Studie: Die Erwärmungs“pause“ war von vornherein ein Mythos

stephan-lewandowsky

Seit Jahren weisen wir in der KlimaLounge immer wieder darauf hin: eine irgendwie signifikante „Pause“ in der globalen Erwärmung gibt es nicht, nicht einmal eine signifikante Verlangsamung, sondern lediglich die üblichen Schwankungen. Hier berichtet Stephan Lewandowsky von seiner gerade by Nature Scientific Reports erschienenen Metastudie dazu.

Gastbeitrag von Stephan Lewandowsky

Die Idee, dass die globale Erwärmung aufgehört habe, ist seit mindestens 2006 eines der Lieblingsargumente der Klimaschutzgegner. Dieses Narrativ entstand zunächst in Blogs, wurde dann von Teilen der Medien übernommen und fand schließlich Eingang in die wissenschaftliche Fachliteratur. Mittlerweile gibt es zahlreiche begutachtete Fachartikel, die sich einer angeblichen aktuellen „Pause“ in der globalen Erwärmung widmen, einschließlich des neuesten IPCC-Berichts.

Macht die globale Erwärmung also wirklich Pause, oder hat sie gar aufgehört? Mindestens 6 Fachartikel wurden bisher im Jahr 2015 publiziert, die gegen die Existenz einer „Pause“ argumentieren, darunter 3, die von mir und meinen Kollegen James Risbey von der CSIRO in Hobart (Tasmanien) und Naomi Oreskes von der Harvard University verfasst wurden.

Unsere jüngste Arbeit erschien gerade in der Nature Open-Access-Zeitschrift Scientific Reports. Hier sind die drei wichtigsten Ergebnisse unserer Studie.

Die Pause wird nicht durch Daten gestützt

Zunächst analysierten wir die Fachliteratur zu globalen Temperaturänderung in der letzten Zeit. Dies erweist sich als entscheidend, da die Forschung zur „Pause“ mehrere verschiedene Fragen angesprochen und oft vermischt hat: Einige Studien fragten, ob es eine „Pause“ in der Erwärmung gibt? Andere haben gefragt, ob die Erwärmung sich im Vergleich zum langfristigen Erwärmungstrend verlangsamt hat. Und wieder andere haben untersucht, ob die Erwärmung hinter den aus Klimamodellen abgeleiteten Erwartungen zurückgeblieben ist. Diese Fragen sind konzeptionell verschieden und beinhalten verschiedene Daten und unterschiedliche statistische Hypothesen. Unnötige Verwirrung entstand dadurch, dass diese verschiedenen Fragen häufig mit demselben Begriff „Pause“ (oder englisch auch „Hiatus“) verknüpft wurden.

GISS_through_sept2015Globale Mitteltemperatur (Jahreswerte der NASA, relativ zum Bezugszeitraum 1951-1980)

Um diese Verwirrung zu reduzieren, widmen wir uns hier ausschließlich der ersten Frage: Gibt es oder gab es vor kurzem eine „Pause“ in der Erwärmung? Es ist diese (und nur diese) Frage, die wir mit einem klaren und eindeutigen „Nein“ beantworten.

Niemand ist sich einig, wann die Pause begonnen haben soll

Wir haben 40 aktuelle begutachtete Fachartikel über die „Pause“ daraufhin angeschaut, was die Autoren als das Anfangsjahr der „Pause“ betrachten. Es zeigte sich, dass es Unterschiede von rund einem Jahrzehnt (1993-2003) im Anfangsjahr der „Pause“ zwischen den verschiedenen Studien gibt. Statt eindeutig definiert ist diese „Pause“ also ein diffuses Phänomen, dessen angenommener Beginn überall innerhalb eines 10-Jahres-Fenster sein kann. Da die mittlere angegebene Dauer der „Pause“ in diesen Artikeln nur 13,5 Jahre beträgt, muss die diffuse Definition von ihrem Beginn Anlass zur Sorge sein: es ist nicht erkennbar, dass die Wissenschaftler hier über das gleiche Phänomen sprechen, wenn sie von kurzen Trends reden, die bis zu einem Jahrzehnt auseinander begonnen.

Diese Sorge wurde durch unseren dritten Punkt noch verstärkt: die Verteilung der Erwärmungstrends während der in der Fachliteratur angegebenen „Pausen“ war keineswegs extrem oder ungewöhnlich, wenn man sie mit der Verteilung aller beobachteten Trends vergleicht. Nehmen wir die letzten drei Jahrzehnte, in denen die globale Temperatur um 0,6 °C gestiegen ist, hätten wir uns in 30 bis 40 Prozent dieser Zeit in einer „Pause“ befunden, wenn man deren Definitionen in der Fachliteratur folgt. Mit anderen Worten: die akademische Forschung über die Pause spricht typischerweise nicht über eine tatsächliche Pause, sondern bestenfalls über eine Fluktuation in der Erwärmungsrate, die sich im unteren Bereich der diversen Temperaturtrends über die letzten Jahrzehnte bewegt.

Wie die Pause ein Thema wurde

Wenn es gar keine Pause gab, weshalb hat die jüngste Temperaturentwicklung so viel Aufmerksamkeit in der Forschung bekommen?

Ein Grund dafür ist eine Frage der Semantik. Viele Fachartikel behandeln nicht die Abwesenheit von Erwärmung, sondern eine mutmaßliche Diskrepanz zwischen Klimamodellen und Beobachtungen. Diese Studien waren wissenschaftlich wertvoll (wir haben selbst eine dazu verfasst), aber wir glauben nicht, dass diese Arbeiten den Begriff „Pause“ hätten verwenden sollen. Die Beziehung zwischen Modellen (dem was erwartet wird) und Beobachtungen (dem was tatsächlich geschah) ist eine völlig andere Frage als die, ob die Erwärmung pausiert.

Ein zweiter Grund ist die unaufhörliche Herausforderung der Klimawissenschaft durch lautstarke Gegenspieler und „Merchants of Doubt“ (Verkäufer von Zweifeln), die die natürliche Tendenz der Wissenschaftler verstärkt haben, zurückhaltend zu sein mit Berichten über die gravierendsten Risiken, über die sie sich Sorgen machen.

Wir untersuchten die möglichen zugrunde liegenden Mechanismen dafür in einem früheren Artikel, der argumentierte, dass Klimaleugnerthesen in die wissenschaftliche Gemeinschaft „eingesickert“ seien. Wissenschaftler haben sich unwissentlich von einem Sprachgebrauch beeinflussen lassen, der nachweislich von außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft kam, und haben durch die Annahme des Wortes „Pause“ auf subtile Weise ihre Forschung anders dargestellt.

Es ist klar, dass die Forschung über die „Pause“ interessante Erkenntnisse über Klimaschwankungen auf mittleren Zeitskalen erbracht hat. Wir kritisieren diese Forschung nicht. Außer dass diese Forschung gar nicht von einer (nicht vorhandenen) „Pause“ handelte, sondern von einer Routineschwankung in der Erwärmungsrate. Da 2015 so gut wie sicher erneut das heißeste Jahr seit Beobachtungsbeginn ist, ist diese Routineschwankung wahrscheinlich bereits vorüber.

Stephan Lewandowsky ist Lehrstuhlinhaber für kognitive Psychologie an der University of Bristol (England)

Weblink

Eine wesentlich ausführlichere Darstellung der neuen Forschungsergebnisse finden Sie bei Realclimate: Hiatus or Bye-atus?

Literatur

Brysse, K.; Oreskes, N.; O’Reilly, J. & Oppenheimer, M. (2013). Climate change prediction: Erring on the side of least drama? Global Environmental Change, 23, 327-337.

Cahill, N.; Rahmstorf, S. & Parnell, A. C. (2015) Change Points of Global Temperature. Environmental Research Letters, 10, 084002.

Hall, S. S. (2011). At fault? Nature, 477, 264-269.

Lewandowsky, S.; Oreskes, N.; Risbey, J. S.; Newell, B. R. & Smithson, M. (2015). Seepage: Climate change denial and its effect on the scientific community. Global Environmental Change, 33, 1-13.

Lewandowsky, S.; Risbey, J. S. & Oreskes, N. (2015). The “Pause” in Global Warming: Turning a Routine Fluctuation into a Problem for Science. Bulletin of the American Meteorological Society.

Lewandowsky, S., Risbey, J. S. & Oreskes, N. (2015). On the definition and identifiability of the alleged “hiatus” in global warming. Scientific Reports, 5, 16784.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In den Medien war der Hintergrund des Begriffs Klimapause/Erwärmungspause meist ein Zweifel daran, dass die Erwärmung sich wie vorausgesagt fortsetzt, womit dann die bisherige Erwärmung allenfalls einen andere Erklärung finden würde als die stetig steigenden atmosphärischen Konzentrationen an Treibhausgasen.

    Ich erinnere mich an viele Artikel (z:B. hier) dazu. Aber kaum einer der Klimapause-Artikel schreibenden Autoren – nicht einmal Klimaforscher -, machte sich überhaupt die Mühe untere und obere Schranken anzugeben ab denen man von einer Klimapause sprechen könnte. Ich meine damit, dass dieser Begriff nur in einem statistischen Zusammenhang Sinn macht. Dieser statistische Zusammenhang wurde aber von kaum einem Autor beleuchtet (offenbar ist Statistik immer noch nicht massentauglich).

    Etwas wird aber deutlich durch den Erfolg, den der Begriff Klimapause in den Medien und teilweise in den Wissenschaften hatte: Die Erderwärmung ist ein langsamer, in kleinen Zeiträumen unsteter, in grossen Zeiträumen aber möglicherweise geradezu unheimlich stetiger Prozess. Diese Langsamkeit der Erderwärmung relativ zu den für Menschen wichtigen Zeiträumen (20 Jahre, 70 Jahre) ist ein Kommunikationsproblem und auch ein grosses Problem für die Klimapolitik. Ein heute 30-jähriger wird bis zum Ende seines Lebens allenfalls eine globale Temperaturzunahme von 0.5 Celsius wahrnehmen und der zu erwartende Meeeresspiegalanstieg von 2 Metern pro Grad Celsius Erwärmung (und damit von 4 Metern bei 2° Erwärmung) werden sich über Hunderte von Jahren dahinziehen, also über Zeiträume, die viel länger sind als die heutige Lebenserwartung.

  2. Klar gibt es eine Erwärmungspause seit 1997 (innerhalb der Fehlergrenzen) von der durch Satelliten gemessenen Globaltemperatur (RSS und UAH):

    http://woodfortrees.org/plot/rss/from:1997/plot/rss/from:1997/mean:12/plot/uah/from:1997/plot/uah/from:1997/mean:12/plot/rss/from:1997/mean:12/trend/plot/uah/from:1997/mean:12/trend

    Die Satelliten messen im Gegensatz zu den Bodenstationen bis in die Arktis und Antarktis (85°N bis 85°S) und decken den Globus im Gegensatz zu den Bodenstationen nahezu vollständig ab. Es gibt kein großes Arktisloch.

    In die Bodenmessungen gehen zudem die ungenauen Messungen der Meerestemperaturen ein, die noch mit Einerproben und Hand-Thermometern und über die Kühlwasseransaugrohre am Schiffsrumpf von Handelsschiffen gemessen werden.

    Die Satelliten messen seit 1978/79 flächendeckend die Globaltemperatur in der unteren Atmosphäre. Und diese erwärmt sich genau wie der Erdboden.

    Von Satelliten aus bestimmt man nicht nur die Globaltemperatur, sondern auch die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre, oder die Größe des Ozonlochs über der Antarktis. Wer die Temperaturdaten von Satelliten anzweifelt, der muss also auch die anderen Messungen vom Satelliten aus anzweifeln. Das wird aber nicht gemacht.

    • Darauf habe ich natürlich gewartet: das kommt immer, wenn wir hier die Oberflächentemperaturen diskutieren. Die kann man aber nunmal nicht von Satelliten aus messen, sondern diese empfangen die von ihnen gemessene Strahlung aus einem breiten Höhenbereich in der Troposphäre. Sie messen schlicht etwas anderes – mal abgesehen von den vielfältigen Problemen mit Instrumentendrift, Bahnkorrekturen etc.. Wir leben an der Erdoberfläche und interessieren uns daher vor allem für die Temperaturentwicklung dort.

      • aber dort, wo ihnen Satelliten Daten ins Programm passen, nehmen sie gerne darauf Bezug. De Fakto hat sich die Erwärmung verlangsamt, die letzten 15 Jahre sind beinahe flach (HACRUT) und auf KEINEN Fall beschleunigt. Damit sollten auch sie sich so langsam abfinden, wenn sie auf wissenschaftlicher Ebene nicht lächerlich machen wollen.
        Ihr schon abartiges Streben nach der apokalyptischen Erwärmung dürfte bereits in eine chronische Geisteskrankheit mutiert sein. Glaubwürdig ist alles andere, aber nicht ihre Studien und politisch verseuchten Statements. Sie sind der personifizierte Schaden für die moderne Klimatologie, sie wissen es vielleicht noch nicht.

      • Rahmstof,

        Naja, vielleicht treten wir wieder in eine Phase von vermehrten El-Ninos, schnell werden dann die Satdaten einen „höheren Trend“ aufweisen als die Bodendaten, RSS war ja mal unter den „Skeptikern“ nicht ohne Grund verpönt

    • Zitat: „Die Satelliten messen seit 1978/79 flächendeckend die Globaltemperatur in der unteren Atmosphäre. Und diese erwärmt sich genau wie der Erdboden.“

      Dieser Satz ist völlig falsch. Eine Verdopplung des Co2- Gehaltes bringt in der Tropopause nur eine Temperaturerhöhung von 1 K, die Stratosphäre kühlt sich sogar ab. Dies ist auch absolut logisch, sagt die Stahlungsphysik so voraus und die Veränderungen in diese Richtung kann man auch messen. So ist es auch absolut logisch, dass sich die obere Troposphäre im Mittel weniger erwärmt als die Atmosphäre in Bodennähe. Lassen Sie sich also nicht von den Klimawandelleugnern auf den Arm nehmen.

      (PS.: Ist klar, diese Darstellung ist extrem vereinfacht. Aber ich denke, es macht an dieser Stelle wenig Sinn, tiefer in die Atmosphärenphysik einzusteigen.)

    • @Michael Krüger

      „In die Bodenmessungen gehen zudem die ungenauen Messungen der Meerestemperaturen ein, die noch mit Einerproben und Hand-Thermometern und über die Kühlwasseransaugrohre am Schiffsrumpf von Handelsschiffen gemessen werden.“

      Ähm … wir leben aber inzwischen im 21. Jahrhundert. Haben Sie wirklich noch nichts vom Argo-Programm gehört?

      https://de.wikipedia.org/wiki/Argo_%28Programm%29

      • Gestern abend lief auf arte eine m.E. beeindruckende gute Doku: „Klimawandel – woher kommen die Zahlen?“ Beeindruckend für mich vor allem deshalb, weil man erfährt, wieviel Mathematik dahintersteht und wie komplex das Thema ist.
        Aus dem Inhalt: Drei Zahlen sind für das Verständnis des Klimawandels wichtig. Erstens: 0,85 Grad Celsius – um so viel Grad hat sich die Erde seit 1880 erwärmt. Zweitens: 95 Prozent – so wahrscheinlich ist es nach Angaben der Klimaforscher, dass der jüngste Temperaturanstieg mindestens zur Hälfte auf menschliche Einflüsse zurückgeht. Drittens: 1.000 Milliarden Tonnen – dies entspricht der Menge an Kohlendioxid, die die gesamte Menschheit bis 2050 maximal ausstoßen darf, wenn der Klimawandel die kritische Schwelle nicht übersteigen soll. In der zweiteiligen Dokumentation gehen Mathematiker der Berechnung dieser Zahlen auf den Grund.

        Lief zwar schon, gibts aber auch in der Mediathek von arte: http://programm.ard.de/Programm/Jetzt-im-TV?datum=27.11.2015&hour=22
        Wird am Montag vormittag um 08.55 auch nochmal im FS wiederholt.

        Und nicht zuletzt werden auch die ungenauen Eimerproben abgehandelt!!

        • Nunja, es gibt einen grundlegenden Fehler in der Darstellung, aber als Mathematiker wissen es die Autoren wohl nicht besser. Hier wird die Sache so dargestellt, als würden die Modelle auf statistischen Methoden beruhen. Tatsächlich beruhen sie aber auf den physikalischen Grundlagen, die werden nur ein einziges Mal so nebenbei angesprochen. Natürlich werden die statistischen Methoden auch verwendet, sind aber sekundär. Grundlage naturwissenschaftlicher Modellierung ist die Systemtheorie. Ganz hohe Schule der Ingenieurwissenschaften, kennt man als Mathematiker wohl nicht.

          • @Herrn Rahmstorf:
            Das sehe ich so aber nur für den ersten Teil. Im 2. Teil geht es imho vor allem um die Modellierung, hätte ich vielleicht präzisieren sollen. Dort wird sogar ein Beispiel mit dem Kartenspiel Solitär gebracht das suggeriert, dass es auch bei der Klimamodellierung um Zufallsgrößen geht. Finde, das ist voll daneben.

          • Hallo Herr Rahmstorf, denke wir reden aneinander vorbei. Sie beziehen sich direkt auf den Beitrag von Herrn @Michael Fischer, ich hingegen meinte die von ihm angesprochene Dokumentation. Die Darstellung von Herrn Fischer ist vollkommen korrekt und seine Zusammenfassung ist gut gelungen. Nur seiner Wertung der Dokumentation als „beeindruckend“, kann ich leider nicht zustimmen.

            Die Dokumentation besteht aus zwei Teilen, die direkt hintereinander gesendet wurden. Im ersten Teil geht es um jene 0,85 K, die sich die Erde seit 1880 erwärmt hat. Da spielt die Statistik natürlich eine wesentliche Rolle, kann man so stehen lassen. Im zweiten Teil geht es um die beiden anderen Werte. Dort wird gleich am Anfang ein Beispiel (Fußball) zur Attributionsanalyse auf der Basis historischer Daten gebracht und behauptet, dies sei „das selbe Verfahren, das die Klimaforscher zur Ermittlung die Ursachen für den Klimawandel verwenden“. Dies durchzieht den ganzen Film, sodass der Eindruck entsteht, der vom Menschen verursachte Klimawandel würde grundlegend über die Statistik, auf der Basis historischer Daten, begründet und nicht durch die Physik.

            Dies empfinde ich als höchst ärgerlich, eine verpasste Chance – milde formuliert. Schließlich ist dies genau das, was viele Laien glauben, was viele nutzlose „Kurvendiskussionen“ verursacht und die Menschen für die kruden Thesen der Klimawandelleugner anfällig macht.

          • @Jürgen Bucher: „sodass der Eindruck entsteht, der vom Menschen verursachte Klimawandel würde grundlegend über die Statistik, auf der Basis historischer Daten, begründet und nicht durch die Physik.“

            Habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht so empfunden. Die statistischen Verfahren wie Kalman-Filter und Kriging-Test wurden ja als Instrumente zur Homogenisierung lückenhafter Datensätze vorgestellt.

            Mit dem Attributationsverfahren machte Norman Fenton die Gewichtung der Einflussfaktoren deutlich. Ich fand das schon recht eindrucksvoll, wie er mit dem Globusmodell den „Temperatur-Abdruck“ in der Atmosphäre einmal mit und einmal völlig ohne den Einflussfaktor Mensch zeigte. Der Faktor Statistik kam ja hier nur als Kontrolle insofern zum tragen, dass ein Klimamodell die Vergangenheit korrekt abbilden muß (so wie er das mit den Fussball-Tabellen der vergangenen Jahre verglich) – und auch hier wurde ja nochmal die fiktive Temperaturkurve seit 1880 (ohne den Faktor Mensch) zum Vergleich hinterlegt.

            Ich bleib dabei, ich fands richtig gut. Es war nicht auf pathetisch gemacht wie bei Al Gore, sondern kam mit nüchternen Zahlen aus – und gerade deshalb überkam mich vielleicht ein viel mulmigeres Gefühl.

            P.S.: Außerdem rentiert sich die Doku schon alleine wegen der Rothaarigen…

          • @Michael Fischer:
            Vielleicht hat Sie ja die die rothaarige Dame doch etwas zu sehr beeindruckt, denn Sie lassen sich bezirzen und bleiben auch ganz in der Statistik verhaftet 😉 Aber zugegeben, wenn man die Grundlagen nicht kennt, sich diese nicht vorstellen kann, dann ist es kaum möglich, die Methodik der naturwissenschaftliche Modellierung auch nur zu erahnen. Diese Grundlagen sind wirklich ganz hohe Schule, will trotzdem versuchen, sie etwas zu verdeutlichen. Die Modelle beruhen, wie schon oben angerissen, auf der ingenieurwissenschaftlichen Systemtheorie. Diese bedient sich im wesentlichen der Methoden der Regelungstechnik. Z.B. lässt sich in einem ganz einfachen Modell die Erde im System Sonne + Erde als PT1-Glied darstellen. Die meisten Vorgänge in der Natur lassen sich anhand eines PT1-Gliedes, einem Regelglied beschreiben.

            Die einzelnen Teilsysteme werden auf der Basis der zugrundeliegenden Physik mittels Differentialgleichungen beschrieben, die zu solchen Regelgliedern „aufgelöst“ und mittels mathematischer Methoden zu Regelnetzwerken verknüpft werden. Dabei beschreiben die Beziehungen die gegenseitigen Beeinflussungen in der Natur. Das ist etwas ganz anderes, als es die Darstellung in der von Ihnen verlinkten Dokumentation suggeriert. Hier noch ein paar Stichworte zum googeln: Zeitbereich, Bildbereich, Frequenzbereich, Regelglied, Übertragungsfunktion, Laplacetransformation, auch Fourierreihe und Fourieranalyse. Dies sind die Grundlagen, die Statistik kommt da nicht vor, diese ist sekundär.

            Der DWD hat mal eine Heftreihe herausgegeben, in der versucht wird, die einzelnen Komponenten der Modellierung des Klimas zu beschreiben. Verlinke Ihnen alle Hefte, sind etwas schwer zu finden. Sind auch nicht einfach zu verstehen. Aber man erkennt, auch dort geht es, wenn überhaupt, kaum um irgendwelche Daten. Es geht um die physikalischen Zusammenhänge.

            http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publikationen/pdf/promet/pdf_gross/promet_28_34.pdf

            http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publikationen/pdf/promet/pdf_gross/promet_29_14.pdf

            http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publikationen/pdf/promet/pdf_gross/promet30_4.pdf

          • Sorry, die letzte Mail war nicht für Jürgen Bucher bestimmt, sondern für Jürgen K. Außerdem muß es natürlich Attributionsverfahren heißen.

            Ich empfinde die Doku nicht als verpasste Chance. Ich glaube sogar, es war ein richtiger Big Point in punkto Aufklärung. Das waren 90 Minuten Wissenschaft vom Klima, und dann auch noch in Form von Mathematik! So lange wie ein Bundesligaspiel! Und trotzdem derart abwechslungsreich, daß nicht mal ein Quäntchen Langeweile bei mir aufkam.

            Physik und Chemie schön und gut – aber darauf beziehen sich ja gerade Leute wie Klimawandel-Leuger und Meteorologe Thomas Globig in dem von Nemesis eingestellten Filmchen – wie soll da ein Laie herausfinden, wo der Haken ist? Das wurde doch schon so oft versucht.

        • @Michael Fischer:
          Erst mal zu Ihren Fehlerchen: Absolut kein Problem, geht ja aus dem Zusammenhang hervor, wer und was gemeint ist. Schließlich haben wir alle keinen Lektor zuhause sitzen. Mir ist zu Anfang mal passiert, dass ich Herrn Rahmstorfs Name falsch geschrieben habe, dies gibt mir die Gelegenheit, mich nachträglich dafür bei ihm zu entschuldigen. Aber sicher hat er das längst vergessen; an sowas ziehen sich nur Leute hoch, die es nötig haben 😉

          Das Attributionsverfahren mag im ersten Moment verblüffen, aber es ist eigentlich recht simpel und Klimamodelle können viel mehr. Auch wenn mein letzter Post nicht einfach zu verstehen ist (hab‘ ja selbst nicht alles 100% verstanden 😉 ), so sollte doch klar sein, dass die Behauptung aus der von Ihnen verlinkten Dokumentation, dieses Verfahren sei die Grundlage der Klimamodellierung, grundfalsch ist. Leider durchzieht dieser Ansatz den 2. Teil wie ein roter Faden. Natürlich sind auch Datenreihen und Statistik wichtig. Aber sie dienen vor allem der Kalibrierung physikalischer Parameter und zum testen und validieren der Modelle. Darüber finden Sie hier und da was unter den obigen Links. Wenn man auf die Statistik zurückgreift, dann sollte man das imho auch so darstellen.

          Mit den Klimamodellen macht man viel mehr als in der Dokumentation beschrieben. Man zeigt nicht nur den menschlichen Einfluss auf sondern berechnet unterschiedliche Szenarien, die den Unterschied der Auswirkungen bei unterschiedlichem Verhalten des Menschen beschreiben. Schließlich lässt sich das menschliche Verhalten selbst nicht vorhersagen. Der ultimative Test für ein (geeignetes) Modell ist der Berechnung der letzten Eiszeit. Dabei geht es inzwischen aber weniger um den (statischen) Zustand sondern um die Frage, wie kann dieser Zustand überhaupt auftreten und auf welchem Weg findet die Erde wieder aus diesem Zustand heraus? Mit keinem statistischen Modell können Sie solche, wirklich beeindruckende, Fragestellungen beantworten.

          Dass in der Diskussion die statistische Sichtweise überwiegt, zeigt doch gerade die Diskussion um den „Hiatus“ des letzten Jahrzehntes. Diese Diskussion lässt sich eigentlich sowohl statistisch als auch physikalisch bezüglich des globalen Temperaturanstieges leicht als völlig sinnlos entlarven, aber was so ein richtiger Klimawandelleugner ist, den überzeugen Sie auf keine Weise. Die Klimamodelle aber sind denkbar schlecht geeignet, den Klimawandel einem Laien darzustellen. Sie sind deshalb so schwierig zu verstehen, weil sie die Dynamik des Systems beschreiben, die statischen Zusammenhänge sind schon komplex genug. Raymond T. Pierrehumbert zeigt diese umfassend in „Principles of Planetary Klimate“, er braucht dazu mehr als 500 Seiten. Es gibt aber auch Möglichkeiten, das physikalische Grundprinzip recht einfach zu darzustellen, hier in Kapitel 3 eine davon:

          https://de.scribd.com/doc/82022079/9/Das-Strahlungsgleichgewicht

          Man kann dies natürlich auch bildlich und verbal darstellen, die mathematisch- physikalischen Zusammenhänge können dann mehr in den Hintergrund treten. Man kann die Sache auch historisch angehen, der Treibhauseffekt ist bereits seit fast 200 Jahren bekannt. Nutzt aber alles nichts bei einem hartgesottenen Gegenüber. Warum das so ist, beschreibt Gunkl hier auf brillante Art am Beispiel der Mondlandung und im 2. Teil ganz allgemeingültig. Wünsche viel Vergnügen zum Nachtisch nach dieser schweren Kost. 😉

          https://www.youtube.com/watch?v=cXh3Ns0JWn0

    • Selbst wenn man sich darauf einlässt und danach fragt, ob in den Satellitendaten ein „Hiatus“ zeigt, dann müsste man sich eher ff. Diagramm anschauen:
      http://woodfortrees.org/plot/rss/from/mean:12/plot/uah/from/mean:12/plot/rss/from:1997/mean:12/trend/plot/uah/from:1997/mean:12/trend/plot/rss/mean:12/trend/plot/uah/mean:12/trend

      Ich hab das jetzt nicht nachgerechnet, aber bei der kurzen Zeitreihe würde es mich sehr wundern, wenn bei den UAH-Daten der Trend seit 1997 signifikant verschieden wäre vom Trend seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen.
      Und auch bei den RSS-Daten, würde jemand, der an einem statistischen Beleg für eine Verlangsamung des Erwärmungstrends ernsthaft interessiert ist, zunächst danach fragen, wie das Jahr 1998 zu bewerten ist. Der Leverage dieses Datenpunktes dürfte ziemlich hoch sein und damit der einfache lineare Trend statistisch fragwürdig. Ohne weitere Informationen müsste man dieses Jahr wohl als Ausreißer aus dem Datensatz eliminieren. Da man aber weiß, dass ein starker El Nino zu diesen außergewöhnlich hohen Temperaturen beigetragen hat, würde man wohl eher versuchen, diesen Faktor in der Berechnung des Trends zu kontrollieren. Vielleicht reicht es auch, abzuwarten, was das Jahr 2016 mit einem wohl starken ElNino-Effekt für diese Datenreihe bedeutet. Möglicherweise reicht es schon aus, um den Kurzzeit-Trend wieder auf Linie des langfristigen Trends zu bringen.

    • @ Krüger

      „Die Satelliten messen im Gegensatz zu den Bodenstationen bis in die Arktis und Antarktis (85°N bis 85°S) und decken den Globus im Gegensatz zu den Bodenstationen nahezu vollständig ab. Es gibt kein großes Arktisloch.“

      Und warum verlinken sie dann die Daten von RSS welche im TLT-Bereich nicht Global, sondern zwischen 82.5N bis 70S messen? Siehe auch: http://data.remss.com/msu/graphics/TLT/time_series/RSS_TS_channel_TLT_Global_Land_And_Sea_v03_3.txt oder hier: http://images.remss.com/data/msu/graphics/tlt/medium/global/ch_tlt_2015_10_v03_3.png (komplette Antarktis Grau da keine Messung dort)

      Sie sind mir ein „Skeptiker“, erst Bodendaten mit Satdaten widerlegen wollen (letzte werden nun auch bald den Angriff auf neue Höhen vornehmen) und dann nichtmal wissen, was und wo genau die Satdaten den messen.

  3. Zu dieser Studie kann man nur anhaltenden Beifall spenden. Es ist doch gut, wenn mal jemand von einer anderen Disziplin, aus einem etwas anderen Blickwinkel heraus, dieses Phänomen anschaut. Weder eine natur- bzw. klimawissenschaftliche noch eine ordentliche statistische Begründung dafür waren je auszumachen. Die Schwankungen liegen im ganz normalen, zu erwarteten Bereich, was auch hier wieder bestätigt ist. Die Klimaforschung hätte den „Hiatus“ eigentlich ignorieren müssen, die Klimakrieger haben wohl mal wieder ganze Arbeit geleistet. Nichts destotrotz, das hat dazu geführt, dass es nun eine Reihe von interessanten Arbeiten zu dieser„Pause“ gibt. So hat dieses cherry picking auch eine gute Seite. Allerdings sind wieder einige Jahre vergangen, in denen sich politisch nichts getan hat. Hoffen wir also auf Paris.

  4. Da wurde unlängst eine Studie in der ZIB 1 ORF vorgestellt, welche besagt, dass alle Bergstationen in den Alpen seit 30 Jahren im Winter um ein Grad abgekühlt sind. Scheinbar ist das korrekt, nach ersten Recherchen, wird vom Wetterdienst in Österreich und der Schweiz bestätigt.

    Wie kann man diesen Klimamodellen vertrauen, die doch eine ganz andere Entwicklung zeigten?

  5. Obacht, um 1990 herum waren im Alpenraum grad mehrere Winter hintereinander von Dauerhochdrucklagen mit hartnäckiger Inversion dominiert – das Wetterrauschen filtert sich in dieser Lokalbetrachtung selbst in der 30-Jahre-Periode nicht heraus, weil alle Ausreisser ziemlich am Beginn der Zeitreihe stehen. Längerfristige Anschauungen zeigen diese Trendanomalie nicht, und es gibt keinen Grund (weder physikalisch noch modelltechnisch), warum der winterliche Alpenraum eine Ausnahme zur globalen Entwicklung machen sollte (jedenfalls habe ich noch keinen vernommen).

  6. Nope, von „Erwärmungspause“ kann man wahrlich nicht reden. Der Dezember 2015 zeigt durchaus Anzeichen frühlingshaften Verhaltens^^ Hier die derzeitigen positiven Anomalien in Deutschland (mittlere Abweichung +5.54K!):

    http://www.bernd-hussing.de/TT22.jpg

    Und die USA legen da locker noch ne Schüppe drauf !:

    http://icons.wxug.com/hurricane/2015/dec-15-us-anoms.jpg

    21.12.2015 – Holiday Heat is On in Europe, Australia, Eastern U.S.

    The year 2015 is is just days away from nabbing the top spot as the world’s warmest in more than a century of recordkeeping. As if to emphasize the point, the year is wrapping up with a blaze of December heat records around the globe. Some of the most exceptional numbers are being tallied over eastern North America, Europe, and Australia, which all ran quite warm in November as well. To be sure, some individual days have been standouts–and there are more of those to come–but the truly striking aspect of this month’s heat is its tenaciousness. We remain in the firm grip of a strong El Niño, as well a strongly positive North Atlantic Oscillation that’s keeping Arctic air on a tight leash at high latitudes. …“

    http://www.wunderground.com/blog/JeffMasters/holiday-heat-is-on-in-europe-australia-eastern-us

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