Meeresspiegel-Irrungen

Zeitungsleser konnten wieder einmal verwirrt sein: beschleunigt sich der Anstieg des Meeresspiegels, oder beschleunigt er sich nicht? "Forscher uneins" konstatierte die Süddeutsche Zeitung im Untertitel ihres Artikels. Bei genauerem Hinsehen ergibt sich allerdings eine ganz andere, interessante Geschichte.

Blicken wir zunächst auf die Daten, um die es geht (siehe Abb.). Das ist einmal der globale Meeresspiegel auf Basis von Pegeldaten seit 1870 von John Church und Neil White, der auch im jüngsten IPCC-Bericht verwendet wird (hier rot gezeigt). Auf Basis dieser Daten folgerte IPCC, dass im 20. Jahrhundert der Meeresspiegel mit einer mittleren Rate von 1.7 ± 0.5 mm pro Jahr angestiegen ist. Für den Zeitraum 1961-2003 sind es 1.8 ± 0.5 mm pro Jahr. Seit 1993 gibt es Satellitenmessungen des globalen Meeresspiegels; IPCC gibt hier den Trend 1993-2003 mit 3.1 ± 0.7 mm pro Jahr an (IPCC SPM Seite 5-7). Wir zeigen hier eine aktualisierte Fassung dieses Satellitendatensatzes (blaue Linie) bis Ende 2008 (Dank an Anny Cazenave für die Daten). Der Trend (1993-2008) beträgt jetzt 3.4 ± 0.4 mm pro Jahr.

Eine Beschleunigung des Anstiegs steht damit außer Frage – lediglich über die Ursachen könnte man noch diskutieren, also über die Frage, ob dies an der globalen Erwärmung liegt. John Church schrieb 2007 in Science (in einem gemeinsamen Aufsatz u.a. mit mir): "Die Anstiegsrate der letzten 20 Jahre […] ist 25% schneller als die Anstiegsrate in jeder 20-Jahresperiode der vorausgegangenen 115 Jahre." In einem anderen Aufsatz in Science (2007) habe ich gezeigt, dass die Anstiegsrate eng und statistisch hoch signifikant mit der globalen Temperatur korreliert. Da die Ursachen des Anstiegs die Eisschmelze und die thermische Ausdehnung des Meerwassers sind, ist dies nicht überraschend sondern physikalisch begründet.

Eine andere Frage ist die, inwiefern vertikale Bewegungen der Landmassen (die lokal recht groß sein können, besonders wo seit der letzten Eiszeit große Eismassen abgetaut sind) den globalen Meeresspiegeltrend beeinflussen. Das heißt: unterscheidet sich der Meeresspiegelanstieg relativ zum Land vom absoluten Meeresspiegelanstieg relativ zum Erdmittelpunkt? Diese vertikalen Landbewegungen kann man seit Kurzem mit den GPS-Satelliten messen. 2007 hatten Wöppelmann et al. eine erste solche Analyse vorgelegt und gefolgert: der absolute Meeresspiegelanstieg im 20. Jahrhundert habe nicht 1.7 mm/Jahr (wie laut IPCC), sondern nur 1.3 mm/Jahr betragen. Dabei wurde angenommen, dass die Landbewegungen über das ganze 20. Jahrhundert unverändert konstant abliefen.

In Fachkreisen wurde dies mit Zurückhaltung aufgenommen, denn die Abschätzung basierte auf nur 3 bis 7 Jahren GPS-Messungen (je nach Ort) und es gab – wie oft bei ganz neuen Messverfahren – eine Reihe offener methodischer Fragen. Diese Vorsicht hat sich inzwischen als berechtigt erwiesen. Mit einigen Jahren weiterer GPS-Messungen berechnet Wöppelmann den absoluten Meeresspiegeltrend des 20. Jahrhunderts inzwischen auf 1.6 mm/Jahr – fast identisch mit dem IPCC-Wert von 1.7 mm/Jahr. Beide Werte, 1.3 und 1.6, sind ohnehin innerhalb der vom IPCC angegebenen Unsicherheitsspanne.

In der (ansonsten zum Klimathema meist seriösen) SZ präsentiert nun letzte Woche Axel Bojanowski die Wöppelmann-Studie mit der Aussage:

Die Ozeane seien nicht um 3.1, sondern um 1.3 Millimeter pro Jahr gestiegen – also keine Beschleunigung.

Diese Aussage enthält mehrere offensichtliche Fehler. Erstens ist der Nachsatz "keine Beschleunigung" unsinnig, denn die Korrektur von Wöppelmann besteht in einem konstanten additiven Trend und kann daher überhaupt keinen Einfluss auf die Frage der Beschleunigung des Anstiegs haben, egal wie groß sie ist. Zweitens ist der Vergleich der 1.3  mm/Jahr mit den 3.1 mm/Jahr falsch, weil unterschiedliche Zeiträume verglichen werden. Und drittens hat Bojanowski nicht geprüft, ob die Zahlen überhaupt noch aktuell sind – eine Mail oder ein Anruf bei Wöppelmann hätte genügt und sollte m.E. an Recherche nicht zuviel verlangt sein. Mich hat die Nachfrage keine fünf Minuten gekostet.

Interessanter ist die Frage, wie Bojanowski überhaupt darauf kommt, Wöppelmanns Arbeit zu zitieren und die 1.3 mm/Jahr mit den 3.1 mm/Jahr (dem Trend 1993-2003) zu vergleichen? Hätte er auch nur den Abstract von Wöppelmanns Arbeit gelesen, wäre ihm klar gewesen, dass dieser Vergleich falsch ist. Nach einer Antwort muss man nicht lange suchen: im geistigen Paralleluniversum der "Klimaskeptiker" wurde Wöppelmanns Publikation entsprechend aufbereitet. So schreibt etwa Pat Michaels dazu:

[Wöppelmann et al] ermittelten einen globalen Wert von 1.3 ± 0.3 mm pro Jahr, im Vergleich zum Wert 3.1 mm pro Jahr den die UN für die letzten Jahre angibt. Wo ist die Schlagzeile? "Objektive Messungen reduzieren den aktuellen Meeresspiegelanstieg um 70%!"

So bleibt beim Zeitungsleser wieder einmal der Eindruck: "Klimaforscher uneins, können nicht einmal den vergangenen Meeresspiegelanstieg zuverlässig messen". Doch in Wahrheit steckt wieder nur eine der zahlreichen Nebelkerzen dahinter, die die Gegner des Klimaschutzes immer wieder in die Öffentlichkeit lancieren, nach dem bekannten Prinzip "doubt is our product". Und die leider einige (wenige) Journalisten immer wieder mit Erfolg in den Mainstream-Medien unterzubringen versuchen.

p.s. Noch ein kurzer Hinweis auf eine vergleichbare Geschichte im britischen Guardian. Letzten Oktober schrieb dort  der dänische Politologe und Klimaschutzgegner Björn Lomborg:

Über die vergangenen beiden Jahre ist der Meeresspiegel überhaupt nicht angestiegen – in Wahrheit zeigt er einen leichten Abfall. Sollte man uns nicht erzählen, dass das viel besser ist als erwartet?

KlimaLounge-Leser kennen diesen Skeptiker-Trick: verschleiere den Klimatrend unter Hinweis auf kurzfristige Schwankungen. In einem aktuellen Artikel wollte Lomborg interessanterweise nichts mehr vom Trend der letzten beiden Jahre wissen – denn jetzt, mit den Daten von 2008, beträgt der überdurchschnittliche 3.7 mm/Jahr. Stattdessen schreibt Lomborg nun:

Der Anstieg über die vergangenen vier Jahre (2005-2008) ist nur halb so groß wie vorher, mit 1.6 mm/Jahr.

Wieso nun gerade der Trend ab 2005? Die Antwort ist simpel: von allen denkbaren Anfangsjahren in dieser Zeitreihe hat Lomborg das einzige herausgepickt, das einen derart niedrigen Trend liefert.

Meine Antworten im Guardian auf Lomborg finden sich übrigens hier und hier.

Referenz

Geocentric sea-level trend estimates from GPS analyses at relevant tide gauges world-wide
Global and Planetary Change, Volume 57, Issues 3-4, June 2007, Pages 396-406
G. Wöppelmann, B. Martin Miguez, M.-N. Bouin, Z. Altamimi

Satellitendaten: globaler Meeresspiegel 1993-2008.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

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  1. Messgenauigkeit

    Änderungen am Meeresspiegel können viele Ursachen haben. Eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperuter wird immer wieder als Hauptursache genannt. Das setzt allerdings voraus das die Temperaturen auch korrekt gemessen und aufgezeichnet wurden.

    Ich habe mir einmal die NASA-Seite etwas näher angeschaut und bin ziemlich irritiert. Z.B. über diese Meßergebnisse aus Legaspi, Philippinen.

    http://data.giss.nasa.gov/…90005.1.1/station.txt

    Der Ort ist nur ca. 50 KM Luftlinie entfernt und liegt, genau wie mein Wohnort, auf Meereshöhe am Pazifik. Nun war 2008 wegen des extrem lang anhaltenden La Ninas das kälteste Jahr an das die Menschen sich hier erinnern können. Ich war die ganze Zeit hier und habe nicht einmal meine Klimaanlage einschalten müssen, dafür die meisten Abende in langen Hosen, Jacke und warmen Fußbädern verbracht und mit dem Gedanken gespielt, Heizpilze zu importieren.

    Laut o.a. Tabelle war die Jahres-Durchschnittstemperatur 2008 gegenüber 2007 nur ca. 0,4 Grad niedriger. Das kann nie und nimmer stimmen, es waren eher 1,5 bis 3 Grad. Dann ein Blick auf die El Nino Jahre. 1998 war gem. der Tabelle signifikant wärmer, 2006 aber nicht. Wie erklärt sich das?

    Nächstes Beispiel Manila Aquino Flughafen:

    http://data.giss.nasa.gov/…90005.1.1/station.txt

    Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, dass ich im März 1981 vorzeitig nach Deutschland zurückgekehrt bin, weil es in Manila unerträglich heiß war. Laut NASA-Tabelle war der März 1981 jedoch extrem kalt. Weiterhin macht mich stutzig, dass es seit Februar 2008 keine Daten mehr gibt. Die Kältewelle erreichte im Dezember 2008 und Januar 2009 ihren Höhepunkt, in Manila lagen die Nachttemperaturen zwischen 18 und 20 sowie die Tagestemperaturen um die 24-27 Grad, die Durchschnittstemperatur dürfte also um die 24 Grad gelegen haben. Das hat die philippinische Presse genauso gesehen und vomn einem der kältesten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gesprochen. Offenbar hat die NASA davon nichts mitbekommen.

    Ich wäre sehr dankbar, wenn ein Fachmann diese Diskrepanzen einmal nachprüfen und aufklären würde.

    [Antwort: Lieber Herr Binikowski, ähnliches haben Sie hier ja schon früher einmal gesagt. Die NASA sammelt ja nur die Messdaten, die die örtlichen Wetterdienste zumelden. Wenn Sie den Verdacht haben, an den Wetterstationen in Ihrer Nähe würde falsch gemessen, sollten Sie am besten vor Ort nachfragen. Aber die philippinische Presse, die Sie zitieren, dürfte ja ihre Zahlen auch vom phillipinischen Wetterdienst haben, oder? Stefan Rahmstorf]

  2. Um eine Beschleunigung zu begründen muss man ja auch die Vergangenheit sehr genau kennen. Wie vertrauenswürdig sind denn die Messungen vor 50 Jahren? Hat man dem Meeresspiegel denn schon damals die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet?

    [Antwort: Die älteren Daten sind ungenauer; der IPCC-Bericht zeigt die Kurve mit der Unsicherheitsmarge. Stefan Rahmstorf]

  3. Meeresspiegelanstieg

    Lieber Herr Prof. Rahmstorf,

    Passend zu Ihrem Beitrag noch der Hinweis auf eine neue Pressemitteilung des Alfred Wegener Instituts (AWI):
    Der westantarktische Eisschild ist nach neuesten Analysen von Sedimentkernen, die beim ANDRILL-Projekt (http://www.andrill.org/) unter Beteiligung des AWI gewonnen wurden, vor 3-5 Millionen Jahren wiederholt komplett abgeschmolzen.Das passierte immer dann wenn eine Veränderung der Neigung der Erdachse (ich vermute in Richtung einer stärkeren Neigung) mit einem erhöhten CO2-Gehalt der Atmosphäre zusammentraf. Der daraus resultierende Temperaturanstieg von (nur) 3°C reichte bereits aus den Eisschild der Westantarktis zu destabilisieren. Das Eis der Ostantarktis blieb dagegen intakt.

    Das erinnert schon ein wenig an die heutige Situation, nur das die veränderte Erdachsneigung fehlt,das CO2 also allein (allerdings unterstützt durch die Eis-Albedo-Rückkopplung)den notwendigen Temperaturanstieg schaffen muss. Doch so unerreichbar erscheinen mir 3 Grad dann doch nicht, vor allem „übermorgen“dann wenn die natürlichen Klimaschwankungen (Meeresströmungen und Sonnenaktivität)auch in Richtung Erwärmung tendieren (im Gegensatz zu „heute“ und „morgen“).
    Ein komplettes Abschnelzen des westantarktischen Eisschildes würde auf einen weltweiten Meeresspiegelanstieg von 5-7m hinauslaufen!

    Quelle: AWI Pressemitteilung: http://www.awi.de/…tem/andrill/?cHash=cd7b7fbc9e

    Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein. Müssen die Klimaszenarien in Sachen Meeresspiegelanstieg noch einmal nach oben korrigiert werden?

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende

    Jens Christian Heuer
    http://wetterjournal.wordpress.com
    http://pharmakologie.wordpress.com

    [Antwort: Danke, dazu planen wir in Kürze einen Beitrag. Stefan Rahmstorf]

  4. Die Kartoffel

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
    die ESA, eine gewiss wissenschaftlich äußerst qualifizierte Institution, hat unter dem 3. September 2008 eine interessante Äußerung zum Meerespiegel ins Netz gestellt. Sie finden Sie
    hier.

    Die ESA weist darauf hin, dass der Meeresspiegel auch bei Windstille keineswegs eben wäre, sondern dass er wegen des ungleichmäßigen Schwerefeldes der Erde eher einer unregelmäßig geformten Kartoffel ähnelte. An einigen Stellen, so die ESA, wäre er 85 Meter höher als „Normal Null“, an anderen 110 Meter tiefer.

    Aus diesem Grunde, so die ESA, sei es auch schwierig, etwas Exaktes über einen klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels zu sagen, (Zitat) „denn es fehlt bislang eine genaue Referenzfläche, zu der die Veränderungen relativ gemessen werden können“.

    „Derzeit“, so die ESA, „weichen die Werte für dieses ‚Normal Null‘ weltweit zwischen den Kontinenten um bis zu einen Meter voneinander ab.“

    Man sieht, dass die Messungenauigkeiten, was den Nullwert betrifft, um Größenordnungen höher liegen als die in der Wöppelmannstudie genannten 1,6 mm pro Jahr. Dies dürfte den Aussagewert dieser Studie erheblich einschränken. Oder wollen Sie die Wissenschaftler der ESA ebenfalls unter das Verdikt stellen: „doubt is our product“?

    [Antwort: Lieber Herr Vogels, hier werden zwei Dinge durcheinander gebracht. Bei der ESA-„Kartoffel“ geht es um die absolute Höhe des Meeres über dem Erdmittelpunkt in unterschiedlichen Regionen, die wegen der unterschiedlichen Dichte des Untergrundmaterials sehr unterschiedlich ausfallen kann (wegen der Gravitationsanomalien). In meinem Beitrag oben geht es um Veränderungen des globalen Meeresspiegels im Laufe der Jahrzehnte. Da der geologische Untergrund sich in dieser Zeit nicht ändert, führt die Unsicherheit über die genaue Form der „Kartoffel“ nicht zu Unsicherheit über den Anstieg des Meeresspiegels. Anders gesagt: ich kann mit den Altimetersatelliten messen, dass der Meeresspiegel an einer Stelle in den letzten 10 Jahren um 3 cm gestiegen ist, selbst wenn ich nicht einmal bis auf 30 Meter genau weiß, wie weit diese Stelle vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Stefan Rahmstorf]

  5. Mehr Nebelkerzen

    Die Daten von Anny Cazenave sind vielseitig verwendbar. Roger Pielke schreibt dazu:

    Thus since 2003, there has been little if any global warming as diagnosed using ocean heat content. Since ocean heat content change has been shown to be a robust metric of global warmng and cooling, the IPCC models clearly are not accurately predicting this global climate metric on this time scale.

    Sea Level Budget over 2003–2008: A Reevaluation from GRACE Space Gravimetry, Satellite Altimetry and Argo by Cazenave et al. 2008

    Vom Laienpublikum ist schwer auszumachen, dass diese Aussage so präzise wie irrelevant ist.

  6. Bitte korrekt bleiben!

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    ich verfolge Ihre Einträge mit Interesse und habe auch schon manches dabei gelernt. Ich arbeite für eine Umweltfirma in Dänemark, Schleswig-Holstein und den Niederlanden und profitiere durchaus von Ihren Einträgen!!! Aber diesmal habe ich das Gefühl, daß Sie übers Ziel hinaus schießen.
    Wie Sie selber am besten wissen, ist die Messung des Meeresspiegels sehr kompliziert und hat große Fehlerbalken. Die aktuellsten Messungen weisen auf 2,5mm / Jahr hin, liegen also deutlich unter IPCC. Nicht zuletzt die Wöppelmann-Studie hat gezeigt, daß die IPCC-Werte zu hoch sind und korrigiert werden müssen. Goce-Daten von 2006 stellten über drei Jahre gar keinen Meeresspiiegelanstieg fest. Es hilft uns als Datennutzer nur, wenn wir die gesamte Bandbreite der Szenarien bzw. Mssungen kennen (deshab empfinde ich aucxh den „Süddeutsche“-Artikel sogar als sehr gelungen). Ich habe angesichts Ihres neuen Beitrags nun das Gefühl, daß Sie aus Sorge um das Klima immer nur die hohen Vorhersagen betonen. Das irritiert mich doch sehr, mit Verlaub…

    Die derzeitigen Anstiegswerte sind glücklciehrweíse (noch?) klein, fallen durchaus unter „natürliches Rauschen“ (was nicht heißen soll, daß der Anstieg nicht anthropogen getriggert sein könnte!). Ob sich der Meeressiegel-Anstieg beschleunigt hat, muß erst noch geklärt werden. Die Variabiltät ist hocxh. Im nächsten IPCC-Report stehen evtl. schon verlässlichere Werte als die derzeitigen! Für uns beim Umweltschutz (im weiteren Sinne) ist es wichtig, ALLE zur Verfügung stehenden Messungen und Studien zu erhalten. Sie könnten uns mit ausgewogenen Blog-Berichten viellleicht dabei helfen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas D.

    [Antwort: Lieber Herr Dengler, Sie bringen zwei Argumente. Einmal die Wöppelmann-Studie. Dazu siehe oben: mit den aktuellsten GPS-Daten kommt Wöppelmann auf 1.6 mm/Jahr, im Vergleich zu IPCC 1.7 +/- 0.5 mm/Jahr, sodass ich Ihre Einschätzung nicht teile, dass deshalb etwas korrigiert werden muss. Zweitens nehmen Sie Bezug auf die kurzfristigen Schwankungen und zitieren Trends über 3 bzw. 5 Jahre. Solche Schwankungen natürlichen Ursprungs finden sich in fast allen geophysikalischen Zeitreihen; sie sagen nichts aus über den klimatischen Langzeittrend. Auch diesen Punkt habe ich oben zu erläutern versucht (siehe Lomborg). Stefan Rahmstorf]

  7. Neuere Abhandlungen zum Meeressiegelanst

    Die Daten von John Church und Neil White – welche hier gezeigt werden (ua in der Abbildung)- stammen aus

    A 20th century acceleration in global sea-level rise, GEOPHYSICAL RESEARCH LETTERS, published 6 January 2006

    , sind doch sehr selektiv ausgewählt.

    Jevrejeva, Grinsted, Moore und Holgate kommen da zu anderen Ergebnissen.

    Nonlinear trends and multiyear cycles in sea level records, JOURNAL OF GEOPHYSICAL RESEARCH, published 12 September 2006.

    http://www.pol.ac.uk/…_etal_gsl/2005JC003229.pdf

    *Our global sea level trend estimate of
    2.4 ± 1.0 mm/yr for the period from 1993 to 2000 is comparable with the 2.6 ± 0.7 mm/yr sea level rise calculated from TOPEX/Poseidon altimeter measurements.

    [Antwort: Die TOPEX/Poseidon Daten zeige ich oben, allerdings bis Ende 2008, nicht nur bis 2000.]

    However, we show that over the last 100 years the rate of 2.5 ± 1.0 mm/yr occurred between 1920 and 1945, is likely to be as large as the 1990s, and resulted in a mean sea level rise of 48 mm.*

    *We demonstrate that variability in sea level records over periods 2–30 years has increased during the past 50 years in most ocean basins.*

    Und in Holgates neuster Veröffentlichung

    On the decadal rates of sea level change during the twentieth century, Geophys. Res. Lett., published 4 January 2007

    http://www.agu.org/…sref/2007/2006GL028492.shtml

    wird festgestellt:

    *The rate of sea level change was found to be larger in the early part of last century (2.03 ± 0.35 mm/yr 1904–1953), in comparison with the latter part (1.45 ± 0.34 mm/yr 1954–2003). The highest decadal rate of rise occurred in the decade centred on 1980 (5.31 mm/yr)*

    Wie passt das mit einem beschleunigten Anstieg zusammen?

    [Antwort: Über die Vor- und Nachteile verschiedener Datenreihen lässt sich trefflich streiten, dafür ist die Fachliteratur der richtige Ort. Der von Ihnen oben zitierte Abstract beginnt mit dem Satz: „Nine long and nearly continuous sea level records were
    chosen from around the world to explore rates of change in
    sea level for 1904–2003.“ D.h., die Rede ist hier nur von 9 Küstenpegeln, was m.E. keine zuverlässige Abbildung des globalen Meeresspiegels ermöglicht. Die IPCC-Autoren haben sich nicht ohne Grund für die Reihe von Church & White entschieden. Stefan Rahmstorf]

  8. Kartoffel

    „Ein weiterer großer Anwendungsbereich ist die Ozeanographie. Klimaforscher diskutieren darüber, ob der Meeresspiegel in Folge einer globalen Erwärmung steigen wird. Die Messung des Meeresniveaus ist jedoch in dem geforderten Genauigkeitsbereich von etwa einem Zentimeter sehr schwierig, denn bislang fehlt eine genaue Referenzfläche, zu der Veränderungen relativ gemessen werden können.“
    Ich unterstelle mal, das die Damen und Herren von ESA sich der Problematik der Klimaforscher durchaus bewußt sind und daher wohl nicht ganz blauäugig diese Aussage getroffen haben auf die Reiner Vogels verweist

    [Antwort: Lieber Herr Vogel, das Fehlen einer absoluten Referenzfläche hält die Kollegen der NASA und der französischen Raumfahrtorganisation CNES ja offenbar nicht davon ab, mit ihrem TOPEX-Poseidon Satelliten die Veränderungen des Meeresspiegels zu messen, wie ich ihn oben gezeigt habe (zweite Grafik).

    Wieso das geht, versuche ich nochmals mit einem einfachen Beispiel zu erklären: nehmen wir an Sie haben einen swimming pool im Garten und fahren vier Wochen in Urlaub, und sie wollen wissen, ob bei Ihrer Rückkehr das Wasser höher oder niedriger steht (etwa um Niederschlag minus Verdunstung abzuschätzen). Erste Möglichkeit: sie malen eine Linie an den Rand, wo bei Abreise das Wasser steht, und vergleichen den Stand bei Rückkehr. Das machen die Pegeldaten. Zweite Möglichkeit: sie nehmen einen Satelliten mit bekannter Umlaufbahn und messen den Abstand von Ihrer Wasserfläche zu dieser Umlaufbahn, und wie der sich verändert hat. Ein Unterschied zwischen den beiden Messungen würde entstehen, wenn Ihr Grundstück sich in den vier Wochen gehoben oder abgesenkt hat. Das können sie messen (siehe GPS – Wöppelmann) und herauskorrigieren – je nachdem was Sie interessiert, der Wasserstand relativ zu ihrer Küste (der Poolkante) oder zur Umlaufbahn.

    Aber für beide Messungen brauchen Sie nicht die absolute Höhe Ihres Grundstücks über Normalnull oder über dem Mittelpunkt der Erde zu kennen. Stefan Rahmstorf]

  9. Sedimente

    Da der geologische Untergrund sich in dieser Zeit nicht ändert

    Wie sieht es denn da mit Sedimenten aus, die da weltweit in wohl nicht zu unterschätzenden Mengen eingebracht werden ?

    [Antwort: Über Jahrmillionen signifikant, über ein Jahrhundert vernachlässigbar. Stefan Rahmstorf]

  10. Satellitendaten & Jevrejeva et al. Pegel

    *[Antwort: Die TOPEX/Poseidon Daten zeige ich oben, allerdings bis Ende 2008, nicht nur bis 2000.]*

    Werfe ich einen Blick auf die Seite der Satellitendaten

    http://sealevel.colorado.edu/

    , so zeigt sich in den Satellitendaten ab 2006 keinen wesentlicher Anstieg mehr. Der Anstieg nach 2000 hat sich eher abgeflacht.

    Aus den gezeigten Satellitendaten (die auf der Seite auch als Tabelle ausgegeben werden können) errechne ich folgende Trends:

    1992-2000: 3,10 mm pro Jahr

    2000-2008: 2,96 mm pro Jahr

    Jevrejeva, Grinsted, Moore und Holgate 2006 kommen weiter zu folgendem Ergebnis, bzgl. der aus Pegeldaten zwischen 1807-2002 ermittelten Anstiegsraten. Unterer Teil der Abbildung 5.

    http://i307.photobucket.com/…-et-al-Sep-2006.jpg

    Der Pegel steigt heute nicht schneller als es um 1950 der Fall war.

    *[Antwort: Über die Vor- und Nachteile verschiedener Datenreihen lässt sich trefflich streiten, dafür ist die Fachliteratur der richtige Ort. Der von Ihnen oben zitierte Abstract beginnt mit dem Satz: „Nine long and nearly continuous sea level records were chosen from around the world to explore rates of change in sea level for 1904–2003.“ D.h., die Rede ist hier nur von 9 Küstenpegeln, was m.E. keine zuverlässige Abbildung des globalen Meeresspiegels ermöglicht. Die IPCC-Autoren haben sich nicht ohne Grund für die Reihe von Church & White entschieden. Stefan Rahmstorf]*

    Nun, die Veröffentlichung von Jevrejeva et al. ist neuerem Datums und arbeitet mit gleicher Pegelzahl wie Church & White. (PSMSL).

    Es kommt also darauf an, auf welchen Zeitabschnitt und welchen Datensatz Sie sich beziehen. Das Anstiegsverhalten zwischen 1993-2002 ist weder außergewöhnlich noch einmalig, wie die Arbeit von Jevrejeva et al. zeigt. Auch die Satellitendaten nach 2000 zeigen keinen beschleunigten Anstieg. Das Gegenteil ist der Fall.

    Welcher Zeitraum ist klimatisch relevant?

    Aus welchem Grund gehen Sie von einem beschleunigten Anstieg aus?

    [Antwort: Auf der von Ihnen genannten und von mir oben im Artikel verlinkten Website finden Sie die gleichen Satellitendaten von TOPEX/Poseidon wie von mir oben gezeigt, nur von der US-Gruppe ausgewertet, nicht von den Franzosen. Zwischen diesen beiden gibt es aber keinen signifikanten Unterschied. Aufpassen müssen Sie nur, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen – vor allem was die GIA-Korrektur angeht (post-glaziale Landabsenkung). Auf der Website finden Sie die Daten mit und ohne diese Korrektur. Mit dieser Korrektur ist der Trend seit Beginn der Satellitendaten 1993 3.4 mm/Jahr und damit steiler als in jedem anderen 15-jährigen oder längeren Zeitraum. Auch Jevrejeva et al. zeigen nirgends einen vergleichbar steilen Trend in den Daten der Vergangenheit; in den 1950 Jahren liegt er kurzfristig einmal bei maximal 2.5 mm/Jahr.

    Was die Beschleunigung angeht – zeichnen Sie mal einen linearen Trend in meine erste Abbildung oben ein – das wäre ohne Beschleunigung. Im Vergleich dazu werden Sie sehen, dass der Anstieg in der ersten Hälfte der Zeitreihe deutlich flacher verläuft, in der zweiten steiler. Man braucht dazu keine komplizierte Statistik, sondern sieht es schon deutlich mit dem Auge.

    Übrigens hat das Paper von Jefrejeva et al. 2008 schon die „recent global sea level acceleration“ im Titel und folgert: „Sea level rose by 6 cm during the 19th century and 19 cm in the 20th century.“ Ich kenne Frau Jevrejeva und weiß, dass sie meine Sorge über den sich beschleunigenden Meeresspiegelanstieg teilt. Stefan Rahmstorf]

  11. Doch keine Beschleunigung des Anstiegs?
    Sehr geehrter Herr Rahmstorf

    http://sealevel.colorado.edu/documents.php
    http://sealevel.colorado.edu/current/sl_ib_ns_global.txt
    …haben mir die Datenquelle für die folgenden Steigerungsraten der Regressionsgeraden geliefert (Meeresspiegelanstieg in mm/Jahr):

    1993-2009: 3.26
    1993-2000: 3.15
    2001-2009: 2.76
    2004-2009: 2.15
    2005-2009: 1.73
    2006-2009: 2.12
    2007-2009: 3.69

    2-Jahres-Zyklen à la Bjorn Lomberg mit negativen Trends enden in den La Nina-Jahren 2000 und 2008, wennn ich dies richtig sehe.

    1) Heisst dies dass die Gletscherschmelze gegenüber der Wärmeausdehnung der Meere eine untergeordnete Rolle spielt?
    2) Könnte sich der Meeresspiegelanstieg für die nächsten 20 Jahren verlangsamen?

    Mit freundlichen Grüssen

    Markus M.

  12. Korrekturen

    *Aufpassen müssen Sie nur, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen*

    Da liegt in der Tat ein Problem vor. Die Pegelstandsmessungen finden idR an der Küste statt, während die Satelliten über den Globus messen. Das führt zu Abweichungen. Hier kann man nicht ohne Weiteres die Daten vergleichen und aneinanderfügen.

    *vor allem was die GIA-Korrektur angeht (post-glaziale Landabsenkung). Auf der Website finden Sie die Daten mit und ohne diese Korrektur. Mit dieser Korrektur ist der Trend seit Beginn der Satellitendaten 1993 3.4 mm/Jahr und damit steiler als in jedem anderen 15-jährigen oder längeren Zeitraum.*

    Nehme ich den Trend 1986-2000 aus dem Datensatz von Church & White, welchen Sie in Ihrer Abbildung zeigen, so erhalte ich 3,3 mm/Jahr. Innerhalb der Fehlergrenzen stimmt das mit den Satellitendaten von 1993-2008 gut überein.

    *Übrigens hat das Paper von Jefrejeva et al. 2008 schon*

    Genau dieses Paper zeigt, dass der Anstieg um 1950 ähnlich groß war wie der heutige, mit einer Rate von deutlich über 3mm/Jahr.

    http://i307.photobucket.com/…-et-al-Apr-2008.jpg

    http://www.glaciology.net/…df.pdf?attredirects=0

    Gehe ich nach Holgate 2007, so verlangsamt sich der Anstieg in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sogar.

    http://www.co2science.org/…olgateSeaLevelbig.gif

  13. Nachfrage

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Nicht nur die zuvor genannten Veröffentlichungen von Jefrejeva und Holgate verwirren mich ein wenig, sondern such diese hier:

    A Search for Scale in Sea-Level Studies
    Curtis E. Larsen and Inga Clark
    Journal of Coastal Research, July 2006

    http://www.geogr.ku.dk/…stuarin/Larsen+Clark.pdf

    Hier wird gezeigt, dass der Meeresspiegelanstieg in keinem Zusammenhang mit dem CO2-Anstieg und der globalen Erwärmung (Hockeystick) zu stehen scheint.

    [Antwort: Danke für den Literaturhinweis! Diese Autoren haben in den (spärlichen) Meeresspiegeldaten vor Beginn der instrumentellen Messungen im 19. Jh. nach einem ähnlichen Zusammenhang mit der Temperatur gesucht, wie ich ihn 2007 in meinem Science-Artikel für den Zeitraum ab 1880 aufgezeigt habe. Wir arbeiten gerade an einer neuen Publikation zu genau diesem Thema – Ergebnis werde ich allerdings hier noch nicht verraten. Stefan Rahmstorf]

  14. Konsens?

    Offenbar sind sich die Wissenschaftler in Bezug auf den Meeresspiegelanstieg doch nicht so einig wie hier im Blog dargestellt:

    http://www.telegraph.co.uk/…t-lie-ever-told.html

    Wenn das stimmen sollte besteht erheblicher Erklärungsbedarf seitens der IPCC-Wissenschaftler. Immerhin bezahlen wir über Steuern und überhöhte Energiepreise seit Jahren Milliarden um den Meeresspiegelanstieg zu verringern (CO2-Emissionshandel, Klimakonferenzen usw.). Wenn diese Gelder für ein nichtexistentes Problem ausgegeben wurden, darf auch mal die Frage nach der Haftung und Regressansprüche gestellt werden.

    Ich bin persönlich dafür, den Verbrauch fossiler Energien drastisch zu verringern, der Abholzung von Regenwäldern Einhalt zu gebieten und durch intelligente Maßnahmen die weltweite Landwirtschaft auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen und dafür viel Geld auszugeben. Leider ist es so, dass diese Gelder fast ausschließlich für den „Kampf gegen das CO2“ verwendet werden und sinnvolle Maßnahmen aus Kapitalmangel zurückgestellt werden.

    [Antwort: Lieber Herr Binikowski, wie so oft haben Sie hier die freie Wahl, ob sie der normalen Wissenschaft glauben wollen oder lieber einem pensionierten Exzentriker. Lesen Sie mal bei Wikipedia oder desmogblog zu Mörner nach, vielleicht hilft es bei der Entscheidung? Stefan Rahmstorf]

  15. Mörner

    Herr Rahmstorf
    Sie verweisen in Ihrter Antwort an Jochen Binikowski auf Desmoblog. Dort steht unter anderem, Mörner hat 65+ Artikel insbesondere über Erdbeben veröffentlicht

    http://scholar.google.com/…er%22&btnG=Search

    Offenbart da ber etwas ganz anderes, wovon Sie sich natürlich gern selbsr überzeugen können.

    [Antwort: Sicher ist es für Laien manchmal nicht ganz einfach, die Seriösität von Artikeln zu beurteilen. Der Gesunde Menschenverstand hilft aber oft weiter. Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass ein Artikel mit dem Titel „Der Meeresspiegelanstieg ist die größte Lüge aller Zeiten“ seriöser Journalismus ist? Ich werde dies hier nicht weiter diskutieren; aber Sie können sich drüben bei den scienceblogs beteiligen, wenn der Artikel sie tatsächlich interessiert. Stefan Rahmstorf]

  16. Mörner 2.1

    Herr Rahmstorf,
    ich kann nicht finden, daß ich auf dieses Interview im Telegraph Bezug genommen habe, wie Sie es mir, warum auch immer, vorwerfen.
    Unter dem Link zu scholar.google.com ist er nicht zu finden, aber dafür seit den 70iger Jahren Veröffentlichungen und Zitate über den Meeresspiegel. Wenn hier im Blog über den Meeresspiegel und dessen möglicher Anstieg gesprochen wird, denke ich doch schon, daß man auf Fachleute und -artikel verweisen darf.
    Wie kommt es zu diesen unterschidlichen Meinungen und Ansichten zu einem meßbaren Phänomen ?
    Da muß es doch eine sinnvolle Erklärung geben. Es wäre sehr schön, wenn Sie die hier darlegen könnten, damit sich ein Lsie wirklich mal ein Bild machen kann.
    Vielen Dank im voraus dafür.

    [Antwort: Sorry, die Diskussion über Herrn Mörner kam ja durch den von Herrn Binikowski verlinkten Telegraph-Artikel auf. Welche Fachpublikation und welche konkrete Aussage daraus wollten Sie denn zur Diskussion stellen? Stefan Rahmstorf]

  17. Mörner 3

    Herr Rahmstorf, nehemen wir zum Anfang doch einfach mal dieses Beispiel:

    Satellite altimetry indicates virtually no changes in the last decade. Therefore,observationally based predictions of future sealevel in the year 2100 will give avalue of +10 +- 10cm(or +5 +- 15cm) ,by this discarding model outputs by IPCC as well as global loading models. This implies that there is no fear of any assive future flooding as claimed in most global warming scenarios.

    © 2003 Elsevier B.V. All rights reserved.

    http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0921818103000973

    Zu den Malediven, z.B. gibt es auch Bobachtungen, die nicht für einen rasanten Anstieg sprechen:
    The sea level fall in the 1970s to early 1980s is of special interest. It opens quite new perspectives and hence calls for further discussion. In the IPCC scenarios, the Maldives were condemned to disappear in the sea in the near future (e.g. Hoffman et al.,1983; IPCC,2001). Ourdocumentation of actual field evidence contradicts this hypothesis.

    http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0921818103001085

    Mörner gibt auch noch eine Vermutung wieder, wie es zu diesem fallenden Level kommen könnte.

    [Antwort: Lieber Herr Vogel, Herr Mörner behauptet (wie von Ihnen eingangs zitiert) einfach, die Satellitendaten würden keinen Anstieg des Meeresspiegels zeigen. Dies beruht auf groben Fehlern und wurde von den Fernerkundungsexperten, die diese Daten auswerten, umgehend in der Fachliteratur zurückgewiesen. Zitat:

    „We feel compelled to respond to the recent article by Mörner (2004) because he makes several major errors in his analysis, and as a result completely misinterprets the record of sea level change from the TOPEX/Poseidon (T/P) satellite altimeter mission. One major criticism we have with the paper is that Mörner does not include a single reference to any altimeter study, all of which refute his claim that there is no apparent change in global mean sea level (GMSL). The consensus of all other researchers looking at the T/P and Jason data is that GMSL has been rising at a rate of 3.0 mm/year (Fig. 1) over the last 13 years (3.3 mm/year when corrected for the effects of glacial isostatic adjustment).“

    Neben dem (von mir oben gezeigten) globalen Trend zeigen sowohl die Satellitendaten als auch die Pegeldaten starke regionale Schwankungen; so ist der Meeresspiegel um die Malediven herum gesunken (siehe IPCC Abb. 5.15a und 5.16a). Das bedeutet übrigens nicht, dass er dort künftig weiter sinken wird, denn der globale Anstieg wird sich auf Dauer gegen solche regionalen Schwankungen durchsetzen.

    Ihr Beispiel zeigt sehr schön die Struktur solcher „Skeptikerdebatten“ im Internet. Jährlich werden über 10,000 Fachartikel zum Klima publiziert; naturgemäß ist da auch manches Falsche dabei, wie Mörners Behauptung, dass die Satelliten keinen Anstieg des Meeresspiegels zeigen. In Fachkreisen hat soetwas keinerlei Wirkung, da Fachleute die methodische Qualität der Publikationen einschätzen können. Die Skeptikerwebsites fischen aber immer wieder solche Artikel heraus und propagieren sie, nicht weil sie methodisch solide wären, sondern einfach weil sie gerade gelegen kommen, um bei Laien Zweifel an bestens belegten Fakten wie dem Meeresspiegelanstieg zu sähen. Stefan Rahmstorf]

  18. Wirklich beschleunigter Anstieg?

    Sehr geehrter Professor Rahmstorf,

    Ich kann Ihre Argumentation, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt nicht ganz nachvollziehen. Sie schreiben, eine Beschleunigung des Anstiegs stünde außer Frage. Als Begründung geben Sie an, dass die Satellitendaten einen Anstieg von 3,4 ± 0,4 cm ausweisen. Glaubt man den Daten der University of Colorado, beträgt dieser bis Ende 2008 3,2 ± 0,4 mm, und hat sich in jüngster Zeit (ab 2005) eher verlangsamt.

    Und betrachte ich die von Ihnen präsentierte Kurve so kann ich auch da bei aller Anstrengung keine deutliche Beschleunigung ausmachen. Für mich gliedert sich die Kurve in Abschnitte stärkeren und weniger stärkeren Anstiegs. Es sieht also mehr nach einem Zyklischen Verlauf aus.

    1880 bis 1925 2,4 cm = 0,06 cm/Jahr
    1925 bis 1950 6,3 cm = 0,25 cm/Jahr
    1950 bis 1985 4,5 cm = 0,13 cm/Jahr
    1985 bis 2005 6,3 cm = 0,32 cm/Jahr

    Und ab 2005 flacht die Kurve, wie man in der detaillierteren Ansicht der Grafik auf der Homepage der University of Colorado sehen kann eher wieder ab.

    Aber allein anhand der von Ihnen gezeigten Grafik belastbare Aussagen zu treffen ist kaum möglich. Sind die Daten die dieser Kurve zugrunde liegen irgendwo zugänglich, damit ich mir einmal ein besseres Bild machen kann?

    Im weiteren verstehe ich nicht, warum Sie die Aussage von Herrn Lomborg so angreifen. In der Sache hat der Mann doch Recht. seit 2005 hat sich der Anstieg des Meeresspiegels doch deutlich verlangsamt. Natürlich kann man aus einem so kurzen Zeitraum keinen Trend herleiten. Aber genauso wenig seriös wirkt es auf mich, wenn man einen Trend von 1993-2008 mit dem Jahrhundert davor vergleicht (zumal die Werte ja mit völlig unterschiedlichen Verfahren ermittelt wurden) und daraus auf eine Beschleunigung schließt. Was macht Sie so sicher, dass wir uns momentan nicht wieder in einem „Entschleunigungs-Zyklus“ befinden. Zumal die globalen Temperaturdaten und die momentan sinkenden Wassertemperaturen ja auch für diese These sprechen könnten?

    Mit freundlichen Grüßen
    Rudolf Kipp

    P.S.: Die von Ihnen gezeigte Darstellung der Satellitendaten macht ab ca. 2005 einen „Haken“ nach oben. Können Sie erklären, wie dieser zustande kommt? Gerade ab diesem Zeitpunkt wird doch ein starkes Abflachen der Kurve beobachtet.

    [Antwort: Eine detailliertere Analyse, wie die Rate des Meeresspiegelanstiegs sich mit der Zeit verändert und wie sie mit dem Anstieg der Temperatur korreliert, finden Sie in meinem Science-Aufsatz von 2007 (oben verlinkt). Fazit: je wärmer es wird, desto rascher steigt der Meeresspiegel; dieser Zusammenhang ist statistisch hoch signifikant.

    Ich denke die Kritik an Lomborg ist klar: er pickt sich einfach ein kurzes Kurvenstück mit geringem Anstieg heraus. Bei den Daten bis 2007 waren das „die letzten zwei Jahre“. Als die Daten bis 2008 da waren, war der Trend der letzten zwei Jahre aufeinmal überdurchschnittlich steil nach oben, da nimmt Lomborg dann lieber einfach die letzten vier Jahre. Die Aussagekraft solcher statistischer Spielchen ist gleich null. Stefan Rahmstorf]

  19. Anstieg des Meeresspiegel

    Wir leben auf den Philippinen. Wir haben im Süden ein Haus. Das Regenwasser versickert kaum noch, um wieviel wird der Meeresspiegel ansteigen, wenn alles Eis abschmilzt? gibt es da Berechnungen?
    Im Bereich Äquator wird doch durch die Fliehkraft der Anstieg erheblicher sein als an den Polkappen?

    Mein Skypename wolfdieterhaag@Skype.de

  20. Diese Sache mit der „Kartoffel“

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    das mit der Kartoffel verstehe ich noch nicht ganz.

    Sie sagen ja, dass man mit den Satteliten der Meeresspiegel gemessen wird – also die Entfernung Sattelit zu Meeresoberfläche um so den Anstieg zu messen. Die Frage die sich mir da stellt ist doch, ob der Meeresspiegel nicht vielleicht ansteigt, weil irgendwo im Ozean sich die Dichte ändert. D. h. der Meeresspiegel sinkt ja an dieser Stelle ab und das Wasser muss ja irgendwo hin, oder nicht?

    Weil das hätte dann ja nichts mit Co2 oder Klimawandel etc. zu tun?!

  21. !Rückkoppelung durch Wolken

    Wie kann sich eine Rückkoppelung durch Wolken auf CO2 auswirken, wenn die Wolken
    doch nur stark vermindert die Sonnenstrahlen durchlassen. Was auf der Erde nicht ankommt kann auch nicht verstärkt werden.

  22. Thermische Meeresausdehnung über Luft?

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf
    In vielen Szenarien des AGW`s wird auch immer, wie hier, über die thermische Ausdehnung der Ozeane geschrieben.
    Wie aoll man sich das ganz praktisch vorstellen , ohne sämtliche physikalischen Gesetze zu verletzen? Schon Joule wusste , um die selbe Menge Wasser, gegenüber Luft, um den selben Temperaturgradienten zu erhöhen, braucht man die 4000 fache Energie. Mit Luft kann man kein Wasser ( vorallem rein über die Oberfläche) erwärmen. Eine höhere Verdunstung würde zu mehr Abkühlung sorgen.
    Bei Eis liegt es ähnlich , laut Joule.
    Da man aber nun diese Daten hat, Eisschmelze , Meertemperaturerhöhung bis in 3000m Tiefe , Gletscherschwund , Permafrostauftauen von Sibirien bis in die Alpen( auch wieder bis tief ins Gebirge) – wer irrt denn da nun ? Müssen die physikalischen Gesetze neu geschrieben werden ? Die sagen bisher – mit einer 3 °Grad Lufttemperaturerhöhung könnte man nicht einmal 1mm Ozeanoberfläche um 1 Grad erhöhen.

    [Antwort: Natürlich werden keine Gesetze der Physik verletzt. Die Wärme kommt nicht aus der Luft sondern aus der Strahlungsbilanz. Ist z.B. in meinem Buch Wolken, Wind & Wetter laienverständlich erklärt. Stefan Rahmstorf]

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