Medienschelte die Zweite

Kürzlich verteilte ich dem Autor eines Beitrags für das nano-Magazin auf 3sat eine Schelte. Einen Tag später lief ein Beitrag zum selben Thema in der ARD-Sendung panorama. Inzwischen wurde mir berichtet, dass von der interviewten Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert, Professorin an der Universität Münster, nur einseitig solche Statements ausgewählt worden seien, in denen sie die Vorteile des "Neuro-Enhancements" thematisiert. Tatsächlich könnte man den Eindruck gewinnen, Frau Schöne-Seifert wolle die Psychopharmaka zur Leistungssteigerung uneingeschränkt empfehlen. Der interviewte Pharmakologe Gerd Glaeske, Professor an der Universität Bremen, erscheint viel kritischer als die Ethikerin. Für den Zuschauer ist es durch diese Auswahl nicht ersichtlich, welche Argumente oder Bedenken Frau Schöne-Seifert gegen das Enhancement haben könnte.

Bei der Sendung ist mir ein ganz anderer Satz übel aufgestoßen, den die Sprecherin von ARD äußert: 

Für 25 Prozent der amerikanischen Studenten gehören Mittel wie Ritalin zur Prüfungsvorbereitung (3:30, DasErste.de)

Von diesen mysteriösen "25 Prozent" hört man immer wieder und man gewinnt den Eindruck, ein Viertel der Studierenden in den USA würde ohne die Stimulanzien und andere Medikamente gar nicht mehr studieren können. Dieselbe Geschichte wird auch auf der Internetseite zum 3sat-Bericht unter der Überschrift "Immer mehr Schüler in Deutschland dopen ihr Gehirn" erzählt:

Ein Viertel aller Studenten in den USA puscht sich bereits mit Medikamenten auf. (3sat.de)

Gleich im nächsten Satz gesteht man, für Europa und Deutschland gebe es noch keine Zahlen – woher weiß man also, dass tatsächlich immer mehr Schüler hierzulande "ihr Gehirn dopen"? Kommen wir aber zurück zum Viertel: Hierbei handelt es sich um einen Waschechten Faktenfehler. Es gibt keine Studie, die einen derart hohen Konsum nahe legt. Die mir bekannten repräsentativen Studien aus den USA finden Ergebnisse im einstelligen Prozentbereich und hierbei muss man zusätzlich differenzieren, wie viele wirklich regelmäßig zu den Substanzen greifen und wie viele sie bloß ein paarmal probieren. Die Zahlen schrumpfen dann noch einmal auf die Hälfte.

Selbst unter Naturwissenschaftlern in den USA sind die Zahlen nicht so hoch, wie ich kürzlich unter der Überschrift "Wissenschaftsdoping" hier thematisiert habe. Das finde ich deshalb interessant für einen Vergleich, weil in dieser Gruppe einerseits ein besonders hoher Leistungs-, Publikations- und Konkurrenzdruck herrscht, andererseits davon ausgegangen werden kann, dass sie leichter an die Substanzen kommen als andere Forscher. Der Durchschnitt über alle Bereiche der Wissenschaften dürfte daher niedriger liegen.

Auf der Seite von 3sat fällt außerdem auf, dass auch hier wieder ein Ethiker ausschließlich so zitiert wird, als würde er den Einsatz der Substanzen einseitig befürworten. Hier hat es Thorsten Galert von der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH getroffen. Traut man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen den Zuschauern nicht zu, mit Kritik umzugehen? Wollte man die Geschichte einseitig Lancieren, um eine Sensation zu erzeugen? Greifen die Autoren womöglich selbst regelmäßig zu den Medikamenten und wollen daher diese Praxis möglichst positiv in den Medien darstellen? Die Antwort bleibt dem Zuschauer selbst überlassen…

…wenn er sich diese Frage überhaupt stellt. Schließlich drängen beide Beiträge die Sichtweise auf, das "Neuro-Enhancement" gehöre an deutschen Schulen längst zum Alltag. Das wirklich Gemeine an dieser einseitigen Darstellung ist, dass sie unsere Schüler und Studenten weiter unter Druck setzt, zu Stimulanzien zu greifen. Wenn einem das Fernsehen zeigt, dass schon jeder vierte Kamerad Pillen schluckt, um bessere Noten zu bekommen, dann müssen die Substanzen ja wirken und können nicht so gefährlich sein. Vielleicht erzeugen die Medien damit eine self-fulfilling prophecy und in ein paar Jahren haben wir es wirklich mit so hohen Zahlen des Substanzmissbrauchs zu tun. Vielen Dank, öffentlich-rechtliches Fernsehen!

Ich bin froh, dass ich noch nicht unter diesen Umständen Abitur und Studium abschließen musste. Um den angerichteten Schaden zu beheben, sollten ARD und 3sat Informationsveranstaltungen an deutschen Schulen bezahlen, in denen die Fakten und Mythen über das "Neuro-Enhancement" sauber getrennt werden. Die zitierten Beiträge diskreditieren in meinen Augen die Glaubwürdigkeit des Wissenschaftsjournalismus in Deutschland; es scheint fast so, als hätten die jeweiligen Autoren von ein paar schwarzen Schafen in den USA abgeschrieben, wo auch schon vom Virtel die Rede war.

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www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. das Fernsehen und die Zeitungen @Schleim

    „Seht mir doch diese Überflüssigen! Sie stehlen sich die Werke der Erfinder und die Schätze der Weisen: Bildung nennen sie ihren Diebstahl – und alles wird ihnen zu Krankheit und Ungemach!

    Seht mir doch diese Überflüssigen! Krank sind sie immer, sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung. Sie verschlingen einander und können sich nicht einmal verdauen.“ (Nietzsche)

    Sie schrieben einmal, daß es bei manchen Wissenschaftlern verpönt ist, im Fernsehen aufzutreten. Ich muß denen rechtgeben: Im Fernsehen aufzutreten bedeutet, „die Perlen vor die Säue zu werfen und das Heiligtum den Hunden zu geben“ ((Matth. 7,6) Außerdem kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, daß das Fernsehen nur der Selbstdarstellung und der eigenen Eitelkeit dient. Ein Wissenschaftler sollte sich anderer Medien bedienen (Blog), wo es nicht um Einschaltquoten geht.

  2. @Schleim

    Sehr geehrter Herr Schleim,
    es gibt für mich ganz eindeutig Informationsklassen.
    Vom lokalem Käseblatt bis zu Zeitungen, wie Welt und Zeit. Bei der Zeitung mit den großen Buchstaben, ist denn auch deutlich zu sehen, daß es oft nur noch um den Aufhänger geht. Wenn dann im eigentlichen Artikel, nur noch die Empörung bedient wird, die mit der Schlagzeile hervorgerufen wird. So wird dann aus einem Informationauftrag ein Unterhaltungsjob.
    Dies zieht sich konsequent durch so ziemlich d alle Medien.
    Polemisieren und Informationselektion gehören zum journalistischem Handwerk.
    Aber gibt es denn eine ofizielle Verpflichtung Informationen, für alle verständlich, der Sache angemessen komplex und für niemanden langweilig darzustellen.
    Schon früher wahren die Politmagazine, der öffentlich rechtlichen plakativ und teilweise einseitig.
    Das die private Konkurenz das nicht verbessern würde, war mir bei der Einführung des Privatfernsehens bereits klar.
    Dem scheinbar unseriösem Jöurnalisten steht ein unkritischer Medienkonsument gegenüber, der
    nicht bedenkt, das Informationen immer in einem Kontext stehen.
    Im Alltag sind wir unseren Mitmenschen gegenüber nicht so unkritisch.
    Also Kopf hoch, nicht immer schimpfen, und selbst besser machen.

    Gruß Uwe Kauffmann

  3. @ Hilsebein

    Dietmar,

    es geht IMMER um Einschaltquoten, auch in „peer reviewed journals“, selbst auf Kongressen, und natürlich auch in Blogs. Die Herren aus der „Metablogszene“ (e.g. Viralmythen/Wissenswerkstatt) sind gerade bemüht, ein „ranking“ und „impact“-System für blogs auf die Beine zu stellen, ganz analog zum den tradierten Print-Medien.

    (Werbeeinblendung)
    Die Frage ist immer: wer und wieviele lesen’s, wer und wieviele kommen zu meinem Vortrag, wer und wieviele diskutieren mit mir. Der kommende „Wichts Winkel“ („Least frequently cited“, demnächst auf der HP von G&G) wird sich mit diesem Thema beschäftigen, und ich hoffe auf hohe Einschaltquoten…
    (Ende Werbeeinblendung)

    (polemische Einblendung)
    Vielleicht ist der Akt der Kommunikation ja stets mit der „Vanitas“ der Kommunizierenden verknüpft und gar nicht davon zu lösen. Sollen sich halt die Evolutionspsychologen auf die Suche nach den biologischen Wurzeln der Eitelkeit und der Ruhmsucht machen, denen ist ja bekanntlich nichts bekannt, was nicht irgendwie reduzibel und naturalisierbar wäre. Auf die trifft das Nietzsche Zitat dann zu: ihnen wird alles zu Galle und Reproduktionsrate.
    „Religiös bumst besser resp. reproduktiver.“ Juchu, die Naturalisierung der Religion führt zum religiösen Naturalismus, und wenn wir darüberhinaus so weit kämen, die Eitelkeit zu naturalisieren und zu erkennen, dass die Welt eitel ist, so sind wir endlich da, wo das alte Testament schon lange war: „Vanitas vanitatum et omnia vanitas.“ (Prediger Salomo)
    (Ende polemische Einblendung)

  4. @ Wicht

    „es geht IMMER um Einschaltquoten“

    Ach, Helmut, und ich war so naiv an den faustischen Charakter des Wissenschaftlers zu glauben. Eben wissen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält und es nicht nur zu glauben. Sind wir nicht alle ein stückweit auf der Suche nach dem Gral, egal, ob wir Biologen, Chemiker, Physiker oder Dichter und Denker sind? Aber es scheint als hätte Wagner doch recht, wenn es heißt: „Kein Weg führt zum ihm (Gral) durch das Land und niemand könnte ihn beswchreiten, den er nicht selber wird geleiten“.

  5. Öffentlich-rechtlicher Auftrag?

    Da las ich erst gestern, dass das BVerfG die Notwendigkeit von öffentlich-rechtlichen Sendern für die Information des steuer- und GEZ-zahlenden Bürgers sieht und dann so etwas? Wir verschleudern unsere Zwangsbeiträge für eine Wissenspräsentation, welche keinen Deut besser ist,als die der privaten Sender?

    Traurig, dass nur kritische „Fachleute“ solche „Volksverdummung“ aufdecken können und das Medium „Blog“ eine ganz besondere Bedeutung bekommt……

    Eigentlich wäre es an der Zeit, dass sich Wissenschaftler zusammentun und gemeinsam z.B. im Petitionsausschuss (geht zwischenzeitlich auch via Internet) gegen so etwas protestieren…

  6. Vanitas

    Was heißt das Helmut?

    „Vanitas vanitatum et omnia vanitas.“ (Prediger Salomo)

    Alles ist eitel und Haschen nach Wind? Oder es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.

    Latein kann ich nicht, aber wenigstens kenne ich mich etwas in der Bibel aus.

  7. @ Huhn

    wörtlich:
    „Eitelkeit der Eitelkeiten und alles Eitelkeit!“

    Es lohnt sich, sich die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „eitel“ vor Augen zu führen (-> Grimms Wörterbuch): „eitel“ heisst „leer, vergeblich“. Im Englischen: „vanity/vain“ und „in vain“.

    Hübsch – nicht wahr – wenn die Sprache mit fest eingebauter Kritik am Sein daherkommt.

  8. Eitelkeit = Leere // leeres Bloggen

    Vielleicht verstehen jetzt auch manche, warum ich die Behauptung, man blogge aus Eitelkeit, auf dem Treffen in Deidesheim nicht auf sich beruhen lassen wollte (konnte).

    In vino vanitas! 🙂

    Was ist denn eigentlich der Bedeutungsunterschied zwischen vanitas und superbia? Eitelkeit und Stolz…?

  9. @ Wicht

    Ich habe es mir mal in der Elberfelder angeschaut, der genauesten deutschen Bibelübersetzung.

    „Nichtigkeit der Nichtigkeiten, alles ist Nichtigkeit!“

    Das ist dann noch etwas anderes als Leere. Leeres bloggen ist wohl kaum möglich, aber nichtiges? 😉

    Sehr schön finde ich auch das Fazit des Predigers, nachdem er abhandelt, was alles kein Sinn im Leben macht/gibt.

    „Das Endergebnis des Ganzen laßt uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das [soll] jeder Mensch [tun]. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen.“ (Prediger 12,13-14)

  10. @Huhn

    „Das Endergebnis des Ganzen laßt uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das [soll] jeder Mensch [tun]. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen.“ (Prediger 12,13-14)

    Bleibt zu hoffen, daß nicht wieder ein Moralapostel im Büßerhemd auftritt, der uns die „Gebote“ lehrt. Wenn es einen Gott gibt, so tut er gut daran, im Verborgenen zu bleiben -denn was gäbe es sonst für den Menschen zu erkennen?

  11. @Schleim

    Sehr geehrter Herr Schleim,
    sind meine Beiträge unsichtbar? Vielleicht indiskutabel?

    Gruß Uwe Kauffmann

  12. Mehr als Übersetzer

    Der Wissenschaftsjournalismus ist ein besonderer. Das liegt an seinem Gegenstand: Wissenschaft eben. Niemand würde meinen, ein Politikjournalist habe die Aufgabe, einem breiten Publikum zu „vermitteln“, was der Verkehrsminister auf seiner Agenda stehen hat. Oder zu „popularisieren“, was der Finanzminister sagte. Auch kein Wirtschaftsjournalist soll „übersetzen“, was Experten in Expertensprache untereinander austauschen. Bei politischem oder Wirtschaftsjournalismus ist m.a.W. klar, dass der Journalist kein Übersetzer ist, sondern ein UNABHÄNGIGER, kritikfähiger Einordner, Darsteller, Transparent-Macher, Meinungen Zusammenführender, Kommentator, Gewichtender usw. Der Wissenschaftsjournalismus als Journalismus sollte ebenso sein, sich nämlich nicht im „Übersetzen“ vom Fachchinesisch in Alltagssprache erschöpfen. (Viele Wissenschaftler meinen das aber immer noch und wundern sich, dass Journalisten, wenn sie mal mit ihnen zu tun haben, „ganz anders ticken“ als erwartet.)
    Soweit die Vorrede. Wichtig ist, dass der Wissenschaftsjournalist klar macht, welche seiner vielen denkbaren Attitüden er in einem konkreten Beitrag hat. Sich selbst und seinem Publikum. Der Möglichkeiten sind etliche: Darstellen, Erklären, Kommentieren, Einordnen, Unterhalten, Motivieren, nachdenklich Machen, Konfrontieren, Nachhaken, Vermitteln, Gegenüberstellen usw. EIN handwerkliches Mittel dazu ist Auswahl von Zitaten eines Fachmanns/einer Fachfrau, oder auch Verdichtung. In Deinem Fall, lieber Stephan, wurde dieses Mittel aber ganz offensichtlich grob fahrlässig eingesetzt: Durch das Aussieben blieb am Ende eine isolierte Position übrig, viel zu stark verkürzt. Schlechtes Handwerk, bin ich geneigt zu sagen. Oder: Typisch Fernsehen. (Ja, Gert, es gibt Ausnahmen, d’accord!) Ich halte aber lieber das Maul – sitz ich doch selbst im Glashaus … Jedenfalls ist die Sache ärgerlich für Dich. Was lernen wir daraus? Vielleicht ein kleines Hoch auf Printmedien 🙂 Die haben nämlich zumindest die Chance, vor Drucklegung noch einmal Zitate vom Zitierten gegenchecken zu lassen. Vielleicht. Sicher aber ein Hoch auf Blogs. Denn ein Beitrag wie Deiner ist ohne Zweifel dazu angetan, den einen oder anderen Journalisten nachdenklich zu machen. Plötzlich hat der interviewte Experte (dieses ohne Journalist daneben für gewöhnlich nahezu stimmlose Wesen) ein Medium in der Hand, Dinge geradezurücken – die ihm zwar nicht in den Mund gelegt wurden in Deinem Fall. Die aber durch die Auswahl der Statements beim Kürzen des Materials, beim Gewichten und Schneiden Dich plötzlich in eine bestimmte Ecke gestellt haben, in der Du gar nicht steckst. Nur Dein mediales Alter Ego ist es – zumindest im 3sat-Archiv.

  13. @ Kauffmann

    „sind meine Beiträge unsichtbar? Vielleicht indiskutabel?“

    Streben Sie nach weltlicher Anerkennung? Was liegt an Ihnen? Was liegt an der Welt?

    „Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen lenken die Welt…die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen.“ (Nietzsche)

  14. @Hilsebein

    Hallo,
    also weltlich wäre mir schon lieber als posthum
    :-).
    Nein ich bin einfach ein Fan von Kritik und da steht an erster Stelle die Selbstkritik.
    Traue keinem am wenigsten dir selbst. Unser junges Universaltalent teilt meine Grundhaltung da wohl nicht. Es ist halt das Privileg der Jugend frisch und ohne viel Balast an Lebenserfahrung (macht einen auch betriebsblind für neues), mit ihren Pfunden wüchern zu können.
    Ich habe Herrn Schleim, als jemanden kennengelernt der profunde Blogbeiträge abliefert. In des scheint es mir, daß er in letzter Zeit etwas leichtfüßiger unterwegs ist.

    Aber Schwamm drüber, dafür gefällts Anderen bestimmt besser.

    Schönes Wochenende

    Uwe Kauffmann

  15. @ Dietmar Hilsebein

    „Ein Wissenschaftler sollte sich anderer Medien bedienen (Blog), wo es nicht um Einschaltquoten geht.“
    Diese Auffassung teile ich auch, wobei …es soll auch Blogger geben, welche für ihre „Seitenaufruf-“ oder „Verlinkungsquoten“ bloggen??…. ;-)))))

  16. @ Armand

    Sie haben ja recht: eine gewisse Sucht (der Wille treibt) ist schon gegeben. Ist es der Anerkennung wegen? Eitelkeit? So ganz will ich es nicht abstreiten. Und doch steckt wohl mehr dahinter. Kommunikation ist immer auch ein Austausch -ein Geben und Nehmen. Dabei läuft ein Prozeß ab. Wohin dieser dann führt -darüber kann ich nur spekulieren.

  17. @ Kauffmann

    Als „junges Universaltalent“, wie Sie es nennen, hat man oft auch anderes zu tun als sich den Blogs zu widmen (fragen Sie mal meinen Chef, was der davon hält). Subtile oder explizite Provokationen („leichtfüßig“) mag ich schon gar nicht. Eigentlich hätte ich jetzt auf Ihren längeren Beitrag von unten geantwortet aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen, schon gar nicht für mein ehrenamtliches Engagement bei den Brainlogs.

  18. @ Könneker

    Vielen Dank, Carsten, für diese Reflexion aus journalistischer Sicht. Ich finde das ganz wichtig, was du ansprichst; und ich sehe inzwischen auch ein, dass man als Wissenschaftler an die Medien nicht den selben Anspruch haben darf wie an sich selbst oder die Kollegen.

    Hier geht es aber nicht nur um die selektive Auswahl der Interviews (übrigens wurde mir inzwischen erklärt, dass mein Bekannter, Nicolas Langlitz, der in der Panorama-Sendung gezeigt wird, nicht etwa für seine ganze Doktorarbeit Modafinil genommen habe, sondern in diesem Zeitraum von mehreren Jahren eine einzige Packung ausprobiert habe; das kommt im Fernsehen total anders rüber), sondern zusätzlich um den wie ich finde gravierenden Faktenfehler: Es gab in einer großen Untersuchung an über 100 Colleges in den USA, die 2005 veröffentlicht wurde, ein einziges, an dem 25 Prozent der Studierenden geantwortet hatten, sie hätten mindestens einmal innerhalb des letzten Jahres illegal Stimulanzien ausprobiert; alle anderen Colleges lagen weit darunter — und das deutsche Fernsehen macht daraus: Jeder vierte Student dopt.

    Gerade am Wochenende habe ich eine noch extremere Behauptung gehört; Beitrag folgt in Bälde.

  19. Faktenfehler

    Na, der „Faktenfehler“ ist natürlich schlagend. Recherchieren sollte man schon können als Journalist. Das ist natürlich schlechtes Handwerk, keine Frage.

    PS: Bin gespannt auf Deine nächste Medienschelte!

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