Swept away

Vor drei Monaten haben wir über das Wilkins-Eisschelf in der Antarktis berichtet. Eine Eisbrücke verband dort das verbleibende Eisschelf mit der vorgelegenen Charcot-Insel. Einige Forscher sind der Auffassung, dass diese Eisbrücke den vollständigen Kollaps des Eisschelfs verhindert. Wenige Tage nach unserem Beitrag ist diese Brücke zerbrochen. Drei Monate später bietet sich nun folgendes Bild…

Wilkins swept away
Satellitenbilder des verbleibenden Rests des Wilkins-Eisschelf in der Antarktis (rechts unten auf beiden Bildern). Im April zerbarst eine Eisbrücke (oranger Kreis), die das intakte Schlefeis mit einer vorgelagerten Insel verband. Kräfte werden im Eis über weite Distanzen übertragen und so ist derzeit eine offenen Frage, welchen Einfluss der Wegfall der Eisbrücke auf die Stabilität des Wilkinseisschelfs haben wird.

 

Die vormals dicht gedrängten und teilweise fest verbundenen Eisschollen, die durch die Eisbrücke vor der Ozeanströmung geschützt wurden, werden jetzt von diesen bewegt. Der Großteil des Eises ist verschwunden oder schwimmt in "lockerer Formation" vor dem verbleibenden intakten Rest des Wilkinseischelfes (in den Bildern, rechts unten).

Das Eis, das jetzt aus dieser Region weggeschwemmt wurde, hat den Meeresspiegel selbstverständlich nicht erhöht, da es bereits seit langer Zeit im Wasser schwimmt. Ebenso dürften die Kräfte, die die bereits zerborstenen Eisstücke auf das noch zusammenhängende Stück des Wilkinseisschelf ausgeübt haben, gering gewesen sein. Bisher ist also noch nichts weiter aufregendes geschehen.

Es bleibt aber die Frage: Wie wichtig waren die Kräfte, die vormals die Eisbrücke selbst auf den Rest des Wilkinseisschelf ausgeübt hat, für dessen Stabilität? In der Antarktis ist gerade Winter. Wir warten gespannt auf den Sommer….

 

Links:

Reuters Artikel über den "Brückenbruch" inklusive Interview mit David Vaughan vom British Antarktic Survey, der kurz zuvor mit einem Reporter auf der Eisbrücke gelandet war.

BBC Artikel über den "Brückenbruch" mit gesprochenem Interview mit David Vaughan vom April 2009

Englischsprachige Diskussion über das Ereignis auf Realclimate.org

 

Anders Levermann

Anders Levermann ist Professor für Dynamik des Klimasystems im physikalischen Institut der Universität Potsdam. Er leitet den Forschungsbereich Globale Anpassungsstrategien am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er ist unter anderem einer der leitenden Autoren im Meeresspiegelkapitel des letzten IPCC-Klimareports und beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Ozean und Cryosphäre in Vergangenheit und Zukunft.

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