Westantarktis überschreitet den Kipppunkt

Klimaforscher haben seit den 1970ern davor gewarnt: Jetzt ist der Westantarktische Eisschild instabil geworden und hat seinen unaufhaltsamen Zerfall begonnen. Das wird den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Eine Zäsur der Menschheitsgeschichte.

Ein US-Fachjournalist nannte es einen “holy shit moment for global warming” – aber das ist untertrieben. Es ist ein historischer Wendepunkt – nicht nur für die Klimaforschung, sondern für die Menschheit. Seit dem Frühjahr 2014 wissen wir: der Westantarktische Eisschild ist höchstwahrscheinlich instabil geworden und damit gewissermaßen im freien Fall. „Der Planet ist in eine neue Ära eingetreten“, schrieb der Antarktisexperte Anders Levermann kürzlich dazu. Damit sind mehrere Meter Meeresspiegelanstieg und der Untergang von Küstenstädten und ganzen Inselstaaten vorprogrammiert und praktisch unausweichlich geworden.


NASA-Video zum unaufhaltsamen Zerfall des Westantarktischen Eisschilds mit tollen Animationen von Satellitendaten

Drei riesige Kontinentaleisschilde gibt es derzeit auf der Erde: den Grönländischen, den Westantarktischen und den Ostantarktischen Eisschild. Es handelt sich um mehrere tausend Meter dicke Landeismassen, die die Schneefälle von hunderttausenden Jahren enthalten und zusammen genug Wasser binden, um damit den Meeresspiegel weltweit um 65 Meter zu erhöhen.

In den 1970er Jahren wurde von Glaziologen wie Hans Weertman, Robert Thomas und Terry Hughes eine fundamentale Instabilität von Eisschilden erkannt, die „marine ice sheet instability“. Sie betrifft Eismassen, die auf Land unterhalb des Meeresspiegels liegen und ins Meer fließen und kalben. Eine solche Eismasse hat eine Aufsetzlinie, ab der sie nicht mehr am Boden aufliegt sondern schwimmt. Den auf dem Meerwasser schwimmenden Teil nennt man Eisschelf. Schrumpft die Eismasse im Zuge eines Klimawandels, zieht sich die Aufsetzlinie landwärts zurück. Der Knackpunkt: fällt der Boden unter der Aufsetzlinie landeinwärts ab, wird der Eisrückzug instabil. Nichts verhindert dann ein immer rascheres Abfließen des Eises ins Meer, denn je tiefer die Aufsetzlinie ist, desto weniger wird das Eis durch Reibung am Untergrund gebremst.

Diese Bedingungen treffen auf den Westantarktischen Eisschild zu – und ein Verlust dieses Eisschildes würde alleine den globalen Meeresspiegel um mehr als drei Meter anheben. Bereits im Jahr 1978 warnte der US-Forscher John Mercer eindringlich in seinem AufsatzWest Antarctic ice sheet and CO2 greenhouse effect: a threat of disaster“ in der Fachzeitschrift Nature:

Der Verlust des Westantarktischen Eisschildes wäre wahrscheinlich die erste desaströse Folge der weiteren Nutzung fossiler Brennstoffe.

Er erinnerte auch bereits daran, dass es einen Verlust des Eisschildes offenbar schon einmal gegeben hatte. Mercer verwies auf den hohen Meeresspiegel in der Eem-Zwischeneiszeit vor rund 120.000 Jahren, als das Klima zuletzt etwas wärmer war als im jetzigen Holozän. Nach der aktuellen Einschätzung des Weltklimarates IPCC lag der Meeresspeigel damals fünf bis zehn Meter höher als heute – was kaum ohne einen substanziellen Eisverlust der Antarktis erklärbar ist.

Mercers Warnungen wurden lange als schwer kalkulierbares Risiko einer globalen Erwärmung gehandelt. Zwar beobachtet man seit zwei Jahrzehnten einen sich beschleunigenden Eisverlust der Antarktis (ganz aktuell wieder von den AWI-Kollegen dokumentiert, Helm et al. 2014) – aber es war unklar, ob und wann der Kipppunkt überschritten wird, ab dem die Schmelze zum unaufhaltsamen Selbstläufer wird.

Nun aber haben gleich mehrere Forschergruppen mit unterschiedlichen Methoden gezeigt, dass der von Mercer befürchtete instabile Eisrückzug eingesetzt hat. Messdaten belegen: Die Aufsetzlinie des Westantarktischen Eisschildes zieht sich um teils mehr als einen Kilometer pro Jahr zurück und hat in der Amundsen-See die Spitze einer Bodenerhebung überschritten – von nun an geht‘s bergab (Rignot et al. 2014, Favier et al. 2014). Der weitere Rückzug folgt purer Eigendynamik, bis das gesamte Amundsenbecken (etwa so groß wie Frankreich) von Eis entleert ist und der Meeresspiegel weltweit dadurch um einen Meter steigt. Höchstwahrscheinlich wird dies das Ende des gesamten Westantarktischen Eisschildes besiegeln. Das zeigen Simulationsrechnungen mit Eismodellen (Joughin et al. 2014). Nur über das Tempo gibt es noch erhebliche Unsicherheit. Auf jeden Fall wird dieser Prozess für mehrere Jahrhunderte einen unaufhaltsamen Anstieg des Meeresspiegels bedeuten. Dabei verschlimmert schon heute der Meeresspiegelanstieg die Folgen von Sturmfluten wie nach Sturm Sandy 2012 in New York oder Haiyan 2013 auf den Philippinen.

Mercer endete seinen Aufsatz mit dieser Warnung:

Eines der Warnzeichen, dass ein gefährlicher Erwärmungstrend in der Antarktis im Gange ist, wird das Aufbrechen der Eisschelfe an beiden Küsten der Antarktischen Halbinsel sein, angefangen mit den nördlichsten und sich allmählich nach Süden ausbreitend.

Genau dieser Zerfallsprozess wird seit Jahrzehnten durch Satelliten dokumentiert: Wordie Eisschelf (Kollaps 1992), Prinz Gustav Eisschelf (1995), Larsen A (2000), Larsen B (2002), Wilkins Eisschelf (im Gange).

ANTXXVII2_38Eisberg vor der Antarktischen Halbinsel (Foto: Maria A. Martin, PIK)

Nach neuen Erkenntnissen ist die Gefahr noch größer, als Mercer sie vorhergesehen hat. Denn auch Teile des viel größeren, lange als stabil geltenden Ostantarktischen Eisschildes könnten ähnlich anfällig sein und den Meeresspiegel nochmal um weitere Meter nach oben treiben (Mengel&Levermann 2014) – siehe den KlimaLounge-Beitrag dazu von Matthias Mengel.

Sind die Zeitungen voll von Berichten und Analysen? Brummen die Talkshows mit Debatten, wie man mit dieser Situation am besten umgeht und wie verhindert werden kann, weitere Kipppunkte des Klimasystems zu überschreiten? Immerhin dürften die Konsequenzen für die Menschheit erheblich gravierender und anhaltender sein als das meiste, was heute die Medien füllt.

Warum werden Warnungen der Wissenschaft vor derart schwerwiegenden Bedrohungen jahrzehntelang kaum ernst genommen, bis es zu spät ist? Ein nicht unwesentlicher Grund dafür sind sicher die Aktivitäten professioneller Abwiegler, die jede Warnung von Forschern durch über die Medien verbreitete Entwarnung zu neutralisieren versuchen und Wissenschaftler wie Mercer als „Alarmisten“ diffamieren. Diese Aktivitäten mit ihren Hintergründen zu beleuchten füllt mehrere lesenswerte Bücher (z.B. von Naomi Oreskes (jetzt auch auf Deutsch), James Hoggan, Michael Mann) und Berichte (u.a. Union of Concerned Scientists). Ich will hier nur ein deutsches Beispiel nennen. Nico Stehr und Hans von Storch schrieben 2005 im Spiegel:

Insofern werden wir erleben, wie die Propheten des Untergangs die Klimagefahren in noch grelleren Bildern zeichnen. Man kann die zukünftigen Schreckbilder schon ahnen: das Abbrechen des westantarktischen Schelfeises, was den Wasserstand noch viel stärker steigen lassen wird…

Mit derartiger Rhetorik soll der Leser gegenüber Warnungen der Fachwissenschaftler (verunglimpft als „Propheten des Untergangs“) geradezu geimpft werden, er soll sie als unglaubhaft einordnen, damit bloß keine politischen Gegenmaßnahmen gegen die Gefahr eingeleitet werden. Sachliche Argumente, weshalb die Warnungen von John Mercer oder etwa Chris Rapley, dem damaligen Leiter des British Antarctic Survey, denn unbegründet sein sollten, brachten die Autoren freilich nicht vor. Sie haben auch keine (etwa durch eigene Fachpublikationen ausgewiesene) Expertise in der Antarktisforschung. Dieses mediale Vorgehen hat Methode: weitere Beispiele sind hier, hier, hier und hier besprochen. Während man mit solchen markigen Medienthesen ohne belastbare sachliche Belege in der Fachwelt rasch seine Glaubwürdigkeit verspielt, räumen manche Medien dem allzu gerne Platz ein – und fragen auch gar nicht erst nach konkreten Belegen.

Wie viele weitere Warnungen von Klimaforschern müssen eintreffen, bevor sie ernst genommen werden? Noch können wir eine weitere Beschleunigung des Zerfalls des Westanarktischen Eisschildes und das Überschreiten weiterer gefährlicher Kipppunkte vermeiden, indem wir die globale Erwärmung endlich stoppen. Der NASA-Glaziologe Eric Rignot hat es so formuliert:

Die Zeit zu handeln ist jetzt. Die Antarktis wartet nicht auf uns.

 

[Dieser Kommentar erschien in etwas kürzerer Form in der Umweltzeitschrift Zeo2. Das ist derzeit die Zeitschrift für alle, die sich für nachhaltigen Lebensstil, Natur und Umwelt- und Klimapolitik interessieren. Das aktuelle Heft ist jetzt neu am Kiosk, oder einfach mal mit einem Probeabo reinschnuppern? Zeo2 erscheint 4x jährlich.]

 

p.s. Hier noch ein interessanter Link: interaktive Website mit Karrikaturen und Statements von 97 Klimaforschern, die den 97%-igen Konsens unter Klimaforschern über die vom Menschen verursachte globale Erwärmung symbolisieren. Unsere Stammleser werden dort sicher einige bekannte Namen und Gesichter finden – u.a. den oben zitierten Antarktisexperten und KlimaLounge-Autoren Anders Levermann!

Update 16.9.: Heute lief ein Inforadio-Interview mit mir zum Thema Westantarktis, Ozonloch und Meeresversauerung – man kann es hier nachhören.

Update 30.12.: Das Kippen der Westantarktis ist für den britischen Guardian die Wissenschaftsmeldung Nr. 1 des Jahres 2014.

 

Literatur

  1. J.H. Mercer, "West Antarctic ice sheet and CO2 greenhouse effect: a threat of disaster", Nature, vol. 271, pp. 321-325, 1978. http://dx.doi.org/10.1038/271321a0
  2. V. Helm, A. Humbert, and H. Miller, "Elevation and elevation change of Greenland and Antarctica derived from CryoSat-2", The Cryosphere, vol. 8, pp. 1539-1559, 2014. http://dx.doi.org/10.5194/tc-8-1539-2014
  3. E. Rignot, J. Mouginot, M. Morlighem, H. Seroussi, and B. Scheuchl, "Widespread, rapid grounding line retreat of Pine Island, Thwaites, Smith, and Kohler glaciers, West Antarctica, from 1992 to 2011", Geophys. Res. Lett., vol. 41, pp. 3502-3509, 2014. http://dx.doi.org/10.1002/2014GL060140
  4. L. Favier, G. Durand, S.L. Cornford, G.H. Gudmundsson, O. Gagliardini, F. Gillet-Chaulet, T. Zwinger, A.J. Payne, and A.M. Le Brocq, "Retreat of Pine Island Glacier controlled by marine ice-sheet instability", Nature Climate Change, vol. 4, pp. 117-121, 2014. http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2094
  5. I. Joughin, B.E. Smith, and B. Medley, "Marine Ice Sheet Collapse Potentially Under Way for the Thwaites Glacier Basin, West Antarctica", Science, vol. 344, pp. 735-738, 2014. http://dx.doi.org/10.1126/science.1249055
  6. M. Mengel, and A. Levermann, "Ice plug prevents irreversible discharge from East Antarctica", Nature Climate Change, vol. 4, pp. 451-455, 2014. http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2226

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

153 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Goodbye Hamburg-HafenCity, hello Hamburg-HarbourVenice!

    Ob die Elbphilharmonie fertig wird bevor sie nur noch per Boot erreichbar ist?

    Sorry, mehr als tiefschwarzen Humor hab ich nicht übrig wenn ich an die sich anschließenden Kommentare der „ein höherer CO2-Gehalt der Atmosphäre verstärkt das Pflanzenwachstum“-Fraktion denke.

    • Ach ja, das „97%-Mem“ … es sollte Sie ehrlicherweise auch interessieren, wie das zustandegekommen ist (leider auch auf Englisch, aber dessen sind Sie ja mächtig):

      http://dailycaller.com/2014/05/16/where-did-97-percent-global-warming-consensus-figure-come-from/

      Kleiner Teaser: „The definition Cook used to get his consensus was weak, the climatologists said. Only 41 out of the 11,944 published climate studies examined by Cook explicitly stated that mankind caused most of the warming since 1950 — meaning the actual consensus is 0.3 percent.“

      Es nötigt wirklich Respekt ab, was echte PR-Profis auf die Beine zu stellen vermögen. Nur hilft uns das alles nicht weiter.

      Mit besten Grüßen,
      W. Mueller

      • Wahrscheinlich wird auch in 80% der anthropologischen Studien nicht explizit darauf hingewiesen, dass Mensch und Menschenaffen gemeinsame Vorfahren haben. Banalitäten muss man irgendwann nicht mehr „explizit“ wiederholen.

      • Wenn 5000 Menschen von einer PR-Firma einen Fragebogen bekommen und u.a. gefragt werden, ob sie sich die Zähne putzen, und wenn dann nur 3% definitiv und explizit antworten, dass sie sich die Zähne putzen, was schließen Sie daraus, Herr Müller?

      • Gäääähn … es gibt (AFAIK) keine einzige unabhängige Forschergruppe auf diesem Planeten, die halbwegs regelmäßig in einem SCI-gelisteten Magazin zum Klimawandel publiziert, die einen antthropogenen Anteil an eben diesem Klimawandel bestreitet.

  2. Die Argumente der Klimaforscher werden nicht ernst genommen, weil sie keinerlei vernünftige Ursachenforschung und Gegenmaßnahmen anbieten. Wenn als Reaktion auf ein Problem nur Konferenzen abgehalten werden, deren Ergebnisse ebenso umstritten wie nutzlos sind, dann werden diese nur als Komikerveranstaltungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
    Die größte Einflussgröße auf das Klima ist die Anzahl der Menschen und deren Verbrauch pro Kopf (Landschaft, Wasser, CO2-Bilanz) – dies dürfte bereits einem Grundschüler klar sein. Aber Geburtenkontrolle und somit Reduzierung der Weltbevölkerung ist für Klimaforschung ein Thema, welches in der Regel ignoriert wird. D.h. die ganze Klimadiskussion ist sinnlos, wenn ausgerechnet der wichtigste Einflussfaktor systematisch ignoriert wird.

    • Sind Sie denn der Meinung, dass die Klimaforscher, also die Naturwissenschaftler, die z.B. die Physik des antarkischen Eises oder die Dynamik der Atmosphäre erforschen, die Lösungen anbieten sollten? Ist das nicht eher etwas für eine breite gesellschaftliche Diskussion wo ganz andere Experten (z.B. Energieexperten) den faktischen Input liefern?

      • Eine der Hauptursachen, warum die Ergebnisse der Klimaforschung nicht ernst genommen wird, ist es dass Verantwortlichkeiten so lange herumgeschoben werden, bis dann keiner mehr Zuständig ist. Gut dass wir diskutiert haben – aber jetzt steigern wir erst Mal das Bruttosozialprodukt; so war es bisher immer.

        Falls die West-, die Ostantarktische und die Grönländische Eisdecke abschmelzen werden, bedeutet dies einen Meeresspiegelanstieg um etwa 50 bis 60 m, wenn ich richtig informiert bin. Da die besten Ackerflächen und die größten Siedlungsgebiete sich in Küstennähe befinden, werden diese dann überschwemmt. Somit nimmt der Druck auf die verbleibenden Acker-/Weideflächen enorm zu; Kriege und Hungersnöte sind dann die Folge.
        Da eine der Haupteinflussgrößen auf das Klima die Anzahl der Menschen und deren Pro-Kopf-Verbrauch ist, ist auch die Klimaforschung gefordert, auf diesen Punkt immer wieder deutlich hinzuweisen. Wenn Klimaforscher sich dieser Diskussion nicht stellen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie und ihre Ergebnisse nicht ernst genommen werden. Die Diskussion um die Bevölkerungsentwicklung wird sehr hart und emotional geführt werden, darüber bin ich mir klar. Aber nur wenn jedem Mitbürger klar wird, dass die Klimaveränderung kein exotisches Ereignis sind, sondern dass diese den Fortbestand der eigenen Familie direkt beeinflussen wird – dann werden Menschen auch zu Veränderungen bereit sein.
        Und die Ergebnisse der Klimaforschung werden in diesem Zusammenhang ein Bestandteil dieser gesellschaftlichen Diskussion sein müssen. Sich ausklinken und Verantwortung auf andere zu schieben geht nicht, da wir alle gemeinsam auf der Erde leben.

        • @KRichard

          „Falls die West-, die Ostantarktische und die Grönländische Eisdecke abschmelzen werden, bedeutet dies einen Meeresspiegelanstieg um etwa 50 bis 60 m, wenn ich richtig informiert bin. “

          So eine Aussage ist ohne Angabe einer Zeitperspektive vielleicht korrekt, aber ziemlich sinnlos. Wie lang (bzw. wie kurz) würde das im schlimmsten anzunehmenden Fall dauern?

        • „Da eine der Haupteinflussgrößen auf das Klima die Anzahl der Menschen und deren Pro-Kopf-Verbrauch ist, ist auch die Klimaforschung gefordert, auf diesen Punkt immer wieder deutlich hinzuweisen.“

          Es geht zuerst um die ca. 1 Milliarde Menschen der industrialisierten Welt. Dort nimmt aber die Bevölkerung im ganzen ab. Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß der Schwellen- und Entwicklungsländer ist deutlich geringer, China holt jetzt auf.
          Ich verstehe nicht, warum die Klimaforscher ein Rundum-Sorglos-Gesamtpaket zur Problemlösung anbieten sollten oder müssen. Letztendlich ist das nicht nur ein gesamtgesellschaftliches Problem, es ist das erste Problem, das die gesamte Menschheit betrifft und von ihr auch gelöst werden muss.
          Der Hauptgrund, warum nicht genügend passiert, ist doch eine Allianz aus offenen Verweigerern und Leugnern und den Bequemen, die darauf warten, dass es andere für sie richten.

          • “ Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß der Schwellen- und Entwicklungsländer ist deutlich geringer, China holt jetzt auf.“

            Mit verlaub, sie sollten sich schämen, hier solche Ammenmärchen zu erzählen, das jährliche Wachstumd es CO2-Ausstoßes entspricht ca. dem gesamtausstoß Deutschlands.
            Würde Deutschland seine ganze wirtschaftskraft udn seinen wohlstand Opfern, so würde dies lediglich dem Effekt einer einjährigen Stagnation in China entsprechen.

            China CO2 emissionen 2010: 8209,8, 2011 8979,1 delta: 769,3 millionen tonnen CO2 ausstoß, zum vergleich, Deutschland insgesamt 2011: 802,8
            In der Zwischenzeit hat sich das Wachstum der chineischen CO2 emissionen noch gesteigert, und sogar den deutschen Gesamtverbrauch weit übertroffen, Deutschland macht nicht mal mehr 2% des Welt CO2 (tendenz fallend), ausstoßes aus, China bereits über 30%, tendenz schnell steigend.

            Die Energiewende wird Deutschland
            1. Wirtschaftlich Ruinieren
            2. Unseren Grünen ein gutes gewissen geben
            3. Keinen Signifikanten Effekt auf das Klima haben

            Wären die Grünen intelligent und pragmatisch, würden sie das einzige machen, was irgendwie der Welt helfen kann, GELD INVESTIEREN, IN TECHNIK, DIE UNS HILFT, MIT DEM KLIMAWANDEL ZU LEBEN.

            Verhindern werden wir ihn ja nicht.

          • Nachtrag:

            Pro Kopf ergibt ja ohnehin keinen Sinn, der CO2 ausstoß ist ja nicht nur Wohlstandsinduziert, Deutschland ist heute ein annäherend so großer Exporteur wie China, aber der CO2 ausstoß unserer Industrie ist weit geringer, proportional gesehen ist die deutsche Industrie natürlich riesig (kurzum, uns fehlt ein riesiges armes hinterland, dass die statistik ins positive verschieben könnte, wie es bei china der fall ist)

            Genau hier liegt die rückkopplung, mit den postkolonial Argumenten, der westen müsse doch mehr tun, wird man sich u.u. keinen großen Gefallen tun, würgen wir hier eine Schwerindustrie ab, die halbwegs niedrige CO2 ausstoßraten hat, durch immer strengere auflagen, erzeugen wir in der Summe einen höheren CO2 ausstoß, da dann ja mit weniger Klimaeffizienten anlagen in China produziert werden wird.

            Dazu muss man auch sagen, dass china nicht gleich china ist, wo china wohlstand hat, beispielsweise Shanghai, da haben die leute auch eine Lebenserwartung wie in Italien, und auch ein Konsumverhalten, dass eher noch verschwenderischer ist, als das europäische.

            Im Grunde betreiben wir hier ja Ökogerrymandering, ( http://de.wikipedia.org/wiki/Gerrymandering ).
            Wären da 15 Länder, statt eines, dann würden wir an den Industrialisierten und Wohlhabenden Ostküstenstaat die selben Standards auferlegen, wie den Japanern, Südkoreanern oder Deutschen.
            Während dem armen westen Chinas, ohnehin nix auferlegt werden müsste, da die ja auch entsprechend ihrer fehlenden Industrialisierung kaum CO2 ausstoßen, jetzt will aber der Zufall der Grenzziehung, dass diese Regionen teil eines Staatsgebildes ist, aber dies dann als Argument für eine geringere Beteiligung Chinas am Kampf gegen CO2 emissionen gelten lassen zu wollen, ist zu kurz gedacht.

          • Antwort auf Emanuel:
            Da gibt es leider keinen Anwortknopf.
            Leider sind Sie zwei weit verbreiteten Irtümern aufgesessen. Erstens müssen sie den CO2 Ausstoß pro Kopf vergleichen. Oder warum sollte ein Deutscher das Recht haben, die Umwelt mehr zu verdrecken als ein Chinese. Und da hat Deutschland imme rnoch einen Vorsprung von 50%.

            Und dann haben wir schön unsere gesamten „Dreckanteile“ der Produktion ins Ausland verschoben. Zu nicht geringen Teilen nach China. Die CO2 Exporte waren dabei fünf mal so hoch, wie die CO2 Einsparungen. Deutschland hat seine CO2 Emissionen also weiter massiv gesteigert. Nur haben wir nachts den Mülleimer heimlich bei unseren Nachbarn in den Garten gekippt.

        • Klimaforscher sind als Klimaforscher vor allem: Klimaforscher. Von einem Klimaexperten erwarte ich, dass er mir etwas über das Klima sagen kann. Natürlich ist ein Klimaforscher auch ein Bürger. Das ist aber eine andere Frage.

          Und ich versteh auch sonst ihr Argument nicht. Das der CO2 Ausstoß nicht von irgendwelchen Freudenfeuern kommt, behaupten ja nicht mal die obskursten Leugner. Und jedem ist klar, wer die Verantwortung trägt. JEDER. Nämlich jeder der mehr an natürlichen Ressourcen (und da ist das Klima ja nur ein Aspekt) verbaucht als es seinem Anteil entspricht. Und in den reichen Staaten wird dieser Anteil je Einwohner eben mal um das fünfache Überschritten.

          Ach ja, das Bevölkerungsargument. Nach der eben aufgemachten Rechnung könnten wir natürlich in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA die Bevölkerung um 80% senken. Das kommt dann auf das Gleiche raus. Aber ich gehe mal davon aus, dass das nicht Ihr Plan war.

    • Das stimmt so nicht. Die Lösung war schon immer total einfach. Denn das gigantische Güterwachstum war ja nur durch den Einsatz fossiler Energien möglich. Zu denen gibt es keine wirkliche Alternative. Regenerative Ansätze werden nur einen Teil davon liefern können (auch wieder eine sehr komplexe Materie, in der ich allerdings Experte bin). Also muss der Konsum massiv runter. Das war auch schon vor 40 Jahren klar. Schon Maedows et. al. sahen sich einer massiven Kritik ausgesetzt. Schon damals war kein Argument dämlich genug um sich der Erkenntnis zu verschließen. Eigentlich war gar keins notwendig. „Ich will nicht“ war damals wie heute völlig ausreichend. Nur damals und da hat Maedows leider recht, hätten wir das System langsam auslaufen lassen können. Ein „nicht mehr“ hätte funktioniert. Heute muss es heißen: „viel weniger“. Wenn das erste schon nicht funktioniert hat, warum sollte das viel schwierigere zweite funktionieren?

      Herr Ramstorf ist als Wissenschaftler ja bei seinen Aussagen immer sehr vorsichtig. Aber wenn ich mich als interessierter Laie (mit naturwissenschaftlicher Ausbildung, aber natürlich in diesem Thema kein Experte), so durch das Forschungsmaterial und die Studien wühle, dann befürchte ich, dass wir auch andere Kipppunkte bereits überschritten haben.
      Der entgültige wissenschaftliche Nachweis einer Theorie ist ja immer das Eintreten eines Ereignisses. Nur wenn der Eintritt des Ereignisses den eigenen Untergang bedeutet, dann ist das Beharren darauf schon ziemlich dämlich. Um mit Noam Chomsky zu sprechen: „Die Entwicklung der Intelligenz könnte sich als einer der größten Irtümer der Evolution herausstellen“.

      P.S. Noch eine Bemerkung zu Herrn Ramstorfs impliziter Frage, warum man nicht auf Experten hört. Sie gehen da von falschen Vorrsaussetzungen aus. Sie als Wissenschaftler erwarten, dass ihr Gegenüber wie Sie ein Interesse an Erkenntnisfortschritt hat. Das hat er aber gar nicht. Schon zu Maedows Zeiten war jedem Fünftklässler klar, das unendliches Wachstum in einem endlichen System nicht funktioniert. Man wolllte das aber GLAUBEN, weil sich niemand den Kosequenzen stellen wollte. Und wie der Soziologe Harald Welzer konstatiert: „Wissen und Handeln haben nichts miteinander zu tun.“ Es ist ja bezeichnend, dass es trotz aller Gegenpropaganda auf der Welt wahrscheinlich hunderte von Millionen Menschen gibt, die die Forschungsergebnisse sehr wohl ernst nehmen. Aber während sie darüber jammern wird der nächste Karibikflug gebucht und das dritte Smart-Phone in drei Jahren bestellt. Noch besser sind ja Klimakonferenzen wie in Doha. Da jetten zehntausende von Wissenschaftlern, NGO´s und sonst was in eine der heißesten Ecken der Welt um in ihren vollklimatisierten Hotels praktisch zu beweisen, dass man den fossilen Energieverbrauch pro Kopf bestimmt noch mal um Größenordnungen steigern kann.

    • „…Klimaforscher werden nicht ernst genommen, weil sie keinerlei vernünftige Ursachenforschung und Gegenmaßnahmen anbieten …“, gefolgt vom Hinweis auf die „eigentliche“ Ursache von allem, der „Überbevölkerung“ und der Aufforderung an die Klimawissenschaft(en), diese Ursache zu benennen und „Maßnahmen“ gegen diese zu benennen. (als Schnell- und Grobzusammenfassung des „Arguments“)

      Mich persönlich verwundert eine solche Rede sehr. Im Sinne von: Ich verstehe überhaupt nicht, was da eigentlich gemeint sein könnte.

      Das fängt damit an, dass vom weiten Feld der globalen Klimaforschung behauptet wird, es würde keine Ursachen für Sachstände im Forschungsbereich benennen. Das kann ja wohl kaum stimmen, da die zur Verfügung stehenden periodischen Berichte (und viele Einzelarbeiten vorher) letztlich unisono im jeweils so benannten „Ursachen“-Teil von vielen und immer mehr werdenden kleinen und großen Feuerchen berichten, die als Quellen von Stoffen und energetischen Flüssen auftreten, die durch die globalen Senken immer weniger absorbiert werden können. Der größer und immer bestimmendere Anteil der Feuerchen wird den Messungen zufolge von und für Menschen angefacht und in Gang gehalten (was exakt auch der Benennung des Problemkreises „Overpopulation“ entspricht, eben nur in anderer Messtechnik). Und es ist mir dann auch unverständlich, warum keine „Gegenmaßnahmen“ angesprochen sein sollen, wenn die Working Group II der bekannten Berichte „Impacts, Adaptation and Vulnerability“ heißt und die WG III „Mitigation of Climate Change“. Im Prinzip steht da in den diversen Berichten dieser WG III, dass man die Feuerchen besser schnell mal löschen sollte oder wenigstens nicht immer wieder neue und größere entfachen sollte oder allerwenigstens die Anzahl und/oder den Output der Feuerchen nicht steigern sollte.

      Scheint mir eigentlich eine ziemlich solid gefasste Ursachen- und Maßnahmendarstellung für das betroffene (riesige) Forschungsfeld zu sein.

      Das nächste mir Unverständliche ist, warum unter der Voraussetzung, die Anzahl der lebenden Menschen sei das „wirkliche“ Problem und die Lösung sei deren umgehende Reduzierung, den Klimawissenschaften hier Vorwürfe gemacht werden bzw. von diesen Lösungen abverlangt werden. Warum wird der Vorwurf nicht an die diversen Sozialwissenschaften, darunter die Soziologie oder die Politikwissenschaften, gerichtet und von diesen weit gefaßten Forschungs- und Wissenschaftsbereichen „Lösungen“ eingefordert?

      Aber die „Klimaforschung“ mit ihren Dutzenden von Teilbereichen läßt wie oben kurz angerissen aufgrund ihrer „natürlichen“ Interdisziplinarität solche Fragen durchaus nicht unbeantwortet. Das PIK zum Beispiel (und andere Beauftragte, selbstverständlich) liefert dementsprechend auch hierzu vielfältige Angebote zur „Grossen Transformation“ im regionalen Zuständigkeitsbereich, die man bei entsprechendem Bedarf auch hier auf dieser Webseite finden kann. Das Problem dabei ist, dass genau dann, wenn die für diese „unsere“ Region möglichen und wohl auch erforderlichen „Maßnahmen“ angesprochen werden, beispielsweise ein Bevölkerungsanstieg überhaupt kein Thema ist sondern vielmehr der demografische Wandel mit allen seinen Facetten (rein beispielsweise: NIMBYs oder „Wutbürger“). Dabei verwundert es dann genau nicht, wenn dieselben Leute, die Forderungen gegenüber den Klimawissenschaften aufstellen auf Vorschläge zur Lösung ebendieselben mit dem Argument abweisen, diese Vorschläge seien eine völlig unangemessene Einmischung der Klimawissenschaften auf völlig fremdem politischem, gesellschaftlichem oder ingenieurstechnischem Feld und der Schuster „Klimawissenschaft“ möge gefälligst bei seinem Leisten bleiben. (von solchen Vorwürfen kann beispielsweise Herr Rahmstorf viele unschöne Lieder singen und hat das auf diesem Blog auch schon – in bürgerlich-höfliche Form gekleidet – getan)

      Da kann also irgendetwas bei der zitierten Behauptung ganz fundamental nicht stimmen.

      Es scheint dagegen so, dass durch die Verlagerung auf das Problem „Überbevölkerung“ argumentativ so etwas ähnliches bewirkt werden soll wie eine Problemvermeidungsstrategie. Da es in den „entwickelten“ Ländern und natürlich besonders in Dtschl. keinen Bevölkerungsdruck gibt, ist das Ganze ein Problem (wenn es denn überhaupt eins ist) derjenigen Erdteile, in denen „viel zu viele“ Menschen leben und geboren werden. Also ist es nicht „unser“ Problem.

      Der Versuch einer solchen Verlagerung oder Abschiebung ist meiner Ansicht zum Scheitern verurteilt. Das Problem daran kann man vielleicht ganz gut erkennen, wenn man einem in Dtschl. beliebten AGW-Denialist-Mem folgt. Dies lautet ungefähr wie folgt: Es bringt nichts, in Dtschl. irgendwas zu machen, weil jede Einsparung „hier“ anderswo in Größenordnungen höher mehr als wettgemacht wird. Der Anteil an (beispielsweise) CO2-Output betrüge ja für Dtschl. auch nur (lächerliche) 2,4% des weltweiten Ausstosses jährlich und daran könne man schon leicht erkennen, dass „wir“ wohl kaum „schuld“ an irgendwelchen Folgen trügen. Folge des Arguments: Sollen erst mal die „Grossen“ und/oder „Bevölkerungsreichen“ anständig was machen – „wir“ tun ja eh schon alles Menschenmögliche (und noch viel darüber hinaus; und wir zahlen schon zuviel; und die „Energiewende“ ist eine Katastrophe in jeder Hinsicht; und so weiter und so fort). [Die Liste der Länder mit der größten Emission von Kohlenstoffdioxid aus energetischer Nutzung kann man sich bei der dtsch. Wikipedia anschauen]

      Hier ergibt sich folgendes Problem: Wenn es zum Beispiel nach Anzahl der Einwohner gehen soll, dann sind „unsere“ paar 80 Mio. Leutchen grad mal rund 0,01% der Weltbevölkerung (mit 7,5 Mrd. gerechnet). Aber wenn die auch nur 0,01% CO2-Emissionen für Energieerzeugung aufwenden dürften, dann müßten die derzeitigen 2,4% um viel mehr als das Hundertfache gesenkt werden, „fairerweise“.

      Dann lieber nach Fläche. Dort sind es auf „unsere“ rund 360 tsd. km² bezogen immerhin stolze 0,24% Festlandanteil. Dumm nur, dass das trotzdem noch mindestens eine Reduktion auf 10% des derzeitigen Outputs bedeuten würde, „fairerweise“.

      Es gäbe auch noch viele, viele andere Möglichkeiten zu belegen, dass das Problem eben nicht von „uns“ auf „andere“ abgeschoben werden kann. Zumindest solange nicht, bis diese „unsere“ Gesellschaft *tatsächlich* als Schadstoff-Quelle den „gerechten“ oder besser noch einen geringeren Anteil als nur den „gerechten“ ausstößt. Selbst wenn solche „Überbevölkerung, anderswo“-Mythen irgendwelche brauchbare Substanz hätten, müßte allermindestens der Balken im Auge entfernt werden, bevor man auch nur in die Nähe eines Rechtes auf Vorwürfe gegenüber anderen käme.

      • 80 Millionen sind 0,01% der Weltbevölkerung?

        Na mit800.000.000.000 Menschen ist die Erde dann aber wirklich ein ganz klein wenig über laufen ;-)…

        • Stimmt, Sie (und andere) haben völlig recht. Es ist leider auch ganz allein mein Fehler, denn ich habe nicht nur nicht (überhaupt) selbst „gerechnet“, sondern mich völlig falsch an andere Bezüge erinnert. Das tut mir leid.

          Für den Zweck dieses Beitrages kann also auch gerne der rund einprozentige Bevölkerungsanteil statt der Fläche genommen werden. Der würde ebenfalls verlangen, den Output um mindestens 60% und besser mehr zu senken, bevor man in die angesprochene Nähe der Berechtigung des Abschichtens auf andere käme.

    • Die Argumente der Klimaforscher werden nicht ernst genommen, weil es nachgewiesenermaßen eine milliardenschwere Kampagne der Stahl-, Kohle- und Erdölindustrie gibt. Und diese Kampagne, die jener der Tabakindustrie gegen die Schädlichkeit des Rauchens bis aufs Haar gleicht, war und ist erfolgreich. Nicht zuletzt deshalb, weil die Wissenschaft weitestgehend im wissenschaftlichen Raum (Symposien, wiss. Zeitschriften etc.) diskutiert. Und dort diskutieren die Mietmäuler von Exxon & Co. …. ehm … Klimaskeptiker eben gerade nicht.
      Schliesslich: Wenn die Villa eines der Kinder der Brüder Koch in Miami Beach absäuft, kaufen die sich eben eine neue Villa irgend wo anders. Die Bewohner der Küstenregionen Pakistans (beispielsweise) können das allerdings nicht. Nur interessiert das die Milliardäre in den USA, die jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in die „Klimaskeptiker“-Szene stecken, einen Dreck.

  3. Der Westantarktische Eisschild schmilzt also völlig weg über die nächsten Jahrhunderte.

    Sind die Abwiegler und Verharmloser Schuld daran, dass die Öffentlichkeit im Allgemeinen und die Politik im Besondern nicht aufgeschreckt sind wegen dem was uns allen, vor allem aber den vielen Megastädten, die an der Meeresküste liegen, bevorsteht? Gibt es also wegen einer Allianz von Klimaleugnern und Klimawandelverharmlosern keine Forderungen nach verstärkten und beschleunigten Klimaschutzmassnahmen? Ich denke Nein. Die Rolle dieser angeblichen Verhinderer ist nicht so entscheidend, denn:

    1) Denken Menschen meist nur in Zeiträumen, die der eigenen Lebensspanne entsprechen. Ähnliches gilt auch für Versicherungen, Städte und Länder.
    2) Handelt es sich im Bewusstsein der meisten nicht um gesichertes Wissen. So findet sich keine entsprechende Aussage und Prognose im letzten Weltklimabericht, man liest dort also nicht, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass der westantarktische Eisschild in den nächsten (beispielsweise) 500 Jahren völlig abschmilzt.
    3) Sind die bis jetzt eingeleiteten Klimaschutzmassnahmen beispielsweise in Deutschland (Erneuerbare mit Kohle für den Backup), China (Erneuerbare und gleichzeitig immer mehr Kohle) oder den USA (Ersatz von Kohle durch Erdgas, Erneuerbare) weniger erfolgreich und zugleich teurer als ursprünglich erwartet.

    Ein Umdenken setzt voraus, dass sich mindestens Punkt 2) ändert. Im nächsten Weltklimabericht muss unmissverständlich stehen, dass der westantarktische Eisschild instabil geworden ist und mit grosser Wahrscheinlichkeit abschmelzen wird und gleichzeitig muss es im nächsten Weltklimabericht eine Abschätzung geben, wie stark Klimaschutzmassnahmen den zukünftigen Meerespiegelanstieg verringern können.

    • Und warum ist Punkt 2 nicht erfüllt? Hat das nichts mit den Abwieglern in den Medien zu tun?

      Übrigens – die Instabilität des Westantarktischen Eisschildes ist stets als ein Risiko diskutiert und dargestellt worden. Aber sollte man nicht auch Risiken vermeiden, deren Eintreten nicht gesichert ist? Unsicherheit ist ja auch sonst kein Grund, jede Vorsorge zu unterlassen. Haben Sie eine Unfallversicherung? Weshalb sollten Sie Geld dafür ausgeben, auch wenn Sie gar nicht sicher sind, dass Sie tatsächlich einen Unfall haben werden?

      Dass der Meeresspiegel durch die globale Erwärmung erheblich ansteigen wird (auch ohne marine ice sheet instability) ist dagegen sicher, und diese Aussage finden Sie auch im IPCC-Bericht.

      • Ich hätte eine Frage bzgl. der Berechnung des Meeresspiegel-Anstiegs:
        Wie kommt man von „x km³ Eis schmelzen“ auf „der Meeresspiegel steigt um x Meter“?

          • Danke!
            Das war genau das, was ich vermutet/befürchtet habe. Nicht der Link, sondern die Berechnungsmethode des Meeresspiegelanstiegs.

            Es wird also genau NICHT berücksichtigt, dass sich die Gesamt-Fläche der Ozeane sehr schnell vergrößert, wenn der Spiegel ansteigt. Es wird alles auf die vorhandene Gesamtfläche „aufgeschichtet“.
            Oder habe ich etwas überlesen oder missverstanden?

          • Vielen Dank für Ihre Antwort!

            „Die Gesamtfläche vergrößert sich nur minimal, das ist ein praktisch vernachlässigbarer Effekt.“

            Ok, das kann ich nachvollziehen. Ich würde es aber gerne genauer wissen …

            Warum ist der Meeresspiegelanstieg dann überhaupt ein Problem, wenn er nur „minimale, praktisch vernachlässigbare“ Flächen überschwemmt?

            Ich meine, 75% Wasserfläche zu 25% Landfläche können das Gleichgewicht zwischen vernachlässigbar und nicht vernachlässigbar doch nicht so arg verschieben. (1% Zunahme Seefläche zu 3% Abnahme Landfläche)

            Um wieviel nimmt die von Wasser bedeckte Fläche zu, wenn der Meeresspiegel um, sagen wir 3 Meter steigt? (unabhängig davon, wieviel Festlandeis dafür schmelzen muss)

    • Es geht nicht um „gesichertes Wissen“. Das ein beschränktes System nicht unbeschränkt ausbeutbar ist, weiß jeder. Wir ruinieren ja nicht nur das Klima, sondern wir versuchen ja auch auf jede andere erdenkliche Art die eigenen Lebensgrundlagen zu ruinieren. Es geht darum, dass wir ALLE einfach nicht gewillt sind, die Konsequenzen zu ziehen. Und da ist uns keine Ausflucht dumm genug. Ich persönlich bin der Meinung das der IPCC-Bericht noch stark verharmlosend ist. Aber egal wie drastisch die Aussagen auch werden: Wir müssen ein anderes Leben führen. Und so lange wir das nicht wollen wird sich gar nichts ändern.

      Dazu kommt ein gemeines psychologisches Problem: Die Menschen wissen zwar, dass sie sterblichsind, aber im Hinterstübchen gibt es immer so eine kleine Ecke die hofft dass das nur die Anderen betrifft. Und genau so „wissen“ sie zwar, dass wir uns selber von dieser Kugel schießen können, aber es wird immer gehofft, dass das dann doch einen anderen Planeten betrifft.

  4. Das mit dem ueberschrittenen Kipppunkt leuchtet mir nicht ganz ein. Nach Steig et al. (2013) unterscheidet sich die in der Westantarktis während der letzten Jahrzehnte beobachtete Eisschmelze laut Eiskernuntersuchungen nicht von ähnlichen Schmelzepisoden wie sie in den 1830er und 1940er Jahren bereits aufgetreten sind. Zudem hat laut Fogwill et al. (2012) der zentrale Eisdom des westantarktischen Eisschildes mindestens die letzte, wenn nicht sogar die letzten drei Warmzeiten (Intergaziale) überstanden, wenn auch in reduzierter Form. Und Hanna et al. wiesen in einem Nature-Artikel Mitte 2013 darauf hin, dass noch immer unklar ist, wieviel Eis die Westantarktis in den letzten Jahren eigentlich wirklich verloren hat.
    Siehe http://tinyurl.com/orjufvo

    • Das Kriterium für das Überschreiten des Kipppunktes ist nicht die Abschmelzrate, sondern das Überschreiten einer geografischen Schwelle, ab der das Gefälle das Bodens gegen die Fließrichtung des Eisstroms geht. Das ist erst jetzt passiert.

  5. Jetzt wird es Zeit, die Klimadiskussion wieder auf das Niveau zu heben, welches das Thema verdient.
    Es wäre interessant zu wissen, wie die Bevölkerung über diesen eingetretenen Kipp-Punkt des Klimasystems denkt. Nach dieser Umfrage wird der Kanzlerin nichts anderes übrig bleiben, wie sich wieder mit Klimaschutz auseinanderzusetzen.

  6. Auf diesen Kommentar warte ich schon seit Wochen. Kaum ist der sommerliche Eisschwund mal nicht stärker als im Vorjahr wird das gleich wieder als positive Entwicklung gedeutet. Das entspricht halt der Vorstellung, ein etwas kühlerer Sommer in D sei ein „hoffnungsvolles Zeichen“ für die weltweite Klimaänderung.

  7. Erstaunlich, dass derartige glaziologischen Phänomene sogar dann auftreten, wenn die globale Erwärmung seit fünfzehn Jahren zum Stillstand gekommen ist. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Erwärmung wieder Fahrt aufnimmt …

    * Ironie off *

    Teile der heutigen Diskussion verfolge ich mit gemischten Gefühlen. Ein Beispiel: Ein paar Astronomen entdecken einen 500-m-Asteroiden, der mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit in vier Monaten auf der Erde einschlagen wird. Kein Mensch wird von den Astronomen verlangen: „Ihr habt das Ding entdeckt, nun sorgt gefälligst dafür, dass es wieder verschwindet.“

    Aber offenbar wird von den Klimatologen Vergleichbares erwartet. Der Unterschied besteht darin, dass beim obigen Beispiel der Zeitpunkt der Katastrophe absolut determiniert ist, während beim Klimawandel stets die Hoffnung im Hinterkopf nistet, dass alles nicht so schlimm sei, und falls doch, das Problem auf spätere Generationen „verlagert“ werden könne.

    Der springende Punkt ist doch der, dass sich nichts Wesentliches ändern wird, solange Politik, Industrie, Wirtschaft und damit verbundene Interessengruppen wegweisende Entscheidungen unentschlossen hin und her schieben. Doch solange im Räderwerk der Zivilisation nicht laut und vernehmlich der Sand knirscht, wird sich wohl nichts Entscheidendes ändern.

    • Ganz genauso sieht es doch wohl aus. Was soll denn ein Kleinverdiener verändern ausser sein Konsumverhalten wenn gleichzeitig ein solches Gruselkabinet als EU-Kommision zusammen gewürfelt wird? Wie soll ich mich denn engagieren um die wirklich großen Klimagefahren zu beeinflussen? Wählen gehen? Die Grünen vielleicht? Die koalieren dann mit den Schwarzen die eigentlich lieber mit den Gelben kuscheln um was zu tun? Genau, jegliche Verantwortung auf nachfolgende Generationen abwiegeln damit für den Moment die Kasse der Amigos stimmt. Und das ist nun exemplarisch auf DLand bezogen wiederholt sich so aber weltweit.
      Es ist einfach albern zu denken die Menschheit sei lernfähig und es bestünde irgendein Interesse an Gerechtigkeit. Solange das Geld regiert wird über Leichen gegangen. Egal in welchen Dimensionen! Und ehrlicherweise muss man dann auch sagen: gut dass sich dieser Prozess nun beschleunigt. Erdgeschichtlich betrachtet ist das Phänomen nämlich eigentlich wurscht. Ist dem Planeten doch egal wie er in einer Mil. Jahren aussieht. Der Zerstörer Mensch hat sich dann jedenfalls selbst abgeschafft zusammen mit seinem GELD. Seiner Religion und der Gier.

  8. Danke, Herr Rahmstorf, dass Sie hier wieder einmal aus dem Elfenbeinturm treten, und moralisch politische Aussagen machen. Viele werfen Ihnen dies ja vor. Wir Umweltschützer hier nicht. Wir sind auch vor einigen Wochen zur Anti-Kohle-Kette in die Lausitz gefahren. Wir haben auch gegen die Verschlechterungen des EEG demonstriert.
    Und wir streiten für eine bessere, das heißt auch zu weniger CO2- wie N2O-Emissionen führende Verkehrs- wie Landwirtschaftspolitik. Es gibt viele Stellschrauben, wo man als Privatperson als politisch denkender Bürger und als Umweltschützer was tun kann, um doch für den Klimaschutz, für die Verringerung der Atomgefahren und für die Energiewende was zu erreichen.
    Raimund Kamm

  9. @ Cristan S.: „Immerhin scheint es der Arktis ja dieses Jahr mal wieder besser zu gehen“. Man sollte schon unterscheiden können zwischen dünnem arktischem einjährigen Meereis, dessen Ausdehnung von kurzfristigen Wetterlagen abhängig ist und dickerem arktischen mehrjährigem Meereis bzw. dem Meereisvolumen. Auch sollte man sich langfristige Trends ansehen und nicht die kurzzeitigen Folgen lokaler Wetterereignisse. Wie unsinnig Ihr Hinweis ist zeigt sich schon daran, dass es sowohl im März, als auch im Mai und Juli 2014 Rekordminima der arktischen Meereisausdehnung für diese Jahreszeiten gab. Eine Meereisausdehnung, die sich also erst in wenigen Wochen gebildet hat kann man wohl kaum als „Besserung“ werten.

  10. Bis jetzt wird über einen Kipp – Punkt diskutiert welcher unausweichliche Folgen hat.
    Natürliche Systeme machen nach einer gewissen Sättigung Sprünge, diese Gefahr wurde zwar immer wieder erwähnt bleibt hier jedoch, bis jetzt, unberücksichtigt.
    Es gibt sicher noch weitere, unliebsame, Überraschungen welche unsere globale Erwärmung bereits in den kommenden Jahren zusätzlich stark beschleunigt.
    Eine Prognose über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Dow Jones Industrial Average weckt eventuell mehr Interesse bei den „Starkverschmutzern“, als die aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema Meeresspiegelanstieg.

  11. Pingback: Der Planet Erde ist in eine neue Ära eingetreten | stohl.de

  12. Das Phänomen des Klimawandels ist eine grundlegende Herausforderung menschlichen Selbstverständnisses. Ein existentielles Lehrstück über Leben, Dasein und Werden. Über das Verflochten sein allen Lebens. Die Konsequenzen aus diesem Anschauungsunterricht sind so fundamental, dass sie für den politisch, wirtschaftlich und militärisch tonangebenden Teil der Menschheit in die Aporie führen.
    Zumindest für Europäer, Nordamerikaner und all jene, die im qualitativ und quantitativ expandierenden Weltsystem (Immanuel Wallerstein) inzwischen dazu gestoßen sind, bedeutet es die Umwertung aller Werte. Das aber führt zum Kollaps des Systems, so oder so: Durch die Folgen des Klimawandels oder durch die Einsicht in die Vulnerabilität des Erdsystems und die daraus folgende Anpassung. Menschliches Weltsystem und Erdsystem sind so weit auseinander gedriftet, dass sich ein erheblicher Teil menschlicher Kultur (en) neu erfinden müsste.

    Wie wahrscheinlich ist das denn, angesichts der Unfähigkeit globaler Eliten wesentlich unbedeutendere Probleme ohne Krieg und Zerstörung in den Griff zu bekommen??

  13. @ ajki

    „Hier ergibt sich folgendes Problem: Wenn es zum Beispiel nach Anzahl der Einwohner gehen soll, dann sind „unsere“ paar 80 Mio. Leutchen grad mal rund 0,01% der Weltbevölkerung (mit 7,5 Mrd. gerechnet).“

    80 Mio Menschen sind 0,01% von 7,5 Mrd?

    Sind Sie sich da ganz sicher? Vielleicht sollten Sie Ihre Gedanken insgesamt noch einmal einer kritischen Prüfung unterziehen.

  14. Wenn es denn so ist, dann ist es für uns Menschen einfach zu groß. In diesen Größenordnungen können wir nicht bewußt und gesteuert die Welt verändern. Wir können Wälder roden, Berge sprengen, Dämme bauen, aber das Klima so zu steuern, daß die Antarktis über hunderte von Jahren nicht abschmilzt, da übernehmen wir uns. Es mag sein, daß die Antarktis kippt, es mag auch sein, daß unser Ausstoß von CO2 die Hauptursache ist; anzunehmen, daß diese unbewusste Veränderung des Klimas uns befähigen würde, bewusst eingreifen zu können ist ein logischer Fehlschluss. Das ist so, als würde man mit dem Boden einer Wasserflasche als Brennglas einen Waldbrand auslösen und glauben, man könnte eben diesen auch mit einer Wasserflasche wieder löschen.
    Was wir machen können, ist, vorbereitet zu sein. Wir können uns anpassen. Dafür hat die Evolution uns perfekt ausgestattet. Wenn wir über Jahrhunderte die Küstenlinie ins Inland verlegen, sollte das sogar beherrschbar sein.

    • In diesen Größenordnungen können wir nicht bewußt und gesteuert die Welt verändern.

      Es wäre ein guter Anfang, wenn wir einfach aufhören würden, die Welt unbewusst und unkontrolliert zu verändern. Damit wäre jetzt zwar nicht mehr alles zu retten – die 3m+ haben wir ja wohl schon im Sack – aber die restlichen 60m haben wir uns ja noch nicht aufgeladen, wenn ich das richtig verstanden habe …

  15. Von welchem Zeitrahmen reden wir denn? Jahrzehnte? Jahrhunderte? Falls letzteres, kann ich die Schnappatmung ja wieder einstellen. Ist auch nicht gut für’s Klima.

  16. Schade um Hans von Storch, den ich vor drei Jahrzehnten ‚verehrte‘, als er noch Herausgeber des „Hamburger Donaldisten“ war. Er hätte mal besser von Donalds fatalen Irrtümern lernen sollen.

  17. Pingback: Too much information - Lesezeichen - Lesezeichen vom 11. September 2014

  18. Leider regiert Geld unsere Welt. Diejenigen, die das Geld haben, benötigen maximal 2 Milliarden Menschen, um ihren Status zu sichern. Der Rest der Weltbevölkerung ist aus ihrer Sicht völlig unnütz. Weshalb sollte für deren Überleben jemand von den Reichen dieser Welt Geld ausgeben? Leider sehr böse, aber es deutet viel darauf hin.

  19. Verstehe ich es richtig? Der westantarktische Eisschild hat seinen UNAUFHALTSAMEN Zerfall begonnen?

    Damit sind unsere teuren Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu senken, obsolet geworden. Ich höre knallende Sektkorken.

  20. Meiner Beobachtung nach war die Klimakonferenz in Kopenhagen bzw. der Pseudo-Skandal um die britischen E-Mails der letzte große Peak in Sachen öffentliche Aufmerksamkeit in Fragen des Klimawandels. Während in den USA weiterhin voller Häme oder mit einem „die Diskussion ist noch offen“ alles abgeblockt wird, stecken bei jenen die es überhaupt interessiert hierzulande eher die Köpfe im Sand. Da gilt dann das Motto „ich tue was mir persönlich möglich ist und lebe ansonsten halt mein Leben“.

    Ich kann da nur ein Resultat ziehen: ohne einen wie auch immer gearteten Zusammenbruch der Güterproduktion wird es keinen wesentlichen Impuls zur Reduktion der Treibhausgasemissionen geben. Das hat erst der Zerfall des Ostblocks und dann die Wirtschaftskrise nach 2008 gezeigt.

    Lokale Einspareffekte durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien werden durch die globale Expansion des Energieverbrauchs aufgefressen. Auch die Warnung Rezessionen würden nur zum vermehrten verheizen von Kohle führen sind insofern nebensächlich, als das bisher trotz steigender Kosten, Unfallrisiken und Umweltschäden noch nicht auf das verheizen irgendeiner Ressource langfristig verzichtet wurde.

    Egal wer nun im Abschmelzwettrennen vorne liegt und selbst wenn morgen New York überflutet würde und aufgegeben werden müsste: die Verheißung durch massiven Energieverbrauch einen trotz aller Ungerechtigkeiten doch recht hohen allgemeinen Wohlstand aufrecht zu erhalten bzw. zu erzeugen, überwiegen alle Ängste und stellen jedwedes demgegenüber kritische Wissen auf ein Abstellgleis. Dies gerade bei den Armen, denn deren geringer Wohlstand würde so wie unsere Welt nunmal funktioniert so oder so als erstes dran glauben müssen.

    Ganz abgesehen davon ist das alles aber ein Minderheitenproblem. Der Mehrheit der Menschen findet bedenkenlosen Konsum „leider geil“. Abschmelzende Gletscher sind da keine Menschheitsprobleme, sondern tolle Action mit dem richtigen Spritzer Weltuntergangsgrusel.

  21. Ich bin beileibe kein Skeptiker aber was zum Geier bitte ist der Sinn dieses Artikels?

    Was interessiert es mich, dass der Gletscher nunmehr komplett abschmilzen wird? Was hat sich an der derzeitigen Situation geändert? Schmilzt er schneller? Nein! Also was soll dieser Griff in die schlimmstmögliche Rhetorikkiste?

    Im Jahr 3000 ist also Hamburg unter Wasser. Was hat das für Auswirkungen auf mein Leben? Genau. Gar keine.

    Es ist kein Wunder dass die Gesellschaft diese Artikel ignoriert und verlacht, stehen da dich im Endeffekt Leute mit „Das Ende ist nahe“* Schildern

    * (innerhalb der nächsten tausend Jahre)

    Das ist komplett sinnfrei. In 5 Milliarden Jahren explodiert die Sonne. Was tun wir bitte dagegen? *kraisch*

    Elende Panikmache für Dinge, die nach unser aller Tod eintreten werden…

    • Wenn man Ihren Kommentar auf einen Nenner reduziert, ergibt sich kurz und bündig der folgende Sinnspruch: „Nach mir die Sintflut!“

      PS: Der in Gang gekommene Abschmelzprozess und damit verbunden der Meeresspiegelanstieg wird bereits Ende dieses Jahrhundert signifikante Auswirkungen auf viele Küstenregionen haben. Haben Sie den Artikel in allen Einzelheiten gelesen?

      • Ich versuch ihnen das mal plastisch zu vermitteln: alle Zeit nach einem Tod ist ein Zeitpunkt. Ob am Ende diesen Jahrhunderts etwas ganz ganz fieses eintritt oder in 5 Mrd. Jahren die Sonne explodiert ist für mich als Individuum insignifikant.

        Gegenfrage: haben Sie meinen Kommentar komplett gelesen? Ich habe gesagt, dass ich kein Skeptiker bin. Ich bin komplett davon überzeugt, dass der Text stimmt. Meine Kritik richtet sich dahin, dass man mit diesem Text keinen Skeptiker überzeugen wird. Er ist von vorne bis hinten komplett „preachy“ und „Is preaching to the choir“. Niemand, der am Klimawandel zweifelt, wird sein Verhalten jetzt ändern. Denn der Text sagt, dass der Vorgang eh nicht mehr aufzuhalten ist. Es ist der denkbar schlechteste Ansatz, irgendwen von einer Änderung seines Verhaltens zu überzeugen und selbst wenn er überzeugt würde, dass der Text stimmt (wie gesagt: ich glaube dem Text) ist die einzige Reaktion „ok dann kann ich es jetzt eh nicht mehr ändern“. Das ist komplett sinnfrei. Ich kann diesen Text niemandem geben der am Klimawandel zweifelt weil die einzig mögliche Reaktion das weitere Leugnen ist, weil die Person es nicht wahr haben will, oder die Einsicht, dass es jetzt eh zu spät ist.

        Das war mein Kommentar. Aber es ist ja klar dass man sich lieber an anderen Menschen abarbeitet von wegen „selbstsüchtig“ oder weiter unten „dumm“ etc. pp.

        • Ihr Vergleich mit der Sonne hinkt auf mehreren (Logik-)Ebenen. Sicher wird die Sonne in 5 bis 6 Milliarden Jahren „explodieren“ (genauer gesagt wird sie sich vom Roten Riesen in einen Weißen Zwerg verwandeln). Abgesehen davon dürfte die Erde schon einige Milliarden Jahre vorher ein ziemlich unwirtlicher Ort sein, auf dem kein höheres Leben mehr möglich ist. Es handelt sich hierbei um einen determinierten kosmischen Prozess, der im gesamten bekannten Universum stets nach dem selben Schema abläuft.

          Hingegen ist die aktuelle globale Erwärmung ein durch die Menschheit initiierter Vorgang, der erst am Anfang seiner Entwicklung steht und dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Es gibt etliche Szenarien, die in Abhängigkeit vom künftigen Emissionsgrad an Treibhausgasen die Klimaentwicklung inkl. der ökologischen Folgen für die nächsten Jahrhunderte anhand von Wahrscheinlichkeitskorridoren darstellen. Wichtig in dem Zusammenhang ist jedoch die Erkenntnis, dass HIER UND HEUTE die Grundlagen für das gelegt werden, was in der Zukunft geschehen wird. Mit anderen Worten: Die Menschheit kann selbst bestimmen, wohin die Reise geht, und je länger sie zögert und zaudert, um so beschwerlicher und kostspieliger wird diese Reise.

          Was diesen Punkt betrifft, bin ich nicht gerade von überströmendem Optimismus beseelt. Einige Prozesse wie der hier geschilderte Kollaps des Westantarktischen Eisschildes haben bereits begonnen und sind bestenfalls innerhalb geologischer Zeiträume reversibel. Aber Klima ist ein vernetztes System, in dem gewissermaßen ein Rädchen ins andere greift. Es geht also nicht nur um das Abschmelzen einzelner Eismassen, sondern auch um die Erwärmung der Atmosphäre, um den drohenden Meerespiegelanstieg, um die zunehmende Versauerung der Ozeane, die rapide steigende Freisetzung von Methan, um mögliches Extremwetter mit Überschwemmungen und Dürrekatastophen, das alles verbunden mit Rückkopplungsmechnismen, deren Ausmaß und Wirkung derzeit kaum abzuschätzen sind.

          Wer heute 20 bis 30 Jahre alt ist, hat gute Chancen, in der 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts die ersten wirklich signifikanten Auswirkungen des Klimawandels hautnah mitzuerleben. Hier in Mitteleuropa wahrscheinlich noch in sehr milder und abgeschwächter Form, aber Mitteleuropa ist bekanntlich nur ein kleiner Teil der Welt und schon längst nicht mehr deren Nabel. Man kann sich natürlich entspannt zurücklehnen und darauf warten, bis man das Zeitliche gesegnet hat. Andererseits könnte man sich auch bewusst machen, dass die globale Erwärmung kein höheres Schicksal ist, das man mit fatalistischem Schulterzucken akzeptieren muss. Auch wenn man als Einzelner wenig tun kann – jede Gesellschaft besteht aus vielen Einzelnen. Und wenn sich diese vielen Einzelnen zu einem Konsens zusammenraufen und diesen Konsens auf die politische und wirtschaftliche Ebene transportieren, besteht nach wie vor die Möglichkeit des Gegensteuerns. Der Zwang zum Handeln wird eines Tages auf jeden Fall eintreten – nur könnte es dann möglicherweise schon zu spät sein.

          PS: Was bei dieser Diskussion bisher kaum erwähnt wurde, ist ein völlig altmodischer und wirtschaftlich irrelevanter Punkt, den ich – zumindest für mich selbst – nicht beseite schieben möchte. Nämlich dass es eine Art von ethischer Verpflichtung geben könnte, die Erde unseren Nachkommen und den folgenden Generationen als lebenswerten Ort zu erhalten.

    • New Orleans wird schon etwas früher versenkt, vielleicht noch in diesem Jahrhundert. Ein erhöhter Meeresspiegel erhöht auch deutlich das Risiko von Sturmfluten.

      Ja, die Egoisten von heute können mit Zeitspannen in der Zukunft nichts anfangen. Zum historischen Vergleich: Der Markusdom in Venedig wurde im 11. Jh. errichtet, er ist 900 Jahre.

      Der Meeresspiegelanstieg ist nur eine Folge der Klimaerwärmung, es gibt noch viele andere, kaum eine ist gemütlich.

    • Verantwortung. Zukünftige Generationen.
      Was daran hast Du nicht verstanden, Sebastian?

      Ach so, für Dich selbst schließt du Kinder aus, nicht wahr? Und andere sollten auch keine bekommen?

      On topic: ein Zeithorizont, der weiter geht als zwei bis drei Legislaturperioden ist a) nicht vermittelbar und b) für die meisten Wissenschaften tatsächlich nicht sehr präzise modellierbar.

      Ausgerechnet globale Klimamodelle (wie so viele Modelle in den Geowissenschaften…) sind da mit ziemlicher Sicherheit eine Ausnahme, aber wie soll man das vermitteln?

      Wenn jemand schon damit überfordert ist, ein Konfidenzintervall auch nur *wahrzunehmen*, geschweige denn es in einem Medienbeitrag vernünftig zu vermitteln – wie weit ist’s dann mit der sog. Wissensgesellschaft?

      • Hm ich mag mich irren aber am egoistischsten ist meiner Ansicht nach, Kinder in die Welt zu setzen.

        Was bringen mir Kinder außer ein Bedürfnis zu befriedigen? Ich finde umgekehrt wir dein Schuh draus – als sachlicher, umweltbewusster Mensch verzichte ich bewusst auf eine Fortpflanzung. Jedes weitere Kind verbraucht Ressourcen und sorgt damit für die Beschleunigung des Klimawandels.

        So oder so haben Sie meinen Kommentar überhaupt nicht verstanden. Ich habe darauf hingedeutet, dass mit solchen Texten wie diesem hier NIEMAND dazu gebracht wird, sein Verhalten zu ändern, da im Prinzip da steht: der Gletscher schmilzt jetzt und egal was wir machen, wir können es nicht mehr aufhalten. Und ausgerechnet an so einen Text wird dann die übliche Dampfplauderei angeschlossen, mit der man NIEMANDEN zu einer Verhaltensänderung animiert.

        Aber wem sag ich das – Sie sind ja offensichtlich der Ansicht, dass Kinder bekommen schon ok ist, und dass ich doch bitte irgendwie egoistisch bin, warum auch immer…

        Aber das ist halt typisch Klimawandel „Ich hab Recht“ler. Alles worum’s geht ist, anderen zu erzählen „Du hast Unrecht, ich hab Recht, und Du musst jetzt Dein Verhalten ändern“. Was der andere gesagt hat ist dabei komplett nebensächlich. Weil man hat ja Recht. Warum also anhand des Gesagten argumentieren.

        • Sie sollten Ihre Gedanken präziser und weniger polemisch formulieren, dann versteht man Sie auch besser. Sie werfen Klimatologen eine falsche Kommunikationsstrategie vor und machen es doch noch schlimmer, wenn Sie einem gesellschaftlich engagierten Klimaforscher vorwerfen einen „komplett sinnfreien“ Text zu schreiben.
          Jaja, Werbefachleute und Kommunikationsspezialisten sagen gerne, man müsse das Thema der Energiewende und großen Transformation mit einer „positiven Erzählung“ verbinden. Aber alle diese Klimaskeptiker halten sich ja für superschlau und würden beleidigt sein, wenn man nicht mit „Argumenten“ käme und würden eine „positive Erzählung“ sofort als Propaganda brandmarken.
          Aber vielleicht haben Sie auch einen konstruktiven Beitrag zur Debatte zu leisten?
          Wie macht man es denn richtig?

    • Sebastian, ich gebe Ihnen einfach recht. Die Klimapanik wird von Menschen vertreten, die ich mal „Statiker“ nennen möchte. Da es uns trotz allem wissenschaftlichem Fortschritt nicht gegeben ist weiter als sagen wir mal 2-3 Jahre in die Zukunft zu schauen, neigen wir Menschen dazu, die Ist-Situation zu extrapolieren. Uns ist es nicht gegeben, die Folgen unseres Handelns im positiven oder negativen Sinne tatsächlich langfristig voraus zu sehen. Jedoch genau das wird versucht. Gleichzeitig extrapoliert der „Statiker“ den Ist-Zustand und kann sich eine positive Anpassung nicht vorstelleni: wie schrecklich, wenn sich die Küstenlinien um 50km ins Landesinnere verschieben in den nächsten 300-1000 Jahren.

      Würde der Mensch die Auswirkungen seines Handelns komplex berücksichtigen können, wären wir immer noch auf einem Niveau, wie vor 5.000 Jahren und eventuell alle glücklich und zufrieden (OK möglicherweise 6,7Mrd. weniger Individuen aber ansonsten).
      Eine über Jahrzehnte hinausgehende Folgenbetrachtung hat sich in der bisherigen Evolution des Menschen bisher nicht als notwendig erwiesen. Das Individuum Mensch und die daraus entstehende sozialen Gruppen (Familien, Horden, Dörfer, Städte, Nationen etc.) sind gerade wegen der extremen Anpassungsfähigkeit an sich schnell und extrem ändernde äußere Umstände im Durchschnitt der menschlichen Geschichte sehr erfolgreich. Katastrophen für eine Gruppe (z.B. Hinwegraffen der indigenen Urbevölkerung Amerikas durch eingeschleppte Krankheiten) führten am Ende ebenso zu keinen, für die Spezies negativen Verwerfungen wie Dürrekatastrophen oder große Ernteausfälle. Gleiches gilt für die bisherigen großen Kriege der Primatenunterart Homo sapiens sapiensis. Auch an einen Klimawandel, an die deutliche Verringerung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, an die Verschiebungen der Küstenlinien, an die digitale Verblödung etc.pp. wird sich die Art Mensch anpassen.
      Teilweise plagen wir uns schon jetzt mit den aus den zu großen Teilen selbstverursachten Änderungen des Umfeldes resultierenden Problemen, teilweise dürfen dass unsere Enkel und Urenkel künftig tun.
      Die Menschheit wird deswegen nicht aussterben – sie wird sich soziokulturell und möglicherweise auch genetisch ändern. Eventuell reduziert sich die Bevölkerungszahl drastisch, möglicherweise wird es Verteilungskämpfe, Kriege und Revolutionen geben. Vielleicht gibt es eine natürliche Umwelt dann gar nicht mehr (schon jetzt gibt es sie eigentlich nicht mehr). Aber der Mensch an sich wird weiter da sein.

      Allerdings gibt es 2 Szenarien, die meines Erachtens tatsächlich bedenkenswert sind – die nukleare Katastrophe und die Cyborg-Entwicklung. Das Stundenereignis Nuklearkrieg und die eher langfristige, aber als immer wahrscheinlicher anzusehende Entwicklung sich selbst reproduzierender halbkünstlicher Geschöpfe durch den Menschen haben durchaus das Potenzial den Fortbestand der Spezies Mensch zu gefährden.
      Auf die Abwehr dieser Gefahren sollten sich die Bemühungen konzentrieren und nicht auf einen Jahrhunderte andauernden Wandlungsprozess.

      Ich teile daher Ihre Auffassung bezüglich des Klimawandels – NO PANIC

    • @Sebastian:

      einerseits ist diese Entwicklung ein weiterer Beweis für die globale Eräwrmung (der Verweis auf die Bemerkung 2005 im Spiegel nimmt ja darauf Bezug) und andererseits geht es um die Erkenntnis, dass die Menschheit in der Lage ist nachhaltigen Einfluss auf klimatische Prozesse zu nehmen – und zwar in positiver als auch negativer Hinsicht (man denke nur an das alte Skeptiker Argument, dass die Menschen das Klima nicht beeinflussen können).

      Unabhängig davon, ist es ein Warnzeichen dafür, dass sich die Prozesse aufgrund des in Bezug auf die Erdgeschichte unvergleichlichen Tempos der Erwärmung möglicherweise schneller entwickeln und wir vielleicht Phänomene beobachten werden, die in der Vergangenheit noch nicht in dieser Form, Schnelligkeit oder Stärke aufgetreten sind.

      Der Punkt dabei: das kann ohne weiteres noch zu ihren Lebzeiten eine Rolle spielen (ich gehe angesichts ihrer Haltung mal davon aus, dass Sie noch jung sind).

  22. @ Sebastian

    Die Geschichte der Menschheit erstreckt sich über 15 Millionen Jahre, 2 Millionen davon auf die Linie unserer Abstammung.

    Auf Ihr Leben haben die Konsequenzen des Klimawandels (vielleicht) keine Auswirkungen. Auf die der Nachgeborenen aber schon. Deshalb ist Ihr Beitrag an Dummheit kaum zu überbieten. Dafür geben Sie aber ein wahrlich gutes Beispiel dafür ab, warum unsere Welt ist wie sie ist.

  23. Ich kann mich noch daran erinnern, sehr wissenschaftliche Berichte zum Thema „saurer Regen“ in den 80ern gelesen zu haben, die fundiert belegten, dass wir bis zum Jahr 2000 keine Blatt mehr an einem Baum haben würden. Es gab plausible Forschungsergebnissen zum Thema Ozonschwund, die Horrorszenarien bzgl. UV-Belastungen malten; auch hier sollte der Umkehrpunkt bereits erreicht sein und der Zerfall bestenfalls noch verlangsamt werden können. Alles wohl widerlegt. Nicht falsch verstehen, ich finde es richtig und wichtig, zu warnen und Theorien aufzustellen, aber jeder, der schon etwas länger auf dieser Welt verweilt, hat schon so oft erlebt, dass Wissenschaftler sich irren. Warum sollten sie es diesmal nicht wieder tun, also „leb'“ ich doch lieber. Ich ertappe mich so oft selbst dabei, dass ich so denke….

    • Wegen des sauren Regens wurden Kraftwerkabgase entschwefelt, der Ozonabbau wurde durch das FCKW-Verbot (Montreal Protokoll und Nachfolgeabkommen) gestoppt. Das sind Beispiele erfolgreicher Umweltpolitik, denen wir auch beim Treibhausgasproblem folgen sollten.

      • Bezüglich der neuartigen Waldschäden gab es AFAIR keineswegs einen Konsens. Noch nicht mal in Deutschland. Die Freiburger sahen (z.B.) die Sache doch deutlich anders wie die Göttinger. Und in den USA herrschte AFAIR nicht viel mehr Einigkeit, als darüber, DASS es neuartige Waldschäden gab.

  24. @ Stefan Rahmstorf

    Warum werden Warnungen der Wissenschaft vor derart schwerwiegenden Bedrohungen jahrzehntelang kaum ernst genommen, bis es zu spät ist?

    Die Frage ist doch ganz leicht zu beantworten: Weil die Öffentlichkeit dazu erst verstehen muß, warum CO2 das Hauptproblem ist. Solange es keine einfach verständliche Erklärung gibt, wird sich exakt NICHTS ändern.

    Daß kluge Wissenschaftler diesen einfach Punkt nicht begreifen, wundert mich seit 25 Jahren.

    • Diese verständliche Erklärung gibt es ja spätestens seit John Tyndall im Jahre 1859 („The atmosphere admits of the entrance of solar heat, but checks its exit; and the result is a tendency to accumulate heat at the surface of the planet.“)
      Von mir etwas ausführlicher auch im Kinderbuch: Wolken, Wind & Wetter.

      • Ich glaube, Sie unterschätzen das Vermittlungsproblem auf dramatische Weise. Und ich glaube, das ist genau der Grund, warum die Klimaforschung heute dieses Glaubwürdigkeitsproblem hat.

    • Es gibt neben zahllosen Fachstudien zu Treibhauseffekt, Globaler Erwärmung und Ozeanographie (inzwischen weit über 100.000 Paper) auch viele, relativ einfach zu verstehende Publikationen, die sich an eine breite Leserschaft wenden (wie zum Beispiel dieser Blog).

      Zuverlässige Informationen über diesen Themenbereich sind wirklich nicht schwer zu finden, setzen aber voraus, dass das Interesse des Einzelnen über die oft unzuverlässigen und unergiebigen „Infoschnipsel“ der Tages- und Wochenpresse hinausreicht. Alternativ dazu bietet Wikipedia ein breites Spektrum, das alle Bereiche der Klimatologie berührt und im Allgemeinen verständlich schildert.

      Empfehlen kann ich zum Beispiel diesen Artikel:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsgeschichte_des_Klimawandels

      Daraus geht unter anderem hervor, dass – wie Herr Rahmstorf bereits anmerkte – eine Vielzahl von Erkenntnissen zum Klimawandel bereits seit Jahrzehnten bekannt ist.

      • @ Reinhard Koehrer

        Das ist doch Wunschdenken.

        Tatsächlich ist den allermeisten Leuten überhaupt nicht klar, worin die Verbindung zwischen z.B. der Benutzung ihres Autos und den alltäglichen Klimakatastrophen-Prognosen besteht.

        Die Bereitschaft zur Verhaltensänderung ist doch da, wie wir aus anderen Umweltbereichen ja wissen. Die Menschen wollen bloß eine Begründung, die sie schlüssig finden.

        Daß manche Klimaforscher (zu) kräftig an der Katastrophenschraube gedreht haben, macht die Argumentationsarbeit natürlich nicht einfacher. Je größer die prognostizierte Katastrophe, desto besser und plausibler muß ja die Begründung sein.

        So einfach bzw. schwer ist das.

    • Die Frage ist doch ganz leicht zu beantworten: Weil die Öffentlichkeit dazu erst verstehen muß, warum CO2 das Hauptproblem ist. Solange es keine einfach verständliche Erklärung gibt, wird sich exakt NICHTS ändern.

      Daß kluge Wissenschaftler diesen einfach Punkt nicht begreifen, wundert mich seit 25 Jahren.

      Also ich wurde 1991 in Brandenburg eingeschult und wir haben in der Grundschule den Treibhauseffekt ausführlich behandelt. Und wie das meiste von dem, was ich in der Grundschule gelernt habe, so dicht war der Stoff ja nicht gepackt, habe ich mir das weitestgehend behalten. Es ist nicht so, dass die Öffentlichkeit das warum nicht verstanden hätte, sie verdrängt es einfach; pure Ignoranz. Wer lesen und schreiben, die Taxonomie der Wirbeltiere und Agggregatzustände von Wasser einigermaßen vollständig aufzählen, den Zauberlehrling/Erlkönig etc. rezitieren und den Hüftaufschwung kann, der kann auch nicht behaupten nichts vom Treibhauseffekt zu wissen.

  25. Schön, dass sie die Abwiegler kritisieren, aber wenn daneben eine Greenwashing-Werbung von RWE angezeigt wird kann man das ganze halt leider nicht ernstnehmen.

    Es bleibt dann nur hängen, wenn soger Menschen wie Sie, die sich um das Klima sorgen für RWE werben, dann kann das was sie machen ja nicht so schlimm sein.

    • Ich werbe nicht für RWE! Unser Blog wird vom Spektrum-Verlag gehostet, leider haben die Blogger dort keinen Einfluss darauf, welche Werbung geschaltet wird – das ist auch nicht anders, als wenn ich z.B. einen Artikel im gedruckten Spektrum-Heft oder bei einer Tageszeitung schreibe.

    • Ich finde es ja grundsätzlich nicht schlecht, wenn das Geschriebene unabhängig von der Werbung ist.

      Ich stimme aber zu, dass in diesem Fall RWE-Werbung unangebracht ist und auch nicht bei diesem Artikel geschaltet werden sollte.

      Ganz allgemein würde ich trotzdem widersprechen. Denn zuende gedacht kann das nur heißen, dass wer Werbung schaltet nicht mehr systemkritisch schreiben darf, oder wer systemkritisch schreibt, nicht mehr werben darf.

  26. @ Emanuel

    Eine Berechnung des CO2-Ausstoßes Pro-Kopf ergibt keinen Sinn?
    Es sieht so aus, als ob Sie ihren Denkfehler (meine „Ammenmärchen“) erkannt haben und jetzt zurückrudern.
    Ja, zufällig liegen West-China und das industrialisierte Küstengebiet Chinas mit hohem CO2-Ausstoß in einem Staat und die armen Chinesen wollen es auch einmal besser haben.
    Wir leben alle in einer Welt und fast alle wollen früher oder später auch so schön reich leben wie wir in den Industrienationen, einige Berg- und Urwaldstämme vielleicht ausgenommen.
    Die Industrienationen haben das Problem in die Welt gebracht, deswegen sollten sie auch bei der Lösung vorangehen. Ohne China geht es natürlich auch nicht, aber es wird nicht freiwillig nur zugunsten unseres Wohlstands auf seinen Wohlstand verzichten.

  27. Gesetzt die These vom „Kipppunkt“ stimmt, gesetzt die These vom „menschengemachten Klimawandel“ stimmt, gesetzt die These würde stimmen, dass unser weiteres Handeln den Fortgang dieses Klimawandels in die eine oder andere Richtung beeinflussen kann, dann stellt sich die Frage:

    „WIE soll die „Menschheit“ handeln? WAS ist zu tun?“

    Festzustellen ist: An einer Verringerung der Treibhausgasemissionen besteht kein Interesse. Ein solches Bestreben würde (zumindest meiner bescheidenen Kenntnisse nach) voraussetzen, dass auf wirtschaftliches Wachstum verzichtet werden müsste, sogar ein Rückgang anzustreben ist und zusätzlich auch noch eine Umverteilung der Güter durchzusetzen wäre. Das wird nicht erfolgen, denn damit wäre die gesamte Wirtschaftsordnung in Frage gestellt.

    Dann gibt es ja noch die „Effizienzreligion“, die uns weismachen möchte, dass durch Effizienzsteigerungen der Nutzung der Energieträger und durch Nutzung von „nichtfossilen“ Energieträgern der Klimawandel mindestens verlangsamt werden kann. Das alles bei unveränderten Wirtschafts- und Finanzsystemen, bei Weiterführung einer Wachstumswirtschaft. Großer Vorreiter der Effizienzprediger ist nach eigenem Selbstverständnis Deutschland. Immerhin, durch Verlagerung von Produktionsprozessen ins Ausland und einer tatsächlich geringfügig effizienteren Primärenergienutzung stimmen die Zahlen weitgehend, wobei eine Stagnation der Absenkung zu verzeichnen ist. Das Ziel von 750 Megatonnen CO2-Äquivalent bis 2020 dürfen wir selbst bei stagnierendem Wirtschaftswachstum abschreiben. Hinsichtlich des weltweiten CO2-Ausstoßes von ca. 34.000 Megatonnen wären die angestrebten 250 Megatonnen „Einsparung“ ohnehin ein Witz.

    Aber, und das hört man immer lauter, wir haben noch einen Trumpf im Ärmel: „wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt“.
    Das Zauberwort heißt GEO-ENGINEERING.
    Ein bißchen SO2 in die Stratosphäre, oder wie wäre es mit Sonnensegeln im Weltraum zur Verschattung oder nette großflächige Spiegel am Boden oder Nanopartikel in die oberen Atmospärenschichten verbringen. Die Ideen sind vielfältig.
    Und was wirklich TOLL am Geoengineering ist: alle können weitermachen wie gehabt. Mit den Nebenwirkungen beschäftigen wir uns später.

    Meinen Sie so etwas, Herr Ramstorf, wenn Sie zum Handeln auffordern? Etwas anderes kann ja eigentlich nicht mehr gemeint sein, denn den Ruf nach Verringerung der CO2-Emissionen vernimmt man seitens der Klimaforschung (der Politik sowieso) immer seltener. Mit Geoengineering lässt sich deutlich mehr verdienen – vor allem mit dem nachfolgenden Kampf gegen unerwünschte Nebenwirkungen.

    Vielleicht erübrigt sich das Problem Klimawandel auch durch den Zusammenbruch des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems, massive tektonische Ereignisse oder einen netten nuklearen Winter – an erst- und letztgenannten Ereignissen arbeiten unsere Weltoberen massiv und durchaus nachhaltig – also: NO PANIC

    • GeoEngeneering? Ist das ein Witz? Wir (also nicht wir sondern, die die Sintflut dann haben) bekämpfen irgendwann die Symptome unseres Handelns. Nur um danach die Symptome unserer Symptombekämpfung zu bekämpfen. usw. usf.
      Schon mal was von „never touch a running system“ gehört? Das gilt auch für das System Erde.

      • Nein- das ist kein Witz. Ganz im Gegenteil – nicht einflusslose Lobbyorganistaionen und große Konzerne einschließlich der entsprechend gebrieften Politiker setzen sich intensiv mit den Möglichkeiten des Geoengineering zum Klima“schutz“ auseinander. Herr Ramstorf wird, wenn nicht schon erfolgt, in wenigen Jahren sicher auch ein Verfechter des Geoengineerings sein, weil mit der CO2-Reduzierung wird das nichts.
        Im kleinen Maßstab realisieren wir Klimaschutzgeoengineering schon heute: z.B. Kalken der Wälder und Binnengewässer, Auslegen reflektierender Planen auf Skiabfahrten, Silberiodid-Ionen für sonnige und SMOG-frei Olympiaden.

        Seit mindestens 7.000 Jahren betreibt der Mensch Geoengineering. Mit der neuen Form, und sie wird kommen, verschieben sich lediglich die Systemgrenzen von mehreren tausend Quadratkilometern ins Globale. Nichts anderes als wirtschaftlich und kulturell eh schon passiert. Auch hier setzen wir uns ja mit den Folgen erst im Nachgang auseinander.

        Alles ganz normal – also NO PANIC.

      • @E.Teufel
        Zitat: „Schon mal was von „never touch a running system“ gehört? Das gilt auch für das System Erde.“
        Dazu ist es zu spät. Das System Erde hat die Spezies Mensch schon jetzt so nachhaltig verändert, dass von „running system“ wohl kaum noch die Rede sein kann.

    • „Ein solches Bestreben würde (zumindest meiner bescheidenen Kenntnisse nach) voraussetzen, dass auf wirtschaftliches Wachstum verzichtet werden müsste, sogar ein Rückgang anzustreben ist und zusätzlich auch noch eine Umverteilung der Güter durchzusetzen wäre. Das wird nicht erfolgen, denn damit wäre die gesamte Wirtschaftsordnung in Frage gestellt.“
      Angenommen ich sage ihnen nun das sie mit dieser These falsch liegen. Was machen sie dann? Wieso soll es Wachstum kosten, wenn man anstrebt die CO² Emissionen zu senken?
      Ich wäre für EIN gutes praktisches Beispiel dankbar, an dem ich Ihnen dann Erleutern kann, wo ihr ökonomischer Denkfehler liegt.
      Grundsätzlich kann ich ihnen schon mal folgendes sagen. Kapital verbrennt nicht einfach so.
      Angenommen ich habe eine Firma die entsetzlich viel Dreck produziert. Jetzt kommt der Gesetzgeber und verpflichtet mich diesem Umstand ein Ende zu setzen. Die Folge ist, dass ich investieren muss.
      Vereinfacht ausgedrückt, irgendeine andere Firma muss mir helfen den Dreck den meine Firma produziert zu reduzieren. Das Geld wandert also lediglich von einer Firma zur anderen.

      Es mag für jede Firma eine betriebswirtschaftliche Belastung sein, ich kann ihnen aber versichern, dass es keine ökonomische Belastung der Menschheit als Ganzes gäbe und das es auch keine Nebenwirkungen auf die gesamte Wirtschaftsleistung unseres Planeten hätte.
      Die einzige Frage die man klären müsste ist, wie man eher strukturschwachen Ländern und den dort ansässigen Firmen entgegen kommt, damit diese die nötigen Investitionen tätigen.

      Aber ich warte auf ihre Antwort.

      MfG

      • @M.Groenwald
        wahrscheinlich bewegen wir uns hier im falschen Forum, was wirtschaftliche Fragen angeht. Eine komplexe Betrachtung sprengt mit Sicherheit den Rahmen jeglicher Foren. Trotzdem kurz meine Antwort:

        Wachstum ist eine simple Angelegenheit. Wachstum gibt es immer dann, wenn das Kreditvolumen wächst und eine Akkumulation der Zinsbeträge bei den Gläubigern realisiert werden kann. Kein Wachstum ist bei stagnierendem Kreditvolumen zu verzeichnen. Das so lustig bezeichnete „Negativwachstum“ gibt es immer dann, wenn die Akkumulation der Zinsen bei den Gläubigern nicht mehr erfolgt und/ oder das Kreditvolumen sinkt. Das heißt Wachstum ist im Kapitalismus allein und ausschließlich eine Geldangelegenheit und hat im Prinzip nichts mit Güterproduktion oder Dienstleistungen zu tun. Wie das Kreditrad am Laufen gehalten wird, ist völlig egal.

        Von Ihnen wird vorgeschlagen staatlicherseits Zwang auf Unternehmen auszuüben, um Umweltschutzziele zu erreichen. Das funktioniert im Einzelfall vielleicht, generell jedoch nicht. Staatlicher Zwang kann schlussendlich immer nur auf das einzelne Individuum, gern als „Endverbraucher“ bezeichnet, ausgeübt werden, auch wenn es sich häufig anders liest. Nur der Endverbraucher kann entscheiden für ein Produkt (mehr) Geld auszugeben oder zu verzichten oder er kann zum Ausgeben gezwungen werden.

        Zu Ihrem Beispiel: von Ihnen vorgeschlagen wird ein „erzwungenes Wachstum durch Moderniserung“ in einer begrenzten Volkswirtschaft. Durch äußeren Zwang wird, wie bei jedem Wachstum, unter Zunahme des Kreditvolumens Wachstum generiert. Die Bedienung der Kreditlinien und Zinsen obliegt dem Endverbraucher, da dieser das teurere Produkt dann kauft oder über Abgaben – z.B. EEG, zur Bedienung der Kreditlinie gezwungen wird. Diese Art von Wachstumspolitik wird in der EU seit ca. 20 Jahren verfolgt. In der EU müssten eigentlich seit 20 Jahren jährliche Zuwachsraten von mind. 5% zu verzeichnen sein, wenn es nicht Mittel und Wege gäbe, den von Ihnen vorgeschlagenen Zwang zu umgehen: Produktionsverlagerungen oder Zukauf des produzierten Produktes.

        Das „Dreckschleuderproblem“ wird einfach in andere Weltgegenden verlagert. Der Umbau zu einer „Dienstleistungsgesellschaft“ oder besser „Konsumentengesellschaft“ ist die Folge. Damit ist global betrachtet das Umweltproblem nicht gelöst worden. National sind wir jedoch auf dem Papier ein Stückchen umweltfreundlicher. Allein darauf beruht m.E. auch die „Saubermann“-Statistik Deutschlands.

        Also wenn, dann bringt staatlicher Zwang nur global Sinn. Die globale Lösung ist jedoch nicht in Sicht (siehe Kyoto).
        Das wiederum hängt zum einen mit den großen Unterschieden des Lebensstandards in den einzelnen Weltgegenden, zum anderen mit der Hegemonialmacht (ich persönlich sehe eher eine Imperialmacht) der USA zusammen. Da kaum zu erwarten ist, dass Länder mit Nachholbedarf im materiellen Lebensstandard darauf verzichten werden, sich an den materiell reichern Gesellschaften zu orientieren, ist selbst bei Optimierung von allen möglichen umweltbelastenden Prozessen kaum eine rückläufige Belastung zu erwarten. Die einzige Alternative wäre eine Absenkung des Orientierungsniveaus – im Klartext, die materiell reichen Gesellschaften müssten „negativ“ wachsen und zwar mindestens in dem Maße, wie die Gesellschaften mit materiellem Nacholbedarf „positiv“ wachsen. Daraus wird jedoch nichts. Kapitalismus kann zwar kurzzeitig auch funktionieren, wenn es global betrachtet Null-Wachstum, also keeine Zunahme des Kreditvolumens jedoch eine Bedienung der Zinslinien, gibt. Allerdings stehen einer Verschiebung der Gläubigerstrukturen hin zu anderen Mächten und einem negeativen Wachstum in den entwickelten Staaten ganz primitive nationale Ängste entgegen. Ein Zusammenbruch der Dienstleistungswirtschaften in der westlichen Welt würde nicht mehr händelbare soziale Spannnungen auslösen.

        Derzeit ist, am Rande gesagt, allein schon durch die Zunahme der Weltbevölkerung garantiert, dass das System weiter funktioniert. Interessant wird es in 20-30 Jahren, wenn das Bevölkerungswachstum zum Erliegen kommt. Das allerdings wäre dann zu spät.

        Mit dem Wachstumssystem grundsätzlich vereinbar und auch global umsetzbar wäre Geo-Engineering zum Klimaschutz. Das liegt daran, dass örtlich begrenzte Maßnahmen erfolgen (staat 100 Millionen Unternehmen zu reglementieren werden einfach 1000 Sonnensegel installiert). Treibende Kraft werden die USA sein. Zu erwarten wären dann deutliche Wachstumsschübe. Beginn der Maßnahmen ist schätzungsweise in 15-20 Jahren – das Know How dürfte dann vorhanden sein. Die Beschaffung des notwendigen Kapitals kann problemlos umgesetzt werden (Geld genug ist vorhanden), da die Bedienung der Kreditlinie und vor allem der Zinsen durch Abgabenerhebungen beim Endverbraucher erfolgt. Hierbei ist es zunächst irrelevant, ob sich alle Staaten daran beteiligen. Wahrscheinlich jedoch werden Geoengineering-Maßnahmen unter „Federführung“ der USA und Androhung von (nicht offensichtlichen) Sanktionen durchgesetzt werden. Voilà, das Klima wird „geschützt“, das System läuft weiter. NO PANIC!

        • Auch wenn ihre Antwort eine Erwiderung ist, ist ihre Erwiderung leider keine Antwort auf meine Frage. Sie unterstellten in ihrem vorherigen Kommentar, das bei einer Weltweiten Co² Reduktion das Wachstum gehemmt werden würde. Ich bat um ein konkretes praktisches Beispiel. Dieses haben sie nicht geliefert.

          Ihre Antwort ist Phasenweise(!) fachlich zwar durchaus korrekt, zeugt aber vom mangelhaften Verständnis wie Ökonomie funktioniert. Das kann man sich an diesem Ort auch schwerlich erwarten und sie haben auch recht das man hier keine Fachdiskussionen über Wirtschaftsfragen führen kann.
          Aber genau deshalb bat ich auch um ein konkretes Beispiel ihrerseits.

          Das Problem. Ich habe keine Lust alles was sie geschrieben haben zu korrigieren Das würde in einem Aufsatz ausarten. Ich zeige ihnen aber anhand von zwei Beispielen ihre Denkfehler auf und hoffe das sie mir dann ein konkretes Beispiel nennen können, warum eine CO² Reduktion dem weltweiten Wirtschaftswachstum schadet.

          „Das heißt Wachstum ist im Kapitalismus allein und ausschließlich eine Geldangelegenheit und hat im Prinzip nichts mit Güterproduktion oder Dienstleistungen zu tun.“

          Haben sie mal darüber nachgedacht wann das Kreditvolumen wächst und eine Akkumulation der Zinsbeträge bei den Gläubigern realisiert werden kann? Das sollten sie. Der Mechanismus das Wachstum auslöst ist die steigende Nachfrage nach Gütern oder Dienstleistungen.
          Ich bin mir sicher das sie das wussten, aber warum machen sie es sich und mir so schwer und erklären unser Währungs- und Wirtschaftssystem wenn sie doch nur zum Ausdruck bringen wollen, das steigende Nachfrage in Verbindung mit der Bereitschaft neue Schulden aufzunehmen zu mehr Wachstum führt?
          Deshalb hat die Güterproduktion und steigende Produktivität durchaus etwas mit Wachstum zu tun. Denn die produzierten Güter bestimmen schließlich die Nachfrage nach Kapital. Wird mehr produziert als konsumiert wird, sinkt der Wert der Güter und steigt der Wert des Geldes. Wird weniger produziert logischerweise anderes herum. Das ganze hat dann einen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Nur ein Beispiel

          Was sie (vermutlich) meinten ist die Tatsache, das produzierte Güter und erbrachte Dienstleistungen die reale monetäre Leistungsbilanz unsere Wirtschaft nicht verändern.

          Jetzt kommt aber die Preisfrage. Worin besteht der Unterschied zwischen eine gesteigerten Nachfrage die vom Staat „künstlich“ induziert wird, zwischen der Nachfrage „ihrer“ Endverbaucher/Konsumenten? Sie schreiben ja selber „Wie das Kreditrad am Laufen gehalten wird, ist völlig egal.“

          Wenn der Staat z.B. entscheidet, das Katalysatoren in PKW´s Pflicht sind, dann wird der Endverbraucher darauf mit Nachfrage nach PKW´s mit Katalysatoren reagieren. Zwangsläufig steigt dabei zwar der Preis für einen PKW, allerdings lehrt uns die Saldenmechanik das die Summe aller Ausgaben genauso groß ist wie die Summe aller Einnahmen.
          Mit der Entscheidung das Katalysatoren in PKW´s Pflicht sind, hat der Staat einen neuen Markt geschaffen. Dort werden Menschen beschäftigt, die Katalysatoren entwickeln, bauen und vertreiben. Das Geld das Endverbraucher für Produkte investieren müssen, landet schlussendlich auch wieder beim Endverbraucher. In Form von Gehältern, anderen Produkten / Dienstleistungen oder Steuereinnahmen Das ganze ist ein Wirtschaftskreislauf. Während das Produkt oder die Dienstleistung also irgendwann einen Endverbraucher findet, verschwindet das dafür aufgewendete Kapital nicht einfach so. (oder haben sie mal einen Friseur gesehen, der nach getaner Arbeit das eingenommene Geld mit den Haaren auf einen Haufen legt und verbrennt?)

          Der Staat, der im übrigen auch ein Wirtschaftssubjekt und Endverbraucher ist, hat eine wesentlich komplexere Rolle in der Ökonomie, als sie sich vorstellen.
          Nehmen wir mal ein einfaches Beispiel Thalidomid, das als Contergan zu trauriger Berühmtheit gelangte.
          Das Mittel musste aus logischen Gründen verboten werden. Das hatte negative betriebswirtschaftliche Folgen, aber volkswirtschaftlich (natürlich sind die ethischen Gründe dafür eindeutig stärker zu gewichten) war das die einzig richtige Entscheidung.
          Ähnlich ist das auch im Falle von Umwelt fragen. Auch wenn bestimmte Maßnahmen des Staates betriebswirtschaftliche Belastungen mit sich bringen, so können sie Volkswirtschaftlich von Vorteil sein.
          Hinzu kommt, das Geld der Menschen (also deren Wirtschaftsleistung), das vorher in das Medikament mit dem Wirkstoff Thalidomid floss, danach woanders „investiert“ wurde. Etwa ein ähnliches Medikament oder Gute Nacht Tee. Die Einbußen der Firma Grünenthal, bedeuteten mehr zur Verfügung stehendes Kapital der ehemaligen Endverbraucher des Produktes, das sie dann anderweitig in den Markt investieren konnten.

          Ich vertrete die Ansicht, das eine Wirtschaft die ihren CO² Ausstoß reduziert, weltweit zu mehr Wachstum führt. Einzelne Wirtschaftssubjekte werden zwar darunter zu leiden haben, aber eben nicht die Weltwirtschaft an sich.
          Im Gegenzug wird die Weltwirtschaft leiden, wenn eben nichts getan wird um den CO² Ausstoß zu senken.
          Denn der Verlust von Ackerfläche, Lebensraum und anderen wirtschaftlichen Ressourcen die man benötigt um Güter zu produzieren oder schlicht um darauf zu Leben, hätte tatsächliche wirtschaftliche Konsequenzen

          Wenn weltweit in diesem Zusammenhang die gleichen Standards gelten würden, gäbe es keine Belastung einzelner Wirtschaftssubjekte aufgrund ihres Standortes. Ihr Argument ist daher Fehlerhaft. Ein gutes Beispiel ist hier das Verbot von FKCW. Es bietet produktionstechnische Vorteile. Weil diese aber keiner nutzen kann, wird auch niemand bevorzugt oder benachteiligt.

          Das ist ein sehr allgemeines Beispiel. Aber ich wollte ja auch ursprünglich das sie mir ein konkretes praktisches Beispiel liefern, warum eine CO² Reduktion die Weltwirtschaft ausbremsen würde. Ich hoffe ich kann sie mit diesem Beitrag genau dazu provozieren.

          „Das „Dreckschleuderproblem“ wird einfach in andere Weltgegenden verlagert. Der Umbau zu einer „Dienstleistungsgesellschaft“ oder besser „Konsumentengesellschaft“ ist die Folge. Damit ist global betrachtet das Umweltproblem nicht gelöst worden. National sind wir jedoch auf dem Papier ein Stückchen umweltfreundlicher. Allein darauf beruht m.E. auch die „Saubermann“-Statistik Deutschlands.“

          Hier haben sie recht. Was meinen sie welchen ÖKONMISCHEN schaden es anrichtet, wenn (als Beispiel) der ganze produzierte Dreck in die Lungen chinesischer Arbeiter gelangt?

          Der Wachstum des BIP ist im Grunde nur eine statistische Größe, die viele „schäden“ die das Wachstum anrichtet, gar nicht berücksichtigt. Die kranken Arbeiter benötigen dann z.B. medizinische Versorgung, die ironischerweise ins Wachstum mit einfließt. Allerdings wird durch das BIP keine Leistungsbillanz gezogen, die erleutert wie groß das Wachstum gewesen wäre, wenn eben diese kranken Arbeiter nicht durch Krankheit ausgefallen wären. So hat man keine Vergleichgröße und kann den tatsächlichen ökonomischen Schaden nicht ausmachen.

          „Derzeit ist, am Rande gesagt, allein schon durch die Zunahme der Weltbevölkerung garantiert, dass das System weiter funktioniert.“

          Bevölkerungswachstum ist für das Wirtschaftswachstum weit weniger interesant als sie denken. Wirklich entscheidend ist die Produktivität. Die reine Menge an „Endverbrauchern“, sagt bedauerlicherweise nichts über ihre Wirtschaftskraft aus.

          MfG

          PS Ich möchte nochmal betonen, das es hier nur um ökonomische Sachfragen ging. Ich würde es liebend gerne sehen, wenn Menschen weniger nach ihrem wirtschaftlichen Wert beurteilt werden würden, was leider der Fall ist.
          Der Text ist keine VWL Arbeit und sollte bitte nur mit vorsicht interpretiert werden, da aufgrund dem drang sich kurz fassen zu wollen viele recht allgemeine Aussagen enthalten sind. Bei Einzelheiten und Fragen werde ich auch gerne präziser.

          Die Antwort ist leider insgesamt etwas länger ausgefallen als geplant. Sorry Herr Rahmstorf. Kann mir vorstellen sie haben besseres zu tun, als unendlich lange Texte zu moderieren.

  28. Also, solange keine konkreten Vorschläge gemacht werden, was nun zu tun ist, bleibt das eine reine Debatte unter Wissenschaftlern, die es schwer hat, sich in die tatsächlich benötigten politschen Abhilfeszenarien umzusetzen. Und diese (schmerzhaften) Abhilfevorschläge müssen mit einer optimistischen Perspektive verbunden werden, um Mehrheiten zu finden.

    Was China angeht, so gehe ich davon aus, dass es dort bald wirksame Maßnahmen geben wird – die Luft zum Atmen in den Ballungszentren wird bekanntlich knapp. Auch kann man sicherlich nicht das gegenwärtige Bevölkerungswachstun einfach so fortschreiben. Dem aktuellen Spiegel 37/2014 (p. 57) entnehme ich (Hans Rosling), dass die Zahl der Kinder pro Frau von 5 Kindern im Durchschnitt (1965) auf 2,5 (heute) gesunken ist (Tendenz wahrscheinlich weiter fallend aufgrund Aufstiegs von immer mehr Menschen in die Mittelschicht, allerdings wohl mit höherem per capita Verbrauch). Also, verloren ist die Partie noch längst nicht.

    Was mich allerdings sehr stört, ist die gegenwärtige sog. Energiewende in Deutschland. Kernkraftwerke (praktisch CO2-frei) werden abgeschaltet, dafür brummen die Braunkohlekraftwerke. Ich vermisse bei den (wohl grün sozialisierten) Klimaforschern ein Plädoyer pro Kernkraft. Das ist für mich zumindest zutiefst unglaubwürdig und ideologisch motiviert.

  29. Wachstum wird oft einseitig als quantitatives Wachstum betrachtet. Ein Gegenbeispiel ist der PC. Der ist immer leistungsfähiger geworden und seine Größe geschrumpft.

    Ohne Verstand und kurzfristiges Denken erscheint auch mir eine Änderung unmöglich. Auch quantitatives Wachstum dürfte mit Sachverstand unvermeidlich sein. Nur wenige Menschen werden bereit sein ihren Wohlstand zu reduzieren oder die Menschen in Entwicklungsländern werden kaum bereit sein immer rückständig zu bleiben oder das man die einen zwingt Däumchen zu drehen und andere zu unnötig langen Arbeitszeiten zwingt.

    Aber wie gesagt das unvermeidliche quantitative Wachstum muß durch qualitatives Wachstum kompensiert werden.

    MfG

    • guter Ansatz,

      aber offensichtlich läuft es ganz anderes.

      Die sich entwickelnden Regionen werden natürlich niemals auf günstige (einfache) Ressourcen verzichten und wir brauchen auf einmal 1000 mal so viel Fläche für die Produktion von Strom, wie mit herkömmlichen Kernkraftwerken.

      Das haben sie mit qualitativem Wachstum wohl kaum gemeint.

    • @Ebel
      Ihr Vergleich hinkt. Auch beim PC ist bisher lediglich ein quantitatives Wachstum festzustellen: die annähernd exponentielle Zuanhme der Schaltkreise. Was Sie meinen ist, dass diese Schaltkreise immer weniger Raum benötigen. Das ändert jedoch nicht die Art des Wachstums.

      Ansonsten gilt: so lange das postulierte „qualitative Wachstum“ nicht in Dollar umzurechnen ist, so lange ist es völlig belanglos. Qualitatives Wachstum ist nur dann interessant, wenn seine Auswirkungen quantitaives Wachstum auf den Geldbeutel der so gern genannten „Investoren“ hat.
      Qualitatives Wachstum wäre z.B. 2 h weniger Arbeitzeit pro Tag für jeden arbeitenden Menschen auf der Erde bei gleichbleibendem Konsum. Allerdings ist die positive Auswirkung auf die Schatullen der „Investoren“ nicht zu erkennen. Daher wird es ein solches Wachstum nicht geben. „Qualitatives Wachstum“ geht meines Erachtens immer mit quantitativer Schrumpfung einher – ist also undenkbar im bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystem.

      • „quantitatives Wachstum auf den Geldbeutel der so gern genannten „Investoren“ hat.“

        Welche Auswirkungen was hat, hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedigungen hab. Diese hat der Staat zu setzen. Deswegen z.B. die Emissionszertifikate – die allerdings bisher so getrickt waren, daß der erwartete Erfolg kaum eingetreten ist (was allerdings bei den gesetzten Bedingungen kaum zu erwarten war.)

        Ein anderes Beispiel ist die Arbeitslosigkeit. Mit den jetzigen wirtschaftlichen Randbedingungen ist es für den Unternehmer (und für den Beschäftigten) in der Regel attraktiver Überstunden machen zu lassen, als mehr Leute einzustellen – wovon sogar jeder einen wirtschaftlichen Schaden hat. Aber das übersieht die Mehrheit, weil Sie nur das eigene Umfeld sieht.

        Und dabei ist es ganz einfach, die Rahmenbedingungen für Vollbeschäftigung zu schaffen: Z.B. indem man die Pozente der Arbeitslosenversicherung stark abhängig von der Arbeitszeit macht. Bei geeigneten Größen ist es attraktiver mehr Leute einzustellen, als Überstunden machen zu lassen – und dabei steigt sogar der Reallohn derjenigen, die heute Überstunden machen. Es wird nämlich mehr produziert und wegen weniger Abgaben kann mehr gekauft werden.

        Ein anderes Beispiel ist Angebot und Nachfrage. Wegen geringen Einkommen kann auf dem Binnenmarkt nicht ausreichend gekauft werden – deshalb fordert sogar die Bundesbank erhebliche Lohnerhöhungen. Und mit mehr Einkommen wird mehr gekauft und es muß deshalb mehr produziert werden.

        MfG

  30. gut so!

    wenn es endlich so weit ist und „Kippunkte“ überschritten sind, dann können wir auch endlich wieder aufhören, mit Windmühlen und PV Anlagen umständlich sündteuren Strom zu erzeugen.

    Klimaschutz ade, der Zug ist abgefahren.

  31. Es ist ein wenig putzig, dass die Klimafolgen immer ans Ende dieses Jahrhunderts transponiert werden. Der Klimawandel geht bereits vor unseren Augen in einem Maße vonstatten, dass er längst Anpassungen erfordert und vielerorts Auswirkungen entfaltet, die sich zu geopolitischer Bedeutung aufschaukeln.
    Die Arbeiten des Sozialpsychologen Harald Welzers wurden bereits in einem Kommentar genannt. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Studien, die die Wechselwirkung zwischen sich verändernden klimatischen Bedingungen und lokaler gesellschaftlicher Organisation beleuchten.
    Die Folgen sind bereits jetzt gravierend! Schauen sie sich beispielsweise die Dynamik der Veränderungen in der Agrarwirtschaft an- ob im Markgräflerland bei den Winzern oder in Tansania bei Kleinbauern…..

    Die gegenwärtigen Folgen des Klimawandels werden in der politisch-gesellschaftlichen Diskussion kaum behandelt, erst recht nicht die ethischen Implikationen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass diese Veränderungen überwiegend durch den Menschen hervorgerufen wurden, als eine Art gravierender Kollateralschaden der Moderne.

    Es ist, als befänden wir uns im Ancien Regime, die Ideen und das Wissen der Aufklärung sind längst virulent, die Unhaltbarkeit des Gesellschaftsmodells evident und dennoch werden notwendige Veränderungen blockiert, weil sie die Grenzen des gesellschaftlichen Systems überschreiten. 1791 folgte der gewalttätige Kollaps des Systems.

    Wir befinden uns aber nicht im Ancien Regime, also im fortgeschrittenen Feudalismus, sondern im Spätkapitalismus. Wir alle wissen das und deswegen ist die Diskussion um den anthropogenen Klimawandel so kontrovers: Es geht um nicht weniger, als die Grundlagen unserer gegenwärtigen Existenzform.
    Die Mehrheit der Menschen in den Staaten, die den Wandel historisch zu verantworten haben, wollen sich dieser Tatsache nicht stellen. Da ist es einfacher und althergebracht, den Überbringer dieser Einsicht zu schmähen und zu beschimpfen: Die Klimawissenschaftler.

  32. Zu dem im Blogbeitrag erwähnten John Mercer und seinem nun positiv erwähnten Aufsatz gehört untrennbar auch die Rezeptionsgeschichte: als Alarmist verächtlich und lächerlich gemacht, über lange Zeit.

    Stichwort Kipp-Punkte und Systemdynamiken:

    Mir liegt das Thema Methan derzeit ziemlich nahe, insbesondere nach dem so schwachen Beitrag auf realclimate (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2014/08/how-much-methane-came-out-of-that-hole-in-siberia/), der mir zu schreierisch abwiegelnd scheint.

    Gerade die Veränderungen beim Kontinentalschelf vor Sibirien, die Prof. Shakhova seit 2010 intensiv erforscht und beobachtet, und wo in diesem Jahr wiederum deutlich erhöhte Methan-Ausgasungen beobachtet wurden, können doch Stoff für veritable Alpträume abgeben.

    Neben dem Offensichtlichen – der Treibhaus-Effekt von Methan selbst – könnten etliche Kleinigkeiten ebenfalls Wirkung hinterlassen. Ein Teil des Methans löst sich im Wasser, Reaktonsstoffe bilden sich im Wasser – wie ändern sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften wie z.B. Gefrierpunkt? Das aufsteigende Gas fördert vermutlich die Durchmischung der Wasserschichten, die Auflösung der Schmelzwasserschicht aus den sibirischen Flüssen.

    Meine Vorstellung zum Methan-Kipppunkt ist, daß lange vor der entscheidenden Klippe es möglicherweise schon nicht mehr umkehrbar den Abhang hinab geht, (metaphorisch gesprochen).

    (Ad Captcha: meine Antwort zu 6+fünf wurde nicht akzeptiert.)

  33. Das Problem ist doch, dass es sich beim Meeresspiegelanstieg um einen Prozess handelt, der sich (wie auch im Artikel erwähnt) über Jahrhunderte hinzieht. Kaum jemand, der heute lebt, empfindet das für sich als akute Bedrohung. Nicht mal für seine Kinder.

    Die Frage ist doch auch, ob sich in diesem Zeitraum nicht noch ganz andere Probleme als viel bedrohlicher herausstellen werden.

    Allein die Bevölkerung des Planeten wir sich in dieser Zeit auf wie viel erhöhen? 15 Mrd Menschen? Oder 20, 25? Diese werden kaum mehr zu ernähren sein, selbst wenn alle nur noch Körner und Salat fressen. Was bedeutet das für andere Ressourcen? Wasser allem voran? Andere Rohstoffe wie Metalle? Da wird einiges zur Neige gehen. Und wie sieht es mit dem Platzbedarf für Wohnen, Arbeiten, Versorgung aus? Die letzten naturbelassenen Gebiete werden verschwunden sein, von Artenvielfalt wird keine Rede mehr sein können.

    Und wenn man sich vor Augen führt, wie viele Sonnenstürme seit der Elektrifizierung nur knapp an uns vorbeigeschossen sind (wie im Moment wieder), kann man sich ausrechnen, wie lange es noch dauert, bis einer mal sitzt und uns ins Mittelalter zurückwirft.

    Das Klima ist nur ein Brennpunkt. Und meines Erachtens wahrlich nicht der, der für uns die größte Bedrohung darstellt.

    • Es gibt einen anti-intellektuellen Trend, der dazu führt, dass selbst Naturwissenschaftler schon verächtlich gemacht werden. Als Geisteswissenschaftler in einer durch und durch ökonomisierten Welt kenne ich dieses Phänomen schon länger. Unserem „Geschwafel“ hört man erst gar nicht mehr zu.
      Denn sonst wäre klar, dass das Problem nicht nur in den Veränderungen unserer Mitwelt besteht (steigende Meeresspiegel, Versteppung, Desertifikation, sich häufende Starkregenereignisse–> Fluten, siehe aktuell Punjab),
      sondern in der Komplexität gegenwärtiger menschlicher Gesellschaften.
      Natürlich konnten sich späteiszeitliche und mesolithische Jäger und Sammler sehr gut an die steigenden Pegel am Ende der letzten Eiszeit anpassen. Auch die mediterrane Spätbronzezeit hat klimatische Veränderungen (Löbben-Klimaschwankungen) und damit einhergehende sozio-politische Veränderungen überlebt- wenn auch mit zweihundert Jahren „Dark Ages“.

      Aber die moderne Komplexität führt zu einer Amalgamierung unterschiedlichster Krisenverläufe:
      Desertifikation in afrikanischen Länder, steigende Malariainfektionen in der Höhe, „neue“ Schädlinge in der Landwirtschaft, steigende Kosten, zunehmende Unmöglichkeit der Subsistenz–> mehr Klimaflüchtlinge, zunehmende Instabilität in Staaten vor der „großen Mauer“ (US/Euro-Grenzregime), Radikalisierung perspektivloser junger Männer (angry young men-Phänomen), asymmetrische Konflikte, failed states usw….

      Nicht zu vergessen der Kostendruck durch Anpassungsmaßnahmen in den Ländern, die sich Anpassung leisten können (Deichbauprogramme, etwa Niederlande, USA-New York….) in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation (nicht ausgestandene Euro-Krise).

      Alles das ist gegenwärtig! Der Klimawandel fungiert als Multiplikator, er verschärft unabhängig von ihm bestehende Konfliktsituationen und generiert fortlaufend neue.
      Wenn Ressourcen bereits gegenwärtig neu genutzt und neu verteilt werden müssen- etwa fruchtbares Land- dieses aber durch Desertifikation, Umweltverschmutzung, steigende Meeresspiegel (schon bei wenigen Zentimetern destruktivere Sturmfluten, Versalzung!!)
      knapper wird, was passiert dann? Die, die es sich leisten können, kaufen fruchtbares Land auf (landgrabbing), verschärfen sich diese Konflikte, kommt es zu Kriegen.

      Nicht der gestiegene Meerespiegel in hundert Jahren sollte uns Sorgen machen, sondern die Zentimeter in den nächsten Jahren, zusammen mit all den anderen Veränderungen, die uns sukzessive in immer größer werdende Konflikte führen, und zwar in den nächsten dreißig Jahren.

      • Ich würde sagen, damit haben Sie die Folgen für uns alle (und das heißt auch für die „deutsche Wirtschaft“) treffend auf den Punkt gebracht!
        Genau das ist das Problem!

  34. Warum wehren wir uns so gegen den Wandel?
    Wie der Autor gerne zitiert, hat es schon andere Zeiten auf diesem Planeten gegeben. Jedesmal wundern wir uns, wenn weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Doch verstehen – das liegt uns fern, Recht haben (bekommen) um so mehr. Dennoch leben wir auf dem, was übrig blieb.
    „Ice shelf disruption“ ist nichts neues und seit Jahrzehnten bekannt und beschrieben. Dennoch leben wir in Hamburg auch heute noch recht sicher. Der dsruption Effekt wird sich im geringen Zentimeterbereich auswirken. Bitte recherchieren / rechnen sie selber einmal nach, bevor sie ganze Städte dem Untergang weihen. Aufgrund einer Theorie ist zum Glück noch niemand gestorben. Doch das dies eintreten wird, ist sicher – handeln sie auch schon danach?
    Genießen sie ihr Leben! Der Meeresspiegel ist immer in Bewegung, zum Glück.

  35. Ich entsinne mich an eine gewisse Bonner Oberbürgermeisterin (jetzt in anderer Position für das Wohl dieser Welt tätig), die Aktivisten des Agenda-Büros empfing, sie und ihre Tätigkeit in höchsten Tönen lobte, gerade für Bonn als Mitglied im Klimabündnis, Ressourcenschonung, nachhaltige Entwicklung, usw., usf., und gleich danach, am selbem Abend, den Weihnachtsmarkt eröffnete und dabei besonders lobend hervorhob, daß durch die Unterstützung der Gewerbegemeinschaft auch dieses Jahr wieder der gesamte Innenstadtbereich mit tausenden von elektrischen Leuchtkörpern festlich illuminiert werden konnte.
    Politiker sehen darin keinen Widerspruch.

  36. Mich wundern die immer wieder gebetsmühlenartig wiederholten Meinungen, das hat es immer schon gegeben, Kalt- und Warmzeiten. Nur über die jeweiligen Folgen für unsere Tier- und Pflanzenwelt sind diese Leute offenbar nicht informiert oder zu bequem sich umfassend mit diesem Thema zu beschäftigen bevor sie sich so lässig äußern. Veränderungen die „damals“ über 10 bis 100tausende von Jahren benötigten sind jetzt in einer Menschengeneration mess- und spürbar! Dies ist für mich eine beängstigende Entwicklung, vor allem weil dieser Prozess immer schneller abläuft.
    Zum Gegensteuern hätten wir einige kurzfristige Möglichkeiten parat, z.B. den vernünftigen Ausbau des Schienennetzes um sowohl Land- als auch Wasserstraßen zu entlasten. Hier wird schon der Murks der Baustelle „Stuttgart 21“ offensichtlich. Bis diese Baustelle vollendet ist werden andere Anforderungen an den Schienenverkehr gestellt, die mit hoher Automatisierung und flexiblen Systemen Menschen und Güter befördern müssen. Auch der Rückbau unserer Feuchtgebiete mit Mooren zur Kohlenstoffsenke sind notwendig, dazu jede freie Grünfläche aufforsten, das könnten wir ohne große Einbußen unserer Bequemlichkeit leisten. Auch ein 120er Tempolimit und die Straßenzulassung von verkehrstüchtigen Tüftlerfahrzeugen mit modernster Technik sind dringend notwendig um die Autokonzerne zum schnelleren Umbau ihrer Flotten zu bewegen. Dazu braucht es jedoch eine länderübergreifende langfristige, über mehrere Jahrhunderte ausgelegte, Vorausplanung. Dies erfordert ein Umdenken unserer Amortisationsgrundsätze über Generationen hinweg.
    Ob unsere Nahrungspflanzen diesen schnellen globalen Temperaturanstieg ertragfähig aushalten bezweifle ich, vor allem auch deshalb weil sich mit höheren Temperaturen andere Gegenspieler wie Insekten, Pilze, Bakterien usw. bei uns einnisten und manchen Ertrag zunichtemachen.
    Wir müssen dringend handeln und unsere fossilen, konservierten Energieträger, dort lassen wo sie sicher gespeichert sind und dafür sorgen, dass die leichter flüchtigen Energieträger, wie Methanhydrate, nicht in die Atmosphäre gelangen.

  37. Im Video wird ganz am Anfang was von einem Anstieg von „4 feet“ durch das Abschmelzen der Westantarktis gesagt. Schlimm genug! Ich finde es etwas reisserisch von diesem Artikel, dann mit 65m anzufangen. Das verleitet dann dazu zu sagen: „Ach sooo, ist ja nur ein guter Meter“…

  38. zum p.s.:

    … und einen gewissen Herrn Rahmstorf, der ebenfalls auf diesem Blog als unermüdlicher Akteur vertreten ist.

    Was wiederum immer wieder nur erstaunlich ist.

    Da wird erwartungsgemäß (seit Jahrzehnten erwartungsgemäß!) der Artikel darüber fällig, dass einer der vielen Kipppunkte mal wieder messbar erreicht und überschritten ist (mit der in den Wissenschaften üblichen Wahrscheinlichkeitsaussage). Als Vorgang einer derjenigen, der das prinzipiell gegebene Verständnis der geologischen, glaziologischen, planetaren und physikalischen Verhältnisse der beteiligten Forschungsbereiche in den Vorjahrzehnten erneut beweist und bestätigt. Als Vorgang bestätigt die Artikelveröffentlichung die Beschreibungsfähigkeit und Projektionsvalidität der Klimawissenschaften.

    Was kommt in den Kommentaren dazu?

    Jede Menge vom Schlage „das ist alles billiger Alarmismus“ oder „heißt doch alles nix, sind doch eh alles nur unbestätigte Hypothesen“.

    Eigentlich weiß ich nicht, warum sich Fachwissenschaftler sich solcher Ignoranz aussetzen – aber ich bin dankbar dafür.

  39. @RM & andere Bevölkerungsexplosionsbefürchter:

    Die Fertilitätsrate steuert schon weltweit auf unter 2 zu – allerdings wird die verlängerte Lebenserwartung wohl zu einem Anstieg der Bevölkerung auf 11-12 Mrd. führen. Äußerst eindrücklich dargestellt in den bekannten Videos des Hr. Rosling. Hier eins nahe am Thema zum Start – ich kann mehrere anzusehen empfehlen. Ein rasches Update von 70er-80er-Jahre-Wisssen auf den heutigen Stand, meist bitter nötig. In 10 Minuten erledigt.

  40. Hut ab vor den Wissenschaftlern, die diese komplexen Zusammenhaenge rausgefunden haben. Aber kein Grund zur Sorge hier! EIn paar Hundert Jahre soll das Schmelzen ja dauern. Bis dahin haben wir ganz andere Probleme. Die Primaerenergieproduktion wird da laengst solche Aussmasse angenommen haben, dass selbst ein 30m hoeherer Meeresspiegel wie ein Luxusproblem erscheinen wird. Wieso sieht das kein Wissenschaftler und warnt? Dabei sind die Zusammenhaenge doch so einfach, dass sie ein Hauptschueler verstehen kann: Exponentialfunktion und Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik – wir wachsen uns wirtschaftlich zu Tode – und zwar schon in 200-500 Jahren!

  41. Pingback: Packt schonmal die Badehose ein. http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/westantarktis-ueberschreitet-den-kipppunkt/

  42. Alles nur Zufall?

    es könnte ja auch sein, dass einige Eisschelfe und Gletscher gerade gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine relativ große Masse erreicht haben und binnen der letzten 20 Jahre eben vermehrt bzw. verstärkt in das umgebende Meer kalbten. Verringert sich der Widerstand „vorne“, kann auch schneller Eis nachfließen. Irgendwann sitzen diese Eisströme aber wieder am Festland auf, frieren fest und das Wachsen beginnt erneut.
    Momentaufnahmen über einige Jahre sind wohl wenig hilfreich, um antarktische Trendanalysen über Jahrhunderte und länger anzustellen.
    Zudem ist überhaupt nicht klar, ob durch das möglicher Weiße etwas wärmere Tiefenwasser (veränderte Strömungsmuster) diese Prozesse in ihrem Ausmaß erklärt werden können und es ist bestenfalls spekulativ anzunehmen, anthropogene Treibhausgasemissionen wären an dieser Variabilität beteiligt.
    Hier einen irreversiblem Prozess zu sehen, halt ich für einen Modellfehler.

  43. Hier wird eine Diskussion um einen Baustein des Ganzen geführt. Da aber in vielen anderen Bereichen (z.B. Wasserbilanzen im Regenwald; reduzierende Regionen in den Ozeanen usw.) nach diversen wissenschaftlichen Berichten die „Kipppunkte“ inzwischen ebenfalls mindestens erreicht wurden, sehe ich es so: Unser Planet wird früher oder später „umkippen“ wie ein zugemüllter See. Die Frage ist eigentlich nur noch, wann …
    Als wir in der ersten Hälfte der 70’er als Teenager fragten, ob denn die Verschmutzung der Umwelt immer so weiter gehen müsse, hiess es: „das bisschen verträgt unser Planet problemlos“ …
    Schade, dass der „intelligente Mensch“ eher auf seinen gegenwärtigen Wohlstand achtet als darauf, ob seine Enkel und Urenkel noch lebensfreundliche Bedingungen vorfinden werden … das Ergebnis der Vernachlässigung unserer Umwelt beginnen wir ja jetzt immer deutlicher zu spüren … ändern aber auch gar nichts an den Ursachen …
    Der Mensch steht inzwischen auf der roten Liste und merkt es nicht mal … oder will es nicht merken … selber schuld …
    Was also ist „Intelligenz“ ???

  44. Interessantes Thema, mit einer bunten Mischung an klugen und den üblichen ignoranten Kommentaren.
    Die klügeren Kommentatoren neigen eher zur Resignation. Hoimar von Dithfurth gab seinem 1985 erschienen Buch über die sich abzeichnende Bedrohung der Menschheit durch die Vernichtung der eigenen Lebensgrundlagen den Titel:
    „So lasst uns denn eine Apfelbäumchen pflanzen.“ (Martin Luther)
    Völlig egal wie ausweglos die Lage auch erscheinen mag, es darf uns nicht daran hindern für die Zukunft zu planen.

    Immerhin sind sich die Regierungen fast aller wichtigen Nationen längst darin einig, dass es ein dringendes Problem gibt, welches sich durch zögerliches Verhalten dramatisch verschlimmern wird. Aber keiner will (oder kann) so richtig konsequent damit anfangen den CO2 Ausstoß zu verringern, Argumente dafür gibt es in Hülle und Fülle. Vor allem hat derjenige, der damit anfängt seine Infratrukturen entsprechend umzubauen, zunächst Nachteile, solange nicht genügend andere mitziehen.
    Meiner Meinung nach sind CO2 neutrale Produktions und Logistiksturturen denkbar und auch erreichbar, ohne eine objektive Einschränkung von Lebensqualität. Es müssten, was die Industrienationen angeht, „lediglich“ einige dumme Angewohnheiten abgelegt werden, welche hauptsächlich der billigen Verfügbarkeit fossiler Rohstoffe geschuldet sind. Es sieht momentan nicht so aus als ginge der Pardigmenwechsel schnell genug. Aber damit sind wir wieder beim Zitat von Martin Luther.

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  46. Wenn Eis abbricht, ist es vorher geschwommen. Was vorher schwimmt und dann taut erhöht den Meeresspiegel nicht.

    • Korrekt. Aber wenn Eisschelfe zerbrechen, beschleunigt sich die Fließgeschwindigkeit der dahinter aufgestauten Auslassgletscher, durch die Eis ins Meer fließt, dass vorher auf Land lag. Genau diese Dinge werden von den Antarktisforschern gemessen, einige der Ergebnisse sind im eingebunden NASA-Video gezeigt.

  47. Betreffend professionelle „Abwiegler“ möchte ich hier den Spielverderber geben. Ist es nicht so, dass 97% aller Klimawissenschaftler an den menschengemachten Klimawandel glauben (gerade läuft die Kampagne „97 Hours of Consensus.“) Wenn das aber so ist, muss es traurig stimmen, dass die 3% Abweichler unter den Klimawissenschaftlern soviel Aufmerksamkeit bekommen und soviel erreichen wie hier behauptet, werden sie doch für die Missachtung der Instabilität des antarktischen Eisschilds durch die Öffentlichkeit mitverantworltich gemacht. Hier im Text werden Nico Stehr und Hans von Storch als Abwiegler genannt. Doch man könnte wohl auch Judith Curry dazunehmen, vielleicht auch noch Nick Lewis (im Internet als Klimaleugner aufgelistet), den früher vielzitierten Richard Lindzen möchte ich hier gar nicht erwähnen, denn es ist recht still um ihn geworden. Wenn man genauer hinschaut fällt aber auch, dass auch Hans von Storch wohl zu den 97% der Klimawissenschaftler gehört, die an den menschengemachten Klimawandel glauben. Es scheint also nicht zu genügen zu den 97% zu gehören um einen positiven Effekt auf die Meinungsbildung zu haben.

    • ich sehe, sie haben das etwas ganz gehörig missverstanden.

      Erstens müssen sie sich mal vergegenwärtigen, was diese ominösen 97% darstellen und wie die Zahl entstanden ist. Zweitens sollten sie wissen, dass wahrscheinlich an die 100% aller Wissenschaftler der völlig berechtigten, physikalisch unwiderlegbaren Überzeugung sind, dass mehr Treibhausgase auch zu einer höheren Oberflächen Temperatur führen müssen. Da geht es nicht um „Glauben“!
      Die eigentlichen Fragen oder die unterschiedlichen Meinungen betreffen nur das Ausmaß der Erwärmung, die zeitliche Entwicklung der Selben oder auch die Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten.
      Das tatsächlich 3% oder mehr Fachleute „glauben“ würden, anthropogene THG Emissionen würden das Klima gar nicht beeinflussen, haben sie wohl auf irgendwelchen seltsamen Seiten im Internet erfahren. Das ist allerdings Quatsch.

    • Herr Holzherr,

      ich habe den Eindruck, dass Sie von der Propaganda eines harten Kerns von Klimaskeptikern nicht viel mitbekommen haben, z.B. von EIKE oder Kalte Sonne von Vahrenholt im deutschsprachigen Raum. Es geht dabei nicht um wissenschaftliche Argumente sondern nur darum, Zweifel zu säen und dafür war und ist kein Argument zu dumm. Die zahlreichen Kommentatoren und Foristen im Internet spielen die Rolle von Mulitplikatoren der Propaganda. Ich stimme Herrn Rahmstorf zu, dass deren Einfluss auf die öffentliche Meinung verheerend war und ist.Gerade in wirtschaftsnahen Kreisen sind klimaskeptische Vorurteile gängig, bieten sie doch eine Rechtfertigung für eine Hinhaltetaktik bei der Klimawende.

  48. Herr Rahmsdorf,

    welche Rückschlüsse können wir nun daraus schließen? Was genau heißt „höchstwahrscheinlich“? Was sind die Folgen für unsere Generation daraus (ich denke dabei noch nicht einmal an meine zukünftigen Kinder)? Ist dies einer der befürchteten „Kipppunkte“ für die weitere Klimaerwärmung, die wenn einmal in Gang getreten nicht mehr aufhaltbar sind? Oder betrifft es vorerst wirklich „nur“ einen nicht mehr aufzuhaltenen Meeresspiegelanstieg?

    Und warum, verdammt nochmal, erfährt man nur in Ihrem Blog davon? Das gehört auf jede Titelseite von jeder Zeitung auf der Welt und zwar über Wochen hinweg. Bis auch der letzte Mensch verstanden hat, dass gesellschaftliche Änderungen JETZT und nicht in Jahrzehnten Jahren notwendig sind!
    Oder ist nun mit Auslösung dieses Kipppunktes ohnehin alles weitere Vorgehen zwecklos?

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  51. „Der Knackpunkt: fällt der Boden unter der Aufsetzlinie landeinwärts ab, wird der Eisrückzug instabil.“
    Den Satz verstehe ich nicht. Wenn der Boden landeinwärts abfällt, also das Land zur Küste hin ansteigt, wäre der Gletscher doch eher „gefangen“ weil er nicht bergauf fließen kann?
    In dem Video geht es um Unebenheiten (Felsen, Hügelchen…?), die den Gletscher festhalten könnten, was aber offenbar nicht wirkt, das ist was anderes?

    • „Wenn der Boden landeinwärts abfällt, also das Land zur Küste hin ansteigt, „ bedeutet das eben auch, dass dieses Land unter dem Meeresspiegel liegt und dass das zudem mit der Erderwärmung wärmer werdende Meereswasser guten Zugang zum sich zurückziehenden Eis hat. Die Antarktis ist ja ein Kontinent, eine Landmasse. Doch ein grosser Teil dieses Kontinents wird durch die aufliegenden Eisdecken unter den Meeresspiegel gedrückt, was bei entsprechenden Umständen zum direkten Kontakt von Meerwasser mit dem auf der Landmasse aufliegendem Eis führen kann. Siehe dazu den Beitrag Kipppunkte in der Antarktis – wie stabil ist der antarktische Eisschild?

    • „Der Knackpunkt: fällt der Boden unter der Aufsetzlinie landeinwärts ab, wird der Eisrückzug instabil.“

      Es ist wie ein Tal oder Becken unter dem Wasser vor der Küste. Der Rückzug des Gletschers über die „Passhöhe“ ermöglicht dort, dass sich das wärmere Wasser zwischen Meeresboden und Gletscher durch stetiges Abschmelzen hineindrängt und ihn immer stärker annagt, weil es dort bergab fließt. Zu Beginn ist der Effekt gering, aber das Meerwasser wird sich immer neue und breitere Wege eröffnen und somit den Gletscher von unten angreifen.
      Würde der Meeresboden gleichmäßig zur Küste ansteigen, gäbe es diesen Effekt nicht.

    • So ein Antarktisgletscher ragt weit ins Meer hinaus, d.h. seine Zunge schwimmt auf dem Wasser. Das bewirkt, dass er bei Nachschub von hinten (also vom Ursprungsgebiet, vom Land aus) vorne abbricht und kalbt.
      Hinter diesem schwimmenden Teil liegt er auf dem Land auf und wird dadurch gebremst und gehalten.

      Im vorliegenden Fall ist aber das Land wie eine Schüssel geformt. Der Schüsselrand bildet die Küste; dahinter geht es bergab. Wenn sich nun die Aufsetzlinie in das Innere der Schüssel verlagert, dann kann das Meerwasser in die Schüssel fließen und den Gletscher von unten her schmelzen. Ein immer größerer Teil der Gletscherzunge liegt also frei schwimmend auf dem Wasser, und wird von nichts am Boden mehr gehalten.
      So wird die ganze Geschichte instabil und kann ohne weiteres ins Wasser flutschen.

      Den Vorgang konnte man bereits 2002 gut beobachten, als der Larsen B Eisschelf brach und in den Ozean trieb. Nur ist das Gebiet, das jetzt gefährdet ist, um Vieles größer alsLarsen B.

  52. „dass deren Einfluss auf die öffentliche Meinung verheerend war und ist.“
    Da bin ich mir nicht so sicher. Die einfältigen, ignoranten „Skeptiker“ mögen laut und schrill sein. Laut Umfragen sind sie jedoch eine Minderheit, die sich verstärkt in den entsprechenden Foren tummelt und sich dort gegenseitig anfeuert.
    „Gerade in wirtschaftsnahen Kreisen sind klimaskeptische Vorurteile gängig“ ….aber nicht vorherrschend, würde ich ergänzen. Vor allem müsste man differenzieren, in wieweit Skepsis dem menschengemachten Klimawandel gilt, oder ob man lediglich skeptisch ist gegenüber den politischen Massnahmen die hierzulande getroffen worden sind um vermeintlich etwas gegen den Klimawandel zu tun.
    Vielen, eigentlich rational denkenden Menschen, scheint es einfach schwer zu fallen, der beunruhigenden Wahrheit geradewegs ins Gesicht zu schauen. Neulich hatte ich ein Gespräch mit meiner naturwissenschaftlich orientierten Tante. Nachdem ich ihr auseinandergesetzt hatte, warum der Klimawandel ein dringendes Problem ist, erbleichte Sie mit den Worten: „wenn das stimmt, dann ist es aber auch schon zu spät das Schlimmste zu verhindern“ und wechselte rasch das Thema.

  53. Herr Rahmstorf, Sie stellen in dem Beitrag zu Recht die vermutlich wichtigste Frage zum Klimawandel in den Vordergrund („Warum werden Warnungen der Wissenschaft vor derart schwerwiegenden Bedrohungen jahrzehntelang kaum ernst genommen, bis es zu spät ist?“), die meines Erachtens ebenso tiefgründig wissenschaftlich bearbeitet und beantwortet werden muss wie klimatologische Fragestellungen auch. Und diese sozialwissenschaftliche/neurologische/psychologische/politikwissenschaftliche Forschung findet vornehmlich ebenso in high-impact Journals statt wie jene zu klimatologischen Fragen auch.

    Leider sind Sie hier nicht konsequent, wenn ich mir den Kommentar erlauben darf, indem Sie eher einseitig auf populärwissenschaftliche Bücher verweisen (die in der Tat auf ein wichtiges Problem, nämlich des strategischen „FUD“ und Leugnen des Klimawandels und seiner Ursachen, hinweisen), aber viele andere Faktoren menschlichen Verhaltens und politischer Entscheidungsfindung ausblenden, die mindestens ebenso gewichtig sind, um das bisherige Nicht-Handeln erklären können. Um hier nur wenige Dinge anzureißen, möchte ich v.a. folgende Forschungsthematiken nennen, die zum Erklärungsansatz der o.g. Ausgangsfrage beitragen können: Allmendedilemma und Machtungleichgewichte, Vorherrschende Markt- und Wirtschaftsideologien im Sinne von institutionellen Logiken, Husserl’s Konzept der Lebenswelten und daran anschließend Leon Festingers Theorie der Kognitiven Dissonanz. Vielversprechende und zur Erklärung hilfreiche Ergebnisse der Grundlagenforschung gibt es derzeit auch in der Hirnforschung, die immer besser verstehen lassen, wie Belohnungssysteme eine Rolle im individuellen und damit auch kollektiven Verhalten spielen.

    Die Lösung der Ausgangsfrage liegt also nicht einfach so auf dem Tisch (auch wenn unsere menschlichen Bäuche meinen, soziale und politische Phänomene auch so und ohne echte Forschung verstehen zu können), sondern bedarf einer interdisziplinären und methodisch wie theroetisch fundierten Forschung unter Einbeziehung aktueller Grundlagenforschung aus Neurologie, Psychologie, Sozialwissenschaften und Politikwissenschaft (bspw. in einer DFG-Forschergruppe, o.ä.). Ich wünschte, dass Klimaforschung wie Sie sich stärker dafür einsetzen würden und solche Forschergruppen initiieren würden – Sie sehen selbst, dass diese von Ihnen genannte Frage mindestens ebenso entscheidend ist, wie naturwissenschaftliche Fragestellungen zum Klimawandel.

  54. Sehr geehrter Professor Rahmstorf,

    Die Situation, wie Sie sie schildern, stellt sich in der Tat dramatisch dar. Allerdings werfen diese Forschungsergebnisse bei mir eine Reihe von Fragen auf. Warum passiert diese Entwicklung jetzt?

    Wie diese Arbeit von Mulvaney et al., die 2012 in Nature publiziert wurde zeigt, war es zumindest auf der westantarktischen Halbinsel im Zeitraum von vor 9.200 bis 2.500 Jahre vor unserer Zeit genauso warm, wenn nicht gar wärmer als heute.
    http://www.nature.com/nature/journal/v489/n7414/full/nature11391.html#author-information

    Und wie Shevenell et al. in diesem, ebenfalls in Nature veröffentlichten Artikel zeigen, lag die Wassertemperatur in der Region der Westantarktis und der westantarktischen Halbinsel im Zeitrum von etwa 12.000 bis 6.000 Jahren vor unserer Zeit sogar 2-4 °C höher als heute.
    http://www.uwpcc.washington.edu/documents/PCC/shevenellingallsnature2011.pdf

    Was hat damals die Eisschilde in der Westantarktis davon abgehalten zu schmelzen? Und welchen Beitrag leisten die aktiven Vulkane in der Westantarktis auf die Bewegung der Gletscher in der Region. Es scheint dort schließlich eine seismologisch recht aktive Gegend zu sein.
    http://www.csmonitor.com/Science/2014/0610/Subglacial-volcanoes-melting-West-Antarctic-Ice-sheet-say-scientists

    Mit freundlichen Grüßen,
    Rudolf Kipp

    • Der geothermische Wärmefluss ist in der Tat ein wichtiger Faktor, der die Fließeigenschaften des Kontinentaleises bestimmt – vereinfacht gesagt entscheidet er darüber, ob das Eis am Boden festgefroren ist oder auf einer Schmelzwasserschicht gleitet. Nun hat sich dieser Wärmefluss aber nicht verändert, kann also nicht der Grund für den aktuellen Eisrückgang in der Westantarktis sein. In dem Paper, um das es in der von Ihnen verlinkten Meldung geht, wird dies auch nicht behauptet, sondern es geht lediglich um genauere Messungen der räumlichen Heterogenität des geothermischen Wärmeflusses. Die Tatsache, dass der Westantarktische Eisschild auf Untergrund mit relativ hohem geothermischen Wärmefluss liegt, macht ihn besonders empfindlich gegenüber Klimaänderungen.

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    • Seit mehr als einem Monat keine Antwort auf diese Frage („Wie entlarvt man dies am besten als Unfug?“). Kann es sein, dass der Kalte-Sonne-Beitrag doch nicht so unsinnig ist wie pauschal vermutet?

    • Der Artikel formuliert ein Problem, dass es gar nicht gibt. „Irreversibel“ bedeutet im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer nach menschlichen Maßstäben und nicht grundsätzlich irreversibel.

      Klimaskeptiker argumentieren sehr häufig nach dem Motto, das habe es schon immer gegeben und es war schon mal viel schlimmer u.ä. Sie vergessen dabei oft, dass es zu diesen Zeit keine Menschen gab oder dass zumindest noch keine Zivilisation und eine entsprechende Menge an Menschen vorhanden war.

      Wenn man sich z.b. in Wikipedia die Informationen zur Eem Warmzeit durchliest stößt man auf folgendes:

      „Es wurde festgestellt, dass die Eem-Warmzeit durchwegs sehr stabil war. Die Sommer-Temperaturen auf der Nordhemisphäre lagen um etwa zwei Grad oberhalb des vorindustriellen Temperaturniveaus, in Grönland war es sogar um 5 °C wärmer. Der Meeresspiegel lag 4 bis 6 Meter oberhalb des heutigen Niveaus.“

      und

      „…stellte sich heraus, dass während der gesamten Warmzeit lediglich ein Teil des südgrönländischen Eisschildes abschmolz, der zentral- und nordgrönländische Eisschild hingegen trotz erhöhter Temperaturen stabil blieb.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Eem-Warmzeit#Klimaschwankungen_w.C3.A4hrend_der_Eem-Warmzeit_.E2.80.93_Erkenntnisse_aus_Eisbohrkernen

      d.h. schön dass nur ein Teil abgeschmolzen ist, aber der Meeresspiegel lag 4-6 Meter höher!

      Der Artikel blendet auch völlig aus, dass die Ursachen der Temperaturerhöhung in Warmzeiten eine andere sind als die heutige Temperaturanomalie, z.B. hier:

      „Während die Treibhausgaskonzentrationen im Eem ähnlich wie in der vorindustriellen Zeit waren, wichen die Erdbahnparameter deutlich ab. “
      „In den Kaltzeiten lag der CO2-Gehalt bei 190 ppm (heute 385 ppm)[9], in den Warmzeiten bei 280 ppm.“

      http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Eiszeitalter

  57. Gerade mal wieder ein unfreiwillig komischer Artikel von Axel Bojanowski auf SpOn zum Thema 97%, das hier ja in den letzten Tagen Thema war.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-97-prozent-konsens-bei-klimaforschern-in-der-kritik-a-992213.html

    Nachdem er die 97% inhaltlich nicht kritisieren kann, schwadroniert er darüber, das es irrelevant sei, dass es einen wissenschaftlichen Konsens darüber gibt, dass es einen anthropogenen Anteil am Klimawandel gibt.
    Dabei haben die Klimaskeptiker seit einem Jahrzehnt exakt diesen Konsens vehement bestritten.

  58. Um wieviel vergrößert sich die Meeresfläche, wenn der Spiegel um drei Meter steigt? Ein interessanter Fall von Relativität. Die Meeresfläche vergrößert sich natürlich um genau die Landfläche, die nicht mehr als drei Meter über dem heutigen Meeresspiegel liegt, von geringfügigen Änderungen des Küstenprofils (Änderungen der Strömungsverhältnisse, Kliffabbrüche,…) abgesehen. Das könnten weltweit vielleicht einige zehntausend oder auch hunderttausend Quadratkilometer sein. (Die Geographen haben die sogenannte hypsographische Kurve erstellt, an der man den genauen Wert ablesen kann.) Bezogen auf die weltweite Meeresfläche von (größenordnungsmäßig) 300 Millionen Quadratkilometern in der Tat zu vernachlässigen. Bezogen auf die Stadtfläche von Hamburg sieht die Sache schon anders aus…

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  62. Eine Lösung der heutigen Probleme wie z.B. dem Klimawandel müsste wahrscheinlich ähnlich extrem wie die in den 80ger Jahren im fernen Osten gescheiterten Versuche sein. Dafür sind die wirklichen Inhaber der Macht nicht bereit. Zu schultern wäre es ja, wenn die Reichtümer der Erde unter allen Menschen gerecht aufgeteilt würden. Nur müssten dann die heute das Sagen haben Ihren Lebensstandard drastisch senken, der Verwaltungswasserkopf trocken gelegt werden und Menschen mehr mit der Hand arbeiten. Nur wie viele 0,0% der Weltbevölkerung WOLLEN das? Wer jetzt behauptet: „Dazu müssten die bestehenden Staatsformen abgeschafft werden. Dan.2:44, 45“ bekommt morgen vielleicht Besuch vom Staatsschutz.

  63. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    herzlichen Dank für Ihre deutlichen Warnungen.

    Im Bekanntenkreis höre ich jetzt manchmal, dass glücklicherweise die Vorgänge ja nur langsam ablaufen.

    Die Tatsache, dass sich derzeit der Meeresspiegel um 1 bis 2 mm jährlich erhöht, lässt jedoch meines Erachtens überhaupt keinen Rückschluss auf die Bewegung in wenigen Jahren zu. Meine Befürchtung ist, dass es plötzlich viel schneller gehen wird.

    Halten Sie folgende Überlegung für übertrieben:

    Was derzeit beginnt, ist ein Vorgang, bei dem der Anfangszustand bekannt ist und bei dem der Endzustand (wenn sich die Erwärmung fortsetzt) sich dramatisch vom Anfangszustand unterscheiden wird, nämlich um etwa 60 Meter Meeresspiegelerhöhung.

    Ein träges System ist nicht nur in der Beharrung träge, sondern ist – wenn es einmal in Bewegung gebracht worden ist – nur noch schwer zu bremsen. Zudem ist nicht ersichtlich, durch welche Ereignisse es wieder angehalten werden soll, bevor alles Eis weggetaut ist.

    Das erste Schmelzwasser läuft nun schon lange ins Meer. Erst geht der Meeresspiegelanstieg sehr langsam. Dann fangen ganze Gletscherteile an, abzurutschen, schließlich der gesamte westantarktische Eisschild. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob einige Eisberge täglich ins Meer abbrechen, ob also die Gletscher „kalben“, oder ob der gesamte westantarktische Eisschild ins Rutschen gerät.

    Die Vorgänge laufen dann mit wachsender Geschwindigkeit ab – möglicherweise kommt es sogar zu hohen Flutwellen?

    Und schließlich ist nur noch wenig Eis vorhanden, das
    abtauen kann, wodurch das System dann möglicherweise langsam einen neuen Gleichgewichtszustand erreicht oder in ihn einschwingt.

    Mir scheint es so, als ob das träge „System“ gerade erst mit einem Einschwingvorgang in einen neuen Zustand beginnt, der nach irgendeiner nichtlinearen Funktion abläuft (Höhe des Meeresspiegels aufgetragen über der Zeit). Im einfachsten Fall handelt es sich um eine Art logistische Wachstumsfunktion, also eine Kurve von der ungefähren Form eines kursiv geschriebenen großen „S“. Ihre Steigung nimmt im Anfangszustand ständig zu.

    Wer garantiert uns, dass das Abrutschen des Eisschildes sich nicht immer weiter beschleunigt?

    Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mitteilen, ob ich Ihre Befürchtungen richtig verstanden und wiedergegeben habe.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Wolf von Fabeck

    • Weitgehend richtig (nur ohne „Flutwellen“ – jedenfalls wenn man sich eine Art Tsunami dabei vorstellt). Nur steigt der Meeresspiegel global in den letzten zwanzig Jahren schon um über 3 mm/Jahr.

  64. Gerade wird gemeldet, der IPCC-Bericht gehe von 82 cm Erhöhung des Meeresspiegels aus. Die Diskrepanz zu den vorhergesagten 3 Metern wäre also zu klären. Vielleicht durch unterschiedliche Zeithorizonte?
    Wie soll das hier prognostizierte Abschmelzen zeitlich ablaufen? Sinkt vielleicht der Meeresspiegel anfangs, wenn das Eis aufschwimmt, und steigt erst später, wenn das nachschiebende Inlandeis schmilzt? In welchen Zeitskalen?

  65. betr.: „Kalte Sonne“ und Antarktis
    Für einen Außenstehenden ist es nicht leicht, dazu etwas zu sagen, es ist rhetorisch gut verpackt: Heftige Eisrückgänge hat es früher schon gegeben, etwa im Pliozän oder im frühen Holozän (ja, ja). Da das damals zweifellos natürliche Ursachen hatte, wird es heute auch nicht anders sein (warum auch?) Zitate ohne Textzusammenhang sollen zeigen, daß der gegenwärtige Rückgang im Rahmen natürlicher Schwankungen ist (was immer man sich darunter vorzustellen hat). Medienberichte werden wieder einmal mit dem wissenschaftlichen Befund gleichgesetzt. Dazu etlicher rhetorischer Schnickschnack (was genau ist ein Kollaps?) und jede Menge zusammengerührte Meßergebnisse, die dieses oder jenes belegen (der eine sagt so, der andere so, und der Wind weht, wie er will). Von Belang allenfalls vielleicht eine Studie von Eric Steig, in der angeblich gesagt wird (es wird nur ein Bericht über die Studie zitiert, aber die Vahrenholts suchen immer nur nach dem einen Satz), daß der derzeitige Eisrückgang nicht mit Sicherheit auf das Konto der menschengemachten Erderwärmung gebucht werden kann. Es ist offenbar aussichtslos: Entweder man ist „Alarmist“ oder Kronzeuge dafür, daß es eben doch keine menschengemachte Erderwärmung gibt. Das ganze erinnert übrigens unangenehm an die nach dem gleichen Muster gestrickten Pamphlete der Kreationisten.

  66. Übrigens, das, was bereits in der Arktis und anderswo gefunden wurde, hat man nun auch in der Antarktis gefunden:

    “ Scientists Find Evidence of Active Methane Emission at Antarctic Seafloor
    During an expedition with the German research vessel Polarstern off the sub-Antarctic island of South Georgia, an international team of scientists discovered more than 130 active methane seeps at the seafloor…“

    http://subseaworldnews.com/2014/09/02/scientists-find-evidence-of-active-methane-emission-at-antarctic-seafloor/

    Das ist keine sonderlich gute Nachricht, nehme ich an…

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