Tropensturm Yasi vor Queensland

Nachdem Queensland im vergangenen Monat erst von verheerenden Überschwemmungen und dann noch von dem kleineren Tropensturm Anthony getroffen wurde, bewegt sich derzeit ein Monstersturm auf die Küste zu: Zyklon Yasi, ein Tropensturm der stärksten Kategorie 5. Das Bild zeigt den vorhergesagten Pfad des Sturms (Updates dieser Grafik gibt es beim Bureau of Meteorology).

Die NASA bietet eine Themenseite mit Satellitenbildern dazu, und hier ist eine Satelliten-Animation. Das australische Bureau of Meteorology warnt, der Sturm werde "wahrscheinlich lebensbedrohlicher als irgendeiner zuvor seit Generationen".

Der Sturm hat sich innert 24 Stunden von Kategorie 3 auf Kategorie 5 verstärkt, seit er über das besonders warme Wasser der Coral Sea gewandert ist – warmes Meerwasser ist die Energiequelle von Tropenstürmen. In diesem Jahr sind die Meerestemperaturen besonders hoch. Ein Indikator dafür sind die letzten verfügbaren Monatswerte vom Dezember, die die nächste Grafik zeigt.

Man sieht deutlich den Erwärmungstrend von 0,8ºC (linearer Trend seit dem Jahr 1900), was gerade auch der mittleren globalen Erwärmung in diesem Zeitraum entspricht. Im Dezember 2010 gab es die drittwärmsten Meerestemperaturen in der Coral Sea, hinter dem Dezember 2008 und Dezember 2005. Eine Zunahme der Stärke von Tropenstürmen durch die anthropogene globale Erwärmung wurde im letzten IPCC-Bericht vorhergesagt:

Based on a range of models, it is likely that future tropical cyclones (typhoons and hurricanes) will become more intense, with larger peak wind speeds and more heavy precipitation associated with ongoing increases of tropical sea surface temperatures.

[Summary for Policy Makers, Seite 15.]

Dass es nun zu einem solchen Monstersturm kommt ist – wie so oft bei Extremereignissen – ein Zusammenspiel der allmählichen Klimaveränderung mit natürlichen Schwankungen: das alle paar Jahre auftretende Klimaphänomen La Niña erhöht in Australien die Wahrscheinlichkeit von schweren Tropenstürmen.

Wir denken an die Menschen an der Küste von Queensland und hoffen, dass sie den Sturm einigermaßen gut überstehen.

Update: Ein australischer Kollege hat mich noch auf eine aktuellere Karte der Meeresoberflächentemperaturen im Januar hingewiesen, die zeigt, dass die Wärmeanomalie in der Coral Sea auch im Januar weiter andauerte. Noch relevanter als die Temperaturen direkt an der Oberfläche sind aber die Temperaturen in den oberen hundert oder zweihundert Metern; das ist das Wärmereservoir, auf das ein Tropensturm zugreift, da er die Wassersäule durch die starken Winde vertikal durchmischt. Eine aktuelle Karte für die obersten 150 Meter vom 1. Februar zeigt ebenfalls entlang der Zugbahn von Yasi durchwegs positive Anomalien.

Update: Ein Bild von Yasi mit dem Auge über der Küste.

Update 3.2.: Große Erleichterung: wie es aussieht hat Yasi keine Todesopfer gefordert, trotz der schweren Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. In den Medien wurde Yasi mehrfach mit Hurricane Katrina verglichen als Sturm, der ebenfalls die stärkste Kategorie 5 erreichte. Doch Katrina hatte sich vor Auftreffen auf die Küste bei New Orleans schon auf Kategorie 3 abgeschwächt, während Yasi mit der vollen Wucht von Kategorie 5 auf die Küste von Queensland traf. Um so mehr muss man den Australiern für ihre gute Vorbereitung gratulieren, die den Verlust von Menschenleben verhindern konnte!

Update 7.2.: Reinhold Leinfelder diskutiert im Vielfalter-Blog die Auswirkungen auf das Great Barrier Reef.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Sturm hat noch keinen Landfall und Herr Rahmstorf stellt öffentlich einen Zusammenhang mit dem Klimawandel her. Vieleicht kann er ja auch mal erklären warum es in den vergangenen 4-5 Jahren trotz hoher Mehrestemperaturen weltweit extrem wenig schwere Tropenstürme mit Landfall gegeben hat.

    [Antwort: Der Zusammenhang zwischen wärmeren Meerestemperaturen und stärkeren Tropenstürmen ist weitgehen Konsens in der Klimaforschung, siehe z.B. das IPCC-Zitat oben im Artikel. Um dies festzustellen braucht man nicht auf den Landfall von Yasi zu warten. Was die zweite Frage angeht: die abgelaufene Hurrikan-Saison 2010 war eine der stärksten der Geschichte. Generell trifft zum Glück nur ein kleiner Prozentsatz dieser Stürme auf Land (ich glaube es sind 11%), und welchen Weg sie nehmen wird weitgehend von den Zufällen des Wetters bestimmt. Stefan Rahmstorf]

  2. Wer sich über die Häufigkeit und Schwere von Tropenstürmen weltweit informieren möchte sollte sich dies hier anschauen:

    http://sharaku.eorc.jaxa.jp/…yp_db/typ_track.cgi

    Wer irgendwo eine signifikante Zunahme findet darf sie behalten. Der Grund, warum Aussagen zu langfristigen Trends wie die von Herrn Rahmstorf reine Kaffeesatzleserei sind liegt schon alleine in der Tatsache begründet, dass erst seit wenigen Jahren alle Tropenstürme entsprechend erfasst werden.

    [Antwort: Zumindest über die Satellitenära gibt es inzwischen durchgehend homogenisierte Datensätze, siehe z.B. Elsner et al, Nature 2008. Aber es gehört wohl zur Klimaskeptikerpflicht, wissenschaftliche Datenanalysen, deren Ergebnisse einem nicht gefallen, als „Kaffeesatzleserei“ zu denunzieren… Stefan Rahmstorf]

  3. Hurrikane

    Nur eine Zwischenfrage: Trat nicht der Mitarbeiter des Us- Hurrikan- Centers Chris Landsea eben wegen dieser im IPCC Bericht veröffentlichten These von seiner Mitarbeit im IPCC zurück?

    Meines Wissens nach hielt er die gemessene Erwärmung um 0,7°C für bei weitem nicht groß genug, um die Intensität und Häufigkeit von Wirbelstürmen zu beeinflussen. Auch war er wohl der Meinung, dass diese Aussage nicht belegt und damit verfrüht wäre.

    mfG
    H. Müller

    [Antwort: Landsea gehört in der Tat zu den Skeptikern, und seine damalige Aktion ist ein schönes Beispiel für deren medienwirksame Aktionen. Landsea war kein Mitglied des IPCC sondern war von Trenberth gebeten worden, einen kleinen Textbeitrag zu liefern (als so genannter „contributing author“). Das läuft sehr informell – ich habe auch gerade eine Mail bekommen mit der Bitte, ein paar Sätze zu einer spezifischen Frage für den 5. Bericht zu schicken. So holen sich die Autoren von Vielen eine Einschätzung ein, auf deren Basis sie dann den endgültigen Text schreiben. Landsea, der sich mit seiner Auffassung bei den IPCC-Autoren nicht durchsetzen konnte, hat dann eine Pressekonferenz einberufen um möglichst spektakulär „zurückzutreten“, statt zu akzeptieren, dass seine Argumente die Fachkollegen nicht überzeugen konnten. Stefan Rahmstorf]

  4. Nix genaues weiß ma ned

    Unten habe ich mal ein Zitat aus einem aktuellen Spiegel Online Bericht eingefügt. Mir ist klar, dass das Klima ein hoch komplexes System ist, das nicht mit einer einfachen Formel zu beschreiben ist. Aber solange solche Uneinigkeit unter den Klimaforschern herrscht, sehe ich keinen Grund meinen 500 PS X6 stillzulegen.

    „Doch welche Rolle spielt dabei der Klimawandel? Allein warme Meere machen noch keinen Wirbelsturm. In den vergangenen 15 Jahren war das Meer vor Australien zu dieser Jahreszeit oft gleich warm oder gar wärmer, ohne dass große Wirbelstürme aufgezogen wären. Dem australischen Wetterdienst zufolge haben sich über Australien und vor seinen Küsten in den vergangenen Jahren nicht mehr Tiefdruckgebiete gebildet; ihre Zahl schwankt seit Beginn der Messungen vor 110 Jahren von Jahr zu Jahr nur wenig.
    Klimaforscher tun sich entsprechend schwer damit, die Zyklone mit der weltweiten Klimaerwärmung in Zusammenhang zu bringen. In einer wärmeren Welt werde es wahrscheinlich nicht mehr Wirbelstürme geben, allenfalls würden die stärksten Zyklone noch stärker werden, resümierte 2007 der Uno-Klimareport, der alle paar Jahre das Wissen über das Klima zusammenfasst. Einem Konsenspapier der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) aus dem Jahr 2006 zufolge lassen sich die Schwankungen bei der Häufigkeit der Wirbelstürme und ihrer Stärke nicht auf die Erwärmung zurückführen.“

    [Antwort: Die Zielrichtung der Tropensturm-Berichterstattung beim Spiegel hat ja eine lange Vorgeschichte, ich verweise hier nur auf den Abschnitt „Tropenstürme“ in unserem Beitrag vom letzten Jahr. Interessant ist z.B. dass das WMO-Konsenspapier aus dem Jahr 2006 zitiert wird und nicht das aktuelle aus 2010, in dem es heißt: „Future projections based on theory and high-resolution dynamical models consistently indicate that greenhouse warming will cause the globally averaged intensity of tropical cyclones to shift towards stronger storms, with intensity increases of 2-11% by 2100.“ (Übrigens steigt die Zerstörungskraft von Stürmen schneller als die Windgeschwindigkeit, 2-11% höhere Windgeschwindigkeit bedeuten 6-37% größere Zerstörungskraft.) Nichtsdestotrotz ist es angesichts der hohen Variabilität und den begrenzten verfügbaren Daten schwierig, in der Vergangenheit einen statistisch robusten Trend nachzuweisen – dazu läuft die Fachdiskussion noch. Interessant auch, dass in Spiegel Online die Zahl der gebildeten Tiefdruckgebiete diskutiert wird, die in der Tat nach gegenwärtigem Stand der Forschung nicht von der Erwärmung beeinflusst wird – das eigentliche Thema ist, wie stark sich diese Systeme dann verstärken, wobei wärmere Meeresstemperaturen eine Rolle spielen. Stefan Rahmstorf]

  5. Herr Rahmstorf, Sie praktizieren hier genau das was Sie Ihren Gegnern immer vorwerfen: Unseriöses Cherrypicking. Zum Glück stwehen Sie mit Ihrer Meinung ziemlich alleine:

    http://www.spiegel.de/…tur/0,1518,743144,00.html

    „In den vergangenen 15 Jahren war das Meer vor Australien zu dieser Jahreszeit oft gleich warm oder gar wärmer, ohne dass große Wirbelstürme aufgezogen wären. Dem australischen Wetterdienst zufolge haben sich über Australien und vor seinen Küsten in den vergangenen Jahren nicht mehr Tiefdruckgebiete gebildet; ihre Zahl schwankt seit Beginn der Messungen vor 110 Jahren von Jahr zu Jahr nur wenig.

    Klimaforscher tun sich entsprechend schwer damit, die Zyklone mit der weltweiten Klimaerwärmung in Zusammenhang zu bringen. In einer wärmeren Welt werde es wahrscheinlich nicht mehr Wirbelstürme geben, allenfalls würden die stärksten Zyklone noch stärker werden, resümierte 2007 der Uno-Klimareport, der alle paar Jahre das Wissen über das Klima zusammenfasst. Einem Konsenspapier der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) aus dem Jahr 2006 zufolge lassen sich die Schwankungen bei der Häufigkeit der Wirbelstürme und ihrer Stärke nicht auf die Erwärmung zurückführen.“

  6. Binikowskis schlechter Stil

    Ergänzend zu dem Kommentar von SR bleibt noch zu ergänzen, dass es Herrn Binikowski offensichtlich nicht darum geht, in der Sache zu argumentieren, sondern lediglich darum, den Autor (SR) zu verleumden. Das wird schnell klar, wenn man sich die Kommentare von Herrn Binikowski in anderen Foren ansieht.

    Beispiel:
    „Rahmstorf bejubelt schon vor dem Landfall die (potentiellen) Opfer:

    http://www.wissenslogs.de/…/blo…vor-queensland

    Tja, so ist es wenn man bei der Münchener Rück im Sold steht. Das verändert den Charakter“.

    [Antwort: In der Tat nicht nur schlechter Stil sondern eine justiziable Verleumdung, da ich natürlich nicht bei der Münchner Rück im Sold stehe. Ich habe nur tatsächlich einmal im Jahre 2003 an einem von der Münchner Rück organisierten wissenschaftlichen Symposium teilgenommen (wie viele andere deutsche Klimatologen), und mein Beitrag im Tagungsband hat den „Klimaskeptikern“ nicht gefallen. Stefan Rahmstorf]

  7. Sturmintensitäten und Meerestemperaturen

    1.) sehe ich nicht, was die Frage (auf der mehrfach herumgeritten wurde), ob ein Sturm bereits auf land getroffen ist oder nicht, mit einer Bewertung seiner Intensität zu tun hat. Dank Satellitenmessungen sind die Windgeschwindigkeiten in einem Sturmsystem gut bekannt, auch wenn sie nicht an Land gemessen worden sind.

    2.) sehe ich nicht, dass Her Rahmstorf eine Verbindung zwischen dem Sturm Yasi allein und dem globalen Erwärmungstrend und den damit einhergehenden generellen Erhöhungen der Meerestemperaturen erstellt hat, sondern er hat eine generelle Aussage zu den erwartenden Sturmintensitäten gemacht. Mit der Meinung steht er aber in der wissenschaftlichen Welt beileibe nicht allein.

    3.) würde ich es begrüßen, wenn die Argumentation von einer Untermauerung durch Zitate aus Spiegel Online Abstand nähme. Warum nicht einfach direkten Bezug auf die Aussagen von Wissenschaftlern nehmen? Beispielsweise hier:

    http://www.esi.utexas.edu/…ols/clicks.php?id=44a

    Da geht es zwar primär um die Nordhalbkugel und um Hurrikane, aber es geht ja hier um die dahinterstehende Physik und die zu beobachtende Korrelation zwischen Intensität (und nicht Häufigkeit) tropischer Stürme von den Ozeantemperaturen.

    [Antwort: Danke für diesen Link; Kerry Emanuel ist unbestritten der „Guru“ der Tropensturmforschung und ich kenne ihn gut, aber diesen Vortrag hatte ich noch nicht gesehen. Well worth checking out, wenn man Englisch kann und ein klein wenig Vorkenntnis mitbringt. Stefan Rahmstorf]

  8. Posten hier immer nur Skeptiker?

    Ich möchte einmal festhalten, dass es auch Leute gibt (mich zum Beispiel) die den Zusammenhang zwiwschen CO2 – Ausstoß (und Methan – Ausstoß etc.) und Klima keineswegs anzweifeln und den unermüdlichen Warnern dankbar sind, die uns alle vor einem noch viel ärgeren Desaster bewahren, als es mit all unserer Zögerlichkeit ohnehin auf uns zukommt. Bravo, Herr Rahmsdorf, und lassen Sie sich nicht unterkriegen!

  9. La nina und Yasi

    So langsam versteht man gar nichts mehr..

    Nein, kurz nachdem die Überschwemmungen in Australien ihren Höhepunkt erreicht hatten, brachte FAZ-Online einen Komentar, mit dem Tenor die Ereignisse in Queensländ wären alle gut erklärbar wg. der starken Nina, die in der Gegend für warme Meerestemperaturen gesorgt hatte und ansonsten wäre das nichts grundlegend Neues („don’t mention the Klimawandel!“). Ich habe in einem Forumsbeitrag auf ihren Artikel in der
    „Klimalounge“ verwiesen und daraus zitiert, keine 30 min später war der Kommentar nicht mehr verfügbar, was in gewisser Weise auch für die Redaktion spricht. (Die müsste sich jetzt nämlich Gedanken machen, wenn ihre interpretation der Geschehnisse so von der Wirklichkeit kassiert wird.)

  10. Kein Nachweis des AGW über Wirbelstürme

    Laut Knutson (2008) kann derzeit noch keine anthropogene, CO2-verursachte Beeinflussung der atlantischen Hurrikan Aktivität nachgewiesen werden. Die im 20. Jahrhundert gemessene globale Erwärmung von 0,7° C reiche bei weitem nicht aus, um die Hurrikan-Aktivität signifikant zu beeinflussen (Christopher Landsea, US National Hurricane Center).

    [Antwort: Meine Einschätzung dazu habe ich detaillierter 2008 hier im Artikel Hurrikane und Klimawandel dargestellt. Die ist auch nach wie vor aktuell, auch wenn man heute noch einige Studien mehr zitieren könnte. Dass einige Kollegen das anders einschätzen gehört auch zur lebendigen wissenschaftlichen Diskussion – dass Landsea hier zu den Skeptikern zählt haben wir oben ja schon diskutiert. Stefan Rahmstorf]

  11. AGW und Wirbelstürme?
    Ein Auszug aus einer aktuellen Arbeit (Jeff Callaghan and Scott B. Power 2010).

    The linear trend in the number of severe TCs making land-fall over eastern Australia declined from about 0.45 TCs/year in the early 1870s to about 0.17 TCs/year in recent times—a 62% decline. This decline can be partially explained by a weakening of the Walker Circulation, and a natural shift towards a more El Niño-dominated era. The extent to which global warming might be also be partially responsible for the decline in land-falls—if it is at all—is unknown.

    Abbildung

    [Antwort:Dazu zitiere ich einmal den Vortrag von Kerry Emanuel, den ein Leser oben verlinkt hat: „Landfalling storm statistics are grossly inadequate for assessing hurricane risk“. Das liegt daran, dass die Anzahl der auf Land treffenden, schweren Stürme (die den allergrößten Teil der Schäden machen) so klein ist, dass sie für robuste statistische Aussagen nicht ausreicht. Stefan Rahmstorf]

  12. @Prof. Rahmstorf

    … Das liegt daran, dass die Anzahl der auf Land treffenden, schweren Stürme (die den allergrößten Teil der Schäden machen) so klein ist, dass sie für robuste statistische Aussagen nicht ausreicht. Stefan Rahmstorf]

    Um diese Aussage sollten Sie den Artikel noch ergänzen. Nicht das der Eindruck entsteht, dass die Bedrohung durch Wirbelstürme dramatisch ansteigen würde. Dem ist nicht so.

    [Antwort: Ich versuche es mit einem Beispiel zu erklären. Nehmen Sie einmal an, ich wolle Sie beim Würfelspiel betrügen und hätte meinen Würfel so gezinkt, dass er doppelt soviele 6er würfelt wie ein normaler. Das wäre sicher kein kleiner „anthropogener“ Eingriff in diesen Würfel. Wenn wir aber nur zehn mal würfeln, dann wird er dennoch nicht statistisch nachweisbar sein. Nicht weil er nicht wichtig wäre, sondern mangels Daten. In Australien ist vor Yasi zuletzt vor fast 100 Jahren ein Sturm der Kategorie 5 aufgetreten. Mit nur zwei Beispielen können Sie nicht statistisch belegen, ob die Häufigkeit nun zunimmt oder ein anthropogener Einfluss erkennbar ist – das heißt aber nicht, dass Sie das Gegenteil folgern können, nämlich dass es keinen solchen Einfluss gibt. Gute Statistik können Sie z.B. mit der weltweiten Gesamtzahl von Kategorie 5 Stürmen machen, weil dann genug zusammenkommen – siehe Elsner et al, Nature 2008. Aus der kleinen Stichprobe der in einer bestimmten Region an Land treffenden Stürme können Sie einfach nichts folgern – das ist die Aussage von Emanuel. Stefan Rahmstorf]

  13. @Prof. Rahmstorf

    … In Australien ist vor Yasi zuletzt vor fast 100 Jahren ein Sturm der Kategorie 5 aufgetreten. Mit nur zwei Beispielen können Sie nicht statistisch belegen, ob die Häufigkeit nun zunimmt oder ein anthropogener Einfluss erkennbar ist – das heißt aber nicht, dass Sie das Gegenteil folgern können, nämlich dass es keinen solchen Einfluss gibt. …

    Herr Rahmstorf, bzgl. der starken, anlandenden Wirbelstürme in Ost-Australien gibt es diese Auswertung, ebenfalls von Scott Power vom Centre for Australian Weather and Climate Research Bureau of Meteorology. Auf die Publikation hatte ich zuvor verwiesen. Demnach zeigt sich seit 1880 eine Abnahme, der starken Wirbelstürme, die in Ost-Australien anlanden.

    [Antwort: Lieber Herr Krüger, ich zweifle die Daten von Scott Power nicht an – mein Punkt (und der von Kerry Emanuel) ist lediglich, dass man aus so einem kleinen regionalen Datensatz keine Folgerungen darüber ziehen kann, ob durch die anthropogene Erwärmung der Meerestemperaturen die Stärke von Tropenstürmen erhöht wird. Es gibt gute Argumente dafür, dass in der Tat die Stürme dadurch verstärkt werden, und eine solche Statistik über die Anzahl der in Ostaustralien auf Land treffenden Stürme spricht jedenfalls nicht dagegen. Einmal sind es einfach zu wenige Stürme, um gute Statistik zu machen (3 pro Jahrzehnt), und selbst die von Power gefundene Abnahme der Anzahl ist nur marginal statistisch signifikant (die Autoren geben eine Wahrscheinlichkeit von 10%, dass der Trend zufällig ist). Über die Stärke sagen sie: „The records we have are not detailed enough for us to always distinguish between Category 3, 4 and 5 TCs“, sodass sie darüber gar keine Aussage machen. Für die Menschen in Australien ist es natürlich eine gute Nachricht, dass sie in den letzten dreißig Jahren nur von relativ wenigen Tropenstürmen getroffen wurden, aber Rückschlüsse auf den Zusammenhang von Sturmstärke und Erwärmung kann man daraus nicht ziehen. Stefan Rahmstorf]

  14. Eigentlich möchte ich Michael Krüger hier nicht unterstützen, aber ich habe sein Posting anders verstanden: Die Tatsache, dass Kategorie-5-Stürme so selten an Land treffen, macht das Thema weniger relevant, als es für den Laien aussehen muss.

  15. @Stephan Fleischhauer

    … ich habe sein Posting anders verstanden: Die Tatsache, dass Kategorie-5-Stürme so selten an Land treffen, macht das Thema weniger relevant, als es für den Laien aussehen muss.

    Sie haben es genau richtig verstanden. Schwere Wirbelstürme, nicht nur diejenigen der Kategorie 5, welche an Land treffen, sind sehr selten. Noch seltener treffen diese auf stark besiedelte Regionen, wie aktuell Yasi gezeigt hat. Man sollte den Menschen mit solchen Ereignissen also keine Angst machen. Gerade in Deutschland hat die Zahl der starken Stürme über die letzten Jahrzehnte abgenommen.

  16. Ursache

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Sie schreiben

    „Dass es nun zu einem solchen Monstersturm kommt ist – wie so oft bei Extremereignissen – ein Zusammenspiel der allmählichen Klimaveränderung mit natürlichen Schwankungen.“

    Hier scheint wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen zu sein als die Wissenschaft.

    Wie Sie selbst schreiben hat es an der Ostküste Australiens in den letzten ca. 100 Jahren zwei Stürme dieser Kategorie mit Landfall gegeben. Die Daten auf Wikipedia lassen darauf schließen, dass der Zyklon Mahina von 1899 noch einiges stärker war als Yasi (Windgeschwindigkeit 280km/h vs. 215km/h).

    Einigen wir uns mal darauf, dass es 1899 noch keine nennenswerte anthropogene Klimabeeinflussung gab. Sie haben nun aber eindeutig die Klimaerwärmung als Mitursache von Yasi ausgemacht (ich kann in dem obigen Zitat kein „vermutlich“ oder ähnliches Wort finden). Woher nehmen Sie diese Sicherheit? Dass es 1899 einen deutlich stärkeren Zyklon ohne Klimaerwärmung gab zeigt deulich, dass es für solche Zyklone keinen Einfluss des Menschen auf das Klima bedarf. Daraus leite ich ab, dass die Klimaerwärmung nicht zwangsläufig eine (Mit-)Ursache für Yasi sein muss, was Sie aber behaupten.

    Sie schreiben ja selbst als Antwort auf einen Kommentar: „Aus der kleinen Stichprobe der in einer bestimmten Region an Land treffenden Stürme können Sie einfach nichts folgern“

    Eben! Oder um Ihr Würfelbeispiel zu verwenden: Nur seit Beginn der Klimaerwärmung des 20. Jahrhunderts das erste mal eine Sechs gewürfelt wurde, heißt das noch lange nicht, dass der Würfel gezinkt wurde. Denn es wurden auch vorher Sechsen gewürfelt.

    Was Sie also in Ihrem Beitrag schreiben ist nichts als eine (nach meiner Meinung schwache) Vermutung, und als Wissenschaftler sollten Sie dies auch so darstellen. Sonst könnte man Ihnen noch Angstmacherei vorwerfen.

    [Antwort: Lieber Herr Bösenberg, aus meiner Sicht (und nicht nur aus meiner) ist es eben nicht nur eine schwache Vermutung, dass wärmere Meerestemperaturen die Stärke von Tropenstürmen verstärken, und damit auch mit zu der Schwere dieses Sturms beigetragen haben. Dafür spricht (1) die physikalische Theorie dieser Stürme, wonach warme Meerestemperaturen die Energiequelle sind, (2) die Modellrechnungen, auf deren Basis IPCC und das WMO-Konsenspapier von einer Verstärkung dieser Stürme durch die globale Erwärmung ausgehen, und (3) die genannten Datenanalysen von Elsner et al (2008) und einige andere, wonach die Stürme tatsächlich global in den letzten Jahrzehnten an Stärke zugenommen haben. Wenn Theorie, Computersimulationen und Beobachtungsdaten in dieselbe Richtung weisen, können Wissenschaftler schon nach nüchterner Abwägung zu einem solchen Schluss kommen. Wenn Leute dies dann als „Angstmacherei“ abtun wollen, sagt dies sicher etwas über diese Leute aus – ein sachlicher Diskussionsbeitrag wäre das aber nicht. Stefan Rahmstorf]

  17. @Fleischhauer
    „Die Tatsache, dass Kategorie-5-Stürme so selten an Land treffen, macht das Thema weniger relevant, als es für den Laien aussehen muss.“

    Hier können Sie solche Feststellungen machen, wir konnten uns alles quasi im Wohnzimmer angucken.

    Ansonsten konnten und können Sie die Ereignisse in Australien seit ein paar Wochen verfolgen. Als hätten Rekordniederschläge in weiten Landesteilen dort nicht gereicht, kam nun ein Zyklon der Stärke 5 hinzu und damit ist das Kapitel nicht notwendigerweise abgeschlossen. Die Massierung von Niederschlägen ist beispiellos und es wird eben immer schwerer zu sagen, dass sich die Vorkommnisse im üblichen Rahmen der „Launen der Natur“ bewegen, auch wenn das einige Foristen immer noch (krampfhaft)versuchen.

  18. Das bedeutet also,

    dass Sie mit Sicherheit sagen können, dass die Erderwärmung einen Beitrag zur Stärke Yasis beigetragen hat.

    Andersherumg wäre demnach der Zyklon Mahina von 1899 also noch stärker ausgefallen wäre, hätte es die Erderwärmung damals schon gegeben. Können Sie abschätzen, wieviel stärker Mahina damals gewesen wäre?

    [Antwort: Einen Anhaltspunkt über die Stärke des Zusammenhangs liefert die globale Datenauswertung von Elsner et al. (Nature 2008), wonach die stärsten Tropenstürme im Südpazifik im Analysezeitraum 1981-2006 um 17 % (+/- 7 %) in der Windgeschwindigkeit stärker geworden sind. Die Regression auf die Temperatur zeigt, dass global die stärksten Stürme (mit mehr als 49 m/s Windgeschwindigkeit, derzeit 20% der Stürme) pro Grad Erwärmung 31% häufiger werden. Dies können Sie so verstehen wie die Aussage, dass Raucher um einen bestimmten Prozentsatz häufiger Krebs bekommen. Weder belegt ein einzelner rauchender Krebskranker (Yasi) diesen Zusammenhang, noch wird er durch ein Gegenbeispiel eines nicht-rauchenden Krebskranken widerlegt (Mahina). Man kann für den einzelnen Patienten auch nicht sagen, wie groß die Rolle des Rauchens gewesen ist – der Zusammenhang ist statistisch und gilt im Mittel über große Fallzahlen. Daher wird ihnen auch niemand die obige Frage so beantworten können. Nur die Analyse über eine große Zahl von Stürmen kann einen solchen Zusammenhang aufdecken (und wie das Emanual-Zitat oben sagt, die kleine Untermenge der landfallenden Stürme reicht dazu nicht aus). Stefan Rahmstorf]

  19. @Bleyfuß
    Ich wollte mir die Meinung von Michael Krüger nicht zu eigen machen. Ich hatte nur das Gefühl, dass Stefan Rahmstorf seinen Beitrag falsch verstanden hat.

    Insgesamt scheinen mir Tropenstürme mit menschlichen Opfern nicht so extrem selten zu sein, als dass sie irrelevant wären. Insofern würde ich Michael Krüger widersprechen.

  20. @Jan Bösenberg

    Eine Frage zu Ihrer Frage:

    Andersherumg wäre demnach der Zyklon Mahina von 1899 also noch stärker ausgefallen wäre, hätte es die Erderwärmung damals schon gegeben. Können Sie abschätzen, wieviel stärker Mahina damals gewesen wäre?

    Wie kommen Sie jetzt auf die Idee, dass diesen Ereignissen eine Gesetzmässigkeit zugrunde liegen muss, die sich über simple Proportionalitäten ausdrücken lässt?

    Mit Ihrer Logik liesse sich auch argumentieren, die Thermodynamik sei Bullshit, nur weil man in einem kühlen Gas auch sehr schnelle und in einem heissen Gas auch sehr langsame Partikel beobachten kann.

  21. @Jan Bösenberg

    Andersherum wäre demnach der Zyklon Mahina von 1899 also noch stärker ausgefallen, hätte es die Erderwärmung damals schon gegeben. Können Sie abschätzen, wieviel stärker Mahina damals gewesen wäre?

    Wenn die physikalischen Zusammenhänge klar sind, sollten die Computermodelle das berechnen können. Aber soweit ist man offensichtlich noch nicht. Ich glaube auch nicht, dass Mahina, oder Yasi sich durch irgendein Modell, im Computer reproduzieren lassen. Von Vorhersagen mal ganz abgesehen.

  22. Wetterereignisse

    Dieser Zyklon, wie auch andere markante Einzel-Wetterereignisse, haben kaum Relevanz, um einen „Klimawandel“ zu bestätigen oder zu widerlegen.
    Was zählt, sind möglichst genaue, global flächendeckende Luft-Temperaturmessdaten, die nach klar definierten Regeln erhoben werden.
    Ich gehe mal davon aus, daß die angegebene Messunsicherheit der GISS-rawdata-sets mit 0,05°C (2-fach stdev) auch tatsächlich stimmen.

  23. Indizien und der Beweis

    @Erlbacher
    sind zwei grundverschiedene Dinge. Ich kann Ihnen insoweit nur beipflichten. Die Wetterverhältnisse an Australiens Ostküste sind insoweit ein Indiz, nicht mehr. Sie sind auch ein Indiz dafür, dass es sich bei der globalen Temperaturerwärmung nicht um ein Thema handelt, dass das nur von wissenschaft-lichem Interesse für einige Spezialisten ist, sondern um ein Thema, dass jeden unmittelbar betrifft und dass die Folgen desaströs sein können.

  24. Ausgangsposition

    @erlbacher
    „Ich gehe mal davon aus, daß die angegebene Messunsicherheit der GISS-rawdata-sets mit 0,05°C (2-fach stdev) auch tatsächlich stimmen.“

    Tun Sie das. Was wäre denn, wenn’s nicht so wäre, also wenn die Daten bspw. in konspirativer Absicht gefälscht wären?

    Man sollte sich keine Denkverbote auferlegen..

    Es würden sich zunächst signifikante Abweichungen von anderen Datensätzen herausstellen.

    Wenn die Temperaturdaten „fälschungsbereinigt“ keinen Temperaturanstieg ergeben würden würden, gäbe es massiven Erklärungsbedarf, warum Gletscher schmelzen, warum ständig neue Temperaturrekorde gemessen werden

    http://www.wunderground.com/…html?entrynum=1569,

    warum das Arktiseis zurückgeht.

    Mit anderen Worten: vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand, auch wenn Sie kein Klimaspezialist sein mögen.

  25. Gesetzmäßigkeit und Logik

    @Chrys
    „Wie kommen Sie jetzt auf die Idee, dass diesen Ereignissen eine Gesetzmässigkeit zugrunde liegen muss, die sich über simple Proportionalitäten ausdrücken lässt?“

    Genau das ist doch mein Punkt. Ich möchte gerne wissen, warum Herr Rahmstorf sagen kann, dass genau die Stärke diese Zyklons ein Resultat der Klimaerwärmung ist. Er sagt ganz klar, dass dieser Monstersturm ein „ein Zusammenspiel der allmählichen Klimaveränderung mit natürlichen Schwankungen“ sei. Da steht kein „wahrscheinlich“, „vermutlich“ oder ähnliches.

    „Mit Ihrer Logik liesse sich auch argumentieren, die Thermodynamik sei Bullshit, nur weil man in einem kühlen Gas auch sehr schnelle und in einem heissen Gas auch sehr langsame Partikel beobachten kann.“

    Andersherum. Nach Herrn Rahmstorfs Logik wäre die hohe Geschwindigkeit jedes einzelnen schnellen Partikels in einem heißen Gas auf die hohe Temperatur zurückzuführen, oder zumindest weiß er aus irgendeinem Grund, dass der gerade beobachtete Partikel (Yasi) in einem kühlen Gas langsam wäre.

    Übrigens hatten wir im Januar 2011 eine weltweite Temperaturanomalie von -0.01°C, das Gas ist also momentan nicht sehr heiß, aber das ist gar nicht mein Punkt.

  26. @Jan Bösenberg

    Lassen Sie mich nochmals anders fragen: Würden Sie z.B. von der Bayer AG auch verlangen, dass eine Behauptung wie „Aspirin hilft gegen Kopfschmerz“ eingeschränkt und nur von „hilft wahrscheinlich“ oder „hilft vermutlich“ gesprochen wird?

    Wie liesse sich die genannte Behauptung überhaupt untermauern? Zum einen durch statistische Daten, die eine Korrelation zwischen Medikamenteinnahme und Therapie belegen, und im weiteren durch pharmakologische Untersuchungen, die über eine reine Korrelation hinaus eine kausale Abhängigkeit plausibel machen. Was Bayer aber unmöglich erbringen kann, ist der Nachweis, ob und wie im Einzelfall gerade die Wirkung der Tablette den Schmerz gelindert hat. Eine solche Problematik hat man aber grundsätzlich in allen Bereichen der angewandten Statistik. Dessen ungeachtet ist es auch bei statistischen Methoden zulässig und durchaus gängige wissenschaftliche Praxis, ab einem bestimmten Grad an Signifikanz dann generell von erwiesenen Ursachen und Wirkungen zu reden.

    In diesem Sinne verstehe ich auch Herrn Rahmstorfs Aussagen zur Rolle der globalen Erwärmung hinsichtlich des Auftretens bzw. der Heftigkeit von zyklonartigen Ereignissen. Yasi passt da gut zum statistischen Erwartungswert, Mahina war eher ein statistischer Ausreisser.

  27. Signifikanz

    @Chrys
    „ab einem bestimmten Grad an Signifikanz dann generell von erwiesenen Ursachen und Wirkungen zu reden“

    Und dieser Grad der Signifikanz liegt hier vor? Das bezweifle ich sehr stark. So kann ich z.B. in diesem Diagramm, dass die akkumulierten Zyklonenenergie des Atlantischen Beckens über die Jahre darstellt, keine Korrelation mit der Erderwärmung sehen.

    http://en.wikipedia.org/…imeseries_1850-2007.jpg

    Auch hier nicht, bei der Aktivität im Ostpazifik:

    http://en.wikipedia.org/…ace_trend_1971-2007.gif

    Dazu noch ein Zitat aus Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Tropical_cyclone):

    „However, there is no universal agreement about the magnitude of the effects anthropogenic global warming has on tropical cyclone formation, track, and intensity. For example, critics such as Chris Landsea assert that man-made effects would be „quite tiny compared to the observed large natural hurricane variability“.[151] A statement by the American Meteorological Society on 1 February 2007 stated that trends in tropical cyclone records offer „evidence both for and against the existence of a detectable anthropogenic signal“ in tropical cyclogenesis.[152] Although many aspects of a link between tropical cyclones and global warming are still being „hotly debated“,[153] a point of agreement is that no individual tropical cyclone or season can be attributed to global warming.“

    Deshalb hinkt Ihr Vergleich mit Aspirin auch, weil die Wirkung von Aspirin weitaus besser erklärt und viel weniger umstritten ist als der Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und der Entstehung von Zyklonen. Ein Vergleich mit der Wirkung homöopathischer Mittel wäre meiner Meinung nach angebrachter.

  28. @ Jan Bösenberg

    Sie schreiben: „Ein Vergleich mit der Wirkung homöopathischer Mittel wäre meiner Meinung nach angebrachter“.

    Das Nichts, das als homöopathisches Mittel deklariert wird, hat keine pharmakologische Wirkung. Ihrer Meinung nach gibt es also eindeutig keinen „Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und der Entstehung von Zyklonen“?

    Als Zyklon-Laie möchte ich gerne an ihrem Expertenwissen partizipieren und frage sie: Auf welcher Basis, außer ihren Interpretationen von Wikipedia-Artikeln, kommen sie noch zu einer derart – in der Wissenschaft eher sehr seltenen- absoluten Gewissheit?

  29. @Jan Bösenberg

    Eine hinreichende Signifikanz für die Existenz kausaler Zusammenhänge scheint hier immerhin sogar einem Chris Landsea ersichtlich, dessen Meinung in dem verlinkten wikipedia Eintrag ja gesondert betont wird. Landsea negiert weder eine Temperaturerhöhung des ozeanischen Oberflächenwassers infolge globaler Erwärmung, noch bestreitet er prinzipiell einen daraus resultierenden qualitativen Effekt für die Stärke von Zyklonen. Er glaubt lediglich, dass dieser Effekt quantitativ sehr klein sei: „hurricanes like Katrina and Rita may have been stronger due to global warming but maybe by one or two miles per hour„.
    http://en.wikipedia.org/…_warming_and_hurricanes

    Auch aus dieser Perspektive ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, die globale Erwärmung unter den beteiligten Parametern für die Rahmenbedingungen zur Entstehung von Zyklonen zu nennen. Wenn man zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen kann, wie diese Parameter die Dynamik eines Zyklons en detail beeinflussen, dann ist das zunächst mehr eine meteorologische als eine klimatologische Streitfrage. Brauchbare numerische Simulationen könnten hierbei sicherlich weitere Einsichten liefern, aber das sind aufwendige Supercomputer Applications, und es ist offenbar noch einiges an Arbeit zu leisten für die Entwicklung zuverlässiger Modelle. Vgl. dazu auch
    http://www.nasa.gov/…/supercomputer-cyclone.html

    Die genannte wikipedia Teststelle (http://en.wikipedia.org/…_cyclone#Global_warming) erwähnt andererseits auch die Quellen, aufgrund derer man zu ganz einer anderen Auffassung als Landsea gelangen kann. Ich sehe nicht, dass Herr Rahmstorf hier etwas falsch macht, wenn er die heranzieht. Eher fragwürdig erscheint mir da schon die zitierte Abschätzung von 1-2 mph, die von Landsea weder rigoros hergeleitet noch sonstwie überzeugend begründet wird.

  30. @Thomas Lutz

    „Ihrer Meinung nach gibt es also eindeutig keinen „Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und der Entstehung von Zyklonen“?“

    Nein, das ist nicht meine Meinung und ich denke nicht, dass ich es so geschrieben habe (wenn doch, bitte ich um das Zitat). Ich bin der Meinung, dass momentan weder ein Zusammenhang bewiesen noch ausgeschlossen werden kann.

    Vielleicht kann ich noch aus der FAQ von Kerry Emanuels Webseite (der ja hier auch als Koryphäe genannt wurde) zitieren (http://wind.mit.edu/~emanuel/anthro2.htm):

    Q: I gather from this last discussion that it would be absurd to attribute the Katrina disaster to global warming?
    A: Yes, it would be absurd.

    Hier ist zwar von Katrina die Rede, aber für Yasi gilt sicher dieselbe Aussage. Und Herr Rahmstorf hat eben das Absurde getan und sich festgelegt, dass die Klimaerwärmung eine der Ursachen für Yasi ist.

  31. @Chrys

    Ich glaube die Diskussion driftet ein wenig ab, deshalb hier noch einmal als lezter Beitrag mein Standpunkt zusammengefasst:

    Herr Rahmstorf hat die Klimaerwärmung für die Entstehung dieses einzelnen extremen Wetterphänomens mitverantwortlich gemacht. Hier noch einmal das Zitat:
    „Dass es nun zu einem solchen Monstersturm kommt ist – wie so oft bei Extremereignissen – ein Zusammenspiel der allmählichen Klimaveränderung mit natürlichen Schwankungen:…“

    Dies halte ich für wissenschaftlich nicht haltbar, womit ich anscheinend nicht alleine stehe. Dazu noch einmal die FAQ von Kerry Emanuel (den Herr Rahmstorf als den „“Guru“ der Tropensturmforschung“ bezeichnet hat) :

    Q: I gather from this last discussion that it would be absurd to attribute the Katrina disaster to global warming?
    A: Yes, it would be absurd.
    Quelle: http://wind.mit.edu/~emanuel/anthro2.htm

    Hinweis: Sie müssen dabei noch „Katrina“ durch „Yasi“ ersetzen.

    [Antwort: Es ist nicht möglich, ein einzelnes Extremereignis auf die globale Erwärmung zurückzuführen, weil solche Ereignisse im heutigen (anthropogen schon deutlich veränderten) Klima immer ein Zusammenspiel von natürlichen und anthropogenen Faktoren sind. Den anthropogenen Anteil können sie nur statistisch über große Fallzahlen ermitteln, nicht für den Einzelfall – so wie den Einfluss des Rauchens auf Lungenkrebs. Ich stimme da voll mit Kerry Emanuel überein, mit dem ich mich regelmäßig über diese Thematik austausche. Stefan Rahmstorf]

  32. @Jan Bösenberg

    Emanuels FAQ #8 würde ich deuten als eine präventive Aktion gegen übersimplifizierende Schlagzeilen wie „Katrina disaster caused by global warming, scientists say.“ Also ein klarer Hinweis darauf, wie man die Aussagen der Klimaforscher gerade eben nicht interpretieren soll — was dann insbesondere auch auf die Aussagen von Herrn Rahmstorf anzuwenden ist.

  33. Vergleich

    @Bösenberg
    Sie und auch die meisten suchen bevorzugt nach monokausalen Erklärungen, die komplexen Systemen wie dem der Athmosphäre nicht gerecht werden können.
    Das ist insoweit ein Dilemma der Klimaforschung, dass sie nie eindeutig die „Schuldfrage“ klären kann und daher dem Grundverdacht der Unbestimmtheit aussetzt ist.

    Daher versuche ich einen Vergleich: wenn ich eine Straße mit 130 km/h oder mit 160 km/h entlang fahre, erhöhe ich das Risiko, einen schweren Unfall zu erleiden.

    Falls ein solcher Unfall eingetreten ist, kann niemand bestimmt sagen er wäre nicht passiert, wenn ich langsamer gefahren wäre..

  34. So schwierig ist es wirklich nicht, es sei denn man moechte Rahmstorf mit Gewalt und aus einschlaegig bekannten Gruenden missverstehen: der einzelne Sturm ist ein Wetterereignis und daher zufaellig, aber Klima bzw. Klimawandel „zinken den Wuerfel“. Das wurde doch wirklich oft und detailverliebt genug erklärt mittlerweile.

  35. La Nina

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Sie auch haben die hohen SST Werte der Coral See für die Bildung des Tropensturms als Ursache genannt.

    Welchen Anteil hatte das Wetterereignis La Nina zu dieser Zeit an den hohen SST Werten ?

    Ist es nicht so das La Nina und El Nino Einfluss auf die SST Werte dieser Region haben ?

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