Heute Hawaii, morgen Mars

Was würden Sie machen, wenn Ihr Abflug zum Mars unmittelbar bevorstünde? Freunde und Familie besuchen? Koffer packen? Ein letztes Mal frisches Obst essen? Weit gefehlt, die Antwort ist viel unromantischer: Sie würden Medienanfragen beantworten.

Alles ist besonders, wenn man ein Jahr lang darauf verzichten muss - selbst das Baden im See.

Credit: Sub24 Helsinki. Alles ist besonders, wenn man ein Jahr lang darauf verzichten muss – selbst das Baden im See.

Wie lebt es sich als Forscher auf dem Mars? Eingesperrt in einer engen Forschungsstation mit fünf anderen Menschen. Jede Nachricht an die Erde ist 20 Minuten unterwegs, damit ist jeglicher Kontakt mit dem Rest der Menschheit auf Email beschränkt. Wasser ist knapp; jeder Forscher darf nur acht Minuten lang duschen – pro Woche.“ – So oder ähnlich berichteten die Medien in den vergangenen Tagen mehrfach, und ich bin noch immer erstaunt darüber, dass der ganze Rummel mir gilt.

Jetzt sitze ich im Flugzeug nach Hawaii und habe nach der Hektik der vergangenen Tage und Wochen zum ersten Mal Zeit, ungestört meiner unmittelbaren Zukunft entgegen zu sehen: Ich werde in gut einer Woche für ein Jahr mit nur fünf anderen Menschen in eine 100m² große Kuppel einziehen. Wenn ich nach draußen möchte, muss ich einen Raumanzug anlegen. Ein Jahr lang werde ich keine Sonnenstrahlen und keinen Wind auf meiner Haut fühlen. Keine frischen Lebensmittel, kein Telefon, kein Skype. Ich kann nicht verreisen, ich kann nicht schwimmen gehen und meine Familie bekommt mich während des kommenden Jahres auf Hawaii nur in aufgezeichneten Videonachrichten zu Gesicht.

Dabei klingt Hawaii für die meisten erst einmal nach Sonne, Strand und Surfen. Ich dagegen werde irgendwo auf einem abgeschiedenen Berghang des Mauna Loa leben, einem der größten Vulkane der Erde. Denn dort steht das HI-SEAS-Habitat, das von der University of Hawaii betrieben und der NASA finanziert wird. HI-SEAS steht für Hawaii Space Exploration Analog and Simulation (HI-SEAS), grob übersetzt „Hawaii Raumerkundungssimulation“. Das Habitat steht an einem der wenigen Orte ohne Blick aufdas Meer, inmitten endloser Weiten erstarrter Lava auf etwa 2500 m Höhe.

Dafür werde ich mit fünf der engagiertesten Wissenschaftler der Welt zusammen leben. Ich werde Französisch lernen und im Gegenzug den Männern das Tanzen beibringen. Ich werde, angestachelt von den anderen, mehr Sport treiben und das erste Mal in meinem Leben in einer Band spielen. Wir haben viele Pläne. Wir haben viele Forschungsideen. Doch egal, was wir letztendlich machen: Wir arbeiten an einem der größten Ziele, die die Menschheit seit der Mondlandung vor sich hat.

Wir wollen dabei mithelfen, die ersten Menschen auf den Mars zu bringen. Während jedem sofort einleuchtet, dass man dafür Raumfähren entwickeln muss und Marsstationen und Raumanzüge, unterschätzen viele, dass der wichtigste Faktor der Mensch ist. Der intelligenteste und entschlossenste Wissenschaftler kann Heimweh bekommen, und der rationalste Astronaut kann in einen emotionalen Streit verwickelt werden. Was dann? Die Rückfluggelegenheit vielleicht noch Monate entfernt, muss sich das Wissenschaftlerteam auf dem Mars zusammenraufen und seine Konflikte selbst lösen. Man stelle sich vor, nach mehrjähriger Marsmission kehrten die Marsonauten mit leeren Händen zurück, weil – überspitzt gesagt – einer von ihnen beim ersten Anfall von Heimweh den gesamten Nutella-Vorrat allein verdrückte und die anderen ihm daraufhin die Zusammenarbeit verweigerten.

Die Studie, für die ich in die simulierte Marsstation ziehe, beschäftigt sich daher mit dem Astronauten als Mensch, dessen Leistungsfähigkeit nicht nur von seinem Vorwissen und seiner Gesundheit abhängt, sondern auch von seiner Kompatibilität mit dem Rest des Teams. So werden wir und unser Verhalten umfangreich aufgezeichnet, um die Entwicklung unserer Gruppendynamik im Verlauf des Jahres nachzuvollziehen. Zwei Fragen sind dabei essentiell: Wie stellt man ein erfolgreiches Team zusammen? Und welche Probleme sind im Verlauf der Mission zu erwarten und wie kann die Bodenstation unterstützend eingreifen?

Die Frage nach der Teamauswahl ist zumindest für unsere Mission beantwortet: Nach einer schnellen Folge von Online-Bewerbung, Skype-Interview, psychologischem Fragebogen und mathematischem Eignungstest schicke man acht Finalisten in die Berge. Dort lasse man sie mit Zelten eine Woche lang durch die Wildnis wandern. Da niemand nach zehn Kilometern mit zwanzig Kilo auf dem Rücken noch schauspielern kann, haben wir uns bei den abendlichen Besprechungen so kennen gelernt, wie wir wirklich sind. Und herausgefunden, welche Zusammensetzung des Teams wohl die größten Chancen hat, das Jahr in Isolation erfolgreich zu überstehen.

Wer sind nun die Wissenschaftler, die all diese Strapazen auf sich genommen haben für das zweifelhafte Vergnügen, getrennt von Familie und Freunden auf engstem Raum zusammen zu leben?

Carmel Johnston, unsere Kommandantin: Zuletzt war sie als Bodenkundlerin in Nationalparks unterwegs. Sie würde lieber mit einem Grizzly ringen als sich auch nur einen Tropfen Make-Up ins Gesicht zu schmieren.

Sheyna Gifford, Crewärztin und -jounalistin: Im Team auch bekannt unter dem Namen Doc Mom, weil sie leidenschaftlich gern alle mit ihren Haushaltskünsten umhegt und penibel unsere Missionsvorbereitungen managt.

Andrzej Stewart, Crewingenieur: Einer jener Typen, die groß und bärig aussehen, im Inneren aber herzensgute kleine Jungs geblieben sind. Zum Glück ist seine gute Freundin Doc Mom mit in der Station und kann auf ihn aufpassen.

Cyprien Verseux, französischer Astrobiologe: Neben mir der einzige ohne amerikanischen Pass. Wegen seines Cowboyhuts nennen wir ihn Dusty, das ist für alle Beteiligten auch einfacher auszusprechen.

Tristan Bassingthwaighte, Architekt: Wir nennen ihn Marmot („das Murmeltier“), denn er bekam jedes Mal riesige Kulleraugen, wenn ihm ein solches beim Trekking über den Weg lief. Warum auch immer er unter die Finalisten gewählt wurde: Als geborener Pausenclown ist er für die Teammoral unverzichtbar.

Christiane Heinicke, Crewphysikerin und Chief Scientific Officer: Das bin ich. Die anderen nennen mich Cookies, weil ich Kekse mag. Ich mag auch Schnee und Eis, aber auf die werde ich auf Hawaii wohl verzichten müssen, und mir stattdessen zu meinen dreißigsten Geburtstag eine Extraportion Kekse wünschen.

Warum nehmen wir sechs nun an der Isolationsstudie teil? Einige von uns hat ganz einfach die Herausforderung gereizt, mit fünf anderen Menschen ein Jahr lang in Isolation zu leben und zu arbeiten. Für manche bot diese Studie eine wunderbare Kombination mit ihrer bisherigen Forschung. Und ein nicht geringer Teil möchte Astronaut werden und eines Tages selbst auf den Mars fliegen. Dann aber den echten – nicht in das simulierte Habitat auf Hawaii.

Im Moment genießen wir alle noch die letzten Tage der Freiheit auf der „Erde“. Bevor das eigentliche Abenteuer beginnt und wir jeden Tropfen Wasser zählen müssen, wollen wir das machen, was wohl jeder Tourist auf Hawaii macht: Ein letztes Mal im Meer baden.

Veröffentlicht von

Christiane Heinicke bloggt als Wissenschaftlerin und Versuchskaninchen aus der HI-SEAS-Forschungsstation auf Hawaii. Zuvor studierte sie Physik in Ilmenau und Uppsala und promovierte anschließend zu einem kontaktlosen Strömungsmessgerät. Zuletzt arbeitete sie in Helsinki an brechendem Meereis. Vor ihrer Zeit auf Hawaii verbrachte sie zwei Wochen auf der Mars Desert Research Station in Utah. Ständig umgeben von Wänden oder Raumanzug, wird sie während des Jahres am meisten das Gefühl von Sonnenstrahlen auf der Haut vermissen, dicht gefolgt vom Geschmack frisch gepflückter Himbeeren.

126 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Großartig! Als dein Blog neulich hier plötzlich in der Navigationsleiste erschien, war meine Neugier auf deine zukünftigen Berichte direkt geweckt. Ich habe mich daraufhin auch schon mal auf http://hi-seas.org/ umgesehen und bin jetzt wirklich gespannt, welche Erlebnisse und welches Fazit euch erwarten. Viel Glück, Spaß und Erfolg dir und dem Rest des Teams!

  2. Hallo Christiane,

    ich möchte dir viel Glück und Erfolg für das nächste Jahr wünschen. Es ist eine tolle Sache und ich bin sehr gespannt von ersten Erfahrungen zu lesen.

  3. Eine Frage hätte ich noch: Habt ihr in der Simulation auch Regeln, was mit Teilnehmern passiert, die auf dem Mars unter realen Bedingungen nicht mehr übeleben könnten? Wenn ihnen zum Beispiel der Raumanzug kaputt geht oder Ähnliches? Müssen die die Simulation dann verlassen, um alles so realitätsnah wie möglich durchzuspielen?

    • Hallo Ute,
      vielen Dank für die netten Willkommensworte! Zu deiner Frage: Eine solche Regel haben wir bisher nicht besprochen, aber gerade im Bezug auf den Raumanzug könnten wir gar nicht selbst entscheiden, ob der Defekt tödlich wäre. Ein zerbrochenes Visier wäre offensichtlich, aber was ist mit einem Riss im Anzug? Ein kleines Leck bringt nicht gleich um, ein größeres möglicherweise schon, wenn wir das rettende Habitat nicht rechtzeitig erreichen. Die genaue Grenze könnte man wohl nur durch den Praxistest auf dem Mars herausfinden.
      Generell geht es bei der Studie aber um die Isolation der Teilnehmer, und nicht um die technische Funktionalität der Ausrüstung. Insofern würde vermutlich nicht mal ein Komplettausfall aller Habsysteme zu einem Studienabbruch führen.
      Anders verhält es sich zum Beispiel bei schwerwiegenden Verletzungen: Alles, was unsere Crewärztin nicht behandeln kann und ins Krankenhaus verlegt werden muss, wird wohl unweigerlich zum Studienabbruch für die betroffene Person führen.

      • Vielen Dank für deine prompte Antwort! Nun grüble ich allerdings. Nicht, dass ich euch irgendwelche Horrortrips an den Hals wünschen würde ;-), aber die latente oder offene permanente Angst, die man als Pionier auf einem menschenlebensfeindlichen Planeten hätte, ist doch auch und gerade in Isolation ein wesentlicher Faktor im Umgang mit einander und sich selbst?

        Wenn ich weiß, egal ob Ausfall der Lebenserhaltungssysteme oder totals Zerstörung des Anzugs, mir kann im Notfall ja doch nichts passieren, ich mache einfach nur ’ne mentale Notiz und danach weiter wie bisher…? Da gehe ich doch garantiert anders mit meinen Mitmenschen um als wenn ich ständig diesen Druck im Nacken habe, dass jeder Fehler – egal ob meiner oder der eines anderen(!) – der letzte und das Ende der Mission sein könnte?

        • Sicher, die permanente Lebensgefahr verschärft die Situation der echten Marsonauten noch mal. Man könnte die Simulation in eine Druckkammer verlegen, um die Gefahr des Druckverlusts zu haben. Aber dann könnten wir nicht auf Erkundungstour gehen und geologische Untersuchungen durchführen – und die wissenschaftliche Arbeit ist ja wesentlicher Bestandteil der Lebensbedingungen echter Marsonauten.
          Dazu kommt noch ein ganz praktisches Problem: Für eine Studie, bei der man potenziell sein Leben verlieren kann, würden sich wohl nicht genug Freiwillige melden (von der Genehmigung durch die Ethikkomission mal ganz zu schweigen).
          Zum Ausfall der Systeme: Der ist für uns zwar nicht tödlich, wäre aber für die Studie und die bis dahin gesammelten Daten durchaus fatal und damit zu vermeiden.

          • Ich hätte „Leben verlieren“ jetzt eher im Sinne von „rausfliegen“ gemeint, aber ich verstehe, worauf du hinaus willst. Vielen Dank! 🙂

  4. Hi Christiane,

    das sind ja echt mal interessante Neuigkeiten 🙂 Was man nicht so alles durch die X30-Liste erfährt, der Hammer… erstmal herzlichen Glückwunsch zu diesem exklusiven „Ausflug“, sowas kann man für Geld nicht kaufen 🙂 Ich werde regelmäßig mal vorbeischauen und prüfen was Du so zur Erde gefunkt hast!

    Achja… denk beim Tanzen bitte immer daran, dies ist nicht wirklich der Mars, und R&R-Hebefiguren sind bei 1g nicht ungefährlich 😉

    Gute Reise!

    • Hallo Flo,
      daran habe ich noch gar nicht gedacht – auf dem Mars könnte ich _dich_ hochheben! Akrobatiken auf dem Mars dürften überhaupt ganz neue Möglichkeiten eröffnen…

  5. Hallo Christiane,
    es freut mich sehr, dass Du hier blogst und uns so Einblicke in Dein „Marsleben“ gibst. Schon der Einstieg ist sehr persönlich und informativ. Du erzählst hier Dinge, nach denen sonst kaum einer frägt. Das wird also ein spannendes Jahr – nicht nur für Dich, sondern auch für uns Blogleser!
    Dir und den anderen Teammitgliedern eine gute Zeit und starke Nerven, wann immer es nötig ist.

  6. Manche würden bei derartiger Anforderungslage („Mars-Expedition“), den Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen, erst einmal das Testament machen,
    MFG
    Dr. W (der derartige Studien im Orbit nicht schlecht fände)

  7. Es geht also um ein soziales Experiment? Das wurde alles schon vor 100 Jahren in extremeren Gefilden bei völliger Isolation gemacht.

    • Ja und nein. Es ist richtig, dass zum Beispiel arktische Entdecker für mehrere Jahre im Eis gefangen und von der Außenwelt abgeschnitten waren. Wir unterscheiden uns von diesen Seefahrern aber in drei wesentlichen Punkten:
      1. Wir sind zu sechst(!). Expeditionen hatten häufig mehr als 100 Teilnehmer.
      2. Wir wurden für die Mission gezielt anhang unserer Qualifikationen ausgewählt. Das traf bei Weitem nicht auf alle Expeditionsteilnehmer zu.
      3. Neben unseren eigenen Blogs und ausgefüllten Fragebögen gibt es eine Vielzahl „nebenher“ gemessener Daten. Von den Expeditionen gibt es außer dem Logbuch des Kommandanten und persönlichen Tagebüchern keine weiteren Daten bezüglich der Auswirkungen der extremen Bedingungen auf den Menschen.

      • Das stimmt so nicht.
        1. Beispiel die Fram-Expeditionen unter Nansen und Sverdrup. 13-14 Teilnehmer, Dauer: Drei bis vier Jahre. Amundsen im Basislager: 9 Teilnehmer, Dauer: Ein Jahr. Es gibt noch weitere Beispiele aller Größenordnungen bei bis zu vier Jahren Dauer.
        2. Auch bei den Qualifikationen wurden zumindest bei den Norwegischen Unternehmungen nur Spezialisten ausgesucht.
        3. Aus fast allen Expeditionen ergaben sich viele Fachartikel aus unterschiedlichen Disziplinen (Physik, Biologie, Zoologie etc.).

        Tut mir leid, mir erschließt sich der Sinn hinsichtlich einer Reise zum Mars nicht.

        • Eine wichtige Ergänzung zu meiner vorherigen Antwort ist mir noch eingefallen: Wir tragen Raumanzüge und leben in einem abgeschirmten Habitat – die dadurch fehlenden Sinneseindrücke haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser Wohlbefinden, sowohl psychisch als auch physisch.
          Davon abgesehen gebe ich Ihnen Recht, dass gerade die Norweger Expeditionen mit wenigen Teilnehmern unternommen haben, die Regel war das aber nicht. Klassische Gegenbeispiele wären die Franklin-Expedition oder Shackletons berüchtigte Überwinterung mit der Endurance. Und auch wenn die meisten Expeditionen sehr wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse erbracht haben – die betrafen eben NICHT die Auswirkungen der Isolation auf den Menschen.
          Wenn ein Physiker Experimente durchführt, schafft er kontrollierte Versuchsbedingungen und misst gezielt die Parameter, die ihn interessieren. Warum sollte das bei sozialen Experimenten anders sein? Wenn der Physiker wissen will, wie schnell ein Ball zur Erde fällt, sucht er sich eine bestimmte Höhe aus und misst die Zeit. Wenn ein Psychologe oder ein Mediziner wissen will, wie ein Mensch physisch und psychisch auf langfristige Isolation reagiert, steckt er Menschen in ein abgeschiedenes Habitat und misst ständig ihre seelische und körperliche Verfassung.
          Warum ist das interessant? Zu Zeiten der Arktis-Entdecker gab es – aus den verschiedensten Gründen – eine niedrige Wahrscheinlichkeit, lebend wieder zurück zu kehren. Skorbut, Unfälle, Nahrungsmangel, Orientierungslosigkeit – aber eben auch Verantwortungslosigkeit, Depression und Selbstmord. Man will einfach aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und dafür sorgen, dass Marsonauten gesund und munter wieder zur Erde zurückkehren und viele wissenschaftliche Erkenntnisse mitbringen! Möglicherweise haben die Norweger vor 100 Jahren bei der Teamauswahl schon alles richtig gemacht – da sie ihre Auswahlstrategien aber nicht wissenschaftlich überprüfbar veröffentlicht haben, könnten sie genauso gut einfach Glück gehabt haben.

          • Ich bin mir über die Sinneseindrücke in den arktischen Gebieten nicht so sicher, weiß aber, dass die bei tiefen Temperaturen signifikant reduziert sind. Die großen Expeditionen sind jedenfalls deutlich länger her, man hatte danach ja etwas gelernt. Es gibt jedenfalls genug Beispiele für solch kleine Gruppen, dass ich die Notwendigkeit heutiger Experimente durchaus in Frage stellen kann. ImÜbrigen gibt es ja auch Ergebnisse von Langzeitaufenthalten auf der ISS. Und selbst die haben immer die besagte Rettungsoption.

          • Ich wiederhole mich nicht gern, aber hier nochmal in aller Deutlichkeit: Die Gruppendynamik in kleinen, isoliert lebenden Gruppen wurde bisher nicht experimentell untersucht. Das ist aber nötig, um Gruppen zu verstehen und gezielt von außen unterstützen steuern zu können. Bisherige Gruppen bei verschiedensten unkontrollierten Bedingungen als Vergleich heranzuziehen hat mehr mit Glücksspiel zu tun als mit Wissenschaft.

      • PS: Und wie soll man realitätsnahe psychologische Ergebnisse erhalten, wenn allen Teilnehmern klar ist, dass sie jederzeit aussteigen können? Die Weltraumwahrheit lässt sich nun einmal nur fernab der Erde simulieren, wo es im Zweifelsfall keinerlei Ausstieg gibt. Und dann ist es keine Simulation mehr!

        • Ich kann Ihnen versichern, dass die meisten von uns sich lieber mit einem gebrochenen Bein durch die Studie quälen würden als abzubrechen; aufgeben ist für uns eine eher abstrakte Möglichkeit.
          Gründe für einen Studienabbruch sind ein Thema für einen eigenen Post, deshalb will ich hier nicht weiter darauf eingehen. Nur so viel: Die HI-SEAS 2-Mission hatte einen Teilnehmer, der aus gesundheitlichen Gründen unfreiwillig abbrechen musste – die zurück gebliebene Crew trauerte noch tagelang um ihren „verstorbenen“ Kameraden.

          • Bei gebrochenen Beinen will ich das gern glauben. Wenn es aber um das eigene Leben geht, wird das anders sein. Sie sind ja keine Kamikaze-Piloten. Dieser Unterschied wird die Ergebnisse eben nicht representativ für Raumflüge darstellen. Alles andere ist eine Illusion.

          • Das hier – „die zurück gebliebene Crew trauerte noch tagelang um ihren „verstorbenen“ Kameraden.“ – liest sich wie „wir spielen jetzt mal Raumfahrt.“ Entschuldigung, das ist wirklich etwas dünn…

          • Nun, das mag Ihr Eindruck sein. Ich persönlich werde mich hüten, die Gefühle früherer Crewmitglieder in Frage zu stellen. Die NASA nimmt unsere „Spielchen“ jedenfalls so ernst, dass sie gerade erneut Millionen für die Fortsetzung der Studie bereitgestellt hat.

          • Entschuldigung, ich möchte nicht falsch verstanden werden. Auch ich möchte die Gefühle Anderer nicht in Frage stellen. Doch der Ausstieg durch Krankheit ist eben etwas anderes als die realen Probleme auf dem Weg zum Mars. Ich möchte auch nicht Ihre Begeisterung in Frage stellen und wünsche selbstverständlich viel Spass auf dem Berg. Auch wenn die NASA Millionen für sowas ausgibt, ist es nicht zwingend für Marspläne sinnvoll und macht auf mich einen sehr schwachen Eindruck. Das hat etwas mit PR zu tun!

  8. Diese letztlich unkalkulierbare Gruppendynamik finde ich total spannend,

    Thor Heyerdahl hat ganz bewusst Männer verschiedener Kulturen und Religionen auf seiner Ra zusammengepfercht, das war auch ein soziologisches Experiment mit potentiell Sprengstoff ohne Ende.

    Jetzt hier bei Ihnen, 3m3w, da gibt es noch zusätzliche Konfliktfelder.

    Man spricht ja davon, dass lange Raumflüge besser familiär als militärisch durchgeführt werden sollen, es bleibt bei ihrem Experiment offen, ob es geschwisterlich bleibt oder zu Pärchenbildungen nebst Eifersucht kommt.

    Die NASA ist bei diesem sehr menschlichen Themenkomplex ja eher wenig auskunftsfreudig.

  9. Hallo Christiane,

    ich wünsche dir für das Experiment alles nur erdenklich Gute. Ich finde solche Projekte wunderbar, informativ und aufregend. Deinen Blog werde ich so gut es geht folgen und hoffe für deine Gruppe und dich, dass Experiment euch neue Erkenntnisse liefern wird.

    PS: Bald läuft auch ein Film „Der Marsianer“ Buch von Andy Weir (Verfilmt von Ridley Scott) im Kino. Mal sehen wie es im Buch zugeht. Ich hoffe es läuft bei euch weniger dramatisch, als der Trailer vermuten lässt. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass für dieses Buch oder für den Film auch solche oder ähnliche Studien teilweise herangezogen werden und eure Gruppe eines Tages in abgewandelter Form indirekt in einem Film mitspielen werdet 😉

    Alles Gute nochmal und viel Erfolg.

    • Keine Ahnung, wie der Film ist, aber das Buch ist absolute Klasse!

      Frau Heinicke, Sie sollten sich auf jeden Fall die E-Reader-Version zum Mars mailen lassen.

  10. “ Auch wenn die NASA Millionen für sowas ausgibt, ist es nicht zwingend für Marspläne sinnvoll und macht auf mich einen sehr schwachen Eindruck. Das hat etwas mit PR zu tun!“

    @Tom
    Solche Studien haben definitiv einen wissenschaftlichen Wert. Der Faktor Mensch ist bei einer Reise Reise zum Mars eines von vielen Risiken die man so klein wie möglich halten will. Nur mit Studien unter kontrollierten Bedingungen wie es beim HI-SEAS der Fall
    ist, kann man lernen welche Probleme auftauchen können und wie man diese lösen oder verhindern kann.

    • Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich sage nicht, dass solche Studien per se wertlos sind. Ich gebe nur zu bedenken, dass sie nur eine geringe „Abbildungsqualität“ gegen die Realität haben (was Ute Gerhard auch schon anmerkte). Dies besonders bei Kandidaten, die mit hohem Belastungsstress bisher keine Erfahrung haben. Das hatte die Nasa in den 60er Jahren durchaus begriffen, und sie weiß das auch heute noch. Daher glaube ich nicht, dass man lernt wie man die wirklichen Reiseprobleme verhindern kann. Das ist PR für einen Marsflug, der von den meisten Experten als höchst zweifelhaft angesehen wird.

      Ich stelle mir spontan vor, wie ein Drittel der Crew auf dem Hinweg zum Mars wirklich stirbt und die Restmanschaft hat dann noch zwei Jahre im Container vor sich… die Realität hat dann eben keinen Ausgang.

      • Ich weiß nicht, auf welche Experten Sie sich beziehen; alle
        Wissenschaftler, mit denen ich bisher direkt oder indirekt zu tun hatte,
        waren von dem Projekt überaus angetan. Nicht nur die NASA arbeitet ja an
        einem bemannten Flug zum Mars, sondern auch das DLR, die ESA sowie
        unzählige Univeritäten. So groß können die Zweifel also nicht sein.

        Wenn Astronauten schon auf dem Hinflug sterben, würde ich eher vermuten,
        dass sie zur Erde zurückkehren werden – kein schneller Ausstieg, aber
        eben ein Ausstieg. Apollo 13 kam ja auch zurück.

        Was falsch daran sein soll, die Öffentlichkeit über die Verwendung von
        Steuermitteln zu informieren, verstehe ich auch nicht so ganz.

      • Ähnliche Kritik hat vor einiger Zeit schon Blogger Michael Khan an Mars 500 geäußert: http://scilogs.spektrum.de/go-for-launch/mars500-ausser-spesen-nix-gewesen/ Und eigentlich müsste man das Experiment, das den Aufenthalt auf dem Mars simulieren soll, auch mit denselben Personen und direkt im Anschluss an die Flugsimulation durchführen, finde ich. Denn der Stress, den sie dank des Fluges schon hinter sich haben, spielt für das weitere Zusammenleben auf dem Planeten selbst ja später auch eine Rolle.

        Aber wie dem auch sei, ich denke, erste Anhaltspunkte wird diese Studie hier auf jeden Fall liefern. Weder NASA noch ESA werden sich wohl der Illusion hingeben, damit vollumfänglich die psychologischen Faktoren und Auswirkungen einer interplanetaren Mission zu erforschen. So doof sind sie ja nun nicht. Und meines Erachtens auch die Autorin dieses Blogs nicht.

        Falls es tatsächlich in absehbarer Zeit mal eine Mondstation geben sollte, könnte man weitere Tests dort durchführen, unter einer Marsmission weit ähnlicheren Bedingungen, und dort schon mal die Ergebnisse einfließen lassen, die man bei den Studien auf der Erde gewonnen hat. Ein Anfang ist es allemal, solange man sich über die Limits im klaren ist.

        • Ganz richtig, die Studie ist nur ein Baustein von vielen. Aber irgendwo muss man ja anfangen, und das ist bei den allermeisten Studien nun mal im Labor oder zumindest unter laborähnlichen, kontrollierten Bedingungen.

  11. „Nicht nur die NASA arbeitet ja an einem bemannten Flug zum Mars, sondern auch das DLR, die ESA sowie unzählige Univeritäten.“

    Was heisst bitte „daran arbeiten“? Soweit mir bekannt, gibt es kein fortgeschrittenes Konzept sondern vereinzelte Untersuchungen, die vom Staat gefördert werden. Vorallem das DLR „arbeitet“ nicht daran. Da Forschung auch Geldacquise bedeutet, sagt das noch nicht, dass der Mensch sich demnächst auf den Weg zum Mars macht. Das hat ja auch was mit der Größenordnung der nötigen Mittel zu tun (wir reden von der Größenordnung Billionen Euro). Meine Kritik ist davon aber ganz unabhängig, wie man ja weiter oben lesen kann.

    „Wenn Astronauten schon auf dem Hinflug sterben, würde ich eher vermuten, dass sie zur Erde zurückkehren werden – kein schneller Ausstieg, aber eben ein Ausstieg. Apollo 13 kam ja auch zurück.“

    Hier empfehle ich die Lektüre von Hohmann-Bahnen, der Geschichte von Apollo 13 sowie die Berücksichtigung von Belastungsstörungen.

    „Was falsch daran sein soll, die Öffentlichkeit über die Verwendung von Steuermitteln zu informieren, verstehe ich auch nicht so ganz.“

    Das ist nicht falsch. Allerdings sollte man auch die Realitäten öffentlich diskutieren (was zumindest ich hier tue).

    • Das fortgeschrittene Konzept gibt es noch nicht, eben weil es noch so viele Unbekannte gibt. Aber öffentliche Pläne gibt es durchaus, sogar von kommerzieller Seite (Mars One, Mars Direct und wie sie alle heißen).

      Bei der ISS hat die internationale Zusammenarbeit auch geklappt, wieso sollten sich nicht mehrere Nationen die Kosten für einen Marsflug teilen können?

      Apollo 13 hatte technische Probleme; die Entscheidung der Bodenstation damals zeigt, dass das Leben der Astronauten wichtiger ist als die Mission.

      Wenn man nicht einmal das Verhalten der Astronauten unter Normalbedingungen versteht (was HI-SEAS simuliert), hat man nicht den Hauch einer Chance, ihr Verhalten vorherzusagen, wenn etwas schiefläuft.

      • Aus technologischer Sicht gibt es relativ wenige Unbekannte, wie ich meine. Oder was meinen Sie hier?
        Entschuldigung, Mars One nehme ich nicht ernst. Völliger Stuß! Und beide Pläne kämpfen massiv mit den Kosten. Bitte erinnern Sie sich: Das Shuttle sollte in der Planung rund 10 Millionen Dollar pro Start kosten. Es endete dann bei 1 Milliarde. Warum: Weil die Technologien noch entwickelt werden mussten und es dann Überraschungen gab. Die ganz grob geschätzten 1 Billionen Euro für den Mars sind daher wohl zu optimistisch. Und wer soll das bezahlen wenn wir unsere Defizite nicht einmal in den Griff bekommen? Wir haben hier doch genug Sorgen. Da spielt es auch keine Rolle, ob sich Nationen zusammentun. Oder will Deutschland als G20-Mitglied für sowas ein paar Dutzend Milliarden Euro ausgeben? 🙂 Schon die ISS ist fiskalisch ein einziges Desaster und die wird nur aus politischen Gründen weiterbetrieben.
        Apollo 13 ist überhaupt nicht vergleichbar mit einem Marsflug. Das ist Unfug.

        Egal: Viel Spass auf Hawaii!

        • Billig wird ein Marsflug nicht. Und ja, jedes Großprojekt ist bisher teurer geworden als geplant. Aber mir sind Milliarden, die in einen Marsflug investiert werden, lieber als Milliarden, die an Banken gespendet werden. Aber das ist meine persönliche, als Wissenschaftlerin voreingenommene Einstellung.

          Apollo 13 ist durchaus vergleichbar mit einem Marsflug – nicht hinsichtlich der Länge oder der Anforderungen an die Crew, sondern hinsichtlich der Einstellung, die Astronauten wohlbehalten wieder zurückzubringen.

          Wir sind vor zwei Stunden ins Habitat eingezogen, der nächste Blogpost steht also unmittelbar bevor. Ich freue mich schon auf die Diskussion dazu!

      • Es ist leider richtig, dass MarsOne eher als Luftnummer betrachtet werden muss. Lansdorp selbst hat zugegeben, dass seine Pläne „mostly fiction“ sind, und der Rest wurde vom MIT in der Luft zerrissen: http://spaceleaks.com/mars-one-torn-to-shreds-in-mit-debate/ Meines Wissens – da lasse ich mich aber gerne von den Insidern unter unseren Mitbloggern korrigieren – hat derzeit niemand konkrete und umsetzbare Pläne für eine bemannte Marsmission. Bestenfalls Visionen.

        • Entschuldigung, das ist wohl falsch rüber gekommen. MarsOne ist so nicht durchführbar, und ich persönlich hoffe sehr stark, dass die ersten Menschen auf dem Mars Wissenschaftler sind und keine Journalisten. Was ich mit den Beispielen zeigen wollte, war, dass durchaus Interesse besteht, zum Mars zu fliegen. Konkrete Pläne sind mir auch nicht bekannt, nur Abschätzungen a la „bis 2035“ und optimistische Kostenschätzungen.

          • Von einem guten Wissenschaftsblog erwarte ich nicht Ausrufe a la „Hurra, wir werden zum Mars fliegen“ sondern eine reflektierte Beleuchtung aller Parameter. Bisher ist das hier nicht geschehen. Vergleiche zwischen Bankenrettung und Raumfahrt sind dem nicht gerade förderlich weil sie völlig andere Problemfelder betreffen (ohne dass ich hier meine eigene Meinung einbringen möchte). Ich kann ja auch verstehen, dass man im Eifer des Gefechts völlig abwegige Argumente wie MarsOne bringt (sowas passiert mir ja auch). Doch ich gebe noch einmal zu bedenken, dass das hier keine Plattform der Bild-Zeitung ist und die hiesigen Leser ein Recht auf solide Informationen haben. Als Experiment zur menschlichen Psyche ist das Projekt wahrscheinlich sehr geeignet – für eine Marsreise ist es das nicht.

          • Sicher, aber ich kann ja wohl schlecht alle Parameter in einem einzigen Post abhandeln; und warum ich MarsOne erwähnt habe, hatte ich ja schon erläutert: Das Interesse ist einfach da. Die Unterstellung hinsichtlich Bild-Niveau kommentiere ich lieber nicht weiter.

  12. Hallo Christiane,

    für mich eine tolle Sache und es wird bestimmt interessante Erkenntnisse liefern. Ich freue mich schon auf Deinen Bericht!

    Ad Astra
    R.W. aka Michael

  13. Hallo Christiane,

    ich beneide dich um die Erfahrungen, die du bei diesem Projekt machen wirst. Ich habe den Bericht heute bei n-tv gelesen und mich gefragt, warum weder Blog noch Facebook Link angegeben waren. Mein erster Gedanke war, dass es doch Sinn machen würde, diesen Blog auch in sozialen Netzwerken zu verbreiten, um möglichst viele Menschen auf deiner Reise mitzunehmen und für das Ziel, den Mars zu erreichen, zu begeistern.
    Für das Projekt selber wünsch dir alles Gute.

    Liebe Grüße, Frank

    • Hallo Frank,

      das ist in Arbeit, aber gerade bei Facebook klappt die Zusammenarbeit nicht reibungslos. Wegen der Zeitverzögerung können wir soziale Netzwerke wie FB nicht direkt nutzen, und nicht alle lassen sich problemlos per Email steuern. Warum allerdings in Artikeln die Blogadresse entweder nicht oder sogar falsch angegeben wird, ist mir vollständig schleierhaft.

      Gruß
      Christiane

  14. Hallo Chrissy,

    kurz vor knapp will ich dir noch alles Gute wünschen und das alles so wird wie du es dir erhofft hast und das du natürlich wohlbehalten wieder zurück kommst.

    Eine Frage hätte ich noch: Habt ihr Freizeit und falls ja, was macht ihr da? Ich wäre da vermutlich mit 20 Kilo Wolle und Stricknadeln angereist (ein Jahr ist lang …)

    Liebe Grüße
    die Dani (die die immer in Russisch abgeschrieben hat. Und Mathe. Und Physik . Lassen wir das lieber ^^)

    • Ja, wir haben Freizeit. Was wir machen, liegt an uns: Wir haben Filme dabei, Material zum Sprachen lernen, Musik und Männer, die sich bereit erklärt haben, tanzen zu lernen, unzählige Bücher… So schnell dürfte uns also nicht langweilig werden.

      • Plant ihr euren Tag dann selber oder habt ihr einen vorgegebenen Tagesablauf bzw. Vorgaben wegen eurer eigenen Studien/Experimente?

        Ich weiß nicht ob das stimmt, aber auf der ISS soll ja der komplette Tag von vorne bis hinten durchgeplant sein, daher die Frage ob das bei euch auch so ist?

        • Unser Tagesablauf ist deutlich flexibler. Wie er genau aussieht – dazu wird es einen eigenständigen Post geben.

  15. Hallo Cookie,

    Dass Experiment liest Sich wie ein sehr spannender SiFi Roman. Bin neugierig auf was für Probleme und Lösungen ihr stoßen werdet. Habe mich selbst damals für das ESA Astronautenprogramm beworben,natürlich ohne große Chancenaussicht. Ich wollte die Chance damals einfach nutzen.
    Wünsche viel Erfolg aber auch Spaß mit den Team. Bin gespannt auf euren Verlauf.

    Trust the Force

    Jedi

  16. Liebe Christiane,

    ich wünsche Dir und den anderen in Deinem Team eine schöne Zeit und gutes Gelingen!

    Vielen Dank dass Du uns über Deinen Blog tiefere Einblicke in das Projekt gewährst als dies über vereinzelte Medienberichte möglich ist! Ich bin schon gespannt wie es euch ergeht und wie ihr mit der Isolation klar kommt.

    Würde denn auch eine reelle Reise zum Mars für Dich in Frage kommen?

    Liebe Grüße aus Thüringen
    Denise Böhm-Schweizer

    • Generell schon. Ich finde den Gedanken faszinierend, auf einem fremden Planeten zu stehen. Die Chancen, das zu erleben, sind realistisch betrachtet aber eher gering 😉 Allerdings mag ich die Erde, ein Flug ohne Rückflugticket käme nicht in Frage.

      • Ich denke wir sind noch weit davon entfernt, Menschen zum Mars zu schicken. Nach den Experimenten auf der Erde zwecks Erforschung der menschlichen Psyche und des Verhaltens in Isolation müssen Probeläufe unter realistischen Bedingungen kommen, um im Vorfeld die technischen Schwierigkeiten zu erkennen, die sich unter anderen physikalischen Bedingungen als auf der Erde ergeben können (geringere Schwerkraft, geringerer Luftdruck usw.

        Bevor wir also zum Mars aufbrechen, werden wir das Ganze erstmal auf dem Mond durchspielen müssen. Da kann man die Leute bei gravierenden Schwierigkeiten immerhin in vertretbarer Zeit zurück zur Erde holen.

        Also wenn, dann könntest Du zumindest auf einem fremden Himmelskörper stehen, auch wenn es „nur“ unser Mond ist. 🙂 Ich schätze, bemannte Reisen zum Mars wird es vor 2060 nicht geben. Und Leute nur hinzuschicken ohne die Möglichkeit einer Rückkehr halte ich für ethisch nicht vertretbar. Ich hoffe sehr dass es dazu nicht kommen wird.

        • Selbst 2060 halte ich mittlerweile für eine Marslandung für unrealistisch. Alleine schon deshalb, weil es noch nicht mal konkrete Pläne für den nächsten Mondflug gibt. Bei NASA und ESA findet sich so gut wie nichts (außer Wörners jüngster Absichtserklärung für eine Mondbasis. Nett, aber talk is cheap.), und den Russen fehlt das Geld. Die reden mittlerweile von 2034. Für die Mondlandung, wohlgemerkt. Da ist noch nicht einmal die Rede von einem längeren Aufenthalt zu Testzwecken für Marsflüge. Von dort aus weiter gerechnet ist selbst 2060 für eine Marslandung ziemlich optimistisch. Ich bin jedenfalls absolut sicher, dass ich (Jahrgang 1969) den ersten bemannten Marsflug nicht miterleben werde. Vielleicht schaffen es meine Kinder (* 2005 & 2006). Aber selbst da habe ich mittlerweile meine Zweifel.

          • Zustimmung: ein Marsbesuch durch Astronauten ist in weiter Ferne und wohl erst nach technischen Durchbrüchen in der Weltraumfahrt (neue Antriebsformen, geringere Kosten für Transport in den Orbit, etc.) möglich. So ähnlich hat sich auch ESA’s Wörner geäussert. Es kann kaum vor 2050 passieren, denn die benötigten neuen Technologien (z.B nuklearer Antrieb) müssen nach der Erfindung im Jahre X wohl noch Jahrzehnte entwickelt werden.
            Viel optimistischer bin ich was robotische Missionen angeht – und zwar nicht nur robotische Missionen mit autonomen Marsrovern, sondern auch mit Robonauten. Der Mars könnte der Heimatplanet einer Generation von autonomen Robonauten werden.

          • Ich rechne ebenfalls nicht damit, eine Marslandung noch erleben zu dürfen (bin Jahrgang ’71). Zu schaffen wäre es bis 2060 schon, aber stimmt, es fehlen konkrete Pläne dafür. Sehr wahrscheinlich wird auch ein Konkurrenzkampf zwischen einzelnen Nationen um „die Eroberung des Mars“ nicht stattfinden (das würde das Ganze beschleunigen), da dieses Vorhaben für ein einzelnes Volk finanziell gar nicht zu stemmen ist.

          • Ein Marsbesuch scheint ein grosses Risiko für Menschen, nicht aber unbedingt für Roboter zu sein. Menschen wären auf dem Hin- und Rückflug, aber auch auf dem Mars selbst grossen Strahlendosen ausgesetzt. Eine Abschirmung wäre teuer. Überhaupt wären die lebenserhaltenden Systeme die Crux für einen Marsbesuch. Schon kleinere Pannen, die auf der ISS mit Versorgungsflügen behoben werden können, könnten den Mars-Astronauten zum Verhängnis werden.
            Völlig anders sieht die Situation für Roboter aus, falls diese Roboter über genügend Autonomie verfügen, also viele Entscheidungen selbst treffen können. Solche humanoide, zu selbständigem Handeln fähige Roboter sind gerade im Entstehen begriffen und könnten in 20 Jahren für Marseinsätze verfügbar sein. Sie würden über ein Grundrepertoire an Fähigkeiten verfügen und würden Befehle von der Erde in einer recht allgemein formulierten Liste von Zielen und Hilfestellungen entgegennehmen. Eine direkte Telemanipulation von der Erde aus ist nämlich wegen der Zeitverzögerung nicht möglich. Eine permanente von solchen semiintelligenten Robotern bewohnte und gewartete Marskolonie ist also durchaus schon um 2050 herum denkbar, wenn sich die Robototik so weiterentwicklet wie jetzt zu beobachten ist. Die Roboter könnten dann auf dem Mars ein Habitat für den Menschen einrichten, so dass spätere menschliche Besucher ein bereits gemachtes Nest vorfänden. Natürlich bräuchte eine solche Roboterkolonie auf dem Mars auch Versorgungsflüge von der Erde, denn viele Materialien für den Habitatbau oder für Reparaturen müssten von der Erde kommen. Selbst schwere technische Defekte könnte eine solche Roboterkolonie auf dem Mars überstehen, wenn sie in einen Art Schlafmodus übergehen könnte. Der nächtste Versorgungsflug würde dann über einen Reperaturroboter und Ersatzmaterialien die Kolonie wieder aus ihrem ShutDown-Modus befreien.

            Der Artikel NASA Wants Help Training Valkyrie Robots to Go to Mars beweist jedenfalls, dass die NASA durchaus an solche Szenarien denkt.

          • Ja, Roboter… Aber wir sprachen ja explizit von bemannten Flügen. Was unbemannte angeht: Die haben wir ja längst miterlebt, mehrfach sogar, von Viking über Pathfinder & Co. bis Curiosity.

            Aber selbst wenn es je Roboter geben sollte, die Menschen in allen sensorischen und kognitiven Fähigkeiten ebenbürtig oder gar überlegen sind: Das Bestreben, „es selbst zu erleben“ wird uns trotzdem dazu treiben, irgendwann persönlich den Weg zu anderen Planeten anzutreten. Da bin ich ziemlich sicher. Nur wann, das ist halt die Frage.

          • Volle Zustimmung! Ich bezweifle, dass Roboter für einen Einsatz bereit sind, der mit Menschen vor Ort vergleichbar ist, bevor ein bemannter Flug stattfinden kann. Und selbst wenn, werden wir als Spezies trotzdem hinfliegen wollen.

          • @Ute Gerhard: Genau: Wir selbst wollen auf den Mars. Doch bemannten Flügen gingen immer unbemannte voraus – auch bei der Mondlandung. Unbemannte Flüge können aber mit neuer Technologie (Teilautonomie, Redundanz, Smartness) viel mehr sein und bringen als im 20. Jahrhundert. Mir schwebt eine 20-jährige Robotphase bei der Marsbesiedelung vor. Diese Robotphase rollt dann den roten Teppich aus für die nachfolgende Humankolonie – indem sie Habitate vorbereitet, ein Energiesystem zum Laufen bringt und wartet und ein Rohstofffördersystem aufbaut.

            Man muss bei Raummissionen immer vom Stand der Technik ausgehen und neue Entwicklungen einfliessen lassen um den optimalen Return of Investement zu erhalten. In 20 Jahren werden robuste teilautonome Roboter zum Stand der Technik gehören. Diese Roboter werden würdige Stellvertreter für menschliche Astronauten sein was ihre Leistungen angeht, wenn diese Leistungen auch nur Umsetzungen von Befehlen sein werden, die von der Erde zum Mars gesendet werden. Die Erfahrungen mit dieser RobotCrew werden dann hilfreich sein um eine bemannte Mission vorzubereiten.

            Übrigens wird bereits eine Robotkolonie auf dem Mars voraussetzen, dass ein effektiver Gütertransport Erde/Mars aufgebaut wird. Diese Güter werden für die Marskolonie genau so unverzichtbar sein wie die entsprechenden Resupply-Missionen für die Internationale Raumstation (ISS). Doch nicht einmal das – die effektive Resupply-Mission zum Mars – ist heute pfannenfertig vorhanden. Auch darum dauert es noch viele Jahre bis nur schon eine Mission mit halbintelligenten Robotern zum Mars möglich wird. Für eine Mission mit Menschen dauert es dementsprechend noch viel länger.

            Eine Hauruck-Mission zum Mars wie von Mars One oder sogar von der Nasa angedacht wäre im Vergleich zu meinem Vorschlag ein viel zu wagemutiges, viel zu gefährliches Unternehmen.

          • @Martin Holzherr: Wir sind uns doch völlig einig. Vor den bemannten Flügen kommen die unbemannten – bei Mond, Mars, Asteroiden und was da sonst och alles rumschwirrt. Mir ist das doch alles durchaus bekannt, ich hab’s ja auch selber oben erwähnt. Nur sind unbemannte Flüge halt nicht Gegenstand der Studie, der dieses ganze Blog gewidmet ist. Daher hat es wenig Sinn, auf Roboter als Alternative zum menschlichen Astronauten zu verweisen. An dem Punkt war und ist die Raumfahrt ja längst; das ist schlicht nicht das Ziel der Aktion.

          • @Ute Gerhard: Behauptung: Zukünftige bemannte Marsmissionen analog zur Mondlandung sind noch für viele Jahrzehnte praktisch unmöglich. Wenn aber schon bald fortgeschrittene, smarte Robotik die Planetenforschung erobert, dann könnte das die Zeit bis zur ersten bemannnten Marslandung um mehrere Jahrzehnte verkürzen.

            Das war es, was ich mit den letzten Kommentaren ausdrücken wollte.

          • Du scheinst davon auszugehen, dass vor einem Marsflug ein längerer Aufenthalt auf dem Mond notwendig ist. Es gibt aber durchaus gute Argumente, direkt zum Mars zu fliegen. Das einzige Argument für den „Zwischenstopp“ auf dem Mond, das mir gerade einfällt, ist die vergleichsweise kurze Rettungszeit.
            Ich denke, ich habe Chancen, die Marslandung noch mitzuerleben, auch wenn ich selbst für einen Flug zu alt sein werde.

          • ich möchte etwas bezweifeln, ob ein letztlich doch sentimentales Bedürfnis („ein Mensch hat den Marsboden betreten“) wirklich als Motivation für ein derartig gigantisches Unternehmen ausreichen wird. Wenn das „virtuelle Erleben“ perfektioniert wird, und jeder seinen Spaziergang auf dem Mars machen kann (auf gespeicherten Daten beruhend, wäre der nicht einmal „ruckelig“), wirds „dem Menschen“ vielleicht doch genügen.

          • Möglich, dass einigen die Virtuelle Realität ausreicht. Aber das wird nicht bei allen der Fall sein. Es ist eher eine Frage des Geldes, als des Willens.

          • „Es ist eher eine Frage des Geldes, als des Willens.“
            Sicher, aber das Geld wird nicht da sein, wenn es nicht hinreichend vielen Leuten unter den Nägeln brennt, gesellschaftlich akzeptiert ist zw. es politische etc. Notwendigkeiten gibt.

  17. Was mich mal interessieren würde: Habt ihr auch Sex in dieser Station? Ich denke, es geht doch bestimmt auch darum in dieser sozialen Studie. Wirst du auch darüber berichten, was sich abgespielt hat?
    Gibt es irgendwelche Absprachen im Vorfeld oder lässt man euch freie Hand? Kann mir nicht vorstellen, dass ein Versuchsleiter das unterdrücken will.

    • „Gibt es irgendwelche Absprachen im Vorfeld oder lässt man euch freie Hand?“

      Großartig! Ein echtes semantisches Schmankerl. 🙂

    • Ob Teammitglieder miteinander Sex haben werden, lässt sich schlecht vorhersagen. Verboten wurde es nicht – das Verbot wäre auch nicht sinnvoll kontrollierbar – wir wurden nur daraufhin gewiesen, am Ende bitte zu sechst und nicht zu siebt aus dem Habitat zu kommen.
      Was das Berichten über sexuelle Kontakte angeht: keiner von uns ist sonderlich erpicht darauf, sein Sexualleben in der Öffentlichkeit auszubreiten. Wir haben vor Beginn der Studie abgesprochen, was wir gegenseitig über uns veröffentlichen, und das Privatleben gehörte einstimmig nicht dazu.

  18. Liebe Christiane,

    ich drücke Dir ganz herzlich die Daumen für diese Erfahrung. Eigentlich weiß ich nicht so genau, was ich jetzt schreiben will … mich hat die Raumfahrt schon immer sehr fasziniert. Seit 40 Jahren lese ich Science Fiction, angefangen mit Perry Rhodan und Isaac Asimov. Doch letztendlich hat mich die Technik zwar interessiert, aber wirklich fasziniert war ich an den gesellschaftlichen und sozialen Aspekten. Entdeckungen sind immer auch eine Reise in einem selbst. Ich wünsche Dir viele Entdeckungen und viele Erfahrungen!

  19. Guten Tag, ich habe den größten Respekt vor solch einem Unternehmen. Ich bin mir jedoch etwas unsicher was die Möglichkeit betrifft, den „Ernstfall“ darzustellen. Ok, Sie sind in Hawaii. Isoliert. In Anzügen etc. Jedoch immer im Unterbewussten die Hintertür wissend dass Sie nur den „Helm abnehmen“ müssten und ggf. ein paar Minuten auf Hilfe warten müssten. Auf dem Mars, die Erde nur als leuchtender Punkt sehend, zu wissen dass draussen niemand ist, keiner kommen kann und man absolut auf sich bzw. die Gruppe gestellt ist, das kann definitiv keine Simulation trainieren. Deshalb heißt es ja auch Simulation. Ich denke dass alles was ausserhalb unseres lebensspendenden Planeten passiert nicht vorhersehbar ist. Ich persönlich wünsche Ihnen allen viel Erfolg & Glück, halte das ganze aber für ein reines Himmelsfahrtskommando.

  20. Hallo Christiane,
    Für dein Abenteuer wünsche ich dir das beste und freue mich schon, von all deinen Erfahrungen zu lesen.
    Ich drück dir die Daumen, dass auch das Vorhaben mit der Arktis klappt.
    Wenn du das alles überstanden hast, kannst ja fast ein Buch drüber schreiben. Ich würde es kaufen.
    Viel kraft und freude auf dem Mars.
    Ps wir hatteb russisch und physik bei herrn penke zusammen.

  21. Als Apollo 13 havarierte, da was sie noch auf dem Hinweg zum Mond.
    Sie konnte aufeinen Kurs gebracht werden, auf dem sie „um den Mond herum fiel“, zur Erde tzurück kam.

    Da waren lebensnotwendige Vorräte schon fast aufgebraucht.
    Eine Mission zum Mars würde in einem solchen Fall sicher abgeberochen werden, aber anders als bei Apollo 13 auch deswegen, weil an Bord niemand mehr lebt

    Seelische Verfassungen solcher Menschengruppen kann man nachlesen für Apollo 13 in dem gleichnamigen Buch eines Teilnehmers an der Mission, aber auch in den später aufgefundenen Tagebuchaufzeichnungen diverser lang verschollener Ant/-artischer Expeditionen.
    Geschwisterlich-emotional, militärisch-diszipliniert.

  22. @zabki: Ich stimme Dir zu. Ich habe keinerlei Bedürfnis Menschen völlig sinnlos auf den Mars zu schicken. Für das Geld, das eine einzelne solche Reise kostet, kann man viele Roboter an völlig unterschiedlichen Stellen des Mars absetzen und Untersuchungen und Fotos machen. Der Erkenntnisgewinn ist auf diese Weise wesentlich größer, Vor allem können fahrbare Labors deutlich länger Informationen liefern und sich weiter umher bewegen als Menschen.
    Tiefergehende Erkenntnisse sind sowieso nicht zu erwarten, wie wir leider bereits am Beispiel der ISS erkennen müssen. An diese Raumstation hat man auch sehr große Erwartungen geknüpft – und bisher gab es keinerlei Erkenntnisse, die diese Ankündigungen bestätigt hätten. Allerdings hat man bei der ISS wegen der größeren Personenzahl mittlerweile eine Forschungszeit von mehreren Jahren.

    • @KRichard:
      „Der Erkenntnisgewinn ist auf diese Weise wesentlich größer“
      Dem ist eben nicht so. Bislang kann kein Roboter einen gut ausgebildeten Geologen ersetzen.
      „Vor allem können fahrbare Labors […] sich weiter umher bewegen als Menschen.“
      Auch das stimmt (noch) nicht. Bisher legen Rover Distanzen in der Größenordnung von einigen Kilometern zurück – im Jahr. Und auch das nur in vergleichsweise einfachem Terrain.
      Welche Erkenntnisse uns erwarten, kann niemand vorhersagen. Wenn wir das wüssten, bräuchten wir tatsächlich niemanden auf den Mars schicken.

      • Man darf natürlich nicht die Leistungsfähigkeit _eines_ Geologen mit der _eines_ Roboters vergleichen, sondern mit der ganzen Flotte von Robotern, die man zum Preis für eine Person auf den Mars bringen kann.
        Zudem sind die Erwartungen an die Entwicklung der Robottechnik in den nächsten Jahrzehnten hoch, auch wenn man das nicht so euphorisch sieht,
        Dann brauchen die Roboter ja nicht völlig selbständig zu arbeiten, sondern können von der Erde aus gesteuert werden, wenn auch zeitverzögert, Dafür entschädigt dann wieder die größere Anzahl an gleichzeitig möglchen Arbeiten.

  23. Auch zehn Roboter kommen nicht an einen Geologen heran. Beide haben halt ihre Stärken und Schwächen. Der Geologe ist teurer und lebt gefährlich, der Roboter kann nur das, was ihm einprogrammiert wurde. Es kommt darauf an, was man erreichen will: Roboter/Rover sind besser um die gleichen Messungen an verschiedenen Orten durchzuführen. Menschen sind (bislang) besser darin, neue Muster zu erkennen.
    Ich hege außerdem Zweifel daran, dass man eine Mission genehmigt bekommt, um den x-ten Roboter zum Mars zu schicken. Da lässt sich ein Mensch als Neuigkeit leichter verkaufen. (Und selbst das ist schon schwer, wie man an oben stehenden Kommentaren sehen kann ;))

    • Ein Mensch hat den Nachteil, dass er aus der Kapsel nicht aussteigen kann, wenn ein Sonnensturm (tagelang) oder ein Sandsturm (monatelang) auf den Landeplatz einwirkt. Dann war die ganze Reise umsonst.
      Wenn zukünftig fahrbare Roboterlabors nicht genehmigt würden, dann wohl hauptsächlich deshalb, weil man sich keine Erkenntnisse mehr erwartet, die diese Kosten rechtfertigen würden.
      Zudem haben Rover-Labors den Vorteil, dass man dabei Erfahrungen mit sicheren Landungen machen kann – auch der Rücktransport von Mensch/Proben ist ein Problem, welches bisher noch nicht beherrscht wird.

      • Gar keine Frage, mit Rovern kann man wertvolle Erfahrungen sammeln. Und es gibt noch eine Reihe technischer Probleme, die vor einem bemannten Flug gelöst werden müssen. Ich habe ja auch nicht behauptet, dass wir gleich im nächsten Jahr fliegen könnten.
        Inwieweit ein Sandsturm ein Astronautenteam von der Arbeit abhalten würde, kann ich nicht beurteilen. Ein monatelanger Ausfall wäre ärgerlich, würde aber nicht gleich die ganze jahrelange (!) Reise nutzlos machen.

    • der Roboter kann nicht nur das, was ihm einprogrammiert wurde, er wird ja von der Erde aus gesteuert. Die Muster erkennen die Geologen auf der Erde anhand der vom Roboter gesendeten Daten und bestimmen das weitere Vorgehen.
      Würde das Verhältnis Geologe : Roboter zum selben Preis nicht eher bei 1 : 100 statt bei 1 : 10 liegen?

      • Geologische Fernerkundung per Kamera ist schwierig. Einem Roboter fehlt einfach die Intuition oder Neugier, mal eben hinter dem nächsten Stein nachzuschauen; und auf Bildern gehen schnell mal wichtige Details verloren. Außerdem sind bei 40 Minuten Laufzeit für ein Antwortsignal die Steuerungsmöglichkeiten doch etwas beschränkt. Platt ausgedrückt ist der Roboter in der Zwischenzeit schon in die Felsspalte gefallen, deren Foto er gerade an die Erde gefunkt hat.
        Das genaue Kostenverhältnis ist reine Spekulation – auch die Entwicklung von Robotern kostet Geld. Die unterschiedlichen Einsatzgebiete bleiben davon ohnehin unberührt.

        • Roboter von morgen werden sowohl auf der Erde als auch dem Mars Aufgaben teilautonom durchführen. Ein Auftrag könnte heissen: Suche im Umkreis von 50 Metern nach der geologisch interessantesten Stelle und bereite eine Probenentnahme vor. Das eingebaute geologische Wissen wird es dem Mars-Roboter der 2040er Mars-Exedition erlauben unter Anwendung von Patttern-Matching-Algorithmen solche allgemeine Aufgaben zu bewältigen.

          Mir fällt immer wieder auf, dass selbst Wissenschaftler und Forscher den technischen Fortschritt nicht richtig einschätzen können. Es gibt eine Neigung zum massivem Unterschätzen als auch zum massiven Überschätzen der möglichen Fortschritte. Tatsache ist aber, dass selbst nach längeren Stagnationsphasen Fortschritte in Gebieten gemacht werden, die man schon aufgegeben hatte.Heute macht beispielsweise – nach Jahren der Stagnation – die Krebstherapie grosse Fortschritte. Wir erwarten zudem bald schon autonom fahrende Fahrzeuge und auch die Künstliche Intelligenz und Robotik schreitet nach Jahren der Stagnation voran.

          Sie schreiben: „Das genaue Kostenverhältnis ist reine Spekulation – auch die Entwicklung von Robotern kostet Geld. Die unterschiedlichen Einsatzgebiete bleiben davon ohnehin unberührt.“

          Das stimmt nur wenn sie statisch denken und glauben die Zukunft sei nicht mehr als eine etwas aufgepeppte Gegenwart. In Zukunft werden Roboter aber viele Dinge erledigen können zu denen heute nur Menschen in der Lage sind. Zudem kostet die Entwicklung von Robotern zwar Geld, nur haben Roboter sehr viele Einsatzgebiete. Raumfahrt und Planetenmissionen sind nur ein Anwendungsfall von vielen für Roboter.

          Gesamthaft beurteile ich bemannte Marsmissionen so: Heute wäre es viel zu teuer und gefährlich eine bemannte Marsmission durchzuführen. Das bleibt so lange wahr, wie es nicht massive technische Fortschritte in mehreren Bereichen gibt. Zu diesen Bereichen gehören
          1) die Kosten des Gütertransports in den Orbit
          2) Antriebstechnologien für Raketen
          3) Teilautonomie von robotischen Systemen

        • Sie gehören zur Generation Golf und zur Generation Kohl/Schröder, deshalb wohl ihr statisches Weltbild in dem es nur schwer vorstellbar ist, dass sich etwas grundsätzlich ändert und ganz neue Perspektiven auftauchen. Das grösste Ereignis für die Genernation Kohl war wohl der Fall der Mauer. Technologisch dagegen änderte sich für diese Generation nur wenig. Der grösste technologische Umbruch für diese Generation war wohl der Mobilfunk, eine Technologie, die nichts grundsätzlich neues brachte, sondern nur eine bekannte Technologie miniaturisierte und massentauglich machte. Jemand der in dieser Zeit aufgewachsen ist, kannn sich nur schwer vorstellen, dass Roboter bald schon eine gewisse Intelligenz besitzen oder Autos autonom durch die Strassen einer Stadt kreuzen. Es gab aber Dekaden in denen das ganz anders war und in denen die Menschen von völlig neuer Technik überrascht wurden: Die Zeit in der erstmals Elektrizität floss oder die ersten Autos auftauchten, die Zeit in der plötzlich jeder einen Computer persönlich besitzen konnte. Heute ist die technische Entwicklung viel kontinuierlicher und Umbrüche werden von nur wenigen erlebt. Doch der technische Fortschritt ist nicht vorbei. Wer sich dessen bewusst ist, wird nicht wie sie folgendes sagen (Zitat) “ Einem Roboter fehlt einfach die Intuition oder Neugier, … Platt ausgedrückt ist der Roboter in der Zwischenzeit schon in die Felsspalte gefallen)“

        • Diese Aussage sehe ich differenzierter, man könnte durch überlegte Planung mit stufenweisem Vorgehen ggf. mit Not-Stops den Roboter vorprogrammieren. Beispiel: Sobald der Roboter sein näheres Umfeld zunächst stehend kartographiert hat, kann er einem Algorythmus nach oder nach Befehl der Bodenstation vorgehen. Dann wieder neu kartographieren und den nächsten Teilschritt machen. Somit in der Theorie sich selbst oder die Bodenstation immer neu versichern der nächste „Meter“ ist ok. Eine Erkundung dauert dann zwar lange, aber sie ist möglich. Beispielgeschichte mit dem LUNOCHOD der UDSSR auf dem Mond von 1970.

          • Man könnte natürlich mit viel Zeit und Geduld Methoden verfolgen, die vor 45 Jahren sinnvoll waren. Man kann aber auch daran arbeiten, schneller und effizienter an die gewollten Daten zu kommen.

          • es leuchtet aber wenig ein, daß es – auch bei pessimistischer Einschätzung des technischen Fortschrittes . nicht in Jahrzehnten Spitzenrobotern geben wird, die mit Spalten halbwegs so zurechtkommen wie ein Mensch, wenn man heute Putzroboter mit Stufenerkennung für 500 EUR kaufen kann.

            Mir erscheint eher, daß die Vorstellung einer wissenschaftlich sinnvollen Marsexpedition vor 45 oder 60 Jahren mal annehmbar war – heute aber eigentlich veraltet ist.

            Eine sehr, sehr grobe Kostenabschätzung sollte auch heute – natürlich aus heutiger Sicht – gegeben werden können.

          • Telerobotische Steuerung aus einer Marsumlaubahn analog zum ISS-Experiment vom August 2015, wo ein ISS-Besatzungsmitglied einen Roboter auf der Erde steuerte,könnte immer noch Vorteile gegenüber einem bemannten Marsaufenthalt haben.

          • Aber dann müsste man hinfliegen, einige Zeit im Orbit bleiben und zurück fliegen – die Dauer des Marsfluges wäre als nicht verkürzt, die Strahlendosis länger hoch und man bezahlt trotzdem – auch wenn man die teure Landung und den Start von der Marsoberfläche einspart – deutlich mehr als für eine „einfache“ Rovermission. Da halte ich den autonomen Rover für effizienter, wenn auch immer noch für weniger effizient als eine bemannte Mission.

    • Das ist der springende Punkt! Für das Geld einer bemannten Mission darf man getrost 1000 – 2000 robotische ansetzen. Wir schicken aber eben nicht 1000 Roboter zum Mars weil den Experten die Argumente für solch irrwitzige Preise fehlen. Man muss sich das auch mal auf der Zunge zergehen lassen: Geologische Untersuchungen als Grund. Das macht doch kein Steuerzahler mit. Da bleibt einem eben nur das Verkaufsargument.

      • PS:
        „Platt ausgedrückt ist der Roboter in der Zwischenzeit schon in die Felsspalte gefallen, deren Foto er gerade an die Erde gefunkt hat.“
        Das ist jetzt aber ein wenig SEHR platt, wie ich meine. 🙂
        „Das genaue Kostenverhältnis ist reine Spekulation – auch die Entwicklung von Robotern kostet Geld. Die unterschiedlichen Einsatzgebiete bleiben davon ohnehin unberührt.“
        Nein, das ist keine Spekulation sondern Erfahrung. Ein PAAR Sonden hat die Menscheit ja schon gebaut… Unterschiedliche Einsatzgebiete sind hingegen Spekulation. Die bisherige Realität untermauern dieses Argument nicht.

        • PPS:
          „Ein monatelanger Ausfall wäre ärgerlich, würde aber nicht gleich die ganze jahrelange (!) Reise nutzlos machen.“
          Entschuldigung wenn ich jetzt mal ein wenig direkter werde: Das ist Quatsch!

          • Bei einer Hohmann-Bahn mit einer Gesamtflugzeit von rund 500 Tagen bleibt man auf dem Mars etwa ein Jahr. Umgerechnet auf die Kosten würde ein signifikanter Ausfall dieses Jahres etwa einige Hundert Milliarden kosten. Sie meinen nun, dass das kein wesentliches Problem wäre. Das ist recht Unbekümmertheit, wie ich meine. Moderne Raumfahrt mit ihren finanziellen, politischen und technologischen Randbedingungen funktioniert so nicht.

          • Bitte nochmal nachlesen, ich sagte lediglich, dass ein monatelanger Ausfall (wenn ein Sandsturm überhaupt dazu führt) nicht gleich die ganze Reise nutzlos machen würde. Ein Zeitverlust von ~20% wäre gegenüber „Schon die ISS ist fiskalisch ein einziges Desaster“ – Ihre eigenen Worte – immerhin ein riesiger Fortschritt für die „moderne Raumfahrt“.

  24. Ich finde es spannend, dass mir auf der einen Seite vorgeworfen wird, mir technische Neuerungen nicht vorstellen zu können, aber gleichzeitig fehlt einigen Kommentatoren die Vorstellungskraft um die Notwendigkeit oder den Wunsch zu verstehen, den Mars zu besiedeln oder zumindest zu besuchen. Geologische Untersuchungen sind doch nur ein winziger Teil der Möglichkeiten. Die Suche nach Spuren von Leben ist genauso wenig beendet wie alle Fragen zur Entstehung unseres Sonnensystems beantwortet sind. Wir sitzen hier auf unserem kleinen blauen Ball und einige glauben, dass man alles Interessante von hier aus entdecken kann, ohne unseren Hintern hochzubewegen.
    Sicher, Roboter haben enorme Fortschritte gemacht und werden auch weiterhin welche machen – aber genau diese technischen Fortschritte, die eine bemannte Mission billiger und sicherer machen würden, trauen Sie dem bemannten Marsflug nicht zu?

    • „aber gleichzeitig fehlt einigen Kommentatoren die Vorstellungskraft um die Notwendigkeit oder den Wunsch zu verstehen, den Mars zu besiedeln“
      ich bin skeptisch, ob ein solcher Wunsch substanziell besteht. Warum gibt es keine Besiedelung der vergleichsweis paradiesischen Antarktis? Das liegt nicht an den Verträgen, sondern daran, das es keine nennenswerte Anzahl von Menschen gibt, die sich derartige Lebensbedingungen lebenslang antun wollen.

      • Die Antarktis ist sehr wohl besiedelt, wenn auch von den betreffenden Personen jeweils nur temporär und nicht autonom. Und die Arktis, die nun auch nicht gerade lebensfreundlich ist, ist permanent besiedelt – von Nichtwissenschaftlern.

  25. „Ich finde es spannend, dass mir auf der einen Seite vorgeworfen wird, mir technische Neuerungen nicht vorstellen zu können, aber gleichzeitig fehlt einigen Kommentatoren die Vorstellungskraft um die Notwendigkeit oder den Wunsch zu verstehen, den Mars zu besiedeln oder zumindest zu besuchen. “

    Wo ist der Widerspruch??? Ihnen wurde „statisches Denken“ hinsichtlich von Roboterentwicklungen vorgehalten. Im Übrigen sollte es doch nachvollziehbar sein, dass man ALLE Randbedingungen (siehe oben) bei solchen Planungen berücksichtigt und nicht nur die Abenteuerlust.

    “ Die Suche nach Spuren von Leben ist genauso wenig beendet wie alle Fragen zur Entstehung unseres Sonnensystems beantwortet sind. “

    Diese Suche wird nie beendet sein wenn wir die Gesetze der Wahrscheinlichkeit außer acht lassen. Es soll ja auch Leute geben, die irrwitzige Summen lieber in Kindergärten investieren als in die Hoffnung auf Mikroben.

    „Wir sitzen hier auf unserem kleinen blauen Ball und einige glauben, dass man alles Interessante von hier aus entdecken kann, ohne unseren Hintern hochzubewegen.“

    Solche Argumente hört man 1-zu-1 aus der Raumfahrtindustrie. Werden Sie gesponsort? Ich würde eher vermuten, dass diese Leute gar nicht alles Entdecken wollen, weil sie wissen, dass das nicht geht.

    „Sicher, Roboter haben enorme Fortschritte gemacht und werden auch weiterhin welche machen – aber genau diese technischen Fortschritte, die eine bemannte Mission billiger und sicherer machen würden, trauen Sie dem bemannten Marsflug nicht zu?“

    Technologische Entwicklungen geschehen nie allein sondern im Kontext einer Gesamtentwicklung. Dieses Argument ist irritierend weil Sie das als Physikerin wissen. Wenn bemannte Raumfahrt sicherer und billiger werden sollte (die Praxis sagt etwas anderes) dann wird auch die Robotertechnologie billiger. Das heißt, die Preisrelation von etwa 1 zu 1000 dürfte ungefähr stabil bleiben. Mir sind Ihre Fantasien zu teuer!

    • Es ist doch völlig ok, dass Ihnen genügt, was Sie von der Erde aus herausfinden können. Andere denken zum Glück anders. Ich für meinen Teil bin froh, dass damals – dh vor meiner Geburt – irrsinnige Gelder für den Mondflug ausgegeben wurden. Ich bin außerdem froh, dass es außer mir noch andere Menschen gibt, die mehr über unsere Vergangenheit herausfinden wollen und noch Visionen für die Zukunft haben.

      • Na ja, Ihr Glück stellt hier ja niemand in Frage. Ich sage lediglich, daß das etwas teuer würde und ich glaube daher, dass Ihr Aufenthalt auf Hawaii hinsichtlich einer Marsmission eine Illusion ist. Sie wissen, dass der Mondflug die Amerikaner etwa 5% ihres jährlichen Bruttosozialproduktes gekostet hatte? Für Deutschland wären das 2013 rund 180 Milliarden Euro (ich rede nur vom Mond). Ich widerhole mich ungern, doch bei den Scilogs erwarte ich etwas mehr als blinde Begeisterung. Wie gesagt, die Bild-Zeitung macht es nicht anders.

      • Die Mondflüge als kurze Phase, die nun schon 40 Jahre hinter uns sind, waren und sind nur von begrenztem Wert. Dazumal als die Mondflüge stattfanden gingen viele Zuschauer davon aus dass nun ein neues Zeitalter anbreche und wir den Mond schliesslich sogar kolonisieren würden. Dass dies nicht passiert ist, deutet eben darauf hin, dass die bemannte Raumfahrt nur wenig weitergekommen ist. Immerhin gibt es jetzt die inernationale Raumstation. Mit heutiger Technologie ist bemannte Raumfahrt scheinbar zu aufwendig und zu teuer. Mit heutiger Technologie sind aber auch anspruchsvolle robotische Missionen noch nicht möglich. Es ist aber absehbar, dass sich das langsam ändert. Der Weltraum kann für Roboter eine gut beherrschbare, mit ihrer Funktionsweise komforme Umgebung sein. Roboter werden später einmal – in ein paar Jahrzehnten – Habitate für den Menschen einrichten können, womit auch Astronauten und Astrotouristen den Orbit, den Mond oder Mars besuchen werden können. Allerdings wird so etwas – wenn überhaupt – erst gegen Ende dieses Jarhhunderts möglich werden und Voraussetzung dazu sind grosse Fortschritte in der Technologie. Jetzt den Marsflug und einen Marsaufenthalt vorzubereiten bedeutet etwas vorzubereiten, was später einmal unter völlig anderen Umständen stattfinden wird als es heute möglich ist.

        • Natürlich könnte man mit dieser Studie warten, bis die Technologie bereit ist. Die Gefahr besteht allerdings, dass man dann den Start nochmal verzögern muss, weil man noch ein paar Fragen zur Gruppendynamik beantworten muss.

          • „Natürlich könnte man mit dieser Studie warten, bis die Technologie bereit ist. Die Gefahr besteht allerdings, dass man dann den Start nochmal verzögern muss, weil man noch ein paar Fragen zur Gruppendynamik beantworten muss.“

            Das wäre so, als würden wir für heutige Flüge mit der ISS auf Sozialstudien von 1915 zurückgreifen wollen. Die kannten damals kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet und hatten die Welt völlig anders wahr genommen. Die ganze Sozialisation hat sich grundlegend verändert. Und trotzdem sollen wir erwarten, dass die Studien trotzdem brauchbar wären. Entschuldigung, das ist doch völlig realitätsfremd.

          • Jetzt kann ich Ihnen nicht mehr folgen. Noch vor ein paar Tagen haben Sie mir vorgeworfen, dass die Studie nutzlos wäre, weil Amundsen vor hundert Jahren alles schon einmal gemacht hätte. Jetzt geht es um eine Zukunft, von der niemand weiß, wie nah sie ist.

          • Das stimmt, es ist missverständlich. Das kann erst im Kontext meiner Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit und Sinnhaftigkeit einer Marsreise verstanden werden. Meine weiteren Beiträge klären meine Position: Egal, ob ich Sozielexperimente von 1915 oder 2015 heranziehe, sie werden einer hypothetischen Marsreise, an die ich nicht einmal glaube, nicht helfen. Entschuldigung für die Unklarheit.

  26. Bild-Niveau strebe ich nicht an, insofern bin ich froh um die kritischen Kommentare.
    Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass das Ziel dieses Blogs nicht ist, einen bemannten Marsflug in allen seinen Facetten zu beleuchten. Es geht um die Studie, an der ich teilnehme – durchaus mit dem Ziel, einen zukünftigen bemannten Marsflug zu unterstützen.
    Ich will aus dem Studienleben berichten, und zwar nicht, wie in wissenschaftlichen Publikationen, aus der Studienleiterperspektive, sondern aus der des Versuchskaninchens. Es wird Punkte geben, in denen die Studie einen Marsflug nicht sinnvoll simulieren kann – die werden auch Inhalt sein – aber eben auch Punkte, die für einen Marsflug wertvoll sein werden, egal, wann der Flug stattfindet. Und die werden den Schwerpunkt bilden.

  27. „und zwar nicht, wie in wissenschaftlichen Publikationen, aus der Studienleiterperspektive, sondern aus der des Versuchskaninchens.“…

    Und DAS, Frau Heinicke,finde ich das Spannendste überhaupt!
    Anders als auf einem Floß oder Bötchen auf dem Ozean in einer Zwangsgemeinschaft kann man Sie da zwar rausholen, Sie haben eine Hintertür, aber trotzdem ist es eine enorme Belastung, ein großartiges Experiment,
    Gewalttätigen Ausbrüchen kann dort noch Einhalt geboten werden, auf dem echten Marsflug nicht mehr.

    Wie intensiv waren den die vorherigen Psychotests, auch was Aggressionspotential angeht?
    Wenn man sich gegenseitig ultimativ auf die Nerven geht?

    MfG Hubert Lamberti

    • Vielen Dank für das positive Feedback!
      Wir hatten diverse Fragebögen, die wir als Teil der Bewerbung ausfüllen mussten. Die letzte Stufe war dann ein knapp einwöchiges Trekking in den Rocky Mountains mit acht Finalisten. Das gab uns zum einen die Möglichkeit, uns gemeinsam auf das kommende Jahr vorzubereiten. Viel wichtiger war aber die Gelegenheit, uns gegenseitig kennen zu lernen. Wenn man 12+ Stunden auf den Beinen ist und Zelt und Essen durch die Berge geschleppt hat, hat man einfach keine Energie mehr, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Man ist, wie man ist. Glücklicherweise zeigte keiner der acht Teilnehmer eine Neigung zu Gewaltausbrüchen. Natürlich kann das Jahr Menschen verändern – und es wird mit Sicherheit Momente geben, in denen wir uns auf die Nerven geben. Ich werde berichten, in wieweit wir es schaffen, sachlich mit solchen Situationen umzugehen.

  28. ..die Notwendigkeit oder den Wunsch zu verstehen, den Mars zu besiedeln oder zumindest zu besuchen..
    Als mehr biologisch als geologisch Interessierter bezweifele ich, dass die Menschheit andere Planeten besiedeln kann. Schon das Wohnen in Großstädten führt bei vielen zu immunologischen und psychischen Problemen (Zivilisationskrankheiten). Wirtschaftlich macht die Kolonisation auch keinen Sinn. Als Experimentierfeld für autonome Roboter noch am ehesten und dann lohnt es sich in 100 oder 200 Jahren vielleicht auch Menschen auf den Mars zu schicken.
    Ob es Leben auf dem Mars gab und die Geologie des Mars halte ich für akademische Fragen – interessant, aber ausserhalb des Elfenbeinturms werden die Antworten keine Folgen haben. Oder hat die Teflonpfanne doch schon einen Nachfolger?

    • Gut, dass Sie die Teflonpfanne ansprechen. Als Teflon erfunden wurde, hat man es erstmal für einen Fehlschlag gehalten. Ich wette, die Newton’schen Gesetze oder Differentialrechnung wurden auch mal als Elfenbeinturmwissen angesehen. Daher: solange wir nicht wissen, was wir auf dem Mars finden, können wir auch die Folgen nicht abschätzen.
      Ob wir „richtige“ Kolonien auf dem Mars errichten werden, weiß ich nicht. Eine wissenschaftliche Station halte ich für wahrscheinlich (wann auch immer). Eine permanente Kolonie müsste diese Station „nur“ ausbauen, aber ob es dann Interessenten für eine Besiedelung gibt? Wenn man dem Bewerberandrang für MarsOne glauben möchte, dann ja, wobei es aber fraglich ist, wieviele der Bewerbungen wirklich ernst gemeint waren.

  29. Zu dem, was der „Tom“ geschrieben hat, ist mir aufgefallen: Es wäre total unverantwortlich, eine so lange Mision zu starten (zum Mars – das ist je keine Einkaufs-, und auch keine Urlaubstour), ohne vorher die Bedingungen der menschlichen Psyche zu testen. Sicher ist eine Simulation anders als dann eine Reise – „es ist IMMER was anderes“. Darum wird ja versucht, die Bediungungen möglichst weitgehend (absolut wäre sowieso unmöglich) zu simulieren.

  30. „Warten, bis eine Technik so weit ist…“ kann man natürlich ewig.

    Suche nach der Nordwestpassage mit Segelschiffen unter unsäglichen Mühen und Verlusten, man hat nicht gewartet auf Ballons, andere Luftaufklärung oder Satellitenerkundung.
    Erdvermessung ganz ähnlich.

    Apollomissionen: elend lange Zeichenfolgen mussten (über Sprechfunk übemittelt und auf Zettel geschrieben) zur Programmierung eingefüttert werden, die Speichermedien waren wohl nocht nicht so weit.

    Also: Frisch ran ans Werk! 🙂

  31. Hallo Cookie,
    noch ne Frage zur Gruppenmotivation. Mal weg von allen techn. Fragen. Welche Methoden nutzt ihr oder welche Rituale habt ihr als Gruppe gefunden um ggf. in einem Rythmus Euren Alltag zu gestalten, also die Zwangsenge untereinander mit lebenwerten Anteilen zu füllen?
    Zeigt jeder von euch pro Woche ein neues Foto am gemeinsamen Wandbildschirm für etwas Farbe im Wohnraum? Trägt jeder pro Woche abwechselnd ein paar Witze, ne Geschichte oder Poesie vor? Oder gibt es einen regelmäßigen Pokerabend mit den Dessertportionen der nächsten Tage als Spieleinsatz ?

    • Hallo Jedi – interessante Fragen, die ich mir vormerken werde. Ich werde nur deshalb nicht an dieser Stelle antworten, weil ich nicht meinen eigenen Blogposts vorweggreifen möchte 😉

  32. Hallo Christiane,

    man hört diese Tage tolle Neuigkeiten über den Mars. Das macht die ganze Sache noch spannender, ich beneide dich noch mehr, Teil des ganzen zu sein.

    Ad Astra
    R.W. aka Michae

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