Sibirische Kälte, Vahrenholt

Die derzeitige Wetterlage ist sehr interessant – entspricht sie doch dem, was als Folge der schwindenden Eisdecke in der Arktis vorhergesagt wurde. Im Dezember 2010 haben wir den Mechanismus hier in der KlimaLounge erklärt (Werden Winter kälter?). Hier die damals gezeigte Grafik:

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Die eisfreie Fläche in der Barents-Kara-See begünstigt die Bildung eines Hochdruckgebietes in dieser Gegend, das dann Kaltluft nach Osteuropa und bis nach Deutschland lenkt. Diese Hypothese wurde von meinem PIK-Kollegen Vladimir Petukhov aufgestellt, nachdem im Winter 2005/2006 erstmals eine solche Situation aufgetreten war. Petukhov untersuchte diese Hypothese mit Modellsimulationen und reichte im November 2009 seine Studie dazu ein (siehe PIK-PM). Prompt zeigten die folgenden Winter gehäuft diese Wetterlage, wie sie jetzt auch wieder entstanden ist (nach sehr mild verlaufenem Dezember und Januar). 2010 habe ich dies noch vorsichtig als „Modellergebnis, das noch bestätigt werden muss“ bezeichnet. Jetzt hat eine systematische Datenauswertung des Alfred-Wegener-Instituts diesen Zusammenhang bestätigt. Solche kalten Winterwetterlagen bei uns werden offenbar tatsächlich durch die globale Erwärmung begünstigt.

Die Satellitendaten zeigen derzeit wieder die eisfreien Bereiche vor der russischen Küste:

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Und auf dieser aktuellen Wetterkarte sieht man das Hoch etwas südlich von der Barentssee:

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Auch die Temperaturverteilung ist wieder ähnlich wie damals: Eiseskälte bei uns, ungewöhnlich warm weiter westlich, in Island und dem Süden Grönlands, wo derzeit Plus-Temperaturen herrschen. Durch eine bestimmte Anordnung von Hochs und Tiefs werden Luftmassen und damit Wärme umverteilt. Im globalen Mittel hebt der Effekt sich weitgehend weg, denn die globale Temperatur wird hauptsächlich von der globalen Strahlungsbilanz bestimmt. Der bei uns kalte Winter 2009/2010 (siehe erste Grafik im damaligen Artikel) war laut NASA-Daten global der zweitwärmste seit Beginn der Messungen, übertroffen nur durch den Winter 2006/2007.

Vahrenholt-Thesen

Damit ist auch klar, dass phasenweise kalte Wintertemperaturen in Europa nicht etwa ein Hinweis auf eine Verlangsamung der globalen Erwärmung sind. Einen solchen Zusammenhang hatte RWE-Manager Fritz Vahrenholt vor über einem Jahr in einem Zeitungsbeitrag (Die Welt, 22.12.2010) hergestellt, den er mit den Worten begann:

Der zweite außergewöhnlich kalte Winter in Nordeuropa und Nordamerika kündigt sich an, und schon gibt es erste Zweifel an der durch Klimagase verursachten globalen Erwärmung.

In diesen Tagen läuft schon kräftig die PR für Vahrenholts neues Buch, in dem solche Thesen offenbar weiter ausgebreitet werden. Ich habe in Vahrenholts Artikeln und auch seinen Stellungnahmen in der KlimaLounge (unter diesem Artikel und hier) genug gesehen um zu erkennen, dass er lediglich altbekannte „Klimaskeptiker“-Argumente aufwärmt, die auf den einschlägigen Websites zirkulieren und schon vielfach widerlegt wurden (auf deutsch z.B. bei klimafakten.de). Sollte in Vahrenholts Buch wider Erwarten irgendein interessantes neues Argument auftauchen, können unsere Leser dies natürlich gerne hier im Forum zur Diskussion stellen.

Wer sich mit seinen Thesen auseinandersetzen möchte, dem seien die folgenden Artikel empfohlen:

RWE-Manager Vahrenholt zum Klima (KlimaLounge, September 2010)

Es winkt die RWE-Lobby (taz und KlimaLounge, Februar 2011)

Wider die Rosinenpickerei der Klimaskeptiker (Süddeutsche, Juni 2011)

Eine neue Klimawette (KlimaLounge, Juni 2011)

Mit dem Hintergrundwissen dieser Artikel wird sich jeder interessierte Leser leicht ein eigenes Bild machen können, ob Vahrenholt redlich argumentiert. Wie hält er es zum Beispiel mit dem britischen Sonnenforscher Mike Lockwood, der in seiner Forschung gezeigt hat, dass die Sonne eine völlig untergeordnete Rolle bei den aktuellen Klimaveränderungen spielt? Lockwood:

Die Wirkung der vom Menschen verursachten Treibhausgase auf den Klimawandel der letzten Jahrzehnte ist ein Vielfaches größer als der Effekt von solaren Schwankungen.

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Potsdam, Heiliger See, am 4. Februar.

Vor einem Jahr benutzte Vahrenholt Lockwood noch als Kronzeugen für das Gegenteil – täte er es im Buch immer noch, wäre das wider besseres Wissen. Lockwood ist übrigens einer der Autoren einer neuen Studie (siehe PM des britischen Met Office) die zeigt, dass selbst eine erwartete deutliche Abschwächung der Sonnenaktivität die globale Erwärmung im 21. Jahrhundert lediglich um 0,09 °C oder im extremsten Szenario um 0,26 °C abschwächen würde. Also das Gegenteil der vom Verlag angekündigten Vahrenholt-These. Diese Zahlen der britischen Kollegen stimmen exakt mit denen einer früheren Studie von uns überein (Feulner & Rahmstorf 2010 – siehe PIK-PM).

Solche Forschungsergebnisse werden aber nicht nur in Deutschland von interessierter Seite in ihr Gegenteil verkehrt – das britische Met Office musste gerade eine Reihe von Falschbehauptungen der Boulevardzeitung Daily Mail richtig stellen („The article includes numerous errors in the reporting of published peer reviewed science“), die behauptet hatte, die globale Erwärmung sei zum Stillstand gekommen und durch die schwächelnde Sonne drohe eine Abkühlung.

Wie man solche Klimaskeptikerthesen unter die Leute bringen und gleichzeitig mit Messdaten widerlegen kann, zeigt übrigens gerade Focus in der aktuellen Ausgabe (30. Januar) aufs Schönste. Dort wird (in einer Lobeshymne auf Vahrenholts Buch) behauptet, „die jüngste Erwärmung […] dauerte bis etwa zum Jahr 2000.  Das wärmste Jahr war 1998.“ Dazu sind die Messdaten der NASA abgebildet (suggestiv mit Sonneneruptionen unterlegt), anhand derer die Leser sich leicht vom Gegenteil überzeugen können. Vermutlich wollte man die HadCRU-Daten zeigen: Weil in diesem Datensatz der am stärksten erwärmte Teil des Planeten, die Arktis, weitgehend ausgespart ist (das bekannte Arktis-Loch), zeigt er in letzter Zeit etwas kühlere Temperaturen als die anderen Bodendaten und 1998 ist in den HadCRU Daten tatsächlich noch am wärmsten. Zumindest in der alten Version 3; in der neuen Version 4 der HadCRU-Daten, die gerade publiziert wird, ist dieses Artefakt durch eine erweiterte Datenbasis deutlich reduziert. Siehe dazu auch den sehr informativen Focus-Artikel 2010 war das wärmste Jahr. Zitat:

Unterm Strich, betonen Klimaforscher, zeigen diese Daten, dass die globale Erwärmung in den vergangenen Jahren keineswegs zum Stillstand kam, wie einige ‚Klimaskeptiker‘ behaupten.

Links (mehrfach ergänzt):

Kälte aus dem All? DIE ZEIT zu Vahrenholt und seinen Verbindungen zur Klimaskeptiker-Lobbytruppe EIKE.

Kalter Kaffee zur Sonne. Der Klima-Lügendetektor zum Vahrenholt-Buch. Und Teil 2.

Ist der Mensch wirklich schuld? Auszug aus Wolken, Wind & Wetter zur Rolle der Sonne und anderen Faktoren.

Skeptiker im Faktencheck. ZEIT-Online zum Vahrenholt-Buch. (Sehenswert die Infografik.)

Welche Rolle spielt die Sonne? Meine Einschätzung bei Spektrum.de

„Global Warming Has Stopped“? How to Fool People Using „Cherry-Picked“ Climate Data. Peter Gleick bei Forbes.

Neue Broschüre des Umweltbundesamtes zu den Fragen: hat die Erwärmung aufgehört, und ist die Sonnen schuld?

Analyse: Wie redlich ist Vahrenholts Buch „Die kalte Sonne“? Eine Buchpassage zum Anstieg der Meeresspiegel im Fakten-Check bei klimafakten.de. 

Und noch ein wortgewaltiger Artikel zur „Kalten Sonne“ aus der Schweiz, geschrieben vom Parlamentsabgeordneten Beat Jans (Naturwissenschaftler, ETH Zürich), erschienen in der Basler Zeitung.

Forscher fühlen sich von Klimaskeptiker Vahrenholt instrumentalisiert. ZEIT-Online zu Vahrenholts Umgang mit den Ergebnissen von Klimaforschern.

PS zu den VenedigArtikeln: Inzwischen habe ich die volle Acqua Alta Fotoserie zu meinem Mare-Artikel über die Zukunft Venedigs online. Zum Thema gab es kürzlich auch ein Interview mit Inforadio.

 

 

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke

    Vielen Dank für diese Interpretation widersprüchlicher Aussagen und die Linktipps! Es fällt als klimatologischer Halblaie manchmal schwer, die verschiedenen Aussagen in den Medien einzuschätzen.

  2. Für den Oberrhein wurden noch vor 10 Jahren allerdings wärmere Winter prognostiziert. Ich wünschte, es käme so!

    Für wie lange gilt diese neue Kälteprognose denn nun?

  3. Klimaprognosen an Realität angepasst

    Merkwürdig. Viele Klimaforscher hatten uns noch vor einigen Jahren – passend mit den Wärmewintern – eine Zunahme der warmen und schneearmen Winter versprochen. Der Klimaforscher Mojib Latif verkündete noch im Jahr 2000: “Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben”.

    Es scheint so, als ob die Klimaprognosen an die Realität angepasst werden. Wir erinnern uns, die letzten drei Winter in Deutschland sind zu kalt ausgefallen. Der Winter 2008/09 war um -0,4°C zu kalt, der Winter 2009/10 war um -1,5°C zu kalt und der Winter 2010/11 war um -0,8°C zu kalt.

    Und wir erinnern uns auch an die Kältewinter 1995/96 und 1996/97? Schon damals versprach uns Mojib Latif kalte Winter.

    Nicht zum ersten Mal werden also die Prognosen an die Realität angepasst.

    [Antwort: Lieber Herr Krüger, ich hatte genau deshalb extra erwähnt, dass Petukhov sein Paper im November 2009 eingereicht hat (der Einreichungstermin wird aus solchen Gründen auch immer mit abgedruckt), also vor dem kalten Winter 2009/2010, allerdings war die Untersuchung motiviert durch den kalten Winter 2006/2006. Was die Aussagen des Kollegen Latif angeht: als KlimaLounge-Leser wissen Sie sicher, dass wir hier damit nicht immer einverstanden sind. Sollte er tatsächlich gesagt haben, dass es ab jetzt keine kalten Winter mehr geben wird, dann war diese Aussage sicher nicht durch die Wissenschaft gedeckt (dazu muss man sich ja auch nur mal die Zeitreihe ansehen, die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind sehr groß gegenüber dem bisherigen Erwärmungstrend). Vielleicht hat er ja aber auch etwas anderes gesagt oder gemeint – ohne Kontext kann ich das nicht bewerten. Stefan Rahmstorf]

  4. Ja, sehr interessant !

    Ich denke, wir müssen uns auf eine größere Wettervariabilität als bisher in Mitteleuropa gewohnt, gefaßt machen.
    Es ist ja nicht auszuschließen, daß es in Mitteleuropa im Jahresmittel aufgrund „Globaler Erwärmung“ kühler wird.
    Ich find das immer so witzig, wenn „Klimaänderungsskeptiker“ in Triumpfgeheul ausbrechen, wenn sich eine Kältewelle über Europa legt.

  5. wie lange dauert dieses Phänomen?

    @Tim, was für den Oberrhein prognostiziert wurde (eine so regionale Prognose würde ich an sich für gewagt halten), weiß ich zwar nicht, aber die Frage, wie lange dieses Phänomen nun auftreten kann ist tatsächlich interessant!

    Ich bin leider zu wenig vom Fach und die Papers sagen dahingehend auch wenig (oder ich habs nicht verstanden). Daher die Frage, hält das Phänomen bei weiterer Erwärmung, mit der Folge eines noch größeren eisfreien Bereichs an oder wird es einen Punkt gehen, ab dem dieses Hoch die Luft anders verfrachtet?

    [Antwort: Laut Petukhovs Paper verschwindet das Phänomen später wieder, wenn das Eis noch weiter zurück geht. Stefan Rahmstorf]

  6. Interessant

    >> Die derzeitige Wetterlage ist sehr interessant – entspricht sie doch dem, was als Folge der schwindenden Eisdecke in der Arktis vorhergesagt wurde.

    Tatsächlich? Als es vor wenigen Jahren mildere Winter gab, hieß es, jawohl, ganz eindeutig eine Folge der Klimaerwärmung.* Starken Frost und Schnee werden wir künftig nicht mehr, oder nur noch ganz selten haben. Prompt wurde es doch wieder kalt und schneereich. Und nun ist ein kalter Winter nicht nur kein Widerspruch, nein, es ist sogar ein Beweis für die Klimaerwärmung. Frühere, widersprüchliche Aussagen werden gekonnt ad acta gelegt.

    *Vielleicht nicht einheitlich von allen der zahlreichen Klimaforscher. Was aber wiederum zeigt, dass die ganze Angelegenheit wohl doch nicht ganz so einfach zu belegen ist, wie so mancher das gerne glauben machen will.

    [Antwort: Natürlich sind kalte Winter nicht ein Beweis für die Klimaerwärmung – wo haben Sie das her? Der Beweis für die Klimaerwärmung ist der längerfristige Aufwärtstrend in den Temperaturdaten – übrigens ist diese Erwärmung bei uns im Winter sogar noch größer als im Durchschnitt, schauen Sie einmal die Temperaturdatenreihe in meinem Artikel ‚Werden Winter kälter‘ (oben verlinkt) an. Winter werden eben nicht generell kälter, auch dieser Winter war ja im Dez/Jan sehr mild, aber trotzdem kann sich nach den Modellrechnungen und den Datenauswertungen häufiger die besondere Wetterlage mit kalter Polarluft einstellen, die wir jetzt gerade haben. Stefan Rahmstorf]

  7. Prognose für zukünftige Winter

    @Prof. Rahmstorf

    Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, wäre es doch sinnvoll, wenn Sie eine Prognose/Einschätzung dazu abgeben würden, ob wir in den nächsten Jahren/Jahrzehnten infolge des Klimawandels in Deutschland eher wärmere, oder kältere Winter erwarten dürften?

    Schwammige Aussagen – insbesondere von Herrn Latif – gibt es ja zu genüge.

    Ich hätte da gerne eine persönliche Einschätzung von Ihnen, an der man den Stand der Klimaforschung bemessen kann. Danke.

    [Antwort: Lieber Herr Krüger, es gibt hier zwei gegensätzliche Effekte. Erstens werden durch die steigenen Treibhausgasmengen die Temperaturen global immer wärmer – auch bei uns in Deutschland. Zweitens zeigen aber die oben genannten Studien, dass es im Winter tendenziell häufiger zu einer Wetterlage wie derzeit kommt, mit einem Kältehoch in der Gegend der Barentssee. Das kann dann so aussehen wie diesen Winter, dass wir erst einen sehr milden Dezember und Januar haben, dann aber sich diese spezielle Wetterlage einstellt und das Hoch sich dort auch längere Zeit hält. Wie sich das Zusammenspiel dieser Faktoren in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren weiter entwickelt wage ich nicht zu prognostizieren. Man muss ja auch bedenken, dass die Schwankungen von Jahr zu Jahr regional schon von Natur aus sehr groß sind (ca. 10 Grad Unterschied zwischen dem kältesten und wärmsten Winter z.B. bei unserer Station Potsdam), und diese natürlichen Schwankungen gibt es ja trotz anthropogener Effekte weiterhin. Auf lange Sicht – wenn man fünzig oder mehr Jahre in die Zukunft schaut – wird der anthropogene Treibhauseffekt allerdings derart dominant, dass er diese natürlichen Schwankungen auch lokal völlig in den Schatten stellt. Im globalen Mittel tut er das schon längst, weil da die natürlichen Schwankungen viel kleiner sind. Stefan Rahmstorf]

  8. Beweis

    Vielleicht war der von mir verwendete Begriff „Beweis“ etwas unpassend gewählt. Ich denke aber, Sie wissen, was ich meine. Es geht mir darum, dass beispielsweise milde Winter mit dem Klimawandel begründet werden (Klimaerwärmung -> also milde Winter), kalte Winter aber entweder als „Ausreißer“ angesehen werden, oder ebenfalls auf den Klimawandel zurück geführt werden. Und das aber nicht über einen längerfristigen Zeitraum, sondern von einem Jahr auf das andere. Ich wollte damit auch nicht so sehr auf das Papier des Herrn Vladimir Petukhov eingehen, oder auf den Artikel des Alfred-Weger-Institutes, sondern eher auf die erstaunlich schnell wechselnden Argumente und Begründungen aus verschiedenen Richtungen, warum nun dieses und jenes Wetterphänomen, ein milder oder kalter Winter etc. ein Beleg für den Klimawandel ist.

  9. Eine Frage

    „Die eisfreie Fläche in der Barents-Kara-See begünstigt die Bildung eines Hochdruckgebietes in dieser Gegend.“
    Weiss jemand, wie es genau dazu kommt? Eigentlich erwartet man doch, daß eine relativ warme Wasseroberfläche die Ausbildung eines Tiefs begünstigt

    [Antwort: Guter Punkt – dieselbe Frage habe ich Herrn Petukhov damals auch gestellt. In den mittleren Breiten würde man über dem warmen Gebiet wegen aufsteigender Luft ein Tief erwarten. In polaren Breiten ist das aber nicht so, weil die Atmosphäre dort so stabil geschichtet ist, dass die relativ warme Luft nicht weit aufsteigen kann. Stefan Rahmstorf]

  10. Spiegel und Focus

    Als Journalist habe ich eine Einladung zur Pressekonferenz zum Buch am Montag bekommen – mit Vahrenholt und Stefan Aust! Windkraftgegner Aust hat seinerzeit den Softklimaskeptiker Olaf Stampf als Ressortchef beim Spiegel installiert. Und der dezidierte Klimaskeptiker Weimer hat den langjährigen Skeptiker-Aktivisten Miersch als Ressortchef bei Focus installiert. Seriöse Berichterstattung zum Klima ist in beiden Magazinen nicht mehr zu erwarten. Zum Glück gibt es noch Zeit und Süddeutsche!

  11. Latif wurde vermutlich falsch zitiert.

    @Michael Krüger, Stefan Rahmstorf

    >>> Der Klimaforscher Mojib Latif verkündete noch im Jahr 2000: “Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben”.

  12. … continued

    (Da hat mir irgendwas eben gerade die Formatierung zerfetzt.)

    Zur Klärung: Latif sprach vermutlich vom Jahr 2100, das Zitat ist unvollständig. Es ist 12 Jahre später nicht eindeutig zu sagen, wie es zu dieser Nachlässigkeit gekommen ist – aber bei telefonischen Interviews passieren solche Dinge leicht.

    Wenn man bei Google herumstöbert, findet man mehrere Interviews aus der Zeit mit dem gleichen Motto „keine Winter mehr“ – aber wo eindeutig vom nächsten Jahrhundert gesprochen wird (manchmal auch von 2050).

    Zum Beispiel hier:

    http://www.stern.de/…r-in-100-jahren-534998.html

    „Nach Untersuchungen des Klimaforschers Mojib Latif wird es wegen der zunehmenden Erderwärmung in 100 Jahren im Flachland praktisch gar keinen Winter mehr geben.“

    Nebenbei bemerkt:
    Schaut man sich die Streubreite der Wintertemperaturen im Vergleich mit der Erwärmung in Deutschland* an, sollte jedem sofort klar sein wie unsinnig eine Aussage „es gibt AB SOFORT keinen Winter mehr“ wäre.

    * http://de.wikipedia.org/…imestamp=20110716130903

    [Antwort: Bezogen auf das Jahr 2100 ist Latifs Aussage völlig korrekt. Ich kann es in diesem Fall nicht nachprüfen, aber leider werden Forscher oft unvollständig und aus dem Kontext zitiert und den Aussagen so ein ganz anderer Sinn gegeben. Stefan Rahmstorf]

  13. Zusammenfassung

    Kann man die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse (ich will hier auf die Kritiker eingehen) in etwa so zusammenfassen: Die anthropogene globale Erwärmung ist eine äußerst gut belegte Theorie, aber für die Winter in Deutschland – wo zusätzlich Wärme-Umverteilung innerhalb der Atmosphäre, vornehmlich durch Luftströmungen, berücksichtigt werden muss – sind Vorhersagen wesentlich komplexer zu tätigen und daher auch ungemein unsicherer.

    Das Paper von Petukhov – sagt es lediglich aus, dass Kältehochs bei uns häufiger werden – aber nicht wie stark sich das auf die gesamten Winter auswirkt? Immerhin strebt ja der allgemeine Temperaturtrend nach oben.

    Ich habe das Gefühl, dass Beobachter von den Klimawissenschaftlern erwarten, dass sie nachdem sie mit der AG(!)W sehr gewiss an die Öffentlichkeit treten nun auch die Winter in Deutschland genau voraussagen müssen. Dabei ist man wohl eher bereits froh, wenn man Teile des lokalen Geschehens (hier Kältehochs) ansatzweise und teilw. noch auf unsicherer Basis verstehen kann; wobei die Erkenntnisse beim lokalen Geschehen derzeit sehr viel unsicherer sein müssen, da man ja weiß, dass die Komplexität lokaler Prognosen viel höher ist – umso mehr, umso kleinskaliger man schaut.

  14. Was wäre wenn…

    Wir diskutieren in diesem Forum gerade eines der zahlreichen indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf unser aktuelles Winterwetter. In diesem Moment beeinflusst aber auch der Treibhauseffekt in der Atmosphäre direkt über uns unmittelbar die Bodentemperatur. Meine Frage ist: welche Temperatur würden ich messen, wenn ich mir für den Moment die Kohlendioxid- Konzentration auf den vorindustriellen Stand von 240 ppm zurückgesetzt denke- unter sonst festgehaltenen Wetterbedingungen (wolkenloser Himmel, mäßiger Nordostwind, Schneebedeckung, etc). Ich denke, diese Rechnung müsste einfach durchzuführen sein, denn die turbulenten Vorgänge bei der Bildung der Hoch- und Tiefdruckgebiete und eventueller Wolken sollen hierbei ja nicht berücksichtigt werden. Würden wir als Ergebnis eine Temperaturerniedrigung von 1°C (also -11°C statt -10° C, die ich jetzt in diesem Moment bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel messe) erhalten, analog zum mittleren Temperaturanstieg in Deutschland um ca. 1° seit Beginn der Industrialisierung?

  15. @Ole Sumfleth

    Herr Latif wurde nicht falsch zitiert. Seine Prognose laute im Jahr 2000 bis vor wenigen Jahren noch, dass die warmen Winter in Deutschland zunehmen werden.

    http://www.youtube.com/watch?v=7J98tU9HRJs#t=4m

    Entsprechend einem gezinkten Würfel. Kalte Winter – also die 1 – kommen immer seltener. Die warmen Winter – die gezinkte 6 – nehmen hingegen mit der globalen Erwärmung zu. Hier in Deutschland und das ab jetzt/damals.

    Gerade rechtzeitig zu den kalten Wintern der letzten 3 Jahre, wird auf einmal die Prognose von Latif wieder verworfen/relativiert.

    Und auf einmal werden auch nicht mehr Kältekatastrophen infolge der globalen Erwärmung ausgeschlossen. Extreme in beide Richtungen sollen zunehmen, heißt es jetzt.

    Ich hätte ganz einfach eine Abschätzung dazu, in welchen Maß die Wärmewinter, oder Extreme zunehmen werden. Daran könnte man den Stand der Klimawissenschaft bemessen. Aber anscheinend traut sich kein Klimaforscher mehr zu sich dort festzulegen.

    So kann man seine Aussagen immer wieder neu relativieren, oder den Realitäten anpassen.

  16. also wie nun?

    erklären sie uns doch bitte kurz (der Link dazu ist nicht allen zugänglich) wie dieses Hochdruckgebiet nördlich von Skandinavien zustande kommen soll.
    Denn, auch eine nur in unteren Luftschichten auftretende Erwärmung macht die Luftsäule relativ gesehen leichter, als die der Umgebung, folglich, Tiefdruckgebiet.
    Außerdem kann das Hoch wie eingezeichnet kaum großflächig kalte Luftmassen über fast ganz Europa strömen lassen, es könnte im dargestellten Fall sogar ganz West und Mitteleuropa in einer milden Südwest bis Südlage liegen.
    Hier wäre wirklich etwas Aufklärung von Nöten, bevor man daraus grobe Schlüsse zieht, danke!

  17. Artikel von Bild

    Jetzt ist die Wahrheit heraus und wer hat sie entdeckt? Natürlich die BILD-Zeitung, die müssen es ja wissen, denn welche deutsche Tageszeitung ist an Seriosität noch zu übertreffen:

    link: http://www.bild.de/…r-politik-22467268.bild.html

    Allein durch das Lesen dieses Artikels müssten Leugner des anthropogenen Klimawandels ihre Position überdenken, denn wer stellt sich freiwillig auf die selbe Stufe wie diese sensationslüsternen Klatschreporter. Zitat: „Oder ist die globale Erwärmung nur eine große CO2-Lüge hysterischer Wissenschaftler? Ein Autorenteam um Hamburgs Ex-Umweltsenator Fritz Vahrenholt gibt Entwarnung“ Na wenn es denn so ist, dann wird ja alles gut. Vahrenholt kennt sich aus und ist völlig unvoreingenommen. Machen wir weiter so wie bisher, ist auch bequemer und RWE kann weiter aus Kohle Kohle machen.

    Until then, cheerio.

  18. Danke sehr !

    Hervorragend, wie Sie immer wieder mit viel Energie und im Detail die immer absurderen Behauptungen der Leugner der durch uns Menschen verursachten Klimaveränderungen wiederlegen! Tausend Dank und weiter so!!

  19. Schon klar, Robert

    Weil die Helden von der BILD wie gewohnt Texte auf ein paar plakative Aussagen herunter brechen, ist automatisch alles, was Vahrenholt schreibt, Unsinn? Weder schreibt er etwas davon, dass alles Lüge sein, und schon gar nicht gibt er Entwarnung. Das behaupten nur die BILD-Schreiber. Und was soll dieser Hinweis auf die Voreingenommenheit von Vahrenholt? Wenn man z.B. Herrn Rahmstorf liest, verhält sich die Zunft der Klimaforscher ähnlich. Die eigenen Wahrheiten zählen, das ist so und hat gefälligst so zu sein. Kommt jemand daher, der diese Meinung eben nicht vollständig teilt, wird er umgehend abgekanzelt. Und sei es wie bei Ihnen der Hinweis darauf, dass er bei RWE arbeitet. So etwas ist natürlich schon ein Übel an sich, produzieren die den Strom doch aus lauter Boshaftigkeit, nicht etwa, weil er benötigt wird.

  20. @ Michael Krüger

    Anscheinend verstehen sie die wissenschaftliche Methode nicht, wenn sie solche Dinge sagen:

    >>Gerade rechtzeitig zu den kalten Wintern der letzten 3 Jahre, wird auf einmal die Prognose von Latif wieder verworfen/relativiert.

    Das ist ja gerade die Staerke, die viele Menschen nicht verstehen koennen (wollen). Eine Theorie wird an die Fakten angepasst nicht umgekehrt.

    Es gibt (noch) keine endgueltigen Wahrheiten. Auch wenn das viele gerne haetten. Selbst Newtons, Einsteins und Darwins Theorien werden regelmaessig an neue Erkenntnisse angepasst.

  21. Wenn der Mojib erzählt. Neues vom Zinker

    Mal eine andere Erklärung für die Kältewinter in Deutschland.

    In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an: “Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben”, sagt der Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. (SPIEGEL ONLINE, 1.4. 2000)

    NDR Info: Herr Latif, wie passt das also zusammen: Klimaerwärmung und Eiswinter?
    Mojib Latif: Man muss natürlich auch sehen, dass es nicht nur den menschlichen Einfluss auf das Klima gibt, sondern eben auch die natürlichen Klimaschwankungen. Und beides überlagert sich. Ich vergleiche das immer gerne mit dem gezinkten Würfel. Wir sind dabei, den Wetterwürfel zu zinken in Richtung wärmere Temperaturen. Aber solange der Würfel noch relativ schwach gezinkt ist, kommen eben auch noch mal die Eins oder die Zwei. Und prompt haben wir dann eben so kalte Tage. (NDR Info, 8.2. 2012)

    Also doch keine Häufung von Kältewintern in den nächsten Jahren?

  22. Eis -Wärmedecke fehlt?

    Im „antarktischen Eisring“ gibt es freie Eisflächen (russ. Wort, Polynia glaube ich), die die Größe der Nordsee erreichen können. In einem Bericht des AWI glaube ich gelesen zu haben, dass diese freien Wasserflächen *50- mal mehr Energie abgeben, als dieselbe Wasserfläche in den Tropen aufgenommen hat*.

    Kann es also sein, dass durch denselben Effekt durch die jetzt eisfreien Flächen des Nordpolarmeeres (dürften die Größe der Nordsee weit überschreiten), dem Gesamtsystem soviel Energie entzogen wird, dass es doch einen Abkühleffekt global gesehen hat, nicht nur lokale Wetter- Auswirkungen? Durch die Trägheit des Gesamtsystems kaschiert?

  23. Dieser aktuelle Artikel von Spiegel-Online ist übrigens deutlich geschickter als RWE und Vahrenholt. Auch hier taucht die Sonnenthese auf, allerdings als nicht geklärt:
    http://www.spiegel.de/…tur/0,1518,813953,00.html

  24. Latif noch einmal, @Michael Krüger

    „Herr Latif wurde nicht falsch zitiert. Seine Prognose laute im Jahr 2000 bis vor wenigen Jahren noch, dass die warmen Winter in Deutschland zunehmen werden.“

    Das Missverständnis rührt in meinen Augen von der unterschiedlichen Interpretaion der Zeitskalen her. Die grundsätzliche Feststellung – Winter werden im Laufe der nächsten Jahrhunderte wärmer – widerspricht sich in meinen Augen NICHT von einer Aussage wie: Bei der momentanten Großwetterlage kann es auch (oder gerade) im Klimawandel-Winter zu heftigen Kältewellen in Zentraleuropa kommen. Ein komplettes Abschmelzen der Arktis könnte die Karten wieder komplett neu mischen, wer weiß. Am Gesamtenergiegehalt ändert das eh nichts.

    Ich will nicht abstreiten, dass Latif manchmal dusselig daherredet. Aber das Spiegel-Interview von 2000 taugt nicht als Beweis dazu, da seine Aussage dort keine Zeitangabe enthält. Ich vermute, dass er 2100 meint, viele Indikatoren sprechen dafür. Leider wird von manchen Skeptikern Latifs Aussage im Spiegel absichtlich dahingehend missverstanden, es werde AB SOFORT NIE WIEDER in Deutschland schneien. Das ist natürlich absurd.

    Der Top-Kommentar in dem Youtube-Video hat seine Aussage über „Hitzewellen bis 50 Grad“ sogar dahingehend verstanden, dass er gesagt hätte, die Durchschnittstemperatur der Erde würde um 50 Grad steigen. Ein dutzend Leute fand das toll und hat auf „Like“ geklickt. Es ist einfach nur erschreckend – die Leute hören nur das, was sie hören wollen. Egal, was man tatsächlich gesagt hat.

  25. @Stefan Rahmstorf

    Ich würde mich sehr freuen und ich glaube es wäre für den abzusehenden öffentlichen Diskurs sehr nützlich, eine detaillierte Debunkung zu Vahrenholts Buch zu haben. Vielleicht von mehreren Autoren, wie es dies auch schon als Antwort zu Gerlich/Tscheuschner gab.

    Ich weiß, dass es nervig ist und kostbare Zeit frisst, aber bisher gibt es noch keine vernünftige und gut verpackte Antwort, die nicht in alten Blogposts und Kommentaren vergraben ist. Und Jörg Zimmermann ist mir beim besten Verständnis zu zynisch 🙂

    Ist nur eine Idee. Aber wäre echt klasse, ein einfach verlinkbares PDF zur Hand zu haben.

  26. Die Rolle der Sonne

    Zu den oben angegebenen Links würde ich gerne noch diesen hinzufügen:
    http://blogs.telegraph.co.uk/…ng-global-warming/

    In Blogdebatten findet man immer wieder die von den Faktenleugnern aufgestellte Behauptung, dass das CLOUD Experiment angeblich den Link zwischen Cosmic Rays und Wolkenbildung und somit den Zusammenhang zwischen CR und dem Erdklima hergestellt hätte. Das Problem ist nur: das CLOUD Experiment war überhaupt nicht darauf ausgelegt, einen Zusammenhang zwischen Cosmic Rays und der Wolkenbildung herzustellen. Bislang ist völlig unklar, welchen Einfluss die Sonne über den Link Cosmic Rays-Wolkenbildung auf das Erdklima hat.

    http://press.web.cern.ch/…s-briefing_29JUL11.pdf

    „This result leaves open the possibility that cosmic rays could also influence climate. However, it is premature to conclude that cosmic rays have a significant influence on climate until the additional nucleating vapours have been identified, their ion enhancement measured, and the ultimate effects on clouds have been confirmed.“

  27. Hier ein Bericht von der Buchvorstellung in Berlin mit Vahrenholt, Lüning und Stefan Aust:

    http://www.klimaretter.info/…sachen-weggelassenq

    Zitat:

    Sebastian Lüning steht noch für Detailfragen zur Verfügung.

    Man fragt also, ob er nicht wisse, dass die umfangreiche Untersuchung des US-amerikanischen National Research Councils, die das Ergebnis der Hockeystick-Kurve von Michael Mann, die von Lüning und Vahrenholt wie von vielen Klima“skeptikern“ als Fälschung hinstellt wird, trotz kleinerer methodischer Schwächen 2006 im Ergebnis bestätigte. Natürlich kennt Lüning die Studie, hat sie aber im Buch nicht erwähnt. Er weiß natürlich auch, dass Klimaforscher 30-Jahres-Zeiträume betrachten, wenn sie Temperaturtrends identifizieren wollen – weshalb seine und Vahrenholts Aussage, die Erderwärmung sei „seit 12 Jahren gestoppt“ klimawissenschaftlich unseriös ist. Schließlich fragt man, warum er aus der Fülle der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Sonne ganz selektiv das herausgepickt hat, was seine zweifelhafte These bestätigt.

    „Der IPCC macht das doch auch“, sagt Lüning. Nein, entgegnet man, der IPCC stellt in seinen Berichten den Stand der Forschung breit dar und gewichtet und bewertet ihn. Und erwähnt dabei auch Minderheitenpositionen, etwa die Forschungen von Hendrik Svensmark, auf die sich die Kalte Sonne maßgeblich stützt.

    „Aber dann wäre das Buch zu dick geworden“, sagt Lüning. Das hat, hält man dagegen, schon jetzt mehr als 400 Seiten – ein paar mehr wären wohl kein Problem gewesen.

    „Aber“, schaltet sich Stefan Aust ein, der seit ein paar Minuten danebensteht, „das machen wir Journalisten doch ganz genauso.“ Und lächelt jovial.

  28. Modelle vs Realität

    mit großer Verwunderung lese ich die Aussage:

    Die derzeitige Wetterlage ist sehr interessant – entspricht sie doch dem, was als Folge der schwindenden Eisdecke in der Arktis vorhergesagt wurde.

    und weiter:

    Diese Hypothese wurde von meinem PIK-Kollegen Vladimir Petukhov aufgestellt, nachdem im Winter 2005/2006 erstmals eine solche Situation aufgetreten war.

    Ok, ERSTMALS ist eine solche Situation 2005/2006 wohl nicht aufgetreten und jetzt schauen wir uns mal an, was die Großwetterlagenstatistik dazu sagt, nämlich jene aus ihrem Hause sozusagen.
    Vergleichbare Großwetterlagen wären:
    HFA
    http://www.pik-potsdam.de/…e.40.htm#pgfId=554360
    HFZ
    http://www.pik-potsdam.de/…e.41.htm#pgfId=554363
    HNFZ
    http://www.pik-potsdam.de/…e.43.htm#pgfId=555168

    die Anzahl der HFA Tage über den Winter (Dez. Jan. Feb.) zeigen seit Beginn der
    Aufzeichnungen einen deutlich sinkenden Trend.
    HFZ Lagen bzw. Tage hatten ein Maximum 1970, seit ca. 2000 geht diese Zahl gegen Null.
    HNFZ hatten ebenfalls ein Maximum in den 70gern, als auch die Eisbedeckung über dem genannten Gebiet größer gewesen sein dürfte. Ein zweites Max. in den 90gern, seitdem sinkende Zahl dieser GWL Tage über die Wintermonate.

    In Summe haben diese „kalten GWL“ über die letzten Dekaden deutlich abgenommen und wohl ihren Beitrag zur regionalen Erwärmung geleistet.
    Die Daten dazu liegen wie gesagt in ihrem Hause auf und ich darf höflichst
    nachfragen, wie man zu so einer Behauptung wie eingangs formuliert kommen kann und wie haltbar die Hypothese ihres Kollegen ist, wenn dessen Simulationsergebnisse im krassen Gegensatz zu den langjährigen Beobachtungen stehen?

    [Antwort: Richtig, das „erstmals“ nehme ich zurück, das war ungenau formuliert – gemeint war, dass es dieser Winter war, der Petukhov und Semenov damals motiviert hat, sich diesen Zusammenhang näher anzusehen. Es geht dabei um den Zusammenhang der Luftdruckverteilung mit der Eisbedeckung in der Barents-Kara-See; was die statistische Auswertung angeht ist daher die oben zitierte neue AWI-Studie der richtige Ansatz, die genau diesen Zusammenhang in den Beobachtungsdaten nachweist. Stefan Rahmstorf]

  29. Faktencheck

    @ Stephan Fleischhauer

    Hier ein Bericht von der Buchvorstellung in Berlin mit Vahrenholt, Lüning und Stefan Aust

    Der „Faktencheck“ zum Vahrenholt/Lüning-Buch „Die kalte Sonne“ ist auch schon da:

    http://www.klimaretter.info/…holt-im-faktencheck

    http://www.klimaretter.info/…lt-im-faktencheck-2

    Die zahlreichen inhaltlichen Fehler waren offenbar schnell aufgespürt…

  30. stefan, die T verteilungen im europäischen, russischen winter der letzten jahre könnten durchaus im rahmen der natürlichen klimavariabilitaet begründet sein, das muss nicht unbedingt anthropogenic warming sein.

    aber, wieviel euro zahlst du an das uno kinderhilfswerk, wenn die globalT 2020 unter der von 1998 liegt? ich zahle den gleichen betrag im gegenteiligen fall