Neuer Schwung beim Klimaschutz

Die überraschende Übereinkunft zwischen den USA und China über ihre Klimaschutzziele bringt neuen Schwung in die internationale Klimadiplomatie, die im kommenden Jahr beim Klimagipfel in Paris endlich einen Klimaschutzvertrag erreichen möchte, der diesen Namen auch verdient. Zusammen mit dem 40% Reduktionsziel der EU haben sich jetzt die drei wichtigsten Treibhausgasverursacher, zusammen für 55% der Emissionen verantwortlich, substanzielle Reduktionsziele gesetzt. Dazu hier einige Zahlen und Fakten.

emissions2012

Abb. 1. Anteil der CO2-Emissionen der Länder (2012). China, USA und EU sind für 55% der Emissionen verantwortlich. Dabei sind die pro-Kopf-Emissionen von China wesentlich niedriger als die der USA. Zudem produziert China als „Werkbank der Welt“ zahlreiche Produkte für Konsumenten in Europa und USA; die zugehörigen Emissionen könnte man alternativ auch Letzteren zuordnen. Quelle: New York Times

Die USA haben jetzt für 2025 eine Emissionsreduktion um 26-28% unter das Niveau von 2005 angekündigt – das entspricht einer Reduktion um 14-16% unter dem Wert von 1990. Bis 2050 sollen die Emissionen um 80% unter das Niveau von 1990 fallen. China hat angekündigt, dass seine Emissionen spätestens im Jahr 2030 ihren Höhepunkt überschreiten und ab da sinken werden; bis dahin sollen 20% seiner Energieversorgung aus nicht-fossilen Quellen stammen (heute sind es 10%).

emissions NYT

Abb. 2. Energiebedingte CO2-Emissionen (in Milliarden Tonnen pro Jahr). Die Grafik illustriert die neuen Ziele der USA und von China. Quelle: New York Times.

Die EU hat sich kürzlich verpflichtet, die Emissionen bis 2030 um 40% unter das Niveau von 1990 zu reduzieren. Von 1990-2012 sind die Emissionen der EU um 19% gefallen, während die Wirtschaft um 45% gewachsen ist.

Hinzu kommt, dass die Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Brisbane vor einigen Tagen sich klar zum Klimaschutz bekennt:

We support strong and effective action to address climate change.

In diesem Absatz werden die Nationen weiter aufgefordert, ihre Klimaziele deutlich vor dem Pariser Klimagipfel auf den Tisch zu legen und den Green Climate Fund zu unterstützen. (Die Regierung des Gastgebers Australien, geführt von „Klimaskeptiker“ Tony Abbott, hat dies offenbar vergebens zu verhindern versucht.) In Brisbane kündigten die USA 3 Milliarden Dollar und Japan 1,5 Milliarden Dollar für den Green Climate Fund an, mit dem ärmere Staaten bei Anpassung und Klimaschutz unterstützt werden sollen. Deutschland und Frankreich hatten sich zuvor schon zu je einer knappen Milliarde Dollar verpflichtet.

Analysten nennen die Vereinbarung von China und den USA einen „game changer“ – einen echten Wendepunkt. Nicht zuletzt deshalb, weil die USA und China sich häufig gegenseitig blockiert haben mit dem wohlfeilen Argument, nichts tun zu solange der andere nichts tut. Dieses Argument ist nun hinfällig.

Zudem bedeutet das 20%-Ziel, dass China weiter ganz massiv in erneuerbare Energie investieren wird, was deren Preise auf dem Weltmarkt weiter senken und ihren Siegeszug beschleunigen wird. Schon heute ist China die Nr. 1 bei Investitionen in Erneuerbare: mit 56 Milliarden Dollar lagen Chinas Investitionen 2013 höher als in ganz Europa; damit wurde letztes Jahr in China mehr an erneuerbarer als an fossiler und atomarer Erzeugungskapazität zugebaut.

Wer muss sich mehr anstrengen?

Führende US-Republikaner haben wütend auf die Vereinbarung reagiert und sinngemäß behauptet, die USA seien über den Tisch gezogen worden, denn China müsse die nächsten 16 Jahre gar nichts tun während der Durchschnittsamerikaner bluten müsse. Das ist natürlich Unfug, denn ein schwergewichtiger Tanker wie China braucht einen langen Weg zum Bremsen und Umsteuern. (Schlagzeile einer New Yorker Zeitung dazu: „China Tries to Save Earth; Republicans Furious“).

Der Guardian brachte die gegenteilige Analyse, wonach China jetzt erheblich auf die Emissionsbremse treten muss, während die USA einfach nur weitermachen müssen wie bisher. Auch das ist nach einer Analyse von Climate Action Tracker nicht ganz richtig. Zwar sind die US-Emissionen tatsächlich seit 2005 gefallen, und wenn der Trend einfach linear so weiter geht landet man beim angekündigten Ziel für 2025. Allerdings sind die gefallenen Emissionen zu einem guten Teil auf Wirtschaftskrise und Fracking-Boom (mehr Gas statt Kohle) zurückzuführen: bei einer „weiter so“ Politik in den USA würden sie wahrscheinlich nicht weiter fallen sondern wieder zu steigen beginnen. Auch die USA müssen also politisch etwas tun, um ihr neues Ziel zu erreichen und nicht zuletzt den Weg für die 80-prozentige Reduktion bis 2050 vorzubereiten.

Hier zwei Grafiken aus der Analyse von Climate Action Tracker:

US
Abb. 3. Das alte (rot) und neue (blau) Klimaziel der USA im Vergleich zur erwarteten Entwicklung ohne Klimapolitik (lila). Der graue Bereich zeigt den Beitrag der USA in einem Modellszenario, bei dem die globalen Emissionen auf für die Weltwirtschaft kostengünstigste Weise so reduziert werden, dass die 2-Grad-Grenze eingehalten wird – dies allerdings ohne Rücksicht auf Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Ländern. Weitere Details siehe Climate Action Tracker. Die Emissionszahlen sind in dieser Grafik etwas höher als in Abb. 2, weil hier nicht nur CO2 sondern auch weitere Treibhausgase (umgerechnet in CO2-Äquivalente) berücksichtigt sind.
China
Abb. 4. Das alte (rot) und neue (violette Ellipse) Klimaziel von China im Vergleich zur erwarteten Entwicklung ohne Klimapolitik (lila). Der graue Bereich zeigt den Beitrag von China in einem Modellszenario, bei dem die globalen Emissionen auf für die Weltwirtschaft kostengünstigste Weise so reduziert werden, dass die 2-Grad-Grenze eingehalten wird – dies allerdings ohne Rücksicht auf Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Ländern. Weitere Details siehe Climate Action Tracker. Die Emissionszahlen sind in dieser Grafik etwas höher als in Abb. 2, weil hier nicht nur CO2 sondern auch weitere Treibhausgase (umgerechnet in CO2-Äquivalente) berücksichtigt sind.

Reicht es für 2 Grad?

Die angekündigten Ziele alleine werden noch nicht reichen, um die globale Erwärmung unter 2 °C zu stoppen, wie es die Weltgemeinschaft in Cancun beschlossen hat – auch nicht wenn andere Staaten mit ähnlichen Reduktionen mitmachen. Dennoch sind sie ein großer und ganz wichtiger Schritt in diese Richtung, und die Wahrscheinlichkeit unter 2 Grad zu bleiben ist damit meines Erachtens deutlich gestiegen. Denn auch wenn es von Pessimisten manchmal angezweifelt wird: Noch ist die 2-Grad-Grenze einhaltbar – und das sogar zu erstaunlich geringen Kosten von jährlich nur ca. 0,06% des weltweiten Wirtschaftswachstums, wie die umfassende Auswertung der Fachliteratur im aktuellen IPCC-Bericht ergeben hat.

Saving the planet would be cheap; it might even be free,

schrieb kürzlich der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman. Laut Internationaler Energie-Agentur IEA wurden erneuerbare Energien im Jahr 2013 mit 121 Milliarden Dollar subventioniert – fossile Energie allerdings mit 548 Milliarden Dollar.

Mehr kann und sollte also getan werden, auch in Europa, und es ist durchaus üblich, dass Staaten vor einem Klimagipfel noch nicht alle ihre Trümpfe auf den Tisch legen, um noch Verhandlungsmasse zu haben. Das Abkommen von Paris könnte also noch weiter gehen – seien wir ruhig einmal optimistisch. Und die Geschichte des Montreal-Protokolls hat gezeigt: solche Abkommen können auch später schrittweise weiter gestärkt werden, wenn es sich als notwendig erweist. Am schwierigsten ist meist der Anfang, danach entwickelt sich eine Eigendynamik, wie etwa auch die phänomenale Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien zeigt.

Eine entscheidende Frage wird natürlich sein, ob die Ankündigungen tatsächlich realisiert werden – hier wird sicher eine wachsame Öffentlichkeit hilfreich sein, die dies auch einfordert. Womöglich teilt dann ein neues Abkommen das Schicksal des Kyoto-Protokolls – offizielle Zahlen gibt es zwar noch nicht, aber nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (22. Oktober) haben die 42 Staaten, die das Kyoto-Protokoll seinerzeit unterzeichnet haben (incl. USA, die es nie ratifiziert haben, und Kanada, das später wieder ausgestiegen ist), ihre Emissionen zwischen 1990 und 2012 um rund 10% reduziert – doppelt so viel wie im Kyoto-Protokoll vereinbart.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

48 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Endlich mal gut Nachrichten.
    Wenn ich allerdings im Spiegel lese, das Sigmar Gabriel von den Klimazielen abrücken will und für die Beibehaltung der Kohleenergie plädiert, kommen wieder Zweifel auf.

    Ich habe eine Frage, die nicht zu diesem Thema passt.
    Axel Timmermann von der Uni Hawai schreibt, dass die Oberflächentemperaturen der Ozeane auf ein Rekordhoch gestiegen sind. http://www.manoa.hawaii.edu/news/article.php?aId=6860
    Was bedeutet es denn, dass der Nordpazifik so warm ist? Das hat doch nichts mit El Nino zu tun?

  2. Schaut man die Graphiken an, scheint das 2°C-Ziel erreichbar. Wenn da nur nicht Länder wie Indien wären, die China nacheifern könnten und das wohl auch wollen. Es erstaunt wie wenig Zeit China benötigte um seinen CO2-Ausstoss um mehr als 5 Gigatonnen – den ganzen Ausstoss Europas – zu erhöhen. Gerade einmal 10 Jahre waren dazu nötig. Wenn es in die andere Richtung – also bei der Reduktion der CO2-Emissionen – ebenfalls so schnell ginge, wäre das 2°C-Ziel gut erreichbar.

    • schaut man sich die realen T Entwicklungen und CO2 Emissionen der letzten Dekaden an, ist das ominöse, politisch fabrizierte 2° Ziel so oder so erreichbar, sprich, es wird zu einer geringeren T Erhöhung kommen.

      • Zitat: „Es wird zu einer geringern T Erhöhung kommen“ Sie meinen also, die Klimasensitivität sei innerhalb der vom Assessment Report AR5 gegebenen Spanne von 1.5 bis 4.5°Celsius eher am unteren Rand, also bei 1.5°C anzusziedeln, womit dann trotz Anstieg des atmosphärischen CO2 auf über 450 ppm der Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit unter 2°C bleiben wird.

        Schlussfolgerung und Einwand:Sie schliessen das wohl aus der momentanen Erwärmungspause. Das scheint mir ein vorschneller Schluss. Damit sind sie aber nicht allein, wohl die meisten Menschen und auch einige Klimawissenschaftler schliessen aus dem Klimaverlauf von ein bis zwei Jahrzehnten wie es weitergeht. Sind klimarelevante Zeiträume nicht mindestens 30 Jahre lang, wohl aber sogar länger?

        • es ist schon etwas seltsam, die Temperaturen ausgerechnet mit jenen in der Kleinen Eiszeit zu vergleichen. Um 1850 hatten die meisten Gletscher ihren Maximalstand der letzten 10.000 Jahre und die erste Phase der Erholung aus dieser Klimadepression bis ca. 1940 war doch zum Großteil ein natürlicher Prozess. Auch das geht in den Klimamodellen beinahe vollständig unter. Einige wollen das nicht erkennen, ich weiß nicht warum.

          • Stefan Rahmstorf

            Dass die Erwärmung bis 1940 teilweise natürliche Ursachen (v.a. die Zunahme der Sonnenaktivität bis dahin) hatte ist Allgemeingut der Klimaforschung, z.B. auch in unserem Buch „Der Klimawandel“ von 2006 beschrieben (S. 40). Drei Viertel der globalen Erwärmung fanden allerdings erst nach 1970 statt, zu Zeiten leicht abnehmender Sonnenaktivität.

          • die Erwärmung bis 1940 beträgt rund 0,5°C und das ist genau so viel, wie jene von 1940 bis heute!
            http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

            Von leicht abnehmender Sonnenaktivität zu sprechen, nach dem Erreichen eines mehr Jahrtausendhochs, ist auch sehr fragwürdig, denn wie das CO2 wirkt auch die Sonnenleistung als Forcing, welches zumindest über mehrere Dekaden Mittel zu betrachten wäre:

            https://www.zamg.ac.at/cms/de/images/klima/bild_ip-klimawandel/klimasystem/antriebe/2-2-5_1_solarkonstante

            Klimamodelle versagen bei der Rekonstruktion der natürlichen Klimaänderungen der Neuzeit und deshalb sollte man damit heute noch keine Prognosen wagen, zumindest nichts davon veröffentlichen.

          • Stefan Rahmstorf

            Na ja, jetzt nehmen Sie die HadCRUT Daten mit ihren bekannten Problemen. Hier haben wir bessere Datensätze diskutiert. In den NASA-Daten:
            Mittel 1880-1920: -0,28
            Mittel 1940-1980: -0,02 – d.h. bis dahin 0,26 Grad Erwärmung.
            Inzwischen liegen wir bei +0,6.
            Verlauf der Solarkonstante in den letzten Jahrzehnten finden Sie hier.

  3. Vielen Dank für den Link.
    Ich verstehe jedoch immer noch nicht, wieso die Ozeane gerade jetzt so warm werden und wieso ausgerechnet im Nordpazifik

  4. Lieber Herr Rahmstorf,

    der Jetstream hängt schon wieder durch und konfrontiert die Amerikaner erneut mit dem „polar vortex“. Kann es sein das das „global weirding“ früher und heftiger einsetzt als gedacht?
    Haben Sie wirklich noch Hoffnung Politik und Wirtschaft kämen zur Vernunft der Wissenschaft?
    Mir scheint es eher so als bestünde Null Aussicht auf echtes Handeln. Ich glaube eher das Jørgen Randers mit seinem 2052 Bericht recht behalten wird. MfG

    • Sind jetzt also außergewöhnliche Kälteeinbrüche und Schneefälle auch AGW Klimawandel?

      OK, dann ist es also auch dem CO2 zu verdanken, dass es nicht nur wärmer,. sondern zwischendurch auch kälter wird. Komisch, dass in den Modellen nur Erwärmung gezeigt wird.

      • Stefan Rahmstorf

        Sebstverständlich gibt es in Klimamodellen auch Wetter und damit auch lokale Kälteeinbrüche. Trotz der Kälteblase über den USA ist die Nordhalbkugel insgesamt aktuell ja 1 °C wärmer als im Mittel 1979-2000 für diese Jahreszeit, wie ein Blick auf die heutige Karte zeigt.
        Extreme Schneefälle verstärkt durch relativ warme offene Wasserflächen (wo die Wassermengen ja herkommen) sind nicht unplausibel. Das US National Climate Assessment hält fest: „Winter Storms.
        For the entire Northern Hemisphere, there is evidence of an increase in both storm frequency and intensity during the cold season since 1950, with storm tracks having shifted slightly towards the poles. Extremely heavy snowstorms increased in number during the last century in northern and eastern parts of the United States, but have been less frequent since 2000.“

        • es wurden aber nun nicht nur extreme Schneefälle beobachtet, sondern auch in weiten Teilen der USA rekordverdächtige Tiefsttemperauren für diese Jahreszeit. Zudem ist es synoptisch wenig plausibel, wenn die großen Seen dort zz. vielleicht um 2°C wärmer sind, als vor einigen Dekaden, um daraus diese Schneemassen zu begründen.

          • Stefan Rahmstorf

            Ich bin keine Meteorologe – stelle aber fest dass US-Meteorogen wie Jeff Masters den „lake effect“ für zentral halten:
            http://www.wunderground.com/blog/JeffMasters/comment.html?entrynum=2864
            Er weist auch auf abnormal große Schwingungen des Jet Stream bei diesem außergewöhnlichen Sturm hin, die wiederum von einer Reihe von Forschern mit dem Schwund des arktischen Meereises in Verbindung gebracht werden. Das ist ein heißes Forschungsthema in den letzten Jahren.

            Tolle Animation hier: http://cimss.ssec.wisc.edu/goes/blog/wp-content/uploads/2014/11/Radar13-23UTC_18Nov2014.gif
            Man sieht wunderbar die Schneefahne in Lee des Lake Erie.

          • weder ist die arktische Meereisfläche zz außergewöhnlich klein noch gibt es sinnvolle Erklärungen dazu, warum ausgerechnet bei einem kleiner werdenden T Gradienten zwischen hohen und niederen Breiten größere, meridionale Zirkulation auftreten sollten. Wenn, dann ist das Gegenteil wahrscheinlich.
            Weder Wetter noch Klima lassen sich langfristig über Modelle beschreiben, mit diesem Faktum sollte man sich auch endlich mal abfinden und nicht so tun, als könnte man die Zukunft vorhersagen.

          • Stefan Rahmstorf

            Wie schön für Sie, dass Sie alles besser wissen als die Klimaforscher. Die halten sich lieber an die empirischen Daten. Der Zusammenhang zwischen arktischem Meereis, der Zirkulation und kalten Wintern auf den nördlichen Kontinenten ist in diesem Aufsatz in Oceanography allgemeinverständlich dargelegt, open access. Übrigens aus der Analyse von Beobachtungsdaten. Es ist etwas komplexer als Sie denken – wenig Meereis im Herbst wirkt sich auf die Schneedecke in Eurasien aus (es steht mehr Wasser zur Verfügung), die dann in der Folge die atmosphärische Winterzirkulation beeinflusst.

          • ich weiß sicher nicht alles besser, aber nur weil es gewisse Ansätze und Studien gibt, heisst das noch lange nicht, dass eine Erklärung, ein Zusammenhang bestätigt wäre.
            Interessant ist es allemal, denn zum Beispiel im Großraum Alpen zeigen alle Bergstationen über den meteorologischen Winter seit genau 45 Jahren gar keine Erwärmung mehr, seit gut 30 Jahren sogar eine Abkühlung um 1°C im linearen Trend.(HISTALP). Man sieht, dass Vieles in den Klimamodellen nicht passt und das sollte man schlicht zur Kenntnis nehmen.

          • Stefan Rahmstorf

            Ich wundere mich über Formulierungen wie „das sollte man schlicht zur Kenntnis nehmen“. Dass die globalen Klimamodelle oft regionale Veränderungen noch nicht korrekt wiedergeben, ist allgemeiner Wissensstand in der Klimaforschung – besonders dort wo es kleinräumige Topographie gibt (Alpen), die von der Gitterweite der Modelle gar nicht richtig erfasst werden kann. Das wird seit vielen Jahren auch immer wieder in den IPCC-Berichten dargestellt, auch mit einer schönen Grafik über die Auflösungsprobleme gerade bei den Alpen – diese Grafik haben wir auch in unserem Buch The Climate Crisis gezeigt. Deshalb wird für regionale Szenarien in vielen Forschungsinstituten (auch bei uns am PIK) statistisches Downscaling verwendet. Ich glaube nicht, dass Klimaforscher von Ihnen Nachhilfe darüber benötigen, was sie zur Kenntnis nehmen sollten.

          • ich bin unabhängiger Meteorologe und habe vielleicht von „außen“ einen besseren Blick auf die Güte der Klimamodelle. Diese versagen nicht nur im kleinen Alpenraum sondern z.B. auch in den weitläufigen, relativ ungestörten Wasserflächen der Tropen. Die Divergenz zu den Messungen wird immer größer und hat einen Betrag erreicht, den man nicht so einfach beschwichtigen sollte. Sie meinen, das wäre „nicht ganz exakt“, ich meine, dass ist weit gefehlt:

            http://www.drroyspencer.com/wp-content/uploads/CMIP5-73-models-vs-obs-20N-20S-MT-5-yr-means1.png

          • Stefan Rahmstorf

            Lieber Herr Jung, Sie ziehen hier ein klassisches „Klimaskeptiker“-Argument nach dem anderen aus der Tasche – die können wir hier nicht alle en passent besprechen, denn die Qualität von Klimamodellen ist hier einfach off topic und daher auch gegen unserer Moderationsregeln, wonach die die Kommentare sich auf den jeweiligen Blogartikel beziehen sollten. Sonst ufert das ganze einfach aus. Daher jetzt ausnahmsweise noch eine letzte Antwort, ansonsten bitte ich Sie zu warten, bis es wieder einmal einen Blogbeitrag zur Qualität der Klimamodelle gibt, wo eine solche Diskussion passen würde.
            Die von Ihnen verlinkte Roy Spencer Grafik bezieht sich auf die tropische Troposphäre, deren Temperaturentwicklung vor allem durch Veränderungen im vertikalen Temperaturgradienten (lapse rate) bestimmt wird, die wiederum mit der tropischen Konvektion zusammen hängen. Wie gut Klimamodelle diesen Konvektionsprozess erfassen kann man sicher kontrovers diskutieren – auch die Frage, wie gut die gezeigten Messdaten sind und ob sie angesichts der Unsicherheiten überhaupt Änderungen in der lapse rate messen können, wird kontrovers diskutiert. Für die Temperaturen an der Oberfläche hat dies allerdings kaum eine Bedeutung. Die Debatte ist ebenfalls in den IPCC-Berichten enthalten, und hier finden Sie eine populäre Darstellung mit den Ansichten beider Seiten.

    • Je früher ein „global weirding“ einsetzt, desto eher machen sich Politiker lächerlich die nichts tun wollen.
      Und falls der Widerstand der konservativen Idustrien gebrochen wird, wird sich mittelfristig auch die Erkenntnis verbreiten dass einige Formen der erneuerbaren Energien auch im monetären Sinne günstig sind.

      • Erst mal vorne weg: Wir müssen runter von den fossilen Brennstoffen, je schneller umso besser.
        Aber: Die Behauptung, dass diese Energieversorgung billiger ist, ist schlicht falsch. (Das Thema ist mein Fachgebiet). Hinsichtlich Energiedichte, Speicherbarkeit, Transportfähigkeit, Austauschbarkeit und Transformierbarkeit sind die Regenerativen den fossilen Energieträgern auch technisch weit unterlegen. Es gibt zwar einzelne Anwendungen, wo das anders aussieht, aber in der Breite funktioniert das nicht.
        Im Schönrechnen steht da leider die zugehörige Industrie der Atomindustrie in nichts nach.

        Es gibt übrigens immer einen realen Test für die Wirtschaftlichkeit einer Technik. Ist sie tatsächlich wirtschaftlich, setzt sie sich rasend schnell durch. Es gibt zwar immer wieder Leute, die meinen das würde von „interessierten Kreise“ verhindert. Das ist aber Unfug. Selbst ein Aufhalten einer neuen Technologie für wenige Jahre hat kaum je funktioniert. Denn es gibt immer zu viele potentielle Gewinner.

        Und obwohl inzwischen seit 40 Jahren an allen Fronten geforscht wurde und auch imense Mittel in diese Bereiche geflossen sind, haben wir in Deutschland die aktuellen Quoten nur dadurch erreicht, indem wir einem Teil der Bevölkerung Geld geschenkt haben (die Anlagenbetreiber), das bei den anderen zwangsweise eingetrieben wurde.
        Und kaum wird die Förderung auch nur ein bißchen zurück gefahren, bricht der Zubau sofort ein.

        • Stefan Rahmstorf

          Ganz so einfach ist es leider nicht. Laut dem aktuellen Bericht der International Energy Agency (nicht gerade als Fan der Erneuerbaren bekannt) erhielten die erneuerbaren Energien im Jahr 2013 Subventionen von 121 Milliarden US$. Die fossilen erhielten 548 Milliarden US$. Ein freier fairer Markt ist das nicht. Zudem setzen sich automatisch selbst in einem freien Markt nur die Technologien durch, die jetzt wirtschaftlicher sind. Nicht die, die sich bei einem Umstieg auf Dauer (also über die nächsten 50 Jahre oder so) als wirtschaftlicher erweisen würden. Denn gegen eine etablierte Infrastruktur kann sich eine neue Technik, die erstmal teure Infrastrukturinvestitionen erfordert, nicht ohne Hilfe durchsetzen.

          • Hallo Herr Rahmstorf,

            Ihr Kommentar zeigt eine riesige Selbstüberschätzung, da niemand ist in der Lage über einen Zeitraum von 50 Jahre vorauszusehen, welche Technologie dann wirtschaftliche sein wird.

        • Die Behauptung, dass diese Energieversorgung billiger ist, ist schlicht falsch.

          Das mag aus Sicht der monopolistischen, zentralisitschen, gefrässigen Energiekonzerne richtig sein, jedoch nicht für Menschen, die der Raubritter-Kapitalismus einfach abgehängt und vollkommen vergessen hat. Solche Menschen gibt es inzwischen immer mehr auf dem Globus, Stichwort “Grassroot- Bewegungen”. Und sie produzieren ihren Strom umsonst, billiger geht es nicht.

          Es gibt tatsächlich Lösungen für die anstehenden Probleme. Überall auf dem Globus, wo der Raubritter-Kapitalismus auf ganzer Linie versagt hat, entstehen Grassrootbewegungen. Zum Beispiel in Detroit, wo tausende Häuser verfallen und das Gemeinwesen vollkommen zusammengebrochen ist, da greifen die Mensschen aus nackter Not zur Eigeninitiative. Häuser werden aufgebrochen und besetzt, eine lokale Währung wurde ins Leben gerufen, überall entstehen grosse Gemüsegärten in der Stadt, es gibt dort keine Polizei mehr, aber eine Bügerwehr und echte local community, echte Demokratie von unten, von ganz unten. Es werden Sonnenkollektoren auf die Dächer geschraubt, Windräder aufgestellt und so der Strom an den monopolistischen, gefrässigen, umweltfeindlichen Energiekonzernen vorbei dezentral produziert. Weils schön macht? Nein, sondern aus nackter Not. Ähnliche Grassroot-Projekte gibt es inzwischen überall da auf dem Globus, wo der Kapitalismus auf ganzer Linie versagt hat, siehe zB:

          “Wachstum – Was nun?”

          https://www.youtube.com/watch?v=ZQFrMN4L6o8

  5. ….“danach entwickelt sich eine Eigendynamik, wie etwa auch die phänomenale Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien zeigt.“

    also aus meiner Sicht schaut eine phänomenale Erfolgsgeschichte ganz anders aus. EE stümpern trotz vieler Jahre politischem Populismus immer noch im unteren % Bereich herum (global) und in den USA scheint Fracking der große „EE“ burner zu sein. Von wegen Erfolg, schleppende Misere, mehr nicht.

  6. Noch ein wenig Zahlenmaterial zu China und den Erneuerbaren:
    Chinas Strom kommen im Jahr 2013 und 2020 (geschätzt) anteilsmässig aus folgenden Quellen (TWh steht für Terawattstunden) :
    Kohle 2013/2020:4100 TWh / 5500-6000 TWh
    Wasserkraft 2013/2020: 912 TWh / 1140 TWh
    Wind: 2013/2020: 132 TWh / 290 TWh
    Sonne 2013/2020: 12 TWh / 60-70 TWh
    AKW’s 2013/2020: 111 TWh / 410 TWh

    Chinas Wind-, Sonnen- und Atom-Kraftwerke tragen 2013 also etwa 5% zur Stromversorgung bei, die Wasserkraft liefert dagegen 2013 mit 17% 3 Mal mehr Strom als Wind, Sonne und AKW zusammen. Im Jahr 2020 wird die Wasserkraft immer noch deutlich mehr Strom liefern als Wind-, Sonne- und Atomkraftwerke zusammen und die chinesischen AKW’s werden etwas mehr Strom liefern als Wind und Sonne zusammen.

    Schlussfolgerung: China investiert weltweit am meisten in neue Erneuerbare (Wind,Sonne) , doch die neuen Erneuerbaren Wind und Sonne werden im Jahr 2020 weniger als 7% des chinesischen Stroms und damit weniger als 3% der totalen Primärenergie Chinas liefern (zur Primärenergie gehört auch das Heizen und der Treibstoff, etc).

    Wenn China ankündigt, im Jahre 2030 komme 20% seiner Energieversorgung aus nicht-fossilen Quellen bedeutet das, dass im Jahr 2030 um die 50% seines Stroms aus CO2-armen Quellen stammen müssen, denn Strom macht typischerweise 1/3 oder weniger der Gesamtenergieversorgung aus, die nichtfossilen Energien liefern aber vorwiegend Strom (China könnte aber auch mehr Dämmen und weniger Heizen). Das bedeutet für China einen sehr schnellen Umbau seines Energiesystems. Dass es in China schnell gehen kann, hat China aber bereits bewiesen.

    • Wahrscheinlich machen die Chinesen es dann wie wir. Aktuell bauen sie ihre Wirtschaft Richtung höherwertiger Güter um, folgen also dem Weg anderer erfolgreich industrialisierter Länder. In diesem Zuge schieben sie die energieintensive Basisproduktion einfach in andere Länder weiter (was bereits in großem Stil geschieht). Bin mal gespannt über welches Land dann wegen massiv steigender CO2 Emissionen gejammert wird.

  7. Hallo, Herr Rahmstorf,

    Wie ist das eigentlich genau mit dem sog. „Global Dimming“- Effekt? Es heisst, dass die globale Temperatur erstmal rapide weiter ansteigen würde, sobald die Aerosol- Emissionen gesenkt würden, weil dann eben der Global Dimming Effekt wegfallen würde. Wie könnte man das handeln? Und wie schätzen Sie die Gefahr des arktischen Methans ein? Sie haben sicher ua von den Ergebnissen der beiden SWERUS-C3 Expeditionen gehört und http://arctic-news.blogspot.de/ ist Ihnen wahrscheinlich auch nicht unbekannt…

    Gruss und herzlichen Dank für Ihre umfangreiche Aufklärungsarbeit hier auf Ihrem Blog!

    • Sehr geehrter Herr Rahmstorf, ich kann Ihre Zurückhaltung hinsichtlich meiner Anfrage das Methan betreffend sehr gut nachvollziehen, denn es gibt zZt noch keinen wirklichen, wissenschaftlichen Konsens, was diese Frage betrifft. Dieser Konsens könnte sich jedoch sehr bald abzeichnen, womöglich schneller, als uns lieb sein wird. In einem Punkt stimmen Sie sicher mit mir überein:

      CO2 ist der vornehmliche Stachel, mit dem wir den Drachen (Methan) und etliche weitere positive Feedback- Loops reizen:

      http://tinyurl.com/mrerqc6

      • Impressionen aus der Hölle des Klimawandels:

        April 2015 – “The Dry Land Burned Like Grass” — Siberia’s Road to a Permaburn Hell

        The script reads like a scene from some post-apocalyptic disaster film.

        Frigid Siberia begins an epic thaw — a thaw set off by an unstoppable dumping of heat-trapping gasses into the atmosphere by human fossil fuel industry. Finally, after years of warming, the thawing land itself becomes fuel for fires. A thick layer of peat-like organic material that serves as kindling to the heat-dried trees and grasses atop it.

        Immense blazes ignite in April — fully 100 days before the usual fire season in late July. The fires explode to enormous size, doubling in area in less than a day, covering scores to hundreds of square miles. Residents flee or face off against walls of raging flame in bucket and hose brigades. Military units descend on the regions affected to fight blazes and prevent looting. The fires are freakish, starting from nowhere at a moment’s notice. Eyewitnesses at the scene of one fire describe the surreal situation saying: “… the dry land burned like grass.”…

        https://robertscribbler.wordpress.com/2015/04/17/the-dry-land-burned-like-grass-siberias-road-to-a-permaburn-hell/

        Besser als in folgendem 2 Minuten- Video (ohne Worte) lässt sich „The road to hell“ optisch kaum beschreiben:

        https://www.youtube.com/watch?v=8r94gooSsCc

  8. Hier der direkte Link zu SWERUS-C3:

    http://swerus-c3.geo.su.se/index.php/oerjans-blog-leg-1/170-observing-and-investigating

    Und ein weiterer bemerkenswerter Methan- Fund:

    http://www.nature.com/ngeo/journal/v7/n9/full/ngeo2232.html

    Schade, das wir nicht mehr in den 70ern, 80ern sind. Oh Mann, es wurde soviel geredet und so wenig getan seitdem. Die wirklich Verantwortlichen (Grosskonzerne, Politik und auch ein Grossteil der Konsumenten) denken doch in 4 – 5 Jahreszyklen, wenn wir in 5 Jahren zu Weihnachten Orangen pflücken, dann haben die längst vergessen, wie Schnee aussieht und werden behaupten, das sei schon immer so gewesen. Die Rendite zählt, nicht das Klima. Denkt jemand an der Börse auch nur eine Sekunde an das Klima? Denken die Banken an das Klima? Denkt die Autoindustrie an das Klima? Denken die SUV Fahrer an das Klima? Wer denkt eigentlich an das Klima?

    Zum Beispiel Kalifornien, das Herz des Kapitalismus, denkt jetzt zähneknirschend an das Klima. Das, was sich da abzeichnet, wird neue Masstäbe in der Menschheitsgeschichte setzen.

  9. Den Optimismus kann ich nicht teilen. Abgesehen davon, dass diese Ankündigungen seit nunmehr 40 Jahren wiederholt werden (in Bezug auf jegliche Art von Ressourcenverbrauch) aber es sich absolut gar nichts bewegt. Und das hat einen Grund. Denn ohne eine massive Senkung des globalen Güteroutputs ist das schlicht nicht machbar. Warum das nicht geht, ist eine komplexe Diskussion und gehört sicherlich nicht in diesen Blog.

    Ich möchte daher hier nur einen Aspekt ansprechen. Reales Wirtschaftswachstum ist ohne steigenden Energieverbrauch nicht möglich. Es gibt nicht einmal eine relative Entkopplung. Für mindestens 25% der globalen Güterproduktion gibt es keine Möglichkeit die Emission von CO2 zu vermeiden (z. Zementherstellung, Rohstahlerzeugung). Wächst die Weltwirtschaft real moderat weiter und gelingt es parallel die restlichen 75% innerhalb von 40 Jahren vollständig auf regnerative Energien umzustellen, dann würde das bedeuten, dass der CO2 Ausstoß für die nächsten 40 Jahre in etwa auf dem heutigen Nievau bleiben und dann wieder steigen würde.

    Natürlich müssen wir auf regenerative Energien setzen. Denn die Biosphäre kann uns nicht mehr Nettoenergie liefern, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Aber da waren wir auch nur 2 Millarden bei einem materiellen Niveau wie es auch die Röme schon hatten. Wir brauchen also auf jeden Fall mehr. Aber regenerative Quellen werden das nicht zu den Kosten machen, wie es die fossilen Quellen konnten (und bei Kohle auch noch einige Jahrzehnte können).

    P.S. Das Thema Krugman und Energie würde einen ganzen eigenen Blog füllen. Vorsichtig ausgedrückt: Das ist nicht gerade eine seiner Kernkompetenzen. Für Interessierte sei hier auf die aktuelle Kotroverse zwischen Krugman und Heinberg genau zu diesem hingewiesen.

  10. Eine weitere Tatsache sollte auch immer Beachtung finden. In der Troposphäre bewirkt eine Veränderung der Treibhausgaskonzentration fast keine Änderung des Temperaturgradienten, siehe

    http://home.arcor.de/physikalisch/folienMETerg.pdf Folie 55

    da der Temperaturgradient kaum durch die Strahlungseigenschaften bestimmt wird, sondern hauptsächlich durch die feuchtadiabatische Vertikalzirkulation. Auswirkungen hat die Änderung der Treibhauskonzentration nur dort, wo das angenäherte Strahlungsgleichgewicht für den Temperaturverlauf verantwortlich ist – in der Stratosphäre. Dort ist wegen der tiefen Temperaturen kaum Wasserdampf und das erklärt, warum trotz des vielen vorhandenen Wassers der Treibhauseffekt nicht größer ist als beobachtet.

    Bei höherer Treibhausgaskonzentration erreicht die optische Dicke der oberen Atmosphäre eher die optische Dicke, die zum Beginn der Troposphäre führt. Als Anfangsbetrachtung könnte man annehmen, daß die optische Dicke der Stratosphäre konstant bleibt – allerdings würde das zu erheblich höherer Klimasensitivität führen.

    Da sich durch die höhere Oberflächentemperatur der Wärmestrom durch das atmosphärische nichtabsorbierende Wellenlängenfenster ins All erhöht hat das zwei Wirkungen: Der Wärmetransport in den absorbierenden Wellenlängenbereichen verringert sich und diese Verringerung führt zu einem Absinken der Stratosphärentemperatur – was auch in dem Diagramm zu sehen ist.

    Durch diese zwei Wirkungen bleibt die optische Dicke der Stratosphäre nicht konstant, sondern nimmt etwas zu, diese Tatsache wird durch mindestens 47 Jahre durch Hohenpeißen beobachtet und ist teilweise in dem genannten Diagramm dargestellt.

    Die Zunahme der Tropopausenhöhe hat mehrere Wirkungen. Der dickere Strömungskanal unter der Stratosphäre führt zu einer Zunahme der Turbulenzen und die Extrapolation des Anstiegs der Tropopausenhöhe führt zu einer Klimasensitivität von ca. 3 K bei Verdopplung der CO2-Konzentration.

    MfG

  11. Die Bemühungen der Klimawissenschaftler in Ehren, sie haben wenigstens verstanden, wo der Hammer hängt. Allerdings möchte ich angesichts solcher zB Meldungen hier wahrlich kein Klimawissenschaftler sein:

    “ 27.11.2014 – Der niedrige Ölpreis und die Folgen

    Seit Wochen sinken die Rohölpreise und erreichten nun den tiefsten Stand seit vier Jahren – ganz zur Freude von Autofahrern und Besitzern von Ölheizungen…”

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/oelpreis-101.html

    “ 27.11.2014 – OPEC-Entscheidung: Keine Drosselung der Ölfördermengen

    Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat sich gegen eine Senkung der täglichen Fördermenge entschieden. Es gebe „keine Veränderung“ zum bisherigen Niveau von 30 Millionen Barrel pro Tag, sagte der kuwaitische Ölminister Ali al Omair…”

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/opec-oelpreis-103.html

    Herr Rahmstorf, hätte ich Ihren Job, dann wäre ich längst verzweifelt. Wie will man denn bitteschön angesichts solcher Fakten die grossangekündigte Reduktion der CO2- Emissionen umsetzen? Indem man wie irrsinnig sämtliches Öl aus der Erde saugt und zu Billigpreisen unters Volk bringt?! Mich erinnert die ganze Sache frappierend an das Rennen zwischen Hase und Igel 🙂

    • Die jetzige Ölpreissenkung wird noch ein schwerer Bumerang für die Ölverbraucher werden.

      Jetzt schon werden reihenweise Explorations- und Erschließungsprojekte gestrichen oder reduziert, das fracking von teureren Standorten reduziert etc.

      Wenn dann der decline der alten Ölfelder diese Bonanza nicht mehr decken kann, wird der Ölpreis wieder hochschießen, weil alle diese Maßnahmen dann wieder hektisch angeschoben werden aber ein paar Jahre brauchen um zu ziehen. Kein wirklich stabiles wirtschaftliches Umfeld, ganz im Gegenteil.

      Im Gegensatz dazu ist der CO2-Produzent Nr.1, die Kohle, weiterhin im Aufwind.

      Zu den alternativen Energien: Solar scheint mehrere Punkte überschritten zu haben. Indien plant jetzt mehrere richtig große Solarkraftwerke, diese Technik beginnt sich durchzusetzen auch in Ländern ohne Subventionen.

  12. ”Wenn dann der decline der alten Ölfelder diese Bonanza nicht mehr decken kann, wird der Ölpreis wieder hochschießen, weil alle diese Maßnahmen dann wieder hektisch angeschoben werden aber ein paar Jahre brauchen um zu ziehen. Kein wirklich stabiles wirtschaftliches Umfeld, ganz im Gegenteil.

    Das ist der Punkt: Der marode Karren wird einfach weiter und immer weiter gezerrt, weil er ohne Wachstum zusammenbrechen würde, die globale Verschuldung liegt zZt bei ca. 100 Billionen Dollar. Wer soll dafür bezahlen, wenn nicht spätestens unsere eigenen Nachkommen?! Man will offenbar um jeden Preis den Status Quo erhalten, man möchte den Kuchen gerne essen und gleichzeitig behalten. Ich nenne das Gambling. Wovor sie sich aber am meisten zieren, das ist wahrhaftige, globale, soziale Gerechtigkeit- und ohne die ist eine wirklich nachhaltige Klimapolitik nunmal nicht zu machen. Was bringt es zB, wenn BMW den neuen i8 für 130 000 € auf den Markt schmeisst? Ist das die Logik unseres Wirtschaftssystems, der “Luxus des umweltbewussten Fahrens”?! Ich wage mal eine ganz simple Prophezeiung:

    Je mehr Luxus wir uns heute leisten, desto mehr werden wir morgen darben.

    • Entschuldigung, Herr Rahmstorf, mein Post vom 9.12. war eigentlich als Antwort an Eulenspiegel gedacht, ich hätte auf den „Antworten“- Button klicken sollen.

  13. Präsident Obama hat in seiner State of the Unnion (SOTU) Rede die Redewendung der Republikaner „I’m not a scientist…“ angegriffen und deutliche Worte für die Notwendigkeit des Handelns beim Klimawandel gewählt:

    “ No challenge — no challenge — poses a greater threat to future generations than climate change. 2014 was the planet’s warmest year on record. Now, one year doesn’t make a trend, but this does — 14 of the 15 warmest years on record have all fallen in the first 15 years of this century.

    I’ve heard some folks try to dodge the evidence by saying they’re not scientists; that we don’t have enough information to act. Well, I’m not a scientist, either. But you know what — I know a lot of really good scientists at NASA, and NOAA, and at our major universities. The best scientists in the world are all telling us that our activities are changing the climate, and if we do not act forcefully, we’ll continue to see rising oceans, longer, hotter heat waves, dangerous droughts and floods, and massive disruptions that can trigger greater migration, conflict, and hunger around the globe. The Pentagon says that climate change poses immediate risks to our national security. We should act like it.“

    Die Reaktion der Republikaner? Denial. Sie haben diese Worte aus Ihrem Video zur SOTU herausgeschnitten:

    https://www.youtube.com/watch?v=ILwYnAt-kWA&t=43m24s

    Youtube Kanal von Joe Boehner, dem Sprecher der House-Republikaner

  14. Nein, keine Pause, nirgends… Paul Beckwith meldet sich wieder mit einem aktuellen VIdeo zu Wort, mit extremen Temperatur- Anomalien ua über Alaska, Sibirien, Asien und dem Pazifik, einem bös zerfledderten Jet- Stream und unangenehmen, (vertrauenswürdigen) Methan- Messungen von der NOAA:


    https://www.youtube.com/watch?v=p2ckkxEnWpA

  15. A propos Klimaschutz- WIE soll jemals eine vernünftige Klimapolitik auf den Weg kommen angesichts derartiger Einflussnahme der Wirtschaft auf die Politik?!:

    23.11.2015 – Vorwürfe gegen Bundesregierung TÜV beklagt Prüfverbot für Motorsoftware

    Warum fielen die Abgasmanipulationen bei VW jahrelang nicht auf? Die Antwort des TÜV Nord fällt eindeutig aus: Die Politik habe den Prüfern auf Drängen der Autoindustrie verboten, die Motorsoftware zu untersuchen…

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/tuev-erhebt-vorwuerfe-gegen-politik-101.html

    SO funktioniert das gesamte, gut geschmierte Wirtschaftssystem, die DÈNIER- Lobby, die permanent den lächerlichen, ja perfiden Vorwurf erhebt, die Bundesregierung etc sei von GRÜNEN Umweltaktivisten gekauft, hahaha, natürlich inbegriffen 🙂

    Na dann, mal sehn, wie lange das noch gutgeht 😎

    MfG,
    Nemesis

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