Schneerekord!

Vor lauter Schlittenfahren und Iglubauen kommen wir nicht zum Bloggen, aber das muss ausgekostet werden: so viel Schnee war im Dezember bei weitem noch nie. An unserer verlässlichen Säkularstation in Potsdam liegen 41 Zentimeter. Der bisherige Dezember-Rekord lag bei 23 Zentimetern im Jahr 1913! Auch an vielen anderen Orten wurden diesen Monat Schneerekorde gebrochen. Sehr kalt ist der Dezember auch (bis einschließlich 29. ist der Mittelwert bei -4,5 ºC), allerdings zumindest in Potsdam nicht rekordverdächtig (der Dezember 1969 war mit -6,2 ºC noch deutlich kälter). Liegt es an der globalen Erwärmung, oder hat es damit nichts zu tun?

Schneepflug im Einsatz gegen Schneewehen auf einer Landstraße in Mecklenburg, 25.12.2010

Eine dritte Möglichkeit können wir zumindest ausschließen: dass dieser Winter ein Indiz für das Ende oder eine Pause der globalen Erwärmung ist, wie nun Manche behaupten. Das wird durch die globale Temperatur widerlegt, die sich auf Rekordhöhe befindet. Die Faktenlage sieht also so aus: im global wärmsten Jahr seit Messbeginn im 19. Jahrhundert liegt bei uns die höchste Dezember-Schneedecke seit Messbeginn im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig ist die arktische Meereisbedeckung diesen Dezember auf Rekordtief. Haben diese Rekorde miteinander zu tun, oder ist es nur Zufall?

Maximale Schneehöhe in jedem Dezember in Potsdam seit 1893, in grün der vorläufige Wert für Dezember 2010. Die rote Kurve zeigt eine über 15 Jahre geglättete nichtlineare Trendlinie.

Werfen wir einen Blick auf die Datenreihe (siehe Grafik). Zwei Dinge fallen sofort auf. Dieser Dezember ist ein extremer "Ausreißer". Und die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind sehr groß, ohne dass es einen nennenswerten Trend gibt. Ein Jahr ohne Schnee kann von einem Jahr mit viel Schnee gefolgt sein und umgekehrt. Die Zeitreihe wird klar durch Zufallsschwankungen – also Wetter – dominiert, nicht durch irgendeinen Klimawandel (völlig anders als etwa die mittlere globale Temperatur, deren Schwankungen im Vergleich zum Trend klein sind). Insbesondere in den letzten 40 Jahren, in denen die globale Temperatur deutlich gestiegen ist, gibt es keinerlei Trend in den hiesigen Dezember-Schneehöhen. Dies sind gewichtige Indizien dafür, dass es keinen Zusammenhang des diesjährigen Schneerekords mit der globalen Erwärmung gibt und dass es sich einfach um Zufall handelt.

Schneeparadies Park Babelsberg

Was spricht für einen möglichen Klimaeinfluss? Neben der globalen Erwärmung werden ja auch andere mögliche Einflussfaktoren auf die europäischen Winter diskutiert, wie die Nordatlantische Oszillation (NAO) oder die Sonnenaktivität.

Die bei weitem größte Variation der Sonnenaktivität ist der 11-jährige Schwabezyklus, und schon eine Untersuchung der Grafik mit dem Auge zeigt, dass dies offenbar kein wichtiger Einflussfaktor ist – ein 11-jähriger Zyklus ist nicht erkennbar. Auch die Wintertemperaturen bestätigen das – der kalte Winter 2005/2006 war direkt gefolgt vom wärmsten überhaupt, 2006/2007, der nahe am (kalte Winter begünstigenden) Sonnenminimum stattfand. So ist die von Lockwood und Fröhlich et al. (2010) gefundene Korrelation von europäischen Wintertemperaturen mit der Sonnenaktivität zwar statistisch nachweisbar, aber sehr schwach (Korrelationskoeffizient 0,23). Zu schwach, um sie ohne statistische Analyse überhaupt zu bemerken. Die aktuell schwache Sonne ähnelt der Situation vor 1925, wo es kaum kalte Winter bei uns gab.

Am Ostseestrand

Die Nordatlantische Oszillation korreliert zwar deutlich stärker mit unserem Winterwetter, ist aber letztlich keine Ursache oder Erklärung, sondern vor allem eine beschreibende Größe. Der NAO-Index ist ein Indikator für die Luftdruckverteilung in unserer Region, die erwartungsgemäß mit den Wetterbedingungen zusammenhängt. Selbst wenn der NAO-Index einen Rekordwert erreicht, erklärt dies noch nicht, was der Grund dafür ist, und ob dies einen einmaligen Ausreißer oder eine klimatische Veränderung darstellt.

Was den Effekt einer allmählichen Klimaveränderung auf die oben gezeigten Schneedaten angeht, müsste der Mechanismus sehr nicht-linear sein. Denn die Schneedaten zeigen ja nicht nur keine offensichtlichen Zyklen, sondern auch keine allmähliche Veränderung in den letzten Jahrzehnten. Genau so einen stark nicht-linearen Mechanismus haben Petoukhov und Semenov (2010) vorgeschlagen: einen Zusammenhang von Eisbedeckung in der Barents-Kara-See mit dem europäischen Winterwetter. Doch zunächst einmal ist dies das Resultat von Modellrechnungen mit einem einzigen Klimamodell – Klimaforscher sind generell vorsichtig (Ausnahmen bestätigen die Regel), wenn es um Aussagen auf Basis eines Modells geht. Physikalisch plausibel ist der Mechanismus: der Ozean ist eine riesige Wärmequelle für die darüber liegende Winteratmosphäre, sobald man ihm die Eisdecke wegnimmt. Dabei macht sich der Mechanismus erst bemerkbar, wenn eine kritische Grenze der Eisbedeckung unterschritten wird – man kann also nicht erwarten, dass man die Veränderung schon allmählich über die abgelaufenen Jahrzehnte als Trend in den Daten hätte sehen können. Doch bevor ich einen solchen Mechanismus als robust einschätzen würde, sollte er von anderen, unabhängigen Modellen bestätigt sein und/oder von Beobachtungsdaten. Eine gewisse Bestätigung hat das Modell immerhin dadurch bekommen, dass Petoukhov (der in meiner Abteilung am PIK forscht) diese Studie im November 2009 bei der Fachzeitschrift eingereicht hat, und der folgende Winter 2009/2010 dann genau dazu passte. Doch haben Petoukhov und Semenov keine Prognose für einen bestimmten Winter abgegeben, sondern nur die These aufgestellt, dass von arktischer Kaltluft geprägte Winter bei uns künftig häufiger auftreten könnten. Ob sich dies bestätigt, kann man natürlich nicht an zwei oder drei kalten Wintern sehen, sondern dazu müssen wir noch eine deutlich größere Zahl von Wintern abwarten.

Am Ostseestrand

Fazit: es ist gut möglich, dass der extreme Schneefall dieses Monats einfach dem Zufall des Wetters geschuldet ist. Derartige "Ausreißer" können in der Extremwertstatistik durchaus vorkommen. Andererseits gibt es auch einige Indizien dafür, dass sich die Randbedingungen durch den Eisrückgang in der Arktis in den letzten Jahren so geändert haben, dass dies die Wetterstatistik in Europa signifikant verändern könnte. Ob dieser Dezember ein einmaliger Ausrutscher bleibt oder ob dergleichen künftig öfter vorkommen wird, lässt sich daher noch nicht sagen – dies ist eine offene Forschungsfrage. Nach Medienberichten hat die britische Regierung ihren Wetterdienst beauftragt, dieser Frage nachzugehen, und auf die Ergebnisse sind wir gespannt. Doch egal was die Ursache ist – wer kann, sollte diesen Jahrhundertschnee nach Kräften genießen!

(Alle Fotos (c) S.R., Dezember 2010)

Update 2. Januar: Es ist bei den 41 cm maximaler Schneehöhe geblieben. Die endgültige mittlere Temperatur für Dezember war -4,4 ºC.

Empfohlene Links

Realclimate: Cold Winters in a World of Warming?

Der Independent zum gleichen Thema

Park Babelsberg, Potsdam

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Viele Fragen, wenig Antworten

    In der Klimaforschung ist demnach weiterhin noch vieles ungewiss und spekulativ. Neue Theorien werden aufgestellt und diese müssen erst verifiziert und falsifiziert werden.

    Das wiederum erfordert eine weitere Datenaufzeichnung und Forschung.

    Mir stellt sich die Frage, ob man auf einer solch unsoliden Basis Politik bzw. Klimaschutzpolitik betreiben sollte? Oder sollte man das Geld nicht besser gleich in Anpassungsmaßnahmen investieren?

    So wie es aussieht, ist nicht das Klima das Problem, sondern das Extremwetter. Dem kann man z.B. entgegnen, indem man genügend Streusalz für den Winter bunkert, oder Deiche gegen die Frühjahreshochwasser baut. Klimaschutzpolitik und Klimaforschung bringt da leider wenig. Das Geld wäre besser in Anpassungsmaßnahmen angelegt.

    [Antwort: Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus. Gerade für erfolgreiche Anpassung brauchen Sie die Art von detaillierter regionaler Information über die Auswirkungen des Klimawandels, die die Wissenschaft heute noch nicht zuverlässig liefern kann. Um die Emissionen herunterzufahren müssen Sie dagegen nur zwei Dinge wissen: (1) dass mehr CO2 zu einer erheblichen Erwärmung führt und (2) dass deren Folgen wahrscheinlich überwiegend sehr negativ und kaum reversibel sein werden. Beides kann als gesichert gelten.

    Und Anpassung hat Grenzen: an einen halben Meter Meeresspiegelanstieg können sich viele (nicht alle) Küsten noch anpassen, aber an zwei Meter? Eine der wichtigen Folgerungen aus dem IPCC-Bericht ist es, dass Anpassung an den Klimawandel nur Erfolg haben kann, wenn wir den Klimawandel begrenzen. Das ist auch die Logik hinter der Begrenzung auf maximal 2 ºC globale Erwärmung, die in Cancun beim Klimagipfel diesen Monat beschlossen wurde. Stefan Rahmstorf]

  2. Zweitkältester Dez. in Potsdam seit 1893

    Mit -4,5°C haben wir immerhin den zweitkältesten Dezember in Potsdam seit Aufzeichnungsbeginn im Jahre 1893.

    Hier die bisherigen Top-Ten

    1969 -6.23°C
    1933 -4.05°C
    1899 -3.69°C
    1927 -3.55°C
    1962 -3.42°C
    1963 -3.31°C
    1981 -3.15°C
    1995 -3.12°C
    1996 -2.94°C
    1946 -2.71°C

    Der Eindruck eines kalten Winteranfangs täuscht also nicht. Präzisere Wettervorhersagen wären hier angebracht. Was nützt es, wenn ein Klimatrend über 100 und mehr Jahre berechnet wird, der nicht einmal das Wetter des nächsten Winters vorhersagen kann?

  3. Weitere mögliche Zusammenhänge?

    Es gab ja eine andauerende Eruption Mitte April 2010 des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island, wobei große Mengen an Staubpartikel und Vulkanasche in die Atmosphäre entlassen wurden – ebenso gab es lang andauernde und großflächige Waldbrände in Russland.

    Wie sehen Sie das? Können solche Ereignisse zu solchen Ausreißern führen?

  4. Schneerekord

    Oh..ich sehe das ganz anders. Gerade die Unmenge von Schnee, die zur Zeit herunter kommen bringt mich genau so viel zum bloogen wie die Kälte draussen 🙂 Aber im Ernst…ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die These von Petoukhov stimmt. Zmindest deuten ja alle Anzeichen darauf hin.

  5. Klimastabilität ?

    Aufgrund weltweiter Häufung von Extrem-Wetterereignissen scheint offensichtlich, daß sich im Klimasystem Erde etwas „tut“.
    Man muß eigentlich darauf gefaßt sein,
    daß sich örtlich bislang gewohnte Niederschlagsmuster,-mengen, Temperaturniveau, Wolkenbedeckungsgrad etc. abrupt ändern können.
    Das ist bei der jetzigen Größe der Weltbevölkerung ein massives Problem.

  6. eingeschränkte Wahrnehmung

    @Michael Krüger
    „In der Klimaforschung ist demnach weiterhin noch vieles ungewiss und spekulativ.“

    Ihre weit reichenden Schlussfolgerungen ruhen auf sehr schmalen Pfeilern.
    1. „demnach“
    2. „vieles“

    Dann stellen Sie im nächsten Atemzug die Notwendigkeit von Klimaschutz fundamental in Frage. Das war sicherlich nicht vom Artikel intendiert und ist insoweit manipulativ.

    Sie verkennen, dass heftige Niederschlagsereignisse, die uns Sorgen machen müssen, vom CO2-Spiegel der (unsichtbaren und gebührenfreien Müllkippe) Athmosphäre weiter befeuert werden. Von der -vordergründig besehen- billigen Art der CO2-intensiven Energiegewinnung müssen wir schnellstmöglich wegkommen und die technischen Möglichenkeiten dafür gibt es!

    In dem Sinne:
    Prosit!

  7. Dank!

    Lieber Stefan,

    am Jahresende sei ein herzliches „Danke schön“ erlaubt – für Deine immer aktuellen, luziden und verständlichen Kommentare zur Klimalage!

    Wünsche Dir und Euch allet jute im Neuen Jahr 2011 – es wird nicht weniger Arbeit geben…

    Hermann

  8. @Prof. Rahmstorf

    Um die Emissionen herunterzufahren müssen Sie dagegen nur zwei Dinge wissen: (1) dass mehr CO2 zu einer erheblichen Erwärmung führt und (2) dass deren Folgen wahrscheinlich überwiegend sehr negativ und kaum reversibel sein werden. Beides kann als gesichert gelten.

    Ich kann einer Erwärmung auch positive Seiten abgewinnen. Z.B. eine Wiederergrünung der Sahara.

    Seit dem Ende der letzten Eiszeit ist die Temperatur auf der Nordhalbkugel in etwa um 5°C angestiegen. Das machte den Ackerbau und die kulturelle Weiterentwicklung erst möglich.

    Ein weiterer Vorteil: Viele Klimamodelle sagen ihren Erwärmungsprognosen eine besonders starke Zunahme der Temperatur in den Polarregionen voraus. Dies hätte zur Folge, dass der Temperaturgradient zwischen den Subtropen und den Polarregionen abnehmen würde. Stürme in den mittleren Breiten werden von einem starken Temperaturgradienten verursacht. Die Folge einer Klimaerwärmung würde eine Abnahme der Stürme in den mittleren Breiten bedeuten, und nicht etwa eine Zunahme.

    Was ich allerdings für ein Problem halte, ist das Extremwetter, wie z.B. ein Winter mit viel Eis und Schnee, wie derzeit in Potsdam. Hier bedarf es zuverlässigerer Vorhersagen.

    In dem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr.

  9. Warm oder kalt?

    Ich finde es äusserst seltsam dass wir extrem kaltes Wetter wegen der Klimaerwärmung haben sollten.

    Is das nicht ein deutliches Zeichen dafür, dass diese junge Wissenschaft manchmal keine objektiven Aussagen macht.

    Vor 1900 waren die Winter deutlich kälter als heute ( http://www.amazon.de/…Katastrophen/dp/3896784056 ).

    Da die Sonnenaktivität die letzten 70 Jahre deutlich höher war als noch in der kleinen Eiszeit und sie die letzten 10 Jahre allmählich weniger aktiv wurde, wäre es nicct verwunderlich wenn die Sonnenaktivität trotzdem etwas mit dem kalten Winter zu tun hätte.

    Das Klima antwortet ja anscheinend verzögert auf äussere Einflüsse.

    Wenn man zuhause die Heizung anwirft und es nach 10 Minuten immer noch nicht warm wird ist entweder die Heizung kaputt oder jemand hat ein Fenster geöffnet.

    Die gleiche Logik gilt für das Klima. Der Co2gehalt steigt seit 10 Jahren kontinuierlich an und die Temperatur kaum noch. Also muss entweder irgendwo ein Fenster aufstehen oder das Klima ist chaotischer als man annimmt, oder die Sonne ist schuld.

    MfG

  10. Hallo,

    Hallo, Herr Rahmstorf.. haben sie vielleicht eine offentliche E-Mail Adresse da hier der Platz nicht ausreicht um genauer auf die Ursachen einzugehen. Finde immer noch interresant das Sie hier den solaren Faktor minimieren. Ich sehe es ein bischen anders.. Versuchen sie es vielleicht mal anders als mit dem Standart korrelieren sie mit QBO-Phase, Solaraktivität und der ENSO, das wäre Möglichkeit 1.
    Die 2. wäre eventuell auch die extreme Erhaltungsneigung der Großwetterlage die sich seid Dez. letzten Jahres nach dem Polarwirbelsplit stendig regeneriert.

    Falls ich ihr interrese geweckt haben sollte, schreiben Sie doch ihre E-mail anbei.

  11. falsche behauptung

    sehr geehrter Hr Rahmstorf

    Um die Emissionen herunterzufahren müssen Sie dagegen nur zwei Dinge wissen: (1) dass mehr CO2 zu einer erheblichen Erwärmung führt und (2) dass deren Folgen wahrscheinlich überwiegend sehr negativ und kaum reversibel sein werden. Beides kann als gesichert gelten.

    das ist schlichtweg falsch:

    1. „erheblich“ wird es erst wenn sie positive feedbacks postulieren. feedbacks sind in einem komplexen system wie dem klima in vorzeichen, grösse und antwortzeit alles andere als gesichert.

    2. noch weniger ahnung haben sie von evtl folgen. das diese „sehr negativ“ sind ist eine alarmisten-erfindung ohne jeden beweies oder indiz.

    was jedoch gesichert ist: klimapolitik hatte bisher keinen enfluss auf das klima. aber klimapolitk macht arm und krank.

    daher wünsche ich diesem planeten und seinen bewohnern das ende der klimapolitik, und ihnen und allen anderen alarmisten ein (nur beruflich/ideologisch)erfolgloses jahr

    mfg

    [Antwort: Die Rückkopplungen – Schnee/Eis-Albedo, Wasserdampf, Wolken – sind sehr wohl (im Rahmen der angegebenen Unsicherheiten) bekannt, man kann sie zum Beispiel auch im Jahreszeitenverlauf beobachten, und ohne sie hätte es keine Eiszeiten und frühere eisfreie Warmperioden gegeben. Für die Zukunft der Menschheit darauf zu setzen, dass es diese Rückkopplungen entgegen aller Evidenz doch nicht gibt, wäre unverantwortlich. Auch über die Folgen von Temperaturänderungen gibt die Erdgeschichte Auskunft. Nur ein Beispiel: am Ende der letzten Eiszeit stieg die globale Temperatur um rund 5 ºC und zwei Drittel der damals vorhandenen Landeismassen schmolzen ab. Der Meeresspiegel stieg dadurch um 120 Meter. Das restliche Drittel des Eises liegt heute noch auf Grönland und der Antarktis und ist gut für weitere über 60 Meter Meeresspiegelanstieg. Wie viel davon, glauben Sie, wird wohl schmelzen, wenn wir die globale Temperatur um weitere 5 Grad anheben, wie es ohne Emissionsreduktion sehr wahrscheinlich passieren wird?

    Wissenschaftler, die auf diese Zusammenhänge hinweisen, unter Ideologieverdacht zu stellen, hilft da nicht weiter. Und: nach verschiedenen Studien, u.a. von der Weltgesundheitsorganisation, sterben heute schon mindestens 150 000 Menschen jährlich an den Folgen des Klimawandels. Stefan Rahmstorf]

  12. Klimaforschung

    […]In der Klimaforschung ist demnach weiterhin noch vieles ungewiss und spekulativ. Neue Theorien werden aufgestellt und diese müssen erst verifiziert und falsifiziert werden. […]

    Nicht nur das sollte erforscht werden, sondern auch, wie der Klimawandel zurückgehalten werden kann.

  13. das wäre einfach schlimm!

    Falls es sich eines Tages herausstellen sollte, dass Petoukhov mit seiner Hypothese recht hat, wäre das ja eine „schöne“ Ironie! (und würde insofern zur allgemeinen Lebenserfahrung passen, dass die Dinge meist schlimm kommen, aber eben anders schlimm, als vorher gedacht – in dem Fall und für uns gesprochen: kalt statt warm und das alles ganz ohne „Golfstromabriss“…)

    Das hieße dann im übrigen, dass uns der Klimawandel bereits einen Haufen Geld kostet. Und zwar nicht irgendwann und irgendwo, sondern hier in Deutschland und zwar heute. Die Straßen sind bereits jetzt im Eimer. Nur das notdürftige Flicken wird – wie schon letztes Jahr – Milliarden kosten. Noch ein paar solcher Winter und die Schäden sind, wenn überhaupt, nur noch schwer zu beheben. Die Kommunen leiden außerdem unter den hohen Kosten für den Räum- und Streudienst.
    Außerdem wünsche ich uns allen schon jetzt „viel Spaß“ mit der nächsten Nebenkostenabrechnung.

    Wir können nur hoffen, dass Petoukhov nicht(!) recht behalten wird. Denn anders als Herr Rahmstorf am Beginn seines wie immer hervorragenden Artikels schreibt, ist dieser Winter mit seiner Kälte und seinem Schnee leider ganz und gar kein Spaß, sondern eine einzige Last, ein großes Ärgernis, ein enormer Kostenfaktor und für viele, gerade ältere Menschen sogar ein Gesundheits- bzw. Lebensrisiko.

  14. @Eddy

    Sie denken hier eindimensional. Nicht die Sonne ist schuld, oder das CO2, sondern das Klima ist von vielen Faktoren abhängig. Bedenken Sie, es gibt nur eine Heizung, das ist die Sonne, und die dreht wie sie will. Wieviel das an Strahlungsantrieb für unser Klima macht, das können wir sehen und messen, schwarz auf weiss (wieviel davon in Temperatur umgesetzt wird ist Gegenstand der Diskussion).
    CO2 ist, wenn Sie so wollen das Fenster, und das haben wir nun definitiv etwas zugemacht, das kann man auch sehen und messen und berechnen. Nun gibt es aber auch noch Gardinen oder Ventilatoren im System, Aerosole, Schwefeldioxid u.a. sei es aus anthropogener oder aus natürlicher Quelle.
    Es nutzt gar nichts, wenn man immer nur einen einzigen Faktor betrachtet, nur CO2 oder nur die Sonne, wie das immer gerne gemacht wird in der öffentlichen Diskussion. Diese öffentliche Diskussion spiegelt eindeutig nicht den Stand der Forschung wieder. In der Klimaforschung und angrenzenden Gebieten versucht man, ein Gesamtbild zu bekommen, mit allen Faktoren, die in der Klimaentwicklung eine Rolle spielen können, auch wenn von „Skeptikerseite“ immer gerne behauptet wird, die Klimaforschung würde sich nur auf CO2 beschränken und diesem die alleinige Schuld geben.
    Jetzt muss man dazu aber auch überlegen, warum CO2 als ausschlaggebender (wie gesagt, nicht als einziger) Faktor diskutiert wird. CO2 hängt erstens ursächlich zusammen mit einer reihe von anderen faktoren, die auf das klima wirken, und zweitens, CO2 ist der einzige Faktor, an dem wir definitiv selber schuld sind, und an dem wir wirklich selber drehen könnten, wenn denn nur der Wille dazu da wäre.

  15. Positive Seiten

    @Michael Krüger
    OK, wir heizen tüchtig drauf los und wenn’s klappt, lassen wir Hamburg usw. liegen und ziehen in die Sahara.

    Mein Onkel hat in Marokko ein Grundstück in der Wüste und wir könnten da eine Klimabar eröffnen, wenn die Behörden mitspielen.

    Greetz B.

  16. Klima und Wetter

    Jeder interessierte Laie hat den Unterschied zwischen Klima und Wetter verstanden und wird ihn in der Diskussion beachten. Der Profi sowieso.

    Dennoch rufen auch deutsche Klimaforscher gerne „Beweis!“, jedenfalls, wenn Wettererscheinungen die Hypothese der menschengemachten globalen Erwärmung zu stützen scheinen.
    Katrina, ein warmer April 2007, ein heißer Mai 2008, milde Winter, Waldbrände in Russland, Überschwemmungen in Pakistan: Beweis! Zumindest aber: Blaupause für die Zukunft des Planeten.

    Das alles verstärkt meine Zweifel an der Glaubwürdigkeit derjenigen Klimaforscher, die die menschengemachte globale Erwärmung vertreten. Auch dieser Artikel, Herr Professor Rahmstorf, gehört dazu. Es ist Winter. Es schneit in Potsdam und anderswo, überwiegend mehr als gewohnt. Es gibt auch reichlich Kälterekorde. Aber das ist trotzdem Wetter.

    Wenn sich ein Klimaforscher genötigt sieht, das Wetter genau zu analysieren, um zu beweisen, daß seine Klimaposition richtig ist, werte ich das als Zeichen der Schwäche.

    PS. Sehr schöne Winterbilder!

    [Antwort: Zitieren Sie doch mal: wo genau hat ein Klimaforscher Pakistan oder Russland als Beweis für die anthropogene Erwärmung gesehen? Auch in obigem Artikel geht es doch nicht darum, eine Erwärmung zu beweisen (das tun die Daten der globalen Temperatur) sondern um die Frage, ob der örtliche Schneerekord etwas damit zu tun hat oder nicht. Stefan Rahmstorf]

  17. Das sind …

    … grandiose Fotografien, mit denen Sie Ihren Beitrag garnieren. Chapeau!

  18. falsche behauptung

    nach verschiedenen Studien, u.a. von der Weltgesundheitsorganisation, sterben heute schon mindestens 150 000 Menschen jährlich an den Folgen des Klimawandels.

    es ist mir unverständlich wie man als „wissenschaftler“ eine derartigen unsinn verbreiten kann.
    nennen sie doch nur eine einzigen menschen und dessen genaue todesumstände die ursächlich auf den klimawandel zurückzuführen sind.
    nach ihrer logik müsste das leben in warmen ländern lebensgefährlich sein.

    ähnlichen unsinn hatten sie schon hier verbreitet:
    http://www.wissenslogs.de/…hnt-der-wetterextreme

    Im Sommer 2003 kam es in Westeuropa zur schlimmsten Hitzewelle seit Menschengedenken, die rund 70,000 Menschen das Leben kostete. Fernsehbilder von überlasteten Leichenhäusern in Frankreich flimmerten durch unsere Wohnzimmer.

    was sagt wohl die sterbestatistik:
    hier D: http://www.indexmundi.com/…=gm&v=26&l=de
    hier F: http://www.indexmundi.com/…=26&c=fr&l=de
    hier CH: http://www.indexmundi.com/…=26&c=sz&l=de
    hier I: http://www.indexmundi.com/…=26&c=it&l=de

    vieleicht wird ihnen langsam klar warum immer mehr bürger sich von der klimareligion abwenden.

    [Antwort: Vielleicht schauen Sie sich einfach mal die Studien an, aus denen ich die Zahlen zitiert habe? Auf dieser Basis könnten Sie dann in der Sache argumentieren, statt die Wissenschaft als „Religion“ zu diffamieren. Stefan Rahmstorf]

  19. falsche behauptung??

    @ MichaelE falsche behauptung 02.01.2011 | 13:25

    „das ist schlichtweg falsch:

    1. „erheblich“ wird es erst wenn sie positive feedbacks postulieren.“

    Sie müssen eher negative feedbacks finden, wenn der Treibhauseffekt niedrig sein soll. Eine Kurzfassung in 5 Punkten ohne Feedbacks:
    1. Die Atmosphäre ist im Wesentlichen zweigeteilt: unten die konvektionsreiche Troposphäre, in der das Wetter ist und wo wir leben und oben die konvektionsarme Stratosphäre, wobei sich die Grenze zwischen beiden Sphären verschieben kann.
    2. Der Temperaturgradient in der Troposphäre ist (fast) konstant – auch wenn sich die Dicke der Troposphäre ändert. Diese Konstanz ist konvektionsbedingt.
    3. Die fast konstante optische Dicke einer sich ändernden Stratosphäre. Diese Konstanz ist strahlungsbedingt und wird beschrieben mit der Skalierung (Maßstabsänderung) der Strahlungstransportgleichung bei Änderung der optischen Dicke infolge von Konzentrationsänderungen der Treibhausgase. Dabei muß nur vorausgesetzt werden, das die Lösungen existieren – ohne das die Lösung explizit vorliegen muß.
    4. Wo der Temperaturgradient (z.B. am unteren Rand der Stratosphäre) einen bestimmten Grenzwert überschreitet kann die Luftschichtung nicht ruhig bleiben und wird instabil = Konvektion = Kennzeichen der Troposphäre. Durch die Skalierung verschiebt sich der Ort dieses Grenzwertes zu niedrigeren Atmosphärendrücken. Dieses Absinken des Tropopausendrucks wird auch beobachtet.
    5. Im stationären Zustand (d.h. auch wenn Zeit vergeht, ändert sich der mittlere Zustand fast nicht) ist im Mittel die Wärmeabgabe der Erde genau so groß wie die Wärmeabsorption – andernfalls müßten sich die mittleren Temperaturen laufend erheblich ändern. Das aber widerspräche der Stationarität.

    Auf der Basis dieser 5 Punkte kann man eine Grundsensitivität der Oberflächentemperatur gegenüber Änderungen der CO2-Konzentration berechnen – die bedeutend höher ist als beobachtet. Denn durch die höhere Temperatur kommt z.B. mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre, daraus folgen mehr Wolken und Albedoänderung, die die Grundsensitivität verkleinert (negative Feedbacks).

    MfG

  20. @ Toni Erlbacher

    „Aufgrund weltweiter Häufung von Extrem-Wetterereignissen scheint offensichtlich, daß sich im Klimasystem Erde etwas „tut“.
    Man muß eigentlich darauf gefaßt sein,
    daß sich örtlich bislang gewohnte Niederschlagsmuster,-mengen, Temperaturniveau, Wolkenbedeckungsgrad etc. abrupt ändern können.
    Das ist bei der jetzigen Größe der Weltbevölkerung ein massives Problem.“

    Es wäre schön wenn Sie Ihre Behauptungen auch belegen könnten. Fakt ist z.B. das die Weltgetreideproduktion ständig steigt. Das hat u.a. auch damit zu tun dass es in den letzten Jahren relativ wenig Schäden durch Tropenstürme gab und zuvor extrem trockene Regionen wie Sahel und Australien mit Regenfällen gesegnet wurden.

    Ob es im Winter am Nordpol nun minus 38 oder minus 36 Grad ist interessiert nicht mal die Eisbären.

  21. @Herr Rahmstorf und Folke kelm

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Erlauben sie mir bitte noch diese Bemerkung:

    Mir ist aufgefallen wie die letzten Tage über die neuesten Klimakapriolen berichtet wurde.

    Gibt es einen „Ausreisser“ in der Klimastatistik wird er unter anderenm von Herr Rahmstorf oft gemäss seinen eigenen Vorstellungen interpretiert:

    Die warmen Sommer 2003 und 2006, sowie die vielen Wetterkapriolen und Katastrophen 2010 sind ein Zeichen dafür dass der Mensch das Klima negativ beeinflusst. Diese Ereignisse sind also kein Zufall.

    Der sehr kalte Dezember 2010 ist purer Zufall und kein Anzeichen dafür, dass die Sonne das Klima beeinflusst. Ganz im Gegenteil, sehr kalte Monate sind kein Anzeichen für Kälte.

    Aus diesen Beispielen wird ersichtlich, dass die Statistik aussergewöhnlicher Wettereignisse jeweils anders und konform zur „ideologischen“ Ausrichtung interpretiert wird.

    Der Sommer 2003 war statistisch signifikant und ein Anzeichen für eine katastrophale Erwärmung. Der kalte Winter 2010-2011 wird schon im Vorhinein als statistisch irrelevant, bzw. als Zufall deklariert, egal wie signifikant er ist.

    @Herr Kelm
    Ich widerspreche ihnen nicht und bin mir bewusst, dass das Klima komplizierter ist. Deshalb habe ich die Antwort auf meine „Frage“ auch bewusst offen gelassen.

    MfG

    [Antwort: Ein Extremereignis ist nie ein Beleg für die globale Erwärmung – Beleg für die globale Erwärmung ist schlicht der Trend in den globalen Temperaturdaten. Es ist umgekehrt: wenn ein Extremereignis auftritt, dann stellt sich die Frage, ob dieses Extremereignis mit der (zweifelsfrei belegten) globalen Erwärmung zusammenhängt. Diese Frage habe ich oben versucht zu diskutieren, ohne aber die Antwort darauf zu haben. Stefan Rahmstorf]

  22. Zitieren Sie doch mal….

    Ja, wo hat ein Klimaforscher gesagt, die Dürre in Russland oder die Überschwemmung in Pakistan wären ein Beweis für die AGW?

    Ich zitiere aus der Erinnerung den Teil eines Interviews mit Herrn Schellnhuber:
    „… zumindest passen diese Dinge in das Bild, das wir uns von der Globalen Erwärmung machen.“

    Und, Herr Rahmsdorf, durchaus einige der Äusserungen aus Ihrem neuen Artikel (http://www.wissenslogs.de/…queensland-australien)

    gehen auch in diese Richtung. Natürlich sind sie vorsichtig in der Ausdrucksweise, natürlich haben sie nicht von einem Beweis gesprochen. Sie untermauern lediglich damit Ihre Argumentation. Also sollte man sich darauf einigen: Bestimmte Wetterereignisse werden auch von den Befürwortern des AGW gern benutzt, um ihre Thesen zu erhärten.

    mfG
    H. Müller

    [Antwort: Aber genau diese Aussagen gehen doch um die Frage, ob diese Extreme etwas mit der globalen Erwärmung zu tun haben. Es geht nicht darum, dass ein Extremereignis ein Beleg für die globale Erwärmung ist. Ich sage es noch einmal: der Beleg für die globale Erwärmung ist schlicht der gemessene Anstieg der globalen Temperatur, einen anderen Beleg braucht es nicht. Auch ohne einen Anstieg von Extremereignissen bliebe die globale Erwärmung ein Fakt. Stefan Rahmstorf]

  23. Zitieren Sie doch mal…

    O. K., danke für die Antwort.

    Ich bin nur, sagen wir, interessierter Laie auf diesem Gebiet. Vieles jedoch an den Theorien des AGW geht mit meinem Verständnis von physikalischen Vorgängen nicht überein. Das fängt beim Treibhauseffekt nach S. Arrhenius an, den bereits in den 1920-er Jahren ein Experimentalphysiker (Woods?) SO damals nicht bestätigen konnte. Nun, auch Woods kann Fehler gemacht haben.

    Vor allem aber glaube ich nicht mehr an wirklich ergebnissoffene Forschung auf diesem Gebiet. Zweifel daran sähte bereits der auch von Ihnen geschätzte Stephen H. Schneider, der, nachdem er dem Lager der Global- Cooling Gemeinde entflohen war, alsbald äußerte: „…Als Wissenschaftler sind wir an die Wahrheit gebunden. … Um jedoch größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen, müssen wir unsere Zweifel verbergen und dramatische Szenarien aufbauen.“ (sinngemäßes, verkürztes Zitat aus der Erinnerung).

    Einige Interviews im Vorfeld von Cancun jedoch sind da noch viel eindeutiger. Schellnhuber äußerte sich über die Notwendigkeit von bestimmenden Eliten, weil er der *Mehrheit* in Bezug auf die Meinungsbildung wohl nicht traut.

    Und Edenhofer sagte eindeutig, dass er Cancun „für den größten Wirtschaftsgipfel seit 1945“ hält, die Klimaforschung mit Umweltschutz (fast) nichts mehr zu tun hat und es im Grunde um die Umverteilung des Weltvermögens geht.(NZZ) In seiner Rede von 4.11.10 ? in Hannover geht er da sogar noch einen Schritt weiter…

    Wenn ich solche Aussagen von den Oberen Ihres Institutes höre, die auch Mitautoren der IPCC- Berichte sind, dann dürften Sie meine eingangs geäusserten Zweifel als berechtigt ansehen.

    Ich hoffe daher, Ihr wirklich bemerkenswertes Engagement auf diesem Forschungsgebiet und Ihre Standhaftigkeit gegenüber den *Klimaskeptikern* auf diesem Forschungsgebiet wird nicht in irgendeiner Form missbraucht.

    mit freundlichem Gruß

    H. Müller

    [Antwort: Lieber Herr Müller, ich kann Ihnen nur empfehlen, kritisch zu bleiben und nicht alles zu glauben, was Sie irgendwo lesen. Das Steve Schneider Zitat aus den 1980ern ist ein alter Skeptikerhut – verkürzt und verfälscht, das ist sogar auf Wikipedia ausführlich erklärt, und so wie Sie es sagen gibt es genau das Gegenteil dessen wider, was Steve glaubte und wofür er sein Leben lang gearbeitet hat. Herr Schellnhuber ist wirklich das Gegenteil eines Antidemokraten. Und was Edenhofer gesagt hat, nämlich dass massive Wirtschaftsinteressen vom Klimaschutz betroffen werden, ist schlicht eine Selbstverständlichkeit. Wenn der Großteil der fossilen Brennstoffe im Boden bleiben muss, dann werden die Besitzer dieser Ressourcen praktisch von ihrer sonst damit erzielbaren Ressourcenrente enteignet. Wer diesen Fakten nicht offen ins Auge sieht und sie anspricht, der wird keinen Erfolg beim Klimaschutz haben. Stefan Rahmstorf]

  24. …kritisch bleiben…

    Sehr geehrter Herr Rahmsdorf,

    nun, natürlich gaben diese Zeilen nicht das ganze Interview von Stephen H. Schneider mit Jonathan Schell wieder. Aber, er hat diese Worte gesagt und war selbst nicht glücklich darüber, wie man auf seiner Website unter „The Double Ethical Bind Pitfall“ lesen kann.

    Ironischerweise sind ihm die Vereinfachungen, verkürzten Darstellungen, die er mit Medienunterstützung verbreiten möchte, in diesem Fall *auf den Fuß gefallen*.

    Ich verstehe seine Intention dennoch, vor drohenden Gefahren zu warnen, aufzurütteln und dafür alle Möglichkeiten zu nutzen. Und zugegeben, der von ihm beschriebene Zwiespalt der Wissenschaftler ist nicht neu. Eigentlich ist dieser Zwiespalt im Handeln jedes Menschen enthalten.

    Zurück zu Edenhofers Äusserungen kommend, möchte ich anmerken, dass ich diese als so selbstverständlich NICHT ansehe. Schon die Aussage „hat mit Umweltschutz nichts mehr zu tun“ ist eine Offenbarung, glauben doch gerade daran wohl die meisten. Und die Umverteilung des Weltvermögens, naja… da sehe ich so einige Möglichkeiten, die ausserhalb der von Ihnen genannten liegen. Aber das ist hier nicht zu diskutieren, dazu ist wohl dieser Blog nicht da.

    Es hat mich gefreut, hier meine Gedanken einbringen zu dürfen und bitte, bleiben auch Sie kritisch.

    mfG
    H. Müller

    [Antwort: Lieber Herr Müller, ich fürchte, Sie drehen da den Leuten die Worte im Munde herum. Steve Schneider hat beschrieben, wie schwierig es ist, ohne Vereinfachungen effektiv wissenschaftliche Erkenntnisse an eine breite Bevölkerung zu vermitteln – und er endete mit der Hoffnung, dass es trotzdem geht und hat es selbst vorgelebt: er hat sich sein Leben lang geweigert, die Dinge zu vereinfachen, und immer bemüht die ganze Komplexität, die Unsicherheiten etc. zu erläutern.

    Und Ottmar Edenhofer hat der NZZ folgendes gesagt: „Zunächst mal haben wir Industrieländer die Atmosphäre der Weltgemeinschaft quasi enteignet. Aber man muss klar sagen: Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. Dass die Besitzer von Kohle und Öl davon nicht begeistert sind, liegt auf der Hand. Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik, mit Problemen wie Waldsterben oder Ozonloch, fast nichts mehr zu tun.“ Soll heißen: die Klimapolitik ist von ganz anderer Dimension als die klassische Umweltpolitik, die sich um Probleme wie Waldsterben oder Ozonloch gekümmert hat, weil die wirtschaftlichen Interessen, die dabei berührt werden, eine Dimension größer sind. Daher ist es nicht mehr in dem Sinne Umweltpolitik, die man z.B. als Ressorthema den Umweltministerien überlässt, sondern ein viel umfassenderes Thema. In ihrem ersten Kommentar haben Sie noch behauptet, Edenhofer’s Aussage sei gewesen, dass „die Klimaforschung mit Umweltschutz (fast) nichts mehr zu tun hat“ (was Quatsch wäre), nun haben Sie seine Aussage zu „hat mit Umweltschutz nichts mehr zu tun“ verdreht. So kann man m.E. nicht sinnvoll diskutieren. Wer nicht verstehen will, was eigentlich gesagt und gemeint wird, sondern „quote mining“ betreibt, um die Redner dann mit Verdrehungen ihrer Aussagen zu diffamieren, der trägt m.E. nichts Sinnvolles zur Diskussion bei. Stefan Rahmstorf]

  25. Wenn die fossilen Energien im Boden bleiben und durch EE ersetzt werden sollen stellt sich die Frage der Finanzierbarkeit.

    1. Was sind die immer noch in gewaltigen Mengen fossiler Energievorräte wert?

    2. Wie hoch werden die Entschädigungen für während des Abschreibungszeitraums stillgelegte Kohle- und Gaskraftwerke?

    3. Was kostet der Aufbau einer EE Infrastruktur?

    4. Was kostet dann die kw/h und Liter Biosprit?

    Wer bezahlt am Ende was und woher kommen diese Billionen? Ist das überhaupt machbar ohne die Weltwirtschaft völlig zu ruinieren?

  26. Schneerekord!

    Ihre Artikel gefallen mir.
    Was die Schneerekorde oder ach so kalte Winter betrifft, halte ich das Mediengetöse für Hysterie. Besonders, wenn man bedenkt, dass wir hier im Voralpenland noch immer Schneehöhen von 20-40 cm für normal halten und „viel Schnee“ erst ab ca. 40 cm beginnt. Umso verwunderter schauen wir auf die Meldungen über den letzten und den aktuellen Winter. Bei uns war es zwar auch etwas (!) kälter als normal, aber Schnee gab es nur sehr wenig, selbst in den bayerischen Bergen. Und vom aktuellen „Jahrtausendwinter“ mit zweistelligen Plusgraden im Januar wollen wir erst gar nicht reden.

  27. Dankeschön

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich bin auch ihrer Ansicht, dass die gemessene und beobachtete globale Erwärmung für sich spricht und die Rekorde nur ein Anhaltspunkt dafür sind wie wenig wir über solche Extremereignisse wissen, bzw. wie sie sich in diese Erkenntnisse einordnen lassen.

    Ein jeder der den Mechanismus der Enstehung von Hurrikanen kennt hat auf eine Zunahmne der Stürme getippt.

    Sollte diese Zunahme nicht statistisch bewiesen werden können, kann man aber deswegen nicht auf ein Ausbleiben der globalen Erwärmung schliessen.

    Es wäre also angebracht wenn wir alle „Katastrophisten“, „Warner“ und „Skeptiker“ sich wieder mehr der Wissenschaft an sich zuwenden würden und einfach lernen würden Denkfehler und Irrtümer zuzugeben.

    Ihre Bereitschaft diese Kritiken offen zu diskutieren ist m.E. ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

    Darüber bin ich sehr erfreut und möchte Ihnen ausdrücklich dafür danken!

    MfG

  28. … fast nichts mehr damit zu tun…

    Nun, sehr geehrter Herr Rahmsdorf,

    ich entschuldige mich ausdrücklich dafür, aus der Erinnerung zitiert zu haben. Deshalb wiederhole ich Ihr korrektes Zitat Edenhofers:

    „…Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik, mit Problemen wie Waldsterben oder Ozonloch, fast nichts mehr zu tun….“

    Diese Aussagen habe ich sinngemäß wiedergegeben, da sollten Sie mir kein quote mining vorwerfen. (ja, ich habe das wort „fast“ nicht verwendet). Ansonsten bin ich der Meinung, dass durchaus jeder Satz, jede Aussage für sich stehen können muss. Vor Gericht wäre das nicht anders.

    Dann wären auch Erklärungen, warum der Klimaschutz eine ganze Dimension größer wäre als der Umweltschutz, nicht nötig. Was macht Sie da übrigens so sicher? Das ist eine recht willkürliche Einordnung in eine Rangliste. Genau diese politisch motivierte Einordnung bemängele ich. Ich hoffe nur, dass die anscheinend gewählte Fokussierung nicht zu Lasten des Umweltschutzes geht, denn dieser liegt mir aus verschiedenen Gründen sehr am Herzen.

    freundliche Grüße
    H. Müller

    [Antwort: Auch ein Gericht beurteilt Sätze mit ihrem Kontext. Es ging auch nicht um das „fast“, sondern Sie haben statt „Umweltpolitik“ „Umweltschutz“ geschrieben, und nach dieser Ersetzung war die Intention des Edenhofer-Zitats nicht mehr verstehbar sondern eine Fehlinterpretation garantiert. Stefan Rahmstorf]

  29. Umweltschutz vs. Umweltpolitik?

    Sehr geehrter Herr Rahmsdorf,

    abgesehen davon, dass in der NZZ in der Headline tatsächlich *Umweltschutz* und *Klimaschutz* steht, was nicht dem Interview-Zitat entspricht, stellt sich hier für mich dann doch die Frage, wieso man diese Begriffe nicht äquivalent verwenden dürfen soll…

    Das erschreckt mich sogar ein wenig, denn für mich war ein Grund für diese Trennung nicht recht ersichtlich und erscheint mir nicht sinnvoll, deshalb, ich gestehe es, habe ich diese Worte immer für gleichbedeutend gehalten. Sie sind es nicht, das sehe ich.

    Ich möchte jetzt aber keine Schlußfolgerungen ziehen, Sie würden mir quote mining und Wortverdrehungen vorwerfen.

    Aber eines zeigt unsere Diskussion deutlich: Die politische Dimension dieses Themas.

    Ich danke Ihnen.

    mfG
    H. Müller

  30. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    ich schreibe derzeit eine Hausarbeit über das Thema Klimawandel. Dabei ertappe ich mich immer wieder auf Klimaskeptikerseiten, die anscheinend (nicht nur für mich) eine hohe Anziehungskraft besitzen. Es fällt mir schwer die dort plausibel dargestellten wissenschaftlichen Ergebnisse von korrekten Ergebnissen zu trennen. Ihrem Blog und Engagement ist es zu verdanken, dass die Argumente der Skeptiker schnell widerlegt sind. Die Möglichkeit auf ihrer Seite problemlos Beiträge zu posten und die weit reichende persönliche Beantwortung der Fragen sind nicht selbstverständlich. Ich denke, dass dieser offene Umgang sehr zur Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen beiträgt.

    Zum Schluss noch eine kleine Frage:
    In wie weit könnten die Ergebnisse des CLOUD Projekts Einfluss auf den Strahlungsantrieb nehmen?

    Ich wünsche ihnen viel Kraft für ihre weitere Arbeit. Machen sie weiter so,

    K.Hildebrandt

  31. Schnee Hoehen, Volumen und Verweildauer

    Die Frage ist inwieweit die Schnee Hoehe in Potsdam ein richtiger Indikator fuer die Gesamt Lage in Deutschland ist. Es muessten berechnet werden, fuer verschiedene Regionen Deutschlands und ueber laengere Zeiten:

    – die Schneefall Grenze
    – das Schnee Volumen
    – die Verweildauer des Schnees
    – die jeweiligen Temperaturen
    – die Wetterlagen, unter denen der Schnee zusammengekommen und liegen geblieben ist