Keine Verlangsamung der globalen Erwärmung

Seit über 50 Jahren steigen und steigen die globalen Oberflächentemperaturen stetig an, überlagert lediglich von kurzfristigen Schwankungen. Dieser Juni war z.B. der heißeste Juni zumindest seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Auch der Mittelwert über 12 Monate erklimmt derzeit immer neue Rekordwerte, wie jeder z.B. mit Hilfe der Smartphone-App CliMate leicht selbst verfolgen kann (Grafik).

CliMate

Dennoch gibt es in den Medien und teilweise auch in der Fachliteratur seit Jahren eine Diskussion darüber, ob die globale Erwärmung sich in letzter Zeit verlangsamt hat oder gar „Pause“ macht (siehe unseren Beitrag Keine Pause, Nirgends). In einer gerade erschienenen Fachpublikation habe ich mich dazu mit zwei Statistikern der Uni Dublin zusammengetan und mit dem dazu geeigneten statistischen Verfahren (Change Point Analysis) untersucht, wo in den Zeitreihen der globalen Temperatur signifikante Veränderungen im Trend auftreten.

Um es ganz kurz machen: solche findet man um die Jahre 1915, 1940 und 1970, aber danach gab es keine statistisch feststellbare Veränderung im Trend. Sondern eben nur einen stetigen Trend überlagert von Zufallsschwankungen, also „Rauschen“. Abb. 1 zeigt das Ergebnis dieser Analyse für die vier gängigsten Datensätze der globalen Oberflächentemperaturen.

Cahill+Fig1

Abb. 1 Die dünnen Linien zeigen die Jahreswerte der globalen Mitteltemperatur in vier Datensätzen. Die dicken Linien zeigen das Resultat der Change Point Analyse: einen stückweise linearen Verlauf, bei dem mit einem gängigen Verfahren die Punkte einer Trendänderung objektiv ermittelt wurden.

Dieses Ergebnis hat auch nichts mit den warmen Jahren 2013 oder 2014 zu tun – lässt man diese bei der Analyse weg, kommt das Gleiche heraus.

Man kann sich auch ansehen, wie die Trends aussehen, wenn man einen „change point“ erzwingt ab dem ein neuer linearer Trend berechnet wird. Zum Beispiel im Jahr 1998, das am häufigsten als Beginn der angeblichen „Erwärmungspause“ genannt wird, weil es durch einen Super-El-Niño am weitesten über die Trendlinie hinausragt. Selbst wenn man dieses Ausreißerjahr als Anfang nimmt (ein klassischer Fall von Rosinenpickerei) unterscheidet sich der Trend danach kaum von dem davor.

Cahill+Fig2

Abb. 2 Change Point Analyse wie in Abb. 1 (rot) und in einer Variante, wo künstlich ein Change Point im Jahr 1998 erzwungen wurde. Die Trends vor und nach diesem Change Point unterscheiden sich kaum. Im Paper ist das Gleiche für das Jahr 2001 gezeigt. Zu beachten ist, dass die Trendlinien verbunden sein müssen: ein Modell, bei dem es separate Teilstücke mit einem plötzlichen Temperatursprung dazwischen gibt, wäre unphysikalisch.

Unsere Folgerung in dem Paper lautet:

Recent variations in short-term trends are fully consistent with an ongoing steady global warming trend superimposed by short-term stochastic variations. This conclusion is consistent with modelling (Kosaka and Xie 2014, Risbey et al 2014) and statistical analysis (Foster and Rahmstorf 2011) suggesting that ENSO variability is the main physical reason for the observed variation in warming trends. […]We conclude that, based on the available data, the use of the terms ‘hiatus’ or ‘pause’ in global warming is inaccurate.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

90 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Diese Change Point Analysis ergibt wirklich schöne, suggestiv wirkende Trends.Demnach befinden wir uns seit den 1970er Jahren im längsten anhaltenden, hier linear approximierten Temperatur-Trend seit 1900.
    Das kontrastiert deutlich mit den vielen Artikeln, die über die Verlangsamung des Temperaturanstiegs in den letzten Jahren geschrieben wurden. Viele Klimawissenschaftler haben diese Verlangsamung anerkannt, aber beispielsweise auf den weitersteigenden Meeresspiegel und den weiter zunehmenden Wärmeinhalt des Ozeans verwiesen.
    Möglicherweise wurde einfach zuviel in den Verlauf der Oberflächentemperatur hineininterpretiert und dabei vergessen, dass Schwankungen der Temperatur im Bereich von wenigen Jahren wenig über den Trend aussagen. Vielleicht ist der Meerespiegelanstieg aussagekräftiger wenn es um die Trendanalyse bezüglich deponierter Wärme im Erdsystem geht?
    Mir scheint jedenfalls, dass auch die Klimawisssenschaftler nicht optimal mit der Öffentlichkeit kommunizieren: Sie neigen zu einer Genauigkeit in den Aussagen, die vom statistischen Standpunkt her gar nicht möglich ist.

    • „Vielleicht ist der Meerespiegelanstieg aussagekräftiger wenn es um die Trendanalyse bezüglich deponierter Wärme im Erdsystem geht?“
      Da ich diese Frage auch schon hier gestellt hatte, ohne darauf eine Antwort zu bekommen zu haben, nehme ich es als gegeben hin. Die Gründe, warum es hier nicht mit einem klaren „Ja“ oder zumindest einem „Ja, aber..“ beantwortet wird, darüber kann ich nur spekulieren 🙂

      • Keine Antwort heißt oft nur, dass ich keine Zeit hatte… Aber in diesem Fall ist die Antwort „Ja, aber…“. 90% der im Erdsystem neu im Zuge der globalen Erwärmung gespeicherten Wärmeenergie geht in den Ozean. Das führt zur thermischen Expansion und damit Meeresspiegelanstieg. Das „aber“ dabei ist: der Anstieg kommt nicht nur von der thermischen Expansion sondern auch von der Schmelze des Kontinentaleises, und das Ausmaß der thermischen Expansion hängt stark davon ab, wo der Ozean sich erwärmt – 1 Grad Erwärmung des Oberflächenwassers bringt in den Tropen rund vier mal so viel Expansion wie in den Polargebieten, da der Expansionskoeffizient stark temperaturabhängig ist. Besser ist es, die Wärmespeicherung aus ozeanischen Temperaturmessungen zu bestimmen.

        • Vielen Dank für die Antwort.
          Der Wikipedia entnehme ich, dass der vermutete Meeresspiegel Anstieg bis zum Jahr 2050, sich zu etwa einem Drittel aus der thermischen Ausdehnung erklärt und zu zwei Dritteln aus Schmelzwasser.
          Nähme man einen sehr tief gelegenen, vor Strömungen geschützten Punkt im Pazifik, müsste der dort gemessene durchschnittliche Wasserdruck eigentlich eine ganz gute Annäherung für die Erderwärmung sein. Ich könnte mir vorstellen dass es solche Punkte gibt. Es wäre so schön einfach, aber wahrscheinlich ist das zu naiv gedacht.

  2. Für die Freunde der Statistik kann ich zur Changepoint Analyse die Diplomarbeit von M. Riedke
    „Zur Schätzung von Varianzen in der Changepoint Analyse“ aus dem Jahr 2000 an der Uni Marburg empfehlen. Mal sehen, was Nemesis, die Göttin des gerechten Zorns (nach der griechischen Mythologie) dazu sagt. Nun können wir sagen, stetige Temperaturerhöhung : ja, ist bewiesen aber Hauptursache : viele verschiedene Meinungen. Von kompetenten Klimaexperten wie Stefan Rahmstorf lasse ich mir nun gerne die Hauptursachen erklären jedoch nicht von Laien ohne Erfahrung, die nur dummes Zeug von sich geben – Beispiel : im Internet findet man tatsächlich Menschen, die behaupten, dass die Verbrennung eines Baumes die CO2 Konzentration in der Atmosphäre nicht erhöht, weil das CO2 zuvor durch Photosynthese im Baum gebunden wurde. Diese Einfaltspinsel vergessen den Zeitfaktor, d.h. sie verkennen, dass die Freisetzung von CO2 durch Verbrennen um ein Vielfaches schneller geschieht als die CO2 Fixierung beim Wachsen des Baumes ! Damit schließt sich auch wieder der Kreis zur Changepoint Analyse, die für zeitlich-dynamische Vorgänge einige Vorteile bietet.

    • @John Mohammed, Sie schreiben: „Beispiel : im Internet findet man tatsächlich Menschen, die behaupten, dass die Verbrennung eines Baumes die CO2 Konzentration in der Atmosphäre nicht erhöht, weil das CO2 zuvor durch Photosynthese im Baum gebunden wurde. Diese Einfaltspinsel vergessen den Zeitfaktor, d.h. sie verkennen, dass die Freisetzung von CO2 durch Verbrennen um ein Vielfaches schneller geschieht als die CO2 Fixierung beim Wachsen des Baumes !“

      Formal ist das richtig, was Sie schreiben. Aber so völlig falsch gedacht haben die „Einfaltspinsel“ auch nicht. Beim Verbrennen des Holzes wird der Kohlenstoff wieder frei, der sich in der Lebenszeit des Baumes in der Atmosphäre befand. Geologisch betrachtet ein sehr kurzer Zeitraum, so dass in 1.Nährung man schon sagen könnte, dass sich das in der CO2-Bilanz nicht auswirkt. Man hätte nur dann eine Chance, den Kohlenstoff im abgestorbenen Baum aus dem gesamten Kreislauf herauszunehmen, wenn er nicht mit Sauerstoff verrotten kann und tief im Erdboden gelagert wird.

      Ihre Argumentation zeigt aber auch genau das Problem auf, wenn wir fossile Kohlenstoffe verbrennen, der Zeitfaktor zwischen Binden des Kohlenstoffs und verbrennen ist noch extremer.

  3. tolle Tricks!

    die langjährige Reihe des einzigen Institutes, welches schon sehr lange hoch qualitative Klimazeitreihen anlegt, zeigt ein ganz anderes Bild:

    http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

    offensichtlich liegt es in der Agenda des PIK, die Realität zu verzerren und beim Klimagipfel in Paris wieder mal mehr Lügen als Wahrheiten auftischen zu können.

    die Klimawissenschaft degeneriert zusehends, zum Glück merken das dann doch einige.

    • Viel Polemik – aber wo genau liegt der „Trick“? Die HadCRUT4 Datenreihe ist ja auch in beiden Abbildungen oben gezeigt und zeigt – so wie die anderen – keine statistisch signifikante Verlangsamung der Erwärmung.

      • die jedermann bekannte und reale Verlangsamung haben sie eben einfach weg getrickst, da sie die Zeiträume und Mittelbildungen so wählen, dass diese dem Laien nicht gleich auffallen. Nochmals für alle, die an der Realität Interesse finden:

        http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

        Sehen sie, oder nicht, das darf doch alles nicht mehr wahr sein!

        Polemik, sehr geehrter Herr Rahmstorf ist doch viel mehr das, was sie hier schreiben und behaupten, nicht meine Korrektur!
        Sehen sie nicht die Abflachung des T Trends, wirklich nicht? Stört sie das? Sollten wir nicht alle glücklich sein, dass sich eben die Erwärmung eindeutig verlangsamt hat? Nein?

        • Hallo Herr Innerhofer, ich bin nur ein „Klimalaie“, aber bei einem unbefangenen Blick mit der sog. „Freihandmethode“ auf die von Ihnen genannten Daten scheint es mir eindeutig, dass sich der Klimawandel ungebremst fortsetzt.

          Trotzdem ein/zwei Fragen: Das „Kausalmodell“ (CO2-Wirkung) des Klimawandels ist doch eindeutig, warum soll es denn bei steigenden Emissionen überhaupt zu einer Verlangsamung des Temperaturanstiegs kommen? Was wäre denn für Sie ein plausibler physikalischer Grund? Welches klimarelevante Modell des Erdsystems verwenden Sie und woher kommt eine wie auch immer geartete systembedingte Bremswirkung?

          Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie in Bezug auf die Klimapolitik? Können Sie eine zukünftige Beschleunigung des Klimawandels definitiv ausschließen. Mit welcher Begründung?

          • ganz einfach:
            der Trend von 1970 bis 2000 ist steiler als der von 1970 bis 2015.
            Aber das geht ja in dieser Betrachtung hier bewusst unter.

          • Dass Trends bei „verrauschten“ Daten variieren, je nach gewähltem Anfangs- und Endjahr, ist selbstverständlich. Die Frage, die wir in unserem Paper beantwortet haben, ist jedoch diese: Sind diese Variationen im Trend einfach nur im Rahmen dessen, was man durch das „Rauschen“ erwartet? Oder handelt es sich um signifikante Änderungen des darunter liegenden Trends? Für die globale Temperatur zeigt sich, dass bislang seit 1970 alles im Rahmen des Rauschens liegt, d.h. die Daten liefern keinen Hinweis auf eine signifikante Änderung des Trends.

          • Ich könnte Ihnen einen möglichen plausiblen physikalischen Grund nennen: Die Möglichkeit, dass eine höhere Globaltemperatur bevorzugt oder stärkere La-Nina-Bedingungen hervorbringt im Vergleich zu früheren Globaltemperaturen und daraus würde ein größerer Netto-Wärmefluss in den Ozean resultieren. Diese These untermauernd gibt es eine Nature-Studie von Michelle L’Heureux et al. 2013 vom NOAA Climate Prediction Center. Allerdings sehen andere Gruppen eher Hinweise in die entgegengesetzte Richtung (Tsonis et al. 2005) oder für Klimawandel-neutrale ENSO (Cobb et al. 2013); insgesamt wird dieses Thema als ungeklärt angesehen.

          • Hallo Wizzy, mit „physikalischem Grund“ meine ich dann schon die Ebene von sehr grundlegenden Naturgesetzen, akkumuliertes CO2 in der Atmosphäre muss ceteris paribus zu mehr Wärme führen (Infrarot, dreiatomige Gase, Dipole usw.). Dagegen spricht der Prigogine in seinem Buch „Die Erforschung des Komplexen“ im Kapitel „Modellierung der Klimaentwicklung“ vom „System Erde-Atmosphäre-Kryosphäre“, also einem aus komplexen Teilsystemen zusammengesetzten „Supersystem“ (das ist jetzt von mir), das den „Grundgleichungen für die Erhaltung von Energie, Masse und Impuls“ (das ist jetzt wieder Prigogine) gehorcht. Die sind natürlich auch wieder physikalische Gesetze, aber eben auf Systemebene.

            Wir Ökonomen kennen das Phänomen, bekannt als „Identifikationsproblem“, dass wir über unsere gemessenen Daten mehrere Modellstrukturen „drüberlegen“ können. Beachten Sie mal eine wirtschaftspolitische Talkshow-Diskussion zwischen Hans-Werner Sinn und Peter Bofinger! Letztlich hängt alles an grundlegenden, nicht entscheidbaren Annahmen über menschliches Verhalten!

            In der Klimatologie sehe ich nur einen sinnvollen, wissenschaftlichen Systemansatz, wie ihn der Herr Rahmstorf vertritt. Die Klimaskeptiker sind in dieser Hinsicht völlig abgetaucht, obwohl Verstehen/Erklären eigentlich immer zwingend mit Modellbildung – wenn auch evtl. nur einer versteckten mentalen – verbunden ist. Diser Zusammenhang ist denen noch nie klar geworden! Man verschafft sich mit dieser „Null-Methode“ aber Spielraum für allerlei Schabernack (der Fachbegriff dafür ist „sonking“), zum Beispiel der beliebten isolierten Herumkorreliererei, ohne Gesamtzusammenhang, zwischen irgendwelchen scheinrelevanten Größen. Deshalb habe ich den Herrn Innerhofer auch so fies nach seinem Erdsystemmodell etc. befragt. Wenn er das alles nicht offenlegen kann/will, ist seine ganze Herangehensweise wertlos.

            Mir fehlt die Zeit, grundlegend über das alles nachzudenken, kann sein, dass ich jetzt auch ein bisschen Unsinn verzapft habe, aber ich will methodologisch am Klima dranbleiben. Man muss auch mal etwas wagen!

    • Was die Diskussion befruchten würde, wären sachliche Einwände – die würde ich, und mit Sicherheit weitere Leser, wirklich gerne hören. HadCrut sieht ja nun nicht so aus, als ob die Erwärmung aufhören würde, aber über den jüngsten Sattel im gleitenden Mittel könnte man mit Sicherheit diskutieren – ich hätte kein Problem damit, dies als „Pause“ zu bezeichnen, nur welche physikalische Bedeutung hätten derartige Pausen denn? Wenn der Anstieg insgesamt so ausfiele wie die unteren Prognosen, wäre – was zu hoffen ist – die Klimasensitivität eher im unteren erwarteten Bereich. Aber dass die Erwärmung bei Beibehaltung unserer Emissionen gefährlich ist, bliebe selbst in diesem Fall bestehen; uns bliebe zweifellos mehr Spielraum, was ich sehr begrüßen würde. Das physikalische Prinzip der Erwärmung durch Treibhausgase ist wohl kaum vernünftig anzweifelbar, oder meinen Sie doch?
      Aber bezüglich sachlicher Hinweise – wenn Sie Ihren Diskussionspartner der „Lügen“ und seine Wissenschaft als „degeneriert“ bezeichnen, muss ich mich schon zusammenreißen, nicht einen emotional bias zu unterstellen.

      • Eine Erwärmungspause gab es eindeutig in den 15 Jahren zwischen 1948 und 1963 (diese Pause ist eventuell auch etwas länger als 15 Jahre) und die jüngste scheinbare Verlangsamung der Erwärmung nach dem Jahr 2000 könnte ebenfalls noch eine Pause werden, wenn die Jahre nach 2015 wieder kühler würden.
        Die Daten die wir jetzt haben sind aber gut erklärbar mit der zunehmenden Wirkung von Treibhausgasen. Die Frage ist nicht mehr ob Treibhausgase die Erde erwärmen, sondern es ist viel mehr die Frage, wie stark sie die Erde erwärmen. Nach dem Text, der die obigen Graphiken begleitet, hatten wir in der Erwärmungsphase seit 1970 eine Erwärmung pro Jahrzehnt zwischen 0.15 und 0.17 Grad. Diese Erwärmung passt gut zu einer eher tiefen bis mittleren Klimasensitivitität, falls man davon ausgeht, dass der lineare Trend noch mehrere Jahrzehnte anhält (ein linearer Erwärmungstrend ist bei exponentiellem Anstieg der Treibhausgase zu erwarten, wenn Treibhausgasmengenänderungen die einzige Änderung des Klimasystems sind). Die Gleichgewichts-Klimasensitität (ECS) liegt nach dem 5. IPCC-Bericht zwischen 1.5 und 4.5 Celsisus. Langfristig müsste man also mit einem Temperaturanstieg zwischen 1.5 und 4.5 Celsius rechnen falls der CO2-Spiege. beil 560 pppm (das doppelte des vorindustriellen Spiegels) stehen bleibt. Die Beobachtungen der Temperaturänderungen allein deuten auf eine Klimasensitität eher im unteren Bereich, also zwischen 1.5 und 3°C hin.

    • Na – dann sei’n ’se mal froh, dass die roten Balken ganz rechts in der Grafik (ganz oben schießt er sogar über den Rand hinaus), noch keinen Eingang in den Trend gefunden haben… 😉

      Toller Kommentar übrigens, wo doch im Artikel selber schon die Begründung verlinkt worden war, warum es eben exakt *keine* Pause gegeben hat.

    • @Gunnar, das man bei Datenreihen (völlig unabhängig ob es sich um Temperaturen handelt oder nicht) immer neue Daten hinzufügt, und die statistischen Kenngrößen neu berechnet, ist Wissenschaftsalltag. Für Sie ist es scheinbar nur ein „Trick“. Was auffällt, Skeptiker sind mit der Hinzunahme von weiteren Daten immer genau dann einverstanden, wenn der aktuelle Trend bei der Neuberechnung nach unten zeigt oder zumindest abgeschwächt wird. Aber wenn dadurch der Trend nach oben geht, dann „degeneriert“ die Klimawissenschaft.

      Sorry Gunnar, aber diese Argumentation, die Du hier bemühst, ist nicht wirklich glaubwürdig. Du schreibst zum Beispiel, dass der Trend von 1970 bis 2000 steiler als der von 1970 bis 2015 ist. Ist dieser Unterschied signifikant oder ist er das Ergebnis von Zufall?

  4. Pingback: The alleged slowdown in global warming didn’t happen, new research shows. [Greg Laden's Blog] | Gaia Gazette

  5. @Rahmstorf

    Herr Rahmstorf, die Satellitendaten RSS und UHA zeigen immer noch eine Stagnation seit 1998, bzw. 2002, falls Ihnen 1998 nicht genehm ist?

    http://woodfortrees.org/plot/rss/from:1998/plot/uah/from:1998/plot/rss/from:1998/mean:12/trend/plot/uah/from:1998/mean:12/trend/plot/rss/from:2002/mean:12/trend/plot/uah/from:2002/mean:12/trend

    Die Satellitendaten decken die Erde am besten ab, besser als die Bodenstationen.

    Die untere Tropossphäre, deren Temperaturen die Satelliten messen, erwärmt sich zudem genauso wie der Erdboden. Der Temperaturgradient in der Troposshäre verschiebt sich mit einer Erwärmung nach rechts, zu höheren Temperaturen.

    Also, in den Satellitendaten sieht man ganz klar eine Stagnation, innerhalb der Fehlergrenzen.

    MfG

    Krüger

    • Die untere Tropossphäre, deren Temperaturen die Satelliten messen, erwärmt sich zudem genauso wie der Erdboden.

      Das stimmt eben nicht, sonst würden die bodennahen Temperaturen ja das gleiche Zeigen wie die aus der Troposphäre. Wir haben das hier schon oft diskutiert.

      • Nun ja, Herr Prof. Rahmstorf, dass die bodennahen Temperaturen nicht (mehr) stagnieren, liegt doch offenbar an den diversen „Adjustments“, die die Temperaturmessreihen in den letzten Jahren erfahren haben. Und offenbar gehen diese Korrekturen fast immer in die gleiche Richtung:
        – Die Temperaturen aus der weiteren Vergangenheit werden i.a. abgesenkt.
        – Die Temperaturen aus der jüngeren Vergangenheit werden i,a. angehoben.

        Beispiele:
        NOAA:
        https://notalotofpeopleknowthat.wordpress.com/2015/07/20/noaa-tampering-exposed/

        GISS:
        https://notalotofpeopleknowthat.wordpress.com/2015/07/29/massive-tampering-by-giss/

        HadCRUT4:
        https://notalotofpeopleknowthat.wordpress.com/2015/08/05/hadcrut-cool-the-past-yet-again

        Mir will die Richtung der Korrekturen nicht so recht einleuchten, hätte ich doch zur Kompensation des UHI-Effekts das Gegenteil erwartet.

          • Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
            ich bitte dies nicht einfach als Verschwörungstheorie abzutun.
            Mit keinem Wort hatte ich irgendeiner Institution unterstellt, sie betreibe Datenmanipulation. Die Interpretationen in den verlinkten Seiten möchte ich hier auch nicht unterstreichen. Die Links dienten ausschließlich dazu, den Vergleich zu visualisieren.

            Mir geht es um die Frage, warum die Adjustments in dieser Weise erfolgten. Und warum werden Messwerte, die lange zurückliegen, heute stärker abgesenkt als in den Adjustments vor 10 oder 20 Jahren? Diese Änderungen sind doch nicht wegzudiskutieren. Und es muss doch einen wissenschaftlichen Grund hierfür geben.

            Konnte man vor 10, 20 oder 30 Jahren keine gute Rekonstruktion alter Messdaten durchführen? Die damaligen Rekonstruktionen fanden doch Eingang in die diversen IPCC-Reports, als es noch hieß: „Science is settled!“
            Ist „Science“ doch nicht „settled“?

          • Die Korrekturen und ihre Gründe sind selbstverständlich alle in der Fachliteratur und im Netz dokumentiert, hier z.B. die Updates der NASA-Daten. Als Einstieg empfehle ich diesen Beitrag von Gavin Schmidt von der NASA: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2015/06/noaa-temperature-record-updates-and-the-hiatus/
            Es handelt sich um kleine Korrekturen die an den Aussagen und Folgerungen der „science“ überhaupt nichts ändern, wie schon in meinem vorigen Beitrag Debatte im Datenrauschen erläutert.

        • Herr Kohl,

          Sie schreiben:
          „Die Temperaturen aus der jüngeren Vergangenheit werden i,a. angehoben.“

          Nun ja, bei den jüngsten Korrekturen sollten Sie aber zur Kenntnis nehmen, dass das Gegenteil richtig ist. Betrachten Sie bitte hier die Abb. 1: http://variable-variability.blogspot.de/2015/06/NOAA-uncertainty-monster-karl-et-al-2015.html

          Der Wert der globalen Erwärmung wurde durch die jüngsten Korrekturen also verringert, die Veränderungen die letzten Jahre betreffend erkennt man dagegen fast gar nicht.

          Warum wissen Sie das nicht? Womöglich, weil in ihrem Stammblog EIKE solche Kommentare von mir grundsätzlich gesperrt werden. Denken Sie mal darüber nach, wem Sie ihr Vertrauen schenken…

          • Hallo Herr Fischer,
            Sie sprechen das Paper von Karl et al. an? Das kenne ich sicherlich und auch diverse Diskussionen darüber:
            http://tinyurl.com/q5qwjrn

            Und in der ERSST.v4 passierte doch in den letzten Jahren das, was ich geschrieben hatte:
            http://tinyurl.com/pzrcz94

            In Summe hat sich seit ~1980 an der mittleren dekadischen Erwärmung bei ERSST wenig geändert (~0,103°C/Dekade bzw. 0,105°C/Dekade). Nur der „Hiatus“ ist durch diese Maßnahme verringert worden.

            Leider hat Prof. Rahmstorf meine Entgegnung zu seinem „Schöne Verschwörungstheorie“ nicht veröffentlicht. Deshalb hier nochmals in Kürze:

            Mit keinem Wort hatte ich irgendeiner Institution unterstellt, sie betreibe Datenmanipulation. Die Interpretationen in den verlinkten Seiten möchte ich hier auch nicht unterstreichen. Die Links dienten ausschließlich dazu, den Vergleich zu visualisieren. Und die Grafiken zeigen doch deutlich die beschriebene Tendenz.
            Da ich die Ursache nicht kenne, bitte ich um eine wissenschaftlich fundierte Erklärung. Wegen des UHI-Effekts hätte ich eine Korrektur in die andere Richtung erwartet.

            Übrigens möchte ich betonen, dass EIKE NICHT mein Stammblog ist. Sie wollen mir hoffentlich nicht unterstellen, dass ich den Blödsinn unterstütze, der von einigen dort verzapft wird, die die Existenz des Treibhauseffekts gänzlich negieren. Da Sie dort wohl genauso häufig verkehren, sollten Sie gesehen haben, dass ich diesen Herren immer energisch widersprochen habe.

    • Nun – die RSS-Daten sind halt nun mal ziemlich ‚anfällig‘ für ENSO. Insofern haben da halt die La Ninas ihre Spuren hinterlassen, und insofern sind sie eben ein guter Indikator dafür, wo die Variabilität hergekommen ist. Interessant wird übrigens werden, wie schnell die RSS-Daten an Beliebtheit in diversen Kreisen verlieren werden, wenn sich der El Nino drin niederschlägt, und es die am schnellsten ansteigende Datenreihe sein wird…

    • Interessant Herr Krüger, Sie glauben also, dass die Satellitendaten sowas wie der Goldstandard bei den globalen Temperaturen sind. Okay, gehen wir davon aus, es stimmt so, was zeigt dann der Trend der RSS-Daten der letzten 30 Jahre an? Das ist mit WoodForTrees leicht abrufbar, ein klarer Trend nach oben mit ca. 0,1°C pro Jahrzehnt. Sie argumentieren hier mit Zeitreihen von 17 und 13 Jahren, die weniger relevant sind als die von mindestens 30 Jahren. Wäre ich selber so ein „Skeptiker“ wie Sie, würde ich das natürlich ganz genauso machen. Ausgewählte kürzere Zeitintervalle präsentieren, deren Trend nach unten zeigen. Das Dumme ist nur, statistisch gesehen hat das wenig Aussagekraft im Wissen dessen, dass in der Globaltemperatur noch hochfrequente Einflussgrößen stecken, die den linearen Trend variieren lassen.

      „Also, in den Satellitendaten sieht man ganz klar eine Stagnation, innerhalb der Fehlergrenzen.“

      Das möchte ich ehrlich gesagt anzweifeln. Wenn Sie Zeitreihen von maximal 17 Jahren heranziehen, dann haben sie Steigungen beim linearen Trend, die in den Fehlergrenzen 1-2 Zehntel Grad pro Dekade nach oben oder unten gehen können. D.h. eine kurze Zeitreihe mit berechneten Nullanstieg kann in Wirklichkeit einen klaren Trend nach oben oder unten zeigen.

  6. Ist der Sommer 2015 auf bestem Wege, 2003 als „den“ Hitzesommer abzulösen ?
    Zu Hiatus oder nicht Hiatus:
    Wie sieht es aktuell mit der Dichte der bodennahen Temp.Messstationen in arktischen Gefilden aus ?
    Der Hiatus ist doch früher mal so begründet worden, daß der überproportionale Temp.Anstieg in der Arktis aufgrund fehlender Bodenmesstationen nur unzureichend erfasst wurde.
    War das so, ist das so, oder hat sich das Thema in der Zwischenzeit erledigt ?

  7. Hat man eigentlich jemals berechnet wieviel die direkte Wärmezufuhr ausmacht?
    Wir verheizen schließlich Unmengen von Öl, Kohle etc. Das landet letzendlich alles, direkt oder indirekt,als Wärme in der umgebenden Luft.

    • Die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen liegen als Gesamtsumme bisher im Bereich von 2000 Gigatonnen und werden sich im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts auf 3000 Gigatonnen zubewegen (= 3 Billionen Tonnen).

      Eine derartige zusätzliche Kohlenstoff-Injektion in die Atmosphäre binnen weniger Jahrhunderte muss zwangsläufig signifikante Auswirkungen haben. Und das ist keine theoretische Erwägung, sondern ist anhand diverser Beispiele aus der Erdgeschichte bestens belegt.

    • 2012 lag der Weltenergieverbrauch bei 155’500 TWh / yr.
      Das entspricht 35 mW / m². Dies ist die direkte Wärme, die die Menschheit einbringt.
      Zum Vergleich:
      Der Erdwärmefluss beträgt 65 mW / m².
      Die Sonne liefert 237 000 mW / m².
      Anthropogenes Treibhausgasforcing 2013: 2 916 mW / m²

  8. Schade, dass dieses eigentlich interessante Thema kaum richtig diskutiert werden kann. Immer kommt gleich aus einer bestimmten Ecke der Vorwurf der „Beschönigung“ durch die Wissenschaft in ihrem Sinne bis hin zur Datenfälschung. Die Wissenschaft lässt sich m. E. zu sehr auf diese Art des Diskurses ein. Dabei hat sie allen Grund, viel selbstbewusster zu argumentieren, schließlich hat sie Statistik und Physik hinter sich. Aus klimatischer Sicht ist dieser Zeitraum viel zu kurz um daraus Schlüsse für die Zukunft herzuleiten und wer von einer Pause oder gar von einem Stillstand spricht, der muss erklären, was dann mit der zweifelsfrei zunehmenden Energie im System passiert. Die verschwindet ja nicht einfach.

    So hat auch die dargestellte Arbeit erst mal keinerlei direkte Relevanz in Bezug auf den Temperaturanstieg. Tatsächlich muss man aus dieser Sicht den 4. gewählten Cange-Point als genau so willkürlich gewählt sehen wie die die Leugner das Jahr 1998 hernehmen, um einen angeblichen Stillstand herbeizufabulieren. Der Sinn der Studie ist es, die verschiedenen Messreihen im Endbereich besser vergleichen zu können. Mit herkömmlichen, einfacheren statistischen Methoden (gleitender Mittelwert) wird der Fehlerbereich gegen Ende viel zu groß und/oder es bleibt zuviel statistisches Rauschen übrig. Und so ist die Sache tatsächlich ein Trick, denn dafür war die Methode ursprünglich wohl garnicht gedacht. (Der Begriff „Trick“ wird hier ganz bewusst verwendet, natürlich ist er im wissenschaftlichen Sinne zu verstehen.)

    Wenn wir mal das Ergebnis der Arbeit ansehen, dann erkennen wir, dass Cowtan & Way dem bisherigen langfristigen Trend am nächsten kommen. Ihre Datenbehandlung (grob beschrieben: krigen und mit Satellitendaten korrelieren) erscheint mir höchst plausibel. So lehnt man sich sicher nicht zu weit aus dem Fenster wenn man davon ausgeht, dass sie nahe an der Wahrheit sind. Dazu kommt der Einfluss von ENSO usw., den Foster und Sie ja auf statistischem Wege beschrieben haben.

    Aus all diesen Informationen heraus will ich mir ein spekulatives Fazit erlauben. Das einzige, was sich (dauerhaft) geändert haben könnte, ist ENSO. Möglicherweise tritt El Ninio nicht mehr ganz so stark und so häufig auf wie in der Vergangenheit. Dies würde aber nur bedeuten, dass die Wärmekapazität der Ozeane einen größeren Einfluss gewinnt. Das Resultat wäre, dass die Phasenverschiebung zwischen Ursache und Wirkung etwas größer werden würde (siehe PT1-Glied, Bode-Diagramm). Das langjährige Mittel würde sich dann in der Zukunft etwas unterhalb des bisherigen Anstieges, aber mit gleicher Steigung fortsetzen. Die Erwärmung wäre letztendlich genau die selbe.

    Den von mir dargestellten Zusammenhang hat Herr Rahmstorf hier schon einmal beschrieben. Und Abb. 3 dort zeigt, wie sich der Fehlerbereich gegen Ende des Graphen hin öffnet, wenn man einen gleitenden Mittelwert zur Betrachtung verwendet.

    http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/das-globale-temperatur-puzzle/

  9. Ich kann Herrn Martin Holzherr und Herrn Jürgen Bucher inhaltlich zusammenbringen.
    Herr Holzherr weist zu Recht auf Oszillationen hin, was man mit dem Satz “ Das Mädchen
    folgt dem Christkind “ oder klimatologisch besser verständlich auf Spanisch „La Nina sucede a El Nino“ Ich denke, dies hilft auch Herrn Bucher weiter

  10. Hat man eigentlich mal untersucht wodurch die Stagnation zwischen 1940 und 1970 ausgelöst wurde? Vielleicht kann man da eine Ursache finden, die auch zukünftige Stagnationen erklären könnten. Ich vermute mal, dass Meeresströmungen dabei eine wichtige Rolle spielen könnten. Es wundert mich auch nicht, dass der Erwärmungtrend nicht immer wie mit dem Lineal gezogen ansteigt, sondern auch mal Pausen einlegt. Einige wichtige Klima-Mechanismen sind vielleicht noch nicht bekannt. Aber irgendwann werden sie es sicherlich sein…

      • @Stefan Rahmstorf

        Lässt sich die von Ihnen genannte kühlende Luftverschmutzung (global dimming) in Zahlen formulieren? Wieviel Grad Celsius sind es, um die der globale Temperaturanstieg aufgund dieses Effekts gesenkt wird (Devil’s bargain)? Wird dieser Effekt eigentlich bei den gängigen Reduktionsscenarien berücksichtigt?

      • Dann wird das sicher „interessant“ wenn China und Indien es schaffen, ihre Kohlekraftwerke und Verkehr zu entrußen. In Shanghai soll man die Sonne praktisch nie klar sehen, so verqualmt ist das (ein Bruder von einem Kumpel von mir wohnt da, ich wollte die Bilder kaum glauben), dokumentiert ist das ja auch gut.

        Meine „Küchentheorie“ war ja auch gewesen, das die sogenannte Erwärmungspause auf das rasante Wirtschaftswachtum in China zurückzuführen war, der Dreck ist ja auf der anderen Pazifikseite noch an manchen Tagen für Smogalarme gut.

        Ich fahr jetzt demnächst in die Alpen, mal wieder die Pasterze besuchen auf der ich vor 8 Jahren mal gestanden habe. Mal sehen ob man die überhaupt wiedererkennt.

        • Es gibt bei swisseduc.ch (dort „Glaciers online“) einiges auch über die Pasterze. Zum Teil sind alte und aktuelle Bilder der Gletscher übereinander gelegt, echt toll gemacht! Ich besuche immer wieder einmal den Unteraargletscher, man kann vom Grimselhospiz zum Beispiel bequem zur Lauteraarhütte wandern und den Gletscher und seinen Schwund zumindest gut sehen. Erfahrene Alpinisten können auf dem Unteraar- und Finsteraargletscher bis zum Aarbiwak, am sog. „Abschwung“ war die „Wiege der Gletscherforschung“ mit dem berühmten „Hotel de Neuchatelois“ der damaligen Gletscherforschungspioniere (Agassiz, Schimper, Hugi u.a.). Auch Faraday ist dort einmal zu Besuch gewesen!

    • Zitat aus Wikipedia:

      „In den Jahren von 1940 bis 1975 wurde ein globaler Abkühlungstrend festgestellt; zwischen 1958 und 1965 fiel die Weltdurchschnittstemperatur um 0,3 °C. Diese als „global“ bezeichnete Abkühlung zeichnete sich jedoch insbesondere in der nördlichen Hemisphäre ab. McCormick und Ludwig kamen 1967 zu dem Schluss, dass die anthropogenen Aerosolemissionen die Albedo erhöhten und dadurch die Abkühlung verursacht hätten. Tatsächlich stiegen die globalen Schwefelemissionen seit 1950 enorm an, um erst 1989 wieder zu sinken. Dass Aerosole die Ursache des damaligen Abkühlungstrends waren, ist heute allgemein anerkannt.“

      Ergänzend sei angefügt, dass die Schwefelemissionen während dieser Zeit hauptsächlich auf der in großem Maßstab betriebenen Verfeuerung von Kohle beruhten, sei es industriell oder in privaten Haushalten.

  11. seltsam,
    seit ein paar Jahren beglückt uns die Wissenschaft mit dutzenden Erklärungen, welche für diesen sg. Hiatus verantwortlich sein könnten.
    Nach einem nun wieder deutlich zu warmen Jahr und diverser Korrektur Ansätze (Karl et al…) bemüht man sich schwer, diese unlängst noch offensichtliche Verlangsamung der globalen Erwärmung vom Tisch zu wischen.
    Meine persönliche Vermutung wäre, dass es bei den anstehenden Klimaverhandlungen in Paris für einige wesentlich angenehmer wird, dieses Thema erst gar nicht diskutieren zu müssen.
    Dabei sollte es für Klimaforscher kein Problem sein, die eben nicht ausreichend verstandenen natürlichen, dekadischen Klimavariationen einfach als solche stehen zu lassen, ohne verzweifelte Erklärungsversuche.
    Dennoch bleibt es offensichtlich und eindeutig, dass sich die globale Erwärmung verlangsamt hat:
    http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

    Mit den oben gezeigten Darstellungen kann man gar keine Antworten auf diese Fragen liefern. Der Titel des Artikels ist höflich formuliert mutig, denn jeder Laie erkennt ua. in den Hadley Reihen eine signifikante Verlangsamung, welche in den Satelliten Daten noch deutlicher hervorsticht. Das alles mag an der langfristigen Entwicklung wenig ändern und es wäre vernünftiger, diese Fakten einfach zu akzeptieren.

    Links:
    http://images.remss.com/msu/msu_time_series.html
    http://nsstc.uah.edu/climate/
    http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/HadCRUT4.png

    MfG
    chze

  12. Zunächst möchte ich mich für meinen lächerlichen Kommentar vom 6. August 2015 entschuldigen,
    der in aller Eile kurz vor einer firmeninternen Besprechung geschrieben wurde (sollte man nicht tun !) Nachdem ich nun sowohl den interessanten Artikel von Stefan Rahmstorf gelesen habe und mich über seine souveränen und fachkundigen Antworten auf viele Fragen gefreut habe, muß ich aber in dem gleichen Maße die exzellenten kritischen Kommentare vonj Martin Holzherr, Gunnar Innerhofer und Wizzy loben ! Mein Fazit nun : nichts ist bewiesen – weder Hiatus noch ständige Erwärmung. Außerdem und dies beantwortet indirekt eine Frage von Jürgen Bucher, sollte mir jemand einmal erklären, wie 1 angeregtes CO2 Molekül über 3000 Sauerstoff und Stickstoffmoleküle so beschleunigen kann, dass eine messbare Erwärmung festgestellt werden kann !!! Bei der Venus ist der Treibhausgas bedingte Temperaturanstieg von über 200 °C im Laufe von Jahrmillionen verständlich, da deren Atmosphäre zu über 90 % aus COS besteht. Wie die 0,04 % CO2 in der Erdatmoshäre selbst einen T-Anstieg von 2 °C innerhalb weniger Jahrtzehnte herbeiführen sollen , kann ich mir aus genannten Gründen nicht vorstellen – ich bitte um Aufklärung !!!

    • Vermutlich werden die Atmosphärenchemiker Augen machen, wenn die von Ihnen erfahren, dass CO2 gar keine messbare Treibhauswirkung haben kann, dass 190 Jahre Forschungsarbeit völlig daneben gewesen sind! Peinlich genug, dass zum Beispiel Nobelpreisträger wie Svante Arrhenius und Ilya Prigogine diese Zusammenhänge ganz offensichtlich nie verstanden haben!

      Wie wollen Sie eigentlich den „natürlichen Treibhauseffekt“ erklären, immerhin eine Erwärmung von 33 Grad Celsius, wenn CO2 gar keine erwärmende Wirkung hat? Oder bezweifeln Sie auch dieses Phänomen? Man kann viele Dinge auch über Umwege ausreichend verstehen!

      Als Ökonom kann ich physikalisch nicht sehr ins Detail gehen, aber für interessierte Laien wie mich wurden viele angemessene Bücher geschrieben. Sven Plöger und Frank Böttcher (ja ja, die Wetterfritzen!) beschreiben in ihrem Buch „Klimafakten“ die grundlegenden Zusammenhänge (Infrarotstrahlung, dreiatomige Gase, Dipolmomente, diverse Streck- und Deformationsschwingungen, Dauer des Verbleibs von Gasen in der Atmosphäre, Wirkung von Wasserdampf, CO2, positive Rückkopplungen usw.) für mich völlig ausreichend verständlich. Warum kaufen Sie sich nicht dieses Buch und stellen dann ggf. Verständnisfragen direkt an die Autoren?

      Googeln Sie mal nach Joseph Fourier und John Tyndall und verfolgen Sie die vielen weiterführenden Links. Fragen Sie Ihren ehemaligen Chemielehrer, die von Ihnen aufgeworfenen Fragen werden spätestens in der gymnasialen Oberstufe zumindest experimentell beantwortet.

      Ich will in einigen Jahren Physik und Chemie studieren und zwischen „firmeninternen Besprechungen“ versuche ich derzeit, irgendwie die Maxwellschen Gleichungen anschaulich (klappt einigermaßen) und mathematisch (Scheiß Nabla-Operator!) nachzuvollziehen. Ich knapse derzeit auch an der Lorentz-Kraft herum (ich hasse diese Kraft, sie scheint mir völlig unnütz zu sein!), mir macht es Spaß komplizierte Probleme selbstständig zu durchdringen (das Internet bietet schier unendliche Unterstützung), irgendwann werde ich das alles verstanden haben. Letztlich sind die von Ihnen aufgeworfenen Fragen erschöpfend und gesichert wohl nur quantentheoretisch zu beantworten. Das kann ich derzeit nicht, die Schrödinger-Gleichung kommt erst viel später dran. Bis dahin müssen mir andere, kompetentere aus der Patsche helfen!

      • @Jürgen Bucher

        Letztlich sind die von Ihnen aufgeworfenen Fragen erschöpfend und gesichert wohl nur quantentheoretisch zu beantworten. Das kann ich derzeit nicht, die Schrödinger-Gleichung kommt erst viel später dran. Bis dahin müssen mir andere, kompetentere aus der Patsche helfen!

        Die Schrödingergleichung wurde doch bereits hinreichend getestet- das Experiment hatte ein verheerendes Ergebnis:

        https://www.youtube.com/watch?v=JNalMWLnt0o

        Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, die endlose Diskussion um den anthropogenen Klimawandel hat viel mit einem faustischen Theater oder Experiment zu tun, ganz ähnlich, wie in dem Video… Möööönsch, die arme Katze !

    • Jaja, und die Grenze für absolute Fahruntüchtigkeit in Deutschland geht nun ebenfalls schon bis 0,03 % (man kann auch 0,3 Promille sagen) runter…
      Das soll mir auch mal einer sagen, wie so wenig angeregte Alkohol-Moleküle einen fahruntüchtig machen sollen! Also wenn das kein Beweis ist!

      • Wir können noch weiter in den Mikrobreich gehen: Während CO2 eine durchschnittliche atmosphärische Konzentration von 400 ppm aufweist (= 400 Teile pro Million), ist Ozon schon ab einer Schwelle von etwa 200 ppb (= 200 Teile pro Milliarde) akut gesundheitsgefährdend.

        Nebenbei: Der Treibhauseffekt wurde im Jahr 1827 von Fourier entdeckt, und die erste quantitative Einordnung dieses Effekts gelang Arrhenius im Jahr 1896.

    • @John Mohammed

      Wie die 0,04 % CO2 in der Erdatmoshäre selbst einen T-Anstieg von 2 °C innerhalb weniger Jahrtzehnte herbeiführen sollen , kann ich mir aus genannten Gründen nicht vorstellen – ich bitte um Aufklärung !!!

      Diese Frage haben sich die Menschen vor hunderfünfzig Jahren auch schon gestellt:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt

      Wussten Sie eigentlich, dass Ergebnisse der Chaosforschung besagen, dass ein Schmetterlingsflügelschlag einen Tsunami auslösen kann? Es muss nur genügend Potential innerhalb eines Systems vorhanden sein, dann reicht ein minimaler Auslöser, so funktionieren übrigens auch klimatische Kipppunkte…

      http://scienceblogs.de/geograffitico/2011/03/03/ein-halbes-jahrhundert-mit-dem-schmetterlingseffekt/

      http://en.wikipedia.org/wiki/Butterfly_effect

  13. @Jürgen Bucher Und @Maggi :
    Lernen Sie erst einmal richtig lesen ! Ich habe den Treibhauseffekt von CO2 nicht bestritten, da Sie aber wahrscheinlich keine Ahnung von Thermodynamik haben, verstehen Sie auch meine Frage mit dem 1 CO2 Molekül und den 3000 anderen Luftmolekülen nicht (der Vergleich mit dem Blutalkoholgehalt ist absolut unzutreffend – völlig anderer Mechanismus !). Ich habe mir daher auf meine Frage auch nur eine Antwort von kompetenten Experten wie z.B. Stefan Rahmstorf, Martin Holzherr, Gunnar Innerhofer oder Wizzy erhofft, die zumindest wisssen, was Wärme auf molekularer Ebene bedeutet !

    • Der Treibhauseffekt funktioniert nicht so, dass ein CO2 Molekül 3000 andere Luftmoleküle anstößt, sondern indem es die absorbierte Strahlung re-emittiert und zwar in alle Richtungen, also auch zurück in Richtung Erdoberfläche. Die dort durch den Treibhauseffekt (den natürlichen plus anthropogenen) ankommende Strahlung ist größer als die Sonneneinstrahlung. Das ist physikalisch bestens verstanden und außerdem schlicht eine Messtatsache. Diese Strahlung ist problemlos messbar.

    • Selbst als Klima-Laie würde ich sagen, dass nicht das relative Verhältnis zwischen CO2 und anderen Gas-Molekülen entscheidend ist, sondern die Menge an Treibhausgasen absolut. In „Skeptiker“-Kreisen wird ja gerne das Argument gebracht, wie wenig doch das eine CO2-Molekül gegen die 3.000 anderen Teilchen ausrichten könnte. Man kann aber auch ein anderes Bild bemühen. Nehmen Sie eine konstant dichte Atmosphäre, die bis 10km hoch geht (die echte Atmosphäre ist erheblich höher). Der vorindustrielle Zustand von 280ppm bedeutet eine 2,8 Meter hohe, den ganzen Planeten umspannende Decke. Die Änderung auf 400ppm entspricht einer Deckenerhöhung um 1,2 Meter. Da kann man sich wieder eher vorstellen, dass das eine Erwärmung von 287 K auf 288 K im Durchschnitt bewirkt haben soll.

      • Das Bild ist gar nicht so schlecht, denn durch die CO2-Moleküle, die die langwellige Strahlung unterwegs abfangen, kann diese Strahlung nicht direkt von der Erdoberfläche ins All entweichen. Im Mittel entweicht die Strahlung daher erst aus einigen Kilometern Höhe ins All, und die abgestrahlte Energie entspricht daher der Temperatur in dieser Höhe (das ist die sogenannte Strahlungstemperatur). Erhöht man die CO2-Konzentration verschiebt sich die Abstrahlung in größere Höhe, weil die Atmosphäre weniger durchlässig wird. Die abgestrahlte Energie ist immer noch dieselbe (im Gleichgewicht, denn sie muss ja gerade die ankommende Sonnenstrahlung ausgleichen), daher ist auch die Strahlungstemperatur nach wie vor dieselbe. Nur herrscht diese Temperatur jetzt in größerer Höhe in der Atmosphäre. Daher ist es nun an der Erdoberfläche wärmer, denn es gibt einen annähernd konstanten Temperaturabfall mit der Höhe in der unteren Atmosphäre. Anders gesagt: die „Decke“ wird tatsächlich nach oben verschoben, deshalb wird es unten wärmer. Das ist übrigens alles seit über hundert Jahren verstandene Physik; es hat relative wenig Sinn, wenn Laien solche physikalische Grundfakten anzweifeln.

        • Das strukturkonservative Bürgertum ist das größere Problem, dort sind diverse Skeptikerargumente auf einen ausgeprägten Nährboden gestoßen, längst widerlegte Denkschemata sind sehr tief in den Köpfen drin.
          Sie, Herr Rahmstorf, argumentieren mir generell etwas zu statistiklastig, für viele ist das aber zu anstrengend.
          Dass es seit hunderten Jahren unbestreitbare physikalische Grundlagen und Kausalmechanismen beim Treibhauseffekt gibt (und welche zwingenden Konsequenzen das hat), sollte etwas mehr in den Fokus gerückt werden.
          Die Nobelpreisträgerin May-Britt Moser hat im Interview (Spiegel Nr. 29/2015) vor kurzem gesagt, dass man auch in der Wissenschaft ab und zu eine Story erzählen muss.
          Ihr Klimaforscher habt mit Tyndall (Matterhorn!), Arrhenius (Nobelpreis!), Fourier (Begründer mathematische Physik!), Keeling usw. sowieso schon die besten aller Geschichten.
          Also sollten diese auch erzählt werden!

    • Ich kenne ja die Gepflogenheiten in Ihren Besprechungen nicht. Aber dies hier ist ein Blog. Das bedeutet, jeder darf jeden kommentieren. Ebenfalls dürfen Sie auch jeden Kommentar ignorieren.

      P.S.: Das da: „Der Treibhauseffekt funktioniert nicht so, dass ein CO2 Molekül 3000 andere Luftmoleküle anstößt, sondern indem es die absorbierte Strahlung re-emittiert und zwar in alle Richtungen, also auch zurück in Richtung Erdoberfläche.“ hätte Ich Ihnen auch sagen können, Sie Thermodynamik-Experte.

  14. Ein nettes Fundstück:

    https://twitter.com/MTScientists/status/631195674604761089/photo/1

    Ich kenne das:

    Man ruft pausenlos „Feuer!“ und als Antwort kommt „Alarmist!“. Anstatt sich eingehend und ernsthaft auf die Message zu konzentrieren, schiesst man auf den Messenger. Nicht sonderlich effektiv. In weiten Teilen der Erde brennt es schon lichterloh, aber hier scheinen gewisse Leute nichtmal Rauch zu wittern, die sollten mal ihre Nase Richtung Süden in den Wind halten, so ungefähr Richtung Mittelmeer, wir bekommen einige Millionen Gäste, Tendenz exponential steigend, genauso, wie der Meeresspiegel.

  15. Beim Betrachten der Diskussion manifestiert sich mir die sich hier abspielende Diskussion in weiten Teilen einer bestimmten Couleur als ein psychologisches Geschehen. Als (ein) Stichwort prägt sich für mich hierbei der »Bestätigungsfehler« heraus, der durch Peter Cathcart Wason in den 1960er Jahren formuliert wurde und durch Versuchsreihen von Kevin Dunbar mittels zum Teil großartiger Hirnscans vor einigen Jahren zudem bildgebend bestätigt wurde.

    Ein Blick auf die Realität ist hier, wie stets, hilfreich.

    Wer tatsächlich in der Überzeugung lebt, dass der Klimaforschung gravierende Fehler unterlaufen, hat möglicherweise aber auch einfach nicht verstanden, wie wissenschaftliches Arbeiten vonstatten geht. Ein solch überragender Konsens, wie wir ihn im Bereich der globalen Klimaforschung finden, bildet sich aus x-fachen Stellungnahmen unzähliger internationaler Fachgremien allmählich heraus, indem die in diesen Gremien arbeitenden Expertinnen und Experten alle realen und denkbaren Aspekte und Gesichtspunkte einer Sache ausführlich, kritisch und ergebnisoffen diskutieren und in langen Versuchsreihen die wissenschaftliche Beweislage substanzieren. Die aus den Erkenntnissen resultierenden Kernaussagen diese Gremien beruhen auf Jahrzehnten von Forschungsarbeit und Tausenden von Studien – die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null, dass diese durch einige »neue Resultate« oder »nicht berücksichtigte Momente« auf einmal umgestoßen werden könnten.

    Aus psychologischer Sicht wäre es für mich hier noch viel interessanter, sich einmal die dahinter liegende (zum Teil auch unbewusste) Motivation der Leugnung der wissenschaftlichen Tatsachen zu betrachten. Ohne hier lange Versuchsreihen starten zu wollen, orakel ich aus der Erfahrung heraus, dass bei den allermeisten den Konsens negierenden Frauen und Männern die Aufrechterhaltung des eigenen Egos Grundlage dieses Handels ist. Ebenso wie die schlicht eigene Bequemlichkeit finden wir hier auch vereinzelt Geltungsbedürfnis oder gar Geltungssucht, als Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen und dergleichen mehr.

    Ich möchte hierzu noch Michael Kopatz zitieren, der diesen Themenbereich ganz unkonventionell auf den Punkt bringt: »Ich vergleiche das immer bei der Klimafrage mit der Begutachung einer Brücke. Angenommen sie haben 1000 Sachverständige, die ihre Brücke begutachten, und nur einer sagt, sie ist noch in Ordnung, alle andern sagen, sie ist vom Einsturz gefährdet. Wer würde mit dem 40-Tonner über die Brücke fahren und sagen, na der eine wird wahrscheinlich schon Recht haben? Bei dem internationalen Klimarat ist es genau das gleiche. Von 1000 Experten sagt vielleicht einer, er ist noch nicht restlos überzeugt, dass die Menschheit den Klimawandel verursacht. Trotzdem verlassen sich quasi jetzt alle auf diesen einen Neinsager, anstatt sich darauf zu verlassen, dass die anderen Recht haben.«

    Es ist bedauerlich, das Klimaexperten, hier Stefan Rahmstorf, immer wieder von solchen im Prinzip belanglosen, persönlichen Ego-Problemchen einzelner vereinnahmt werden. Für uns alle.

    • @ Kay Heinath:
      Zitat: „Aus psychologischer Sicht wäre es für mich hier noch viel interessanter, sich einmal die dahinter liegende (zum Teil auch unbewusste) Motivation der Leugnung der wissenschaftlichen Tatsachen zu betrachten. Ohne hier lange Versuchsreihen starten zu wollen, orakel ich aus der Erfahrung heraus, dass bei den allermeisten den Konsens negierenden Frauen und Männern die Aufrechterhaltung des eigenen Egos Grundlage dieses Handels ist. Ebenso wie die schlicht eigene Bequemlichkeit finden wir hier auch vereinzelt Geltungsbedürfnis oder gar Geltungssucht, als Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen und dergleichen mehr.“

      Das Stichwörter heißen ANGST und SCHULDGEFÜHL:
      Die Menschen wollen nicht wahrhaben, dass die Klimaerwärmung von ihnen selbst verschuldet ist,

      weil ihnen klar ist, dass unsere Überlebenschancen in diesem Fall sehr gering sind. Wer glaubt wirklich noch daran, dass wir rechtzeitig die Kurve kriegen?

      weil sie davon ausgehen, dass Gott der Schöpfer des Planeten Erde ist und niemals zulassen würde, dass dieser von uns zerstört wird. So etwas erledigt Gott lieber selber und in diesem Fall hätte eben Gott den Klimawandel verursacht und nicht wir.

      weil sie denken, dass es egal ist wie der Klimawandel zustande kommt – unsere Raumbrüder von der galaktischen Föderation werden die Rechtschaffenen unter uns rechtzeitig retten und auf einen anderen Planeten bringen.

      weil sie Angst vor der Hölle haben, in die sie ja kommen müssen, wenn sie durch ihre Schuld den ganzen Planeten ins Unglück gestürzt haben.

      weil sie Angst vor den Vorwürfen ihrer Enkelkinder haben, die sie eines Tages fragen werden: Warum habt ihr uns das angetan?

      weil es leichter ist diese ganzen Schuldgefühle zu ertragen, wenn man behauptet, dass man gar keine Schuld daran hat, weil man ja zu den Guten und Braven dieser Welt gehört – die Bösen sind immer die anderen, wer sonst?

      weil sie sich selbst so sehr für ihre Taten hassen, dass sie sich lieber in die Irrationalität flüchten, als zu versuchen, das Ruder noch einmal herumzureißen.

      weil sie bei dem Gedanken daran zittern, dass sie in Zukunft ohne die Bequemlichkeiten der Viel-Energie-und-Ressourcen-verbrauchenden-Zivilisation zurechtkommen müssten, wenn sie zugeben würden, dass wir unser Verhalten ändern müssen.
      (Zu dieser Gruppe rechne ich mich übrigens selbst – ich gehöre deshalb zu der Art von Wahnsinnigen, die hoffen, dass noch rechtzeitig ein Perpetuum mobile erfunden wird, dass uns für immer mit jeder Menge Energie versorgen wird … so viel wir nur wollen und ganz ohne Schaden für die Umwelt … ich warte auf das Schlaraffenland!)

      weil der Gedanke einfach zu schrecklich ist, dass wir diesen Mist verbockt haben.

      Und manchmal frage ich mich, ob der Glaube an die Gestaltungskraft unserer Politiker, die noch rechtzeitig die richtigen Gesetze beschließen werden, oder der Glaube an die Gesellschaft, die noch rechtzeitig ihr Verhalten ändern wird, der Glaube, dass wenn wir das Problem zuerst geschaffen haben, dann auch fähig sein werden es zu lösen, dass dieser Glaube auch nur aus der Angst geboren wurde, dass wir gerade eine weitere Aussterbewelle der Erdgeschichte erleben und selbst zu ihren Opfern gehören werden.

      Toi, toi, toi, für uns alle.

  16. Sehr geehrter Herr Stefan Rahmstorf,
    haben Sie zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre präzise Antwort. Ein kleiner Widerspruch meinerseits, der nicht den Treibhauseffekt in Frage stellen soll sondern nur wie er zustande kommt.
    Wenn es nur um absorbierte und wieder emittierte Strahlung einer anderen Wellenlänge geht,
    kann meines Erachtens nur die Absorption der Strahlung durch Wasser sowohl der Ozeane als auch durch Wassersdampf und andere Treibhausgase in der Atmosphäre diesen Effekt auslösen.
    Erwärmung von Substanzen wie z.B. Gasen ist ja nur möglich, wenn diese in Wechselwirkung
    mit Strahlung oder angeregten Molekülen treten, was im Fall der IR Strahlung bei Sauerstoff und Stickstoff nicht der Fall ist. Noch eine Bemerkung zu den anderen Reaktionen auf meinen Kommentar. Sachlich vorgetragener Widerspruch wie von Rainhard Koehrer und Nemesis ist O.K. und führt zu einer Bereicherung der Diskussion aber hysterischer Shitstorm wie von Jürgen Bucher,
    der nur zitieren kann, ist völlig unakzeptabel !

    • Also bei Ihrem Beitrag vom 9. August 2015 konnte ich nicht wirklich feststellen, dass Ihre physikalischen Kenntnisse fundamental besser als meine sind. Dass es drei „Wärmearten“ gibt (Konvektion, Wärmeleitung- und strahlung) weiß ich schon lange, auch dass IR-Strahlung eine elektromagnetische Welle mit einer Schwingungsfrequenz von größer als 780 Nanometer ist. In diesem Blog spielt sich alles auf einer Ebene ab, wo auch der interessierte und zur Weiterbildung bereite Normalmensch mithalten kann – wenn er einige fachliche Mühen auf sich nimmt!

      Auf Ihren Vorwurf eines „hysterischen Shitstorms“ mag ich gar nicht eingehen (ein Shitstorm ist etwas anderes, der Begriff ist bereits besetzt, „hysterisch“ ist Quatsch), inhaltlich sollen das alle anderen nach fairen Kriterien beurteilen, erstaunlicherweise reden Sie ja am 9. August 2015 selbst davon, dass manche Ihrer Kommentare „lächerlich“ sind, :-). Aber jetzt mal eine vielleicht verständliche Frage: Was machen S i e eigentlich anderes als zu zitieren, bzw. auf fremde Erkenntnisse zu rekurrieren? Betreiben Sie eigene Forschungen zum Thema, was ist dabei bisher herausgekommen? Darf ich ergänzend kurz fragen, was Sie beruflich machen?

      Zur Sache: Auf die von mir vor 30 Minuten gegoogelte Frage „Wie wirkt Infrarot auf ein Kohlendioxid-Molekül?“ habe ich 30.000 potentielle Antworten bekommen, der Artikel „Infrarotspektroskopie“ (Wikipedia) erklärt die von mir angesprochenen Dipole, Schwingungen, die Bedeutung der Schrödinger-Gleichung (da lag ich doch nicht so falsch) und vieles mehr. Ganz klar gesagt: 90 Prozent sind im Detail außerhalb meiner derzeitigen physikalischen Fähigkeiten, man kann solche Dinge zunächst aber auch ganz allgemein sinnvoll im Rahmen seiner mentalen Modelle verarbeiten, sich inspirieren lassen und Gesamtzusammenhänge herstellen!

      Zusätzlich aus dem von mir zitierten Plöger-Böttcher-Büchle: Kohlendioxid bleibt mehr als 100 Jahre in der Atmosphäre, es hält Infrarotstrahlung erheblich besser zurück als Wasserdampf. Gasförmiges Wasser verweilt etwa neun Tage, ist wegen seiner schieren Menge in der Atmosphäre dennoch das sehr viel effektivere Treibhausgas. Vom Kohlendioxid geht ein erheblicher positiver Rückkopplungseffekt auf zusätzlichen Wasserdampf aus. Sind Ihre Fragen vom 9. August 2015 damit beantwortet? Ich kann gerne noch eine Ebene tiefer gehen, ich halte das auch für notwendig, aber warum machen Sie das nicht selbst?

      Ihre Venus-Argumentation ist so oder so ähnlich für meinen Geschmack etwas auffallend oft in diversen Skeptiker-Seiten zu finden, das habe ich soeben über Google festgestellt. Zu „Kohlendioxid Venus“ bekomme ich 23.400 Ergebnisse – es kann doch nicht so schwer sein, selbst festzustellen, dass Ihre Treibhaus-Venus-Argumentation „im Laufe von Jahrmillionen“ kausal nicht nachvollziehbar ist.

      P.S. für empfindliche Physiker-Seelen: Bitte, bitte bei Google nicht versehentlich „Venus Rotlicht“ eingeben!

    • Bei der Aufzählung „Wenn es nur um absorbierte und wieder emittierte Strahlung einer anderen Wellenlänge geht, kann meines Erachtens nur die Absorption der Strahlung durch Wasser sowohl der Ozeane als auch durch Wassersdampf und andere Treibhausgase in der Atmosphäre diesen Effekt auslösen.“ fehlt meines Erachtens zumindest die feste Erdoberfläche. Diese muss
      1. über lange Zeiträume betrachtet genauso viel Energie abstrahlen wie sie an Sonnenlicht absorbiert (ansonsten würde sie sich über Jahre hinweg stetig erwärmen)
      2. dies mit anderen Wellenlängen als die des Sonnenlichts tun (ansonsten wäre der Erdboden genau wie Sonnenlicht weiß)
      Insofern wirkt ein Anteil an Treibhausgasen in der Atmosphäre ähnlich wie eine Fischreuse (ein zugegeben einfaches Bild):
      Aus der einen Richtung wird das sichtbare Licht fast nicht behindert, aus der anderen Richtung wird Infrarot-Licht graduell behindert und mit ~50% Wahrscheinlichkeit zum Erdboden zurückgeworfen. Leicht verständlich auch, dass die Behinderung mit der Menge an Treibhausgasen zunimmt.

  17. Lieber Herr Kay Heinath, liebe Frau Sabine Engertsberger,
    keine(r) der bisherigen Kommentator(inn)en zu diesem Artikel gehört zu einer der von Ihnen
    genannten Personengruppen wie Kreationisten, Egozentriker oder Internettrolle. Ihre Kommentare
    vom 12.08.2015 bzw. 14.08.2015 gehen an der Realität vorbei. Wie wissenschaftliche Erkenntnisse gwonnen werden, hat Kay Heinath zwar richtig beschrieben aber da wissenschaftliche Erkenntnisse durch die gleichen Prozesse bei neuen Erkenntnissen auch öfters
    korrigiert werden, ist diese Bemerkung belanglos. Ordnen Sie mich bitte jetzt nicht gemäß einem Schwarz-Weiß Denken in einen Befürworter oder Verneiner des anthropogen verursachten
    Klimawandels ein (das können Sie nämlich nicht !)sondern lesen Sie einfach nur sorgfältig meine weiteren Ausführungen Die Situation in der globalen Klimadiskussion ist doch wie folgt. Das Abschmelzen von Gletschern in den Hochgebirgen oder von Eis auf Grönland oder in der Arktis beunruhigt natürlich viele Menschen und da dies sogar den Verlauf und die Geschwindigkeit der für das Klima wichtigen Meeresströmungen wie den Golfstrom beeinflussen kann, kann dies dramatische Folgen haben. Der Streit in der Klimafrage geht darum ob
    1) nur die anthropogenen CO2 Emissionen dazu beitragen
    2) alle Emissionen von Treibhausgasen egal aus welcher Quelle kommend
    3) andere Prozesse wie Änderungen auf der Oberfläche der Sonne, minimale Änderungen
    von Erdachse oder Erdbahn, Desertifikation etc. dazu beitragen
    Was die Personen zu diesen 3 Positionen ausmacht, so sind dies hauptsächlich
    1) von Interessen gelenktem Wunschdenken geleitete Personen : Betreiber von Kohlekraftwerken
    oder Unternehmen der Petroindustrie vertreten natürlich eine andere Position als Hersteller von Windkraftanlagen oder Personen, die mit CO2 Zertifikaten ihr Geld verdienen
    2) besorgte Experten und Laien in beiden Gruppen
    Da im Falle von fortschreitender Desertifikation und Entwaldung als Hauptursache eine andere Strategie betrieben werden muss als im Fall von CO2 Emissionen als Hauptursache ist eine sachliche Diskussion darüber sehr sinnvoll. Ich hoffe, Ihnen hiermit einen Denkanstoss gegeben zu haben !

    • Lieber Herr Denzer,

      selbstverständlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, dass man nur dann eine Sache sinnvoll bekämpfen kann, wenn man die Hauptursache für den unglücklichen Zustand identifiziert hat.

      Sie haben mich übrigens tatsächlich zu einem längeren Nachdenken gebracht – und zwar über das Thema Entscheidungsfindung.
      Denn selbst wenn man sich entschieden hat, welche Argumente man als richtig ansieht (ein Laie tut sich dabei schwerer als ein Experte, da er die Sache nicht wirklich selbst durchdenken kann – je komplexer die Forschung ist, desto unmöglicher wird es ihm, vor allem wenn er nicht sehr viel freie Zeit dafür hat) ist die Bereitschaft zum und die Art des Handelns, dann noch eine ganz andere Sache.

      Ich musste an die Arte-Doku denken, die vor Kurzem im Fernsehen gezeigt wurde: „Der Mann, der die Welt rettete“. Es ging um den Sowjet-Offizier Stanislaw Petrow, der am 26. September 1983 Dienst hatte. Die Computer meldeten, dass Amerika fünf Atomraketen abgeschossen hatte, die nun unterwegs nach Russland waren. Die Systeme wurden wieder und wieder gecheckt – Ergebnis: Sie arbeiten korrekt, das ist kein Fehlalarm! Dem Protokoll nach hätte Petrow nun den Gegenschlag befehlen müssen! Kurz darauf hätte es einen ziemlich toten Planeten Erde gegeben – niemand hätte das überlebt. Im Wissen darum konnte er sich nicht dazu durchringen. Eine Entscheidung, die sich später als richtig herausstellte. Es gab keine amerikanischen Raketen, es war doch ein Computerfehler.
      Wir alle leben heute noch, weil er nach seinem damaligen Wissensstand eine falsche Entscheidung getroffen hat!

      Was ich damit sagen will:
      Mich überzeugen die Argumente der Wissenschaftler, wenn sie sagen, dass der CO2-Ausstoß des Menschen die Hauptursache für die Klimaerwärmung ist.
      Aber was würde ich tun, wenn ich Politikerin wäre und nun mit diesem Wissen eigentlich entscheiden müsste, die gesamte Lebensweise der Leute radikal zu ändern? Eine Entscheidung, die für die meisten katastrophale Auswirkungen hätte! Wahrscheinlich würde es mir wie Stanislaw Petrow gehen: Ich wäre dazu nicht fähig. Ich würde nichts tun, hoffen dass sich die Computer geirrt haben und abwarten. Also genau das, was unsere Politiker derzeit machen. 1983 in Russland ging es gut. Wie die Sache heute ausgehen wird? Das werden erst die Menschen der Zukunft beurteilen können. Wenn wir Glück haben, ist auch diesmal das Nicht-Handeln – gegen jede vernünftige Überlegung – das Richtige. Wenn nicht …

      Tja, ich fürchte, meine Gedanken sind nun in eine ganz andere Richtung gewandert, als vielleicht von Ihnen vermutet. Aber so ist das mit den Anstössen – im Grunde wie beim Billard, da nimmt die Kugel auch oft einen unvermuteten Weg 😉
      Trotzdem vielen Dank dafür! Ich sehe die Dinge nun anders als vor Ihrem Beitrag und werde den zukünftigen Entscheidungen oder auch Nicht-Entscheidungen der Gesellschaft in Sachen Klimawandel gelassener gegenüber stehen.

      • „Aber was würde ich tun, wenn ich Politikerin wäre und nun mit diesem Wissen eigentlich entscheiden müsste, die gesamte Lebensweise der Leute radikal zu ändern? Eine Entscheidung, die für die meisten katastrophale Auswirkungen hätte! “

        Falls sie diesen Kommentar noch lesen, wie kommen Sie darauf? Wieso sollte die Änderung unserer Lebensweise katastrophale Auswirkungen haben?
        Und wenn sie welche hätte, was ich bestreiten würde, müsste man diese katastrophale Auswirkungen, dann nicht mit den katastrophale Auswirkungen gegenrechnen, die ein „Weiter So“ mit sich bringen wird?

        Denn ein „Computerfehler“ ist bei der globalen Erwärmung ausgeschlossen.

        MfG

      • Guten Tag Frau Engertsberger,
        Ihre Überlegungen fortgeführt, kann man sich fragen: Was wäre, wenn wir viel Klimaschutz machten und es würde sich irgendwann herausstellen, dass es doch keine gefährliche Erderwärmung gäbe? Die Antwort ist aus meiner Sicht klar: Dann hätten wir dennoch viele Millionen Menschenleben gerettet, die heute infolge gerade der Kohleverbrennung an der Luftverschmutzung sterben. Dann hätten wir einiges erreicht, um effizienter die Energie zu nutzen. Dann hätten wir mit PV, Windkraft usw. zwar die Landschaft verändert aber doch eine Energiequelle erschlossen, die anders als Erdgas, Erdöl und Kohle nach menschlichen Maßstäben unendlich und zudem viel gesundheits- und umweltschonender als die fossilen Energien ist. Und sogar preiswerter wird.
        Wenn wir uns für den Klimaschutz entscheiden, machen wir nach menschlichem Ermessen keinen Fehler.
        Ähnliches gilt für den Atomausstieg. Wenn wir uns für ihn entscheiden, und irgendwer würde irgendwann die Sicherheits- und die Müllprobleme der Atomkraft lösen, machen wir dennoch nach menschlichem Ermessen keinen Fehler.
        Raimund Kamm, Augsburg
        http://www.atommuell-lager.de

  18. @Nemesis :
    Danke für das Feedback ! Der Artikel über CO2-Zertifikate ist übrigens fast genau 3 Jahre alt.
    Ein paar Bemerkungen zu „Der Kapitalismus wird die Probleme des Klimawandels ganz sicher nicht lösen, da mache ich mir keine Illusionen“ Präziser muss es heißen : der Raubtierkapitalismus
    (ich empfehle hierzu die Bücher von Jean Ziegler), zu denen man nicht nur den US-amerikanischen Kapitalismus sondern noch mehr den kaschierten Raubtierkapitalismus der „kommunistischen“ Staaten (von Ziegler Terrorstaaten genannt) und des Feudalismus (Leibeigene und Sklaven) zählen muss. Die von Ludwig Erhard eingeführte soziale Marktwirtschaft
    ist das beste System (wurde übrigens auch von Deng Xiaopeng sehr gelobt !) doch zurück zu den Folgen des Raubtierkapitalismus. Zur Zeit sind 40 % des globalen Vermögens im Besitz von 1 % der Weltbevölkerung. Unter diesen gibt es etwa 1100 Dollar-Milliardäre (1 Milliarde = 1000 Millionen !). Der damit verbundene Machtzuwachs ermöglicht z.B. Landgrabbing in einem Ausmass, dass es sogar klimarelevant ist. Nemesis, der schlimmste Raubtierkapitalismus existiert aber beim organisiertem Verbrechen (auch bei Ziegler nachzulesen) und dessen Machtzuwachs ist erschreckend. Dies liegt auch daran, dass mittlerweile 14 % der Weltbevölkerung in Slums lebt (kennen Sie das Flying Toilet system dort ?) und die momentane Kriegssituation im Nahen Osten und diktatorische Systeme in zerfallenen Staaten stärken den Einfluss des organisierten Verbrechens weiter. CO2 Emissionen sind für die Mafia, den ISIS etc. kein Thema !

    • @Dr. Horst Denzer

      Danke für Ihre Antwort!

      Der Artikel über CO2-Zertifikate ist übrigens fast genau 3 Jahre alt.

      Ok, hatte ich nicht bemerkt. Aber ich denke nicht, dass der Wert der Zertifikate in den letzten 3 Jahren wesentlich gestiegen ist (bitte korrigieren Sie mich gegebenenfalls).

      Leider bekommt man in der Regel harsche Kritik zu hören, sobald man sich erlaubt, die Schwachstellen des Kapitalismus anzusprechen. Of genug werde ich deswegen schon verdächtigt, ein Kommunist oder Träumer ect zu sein. Dabei halte ich jedoch gerade den Traum des alleinseligmachenden Kapitalismus für einen sehr gefährlichen Traum. Es ist der Traum vom ewigen Wachstum und dem Wohlstand aller aufgrund der egoistischen Interessen des Einzelnen. Dieser Traum ist eine fatale Illusion, genauer gesagt, ein Lüge:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Trickle-down-Theorie

      http://static.fjcdn.com/pictures/Trickle+down+effect+republicans_c0f2e6_3863192.jpg

      Mit diesem Trickle-Down Märchen hat eine finanzmächtige und verantwortungslose globale Minderheit es geschafft, die Mehrheit zu täuschen. Aber das Hochnotpeinliche daran ist, dass die Natur (bzw das Klima ect) sich nicht täuschen und hinhalten lässt, die Natur kennt absolut keine Gnade, interessiert sich nicht für Aktienkurse, Finanzpläne, das Bruttosozialprodukt ect. Die Natur ist ein erbarmungsloser Kochtopf, fertig. So gesehen wird der vom Kapitalismus insgeheim gepriesene Sozialdarwinismus sich letztlich voll und ganz bestätigen: Survival of the fittest. Fragt sich bloss, ob die Finanzmächtigen damit gerechnet haben, dass dieses Gesetz am Ende auch auf sie selbst zutrifft 🙂 Vermutlich nicht. Sie hatten wohl eher gedacht, es würde ewig so weitergehen, die Gewinne nach oben und die Verluste nach unten weiterzuleiten. Aber ganz unten, da ist Mutter Erde und die ist durch windige Paragraphen oder Hartz IV Massnahmen todsicher nicht zu gängeln oder zu bändigen 🙂 So, welcome to the survival of the fittest (not the richest!) !

      Ob man das nun “Raubtierkapitalismus” oder “freie Marktwirtschaft” oder “soziale Marktwirtschaft” oder wie auch immer nennt- die Hauptakteure bzw Profiteure sind stets dieselben: Der militärisch-industrielle Komplex, internationale Grosskonzerne, Banken ect ect. Das derzeitige Dilemma wird sich durch einfache Massnahmen nicht mehr lösen lassen, denn das gesamte Finanzsystem ist todkrank, aufgebaut auf gewaltige Schuldenberge, die man eiskalt den kommenden Generationen überlässt. Diese Schulden sind der Mühlstein um den Hals des gesamten Systems. Das System lässt sich nur noch durch Schulden und immer schnelleres Wachstum künstlich am Leben erhalten. Das wissen auch die sog. “Eliten” und schliessen einfach die Augen in der Hoffnung, dass es sie nicht mehr treffen wird (sondern erst ihre Nachkommen) oder dass die Techno- Experten noch im letzten Moment irgendeine Wunderwaffe aus dem Ärmel schütteln (zB Kernfusion, Climate Engineering etc blabla). Ganz zu schweigen von der fantastischen, weltweiten Spekulationswirtschaft, die die Realwirtschaft längst ca. um den Faktor 100 überholt hat. Das weitaus meiste Geld wird also witzigerweise mit Geld verdient.

      Die von Ludwig Erhard eingeführte soziale Marktwirtschaft ist das beste System (wurde übrigens auch von Deng Xiaopeng sehr gelobt !

      Na ja, im Endeffekt hat Deng Xiaopeng in China dem Raubtierkapitalismus Tür und Tor geöffnet mit seinem berühmten Motto “Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiss ist, solange sie Mäuse fängt.” Bereits vor Jahren habe nicht nur ich vorhergesehen, dass das exorbitante Wachstum Chinas der letzten Jahren nicht ewig so weitergehen wird. Inzwischen ist China in der Realität angekommen, das Wachstum geht schneller zurück als es seinerzeit nach oben schnellte. Die meisten Chinesen haben vom diesem Wachstum garnichts, die Hauptgewinne steckt auch in China eine korrupte Minderheit in die eigene Tasche und feiert eine Dauerparty ohnegleichen. Nicht mehr lange. Die ökologischen Kosten des chinesischen Wachstums sind mörderisch und auf absehbare Zeit nicht mehr rückgängig zu machen.

      Eine der fatalsten Aspekte des Kapitalismus ist die PRIVATISIERUNG der natürlichen Ressourcen weltweit. Was für ein gigantischer, mörderischer Raubzug! Und diese Privatisierung hat in den letzten Jahren sogar die Nationen, die Staaten weltweit ins Visier genommen. ALLES wird privatisiert. In Irland werden sämtliche Wälder verkauft, in Frankreich, Italien, Griechenland ect werden Jahrtausendealte Kulturgüter verkauft, in Deutschland werden inzwischen sogar ganze Berge an Privat verschachert. Während die öffentliche Hand längst vollkommen bankrott ist, wird eine Minderheit reicher und reicher und reicher. Bis am Ende niemand mehr übrigbleiben wird.

      … der schlimmste Raubtierkapitalismus existiert aber beim organisiertem Verbrechen (auch bei Ziegler nachzulesen) und dessen Machtzuwachs ist erschreckend. Dies liegt auch daran, dass mittlerweile 14 % der Weltbevölkerung in Slums lebt (kennen Sie das Flying Toilet system dort ?) und die momentane Kriegssituation im Nahen Osten und diktatorische Systeme in zerfallenen Staaten stärken den Einfluss des organisierten Verbrechens weiter. CO2 Emissionen sind für die Mafia, den ISIS etc. kein Thema !

      Genau das ist der Punkt: Organisierte Kriminalität in allen Bereichen. Ich erinnere nur an die Skandale um die HSBC Bank- da werden Drogengelder in Milliardenhöhe gewaschen, international gesuchte Terroristen bunkern dort ihr Geld usw usw usw. Ich schätze Jean Ziegler wirklich sehr, denn er wagt es, die ungeschminkte Wahrheit auszusprechen. Die Slums werden sich weltweit weiter ausdehnen. Mit zunehmender Ressourcenknappheit, wachsender Weltbevölkerung und gewaltigen ökologischen Problemen wird der Kapitalismus garantiert nicht zahmer, sondern immer gieriger und ungezügelter werden, es gibt mächtige Interessen, die alles daransetzen werden, den Status Quo um jeden Preis zu erhalten. Die Finanzmächtigen bzw die Mafia werden sich todsicher nicht zu umweltfreundlichen Blumenkindern wandeln, todsicher nicht. Die einzige Hoffnung hinsichtlich des langfristigen Überlebens Homo Sapiens‘ auf diesem Planeten sehe ich in einem möglichst baldigen Totalzusammenbruch des kompletten Wirtschaftssystems. Erst dann, wenn Geld nichts mehr wert ist, wird die Natur die Gelegenheit erhalten, sich zu erholen. Kennen Sie den Film „Mad Max“? Das ist die Zukunft, die ich auf uns alle zukommen sehe.

      Civil government, so far as it is instituted for the security of property, is in reality instituted for the defense of the rich against the poor, or of those who have some property against those who have none at all.

      – Adam Smith, 1776

      … but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we are winning.

      – Warren Buffet, CEO, Berkshire Hathaway

    • Der Klassiker: es wurde durch Wahl des Anfangsjahres ein relativ flaches kurzes Stück herausgepickt. Außerdem werden Monatsdaten gezeigt (statt zB Jahresmitteln) – das starke Rauschen in den Monatsdaten lässt den Trend umso flacher erscheinen.

      • Danke. Sehe ich das richtig, dass die Referenzline, also die x-Achse, den Durchschnitt von 1981 bis 2010 repräsentiert?
        Wenn ja, macht es Sinn, einen Datensatz, der sich über 14 Jahre (hier 2001-2015) erstreckt, gewissermaßen zu einem Drittel mit sich sich selbst zu vergleichen (die Referenzlinie umfasst ja selbst schon zehn Jahre des betrachteten Datensatzes)?

    • An der Grafik sind mehrere Haken und Häkchen, die man erst anhand der Beschriftung erkennt, zu sehen.
      1. Die Betrachtung beginnt in einem Januar und endet in einem Mai. Korrekter wäre eine Betrachtung über Zeiträume, die ein Vielfaches ganzer Jahre sind.
      2. Die Gerade mit der mit Abstand größten Steigung +0,17°C/10a wird nicht gezeigt, dafür eine mit -0,039°C/10a. Das soll wohl Uneinheitlichkeit der Datenlage suggerieren.
      3. Die 4 nahezu deckungsgleichen Geraden liegen auf einem Niveau von ~+0,2°C zum Mittelwert aus 1981-2010. Daraus lässt sich abschätzen, dass 1981-2000 auf einem Niveau von ~-0,1°C liegen. Da wird bewusst nicht dargestellt, weil man dann den starken Anstieg in diesem Zeitraum sehen würde.
      Zusammengefasst: Die Grafik ist optimiert in eine Richtung „flache Teilbereiche werden gezeigt, steile ausgeblendet“.

      • Vielen Dank für die Antwort.
        „Daraus lässt sich abschätzen, dass 1981-2000 auf einem Niveau von ~-0,1°C liegen.“ habe ich mir schon gedacht. Wie schätzt man das ungefähr ab oder führt das zu weit?

        • Das ist keine Hexerei, ich habe beruflich nur öfter mit Datenreihen, die ähnlich streuungsbehaftet sind wie Temperaturverläufe (mit Klima aber nicht das Geringste zu tun haben). Man entwickelt dabei im Laufe der Zeit die Fähigkeit, Mittelwerte, Steigungen von Ausgleichsgeraden usw „auf einen Blick“ recht genau abzuschätzen.

      • In einem Nachtrag zu meinem Blog-Beitrag am 26. August, siehe http://blog.gwup.net/2015/08/22/klima-kein-ende-der-rekordtemperaturen/ gehe ich auf die Tisdale-Behauptungen ein. Die Daten von NASA (GISS), dem MET Office (HadCRUT4) und von NOAA (NCDC) stimmen für den Zeitraum 1975 – 2015 erstaunlich überein. Wenn man für den Zeitraum 1979 – 2014 noch die Satellitendaten hinzunimmt sieht man, dass lediglich die RSS Daten ein wenig aus dem Rahmen fallen. Selbst bei RSS ist der langfristige Trend klar.

  19. Liebe Frau Sabine Engertsberger,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihr Feedbeck und Ihren sehr guten Kommentar vom 18. August 2015 !

  20. Mit CO2-Zertifikaten kann man kein Geld verdienen? Offenbar schon. Die Klimaskeptiker müssen ihre Verschwörungstheorien umschreiben …:

    „In Russland sind offenbar jahrelang Treibhausgase einzig zu dem Zweck produziert worden, um über den Handel mit Emissions-Zertifikaten Geld zu verdienen.
    Das berichten „Süddeutsche Zeitung“ und WDR unter Berufung auf eine Studie des Stockholm Environment Institute. Hintergrund ist demnach eine Schwachstelle im Kyoto-Protokoll. In diesem Protokoll sind die Regeln für den Zertifikate-Handel festgeschrieben, der eigentlich dem Klimaschutz dienen sollte. Russische Fabriken haben dem Bericht zufolge aber absichtlich besonders viel klimaschädliche Gase produziert, um diese dann herauszufiltern – und für die vermeintlich erfolgte CO2-Reduzierung Zertifikate zu erhalten, die sich auf dem Weltmarkt verkaufen lassen. Dabei sollen über Jahre hinweg insgesamt 600 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt worden sein, die es sonst nicht gegeben hätte.“

    http://www.deutschlandfunk.de/klimaschutz-russische-firmen-machten-profit-mit.447.de.html?drn:news_id=517488

    • @Paul Stefan

      Vergessen Sie bitte nicht zu erwähnen, dass Grosskonzerne wie zB BASF usw Berge von Zertifikaten geschenkt bekommen haben, die brauchten bisher nicht ein einziges Zertifikat kaufen, die dürfen ihren Dreck vollkommen umsonst in die Luft blasen. Fakt ist also auf jeden Fall:

      CO2- Zertifikate bzw der kapitalistische Markt werden den Klimawandel nicht im Geringsten bremsen.

  21. …Fragen über Fragen an die Spezis; Mojib Latif / Stefan Rahmstorf / Schelnhuber – hier nun konkret zwei Fragen & ein Kommentar:
    >Wo sind die Messstellen (in Häfen, an Küsten) um den Meeresspiegel-Anstieg über die Jahrzehnte genau im Auge zu behalten (angenommen: 3mm pro Jahr)?… lässt sich das überhaupt messen?
    > Ist es nicht so, dass bestimmte Küsten-Baufirmen (Jan de Nul, Royal Boskalis Westminster…) auch ein Interesse am „exponentiellen“ Anstieg des Meeresspiegels haben und manchmal die entsprechenden (Forschungs-)Konferenzen mit fördern…???!!!
    (Ausdehnung der Blauen Kugel – und seines Wassers – infolge allgemeiner Erd-Erwärmung sei mal dahingestellt)

  22. Pingback: Studie: Die Erwärmungs“pause“ war von vornherein ein Mythos › KlimaLounge › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  23. In dem Physik-Journal 14 (Dezember) 2015 der DPG erschien jetzt ein Artikel:
    „Warum schwankt der Klimawandel ?“. Der Autor vermutet, daß die „Erwärmungspause“ Anfang der 2000-er Jahre auf ein Nachlassen der Wasserdampf-Konzentration in der tropischen Stratossphäre zurückzuführen ist.
    Was ist von dieser Ansicht zu halten?

    Mit freundlichen Grüssen

    • Ich kenne diesen Artikel nicht und kann ihn daher nicht kommentieren. Ich wäre aber erstmal skeptisch – schon der Titel klingt nicht besonders seriös, geht es doch wenn überhaupt um Schwankungen der Temperatur und nicht „des Klimawandels“; eine signifikante „Erwärmungspause“ hat es nicht gegegeben; und eine ganze Reihe von Studien in der begutachteten Fachliteratur hat ergeben, dass die Schwankungen der Temperatur vor allem an El Niño liegen.

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