Wärmster September

Laut NASA-Daten war kein September seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 global wärmer als der September 2013. Damit war dieser September wahrscheinlich sogar einer der zwei wärmsten seit mehreren Jahrtausenden, gleichauf mit dem September 2005.

Monatswerte der globalen Temperatur werden jeweils aktuell auf der NASA-Webseite publiziert. Sie beruhen auf  Messungen der Wetterstationen und der Meeresoberflächentemperaturen weltweit. Diesen Monat kam der Wert zwei Wochen verspätet wegen des von der Tea Party (dem radikalen Klimaskeptiker-Flügel der Republikaner) erzwungenen „shut-down“ der US-Regierung, der auch die NASA vorübergehend lahmgelegt hat. Die Temperaturen sind dort als Abweichung vom Mittelwert über den Zeitraum 1951-1980 angegeben. (Die Wahl der Basisperiode ist aber letztlich egal: die Kurven sehen immer gleich aus, zur Umrechung auf eine beliebige andere Basisperiode muss einfach eine Konstante addiert werden.)

Die Temperaturanomalie für September 2013 liegt bei 0,74 °C und damit gleichauf mit dem Wert des Jahres 2005. Erfahrungsgemäß kann es bei den NASA-Daten in den Folgemonaten noch kleine Veränderungen um ein oder zwei Hundertstel Grad geben, wenn noch verspätete Daten aus einigen Weltteilen eintrudeln – aber daran, dass 2005 und 2013 im Rahmen der Unsicherheiten gleichauf an der Spitze liegen wird sich nichts mehr ändern.

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Was ist besonders am Kalendermonat September? Er gehört zu den drei Monaten mit dem wenigsten „Rauschen“ (d.h. den kleinsten kurzfristigen Schwankungen) in der globalen Temperatur (neben Juni und Juli). Daher zeigt er das langfristige Klimasignal besonders deutlich und unverfälscht. Insbesondere scheint der Septemberwert wenig von El Niño beeinflusst zu sein – man sieht z.B. den Wert im Jahr 1998 mit dem Rekord-El-Niño nicht hervorstechen, und auch das jüngste El-Niño-Jahr 2010 (global das wärmste Jahr in den Jahreswerten der NASA) war im September nicht besonders warm.

In einem Paper (hier diskutiert) hatten wir das El-Niño-Signal durch eine Korrelationsanalyse aus den Jahreswerten der globalen Temperatur herauskorrigiert. Im Ergebnis sah man einen stetigen Erwärmungstrend ohne Anzeichen einer Verlangsamung oder gar „Pause“ in letzter Zeit. Ähnliches sieht man auch in den Septemberdaten, aus denen man aber El Niño dafür nicht erst herausfiltern muss, weil sie sich offenbar von Natur aus wenig um den El Niño im tropischen Pazifik scheren.

Dafür zeigen sie die Abkühlung nach dem Pinatubo-Ausbruch 1991 besonders deutlich – kein Monat war 1992 so kalt wie der September.

Demnächst hier: mehr zur globalen Temperaturentwicklung.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Stefan Rahmstorf

      Sie können sich auf dieser Webseite auch den linearen Trend anzeigen lassen, er beträgt selbst beim Start mit dem von Ihnen ausgewählten extremen El-Niño-Jahr 1998 noch + 0,07 Grad pro Dekade (im Vergleich zum Langzeittrend von 0,16 Grad pro Dekade). D.h. selbst durch Rosinenpickerei des Anfangsjahres bekommen Sie die Erwärmung nicht weg, sie wird nur geringer – was sich aber voll im Rahmen der stets vorhandenen natürlichen Schwankungen bewegt.

      Wenn es Ihnen um die Maxima geht und nicht den Trend: die wärmsten Jahre seit 1880 waren:
      2010 +0,67 Grad
      2005 +0,66 Grad
      1998 +0,61 Grad

      Stefan Rahmstorf

    • Hier einmal frisch auf den Tisch eine ansonsten nicht verfügbare Visualisierung aus dem Hause Webbaer:
      -> http://img689.imageshack.us/img689/3839/6v2t.jpg ((C) Dr. Webbaer, GISS-Daten, NASA)

      Korrekt ist, dass sich seit 1998 noch ein Erwärmungstrend von ca. +0,6 C feststellen lässt, korrekt auch, dass dieser Trend zwischen 2001 und dem Jetzt bei ca. 0,0 C liegt.

      Die hauptsächliche Erwärmung der terrestrischen Oberflächentemperaturen kam zwischen 1973 und 1998, der gesamte Erwärmungstrend für den vom GISS bereit gestellten Zeitraum (1880/01 bis 2013/07) liegt bei ca. +0,85 C oder bei ca. +0,065 C / Dekade.

      MFG
      Dr. W

  1. Der Sepember 2013 war also ungefähr gleich warm wie der des Jahres 2005. Das passt gut dazu, dass die Temperaturen in den letzten Jahren mindestens nicht gesunken und insgesamt in den letzten 15 Jahren nur wenig angestiegen sind.
    Eine Zeitlang dachte ich, die abgebildete Temperaturkurve 1880 bis 2013 sei vollkommen verstanden inklusive des Erwärmungsstillstands von den 1940ern bis 1975. Das wurde bis vor kurzem noch mit den dannzumal hohen Aerosolemissionen erklärt. Heute scheint es aber eher so, dass man weder den heuigen Erwärmungshiatus noch den damaligen Erwärmungshiatus vollkommen versteht. Die naheliegendste Erkärung liegt wohl in der natürlichen Klimavariabilität, die grösser scheint als bisher angenommen. Wann und wie häufig El-Nino/La-Nina Ereignisse stattfinden oder auch langfristige Zyklen wie AMO und PDO scheinen das Klima doch stärker zu beeinflussen als bisher angenommen. Vielleicht ist sogar der Zeitraum von 30 Jahren, ab dem man Änderungen des Klimas eindeutig feststellen könne, zu kurz gewählt.

    • Stefan Rahmstorf

      Lieber Herr Holzherr, wie kommen Sie denn darauf, dass die natürlichen Klimavariabilität grösser scheint als bisher angenommen? Dagegen spricht:
      – Die Modelle reproduzieren auch das Plateau von den 1940ern bis in die 1970er als Folge der bekannten Antriebe, siehe IPCC SPM Abb. 6.
      – Die natürlichen Schwankungen in der lange bekannten Größe – insbesondere El Niño – reichen aus, um den langsameren Temperaturanstieg seit 1998 zu erklären, wie wir in Foster&Rahmstorf (2011) gezeigt haben. Dazu sind keine „größeren Schwankungen als bislang angenommen“ notwendig.

      Stefan Rahmstorf

  2. Es ist doch kaum umstritten, dass über das letzte Jahrhundert eine deutliche Temperaturzunahme gemessen wurde und wir zuletzt die wärmste Dekade erlebt haben. Selbst bei weiter unveränderten Temperaturen führt auf diesem Niveau natürliches Rauschen dazu, dass auch nächstes Jahr mit eine Wahrscheinlichkeit von ca. 50% ein wärmster Monat auftritt.
    Es ist auch kaum umstritten, dass trotz explodierender Strompreise die CO2-Emissionen kaum abnehmen werden. Es ist deshalb auch mit weiteren Temperaturerhöhungen zu rechnen. Umstritten ist nur die Hypothese, dass die CO2-Sensitivität von ca. 1 Grad durch feedbacks um das Dreifache verstärkt wird. Für diese Verstärkungen gibt es kaum empirische Belege. Die Aussagekraft von Modellierungen zu dieser Hypothese ist durch die Klimapause der letzten 15 Jahre zumindest fraglich geworden.

  3. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Ich bin verärgert über Ihren Beitrag, weil dieser an Unsachlichkeit kaum zu überbieten ist.

    Einserseits wurde die Haushaltssperre der USA nicht von Klimaskeptikern, sondern von Gegnern des „Obama Care“ initiiert (welche Einstellung diese Politiker gegenüber dem Klimawandel haben, spielt überhaupt keine Rolle), andererseits weil Sie sich wieder einmal sehr einseitig nur auf eine einzige Temperaturreihe stützen, deren Daten mittlerweile zweifelhaft sind.
    Gerade Sie als Wissenschaftler sollten, wenn Sie denn glaubwürdig bleiben wollen, weniger tendenziöse Artikel verfassen und mehr Hintergrundinformationen parat haben und diese auch vermerken. (Schließlich sind es auch meine Steuergelder, die sich auf Ihrem monatlichen Einkommensbescheid zeigen, da sollte man auch Entsprechendes von Ihnen erwarten dürfen, selbst wenn Sie hier nur in Ihrer Freizeit Ihr Wissen dem geneigten Publikum zur Verfügung stellen, wofür ich im übrigen sehr dankbar bin.)
    Beispielsweise wäre es eine Erwähnung wert, dass die GISS-Daten für den Monat September über ein Zehntel (0,13 bis 0,15K) in der Anomalie von den anderen Instituten (HadCRUT und NOAA) abweichen. Das sind keine Peanuts und die Unterschiede sind nicht nachvollziehbar. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass für die drei großen Institute MetOffice (HadCRUT), NOAA (NCDC) und GISS nahezu identische Rohdaten als Grundlage dienen, muss die Frage erlaubt sein, was da gerechnet wird. Eine Extrapolation von Messtationen auf einen Radius, welcher der Entfernung Berlin – Kiew entspricht, scheint offensichtlich alles andere als vertretbar.
    Auch zu vermerken ist, dass das MetOffice und die NOAA für das Jahr 2012 nahezu die gleiche absolute globale Durchschnittstemperatur angeben (14,45°C bzw. 14,47°C), während die NASA (GISS) hier ca. eineinhalb Zehntel darüber liegt: 14,6°C – und das, obwohl -wie bereits erwähnt- die Rohdatenbasis nahezu identisch ist (hier kann die Argumentation der Extrapolation auf 1200km Radius keine Rolle spielen, da es sich um die Absoluttemperatur handelt und nicht um Anomalien).

    Die Zahlenwerte für 2012 zum Nachlesen:
    MetOffice: http://www.metoffice.gov.uk/news/releases/archive/2012/global-temperatures-2012
    NOAA: http://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/2012/13#gtemp
    GISS: http://www.nasa.gov/topics/earth/features/2012-temps.html

    Ich möchte Sie darum bitten, bei derartigen Informationen sachlicher zu werden, sonst offenbaren Sie Ihren Kritikern immer neue Angriffspunkte.
    Danke.

  4. Wenn die aktuelle Erwärmungspause tatsächlich mit der verstärkten Wärmeaufnahme der Ozeane zu tun hat würde mich mal interessieren warum dann die Tropenstürme nicht zunehmen? Auch müsste es wegen der zusätzlichen Verdunstung vermehrte Regenfälle geben. Auch davon habe ich noch nichts gehört.

    Wie passt das zusammen?

    • Stefan Rahmstorf

      Die Ozeane nehmen dann verstärkt Wärme auf, wenn ihre Oberflächer eher kühl ist, und sie geben Wärme ab, wenn sie warm ist. Eine stärkere Verdunstung wäre also Teil einer stärkeren Wärmeabgabe der Ozeane, nicht Wärmeaufnahme. Ebenso gilt das für Tropenstürme, deren Energiequelle ja hauptsächlich die Verdunstungswärme ist.

      • Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

        wenn Wasser verdunstet muss den Ozeanen aus der Umgebung, also z.B. aus der Luft, Energie zugeführt werden, oder das Wasser bringt die zum Verdunsten erforderliche Energie selbst auf und kühlt sich dabei ab. Der letztere Vorgang wird damit erklärt, dass Teilchen aus dem hochenergetischen Ende der Geschwindigkeitsverteilung die Flüssigkeit verlassen, wodurch deren Temperatur abnimmt. Er widerspricht nicht dem 2. Hauptsatz, denn die Gesamt-Entropie des Systems Ozean-Umgebung nimmt zu.
        Leider sehe ich keine Übereinstimmung dieser thermodynamischen Grundlagen mit Ihren Ausführungen. Verdunstungswärme wird z.B. frei, also an die Umgebung abgegeben, wenn Wasser kondensiert und nicht umgekehrt!

        Mit freundlichen Grüßen

        Wolfhard Herzog

        • Stefan Rahmstorf

          Wo sehen Sie da den Widerspruch? Wenn die Meeresoberfläche sich erwärmt, dann geht die Verdunstungsrate nach oben (können Sie auch im Topf Wasser auf dem Herd beobachten). Die stärkere Verdunstung ist einer der wichtigsten Mechanismen, durch den ein wärmerer Ozean Wärme an die Luft abgibt. Diese Wärme wird bei der Kondensation wieder frei, z.B. bei der Wolkenbildung in einem Tropensturm, und bildet die wichtigste Energiequelle dieser Stürme.

          • Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
            vielen Dank für die Ergänzung. Leider konnte ich Ihrer Antwort an Herrn Binikowski nicht entnehmen, dass Sie die Kondensation bei der Wolkenbildung meinen. Der Kontext war ja die Meeresoberfläche, wo es natürlich neben Verdunstung und auch zur Kondensation kommt. Gegen die ergänzende Klärung habe ich tatsächlich keine Einwände.

            Mit freundlichen Grüßen

            Wolfhard Herzog

      • Zu diesem Thema fand ich auch Ihren Artikel „Beam me up, Scotty“ (August 2013) sehr interessant. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat ja die erhoehte Waermeaufnahme der Ozeane in den letzten ~ 10 Jahren mit dem vermehrten Waermeabfluss in tiefere Meeresschichten zu tun. Sprich, die aufgenommene Waerme blieb nicht an der Oberflaeche wo waermeres Wasser verdunsten haette koennen. Das leuchtet mir ein und ist vielleicht auch eine hilfreiche Zusatzerklaerung zur Antwort auf Jochen Binikowskis Frage, es sei denn ich verwurschtl hier die beruehmten Aepfel und Birnen. Was mir weniger einleuchtet: – dass sich auch die Erwaermung der oberen Schichten ueber den Zeitraum 1980 ~ 2000 nicht zu erhoehter Verdunstung etc gefuehrt hat. (Oder hat’s das eh?) What am I missing here?

    • Der Super-Taifun Haiyan, der momentan über die Philipienen fegt, wäre hierzu durchaus ein angebrachtes Beispiel. Er ist der stärkste Sturm, der jemals über Festland gemessen wurde.

  5. Zur „aktuellen Erwärmungspause“:

    Nach Presseberichten veröffentlicht „Nature Geoscience“ heute eine Studie über den Einfluß der FCKW auf die atmosphärische Strahlungsbilanz. Sie kommt zum Ergebnis, daß die vieldiskutierte „Erwärmungspause“ auf die Reduzierung der FCKW- Konzentration in der Hochatmosphäre während der letzten Jahrzehnte zurückzuführen ist. Die FCKW sind ja hochwirksame Treibhausgase.
    Wie ist die Meinung der Fachwelt dazu?
    Inwieweit muß in der atmosphärischen Energiebilanz auch die Absorption und Streuung der primären solaren Strahlung (im sichtbaren und UV- Bereich) durch die FCKW berücksichtigt werden? Diese Vorgänge könnten ja die von der Sonne stammenden Strahlung dämmen.

  6. Zum von Thomas K. genannten Beitrag im „WZ-Forum“:
    Bei der ersten vom Autor beigegebenen Graphik ist nicht ersichtlich, was die am linken Rand stehende Skala mit Werten von 10 bis 70 bedeuten soll. Die ganze Graphik ist damit wertlos. Bei der zweiten Graphik ist (wunschgemäß) ein steiler Abfall nach 2008 zu erkennen. Aber am linken Rand sieht man als Einheitenangabe „K/Jahrhundert“. Es handelt sich also nicht, wie ein flüchtiger oder naiver Betrachter glauben könnten (soll?), um Temperaturangaben, sondern um die Rate des Temperaturanstiegs! Und der bewegt sich „in letzter Zeit“ — seit etwa 1980 — konsequent zwischen etwa ein und zwei Kelvin/Jahrhundert, mit einigen Ausreißern nach beiden Seiten. Daß der Temperaturanstieg aufgehört habe, läßt sich damit wohl kaum belegen, eher schon die manipulative Verwendung von Graphiken von interessierter Seite.

  7. Ich bezweifle schlichtweg, dass man die Septembertemperaturen seit mehreren Jahrtausenden so genau kennt, um eine solche Aussage auch nur im Entferntesten zu rechtfertigen. Dazwischen gab es zudem mehrere Warmzeiten, die zu höhreren Septembertemperaturen geführt haben müssten.

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