Wichtig für alle (deutschsprachigen) Schreiber: Der Duden

5000 neue Wörter enthält der neue Duden: „Erschreckend viele haben einen wirtschaftlichen Hintergrund“.

 Ich habe meinen Frieden mit der Duden-Redaktion noch lange nicht gemacht. Zu negativ sind die Erinnerungen an die unsägliche Rechtschreib(d)eform, die man uns vor Jahren zugemutet hat und bei der die Redaktion des Duden federführend war. Aber man muss sich als Autor irgendwie mit dem Rest der Meute arrangieren, wenn man ernst genommen werden will. Nun also dieser Hinweis auf die neueste, 26. Auflage. Ich mache es mir einfach und zitiere die Süddeutsche Zeitung, denn diese knappe Charakterisierung überzeugt (mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht die Zeit habe, mir den Duden so gründlich vorzunehmen):

Die neue Auflage enthält 5000 neue Wörter: Erschreckend viele haben einen wirtschaftlichen Hintergrund
140 000 der insgesamt 500 000 Wörter sind im Standard-Wörterbuch der deutschen Sprache zu finden. 5000 davon wurden verändert oder neu aufgenommen. […] Um die Orientierung zu erleichtern, hat die SZ die bekannten neuen Wörter schon einmal gesichtet und dabei drei übergreifende Trends festgestellt:
° Erstens haben viele neue Wörter damit zu tun, dass sich der Siegeszug des Internet in den vergangenen vier Jahren dramatisch verschärft hat.
° Das geht, zweitens, mit einer ungeheuren Zunahme englischer Wörter einher.
° Drittens spielen die Finanzkrise und die europäische Schuldenkrise eine entscheidende Rolle. Ob E-Bike oder Eurobonds, ob Social Media oder Shitstorm, ob Schuldenbremse oder Fiskalpakt – ein großer Teil der neuen Duden-Wörter hat einen ökonomischen Hintergrund.
Politische und gesellschaftliche Entwicklungen wie die Jasminrevolution oder der Wutbürger werden an den Rand gedrängt.
Der Duden war immer ein Spiegel seiner Zeit. Was sagt es aus, dass er in den vergangenen Jahren zunehmend ökonomisiert wurde? In welchen Zeiten leben wir eigentlich?

(Anonymus)

Das ist kurz und knackig und präzise gesagt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Allgegenwart des Labyrinth-Mythos

Das zweite Zitat, aus derselben Quelle, zeigt mal wieder: Am Labyrinth bzw. Irrgarten führt kein Weg vorbei. Die Rede ist vom Leer|gut|au|to|mat, den der Duden so vorstellt:

Automat, der leere Pfandflaschen oder Ähnliches aufnimmt und einen Bon für das zu erstattende Pfandgeld ausgibt. (Duden)

Der Redakteuer des SZ glossiert dies anschließend:

Es ist nicht lange her, da erfasste den Kunden an Supermarktkassen die reine Ratlosigkeit. Vor der Reform des Einwegpfands 2006 glich die Suche nach einer Abgabestelle für Leergut dem Aufenthalt in einem Irrgarten. Doch seit der Gesetzesänderung erkennen Leergutautomaten auch Einwegverpackungen konkurrierender Hersteller an. Zwar weiß der Kunde nun, wo er welche Flaschen zurückgeben kann. Zeit spart er aber nicht: Meist bilden sich vor den Automaten lange Schlangen, sackweise lassen Kunden ihre Einwegflaschen in den Annahmestellen schreddern. Manche Supermärkte verfolgen gar karitative Ziele: Der Kunde kann am Automat entscheiden, ob er den Bon selbst behält oder einer sozialen Einrichtung spendet.
(MÜH)

Quellen
Anonymus: „Die Ökonomisierung des Duden“. In: Süddeutsche Zeitung Nr.154 vom 06./07. Juli 2013, S. 25 (Wirtschaftsteil)
MÜH
: „Leer|gut|au|to|mat“. In: Süddeutsche Zeitung Nr.154 vom 06./07. Juli 2013, S. 25 (Wirtschaftsteil)

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BloXikon: Rechtschreibung / Irrgarten
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2013/11:14
v 2-1

"Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust." Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation "Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere"). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen. Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten "Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie" (IAK). Als "dritte Seele" könnte ich das Thema "Entschleunigung" nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth. Lieferbare Veröffentlichungen: "Kreatives schreiben - HyperWriting", "Kurzgeschichten schreiben", "Das Drama der Hochbegabten", "Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung", "Blues für Fagott und zersägte Jungfrau" (eigene Kurzgeschichten), "Geheimnis der Träume" (Neuausgabe in Vorbereitung). Dr. Jürgen vom Scheidt

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessant ist im Besonderen immer auch welche Wörter dem Duden entnommen worden sind.

    MFG
    Dr. W (der hauptsächlich dies regelmäßig prüft)

  2. Neuzugänge beim Duden spiegeln Zeit

    Folgendes ist wohl nur eine Koinzidenz: (Zitat)„Erschreckend viele [Neuzugänge] haben einen wirtschaftlichen Hintergrund“
    Denn die jeweils neu in den Duden aufgenommenen Wörter spiegeln meist das, worüber die Medien, also Presse, Radio und Fernsehen, in den letzten Jahren vorwiegend berichtet haben. Und die Eurokrise gab wohl medial am meisten her und hat Kolumnen, TV-Gesprächsrunden, die täglichen Nachrichten und selbst viele neu aufgeschossene Wirtschaftsblogs beschäftigt.
    Der Artikel Fremdschämen für IT-Girls bringt aber viele weitere Beispiele von Neologismen, die in den Duden aufgenommen wurden. Doch Wörter wie „snowkiten“, „Vätermonat“, „Regenbogenfamilie“, „Dopingarzt“ haben naturgemäss einen kleineren Sprecher- und Hörerkreis als Wörter, die im Zusammenhang mit der Euro- und Finanzkrise geboren wurden wie „ESM“ (der Euro-Rettungsschirm), „Eurobond“ (gemeinsame Anleihe der Euro-Staaten), „Finanztransaktionssteuer“, „Schuldenbremse“, „Schuldenschnitt“ und „Zockerpapier“.

  3. Ein Wörterbuch ist keine Enzyklopädie

    Jürgen vom Scheidt schrieb (10. Juli 2013, 19:06):
    > Ich […] zitiere die Süddeutsche Zeitung
    > […] Jasminrevolution

    Jasminrevolution“ ist doch ein Eigenname, wie man ihn zur individuellen Benennung von unterscheidbaren und im Prinzip einzigartigen Individuen, Sachen, Ereignissen, Entwicklungen usw. einsetzt. Sollte man derartige Eigennamen überhaupt in einem orthographisch-grammatischen Wörterbuch erwarten?

    Klar: „Duden“ steht zwar _nicht im_ Duden, aber zumindest drauf.

    Andererseits steht „Europa“ z.B. drin.

    Und was ist mit „Facebook“, oder „SciLogs“, oder … „Lehrgutautomat ® — Dein MOOC-Trog“??

  4. ‚Frank‘

    steht auch drin:
    -> http://www.duden.de/rechtschreibung/Frank

    ‚Dr. Webbaer‘ kommt noch.

    Ansonsten ist das Duden-Wörterbuch die gespiegelte Sprachlichkeit, idealerweise.

    Wie hier Linguisten [1] konkret politisch einwirken, ist natürlich eine spannende Frage.
    Man muss sich nicht an den Duden halten.

    MFG
    Dr. W

    [1] ‚Im Deutschen gibt es kein generisches Maskulinum und die „generische“ Verwendung maskuliner Formen bringt keinen praktischen Vorteil mit sich.‘ (Quelle)

  5. Nur ein kleiner Auszug der neuen Inhalte

    Ich denke, dass man sich dazu erst eine richtige Meinung machen sollte, wenn man jedes neue Wort kennt, so ein kleiner Auszug kann da nicht so viel aussagen.

  6. Rein und Raus, wie immer!

    Jede Ausgabe vom Duden hat seine Neueinsteiger und Rausschmeiser – das ist gut so und auch verständlich, wenn eine Sprache sich stetig weiterentwickelt. Seit meinem erste Duden (1991) war und ist es für mich ein wichtiges Buch, welches man in seinem Regal haben sollte, und auch nutzen!

    Als langjähriger Blogger hat mir der Duden schon aus der einen und anderen Misere der deutschen Sprache geholfen und der Korrektor für LibreOffice ist für mich unverzichtbar!

  7. Rechtschreibreform

    Nur zur Erinnerung: Die Rechtschreibreform wurde nicht vom „Duden“ gemacht. Wie auch, es ging ja um eine Verwaltungsvorschrift. Maßgeblich erarbeitet wurden die neuen Regeln vom Institut für Deutsche Sprache und der Gesellschaft für deutsche Sprache.

  8. Der Duden

    befindet sich im Privatbesitz, beim Cornelsen Verlag, die genauen Besitzverhältnisse sind dem Schreiber dieser Zeilen nicht klar, eine einstmals bsetehende Monopolstellung die Richtigkeit der deutschen Sprachlichkeit betreffend, wurde vor vielleicht 20 Jahren, vielleicht auch im Rahmen der Wiedervereinigung aufgegeben.

    Als Beobachter berichtet der Duden zur Rechtschreibreform wie folgt:
    -> http://www.duden.de/…chichte-der-rechtschreibung

    MFG
    Dr. W

  9. Der Duden als „Industriestandard“

    Konrad Duden’s „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ von 1880 bildete für die deutsche Rechtschreibung schon bald das, was wir heute einen Industriestandard nennen würden, also einen De-facto-Standard. 1902 wurden der Duden vom deutschen Bundesrat als verbindlich erklärt, Österreich-Ungarn und die Schweiz schlossen sich an.

    Der Effekt der jüngsten – in der Zählung der dritten – Rechtschreiberform, ist eine Aufweichung der Verbindlichkeit: Einerseits durch die Erlaubnis von Mehrfachschreibungen und von weniger strikten Komma- und anderen Regeln, andererseits dadurch, dass sich die neue Rechtschreibung nie vollständig durchgesetzt hat: (Zitat Wikipedia)“ Die Publikationen Forschung & Lehre, inamo, Jüdische Allgemeine, Junge Freiheit, Junge Welt, konkret und Titanic erscheinen weiter in traditioneller Rechtschreibung.“
    Immerhin haben sich die verbreiterten Wochenzeitschriften FAZ und Spiegel den reformierten Regeln von 2006 angeschlossen und die Nachrichtenagenturen AFP, AP, APA, Dow Jones, ddp, dpa, epd, KNA, sid und Reuters stellen am 1. August 2007 ihre Rechtschreibung um und entschieden sich in ihrer Hausorthographie auch für eindeutige Schreibungen, z.B: ‚Delfin‘, nicht aber ‚Delphin‘, ‚kennenlernen‘, nicht aber ‚kennnen lernen‘.

    Der Duden hat – wie Eva Bambach bereits bemerkte – keine direkte Beziehung zur dritten Rechtschreibreform. Diese wurde vom Institut für deutsche Sprache und der Gesellschaft für deutsche Sprache angestossen, aber erst mit der Festlegung als neuer Standard 1996, weitherum bekannt und gleichzeitig ein Ziel vielfältiger Kritik.
    Der Duden hat allerdings von der Reform ungemein profitiert (Zitat):
    „Für die Verlage zahlte sich die Rechtschreibreform aus: Für viele Jahre belegte der Duden Spitzenplätze auf Bestsellerlisten; der Schulbuchmarkt erlebte eine Sonderkonjunktur.“

    In der neusten Ausgabe des Dudens ist von den erlaubten – und im Duden aufgeführten – Mehrfachschreibungen, erstmals eine Variante, im Sinne einer Empfehlung, gelb markiert.

    Der Duden ist wohl jetzt eines der wenigen Nachschlagewerke, welches noch von vielen Deutschsprachigen als Real-Buch (Achtung kein Dudenwort) gekauft wird. Doch auch diese Zeit wird bald schon vorbei sein. Immerhin gilt:
    „Zum ersten Mal wurde das gedruckte Werk mit elektronischen Produkten fest verbunden. Jeder Band enthält einen persönlichen Zugangscode. Gibt man diesen auf einer bestimmten Internetseite ein, kann man sich eine Rechtschreib-Software für Microsoft Office (nur die Windows-Version) sowie eine Wörterbuch-App für iOS und Android herunterladen“.

  10. Der Duden

    Der Duden ist wohl jetzt eines der wenigen Nachschlagewerke, welches noch von vielen Deutschsprachigen als Real-Buch (Achtung kein Dudenwort) gekauft wird.

    …steht vor allem seit Längerem auch online & kostenfrei zV:
    -> http://www.duden.de/

    MFG
    Dr. W (der denn auch keinen gecrackten Account benutzt oder benützt)

  11. Nun…..

    Man sollte Ahnung von Sprache haben, bevor man sich auf dieselbige draufstürzt.
    Weder der Autor noch der Titelmissbraucher Wäbbär haben diese Kenntnis.

    Also mal die Füße stillhalten und auf Experten hören. Danke.

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