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Wie verhält man sich richtig bei einem Raumspaziergang? – Ein Blogeintrag für Kinder

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Die ISS

Die ISS. Bild: NASA, zum Vergrößern klicken

Das Foto links zeigt die Internationale Raumstation ISS („Ei Ess Ess“ ausgesprochen). Sie dient vielen Ländern als Forschungsstation im All. Natürlich geht an so einer Raumstation auch ab und zu etwas kaputt, oder es soll ein neues Teil angebaut werden. Je nachdem, welche Arbeiten anstehen, müssen die Astronauten also an der Außenwand der Station arbeiten. In den Nachrichten wird dann von einem „Weltraumspaziergang“ gesprochen.

 

Astronauten Bill McArthur (links) und and Valery Tokarev mit ihren Raumanzügen

Astronauten Bill McArthur (links) und and Valery Tokarev (rechts) mit ihren Raumanzügen
Bild: NASA, zum Vergrößern klicken

Da es im Weltraum keine Luft zum Atmen gibt, brauchen die Astronauten dafür einen Raumanzug. Der ist kein Kleidungsstück, wie man bei dem Namen vermuten könnte, sondern ein Raumfahrzeug im Miniformat. Er ist mit vielen wichtigen Dingen ausgerüstet: Er wärmt oder kühlt die Astronauten, versorgt sie mit Sauerstoff, Licht und Wasser, schützt ihre Augen vor der Sonne, stellt die Funkverbindung zur Station sicher und vieles mehr. Ginge am Raumanzug etwas kaputt, könnte der Astronaut sterben. Er muss also sehr vorsichtig damit umgehen.

Das ist allerdings gar nicht so leicht, denn wie man sieht, ist ein Raumanzug ein ziemlich klobiges Ding. Wegen des Helms können die Astronauten darin nicht so gut sehen wie sonst, und die Handschuhe machen feine Arbeiten ziemlich schwer. Du kannst versuchen das nachzuempfinden, wenn du dir einen Skianzug mit großer Kapuze und dicke Skihandschuhe anziehst und dann versuchst, eine Tüte Haribo zu öffnen oder deine Schuhe zuzubinden.
Deswegen gibt es bei einem Weltraumspaziergang eine Reihe von Regeln zu beachten:

Astronaut mit Rettungsleine, links im Bild

Astronaut mit Rettungsleine, links im Bild
Credit: NASA, zum Vergrößern klicken

Zu allererst werden die Astronauten mit einer langen, dünnen Rettungleine an der Raumstation gesichert. Das macht man, weil in der Schwerelosigkeit und ohne Luft als Bremse schon ein kleiner Stups ausreicht, um ungesicherte Astronauten oder auch Gegenstände ins All treiben zu lassen. Dort könnte man sie nicht wieder einfangen.

An der Station selbst sind überall Haltegriffe für die Astronauten verteilt. (Sichtbar auf dem nächstes Foto.) Aber sie können nun trotzdem nicht einfach loslegen. Die Raumstation ist nämlich ziemlich groß. Sie ist auch kein simples Haus, dessen Wand man überall gefahrlos anfassen kann, sondern sie sieht eher aus wie eine Produktionsanlage. Deswegen lotsen die Kollegen die Raumspaziergänger per Funk an ihren Einsatzort und warnen sie sie dabei auch vor heißen Bauteilen oder scharfen Kanten, an denen die Astronauten ihre Anzüge beschädigen könnten.

Ein Astronaut und sein Werkzeug

Ein Astronaut und sein Werkzeug
Bild: NASA, zum Vergrößern klicken

Am eigentlichen Einsatzort sichern sich die Astronauten mit Karabinerhaken an der Außenwand, um die Hände für die Arbeit frei zu haben. Wenn sie einmal mit der eigentlichen Reparatur angefangen haben, müssen die Astronauten aber trotzdem weiter wachsam sein, zum Beispiel, um ihr Werkzeug und Arbeitsmaterial nicht zu verlieren. Auf der Erde ist es zwar auch nicht gut, wenn einem ein Werkzeug runterfällt, aber immerhin kann man es sich dort meistens wieder holen. Bei einem Weltraumspaziergang geht das in den meisten Fällen eben nicht. Werkzeuge, die einem aus der Hand gleiten, wären wegen der Schwerelosigkeit und der Geschwindigkeit der Station schnell weg. Im Jahr 2008 verschwand so einmal eine ganze Werkzeugtasche.

Das ist aus drei Gründen ärgerlich: Erstens kann der Astronaut so vielleicht seine Arbeit nicht beenden. Zweitens gibt es da oben keinen Baumarkt, wo man mal eben ein neues Werkzeug besorgen könnte. Und drittens kann es passieren, dass das verlorene Teil – und sei es auch nur eine kleine Schraube – die Station selbst oder einen Satelliten beschädigt, wie bei einem Steinschlag auf der Windschutzscheibe. Deshalb wird bei Weltraumspaziergängen auch das Werkzeug am Raumanzug festgebunden.

Die Astronauten dürfen sich also bei einem Weltraumspaziergang nie zu hastig bewegen. Allerdings auch nicht zu langsam, damit sie schnellstmöglich wieder an Bord zurück kehren können. Ein Weltraumspaziergang ist nämlich für den Körper sehr anstrengend, und auch Luft, Energie und Wasser sind ja irgendwann verbraucht. Wie so ein Spaziergang genau aussieht, kannst du in diesem kurzen Video sehen:

Training für den Weltraumspaziergang - unter Wasser

Training für den Weltraumspaziergang
Bild: NASA, zum Vergrößern klicken

Das klingt und ist alles ziemlich kompliziert. Deswegen üben die Astronauten ihre zukünftigen Weltraumspaziergänge schon auf der Erde. Dafür nutzen sie spezielle 3D-Software, wie sie auch für Spiele benutzt wird, aber auch große Wasserbecken. Unter Wasser ist es nämlich ganz ähnlich wie im All. Man wiegt viel weniger, man hat keine Luft zum Atmen, Bewegungen fühlen sich anders an und so weiter. Natürlich trainieren die Astronauten nicht in deinem Hallenbad ein paar Straßen weiter, sondern in einem eigenen. Aber wenn du selbst das nächste Mal schwimmen gehst und tauchst, kannst du dich den Astronauten doch schon ein kleines Stück näher fühlen.

Und falls du schon ein wenig Englisch kannst, gibt es sogar ein Spiel von der NASA, bei dem du selbst auf einen Weltraumspaziergang geschickt wirst, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Du kannst das Spiel entweder direkt im Browser spielen oder auf deinen Computer herunterladen. Viel Spaß!
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Für die, die noch mehr wissen wollen: „Die Maus im All„, URL: http://spezial.wdrmaus.de/die-maus-im-all

Ute Gerhardt

Veröffentlicht von

Ute Gerhardt hat nach dem Abitur einen B.A. in Wirtschaft, Sprachen und Politik an der Kingston University sowie eine Maîtrise in Industriewirtschaft an der Universiät Rennes abgeschlossen. Seit 1994 arbeitet sie in der Privatwirtschaft, derzeit im IT-Bereich. Ute hat zwei Kinder (*2005 und 2006) und interessiert sich neben Raumfahrt und Astronomie auch für Themen aus den Bereichen Medizin und Biologie.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Michael Khan

    Es stimmt: in den Nachrichten wird immer das Wort Weltraum-„Spaziergang“ verwendet. Das ist aber eigentlich überhaupt nicht richtig. Es ist auch sehr unfair zu den Astronauten, finde ich. Ein Spaziergang klingt doch nach Vergnügen. Bei einem Spaziergang entspanne ich mich.

    Aber ein Astronaut, der in seinem Raumanzug nach draußen geht, entspannt sich dort überhaupt nicht. Im Gegenteil, er macht harte Arbeit. Wenn in den Nachrichten von einem Weltraum-„Spaziergang“ geredet wird, dann wissen die Fernsehzuschauer ghar nicht, wie hart die Astronauten dabei arbeiten müssen.

    Ein Raumanzug ist zwar schwer, aber das ist nicht wichtig, weil die Astronauten bekanntlich in der Schwerelosigkeit arbeiten. Viel wichtiger: Ein Raumanzug ist aufgeblasen. Sonst könnten die Astronauten nicht atmen und ihr Blut würde anfangen zu kochen … sie würden sterben. So wie es oben im Blog-Artikel steht.

    Was passiert aber, wenn man in einem aufgeblasenen Anzug steckt? Das kann man sich leicht vorstellen. Ein aufgeblasener Anzug streckt alle viere von sich. Arme and Beine und auch alle zehn Finger stehen ab. Wenn der Astronaut zum Beispiel den rechten Arm nach vorne bewegen will, dann muss er dazu viel Kraft aufwenden. Wenn er die Kraft nachlässt, geht der rechte Arm sofort wieder nach rechts weg. Jede Bewegung, wirklich jede, muss den Widerstand des Anzugs überwinden. Will man mal kurz entspannen – schwupp … zieht der Druck im Anzug die Arme nach außen und macht die Beine gerade.

    Mittlerweile hilft die Technik schon ein bisschen mit. Ein Raumanzug hilft dem Astronauten, damit er nicht ganz so viel Kraft braucht. Aber ein Zuckerschlecken ist so ein Weltraum-„Spaziergang“ deswegen auch heute noch lange nicht. Astronauten sind schweißgebadet, wenn sie viele Stunden mit ihrem Anzug außerhalb des Raumschiffs waren. Die sind dann völlig fertig, weil das wirklich harte Arbeit war.

    Deswegen sollte man das auch nicht mehr „Spaziergang“ nennen. Das Fachwort ist „Außenbordaktivität“. Das ist zwar trocken und auch ein bisschen umständlich, aber es klingt wenigstens nicht nach Faulenzen.

    • Ute Gerhardt

      Hallo Michael,

      vielen Dank! Dein Kommentar macht direkt noch viel klarer, warum die Arbeit im Raumanzug kein Pappenstiel ist.

      Ist es eigentlich richtig, dass die allerersten Raumanzüge gar nicht wirklich 100%ig dicht waren, wie ich in einem Bericht einmal las?

  2. Pingback: Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken › Astra's Spacelog › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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