teilgenommen, die frei über den Internetauftritt von Gehirn&Geist zugänglich war. Am Auffälligsten ist das Ergebnis, dass mit 102 Teilnehmern eine deutliche Mehrheit (60 %) Mittel zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit nehmen würde, wenn keine Nebenwirkungen zu befürchten und sie legal erhältlich wären. In etwa jeder vierte (27 %) lehnte hingegen auch unter diesen Umständen die Einnahme solcher Mittel ab. Diese Zahlen reflektieren meines Erachtens den hohen Stellenwert, den wir in unserer Gesellschaft den kognitiven Fähigkeiten beimessen. Wäre dem nicht so, wir hätten sie wahrscheinlich erst gar nicht, diese öffentliche Debatte über das Enhancement, die immer wieder in den Medien aufgegriffen wird.

Dieses Mehrheitsvotum sollte aber nicht zu voreilig interpretiert werden: In der Frage ist von der Situation ausgegangen worden, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen werden können. Tatsächlich lässt sich das für keine der heute verfügbaren Substanzen sagen – insbesondere steigt das Risiko von Nebenwirkungen mit einer höheren Dosis und gilt keinesfalls die Regel, viel hilft viel. Außerdem ist in der Frage nicht der Aspekt enthalten, welchen (finanziellen und zeitlichen) Preis jemand bereit zu zahlen wäre. Wenn wir hingegen annähmen, dass die Mittel kostenlos verfügbar wären, würden wir sehr weit ins Utopische vordringen. Wahrscheinlich würde es Mittel unterschiedlicher Qualität und Wirksamkeit geben, in ihrem Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt, so wie es auch heute schon eine Vielzahl von Mitteln zur Nahrungsergänzung gibt.

Davon abgesehen dürfte sich der Nutzen der geistigen Leistungssteigerung relativ zum Gegenwärtigen Zustand verändern. In IQ-Sprache ausgedrückt würde man sich von einer Steigerung von 90 auf 100 oder 100 auf 110 vielleicht noch viel versprechen, um entweder mit dem Durchschnitt aufzuschließen oder auf ein überdurchschnittliches Niveau zu gelangen. Entsprechend dürfte auch hier die Zahlungsbereitschaft relativ hoch sein. Der Nutzen, von 110 auf 120 zu kommen oder von 120 auf 130, ist demgegenüber schon schwieriger einzuschätzen. Diese Überlegungen verdeutlichen die tiefere Komplexität der Frage nach dem Enhancement. Denn selbst wenn man sich zur Steigerung entschließt, stellt sich natürlich auch auf dem gesteigerten Niveau die Frage nach einer weiteren Steigerung. Wenn der Schritt von 100 auf 110 richtig war, ist es dann auch derjenige von 110 auf 120? Die Frage nach dem IQ-Doping lässt sich daher gar nicht vollständig beantworten, ohne eine Antwort auf die Frage zu finden, wie viel geistige Leistungsfähigkeit denn eigentlich gut ist. Dabei ist noch vernachlässigt, dass sowohl der Preis als auch das Risiko von Nebenwirkungen steigt, je mehr Leistung man sich durch ein Enhancement verspricht.

Sollten bestimmte Berufsgruppen wie Piloten oder Busfahrer dazu verpflichtet werden, Medikamente zur Steigerung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit einzunehmen, sofern Nebenwirkungen ausgeschlossen sind?

Bei dieser Frage war die Meinung der Teilnehmer noch deutlicher als bei der vorherigen. 146 (86 %) sprachen sich dagegen aus, einen gesunden Menschen zur Einnahme solcher Medikamente zu zwingen. In etwa jeder zehnte (11 %) befürwortete aber so eine Maßnahme, da sie „der allgemeinen Sicherheit“ diene. In dieser Antwort drücken sich wahrscheinlich die starken liberalen Intuitionen aus, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind: Während man den (erwachsenen) Menschen eine große Freiheit im Bereich der Selbstbestimmung einräumt, will man anderen kaum Zwänge auferlegen. Auch im Interesse der Sicherheit möchten nur wenige die Freiheit des Einzelnen opfern.

Die Frage lässt sich freilich nicht nur für Busfahrer und Piloten, sondern auch für Ärzte oder Ingenieure in einem Atomkraftwerk stellen. Während die meisten Menschen kaum einen persönlichen Bezug zu ihren Busfahrern oder Piloten haben dürften, ist die Beziehung zu einem Arzt viel intimer und auch hier könnte es Unterschiede geben, wenn man den Hausarzt mit einem Herzchirurgen vergleicht. Beim Atomkraftwerk geht das Bedürfnis nach Sicherheit schließlich über das Individuum oder eine vergleichsweise kleine Gruppe von Individuen auf die gesamte Gesellschaft und zukünftige Generationen über – würden sich hier mehr für einen Zwang aussprechen? Und apropos zukünftige Generationen: Wie hätten die Befragten entschieden, wenn es um das IQ-Doping des minderjährigen Nachwuchses gegangen wäre?

Besteht aus ethischer Sicht ein Unterschied zwischen herkömmlichen Methoden der Leistungssteigerung, etwa durch Vitamine, Koffein oder Sport und der Einnahme von Neuroenhancern?

Auf diese Frage war die Antwort sehr ausgeglichen: Mit 72 Ja-Stimmen sprachen sich 43 Prozent für einen Unterschied aus ethischer Sicht, mit 78 Nein-Stimmen 46 Prozent dagegen aus. Dieses unklare Bild mag den Konflikt unterschiedlicher Intuitionen widerspiegeln: Einerseits ist allgemein akzeptiert, dass sich viele Menschen durch herkömmliche und frei verfügbare Mittel aufputschen – warum sollte das für leistungssteigernde Psychopharmaka also nicht gelten? Andererseits mögen Bedenken bestehen, vielleicht weil die Substanzen gezielter und unvorhersehbarer wirken, womöglich die Persönlichkeit der Konsumenten verändern, abhängig machen oder die Profitinteressen der Pharmaindustrie dahinter stehen.

Gerade mit Blick auf den letzten Punkt mag es einen Unterschied machen, dass bei den naturwüchsigen Mitteln keine Intention dahinter steht, während die Medikamente für einen bestimmten Zweck und mit Profitabsicht entwickelt wurden. Auch wenn die ethische Tragfähigkeit des Konzepts der Natürlichkeit alles andere als offensichtlich ist, scheint dem Bekannten und Natürlichen gegenüber eine allgemein größere Akzeptanz zu bestehen als dem Unbekannten und Unnatürlichen. Dabei darf freilich nicht vergessen werden, dass natürliche Mittel auch eine schädigende Wirkung haben können und es oft die Dosis ist, die das Gift macht. Ob sich hinter der Antwort bloß eine Art Konservativismus verbirgt, könnte die Zukunft zeigen, falls Psychopharmaka eines Tages als ebenso selbstverständlich angesehen werden sollten wie Kaffee oder andere herkömmliche Mittel.

Glauben Sie, eine legale Vermarktung von IQ-Dopingmitteln würde langfristig die Chancengleichheit in der Gesellschaft zunichte machen?

Angesichts der Antworten zur vorherigen Frage könnte man erwarten, dass die Entscheidungen ähnlich ausgeglichen ausgefallen sind – die Idee der Chancengleichheit könnte dann erklären, warum so viele einen Unterschied zwischen herkömmlichen und neuen Mitteln sehen. Allerdings ist der Unterschied mit 64 Ja-Antworten (38 %) gegenüber 75 Nein-Antworten (44 %) deutlicher ausgeprägt als vorher. Die Mehrheit sieht die Chancengleichheit also nicht in Gefahr. Dabei sollte aber auch berücksichtigt werden, dass mit 29 Entscheidungen für „Ich weiß nicht“ (17 %) bei dieser Frage die Unsicherheit am größten war. Das mag einerseits daran liegen, dass viele nur eine abstrakte Vorstellung von Chancengleichheit haben; andererseits könnte es aber auch schwerer abschätzbar sein, wie sich die Situation „langfristig“ entwickelt, wie es in der Frage ausdrücklich formuliert wurde.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Rolle der Chancengleichheit deutlicher bewertet werden würde, wenn man ein konkreteres Szenario für das Enhancement formuliert: Handelt es sich um Substanzen, die nur einem vergleichsweise geringen Personenkreis zur Verfügung stehen, beispielsweise den Reichsten einer Gesellschaft, oder wird die große Mehrheit von der Verfügbarkeit solcher Mittel profitieren können? Gerade in Deutschland ist diese Frage ein wunder Punkt, wenn man daran denkt, dass hier wie in kaum einem anderen Land die soziale Herkunft über die schulische Laufbahn und die Ausbildung entscheiden. Politisch gesehen scheint sich diese Ungleichheit der Chancen jedoch kaum auszuwirken, da sich dieser Trend bereits seit längerem Zeigt. Im Gegenteil wird er beispielsweise durch das Einführen von Studiengebühren noch verstärkt.

Die Frage des IQ-Dopings ist daher eng mit einem Spektrum weiterer ethischer, politischer und das gute Leben betreffender Themen verbunden. Die Umfrage, an der die Leserinnen und Leser von Gehirn&Geist teilgenommen haben, kann diese Fragen nicht erschöpfend beantworten. Sie bietet aber einen kleinen Meinungsüberblick und regt dazu an, sich mit den weitergehenden Fragen auseinanderzusetzen.

 

Weiterführende Links:

Schöne neue Doping-Welt? Spektrum der Wissenschaft, November 2008

Warum nicht sein Gehirn mit Medikamenten und Drogen aufputschen? Telepolis, Teil 1

Mind-Doping für Alle? Telepolis, Teil 2

 

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Enhancement? Deterioration!

    Enhancement?
    Dass ich nicht lache!
    Andersrum wird ein Schuh‘ draus:

    (zwo Gedichte)

    Ich bin so rundrum mittelschlau.
    In Sprachen gut, in Mathe mau.
    Recht fit auch in Philosophie.
    das Schreiben liegt mir irgendwie.
    Als Anatom kann ich Latein,
    das klingt stets schlau,
    das macht sich fein.
    Doch hapert’s mit dem Glücklichsein.

    Ich les‘ und denk‘ und werd‘ stets schlauer,
    doch wird’s mir dabei immer mauer.
    Klug-Sein macht halt melancholisch.
    Drum in der Apotheke hol‘ ich
    (in meiner grossen Seelennot)
    ein Päckchen Pillen. „Dumm wie Brot,
    wer’n Se nach der Pille sein“
    sagt das Apothekerlein.

    Pille rein!

    Oh, wie ist mir herrlich blöde
    alles spannend, nix mehr öde!
    Oh, wie ist mir alles wurscht!
    Und vor allem hab‘ ich Durscht!
    Die Libido, sie steigt im Suff.
    Wo ist hier der nächste Puff?
    Und, das sollt‘ ich nicht vergessen,
    nach dem Bumsen tüchtig fressen,
    am besten dazu Fernseh glotzen,
    und noch soo drei, vier Fläschchen schlotzen.

    Oh, wie ist mir säuisch wohl!
    Dass ich noch mehr Pillen hol!
    Diesmal viere!
    Und noch’n paar Biere!

    Das Wohlsein steigert sich beträchtlich,
    Sprache, Denken .. nebensächlich.
    Wurscht auch die Ottergraffie,
    Logick, Grommatik, nieder sie!
    Alles shlorzt im Modersompf
    des hörrlchen Plödsinns.
    Iss mir dompf…
    Börpsendauen peristaltisch
    flatulenzorülpsomaltisch
    rübonucleinversäuert

    wer geistreich ist, ist nur bescheuert.


    „O daß wir unsere Ururahnen wären.
    Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor.
    Leben und Tod, Befruchten und Gebären
    glitte aus unseren stummen Säften vor.

    Ein Algenblatt oder ein Dünenhügel,
    vom Wind Geformtes und nach unten schwer.
    Schon ein Libellenkopf, ein Möwenflügel
    wäre zu weit und litte schon zu sehr.“
    (Gottfried Benn)

  2. @ Helmut: Dehancement

    Lieber Helmut, erst einmal vielen Dank für das schöne Gedicht, dass mir einige Lacher ins Gesicht gezaubert hat! Darf ich das künftig zitieren?

    Mit deiner Diagnose der Deterioration durch IQ-Doping möchtest du doch nur von den Substanzen ablenken, die du fürs poetische Schaffen konsumierst (Ottergraffie, Börpsendauen, pff!)! 🙂

    Viele Grüße

    Stephan

  3. @ Schleim

    Das Gedicht kannst Du gerne haben – wenn Du mir Deine email-Adresse gibst (Du siehst doch meine im Admin-Feld, nicht wahr?), dann schick‘ ich Dir eine enttippfehlerte und im Metron bereinigte Version.

    Ich hab‘ dummerweise nichts Substanzielleres zum Thema „Hirndoping“ beizutragen gehabt. WAS mich allerdinsg nach wie vor sehr interessiert, ist der Zusammenhang zwischen Melancholie/Depression und Kognition (von mir aus auch als „IQ“ gemessen). Mit anderen Worten: stimmt der folgende böse Satz von Gottfried Benn (immer wieder er)?
    „Dumm sein und Arbeit haben, das ist Glück!“

  4. Unter den blinden…………..

    Hallo,
    da ich nach wie vor denke, dass IQ und EQ zwei schneiden des selben Schwertes sind, kann ich mir nicht vorstellen, das es Neuroenchancement wirklich Nebenwirkungsfrei gibt.
    Mit Herr Wicht teile ich den schieren Hohn für diese Bemühungen.
    Es scheint ja leichter zu sein etwas einzunehmen, als sich etwas anzunehmen. Auch und vor allen sich selbst. Es gibt doch auch diese Wundermittelchen überhaupt noch nicht. Was wir haben sind Abfallprodukte, der medizinischen Forschung, deren Langzeitwirkungen, erst noch in zwanzig Jahren,
    statistisch ermittelt werden müssen.
    Ein Leben ohne Reichtum, wird auch mit jeder Droge arm bleiben. In einem reichem Leben ist eine Droge wohl oft nur eine Ablenkung keine Bereicherung.
    Mein Resüme ist, das in einer Welt die vom wegschauen lebt, die beste Brille nichts hilft.

    Gruß Uwe Kauffmann

  5. @ Kauffmann: Intelligenz und gutes Leben

    Ja, wie ich im Artikel schon andeutete, kommt man meines Erachtens früher oder später nicht um die Frage herum, wie viel Intelligenz man für ein glückliches Leben braucht.

    Die Frage hat in seinem Gedicht ja auch Herr Wicht angesprochen und den Vergleich, ob man lieber das glückliche Schwein oder der unglückliche Sokrates sein möge, den gab es in der Antike schon.

    Ich glaube, Intelligenzpillen werden die Menschen nicht glücklicher machen — aber dafür zu argumentieren, das ist ein weites Feld.

    Viele Grüße

    Stephan Schleim

  6. Brainnom entwickelt sich langsam.

    Hallo,
    Leben ist ein grusselig weites Feld. Ich denke es
    sollte uns erst mal gelingen unsere Fesseln abzulegen. Haben denn die meisten Menschen die Möglichkeit, ihr Leben jenseits der Rollen, die sie Leben zu gestallten? Es ist wohl erst einmal notwendig, einem die Möglichkeiten des Lebens aufzuzeigen, bevor ein Geist beschleunigt wird, damit er nicht in Leere läuft.
    Wie Sie ja Wissen, war ich in Nürnberg. Auch und vor allen um Herr Metzinger zu sehen.
    Ich sehe mich als Eigentum meines Geistes, sollte es wirklich einigen gelingen, ihren Geist, als Eigentum Ihrer selbst zu sehen, dann sei es ihnen geschenkt, alles zu nutzen, der Preis ist eh hoch genug.
    Ich sehe das Gehirn als datenverarbeitendes System, es ist wohl nicht zu erwarten, dass sich allen, aller Sinn dieser Maschienen erschließt.
    Aber wir sind auf dem Weg nach vorn und wenn wir uns nicht selbst auslöschen, haben wir die Option, eines Tages wirklich zu verstehen.
    In diesem Sinne möge Neuroenchancement, mehr als der nächste Opiumkrieg sein.

    Gruß Uwe Kauffmann

  7. IQ-Doping

    Wahrscheinlich wäre es tatsächlich völlig ausreichend, wenn jeder erst mal versucht, sein Gehirn zu BENUTZEN und es nicht nur zu BESITZEN. Das würde wahrscheinlich schon einen riesigen Erkenntnisgewinn für den einen oder die andere bringen, so dass man sich die Mittelchen sparen kann.
    Auch nicht vergessen werden sollte, dass Intelligenz nicht zwangsläufig etwas mit gesundem Menschenverstand zu tun hat. Jeder kennt wohl ehemalige Kommilitonen oder Mitschüler, die mit Super-Abschlüssen winken können… aber -sorry- strohdumm sind. Auch der „gesunde Menschenverstand“ ist jetzt wieder ein weites Feld, aber die Diskrepanz ist doch manchmal erschreckend, wenn man bedenkt, dass oft bei Stellenbesetzungen die Abschlussnote zum alleinigen Kriterium gemacht wird.
    Ob Intelligenz allein glücklich macht -tut sie nicht- muss man natürlich sowieso fragen dürfen. Und dass Wissen meist noch „schlimmer“ ist, ist auch klar. Nur leider (wenn man es ausschließlich von der Seite ‚glücklich oder nicht‘ betrachtet)kann man weder Verstand noch Wissen wegbeamen. Die Frage ist eigentlich: Will ich lieber wissen, erkennen, verstehen – oder reicht es mir, mich einfach unreflektiert glücklich zu fühlen ? Nun ja, wer darüber nachdenkt, hat die Antwort eigentlich schon selbst gegeben.
    Wie gesagt, ein weites Feld.

  8. @ Monika Georges

    Eigentlich hab‘ ich mit der jüdischen Mythologie wenig am Hut, aber die Geschichte mit dem Apfel trifft’s in diesem Falle recht genau.

    Man muss sie noch nicht mal moralisch lesen („eritis .. scientes bonum et malum“ – „ihr werdet um Gut und Böse wissen“). Das „eritis … scientes“ („ihr werdet Wissende sein“) reicht als Fluch und Anreiz schon vollständig aus.

    Wer in den Apfel beisst, wer das erste mal erkennt, und weiss, dass er etwas erkannt hat – der hat schon verloren. Vorher: ein gleichförmiger (und gleichgültiger!) Seinszusammenhang. Danach: nichts als Differenz, Subjekte und Objekte, Wünsche und Wirklichkeiten.

    Das Erkennen, das Wissen, das Denken, so könnte man denken, ist tatsächlich kein Prozess der Annäherung an die Welt, es ist vielmehr die systematische Entfremdung von ihr.

    Denkend fallen wir aus der Welt hinaus. Vielleicht ist deshalb die idealistische Weltsicht für die Denkenden so verführerisch: Das Denken selbst soll die Welt sein, wir haben gar nichts verloren, denkend kommen wir zu uns und der Welt.

    Is‘ aber gar nicht wahr, das Denken erzeugt munter weiter Differenzen, und wenn der olle Hegel am Ende – nicht mit dem Hammer, sondern mit dem Heissleim philosophierend – das „Sein“ und das „Nichts“ in eines kleistert, so ist das eigentlich nur das Eingeständnis der Scheiterns, der vergebliche Versuch, zu einer Einheit zu kommen, und sei’s um den Preis des Opfers der Logik.

    Denken ist Murks. Und Apfelbäume gehören abgeschafft. Ein Birnbaum, mit der Aufschrift „eritis molle sicut pirum in piro“ („ihr werdet birnenweich in der Birne sein“) – das wäre die Remedur.

  9. @ Helmut: Birnenbaum

    Meinst du, den Birnenbaum, der ein Gegenmittel gegen den Apfel der Erkenntnis sein kann, gibt es nicht schon längst in der Form von Drogen?

    Schau dir doch an, was beispielsweise jahrelanger Alkoholmissbrauch anrichtet: Leute, die wochenlang brauchen, um einen neuen Bekannten wiederzuerkennen!

    Wie verstehe ich dich also richtig? Geht es um so etwas wie eine goldene Mitte oder den Korsakoffpatienten als Idealbild?

    Auch wenn wir jetzt nur übers Enhancement sprechen — Dehancement gibt es doch genauso!

  10. @ Stephan

    Ich weiss, ich hab‘ übertrieben, um eines Wortspieles willen hab‘ ich Äpfel und Birnen, Hegel und Heissleim in eines geworfen.

    Freilich will ich NICHT dazu raten, sich dem Suff oder sonstigen Drogen hinzugeben. Ich hab‘ nur ein sehr verstörendes Erlebnis, das mir nicht aus dem Kopf gehen will. Ich hatte mal einen mittelschlimmen Motorradunfall, der mir eine klaffende Fleischwunde am Bein einbrachte. Ich hab‘ damals (das ist bald 7 Jahre her) vom Notarzt das erste und einzige Mal in meinem Leben Opiate verabreicht bekommen.

    Wüsste ich nicht, dass der erste Kick der beste ist und dass er so nie wieder kommen wird: Ich würd‘ alles daransetzen, wieder in den psychischen Zustand zu kommen, in dem ich damals im Krankenwagen war. Ich hab‘ mich nie zuvor so – ja, wie soll ich sagen? – „aufgehoben“ gefühlt ohne dass ich jedoch den Eindruck hatte, kognitiv irgend etwas eingebüsst zu haben.

    Nein, nochmal: das ist KEIN Plädoyer für Drogen. Es ist eher ein Plädoyer gegen eine Welt, die ihrer bedarf, um für einige von uns erträglich zu sein.

  11. @ Wicht: nix Apfel

    Es war kein Apfel, sondern eine Frucht. Die Frucht wurde wohl zum Apfel – jetzt zitiere ich aus dem Gedächtnis und hoffentlich ist es richtig – , weil die katholische Bibelübersetzung in Latein war. Schlecht und Apfel haben das gleiche lateinische Wort. Das wirst Du als Lateiner schnell nachprüfen können.

    Aber davon mal ab, die Bibelstelle ist sehr komplex. Das Streben nach Erkenntnis ist gar nicht mal die Quelle allen Übels.

  12. mmmphhh………

    Hallo,
    immer diese Schimpferei auf den Spritt, der macht ja zum Leidwessen seiner User, nicht so dauerhaft gleichgültig, wie es ihm vorgeworfen wird.
    Sehr viel sicherer in der Anwendung dürften dann wohl Benzos und Genossen sein. Wäre wohl mal interresant wieviel Bundesbürger wir haben müsten, wenn diese Medikamente, nur für die empfohlene Therapiedauer angewendet würden.

    Der Klasiker für dehancement ist für mich das Privatfernsehen. Für mich läuft Sucht, auf den
    Einsatz von Wahrnehmungsfiltern heraus, die man sich kaufen und nicht erarbeiten muss.

    Wie kann man allgemeingültig, für sich zwischen Information und Desinformation unterscheiden?

    Gruß Uwe Kauffmann

    Dehancement

  13. Es gab vor Jahren mal eine Umfrage in den USA. Würden Sie diese Tablette nehmen, wenn Sie dadurch in einer von Ihnen frei gewählten Disziplin bei den Olymischen Spielen gewinnen würden? Das Mittel ist nicht nachweisbar. Nebenwirkung: Sie würden nach 12 Monaten tot umfallen. ( Kein schrecklicher Tod). Hier gab es auch sehr viele Menschen, die sich für die Tablette entschieden hätten. Ich glaube der Mensch ist anfällig für „Doping“ jeder Art.

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