Legt das Gehirn alles fest? Einleitung

Hirnforscher versprechen uns revolutionäre Einsichten in unsere Psyche. In meinem Buch „Die Neurogesellschaft“ habe ich einige Thesen einer kritischen Prüfung unterzogen. Darauf reagiert nun der frühere MPI-Direktor Kuno Kirschfeld.

Verschaltungen legen uns fest; das Gehirn determiniert unser Verhalten – mit diesen Aussagen treten namhafte Hirnforscher in der Öffentlichkeit auf und wollen damit deutlich machen, dass der wichtigste Gegenstand zur Erforschung der menschlichen Natur das Gehirn ist. Neben der Aufwertung der eigenen Disziplin gehen damit oft gesellschaftlich weitreichende Schlüsse einher: Der Mensch besäße keinen freien Willen; man dürfe nicht mehr von Schuld und Strafe sprechen; das geltende Strafrecht müsse ersetzt werden. Ohne Strafe bliebe damit wohl nur der Gedanke der Prävention, nicht das Wegsperren von Schuldigen, sondern das Unschädlichmachen „gefährlicher“ Gehirne, durch Therapie oder Sicherungsverwahrung.

Ich bezweifle nicht, dass die Hirnforschung einen enormen Erkenntniszuwachs gebracht hat und neue Messverfahren faszinierende Einblicke in das menschliche Gehirn liefern. Ich war nicht zuletzt nach Abschluss meines vor allem auf Philosophie und Psychologie fokussierten Studiums so von der Hirnforschung begeistert, dass ich mich für eine Doktorarbeit zum moralischen Verhalten des Menschen mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) entschied, also dem Verfahren, das viele für das zurzeit wichtigste Instrument zur Untersuchung der menschlichen Psyche halten. Das war eine Entscheidung, die die folgenden dreieinhalb Jahre meines Lebens prägte und meine akademische Laufbahn bis heute beeinflusst.

Im Zuge meiner Arbeit bekam ich mehr und mehr den Eindruck, dass es sehr viel gibt, was wir noch nicht über das Gehirn wissen. Vor allem jenseits der grundlegenden Wahrnehmungs- und Verhaltensdomänen wie Sehen, Hören oder motorischen Bewegungen, schienen mir die Theorien noch sehr vorläufig, schienen mir Interpretationen häufig im Auge des Betrachters zu liegen. Diese Wissensgrenzen schienen mir im starken Gegensatz zu den weitreichenden Schlüssen mancher Hirnforscher zu sein.

Vom „Gedankenlesen“ zur „Neurogesellschaft“

Mit meinem ersten Buch „Gedankenlesen: Pionierarbeit der Hirnforschung“ (Heise Verlag, 2008) wagte ich den Versuch, einer breiten Öffentlichkeit die Grundlagen sowie einige wegweisende Experimente der fMRT-Forschung zu erklären. Ich hätte die Zeit vielleicht besser in meine Doktorarbeit gesteckt; aber ich fand es damals zu irritierend und auch zu schade, dass in den Medien vor allem Berichte einer Form präsent waren: Bei unseren Versuchspersonen leuchtete Gehirnareal X auf und daher war bei der Aufgabe Y der psychische Prozess Z präsent. Wir alle kennen diese Erklärungen, man habe beispielsweise immer gedacht, die Aufgabe oder Interaktion Y werde durch rationales Abwägen gelöst, nun könne man aber im Gehirn feststellen, dass es tatsächlich Gefühlsreaktionen sind.

An diesen vielen Berichten gefiel mir nicht, dass die experimentellen Voraussetzungen, die methodischen Einschränkungen so gut wie nie reflektiert wurden. Warum machte sich kaum jemand die Mühe, der Öffentlichkeit überhaupt die Funktionsweise, Chancen und Grenzen der Forschungsmethode zu erklären? Warum wurde so viel Aufmerksamkeit auf das schöne Ergebnis gelegt und nicht auf den oft so schwierigen und manchmal nicht eindeutigen wissenschaftlichen Weg dorthin?

In meinen stets theoretischer und historischer werdenden Untersuchungen stieß ich auf immer mehr Ungereimtheiten. Das beste Beispiel hierfür ist der Fall des Bahnarbeiters Phineas Gage, der 1848 einen furchtbaren Unfall erlebte. Es finden sich unzählige Berichte darüber – noch 2008 schloss ich mich dieser Sichtweise an –, die Gehirnverletzung des Arbeiters habe aus einem vorbildlichen Mann einen gefährlichen Psychopathen gemacht. Je mehr man liest, desto bunter werden die Beschreibungen: Lügen, Gewalt, Trunkenheit, Promiskuität bis hin zur völligen Lebensunfähigkeit.

Liest man jedoch die historischen Quellen von 1848, 1850 und 1868 sowie systematische neuere Untersuchungen von Wissenschaftshistorikern, dann wird man eine große Überraschung erleben. Kaum einer dieser Berichte von Persönlichkeitsveränderungen ist in den Originalquellen fundiert. Der Fall scheint mehr die Lebensgeschichte eines Menschen zu schildern, der sich nach einem traumatischen Unfall, der ihn beinahe das Leben gekostet hatte, nicht mehr leicht in der Gesellschaft zurechtfand (vgl. Die Neurogesellschaft, Kap. 3.2).

Der Mythos von den Willenstäuschungen

Ein anderer Topos, der sich häufig in der neueren Literatur findet, betrifft die Machbarkeit von Bewusstseinszuständen. Zum Beispiel brauche man nur an der richtigen Stelle im Gehirn zu reizen und schon hätten Menschen ein bestimmtes Willenserlebnis; schlimmer noch, die Menschen könnten die Auswirkungen der elektrischen Stimulation nicht durchschauen und würden stattdessen glauben, sie selbst hätten dieses Erlebnis bewirkt. Daraus wird schnell verallgemeinert, wir dürften auch im Normalfall unseren Eindrücken keinen Glauben schenken. Wo wir uns als selbst Wollende, Entscheidende und Handelnde wahrnähmen, sei in Wirklichkeit alles durch unbewusste Gehirnaktivierung festgelegt. In dieser Welt bedürften wir wahrhaft des Hirnforschers, um Licht ins Dunkel unserer Motive und Gründe zu bringen.

Bei der Diskussion eines entsprechenden Falls kritisiere ich in „Die Neurogesellschaft“ einen Buchbeitrag von Kuno Kirschfeld (2008), den er mir nach einer kurzen E-Mail-Diskussion freundlicherweise zugeschickt hat. Mein Haupteinwand gegen seine Interpretation eines Experiments des Pioniers auf dem Gebiet der Hirnstimulation José Delgado (1971) war, dass der Bericht zwei Deutungen zuließ: Die elektrische Reizung könnte entweder (1) eine Sinnestäuschung hervorgerufen haben (z.B. ein Rascheln unter dem Bett), die eine entsprechende Entscheidung (z.B. unter dem Bett nachzuschauen) und ein Verhalten nach sich zog (z.B. das Nachschauen) oder (2) direkt die Entscheidung (z.B. unter dem Bett nachzuschauen), sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten (z.B. das Nachschauen).

Dieser Unterschied scheint mir nicht trivial. Beispielsweise kann mich auch jemand am Fuß kitzeln, woraufhin ich mich entscheiden könnte, den Fuß wegzuziehen oder den anderen zurückzukitzeln. Auch in diesem Fall könnte man sagen, das Kitzeln habe meine Entscheidung und mein Verhalten hervorgerufen. Etwas gänzlich anderes wäre jedoch, könnte jemand Entscheidung und Verhalten durch einen direkten Eingriff im Gehirn hervorrufen und dächte ich noch stets, dass es sich dabei um meine Entscheidung handelt.

Mir schien es nur fair, Kuno Kirschfeld, Neurowissenschaftler und bis 2002 Direktor am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen, ein Freiexemplar meines Buchs zukommen zu lassen und ihn zu einer Replik einzuladen. Ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, ausführlich auf meine Kritik einzugehen. Im Folgenden finden Sie seine Antwort in drei Teilen, sowie eine Reaktion meinerseits. Ich empfehle Ihnen außerdem, zuerst den strittigen Abschnitt aus „Die Neurogesellschaft“ zu lesen, den der Verlag zum kostenlosen Download (PDF) anbietet (Kap 1.2., S. 6-8).

Zugegeben, das ist nun alles recht umfangreich geworden. Ich hoffe aber, dass Sie mit mir darin übereinstimmen, dass hier um einen wesentlichen Aspekt unseres Menschenbilds geht. Die Lektüre wird sich lohnen und wie immer bei „Menschen-Bilder“ sind Sie natürlich zum Mitdiskutieren eingeladen. Weiter mit dem ersten Teil.

Navigation

Quellen

Bigelow, H. J. (1850). Dr. Harlow’s case of Recovery from the passage of an Iron Bar through the Head. American Journal of the Medical Sciences, 20, 13-22.

Delgado, J. M. R. (1971). Physical Control of the Mind. Toward a Psychocivilized Society. New York.

Harlow, J. M. (1848). Passage of an iron rod through the head. Boston Medical and Surgical Journal, 39, 389-393.

Harlow, J. M. (1868). Recovery after Severe Injury to the Head. Bulletin of the Massachusetts Medical Society.

Kirschfeld, K. (2008). Die Hierarchie von Gehirn und Geist. In U. Baumann (Ed.), Was bedeutet Leben? Beiträge aus den Geisteswissenschaften (pp. 243-268). Frankfurt am Main.

Macmillan, M. (2002). An odd kind of fame. Stories of Phineas Gage. Cambridge, MA.

Schleim, S. (2008). Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung. Hannover: Heise Verlag.

Schleim, S. (2011). Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert. Hannover: Heise Verlag.

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Menschen-Bilder: Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft Stephan Schleim blickt über den Tellerrand von Psychologie sowie Hirnforschung und diskutiert, was die Forschungsergebnisse eigentlich bedeuten, wie sich Gesellschaft und Wissenschaft zueinander verhalten. Stephan Schleim hat an den Universitäten Mainz und Frankfurt u.a. Philosophie, Informatik und Psychologie studiert (Magister Artium, 2005). Nach einem Praktikum am Max Planck-Institut für Hirnforschung und einem Forschungsbesuch am California Institute of Technology ging er an die Universitätskliniken Frankfurt und Bonn, wo er mit der funktionellen Magnetresonanztomographie moralische und juristische Entscheidungen untersuchte. Sein ausgeprägtes theoretisches und ethisches Interesse führte zu mehreren Publikationen im Bereich der Neurophilosophie und Neuroethik. Am Institut für Kognitionswissenschaft in Osnabrück wurde er 2009 mit seiner Doktorarbeit "Norms and the Brain" promiviert. Seit Oktober 2009 war er Forscher in der Abteilung für Theorie und Geschichte der Psychologie an der Universität Groningen, seit 2010 als Assistant Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Vom Oktober 2012 bis März 2013 war er Professor für Neurophilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2015 ist Stephan Schleim Associate Professor in Groningen. Seit 2005 ist Stephan Schleim auch als Wissenschaftsjournalist aktiv, veröffentlicht in verschiedenen deutschprachigen Medien mit Übersetzungen ins Italienische, Niederländische und Portugiesische. 2008 erschien sein erstes Buch "Gedankenlesen – Pionierarbeit der Hirnforschung", 2011 sein Buch "Die Neurogesellschaft – Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert."

84 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich vergleiche es gerne mit Pianist und Pianoforte. Wir wissen nicht, ob das Hirn Pianoforte oder Pianist ist!

  2. @ Fingerzeig für Philosophen

    Es gibt Begriffe, die auf etwas zeigen und Worthülsen. z.B.: ein Violin -oder Baßschlüssel ist eine schön auswendig gelernte Worthülse. Nur, wenn man G- und F-Schlüssel sagt, wird die Notation aufgeschlossen. Was heißt das? Nichtssagende Begriffe, die nichts zeigen, gibt es nicht nur in der Musiktheorie.

  3. Kindergarten

    Die Diskussion um einen freien Willen hat irgendwie Kindergarten-Niveau. Irgendetwas wird willkürlich als Willenserlebnis definiert und der Rest mit der Entscheidungsfindung (z.B. die Handlungsabsicht) ist davon abzukoppeln.

    Vergleichbar ist dies mit Autofahren: Kann man nur dann Auto-fahren, wenn man in jedem Augenblick genau weiß, was jeder einzelne Bestandteil des Autos gerade macht?

  4. @Stephan Schleim

    Scheint ein recht interessantes Buchthema zu sein. Deshalb würde ich ihnen gerne noch eine Frage stellen. Kuno Kirschfeld schreibt hier: „Stephan Schleim kann sich, wenn ich seinen Text richtig verstehe, nicht vorstellen, dass solche, unser Verhalten steuernden moralischen Gesetze im Gedächtnis und damit in der Verschaltung des Gehirns verankert sind. (…) Wie aber soll man die Gründe ermitteln, wenn nicht durch Abrufen von im Gehirn gespeicherten Inhalten? Hätte Schleim recht, dann müsste beim Lernen des Kindes folgendes passieren: Lernt es Wörter, Mathematik oder Gedichte, so könnten die im Gehirn gespeichert werden. Lernt es dagegen die Zehn Gebote, so müssten sie, als zu moralischen Kategorien gehörig erkannt, und deshalb nicht im Gehirn sondern irgendwo anders niedergelegt werden. Nur: wo wäre dies denn möglich? “

    Nach allem was ich bisher gelesen oder als Mutter selber erlebt habe, bin ich der Ansicht, dass moralisches Verhalten bei Kindern höchstwahrscheinlich angeboren ist und man könnte es deshalb evtl. mit anderen Begabungen vergleichen. Für Mathematik begabte Kinder lernen früher rechnen und werden nach entsprechender Förderung gute Leistungen in dieser Disziplin erbringen. Moralisch begabte Kinder könnten z.B. über eine höhere Empathie verfügen und sind deshalb für ethische Überzeugungen empfänglicher, als andere.

    Die zehn Gebote sind lediglich für das Christentum relevant, darum müssen sie auch gelernt werden, denn nur so können sie aus dem Gedächtnis wieder abgerufen werden. Auch hilft es nichts die zehn Gebote nur auswendig zu lernen, denn es gibt auch Diebe unter den Christen. Andererseits gibt es sog. „wilde“ Völker oder sogar Tiere die moralisch handeln. Aber wo sind angeborene Talente „abgelegt“? In den Genen nehme ich einmal an. Oder wie sehen Sie das?

  5. Kräfte

    Kraft, Wille, oder Willenskraft?

    Das Elektron will zum Proton.
    Der Hase will zur Rübe.
    Ich will zu Pamela Anderson.

    Die Strafe hat neben der Prävention auch noch
    die nützliche Wirkung der negativen Motivation.

    Das Elektron will von den anderen Elektronen weg.
    Der Hase will von den Hunden weg.
    Ich will von den Bodyguards der Pamela Anderson weg.

    Der Unterschied zwischen Kraft und Wille ist, dass nur
    beim Willen die Informationen über die zu erwartenden
    Kraftwirkungen an der Entscheidungsfindung beteiligt sind.

    Für das Elektron dient an dieser Stelle das unendlich
    weit in den Raum reichende elektrostatische Feld der
    anderen Elektronen als Vorwarnung.

    Der Dualismus von Gehirn und Geist stellt kein Problem dar.
    Auch im Computer gibt es sowohl Hardware als auch Software.

    Niemand bestreitet, dass die Software immateriell ist,
    und nur durch die Zustände der Hardware dargestellt wird.

    Die Software ist nicht zwangsläufig identisch mit der Energie.
    Die Änderungen der Zustände können aber Energie verbrauchen,
    wenn man vom reversiblen Rechnen ohne Entropiezunahme absieht.

    Die Informationen können auch durch verschiedene Zustände
    auf dem gleichen Energieniveau dargestellt werden,
    so wie zum Beispiel durch eine Weiche.

    Der Praxistest von Entscheidung durch Erinnerung:

    http://www.youtube.com/watch?v=wIKah9aVlm4

  6. @ Mona: angeborene Moral?

    Das ist zurzeit eine heiße Debatte, ob die Moral des Menschen angeboren ist. In einem trivialen Sinn ist das auch so — für alle Fähigkeiten, die wir zweifellos besitzen (Denken, Sprechen, Bewegen usw.), haben wir auch die Veranlagung, denn sonst könnten wir sie ja nicht besitzen.

    Kommen deshalb aber Menschen mit fertigen moralischen Prinzipien auf die Welt? Ich glaube nein. Bei uns werden viele dazu erzogen, sich über die Konsequenzen ihres Handeln bewusst zu sein — und sei es nur, dass man für Missetaten bestraft wird (wenn sie einen erwischen). Entwicklungspsychologen haben diese Form der moralischen Entwicklung schon seit Jahrzehnten untersucht und beschrieben.

    Denken Sie jetzt aber an Kinder, die in sogenannten Failed States in Afrika jung aus ihren Familien geraubt und in eine Kinderarmee gesteckt werden, wo sie permanenter Überwachung, Misshandlung und Drill ausgesetzt sind. Dort gilt in letzter Instanz das Prinzip des Mächtigeren/Stärkeren und dort wird einem wohl auch das Mitgefühl mit einem Schwächeren abtrainiert.

    Meine Meinung ist dies: Eine grundlegende Verlagung zur Moral ist angeboren, ja; aber auch hier dürfte es zwischen den Menschen Unterschiede geben, wie bei allem. (In Diskussionen über Psychopathie erlebe ich zurzeit eine Art Renaissance der Idee des Geborenen Verbrechers.) Danach prägen Kultur und persönliche Erfahrung.

  7. … was wir so (be)treiben

    Hallo,

    Ganz vorneweg, Wissenschaft zu betreiben bedeutet auch, dass sich der Wissenschaftler über die Krücke der Begrifflichkeit im Klaren sein muss. Es ist unsere (des Menschen) einzige Art zu Kommunizieren … naja … fast (… wenn ich an Musik, Bewegung oder auch an Rituale usw. denke). Aber wer traut sich schon, wissenschaftlich „serös“ nicht-begriffliche Kommunikation zu hinterfragen, wenn er gleich wieder vor dem Dilemma steht, dies nur mittels Begriffe in eine wissenschaftliche Form in die Welt zu tragen … um darüber zu debattieren usw.?

    Ich habe da so erhebliche Bedenken, z. B: Kultur oder Moral begrifflich und damit verbindlich zu definieren. Oder wenn ich an Formalismen wie „Veranlagung“, „Prägung“ oder „Talent“ usw. denke. Dahinter steht für mich gleich wieder die Frage, wer ist es, der da veranlagt ist oder geprägt wird? Was sind die Inhalte einer Veranlagung oder Prägung? Wie kommen sie in diese, unserer Erlebniswelt? Welches sind dabei die Teile „der Person“ (des Selbst), auf oder durch die wiederum die verschiedenen Strukturen unseres Selbst talentiert oder geprägt werden. Gibt es überhaupt eine, von der Außenwelt und dem äußeren Geschehen unabhängige Instanz, die wir „Selbst“ (also, worin ich mich selbst wiedererkennen kann) nennen können? Selbst die Grenze dessen, was wir als zu unserem (eigenen) Körper zugehörig ansehen oder „empfinden“ scheint (zumindest in weiten Grenzen) variabel zu sein. Warum sollte es mit unserem „Geist“ oder dessen, was wir als uns(er) Selbst betrachten anders sein? Wer (oder auch „was“) sollte es also sein, der „alles“ festlegt oder „über sich selbst“ bestimmt … oder es geschehen lässt? Das gilt es hierzu vorrangig zu klären?

    Zu der Debatte über den (scheinbaren) Dualismus von Körper und Geist gehört auch die De-batte über einen „Dualismus“ von Draußen und Drinnen (aus Sicht unseres Selbst). Physikalisch betrachtet gibt es nur „Bausteine“ der Materie, gleich aus was diese zu bestehen scheinen! Und diese fügen sich, sehr vereinfacht banal formuliert auf unterschiedlichste Art&Weise zusammen und haben diverse Wechselwirkungen miteinander. Das führt unweigerlich von der klassischen Physik weg zur Philosophie … was ich wunderbar finde … denn auch dies scheint mir nur eine begriffliche Krücke des Erlebens zu sein.

    Zum ersten Eintrag dieses Blogs (Pianist und Pianoforte) … ich musiziere selbst, „spiele“ (gebe vor, es „gelernt“ zu haben 🙂 …) also ein „Instrument“. Wenn ich dies tue gibt es eine „Grenze“ die, wenn ich sie „überschreite“, sprachlich keine Trennung mehr von Instrument, mir Selbst und den „Noten“ (der Musik) zulässt, es verschwindet sogar ein Innen und Außen (Pianist, Pianoforte und Musik gehören zusammen!). Das gilt für diverse „Tätigkeiten“, die Menschen „üben“ können. Im ZEN, der Meditation oder anderen „mentalen Zuständen“ … wo und was ist dann Kraft, Wille oder das „Ich“? Was ist dann „elektrisches Signal (im Gehirn)“, äußerer Reiz (Noten, Mitspieler usw.) oder gar „meine“ Entscheidung, so oder so zu musizieren?

    mfG

  8. … noch was

    Hallo,

    ich muss noch etwas hinzufügen … meine persönliche Deutung für Altruismus, Mitgefühl oder Empathie ist, dass dieses „Verhalten“ darauf zurückzuführen ist, in wie weit ein Individuum seine eigenen Erlebensgrenzen erweitern kann. Genauso, wie es mir gelingt, beim Autofahren „den Straßenbelag“ zu fühlen (wie immer dies auch geschehen mag), oder durch das Gras oder den Sand bis in die Erde hinein, wenn ich barfuß gehe, ja die Wärme (oder Kälte der Erde, Naß oder Trocken …), wenn ich Musik höre und mit der Musik fühle, dann verschieben sich Grenzen (nicht nur) meiner Wahrnehmung, sondern auch meines Selbstgefühls.

    Altruismus, Mitgefühl oder Empathie ist für mich erst einmal die Möglichkeit und Fähigkeit meine Modelle zu erweitern, eine Erweiterung meines Selbst über mich selbst hinaus und meine Umwelt als auch andere „Selbste“ in mich aufzunehmen, zu verschmelzen (klingt pathetisch …) … im negativen Fall auch zu vereinnahmen, bewusst oder unbewusst zu manipulieren oder sogar als eigenständiges „Selbst“ ganz zu eliminieren. Dies sollte vor allem berücksichtigt werden, wenn es um „Massenphänomene“ geht … positiv wie negativ.

    mfG

  9. @Karl Bednarik: Immaterielle Software

    » Niemand bestreitet, dass die Software immateriell ist, …«

    Doch, ich tue das… 🙂

  10. @ Müller: finde ich überzeugend

    Ich finde überzeugend, dass beim Pianovirtuosen, der ich nie sein werde, im Zusammenspiel von Noten, Pianist und Klavier ein neues, komplexes Ganzes entsteht, das sich eben nicht nur aufs Gehirn des Pianisten reduzieren lässt, auch wenn es letztlich seine Finger sind, die auf die Tasten drücken.

    Die Begriffe, die wir haben, sind beschränkt; und doch wollen wir irgendwie damit die Welt erklären.

  11. Stephan Schleim: Freiheit, die ich meine

    hallo,

    … was mich mehr als fasziniert ist (gleichzeitig am wenigsten und wohl extrem schwierig zu „klären“, erforschen), dass bei all den Emergenz(en), die im Zusammenspiel von Gehirn, Körper und externen (internen sowieso) „Reizen“ z. B. in und mit Musik, „Akrobatik“ usw. der Begriff „Kausalität“ offensichtlich auseinanderfällt. Erst Recht, wenn dies alles auch noch im Zusammenspiel mehrerer Individuen „geschieht“. Das geht meiner Meinung nach (auch wenn ich von einer Ahnung von allem, geschweige denn einer Erklärung weit entfernt bin) weit über das bekannte „Schwarmgeschehen“ hinaus. Wenn ich dann noch an mögliche Hilfe hieraus zur Lösung denke, wie es überhaupt zu einer „willentlichen Handlung“ kommt, dann hört es bei mir mit dem „Verstand“ auf. In gleicher Weise denke ich auch über „Verhaltensweisen“ wie bereits geschildert: Altruismus, Mitgefühl oder Empathie. Hierbei denke ich vor allem an (aus Sicht eines Beobachters offensichtlich) „spontanes“ Verhalten oder „Denken“, dass sich vor allem in Extremsituationen kaum mit der sofort immer wieder herangezogenen „Selbstaufgabe“ (geschweige denn „Opferung“ oder „Aufgabe“ eines einzelnen zugunsten einer „Gruppe“ oder eines Anderen) zu erklären ist.

    Zurück zum Alltäglichen … bei allem, was wir über Gründe und Hintergründe unseres Tuns hinsichtlich unserer freien Entscheidung bedenken und forschen, wir sollten uns weniger darüber Gedanken machen, warum und das wir (genau) das getan haben, was wir (… vielleicht!) selbst woll(t)en. Vielmehr sollten wir mehr darüber nachdenken, warum wir geradewegs immer wieder öfters als uns lieb zu sein scheint, genau das getan haben, was wir (genau) nicht woll(t)en! Auch wenn es im Moment wieder eine Debatte darüber geben mag, ob und wie es dem „Gehirn“ möglich ist, im nachherein eine Entscheidung und Handlung dem Bewusstsein ermöglicht, sie als willentlich „frei“ zu verstehen, bleibt es weiter offen, warum wir (als „Person“) uns selbst bei harmlosesten Handlungen im nachherein via „Gewissen“ erklärungsmäßig durchmogeln (müssen?). Vielleicht hat dies damit zu tun, das wir immer dann, wenn es um die Freiheit des Handeln geht, zwingend eine (moralische, kulturelle, gesellschaftliche, gesetzliche oder sonst wie) Bewertung, vor allem im Sinn von „Schuld & Verantwortung“ durchführen (müssen?). Ich bezweifle erst einmal, dass es überhaupt möglich ist (neutral im Sinne von Verantwortung oder Schuld), Fakten und beobachterneutrale Kausalketten aus Sicht unseres Gehirns „darzustellen“ … und damit „leben“ zu können! Ob wir etwas als determiniert oder frei entschieden betrachten muss in diesem Sinne ja auch einem, von jeglichen „Einflussgrößen“ befreitem Urteilsvermögen begründbar sein. Wie oft geschieht es wohl jedem von uns, vollkommen überzeugt von seiner unabhängig und völlig freien Entscheidung angetrieben, genau das zu tun, was wir (uns selbst gegenüber) nie zuvor für möglich erachtet haben?

    Eine Frage, die ich hier mehr oder weniger „rhetorisch“ schreibe (weil sie mich im Zusammenhang mit „freiem Willen“ immer wieder beschäftigt), ist: was würden wir (Menschen) verlieren oder „aufgeben“ (müssen?), wenn wir uns der Freiheit unseres Willens „beraubt“ sehen (müssten)?

    mfG

  12. @ Balanus

    Die Datenträger sind materiell, aber die Daten nicht. Was für eine Materie soll denn die Information sein?

  13. @Huhn, Balanus … Wechselwirkung

    hallo,

    Daten, oder allgemeiner Information, vielleicht in diesem Sinne auch „Bedeutung“ (… gebundene Information?), hat wohl möglich ein Energieäquivalent (siehe: mögliche Lösungsvorschläge zum „maxwellsche Dämon“ … Shannon, Brillouin, Landauer, Bennet usw.). Dies wäre eine mögliche Basis für Wechselwirkungen zwischen „Information“ und „Materie“.

    mfG

  14. @Müller, @ Huhn

    Ja, Herr Müller, das ist ein guter Hinweis, das mit dem Maxwellschen Dämon.

    Somit habe ich zwei Antworten an Martin Huhn:

    1. Information ist eine Form von Energie, so wie Materie auch.

    2. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die Information ist mit den sie tragenden materiellen Strukturen (elektrischen Ladungen) identisch, oder es gibt in der realen Welt überhaupt keine Information (das heißt, wir haben uns den Begriff nur ausgedacht, um etwas Bestimmtes damit zu bezeichnen).

    (Keine Ahnung, wie die Informationstheoretiker das sehen… 😉

  15. Information …

    Ich bin mir nicht sicher ob das hier passt, aber …

    Information ist, soweit ich weiss, die Interpretation von „Daten“, d.h. Information ist im Prinzip nur virtuell vorhanden.

    Das ist auch gar nicht so abwegig, den eine Inschrift in einer Höhle ist, wenn man sie nicht lesen kann, nichts als Farbe auf Stein.

    Ich habe meine Definition aus dem Informatikstudium.

  16. @ Martin Huhn: Nachtrag

    Wäre Daten wirklich immateriell, gäbe es keine Datenverarbeitung.

    (Was passiert eigentlich bei der Verarbeitung psychischer Traumata?)

  17. @ Balanus

    Information ist eine Form von Energie, so wie Materie auch.

    Sehr interessant. Dann müßte sich Information auch wie Energie oder Masse verhalten. Was haben wir denn da? Zum Beispiel den Energie- und Massenerhaltungssatz. Energie und Masse kann weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur umgewandelt werden. Das trifft auf die Information auch zu, nicht wahr.

    Nehmen wir mal an, ich setzte mich hin und denke mir ein Liebesgedicht aus. Und der Adressatin gefällt das so gut, daß es überall von ihr verbreitet wird. Und weil es so toll ist, werden auch Bücher von gedruckt. Manch einer findet es vielleicht nicht so toll (aus blankem Neid natürlich) und vernichtet das Buch wieder.

    Ja, an diesem Beispiel leuchtet es mir ein. Information ist so etwas ähnliches wie Energie, weil sie sich auch so ähnlich verhält. Wir können ja mal gemeinsam an einen Informationserhaltungssatz arbeiten. 😉

  18. Information in der Th. Physik

    Aus der Zusammenarbeit mit einem Theoretischen Physiker weiß ich, dass es dort einen Informationsbegriff gibt, der nur etwas mit sich ändernden Wahrscheinlichkeiten zu tun hat. Ich kann das nicht erklären aber mir scheint doch, dass es sich dabei um etwas prinzipiell anderes handelt als bei Energie und Masse.

  19. Balanus und Daten

    „Wäre Daten wirklich immateriell, gäbe es keine Datenverarbeitung.“
    Richtig, ich schrieb aber INFORMATIONEN sind immateriell.

  20. Information

    @ Sascha Bohnenkamp

    Richtig, Sie schrieben, „Information ist im Prinzip nur virtuell vorhanden“. Ihren Kommentar hatte ich aber noch gar nicht gesehen, als ich meine Antwort an Herrn Huhn schrieb.

    Aber auch Information ist nicht nur rein virtuell. Schließlich kann man die Einheit der Information, das Bit, in Energie-Einheiten umrechnen (hab‘ ich irgendwo gelesen ;-).

    @ Martin Huhn

    Nun gut, dass Information der Energie äquivalent ist, ist vielleicht nicht ganz dasselbe wie: „Information ist eine Form von Energie“. Aber so kleinlich wollen wir hier ja nicht sein, oder 😉

    Trotzdem ist das ein interessanter Punkt, das mit der Vernichtung von Information. Vermutlich erhöht sich dadurch der Entropiegehalt des betrachteten Systems. Das ist dann schon irgendwie eine Umwandlung von Information in Energie, ähnlich wie der von Materie in Energie. Oder?

  21. @ Balanus

    Nicht nur die Vernichtung. Auch die Erzeugung und die Vermehrung, die ich mit meinem Beispiel darstellen wollte. Masse und Energie verhalten sich nicht so.

    Information ist immateriell. Das ist nicht sehr eingänglich zu verstehen, weil die Daten oftmals mit den materiellen Datenträgern verwechselt werden, aber es ist so.

  22. @Martin Huhn: „…aber es ist so.“

    Na, das klingt ja sehr apodiktisch. Das würde ja bedeuten, dass alle, die von der Äquivalenz von Information und Energie reden, falsch informiert sind.

    Und dass die Leute, die Informations-Einheiten in Energie-Einheiten umrechnen, einfach nur Spinner sind.

    Das Missverständnis, das hier vorliegt, hat wahrscheinlich tatsächlich mit den so genannten „Datenträgern“ zu tun. Weil für die Übertragung von Informationen meist ein Trägermaterial benutzt wird, sind manche offenbar geneigt zu glauben, im Prinzip ginge es auch ohne. Aber der Träger ist nicht das Entscheidende, auch wenn es praktisch keine Informationen ohne einen „Träger“ gibt. Es ist die Information selbst, die eine geordnete materielle oder energetische Struktur hat. Die Vorstellung, es könne Information als etwas rein Virtuelles, Geistiges, Immaterielles oder Spukhaftes geben, mag für den einen oder anderen ja verführerisch sein, entspricht aber nun mal nicht der Realität.

    Nee nee, Information gibt es nicht im Nichts. Wo nichts ist, ist auch keine Information. Information entsteht, ich wiederhole mich, wenn Materie (Energie) eine geordnete Struktur erhält.

    Das heißt, die Erzeugung von Information verringert die Entropie im System, der Energiegehalt des Systems nimmt also ab. Bei Vernichtung der Information nimmt der Energiegehalt entsprechend wieder zu.

    Mit anderen Worten: Information ist geronnene Energie, wie Materie auch… 😉

    Wo ist das Verständnisproblem? 😉

  23. Auf dem gleichen Energieniveau

    Zu diesem Thema habe ich noch etwas gefunden:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Landauer-Prinzip

    http://de.wikipedia.org/wiki/Reversibles_Computing

    Dazu möchte ich noch anmerken, dass die zwei Zustände 0 und 1 auf dem gleichen Energieniveau liegen können, aber an zwei verschiedenen Orten.

    Das bedeutet aber auch, dass geordnete und ungeordnete Zustände den gleichen Energieinhalt haben können.

    Man kann dann diese Zustände nur noch durch ihre Konfiguration unterscheiden, und nicht durch ihre Energie.

    Die Information stellt also in diesem Falle die Gestalt von Materie dar.

  24. @ Balanus

    Mit anderen Worten: Information ist geronnene Energie, wie Materie auch

    Cool!

    Wenn ich also kreativ bin und Neues hervorbringe kraft meiner Gedanken, dann gerinnt Energie.

    Normalerweise würde ich so etwas als esoterischen Blödsinn abtun, aber wenn Du es sagst, dann mache ich mal’ne Ausnahme. 😉

  25. Sich informieren – eine Tätigkeit!

    Die Versubstantivierung des Verbs für die Aktivität oder Tätigkeit des „Sich-Informierens“ zu (einer…) „Information“ macht aus dem, worüber sich jemand informiert, nicht zusätzlich auch noch „etwas“ wie zB. etwas Informatives. „Information“ gibt es also nicht für sich; die Redeweise von oder über Informationen bezieht sich lediglich auf den eigenen Wissensstand.

    Worum es bei der Redeweise von „Informationen“ geht, habe ich am Beispiel der Verwendung dieses Haupt- oder Dingwortes für ein Nicht-Ding in der Hirnforschung mal so zu beschreiben versucht:

    Es wäre viel gewonnen, wenn „Informations“-Vermittlung nicht immer wieder mit „Signal“-Übertragung verwechselt oder gleichgesetzt werden würde! Dabei macht neurophysiologisch nicht einmal dieser letzte Begriff Sinn; denn Neuronen „übertragen“ nichts – auch keine „Signale“ Wie alle lebende Zellen „reagieren“ auch Neuronen schlicht auf Reize, und zwar in Form von Depolarisationen, die in Simulationsmodellen als „elektrische Impulse“ realisiert werden.

    Direkt oder indirekt registrierte Neuronenaktivität wird erst in der Theorie zum „Signal“, dh. Zeichen! Denn hier wird sie als technisch registrierbares Anzeichen für einen Zusammenhang aufgefasst und behandelt, sozusagen als Anzeige eines hypothetisch unterstellten oder im Experiment real aufgezeigten (allein deswegen leider oft auch schon als „nachgewiesen“ behaupteten) Zusammenhangs: zwischen einer Anregung, einem Reiz, und daraufhin beobachtbaren neuronalen Impulsen, eine willentliche Beziehungssetzung, die leider oft als kausaler Zusammenhang hingestellt wird, obwohl es sich dabei sachlich zunächst nur um einen zeitlichen „Zusammenhang“ handelt, einen Ab- oder Verlauf.

    Neurophysiologen beschäftigen sich demnach mit Impulsverläufen zwischen einzelnen Neuronen oder Neuronenkohorten (Modulen), sei es im Gehirn oder in künstlichen „neuronalen Netzen“. Nicht Informationen werden dort „weitergegeben“, sondern Impulse. Wie ein Impulsverlauf im Einzelnen erfolgt, mag für Forscher im Hinblick auf – von ihnen selbst – bestimmte Fragestellungen „informativ“ sein. Nur wird dieser Verlauf selbst dadurch nicht zu „Information“, sondern bleibt, was er ist: ein zelluläres Impulsgeschehen!

    Die Forscher selbst sind es auch und nicht ihre Gehirne oder gar in ihnen vor sich gehende Impulsverläufe, die weitere Informationen aus ihren Beobachtungen oder Feststellungen „entnehmen“, sei es in Form von Folgerungen oder von Relativierungen auf Bezugspunkte, die sie des Weiteren in Betracht ziehen.

    Und „natürlich“ sind sie es auch, die darüber andere Kollegen und Interessierte informieren, die „aus“ ihren Berichten wiederum von sich aus und selbständig die Informationen entnehmen sollen, die sprachlich real gar nicht „in“ diesen Berichten, sondern mit ihnen vermittelt werden; denn ob mit diesen sprachlichen Darstellungen Richtiges überhaupt beschreiben, steht seit Aufgabe schlichter Autoritätshörigkeit zur allgemeinen oder gemeinsamen Prüfung an.

    Dabei scheint mir Eines festzustehen: Wie die dabei nötige „Informationsverarbeitung“ erfolgt – in Form jener Aktivität, die wir Denken nennen (das immer in Form von geordneten oder ungeordneten Vorstellungen geschieht) und „mit“ unserem Gehirn vollziehen und nicht „in“ ihm… -, dürfte kaum durch die Analyse jener Impulsverläufe zu klären sein, die dabei „im“ Hirn mit den von Neurophysiologen verwendeten Messinstrumenten registriert werden können! (s. hier)

  26. @Martin Huhn

    Ja, sehr gut, Du hast es erfasst:

    Wenn ich also kreativ bin und Neues hervorbringe kraft meiner Gedanken, dann gerinnt Energie.

    Man könnte natürlich auch sagen, dass beim Denken Energie transformiert wird, aber „gerinnen“ finde ich viel schöner.

    Ein anderes Beispiel wäre das aus Glukose bestehende Stärkekorn. Dieses könnte man nämlich als geronnene Sonnenenergie bezeichnen. Bei der Zellatmung in den Mitochondrien wird die in Glukosemolekülen enthaltene Energie auf ATP übertragen. ATP wiederum wird als Brennstoff für die Hirnaktivität gebraucht. So gesehen sind Deine Gedanken letztlich geronnene Sonnenergie. Schön, nicht wahr? 😉

    Bei Deinem Faible für das Immaterielle hätte ich eigentlich erwartet, das Dir das Bild mit der geronnenen Energie gefällt. Aber was soll’s… 😉

    Btw, habe ich irgendwo ein Argument übersehen, welches Deine Annahme von der Geisterhaftigkeit der Information stützen könnte?

  27. Die Energie geht weg

    Die Energie geht weg, aber die Lage des Objektes bleibt erhalten.

    Im allgemeinen muss man bei der nichtreversiblen Datenspeicherung ein Objekt aus einer Potentialmulde herausheben, was natürlich Energie benötigt.

    Diese Potentialmulde muss natürlich eine Mindesttiefe haben, die von der absoluten Temperatur abhängt, denn sonst würde das Objekt auf Grund seiner thermischen Energie bereits von selbst heraushüpfen.

    Wenn man dann dieses Objekt in eine benachbarte Potentialmulde gleicher Tiefe hineinbringen will, dann muss man die vorher aufgewendete Energie wieder vollständig abführen, zum Beispiel in Form von Wärme, denn sonst würde das Objekt wieder aus der Potentialmulde heraushüpfen.

    Nachher hat das System aus dem Objekt und den beiden Potentialmulden genau den selben Energieinhalt und genau die selbe Masse wie vorher, aber die Lage des Objektes hat sich verändert.

    Die nun veränderte Lage des Objektes kann nun kausal das Verhalten anderer Objekte beeinflussen, ohne sich selbst verändern zu müssen.

    Ein einmaliger Positionswechsel pro einer Wechselwirkung mit einem anderen Objekt widerspricht dieser Aussage nicht.

    Das bedeutet, dass auch bei der nichtreversiblen Datenspeicherung zwar Energie beteiligt ist, diese aber nicht im System verbleibt.

    Das einzige was im System verbleibt, sind die Veränderungen von Positionen oder Formen.

    Auch das hier abgebildete System kann nur auf Grund der durch Bremsung abgeführten Wärmeenergie funktionieren:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/KUGREC-H.jpg

  28. Nachwort:

    Vielleicht sollte ich es noch genauer ausdrücken:

    Die Gestalt eines Objektes ist etwas anderes als seine Masse oder seine Energie.

    Die Gestalt eines Objektes ist unabhängig von seiner Masse oder seiner Energie.

    Dass man Energie benötigt, um die Gestalt eines Objektes zu verändern, ist dann unbedeutend, wenn die Energie danach wieder vollständig abgeführt wird.

    Die Gestalt eines Objektes kann kausale Auswirkungen auf seine Wechselwirkungen mit anderen Objekten haben, also sein Verhalten beeinflussen.

    Stark vereinfacht könnte man sagen, Information bedeutet:

    „In einer Form zu sein“.

    Information ist nicht Masse und nicht Energie, und schon gar nicht ein Gespenst.

  29. Karl Bednarik: „In einer Form zu sein“

    Und was in einer Form ist, hat eine geringere Entropie als etwas, was nicht in Form ist. Somit ist die Information der Energie äquivalent.

    In dem von Ihnen verlinkten Wiki-Artikel über „Reversibles Computing“ findet sich die hübsche Formulierung:

    „Logische Zustände wie physikalische zu behandeln, ist nicht so abwegig, da logische Zustände durch physikalische repräsentiert werden müssen. „

    Ich finde, hier war der Verfasser mit seinem „…nicht so abwegig…“ übertrieben vorsichtig. Logische Zustände können ohne weiteres wie physikalische behandelt werden, was denn sonst!?

  30. Logische Zustände

    Ja, logische Zustände sind physikalische Zustände, aber die Gestalt ist ein anderer physikalischer Zustand als die Energie oder die Masse.

    Wenn man zwei Gasbehälter hat, in denen ein unterschiedlicher Druck herrscht, dann kann man durch die Erhöhung der Entropie dieses Systems Energie gewinnen.

    Natürlich verbraucht vorher auch die Herstellung dieser Druckdifferenz Energie.

    Bei der nichtreversiblen Speicherung von Daten wird ebenfalls Energie verbraucht, die als Wärme abgeführt wird.

    Bei gleich tiefen Potentialmulden für 0 und 1 verbraucht man auch gleich viel Energie zum Speichern von 0 und 1.

    Ganz gleich, welchen Speicherinhalt man geschrieben hat, er enthält daher immer gleich viel Energie.

    Aus der Konzentrationsdifferenz von Nullen und Einsen kann man aber durch einen versuchten Konzentrationsausgleich keine Energie gewinnen, weil bei einer Konfiguration von zum Beispiel 11110000 die Einsen keine Tendenz zeigen in die Nullen hinein zu diffundieren.

    Die Einsen erzeugen auch keinen Druck, weil sie alle in ihrer eigenen Potentialmulde festsitzen, so lange diese thermodynamisch ausreichend tief ist.

    Hier besteht also ein deutlicher Unterschied zwischen Energie und Entropie.

    In diesem Bild können die kleinen Kugeln beim Speichern nur über die niedrigeren Potentialwälle gehoben werden, aber niemals über die höheren, die die acht Speicherzellen trennen:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/INFORMAT.PNG

    Anmerkung für Neueinsteiger:

    Der Begriff „nichtreversibel“ bezieht sich nicht auf die Überschreibbarkeit der Daten, sondern nur darauf, dass bei jedem Überschreiben der Daten Wärmeenergie verloren gehen muss.

    In der derzeitigen Technologie gibt es nur die nichtreversible Datenspeicherung.

  31. Hallo Balanus,

    ich habe mein Bild noch um die Diffusion mit Energiegewinn erweitert:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/INFORMAT.PNG

    Über die Bezeichnungen Energie, Energieinhalt, Energieniveau, Energiepotential, Information, Form, Gestalt, Unordnung, und Entropie kann man lange diskutieren.

    Es scheint aber so zu sein, dass es Materieanordnungen gibt, die unter Energiefreisetzung in einen Zustand höherer Entropie übergehen können, wie zum Beispiel die oben erwähnten Gasbehälter.

    Ausserdem scheint es hochgeordnete Materieanordnungen zu geben, die beim Übergang in einen ungeordneten Zustand keine Energie freisetzen können, wie zum Beispiel die Speicherzellen in diesem Bild.

    Daraus kann man vermuten, dass die Veränderung der Entropie unabhängig von der Veränderung des Energieinhaltes sein kann.

    Warum sollte auch 11110000 oder 00000000 oder 11111111 energiereicher als 10110010 sein?

    Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass 0 und 1 auf dem gleichen Energieniveau liegen, und dass zwischen den Speicherzellen keine Einsen und Nullen hin und her diffundieren.

    Maxwells Dämon scheitert natürlich immer noch an den Energieverlusten beim Verändern einer Speicherzelle.

    Warum sollte das Schreiben und das Löschen von Daten unterschiedliche Energiemengen verbrauchen?

    Weiss das Universum, ob links oder rechts 1 oder 0 bedeutet?

  32. Information – allgemein

    Sind Information und sog. „Informationsträger“ nicht verschieden?

    „Trägt“ ein Informationsträger wie zB. eine Festplatte wirklich auch nur eine einzige Information? „Enthält“ eine Festplatte vielleicht Informationen, so dass man sie „aus“ den magnetischen Markierungen dort auch wieder „entnehmen“ kann?

    „Enthalten“ Lautfolgen für sich oder Zeichenfolgen „schriftlicher“ Art wie hier irgendetwas, insb. etwas, was man als „Informationen“ ansehen könnte?

    Oder kommt nicht alles darauf an, was Hörer oder Leser aus dem Gehörten oder Gesehenen „machen“, was sie beim Hören oder Lesen innerlich zusätzlich tun und damit „dazu tun“?!

    (Selbst beim Computer ist eine ganze „Technik“ – wörtlich eine „Kunst“! – nötig, die Folge der magnetischen Markierungen auf einer Festplatte in zB. Buchstabenfolgen auf dem Monitor „umzusetzen“ oder zu „lesen“, wie anthropomorph meist gesagt wird.)

  33. Ganz ohne Dämon

    Bild, eine ventil-lose Ein-Molekül-Szilard-Maschine nach dem Zweitakter-Prinzip, die übrigens auch nicht wirklich funktioniert:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/SZIMOT-1.jpg

    In dem folgenden Bild sollte gezeigt werden, dass man die Gestalt oder Form oder Entropie eines Objektes durch vorübergehende Energieanwendung verändern kann, ohne dass das Objekt danach einen anderen Energieinhalt besitzt:

    http://members.chello.at/karl.bednarik/INFORMAT.PNG

    Die Veränderung der Gestalt oder Form oder Entropie dieses Objektes kann dann kausal seine Wechselwirkungen mit anderen Objekten verändern.

    Diesen Vorgang kann man als die Auswirkung oder die Übertragung von Information auffassen.

    Als biologisches Beispiel würde die DNA in Frage kommen.

  34. Semantische Information

    Martin Bäker hat auf ScienceBlogs den Zusammenhang von Information und Energie wirklich toll erklärt (Danke, Jürgen, für den Hinweis).

    Dann wäre also klar, dass Information wegen des Zusammenhangs mit der Entropie tatsächlich eine physikalische Größe ist.

    Andererseits hat eine bestimmte geordnete Struktur für sich genommen noch keine Bedeutung, sie enthält also keine semantische Information. Insofern ist der Einwand von Herrn Kittel berechtigt, erst beim (verständigen) Lesen einer Struktur entsteht die eigentliche, nutzbare Information. Das hatte wohl auch Sascha Bohnenkamp im Sinn, als er schrieb: „Information ist, soweit ich weiss, die Interpretation von ‚Daten“‚.

    Das sieht man zum Beispiel auch sehr schön bei der DNA: Beim isolierten Molekül liegt keinerlei semantische Information vor, diese entsteht erst, wenn das Erbmolekül in einem lebenden System integriert ist.

  35. Zwei Moleküle genügen

    Sobald zwei beliebige Moleküle miteinander interagieren, wird ihre Gestalt oder ihre Information miteinander verglichen, und danach ihre weitere Verhaltensweise festgelegt.

    Dabei handelt es sich bereits um das verstehende Lesen von zwei Strukturen und das Entstehen einer nutzbaren Information.

    Das gilt für überhaupt alle Arten von Molekülen und Elementarteilchen.

    Ein Teilchen für sich alleine hat keine bestimmten Eigenschaften, denn die Eigenschaften entstehen erst durch die Wechselwirkung zwischen mindestens zwei Teilchen.

  36. @- Stephan: Phineas Gage

    Finde ich ja gut, dass Du die Quellen über Phineas Gage überprüft hast. Ich hatte seine Geschichte bislang unbesehen geglaubt.

    Wie ich jetzt bei meiner neuen Beschäftigung mit dem NS- und SED-Regime bemerken muss, verselbständigen sich Mythen in der Tat recht häufig.

  37. @ Edgar: Neuro-Mythen

    Danke für die Rückmeldung; das ist vor allem der wissenschaftshistorischen Arbeit von Macmillan zu verdanken, der den Fall wirklich von hinten bis vorne durchleuchtet (und die Originalquellen wieder neu veröffentlicht) hat.

    Schade übrigens, dass du nicht in Deidesheim dabei warst. Hätte mich interessiert, mal wieder zu hören, wie es dir so geht und wie es in Münster läuft.

  38. Rückzugsgefechte eines Geistersehers

    Ja, Kindergarten! Oder eben: Rückzugsgefechte eines Geistersehers. Peinlich!

  39. @ Bednarik

    Wenn ich Ihre Beiträge richtig verstehe, Herr Bednarik, beziehen Sie sich meist oder sogar durchgehend auf technische Details physikalischer „Informationsträger“.

    Oder irre ich mich?

  40. Hallo Ingo-Wolf Kittel,

    ich gehe davon aus, dass alles im Universum Physik ist.

    Die Rangfolge wäre ungefähr:
    Physik – Chemie – Biologie – Neurologie.

    In der Physik gibt es neben der Masse und der Energie auch noch die vierdimensionale Raumzeit, und in der letzteren existieren die Formen.

    Auch die Synapsen sind Formen von Materie und Energie in der Raumzeit.

  41. Ja und?

    Meine Frage war doch eine ganz andere: wie Sie Information und Informationsträger unterscheiden – wenn überhaupt.

    Die Ideologie des Physikalismus finde ich nicht so spannend. Das ist ja bloß ein auf Physik beschränkter Szientismus oder „Naturalismus“, wie der heute genannt wird.

  42. @ Neuro-Mythen: Bitte das Kind…

    …nicht mit dem Bade ausschütten.

    Die Persönlichkeits- oder Verhaltensveränderung Gages soll ja der Grund gewesen sein, weshalb er nach Genesung, also einige Monate nach dem Unfall, nicht in seinen alten Vorarbeiter-Job zurückkehren durfte. Dass es eine solche Veränderung gab, wird meines Wissens doch nicht bestritten, oder lese ich alles falsch, was sich auf der Website von Macmillan findet.

    http://www.deakin.edu.au/hmnbs/psychology/gagepage/

  43. @ Balanus: Bitte genau lesen!

    Die einzige Evidenz dafür ist m.E. ein Statement in dem Aufsatz, den Harlow zwanzig Jahre nach dem Unfall geschrieben hat. Dort heißt es, die Firma habe ihn nicht mehr einstellen wollen, da er „no longer Gage“ (hier kommt also die von vielen gebrauchte Redewendung vor) sei. Welche genauen Persönlichkeitsveränderungen damit gemeint sein sollen, geht nicht aus den Quellen hervor.

    Meine beiden Hauptargumente sind:

    Erstens war Gage nach dem Unfall höchstwahrscheinlich kein Proto-Psychopath, wie von vielen Neuro-Psychiatern/Neurologen jüngerer Zeit behauptet.

    Zweitens ist es unzulässig, die vorhandenen Persönlichkeitsveränderungen allein auf den beim Unfall erzeugten Gehirnschaden zurückzuführen. Psychisches Trauma können ebenso wie fortschreitende Entzündungen zu Veränderungen führen. Nichts davon wird meines Wissens von Damasio u.a. auch nur als alternative Erklärungsmöglichkeit in Betracht gezogen.

    Balanus, können wir uns nicht wenigstens einmal darauf einigen, dass man für die Tatsachenbehauptungen, die man aufstellt, auch Belege liefern muss? Sobald ein Neuro-Irgendwer irgendetwas sagt, dann scheinst du das sofort zu glauben; wenn ich dann meine Zweifel anbringe, dann scheint das überhaupt keine Rolle zu spielen.

    Wenn du darüber hinaus etwas auf der Website von Macmillan findest, was meinen beiden oben genannten Thesen widerspricht, dann nenne bitte die präzise Stelle (Punkt 2 im wissenschaftlichen Arbeiten neben Evidenzen für Tatsachenbehauptungen: genaues Zitieren) und nicht nur einen allgemeinen Link. Schließlich sage ich hier auch nicht nur, lies es doch selber in seinem Buch nach!

  44. … zurück zum Anfang

    Hallo,

    Ich möchte aus dem gesamten „Informationsgeschehen“ zurück zur willentlichen Entscheidung (zur Diskussion, ob oder ob wir NICHT aus freien Stücken entscheiden … und wie wir es feststellen können, dass wir es auch „tun“) … mit einfachen Mitteln. Dabei gebe ich vorneweg zu bedenken, was bei all dem ständigen „Nachdenken“ immer wieder übersehen wird: Unser Gehirn ist in erster Linie ein Überlebenskünstler …

    Das „Leben“ (wie es sich via Evolution entwickelt hat) ist ständig „äußerlichen“ Einflüssen diese Welt ausgesetzt. Aus der „Not“ wurde eine Tugend und unsere „Sinne“ können aus dem Allerlei des elektromagnetischen Spektrum (vom Sehen bis hin zum Wärme/Kältegefühl) „Informationen“ gewinnen. Ebenso aus der Wirkung diverser Kräfte, so z. B. Schwer- und Fliehkraft, Massenträgheit (… siehe Gleichgewicht), Druckgefühl oder auch Hören (Druckwellen, übertragen mit Hilfe des Mediums „Gasgemisch“). Was wir hiervon „abkriegen“ ist erst einmal ohne „Inhalt“. Information (für uns …) wird daraus erst, wenn eine übereinstimmend festgelegte Codierung erfolgt ist. Darüber hinaus gewinnt diese Information erst und nur beim „Empfänger“ der Information, bei uns, seine Bedeutung. Unser Gehirn hat es geschafft, dies zu bewerkstelligen, um zu überleben!

    Das ist ein wirklich extrem vereinfachtes Bild … mir ist wichtig, das im Laufe der Evolution „Information“ oder gar „Bedeutung“ erst aus dem fortwährenden Abgleich von innerer und äußerer „Welt“ hervorgegangen ist … das Gehirn hat sozusagen (sicher äußerst Leidvoll) „ge-lernt“, wie die äußeren (und inneren) Wirkungen im Sinne von „Überlebenswichtig“ zu inter-pretieren sind! Bei uns Menschen mag dies auch einigermaßen geglückt sein, da wir Evoluti-onsgeschichtlich zu den (momentan) Überlebenden gehören … die meisten „Versuche“ vor uns gingen ja daneben!

    Ich bezeichne es für mich als Wunder, wie es unser Gehirn geschafft hat, in seiner Komplexität soweit fortzuentwickeln, in dem es einerseits für „Inhalte“ (Informationen) sorgt und gleichzeitig dabei auch den „Quellcode“ oder die Software zur Informationsverarbeitung generiert hat. Da ich vehement dagegen bin, dass der viel zitierte Geist nicht so einfach vom Himmel viel (… um eine gängiges Zitat umzudeuten), muss ich mich damit abfinden, dass Geist eine Grundvoraussetzung für diese Welt ist und offensichtlich bereits mit dem Urknall in diese Welt kam … wie alles andere auch. Und wiederum eine Folgerung daraus … komme ich zu dem Schluss, dass auch Geist mit (oder durch) Evolution entwickelt hat.

    Es ist also Sache der Wissenschaften, zu erforschen, wie es z. B. ein autarkes, sich selbst optimierendes (nicht lineares) System es schafft, zu „wachsen“. D. h., wie es möglich wird, Kleineres zu mehren und zu Großem werden zu lassen und Strukturen zu kreieren, die „Daten“ vereinfachen, wie aus Regelmäßigem Funktionen, Beziehungen, Gesetze oder Formeln werden und … und … Evolutionsforschung im weitläufigen Sinn, jedoch Multi-Disziplinär! Dann alle Wissenschaftsbereiche (auch die Geisteswissenschaften! … logo …) können etwas dazu bei-tragen …

    Die Optimierung des Systems Mensch ist soweit fortgeschritten, dass unser Gehirn keine an-dere Wahl hat, als sich selbst in den Mittelpunkt (des Geschehens) zu stellen. Aus dem Zweierlei, einerseits ständig Außen- und Innenwelt abzugleichen und mit dem Selbstbildnis in Beziehung zu bringen, folgt notwendiger Weise, dass unser Gehirn keine Wahl hat als sich selbst als Agitator (Agent) zu „erfinden“ … alles andere führt immer nur in die missliche Lage oder Gefahr, dass sich dieser „Agent“ verselbstständigt! Vielleicht ist in dieser Entwicklung das, was uns als Moral, Ethik oder dergleichen „beschäftigt“ entstanden … weil wir uns in der Situation wiederfinden, uns einem „über uns“ stehenden Agenten rechtfertigen zu müssen. Mag sein, das Mystik und auch Religiosität ganz natürlich via Evolution in uns integriert wurden, weil wir den (externen) Agenten verteidigen (… müssen) und unser „Heil“ außerhalb unseres Selbst suchen (müssen?), damit unser agieren in der Welt in sich und für uns plausibel bleibt. Wiederum ein Zitat: „Handlungen geschehen …“ und sicher sind wir es, die handeln! Ganz ohne Zweifel … doch wie steht es darum, dieses handeln immer wieder „rechtfertigen zu müssen?

    Den Fortgang der Evolution und, um beim Thema zu bleiben, sehe ich darin, die Vielzahl der individuellen „autarken Systeme“ (Gehirne) zu bündeln, abzugleichen, zu verschalten … was bereits geschieht. Und dies wird das Thema, ob und wie wir (uns) unserem Handeln gegenüber in der Verantwortung sehen, noch verschärfen! Denn, im dem wir das „Agententum“ relativieren, verschwinden zwangsläufig auch immer mehr Beweggründe, Macht- oder Gewaltanwendung strategisch in den Vordergrund stellen zu müssen!
    Daraus entsteht ein gänzlich anderes soziales Miteinander und vor allem (noch mehr) „Kultur“! Was sich sonst noch Entwickelt bleibt offen, was niemand verleugnen kann ist, dass der Mensch (als Träger seines Gehirns) zusammenwächst und folglich darauf angewiesen sein wird, seine Mitmenschen besser zu „verstehen“, Informationen effektiver auszutauschen, Gefühle unmittelbarer zu vermitteln (… das „Problem“ Qualia zu überwinden …). Es gibt „Stimmen“, die unser Bewusstsein als eine vorübergehende Erscheinung betrachten … aus heutiger Sicht si-cher kaum vorstellbar, weil wir Angst um unser Ego haben! Erstaunlich, wo wir doch geradewegs mit unserem Ego die meisten und größten Probleme haben. Warum scheuen wir immer dann um so heftiger, wenn wir uns mehr mit unserem Ego „beschäftigen“ sollten … müssen … können?!?!

    Vor diesem Hintergrund sehe ich auch die einzige Freiheit, die wir haben, uns zu entscheiden … in dem wir es (… etwas) „lassen“. Wissenschaftler reden davon, einen Handlungsstrang zu unterbrechen oder abzubrechen … (was immer sich dann an der „Situation“ als solche ändern mag?). Insofern wäre es logisch, dass wir uns (im konkreten Fall und überhaupt, mit welchen Konsequenzen auch immer) „nur“ gegen etwas entscheiden können! Für mich ist dies eine verträglich Basis, auch wenn ich darin noch keine „echte“ Freiheit erkennen kann …

    Darüber hinaus, was verlieren wir wirklich, wenn wir uns in unserer „Verantwortung“ zurück-nehmen … immer alles im Griff haben zu wollen! Ich hab´s gelesen, verstanden, erfahren …, der Mensch fährt immer dann zu unvorstellbarer „Höchstleistung“ auf, um so weniger er „er selbst“ ist, um so mehr er sein „Selbst“ überwinden kann … es genießen kann (… einfach so?) zu floaten! Darüber hinaus sind wir den lieben langen Tag lang die wenigste Zeit wirklich „bei Sinnen“, die meiste Zeit verbringen wir „im Hintergrund“ unseres Tuns …

    … das ist ein langer Kommentar, danke für die Geduld beim Lesen …

    mfG

  45. @Stephan Schleim: Neuro-Mythen (2)

    Lieber Stephan, Du schreibst in deinem Beitrag, dass Du noch 2008 dachtest, die Gehirnverletzung von Gage habe aus ihm „einen gefährlichen Psychopathen gemacht.“

    Leider weiß ich nicht mehr, wo und wann ich das erste Mal etwas von Gage gelesen habe und wann ich mitbekommen habe, dass nicht alle Veränderungen, die Gage nach dem Unfall erfahren hat, direkt auf seine Hirnläsion zurückgeführt werden können (vielleicht auf Scilogs?).

    Wenn sein Arzt Harlow schreibt, dass bereits bei seiner Entlassung merkliche Verhaltensänderungen vorlagen, bin ich schon geneigt, das zunächst mal zu glauben. Und so abwegig ist der Gedanke ja nicht, dass diese Veränderungen mit der massiven Hirnläsion zu tun haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Was dem armen Kerl sonst noch so alles angedichtet wurde und wird, darüber weiß ich nur wenig. Scheint aber eine Menge zu sein, wenn ich Dir nun glauben darf 😉 (ja, ich weiß, Du lieferst wenigstens Evidenzen für Deine Behauptungen).

    „Sobald ein Neuro-Irgendwer irgendetwas sagt, dann scheinst du das sofort zu glauben; wenn ich dann meine Zweifel anbringe, dann scheint das überhaupt keine Rolle zu spielen.“

    Ja, das mag so scheinen, ist aber nicht so. Im aktuellen Fall hatte ich das Gefühl, dass Du etwas übertreibst. Ich hatte die Befürchtung Edgar Dahl oder sonst wer könnte denken, die Sache mit Gage sei nur ein Neuro-Mythos, in Wahrheit hätten Läsionen im Stirnhirn rein gar nichts mit möglichen späteren Verhaltensänderungen zu tun.

    „Wenn du darüber hinaus etwas auf der Website von Macmillan findest, was meinen beiden oben genannten Thesen widerspricht, dann nenne bitte die präzise Stelle (Punkt 2 im wissenschaftlichen Arbeiten neben Evidenzen für Tatsachenbehauptungen: genaues Zitieren) und nicht nur einen allgemeinen Link. Schließlich sage ich hier auch nicht nur, lies es doch selber in seinem Buch nach!“

    Sorry, mein Link war eigentlich für interessierte Mitleser gedacht, ich gehe davon aus, dass Du diese Seite bestens kennst.

    Zu Deinen Thesen: Gage war nach dem Unfall wohl kein „Proto-Psychopath“, und wer spätere Entwicklungen in seiner Persönlichkeit allein dem Hirnschaden, also ohne Berücksichtung nachfolgender negativer Erfahrungen etc., zuschreibt, begeht mit Sicherheit einen Fehler.

    Aber dennoch bleibt festzuhalten, dass die massive Verletzung seines Gehirns ganz offensichtlich eine massive Veränderung seines Verhaltens verursacht hat. Das scheint auch für MacMillan festzustehen:

    We would still not be able to learn much more from Gage’s case than that the massive injury to his brain caused a massive change in his behaviour.

    http://www.deakin.edu.au/hmnbs/psychology/gagepage/Pgdamage.php

  46. @ Balanus: Bitte…

    1) genau lesen, 2) genau zitieren UND 3) genau übersetzen.

    Aus der Grammatik, dass man dann immer noch nicht mehr wüsste, als dass… ziehst du den Schluss, dass es tatsächlich so ist. Das ist grammatikalisch falsch und sollte eigentlich deutlich werden, wenn man sich die drei Sätze drumherum anschaut, das sind:

    Suppose all these problems were overcome.

    Nehmen wir also an, all die Probleme, die auf der Webseite aufgelistet sind, könnte man lösen. Es ist aber nicht so; also können wir diesen Schluss nicht ziehen. Deutlicher aber nach deiner Zitatstelle:

    Some 160 years after the accident we know almost no more about Phineas‘ pre- and post-accident behaviour than Harlow told us in 1868 and what we do know now is too little from which to infer any detail about the relation between brain and behaviour. Phineas Gage’s case is important for what it pointed to, rather than what we can learn from it in any detail about the relation between brain and behaviour. (Gagepage; meine Hervorhebungen)

    Das geht sogar noch weiter als meine Kritik, denn ich a) gestehe gewisse Persönlichkeitsveränderungen zu, wenn diese auch traumatisch bedingt sein können und b) vor allem den Verlust der Fähigkeit, Geldbeträge und Risiken einzuschätzen.

    Dass a) und b) ein Leben Verändern können, bestreite ich nichts, hat jedoch nichts mit den Gage-Märchen zu tun, wie sie die meisten erzählen.

    Was verrät es nun aber über deine Genauigkeit, wenn die Evidenz, die du eigentlich gegen mich zitierst, sogar noch stärker in meine Richtung zeigt, als ich es selbst vertrete?

  47. @Stephan Schleim: Neuro-Mythen(3)

    Ok, jetzt folgt, was ich in dem von Dir gebrachten Macmillan-Zitat besonders wichtig finde:

    Some 160 years after the accident we know almost no more about Phineas‘ pre- and post-accident behaviour than Harlow told us in 1868 and what we do know now is too little from which to infer any detail about the relation between brain and behaviour. Phineas Gage’s case is important for what it pointed to, rather than what we can learn from it in any detail about the relation between brain and behaviour.

    (http://www.deakin.edu.au/hmnbs/psychology/gagepage/Pgdamage.php meine Hervorhebungen)

    Da ich das alles genauso sehe, haben wir hier doch gar keinen Dissens. Nochmal, ich wollte nur dem (vielleicht fälschlichen) Eindruck entgegentreten, Gages Hirnläsion hätte gar keine Folgen für seine Persönlichkeit gehabt. Ddamit hier kein neuerlicher Neuro-Mythos entsteht…

  48. Hallo Ingo-Wolf Kittel,

    der Unterschied von Informationsträger und Information:

    Bei einer Tontafel mit Schriftzeichen ist der Ton der Informationsträger,
    und die Schriftzeichen sind die Information.

    Bei der magnetischen Datenspeicherung sind die Magnetpartikel die Informationsträger,
    und ihre Magnetisierungsrichtung ist die Information.

    Bei den Funkwellen ist die elektromagnetische Strahlung der Informationsträger,
    und die Modulation der Amplitude oder der Frequenz die Information.

    Bei der DNA ist die Molekülkette der Informationsträger,
    und die Reihenfolge der Basenpaare ist die Information.

    Bei den Neuronen sind die Synapsen der Informationsträger,
    und die Proteine, die die Übertragungsfaktoren steuern, sind die Information.

    Allgemein kann man sagen:

    Die Materie oder die Energie ist der Informationsträger,
    und die Anordnung der Materie oder der Energie im Raum oder in der Zeit ist die Information.

    Die Information ist nicht auf das Gehirn beschränkt, denn das Universum berechnet durch die Wechselwirkungen zwischen seinen Elementarteilchen in jeder kleinen Zeitspanne seinen Zustand in der nächsten kleinen Zeitspanne.

    Auch auf dem Billard- oder Pool-Tisch tauschen die Kugeln Informationen über ihren Ort und ihre Geschwindigkeit aus, und ändern dann entsprechend der Naturgesetze ihren Kurs.

    Wenn eine Billard-Kugel nicht bemerken würde, dass eine andere Kugel in ihrem Wege liegt, dann würde sie auch nicht ausweichen.

    Ich glaube nicht, dass es sich bei der Physik um eine Ideologie handelt.

  49. @ Karl Bednarik

    Frage vorweg, ob Ihnen der erste Absatz meines vorgängigen Beitrags zur Tätigkeit sich zu informieren nicht eingeleuchtet hat.

    Denn Sie schreiben ohne erkennbare Berücksichtigung des realen Umstands oder des „Faktums“, wie wir interessanter Weise auch sagen, dass „Information“ ein substantiviertes Verb bzw. ein Substantiv für ein Tun bzw. eine Tätigkeit ist wie schon die Begriffe „das Tun“ oder „die Tätigkeit“ selbst, also kein Substantiv oder Wort für einen Gegenstand oder ein Ding wie „die Tontafel“ (oder eine Bezeichnung für eine Substanz wie „das Wasser“, ein Geschehen wie „die Sternschnuppe“ oder „das Wetter/leuchten“ usw.):

    Bei einer Tontafel mit Schriftzeichen ist der Ton der Informationsträger,
    und die Schriftzeichen sind die Information.

    Auf einer Tontafel finden Sie physikalisch keine „Schrift“ und auch keine „Zeichen“, sondern vielleicht Vertiefungen oder Kreidelinien irgendeiner Form. Ohne Vorwissen davon, dass es die Tätigkeit des Schreibens gibt und wie sie ausgeübt wird, könnten Sie nicht einmal „denken“, mit den Vertiefungs- und Kreide-„Formen eine „Schrift“ vor sich zu haben; sie müssen sie als solche schon „deuten“, auffassen, interpretieren so wenig, wie Sie diese Formen ohne Sprachkenntnisse „entziffern“ könnten.

    Wenn Ihnen das nicht „einleuchtet“, möchte ich Sie bitten, sich vorzustellen, Sie würden die „Zeichen“ nicht kennen: welche „Information“ könnten Sie ihnen dann „entnehmen“?

    Der Begriff „Informationen“ verweist auf eine hochkomplexe Leistung des Sich-Informierenden. Sich unabhängig davon „Information“ als einen Naturgegenstand vorzustellen, ist Phantasie. Sich das, worüber wir uns „informieren“, einen Eindruck und ein Bild machen, selbst als „Information“ zu bezeichnen, ist eine „unbewusste“, oder wie man auch sagen könnte (leider abwertend klingend, was ich aber nicht meine!): eine „gedankenlose“ Gleichsetzung bzw. eine „sprachliche Gedankenlosigkeit“; gemeint ist der „Fakt“, „das Faktum“, wörtlich das „Gemachte“ – hier aber eigentlich das Gegenteil davon – des „Nichtdrandenkens“, nicht an das zu denken, was wir mit dem Wort „Information“ wie „sich informieren“ genau „meinen“…

  50. Hallo Ingo-Wolf Kittel,

    die Aufnahme und die Deutung von Informationen durch den Menschen ist nur ein Spezialfall der Informationsübertragung.

    Wenn ein Mensch, ein Tier, oder ein Gasmolekül auf eine Tontafel mit Vertiefungen treffen, dann ist ein Mensch, ein Tier, oder ein Gasmolekül darüber informiert, dass sie sich in der Nähe einer Tontafel mit Vertiefungen befinden.

    Dazu benötigt man nicht die Kenntnis einer Schrift.

    Auch das Gasmolekül wird dann genau an der Tonoberfläche seine Flugrichtung wechseln.

    Schon seit sehr langer Zeit tauschen Moleküle Informationen aus.

    Die Anordnung von Materie und Energie in Raum und Zeit ist eine physikalische Realität.

    Die Art der Wechselwirkungen zwischen den Teilchen sind eine kausale Folge dieser Anordnung von Materie und Energie in Raum und Zeit.

  51. Phineas Gage

    Ich weiß noch, wann ich zum ersten Mal von dem Fall hörte. 1999 in Birbaumer/Schmidt: Biologische Psychologie:

    „Verändert war und blieb sein Verhalten: die Arbeit interessierte ihn ebensowenig wie die Familie, er lebte in den Tag hinein, wurde unzuverlässig und vulgär. Eine spätere Rekonstruktion seiner Verletzung ergab, daß große Teile seines präfrontalen Kortex zerstört waren und damit eine gruppe spezifischer kognitiver Funktionen ausfielen, die auch für Sozialverhalten von großer Bedeutung sind.“

    Ich sehe keinen wirklichen Widerspruch zu MacMillan: „Phineas Gage’s case is important for what it pointed to, rather than what we can learn from it in any detail about the relation between brain and behaviour.“

    Mag sein, daß seine Verhaltensänderungen im Detail anders waren, daß der rechte präfrontale Kontext entgegen Damasios Rekonstruktionen ungeschädigt war, daß das psychische Trauma zu Gages Verhaltensänderungen beitrug.

    Das ändert aber nichts an der durch weitere Evidenz gestützten Grundaussage. Läsionen des linken PFC führen zu pseudodepressiven Störungen mit Anhedonie, Apathie und stereotypem Verhalten.

  52. Herr Bednarik

    Ist wirklich so unverständlich, was ich geschrieben habe?

    Sie reden von physikalischen Verhältnissen – am Schluss sogar, ohne auch nur das Wort „informieren“ oder seine substantivierte Form zu benutzen. Zu dem, was Sie da am Schluss schreiben, habe ich auch null Dissens!

    Selbst die hier gewählte Ausdrucksweise könnte ich noch akzeptieren:

    Wenn ein Mensch, ein Tier, oder ein Gasmolekül auf eine Tontafel mit Vertiefungen treffen, dann ist ein Mensch, ein Tier, oder ein Gasmolekül darüber informiert, dass sie sich in der Nähe einer Tontafel mit Vertiefungen befinden.

    Vor allen könnte ich das akzeptieren, wenn sie „informiert“ in Anführungszeichen gesetzt hätten, um anzuzeigen, dass sie dieses Verb hier nicht wörtlich meinen (Sie können es nicht wörtlich gemeint haben: weil es gerade nicht darum geht, dass „ein Gasmolekül“ hier „sich informiert“, ebenso wenig ein Tier und auch kein Mensch; ein Gasmolekül kann die Vertiefungen auf der Tontafel nicht einmal „sehen“ wie ein Tier mit Augen oder ein Mensch. Und die Vertiefungen selbst mit Augen zu sehen heisst noch lange nicht, diese Vertiefungen als „Schrift“ aufzufassen, ja auffassen zu können, was kein Tier kann, und zweitens diese Schrift auch „lesen“ zu können oder gar den Sinn des Geschriebenen zu „verstehen“! Selbst ein Mensch muss Lesen wie Schreiben und v.a. Verstehen erst in einem Kulturprozess – wörtlich „Bildungs“-Vorgang – gelernt und geübt haben! Das lassen Sie bei Ihren Ausführungen zu „Information“ vollständig außer Betracht und damit konsequent unberücksichtigt.)

  53. @ Bolt: schön zurechtgelegt

    Würdest du die Originalberichte oder die Untersuchung Macmillans mal lesen, dann würdest du z.B. feststellen, dass

    …die Arbeit interessierte ihn ebensowenig wie die Familie, er lebte in den Tag hinein, wurde unzuverlässig und vulgär.

    Schon falsch ist; Harlow berichtet 1868, dass Gage sich liebevoll um seine Nichten und Neffen gekümmert hat und vor allem eine große Vorliebe für Tiere hatte, mit denen er nach dem Unfall (z.B. auf dem Hof seiner Familie) viel Zeit verbrachte.

    Das ändert aber nichts an der durch weitere Evidenz gestützten Grundaussage. Läsionen des linken PFC führen zu pseudodepressiven Störungen mit Anhedonie, Apathie und stereotypem Verhalten.

    Lol, träum weiter!

    Im Übrigen ist es an Verzerrung kaum zu überbieten, in einem Statement einen Beleg zu zitieren, demzufolge man eben keine Gehirn-Verhalten-Schlüsse aus dem Fall ziehen kann (Macmillan) und es ein paar Zeilen später dann eben doch zu tun — sich den Schein gebend, das sei in wissenschaftlichen Quellen gegründet.

    Leute, ich werde hier mit euch keine weitere wissenschaftsgeschichtliche Lesestunde machen und mich nicht mehr zu dem Fall äußern; das ist mir zu dumm. Aber danke, Balanus, noch für deinen letzten klärenden Kommentar, dem ich nicht zu widersprechen brauche.

  54. Der Stoff, aus dem die Träume sind

    „‚Das ändert aber nichts an der durch weitere Evidenz gestützten Grundaussage. Läsionen des linken PFC führen zu pseudodepressiven Störungen mit Anhedonie, Apathie und stereotypem Verhalten.‘

    Lol, träum weiter!“

    @Stephan: Lesion und PFC als Suchbegriffe bei google scholar führt zu 16.400 Treffern. Nur mal einer:

    „Impulsivity, time perception, emotion and reinforcement sensitivity in patients with orbitofrontal cortex lesions“

    http://brain.oxfordjournals.org/content/127/5/1108.short

    Soweit ich die website von MacMillan gelesen habe, bestreitet er den Zusammenhang auch nicht. Seine Kritik richtet sich gegen Übertreibungen und Verfälschungen bei Gage, z.B. die Übertragung von Beobachtungen, die später bei anderen Geschädigten gemacht wurden, auf Gage.

    Das ist berechtigte Kritik, die auch Birbaumers Beschreibung betrifft. Aber nochmal: die Hypothese, daß definierte Hirnläsionen zu definierten verhaltensänderungen führen, wird dadurch keineswegs ins Land der Träume verbannt.

  55. @ Bolt: Neophrenologie

    Ich bezweilfe auch gar nicht, dass Gehirn, Person und Verhalten miteinander zusammenhängen; aber es sollte einem doch zu denken geben, wenn sich einer der stärksten und am meisten zitierten Fälle für die OMPFC/VMPFC-Läsionen und ihre angeblichen Auswirkungen auf die Persönlichkeit als eine Ente entpuppt. Dein blindes Vertrauen in die anderen Google Hits kann ich daher nicht nachvollziehen.

    Woher willst du denn wissen, dass dort nicht ähnlich geschlampt wurde, wenn du nicht selbst nachprüfst? Meine (vorläufige) Untersuchung anderer Fälle legt jedenfalls den Verdacht nahe, dass diese Fallbeschreibungen oft im Licht aktueller Diagnosekriterien (hier: Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Psychopathie) formuliert werden. Darüber schrieb doch schon Kuhn, siehe „Whig History“.

    In Kap. 3 meiner „Neurogesellschaft“ habe ich neben Gage weitere Fälle von OMPFC/VMPFC-Läsionen versammelt und es ergeben sich eben keine „definierten Verhaltensänderungen“, sondern im Einzelfall ganz unterschiedliche Verhaltensweisen, die sogar aufs Gegenteil hinauslaufen können.

    Was muss ich eigentlich noch alles schreiben, um dieses neophrenologische Missverständnis (z.B. die Moral sitze in OMPFC/VMPFC) zu beseitigen?

  56. Hallo Ingo-Wolf Kittel,

    1.) Neben der Tätigkeit des sich aktiv informierens gibt es auch noch das passive informiert werden, zum Beispiel, wenn einem ein Apfel auf den Kopf fällt. Man kann sich aber auch mit Hilfe des Tastsinnes aktiv informieren, ob irgendwo eine Wand im Wege steht.

    2.) Die Schrift besteht aus Zeichen, die für andere Dinge stehen. Ein leichter Schlag auf den Kopf kann ein Zeichen dafür sein, dass einem ein Apfel auf den Kopf gefallen ist. Den Begriff der Zeichen nur auf die Schriftzeichen zu beschränken, ist viel zu einschränkend gedacht. Für den Hund von Pawlow ist der Glockenton ein Zeichen für Futter. Die Erzeugung eines bedingten Reflexes ist ein gutes Modell eines Schulungs- oder Bildungsprozesses.

  57. @Karl Bednarik: Informationsträger

    Dass bei den Neuronen die Synapsen der Informationsträger sind und die Proteine, die die Übertragungsfaktoren steuern, die Information, will mir nicht so recht einleuchten.

    Ich meine, der Informationsträger ist die Nervenzellmembran (inklusive der Proteine) und die Information liegt im Muster der synaptischen Verschaltungen.

  58. Hallo Balanus,

    Zwischen dieser Aussage:

    „Dass bei den Neuronen die Synapsen der Informationsträger sind und die Proteine, die die Übertragungsfaktoren steuern, die Information“,

    und dieser Aussage:

    „Der Informationsträger ist die Nervenzellmembran (inklusive der Proteine) und die Information liegt im Muster der synaptischen Verschaltungen“,

    besteht kein Widerspruch.

    Die Synapsen stellen die kleinste Speichereinheit dar, und weil es mehr als nur zwei verschieden grosse Übertragungsfaktoren geben kann, könnte eine Synapse bis zu einem Byte speichern, zum Beispiel von minus 127 bis plus 128.

    Natürlich sind dann viele Neuronen durch noch viel mehr Axone, Dendriten und Synapsen zu einer Schaltung verbunden, und die Struktur dieser Schaltung enthält dann Informationen auf einem höheren Niveau, ähnlich wie die Schaltung von Speicherzellen und Prozessoren.

    Wenn man die Schaltung aus Neuronen zumindest für kurze Zeit als konstant annimmt, dann verändern sich vor allem die Übertragungsfaktoren der Synapsen.

    In längeren Zeiträumen verändert sich die Schaltung aus Neuronen, Axonen, Dendriten und Synapsen ebenfalls.

    Diesen zweiten Teil können die Schaltungen aus Speicherzellen und Prozessoren nicht so gut nachmachen.

  59. Interessanter Post, Herr Schleim

    Allerdings frage ich mich, warum Sie mit Balanus diskutieren. Da er der Ansicht ist, dass er ein Gehirnprodukt sei und alles deterministisch verlaufe, kann er von dieser Meinung doch gar nicht ablassen; mit gleichem Erfolg könnte man mit einen Stein diskutieren. Aber mal Scherz beiseite, im Prinzip verhält er (oder vielleicht besser: es?) sich wie ein religiöser Fundamentalist, wobei seine Religion eben der Materialismus ist.

    Noch eine Randnotiz zu dieser unseligen Debatte zum Thema Information: Ich weiß, dass sich in den Zeiten des Internets jeder Profilneurotiker dazu berufen fühlt, seine philosophischen Ergüsse der Welt mitzuteilen. Wünschenswert wäre allerdings ein Wissen um die im Diskurs verwendete Terminologie (zwecks intersubjektiver Überprüfvarkeit und Anschlussfähigkeit) sowie ein Mindestmaß an eigenständigem Denken. Wie sowas funktioniert, hat Erwin Schrödinger einmal auf sehr simple Weise gezeigt:
    http://www.blutner.de/philos/Texte/srod.html

  60. Sie jonglieren willkürlich mit Begriffen

    Herr Bednarik,

    das, was Sie zu einem „passiven Informiertwerden“ deklarieren, ist schlichtes „Wahrnehmen“, sinnliches Wahrnehmen und entsprechend sinnesphysiologisch zu untersuchen. Normalphysiologisch erfolgt darauf eine „Reflexantwort“ oder besser gesagt eine reflektorischen Reaktion. (So erfolgt die physiologische Ausbildung bedingter Reflexe von dem Typ, den Pawlow untersucht hat. „Lernen“, was sie undifferenziert sicher auch noch unter „informiert werden“ fassen dürften, umfasst wesentlich mehr, besonders bei uns Menschen – bis hin zum „einsehen“… )

    Wenn wir irgendein Gekrakel als „Schrift(zeichen)“ deuten, unterstellen wir dem, was wir sehen, „bedeutend“ mehr als wir sehen. Und genau das geht über bloßes Wahrnehmen hinaus – und trägt zu dem entscheidenden Unterschied zwischen Wahrnehmung und Information bei (es gibt noch mehr).

    Es erscheint mir aber weiter nicht sinnvoll, über einen Unterschied zu diskutieren, wenn Sie diesen Unterschied – ich weiss nicht was: – nicht mitmachen oder leugnen, einebnen, sich ihn noch nicht klar gemacht haben, ihn nicht kennen und auf meine Hinweise hin auch nicht erkennen. Ich könnte mich ja immer nur wiederholen…

  61. @ X: Warum ich mit Balanus diskutiere…

    Haha, gute Frage. Ich habe in früheren Diskussionen auch schon einmal die Hypothese gewagt, dass Balanus a) ein Computerprogramm oder b) Gerhard Roth ist, der hier unter einem Pseudonym auftritt. In beiden Fällen hat er mir nicht widersprochen. Also gehe ich davon aus, dass es sich bei Balanus um eine Computerimplementation des Gehirns von Gerhard Roth handelt. 🙂

    Naja, meine Motivation ist aber doch, dass diese Diskussionen für mich einen gewissen Unterhaltungswert haben, abundzu zumindest, und ich mir dadurch (zumindest prinzipiell) neue Einsichten erhoffe. Dennoch war es beispielsweise eine Enttäuschung, dass fast 200 Kommentare zu meinem Beitrag über Naturalismus zum Trotz kein einziger der schlauen und mehr oder weniger naturalistischen Jünger eine Definition von „Naturalismus“ anbieten konnte.

  62. Ich hätte einige Definitionen parat

    Der Naturalismus ist
    a) ein Märchen von Erwachsenen für Erwachsene
    b) der buckelige Bruder des Idealismus
    c) ein anderer Terminus für Szientismus
    d) eine inkohärente Theorie (daher auch die Schwierigkeiten bei der Definition)
    e) Refugium für Kontrollfanatiker/vom Leben Überforderte/ehemalige Kirchgänger/Fast-food-thinker.

    Bei Bedarf gibts mehr Begriffseingrenzungen. Macht dann aber 2,50 Euro pro Stück, der Kapitalismus ist schließlich kein Ponyhof.

    Dass Sie mit Balanus diskutieren, um neue Einsichten zu erlangen, kann ich nachvollziehen. Didaxe ex negativo ist aber nur bedingt ein sinnvolles Mittel, um den Horizont zu erweitern 😉

  63. @ X: Willkommen bei „Menschen-Bilder“

    Na, ich kann nur hoffen, dass Sie auch in Zukunft wieder mal vorbeischauen und mitdiskutieren. Ein Honorar kann Ihnen hier allerdings keiner für Ihre Beiträge bezahlen. Selbst mein Spendenaufruf, mir die Spesen für einen Beitrag zu erstatten (ca. €1,50), verhallte im Nichts.

  64. @Schleim: Herzlichen Dank!

    Irgendwie war ich jetzt auch motiviert, mal ein bißchen im Internetz zu stöbern, und zack habe ich auch etwas ganz, ganz Superbes gefunden. Damit Balanus weiter sein Mantra, das Gehirn entscheide, auf die Welt loslassen kann, hier total tolle neue Experimente:

    Artikel: http://klab.tch.harvard.edu/publications/pdfs/gk2630.pdf

    Supplement: http://klab.tch.harvard.edu/resources/supplementary/gk2630supp.pdf

    Diese Genauigkeit bei den Vorhersagen, einfach famos. Also Herr Schleim, jetzt müssen Sie doch endlich anerkennen, dass wir alle Automaten sind. Auf die Möglichkeit hinweisen, dass es sich hierbei um synchrone Prozesse handelt, können Sie nicht, denn so eine Möglichkeit ist uns laut den Autoren nicht gegeben – und die Autoren sind an Ivy League Colleges beschäftigt, die müssen das wissen, oh ja!!

  65. Hallo Ingo-Wolf Kittel,

    es ist mir schon klar, dass zwischen der Wahrnehmung eines Objektes und der Bedeutung dieser Wahrnehmung ein Unterschied besteht.

    Wenn ich das Wort „Kugel“ sehe, dann sehe ich mit meinen geistigen Augen tatsächlich ein dreidimensionales Objekt, genau so, als hätte ich wirklich eine Kugel gesehen (es muss ja keine von Dirty Harry sein).

    Man sollte allerdings das Prinzip „ein Zeichen bedeutet etwas anderes“ nicht auf die Schriftzeichen beschränken.

    Meiner Meinung nach ist das keine unzulässige Verallgemeinerung, schliesslich haben die alten Ägypter in ihren Hieroglyphen nur jene Dinge abgebildet, die sie auch sehen konnten.

    Je weiter sich die Kultur der alten Ägypter entwickelt hatte, um so abstrakter und vereinfachter wurden ihre Hieroglyphen, und um so schwieriger ist es für uns zu erkennen, worum es sich eigentlich handeln soll.

    Warum haben die alten Indianer trockene Äste um ihr Lager ausgestreut?

    Weil ein Knacken bedeutete, dass sich nun ein Feind nähert (das liegt daran, dass sich Freunde nicht in der Nacht anschleichen).

    Ein Zeichen bedeutet eben etwas anderes als das Objekt, das dieses Zeichen verursacht.

    Schriftzeichen bedeuten natürlich auch etwas anderes als Farbe auf Papier (ausgenommen vielleicht die Bunte Illustrierte).

    P. S.:

    Leider bin ich nur immer kurz im Internet, und deshalb läuft diese Diskussion nur schleppend weiter.

  66. Hallo X,

    ob jemand ein Mensch oder ein Roboter ist, das ist nicht so wichtig.

    Entscheidend ist, ob er einen Mechanismus besitzt, mit dem er sich selbst beobachten und korrigieren kann.

    Selbstverständlich verletzt das nicht die physikalische Kausalität, sondern, in Gegesatz dazu, es setzt die physikalische Kausalität sogar fort.

    P. S.:

    Irgendwann werde ich ein einfaches Programm in C schreiben, das diese schwarzen Ziffern auf blauem Grund in das passende Eingabefenster überträgt.

    So schwer kann das ja gar nicht sein, denn für ein Blaufilter sieht ja blau ohnehin wie weiss aus.

  67. Aber sicher doch, Herr Bednarik!

    Und wenn wir dann eines Tages das Zeitliche segnen, ist es völlig wurst, ob da neben uns am Sterbebett ein uns lieber Mensch oder ein der Selbstbeobachtung fähiger Roboter sitzt. Oder anders gewendet: Erde an Bednarik, Erde an Bednarik, bitte runterkommen!

    Wenn ich mir Posts wie Ihre durchlese, dann frage ich mich ernsthaft, wie Herr Schleim das hier auf Dauer aushält.

  68. @ Stephan Schleim

    »Dennoch war es beispielsweise eine Enttäuschung, dass fast 200 Kommentare zu meinem Beitrag über Naturalismus zum Trotz kein einziger der schlauen und mehr oder weniger naturalistischen Jünger eine Definition von „Naturalismus“ anbieten konnte. «

    Nur, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: An dieser Naturalismus-Diskussion war ich so gut wie gar nicht beteiligt. Aber da Du sie schon erwähnst: Wo bleibt Dein Verriss des Gerhard-Vollmer-Aufsatzes zum Naturalismus? 😉

  69. @ X, Balanus: Zukunft von

    Am Anfang hatte ich ca. jede bis jede zweite Woche einen Post; inzwischen bin ich mehr auf einen pro Monat herabgesunken. Nur aus aktuellen Anlässen (Bloggertreffen, Konferenz, Replik) sind es zurzeit mehr.

    Da ich gerade von einem Tenure-Track-Workshop meiner Universität komme, sollte ich mir vielleicht doch wieder vornehmen, weniger zu schreiben und vor allem weniger mitzudiskutieren. Schließlich zählen für meine Stelle vor allem wissenschaftliche Publikationen in internationalen, peer-reviewed Journals (neben Lehre- und Organisationsaufgaben). Sollte ich irgendwann einmal eine feste Stelle haben oder in +/- 35 Jahren in Rente gehen (falls es sowas dann noch gibt), dann will ich wieder mehr schreiben. 🙂

    Sinnvollere Diskussionen, da gebe ich X Recht, könnten aber auch einen motivierenden Beitrag leisten.

    Balanus, ich habe den Vollmer-Beitrag gelesen und nicht vergessen, dass ich um einen Kommentar gebeten wurde. Ich warte noch auf etwas Bestimmtes, bevor ich mich dazu öffentlich äußern möchte. Woher weißt du aber so genau, dass es ein Verriss werden wird?

  70. @ Stephan Schleim: Verriss

    »
    Woher weißt du aber so genau, dass es ein Verriss werden wird?
    «

    Weiß ich natürlich nicht, aber es würde mich auch nicht wundern, bei Deinen Vorbehalten gegenüber dem Naturalismus (bei dem es ja immer „mit rechten Dingen“ zugeht) 😉

    (Was Deine Bloggerei anbelangt: Ich frage mich ohnehin, wie Du das alles auf die Reihe kriegst… bist wohl ein Schnelldenker und -schreiber)

  71. Hallo X,

    die Frage, ob es sich um einen Menschen oder einen zur Selbstbeobachtung fähigen Roboter handelt, stellt sich wesentlich früher, und wesentlich bedeutungsvoller als nur am Sterbebett.

    Neben der Fähigkeit zur Selbstbeobachtung spielt besonders die Fähigkeit zum Mitempfinden eine grosse Rolle.

    Ein Roboter, der mir helfen will, und der mir Freude bereiten will, der ist immer gerne in meiner Nähe gesehen.

    P. S.:

    Ich muss mich kurz fassen, denn ich befinde mich gerade in der Midlife-Crysis-2 und muss die Menschheit vor den Cephalopoden (Ceph) aus der Triangulum-Galaxie (M33) verteidigen.

    Einfach eine Wasserstoffbombe drauf schmeissen, wäre eine kurze, aber inhumane Option.

    Ausserdem wäre dann das ganze Spiel viel früher zu Ende.

  72. Vortragsankündigung

    Professor Kirschfeld wird übrigens am 19. April eine Vorlesung im turmdersinne in Nürnberg halten:

    Sein Vortrag „Wer sieht die Welt: der Mensch oder sein Gehirn?“ handelt u.a. davon, wie die breit diskutierten aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung zu verstehen und zu deuten sind. Das ist vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um die Willensfreiheit und um daraus möglicherweise zu ziehende Konsequenzen für das Strafrecht sehr aktuell. (Ankündigung, PDF)

  73. Курсы

    ПТМ (или пожарно технический минимум) – вид обучения руководителей и специалистов пожарной безопасности, целью которого является повышение уровня знаний, соответствующих особенностям производства и усвоения специальных правил пожарной безопасности.
    Курсы по пожарно техническому минимуму

  74. kein Mensch ist eine Insel

    Was bei all der Untersuchung, über die Sie schreiben, Herr Schleim, bestimmt fehlt ist der Teil, wo man zu dem Besitzer des untersuchten Gehirns schaut und da nachguckt, ob dieser Mensch ein Linkshänder oder ein Rechtshänder ist, und, wenn er ein Linkshänder ist, ob er sich wie ein Linkshänder bewegt oder manchmal oder immer wie ein Rechtshänder.

    Warum ist das wichtig? Nun, ein Linkshänder, der sich wenig oder garnicht wie ein Linkshänder bewegt, kriegt wegen dieser Bewegungen gegen die angelegte Dominanz ein für ihn ungut verändertes Gehirn. Was genau sich da verändert, dazu fehlt meinem Kenntnisstand die Forschung. Aber diese ungünstigen Veränderungen schlagen sich merkbar auf die Funktionstüchtigkeit des Gehirns nieder. Das heißt, so ein falsch genutztes Gehirn verändert sich in seiner Fähigkeit des Verarbeitens, Gedächtnis, Lernfähigkeit und das Reproduzieren des Gelernten und anderes, die Veränderungen wirken bis hin zum psycholgischen Ausdruck dieses Menschen (veränderte „Ich“ Grenzen und anderes).

    Das ist der eine Teil, der fehlt. Ein weiterer Einfluß wird sich neurologisch kaum messen lassen (ich wüßte jedenfalls nicht, wie man das tun könnte) und das sind die Außeneinflüsse, die auf alle Menschen einwirken und auch deren Handeln oder Nicht Handeln beeinflussen, unabhängig davon, wie funktionstüchtig deren Gehirn ist. Ich meine die Fremdgefühle und anderen Kräfte, die auf Menschen einwirken, sowie sie einer Gruppe angehören, z.B. der eigene Sippe (Herkunftsfamilie) oder anderen Gruppen, im Beruf oder privat (Verein oder anderes). Auch diese Einflüsse verändern das Verhalten von Menschen.

    Ein Mensch ist immer ein Gesamtpacket von mehreren Rahmenbedingungen, Lebensumständen und anderem. Wie Handeln entsteht, wie eine Entscheidung getroffen wird, da wird ein Mensch, ohne es zu merken, zu einer Marionette stärkerer Kräfte. Trotzdem denke ich, dass er für das Ergebnis seines Tuns oder nicht Tuns voll verantwortlich bleibt, auch wenn er „nicht anders konnte“, weil er unbewußt handelte und selber nicht merkte, worauf er zusteuert.

    Nur im Gehirn nachzumessen, wo die Entscheidungszentrale des aktiven Handels liegt, ist meinem Eindruck und meiner Lebenserfahrung nach zu wenig, um den Impuls des SO Handelns zu verstehen.

    freundlicher Gruß

  75. da fehlte etwas in meinem Kommentar

    „….da wird ein Mensch, ohne es zu merken, zu einer Marionette stärkerer Kräfte.“

    Richtig heißt es: „… da wird ein Mensch, ohne es zu merken, oft und oft unbemerkt zu einer Marionette stärkerer Kräfte.

  76. Wie arbeitet das menschliche Gehirn?

    Lesen Sie die Schrift von Hans Denk:
    „Plaudereien mit oder in meinem Gehirn“.
    Wählen Sie das E Book, die 1. überarbeitete Auflage, ersdchienen im Wagner Verlag.

    Viel Vergnügen dabei!

  77. Buch über das Gehirn

    meinten Sie mich, Herr Dr. Schmidt? Und wenn ja, steht in dem von Ihnen genanntem Buch was über Linkshändigkeit bzw. nicht gelebte Linkshändigkeit (umgeschulte Linkshänder) und deren Gehirnveränderungen?

    freundlich
    Klaudia Siegmann

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben