Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?

Im Pariser Abkommen wurde, bildlich gesprochen, die Rettung der Welt vereinbart. Aber geht das überhaupt noch, und wie?

Zunächst: was heißt hier die Erwärmung „rechtzeitig“ stoppen? Darüber kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein – für die Rettung vieler Korallenriffe zum Beispiel ist es leider bereits zu spät, die Meere haben sich schon zu stark erwärmt. Aber um diese Debatte soll es hier nicht gehen, sondern um den Haltepunkt, auf den fast alle Staaten der Erde sich 2015 im Pariser Abkommen geeinigt haben: deutlich unter 2 °C, möglichst bei 1,5 °C. Gut 1 °C globaler Erwärmung haben wir bereits hinter uns. Das Ziel von Paris ist wissenschaftlich gut begründet und sinnvoll – aber ist  es überhaupt noch erreichbar?

Dazu muss man zunächst eines wissen: das Temperaturniveau, auf dem die globale Erwärmung später zum Halten kommt, ist in guter Näherung proportional zu den kumulativen CO2-Emissionen – also zu der Gesamtmenge von seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßenem CO2 (Abb. 1).

Abb. 1 Zusammenhang von kumulativen CO2-Emissionen und globaler Erwärmung. Die Zahlen an den „Blasen“ geben die in den verschiedenen Szenarien erreichte CO2-Konzentration in der Atmosphäre an. Die auf der vertikalen Achse angegebene Temperatur gilt zu dem Zeitpunkt, an dem die auf der horizontalen Achse angegebene Emissionsmenge erreicht wird. Das heißt: die noch folgende weitere Erwärmung allein aufgrund der thermischen Trägheit im System ist hier noch nicht einkalkuliert. Quelle: IPCC Synthesebericht (2014).

Daraus folgt: um die globale Erwärmung zu stoppen, müssen Nullemissionen erreicht werden! Je rascher wir das erreichen, desto weniger Erwärmung. Zu einer bestimmten globalen Erwärmung gehört also ein bestimmtes, noch verbleibendes Emissionsbudget. (Diesen Budgetansatz hat der Wissenschaftliche Beirat globale Umweltveränderungen im Jahr 2009 in einem Gutachten durchdekliniert, dessen Koautor ich bin.) Soweit so klar und unumstritten.

Die zentrale Frage ist dann: wie groß ist das Emissionsbudget, mit dem die Ziele des Pariser Abkommens noch eingehalten werden? Da das Pariser Ziel eine Spanne ist und es dazu auch einen wissenschaftlichen Unsicherheitsbereich gibt, gibt es nicht die eine, korrekte Zahl für dieses Budget. Eine ausführliche Diskussion der Methodik und Unsicherheiten findet man in einem aktuellen Artikel des Kollegen Glen Peters vom norwegischen Klimaforschungszentrum Cicero.

Wenn wir den Zielbereich von Paris definieren als irgendwo zwischen einer 50-prozentigen Chance auf 1,5 °C und einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit, unter den 2 °C zu bleiben, dann liegt das Budget demnach im Bereich 150 bis 1050 Milliarden Tonnen (Gigatonnen, Gt) CO2 (insgesamt, also aus fossilen Quellen, Zementherstellung und Landnutzung). Der untere Teil dieser Spanne ist praktisch unerreichbar: wir emittieren derzeit 39 Gt pro Jahr, sodass die 150 Gt bei konstanten Emissionen keine vier Jahre mehr reichen. Im oberen Bereich dieser Spanne laufen wir signifikante Gefahr, sogar die 2-Grad-Grenze zu überschreiten – da könnten wir also nur noch mit viel Glück „deutlich unter 2 Grad“ bleiben.

Nehmen wir also einmal die Mitte dieser Spanne: ein Budget von 600 Gt. Das sieht dann so aus wie in Abb. 2 gezeigt.

Abb. 2 Exemplarische Emissionspfade mit einem Gesamtausstoß von jeweils 600 Gt CO2, aber unterschiedlichen Jahren, in denen der Wendepunkt erreicht wird. Gestrichelt: ein Beispiel mit 800 Gt CO2-Ausstoß. Grafik: Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0.

Das zeigt: selbst dieses Budget ist sehr knapp. Seine Einhaltung erfordert praktisch die sofortige globale Emissionswende (grüne Kurve), spätestens aber bis 2020 (blaue Kurve). Kommt die Wende erst 2025, dann stehen wir vor einem Abgrund: Absturz auf Nullemission innerhalb von zehn Jahren.

Seien wir großzügig und optimistisch und erlauben uns noch 800 Gt statt 600 Gt: die gestrichelte Linie zeigt, dass wir selbst dann (bei Überschreiten des Emissionsgipfels im Jahr 2020) noch vor 2050 bei Nullemissionen landen müssen. Jede zusätzliche Emission muss durch negative Emissionen ausgeglichen werden, die vor allem im Bereich Landnutzung und Bioenergie möglich werden sollen: durch verbesserte Kohlenstoffspeicherung in den Böden und durch die Nutzung von Bioenergie (die Pflanzen entziehen durch Photosynthese der Atmosphäre CO2) mit Abscheidung und langfristiger Einlagerung des Kohlenstoffs. Darauf, dass dies in großem Umfang möglich wird, würde ich nicht bauen.

Einen Fahrplan, wie die notwendige Dekarbonisierung der Wirtschaft bis 2050 erreicht werden kann, haben Johann Rockström und Kollegen (einschließlich des PIK-Direktors Schellnhuber) kürzlich in Science skizziert. Sie bringen das auf die einfache Formel („carbon law“): ab 2020 müssen die fossilen Emissionen jedes Jahrzehnt halbiert werden. An dieser Faustformel kann jedes Land, jede Firma, jeder Haushalt seinen Fortschritt messen. Der sehr lesenswerte Aufsatz benennt eine Reihe von konkreten Maßnahmen, unter anderem:

  • Subventionen für fossile Energie (derzeit 500-600 Milliarden Dollar pro Jahr!) bis 2020 beenden
  • Mindestpreis für CO2-Emission von über 50 Dollar pro Tonne CO2
  • Spätestens ab 2030 keine Zulassung von Verbrennungsmotoren mehr (wie bereits letztes Jahr vom deutschen Bundesrat empfohlen)
  • Reiche, kohle-intensive Staaten müssen beim Kohleausstieg vorangehen
  • Sofortiges Moratorium neuer Kohlekraftwerke
  • Anteil der Erneuerbaren alle 5-7 Jahre verdoppeln, wie bereits in den letzten Jahrzehnten (damit landen wir zwischen 2040 und 2050 bei 100% Erneuerbaren)

Abb. 3 Emissionsminderungspfad nach Rockström und Kollegen. Neben die Halbierung der fossilen Emissionen in jedem Jahrzehnt (rot) tritt das Ende der Abholzung von Wald (grau) sowie der Beginn der aktiven Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre (blau). Quelle: Rockström et al. (Science 2017).

Die Klimadiplomatin Christiana Figueres, treibende Kraft hinter dem Pariser Abkommen, stößt in ein ähnliches Horn. Sie hat gestern in London die Mission 2020 vorgestellt, mit 6 Meilensteinen in den Bereichen Energie, Verkehr, Industrie, Infrastruktur, Landnutzung und Finanzen. Der dazu veröffentlichte Report führt diese Themen näher aus (mit einem Vorwort von meinem Kollegen Anders Levermann und mir). Hier der humorige Video-Trailer zu der Initiative (wer erkennt alle zitierten Filmklassiker?):

Für Menschen, die sich noch wenig mit der Klimakrise befasst haben, dürften diese Überlegungen radikal klingen. Sie sind aber keine akademischen Gedankenspiele aus dem Elfenbeinturm. Vielmehr sind dies logische Folgerungen aus dem völkerrechtlich verbindlichen Pariser Abkommen, das praktisch alle Staaten unterzeichnet haben, nachdem die Weltgemeinschaft die globale Erwärmung jahrzehntelang in allen Aspekten gründlich durchdiskutiert hat. Es geht dabei auch nicht um Umweltschutz; auf dem Spiel steht vielmehr der Fortbestand der menschlichen Zivilisation.

Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, der weiß auch, dass die Transformation immer rascher Fahrt aufnimmt. Nur einige Beispiele von Meldungen aus den letzten Wochen:

Erste Erfolge zeigen sich bereits in den globalen Emissionen: seit drei Jahren ist der globale CO2-Ausstoß nicht mehr gestiegen, trotz jährlich über 3% Wirtschaftswachstum, wie die folgende Grafik zeigt. Der Kampf gegen eine verheerende Destabilisierung des Weltklimas ist noch lange nicht gewonnen – aber auch noch nicht verloren.

Abb. 4 Jährlicher weltweiter CO2-Ausstoß. (Hier ist nur der Ausstoß aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe gezeigt, während in Abb. 1 der gesamte Ausstoß einschließlich der Entwaldung abgeschätzt ist.) Quelle: International Energy Agency IEA.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

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  1. Jedes Jahrzehnt die CO2-Emissionen halbieren wäre für die Industriestaaten ökonomisch und technisch knapp möglich, kaum aber für die Schwellen- und Entwicklungsländer welche darauf angewiesen sind die Gegebenheiten ihrer nationalen Ökonomie zu nutzen um möglichst schnell zu wachsen. Indien beispielsweise ist gleich stark auf Kohle als Energieträger eingestellt wie bis vor kurzem China. Selbst wenn Indien die Hälfte seines Zuwachses ( und einen solchen Zuwachs wird es auf jeden Fall geben) mit Erneuerbaren bewältigt, bleibt die andere, fossile Hälfte, die bei der Grössenordnung von Indien bereits genügt um schon bald die CO2-Emissionen Europas zu erreichen und dann zu überschreiten. Afrika wiederum ist sehr uneinheitlich, hat aber mit Südafrika und Nigeria ebenfalls zwei fossile Schwergewichte, wobei Nigeria die Energiebedürfnisse seiner stark wachsenden Bevölkerung wohl zu einem wichtigen Teil mit fossilen Energieträgern befriedigen wird.
    Afrika insgesamt hätte aber ideale Voraussetzungen um seine Energie allein mit Sonne, Wind und Wasserkraft zu decken, vor allem wenn es die nötigen Transmissionslinien bauen würde um den Strom aus seinen Megawasserkraftwerken zu den eventuell weit enfernten Verbrauchern (den schnell wachsenden afrikanischen Städten) zu transportieren. Doch wie gesagt bestimmen eher nationale Gegebenheiten die Entwicklung der Energieversorgung als dass das überregionale Überlegungen tun.

    • Ich finde es unerträglich, wenn Länder mit stark unterschiedlichen Bevölkerungszahlen mit absoluten Emissionswerten verglichen werden. Ist es für Sie tatsächlich verwunderlich, dass ein Land wie Indien (1,1 Mrd. Menschen) demnächst die gleiche Emissionen haben könnte, wie 500 Mio Europäer ?

      Der schlimmere Faktor ist für mich die unverschämt hohe Emission der westlichen Industriestaaten !

      Jeder Mensch hat von Geburt an die gleichen Rechte (Menschenrechte) und damit auch das gleiche Recht auf CO2-Emission !

      Also nicht auf Indien, China oder Afrika schimpfen und diese argwöhnisch beäugen, sondern sich selbst an der Nase packen und eingestehen, dass WIR für die aktuelle Situation verantwortlich sind und daher radikal umkehren müssen.

      Forderungen dürfen wir nur an diejenigen stellen, die eine höhere Prokopf-Emission ausweisen als wir. Und dann müssen wir noch froh sein, wenn uns nicht auch noch die historischen Emissionen angerechnet werden !

      • Volle Zustimmung zu (Zitat)Ich finde es unerträglich, wenn Länder mit stark unterschiedlichen Bevölkerungszahlen mit absoluten Emissionswerten verglichen werden.
        Aber das ist ja genau der Grund warum ich nicht daran glaube, dass die Welt das 2 Grad-Celsius Ziel einhalten kann. Denn weit mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und diese Länder nutzen alles was es nur gibt um sich zu entwickeln und der Armut zu entrinnen.

        Sie schreiben weiter unten:Also nicht auf Indien, China oder Afrika schimpfen und diese argwöhnisch beäugen, sondern sich selbst an der Nase packen und eingestehen, dass WIR für die aktuelle Situation verantwortlich sind und daher radikal umkehren müssen.
        Doch ich schimpfe nicht auf Indien, China oder Afrika, sondern ich erwähne diese Länger und Kontinente überhaupt. Die von Stefan Rahmstorf vorgestellte Aktionsliste richtet sich erkenntlich nur an die westlichen Länder und China. Dort werden Schweden, die EU und China erwähnt. Meiner Ansicht nach entscheidet sich das 2 Grad Celsius Ziel aber höchstens zur Hälfte am Verhalten der industrialisierten Länder und am Verhalten von China. Es entscheidet sich auch an der Hälfte der Menschheit, die sich erst entwickeln will. Und für diese Hälfte der Menschheit hat Entwicklung die erste Priorität und nicht der Klimaschutz. Es stimmt zwar, wie andere Kommentatoren hier geschrieben haben, dass die Entwicklungsländer heute nur wenig Treibhausgase emittieren. Doch das wird sich in den nächsten 30 Jahren stark ändern. Wer glaubt, die Entwicklungsländer könnten von Anfang an voll auf Erneuerbare setzen und müssten gar nicht unserem Entwicklungspfad folgen, der überschätzt die Möglichkeiten der Erneuerbaren. Sogar gestandene Industrieländer wie Deutschland kämpfen mit den Herausforderungen an das Energiesystem, das durch Solar- und Windstrom entsteht. Die meisten Entwicklungsländer sind davon überfordert.

        • Da in den Entwicklungsländern die dörflichen, dezentralisierte Gemeinschaft und Strukturen bei weitem überwiegen, ließe sich dort durch Hilfe der internationalen Gemeinschaft eine Entwicklung in Richtung menschenwürdiges Leben sicherlich in Gang setzen. Das würde der befürchteten Entwicklung nicht nur die Spitze nehmen.
          Eine Schwerindustrie ist dadurch natürlich nicht zu etablieren.

  2. Die Industrieländer wären technisch und ökonomisch in der Lage die CO2-Emissionen in den nächsten 10 Jahren zu halbieren. Doch das ist nicht ihr Plan. Deutschland beispielsweise wird in 10 Jahren höchstens einige wenige Prozent weniger CO2 ausstossen, denn 1) steigt es aus der Kernenergie aus und 2) hat es Pläne zum massiven Ausbau der Windenergie auf die Zeit nach 2030 verlegt wie der SPON-Artikel Firmen planen künstliche Insel für Windkraft zeigt. Dort wird über den geplanten Zubau von bis zu 100 Gigawatt Offshore-Windkraft auf der Dogger Bank (samt künstlicher Insel, Zitat:Nach Einschätzung von Energinet.dk wäre es möglich, die erste Insel bis etwa 2035 fertigzustellen.) berichtet – allerdings erst für das Jahr 2035. Nach den obigen Ausführungen aber müsste Deutschland den grossen Ausbau seiner Erneuerbaren Energieversorgung deutlich vor dem Jahr 2015 angehen.

  3. Verehrter Prof. Rahmstorf,
    seit Jahren verwende ich die alte PIK-Kurven-Schaar aus dem Report 116, um die Schifffahrt vom Schweröl weg zu bewegen und Frachtsegelschiffe asap zu betreiben.
    Danke für diese neue Kurvenschaar, welche auf den G-20 Gipfel gehört-inkl. der Forderung an die Reeder der Welt, umgehend zu handeln.
    Diese neue Arbeit von Ihnen wird wohl das KanzlerAmt erreichen und Wirkung zeigen.
    Besten Gruß,
    Heinz Otto,

  4. Danke für diesen guten Artikel!

    Ich halte es für absolut unrealistisch, dass die Welt einen Emissionspfad kompatibel mit sogar einem 1000 Gt CO2 Ziel einhält. Selbst bei Deutschlands Anteil zu so einem Pfad wäre ich mir da keinesfalls sicher. Mit Sicherheit erforderte ein ambitionierter CO2-Pfad einen sehr entschlossenen politischen Willen, der auch bei uns nicht vorhanden ist. Von den USA, Russland und der Mehrzahl aller Länder – mit gravierenden, stärker als der Klimawandel in der Bevölkerung wahrgenommenen Problemen, obwohl diese teils mit AGW zusammenhängen – gar nicht zu reden. Indiz bzgl. DE: Die Grünen, am ehesten für engagierte Klimapolitik stehend, befinden sich auf einem Zustimmungs-Tief und selbst diese Partei rückt Klimapolitik auch nicht stark in den Vordergrund. Offenbar erwartet die Partei nicht, dass das die Bürger als Leitthema eines Wahlkampfes begeistert.

    Der letzte Teil Ihres Artikels bringt zwar einige ermutigende Fakten, aber die verbleibenden Herausforderungen wie die schieren benötigten Investitionsvolumen (auch in Ressourcen), Stromtrassen, Energiespeicher und die Dekarbonisierung von Heizung und Verkehr verhindern meines Erachtens jeden der gezeigten Minderungspfade. Ich vermute eher, erst wenn Katastrophen richtig einschlagen (Küstenstadtüberflutungen, eindeutig nie dagewesene Probleme der Landwirtschaft, Meere kippen um) würde man so entschlossen handeln wie zu irgendeinem Pfad in Abb. 1 benötigt.

    • Wizzy,
      “ Ich vermute eher, erst wenn Katastrophen richtig einschlagen (Küstenstadtüberflutungen, eindeutig nie dagewesene Probleme der Landwirtschaft, Meere kippen um) würde man so entschlossen handeln wie zu irgendeinem Pfad in Abb. 1 benötigt.“
      Habe dieselbe Meinung. Stalin’sche Methoden der Wirtschaftsentwicklung werden dann eingeführt werden (müssen).
      Die Menschheit lernt immer erst durch furchtbare Katastrophen, bis jetzt allerdings hielt dieses neue Wissen nie lange an.

  5. Den Hanf nicht vergessen

    Wenn der Spezies Mensch gelingen soll die relativ hurtige Überwindung der Pfadabhängigkeit von Erdöl und Kohle bis 2050, gibt es viele Gründe, auf den Hanf zu setzen.
    Hanf ist eine Jahrtausende alte Kulturpflanze. Nahrung, Medizin, Kleidung, reißfestes und mit weit weniger Aufwand und Chemikalien hergestelltes Papier, Brenn- und Treibstoffe, Plastik, Bau-, Dämm- und Farbstoffe hat die Spezies Mensch schon aus ihn gemacht. Henry Ford wollte Autos mit Karosserien aus Hanf bauen, die mit Hanfdiesel gefahren wären(https://www.youtube.com/watch?v=srgE6Tzi3Lg). Erdöl war vermeintlich billiger, die Macht der Erdölkonzerne und die Stimmungsmache gegen Marihuana zu groß, so dass er verboten wurde und deren Nutzung bis heute erschwert wird. Angeblich, weil die berauschende Wirkung von Cannabis zu gefährlich ist. (http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=56673)
    Hanf ist in der Umweltbilanz von den gängigen Nutzpflanzen kaum je zu schlagen. Je nach Regionen der Erde kann man den Hanf dreimal im Jahre mit bis zu 25 Tonnen Rohmasse (Raps ca. 4 Tonnen) ernten ohne Pestizide und Kunstdünger. Ohne die Böden auszulaugen. Als hervorragende Fruchtfolgepflanze oder Pionierpflanze, welche die Böden verbessert, mehr Ackerland schaffen und die Erträge von anderen Nutzpflanzen steigern kann. Hanf übersteht zudem besser Dürreperioden. Für Hanf brauchen keine Wälder gerodet zu werden. Denn in Zweierlei sind Bäume dem Hanf überlegen: Schaffung von Lebensräumen für allerlei Arten und in der Kohlendioxidaufnahme. Gerade alte Bäume sind gute Kohlendioxidspeicher.
    Laut Jack Herer hätten im Jahr 2000 nur sechs Prozent der Bodenfläche der USA ausgereicht, um durch den Anbau von Biomasse den Treibstoff- und Energiebedarf des ganzen Landes zu decken. (http://www.karo4tel.de/hanf/ENERGY.HTM) Ganz ohne Erdölkriege. Da wird doch wohl der Hanf helfen können, Strom zu erzeugen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst und die Speichertechnologie noch nicht ausreicht?

    • Ich glaube, Sie überschätzen die Energiebilanz von Hanf deutlich bzw. unterschätzen den Energieverbrauch drastisch. Biomasse ist enorm flächenintensiv, was für alle Pflanzenarten gilt, mit geringen Unterschieden im Detail. Die Photosynthese hat in der Praxis nur einen Wirkungrad von 0,1 bis 1 %, verglichen mit ca. 10-20 % bei der Photovoltaik. Daneben erzeugen PV-Anlagen oder auch Windräder mit Strom die hochwertigste Energieform, während Biomasse Primärenergie liefert, die erst aufwendig gesammelt (d.h. konzentriert) und mit z.T. recht hohen Verlusten weiter in eine nutzbare Energieform gewandelt werden muss. Das gilt erstrecht für die Nutzung als Treibstoff, wo erst hohe Wandelverluste bei der Treibstoff anfallen und anschließend im Verbrennungsmotor auch nur 20-25 % der verbliebenen Energie genutzt werden können.

      Um mal das Beispiel Raps zu bringen: Volker Quaschning schreibt in seinem Lehrbuch „Regenerative Energiesysteme“ (2015), dass selbst bei kompletter Nutzung aller deutschen Ackerflächen für Rapsanbau (12 Mio. Hektar) nur 12,6 Mrd. Liter Biodiesel erzeugt werden können. Allerdings seinen 2010 ca. 35 Mrd. Liter Diesel und ca. 26 Mrd. Liter Benzin in Deutschland verbraucht worden. Selbst wenn Hanf nun 10 mal so viel Energie pro Fläche liefern würde wie Raps, müsste immer noch ein Großteil der deutschen Ackerfläche mit Energiepflanzen bebaut werden, um allein den Treibstoffbedarf zu decken. Deine Pro-Hanf-Quelle schreibt aber selbst, dass Hanf nur doppelt so viel Öl liefert wie Raps.

      Ich habe nicht genau geprüft, welche Zahlen dort genau falsch sind, aber Fakt ist, dort stimmt irgendwas gewaltig nicht. Wenn die Energiewende gelingen soll, dass muss der Großteil der Energie direkt elektrisch erzeugt werden, d.h. mit Windrädern und Photovoltaikanlagen. Diese Energiequellen haben den mit Abstand geringsten Flächenverbrauch (also direkt verbrauchte Fläche, nicht praktisch irrelevante Abstandsfläche bei Windrädern), sie liefern die hochwertigste Energieform, nämlich Strom, und sie können mit Wärmepumpen und Elektroautos auch große Teile des Wärme- und Verkehrssektors energieeffizient versorgen. Immerhin sparen diese Techniken verglichen mit heutiger Heiz- und Verbrennungsmotortechnik etwa 2/3 bis 3/4 der Energie ein und ermöglichen somit erst die großen Effizienzgewinne, die wir für die erfolgreiche Realisierung der Energiewende benötigen.

      Biomasse hingegen wird wohl genau wie Geothermie und Wasserkraft nur eine ergänzende Rolle einnehmen können, da das nutzbare Potential viel beschränkter ist als bei Wind- und Solarenergie. Siehe z.B. Volker Quaschnings Sektorkopplungsstudie. http://pvspeicher.htw-berlin.de/wp-content/uploads/2016/05/HTW-2016-Sektorkopplungsstudie.pdf

      • Martok,
        völlig richtig, eine Kreislaufwirtschaft mittels Biomassekraftwerke schaffen zu wollen ist der größte Betrug und Selbstbetrug ever. Ich als deutscher Kaiser würde die Dinger sofort verbieten. Als große, ganz zentrale Abfallverwerter gerade noch brauchbar.

      • Zum Hanf nochmal

        Hanf liefert nicht nur doppelt so viel Öl wie Raps. Ich zitiere aus dem Buch von Jack Herer auf Seite 284 bis 286, wie er 1993 Raps und andere Nutzpflanzen mit Hanf verglich:
        >>> 30 Millionen Hektar Anbaufläche stehen nach Angaben der EG im europäischen Raum auf stillgelegten Äckern für nachwachsende Rohstoffe zur Verfügung. Würden nur 6 Millionen Hektar, das wäre gerade ein Fünftel dieser nicht genutzten Fläche, im nächsten Jahr mit Hanf bestellt, könnten von diesen Feldern geerntet werden:
        24 Millionen Tonnen. Das wäre die Energie, die den selben Brennwert hat wie Heizöl oder Diesel, aber im Unterschied zu den fossilen Brennstoffen die CO2-Bilanz nicht belastet. Der ganze Diesel-verbrauch der BRD (1989 waren es 17 Millionen Tonnen wäre mit dieser Ernte zu decken. Der derzeitige bei uns als Öllieferant favoriesierte Raps bringt nicht nur weniger als die Hälfte der Hanferträge, er ist darüber hinaus im Anbau arbeitsintensiver, braucht große Mengen Pflanzenschutzmittel und laugt die Böden aus. Außerdem ist Raps nach der Ölgewinnung nur noch zum Verbrennen geeignet. Hanf hingegen bringt nicht nur die doppelte Menge Öl, sondern nach der Ölgewinnung fielen weiterhin:
        – 36 Millionen Tonnen >> Hanfkuchen <> Pinicillin liefern die übrig gebliebenen Hanfstengel:
        – 4,8 Millionen Tonnen Fasern, die auch bei den besonderen Anbauformen zur Samen- und Ölgewinnung als Nebenprodukt anfallen. Da der Samenhanf in größeren Abständen ange-baut wird, liegt die Faserausbeute zwar niedriger. Aber auch dieser >> Abfall << liefert die stabilste Textilfaser, die in unseren Breiten wächst. Außer den Fasern liefern die Hanfstengel
        – 6 Millionen Hanfschäben. Schäben sind der verholzte Anteil der Stengel und mit ihrem ho-hen Zellulosereichtum ein optimaler Grundstoff für die Papierherstellung. Dieses Papier und die vielen anderen Stoffe, die aus der Zellulose hergestellt werden können, zeichnen sich allesamt durch eines aus: Sie sind umweltfreundlich herzustellen und biologisch abbaubar.
        Dies alles, wie gesagt, auf einem Fünftel der in der EG brachliegenden Fläche der in der EG brachliegenden Flächen, und von einer Pflanze, die für einen Bruchteil der Kosten – für Arbeitsaufwand, Pflege, Schädlingsbekämpfung, Auszehrung der Böden – angebaut werden kann, die bei Raps, Mais, Zuckerrüben und anderen derzeit als nachwachsende Rohstoffe angebauten Pflanzen anfallen […] <<<

        Und auch wenn es genauso läuft, wie Volker Quaschning es darstellt, sollen nach ihm Biomasse zur Wärmeversorgung beitragen und Biokraftstoffe für Flug- und Schiffsverkehr hergestellt werden, weil dort eine Dekarbonisierung die größte Herausforderung darstellt.

        Vielen Dank für Ihren Link. Da sind viele Ansätze, die mir als Laie einleuchten und mich weiter beschäftigen werden. Den Hanf vergessen sollte man trotzdem nicht, auch wenn es in Richtung Elektromotoren in Autos geht und Quaschners Sektorenkopplung aufgeht.

  6. Der naiv optimistischen Einschätzung von Herrn Rahmstorf möchte ich ein Zitat aus Schellnhubers Buch „Selbstverbrennung“ entgegenhalten. „….dass die Klimaforschung gute Arbeit geleistet hat, dass die Entscheidungsträger jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit sind, Weichenstellungen für die rechtzeitige Überwindung des fossil-nuklearen Systems vorzunehmen.“ Schellnhuber meint ausrechnen zu können, dass dieses Szenario eine Eintrittserwartung von 81% hat. Ich persönlich halte sie für höher, nur ein paar Zahlen hierzu in die Debatte geworfen. 1990 war der Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergieerzeugung weltweit 12%. Diese Zahl ist bis heute unverändert. In Deutschland haben wir ebenfalls einen Anteil von 12.5%. In China betrug sie 1990 25%, heute noch 15%. In Südamerika ging sie von 35% auf 28% zurück, ebenfalls rückläufige Tendenz in Afrika, zunehmende Tendenz eher in hochindustrialisierten Ländern, wodurch diese Abnahmen ausgeglichen werden. Vielleicht noch eine Zahl. Anteil der Solarenergie an der Primärenergie in Deutschland, ca 1%, weltweit derzeit noch vernachlässigbar (im niederen Promillebereich). Interessant (und realistischer als die Einschätzungen von Herrn Rahmstorf) finde ich auch die Einschätzung von BP, nach dem der weltweite Energieverbrauch bis 2030 um 40% steigen wird, wovon über 80% über fossile Brennstoffe bereitgestellt wird.

    • Defätismus – die Haltung „das schaffen wir sowieso nie“ – ist meines Erachtens keine Einstellung, die man sich anhand der existenziellen Bedrohung durch die globale Erwärmung leisten kann. Vielmehr muss man darüber nachdenken, wie man es doch noch schaffen kann, und sich dafür engagieren. Alles andere werden uns unsere Kinder und Enkel nicht verzeihen. Was motiviert Menschen, die bei jeder Diskussion von konkreten Gegenmaßnahmen sofort in die Tastatur zu greifen, um der Welt mitzuteilen, dass alles ohnehin keinen Sinn hat? Was würden Sie von einem Arzt halten, der eine Notoperation an einem Menschen durchführt mit einer nicht sehr großen Chance, dass der Patient wieder gesund wird – und er gibt mitten in der OP auf mit den Worten: hat alles keinen Sinn, die Chancen sind mir zu schlecht? Hätten Sie Respekt für einen solchen Arzt?

      • Nun ist allerdings der Klimawandel nichts, was der Großteil der Menschen als Notoperation zur Lebensrettung ansieht. Als ich in Leipzig in der Aerosolforschung tätig war und einen zunächst sehr freundlich wirkenden Klempner zuhause zu Gast hatte, kamen wir ins Gespräch und er fragte mich was ich so arbeite. Als er über Meteorologie eine Assoziation zur Klimaforschung erfragte (die ich nichtsahnend bejahte), wurde er plötzlich ungemein wütend und beschimpfte mich mit hochrotem Kopf wüst, da „Klimaforscher die arbeitende Bevölkerung verraten[sic]“ würden, indem sie angeblich Steuergelder in Lügen-Propaganda verwandeln würden. Ich war zu verblüfft über diesen Wutausbruch aus heiterem Himmel um etwas angemessen zu entgegnen.
        Selbst grundsätzlich besorgte Kollegen außerhalb der unmittelbar direkten Klimaforschung scheinen mir nicht sonderlich tiefgreifend besorgt zu sein, und CO2-Vermeidung über mit dem Rad zur Arbeit fahren hinaus betreibt absolut niemand den ich kenne. Auch ich selbst nehme AGW nicht als *unmittelbare* Gefahr wahr, schließlich sind es sehr lange Zeiträume über die ich besonders gefährliche Auswirkungen erwarte.
        Meine Frage wäre eher, wann wird der Klimawandel so schmerzhaft, dass die Menschen umdenken? Ich befürchte ein sehr langsamer Meeresspiegelanstieg reißt da wenig, eventuell nicht einmal zunehmende Dürren in Dritte-Welt-Ländern. Ich erwarte, dass es grundlegender Individualerkenntnisse (=Deutliche Nachteile eindeutig der Erwärmung zuordbar selbst fühlen) bedarf bis ein Umdenken stattfindet.

        • Hallo Wizzy,
          für das Verhalten des Klempners gibt es eigentlich ganz gute Erklärungen aus der kognitiven Psychologie. Das Thema ist Umgang mit Komplexität und als Teil davon Komplexitätsreduktion. Hier eine interessante Schrift dazu von Dietrich Dörner:
          http://ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/Psychologie/Doerner_Dietrich_Information_komplexes_Denken.pdf.
          Dazu kommen Schwierigkeiten des menschlichen Verstands mit nichtlinearen Zeitabläufen („Prozentuale Zu-oder Abnahme“) und mit Schwerpunktbildung („Dominanz des aktuellen Problems“). Ich möchte hier auf die Forschung von Dietrich Dörner (Bamberg) zum Thema verweisen (sehr gut lesbar zusammengefasst im Buch „Die Logik des Mißlingens“). Das betrifft natürlich nicht nur den Klempner, die Beispiele im wirklichen Leben sind zahlreich.
          Was die von Herrn Rahmstorf beschriebenen Wege zur Reduktion der CO2 Emissionen angeht: Optimistisches Anpacken halte ich für absolut richtig und als Ingenieur halte ich das auch für erreichbar. Nach allem was ich aber über kognitive Psychologie gelernt habe, bin ich allerdings pessimistisch. Die Menschheit wird es erst lernen, wenn es zum dominanten Motiv wird und dann ist es zu spät.
          (ich hoffe, der Optimist in mir hat recht).

      • Lieber Herr Rahmstorf, „Vielmehr muss man darüber nachdenken, wie man es doch noch schaffen kann, und sich dafür engagieren“. Hier sind wir zusammen, ich warne jedoch davor, das mit einer Vogel Strauss Politik (den Sand in den Kopf stecken, wie es ein berühmter Fussballer einst ausgedrückt hat) versuchen zu bewerkstelligen. Die Gefahr Ihrer Äußerungen ist es, dass sie einlullen und nichts passiert. Es ist ja alles gar nicht so schlimm. Wenn man von dem Ernst der Lage wirklich überzeugt ist, wird man über CO2-Abscheidung und auch die böse Formel E=mc^2 neu nachdenken und versuchen wirklich alles zu tun, so wie es ein verantwortungsvoller Arzt bei einem mit dem Tod ringenden Patienten auch tun würde.

        • Selbstverständlich, das tun wir seit zwei Jahrzehnten intensiv (wenn ich hier mal für das Potsdam-Institut spreche), auch mit detaillierten ökonomischen Analysen zu allen Optionen in der Fachliteratur. Im Ergebnis dieser Forschung erweisen sich allerdings Kohleverbrennung mit CO2-Abscheidung und Kernenergie als ziemlich teuer, abgesehen von weiteren Problemen damit, und die erneuerbaren Energien als die realistischste und vielversprechendste Option.

      • warum schreiben sie so was wie, unsere Existenz ist durch den Klimawandel bedroht? Glauben sie ernsthaft, zukünftige Generationen würden einfach so zusehen, wie der Meeresspiegel um Meter ansteigt usw. ohne etwas dagegen zu tun, wenn es wirklich so schlimm kommen sollte?

        • Vor allem hoffe ich, dass die jetzt verantwortliche Generation nicht einfach zuschaut! Der Meeresspiegel steigt ja bereits. Eine weitere Beschleunigung des Anstiegs können wir verhindern, indem wir auf erneuerbare Energien umsteigen. Die rund eine Million Kilometer Küsten der Erde später gegen einen Anstieg um mehrere Meter zu schützen ist dagegen praktisch unmöglich.

      • „Wir schaffen das!“ – Diese Einstellung hilft auch nicht viel. Denn die Scheinheiligkeit bezüglich der CO2-Erzeugung ist enorm, mindestens so groß wie beim NOx-Diesel Skandal.

        Schellnhubers von Eberhard Freitag zitierte Anmerkung zur „Überwindung des fossil-nuklearen Systems“ klingt befremdlich, wenngleich sie hierzulande kaum Aufmerksamkeit erregt. Was die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen betrifft wird er allerdings recht behalten.

  7. Die hier besprochene >Roadmap for rapid decarbonization (Emissionshalbierung jedes Jahrzehnt) sei unrealistisch, schreibt David Hone (Chief Climate Change Advisor for Royal Dutch Shell) in Not All Roadmaps Follow Viable Roads.
    Unrealistisch sei dieser Dekarbonisierungsplan aus folgenden Gründen (von mir sinngemäss aus dem Englischen übersetzt):
    1) Die Halbierung jedes Jahrzehnt erfordert im ersten Jahrzehnt die grösste Anstrengung. Das widerspricht einem durch eine bestimmte Technologie vorgezeichneten Entwicklungspfad, denn in der Einführungsphase (der neuen Technologie) sind noch keine grossen Reduktionseffekte zu erwarten. Die kommen erst später, wenn zunehmend umgesetzt wird was beschlossen wurde.
    2) Die im Dekarbonisierungsplan geforderte Verdoppelung der Erneuerbaren etwa alle 5 Jahre ist nur zu Beginn realistisch, nicht aber später, wenn Erneuerbare bereits einen hohen Anteil haben (wörtlich: once the technology reaches material deployment (>1% of the energy system), the rate increase begins to decline, although the absolute level of deployment may well continue to rise. ).
    David Hone schliesst mit der Bemerkung, dass auch ein rascher Wechsel im Energiesystem nicht darum herum kommt, den historischen Mustern für Technologiewenden zu folgen (und diese laufen eher sigmoid ab als exponentiell).

    Persönliche Beurteilung: Wenn David Hone einen sigmoiden anstatt gleichmässig exponentiell abnehmenden Verlauf bei der Dekarbonisierung erwartet, dann ist das eher ein technisches Detail. Es ändert insgesamt wenig an der Notwendigkeit zum sehr schnellen Handeln und damit zur sofort nötigen Kurskorrektur um so etwas zu erreichen.

  8. Aussichtslos. 20% aller menschlichen CO2-Emissionen stammen aus Stahl- und Betonherstellung. Da kann man kaum etwas reduzieren. Wie will man sonst bauen? Hinzu kommt die Landwirtschaft mit CH4, N2O, etc., die der Ernährung der Menschen dient.

    Selbst wenn man den CO2-Ausstoß um 70% reduziert, haben wir immer noch fast ~1 ppm Anstieg CO2 pro Jahr in der Atmosphäre.

    Also, aller Klimaschutz Nonsens und bringt wenn überhaupt nur eine Aufschiebung.

    China will eh erst 2030 die CO2-Emissionen senken und die USA die Kohle wieder fördern und Russlands Präsident Putin hält auch nichts vom Klimaschutz. Und Indien expandiert weiter und stößt immer mehr CO2 aus. Mal sehen wie lange es noch dauert, bis Herr Rahmstorf kapituliert?

    Ach so, Deutschlands CO2-Emissionen reduzieren sich seit 2009 nicht mehr, obwohl von 2009-2017 die Erneuerbaren verdoppelt wurden!

    MfG

    Michael Krüger

    • Sie schreiben, Zitat:
      „… Ach so, Deutschlands CO2-Emissionen reduzieren sich seit 2009 nicht mehr, obwohl von 2009-2017 die Erneuerbaren verdoppelt wurden!“

      Ist Ihnen entgangen, dass in dem von Ihnen benannten Zeitraum die Produktion von Atommüll in Deutschland deutlich zurückgegangen ist ?

      Sie haben in so fern natürlich Recht, dass wir unsere Anstrengungen bezüglich erneuerbarer Energiegewinnung ca. um den Faktor 4 steigern müssen, wenn wir unsere völkerrechtlichen Verpflichtungen erfüllen wollen. (siehe Studie „Sektorkopplung“, Prof. Dr. Quaschning HTW Berlin)

      Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum wir das nicht tun und erreichen sollten.

    • richtig!
      und es wäre wichtig, dass man mit diesem gefährlichen Klima Alarm Getöse vorsichtiger umgeht.
      Heute wird den Menschen in der „2+3 Welt“ von der 1. eingeredet, sie hätten das größte Klimaproblem, wenngleich die Leute dort ohne unser Geschrei von einem Klimawandel nicht mal den Hauch mitbekommen hätten. Man drängt sie damit zur Flucht, zumindest regt man Flüchtlingsströme zusätzlich an und das könnte wirklich gefährlich werden, mehr als jede T Erhöhung. Herrn Rahmstorf scheint das nicht bewusst zu sein.

      • Betrachten Sie Ihre Thesen doch einmal am Beispiel Syrien. In den Jahren vor 2011 erlebte das Land die schlimmste Dürre seiner Geschichte – nach Sedimentdaten aus dem Mittelmeer die schlimmste seit mindestens 900 Jahren. Das führte zu 1,5 Millionen Binnenflüchtlingen im Land, weil die Ernten ausblieben und das Vieh verendete. Glauben Sie, diese Menschen sind geflohen, weil westliche Forscher ihnen etwas über CO2 eingeredet haben? Oder weil sie in ihren Dörfern nicht mehr überleben konnten? Diese Dürre war höchstwahrscheinlich durch die globale Erwärmung verschärft – seit langem sagen Klimamodelle konsistent die Austrocknung des Mittelmeerraums aufgrund der steigenden CO2-Menge in der Luft voraus – eine Prognose die sich zunehmend bewahrheitet, auch in Spanien, Portugal, Griechenland.

        • Haben sie auch dran gedacht das sich die Bevölkerung da vervielfacht hat?
          Von 3 Millionen 1950 auf heute über 18 Millionen?

    • @ Michael Krüger: Sie schreiben: „Aussichtslos. 20% aller menschlichen CO2-Emissionen stammen aus Stahl- und Betonherstellung. Da kann man kaum etwas reduzieren. Wie will man sonst bauen?“ Wie wäre es z.B. mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz, der -nachhaltig genutzt- noch deutlich verstärkt eingesetzt werden könnte. Der Bau eines Holzhauses erfordert nur ca. ein Fünfzehntel der Energie wie die Erstellung eines Hauses aus Beton und Stahl! Zudem binden Holzhäuser auf lange Zeit das im Holz als Kohlenstoff gebundene CO2! 80 % aller Häuser weltweit sind Holzhäuser, nur in Teilen Mitteleuropas hat man nicht gelernt, diesen Rohstoff auf dem Bau einzusetzen, zu groß ist die Lobby der Beton- und Stahlindustrie! Dies ist nur ein Beispiel! Viel Potential der Einsparung steckt auch im sparsameren Einsatz energieintensiver Baustoffe und im Recycling! Aber so lange man den Energieeinsatz in diesen Branchen weiter subventioniert anstatt diese mit Echtkosten in Rechnung zu stellen bestehen kaum Anreize hier Veränderungen herbeizuführen. Wenn man dann noch wie Sie Herr Krüger der Energieverschwendung das Wort redet (ich erinnere nur an Ihre Beiträge zum Verbot herkömmlicher Glühlampen…), dann kommen wir wirklich nicht weiter. Aber offenbar ist es auch Ihr Ziel, alles zu torpedieren was dazu beiträgt Ressourcen, Energie und CO2-Emissionen einzusparen! Eine Diskussion darüber mit Ihnen wird also zwangsweise fruchtlos bleiben.

    • Herr Krüger, gibt es eigentlich irgendetwas, was Sie im Leben schon einmal positiv gesehen haben? „Geht nicht“, „funktioniert nicht“, „klappt sowieso nicht“ – seit den Zeiten der APO und der frühen Grünen geht mir dieser ewig miesmacherische und technikfeindliche Berufspessimismus gewaltig auf die Nerven!

      Recherchieren Sie, was Unternehmen wie ThyssenKrupp, Daimler, Heidelbergcement, Bayer, Siemens, RWE, Bilfinger, um nur wenige zu nennen, zum Thema Klima und Klimaschutz beizutragen haben (da geht es z.B. oft um eine Komponente, die man „technischen Fortschritt“ nennt).

      Dann sind Sie einige Monate sinnvoll beschäftigt; vielleicht lernen Sie auch endlich, wie man konstruktiv an einer guten Entwicklung mitarbeitet.

      • Ich möchte Herrn Krüger nicht nur berechtigt ausschimpfen, sondern ihm zwei hervorragende Beispiele ökologischen bzw. positiv-konstruktiven Denkens auf seinen weiteren Weg geben:

        Der Klassiker bei youtube: „Das Schönauer Gefühl“ in mehreren Teilen (Höhepunkt Teil 4).

        Etwas weniger bekannt: http://www.wkv-ag.com (ein grün angehauchter Berufsschullehrer baut aus dem Nichts einen Global Player auf).

        Wüßte nicht, dass jemals irgendein Klimaskeptiker auch nur annähernd etwas Vergleichbares geschaffen hätte!

    • @Krüger: „Selbst wenn man den CO2-Ausstoß um 70% reduziert, haben wir immer noch fast ~1 ppm Anstieg CO2 pro Jahr in der Atmosphäre.

      Also, aller Klimaschutz Nonsens und bringt wenn überhaupt nur eine Aufschiebung.“

      Mit nur noch 1 ppm Anstieg pro Jahr hat man wesentlich mehr Handlungsoptionen in puncto Anpassung als mit 2-3 ppm oder gar mit 4 ppm pro Jahr. Ich denke nicht, dass eine starke Reduzierung der CO2-Emissionen nutzlos ist, wenn man die Punktlandung nicht hinbekommt.

      „Ach so, Deutschlands CO2-Emissionen reduzieren sich seit 2009 nicht mehr, obwohl von 2009-2017 die Erneuerbaren verdoppelt wurden!“

      Na so ein Zufall, dass Sie da immer das Jahr 2009, dem Wirtschaftskrisenjahr mit Kurzarbeit und Kostenreduzierung, heranziehen. Und nicht etwas 2008 oder 2010, die statistisch betrachtet genauso gut oder schlecht geeignet wäre. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. 😉

  9. Zwei Gedanken bzw. Fragen:

    Bei der Spannbreite von 150-1050 Gt CO2, die Sie als noch verbleibenden Deponieraum angeben, stellt sich mir die Frage, inwieweit da andere Treibhausgase und sonstige Treiber berücksichtigt sind, also Methan, Lachgas, Ruß usw.; die Erwärmung (oder Abkühlung) durch andere, auch natürliche Faktoren müsste man bei der Peak-Erwärmung durch CO2 doch noch dazurechnen? Mir ist klar, dass die atmosphärische „Halbwertszeit“ von Methan zum Beispiel längst nicht so lang wie die von CO2 ist, die dadurch ausgelöste zusätzliche Erwärmung wäre also hoffentlich nicht von langer Dauer – gibt es nicht dennoch das Risiko, dass manche Kipppunkte durch eine zusätzliche Erwärmung infolge diese anderen Faktoren ausgelöst werden? Ist das CO2-Budget das „richtige“ Budget, um ein Überschreiten der 2°-Grenze einigermaßen sicher auszuschließen?

    „Don’t be late“ ist, meine ich, eine wichtige Botschaft. Was bedeuten die vorgeschlagenen Halbierungen für langfristige Investitionen und Anschaffungen? Ein Auto mit Verbrennungsmotor, in den nächsten Jahren, gekauft, könnte man eventuell nicht mehr bis zum Ende seiner Lebensdauer fahren. Investitionen in fossile Technologien in den nächsten Jahren sind eigentlich eine zynische Wette entweder darauf, dass es keinen ambitionierten Klimaschutz geben wird oder dass die Gesellschaft einen für eine frühzeitige Stilllegung entschädigen wird oder dass irgendeine gangbare Form von CCS gefunden werden wird. Erickson und andere (Environmental Research Letters, 2015: „Assessing carbon lock-in“) haben versucht, die Menge an Kohlenstoff zu schätzen, die bei einem „Weiter so“ bis 2030 zu viel in den dann vorhandenen Systemen (Kraftwerke, Kfz usw.) bei Ausnutzung ihrer technischen Lebensdauer über ein großzügiges Budget von 1133 Gt CO2 ab 2012 (IEA) hinaus „over-committed“ wären. Insgesamt kommen sie auf 270 GtCO2. Gegenüber Ihrem optimistischen Budgetansatz von 800 Gt wäre das schon ca. 550 Gt zu viel. Selbst Investitionen in Erdgas als „Brückentechnologie“ sollte man kaum noch vornehmen. Die notwendigen CO2-Preise für eine Ablösung der Technologien, schätzen sie – wegen der Interdependezen von Technik, Verhaltensmustern und Institutionen – zum Teil um Größenordnungen höher als 50 Euro / tCO2.

  10. „Die Halbierung jedes Jahrzehnt erfordert im ersten Jahrzehnt die grösste Anstrengung.“
    Dem steht entgegen, das zu Beginn der Anstrengungen die einfachsten und effektivsten Maßnahmen in Angriff genommen werden können:
    – Die ineffektivsten Kraftwerke abschalten (die technisch vollkommen aus der Zeit und kaum noch – wirtschaftlich – aufzurüsten sind)
    – Die ältesten Autos mit dem größten Vrebrauch stillegen
    – Die ältesten Heizungen erneuern
    – und und und
    Hierfür steht bereits heute ausreichend und technisch ausgereifter Ersatz zur Verfügung.
    Die zweite Hälfte und die übrigen Schritte benötigen demgegenüber tatsächlich mehr Aufwand, dafür ist aber auch noch etwas mehr Zeit für Forschung, Produktentwicklung und Markteinführung vorhanden.
    Und zur Bedeutung der Schwellenländer: Diese befinden sich auf einem gegenüber den entwickelten Industrienationen deutlich niedrigeren Emissionsniveau – ihre Aufgabe ist mithin also deutlich kleiner. Zumal ‚wir‘ ihnen gerne helfen dürfen, ‚unsere‘ Fehler zu vermeiden.

    • Selten soviel Unsinn gelesen als ob da was zu ändern wäre und im übrigen ihr Scharlatane jedes hslbwegs begeisterte Schulkind weiß das warmes Meerwasser weniger co2 speichert als kaltes Wasser … also musst du jetzt kein teuer bezahlter Lügner sein um feststellen zu können warum das co2 in der Atmosphäre zunimmt … Genau weil das Wasser wärmer geworden ist und dieses Phänomen hängt mit einer starken sonnenaktivität zusammen die übrigens jahrzehntelang sehr hoch war und nun wieder abnimmt … aber euch das auch noch zu erklären langweilt mich enorm und außerdem werde ich bestimmt gleich vom Chef persönlich zur Ordnung gerufen ob meiner Äußerungen hier. Herzlichst ein Bürger aus dunkeldeutschland

      • Die steigenden CO2-Mengen in der Atmosphäre kommen nicht aus dem Ozean, wie Sie vermuten (bzw. wohl irgendwo in einer Fakenews-Quelle gelesen haben). Im Gegenteil nimmt der Ozean einen Teil des von uns aus fossilen Quellen in die Luft geblasenen CO2 auf. Deshalb steigt die CO2-Menge in der Luft nur weniger als halb so schnell an, wie wir fossiles CO2 freisetzen. Und deshalb steigt die CO2-Konzentration auch im Ozean an (und in der Landbiosphäre ebenfalls), nicht nur in der Luft. Das sind einfache Messtatsachen, die Ihre These widerlegen. Eine genaue Aufschlüsselung der CO2-Mengen in allen drei Reservoirs finden Sie in dieser Grafik (Abb. TS.4 aus dem letzten IPCC-Bericht) und jedes Jahr aktuell wieder auf der Website des Global Carbon Project.
        p.s. Am Ton Ihres Diskussionsbeitrags könnten Sie noch ein wenig arbeiten… 😉 Immerhin enthielt er ein erkennbares Sachargument.

        • @Prof. Dr. Rahmstorf:
          Ich möchte mich bei Ihnen für diesen Blog und Ihre Beiträge herzlich bedanken. Tolles fundiertes Wissen mit Quellenangaben und einfach verständlich geschrieben, sodass der Blog tatsächlich hervorragend geeignet ist, sich sachlich zu informieren. Vielen Dank !

          Weiterhin bewundere ich Ihre Gelassenheit und Ihre Ruhe mit der Sie auch auf Beiträge reagieren, in denen Sie persönlich verletzend angegangen werden. Auch dafür ein herzliches Dankeschön – es zeigt, wie man mit solchen Anfeindungen umgehen muss.

          Zum Beitrag des Schreiber „Andre“
          Da Schreiber Andre sich als Mensch aus Dunkeldeutschland zu erkennen gab, liegt der Verdacht nahe, dass er seine Weisheit (Ozeane gasen CO2 aus und erhöhen so den CO2-Gehalt der Atmosphäre) von Frau Dr. Frauke Petry (promovierte Chemikerin) hat. Bei foldendem youtube-Video (ab Min. 8) versucht Frau Petry einer Schülerin einzureden, dass der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre aus den Ozeanen stammt.

          Wo das CO2 aus den fossilen Verbrennungen der Menschen bleibt, erläutert sie leider nicht. Immerhin entläßt die Menschheit pro Jahr in etwa die Menge an CO2 in die Atmosphäre, die die Natur in einer Mio Jahre eingelagert hat. Diese Menge einfach zu verschweigen, ist offensichtlich erforderlich, um die AfD-Theorie nicht zu gefährden.

          Entweder, das Wissen von Frau Petry sehr beschränkt (dann sollte man Ihre Promotionsarbeit mal genauer untersuchen) oder sie verbreitet bewußt fakes.

    • Zitat:Und zur Bedeutung der Schwellenländer: Diese befinden sich auf einem gegenüber den entwickelten Industrienationen deutlich niedrigeren Emissionsniveau – ihre Aufgabe ist mithin also deutlich kleiner.
      Bis 2050 wird der Mittelstand um 3 Milliarden Menschen zunehmen. Zum Mittelstand gehören die Leute, die Häuser und Autos besitzen, die Strassen und Infrastruktur beanspruchen und die am Elektritzitätsnetzwerk angeschlossen sind. Zusätzliche
      Es stimmt natürlich, dass Afrika bezüglich CO2-Emissionen heute (noch) überhaupt keine Rolle spielt. Doch für Asien galt vor 20 Jahren noch genau das gleiche. Selbst wenn Indien, Afrika und Indonesien bei ihrem Wachstum und Aufbau verstärkt auf erneuerbare Energien setzen werden sie im Jahr 2050 im Vergleich zu heute ein Vielfaches an Treibhausgasen ausstossen.

  11. Radikales Umdenken und Ideen sind gefragt. Nicht Analysen die sich darauf beschränken historische Trends und Verläufe fatalistisch in die Zukunft zu projizieren. Wir sind mitten in einem Zeitalter technischer Durchbrüche und Revolutionen, die sich gegenseitig verstärken. Zusammen mit der globalen Vernetzung und Digitalisierung eröffnen sich Möglichkeiten die es so niemals gab, deren Konsequenzen man auch unmöglich vorhersehen kann. Wenn die notwendigen Paradigmenwechsel in in den Köpfen stattfinden, ist sehr vieles möglich, auch in relativ kurzer Zeit.

  12. Bezüglich meines Kommentars von vorhin: Ich sehe gerade, dass meine Frage zum „richtigen“ Budget in dem Artikel von Glen Peters, auf den Sie hingewiesen haben, kurz behandelt wird. Andere Faktoren als CO2 sind also nach meinem Verständnis in den 600 bzw. 800 Gt berücksichtigt.

    Was mich zur nächsten Frage bringt, die an Abbildung 1 in Schellnhuber et al (2016) anknüpft (den Artikel selbst konnte ich leider nicht lesen): Gibt es Schätzungen darüber, wie lange in etwa (einige Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte) Temperaturen über bestimmten Schwellen liegen müssten, um bestimmte Kipppunkte auszulösen? Wenn also, zum Beispiel infolge eines kurzen zusätzlichen Erwärmungssignals durch gehäufte El-Nino-Ereignissen oder Methan, die Temperaturen mehrere Jahre deutlich über 2° liegen und dann rasch wieder darunter sinken, für welche Kippunkte besteht dann ein deutlich höheres Risiko und welche werden von einer kurz anhaltenden Erwärmung wahrscheinlich wenig beeinflusst?

    • Sehr langsam reagierende Systemkomponenten (zum Beispiel der Eisschild auf Grönland) könnten auch ein Überschießen der Temperatur über den kritischen Punkt lange aushalten, mehr als ein Jahrhundert. Andere – wie die Korallen – dagegen werden rasch irreversibel geschädigt.

  13. Nach wie vor, der einzige Teil der hier etwas Hoffnung verbreitet, ist der weiter wachsende Zubau bei den Erneuerbaren aufgrund der weiter gesunkenen Kosten.
    Denn etwas anderes als die Kosten spielt ja bekanntermassen bei den Entscheidungsfindungen in unserem schönen Kapitalismus kaum eine Rolle.
    Wobei hier ein so schneller Abfall wie in Abbildung 2 als notwendig dargestellt trotzdem kaum vorstellbar ist.

    Und wie ernst die diversen Staaten das „völkerrechtlich verbindliche Pariser Abkommen“ nehmen, wenn Sie beim gegenseitigen Bekämpfen – in der Krisenkonkurenz – gerade die nächste Eskalationsstufe betreiben kann sich ja jeder selbst ausmalen.

  14. Einige Anmerkungen.

    1.) „Erneuerbare Energien“, dieser vage Oberbegriff, unter dem sich alles Mögliche verbirgt, muss keineswegs mit einer Verringerung des Ausstoßes von klimarelevanten Spurengasen einhergehen. Schon gar nicht, wenn man die gesamte Erzeugungs- und Verteilungskette einbezieht. „Erneuerbare Energien“, dazu gehört auch der in großen Monokulturen erzeugte Biosprit in Brasilien auf landwirtschaftlichen Fächen, die zuvor bewaldet waren. Und der Oberbegriff „erneuerbare Energien“ umfasst auch die riesigen hydroelektrischen Kraftwerke mit ihrer sehr zweifelhaften Umweltbilanz, auch und vor allem dann, wenn man nicht nur von Kohlendioxid spricht, sondern auch vom in punkto Treibhauseffekt etwa 35 Mal wirksamere Methan.

    2.) Indien, China und die USA. Ich beziehe mich auf einen Artikel in der Ausgabe des „Economist“ für die Woche vom 1-7 April 2017. Die drei größten Emittenten von CO2 sind, in dieser Reihenfolge: China, die USA und Indien. China hat etwa 2005 die USA überholt und inzwischen einen jährlichen Ausstoß von 9 Gt erreicht, der allerdings stagniert, wie auch im obigen Blog-Artikel vermerkt. Der CO2-Ausstoß der USA ist seit langem leicht rückläufig und liegt bei um 6 Gt/Jahr. Indiens Ausstoß geht auf 3 Gt pro Jahr zu, wobei die Zunahme sich verlangsamen dürfte, da erst jetzt dort wirklich intensive Bestrebungen zum Einsatz von Solar/- und Windtechnik beginnen.

    Die große Frage ist, ob „erneuerbare Energien“ wirklich die Wende in den Emissionen herbeiführen können, insbesondere, wenn man die unterschiedlichen Arten erneuerbaren Energien aufschlüsselt und realistisch deren Vorteile und Nachteile (auch in Bezug auf klimarelevante Emissionen) nachrechnet. Wie oben dargelegt, geht uns die Zeit aus.

    Auch ist de Frage der Stromerzeugung gar nicht die einzige – das lässt sich ja noch lösen. Viel wichtiger ist das Problem der Energiespeicherung, wo glaubhafte Konzepte – und nein, ich meine da nicht solche Dinge wie Speicherkugeln im Bodensee – weiter auf sich warten lassen.

    Wir müssen also etwas tun, das sofort Wirkung zeigt. Ich denke, realistischerweise können wir nicht davon ausgehen, auf die Nutzung der Kernspaltungstechnik, und, sobald großtechnisch verfügbar, der Kernfusionstechnik verzichten zu können. Im Gegenteil, es wurden bereits aus politischen Gründen Jahrzehnte verplempert, in denen Reaktorbaulinien der dritten Generation hätten gebaut werden müssen und solche der vierten Generation hätten entwickelt werden müssen. Auch in Punkten wie Wiederaufarbeitung, Transmutation und Lagerung müssten wir schon sehr viel weiter sein.

    Das Schicksal der Menschheit wird sich in den ersten 5 Jahrzehnten dieses Jahrhunderts entscheiden. Danach wird die Weltbevölkerung wahrscheinlich abnehmen und der Druck nachlassen. Den Luxus, sinnvolle Optionen einfach außen vor zu lassen, können wir uns schlicht nicht leisten.

    • Der nächste, der absolute CO2-Emissionen vergleicht:
      Michael Khan schreibt, Zitat:
      „… Die drei größten Emittenten von CO2 sind, in dieser Reihenfolge: China, die USA und Indien. China hat etwa 2005 die USA überholt und inzwischen einen jährlichen Ausstoß von 9 Gt erreicht, der allerdings stagniert, wie auch im obigen Blog-Artikel vermerkt. Der CO2-Ausstoß der USA ist seit langem leicht rückläufig und liegt bei um 6 Gt/Jahr. Indiens Ausstoß geht auf 3 Gt pro Jahr zu…“

      Sehr geehrter Herr Khan, zu Ihrer Information folgende Infos aus Wikipedia die
      Einwohnerzahlen:
      USA: ca. 309Mio Menschen
      China: ca. 1.340 Mio Menschen
      Indien: ca. 1.211 Mio Menschen
      Deutschland: 82 Mio Menschen

      CO2-Emissionen 2015 laut Wikipedia:
      Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_carbon_dioxide_emissions:

      USA: ca. 5.172.338 kt ~ 16,1 t / Kopf
      China: ca.10.641.789 kt ~ 7,7 t / Kopf
      Indien: ca. 2.454.968 kt ~ 1,9 t / Kopf
      Deutschland: ca. 777.905 kt ~ 9,6 t / Kopf

      Hier wird sehr deutlich, dass weder China, noch Indien das Problem sind und schon gar nicht in der Vergangenheit waren.

      Wieso sollte ein Amerikaner die 8,5 fache Menge CO2 gegenüber einem Inder emittieren dürfen ?

      Nur weil sie es schon seit 150 Jahren tun ?
      Im Gegenteil – das ist der Grund, warum die westlichen Industriestaaten als erstes und am radikalsten die Emissionen reduzieren müssen !

      Alle Menschen sind von Geburt an gleich und genießen gleiche Rechte (Menschenrechte). Meiner Meinung nach gehört dazu selbstverständlich auch das Recht, Ressourcen zu verbrauchen bzw. die Atmosphäre mit CO2 zu belasten !

      • Ich habe nichts verglichen, sondern Zahlen genannt. Nachprüfbare, zutreffende Zahlen. Dem Weltklima ist es egal, ob hinter einer Gigatonne emittiertem klimarelevanten Spurengas 10 oder 100 Millionen Menschen stecken.

        Es mag gerecht erscheinen, wenn man fordert, dass die einen oder anderen mehr leisten müssen. Solange die Forderung nicht durchgesetzt werden kann, ist sie vollkommen irrelevant.

        Ich halte es für weniger wichtig, ob Emissionsverringerungen gerecht oder ungerecht erscheinen oder nicht. Hauptsache, die Emissionen werden erheblich reduziert. Das erscheint mir bei Nationen, die jetzt erst dabei sind, ihre Kraftwerkskapazitäten aufzubauen, deutlich einfacher zu erreichen als bei Volkswirtschaften, in denen bereits große Investitionen im bestehenden Kraftwerksbestand versenkt sind.

        • Michael Kahn schreibt.
          „Ich habe nichts verglichen, sondern Zahlen genannt. Nachprüfbare, zutreffende Zahlen. Dem Weltklima ist es egal, ob hinter einer Gigatonne emittiertem klimarelevanten Spurengas 10 oder 100 Millionen Menschen stecken. ….“

          Meine Frage:
          Welche Aussagekraft hat es, wenn man die CO2-Emissionen von 1.200 Mio Chinesen und 1.200 Mio. Indern in absoluten Zahlen den CO2-Emissionen von 80 Mio Deutschen gegenüber stellt ?

          Das ist doch albern.

    • @Herr Khan, Sie schrieben:
      [Wir müssen also etwas tun, das sofort Wirkung zeigt. Ich denke, realistischerweise können wir nicht davon ausgehen, auf die Nutzung der Kernspaltungstechnik, und, sobald großtechnisch verfügbar, der Kernfusionstechnik verzichten zu können.]

      Mit Ihrer Grundthese (sofort Wirkung) bin ich 100%ig einverstanden. Dass Sie in diesem Zusammenhang ausgerechnet die Kernfusion erwähnen, hat in meinen Augen etwas ungewollt komisches. Schon Ende der 70 Jahre (soweit kann ich mich zurückerinnern) orakelten die Protagonisten dieser Technologie, dass man bis zur Jahrtausendwende die anstehenden Probleme in den Griff bekommen wolle.

      „Strukturell wirksame“ Maßnahmen zur CO2-Reduzierung wurden in dem Artikel oben genannt (Rockström, s. o.), diese würden sich schnell auswirken, wenn man sie auf eine „Bezugsebene“ herunterbricht.
      Falls Ihnen das zu abstrakt erscheint, dann gucken Sie nach, ob es in Ihrem Haus noch Glühbirnen gibt (herausschmeißen und durch LED ersetzen!) und schauen Sie sich kritisch Ihre Heizung, die „Umwälzpumpe“ oder Ihr Auto näher an, machen Sie dasselbe in Ihrer Firma usw., Sie könnten sich so sinnvoll beschäftigen.

      • Persönliche Ratschläge an Einzelne, deren Lebensstil Sie nicht kennen – was soll das?

        Wir haben eine wachsende Weltbevölkerung mit individuell wachsendem Bedarf, daran wird sich – realistischerweise – nichts ändern, zumindest nicht so schnell, dass es in dem engen Zeitrahmen, der uns durch die aktuelle Krise diktiert wird, von Relevanz ist.

        Im Übrigen empfehle ich eine nähere Beschäftigung mit dem aktuellen Stand der Fusionsforschung und auch mit der Entwicklung im Bereich der Kernspaltungstechnik. Gerade bei letzterer könnte man deutlich weiter sein. Aber es geht der Politik in Europa und den USA immer nur um die weitere Nutzung längst abgeschriebener und technisch vollkommen veralteter Kraftwerksanlagen.

        Eins ist sicher: Ohne massive Investition in Technologie wird die aktuelle Krise, die wir immer noch unterschátzen, nicht zu stemmen sein.

        • Sehr geehrter Herr Khan,
          ich habe nicht intendiert, Ihre persönliche Sphäre mit Ratschlägen zu missachten. Wenn sie nicht zu Ihrem Leben passen, vergessen Sie sie einfach.
          Allerdings ist Effizienz, welche im Focus meiner gut gemeinten Ratschläge stand, ein wichtiger Baustein bei der Abwendung negativer Klimafolgen. Sie wird komplettiert von der Frage nach der Suffizienz, also der Frage, ob ich mir ein Produkt oder eine Dienstleistung in Hinblick auf ihre schädliche Klimawirkung leisten will. Ob die ausschließliche Fokussierung auf Technologie zur Lösung der Klimaprobleme führt, ist m. E. zweifelhaft.

          • Ihr Ton ist halt etwas anmaßend. Sie wissen gar nicht, wie mein Lebensstil ist. Wie können Sie da anderen „gut gemeinte Ratschläge“ erteilen?

            In einer Welt mit immer noch wachsender Bevölkerung und wachsender Wirtschaftsleistung und mit wachsendem Energiebedarf ist realistischerweise Sparen schön und gut und sicher auch hilfreich und lobenswert, aber nicht die Lösung. Noch nicht einmal hier im satten und überversorgten Deutschland und schon gar nicht in den großen Teilen der Welt, die jetzt erst aufschließen und deren Bevölkerungen mit Sparappellen nichts werden anfangen können.

            Wer „erneuerbare Energien“ fordert, muss auch sagen, wie das Speicherproblem gelöst werden soll. Mir ist keine auch nur annähernd plausible Lösung bekannt. Wer den CO2-Ausstoß auf Null zurück fahren will – weltweit und möglichst sofort – der sollte eine überzeugende technische Lösung dafür vorbringen können. Das ist in erster Linie eine Frage der Technologie. Wie reden von ziemlich ausgefeilter Großtechnik.

          • Sehr geehrter Herr Khan, Sie schreiben:

            „Wer „erneuerbare Energien“ fordert, muss auch sagen, wie das Speicherproblem gelöst werden soll. Mir ist keine auch nur annähernd plausible Lösung bekannt. Wer den CO2-Ausstoß auf Null zurück fahren will – weltweit und möglichst sofort – der sollte eine überzeugende technische Lösung dafür vorbringen können.“

            Unter uns Softwareentwicklern gibt es den Ausdruck RTFM. Sie dürfen es gerne nachgoogeln, wenn Sie es nicht kennen sollten. 😉 Ich sage gleich dazu, es ist nicht beleidigend gemeint. Man gebraucht es, wenn man nicht zum gefühlt hundertsten Mal dasselbe auf dieselbe Frage sagen möchte, was sowieso schon im Dokument festgehalten ist. So geht es mir immer wieder bei den Diskussionen, wo immer und immer wieder die Frage aufgeworfen wird, wie man die Speicherung technisch lösen soll. Und jedes Mal wird wieder von Null angefangen. 🙁 Ich muss sagen, meine Lebenszeit ist mir so kostbar geworden, dass ich sie nicht immer wieder mit dem Beantworten der immer gleichen Fragen verschwenden möchte. Herr Khan, Sie sind intelligent, Sie besitzen einen internetfähigen Rechner, sonst könnten Sie hier nicht schreiben. Suchen Sie selbst nach den Konzepten, die lange existieren und im immer größeren Maßstab umgesetzt werden. Die Informationsholschuld liegt bei Ihnen, wenn es um vorhandene Technologien im Energiesektor geht. Danke.

  15. Diese Szenarien sind all nachweislich falsch, bewusst und aus politischer Motivation künstlich überzogen. Die Erde erwärmt sich nicht „unendlich“, genau so wenig, wie sie im Mittel um mehr als 5K abkühlt. Das zeigen die letzten glazialen Zyklen eindeutig. Die Klimasensitivität ist auch keine Konstante, sie verringert sich bei steigenden Temperaturen.

    Wie kann die Erde nach dem Höhepunkt des letzten Interglazials so rasch in eine Eiszeit fallen? Der CO2 Gehalt ist wegen der Erwärmung auf rund 300ppm angestiegen, dass entspricht in etwa der anthropogenen Wirkung bislang. Alleine durch Änderungen (ua.) der orbitalen Parameter, welche im globalen Mittel kaum was bewirken, kühlt die Erde eben wegen Albedo- und anderen Änderungen in eine Eiszeit ab, in den Tropen ändert sich wenig, bei uns und im hohen Norden ist die Abkühlung dramatisch, trotz der ach so hohen Sensitivität über CO2 bzw. den gedachten, starken positiven Feedbacks. Das ist unmöglich! Es muss starke, negative Feedbacks geben.
    Hätte die Erde als Wasserplanet keine solchen Mechanismen, wäre alles Wasser längst verdampft, denn die Insolation hat über die Milliarden Jahre um gut 30% zugenommen. Der CO2 Gehalt kann das Klima sicher etwas stabilisieren, aber niemals das System kippen lassen.

    Im Übrigen hat sich das Leben in den Ozeanen auch bei deutlich höheren CO2 Gehalt und Temperaturen als heute über hunderte Mio. Jahre gut entwickelt, auch die Korallen. Dieser Klima Alarm ist doch nur ein Instrument, um den Kampf gegen die fossile Lobby zu erleichtern. Dass all das verfügbare Öl verbrannt wird, genau so wie Kohle, ist so sicher, wie der nächste Vollmond. Alles andere ist eine völlig unrealistische Träumerei, wenn man sich die weltpolitischen Gegebenheiten auch nur oberflächlich ansieht. Das Paris Abkommen sieht nicht mal Sanktionen vor und das war auch der einzige Grund, warum man sich in der letzten Nacht überhaupt „einigen“ konnte. Klimaforscher sollten sich aus der Politik raus halten und sich niemals instrumentalisieren lassen!

    • Sie sprechen hier zufällig mit dem Wissenschaftler, dessen Abteilung weltweit führend bei der Erforschung der Eiszeitzyklen ist; 1998 haben wir z.B. in Nature die erste erfolgreiche Simulation des Eiszeitklimas veröffentlicht, und letztes Jahr ebenfalls in Nature eine einfache Formel über den Zusammenhang von CO2 und Orbitalzyklen, mit der sich der Beginn der letzten 8 Eiszeiten korrekt vorhersagen lässt. Ich wundere mich immer wieder über Leute, die solche konfusen und falschen Dinge über vergangene Klimaänderungen schreiben wie Sie oben. Woher haben Sie diese Dinge – von Klimaskeptikerwebseiten? Und warum glauben Sie denen mehr als den Forschungsergebnissen der Paläoklimatologen? Gerade die Erdgeschichte belegt doch am besten, wie sensitiv das Klima gegenüber CO2 ist – auch dazu gibt es ja einen großen Review-Artikel in Nature, an dem mein PIK-Kollege Andrey Ganopolski beteiligt war. Ich empfehle Ihnen dringend die Lektüre, um Ihren Vorstellungen zum Thema eine wissenschaftliche Grundlage zu geben.

    • @Michael Zumtobel

      Ihr Beitrag lässt eine Reihe wissenschaftlicher Erkenntnisse und Fakten außer Acht, wobei ich mich nur auf zwei Punkte beschränke:

      Zum einen verringert sich die Klimasensitivität während eines Warmklimas keineswegs, sondern nimmt im Gegenteil zu:

      http://repositorio.uchile.cl/bitstream/handle/2250/142098/Deep-time-evidence.pdf?sequence=1

      Und zum anderen vermittelt Ihr Statement „Im Übrigen hat sich das Leben in den Ozeanen (…) über hunderte Mio. Jahre gut entwickelt, auch die Korallen“ ein völlig falsches Bild.

      Mit ziemlicher Sicherheit haben sich im Laufe des Phanerozoikums in den Meeren mehr biologische Krisen ereignet als auf dem Festland. So wurde zum Beispiel während der Massenaussterben gegen Ende des Devons vor 370 bis 360 Millionen Jahren (Kellwasser- bzw. Hangenberg-Event) das Phytoplankton so stark reduziert, dass es rund 150 Millionen Jahre dauerte, bis die ursprüngliche Artenvielfalt wieder erreicht wurde (in der Fachliteratur als „Phytoplankton-Blackout“ beschrieben).

      Auch nach der Katastrophe an der Perm-Trias-Grenze mit einer Aussterberate von bis zu 95 Prozent in den ozeanischen Habitaten kam es keineswegs zu einer rasch verlaufenden Erholphase. Die Regeneration der marinen Ökosysteme erfolgte mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, nahm aber für die damaligen Korallenarten etwa 8 Millionen Jahre in Anspruch.

      http://fossilhub.org/wp-content/uploads/2013/03/Chen_Benton2012_PT_recovery.pdf

      Im weiteren Verlauf ereigneten sich während des Mesozoikums und gehäuft in der Kreide sogenannte Ozeanische anoxische Ereignisse mit erheblichem Einfluss auf die Biodiversität in den Meeren.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Ozeanisches_anoxisches_Ereignis

      An allen geschilderten Ereignissen waren Treibhausgase wie Methan und Kohlenstoffdioxid in starkem Maße beteiligt und bildeten direkt oder indirekt (in Form von Rückkopplungsprozessen) einen bedeutenden klimatischen und biologischen Faktor.

  16. „Es geht dabei auch nicht um Umweltschutz; auf dem Spiel steht vielmehr der Fortbestand der menschlichen Zivilisation.“

    Danke dass das auch mal so deutlich gesagt wird. Hier besteht das Risiko, dass nicht nur ein paar Leute ihr Haus oder ihre Lebensgrundlage verlieren, hier besteht das Risiko, dass diese Umwälzungen zum Aufkündigen unserer Gesellschaftsverträge führen. Nicht lustig.

  17. Haben sie eigentlich auch einmal über die Folgen ihrer abstrusen Forderung nachgedacht?
    Diese sogenannte „Decarbonisierung“ wird zu Millionen Arbeitslosen und zur Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten führen.Schon jetzt ist der Strom in D so teuer wie kaum wo anders,die Bürger werden mit teuren Wärmedämmmaßnahmen gegängelt und von allen Seiten ausgenommen.Jetzt kommt noch die Enteignung der Autofahrer durch Fahrverbote in den Städten.Und das alles für eine Erderwärmung deren Ursachen man nicht wirklich klar beweisen und der ANNAHME das man mit der Vermeidung von CO² Emissionen diese aufhalten kann!

    • Zunächst einmal ist die Hauptursache der globalen Erwärmung ganz klar der CO2-Anstieg, dazu gibt es seit vielen Jahren einen fast kompletten Konsens in der Wissenschaft, weil die Belege einfach erdrückend sind; die Physik ist verstanden. Nur noch Lobbyisten und Ideologen (Trump, AfD) bestreiten dies (das allerdings mit massiven Geldmitteln und PR-Profis).
      Zweitens: wo sind die Belege für Millionen Arbeitslose und Verelendung? Schon heute arbeiten doch mehr Menschen in erneuerbaren Energien als in Kohle. Grüne Energien sind der Zukunftsmarkt; Länder wie China haben das erkannt. Die realen Stromkosten für die Verbraucher (d.h. inflationsbereinigt) sind in den letzten Jahren in Deutschland gesunken, auch wegen dem wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien. Leider gibt es immer noch viele, die dazu innovationsfeindliche Ängste und Schauermärchen verbreiten, die man kritisch hinterfragen sollte.

      • Alleine der VW-Konzern baut 30000 Arbeitsplätze ab,werden nicht mehr gebraucht „dank“ Elektromobilität. Und das ist nur ein Beispiel.Solarzellen werden in China gefertigt,nicht in Deutschland usw.,usw.

        • Uwe Johann Pflügl schreibt:
          „Alleine der VW-Konzern baut 30000 Arbeitsplätze ab,werden nicht mehr gebraucht „dank“ Elektromobilität. Und das ist nur ein Beispiel.Solarzellen werden in China gefertigt,nicht in Deutschland usw.,usw.“

          Nach Ihrer Argumentation dürft es niemals subsituierende Weiterentwicklung geben. Z.B. hätte man nie auf Pferde als Transportmittel verzichten dürfen – Herscharen an Hufschmieden und Kutschenbauer wurden dadurch obsolet.

          Sie müssen schon zugeben, dass die drohende Arbeitslosenzahlen ein ziemlich armseliges Totschlagargument ist.

        • Die Elektromobilität wird aber so oder so kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann gibt es keine billigen fossilen Brennstoffe. Entsprechend müssen die Unternehmen sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen.

        • Arbeitsplätze fallen bei VW vorwiegend weg, weil VW bewusst und selbstverschuldet diverse Entwicklungen verpasst hat, am freien Markt.

          Arbeitsplätze sind übrigens kein Selbstzweck und somit wohl nicht dafür geeignet alles, z.B. die Zerstörung der Lebensgrundlage zu rechtfertigen. Es wären für die Zukunft auch gesellschaftliche Modelle denkbar (wünschenswert), in denen Teilhabe an der gesellschaftlichen Wertschöpfung und die individuelle ökonomische Sicherung anders gewährleistet wird als über den Platz, an dem die ihm zugewiesene Arbeit verrichtet.

        • Der VW-Konzern baut Stellen ab, weil er für seine Betrügereien ca. 25 Millirden $ zahlen musste.
          Auch hat der VW-Konzern das Problem, dass er keine zeitgemäßen Produkte anbieten kann. In Sachen E-Mobilität und Hybrid-Antrieb hatten sie viele Jahre die Arroganz, das als unnötige Modeerscheinung zu betrachten. Derweil wurde die Verringerung von Spaltmaßen zur Religion erhoben.
          Kein Wunder, dass daraus ein technisches Hinterherhinken erwuchs, dass in hohem Maße auch Arbeitsplätze gefährdet.

        • Sehr geehrter Herr Pflügl,

          wenn es denn wirklich so wäre^^ Immerhin kündigt VW ja schon seit langem an, „führend“ auf dem E-Auto-Markt werden zu wollen 🙂 Allerdings sprechen die REALEN Zahlen eine ganz andere Sprache, denn bis Ende 2016 befanden sich gerade mal lächerliche 25.502 E-Autos insgesamt auf deutschen Strassen- eine wahrhaft lächerliche Zahl angesichts von mehr als 45 Millionen Autos insgesamt auf deutschen Strassen:

          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/265995/umfrage/anzahl-der-elektroautos-in-deutschland/

          Wirklich massive Wachstumsraten gibt es allerdings auf dem absolut unzeitgemässen SUV Markt 🙂

          MfG,
          Nemesis

      • niemand bezweifelt, dass CO2 einen Teil zur jüngsten Erwärmung beiträgt und beitragen wird. Auch ihre oft benannten „Skeptiker-Denier“ sind bei den ominösen 97% dabei. Allerdings gibt es keinen Konsens bzgl. dem Anteil. Die Modelle erzeugen wohl eine nahezu 100% anthropogene Erwärmung, geeinigt hat sich die Wissenschaft jedoch auf die Aussage, dass seit 1950 mind. 50% der Erwärmung anthropogen ist. Weil es eben diese enormen Unsicherheiten gibt!

        • Die Aussage des IPCC-Berichts lautet, dass der Mensch die dominante Ursache der Erwärmung seit 1950 ist. Die meisten Abschätzungen des menschlichen Anteils liegen leicht über 100% – d.h. die anthropogene Erwärmung wurde durch eine leichte natürliche Abkühlung aufgrund der abnehmenden Sonnenaktivität etwas abgemildert.

          • wirklich?
            „In the light of new evidence and taking into account the remaining uncertainties, most of the observed warming over the last 50 years is likely to have been due to the increase in greenhouse gas concentrations…“

            http://www.ipcc.ch/ipccreports/tar/vol4/index.php?idp=22

            Wie ich schrieb, sie berufen sich schon wieder rein auf die Simulationen mit den unsicheren Parametrisierungen.

          • Lesen Sie einmal gründlich nach – die Eingrenzung des anthropogenen Anteils der vergangenen Erwärmung beruht keineswegs „rein auf Simulationen“ sondern vor allem auf Messdaten.

          • Etwas rechnen gehört immer dazu, aber das wichtigste dabei sind doch die Messdaten. Sie können z.B. vergleichen: wie stark ist der Strahlungsantrieb durch veränderte Sonnenaktivität oder Vulkanaerosole im Vergleich zum Strahlungsantrieb durch den CO2-Anstieg? Dabei stellen Sie dann z.B. fest, dass sich seit Mitte des 20. Jh. die Sonnenaktivität verringert hat (Messdaten!), also in Richtung Abkühlung wirkt. Eine andere Methode vergleicht characteristische räumliche Muster der verschiedenen infrage kommenden Klimaantriebe – sogenannte Fingerabdrücke – mit den beobachteten räumlichen Mustern der Erwärmung.

        • Zitat chze: „…niemand bezweifelt, dass CO2 einen Teil zur jüngsten Erwärmung beiträgt und beitragen wird….“

          Da irren Sie sich.

          Frau Dr. Frauke Petry (Dr. der Chemie) bestreitet die klimaschädliche Wirkung des CO2. Sie behauptet, dass der Anstieg des CO2-Gehalts das Ergebnis der Erwärmung der Ozeane sei und nicht umgekehrt.

          siehe: https://www.youtube.com/watch?v=1_SStcoIP5g&t=702s

          ab Minute 7 (man sollte sich diesen AfD-Schwachsinn tatsächlich nicht länger antun, als unbedingt notwendig, um zu erkennen, dass hier braune Rattenfänger unterwegs sind)

          (falls der link zum Vidoe wieder nicht funktioniert, bei youtube folgende Filmüberschrift suchen: GENIAL! Frauke Petry (AfD) zerlegt linke Gegendemonstranten! – die AfD-Jünger freuen sich offensichtlich über diesen Offenbarungseid der Fr. Dr)

          • ich meine Wissenschafter, nicht Politiker!

            Und auch bei den Politikern darf man nicht alles herausklauben, was sie da und dort mal gesagt haben. Wie bei Trump, dessen wissenschaftliche Berater und zumindest hin und wieder auch er selbst sagen, dass der Anteil ungewiss ist und wahrscheinlich geringer, als vom Mainstream behauptet. Sogar das IPCC (WGI) zeigt dazu keine Diskrepanz, leider sind die IPCC Summaries oft nicht ganz mit den Arbeitsgruppen Ergebnissen kompatibel. Das die globale Erwärmung von vielen Seiten auch maßlos dramatisiert und übertrieben wird, steht wohl genau so wenig außer Frage, wie das es eine solche gibt. Auf beiden Seiten findet sich viel Unsinn!

      • Ich muss Herrn Pflügl da zumindest zum Teil recht geben mit den Arbeitsplätzen. Im Bereich der Energiewirtschaft ist es durchaus so, dass die Anzahl der Arbeitsplätze im erneuerbaren Bereich die Zahl der abgebauten im fossilen Bereich bei weitem übersteigt. Eigentlich ein Argument dafür, die Subventionen der fossilen Energieträger zu beenden.
        Im Bereich Elektromobilität sieht das allerdings komplett anders aus. Ich habe viele Jahre im Bereich Automatisierung in der Zulieferindustrie gearbeitet, ich kenne also den Bereich sehr gut. Die Komplexität des Produktes Auto liegt im Bereich e-mobilität an vollkommen anderer Stelle als bei den Verbrennungsautos. Ein E-mobil braucht keine Kolben, keine Ventile, keine Ventilfedern, keine Abgasrohrschellen etc. etc. etc.
        einige führende Autohersteller sind sich dessen mittlerweile bewusst. Allein das ist ein Grund, warum die Automobilindustrie umstellen wird. Im Bereich Antriebsstrang wird nämlich dieselbe Menge Autos mit 1/10 der Arbeitskraft produziert wenn es sich um E-mobile handelt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig in den Führungsetagen der Firmen eben darüber nachgedacht wird. Ich komme mittlerweile in meiner Arbeit viel mit Politikern zusammen und erwähne immer wieder scherzhaft den Zusammenbruch unserer Gesellschaft durch das E-Auto und die E-LKW´s. 54000 Arbeitslose durch VW, 22500 Arbeitslose durch Damler (wenn umstellung erfolgt ist) plus die Lieferanten. Keine Taxifahrer mehr, keine LKW-Fahrer (alles selbstfahrende E LKW´s), keine Tankstellen, kein Werkstattpersonal (der Tausch eines Motors in einem E-Auto ist Sache einer Stunde, die Batterie tauscht man in Minuten).
        Ich habe noch nie einen Politiker getroffen der darüber wirklich nachgedacht hat.
        Das ganze ist mitnichten ein Grund, den Status quo zu behalten, im Gegenteil. Hab ich früher scherzhaft gesagt, ich rationalisiere 90% der Arbeitsplätze weg, meine ich das mittlerweile wirklich ernst, und ich tue das gerne, weil ich der Meinung bin, dass wir dann gezwungen sind, mal über ein anderes Gesellschaftsmodell nachzudenken. (leider tu ich das nicht mehr, ich bin wieder in meinem ersten Metier tätig, der Geologie) Denken wir nicht darüber nach, tritt das ein, was Herr Pflügl erwähnt, eine Arbeitslosigkeit sonder gleichen. Sorgen wir vor, haben wir eine historische Chance, einen Wohlstand und eine Lebensqualität zu schaffen die wir uns bisher nicht vorstellen konnten.
        Das Problem ist hier Unkenntnis, bis hinein in oberste Firmenleitung, erst recht bei der Zulieferindustrie, mangelnde Risikobereitschaft (Damit hab ich immer zu kämpfen bei Automatisierung), und Angst vor neuem. Diese Angst sehen wir hier ständig mit ihren Symptomen der Ablehnung. Das ist den Leuten dann noch nicht einmal bewusst…….

        • Natürlich es es viel einfacher, einen Elektromotor zu bauen als einen Verbrennungsmotor. Gewissermaßen kinderleicht: schon mit 13 habe ich einen Elektromotor selbst gebaut – aus ein paar Blechteilen, einem Magneten und Draht – mit selbst gewickelter Spule für den 3-T-Anker Elektromagneten. Aber wie Sie ja auch sagen: es wäre sicher kein Argument, Millionen Menschen weiter unter Verkehrslärm und Abgasen leiden zu lassen, nur weil ein Elektromotor leichter zu bauen ist und daher weniger Arbeit erfordert.

        • Ich kann dieses Arbeitsplatz“argument“ wirklich nicht mehr hören. Als ob die Unternehmer vornehmlich an der Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen interessiert wären, nicht an Profiten. Fakt ist, dass die Zahl der Arbeitsplätze in den reichen Industriestaaten seit Jahrzehnten kontinuierlich zurückgeht und das liegt todsicher nicht an der Energiewende, sondern am Wirtschaftssystem 🙂 Allerdings, im Zuge der Klimaerhitzung wird auch die Wirtschaft heftig leiden und das kostet dann richtig Arbeitsplätze.

      • es gibt viele Wissenschafter, welche den anthropogenen Anteil weit geringer sehen, als sie das tun. Es ist zu einfach zu behaupten, diese wären alle irgendwie mit einer Lobby verbündet. Das könnte man ihnen ja auch vorhalten.
        Erneuerbare Energien, ja, warum nicht, da hat ja kein Mensch was dagegen. Nur welche? Glauben sie, die Lösungen liegen bei Wind und Solar? Wenn die mal groß raus kommen, verbrauchen sie auch alle möglichen Ressourcen und die Energiedichte ist dermaßen gering, dass es sich um keine nachhaltige Sache handeln kann. Eine übermäßige Förderung dieser EE ist ökologisch wie ökonomisch irrsinnig und ein nicht fertig gedachtes Politikum.

        • Dann nennen Sie doch bitte die Studien, die einen geringeren anthropogenen Anteil aufzeigen – ich kenne keine. Eine recht aktuelle Übersicht über die Studien zu dieser Frage hat letztes Jahr der Guardian gebracht: https://www.theguardian.com/environment/climate-consensus-97-per-cent/2016/apr/19/study-humans-have-caused-all-the-global-warming-since-1950.

          Die pauschale Aussage, Wind und Sonne seien wegen geringer Energiedichte nicht nachhaltig, kann ich auch nicht nachvollziehen. Die Energiedichte ist nur für die benötigte Fläche relevant. Wir wohnen im Berliner Raum und haben einen Teil des Daches mit PV belegt – nicht optimal zur Sonne ausgerichtet, teilweise durch eine große Eiche beschattet – und erzeugen übers Jahr doppelt so viel Strom, wie unsere 4-köpfige Familie verbraucht. Dazu haben wir noch eine thermische Solaranlage für das Warmwasser auf dem Dach sowie erhebliche Fensterflächen. So schlimm kann der Flächenbedarf also nicht sein, zumal die Dachfläche sowieso die Sonnenenergie absorbiert, ohne PV-Anlange verpufft sie halt nur bzw. überhitzt im Sommer unser Dachgeschoss.

          • ich bitte sie, natürlich kennen auch sie etliche Studien, welchen von einer geringeren Klimawirkung über CO2 ausgehen, als sie es laufend behaupten. Nur, sie nennen diese allesamt „Skeptiker“ oder wie ihr Kollege Mann aus Übersee „Denier“. Sogar in der IPCC Gemeinschaft gibt es dazu keinen Konsens und nur weil die Ensemble Means einzelner Klimamodelle keinen natürlichen Anteil erzeugen, weiß man darüber noch immer sehr wenig. Warum tun sie immer so, als wenn alles klar wäre und warum bewegen sie sich immer am „worst case“ Ende?

            Naturwissenschaft beobachtet die Natur, nicht den politischen Mainstream.
            Energiedichte ist ein wesentlicher Faktor für zukünftige, nachhaltige Energieversorgung. Momentan erscheint ein Mix aus vielen Anbietern sinnvoll, aber sicher nicht das Verteufeln von allem Fossilem und das Schönreden von Wind und PV. Ja eh, da und dort in gewissem Ausmaß, aber das was sie sich vorstellen, wird von allen Seiten kritisiert, außer der aktuellen Regierung und einigen NGO´s. Wenn man hier nicht überlegt und vernünftig weiter macht, wird die Sache kippen und man sollte die Klimatologie nicht missbrauchen, um damit die E Wende anzuheizen. Genau das passiert aber und ich nehme es ihnen nicht ab, dass sie das nicht wissen.

          • Sie können also keine einzige Studie benennen, die den anthropogenen Anteil an der Erwärmung bestimmt, und dabei zum Ergebnis kommt, dass dieser nicht dominant ist? Schade.

          • doch, hier einige:
            [IMG]http://i65.tinypic.com/2db2dz6.jpg[/IMG]
            http://de.tinypic.com/r/2db2dz6/9

            schade ist viel mehr, dass sie alles, was nicht nach ihrem Geschmack ist, völlig ignorieren, anstatt sich umfassender mit all den Unsicherheiten zu beschäftigen und diese auch zu äußern. Immer nur am äußersten Rand der Möglichkeiten argumentieren versuchen und das Ganze noch dazu als fundiert bezeichnen, ist sicher nicht der richtige Weg.

            Im Übrigen hat sich die tropische Troposphäre seit fast 30 Jahren kaum erwärmt, dort wo „ihre“ Modelle den CO2 Effekt am besten abbilden sollten und die Stratosphäre ist seit rund 20a von keiner weiteren Abkühlung betroffen. Fakten, welche man in Bezug zum IR Forcing nicht ignorieren kann!

          • Die Grafiken enthält Abschätzungen der Equilibrium Climate Sensitivity (ECS), aber keine Abschätzung des anthropogenen Anteils an der vergangenen Erwärmung.

          • was ECS bedeutet, ist hier wohl allen klar und wenn wir gerade dabei sind, auch hier liegt das IPCC weit über dem Mittel der jüngeren Studien, wenig verwunderlich, aber lassen wir das mal.
            Natürlich ist dieses Maß eine gute, wenn nicht die beste Möglichkeit, den Einfluss der gemessenen CO2 Erhöhung auf die Erwärmung der letzten 100a abzuschätzen und da die meisten Modelle die Erwärmung bis rund 1950 (ohne THG) nicht mal annähernd ausreichend abbilden, liegt es zumindest nahe, dass hier einiges nicht stimmt. Eine direkte Messung des CO2 Effektes wird es niemals geben können, oder behaupten sie tatsächlich etwas anderes, dann zeigen sie mir mal etwas, was ihre Ansagen stützen könnte.

          • Eine niedrige Klimasensitivität – wie etwa von Lindzen und Choi behauptet – beruht ja in der Regel physikalisch auf der Annahme negativer Feedbacks, die die globale Temperatur stabil halten. Daraus folgt erstmal nichts über den anthropogenen Anteil an der erfolgten globalen Erwärmung, weil diese negativen Feedbacks das Klima auch gegenüber natürlichen Veränderungen stabilisieren – sie wirken wie ein Thermostat und unterscheiden gar nicht zwischen anthropogen oder natürlich. Die Abschätzung des anthropogenen Anteils erfolgt wie erwähnt in einem anderen Typus von Studien, wie auch in dem von mir verlinkten Guardian-Artikel beschrieben. Eine solche Studie, die einen geringen anthropgenen Anteil zum Ergebnis hatte, haben Sie nach wie vor nicht benennen können. Schade.

          • ja eh und genau darum geht es. Unter rund 1°C bei 2 mal CO2 sind es negative Feedbacks, welche überwiegen könnten, was wohl extrem unwahrscheinlich sein sollte und darüber sind es eben die positiven-. Da der Planet einer aus Wasser ist, kann sich die Temperatur nicht x beliebig erhöhen, es erfolgt sicher ein Ausgleich (Dämpfung) über den Wasserkreislauf. Alleine deshalb sind diese absurden Simulationen, welche 4-7°C in 100a ergeben Voodoo Science.

          • Wir kommen sehr vom Thema des Beitrages ab – ich schlage vor diese sinnlose Debatte zu beenden. Der Wasserkreislauf ist übrigens ein verstärkender Feedback: wärmeres Klima heißt mehr Wasserdampf in der Luft, und Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas. Da es in großen Teilen der Erdgeschichte ja auch schon so warm und der Planet z.B. komplett frei von Kontinentaleis war, gibt es offensichtlich keine „Dämpfung“, die derartiges verhindert hätte.

          • das ist völlig falsch Herr Rahmstorf, denn sonst wäre unser Planet schon längst verdampft. Überlegen sie bitte, was sie schreiben!
            Ich glaube ihnen schon, dass ihnen das Thema nicht sonderlich gefällt nur ist das kein guter Grund, eine grundlegende Diskussion auf ihre Art zu beenden. Mir ist alles klar, aber die anderen Leser könnte es interessieren.

          • Sicher ist das Thema interessant, aber wir versuchen hier, nicht unter jedem Blogbeitrag wieder kreuz und quer alle Klimaskeptikerargumente zu diskutieren, sondern dem im Sinne der Lesbarkeit ein wenig Struktur zu geben. D.h.: Leserkommentare sollten zum Thema des Blogbeitrags sein. Ein Blog, wo Ihre Frage gerade Thema ist, ist Realclimate, wo GISS-Direktor Gavin Schmidt gerade erläutert hat, weshalb die Abschätzung des anthropogenen Anteils der Erwärmung eben nicht mit der Klimasensitivität zu tun hat.

            Ihr neues Argument, dass eine positive (also verstärkendende) Rückkopplung quasi zum Verdampfen führt, verwechselt einen positiven Feedback (Feedbackfaktor > 0) mit einem Runaway Feedback (Feedbackfaktor >= 1). Auch dies ein klassischer Denkfehler mancher Klimaskeptiker, die sich ja vor allem durch ihr Halbwissen auszeichnen. Die Sache haben wir hier genauer erläutert (unter Punkt 5).

      • Die Anzahl der in einer Branche der Energieversorgung beschäftigten Menschen ist in diesem Kontext meines Erachtens nicht relevant, wobei ohnehin die Zahlen kaum vergleichbar und damit nicht aussagekräftig sind.

        Die Wirtschaft einer Industriegesellschaft benötigt, um konkurrenzfähig zu sein, eine zuverlässige, bedarfsorientierte Energieversorgung. Genau hier liegt die Achillesferse der weitgehenden Nutzung von Windenergie und Photovoltaik. Das Angebot muss sich der Nachfrage anpassen. Umgekehrt geht das nur in sehr eingeschränktem Umfang.

        Also muss eine Speichertechnologie her, die auch ausgedehnte Versorgungsengpässe überbrückt. Leider ist für diese Speicher keinerlei technische Lösung bekannt, die bei vertretbarem Aufwand auch nur größenordnungsmäßig die erforderlichen Energiemengen speichern kann. Pumpspeicherkraftwerke sind gefährlich, können nur an wenigen Orten gebaut werden und sind politisch zunehmend schwer durchsetzbar, abgesehen davon, dass sich damit niemals der Bedarf ganzer Industrienationen wird decken lassen. Außerdem sind das hydroelektrische Kraftwerke – mit allen bekannten Folgen für dei Umwelt.

        Kugelpumpspeicher in 700 Meter Meerestiefe mit ihren 20 MWh Kapazität – hat mal jemand nachgerechnet, dass man davon 600 Stück braucht, nur um die von einem einzigen 1000MW-Kraftwerk oder -Windpark in 12 Stunden eingespeiste elektrische Energie zu speichern? Und was ist mit den Nachteilen Für die Umwelt, wenn man wirklich einen Einsatz in nenneswerten Größenordungen vorsieht?

        Die Untauglichkeit solcher Vorschläge zu Speichertechniken werden sehr schnell evident, sobald man auch nur ein wenig rechnet. Da sollte man schon mal realistisch sein und anerkennen, dass es, wenn man wirklich ernsthaft den Ausstoß klimarelevanter Spurengase (Wohlgemerkt nicht nur CO2), keinen Weg vorbei an der einzigen bekannten und beherrschten Großtechnik für die Stromversorgung gibt – das ist die Kerntechnik, bis die Fusionstechnik verfügbar sein wird. Es passt vielen nicht, ich weiß, aber bessere – realistische – Ideen, wie man jetzt emissionsfrei unsere wachsende Weltbevölkerung versorgen kann, legt ja keiner auf den Tisch.

        • Das sehe ich gerade umgekehrt – beim Klimaschutz auf Kernenergie zu setzen halte ich für völlig unrealistisch. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag, hier ging es mir darum, das Tempo der nötigen Emissionsreduktion zu diskutieren.

          • Kann ich nicht nachvollziehen. Ihrem Blogbeitrag entnehme ich, dass eine dringende Notwendigkeit zur sofortigen, massiven Reduktion klimarelevanter Emissionen besteht. Dem kann ich folgen. Da es schnell gehen muss, sollte man alle verfügbaren Technologien nutzen, mit denen das Ziel erreicht werden kann. Die Kerntechnik ist nachweislich großtechnisch einsetzbar und sie ist verfügbar. Bei den „erneuerbaren Energien“ ist das nicht der Fall – die sind entweder umweltschädlich und gefährlich oder sie garantieren wegen des Mangels an Speichertechnologie keine Versorgungssicherheit. Das heißt, sie ist nicht verfügbar.

            Da kann es eigentlich nur die eine Konsequenz geben, jetzt die Kernenergie zu nutzen (allerdings mit modernen Anlagen der neuesten Generation, nicht durch Verlängerung der Laufzeiten von Uraltanlagen). Was ist daran denn „unrealistisch“?

            Oder haben wir noch eine Wahl bzw. können wir noch Jahrzehnte abwarten? Dann allerdings verstehe ich den Blogartikel nicht.

          • „Thema für einen anderen Beitrag.“ Es wäre gut, Herr Prof. Rahmstorf, wenn Sie dann dafür demnächst (oder in nicht allzu ferner Zukunft) einmal Zeit finden würden. Die Argumente von Herrn Khan halte ich in jedem Fall für beachtenswert.

            Herr Khan, Sie sollten bei der Diskussion dann unbedingt dabei sein. Es geschieht selten, dass man in sachlichem und unideologischem Ton etwas pro Atomenergie zu hören bekommt.

            Das schreibt ein sehr engagierter Anhänger der 3 E`s: Erneuerbare, Energieeffizienz und Energie sparen (durch verantwortungsbewusstes Verhalten).

        • Was heißt hier, es sei „keinerlei technische Lösung bekannt, die bei vertretbarem Aufwand auch nur größenordnungsmäßig die erforderlichen Energiemengen speichern kann“. Natürlich ist ein solcher Speicher bekannt, nur haben Sie diesen nicht aufgezählt. Für die Langfristspeicherung existieren diverse PtG bzw. PtL-Technologien, die Wasserstoff, Methan, Methanol o.ä. produzieren. Diese Technik ist nicht nur bekannt, ihre Funktionsfähigkeit wurde inzwischen auch in vielerlei Prototypen demonstiert. Es geht nur noch drum, die Kosten zu senken und den Wirkungsgrad zu steigern.

          Mittlerweile liegen aber bereits PtG-Konzepte vor, die Gesamtwirkungsgrade (Strom zu Strom) von 70 % zulassen, was nur etwas weniger ist als bei Pumpspeichern. http://pubs.rsc.org/en/Content/ArticleLanding/2015/EE/C5EE01485A#!divAbstract Wenn man jetzt berücksichtigt, dass PtG-Anlagen ohnehin erst benötigt werden, wenn 60-80 % EEs erreicht sind, dann ist noch genug Zeit, derart verbesserte Anlagen auch in der Praxis zu testen. Ein technisches Hexenwerk sind PtG-Anlagen ja nicht gerade: Die erste windstrombetriebene PtG-Anlage wurde bereits 1895 (!), also vor über 120 Jahren durch Poul la Cour betrieben.

          Dass keine technische Lösung für Langzeitspeicherung bekannt sei, ist schon eine arge Verzerrung der Realität, um nicht zu sagen ein ziemliches Strohmannargument. Sie sollten die wissenschaftliche Debatte schon einigermaßen korrekt wiedergeben.

          Fakt ist, das erneuerbare Energiesystem ist in der Entwicklung viel weiter als die Atomtechnik. Alle Technologien, die wir für ein ausschließlich erneuerbares Energiesystem brauchen (Windräder, PV-Anlagen, E-Autos, Wärmepumpen, Speicher wie Batterien und Power-to-Gas) sind vorhanden und haben ihre Funktionsfähigkeit in der Praxis längst demonstriert. Von der Atomtechnik kann man das nicht behaupten. Kernreaktoren der 3. Generation können die Welt nicht mit Energie versorgen, Reaktoren der 4. Generation sind bisher nur Konzepte, deren Funktionsfähigkeit in der Praxis erst bewiesen werden muss, und ob die Kernfusion jemals kommt, steht derzeit noch in den Sternen. Nicht die Atomtechnik ist die konservative Technik, die man im Notfall als Rückfallebene nutzen kann, es sind die Erneuerbaren Energien. Die ganze Atomtechnik, die für eine dauerhafte Energieversorgung benötigt würde, existiert hingegen bisher nur auf dem Papier.

          • Was für ein wildes Gemisch von „Konzepten“, Dingen, die als Prototyp vorliegen, nur im Labor oder noch nicht mal das. Leider ist das typisch für Debatten, in denen es um „erneuerbare Energien“ geht, was alleine schon mal Zweifel weckt. Zahlen, die mal in einem Paper behauptet wurden („70% Wirkungsgrad Power to Power“) sind doch überhaupt nicht belastbar. Bei Strom-Methan-Strom ist, wenn man etablierte Technik ansetzt, der Gesamtwirkungsgrad deutlich unter 40%, wahrscheinlich näher an 30%.

            Was steckt aber für ein apparativer Aufwand im Aufbau der ganzen Anlagen? Meine Aussage enthielt ja schon den Zusatz „bei vertretbarem Aufwand“.

            Es wird wirklich in der Debatte um erneuerbare Energien zu wenig von der Speicherproblematik geredet. Erstaunlich angesichts der Wichtigkeit des Themas, aber vielleicht auch nicht erstaunlich, weil da der hase im Pfeffer liegt. Lieber redet man von den Kosten pro installierter Leistung. Natürlich fallen die Kosten pro installierter leistung, wenn die Anlagengröße zunimmt, aber die installierte Leistung ist bei einem Wind- oder Solarkraftwerk nun einmal von untergeordneter Bedeutung. Ein Windpark mit zehn Gigawatt installierter Leistung ist bei Flaute ein Kraftwerk mit Null Gigawatt realer Leistung.

            Die Grundaussage des obigen Blog-Artikels ist, dass es schnell gehen muss. Uns geht die Zeit aus. Das sehe ich genau so. Den Luxus, nun auf großartige Neuerungen und Erfindungen warten zu können, haben wir schlicht nicht. Deswegen reite ich auch der heutigen großtechnischen Einsetzbarkeit herum. Das ist der Kernpunkt. Wir müssen das jetzt heben. Weltweit.

            Natürlich könnten Kernkraftwerke der dritten Generation einen erheblichen Teil der Grundlastversorgung erreichen. Auch bei uns, aber leider haben wir 30 Jahre geschlafen und nicht ausreichend in diese Technik investiert. Ein Fehler, der sich nun rächen wird.

  18. Lieber Herr Rahmstorf,

    wie lange ist die durchschnittliche Verweildauer von Kohlendioxid in der Atmosphäre? Da gibt es unterschiedliche Angaben von Quellen, die ich als seriös einstufe.

    30 bis 1000 Jahre
    http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Treibhausgase

    200 Jahre
    http://www.zeit.de/2014/40/kohlenstoff-treibhausgas-klimaschutz/seite-4

    120 Jahre
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase

    Wann sind die Meere gesättigt, sodass sie kein CO2 mehr aufnehmen. Nimmt die Aufnahme der Meere von CO2 schon ab?

    Zur Schwarzmalerei ist Wilhelm Busch folgendes eingefallen:

    >> Also spricht der Fatalist:
    Du mußt werden, wie du bist.
    Widerstreben ist vergebens.
    Der Gebieter allen Lebens
    gab dir schon von Anbeginn
    Deinen Wunsch und Eigensinn,
    Bald mit ja und bald mit nein,
    Gerade so und so zu sein. <<

    Heißt für mich: An mir soll es nicht liegen, dass der Mensch sein lässt das Kokeln mit Erdöl und Kohle relativ hurtig. Und wenn es nur der Wechsel zur fossilfreien Bank, das Fahrrad, Kraftwärmekopplung, LED-Leuchten, ausschaltbare Steckerleisten und Hosen aus Hanf sind.

    Daran haben Sie, Herr Rahmstorf, Ihren Anteil. Vielen Dank dafür. Na dann, frohe Ostern

    • Die Verwirrung über die Verweildauer entsteht daher, dass es mindestens drei Abklingzeitskalen durch unterschiedliche Prozesse gibt, die atmosphärisches CO2 in andere Reservoirs (Böden, Wälder, Ozean – am Ende in die Sedimente) überführen. Und man kann „Verweildauer“ unterschiedlich definieren. Zum Beispiel die Verweildauer eines bestimmten Moleküls – die ist dann nur ca. 5 Jahre, aber das liegt einfach nur daran, dass CO2 ja ständig ausgetauscht wird durch Photosynthese und Gasaustausch mit dem Ozean. Uns interessiert aber auch nicht, ob dasselbe Molekül noch in der Luft ist, sondern wie lange eine Erhöhung der Konzentration anhält. Sie könnten die Zeit nehmen, bis eine Anomalie auf die Hälfte abgeklungen ist, oder auf 1/e oder ein Zehntel, und erhalten jeweils andere Zeiten. Ein erheblicher Teil bleibt sogar noch Jahrtausende erhalten – daher würden wir durch weitere starker Nutzung von fossiler Energie in diesem Jahrhundert sogar die nächste Eiszeit in 50.000 Jahren verhindern, wie Ganopolski et al. letztes Jahr in Nature gezeigt haben.

  19. Zweckoptimismus, ich höre zwar die Worte der Klimakanzlerin, aber messen möchte ich die Entscheidungsträger an den Taten. Da sieht es recht düster aus.

    Beispiel: Der Bund hat gerade die zuvor zugesagte Erhöhung von ÖPNV-Förderung zurückgedreht und sogar gedeckelt, bis 2025 (!).

    „Berlin hatte zusätzliche Millionen für Bus und Bahn in Aussicht gestellt – daraus wird nun doch nichts. Im Gegenteil, trotz zusätzlicher Nutzer sollen die Mittel in den kommenden Jahren gedeckelt werden. […] Die Bundesregierung friert die Mittel stattdessen sogar auf Jahre hin ein. Aus dem Paket von Grundgesetzänderungen, das die Regierung zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen vorgelegt hat, geht hervor, dass die Mittel bis 2025 nicht erhöht werden können. Dort ist die Förderhöhe von 332 Millionen Euro festgeschrieben. Änderungen sind erst in acht Jahren möglich. Dann könnte die Zahlung sogar ganz eingestellt werden. […] „Die Finanzierung des Infrastrukturausbaus für S-Bahnen und Stadtbahnen ist für viele Projekte in Deutschland nicht gesichert“, sagt Verkehrsexperte Stephan Kühn. Die Grünen sehen etwa den Ausbau von S-Bahnstrecken in Hamburg, Köln, dem Rhein-Main-Gebiet und München in Gefahr.“
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zuschuesse-der-bund-spart-am-nahverkehr-1.3462411

    Aus meiner Sicht müssten sich (ähnlich wie Großstädte und Staaten in den USA) _jetzt_ Länder und Kommunen per Eigeninitiative stärker im Klimaschutz engagieren, im Verkehrsbereich über Lenkungseffekte durch City-Maut, Verteuerung von Parkplätzen etc., deren Einnahmen direkt in den ÖPNV-Ausbau fließen könnten.

    Der Bund scheint (wie an den Abermilliarden für Autobahnen zu sehen) in Händen der Autoindustrie gefangen. In anderen relevanten Feldern (Energieerzeugung) sieht es wohl nicht viel anders aus.

    Werden Klimathemen denn zielgerichtet an Entscheidungsträger auf Länder- und Kommunalebene (Großstädte!) kommuniziert?

  20. Lieber Herr Rahmstorf,
    vielen Dank für die klasse und lohenswert zu lesende Diskussion die Sie mit Ihrem klugen Beitrag initiiert haben. Um in Zugriffsnähe einer Lösung zu kommen, muss wohl so hoch gesprungen werden wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika dringend empfiehlt. Die Klimaentwicklung ist eben nicht die „Krankheit“, sondern doch nur „Symptom“, dass sicher „kuriert“ werden muss, allein hierfür muß der „Homo Anthropocänisus“ und dessen Paradigmen des Natur-, Mitwelt und damit Menschverständisses in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bzw. der notwendigen „Kur“ stellen.

  21. Ein Punkt, den Herr Rahmstorf anführt, ist die Tatsache, dass der CO2-Ausstoss aus der Energieerzeugung seit drei Jahren leicht rückläufig sei (Abb. 4). Wenn es auch in der Vergangenheit mehrfach solche Schwankungen gegeben hat, darf ein Optimist hierin natürlich einen Hoffnungsschimmer sehen. Ich habe hierzu eine Frage an Experten. Nehmen wir einmal an, diese Reduktion sei nachhaltig und setze sich fort. Wann schlägt sich dies in dem tatsächlichen CO2-Gehalt der Atmosphäre (Mauna Loa Kurve) nieder? Von dem Kyoto-Protokoll hat sie sich jedenfalls nicht beeindrucken lassen. Wird ihr das Pariser Abkommen zusetzen?

    • Das wird ziemlich lange dauern – siehe dazu die Diskussion auf meiner Facebook-Seite zu diesem Artikel. Die kurzfristigen Schwankungen der CO2-Anstiegsrate in der Atmosphäre (z.B. Mauna Loa) sind groß und werden durch die Biosphäre bestimmt – in einem Jahr mit viel Dürre ist die Anstiegsrate groß, etc. Dadurch ist die Zeitreihe so „verrauscht“, dass es lange dauern wird, bis man dort Veränderungen in den anthropogenen Emissionen feststellen kann.

  22. Die direkten Emissionen an CO2 sind noch zu ergänzen um den Aufwand, den wir künftig zur Wasserreinigung, Wasserentsalzung etc. tätigen müssen, um den heute übermässigen Verbrauch an sauberem Trinkwasser und Grundwasser in Industrie, Landwirtschaft etc. auszugleichen. Je eher wir beginnen, ernsthaft die Grundwasserbelastungen und übermässigen Entnahmen zu beenden, umso weniger Aufwand, der auch mit CO2-Erzeugung einhergeht, ist künftig erforderlich. Das gilt auch für Umstellung von Plastikprodukten mit langer Lebensdauer u.a.
    So nötig Klimapolitik auch immer ist, so wenig dürfen wir andere Problemfelder außer Acht lassen, um unseren Nachfahren eine Chance zu geben, wir unsere Generation sie hatte.

  23. In vielen Aspekten finde ich den Artikel zu optimistisch. Innerhalb von 10 Jahren die Emissionen von den ursprünglichen 100% auf 50% ist sehr ambitioniert. Meine Einschätzung ist, die Emissionen von 100% auf 80% in kurzer Zeit ist gut machbar, teilweise durch bessere Energieeffizienz realisierbar. Auf 50% runterzukommen ist enorm, das ist der schwierigste Schritt. Aber wenn (ja, wenn) man das mal erreicht hat, dann hat man Technologien in der Hand, die eine Senkung von 50% auf 25% wesentlich leichter machen. Es ist so ähnlich wie mit dem reich werden, die erste Million ist immer die schwerste. 😉

    Aber ob wir in 10 Jahren diese 50% erreichen, das halte ich für sehr fraglich. Allerdings habe ich mich gefragt, was passiert, wenn man die CO2-Reduktionsziele nicht erreicht, aber nahe dran kommt? Haben wir dann verloren? War dann alles um sonst? Ich denke mal nicht. Wenn sich jemand vornimmt, 20 Kilo abzunehmen und er schafft dauerhaft nur 15 Kilo, dann wird er auch nicht sagen, ich bin gescheitert. Vermutlich hätte er die 15 Kilo nicht mal erreicht, wenn das seine Zielvorgabe gewesen wäre.

    Ich bin aber im Zwiespalt. Zu starker Optimismus kann sich auch negativ auswirken. Wenn Anspruch und Wirklichkeit zu sehr auseinander klaffen, nimmt man die Ziele nicht mehr ernst. Die Gefahr sehe ich schon.

  24. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    warum bleibe ich trotz Ihrer geduldigen und ganz sicher auch sehr kompetenten Analysen des Klimawandels immer noch ein wenig skeptisch? Vielleicht, weil ich kein Naturwissenschaftler bin und viele Erklärungen nicht nachvollziehen kann. Ich verfolge die Diskussion um den von Menschen verursachten Klimawandel schon geraume Zeit, und es gibt zwei Punkte, mit denen ich nicht ins reine komme:

    1. Wenn Sie sagen: „Zunächst einmal ist die Hauptursache der globalen Erwärmung ganz klar der CO2-Anstieg, dazu gibt es seit vielen Jahren einen fast kompletten Konsens in der Wissenschaft, weil die Belege einfach erdrückend sind“, beruht diese Feststellung dann auf der statistisch ermittelten Korrelation von CO2- und Temperaturverlauf? Wie groß ist denn eigentlich die Signifikanz dieses Zusammenhangs, der – was ich Ihnen nicht sagen muss – genaugenommen ja sowieso nichts über eine Kausalität aussagt. Die Berufung auf den „fast kompletten Konsens“ – die 97%ige Zustimmung – mag ich nicht so gern. Sollte ein Wissenschaftler wirklich jemals so etwas wie „the science is settled“ sagen? Sind denn die Verfasser abweichender wissenschaftlicher Analysen allesamt Dummköpfe, verbohrte Überzeugungstäter oder gekauft? Sie kennen diese Arbeiten sicher. Ist denn wirklich keine darunter, die Ihnen zu denken gibt und auf die Sie einzugehen bereit wären?

    2. Sie sagen: „die Physik ist verstanden“. Ich habe Sie in einem anderen Thread schon einmal gefragt, ob experimentell nachgewiesen werden kann, dass eine Erhöhung des CO2-Gehalts in der Luft ceteris paribus zu einem Anstieg der Temperatur führt. Sie haben damals geschrieben, dass das leider nicht möglich ist. Was ich ehrlich gesagt nicht verstanden habe. Ich habe in den Blogs immer mal wieder von Versuchen in Schulen gehört. Was sagt denn die Klimawissenschaft dazu?

    • Lieber Herr von Oehsen, die Sicherheit, dass der Mensch Hauptursache der Erwärmung ist, beruht nicht auf Korrelation sondern auf einem Verständnis der Physik. Daher wurde ja die globale Erwärmung vorhergesagt bevor sie eintrat – schon daran sehen Sie, dass das nicht auf Korrelation beruht. Die globale Mitteltemperatur wird durch die Strahlungsbilanz unseres Planeten bestimmt (was für alle Planeten gilt, und was Fourier im Jahr 1824 erkannt hat). Sie müssen also anschauen, wie stark und wodurch die Strahlungsbilanz verändert wird – in den meisten IPCC-Berichten war das die Abb. 1 der Zusammenfassung für Entscheidungsträger. Und die wachsende Treibhausgasmenge – an erster Stelle CO2 – ist da nunmal die Hauptursache. Der CO2-Anstieg verursacht eine zusätzliche Heizung von 2 Watt pro Quadratmeter Erdoberfläche. Deshalb wird es wärmer.

      Was den Konsens angeht: die seltenen Papers in der Fachliteratur, die den dominanten Effekt des CO2 anzweifeln, sind praktisch immer für kompetente Experten sehr leicht als fehlerhaft erkennbar – meist erscheint dann kurz darauf in der Fachliteratur auch eine Antwort, die den Fehler identifiziert und belegt.

      Experimentell können Sie natürlich nachweisen, dass CO2 im Infraroten absorbiert (das hat John Tyndall 1859 getan) und damit die Treibhauswirkung belegen, es gibt dazu auch einfache Experimente mit Glasgefäßen. Allein: wie stark sich die Temperatur auf der Erde dadurch erhöht hängt von der vertikalen Temperaturschichtung und dem Strahlungsaustausch innerhalb der Erdatmosphäre ab und kann daher nicht im Labor experimentell nachgeprüft werden, sondern nur in der echten Atmosphäre. Oder eben im Rechenmodell. Dieser Strahlungstransfer ist bestens verstanden – die meisten Auswertungen von Satellitendaten beruhen genau auf diesem Verständnis.

    • Ich bin ebenfalls kein Naturwissenschaftler und kann daher manche klimawissenschaftlichen Aussagen auch nur begrenzt nachvollziehen. Ich weiß auch nicht, ob 98, 85 oder 60 % aller Expert*innen von der anthropogenen Verursachung des Klimawandels überzeugt sind. Trotzdem bemühe ich mich auf politischer Ebene seit Jahren um eine Intensivierung des Klimaschutzes. Warum?

      Ich will dies an zwei Beispielen erläutern:
      1. Vor ein paar Jahren hatte ich eine Lungenentzündung, bei der die Ärzte nicht wussten, ob sie auf einem bakteriellen oder einem Virusinfekt beruhte. Da der bakterielle Infekt ihnen als wahrscheinlicher erschien, haben sie mir Antibiotika gegeben. Hätten die Ärzte falsch gelegen, hätten sie meinen Körper einer unnötigen Belastung durch das Medikament ausgesetzt. Aber ihre Vermutung war richtig und ich war die Lungenentzündung nach einigen Tagen los.

      2. Bei der Modernisierung einer über 100 Jahre alten Schule in unserer Stadt stand die Frage, ob man denn wirklich die von den Brandschutzexperten geforderten teuren Brandschutzmaßnahmen wie die Errichtung eines zweiten Fluchtweges und Abschottungen benötigt, schließlich war es bisher auch schon 100 Jahre lang gut gegangen …

      Beiden Beispielen ist gemein, dass das Risiko eines unnötigen finanziellen oder gesundheitlichen Aufwandes besteht für den Fall, dass die Expert*innen sich täuschen. Dem steht aber ein viel größerer Schaden in dem Fall gegenüber, dass die Expert*innen recht haben, ihrem Rat aber nicht gefolgt wird.

      Den gleichen Effekt haben wir beim Klimaschutz…

  25. Wolfgang George,
    Sie kommen zur eigentlichen Ursache. Die „freie Weltwirtschaft“ hat nur eine Maxime, Wachstum.
    Und dieses Wachstum wird die Welt zuerst vermüllen , dann überhitzen und zuletzt nur verbrannte Erde zurücklassen.
    Wie es die Indianer vorausgesagt haben:“ wenn der weiße Mann die Erde berührt, stirbt sie“.
    Nur ein radikales Umdenken wie es der Papst fordert, kann hier noch helfen.

  26. Jeder kann was tun, insbesondere in den Betrieben in denen wir beschäftigt sind. Die billigste und klimafreundlichste Kilowattstunde ist die, die man nicht verbraucht.
    Stellen Sie in Ihren Betrieben Verbesserungsvorschläge und reduzieren so den Verbauch physikalisch um bis zu 25%. CNC Maschinen, 4-Schicht Betriebe, eine Maßnahme nach dem Trafo und richtig einsparen, das hilft lancierend.
    Die meisten Betriebe schlafen, rütteln Sie Ihren Betrieb durch einen Vertbesserungsvorschlag mit esaver.eu wach. Nutzen Sie den eSaver® Hersteller aus Böblingen.

  27. Bei aller Wertschätzung Ihres Beitrags Herr Rahmstorf, aber die diese Dekarbonisierung, so nötig sie auch von der naturwissenschaftlichen Seite Ihres Forschungsfeldes auch ist, bleibt gerade aus anderer naturwissenschaftlichen Sicht reine Utopie. Alles was uns heute auf diesem wissenschaftlich-technischen Niveau hier auch zu diesen hier von Ihnen vorgetragenen Erkenntnissen kommen lässt, basiert nun einmal auf diesem einmaligen fossilen Geschenk, den uns die geologischen und klimatischen Bedingungen der letzten Millionen von Jahren beschert haben. Das sollte man erst einmal verinnerlichen und dann entsprechend daraus folgern, was das für unser Weiterbestehen für Folgen hat. Man kann nicht einfach Erneuerbare und Effizienzfortschritte anpeilen, und genau die dafür notwendige fossile Basis abschaffen. Denn irgendwoher müssen die Erneuerbaren mit der entsprechenden Infrastruktur herkommen? Von den Erneuerbaren selber wohl eher nicht, da deren Energy Return on Investment rein energetisch quantifiziert betrachtet eher gering ausfällt. Kommt dann noch der qualitative Aspekt hinzu, also die Energie-, Leistungsdichte oder Wandelbarkeit auf die gegenwärtigen Bedingungen bezogen dazu, sieht es hier für ein Weiterso auf diesem hiesigen Entwicklungsniveau sehr düster aus. Der mit Abstand effizienteste Prozess der lokalen Entropieabnahme in unserem Sonnensystem ist und bleibt nun einmal die Photosynthese, wenn man es von der Wiege bis zu Bahre betrachtet. Alle Jene Technologien, die auf den energie- und leistungsdichten uns flexibel einsetzbaren Fossilen beruhen und das sind nun einmal die hiesigen Erneuerbaren, sind diesbezüglich letztlich deutlich ineffizienter, weil sie nicht selbsterhaltend wie die Photosynthese sind und schon in ihren jetzigen Ausmaßen global zu deutlichen Schäden an den planetarischen Sphären führen. Ich für meinen Teil kann nicht verstehen, warum man solche grundlegenden Zusammenhänge nicht sehen will, obwohl man doch bestimmte Teile des Systems wie hier die Atmosphärenphysik versteht. Man kann sich nicht zu einer dekabonisierten Welt reformieren, wenn gerade die dafür notwendigen Methoden und Verfahren selbst die Ursache allen Übels dafür darstellen. Oder anders ausgedrückt: Der Schopf, an dem man sich selber aus dem Sumpf herausziehen will, muss erst einmal außerhalb unseres Systems dafür erfunden werden.

    • Wenn ich Sie richtig verstehe ist Ihr Kernargument, dass die Erneuerbaren nur ein geringes energetisches „return on investement“ haben, d.h. zum Aufbau muss man erst sehr viel Energie hineinstecken. Das ist ein bekanntes Argument, das immer wieder vorgebracht wird – und leider quantifizieren Sie es nicht. Laut Umweltbundesamt: „Windenergieanlagen haben sich bereits nach etwa drei bis sieben Monaten energetisch amortisiert. Das heißt, nach dieser Zeit hat die Anlage so viel Energie produziert wie für Herstellung, Betrieb und Entsorgung aufgewendet werden muss.“ Ein fundamentales Gegenargument gegen die Umstellung auf 100% Erneuerbare kann ich in Ihrem Beitrag daher nicht erkennen.

      • Genau, darum geht es, werter Herr Rahmstorf. Auch wenn es, wie ich weiß, ein bekanntes Argument ist, bleibt die von Ihnen und anderen dazu gegebene Antwort immer wieder die Gleiche. Ihre angeführte diesbezügliche Quantifizierung mit dem Link auf das UBA lässt einen Ingenieur für Umweltverfahrenstechnik, wie ich es einer bin, leider auch nur ratlos zurück, da hier weder die Methodik noch die entsprechenden Grenzen der der Parameter hinsichtlich des Energieinputs und -Outputs aufgeführt wird. Zudem fehlt dort auch die qualitative Komponente, um die entsprechenden Wandlungsverluste quantifizieren zu können. Aus den KWh des bereitgestellten Stroms allein, wie bei der Windkraft, wird man keine WKA errichten können. Dafür bedarf es eines Mixes an unterschiedlichen Energiequellen, was dann aber auch entsprechend gewertet werden muss.
        Ich für meinen Teil weiß nur, dass dies ein sehr schwieriges Feld der wissenschaftlichen Analyse und Methodik ist, die von Prof. Charles Hall und anderen vor allem aus dem amerikanischen Raum bearbeitet wird.
        http://energyskeptic.com/2015/charles-a-s-hall-eroi-of-different-fuels-and-the-implications-for-society/

        Deren Werte liegen eindeutig und denen vom UBA genannten, zumal ja auch dieses zugibt, nur die Werte für die Anlage selbst heranzuziehen und nicht die zusätzlich notwendige vor- neben und nachgelagerte Infrastruktur sowie die notwendigen Reservekapazitäten aufgrund der Variabilität des Outputs.
        Ehrlicherweise sollte man dann auch aufführen, wie man dies alles aufrechterhalten will, wenn man, wie das erklärte Ziel ja ist, sich von den Fossilen, von denen ja der Hauptinput heute kommt, unabhängig machen will. Da wäre es doch schon sehr hilfreich, wenn man die Herstellung von Stahl ohne die Kohle, nur auf Basis eines erneuerbaren Energiemixes, in seinen Grundzügen aufzeigt. Das wäre ein Anfang, um seinen eigenen Argumenten Nachdruck zu verleihen. Einfache Zahlenspielereien Schreibtisch aus, wie man die zugrundeliegenden Rechnungen auch bezeichnen kann, werden kein Wirtschaftssystem am Laufen halten. Man sollte sich dann schon auch der nackten Realität stellen.

        • „Ihre angeführte diesbezügliche Quantifizierung mit dem Link auf das UBA lässt einen Ingenieur für Umweltverfahrenstechnik, wie ich es einer bin, leider auch nur ratlos zurück, da hier weder die Methodik noch die entsprechenden Grenzen der der Parameter hinsichtlich des Energieinputs und -Outputs aufgeführt wird.“

          Es sollte doch kein Problem sein, die Methodik in den entsprechenden Quellenverzeichnissen nachzulesen. Und falls man die dort nicht findet oder versteht, kann man auch entsprechend beim UBA nachfragen. Ich vermute mal, dass man wie in jedem MINT-Fach auch im Studium der Umweltverfahrenstechnik lernt, wo und wie man die entsprechenden Informationen herbekommt. Das setze ich u.a. bei Studenten, die bei mir die Bachelor- oder Masterarbeit schreiben, voraus.

          „Da wäre es doch schon sehr hilfreich, wenn man die Herstellung von Stahl ohne die Kohle, nur auf Basis eines erneuerbaren Energiemixes, in seinen Grundzügen aufzeigt.“

          Diese Konzepte und Umsetzungen existieren schon.
          http://www.erneuerbareenergien.de/das-erste-oeko-stahlwerk/150/437/97758/
          https://www.heise.de/newsticker/meldung/Emissionsfreies-Stahlwerk-ist-moeglich-2672415.html
          Diese Beispiele kannte ich selbst nicht, sondern hab sie nach w Minuten googeln gefunden.

          • „Es sollte doch kein Problem sein, die Methodik in den entsprechenden Quellenverzeichnissen nachzulesen. Und falls man die dort nicht findet oder versteht, kann man auch entsprechend beim UBA nachfragen. Ich vermute mal, dass man wie in jedem MINT-Fach auch im Studium der Umweltverfahrenstechnik lernt, wo und wie man die entsprechenden Informationen herbekommt. Das setze ich u.a. bei Studenten, die bei mir die Bachelor- oder Masterarbeit schreiben, voraus.“

            Man kann aber auch in einer sachlich geführten Diskussion wie hier voraussetzen, das man seine Argumente entsprechend mit Quellen unterlegt, die nicht nur mit einigen wenigen Worten die entsprechende Thematik berühren. In anderem Zusammenhang wird dies doch auch so hier so gehalten. Sie können mir schon glauben, dass ich mich um entsprechende Informationen gekümmert habe. Aber leider tut man sich hier von seiten des UBA sehr schwer. Darum halte ich mich an die entsprechenden Quellen, die hier nicht so ein Geheimnis drum veranstalten. Es wäre aber diesbezüglich ratsamer, anstatt sich hier zuerst den Quellen zuzuwenden, mal selber diese ganze Thematik zu durchdenken. Schon allein dann würdee der eklatante Widerspruch, der sich in diesem Zusammenhang auftut, klar zum Vorschein kommen.
            Ob nun zur Vermeidung schwerwiegender Klimaveränderungen oder wegen der Endlichkeit der fossilen Energieträger muss man doch in etwa Vorstellungen haben, wie man das hiesige Wirtschafts- und Gesellschaftssystem auf die annähernd 100 Prozent Erneuerbaren, von dem heutigen Ist-Zustand ausgehend, umstellen kann. Und hier ist es nun einmal ein Fakt, dass in den heutigen Erneuerbaren auch viel Fossil drinsteckt. Wie das sich im Einzelnen verhält, kann man sich anhand von bestimmten Wertschöpfungsketten veranschaulichen. Diesbezüglich wäre es doch jetzt notwendig, das Ziel immer im Auge behaltend, aufzuzeigen, wie diese einzelne Wertschöpfung schon heute ohne Fossile möglich ist. Und das bitte nicht anhand von Alibi-Projekten, wie hier in Ihrem Öko-Stahlwerk-Beispiel, sondern in seiner Gesamtheit von der Wiege bis zur Bahre. Das fängt dann vom Erz an, läuft über die Errichtung, den Betrieb etc. bis zur Verschrottung. Nur so kann man eine ehrliche Diskussion in Hinblick auf eine Umstellung auf eine dekarbonisierte Wirtschaft führen. Wenn man das nämlich nicht macht, nur auf Forderungen/Maßnahmen pocht, wird man die Menschen, die hier ja auch in diesem System leben und arbeiten müssen, nicht mitnehmen können. Denn auch ein Grundschüler weiß bereits, dass ein Windrad oder eine PV-Anlage nicht vom Himmel fällt, sondern irgendwo hergestellt werden muss. Und wenn er denn älter ist, wird er zudem auch in Erfahrung bringen, dass man mit dem Wind und Sonne erzeugten Strom allein kein Windrad oder keine PV-Anlage bauen kann.

          • Selbstverständlich gibt es von Fachleuten durchdachte Konzepte, wie wir ohne fossile Energien auskommen können. Zum Beispiel das WBGU-Gutachten zur Transformation enthält eine Übersicht über die (bis 2011 verfügbaren) Energieszenarien zur Dekarbonisierung aus der Fachliteratur – können Sie frei herunterladen. Eine wichtige Standardquelle dazu ist auch das Global Energy Assessment, an dem hunderte Energieexperten aus aller Welt etliche Jahre gearbeitet haben.

          • „Und hier ist es nun einmal ein Fakt, dass in den heutigen Erneuerbaren auch viel Fossil drinsteckt.“

            Herr Friedrich, wieso steckt in heutigen Erneuerbaren noch viel Fossil? Weil wir am Anfang einer Umstellung stehen und nicht an deren Ende. Wenn die Fossilen rund 90% (lassen Sie es gerne 10% mehr oder weniger sein) der Primärenergieversorgung ausmachen, dann ist völlig klar, dass in neue Technologien noch „viel Fossil steckt“. Das wird sich graduell ändern, je weniger fossil für unsere Energieversorgung genutzt wird. Das ist eine ziemlich einfache, nachvollziehbare Logik.

            „Diesbezüglich wäre es doch jetzt notwendig, das Ziel immer im Auge behaltend, aufzuzeigen, wie diese einzelne Wertschöpfung schon heute ohne Fossile möglich ist. Und das bitte nicht anhand von Alibi-Projekten, wie hier in Ihrem Öko-Stahlwerk-Beispiel, sondern in seiner Gesamtheit von der Wiege bis zur Bahre.“

            Sorry, aber was erwarten Sie von den Lesern hier? Wir sind kein Fach-Kolleg für Energiewirtschaft und -bilanzierung. Das hier ist ein freies Diskussionsforum, wo jeder nach besten Wissen und Gewissen eigene Gedanken und Erfahrungen aus verschiedenen Fachbereichen einbringen können. Mehr nicht. Wenn Sie ganz spezifische Fragen haben, dann sollte sie diese an die entsprechenden Experten stellen und nicht hier den Anspruch erheben, dass eine Blaupause der Energiewirtschaft der kommenden 50 Jahren in allen Details vorgelegt werden muss, sonst ist die Energiewende nicht diskutabel.

    • „Alles was uns heute auf diesem wissenschaftlich-technischen Niveau hier auch zu diesen hier von Ihnen vorgetragenen Erkenntnissen kommen lässt, basiert nun einmal auf diesem einmaligen fossilen Geschenk, den uns die geologischen und klimatischen Bedingungen der letzten Millionen von Jahren beschert haben. Das sollte man erst einmal verinnerlichen und dann entsprechend daraus folgern, was das für unser Weiterbestehen für Folgen hat.“

      Auch die Wälder mit ihrem Holz waren ein Geschenk der Natur an uns. Sie gaben den Menschen billige, leicht erreichbare Brennstoffe. Und trotzdem konnte man keine dauerhafte Energie daraus ziehen, die folgenreichen Schädigungen der Natur konnte man schon im Mittelalter sehen. Ganze Landschaften und Inseln sind gerodet wurden. Es ist schon klar, was Sie zum Ausdruck bringen möchten. Wir verdanken den fossilen Brennstoffen unseren Wohlstand und technische Revolutionen. Aber ich kann nur davor warnen aus diesem Umstand falsche Schlüsse über die Zukunft unserer Energieversorgung zu ziehen. Was Jahrhunderte lang diente, muss in der nahen Zukunft nicht genauso funktionieren.

      „Alle Jene Technologien, die auf den energie- und leistungsdichten uns flexibel einsetzbaren Fossilen beruhen und das sind nun einmal die hiesigen Erneuerbaren, sind diesbezüglich letztlich deutlich ineffizienter, weil sie nicht selbsterhaltend wie die Photosynthese sind und schon in ihren jetzigen Ausmaßen global zu deutlichen Schäden an den planetarischen Sphären führen. Ich für meinen Teil kann nicht verstehen, warum man solche grundlegenden Zusammenhänge nicht sehen will, obwohl man doch bestimmte Teile des Systems wie hier die Atmosphärenphysik versteht.“

      Sie postulieren eine pauschale Behauptung, die einer kritischen Überprüfung nicht standhält. Ein Gegenbeispiel, wenn Energie- und Leistungsdichte der entscheidende Faktor wäre, dann müsste die Kernenergie die fossilen Brennstoffe längst verdrängt haben. Denn die Energiedichte von Uran ist um Größenordnungen höher als von Kohle, Öl und Gas. Es gibt noch andere Faktoren, die wesentlich mehr über die Durchsetzbarkeit bestimmter Technologien aussagen.

      • Herr Hader, ich schätze Ihre regelmäßigen und fundierten Beiträge hier in diesem Forum.

        Mich stört die unreflektierte Verwendung des Begriffs „unser Wohlstand.“ Mein persönliches Wohlstandsniveau ist z.B. mit der grotesken Übermotorisierung in Deutschland negativ korreliert.

        Das betrifft einerseits die maßlose Herumfahrerei, verursacht durch die Abwälzung erheblicher externer Kosten auf die Allgemeinheit und zukünftige Generationen (diesen Mechanismus hat z.B. der Herr Pflügl, siehe weiter oben, nicht verstanden). Auch das stehende Auto ist für mich ein meine individuelle Freiheit erheblich einschränkendes und meinen Wohlstand verminderndes Desaster. Immer mehr Menschen empfinden das übrigens genauso!

        „Wir verdanken den fossilen Brennstoffen unseren Wohlstand und technische Revolutionen.“ Auch eine solche Aussage ist nicht ganz so evident, wie sie auf den ersten Blick scheint. Ich verweise auf die bahnbrechende Studie “Railroads and american economic growth” von Robert Fogel. Das von ihm mitbegründete wissenschaftliche Fachgebiet nennt sich „Kliometrie“. Daraus resultiert u.a. die Möglichkeit, historische Entwicklungen (v.a. Wohlstands- und Wachstumsprozesse) „kontrafaktisch“ fundiert zu diskutieren.

        • Herr Bucher, ich gebe Ihnen Recht, dass man den Begriff „Wohlstand“ oft sehr ungenau oder unklar verwendet. Das passiert auch mir, obwohl ich in meisten Fällen einen allgemeinen, gesellschaftlichen Wohlstand meine, der aber in der persönlichen Betrachtungsweise ganz woanders liegen kann. Danke, dass Sie nochmal einen persönlichen Aspekt hinzugefügt haben.

      • „Auch die Wälder mit ihrem Holz waren ein Geschenk der Natur an uns. Sie gaben den Menschen billige, leicht erreichbare Brennstoffe. Und trotzdem konnte man keine dauerhafte Energie daraus ziehen, die folgenreichen Schädigungen der Natur konnte man schon im Mittelalter sehen. Ganze Landschaften und Inseln sind gerodet wurden. Es ist schon klar, was Sie zum Ausdruck bringen möchten. Wir verdanken den fossilen Brennstoffen unseren Wohlstand und technische Revolutionen. Aber ich kann nur davor warnen aus diesem Umstand falsche Schlüsse über die Zukunft unserer Energieversorgung zu ziehen. Was Jahrhunderte lang diente, muss in der nahen Zukunft nicht genauso funktionieren.“
        Nun dann zeigen Sie doch mal auf, wie es denn funktionieren soll. Ich bin äußerst gespannt und der Erste, der einer gut durchdachten Strategie, dieses große Ziel, eine wirklich nachhaltige Wirtschaftsordnung zu etablieren, folgen würde. Sie werden lachen, aber mein persönlicher ökologischer Fußabdruck ist zum überwiegenden Teil nur meiner Tätigkeit als Ingenieur geschuldet. Privat lebe ich sehr bescheiden. Da ich die ehemalige DDR noch aktiv erlebt habe, weiß ich auch, wie man ohne die 99,99% Überschuss an allem auskommen kann. Aber diese meine Vergangenheit hat mich auch gelehrt, seinen eigenen Verstand einzusetzen und nicht jedem Ziel, so hehr es auch sein möge, nachzujagen, weil es am Ende sehr leicht ins Gegenteil umschlägt, mehr noch, wir für diesen Planeten keinen zweiten Versuch bekommen werden.

        Sie postulieren eine pauschale Behauptung, die einer kritischen Überprüfung nicht standhält. Ein Gegenbeispiel, wenn Energie- und Leistungsdichte der entscheidende Faktor wäre, dann müsste die Kernenergie die fossilen Brennstoffe längst verdrängt haben. Denn die Energiedichte von Uran ist um Größenordnungen höher als von Kohle, Öl und Gas. Es gibt noch andere Faktoren, die wesentlich mehr über die Durchsetzbarkeit bestimmter Technologien aussagen.

        Warum sollte diese nicht standhalten? Sie haben doch dem gar nichts entgegenzusetzen. Ihr Gegenbeispiel zieht hier überhaupt nicht, da es nicht nur auf die Energie- und Leistungsdichte ankommt, sondern auch auf deren flexibler Anwendung, was ich auch angeführt hatte. Ob Öl, Kohle oder Gas, die Atomkraft lassen wir mal außen vor, jeder von denen hat seinen optimalen Anwendungsbereich in diesem jetzt über Jahrzehnte gewachsenen Energieregime gefunden. Diese durch Erneuerbare zu ersetzen ist eine echte Herausforderung, die ich aus simplen physikalischen Gründen bezweifle. Jetzt mal auf die Atomkraft zurückzukommen, fällt Ihr Argument nun völlig in sich zusammen, da die Erneuerbaren nicht einmal dieses Energie- und Leistungsdichte dieser Energiequelle besitzen. Welchen Grund sollte man rein von der Physik und der Technik haben, diese in unser bestehendes Energieregime einzubauen, obwohl sie doch bei allen drei Parametern inkompatibel sind. Und um es kompatibel zu machen, benötigt man weitere Strukturen, die dann widerum wieder auf Basis der eigentlich abzuschaffenden Fossilen errichtet werden müssen. Zu guter letzt wird durch dadurch auch immer weniger Energie frei verfügbar sein, weil ja schon von diesem margeren Output aufgrund entsprechender Verluste viel über die Energieinstanzen (Wandlungsverluste) verloren geht. Merken Sie denn nicht, dass sich die Katze dort in den Schwanz beißt.

        • „Sie werden lachen, aber mein persönlicher ökologischer Fußabdruck ist zum überwiegenden Teil nur meiner Tätigkeit als Ingenieur geschuldet. Privat lebe ich sehr bescheiden. Da ich die ehemalige DDR noch aktiv erlebt habe, weiß ich auch, wie man ohne die 99,99% Überschuss an allem auskommen kann.“

          Sehr geehrter Herr Friedrich, auch ich habe in der DDR gelebt. Aber Sie scheinen zu vergessen, dass die DDR energetisch betrachtet in mancherlei Hinsicht im Überfluss gelebt habt. Weil Energie so „billig“ war, haben die Leute durch das Fenster die Raumtemperatur reguliert. In öffentlichen Gebäuden konnte man viele Heizungen gar nicht abstellen. Es fand Energieverschwendung sonders gleichen statt. Die CO2-Bilanz war pro Kopf doppelt so hoch wie in der alten BRD. Man hat den Energieverbrauch subventioniert, was einfach verheerend war und überhaupt nicht zu Sparsamkeit und Effizienz führte. Aber das nur als kleiner Geschichtsabstecher.

          „Ihr Gegenbeispiel zieht hier überhaupt nicht, da es nicht nur auf die Energie- und Leistungsdichte ankommt, sondern auch auf deren flexibler Anwendung, was ich auch angeführt hatte.“

          Genau das sage ich doch! Es kommt eben nicht nur auf die Energie- und Leistungsdichte an. Vorher noch von Ihnen abgestritten, jetzt bestätigen Sie mich. Ein etwas verwirrender Diskussionsstil, muss ich zugeben. 😉

  28. Pingback: blognetnews » Debatte um die Dekarbonisierung in der KlimaLounge

  29. A propos „Budget“:

    “ 8.4.2017 – Klimaschutz in Deutschland – CO2-Jahresbudget schon aufgebraucht

    Der selbsternannte Klimaschutz-Vorreiter bekommt schlechte Noten: Einer Studie zufolge hat Deutschland in den ersten drei Monaten sein gesamtes Jahresbudget an CO2-Emissionen bereits verbraucht. Auch in den kommenden Jahren ist keine Besserung in Sicht…“

    https://www.tagesschau.de/inland/deutschland-emissionen-101.html

    Global:

    http://www.nationalobserver.com/2017/04/10/opinion/atmospheric-co2-levels-accelerate-upwards-smashing-records

    Sind die Autoren dieser Artikel „Defätisten“ ? Oder beschreiben sie bloss einmal mehr die bittere W.I.R.K.L.I.C.H.K.E.I.T. ?

    • Addendum zu meinem letzten Kommentar:

      Das Problem ist SYSTEMISCH. Der, auch seitens der Klimaforscher, immer wieder geforderte „Optimismus“ ist das Feigenblatt einer durch und durch PROFITorientierten Wirtschaft. Wer jedoch glaubt, VERNUNFT liesse sich durch Profitstreben durchsetzen, der ist ein absoluter Naivling. Reines Wunschdenken, ja sträflicher Opportunismus. Bestes Beispiel sind die jüngsten Skandale der Autoindustrie:

      Während auf der einen Seite seit Jahrzehnten über E-Autos gelabert wird, steigert die Autoindustrie munter den Verkauf von mehr und mehr SUV. Das ist schlicht schizophren und wird sich auch nicht ändern, solange man weiter propagiert, die Wirtschaft (ergo Profitstreben) könne das unsägliche Klimaproblem lösen! Und so geht das jetzt schon seit Jahrzehnten 😀

      Nur gut, dass am Ende wenigstens Mutter Natur sich todsicher nicht verar*** lässt 😎

  30. Auf ein systemisches Problem einer gewünschten Dekarbonisierung hat kürzlich Prof. Flassbeck hingewiesen.
    Ökonomisch gesehen bedeutet ein in Teilen der Welt erzwungener Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung (Energiewende) einfach nur, dass – ceteris paribus – der Preis fossiler Energieträger fallen würde. Dieser geringere Preis würde aber, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, den Verbrauch in anderen Regionen ankurbeln. Letztlich fällt der Preis einfach nur auf das Niveau, bei dem Markt erneut „geräumt“ wird, wie die Ökonomen sagen. Ein Mengeneffekt tritt da – global gesehen – nicht zwingend ein. Insofern gibt es keinen individuellen Beitrag von Personen oder Regionen zu einer effektiven Dekarbonisierung. Denn was der Eine spart, treibt über den Preiseffekt den Verbrauch des Anderen an.

    Um auf den von Prof. Rahmstorf aufgezeigten „Null-Emissions-Pfad“ zu kommen, bedarf es letztlich einer effektiven globalen(!) Steuerung der gesamten Energiewirtschaft.

    Das Ziel ist klar. Das aus meiner Sicht notwendige Werkzeug auch – nämlich eine globale „Energie-Planwirtschaft“.

    Jetzt kann man sich überlegen, wie wahrscheinlich das ist…

    Popcorn-Tüte auf und sehen, was in den nächsten 10 Jahren wirklich passiert.

    • Es braucht keine globale Planwirtschaft, sondern nur eine globale Einigung auf den richtigen Weg mit konkreten Minderungsplänen der einzelnen Länder. Ach so – das haben wir ja schon, im Pariser Abkommen vom Dezember 2015!

      • Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,

        die von Ihnen angesprochenen konkreten Minderungspläne würde ich eher als Minderungsziele bezeichnen wollen.
        Was überall fehlt sind doch genau die konkreten operativen Pläne, die auch das Wie beschreiben.
        Wenn man der ganzen Sache konstruktiv gegenübersteht – was bei mir nicht gänzlich der Fall ist, wie ich zugebe – dann geht es ab sofort um die konkrete Umsetzung der Absichtserklärungen von Paris. Viel Zeit ist ja nicht mehr.

        CO2-Steuern allein werden nicht reichen, obwohl sie sehr hilfreich wären, wenn(!) man sie global und gleichmäßig einführen würde.

        Sehr wichtig wäre es nämlich zu klären, wie man die Speicherfrage lösen will. Derzeit dient das fossile Energiesystem als Backup für die Erneuerbaren. Hier wäre zu klären, wie bzw. wie lange man dieses riesige fossile Backup-System von der Exploration, über die Förderung, Transport und Energieumwandlung aufrechterhalten will und wer das bezahlen soll, wenn es eines Tages tatsächlich „nur“ noch ein Backup-System der Erneuerbaren wäre und sich nicht mehr selbst refinanzieren kann.
        Oder braucht man kein fossiles Backup-System? Dann wird man eben ein Speichersystem im großtechnischen Maßstab benötigen. Das ist aber weder technisch noch ökonomisch wirklich zu Ende gedacht.

        Ich bleibe dabei, dass der Umstieg von der fossilen auf eine erneuerbare Energiewirtschaft nicht „einfach so“ passieren wird. Der Markt wird es nicht richten. Hier wäre globale Planung erforderlich, was illusorisch ist.

        Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten 10 Jahren nicht mal eine global durchgreifende CO2-Steuer in relevanter Höhe geben wird.
        Und die wäre ja nur der erste Schritt.

        Freundliche Grüße.

        PS: Es gibt auch keinerlei echtes Bewusstsein der Menschen für das Problem. Der Ausbau der Erneuerbaren wird zwar (noch) begrüßt, weil man selbst nichts Konkretes dazu tun muss, aber gleichzeitig kauft man dann den nächsten SUV. Verbrauchseinsparungen im Fahrzeugbereich haben die Bürger durch Aufrüstung der Fahrzeugflotte einfach mal kompensiert. 30 Jahre voller ingenieurtechnischer Bemühungen – per Saldo alles für die Katz.

        • Das Steuerungsmittel eines Preises für CO2-Emissionen ist bewusst technologieneutral. Wir wissen heute nicht ob Erneuerbare+Speicher uns dem Dekarbonisierungsziel näher bringen oder aber Erneuerbare+grossräumige Transmission oder etwas anderes. Wenn sie schreiben „Sehr wichtig wäre es nämlich zu klären, wie man die Speicherfrage lösen will. „ so haben sie sich bereits auf eine Lösung festgelegt. Für ein bestimmtes Land, einen bestimmten Block (wie China, die USA oder die EU) mag Speicherung der richtige Weg sein, für andere nicht.
          Allerdings hätte man schon nach dem Umweltgipfel von Rio global Forschungsanstrenungen machen müssen um Technologien reifer zu machen. Die globale Zusammenarbeit sehe ich vor allem in der globalen Forschung und dem Austausch von Erfahrungen und Tehcnologien, nicht aber unbedingt in Vorgaben welche Technologie konkret benutzt werden soll.

    • Die Dekarbonisierung entspricht im Prinzip dem Ausstieg aus dem Gebrach ozonschädigender Substanzen wie er im Montrealabkommen vereinbart wurde und inzwischen weitgehend umgesetzt ist.
      Allerdings sind Öl, Erdgas und Erdöl ökonomisch weit wichtiger als FCKWs. Ein glattes Verbot der Erzeugung von CO2 in technischen Prozessen ist also kaum durchsetzbar. Auch ein überall geltender Preis auf CO2-Emissionen liess sich nicht durchsetzen. So blieb als einzige Option noch das Pariser Abkommen, welches auf freiwilligen Reduktionen basiert und weder Verbote noch Preisfestsetzungen kennt.

    • Auch eine Marktwirtschaft ist selbstverständlich eine Planwirtschaft, nur wird eben dort geplant, wo die relevanten Informationen sind. Ein eng damit zusammen hängendes Problem des Sozialismus war die mangelnde Fähigkeit zur Evolution des starren Ordnungsrahmens. Verhaltensregeln sollten nur negativ formuliert sein („du sollst nicht“), dann kann sich das System innovativ weiter entwickeln. In einer solchen Gesellschaft kommt den langfristigen Transaktionskosten eine wesentliche steuernde Funktion zu. Wir Ökonomen sprechen statt unsinniger Begriffe wie „Kapitalismus“ von einer „transaktionskostenminimierenden institutionellen Struktur“ einer evolvierenden Volkswirtschaft.

      Eine Alternative zu freiheitlichen gesellschaftlichen Ordnungen gibt es nicht wirklich. Dazu muss man z.B. nur das Buch von Wickler/Seibt „Das Prinzip Eigennutz“ (über die biologischen Wurzeln unseres Verhaltens) konsequent in den sozialwissenschaftlichen Bereich weiterdenken.

      Noch ein Nachdenk-Tipp: In einer Marktwirtschaft werden nicht einfach nur Güter zu bestimmten Preisen getauscht, sondern Bündel von Verfügungsrechten (usus, abusus, usus fructus, ius abutendi). Gemäß liberaler und konservativer Wertvorstellungen gibt es nicht einfach nur ein Recht z.B. auf usus und usus fructus, sondern auch die Pflicht, für eventuelle Schäden und entstandene Verluste bei anderen aufzukommen. Man kann dazu viel Sinnvolles in Walter Euckens „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“ nachlesen, „Pigou-Steuer“ (Ökosteuer) und Emissionshandel sind absolut kompatibel mit solchen politischen Positionen.

      Wir kommen ab hier sehr schnell zu einem Punkt, wo sich wertkonservativ-liberales Denken vom reinen Egoismus und Nihilismus trennt. Diverse Leute von diversen Skeptikerseiten vertreten nicht wirklich moralisch fundierte freiheitliche Positionen, denen geht es ausschließlich um die Freiheit zur Abschiebung von Verantwortung bzw. um eine „freiheitliche“ Maximierung körperlicher und geistiger Bequemlichkeit (irgendein begnadeter Begriffsschöpfer hat einmal absolut treffend von sog. „Ichlingen“ gesprochen).

      Das resultierende konkrete Verhalten ist recht vielfältig, da es um ökonomische Grundlagen geht, möchte ich auf die „Theorie der Interessengruppen“ innerhalb der „Neuen Politischen Ökonomie“ und auf sog. „rent seeking“-Prozesse verweisen.

      P.S.: Das übersteigt jetzt Ludwigs Anliegen etwas, ist aber auch als Antwort auf einige andere immer wiederkehrende Fehleinschätzungen in diesem Forum gedacht

    • „Ökonomisch gesehen bedeutet ein in Teilen der Welt erzwungener Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung (Energiewende) einfach nur, dass – ceteris paribus – der Preis fossiler Energieträger fallen würde. Dieser geringere Preis würde aber, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, den Verbrauch in anderen Regionen ankurbeln.“

      Nicht zwangsläufig. Die Preise der Energieträger ergeben sich auf dem Markt aus Angebot und Nachfrage. Wenn man nichts für die Energiewende tut, wird die weltweite Nachfrage nach fossilen Energieträgern steigen und damit die Preise. Wenn man das Angebot künstlich verknappt, steigen die Preise auch. Wenn die Nachfrage sinkt, fallen die Preise. Die Nachfrage kann zum Beispiel fallen, weil attraktive alternative Technologien vorhanden sind, die nicht auf fossile Energieträger basieren. Das ist ja eigentlich das Ziel der Energiewende, solche Technologien schneller an den Markt zu bringen. Wenn die sich etabliert haben, dann sind fossile Brennstoffe nicht weiter attraktiv. So wie auch Kohleheizungen im Haus irgendwann nicht mehr gefragt waren, als man auf Gas oder Öl umgestellt hat, obwohl die Kohlepreise trotzdem niedrig waren. Solche Umstellungsprozesse gab es immer wieder, was aber nicht zur nachhaltigen Renaissance alter Technologien geführt hat.

      „Denn was der Eine spart, treibt über den Preiseffekt den Verbrauch des Anderen an.“

      Wenn das so stimmen würde, hätten wir auch zuerst unsere kompletten Wälder abgeholzt, ehe wir auf die attraktivere Kohle zurückgegriffen. Das ist aber nicht passiert, weil der Preis nicht der einzige Faktor ist, sondern was man mit dem jeweiligen Energieträger alles machen kann.

      • „Nicht zwangsläufig. Die Preise der Energieträger ergeben sich auf dem Markt aus Angebot und Nachfrage. Wenn man nichts für die Energiewende tut, wird die weltweite Nachfrage nach fossilen Energieträgern steigen und damit die Preise. Wenn man das Angebot künstlich verknappt, steigen die Preise auch. Wenn die Nachfrage sinkt, fallen die Preise. Die Nachfrage kann zum Beispiel fallen, weil attraktive alternative Technologien vorhanden sind, die nicht auf fossile Energieträger basieren. Das ist ja eigentlich das Ziel der Energiewende, solche Technologien schneller an den Markt zu bringen. Wenn die sich etabliert haben, dann sind fossile Brennstoffe nicht weiter attraktiv. So wie auch Kohleheizungen im Haus irgendwann nicht mehr gefragt waren, als man auf Gas oder Öl umgestellt hat, obwohl die Kohlepreise trotzdem niedrig waren. Solche Umstellungsprozesse gab es immer wieder, was aber nicht zur nachhaltigen Renaissance alter Technologien geführt hat.“

        Sie vergessen eins. Man kann die Preise nicht unbegrenzt steigen lassen, weil dann die Nachfrage einbricht. Nun mag die Nachfrage bei Energie sehr inelastisch sein, weil man nun einmal für alles und jenes Energie benötigt. Da wird man sich dann auf das Essentielle beschränken müssen, was dann andere Teile des Marktes einbrechen lassen wird. Was nun die Preise der fossilen Energieträger anbetrifft, werden diese stetig steigen, weil die Förder- und Verarbeitungskosten nun einmal, der Physik geschuldet, sich erhöhen. Pech nur, dass man diese Fossilen benötigt, um diese alternative Technologien zu errichten. Auch deshalb nimmt deren Verbrauch nicht entsprechend ab. Wenn also die Preise der Fossilen ansteigen, wird es auch die Erneuerbaren irgendwann treffen. Es ist dann die Frage, wer sich das dann noch leisten kann.

        „Wenn das so stimmen würde, hätten wir auch zuerst unsere kompletten Wälder abgeholzt, ehe wir auf die attraktivere Kohle zurückgegriffen. Das ist aber nicht passiert, weil der Preis nicht der einzige Faktor ist, sondern was man mit dem jeweiligen Energieträger alles machen kann.“

        Aber sicher stimmt das. Was stand denn da noch an Wäldern in vielen Teilen gerade des westlichen Teils Europas? Weil der Nachschub ausblieb, bzw. der zu teuer war, hat man auf die Kohle zurückgegriffen, ansonsten wäre die wissenschaftlich technische Revolution in seinen Anfängen stecken geblieben. Das Traurige jetzt ist doch, dass die auf den Fossilen basierende Technologie uns es ermöglicht, die Welt bis ins Kleinste hinein zu analysieren, sie aber gleichzeitig dazu führt, das die Grundlagen dieser unserer Welt zerstört werden. Es scheint wohl das Eine nicht ohne das Andere möglich zu sein.
        Die Frage ist jetzt, wie man diesen Teufelskreis durchbrechen kann.

        • „Aber sicher stimmt das. Was stand denn da noch an Wäldern in vielen Teilen gerade des westlichen Teils Europas?“

          Noch einiges. Der Waldungsgrad in Deutschland lag über Jahrhunderte bei ca. 25%.

          http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-11/entwicklung-waldbestaende-Europa

          „Weil der Nachschub ausblieb, bzw. der zu teuer war, hat man auf die Kohle zurückgegriffen, ansonsten wäre die wissenschaftlich technische Revolution in seinen Anfängen stecken geblieben.“

          Die meiste Abholzung fand vor dem 14.Jahrhundert statt. Der Kohlebergbau fand erst im 18.Jahrhundert statt.

  31. Zurück in die Realität:

    „Kaum ein Kunde nimmt damit tatsächlich an irgendwelchen Wüstenrennen teil. Man fährt den Raptor nicht zum Gasgeben, sondern zum Angeben.“ Krenz ist das recht, denn Ford verdient gut daran. „Wir kommen mit der Produktion kaum hinterher“, sagt er.

    Das werden wir nicht vergessen: Nach der Kurve ein Kickdown und mit Vollgas über die nächste Kuppe – wenn dann die langen Dämpfer voll ausfedern und aus der Fahrt ein kurzer Flug wird, weiß man, dass Gewicht relativ ist und Masse nicht zwingend träge sein muss. So leicht jedenfalls hat sich so ein Koloss von Auto noch nie angefühlt.

    http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/ford-f-150-raptor-im-test-die-pick-up-bestie-a-1142302.html

    • Öhm, wieviel Fahrrad muss ich eigentlich fahren, um einen einzigen SUV/Pickup Truck zu kompensieren? 🙂 Ist doch lustig:

      Während sich die einen den Ar*** aufreissen, um CO2 einzusparen, legen die anderen ganz entspannt noch EINIGE Schüppen nach 😀

      Mutta, hol mich vonne Zeche, ich kann dat Schwattze nich mehr sehn !

      … nun denn: Mutter Natur wird todsicher auch noch’n paar Schüppchen nachlegen 😎

      • Eibl-Eibesfeldt hat solche Verhaltensweisen einmal mit der Funktion der Papua-Penishülsen verglichen. Angeblich trommeln die immer drauf herum, wenn sie unter Stress stehen!

  32. Jürgen Bucher,
    …….Marktwirtschaft,
    die funktioniert sehr gut. Was man vergisst, wenn einmal eine Tiergattung ausgerottet ist, kommt sie nicht wieder.
    Wenn einmal ein Meer durch Giftstoffe verseucht ist, kann man das nicht rückgängig machen. Wenn einmal die Wälder abgeholzt sind, verändert sich das Klima.

    • Ich vergaß oben, die außerordentliche Bedeutung des Wettbewerbs zu erwähnen. Wenn wir individuellen Eigennutz mit Knappheit kombinieren, werden wir immer eine Ressourcen-Konkurrenz erhalten. Das können Sie nicht ausschalten! Wenn Sie es – gegen die menschliche Natur – versuchen (wie im Sozialismus), können Effizienz und Innovativität verloren gehen, und alles wird noch erheblich schlimmer sein.

      Eigennützige Individuen geraten oft in Gefangenendilemma-Situationen. Der Umweltbewusste: Ich soll auf die Flugreise verzichten, obwohl alle in den Urlaub fliegen? Mein eigener Anteil an der Entstehung der Treibhausgase durch diesen einen Flug ist aber verschwindend gering ….. Am Ende fliegen alle, sogar die ursprünglich mit einer gewissen Einsicht ausgestatteten werden schwach. Individuelle und kollektive Rationalität können massiv auseinanderklaffen!

      Nach Schätzung von Psychologen sind mindestens 15 % der Menschen pure Egoisten (also nicht nur eigennützig, was auch soziale und ökologische Orientierungen enthalten kann).

      Ich kenne nur ein Buch, das sich mit solchen Phänomenen fundiert beschäftigt: Bernhard Verbeek`s „Die Anthropologie der Umweltzerstörung“.

      Wettbewerb bringt Innovation bringt Evolution bringt Aufwandsminimierung (z.B. energetische). Einen sehr breiten naturwissenschaftlichen Ansatz dazu verfolgt Günter F.W. Pehl: „Die Rolle der Effizienz bei der Evolution der Organismen.“

      Vielleicht bringt auch der Wikipedia-Artikel über „Pfadabhängigkeit“ (kann durchaus sein: bis in den Untergang!) einige Einsichten.

      Hier das interessante Spiegel-Interview „Wir sind ein Schlamassel“ mit Edward O. Wilson (Begründer der Soziobiologie): http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-91056794.html

      Ich könnte noch einiges zur Thematik beitragen, das muss dann jedoch nach und nach sein.

  33. „Dieser Strahlungstransfer ist bestens verstanden …“

    Aber Herr Rahmstorf, heißt „bestens verstanden“ denn auch, daß das Klima verlässlich voraussagbar ist? In der Realität, meine ich, nicht in den Modellen.

    • Der globale Temperaturanstieg schon – er entwickelt sich ja auch seit Jahrzehnten so, wie schon in den 1970ern vorhergesagt. Bei physikalisch komplizierteren Aspekten – wie schnell schmilzt das Eis und steigt der Meeresspiegel, wie wirkt sich die Erwärmung auf verschiedene Typen von Wetterextremen aus – gibt es größere Unsicherheiten. Die übrigens in beide Richtungen gehen, tendenziell hat der IPCC diese Auswirkungen in der Vergangenheit unterschätzt.

    • Sehr geehrter Herr Oehsen,

      ich befinde mich nun seit gut 5 Jahrzehnten auf dem Planeten Erde und ich kann Ihnen versichern:

      Ich brauche im Grunde nichtmal die Klimawissenschaft, ich schaue einfach aus dem Fenster und erkenne unzweideutig, dass sich das Klima MASSIV verändert hat. Allein die letzten 4 „Winter“ in Deutschland verheissen absolut nichts Gutes^^ Und auch die massive Trockenheit der letzten 10 Monate verheissen absolut nichts Gutes. Yoar, und das ist erst der Anfang 🙂

      MfG,
      Nemesis

  34. Pingback: Schafft Deutschland seine Klimaschutzziele? » KlimaLounge » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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