Paris: Ein Sieg der Vernunft und der Diplomatie

In den letzten Tagen ist in Paris das nahezu Unmögliche wahr geworden. Praktisch alle Staaten dieser Erde, mit ihren riesigen Unterschieden in Kultur, Geschichte, Wirtschaft und Interessen, einigten sich auf ein verbindliches Klimaabkommen. Und das hat es in sich: es bedeutet nichts weniger als einen Konsens über das nahe Ende der fossilen Energie.

Vereinbart wurde, den globalen Temperaturanstieg seit der Industrialisierung deutlich unter 2 °C zu halten, sowie Anstrengungen zur Begrenzung auf 1,5 °C. Damit folgen die Staaten der Empfehlung der Wissenschaft: als Teil des UN-Prozesses zur Vorbereitung von Paris war eine förmliche Konsultation mit über 70 Experten durchgeführt worden. Deren Ergebnisse belegen viele Vorteile einer Begrenzung auf 1,5°C: deutlich reduzierte Risiken für die Ernährungssicherheit, für die Stabilität von Eisschilden und für das Überleben von empfindlichen Ökosystemen wie den Korallenriffen. Sie zeigen auch, dass eine Begrenzung auf 1,5°C als Langzeitziel noch möglich ist, wenn Klimaschutzmaßnahmen jetzt sehr rasch und konsequent durchgeführt werden.

Dafür müssten die Emissionen an klimawirksamen Gasen in den nächsten Jahren zu fallen beginnen und nach der Jahrhundertmitte netto-Nullemissionen erreicht werden. Auch dieses Ziel ist im Abkommen explizit festgeschrieben (Abb. 1). In der Praxis müssen dazu nicht nur die fossilen Energieemissionen nahe bei null sein, sondern zudem die schwer vermeidbaren Emissionen aus Landwirtschaft und industriellen Prozessen durch Senken ausgeglichen werden.

Paris agreementAbb. 1 Globale Temperatur (oben) und Treibhausgasemissionen (in CO2-Äquivalenten, unten) in der Vergangenheit sowie den Zukunftsszenarien des IPCC. Das blaue Szenarienbündel würde das 2-Gradlimit einhalten. Quelle und weitere Erläuterungen: Australian-German Climate and Energy College.

Die Reduktionsverpflichtungen des Kyoto-Protokolls aus dem Jahr 1997 wurden von den Unterzeichnern um hundert Prozent übertroffen – doch waren dort nur die Industriestaaten verpflichtet worden. Dieses Manko überwindet das Paris-Abkommen. Fast alle Staaten haben schon im Vorfeld konkrete Selbstverpflichtungen vorgelegt, die das Herz des Abkommens bilden. Diese Selbstverpflichtungen bringen in der Summe aber nur etwa die Hälfte dessen, was nötig wäre. Auch dies erkennt das Abkommen an und etabliert deshalb einen Mechanismus, um in fünfjährigen Abständen die Verpflichtungen zu verschärfen und ihre Einhaltung zu kontrollieren. Für die Umsetzung kommt es nun auf die Nationalstaaten, die Wirtschaft und jeden Einzelnen an. Auch Deutschland wird seine Energiewende beschleunigen müssen.

Ich bin dennoch optimistisch, dass die Transformation zu einem nachhaltigen Energiesystem rechtzeitig gelingen kann. Erstens wird die im Paris-Abkommen etablierte Transparenz und Berichtspflicht einen erheblichen politischen und moralischen Druck aufbauen, der durch die fortschreitende globale Erwärmung und die wachsenden Opfer und Schäden durch Extremwetter noch wachsen wird. Zweitens ist diese Transformation schon im Gange und hat viele Vorteile, wie saubere Luft und weniger Abhängigkeit von Lieferländern der fossilen Brennstoffe.

Über die Hälfte der Energieinvestitionen ging im vergangenen Jahr in die erneuerbaren Energien. Die von modernen Erneuerbaren (ohne Wasserkraft) erzeugte Energiemenge verdoppelt sich etwa alle fünf Jahre; sollte diese Wachstumsrate anhalten, könnten sie vor Mitte des Jahrhunderts den kompletten Energiebedarf der Menschheit decken. Nach Paris werden neue Investitionen in fossile Energie kurzsichtig aussehen. Chinas Kohleverbrauch sinkt bereits jetzt, die globalen Emissionen scheinen ein Plateau erreicht zu haben (Abb. 2).

s18_JacksonNCC15_Fig1Abb. 2 Entwicklung der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Industrie. Quelle Jackson et al., Nature Climate Change 2015.

Das Paris-Abkommen hat auch Schwächen. Vor allem kommt es sehr spät: volle fünfzig Jahre, nachdem der erste offizielle Expertenbericht in den USA vor der globalen Erwärmung warnte. Das ist nicht zuletzt dem von der fossilen Lobby nach Kräften geschürten Zweifel an der Wissenschaft zu verdanken, dem Viele allzu gerne Gehör schenkten. Zudem sind die Emissionen von Luft- und Schifffahrt wieder außen vor geblieben. Diese Lücke sollte im nächsten Jahr geschlossen werden.

Das Paris-Abkommen ist aber deutlich besser als erwartet. Alleine löst es die Klimakrise nicht, aber es schafft den Rahmen und die Mechanismen dafür. Dabei orientiert es sich klar an den Erkenntnissen der Wissenschaft. Es ist damit ein großer Sieg der Vernunft. Dass fast zweihundert Delegationen sich dabei auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen konnten ist auch ein Triumph der Diplomatie. Es gibt mir den Glauben zurück, dass die Menschheit – trotz aller Differenzen – mit Hilfe der Wissenschaft eine Gefahr erkennen und gemeinsam rational darauf reagieren kann. Ob die Dezembertage 2015 in Paris als Wendepunkt in die Menschheitsgeschichte eingehen, das werden die kommenden Jahre und Jahrzehnte zeigen.

Abbildung 1 wurde später am Tag der Veröffentlichung dieses Beitrags hinzugefügt.

Ergänzende Erläuterung zum Satz über das Kyoto-Protokoll: Im Kyoto-Protokoll verpflichteten sich 52 Industriestaaten (darunter die damals 15 EU-Staaten) zu einer Emissionsreduktion um zusammen etwas über 5% gegenüber dem Referenzjahr 1990. Erreicht haben sie (inclusive USA und Kanada, die es nicht ratifiziert haben bzw. später ausgestiegen sind) bis Ende der Laufzeit 2012 eine Reduktion um rund 10% . Ohne USA und Kanada betrug die erreichte Reduktion der restichen Kyotostaaten sogar 22%.

Weblinks zu Paris

Analyse des Climate Action Tracker Projekts

The Guardian

New York Times

Washington Post

Radio-Interview mit mir in Sydney

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

107 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kann man abschätzen, wie sich das Klima in diesem Jahrhundert entwickeln wird, wenn nur die aktuellen Selbstverpflichtungen eingehalten warden?

  2. Für Deutschland wäre es gut, wenn mit Kohle produzierter Strom teuerer würde.
    Aktuell ist es doch so, dass wenn zu wenig Wind oder Solarstrom erzeugt wird, hierzulande eher ein Kohle- als ein Gaskraftwerk anspringt, um die Lücke zu füllen. Eines der größten deutschen Kohlekraftwerke, Jänschwalde, hat sich darauf spezialisiert, die Leistung schnell rauf und runter zu fahren.

  3. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    bisher fand ich ihre Blogs zum Klima immer recht hilfreich und fachlich gut geschrieben.
    In diesem Fall habe ich aber einen so gravierenden Punkt in dem ich anders denke, daß ich ihn beschreiben möchte.
    Sie schreiben:
    „sondern zudem die SCHWER vermeidbaren Emissionen aus Landwirtschaft und industriellen Prozessen“
    Die schwer vermeidbaren Emissionen aus der Landwirtschaft sind sehr einfach zu vermeiden:
    Durch eine kleine Verhaltensumstellung unsererseits – wenn ich das richtig sehe.

    Ich würde gerne einmal ihre Meinung als Klimaexperte zu dem Film Cowspiracy hören.
    https://www.youtube.com/watch?v=U2u8dakRRuo

    Viele Grüße
    H. W.

    • Das läuft auf die Frage hinaus, ob Fleischkonsum schwer oder leicht vermeidbar ist. Für das Individuum: leicht, man sich von heute auf morgen einfach dazu entscheiden. Politisch: ganz schwer. Emissionen aus der Landwirtschaft kommen aber übrigens nicht nur aus Tierhaltung, auch u.a. aus Reisanbau. Auf jeden Fall kann man durch verbesserte landwirtschaftliche Praktiken die Emissionen stark reduzieren, aber es wird wohl immer einen schwer vermeidbaren Rest geben, den man kompensieren muss.

      • Warum Fleisch bei seiner Umwelt und Klimawirkung mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz (7% statt 19%) privilegiert wird, darüber sollte man diskutieren. Im Ergebnis ist die Wurst im Supermarkt wesentlich billiger als das Vegetarische Pendant. Sicherlich ist den Grünen ihre Abfuhr bei der letzten BT-Wahl schmerzlich in Erinnerung geblieben, als sie laut über einen „Veggie-Day“ in Kantinen nachdachten. Allerdings habe ich den diesen Ansatz nie für geglückt gehalten.

        • „Warum Fleisch bei seiner Umwelt und Klimawirkung mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz (7% statt 19%) privilegiert wird, darüber sollte man diskutieren. “

          JA – aber darüber wird nicht diskutiert! Warum nicht???

      • Ich gehe mit Holgers Gedankengang mit: Der Fleischkonsum eines jeden von uns (inkl. und vor allem von mir selbst) könnte mit nur wenig Verzeicht Großes bewirken – würde jeder von uns anfänglich nur einen Wochentag lang rigoros auf fleischliche PRodukte verzichten, wäre sowohl dem Klima als auch den Tieren viel geholfen. So entstünde ein anfängliches Bewusstsein für ethisches Verhalten fernab der eigenen Spezies. Jeder von uns kennt sicherlich die Zahlen: 10 Kilo Getreide pro Kilogramm Fleisch, tausende (?) Liter Wasser etc. Es ist doch lediglich unsere stets eigene Bequemlichkeit sowie ein gewisser Grad an (Konsum-)Abhängigkeit, der uns hier im Wege steht.

      • Ich möchte gern als Ökolandwirtin etwas dazu sagen.
        1. Es ist gewiss richtig, wenn der Fleischkonsum drastisch reduziert wird. Das funktioniert derzeit gerade in D sehr gut und zwar freiwillig, sei es aus Gründen des Gesundheitsbewusstseins oder des Verabscheuens industrieller „Tierproduktion“. Ermöglicht wird diese Entscheidung durch Information, – das ist gut.
        2. Es wird leider die industrielle Tierhaltung in einen Topf mit mit der okologischen geworfen. Es wird nicht dargelegt, unter welchem Produktionsmanagement die 250 g Rinderhack entstanden sind – und da gibt es exorbitante Unterschiede. Wenn ein Rind, welches ein Rauhfutterfresser ist, artgerecht gehalten wird, dann bekommt es eben kein Getreide oder Sojaschrot, auch kein Importfutter. Im Gegensastz zu Schwein und Huhn, ist das Rind normalerweise kein Nahrungskonkurrent des Menschen und liefert einen biologisch aktiven Dünger, der wie kein anderer die Humusbildung und das Bodenleben anregt, auch die obligatorische Methanbildung ist wesentlich geringer ohne stärkreiches Futter.
        Fazit: Darüber hinaus stecken gewaltige Potentiale von Verbesserungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und nichts ist zur Zeit mehr ökonomisch gefährdet als eine Landwirtschaft, die versucht, Tiere artgerecht zu halten, Landschaft zu pflegen und vor allem den Boden aufzubauen. Wir im Ökolandbau versuchen derzeit mit viel Engagement gerechte Handelsstrukturen und Verbrauchervertrauen aufzubauen, damit uns nicht das gleiche passiert wie unseren konventionellen Kollegen, deren Land von Agrarinvestoren aufgekauft wird, weil sie z. B. beim Milchpreis drauflegen oder weil eben nicht alle Felder bewässert werden und hier auch Totalausfälle passiert sind. Aber wenn das sogenannte Freihandelsabkommen kommt, dann wird nicht mehr die Produktionsweise rechtlich abgesichert sein, sondern es wird allenfalls Grenzwertregelungen geben, Das bedeutet, wenn der Grenzwert für Agrarchemie bei der Nachweisgrenze liegen sollte, dann kann nichts mehr als ökologisch produziert verkauft werden (wir arbeiten nicht unter der Käseglocke), wenn nicht, dann wird eben fleißig mit konventionellem gemischt, bis die Charge noch „Ökostandart“ hat. Über all diese Dinge bleibt uns immer weniger Zeit und Geld, uns um die Weiterentwicklung der Bodenfruchtbarkeit und mehr Klimaschutz zu kümmern. Ich selbst versuche derzeit hier in der Altmark unter den Landwirten ein Bewusstsein für den Handlungsbedarf in Richtung klimaverträgliche und ressourcenschonende Lw zu schaffen und suche noch eine(n) ReferentIn der/die den Mut hat, vor Landwirten darzustellen, wo sie den Klimawandel vorantreiben, wie sie aber auch betroffen sind (bei uns ist es 2° wärmer) und sein werden. Es sollen weitere Veranstaltungen folgen, die Handlungsoptionen vorstellen und Arbeitgruppen, sowie Pilotprojekte entstehen. Vielleicht haben Sie, Herr Rahmsdorf, dafür Zeit oder können mir jemanden vorschlagen?

  4. das ist ja alles ganz nett, nur ist dieser „Vertrag“ total zahnlos. Keine Sanktionen bei nicht Einhaltung der Zusagen. Wozu dann bitte der irrsinnige Aufwand?

    In Österreich wird schon an neuen steuern gefeilt, welche dazu diesen sollen, speziell im Verkehrsbereich die Endverbraucher zur Kasse zu bitten, die sg. Pendler z.B. Jetzt versagt die E PKW Mobilität auf ganzer Linie, die Neuanmeldungen sind seit 2013 sogar wieder rückläufig und der Steuerzahler soll nun strafen zahlen für das Versagen der Politik, der Auto Konzerne der überteuerten E Fahrzeuge inkl. schwacher Reichweite, weil eben diese Akku Technologien niemals auch nur annähernd stink normalen Diesel erreichen.
    Dann zahlen wir, die global rund 0,2% der CO2 Emissionen ausmachen und niemand garantiert uns, dass die wirklich großen Emittenten ihre Ziele einhalten. Unsere können das Klima in keiner Weise beeinflussen und wir werden mit Steuern belastet in dem Glauben, wir könnten was bewirken und im Vertrauen, dass alle anderen ihre Aufgaben ebenfalls erfüllen, auf freiwilliger Basis. Diesem „Vertrag“ kann man nur viel Glück wünschen.

    Die Menschen glauben tatsächlich, man könnte die Erwärmung bis 2100 ganz einfach an einer CO2 Stellschraube einstellen. Die enormen Unsicherheiten aller Klimamodelle gehen dabei fast völlig unter, die IPCC Reporte sind voll mit LOSU „low“ (level of scientific understanding, gering) und einige glauben, man könnte mit parametrisierten Modellen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen die T auf 1/10°C vorhersagen. Ich bin neugierig, wohin das ganze führen wird und bin mir angesichts der Wirtschaftslage sowie der vielen politischen Differenzen auf dieser Erde nicht sicher, ob das ganze Vorhaben nicht kapital scheitern wird.

    • Die Unsicherheit der Modelle, sollte einem nicht von handeln abhalten. Wenn man die Unsicherheit der Modelle größer einschätzt als das IPCC, dann könnte es sogar geboten sein stärker zu handeln. Denn dann müsste man stärkere Einschränkungen vornehmen, um das 2°C Ziel mit 66% Wahrscheinlichkeit zu erreichen.
      Siehe auch:
      http://www.theguardian.com/environment/climate-consensus-97-per-cent/2015/dec/01/uncertainty-is-exxons-friend-but-its-not-ours
      http://variable-variability.blogspot.de/2015/12/judith-curry-uncertainty-monster-high-risk.html

      • Ja, die Unsicherheit ist nicht unser Freund.

        Randdetail: Die Aussage von JC über die Klimasensitivität „To bound [equilibrium climate sensitivity] at a 90% level, I would say the bounds need to be 0-10°C.“ ist dabei mit großem Abstand das alarmistischste, was ich je gehört habe. Eine ECS um 10° würde selbst beim heutigen Stand der Emissionen wohl große Teile der Welt unbewohnbar machen – wie man da wie JC und etliche andere Kommenatoren i9n ihrem Blog für Nichtstun und Abwarten plädieren kann, ist für mich nicht mehr rational nachvollziehbar.

    • Natürlich wird es kapital scheitern, weil die Probleme isoliert von einander betrachtet werden. Auf den Cop21 in Paris folgt der EU-Gipfel zur Flüchtlingsthematik, dann wieder einer zur noch nicht ausgestandenen Euro-Krise, die Weltgemeinschaft verhandelt die Situation der failed states im Vorderen Orient samt Terror-Problem. Die Bevölkerungen des sog. Westens reagieren in gefühlten und realen Krisen mit Re-Ethnisierung, Neo-Nationalismus und Chauvinismus.
      Der Klimawandel ist dabei der große Krisenmultiplikator: 1,5, 2, oder 2,7 C mögen klimawissenschaftlich besehen eine Rolle spielen. Und die Effekte eines stärkeren Klimawandels multiplizieren natürlich auch die Effekte der übrigen Krisen.
      Aber es gibt auch ab einem gewissen Punkt eine gesellschaftspolitische Eigendynamik der Krisen, die zu radikalen Änderungen der politischen Verfasstheit führen kann, womit das Pariser Abkommen ähnlich wie Versailles nicht mehr das Papier wert sein wird auf dem es steht. Der politische Rechtsruck in Europa und den USA könnte das Abkommen von Paris unterminieren. Die Dynamik, der sich amalgamierenden Krisen hat in den letzten 5 Jahren deutlich zugenommen, so sind wir alle Zeugen eines ganz, ganz großen und epischen Kinos geworden.
      Warum sollte dieser globale fear and loathing-Film jetzt mit einem vernünftigen und guten Ende aufhören, wenn der dramatische Höhepunkt (internationaler Krieg durch Syrienkonflikt, deutlich größere Flüchtlingsströme, verstärkter Anstieg der Lebensmittelpreise….) noch bevorsteht?

      • Um es deutlicher zu formulieren:
        Der Klimawandel ist nicht das Problem von Staaten, schon gar nicht der Erde. (Wenn sie das Prinzip der ökologischen Resilienz kennen lernen wollen, fahren sie in das verstrahlte Gebiet um Tschernobyl).
        Der Klimawandel ist das Problem der Menschheit, und zwar Hier und Jetzt. Als Kollateralschaden der kapitalistischen Industrialisierung wirft er die Frage nach der Conditio humana auf. Gleichzeitig enthält dieser von uns ausgelöste Wandel den Imperativ der umfassenden Veränderung unserer Lebensweise. Wenn nicht freiwillig, dann durch die Folgen eben erzwungen.
        Eine Spur pathetischer: Es braucht nicht nur einen Klimagipfel mit Beschlüssen, es bräuchte einen Menschheitsgipfel auf dem grundlegende Fragen des Lebens und Zusammenlebens aller Lebewesen auf diesem Planeten diskutiert werden.

  5. Ein Meilenstein gegen Zweifel, Zaudern und Stillstand!

    Währenddessen kommen die ersten November-Zahlen rein, als erste die JMA mit einem kräftigen Sprung auf wenig überraschend den wärmsten November mit „+0.54°C above the 1981-2010 average (+0.88°C above the 20th century average), and .. the warmest since 1891“
    Gegenüber dem zweitwärmstem November dieser Reihe 2013 (+0.31°C) ein kräftiger Sprung um 0,23°C.
    http://ds.data.jma.go.jp/tcc/tcc/products/gwp/temp/nov_wld.html

    Ein genauso deutlicher Sprung beim Herbst SON 2015 um 0,22°C auf „+0.53°C above the 1981-2010 average (+0.86°C above the 20th century average).
    http://ds.data.jma.go.jp/tcc/tcc/products/gwp/temp/aut_wld.html

    Es wird wohl noch eine Weile so weitergehen….

  6. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    ich beneide Sie um Ihren Optimismus. Ich muss sagen, das ich nicht sonderlich begeistert bin. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu pessimistisch, aber ich möchte freundlich an die Millenniums-Entwicklungsziele erinnern und wie grandios diese gescheitert sind.

    Mein Maßstab für einen guten Vertrag, wäre etwa das Montreal-Protokoll gewesen. Davon ist dieser Vertrag aber weit entfernt.

    Ich denke mit diesem, für mich völlig unverbindlichen Ergebnis in Paris, wird sich letztendlich nichts ändern. Einfach weil es keine Sanktionen gibt, falls ein Staat sich nicht an die Vereinbarungen hält.

    Hinzu kommt das es sich bei dem Abkommen zwar um eine (löbliche) Zielsetzung handelt, der konkrete Weg und die Umsetzung aber nicht wirklich definiert wurden.
    Viele Staaten werden aussteigen oder einfach nicht wirklich an der Umsetzung der Ziele arbeiten.

    MfG

    • @M.J.Groenewold, mich hat das Beispiel Montreal-Protokoll (Verzicht auf FCKW) interessiert. Leider habe da keine konkreten Angaben zu Sanktionen gefunden (was nicht heißen muss, dass keine festgelegt wurden). Auch beim Montreal-Protokoll spricht man von einem völkerrechtlich bindenden Vertrag. Ich kenne mich juristisch zu wenig aus, welche Maßnahmen getroffen werden können, wenn so ein Vertrag verletzt wird. Soviel ich weiß, kann ein Vertrag durchaus verbindlich sein, ohne das Sanktionen bei Nichteinhaltung festgelegt worden.

      Ich glaube, eine konkrete Festlegung der Umsetzung macht nur bedingt Sinn. Zum einen sollen die Länder eine gewisse Handlungsfreiheit in der Wahl der Mittel haben. Zum anderen weiß man heute noch nicht genau, welche Maßnahmen in 10 Jahren so gut technologisch entwickelt sind, dass sie effizient eingesetzt werden können. Wenn man heute bis auf Kleinste alles für die kommenden Jahrzehnten festlegt, schließt man andere sinnvolle Einsparmöglichkeiten aus.

      • Entschuldigen Sie bitte das meine Antwort so lange auf sich warten ließ, aber ich schaue hier immer „nur“ mal sporadisch vorbei. Diese Antwort wird dafür etwas länger und ausführlicher. 😉

        Vorab. Sie haben Recht. Ich habe mich aber auch etwas Missverständlich ausgedrückt. Ich finde das Montreal-Protokoll deshalb so gut, weil es eine relativ konkrete Roadmap gab.
        Als es dann ratifiziert wurde, gab es zwar keine konkreten Pläne für Sanktionen, allerdings immerhin die Absicht, dies bei späteren Konferenzen nachzuholen.
        Meines Wissens wurde aber letztendlich nichts Konkretes beschlossen.

        Ich werde mich hier aber noch einmal schlau machen müssen, denn ich bin der Meinung, dass gegenüber Russland auf Basis des Abkommens mal Sanktionsmaßnahmen verhängt wurden.

        In einem neueren Kommentar (vom 16. Dezember 2015) fragen Sie auch nach der Sinnhaftigkeit von Sanktionen.
        Nun bin ich der Meinung das diese durchaus Sinnvoll sind. Wenn z.B. Steuerhinterziehung nicht Strafbar wäre, dann wäre das ein deutlicher Anreiz Steuern zu hinterziehen.

        Der Fall ist beim Klimaabkommen ähnlich gelagert, weil sich Nationen, die sich nicht an das Abkommen halten, genau dadurch einen Wettbewerbsvorteil erschleichen. Das Ausbleiben von Sanktionen lädt dann dazu ein, sich nicht an das geschlossene Abkommen zu halten.

        Die juristische Betrachtung des Abkommens ist extrem Komplex. Selbst wenn es etwa Sanktionen gäbe, würden diese mit größter Wahrscheinlichkeit gegen die Richtlinien der WTO verstoßen.

        Vereinfacht ausgedrückt verpflichtet sich jedes WTO Mitglied auf Handelsbeschränkungen gegenüber anderen Mitgliedsländern zu verzichten.
        Sanktionen sind im Grunde nichts anderes als Handelsbeschränkungen. Kommt es zu solchen Maßnahmen, landet man dann vor einer Art Schiedsgericht der WTO.

        Deshalb bringt es auch herzlich wenig wenn es, wie jetzt in Paris, zu einer ausdrücklichen Willenseinigung zwischen mehreren Völkerrechtssubjekten gekommen ist.

        Einfach weil es noch andere völkerrechtlich bindende Verträge gibt und wenn diese durch das Abkommen in Paris tangiert werden, kommt es zu einer Art Völkerrechtlichen Rechtstreit. Oder besser gesagt einem Interessenkonflikt.

        Einfachstes Beispiel dürften die Investitionsschutzabkommen wie CETA oder TTIP sein, die auch völkerrechtlich bindende Verträge darstellen.
        Ein anderes Beispiel ist das sogenannte „Land Grabbing“. Staaten wie etwa China Pachten oder Kaufen z.B. Agrarflächen in ärmeren Ländern.

        Unmittelbare Folge davon ist, das im jeweiligen Land mehr CO2 emittiert wird. Wem rechnen Sie das jetzt an? China oder dem Land mit dem der Pachtvertrag läuft?
        Welcher Vertrag wird stärker Gewichtet? Das Abkommen zwischen China und Land X oder das Abkommen von Paris?

        Oder mal angenommen die nächsten drei US Präsidenten halten nichts vom Klimaabkommen, was wollen die anderen Staaten konkret unternehmen?
        Welche Konsequenzen wollen sie ziehen?

        Das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base verstößt z.B. auch gegen geltendes Völkerrecht. In Diplomatischen Gesprächen weisen Staaten wie Deutschland zwar mal gerne darauf hin, wenn es aber konkret wird, zieht man auch gleich wieder den Schwanz ein und redet über die wirklich wichtigen Dinge.

        Gleich gilt auch für China, Indien, Brasilien, oder andere Länder.
        Das Land XY kann Gesetze verabschieden, mit dem Ziel den CO2 Ausstoß zu senken, ob es diese Ziele konkret überwacht, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

        Andersherum sind vielleicht gerade diese Gesetze dann Auslöser für die Klage vor einem Schiedsgericht.

        Man könnte folgendes Fazit dazu ziehen.
        Es ist unter dem Strich nicht unwahrscheinlich das Staaten die Gesetze oder Regelungen erlassen, die die CO2 Emissionen senken sollen, letztendlich gegen andere Verträge verstoßen und genau deshalb Probleme bekommen.

        Deshalb wäre auch eine konkrete Festlegung der Mittel zur C02 Reduktion so wichtig gewesen. Natürlich haben Sie recht, das es z.B. aus technologischer/ökonomischer Sicht Sinn machen würde, die Wahl dieser Mittel jedem selber zu überlassen. Juristisch ist es leider das genaue Gegenteil. Es ist nicht mal schwammig. 😉

        Um Ihren Einwand aber zu berücksichtigen, hätte man einfach in bestimmten Zyklen die Wahl der Mittel zur CO2 reduktion weiterentwickeln können.

        Ich vermute Sie werden sich jetzt fragen, falls ich recht habe, warum ich für Sanktionen bin, wenn es doch alles eh nichts bringt.

        Ein gutes Klimaabkommen hätte die Wahl der Mittel zur CO2 Reduktion benannt und konkrete Zielvorgaben enthalten. Diese Mittel und Zielvorgaben hätten in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden müssen.
        Gleichzeitig hätte alle Unterzeichner im Vertrag festhalten müssen, das das Klimaabkommen alle anderen Völkerrechtlichen Abkommen mit wirtschaftlichem Bezug „bricht“.

        In Verbindung mit Sanktionen, hätten Sie dann ein konkretes Abkommen, das man nicht ganz so leicht umgehen kann, wie es beim Pariser Abkommen der Fall sein wird.

        Nehmen Sie nur mal die Milleniumsziele. Eine nette Absichtserklärung ohne jedwede Durchschlagskraft. Ich glaube nicht dass sich die Welt bei so einem ernsten Thema wie dem Klimawandel, eine so Miese und Halbherzige Umsetzung noch einmal leisten kann.

        MfG

        • @M. J. Groenewold

          Vielen Dank für Ihre sachliche und für mich vollkommen einleuchtende Kritik am Pariser Abkommen. Ich bin mit Ihnen einer Meinung:

          Die Klimakonferenzen sind zahnlose Papiertiger ohne entsprechende juristische Mittel.

          Man möchte halt gerne noch einige marktwirtschaftliche Hintertürchen offenhalten. Und wohin das führt, sehen wir an den permanent steigenden CO2- Emissionen in der realen Welt, trotz mittlerweile 21 Klimakonferenzen. Im Übrigen wagt von den reichen Industrienationen niemand, das moderne Paradigma ewigen wirtscchaftlichen Wachstums/Profits auch nur im Ansatz infrage zu stellen. Und solange dieses unselige Paradigma Bestand hat, sehe ich keine Chance für irgendeinen Optimismus. Man möchte den Kuchen gerne essen und gleichzeitig behalten (was zwangsläufig zum Erstickungstod führt), sprich:

          Man möchte weiterhin satte Gewinne einfahren und die Natur weiterhin radikal ausbeuten, aber gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen. Das ist die alte Doublethink- Strategy, die auf lange Sicht schlicht, aber ergreifend in den Abgrund führt.

        • Hallo M.J.Groenewold, es ist freundlich von Ihnen, aber Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ich bin auch „nur“ ein sporadischer Leser.

          Ich selbst bin kein Staatsrechtler oder Jurist, von daher kann ich nur laienhaft argumentieren. Das es zur Eindämmung von Steuerhinterziehung auch Strafandrohungen braucht, ist plausibel. Ob man das Beispiel auf einen Klimavertrag übertragen kann, da bin ich mir nicht sicher. Eine wichtige Voraussetzung fehlt, eine übergeordnete Instanz. Für uns Steuerzahler ist es der Staat, in dem wir leben. Aber es gibt keine allgemeinverbindliche Institution für die Einzelstaaten. Oder mit anderen Worten, eine Weltregierung. Zum Glück. Also muss man andere Wege finden, gemeinsame Handlungen durchzuführen, weil Kooperationen immer einen temporären Charakter haben.

          Ich finde es aber trotzdem wichtig, dass Anreize CO2 in Massen zu produzieren abgebaut werden und dafür neue Anreize kommen, die gesetzten Vereinbarungen einzuhalten. Beispielsweise zwingt niemand jemanden am weltweiten Handel teilzunehmen, aber für die Staaten hat es mehr Vor- als Nachteile, sich dem Welthandel anzuschließen. Man muss die politischen Rahmenbedingungen so verändern, dass es für Staaten vorteilhaft ist, sich an Paris zu halten. In einem Punkt muss ich aber widersprechen, die WTO ist nicht prinzipiell gegen Handelssanktionen. Im Gegenteil, über den DSB (Dispute Settlement Body) kann es Staaten autorisieren, bei einem Rechtsbruch mit Handelssanktionen zu reagieren. Zugegeben, bis vor 5 Minuten wusste ich das auch nicht, ich habs bei Wikipedia nachgelesen. 😉

          Aber in der Tat werden wir (leider) noch oft genug erleben, dass andere wirtschaftliche Verträge im Interessenskonflikt zu den Klimaschutzzielen stehen. Wir werden auch oft genug sehen, wie Staaten (auch die Bundesrepublik) auf der einen Seite viel Geld für Klimaschutz ausgibt und auf der anderen Seite Geld zur Förderung von konventionellen Energiequellen.

          „Deshalb wäre auch eine konkrete Festlegung der Mittel zur C02 Reduktion so wichtig gewesen. Natürlich haben Sie recht, das es z.B. aus technologischer/ökonomischer Sicht Sinn machen würde, die Wahl dieser Mittel jedem selber zu überlassen. Juristisch ist es leider das genaue Gegenteil. Es ist nicht mal schwammig.“

          Ich weiß nicht. Macht es beispielsweise Sinn juristisch festzulegen, wie ich im Winter den Bürgersteig befreien soll oder reicht es nicht aus zu sagen, dass ich es einfach tun soll? Die Energiewirtschaft ist oft ein Zwitterwesen aus staatlicher Reglementierung und Marktwirtschaft. Ich sehe da nur begrenzte Chancen, alles gesetzlich und verpflichtend für lange Zeiträume festzuschreiben.

          Aber letztlich bei all der Kritik am Paris Abkommen, man muss realistisch bleiben und sich fragen, was a) realisierbar überhaupt ist und b) was man machen will, wenn die eigenen Maximalziele (Klimavertrag mit Sanktionen und genauen Festlegung der Mittel) nicht durchsetzbar sind. Und bei all den Verträgen die wir jetzt haben und noch kommen werden ist eines entscheidend, was wir tatsächlich an CO2 raushauen werden. Das zählt!

  7. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Ihrer Arbeit und Ihrem Engagement bringe ich große Achtung entgegen. Bewundern tue ich hingegen Ihren Optimismus.

    Beim Rückblick auf die letzten 15-20 Jahre, mit all den Vorgängen um einen Marc Morano und anderen »Spezialisten«, habe ich ein bis heute wirksames Netz von finanzkräftigen Schlüsselindustrien der Energiebranche und anderen Industriezweigen vor Augen, welche Think Tanks protegieren, die mit ihren Organisationen radikal aktiv waren und sind. Bis heute werden systematisch Artikel in Leitmedien positioniert, konstruierte Spezialisten in Fernseh- und Talkshows oder Politdiskussionen als »Fachleute« platziert und inzwischen sind weit über 100 Bücher mit entsprechendem Inhalt veröffentlicht. Im Internet ist bis heute ein gigantisches Netzwerk von miteinander verknüpften Websites aktiv und bezahlte Schreiber füttern Foren und Diskussionen im Internet mit Zweifeln an der Wissenschaft. Schaut man einmal in die Kommentarspalten, sind nicht wenige Menschen bis heute geneigt, warum auch immer, die gebotenen, leichten Wege anzunehmen. Zwar ist es den »Klimazweiflern« inzwischen deutlich schwerer geworden eine Plattform zu finden, aber sie waren bisher extrem erfolgreich in ihrer Zielsetzung: In den letzten Jahren haben sie genau die Zeit für die Finanzinteressen ihrer Auftraggeber gewonnen, die der Menschheit heute fehlen.

    Und so haben wir eben keine Zeit mehr, noch darauf zu hoffen, dass die Staaten ihre Selbstverpflichtungen im Nachhinein nach oben anpassen – dies hätte jetzt, in Paris, von sich heraus, aus der Einsicht in die Notwendigkeit, geschehen müssen. Das dies nicht passiert ist, bringt Licht in die Denkweise mancher Verantwortlichen und lässt nur wenige, positive Rückschlüsse zu. Sie haben es selbst in ihrem aktuellen Artikel geschrieben – dieser Vertrag kommt viel zu spät. Und Sie haben es ebenfalls mehrfach publiziert, was noch bleibt, wenn tipping points erst einmal überschritten worden sind.

    Am Rande einer Podiumsdiskussion hatte ich vor einigen Wochen die Gelegenheit mit Professor Latif über diese »Zeitfrage« zu sprechen. Er pflichtete mir bei, dass ein CO2-Pic 2030, etwa 15 Jahre zu spät käme, um den Temperaturanstieg auf 2 Grad zu beschränken (Einschätzung von Jorgen Randers). Das bedeutet nichts anderes, als dass wir eigentlich schon jetzt den Pic sehen müssten, oder vielleicht in den nächsten 5 Jahren. Davon sind wir weit entfernt.

    Ich frage mich also wirklich, woher die Euphorie allenthalben kommt. Schaue ich mir an, was Ihrem Kollegen Michael Mann widerfahren ist, verstehe ich allerdings schon Ihre Freude darüber, dass man nun vermutlich aufgrund der Wettergeschehnisse der letzten Jahre, eher bereit ist, der fundierten Wissenschaft zu folgen. Der Widerpart aber ist mächtig und er ist noch da! Und wenn noch Ende 2010 auf Einladung der FDP ein Fred Singer im Deutschen Bundestag eine unerhörte Plattform erhält und von der umweltpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion, Marie-Luise Dött, gelobhudelt wird, dann fällt es mir wahrlich schwer an geläuterte Missetäterinnen und Missetäter zu glauben. Viel eher an momentan kreidefressende Exemplare dieser Gattung.

    Ich wünsche mir natürlich genau wie wir alle hier, die aktiv für das Klima kämpfen, dass wir nun doch einen Punkt erreicht haben, der die Wende einleitet. Auch wenn diese möglicherweise, wahrscheinlich, hoffentlich nicht zu spät kommt. Was aber nicht passieren darf ist, dass wir locker lassen! Denn großen Worte und Gesten sind erst mal gar nichts. Den Worthülsen von Paris müssen jetzt Taten folgen – und zwar umgehend! Und NUR daran dürfen wir die Verantwortlichen jetzt messen.

    Größten Respekt sollten wir auch denen zukommen lassen, die draußen auf der Straße sind, den Aktiven von Avaaz oder Greenpeace, Robin Wood und all die anderen – ich glaube, dass ohne diese beherzten Menschen dieses Fortschreiten nicht möglich sein würde.

  8. Rahmstorf,

    Sie schreiben:

    “ Sie zeigen auch, dass eine Begrenzung auf 1,5°C als Langzeitziel noch möglich ist, wenn Klimaschutzmaßnahmen jetzt sehr rasch und konsequent durchgeführt werden. Dafür müssten die Emissionen an klimawirksamen Gasen in den nächsten Jahren zu fallen beginnen und nach der Jahrhundertmitte netto-Nullemissionen erreicht werden.“

    Das finde ich aber jetzt ein wenig sehr optimistisch, was bei der ganzen Diskussion mir wurmt ist, dass keiner mit einbezieht, dass mit rückgehenden Emissionen auch rückgehende Aerosol-Emissionen verbunden sind. Da liegt auch das Problem, wir liegen derzeit schon bei rund 1K gegenüber Pre-Industrial.

    Wenn man fairerweise mal gucken würde, was eigentlich mit Ausspielen der Unsicherheit (wurde hier gemacht: https://troyca.wordpress.com/2013/09/02/how-much-more-warming-would-we-get-if-the-world-stopped-emissions-right-now-dependence-on-sensitivity-and-aerosol-forcing/ ) würden wohl so allein aus den negativen Aerosol-Forcing 0.2K-0.6K in der Pipline stehen.

    1.5K ist eigentlich nicht haltbar, außer bei sofortigen Emissionstop oder später (und zwar ziemlich bald) negative Emissionen. Und selbst 2K dürften schwer werden.

    • Selbstverständlich ist der mit einem Kohleausstieg verbundenene Rückgang der kühlenden Aerosolemissionen in den Szenarien berücksichtigt. Ich habe auf Ihre Frage hin oben noch eine Abb. 1 ergänzt, die zeigt, wie die entsprechenden Emissionsszenarien aussehen.

  9. Die Vertreterinnen und Vertreter fast aller Länder unserer Erde sagen: Unsere Treibhausgase führen zu einer sehr gefährlichen Erderwärmung, die das Leben der Menschen heute bedroht und die die Lebensmöglichkeiten unserer Nachkommen stark gefährdet. Wir wollen umkehren und die Freisetzung dieser Treibhausgase radikal drosseln.

    Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte haben VertreterInnen fast aller Länder unserer Erde so ein Abkommen ausgehandelt. Riesig!
    Nahezu selbstverständlich ist, dass kein Land von der Staatengemeinschaft gezwungen werden kann, die Produktion von Treibhausgasen jetzt zurückzufahren und in einigen Jahrzehnten zu beenden! Das Abkommen ist, wenn es ratifiziert ist, zwar rechtlich bindend. Aber es enthält nicht die konkreten Maßnahmen und auch keine Sanktionsmechanismen.
    Wir müssen also unermüdlich die Energiewende fordern und fördern! Und so die Atom- und die Klimagefahren einschränken! Ein Selbstläufer sind die Pariser Vereinbarungen nicht! Sie sind ein politischer Auftrag an uns Bürgerinnen und Bürger in allen Ländern dieser Erde.
    Raimund Kamm
    http://www.atommuell-lager.de

  10. die globalen Emissionen scheinen ein Plateau erreicht zu haben (Abb. 2).

    Darf ich mal nachfragen. Die Daten für Dezember 2015 sind schon bekannt und in der Abbildung enthalten? Auf der Nordhalbkugel ist jetzt Winter und es wird gerade jetzt das meiste CO2 im globalen Jahresverlauf frei gesetzt… Vermutlich wird auch 2015 ein neuer Rekord der CO2-Emissionen in der Jahresendabrechnung…

    Das ist sicherlich kein Plateau… Dieses gibt es bei der Globaltemperatur seit 1998 auch nicht … wie Sie Herr Rahmstorf bekunden …

    • Der Wert für 2015 ist eine Hochrechnung für das volle Jahr auf Basis der bislang bekannten Daten. Dass Dezember im Norden ein Wintermonat ist, ist auch den Autoren dieser Hochrechnung bekannt und natürlich einkalkuliert. Anders als die globale Temperaturkurve sind die globalen Emissionen auch nicht von starken Zufallsschwankungen von Jahr zu Jahr überlagert, sodass einzelne Jahreswerte durchaus aussagekräftig sind. Jackson et al. interpretieren die Daten so: „Underlying trends in some emerging and established economies suggest that structural changes in their economies and energy systems are already leading to emission reductions.“ Also keine Zufallsschwankung sondern strukturelle Veränderungen. Lesen Sie dazu auch mal den oben verlinkten Artikel von Joe Romm zu Chinas sinkendem Kohleverbrauch.

  11. Auch ich kann Ihren Optimismus leider nicht teilen. Freiwillige Verpflichtungen kennen wir zu Hauf. Sie werden sich sicher auch an die freiwilligen Verpflichtungen der Industrie in den 90er erinnern.
    Die Regierung Kohl ist damit ebenfalls gescheitert.
    Auf die Frage eines Reporters an die deutsche Umweltministerien Frau Hendricks, warum es eigentlich keine Sanktionen gäbe, anwortete Sie sinngemäß: es gibt keinen internationalen Klimagerichtshof und eigentlich geht es auch besser ohne Sanktionen.
    Sicher, der internationale Gerichtshof in Den Haag wird noch nicht mal von den USA anerkannt. Also ein „stumpfes Schwert“?
    In einer Welt in der internationales Recht nicht mit rechtstaatlichen Mitteln durchsetzbar erscheint sollen freiwillige Vereinbarungen wirken?

    • Auch aus der Spieltheorie ergeben sich Zweifel: Falls 60% der Länder fossile Brennstoffe einsparen, wird deren Preis billiger und 40% „Rogue States“ könnten günstig ihren fossilen Verbrauch ausbauen. Es bräuchte also schon politisch – z.B. durch die klimagebeutelte Bevölkerung jener Staaten – bedeutsame Nachteile, damit sie dies nicht täten.

  12. Das Ergebnis der Konferenz von Paris wurde euphorisch als großer Durchbruch gefeiert. Aber war es wirklich ein Erfolg? Meiner Ansicht nur ein scheinbarer! Denn obwohl sich alle Staaten dazu verpflichtet haben, den Klimaschutz nach vorne zu bringen, drohen bei Nichteinhaltung des Vertrags keine Konsequenzen in Form von Strafen. So war es bisher auch schon. Außerdem werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Staaten selbst festgelegt. Um in einem überschaubaren Zeitraum das Optimale für den Klimaschutz herauszuholen, müßte man schon unverzüglich das Ressourcen vernichtende und Energie vergeudende „Wachstum“ als oberstes Ziel der Politik aufgeben, und zwar weltweit. Doch danach sieht es mitnichten aus! Gerade in den ökologisch besonders konfliktträchtigen Ressorts Verkehr, Landwirtschaft, Energie Forstwirtschaft oder Naturschutz ist kein radikaler Kurswechsel, der notwendig wäre, in Sicht!. Bis jetzt weigert sich z. B,.die deutsche Bundesregierung beharrlich, ein generelles Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstraßen einzuführen und die LKW-Maut auf sämtliche Straßen auszudehnen, sowie diese drastisch zu verteuern. Ebenso ist eine weitgehende Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene Fehlanzeige. Was die Landwirtschaft betrifft, so müßte der extrem umwelt- und klimaschädliche Anbau so genannter „Energiepflanzen“ in gigantischen Monokulturen sofort beendet werden, wie auch die starke Emissionen verursachende Massentierhaltung mit all ihren verheerenden Folgen für das Klima. Anzustreben ist eine flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft! Und nicht zuletzt muß auch auf ein sofortiges Ende der Regenwaldzerstörung hingewirkt werden, die schon heute in mehrfacher Hinsicht katastrophale Auswirkungen auf das globale Klima hat! Das sind nur ein paar Beispiele.
    Sieht man das Ergebnis der Klimakonferenz also einmal ganz nüchtern, dann handelt es sich doch wieder nur um Absichtserklärungen. Die bittere Erfahrung lehrt aber, daß freiwillige Vereinbarungen noch nie gefruchtet haben. Somit besteht m. E. kein Grund, von einem historischen Ereignis zu sprechen. Bereits bei dem G7-Treffen auf Schloss Elmau in diesem Jahr hatten die anwesenden Staatschefs den Mund sehr voll genommen und eine „Dekabornisierung“ unseres Planeten beschworen. Doch kaum hatte der Alltag die Politiker eingeholt, war alles Schnee von gestern; und es wurden – wie gewohnt – die Interessen der Lobbies bedient.Genau das ist meines Erachtens nach Paris erneut zu befürchten!
    .

    • …ich befasse mich seit über 25 Jahren mit der Thematik aus der reell von den meisten Menschen gelebten Praxis und muss Ihrer Einschätzung (leider!) in allen Punkten beipflichten.
      Wir sollten in einem Jahr bei den wichtigsten Parametern ein Fazit ziehen – und dann wird sich abzeichnen, ob wir von einem historischen Ereignis sprechen dürfen, oder dies (wieder nur) ein temporäres Wunschdenken war.

    • Sehr geehrter Herr Knoppik, man muss aber auch umgekehrt die Frage stellen, was Sanktionen helfen würden, wenn a) es für die Staaten billiger ist Strafzahlungen zu bezahlen anstatt teure Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen und b) Länder wie die USA und China sich weigern würden einen Vertrag zu unterzeichnen, der Sanktionen vorsieht.

      Meine persönliche Meinung ist zudem, dass man nicht generell auf Wachstum verzichten muss. Aber die Frage ist, was ist die Bewertungsgrundlage für Wachstum. Technischer Fortschritt ist leider kein Indikator, wenn man nur das BIP heranzieht. Hingegen kann man das BIP künstlich hochtreiben, wenn Person A bei Person B die Fenster putzt und Person B bei Person A und jeder bezahlt den anderen aus. Ein weites Thema, aber um es kurz zu machen, Überdenken des Begriffs Wachstum ist von Nöten.

  13. Nach Paris schwanken wir jetzt zwischen:
    „Optimismus ist (jetzt) Pflicht“ (Karl Popper) und
    „Optimismus ist nur ein Mangel an Information“ (Heiner Müller).
    Wenn sich die Erfolgsspirale der Erneuerbaren auf dem exponenziellen Weg so weiter fortsetzt, haben wir eine Chance. Wer weiß, vielleicht klappt die Transformation schneller, als wir es uns jetzt ausmalen können. Beispiele für Technologiesprünge (das digitale Zeitalter) gibt es in der Weltgeschichte genügend.

    • Popper und Muller haben beide recht. Wären Menschen schonungslose Realisten, wäre die Menschheit wohl schon ausgestorben. Man braucht viel Optimismus, um im Leben etwas voranzukommen. Er nutzt sich dann erfahrungsgemäß ab, deswegen kommt Popper auf Pflicht.

      Merkel hat es doch gerade bei einem anderen Thema psychologisch richtig angepackt, mit der Erklärung des „Wir schaffen das“. „Ich kann das sagen, weil es zur Identität unseres Landes gehört, (…) , zu zeigen, was in uns steckt“. (das parteipolitische im Zitat habe ich gestrichen)

      http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-12/cdu-parteitag-merkel-delegierte

  14. Ein pessimistischer, aber notwendiger, kritischer Artikel:
    http://www.kontext-tv.de/node/502

    Es bleibt die Verpflichtung, insbesondere der vielen Aktiven, weiterzumachen und Veränderungen in Richtung 100% Erneuerbare Energien herbeizuführen.
    Dazu gehört aber auch die Verpflichtung zu sagen was tatsächlich ist!

  15. Ist das 1.5-Grad-Ziel denn wirklich mit profitbasierter Ökonomie und
    kapitalistischem Wirtschaftswachstum vereinbar? Wenn 2015 tatsächlich
    ein Peak-Jahr war, dann doch wohl nur deswegen, weil der aufwändige
    Umstieg auf eine CO2-neutrale Infrastruktur bisher nicht wirklich in
    Angriff genommen wurde!

    Der Schutz des Klimas und der Lebensgrundlagen muss Priorität haben.
    Aber wir müssen uns eingestehen, dass dies mit kapitalistischem
    Wirtschaftswachstum und business as usual nicht zu erreichen
    ist. Stattdessen müssen sich die Menschen weltweit solidarisch selbst
    organisieren und dafür eintreten, dass die Einschnitte in den
    Wohlstand global gerecht verteilt werden und alle immer noch genug zu
    essen haben. Modelle ökonomischer Kostenminimierung helfen da nicht
    weiter!

    Eine politische Klasse, die auf Wirtschaftswachstum, Konzerne, Kriege
    und neokolonialistische Ausbeutung setzt, wird den Klimaschutz nur auf
    dem Papier vorantreiben und nicht etwa in der Wirklichkeit! Wer glaubt
    denn etwa, dass die Drohnen, Kampfflugzeuge, Überwachungssatelliten
    und Panzer der US-Army in zwanzig Jahren ohne fossile Brennstoffe
    auskommen? Im Paris-Abkommen einen Durchbruch zu sehen, ist meiner
    Ansicht nach eine gefährliche Illusion!

  16. Herr Raimund Kamm ist Landesvorstandsmitglied des Bundesverbandes Windenergie e.V. in Bayern (BWE Bayern), was seinen Kommentar erklärt. Der BWE Bayern ist Mitglied im WWEA = World Wind Energy Association. Kommentator*in Leo solar hat Paris gut zusammengefasst und gerade im Nahen Osten und in Nordafrika wäre Meerwasserentsalzung mit Thermosolar eine
    attraktive Technologie aber leider gibt es bislang noch keine Solar Anlage, die größere Mengen Wasser verdampft (10 kWh pro cbm Wasser). Meerwasserentsalzung zur ausreichenden Versorgung von Mensch, Tier und Landwirtschaft mit Süsswasser wird bei zunehmender Weltbevölkerung und den durch Deforestation bewirkten Klimawandel immer wichtiger. Die auf dem Verdampfungsprinzip beruhende weltweit größte Meerwasserentsalzungsanlage in den VAE wird aber weiterhin mit Heizöl betrieben, weil Thermosolar für größere Mengen Süsswasser noch nicht funktioniert. Am günstigsten ist zur Zeit noch die Umkehrosmose (3 kWh pro cbm Wasser).
    Wenn jemand zu Thermosolar und Meerwasserentsalzung etwas sagen könnte, wäre dies eine konkrete und brauchbare Lösung für ein großes Problem im Gegensatz zu dem allgemeinem CO2-Geschwätz (egal ob AGW oder anti-AGW), was keinem hilft. Wer will, dass ich AGWler wieder mehr respektiere, sollte mir konkret etwas über Thermosolar und Meerwasserentsalzung erzählen !
    MfG, Horst Denzer

    • Meerwasserentsalzung macht man doch mit Umherosmose, nicht durch Verdampfen? Und Umkehrosmose benötigt Strom, wäre also auch mit Solar bzw. Windstrom zu betreiben, insbesonders wenn man die Anlage überdimensioniert so das man Stromüberschuß (Bei Solar am Tag, bei konventionellen Kraftwerken nachts) verwenden kann?

      Verdampfungskraftwerke können sich nur die Ölprinzen am Golf leisten, da benötigt man bis zu 12 KwH pro m^3 statt 3.

  17. Viel Glück!

    A critical part of any analysis of high-renewable systems is the cost of backup thermal power and/or storage needed to meet demand during periods of low renewable generation. These costs are substantial; as a result, levelized costs of wind and solar are not the right tools to use in assessing the total cost of a high-renewable system

    Emissions. High-renewable grids reduce CO2 emissions by 65%-70% in Germany and 55%-60% in California vs. the current grid. Reason: backup thermal capacity is idle for much of the year
    Costs. High-renewable grid costs per MWh are 1.9x the current system in Germany, and 1.5x in California. Costs fall to 1.6x in Germany and 1.2x in California assuming long-run “learning curve” declines in wind, solar and storage costs, higher nuclear plant costs and higher natural gas fuel costs

    usw.

    http://scienceofdoom.com/2015/12/17/renewables-xvi-jp-morgan-advises/

  18. @ Eulenspiegel
    „Meerwasserentsalzung macht man doch mit Umherosmose, nicht durch Verdampfen?“
    Das habe ich doch geschrieben aber auch Umkehrosmose obwohl nur 3 kWh pro cbm ist zur Zeit zwar die beste Lösung aber wegen des zunehmenden Bedarfs an Meerwasserentsalzungs-anlagen ist man sehr an einer thermosolaren Lösung ( zwar auch 10 kWh pro cbm aber von der Sonne geliefert) interessiert ! Brauchbare Lösungen gibt es jedoch zur Zeit nur für 10 cbm Wasser pro Tag. Dies ist viel zu wenig !

  19. Ich habe lange überlegt, ob ich die „Ergebnisse“ von Paris überhaupt kommentieren soll. Ich versuche seit Jahrzehnten irgendeinen Anhalt für Optimismus zu erkennen, aber es will mir einfach nicht gelingen. Die klimatischen Ereignisse und internationalen Forschungsergebnisse akkumulieren seit geraumer Zeit so dermassen schnell, selbst wenn ich etliche Stunden sieben Tage die Woche recherchiere, kann ich mit deren Tempo nicht mehr mithalten. Eins ist jedenfalls sonnenklar:

    Die Szenarien des IPCC haben sich im Grossen und Ganzen stets als zu optimistisch erwiesen. Und was letztlich global tatsächlich an guten Vorsätzen umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Insgesamt schliesse ich mich dem Urteil James Hansens an ( selbst Hansens wissenschaftliche Prognosen sind noch moderat und ich bezweifle, dass die politischen und klimatischen Probleme über eine Steuer, wie Hansen sie anmahnt, gelöst werden können):

    14.12.2015 – James Hansen, father of climate change awareness, calls Paris talks ‚a fraud‘

    … “It’s a fraud really, a fake,” he says, rubbing his head. “It’s just bullshit for them to say: ‘We’ll have a 2C warming target and then try to do a little better every five years.’ It’s just worthless words. There is no action, just promises. As long as fossil fuels appear to be the cheapest fuels out there, they will be continued to be burned…

    “It’s all embarrassing really,” Hansen says. “After a while you realise as a scientist that politicians don’t act rationally. “Many of the conservatives know climate change is not a hoax. But those running for president are hamstrung by the fact they think they can’t get the nomination if they say this is an issue. They wouldn’t get money from the fossil fuel industry.”… ”

    http://www.theguardian.com/environment/2015/dec/12/james-hansen-climate-change-paris-talks-fraud

      • Danke für jene Antwort auf Hansen. Ist allerdings keine wissenschaftliche, sondern vielmehr eine rein persönliche Antwort von Mr. Erskine (Ökonom in Kalifornien?):

        Is 1.5C achievable? The science suggests almost certainly not. So why include it? Because low lying and vulnerable countries demanded it. It is a recognition of their plight. Is that a sop to them, a fraud? No, its called diplomacy and of course not an easy thing for scientists like Hansen to accept.

        Eine etwas seltsames Argument gegen Hansen angesichts der Tatsache, dass doch Hansen selbst seit Ewigkeiten dafür plädiert, 1.5° Celsius nicht zu überschreiten. Diese merkwürdige Replik geht doch völlig an Hansen’s berechtigter Kritik zu COP21 vorbei. Hansen selbst betont immer wieder das generelle Ungleichgewicht der Parteien auf den Klimakonferenzen, er mahnt ständig den Gerechtigkeitsfaktor den wirtschaftlich armen und besonders vulnerablen Ländern gegenüber an und dass diesem Fatktor bisher einfach nicht Genüge getan wurde. Und so sehen das auch jene besagten, benachteiligten Staaten. Hansen steht insofern diesen benachteiligten Staaten mit seinem Plädoyer für ein 1.5° Celsius Ziel näher, als der Mainstream auf den Klimakonferenzen^^

        We cannot change where we are starting from, not Hansen, not Fabius.

        Dem stimme ich sicher zu. Hansen würde dem sicher auch zustimmen.

        Hier eine wirklich aussagekräftige und sehr sachliche Kritik des ehemaligen bolivianischen Botschafters Pablo Solon (als ein Repräsentant der erwähnten, benachteiligten Staaten):

        Former Bolivian UN Ambassador: COP21 Draft Text Shows Plans to Further Commodify Nature

        https://www.youtube.com/watch?v=jqXmioFeEk0

        Die reichen Industriestaaten auf diesem Planeten waren in ihrer Geschichte nie zimperlich gegen schwächere Staaten. Um es genau zu sagen: Die reichen Industriestaaten, allen voran Europa und die USA, beuten seit Jahrhunderten jene schwächeren Staaten aus, genauso, wie sie den Planeten ausbeuten oder mithilfe ihrer Geheimdienste politisches Chaos verbreiten. Und ebenso sind die reichen, westlichen Industriestaaten bisher die Hauptverursacher der globalen ökologischen und klimatischen Misere. Dieses Ungleichgewicht ist eine der zentralen Ursachen dafür, dass die Klimakonferenzen keine wirklichen globalen Veränderungen im grossen Massstab zustande bringen.

        Das globale, ausbeuterische, real existierende Wirtschaftssystem verhindert reale Veränderungen im grossen Stil. Es geht um Geld, um sehr viel Geld. Es geht um die Ölindustrie, den militärisch-industriellen Komplex, es geht um die gesamte Machtverteilung auf diesem Planeten. Und die reichen Industriestaaten werden einen Teufel tun, ihren Status Quo auch nur infrage zu stellen, geschweige denn, aufzugeben. Und so werden eben auch die schwächeren Staaten ihr Hauptaugenmerk weiterhin auf das wirtschaftliche Überleben richten und weniger auf das Klima ect. Und das würde auch die von Hansen vorgeschlagene Steuer nicht verhindern. Im übrigen plädiert Hansen ja bekanntermassen für einen Ausbau der Kernenergie. Davon halte ich allerdings garnichts.

        Das Hauptproblem ist also weniger die Wissenschaft, da sind wir uns sicher einig. Das Hauptproblem ist und bleibt die Politik.

        Hier die Stellungnahme Hansens zu COP21:

        https://www.youtube.com/watch?v=eRUrKB3XKXA

        • Dem kann ich nur zustimmen. Auch wenn Cop21 kein „fraud“, also absichtlicher Betrug sein mag, so ist das Ergebnis vielleicht notwendig aber nicht hinreichend. Keines der gesteckten Ziele wird erreicht werden. Mit viel Anstrengung wird man vielleicht 25% Reduktion bis 2050 erreichen. Ein Blick in die Geschichtsbücher und die Politik der USA seit Ronald Reagan zeigt doch das man ohne eine Steuer nichts erreichen wird und das die Steuer nie kommt. Die Menschheit geht keiner Katastrophe aus dem Weg sondern steuert fröhlich auf sie zu. Kein Wunder wenn min. 60% glauben die Welt sei von einem Gott oder Göttern für uns Menschen gemacht. Diese Irren sitzen zu Hauf im US Parlament!

      • Übrigens, was mir ua am meisten Sorge bereitet, ist der extrem niedrige Ölpreis, der tendenziell in’s bodenlose zu fallen scheint. Öl und Kohle galt schon immer als billige Energie, solange eben die ökologischen und klimatischen Folgekosten ausser acht gelassen werden. Es ist fatal, dass, je billiger das Öl ist, desto mehr davon verbraten wird, was wiederum mehr CO2 bedeutet- so funkioniert nunmal die Marktwirtschaft. Insofern hat Hansen schon Recht mit seinem Hinweis darauf, dass das Problem über den Preis angegangen werden müsste. Allerdings wäre auch diese Lösung eine marktwirtschaftliche Lösung und man müsste zwingend darüber nachdenken, wie denn die ärmeren Erdenbewohner davon getroffen würden (da wäre Hansen durchaus mit Richard Erskine einer Meinung!). Unterm Strich glaube ich nicht an eine marktwirtschaftliche Lösung des Klimawandels.

        Letztlich bin ich schon seit langem zu der Überzeugung gelangt, dass nur eine globale Weltregierung das Klimaproblem in ausreichendem Massstab effektiv angehen kann. Allerdings bereitet mir die Vorstellung einer Weltregierung auch einiges Unbehagen.

        • der Ölpreis ist zz sehr tief, weil wenig verbraucht und viel gefördert wird. Ein Klassiker aus Angebot & Nachfrage, da sind ihre Sorgen unberechtigt.

          • Was mir Sorge bereitet, ist weniger Angebot und Nachfrage, sondern die Tatsache, dass sich die ökologischen Folgekosten fossiler Brennstoffe mit fallenden Ölpreisen immer weniger im Ölpreis niederschlagen. Wie teuer müsste das Öl wohl sein, wenn die besagtten ökologischen Folgekosten auf den Preis pro Barrel umgelegt würden?…

  20. Also ich fahre ja Fahrrad, bin allerdings kein Präsident. Herr Obama allerdings ist Präsident und in dieser Eigenschaft hat er in unnachahmlicher Weise demonstriert, wie sehr die durchaus ambitionierten Ziele auf den Klimakonferenzen ect mit der harten Wirklichkeit kollidieren:

    US President Barack Obama Motorcade in Paris – COP 21

    https://www.youtube.com/watch?v=QDPxrc02Wew

    Also ich habe 27 Autos in der Präsidentenkolonne gezählt, darunter einige Kleinbusse plus vier Motorräder- und das, um EINEN EINZIGEN MANN von A nach B zu bringen 😀 Hinzu kommen natürlich noch Hin- und Rückflug.

  21. Wie ich hier einem Kommentar der letzten Tage entnehme, ist das mit dem CO2 – und seiner dominierenden Bedeutung für den Treibhauseffekt – immer noch nicht von allen verstanden worden. Ich möchte hiermit ein indirektes Argument zu diesem Thema einbringen:

    Ich habe mir am Samstag das Buch „Stickstoff – ein Element schreibt Weltgeschichte“ ausgeliehen. Es ist aus der Reihe „Stoffgeschichten“, bestens gemachte Bücher für Laien wie mich, die sich bei einem Thema jedoch zumindest um eine Art halbwissenschaftliches Niveau bemühen.

    Da machen sich jedenfalls u.a. zwei Forscher in einer kurzen Untersuchung Gedanken über die „himmlische Stickstoffmaschine“, etwas konkreter über folgende Ursache-Wirkungs-Kette: Kohlendioxid, Wasserdampf, wärmeres Klima, Rückkopplung mit Gewitteraktivitäten, einer dadurch ausgelösten „ganzen Kettenreaktion atmosphärischer Chemie“ etc. usw. … – was da zuletzt stickstoffmäßig herauskommt ist mir eigentlich vollkommen egal!

    Mir geht es darum aufzuzeigen, mit welcher Selbstverständlichkeit Experten eines ganz anderen Fachgebiets an die Erkenntnisse der Klimatologie „andocken“, weil dort mit wissenschaftlicher Methode für alle nachvollziehbare präzise Resultate erarbeitet worden sind. In Deutschland gibt es nicht nur einige Dutzend hochkarätige Klimawissenschaftler mit einer dezidierten, ziemlich einheitlichen Meinung zum Klima, es arbeiten tausende weitere Forscher mit eigenen Projekten (etwa Hydrologen, Forst- und Agrarwissenschaftler, Ökologen, Meteorologen, Meereskundler, Geographen etc.) und diverse Praktiker (strategisch planende Konzernlenker, Förster, Stadtplaner, Landwirte, Entwicklungsexperten usw.), die konkrete langfristige Entscheidungen zu treffen haben, ganz selbstverständlich mit den Erkenntnissen der seriösen Klimawissenschaft.

    Ich rede von einem gewaltigen kollektiven Urteilsvermögen! Die haben alle eine klare Auswahlentscheidung getroffen! Mit welchen Modellen oder Resultaten sollten die denn sonst arbeiten? Mit Wolkenkuckucksheimen oder den Erkenntnissen von Kaltsonnenanbetern, oder was?

    Herausgeber des Stickstoffbuchs ist übrigens Gerhard Ertl, den Nobelpreis für Chemie hat er 2007 erhalten.

  22. „Ein Sieg der Vernunft“… mir wäre ein Sieg des Gefühls lieber gewesen. FÜHLT der Durchschnittsmensch in den reichen Ländern der sog. 1. Welt eigentlich, was dem Planeten, Mutter Erde, den Menschen-Opfern der globalen (Finanz-)Politik, den Tieren und Pflanzen angetan wird?! Fühlt das ein SUV- Fahrer oder ein Millionär, der dreimal im Jahr in den Urlaub jettet und mit 800PS- Porsche zum Flughafen reitet?! FÜHLT das Mr. Obama, der mit 27(!) Autos und Kleinbussen zur Klimakonferenz und wieder zurück fährt?! FÜHLEN das die Leute, die jetzt um die Weihnachtszeit wie die Irren in die Kaufhäuser und Supermärkte stürmen?! Ich habe eher den Eindruck, die meisten Leute sind einfach nur extrem angepisst, dass das Klima nicht ihren Wünschen gemäss pariert und ihnen eine „WEISSE WEIHNACHT“ beschert. Es gibt Leute, die schimpfen auf das derzeitige „Winter“- Wetter wie die Rohrspatzen, weil ihr Ski- Urlaub ohne Schnee nicht statffinden kann. Also wenn wir sonst keine weiteren Probleme haben, dann ist doch alles bestens 😎 Ich meine, ist doch klar, dass das Wetter zu gehorchen hat, oder?! Was wollen diese Leute denn machen, wenn erst das TRINKWASSER knapp wird?!…

    Mein Fazit der ganzen Angelegenheit:

    Politik wird nicht von Politikern (oder gar wissenschaftlichen Beratern), sondern vom Geld, vom Finanzkapital gemacht. Insofern kann ich über Paris leider nur lachen. Entscheidend ist nicht, was auf irgendeinem Papier geschrieben steht, sondern was draussen auf der Strasse, in der realen Welt geschieht:

    20.12.2015 – California’s Worst Gas Leak In 40 Years (And Crews Can’t Stop It)

    While world leaders signed the ‚historic‘ agreement signed in Paris to fix the world’s „greatest threat,“ a natural gas storage site in southern California is belching 145,000 pounds per hour of Methane – a greenhouse gas 70 times more potent than carbon dioxide. What is worse, while official proclaim this a „top priority“ a fix won’t arrive until spring as emergency crews recognize „the leak was far from routine, and the problem was deeper underground. As Wired reports, in just the first month, that’s added up to 80,000 tons, or about a quarter of the state’s ordinary methane emissions over the same period. The Federal Aviation Administration recently banned low-flying planes from flying over the site, since engines plus combustible gas equals kaboom….

    Across the US, over 300 depleted oil fields, of which a dozen are in California, are now natural gas storage sites. “We have the largest natural gas storage system in the world,” says Chris McGill, a vice president of the American Gas Association. And the site at Aliso Canyon is one of the largest in the country, with a capacity of 86 billion cubic feet…

    http://www.zerohedge.com/news/2015-12-20/californias-worst-gas-leak-40-years-and-crews-cant-stop-it

  23. Wenn ein Kommentator in diesem Forum sich darüber beschwert, dass das mit dem CO2 – und seiner dominierenden Bedeutung für den Treibhauseffekt – immer noch nicht von allen verstanden würde aber selbst auf Grund mangelnder Physik- und Chemiekenntnisse nur Schriften oder Websites zitieren kann, die er selbst nur zum Teil versteht, so finde ich dies schon als das Gegenteil von klug und weise – nun ja, selbstständiges Denken ist trotz Internet nicht so weit verbreitet – muss ich leider so hin nehmen. Trotzdem wünsche ich Ihnen besinnliche (nehmen Sie dies bitte einmal ernst !) Weihnachtstage und einen guten Start ins Neue Jahr !
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • @Dr. Horst Denzer

      Entscheidend ist doch weniger, ob andere etwas verstehen oder nicht, sondern vorrangig, ob man selbst versteht, in welcher Welt man lebt, nicht wahr? Jedenfalls bin ich persönlich ganz froh, selbst nie auf die unselige Propaganda der sog. Leugner/Skeptiker hereingefallen zu sein und meine persönlichen Konsequenzen gezogen zu haben- schliesslich geht es für mich persönlich in erster Linie darum, meine ganz persönliche Verantwortung wahrzunehmen und meinen eigenen, persönlichen Lebensstil vom Konsumwahn zu befreien, mich selbst von Lüge und Wahn freizuhalten. Falls Sie jedoch etwas besser verstehen, als andere hier auf dem Blog, dann klären Sie doch bitte auf, Herr Denzer 🙂

      nun ja, selbstständiges Denken ist trotz Internet nicht so weit verbreitet…

      Da stimme ich Ihnen vollkommen zu^^

    • Die Wirkungen von CO2 wurden von mir bereits früher detaillierter erwähnt (ich glaube bei der Diskussion um die Papst-Enzyklika), und zwar bis hin zu den Dipolmomenten dreiatomiger Gase sowie den durch die Infrarotstrahlung ausgelösten Deformationsschwingungen usw. etc.

      In der Regel äußere ich mich nicht direkt zu physikalisch-chemisch-klimatischen Mechanismen (davon verstehen andere in diesem Forum viel mehr!), ich erwähne in meinem Beitrag ja auch ausdrücklich, dass ich ein „indirektes Argument zu diesem Thema“ einbringen will!

      Muss ich mir eigentlich den physikalischen und chemischen Lehrbuch-Wissensstand grundlegend selbständig erarbeiten oder darf ich ab und zu in meinem Bücherschrank nachschauen? Eigenständige Forschungen oder Gedanken zu obigem Themengebiet konnte ich bisher auch bei Ihnen nicht erkennen!

      Sind Sie wirklich der Auffassung, dass Aussagen wie „allgemeines CO2-Geschwätz“ im Gegensatz zu meinen Ausführungen „klug und weise“ sind bzw. irgendeine Art von „selbständigem Denken“ offenbaren? Ein bisschen mehr selbstkritische Bodenhaftung, Herr Denzer, würde Ihnen bei manchen Themen gewiss nicht schaden!

      Noch einmal, was das CO2 und seine Wirkungen angeht: In Deutschland haben tausende (tatsächlich sind es wohl eher zehntausende!) Forscher und Praktiker eine Auswahlentscheidung getroffen und damit ein Kollektivurteil für die seriöse Klimawissenschaft abgegeben. Das ist doch eine bemerkenswerte Tatsache!

  24. hier zeigt sich schon einer der „großen Siege“ von Paris:

    http://orf.at/stories/2315974/

    „Wegen der Errichtung der größten Kohlemine weltweit bekommt Australien nun einen der größten Häfen für die Verschiffung von Kohle. Die Regierung gab am Dienstag grünes Licht…“

  25. Der Dezember wird ein absoluter Rekordmonat, längst nicht nur in Deutschland, wo zZt eine mittlere Temperaturabweichung von schlappen +5.69K herrscht. Es geht sogar noch „besser“:

    Zuzüglich zu den extrem positiven Anomalien herrscht extreme Trockenheit und WALDBRANDGEFAHR in weiten Teilen des „winterlichen“ Europas, wie zB in der Schweiz:

    23.12.2015 – Waldbrandgefahr – mitten im Winter

    http://bazonline.ch/panorama/vermischtes/Waldbrandgefahr–mitten-im-Winter/story/23534494

    Oder in Östereich:

    22.12.2015 – Land warnt vor Waldbrandgefahr

    http://tirol.orf.at/news/stories/2748894/

    Trockenheit wird zum Problem

    Die lang anhaltende Trockenheit wird langsam zum Problem, in Oberkärnten herrscht bereits erhöhte Waldbrandgefahr. Die Flusskraftwerke produzieren um die Hälfte weniger Strom als normalerweise im Dezember, es fehlt das Wasser…

    http://kaernten.orf.at/news/stories/2748980/

    Und auch in weiten Teilen Süddeutschlands herrscht extreme Trockenheit:

    https://files.ufz.de/~drought/smi_aktuell.png

    Nein, Dürre und Trinkwassermangel werden nicht erst 2100 Einzug in Europa halten, derlei Unannehmlichkeiten stehen bereits HEUTE auf der Matte 😎

  26. Nicht nur Exxon Mobil wusste bereits in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts um die ernsten Folgen des anthropogenen Klimawandels, sondern auch etliche andere multinationale Öl- Konzerne wissen seit Jahrzehnten Bescheid:

    23.12.2015 – Exxon Isn’t the Only Oil Company That Knew About Climate Change in the 70s

    Several months back, Exxon’s public image took a well-deserved nosedive after an investigation by InsideClimate revealed that the oil company knew about links between fossil fuels and climate change forty years ago, before proceeding to bury and deny the evidence. But as another detailed InsideClimate investigation shows, Exxon wasn’t alone.

    In fact, scientists from numerous American and multinational oil companies affiliated with the American Petroleum Institute (API) were very much aware of global warming in the late 1970s and early 1980s. And in news that will surprise exactly no one, the oil-friendly scientists decided to ignore and obfuscate the truth.

    From 1979 to 1983, the API convened a task force of scientists—initially the CO2 and Climate Task Force, later the Climate and Energy Task Force—to monitor and share climate research. According to internal documents obtained by InsideClimate News and interviews with the task force’s former director, that group included senior scientists from Exxon, Mobil, Amoco, Phillips, Texaco, Shell, Sunoco, Sohio, and Standard Oil of California and Gulf Oils (the predecessors to Chevron)

    http://gizmodo.com/exxon-isn-t-the-only-oil-company-that-knew-about-climat-1749498557

    Also, ehrlich gesagt, mir schwinden die Worte angesichts derart mörderischen und suizidalen Verhaltens- das Einzige, was diese Konzerne agesichts der drohenden, globalen Katastrophe all die Jahrzehnte im Sinn hatten, war (und ist) PROFIT 🙂

    Möööönsch, liebe sog. Wirtschaftskapitäne, man kann doch sowieso NIX mitnehmen auf dem Weg alles Irdischen, keinen lausigen Cent kann man mitnehmen ! Eure Nachkommen werden es Euch todsicher „danken“ 😎

    • Also zu den so uneinsichtigen „Wirtschaftskapitänen“ vielleicht folgendes: Adidas, Aldi, Commerzbank, Ritter Sport und einige mehr (etwa die EnBW!) haben letzte Woche die Bundesregierung ziemlich deutlich aufgefordert, beim Klimaschutz „nachzuschärfen“. Ich habe soeben das hochinteressante Interview mit Wolfgang Bernhard (Chef der Daimler-Sparte Trucks) über CO2 und Gütertransporte in der Zeit vom 23. Dezember 2015 gelesen – im Unterschied zu manchen anderen hat der die klimatischen Zusammenhänge verstanden! Oder nehmen Sie den Vattenfall-Manager Gunnar Groebler (FAZ vom 28. Dezember 2015): „Wir werden bis zum Jahr 2020 in die Windenergie 5,5 Milliarden Euro investieren.“ Der hält große Kosteneinsparungen im Windsegment für möglich (wir Ökonomen sprechen von sog. „economies of scale“), für den ist völlig klar, dass sich die Welt „hin zu einer kohlendioxidfreien Energieerzeugung“ bewegen muss.

      „Öl-Multis fordern überall auf der Welt Preise für CO2“, überschrieb die FAZ am 2. Juni 2015 einen Artikel. Die Treibhausgase stiegen zu stark an, so die sechs europäischen Konzerne in einer gemeinsamen Erklärung, es müsse mehr getan werden, um die vom IPCC genannten zwei Grad zu erreichen.

      Die wirtschaftlichen Entscheidungsträger wissen Bescheid, zumindest in Deutschland! Klimatisch uneinsichtig kann man gar nicht sein, wenn man relevante Minimal-Verantwortung für was auch immer trägt, die sog. „Klima-Skeptiker“ nimmt schon lange keiner mehr ernst.

      Problematisch ist, wie immer, der keinem vernünftigen Argument zugängliche strukturkonservative und paläoliberale Weiter-so-wie-bisher-Teil des Bürgertums!

      • Na ja, BMW, Mercedes und Co… sorry, aber ich glaube der Autoindustrie schon langer kein Wort mehr. DIe Autoindustrie kündigt zB seit Jahrzehnten Elektroautos an (die natürlich auch Strom brauchen), aber sie sagen selbst ganz offen, dass sie nunmal das meiste Geld mit SUVs und sonstigen, PS-starken Autos verdienen. Und dann diese üble Trickserei mit den CO2- Emissionen und sonstigen Schadstoffwerten^^ Nope, die Autoindustrie wird uns ganz bestimmt nicht retten.

        Wie ich wiederholt sagte, brauchen wir ein völlig anderes Paradigma, weg von der profit- und konsumorientierten Wirtschaft hin zu einer ressourcenorientierten Wirtschaft. Und da hoffe ich nicht wirklich auf die Industrie, auf die Wirtschaft. Die Wirtschaft ist und bleibt naturgemäss vorrangig auf Profit aus. Es reicht ein Blick in die Werbung, um zu erkennen, dass wir noch Lichtjahre von einem Paradigmenwechsel entfernt sind. Profit und ökologisch-klimatisch wirklich effektive Wirtschaftsweise schliessen sich meiner Ansicht nach gegenseitig aus, das belegt die bisherige Wirtschaftsweise sämtlicher Grosskonzerne zur Genüge.

        Problematisch ist, wie immer, der keinem vernünftigen Argument zugängliche strukturkonservative und paläoliberale Weiter-so-wie-bisher-Teil des Bürgertums!

        Ich habe eher den Eindruck, die Ignoranz geht quer durch alle Bürgerschichten. Es gibt zB genügend untere und mittlere Mittelschichtler, die sich SUVs (zB von BMW oder Mercedes) auf monatlicher Ratenbasis leisten. EIn Standardspruch, den ich quer durch alle Schichten immer wieder höre, lautet:

        Das Klima hat sich schon immer gewandelt, der Mensch hat da kaum Einfluss drauf. Und wenn das Klima sich tatsächlich wandeln sollte, dann werden wir das nicht mehr erleben.

        Was wohl im Klartext ungefähr bedeutet:

        Nach uns die Sintflut.

  27. Nicht nur in Europa hält heuer im Dezember der Frühling Einzug, nein, auch in der Arktis erreichen die Temperaturen PLUSGRADE in diesem „Winter“:

    Warm Arctic Storm To Hurl Hurricane Force Winds at UK and Iceland, Push Temps to 72+ Degrees (F) Above Normal at North Pole

    … By Wednesday, the North Pole is expected to see temperatures in the range of 1-2 degrees Celsius or 41-42 degrees C above average (73-75 degrees Fahrenheit above the normal daily temperature of -40 F for a typical Winter day). Such an extreme departure would be like seeing a 120 degree (Fahrenheit) December day in my hometown of Gaithersburg, MD. Needless to say, a 1-2 C reading at the North Pole during late December is about as odd as witnessing Hell freezing over. But, in this case, the latest wave of warmth issuing from a human-driven shift toward climatological hell appears to be on schedule to arrive at the North Pole in just a few more days…

    http://tinyurl.com/olkjph7

    Ziemlich abgefahrn, gelle?! 😎

  28. Mein Kommentar zum dem Artikel beigefügten UN FCCC Bericht :
    Unter Ergebnisse in o.a. Artikel den 182 Seiten umfassenden UN FCCC-Bericht beizufügen läuft darauf hinaus, dass diesen Bericht 90 % der Kommentator*innen nicht lesen. Auch ich habe diesen Bericht nur überflogen aber darin nichts von AGW gelesen und auch nichts von den Folgen einer Erhöhung der globalen bodennahen mittleren Temperatur der Erdatmosphäre um
    2 °C. Es wurde nur über Gesamt CO2 in der Atmosphäre und über Erhöhung der mittleren Atmosphärentemperatur von + 0,85 °C seit 1880 berichtet. Wenn über Folgen in den Medien schon zigmal berichtet wurde, wobei man allerdings nicht angibt, was bei + 1 °C im Vergleich zu + 2°C im Vergleich zu + 3 °C geschieht ist dies keine Entschuldigung dafür, dass dies im UN FCCC-Bericht nicht steht. Um es noch einmal deutlich zu machen. Mich stört, dass diese Daten nicht im UN FCCC Bericht stehen. Dass Herr Rahmstorf darüber mehrfach berichtet hat, ist mir bekannt. Also kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit anderen Artikeln, wenn Sie mir widersprechen wollen, sondern nennen Sie mir die Seiten im beigefügten UN FCCC Bericht dazu, falls ich etwas überlesen haben sollte ! Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch nochmals Kommentator Ralph loben, dessen objektive Betrachtungsweise mir genauso gut gefällt wie die sympathischen Kommentare von Kommentator*in Nemesis. Neulich habe ich im Fernsehen einen sehr guten Fernsehfilm von Thomas Reiter gesehen, der ohne Panikmache über Erdgeschichte, Erdatmosphäre, Ozeane und Kontinente berichtete, was mir sehr gut gefiel. Er war dabei teilweise auch sehr poetisch, indem er Tornados mit Meeresstrudeln in einem Luftozean verglich und auch einen berühmten Fallschirmspringer auf einem Surfbrett durch die Atmosphäre gleitend filmte.
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

  29. Dante hatte ja in seiner wahrhaft göttlichen Komödie die Hölle als einen kalten Ort beschrieben. Das mag in unserer eher kalten Konsum-Welt auch zutreffen, aber klimatisch steht uns wohl eine eher heisse „Hölle“ bevor:

    Warm Arctic Storm To Hurl Hurricane Force Winds at UK and Iceland, Push Temps to 72+ Degrees (F) Above Normal at North Pole

    http://tinyurl.com/olkjph7

    Auch der Spiegel scheint langsam den Ernst der Lage zu realisieren:

    29.12.2015 – Extremer Sturm im Nordatlantik: Am Nordpol wird es so warm wie in Südkalifornien

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sturm-im-nordatlantik-nordpol-so-warm-wie-suedkalifornien-a-1069829.html

    … also, wenn ich nicht wüsste, dass das wohl real ist, ich würde glauben, ich träumte 😎 Good luck, everyone !

      • „Leider“ muss ich mich hier der Ansicht Herrn Rahmstorfs uneingeschränkt anschliessen:

        das kann kein Zufall mehr sein, es ist nur durch die globale Erwärmung erklärbar

        Die klimatischen Vorgänge, die extrem positiven in der Arktis passen schlicht perfekt ins Bild des Klimawandels und werden auch seit Jahrzehnten so prognostiziert.

      • @Markus

        Ah, ja, „Wettercafe“, vielen Dank auch, aber ich muss gestehen, meine Recherche-Ressourcen gehen weit über irgendwelche Facebook-Seiten hinaus 🙂 Auch an Sie der Hinweis, dass ich mich in dieser Angelegenheit der fachlichen Ansicht Herrn Rahmstorfs anschliesse:

        das kann kein Zufall mehr sein, es ist nur durch die globale Erwärmung erklärbar

        http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/paris-ein-sieg-vernunft-diplomatie/#comment-78757

        Wir werden sehen, wie die klimatische Entwicklung in der Arktis weiterverlaufen wird^^

  30. @ Nemesis :
    wenn Tiefdruckgebiete aus der Karibik Richtung Nordpol ziehen, ist dies kein Wunder. Interessant und seriös wäre hier zunächst, wie oft dies bisher passiert ist oder ob hier unglückliche meteorologische Ereignisse zusammen gekommen sind, um diese einmalige Situation im Nordpolarmeer zu schaffen. Das Zitieren eines Sensationsberichtes aus dem Jahr 1958, als man versuchte, die Kernenergie möglichst positiv darzustellen, wobei man sich auch die Tatsache zunutze machte, dass Kernkraftwerke bei der Energieerzeugung kein CO2 emittieren, ist ebenfalls nicht seriös oder sehr blauäugig. Damit sage ich nicht, dass AGW Quatsch ist und auch nicht, dass anti-AGW Quatsch ist aber ich erwarte von Ihnen, dass Sie nicht alle Erklärungsversuche in nicht wissenschaftlichen Medien ernst nehmen, nur weil diese in Ihr Weltbild passen !
    mit freundlichen Grüßen und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, Horst Denzer

    • Darf ich ein allgemeines Diskursargument dazu einbringen (die spezifische thematische Zuspitzung selbst interessiert mich nicht allzu sehr)?

      Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst wurde gerade in einem Interview (Der Sonntag vom 27. Dezember 2015) gefragt, inwieweit man das Jahr 2015 mit seinen Extremen unter dem Blickwinkel Klimawandel betrachten könne. Der antwortet zunächst, dass ein Einzelereignis wie „der wärmste Dezember aller Zeiten auf dem Feldberg keine Schlüsse auf den Klimawandel“ zulässt. Dann ergänzt er völlig korrekt: „Aus dem Wissen heraus aber, dass es den Klimawandel ja gibt, passen diese Einzelereignisse gut ins Bild.“

      Recht hat er! Weil

      a.) externe Systemantriebe wie Solarkonstante oder natürliche Schwankungen derzeit keine Rolle spielen
      b.) CO2 in der Atmosphäre physikalisch unbestreitbar zu einer Erwärmung führt
      c.) der steigende anthropogene Anteil am CO2 in der Atmosphäre durch Isotopenanalysen zweifelsfrei messbar ist
      d.) die Rückkopplungsprozesse über den Wasserdampf klar verstanden sind
      e.) auch noch die langfristigen Temperaturdaten ohne jeden Zweifel einen Erhöhungstrend zeigen
      f.) und die Klimaskeptiker bisher kein einziges wissenschaftlich fundiertes Argument vorbringen konnten

      wissen wir, dass es den Klimawandel ja gibt! Das ist so! Und deshalb passen die diversen Einzelereignisse so gut ins Bild!

      Ich muss mir jetzt mal selbst auf die Schulter klopfen (im Forum kriege ich immer nur auf die Mütze!). Die Punkte e.) und f.) wären denklogisch allerdings nicht unbedingt notwendig gewesen! Auch, das muss ich zugeben, verstehe ich nichts von Wolkenbildung, bei den Klimaskeptikern ist das aber auch nicht der Fall!

      • Die Antwort „passt ins Bild“ finde ich allerdings zu schwach. Man kann viel konkreter sagen, wie unwahrscheinlich ein bestimmter Rekord (oder eine Abfolge von Rekorden, etwa dass 2014 und 2015 nacheinander einen neuen Rekord als wärmstes Jahr setzten) nur durch Zufall wäre, und dass er mit anthropogener Erwärmung dagegen nicht unwahrscheinlich sondern durchaus erwartbar war. In Umgangssprache ausgedrückt: das kann kein Zufall mehr sein, es ist nur durch die globale Erwärmung erklärbar. (Konkrete Zahlen dazu in Kürze in einem Paper von uns bei Nature Scientific Reports.)

    • @Horst Denzer

      Soweit mir bekannt, gab es 2, 3mal herbstliche Plusgrade im Oktober und November in der Arktis, aber bisher noch NIE Ende Dezember. Im Übrigen strömen seit etlichen Jahren verschärft warme Luftmassen und auch warmes Wasser in die Arktis. Und das ist kein Wunder, denn, wie allgemein bekannt ist, wirkt sich der Klimawandel mit grossem Abstand am stärksten in der Arktis aus.

      Im Übrigen weiss ich nicht, wie Sie darauf kommen, ich wäre ein Befürworter der Kernenergie- vielmehr ist das exakte Gegenteil der Fall, ich bin absolut gegen die Kernenergie, siehe zB diesen Kommentar hier von mir:

      http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/paris-ein-sieg-vernunft-diplomatie/#comment-78501

      … damit sage ich nicht, dass AGW Quatsch ist und auch nicht, dass anti-AGW Quatsch ist aber ich erwarte von Ihnen, dass Sie nicht alle Erklärungsversuche in nicht wissenschaftlichen Medien ernst nehmen, nur weil diese in Ihr Weltbild passen !

      Was ich wie übernehme oder nicht übernehme, können Sie getrost mir überlassen, ich rede Ihnen ja auch nicht in Ihre Recherchen herein^^

      Wissen SIe, ich sehe die ganze Sache vollkommen entspannt, ich habe nämlich schlicht nichts zu verlieren, I come from the Ghetto, u know^^

  31. @Stefan Rahmstorf

    Ich habe eben diesen Link auf Twitter gefunden, ein Artikel im Guardian, als Antwort auf die Kritiker des Pariser Abkommens.:

    https://t.co/00VRQYYALx

    Aus meiner persönlichen Sicht ist es letztlich nicht entscheidend, was in Paris beschlossen wurde, sondern was draussen in der realen Welt tagtäglich geschieht. Die Ziele eines internationalen Klimaabkommens können noch so ambintioniert sein- wenn sich das gesamte Konsumverhalten nicht ändert, wird jedes Abkommen von der Wirklichkeit überrolt. Es wird immer noch mit Zahlen wie 2030, 2050, 2100 gerechnet, während wir in Wirklichkeit ungefähr 130 Jahre (industrielle Revolution) hinterherhinken.

    Wir brauchen ein komplett neues Paradigma, weg vom ewigen Wachsstum-um-des-Wachsstums-willen, weg von einer profit- und konsumorientierten Wirtschaft hin zu einer ressourcenorientierten Wirtschaft. Das klingt zunächst für manche Leute ziemlich unsexy (muss es aber meiner Ansicht nach nicht unbedingt sein), aber solange dieser Paradigmenwechsel nicht stattfindet, nützten die besten Vorsätze nichts. Dieser Paradigmenwechsel wird übrigens im Grunde seit Mitte der 60er angemahnt, aber er hat bisher leider einfach noch nicht stattgefunden. Genau das ist der Grund, weshalb die Erfolge der bisherigen 20 Klimakonferenzen in der realen Welt eher mau aussehen.

    • eben, in Traumwelten ist vieles vorstellbar, bleiben sie bitte bei der Realität und dem halbwegs Realisierbaren. Utopia Foren gibt es anderswo zu Hauf…:-)

      • @Markus

        A propos „Traumwelten“: Falls ich nur in einer Traumwelt lebe und alles in Wirklichkeit garnicht so schlimm ist, wie ich vermute, dann können Sie doch beruhigt sein, denn dann irre ich mich halt bloss, das würde dann niemandem wehtun. Aber falls ich doch richtig liege mit meiner eher pessimistischen Prognose, dann wird’s umso mehr wehtun, je länger nicht angemessen reagiert wird.

        Nach meiner ganz persönlichen Lebenserfahrung jedenfalls ist die Wirklichkeit meist genau da, wo der Schmerz ist 😎

    • Hallo Nemesis, Sie schreiben: „Die Ziele eines internationalen Klimaabkommens können noch so ambintioniert sein- wenn sich das gesamte Konsumverhalten nicht ändert, wird jedes Abkommen von der Wirklichkeit überrolt.“

      Ich möchte eine Gegenthese aufstellen. War das Konsumverhalten vor 1850 (Beginn der Industrialisierung) besser als heute? Nein. Die technischen Möglichkeiten waren nicht so entwickelt, um CO2 in Massen zu produzieren. Und trotzdem hat das Konsumverhalten ausgereicht um ganze Inseln und Regionen zu entwalden und Tierarten auszurotten. Meine These ist, das Konsumverhalten ist nur Ausdruck der technischen Möglichkeiten. Aber das Gute ist, sind die Möglichkeiten so weit entwickelt, dass wir auch umweltschonend konsumieren können, dann werden die Menschen das auch machen. Der Naturzustand hat sich in den letzten Jahrzehnten in unserem Land weitgehend verbessert. Warum? Einmal natürlich durch schärfere Gesetzgebung. Aber auch weil wir mit wenig Zusatzaufwand die umweltschonendere Variante wählen können. Den Umweltschutz nur über das Konsumverhalten steuern zu wollen, halte ich für eine wenig effektive Methode, so meine These.

      Aber ich stimme Ihnen völlig zu, wir brauchen kein Wachsstum-um-des-Wachsstums-willen. Wenn das immer stärker in der politischen Willensbildung zum Ausdruck kommt, wäre das sehr zu begrüßen.

      • @S. Hader

        Sie sagen doch selbst:

        Die technischen Möglichkeiten waren nicht so entwickelt, um CO2 in Massen zu produzieren

        Und ebenso waren bis zur industriellen Revolution eben auch die Mittel, Konsumgüter als Massenware herzustellen so nicht gegeben. Industrielle Revolution, Massenproduktion gepaart mit ungehemmten Profitstreben, das ist das Dilemma.

        Aber das Gute ist, sind die Möglichkeiten so weit entwickelt, dass wir auch umweltschonend konsumieren können, dann werden die Menschen das auch machen.

        Es stellt sich allerdings immer noch die brennende Frage, WANN?

        Den Umweltschutz nur über das Konsumverhalten steuern zu wollen, halte ich für eine wenig effektive Methode, so meine These.

        Ich habe ja auch nirgends gesagt, den Umweltschutz nur über das Konsumverhalten steuern zu wollen. Wissen Sie, von mir aus können die Leute soviel konsumieren, wie sie wollen, ich will ihnen ja nichts wegnehmen. Jedoch steigen bisher unbestreitbar die CO2- Emissionen parallel zum Konsum, da beisst die Maus keinen Faden ab. Ich halte es schlicht für einen fatalen Fehler, die Erde als reinen Selbstbedienungsladen zu sehen, der nur dazu dient, die gewaltigen Konsumbedürfnisse des modernen Menschen zu stillen.

        Aber ich stimme Ihnen völlig zu, wir brauchen kein Wachsstum-um-des-Wachsstums-willen. Wenn das immer stärker in der politischen Willensbildung zum Ausdruck kommt, wäre das sehr zu begrüßen.

        Genau das meine ich. Somit sind wir uns doch im Grunde einig.

  32. @ Nemesis :
    vielleicht noch ein Beispiel über Pottwale und Erderwärmung, das Ihnen zeigt, dass die Welt nicht nur aus AGWlern und anti-AGWlern besteht sondern viel komplexer ist : die 50 Tonnen schweren Pottwale ernähren sich in etwa 1000 m Tiefe von Kalamares und Tiefseefischen, die in ihrem Körpereiweiß sehr viel Eisen enthalten. In dieser Tiefe ist jedoch der Druck von ca. 100 kg pro Quadratzentimeter zu groß für den Pottwal, um seinen Kot abzulassen. Dazu muss er zur Oberfläche aufsteigen. Dort warten nun die Meeresalgen und Kleinkrebse (Krill) auf den von ihnen dringend benötigten eisenreichen Walkot, ohne den sie nicht überleben könnten. Die etwa 12000
    Pottwale im Südpolarmeer entlassen dort mit ihrem Kot etwa 60 Tonnen Eisen jährlich. Die Algen produzieren nun aus CO2 und Wasser über Photosynthese Sauerstoff und ihres gleichen. Dabei werden jährlich 400000 Tonnen Kohlenstoff durch Fixierung in Algen gebunden. Wer jetzt nur die
    200000 Tonnen Kohlenstoff, die die Pottwale beim Ausatmen in die Luft als CO2 entlassen, betrachtet, zieht folglich falsche Schlussfolgerungen. In der Gesamtbilanz unter Berücksichtigung der Ernährung der Pottwale reduzieren diese sogar den CO2-Gehalt der Atmosphäre. Sie sehen, dass die Welt viel komplizierter ist als Sie glauben !
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • @Herr Dr. Denzer
      Sie schrieben: [Dabei werden jährlich 400000 Tonnen Kohlenstoff durch Fixierung in Algen gebunden] Man fragt sich für wie lange. Es gab vor ein paar Jahren ein Experiment vom Alfrd-Wegner-Institut zur Kohlenstoffbindung durch Eiseneintrag ins Meer. Im Ergebnis ging das gründlich schief. Außer ein paar neuen Erkenntnissen (immerhin!) und ein vielen Tonnen CO2 durch den Motor der Polarstern in der Athmosphäre ist man in der Hinsicht auf CO2-Bindung durch Erzeugung von Algen-Biomasse nicht weiter gekommen. Dazu ein allgemein verständlicher Artikel, wenn Sie gestatten:
      http://www.zeit.de/online/2009/13/lohafex-beendet

      [die Welt viel komplizierter ist als Sie glauben !]

      Das ist oft so.

  33. Die Tinte das Pariser Klimavertrags ist noch nicht trocken, da erreicht uns aus Indonesien, sicherlich ein Mitunterzeichner des Vertrags, eine niederschmetternde Nachricht. Nach dem Plan des indonesischen National Energy Council (vom 12.12.2015) sollen bis 2025 über 100 GW (entspricht ca 100 Großkraftwerken) Erzeugungskapazität für Elektrizität neuinstalliert werden und bis 2050 nochmals weitere 300GW. Bis 2025 soll der Anteil der fossilen Kraftwerke fast 80% betragen, über 20% Erneuerbare, hauptsächlich Bioenergie. Kann man die Unterschrift Indonesiens unter den Pariser Vertrag ernst nehmen? Indonesien wird kein Einzelfall sein. Kann man das Bejubeln des Vertrags ernst nehmen? Ich fürchte nein. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

    • Wenn man bedenkt, dass ein Land wie Deutschland mit gut 80 Millionen Einwohnern eine Höchstlast von 80-85 GW haben, finde ich geplante Kapazitäten bis zu 300 GW für Indonesien ziemlich hoch. In Indonesien leben zwar dreimal mehr Menschen als bei uns, aber deren Lebensstandard ist wesentlich geringer. Beim Pro-Kopf-Einkommen liegt man noch nicht mal in den Top 100 der Welt. Mir ist nicht ganz klar, woher der hohe Strombedarf kommen soll. Die Frage ist auch, wenn von neuen Kraftwerken die Rede ist, werden dafür alte Kraftwerke abgeschaltet? Und um welche neuen Kraftwerke wird es gehen, Kohle, Gas, Atom? Je nachdem kann es nämlich auch eine Reduzierung des bisherigen CO2-Ausstoß bedeuten. Heute liegt die CO2-Emissionsrate pro Kopf bei knapp 2 Tonnen pro Jahr in Indonesien. Zum Vergleich, Deutschland bei 9-10 Tonnen, Warenimporte nicht mitgerechnet. Selbst wenn Indonesien seinen Ausstoß um 50% steigert, wäre man in Summe gerade auf Höhe von Deutschland angekommen.

      Nichtdestotrotz, man wird in Zukunft damit leben müssen, dass Entwicklungsländer ihre Stromnetze ausbauen werden und entsprechend Kraftwerkskapazitäten aufstellen. Aber die liegen momentan weit unter dem westlichen Standards. Umso wichtiger ist es, dass die technische Entwicklung weitergeht, damit man einen Großteil der Kapazitäten mit Erneuerbaren Energien abdecken kann. Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll. 🙂

      • @S.Hader. Ihren Vergleich Deutschland-Indonesion finde ich sehr gut, er spiegelt in etwa das Verhältnis OECD-Schwellenländer wieder. Die 100 GW, die ich erwähnt habe, sind Neuinstallationen in Indonesien, knapp 80% fossil (Kohle, Öi, Gas etwa gleiche Anteile, keine Kernkraft), Ingesamt sind bis 2025 135GW angestrebt. Sie schreiben von 50% Steigerung das Ausstosses in Indonesien. Sie meinten wohl 500%? Man wird davon ausgehen müssen, dass sich der CO2-Austoß der Schwellenländer und der hochentwickelten Staaten allmählich angleicht. Allen Träumereien zum Trotz wird dieser Konvergenzpunkt bei über 5 Tonnen pro Kopf liegen. Wenn wir 2050 vielleicht 10 Milliarden Menschen haben (ich rechne gern mit runden ungefähren Zahlen), so bedeutet das über 50 Millarden CO2 Ausstoss pro Jahr. Gerne würde ich darüber eine Wette abschließen (darunter oder darüber), aber ich bin schon zusehr in die Jahre gekommen, als dass ich diese einlösen könnte.

    • Ich stimme Ihrem Unglauben zu, solange zwischen den Ambitionen der Klimakonferenzen und der realen Welt da draussen eine derart grosse Lücke klafft, bleibe auch ich skeptisch.

      Hier kann man sehr schön die derzeitigen CO2- Emissionen global und auch lokal, zB im Raum Deutschland (zZt 423ppmv, das sind schlappe 23ppmv über dem globalen Mittel) ablesen:

      http://earth.nullschool.net/#current/chem/surface/level/overlay=co2sc/orthographic=-11.95,51.75,416/loc=7.126,52.942

  34. Hier eine Meldung für all jene, die die Meldungen vor 2, 3 Tagen in den Medien bezüglich der extrem positiven Temperaturanomalien in der Arktis mal wieder für „reine Panikmache“ halten und entsprechende Denier- Propaganda verbreiten:

    One Week After Frank, Arctic Sea Ice Hits New Record Lows

    http://robertscribbler.com/2016/01/06/one-week-after-frank-arctic-sea-ice-hits-new-record-lows/

    Manchmal finde ich dieses „Spiel“, jede Meldung ernstzunehmender Wissenschaftler niederzumachen und als „Panikmache“ zu diffamieren, (gelinde gesagt) ziemlich kontraproduktiv. WIe sagte schon Piet Klocke so treffend:

    Das geht alles von Ihrer Zeit ab!

    Nun ja, eigentlich ist es ja unser aller Zeit, die durch derlei unproduktive und unsachliche Unterstellungen verloren geht. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Lage in der Arktis weiter entwickeln wird, nicht wahr? 🙂

      • @georg

        Ach, noch nicht genug Rekorde?! Keine Sorge, das wird schon noch. Der massive Abwärtstrend des arktischen Meereises ist doch wohl mehr als eindeutig.

        Übrigens, wie finden Sie denn den derzeitigen Rekord- Antiwinter in Deutschland? Ich meine, Ende Januar Temperaturen bis +15° ist schon reichlich rekordverdächtig, oder? Das wäre dann der dritte Winterreinfall in Folge^^… Also ehrlich gesagt, ich kann die weltweiten Rekorde schon garnicht mehr nachhalten, so schnell geht das alles…

        • @georg

          Falls Sie an weiteren Datenreihen, die den derzeitigen Minusrekord der arktischen Eisbedeckung belegen, interessiert sind, bitte hier entlang:

          https://sites.google.com/site/arcticseaicegraphs/

          Im Übrigen finde ich es bezeichnend, dass permanent Leugner und Zweifler irgendwelche Behauptungen in den Raum stellen und wenn dann ihre Behauptungen sachlich widerlegt werden, ganz schnell wieder abtauchen. Wirklich förderlich für eine fruchtbare Diskussion ist eine derartige Strategie sicher nicht^^…

        • Auch die antarktische Eisbedeckung liegt zur Zeit unter dem langjährigen Mittel, nachdem sie etliche Jahre leicht über diesem Mittel lag.

  35. Nachdem ja auf der nicht 1., der 21. Konferenz auf Betreiben starker Kräfte nichts bindend beschlossen wurde: gehen Sie, alle ForscherInnen, jeden Monat mindestens einen Tag unter die 500 Millionen, die soviel verbrauchen wie 6,5 Milliarden! In den Alltag. In Cafés, auf die Straßen, an die Unis. Beispiele der letzten 3 Tage.

    Nach dem warmen Jahr 2015 in Deutschland (http://wetter.tagesschau.de/import/wetter-cms/wetterthema/wt1451477009_xl.jpg) gab es 2-3 winterliche Tage im Norden, etwas Schnee, Tageswerte -3 bis -5°. Danach geht es wieder im 11° hoch (Schnappatmung: Blitzeis. „Bleib die paar Stunden zuhause, weiger dich, LKW zu fahren, wäre vernünftig – ohne tagelangen hype bei wetteronline, BILD, Süddeutsche, ZDF…mit live-Bildern vom Schrecken…)

    Nach Obstbaumblüte(!) Dezember 2015 in Hamburg, kein Baum hier ohne Knospen: zwei Frauen im Kettencafé, 27° innen, im Pelzmantel. „Jetzt war der Dezember mal so normal und schön (12-16°) – aber DAS gab es hier noch NIE!“ (-5°, Schnee im Winter.) Sie glauben das, entrüstet…

    Ein Mann, der wie wir Dezember (16°), November (20°) im Hemd in der Sonne saß: „es wird vor Mai nie mehr 10° werden“. (Ständig war es im Dezember zweistellig, tagelang auch als Nachttiefstwert.).Amnesie…

    VielfliegerInnen fliegen nicht 3mal in Urlaub; viele längst 5-15 mal übers Wochenende zusätzlich zu 2-3 Urlauben… Sie parken ihre Autos 2km weiter; auf mit Flugticket per U-Bahn zum Flughafen! 29 Euro-easyjet-Ticket in den Süden – und Parkgebühren sparen! Auf die Dauer erkennt man die Gesichter der geizigen Vielflieger.Das sind die 500 Millionen. „Ich hab ja Lastenrad für die kids“. Paris war ein Erfolg?

    Prima! Nach 25 Jahren Leugnerei ändert sich tatsächlich vieles?
    – Die Bahn möchte grade die Nachtzüge abschaffen. (Damit noch mehr geflogen wird oder das Auto genommen wird). Kritik: in keinem Café, auf keiner Straße.
    – Flugverkehr zahlt weiterhin keinerlei Mehrwertsteuer Ausland, Kerosinsteuer, Öko-Steuer. Protest: nichts, eher noch unerlaubte Trottoir-Werbung durch easyjet, gehetzte Wochenendfliegerinnen.
    – Minicooper und SUVs rasen weiter durch die Städte. Autos, immer schwerer gebaut, verbrauchen kaum weniger Sprit als 1990…
    – 27° im Café (den Arbeitenden läuft der Schweiß von den Öfen hinter ihnen) reichen nicht; Leute drehen die Heizung auf Grillen; Klaviere würden sich hier verstimmen, trockene Hitze. Man überheizt verzärtelt millionenfach Wohnungen, statt „da gibt es was: Kleider!“ (Hagen Rether, oder meine Oma^^). Man kauft alljährlich smartphones neu usw. Nichts daran soll sich ändern. So leben 500 Millionen. Ist es 3 Tage kalt, ist man beleidigt. Leben ist planbar – das Leben soll eine Versicherung sein! Das ist Verzärtelung als Ausbeutung, massenhaft.

    Sind Maxeiner/Miersch, Sonja Margolina, Dieter Nuhr, die Koch-brothers usw. plötzlich bereit, die Wissenschaft wahrzunehmen? Nein. Sie hören draußen hundertfach das Gerede Nuhrs, „wir müssen mehr Auto fahren“…
    Die Grünen eine „Klimapartei“? Diese Unwissenheit scheint mir fast dem abstrusen Denken der „SkeptikerInnen“ zu entsprechen. Özdemir hatte einen Flugskandal, die Politik der Grünen seit 15 Jahren hat mit Klimapolitik, nicht viel zu tun. In Hamburg stimmte man für ein Kohlekraftwerk in der Regierung… “Freiwilligkeit“ bedeutet seit 20 Jahren, es geschieht kaum etwas. Das aber ist das „Konzept“ auch der Partei, die vermutlich 2017 statt SPD und FDP mit der CDU regieren wird… Der Name „Grüne“ ist greenwashing für Desinteressierte, schauen Sie sich die Politik 1998-2005 an…

    Klimaforschung ist die Grundlage. Die Umsetzung trotz der 500 Millionen, die die Folgen weniger spüren werden als Teile der 6,5 Milliarden – wie soll sie geschehen? Paris ist kein Sieg. Nochmal, warum nicht Naomi Kleins Buch mit hunderten Beispielen lesen, falls man das alles seit 1988 immer noch nicht weiß? Warum nicht z.B. im Tourismus endlich aufwachen, statt überall faktisches „weiter so“ als Erfolg auszugeben? Zusammenarbeit wäre gefragt.

    • @Georg Fries

      Vielen Dank für Ihren Zustandsbericht über die 500 Millionen. Mir kommen Prädikate wie „surreal“, „grotesk“, „bizarr“ in den Sinn. Ihr Eindruck entspricht exakt meinem eigenen Eindruck. Es geht sogar noch „besser“: Dieser Tage erklärte man mir auf einem renommierten Wissenschaftsblog, ich sei ein Schwarzmaler, weil ich auf die bösen Temperaturanomalien in der Arktis hinwies. Man hat mir dort erklärt, Deutschland werde ein „GEWINNER des Klimawandels, weil zB die Pfirsiche und Kirschen im Zuge des Klimawandels viel besser gedeihen und man demnächst Erdbeeren auf Grönland wird anbauen können.“ Das hat doch Stil, oder? Während anderswo Menschen ihr Leben aufgrund des Klimawandels verlieren, sehen sich die Bürger eines der Hauptverursacher- Länder des Klimawandels (Deutschland zZt ca. 423ppm CO2- Emissionen) als GEWINNER des Klimawandels! Ich kann derlei Ignoranz wirklich nur noch mit einer gehörigen Prise schwarzen Humors ertragen. Wissen Sie, ich frage mich langsam, ob es nicht besser ist, dass die Konsumherde noch schläft, denn wenn die geschilderte, unsägliche Ignoranz nicht mehr trägt, von der knallharten Wirklichkeit eingeholt wird, wenn man erkennt, dass das Wesentliche im Leben WASSER und BROT ist, dann werden die verwöhnten Bürger der reichen Industriestaaten vollkommen durchdrehen- ich möchte das ehrlich gesagt garnicht mehr miterleben 😎

    • @Georg Fries

      Vielen Dank für Ihren Bericht aus dem Alltag des Schlaraffenlands. Köstlich. Genau so siehts aus da draussen in der Wirklichkeit. Was für ein Glück, dass ich kein TV habe, keine Illustrierten oder Zeitungen lese (ich überfliege meist nur die Schlagzeilen im Internet, das reicht) und mich auch sonst weitestgehend aus dem Konsum-Delirium raushalte. Man hat den Eindruck, je näher die Einschläge des Klimawandels kommen, desto heftiger das Konsum-Delirium, und die Kapelle nochn Tusch! bitte. Wie auf der Titanic. Nervöses Stühlerücken auf Klimakonferenzen und Politdebatten, im Hintergrund lauert der „böse, islamische Terrorist“ quasi an jeder Ecke und die Parole lautet „Shopping, Konsumieren, feiern bis zum Erbrechen!“.

      Schlaue Köpfe sagen, der Klimawandel ist psychologisch ein zu dicker Happen für die meisten Leute hier im reichen Westen. Die globale Dimension ist für sehr viele Leute hier einfach zu krass, da wird dann halt verdrängt und über Konsum kompensiert, was das Zeug hält, quasi ein psychologisches, positives Feedback auf den Konsum. In Rom war es damals ähnlich, je heftiger es im Gebälk knirschte, desto heftiger wurde gefeiert.

      … übrigens gibt es eine neue Schneekanone, die macht Schnee auch noch bei +15° Celsius, kostet schlappe 500 000 €, die Kanone, da geht also noch was, „wir TROTZEN dem Schneemangel“, liest man dieser Tage häufig, pah!, wir zeigen es dem Klima! 😎

  36. Auf Grund des sympathischen Feedbacks von Herrn Bleyfuß auf meinen letzten Kommentar möchte ich in diesem Kommentar niemandem in diesem Forum widersprechen und Herrn oder Frau Nemesis sogar einen Gefallen tun (siehe unten), weil ich mit Nemesis neulich vielleicht zu streng war. Es geht um die Eigenschaften und die Bedeutung von Meereis in Bezug auf den vertikalen verlaufenden Teil von Meeresströmungen. Da ich auch keine(n) Kommentator*in durch meine Stellungsnahme zu diesem Thema beeinflussen möchte, gebe ich hiermit nur die Begriffe an,zu denen Sie im Internet surfen sollten : Dänemarkstrasse, Grönland-Island Schwelle, Salzmotor+ Meeresströmung. Den-Nicht-Experten unter Ihnen wird sich eine faszinierende Welt auf tun, die alle begeistern wird. Ich will jedoch noch etwas Allgemeines zur Diskussionsführung
    erwähnen und damit erklären, warum es unsinnig war, mich nur nach den Kategorien „AGWler“oder
    „Anti-AGWler“ einsortieren zu wollen. Vor 2400 Jahren hatte Sokrates als Basis zur Wahrheits- und Konsensfindung die Dialektik eingeführt. Nach Sokrates bedeutet Kritik daher nicht Tadel sondern Beurteilung und somit eine Bereicherung. Außerdem möchte ich den Chemienobelpreisträger Stefan Hell aus dem Jahr 2014 zitieren : „Wenn alle dasselbe denken, werde ich misstrauisch“ Nun noch zu meinem Gefallen für Nemesis.Dies ist eine Buchempfehlung, die Ihnen aus der Seele sprechen wird : das neueste Buch von Michael Lüders :
    „Wer den Wind sät – was westliche Politik im Orient anrichtet“ Abschließend noch eine Bemerkung an die Scilogs Klimalounge Administration : wenn, wovon ich ausgehe, Ihnen an einem ehrlichen Meinungsaustausch beim Klimaschutz gelegen ist, werden Sie auch in Ihrem eigenem Interesse diesen Kommentar von mir in diesem Forum veröffentlichen. Sollten Sie sich wider Erwarten anders entscheiden, müßte ich davon ausgehen, dass andere Gründe bei Ihnen eine Rolle spielen .
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • @Horst Denzer

      „Wer den Wind sät – was westliche Politik im Orient anrichtet“

      Vielen Dank für Ihren Buchtip, aber ich bin bereits recht gut über die westliche Politik im Orient informiert. Die Folgen lassen sich ja (neben den Folgen des Klimawandels in Nordafrika) dieser Tage auch sehr gut an den Flüchtlingsströmen in Richtung Europa erkennen. Leider werden die wirklichen Ursachen der Flüchtlingsströme weiterhin in den Medien weitestgehend geflissentlich ignoriert- aus meiner Sicht ein weiterer Beleg dafür, dass wir von einer angemessenen Rezeption der knallharten Wirklichkeit noch arg weit entfernt sind. Mal sehn, wie lange diese Vogel-Strauss-Politik noch funktionieren wird.

    • Wenn der AGW-Klima-Diskurs sich jetzt vor allem über Chemie-Nobelpreisträgerzitate abspielt, dann habe ich auch noch etwas zu bieten: „Die Klimaskeptiker arbeiten mit Methoden, mit denen sie kein High-School-Examen bestehen würden.“

      Das stammt von Mario Molina (Nobelpreis 1995) aus dem ZEIT-Interview vom 5. Juli 2013. Ich kenne seine Biografie deswegen etwas besser, weil er an derselben Universität wie ich sein Diplom gemacht hat, natürlich in einem anderen Fach. Eine gewisse Kompetenz in Sachen Atmosphärenchemie kann man Molina ja wohl kaum absprechen!

      Und direkt dazu noch: Walter Eucken (das ist jetzt mein Fachkollege!) hat einmal vollkommen korrekt erkannt: „Richtig erarbeitete theoretische Sätze sind stets wahr, aber sie sind nicht immer `aktuell`.“ Ich würde diese Erkenntnis gerne wie folgt auf die heutige Zeit und aktuelle Auseinandersetzungen übertragen: Methodisch richtig erarbeitete theoretische Sätze sind stets wahr, aber sie passen nicht immer zu einer ideologisch geprägten Weltanschauung!

  37. Eine Schlussfolgerung ist sicher zu einfach. Der Schluss, dass kohlenstoffhaltige Energieträger nicht mehr genutzt werden. Für Deutschland sieht selbst Agora, Berlin, im gerade veröffentlichten Kohleausstiegsszenario in den dort genannten Eckpunkten im Eckpunkt 9 eine Reserve aus konventionellen Kraftwerken vor. Dies ist der unsicheren Versorgung durch regenerative Quellen geschuldet. Global betrachtet wird mit einem erneuten Anstieg des Wirtschaftswachstums in China auch der Ausstoß an CO2 wieder zunehmen. Indiens Entwicklung folgt mit einigen Jahren Verspätung. Afrika wird auch in Zukunft mehr Energie benötigen.
    Elektrizitätsversorgung auf der Basis regenerativer Quellen ist ohne Speicher oder Reservekraftwerke zwar mit Sicht der gelieferten elektrischen Arbeit über einen langen Zeitraum vorstellbar aber nicht wenn man auf Tage oder Wochen die Einspeisung auflöst. Dann gibt es Lücken vom Stunden bis zum Bereich von einer oder 2 Wochen. Elektrische Energiespeicher mit ausreichender Kapazität stehen nicht zur Verfügung und sind auch nicht in Sicht. Wir sprechen hier von 10 TWh gespeicherter Energie um 15 Stunden zu überbrücken.

    Die Wärmeversorgung ohne Verbrennung ist ungeklärt. Man denke an die derzeit betriebenen Fernwärmenetze. Sollte diese Wärme aus regenerativ erzeugter Elektrizität gewonnen werden, muss sie gespeichert werden bis sie gebraucht wird. Dieser Bedarf ist im Winter naturgegeben höher als im Sommer.

    Bleibt nur das ungeliebte Wort Verzicht.

    Ich sehe das Papier von Paris erst einmal auf demselben. Die kommenden 5 Jahre werden bereits zeigen, welche Wirkung Paris entfalten kann.

    • Können Sie das mit dem „Verzicht“ mal etwas konkretisieren: Was ist Verzicht? Wie definieren Sie Verzicht? Danach hätte ich gerne einen konkreten Begründungszusammenhang für Ihre Behauptung (warum nur Verzicht bleibt), und zwar in Form einer für alle nachvollziehbaren Ursache-Wirkungs-Argumentation (oder etwas ähnlichem). Dann kann man anschließend vielleicht sinnvoll über das Thema diskutieren.

      • Herr Kranzmann, an Ihrem Beitrag habe ich nicht viel auszusetzen, mir ging es um eine Konkretisierung und Diskussion des oft von gewissen Kreisen als pauschales Totschlagargument verwendeten Verzichtsbegriffs.

        Der Deutsche Alpenverein (DAV) definiert in seinem Panorama-Heft 5/2015 den Begriff zum Beispiel wie folgt: „Verzichten heißt erfüllbare Bedürfnisse zurückzustellen.“

        Das ist ein Ausgangspunkt, mir aber zu einseitig individualistisch betrachtet, wir müssen immer auch eine gesellschaftliche bzw. globale Komponente einbeziehen. Mein Nicht-Verzicht kann ja Verzicht für andere Menschen auf diesem Planeten oder zukünftige Generationen bedeuten. Der Treibhauseffekt lässt grüßen, es ist eine dynamische Gesamt“verzichts“bilanz notwendig!

        Sollte es einmal zu einer differenzierteren Diskussion über das komplexe Themengebiet kommen, müssen wir in systematisch-wissenschaftlicher Form über starke und schwache Nachhaltigkeit, Verursacherprinzip, externe Effekte, Internalisierung externer Kosten (übrigens auch: externer Nutzen!), soziale Gefangenendilemmata und Institutionen, Liberalismus und Verantwortung und so weiter reden.

        Viele immer wieder kolportierte „Verzichts“-Komponenten bedeuten übrigens nicht wirklich Verzicht. Seit ich kein Auto mehr habe, ist meine Lebensqualität geradezu explosionsartig angestiegen. Mir ging es dabei weniger um die Kosten, ich wollte meine Auto(!)nomie wiederhaben, ich wollte mich von dem ganzen absurden Drumherum, den Aggressionen, der Zeitverschwendung befreien.

        Ich „verzichte“ nicht auf ein Automobil, im Gegenteil: ich bin ein erfolgreicher Freiheitskämpfer!

  38. Der Januar 2016 macht da weiter, wo der Dezember 2015 aufgehört hat – mit einem neuen Rekordmonat:

    Nach NASA GISS LOTI war der Januar 2016 1,13° über dem Referenzzeitraum – neuer Rekord für Januar mit einem Sprung vo alten Rekord 2007 um 0,18°C und neue größte Anomalie.

    http://data.giss.nasa.gov/gistemp/tabledata_v3/GLB.Ts+dSST.txt

    Wenn man noch betrachtet, dass die Wirkung eines El-Nino auf die globalen Temperature um etwa 2 Monate verzögert eintritt, und man sich die Vorhersagen zum El Nino anschaut, z.B. hier, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/lanina/enso_evolution-status-fcsts-web.pdf (zeigt immer die akuellste Fassung an) , ja dann wird 2016 global mit Sicherheit ein sehr interresantes und warmes Jahr – und recht wahrscheinlich sogar ein drittes Rekordjahr in Folge:
    http://www.metoffice.gov.uk/mobile/news/article/news/releases/archive/2016/decadal-forecast

  39. Ehrlich gesagt komme ich mir als kleiner, radfahrender und äusserst sparsamer Privatmann (ca. 700Euro/Monat) langsam ziemlich albern vor, wenn ich sehe, was die grossen Konzerne so treiben- der Nächste bitte:

    15.2.2016 – Schmutzige Geschäfte mit schmutziger Luft

    Mitarbeiter der Deutschen Bank müssen sich von heute an vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, geholfen zu haben, 220 Millionen Euro an Steuern beim Handel mit CO2-Zertifikaten hinterzogen zu haben. Der Prozess begann mit einem Befangenheitsantrag…

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/deutsche-bank-prozess-107.html

    Nein, so wird das nichts.

    Herr Rahmstorf, Sie müssen diesen Kommentar nicht veröffentlichen, denn meiner Ansicht nach spielt das eh keine Rolle mehr. Die Wirtschaft wird den Klimawandel und alles andere schon richten, todsicher 😎

    Gute Nacht.

  40. Addendum zu meinem letzten Kommentar:

    Ein Skandal folgt dem nächsten. Da draussen sind Konzerne unterwegs, die eiskalt die Zukunft nicht nur ihrer eigenen Kinder verschachern. Ich klinke mich aus der Diskussion um den Klimawandel endgültig aus, für derlei Don Quichoterien ist mir meine Lebenszeit zu kostbar. Ich habe FERTIG.

    Hast luego und VIEL GLÜCK.

  41. Sehr geehrter Herr Hader,, die ganze Gesellschaft hat sich ausgerichtet auf Wachstum; die Produktion, der Handel, die aktienkurse, die Löhne: Alles muß jedes Jahr wachsen. Schrumpft die Bevölkerung, was in unserem dicht besiedelten Land eigentlich vernünftig ist, so funktioniert z. B. unser Rentensystem nicht mehr. Wachstum wird zum wichtigsten Ziel der Politik. Wenn nur die Wirtschaft wächst, dann ist scheinbar alles in Ordnung. Doch der Schein trügt! Hinter der schönen Fassade des Wachstums verbirgt sich ihr hässliches Gesicht: Soziale Ungleichheit, Überlastung der natürlichen Kreisläufe, Plünderung der Ressourcen, Gefährdung der Tier- und Pflanzenwelt und – nicht zuletzt – der Ruin unseres Klimas! Die einseitigen wirtschaftlichen Interessen einer Minderheit zerstören die Lebensgrundlagen der Menschheit! Noch mehr Wachstum bringt uns keinen Wohlstand, sondern soziale und ökologische Katastrophen! Politiker und interessensabhängige Wissenschaftler, die das Wachstum predigen, denken nicht in Zusammenhängen, sondern verharren in ihrer Wachstumsideologie. Aus Gründen des Klimaschutzes und der Bewahrung der biologischen Vielfalt können wir uns ein Weiter so, wie es sich besonders Union und FDP immer noch auf ihre Fahnen schreiben, längst nicht mehr erlauben!

  42. Was wären denn die Konsequenzen, wenn einzelne Länder ihre „Lippenbekenntnisse“ nicht einhalten?

    Das Abkommen kam doch nur zustande, weil man sich auf nichts Verbindliches einigen konnte.

      • ich dachte, wir hätten eine „Weltregierung“….
        aber wo bitte bleibt die Verbindlichkeit, wenn kein Vertrag die Schuld an der Pflicht bestraft?
        Das ist doch alles Augenauswischerei und sie wissen das!

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