Damit Herzklopfen nicht zur Gefahr wird: Aufruf zum Valentinstag

Herzklopfen kann verschiedene Ursachen haben, von denen leider nicht alle romantisch enden. Herz-Kreislauf-Krankheiten sind in Deutschland immer noch Todesursache Nr. 1. Gerade Vorhofflimmern ist eine häufig unerkannte und unterschätze Gefahr, die fatale Folgen haben kann. Doch es ist nie zu spät – oder zu früh, sich um sein Herz zu kümmern.

Damit Verliebte, Schokoladenhersteller und Blumenhändler nicht plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes vom Schlag getroffen werden, gibt es anlässlich des Valentinstages rund um den Globus verschiedene Kampagnen zur Verbesserung der Herzgesundheit.

Die australische Herzstiftung (National Heart Foundation) ruft zu einer Spendenaktion auf.

Heart Foundation Campaign-jpg
Herzen können mehr als lieben: Kampagne in Australien (Quelle: Heart Foundation)

In Italien organisiert der Pharmakonzern Daiichi Sankyo zusammen mit dem italienischen Verband der Antikoagulationspatienten (AIPA) einen Informationstag zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn Aufklärung und Sensibilisierung sind erste Schritte für eine bessere Prävention, Diagnostik und Therapie der oft verkannten Herzrhythmusstörungen.

Heiliger Valentin

Auch wenn die zahlreichen Legenden zum Valentinstag häufig unklar bleiben und sich miteinander vermischen, war Valentin vermutlich ein Bischof von Terni (Italien), der im 3. Jahrhundert nach Christi wegen seines Glaubens hingerichtet und später in Rom als Märtyrer verehrt wurde. Er erlangte seine Bekanntheit durch Krankheilungen und Helfer in Partnerschaftskrisen.

Hilfe und Trost Suchenden soll er Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Interessante Details zu Herkunft und Bedeutung dieses Heiligen gibt bei meinem Blognachbarn Michael Blume: „Warum begehen immer mehr Menschen den Valentinstag?

Herzklopfen

Wenn wir verliebt sind, Angst haben oder uns beim Sport anstrengen, schlägt unser Herz schneller. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und schüttet Botenstoffe wie Adrenalin aus, die den Herzschlag beschleunigen. So können wir unsere Kraftreserven mobilisieren, um die Drachen und Hexen zu bekämpfen, die uns von den Prinzessinnen oder Prinzen unseres Lebens abhalten oder anderswo neue Rekorde brechen. Ab einer bestimmten Herzfrequenz nehmen wir diese Beschleunigung als „Herzklopfen“ wahr.

Leider werden hohe Herzfrequenzen (Tachykardie ab etwa 100 Schläge/min und mehr bei Erwachsenen) oder Unregelmäßigkeiten nicht immer bemerkt oder ernstgenommen. „Das geht schon wieder vorbei“, sagen sich viele Betroffene und haben meist auch recht.

Stress, Schlafmangel oder Angst führen immer mal wieder zu harmlosem Herzstolpern, das rasch vorübergeht und keine Beschwerden verursacht. Herzrasen aus dem Nichts heraus sollte jedoch unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Häufig stecken hinter diesen Symptomen gefährliche Herzkrankheiten, die unbehandelt schwere Folgen nach sich ziehen können.

Vorhofflimmern: unterschätzte Gefahr

Vorhofflimmern ist die häufigste Art von Herzrhythmusstörungen. Laut aktuellen Schätzungen sind rund 1.8 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Rund fünf bis zehn Prozent der über 70-Jährigen leiden an Vorhofflimmern, was etwa 0,5% der erwachsenen Bevölkerung entspricht. Das Risiko steigt mit dem Lebensalter. Doch viele wissen nichts davon. Da das Herz nicht ständig unregelmäßig pumpt, wird die Krankheit oft unterschätzt. Dabei zählen Herzrhythmusstörungen zu den Hauptrisiken für einen Schlaganfall.

Vorhofflimmern entsteht, wenn sich die Herzvorhöfe aufgrund der fehlerhaften Überleitung der Herzströme nicht mehr richtig zusammenziehen, sondern nur noch unkontrolliert zucken. Normalerweise schlägt das Herz etwa 70 Mal pro Minute, bei Vorhofflimmern kann die Frequenz auf bis zu 150 Schläge gesteigert sein. Die Pumpleistung und damit auch die Leistungsfähigkeit nehmen ab.

Im Gegensatz zu dem wesentlich selteneren Kammerflimmern, ist Vorhofflimmern zunächst weniger lebensbedrohlich. Allerdings steigt das Risiko für Gerinnsel, die sich in den Vorhöfen bilden und zu Arterienverschlüssen im Körper führen können. Schätzungen zufolge sind bis zu ein Drittel der Schlaganfälle im Gehirn auf Vorhofflimmern zurückzuführen.

Warnsignale beachten

Da Vorhofflimmern spontan und anfallsweise auftreten kann, sollten Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Angstgefühle und ein unregelmäßiger Puls, der über mehrere Minuten oder gar Stunden anhält, ernst genommen werden. Schwindel, plötzliche Seh- oder Gedächtnisstörungen, die in Kombination mit dem Herzstolpern auftreten, können erste Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Hier kann jede Minute zur Verbesserung von Therapie und Prognose beitragen. Auch kalter Schweiß, Übelkeit und Brustschmerzen müssen so schnell wie möglich medizinisch abgeklärt werden.

Grunderkrankungen erkennen und behandeln

Bei der Mehrzahl der Betroffenen ist das Herz bereits vorgeschädigt. Hierzu zählen vor allem Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzklappenfehler und Herzmuskelerkrankungen. Eine Überfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls zu Herzrhythmusstörungen führen. Etwa ein Drittel der Patienten hat einen zu hohen Blutdruck. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht und Diabetes mellitus. Nur wenn die Grundkrankheiten erkannt und mitbehandelt werden, kann die Therapie auch tatsächlich gelingen.

Da einige Betroffene völlig symptomfrei bleiben, sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Wer seinen Körper kennt und selbst regelmäßig Blutdruck und Puls kontrolliert, kann ebenfalls helfen, Schlimmeres zu verhindern.

Vorbeugen durch Ernährung und Sport

Viele Herzkrankheiten lassen sich durch eine gesunde Lebensweise vermeiden oder zumindest mildern. Es nie zu spät – oder zu früh, durch kleine Entscheidungen die Gesundheit und das Wohlbefinden langfristig zu verbessern.

Unser Herz ist keine Maschine, die sich einfach austauschen lässt. Wohl kaum jemand würde auf die Idee kommen, sein Auto über Jahre hinweg mit dem falschen Treibstoff zu fahren. Sportler wissen, dass sie nur mit einer richtigen Ernährung Höchstleistungen vollbringen können.

Die Bevorzugung von Gemüse, Obst (Bananen, Beeren, Äpfel), Ballaststoffen, Nüssen und Fisch, eine ausreichende Trinkmenge von mindestens 1,3 bis 1,5 Liter Flüssigkeit (am besten Wasser oder ungesüßter Tee) bei weitgehendem Verzicht auf gesüßte Getränke und industriell hergestellte Fertigprodukte, kann das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle senken und die Leistungsfähigkeit steigern. Kakao ist übrigens „erlaubt“, vor allem dunkle Schokolade mit einem hohen Gehalt an herzschützenden Flavonoiden.

Die so gewonnene Energie sollte in Sport umgesetzt werden: Empfohlen werden wöchentlich mindestens 150 Minuten, besser 300 Minuten mäßiges Ausdauertraining (z.B. Walking) und/oder die Hälfte davon in höherer, aerober Intensität (z.B. Jogging). Zusätzlich zur Verbesserung der Ausdauer ist moderates Krafttraining an zwei oder mehr Tagen pro Woche ratsam.

Besser wenig als nichts

Die Umstellung von völliger Inaktivität auf eine leichte sportliche Betätigung bringt den größten Gewinn. Daher sollte auch Zeitmangel keine Ausrede (mehr) sein, auf den Sport komplett zu verzichten.

Wer jedoch älter als 45 Jahre ist und in der letzten Zeit keinen Sport getrieben hat, sollte sich vor der Wiederaufnahme vom Arzt untersuchen lassen. Damit das Herzklopfen vor allem mit positiven Situationen verbunden bleibt.

MedCityNews-TachycardicHeart-png

Tachykardie ist am Valentinstag meist physiologisch bedingt. Das Herz schlägt allerdings nicht schneller, weil wir uns verlieben, sondern wir verlieben uns, weil das Herz schneller schlägt.

Der Grund: Das Gehirn reagiert besonders stark in aufregenden Situationen, ohne dabei Zeit für Ursachenforschung (Säbelzahntiger oder Traumprinz/essin?) zu verschwenden.

Diese und andere wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema hat Bas Kast amüsant zusammengetragen: „Die Liebe. Und wie sich Leidenschaft erklärt“.

 

 

Quelle / weiterführende Literatur:

 

Trota von Berlin

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Während meiner Pubertät, diese ist schon einige Jahre her, wurden bei mir ventrikuläre Extrasystolen diagnostiziert. Um dauerhaften Stress zu dämpfen, damit es nicht schlimmer wird, geht es alle halbe Jahre in die Berglandschaft um mal tief durchzuatmen. Auch am Valentinstag war es wieder so weit 🙂

  2. Pingback: Deutschland: Vorsicht, Fußballfieber! » Medicine & More » SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben