Hitzewellen, weltweit

Das vergangene Frühjahr war das bei weitem wärmste und der vergangene Juli war der wärmste Monat in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Der Juli übertraf selbst die verheerende Hitze der „Dust Bowl“-Sommer der 1930er Jahre, die damals auch durch ungeeignete landwirtschaftliche Praktiken mit angeheizt worden war. Derzeit sind über 60% der US-Landfläche von Dürre betroffen; die Maispreise auf dem Weltmarkt haben Rekordhöhe erreicht. Die Hitze trägt zur Austrocknung der Böden und zum Verdorren der Ernten bei. Sind solche Hitzewellen einfach nur Zufall? Wetterextreme, wie sie seit jeher gelegentlich auftreten? Oder sind sie Folge der globalen Erwärmung?

Schon der Laie wird vermuten, dass zwar einerseits der Zufall des Wetters schon immer auch Extreme hervorgebracht hat, dass andererseits aber die globale Erwärmung Hitzewellen häufiger machen sollte. Diese naheliegende Vermutung ist auch richtig. Damit ist aber die Frage noch nicht geklärt: um wie viel häufiger? Hat die globale Erwärmung hier nur einen marginalen Effekt, oder erhöht sie die Häufigkeit von Hitzewellen gar um ein Mehrfaches? Das lässt sich schon schwerer „aus dem Bauch heraus“ einschätzen. Aber diese Frage lässt sich leicht durch eine Analyse der Messdaten beantworten. Die NASA-Forschergruppe um Jim Hansen in New York und meine Arbeitsgruppe in Potsdam haben – unabhängig voneinander – die Daten analysiert und sind zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Die Studie von Hansen et al. 2012 erschien vor zwei Wochen in PNAS, die Medien haben vielfach darüber berichtet (z.B. die Süddeutsche Zeitung).

Die Studie von Hansen et al. 2012

Hansens Methode ist sehr einfach. Er nahm einen globalen Temperaturdatensatz mit 250 km räumlicher Auflösung und betrachtete saisonale Temperaturschwankungen. Als extrem warm definierte er jeden Sommer oder Winter, dessen Temperatur mehr als drei Standardabweichungen über dem klimatischen Mittelwert der Jahre 1951-1980 am jeweiligen Ort liegt. In einem stationären Klima mit normalverteilten Werten wäre zu erwarten, dass dies lediglich auf 1,3 Promille der Datenpunkte zutrifft – Temperaturen, die derart weit über dem Mittelwert liegen, sind durch reinen Zufall nur extrem selten zu erwarten.

altKarten der Temperaturabweichung vom klimatologischen Mittelwert 1951-1980, für die Monate Juni-Juli-August. Das jeweilige Jahr ist links oben über jedem Panel angegeben, und rechts oben sind die Prozentzahlen genannt für die einzelnen Farbflächen der Legende unten (deren Zahlen die Standardabweichung angeben). Beispiel: im letzten Panel für 2011 sind 14% der Fläche zwischen 2 und 3 Standardabweichungen wärmer als der Mittelwert, 8% sind mehr als 3 Standardabweichungen über dem Mittelwert („extrem heiß“). Aus Hansen et al. 2012.

Was zeigten die Messwerte? Wie erwartet war der Anteil der extrem warmen Sommer im Bezugszeitraum 1951-1981 noch verschwindend gering, im Promille-Bereich. Doch in den letzten dreißig Jahren ist er im Zuge der globalen Erwärmung immer weiter angestiegen. In den Jahren 2006 bis 2011 waren zwischen 4% und 13% der Erdoberfläche von extremer Wärme betroffen (siehe Grafik). Von den Landflächen waren es sogar zwischen 6% und 17%!

altZeitreihen der Landflächen in den verschiedenen Temperaturkategorien für den Sommer auf der Nordhalbkugel. Die dunkelrote Kurve im rechten Panel zeigt den Prozentsatz der Landfläche, der als „extrem heiß“ eingestuft ist, also mehr als 3 Standardabweichungen über dem Mittelwert liegt. 2010, dem global wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, waren 21% der Landfläche „extrem heiß“. (Nebenbei vermerkt: dies war gegen Ende des tiefsten und längsten Sonnenminimums seit Beginn der Satellitenmessungen in den 1970er Jahren, also bei ungewöhnlich schwacher Sonnenleuchtkraft.) Aus Hansen et al. (2012).

Damit ist klar: das Auftreten extremer Wärme hat durch die globale Erwärmung um ein Vielfaches zugenommen. Und zwar derart stark, dass nahezu jede extreme saisonale Hitzewelle (wie der Sommer 2010 in Russland) auf die globale Erwärmung der letzten Jahrzehnte zurückzuführen ist. Von einer Hitze, die früher extrem selten auftrat, ist inzwischen ständig ein erheblicher Teil unseres Planeten betroffen. Derartige Hitzewellen sind keine seltenen Wetterereignisse mehr, sondern eine weit verbreitete, systematische Folge der Klimaerwärmung. An diesem klaren Messbefund gibt es nichts zu rütteln.

Eigene Potsdamer Studien

Wir sind in einem Paper im letzten Jahr (Rahmstorf & Coumou, PNAS 2011) zu einem ähnlichen Schluss gekommen: wir haben damals gefolgert, dass der Hitzerekord im Juli 2010 in Moskau mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf die Klimaerwärmung zurückzuführen ist. (Hansen et al. schreiben dazu: „Rahmstorf and Coumou, using a more elegant mathematical analysis, reached a similar conclusion for the Moscow anomaly.“) Es ist vielleicht interessant, kurz auf die wesentlichen Unterschiede unserer Datenauswertung im Vergleich zu Hansen et al. einzugehen:

1. Wir haben nicht (zumindest nicht hauptsächlich) einen festen Temperaturgrenzwert (etwa „3 Standardabweichungen über dem Mittelwert“) betrachtet, sondern Rekorde. Hauptvorteil: die erwartete Zahl von Rekorden in einem stationären Klima ist bekannt, selbst wenn die Verteilungsfunktion nicht bekannt ist – die Daten müssen nicht normalverteilt sein.

2. Wir haben analysiert, wie sich durch eine Klimaerwärmung die Zahl der erwarteten Rekorde im Vergleich zu einem stationären Klima ändert – nicht, wie sie sich im Vergleich zu einem früheren Zeitraum entwickelt hat.

3. Wir haben dies für eine einzelne Datenreihe versucht, nicht für viele Tausende wie Hansen et al.

Der letzte Punkt ist ganz entscheidend, weil in einer einzelnen Datenreihe (also an einem einzelnen Ort, etwa Moskau) per definitionem natürlich nur sehr wenige Extremereignisse auftreten, sodass man die nicht einfach abzählen kann wie Hansen et al. es getan haben. Die Aufgabe ist also viel schwieriger und erfordert ein statistisches Modell. Dafür kann man dann aber auch für jeden Ort spezifische Aussagen damit machen – etwa ob die Wahrscheinlichkeit für einen Hitzerekord in Moskau stärker zugenommen hat als in Washington oder Beijing.

Unser Paper von 2011 sollte vor allem die Methode vorstellen, es waren daher nur zwei Zeitreihen (Moskau und die globale Mitteltemperatur) als Anwendungsbeispiele gezeigt. Im nächsten Schritt haben wir die Methode ähnlich wie Hansen auch für über Hunderttausend Datenreihen rund um den Globus angewandt, auch um anhand der derart großen statistischen Stichprobe zu prüfen, wie gut unser einfaches statistisches Modell funktioniert (dieses Paper ist noch im Review). Die Resultate sind konsistent mit denen von Hansen, aber im Detail verschieden. Im globalen Mittel finden wir eine Zunahme der monatlichen Hitzerekorde um das Fünffache durch die globale Erwärmung. Das ist viel weniger als Hansens Zunahme der 3-Standardabweichungs-Extreme. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: erstens betrachten wir Rekorde, daher wird mit jedem neuen Hitzerekord die Schwelle für einen erneuten Rekord nach oben verschoben; bei Hansen ist die Schwelle fest. Zweitens betrachten wir monatliche Rekorde und Hansen saisonale (über drei Monate gemittelte) Temperaturen. Bei letzteren ist die Schwankungsbreite geringer, daher hat die globale Erwärmung einen relativ größeren Einfluss.

Fazit

So oder so zeigen die Daten, dass die Zahl der monatlichen Wärmerekorde bzw. saisonalen Wärmeextreme infolge der globalen Erwärmung um ein Vielfaches zugenommen hat. Man muss also feststellen: die meisten dieser Ereignisse wären ohne die globale Erwärmung nicht passiert. Das ist ein beunruhigendes Beispiel dafür, welche erheblichen Auswirkungen schon eine relativ geringe globale Erwärmung (bislang 0,8 Grad in den letzten hundert Jahren, davon 0,6 Grad seit 1980) für uns haben kann.

Update 4.9.: New Scientist hat gerade einen Kommentar von mir zur globalen Temperaturentwicklung publiziert.

Update 12.9.: Jetzt auch auf Deutsch bei Spektrum.de: Der Trend geht klar nach oben.

Update 16.1.2013: Jetzt ist unsere o.g. Analyse der weltweiten Temperaturrekorde erschienen.

Weblinks

KlimaLounge: Das Jahrzehnt der Wetterextreme (aus dem September 2010)

Realclimate: Extreme Metrics (Gavin Schmidt zum Hansen paper, von heute)

Realclimate: On Record-Breaking Extremes

Realclimate: Extremely Hot

Interview mit mir dazu bei Inforadio

http://droughtmonitor.unl.edu/

 

 

 

 

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

46 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Beunruhigend…

    Und fast noch beunruhigender finde ich, wie stark die Kräfte der Beharrung nicht nur in den USA sind, die einfach nicht wahrhaben wollen, was da gerade geschieht. Ob eine Serie von Dürren eine Wahrnehmungsänderung bringen wird? Aber wäre es dann nicht schon für vieles zu spät?

    [Antwort:Die Rekordhitze wird wohl deshalb in den USA nicht zu einem Umdenken führen, weil die dortigen Medien die Hitzewelle kaum in Verbindung mit dem Klimawandel bringen, wie eine Analyse zeigt. Stefan Rahmstorf]

  2. Mehr als 100 % ?

    Erschreckende Zahle! 🙁

    Aber… bin ich die Einzige, die ein Problem mit den Grafiken oben hat?

    Entweder bin ich zu blöd die zu lesen oder es kommen da teilweise tatsächlich deutlich mehr als 100 % Landfläche raus…

    Als Beispiel das letzte Jahr 2010:

    -heiss: ca. 80% der Landflächen
    -sehr heiss: ca. 30 %
    -extrem heiss: ca. 10 %
    -kalter + normaler Temperaturbereich insgesamt ca. 20 %

    Das wären dann schon ca. 140 % der Landflächen!

    Natürlich nur grob abgeschätzt, weil sich das aus der Grafik nicht exakt ablesen kann, aber eindeutig und weit mehr als 100 % der Landflächen.

    Wie kann das sein?

    [Antwort:Sehr guter Punkt, zumal die entsprechenden Zahlenwerte für NH Land 2010 laut Fig. 6 des Papers 41, 22 und 21% betragen für heiß, sehr heiß und extrem heiß, und sich über alle Kategorien auch auf 100% summieren. Ich vermute einen Fehler in der Achsenbeschriftung von Fig. 5, habe mal bei Jim Hansen angefragt. Stefan Rahmstorf]

    [Antwort:Es ist doch alles korrekt, ich habe nochmals in das Paper reingeschaut. Laut Legende von Abb. 5 ist dort alles über 0,43 Standardabweichungen als „heiß“ definiert, das beinhaltet auch alle Gebiete, die mehr als 2 oder 3 Standardabweichungen über dem Mittelwert liegen. Also: die 41+22+21 % sind „heiß“, insgesamt 84%. 43% sind über 2 Standardabweichungen, nämlich die 22% die zwischen 2 und 3 liegen plus die 21% über 3. Stefan Rahmstorf]

  3. Kommentare

    OT:

    Wäre gut, wenn man hier eine Meldung bekäme, wenn der Kommentar erfolgreich gespeichert wurde.

    Habe meinen vorherigen zweimal abgeschickt und weiss jetzt immer noch nicht, ob er angekommen oder vom System verschluckt wurde.

    [Antwort: Den Wunsch habe ich an die Technik weitergeleitet. Antwort: Man kann getrost davon ausgehen, dass der Kommentar im System ist, so lange man keine ausdrückliche Fehlermeldung bekommt. Wir geben uns Mühe, zeitnah zu moderieren, haben aber nebenbei noch einen full-time Job als Forscher und Hochschullehrer… Stefan Rahmstorf]

  4. Wetter ungleich Klima…

    wie sonst wäre die Hitze in den 30er Jahren zu erklären?

    Aber wenn ich an Herrn Latif denke, dann sollten wir ja die letzten Winter gar nicht mehr erleben:

    http://www.spiegel.de/…ieder-schnee-a-71456.html

    „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“

    Dumm nur, dass seine Vorhersage falsifiziert wurde durch die Winter 2009 und 2010.

    Egal ob Latif nun kurzfristig oder langfristig recht hat seine Aussage wird in der wissenschaftlichen Logik als All-Aussage bezeichnet und diese wurde durch ein einziges Gegenbeispiel – der Winter 2009 – widerlegt.

    Mithin behaupte ich: Latifs Aussage war falsch und bereits im Jahr 2000 unwissenschaftlich. Latif ist damit für mich kein Wissenschaftler, sondern Politiker. Jeder ernsthafte Wissenschaftler hätte eine Aussage wie die von Herrn Latif vermieden, da Wissenschaflter wissen, dass eine solche Aussage schlicht nicht haltbar ist – mal von den Auswirkungen eines Abreißens des Golf-Stromes abgesehen.

    Doch wer im Jahre 2000 Latif und die Klimaforscher ob dieser Aussage kritisierte wurde ja in Grund und Boden verdammt. Es ist eine Genugtuung am Ende Recht behalten zu haben, dass es solche Winter durchaus wieder geben kann.

    Übrigens: Ist’s zu kalt ist’s das Wetter, ist’s zu warm, ist’s das Klima, soviel zur wissenschaftlichen Herangehensweise.

    Bei allem Verständnis für Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Solche Aussagen schaden dem eigenen Ziel, denken Sie mal darüber nach.

    [Antwort:Lieber Herr Vogt, in dem von Ihnen verlinkten Artikel spricht Herr Latif offensichtlich über Zukunftsszenarien, aber aus dem Kontext des Artikels geht leider nicht hervor, über welchen Zeitraum er spricht. Da dies eine häufige Zeitspanne in Klimaszenarien ist, könnte er über das Jahr 2100 gesprochen haben – aber so ohne Kontext lässt sich das Zitat nicht beurteilen, zumal wir auch nicht wissen, ob es autorisiert war und überhaupt so gefallen ist, man wird als Wissenschaftler leider ja auch manchmal nicht korrekt zitiert. Ich empfehle generell, sich auf die Artikel oder Bücher zu beziehen, die der entsprechende Forscher selbst verfasst hat, und nicht auf aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate in Medienartikeln. Stefan Rahmstorf]

    • Herr Rahmstorf,

      Herr Latif sagt eindeutig: NIE WIEDER! Diese Aussage gilt aber dem Zeitpunkt, aber dem sie gemacht wird.

      Dies ist – mathematisch gesprochen – eine All-Aussage: Mathematik 1. Semester. Auch gesellschaftlich und politisch bezieht sich NIE WIEDER auf den aktuellen Zeitpunkt und so meinte Herr Latif das damals auch.

      Er meinte nicht: In einer Milliarde Jahre, oder ein 100 Jahren, er sagte „Nie wieder“:

      Wie schon gesagt: Als Wissenschaftler sollte man sich von politischen Interviews fernhalten, oder seine Aussagen deutlich als wissenschaftlich oder politisch kennzeichnen.

      • Wo ist die Quelle mit dem O-Ton von Latif? Kritik daran, was jemand angeblich gesagt hat, sollte immer eine Quellenangabe haben – am besten O-Ton aus Radio oder TV, da Zeitungen leider auch immer wieder mal falsch zitieren. Hier sagt Latif z.B., dass der Spiegel ihn falsch zitiert hat. Was ich auch plausibel finde, da die Aussage fachlich keinen Sinn macht und daher höchstwahrscheinlich auch so nicht von Latif gemacht worden sein dürfte.

        • @ Herr. Dr. Rahmstorf
          und zur im Web verfügbaren Datenlage:
          -> http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/winter-ade-nie-wieder-schnee-a-71456.html (‚Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben‘)
          -> http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-02/mojib-latif-klimaskepsis-interview (‚Ich habe das damals so nicht gesagt. Insofern gehe ich mit der Kritik gelassen um. Der Spiegel hat mich damals falsch zitiert. Meine Prognose bezog sich nicht auf das Jahr 2010, sondern auf die Zeitspanne zwischen 2050 und 2100 sowie auf den Fall, dass keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.‘)

          MFG
          Dr. W (dem aber auch nicht dadurch abgeholfen wird, als seine pers. Einschätzung, dass angeblich der Zeitraum 2050 bis 2100 gemeint gewesen sei)

          PS: Die Autorisierungsproblematik ist dem Schreiber dieser Zeilen bekannt, insbesondere, wenn kein soz. offizielles Interview gegeben und abgezeichnet worden ist. Es könnte sich hier beim SpOn seinerzeit um eine Anfrage gehandelt haben, die „mal eben so“, gar per Telefon, erfolgt ist.

          • Sicher, diese Quelle kenne ich. Es ist kein Wortlautinterview, sondern ein kurzer Artikel mit ein paar Zitaten. Latif spricht offenbar über die zukünftige Klimaentwicklung infolge der Treibhauserwärmung, aber der Artikel verrät leider nicht, über welchen Zeitraum er spricht. Da Klimaforscher (z.B. in den IPCC-Berichten) gewohnt sind, über Projektionen bis zum Jahr 2100 zu sprechen, halte ich es für sehr plausibel, dass er das gemeint hat. Es ist bezeichnend, dass „Klimaskeptiker“, wenn sie falsche Prognosen der Klimaforscher anführen wollen, immer nur auf diesen Latif-Satz aus dem Spiegel zurückkommen. Offenbar sind die echten, wohl definierten Projektionen (aus der Fachliteratur oder dem IPCC-Bericht) ziemlich gut, sonst gäbe es ja bessere Belege für angebliche Fehlprognosen.

          • @ Herr Dr. Rahmstorf :
            Das Problem besteht für den Schreiber dieser Zeilen nicht darin, dass vielleicht ein unautorisiertes Interview vorlag, bei den im Jahr 2000 im SPIEGEL zitierten Aussagen Herrn Dr. Latifs, was vorkommen kann, was korrigiert werden kann, sondern dass Herrn Dr. Latifs SPIEGEL-Aussagen aus dem Jahr 2000 für ‚die Zeitspanne zwischen 2050 und 2100‘ zu gelten scheinen.

            Da kommt dieser Klimaskeptiker oder für einige vielleicht auch: „Klimaspektiker“ nicht mit. – Wird es I.E. ‚in unseren Breiten‘ keine kalten Winter mehr geben zwischen 2050 und 2100, wie es sie 1980 (‚vor zwanzig Jahren‘) noch gab?

            MFG
            Dr. W

          • Richtig. Schon seit 1950 sind die Winter bei uns deutlich wärmer geworden, siehe Grafik in diesem KlimaLounge Artikel. Was vor einigen Jahrzehnten ein immer mal vorkommender, knackig kalter Winter war (etwa auf dem Level der blauen Punkte in der Grafik) wird immer seltener und nach weiteren Jahrzehnten der Klimaerwärmung irgendwann gar nicht mehr auftreten.

  5. Ignoranten des Klimawandels

    Die „Kräfte der Beharrung“ gibt es nicht nur in den USA, sondern auch bei uns. Besonders tut sich da „EIKE-Europäisches Institut für Klima und Energie“ hervor, das zwar einige Wissenschaftler zu seinen Mitgliedern zählt, sich aber größtenteils damit zu beschäftigen scheint Klimaschützer verächtlich zu machen, da der Klimawandel komplett bestritten wird und man die gegenwärtigen Wetterextreme lediglich als normale Temperaturabweichungen ansieht, die es immer schon gab.
    Nichtsdestotrotz ist die Dürre da und man wird sich auf eine Verteuerung der Brotpreise einstellen müssen, weil in den USA und in einigen Gebieten Russlands das Getreide auf den Feldern vertrocknet. Spekulationen mit Agrarrohstoffen führen außerdem dazu, dass weltweit die Preise für Nahrungsmittel immer weiter steigen, was besonders für die Menschen in den ärmeren Regionen zum Problem werden dürfte.

  6. Ein wenig Klimageschichte…

    Niemand bestreitet, dass wir in eine Warmzeit hineingehen. Die Frage ist nur: Ist diese durch uns verursacht, oder findet diese natürlich statt?

    Ich halte es für gewagt zu behaupten der Mensch könnte das Klima beeinflussen – schlichter Wahnsinn ist die Idee das Klima künstlich abkühlen zu wollen, wie einige Wissenschaftler fordern das ist ein Spiel mit dem Leben von Milliarden Menschen!

    Warmzeiten waren immer Zeiten der Hochkulturen, Kaltzeiten waren Zeiten des Hungers.

    Gerade die Warmzeit um die Zeitenwende zeigt, dass es viel wärmer als heute war und das war ein Segen.

    Die folgenden kälteren Perioden führten zum Niedergang der antiken Kulturen, ins finstere Mittelalter, das erst überwunden wurde, als die Temperaturen wieder stiegen – Grönland war damals besiedelt, man betrieb dort Ackerbau.

    Später dann in der Kleinen Eiszeit kam es zu Krieg, Massenmord und Hungersnöten.

    Sollten wir solche Zeiten wirklich einer Warmzeit vorziehen?

    Die Paläoklimatologie zeigt, dass es dreifache CO2 Konzentrationen in der irdischen Atmossphäre gab, obwohl die durchschnittliche Temperatur genauso hoch war, wie heute – vergleiche das Karbon-Zeitalter.

    Im Durchschnitt war heutige Quartär das kälteste Erdzeitalter seit dem Cryogenium – der fast kompletten Vereisung der Erde – wir leben immer noch im känozoischen Eiszeitalter !

    [Antwort:Als Paläoklimatologe, der zu dem Theme zahlreiche Fachpublikationen u.a. in Nature vorweisen kann, finde ich Ihre Interpretation der Klimageschichte doch recht seltsam. Seriöse Information zum beliebten Skeptiker- talking point „das Klima hat sich schon immer gewandelt“ finden Sie z.B. bei Klimafakten.de. Stefan Rahmstorf]

    • Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

      dass wir in einem erdgeschichtlichen Eiszeitalter leben ist nicht meine Interpretation, sondern Stand der Wissenschaft und Klimageschichte der Erde. Ich interpretiere da nicht.

      Bezüglich der CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre und den dazugehörigen globalen Durchschnittstemperaturen herrscht sicherlich nicht wissenschaftlich 100% Gewissheit, aber es ist beobachtbar, dass weitaus mehr CO2 in der Atmosphäre nicht automatisch höhere Temperaturen bedingen muss, denn anderen Einflussfaktoren spielen beim globalen Klima eine deutlich höhere Rolle.

      Vielen Dank für Ihren Link, aber in einer Diskussion bevorzuge ich den direkten Austausch von Argumenten, statt den Verweis auf ein digitale Bibliothek, in der ich dazu eben wenig finde.

  7. Bezüglich Latif

    Sehr geehrter Herr Rahmstorff

    Ich teile Ihre Aussage, dass man sich an wissenschaftliche Aussagen von Autoren halten sollte, sofern diese nicht auf Metastudien beruhen.

    Allerdings muss man berücksichtigen, dass Aussagen in Massenmedien immer Menschen beeinflussen. Dieser Beeinflussung muss man sich bewußt sein.

    Herr Latif hatte genügend Möglichkeiten zu dieser Aussage zwischenzeitlich Stellung zu beziehen und wie ein guter Wissenschaftler eine Einschränkung nachzureichen.

    Das Problem ist, dass solche Aussagen – autorisiert oder nicht – eben doch Fakten schaffen. Das war beim Waldsterben in den 80er Jahren nicht anders, als die Wissenschaftler und Professoren, die vor einer zu starken Schwarz-Weiß Malerei warnten wie mein Vater schlicht nicht gehört wurden – dafür wurden Millionen an DM an Projekte ausgegeben, die am Ende wenig bis Nichts brachten, derweil der Umweltschutz, der real Veränderungen im Bewußtsein der Menschen herbeiführen konnte vernachlässigt wurde.

    Ein paar Filter in die Autos und der Wald war gerettet, trotz immer mehr Individualverkehr. Ein paar Klimazertifikate und das Klima wird gerettet.

    Die Parallelen sind frappierend, derweil wir unsere Erde weiter vergiften.

    Die Diskussion um den Klimaschutz greift schlicht zu kurz, sowohl wissenschaftlich, als auch gesellschaftlich.

  8. Mona

    Solche Methoden gibt es überall:

    http://www.spiegel.de/…s-rahmstorf-a-505095.html

    Ich bin ja froh, dass sich das geändert hat, denn dass das Klima wärmer wird steht außer Frage.

    Die Frage ist nur: Was für Auswirkungen wird das haben und wie könnte die Menschheit notfalls sogar eine Abkühlung begegnen, die zu realen Hungersnöten führen wird, genauso wie eine Versteppung. Diese Diskussion findet jedoch kaum statt, genauso wie die Diskussion endlich weniger Giftstoffe in die Umwelt gelangen zu lassen.

    Umweltschutz ist leider tot, seit es um Klimaschutz geht. Und das ist das wirkliche Drama für die Artenvielfalt und Milliarden Menschen.

    [Antwort:Auch dieses Beispiel ist doch aus Spiegel Online. Das war damals eine plumpe Vergeltungsaktion, weil ich gewagt hatte, einige Klimaskeptikerthesen in den Medien zu kritisieren. Mehr zu der ganzen Geschichte hier. Stefan Rahmstorf]

  9. @Mona

    Vollkommen richtig. Auch in Deutschland scheint die Mehrheit nicht wirklich den Ernst der Lage erkannt zu haben, oder ist zumindest gut im Verdrängen.

    „Spekulationen mit Agrarrohstoffen führen außerdem dazu, dass weltweit die Preise für Nahrungsmittel immer weiter steigen“

    Das mag sein, ist aber eine andere Baustelle. Letztlich könnte man argumentieren, dass die Spekulationen die Symptome eines Klimawandels lediglich verstärken bzw aus der Zukunft in die Gegenwart verlagern. Verdrängen der eigentlichen Ursache, nämlich des Klimawandels sollte dann schwieriger werden, so brutal das in der Konsequenz auch ist.

  10. @Mona:Anpasser schlimmer als Ignoranten

    Klimawandelleugnern die Schuld an ungenügendem Klimaschutz zu geben (EIKE,Heartland,Koch..) ist verbreitet gibt aber ein falsches Bild für die Summe von Gründen, warum es nur wenig Länder gibt, die ihre CO2-Emissionen nicht nur schnell reduzieren wollen, sondern die auch dementsprechende Massnahmen aufgegleist haben. Der Austritt von Kanada aus dem Kyoto-Abkommen zeigt aber ein Hauptproblem: Besitzer von Rohöl, Erdgas und Erdöl wollen auf diese „Schätze“ nicht verzichten. Das zeigt auch der Schieferölboom in den USA und die hartnäckige Weigerung von Kohleressourcen-Besitzern wie China und Indien jetzt schon Verpflichtungen zur Reduktion von CO2-Emissionen einzugehen.

    Solange der Klimawandel „nur“ als Erwärmungsproblem wahrgenommen wird – im Durchschnitt etwas wärmer -, scheint die mangelnde Bereitschaft zum Ausstieg aus den fossilen Energien sogar noch nachvollziehbar. Wenn sich der Klimawandel aber in immer häufiger auftretenden Hitzewellen und dazugehörigen Dürren äussert, könnte sich die Einstellung ändern. Nach einer Studie des National Center for Atmospheric Research könnten Dürren schon bald (vor 2030) stark zunehmen.

    Diese und weitere Studien werden unter Heat Waves and Climate Change zu einem Bild von stetig zunehmenden Hitzewellen und Dürren verdichtet, was in folgendem Satz kulminiert:
    „By the end of this century, a once-every-20 year heat wave is projected to occur every other year.“

    Und betroffen sein werden Gebiete wie Teile der USA und Brasilien, die heute eine wichtige Rolle in der Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln spielen.

  11. Latifs Falschzitat

    Als Info für Herrn Vogt:

    „ZEIT ONLINE: Herr Professor Latif, Klimawandel-Skeptiker sprechen Ihnen die fachliche Eignung ab, seit Sie im April 2000 vorhersagten, es werde in Mitteleuropa bald keine Winter mit Eis und Schnee mehr geben. Wie gehen Sie damit um, zu einer Hassfigur der Leugner der Erderwärmung geworden zu sein?

    Mojib Latif: Ich habe das damals so nicht gesagt. Insofern gehe ich mit der Kritik gelassen um. Der Spiegel hat mich damals falsch zitiert. Meine Prognose bezog sich nicht auf das Jahr 2010, sondern auf die Zeitspanne zwischen 2050 und 2100 sowie auf den Fall, dass keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.“

    Dennoch würde ich nicht darauf wetten, dass Sie es als waschechter Skeptiker in Zukunft unterlassen, dieses Zitat weiterhin im falschen Zusammenhang zu propagieren. Die wenigsten ihrer Zunft lassen sich nämlich eines Besseren belehren.

    Beste Grüße
    C. Schüler

    • Danke für die Info… Dennoch gilt: Ein Wissenschaftler sollte „Nie wieder“ nicht verwenden, denn „Nie wieder“ ist immer eine All-Aussage. Ein ernsthafter Wissenschaftler würde so etwas publizieren.

      Übrigens, die Klarsstellung von Latif hat 10 Jahre auf sich warten lassen. Warum eigentlich?

  12. Aufklärung tut not

    Kanada ist ein gutes Beispiel. Genau wie Russland besitzt man viel Kohle und Öl, gleichzeitig verspricht eine globale Erwärmung mehr fruchtbaren Boden in den arktischen Zonen. Die kanadischen Politiker treffen ihre Entscheidungen, solange die Konsequenzen eines globalen des Klimawandels von großen Teilen der Bevölkerung nicht wirklich verstanden sind. Ansonsten kann man sich dem naiven Irrglauben hingeben, es könne langfristig Pfrofiteure eines globalen Klimawandels geben, und Kanada gehöre dazu.

  13. @Marco Vogt

    Ich beziehe mich auf Ihren Beitrag „Ein wenig Klimageschichte“:
    Unter geophysikalischen Aspekten würden wir allmählich einer neuerlichen Kaltzeit entgegengehen (und nicht einer Warmzeit, wie Sie implizieren). Dies geht aus einer Betrachtung der Erdbahnparameter ganz klar hervor (mit einem erneuten Vereisungsklimax in ca. 30.000 Jahren). Dass diese Tendenz gegenwärtig unterbrochen ist, liegt einzig und allein an der Emission anthropogener Treibhausgase.

    Es ist auch durchaus nicht so, dass Abkühlung generell schlecht und Erwärmung generell gut ist. Die gravierendste Erwärmung in den letzten 65 Millionen Jahren – das Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum (PETM) – führte innerhalb einer geologisch sehr kurzen Zeitspanne zu einer Temperaturerhöhung von etwa 6 bis 7 °C mit sehr tiefgreifenden biologischen Auswirkungen (lokale Massenaussterben und Umgestaltung weiter Lebensräume). Während jedoch von Beginn des PETM bis zu dessen Peak ca. 20.000 Jahre vergingen, ist der Mensch dabei, eine vergleichbare Temperaturzunahme in wenigen Hundert Jahren zu erzielen.

    Ein klimatischer Vergleich früher geologischer Epochen mit der Gegenwart ist immer ein problematisches Unterfangen, da hierbei eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden muss. Einer davon – von dem die meisten Skeptiker offenbar nichts wissen – ist die verminderte Strahlungsleistung der Sonne, die vor mehreren Hundert Millionen Jahren (also mitten im Paläozoikum) einige Prozent unter der heutigen lag, ganz am Anfang ihrer Existenz als Stern sogar um volle 30 Prozent. Weitere Faktoren sind zum Beispiel die Tatsache zusammenhängender Landmassen wie Laurentia und Gondwana, die Luft- und Meeresströmungen bedingten, die mit quartären Verhältnissen in keiner Weise vergleichbar sind.

    Ähnliches lässt sich über die atmosphärische Zusammensetzung sagen, in der nicht nur der Kohlenstoffdioxid-, sondern auch der Sauerstoffgehalt erheblich schwankte (Karbon: 35 Prozent, Perm: 12 bis 16 Prozent).

    Vergleichswerte aus dem Paläozoikum anzuführen und diese in die aktuelle Klimadebatte zu werfen, sollte in einer allgemein gehaltenen Diskussion deshalb – wenn überhaupt – nur mit äußerster Vorsicht geschehen.

    PS: Ihre Aussage „Grönland war damals besiedelt, man betrieb dort Ackerbau“ sollten Sie vielleicht einer näheren Prüfung unterziehen.

    PPS: Links auf SPIEGEL-Online-Artikel sind im Regelfall keine solide Argumentationshilfe.

  14. Krügers Meereis

    Den Einwand von Herrn Krüger möchte ich nicht einfach unwidersprochen stehen lassen:
    Dem langsam wachsenden Meereis steht eine Abnahme des Westantarktischen Eisschildes gegenüber , siehe hier:
    http://www.skepticalscience.com/…hp?a=21&l=6
    Es ist auch nicht sehr erstaunlich, dass Sie einen Ort gefunden haben der aussergewöhnlich niedrige Temperaturen aufweist . Da die hohen Temperaturen in grossen Teilen der Welt ein Pendant für die durchschnittliche Energieerhaltung brauchen haben Sie natürlich leichtes Spiel in der „winterlichen“ Südhalbkugel Ihr Argument zu finden.

  15. @Schmitz

    … haben Sie natürlich leichtes Spiel in der „winterlichen“ Südhalbkugel Ihr Argument zu finden.

    Da täuschen Sie sich. In der Antarktis weist der Trend (Zuwachs an Meereis) seit Beginn der Satelliten-Messungen im Jahr 1979 nach oben. Hier die Fakten:

    Zur Situation in der Antarktis

    http://woodfortrees.org/…-seaice-s/mean:12/trend

    http://nsidc.org/…/S_stddev_timeseries_thumb.png

    http://arctic.atmos.uiuc.edu/…maly.antarctic.png

    Tja, wie passt das nun zur globalen Erderwärmung?

    [Antwort: Diese Frage kommt oft, wir haben sie auch schon öfters hier beantwortet, oder andere haben das getan. Z.B. die Copenhagen Diagnosis (2009) erläutert dies: „Since Antarctica is a land mass surrounded by the vast Southern Ocean, whereas the Arctic is a small ocean surrounded by vast amounts of land, and as oceans respond less rapidly than land to warming because of their thermal stability, one would expect, and indeed climate models show, a delayed warming response around Antarctica. In addition, Turner et al.
    (2009) note that stratospheric ozone depletion arising from the anthropogenic release of chlorofluorocarbons (CFCs) has led to the strengthening of surface winds around Antarctica during December to February (summer). They argue that these strengthened winds are in fact the primary cause for the slight positive trend in Antarctic sea ice extent observed over the last three decades. Stefan Rahmstorf]

  16. @Prof. Rahmtorf

    Das Problem ist doch, dass die Modell-Projektionen zur Entwicklung des Meeseises in der Antarktis eine Abnahme zeigen, jedoch seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979 (innerhalb der Fehlergrenzen) eine leichte Zunahme gemessen wird. Modelle und Realität stimmen hier also nicht überein.

    [Antwort: Wie kommen Sie zu dieser These? Die Modelle zeigen für die Antarktis für die letzten 30 Jahre generell keine signifikante Abnahme des Meereises sondern nur minimale Veränderungen – einige Modelle dabei auch eine leichte Zunahme (siehe CMIP5 Modellvergleichsprojekt). Die Messdaten liegen mitten im Unsicherheitsbereich der Modellprojektionen. Übrigens zeigen manche Modelle sogar bis zum Jahr 2100 eine leichte Zunahme der antarktischen Meereisausdehnung, trotz starker globaler Erwärmung! Im Mittel aller Modelle ist die erwartete Abnahme lediglich ca. 10% bis 2100. Das liegt an der vollkommen anderen geographischen Situation in der Antarktis im Vergleich zur Arktis: wie weit sich die Meereisdecke um den antarktischen Kontinent herum von der Küste weg ausdehnt hängt vor allem von den Winden und Meeresströmungen ab. Stefan Rahmstorf]

    Selbes gilt übrigens auch für die Arktis. Dort haben die aktuellen Modell-Projektionen aus dem IPCC Bericht von 2007 die Meereisabnahme seit 2007 stark unterschätzt. Modelle und Realität stimmen hier also auch nicht überein und das schon nach relativ kurzer Zeit.

    [Antwort: Korrekt. Diese Diskrepanz ist wohlbekannt, ich weise in meinen Vorträgen auch immer darauf hin. In der Arktis überholt die Realität leider längst die Modellprojektionen, das Problem wurde vom IPCC unterschätzt. Was übrigens diejenigen Lügen straft, die gerne mal behaupten, der IPCC würde übertreiben. Stefan Rahmstorf]

    Diese Abweichungen jetzt durch äußere (nicht berücksichtigte) Einflüsse zu erklären halte ich für höchst spekulativ.

    Im Übrigen hat der IPCC gerade durchblicken lassen, dass die Analyse von Extremwetterereignissen extrem schwierig ist.

    http://www.kaltesonne.de/?p=2962

    [Antwort: Dass die Analyse von Extremwettereignissen schwierig ist – deutlich schwieriger als das Verständnis der Veränderungen in den Mittelwerten – ist auch eine wohlbekannte Binsenweisheit. Aber warum verlinken Sie zum Beleg ausgerechnet auf den „Klimaexperten“ Fritz Vahrenholt, der systematisch die Aussagen und Ergebnisse von Klimaforschern verzerrt? Stefan Rahmstorf]

  17. Klima außer Gleichgewicht

    Weiters ist zu bedenken, daß der jetzige Klimazustand mit 395 ppm CO2 in der Atmosphäre keineswegs equibriliert ist und wir uns immer mehr von einem Ausgleichszustand entfernen denn nähern.
    Vielleicht sehen wir bereits eine Art „Klimaflimmern“

  18. @Prof. Rahmstorf

    Wie kommen Sie zu dieser These?

    Sea ice is projected to shrink in both the Arctic and Antarctic under all SRES scenarios.

    Das Meereis wird den Projektionen zufolge in der Arktis und Antarktis unter allen SRES Szenarien schrumpfen.


    Climate Change 2007: Working Group I: The Physical Science Basis

    und

    Another IPCC Error: Antarctic Sea Ice Increase Underestimated by 50%

    [Antwort: Sie verwechseln hier Aussagen über die Vergangenheit (1979 bis heute) mit Aussagen über die Zukunft. Das IPCC-Zitat stimmt mit dem überein, was ich oben gesagt habe: im Mittel nimmt die Eisausdehnung in der Antarktis in den Modellen bis Ende des Jahrhunderts ab. Dort steht aber nicht, dass es von 1979 bis heute bereits signifikant abgenommen haben sollte und es folgt auch nicht, dass es eine Diskrepanz zwischen Modellen und beobachtetem Trend gibt, wie Sie behauptet haben. Das gilt nur für die Arktis. In der Antarktis liegen die Beobachtungsdaten sehr komfortabel inmitten der Streubreite der Modelle, die wesentlich breiter ist als die sehr geringen Trends, die die Modelle für diesen Zeitraum zeigen – wobei wie gesagt in einem Teil der Modelle der Trend aufwärts, in einem anderen abwärts geht. Anders gesagt: in der Summe zeigen diese Modelle, dass wir bis heute keine größeren Änderungen in der Meereisbedeckung in der Antarktis erwarten, und sie sind bislang auch nicht zu beobachten – übrigens anders als beim Kontinentaleis der Antarktis, wo die Satelliten einen sich beschleunigenden Eisverlust messen.

    p.s. Zur Info für die, die mit der „Klimaskeptiker“-Szene nicht so vertraut sind: der von Herrn Krüger verlinkte „World Climate Report“ (der zweite Link) ist eine von der US-Kohlelobby (Western Fuels Association) gegründete und finanzierte Postille (wozu Western Fuels eine Stiftung mit dem schönen Namen „Greening Earth Society“ zwischenschaltet), die sich der Verharmlosung des Klimaproblems widmet. Letztlich kann sich jeder frei entscheiden, ob er sich für Wissenschaft interessiert (dann ist dieser Blog für Sie) oder sich seine Klima-Informationen lieber von der Kohle-Lobby geben lässt. Stefan Rahmstorf]

  19. @Prof. Rahmstorf

    Dann muss ich mich in Geduld üben und bis 2100 warten, ob die vom IPCC prognostizierte Meereisabnahme in der Antarktis wirklich eintritt.

    Seit dem letzten IPCC-Bericht von 2007 sind mittlerweile 5 Jahre vergangen und immer noch nimmt das Meereis in der Antarktis nicht ab, sondern zu. (Positiver Trend seit 1979/ Beginn der Satelliten-Aufzeichnungen).

    http://woodfortrees.org/…-seaice-s/mean:12/trend

    Die Aussage des IPCC von 2007

    Sea ice is projected to shrink in both the Arctic and Antarctic under all SRES scenarios.

    Das Meereis wird den Projektionen zufolge in der Arktis und Antarktis unter allen SRES Szenarien schrumpfen.

    hatte ich dahingehend interpretiert, dass sich die Abnahme (ähnlich der in der Arktis) in nächster Zeit einstellen würde und ich zu Lebzeiten das noch erleben würde. Damit ist dann vermutlich nicht zu rechnen.

    Viel Meereis beugt auch dem Abfluss von Schelfeis und Festlandeis aus der Antarktis vor, so dass der Meerespiegelanstieg vermutlich auch gebremst wird und nicht so dramatisch ausfällt.

    [Antwort: Wenn Sie das sagen… Ich habe diese Diskussion jetzt bis hierher mitgemacht, weil ich meine, dass sie für unsere Leser ein instruktives Beispiel für die Argumentationsweise der „Klimaskeptiker“ ist. Sie sind da ja seit Jahren einer der rührigsten Aktivisten im Netz. Jetzt würde ich Sie nur noch gerne das gleiche Fragen, wie kürzlich Herrn Innerhofer: Warum machen Sie das? Offenbar verstehen Sie ja nicht wirklich etwas von der Klimawissenschaft, fühlen sich aber dazu berufen, nach Kräften den Klimawandel herunterzuspielen und die Versatzstücke der Desinformation von der Kohlelobby weiter zu verbreiten, die im Netz kursieren. Weshalb? Unsere Leser würde sicher interessieren, was Sie antreibt und was Sie sich davon versprechen. Stefan Rahmstorf]

  20. Frage zur Physik

    Hallo Herr Rahmstorf,

    seit einiger Zeit versuche ich, mir selber ein objektives Bild von der Klimasituation zu machen, was nicht leicht ist. Im allgemeinen werden die Klimagase als hauptsächliche Verursacher der (kaum noch zu leugnenden) globalen Erwärmung angesehen. Im Internet kursieren allerdings auch Behauptungen, nach denen CO2 und andere YGase abkühlend wirken sollen. Folgerung: Wir müssen einfach noch mehr solcher Gase in die Atmosphäre blasen, dann bekommen wir den Klimawandel in den Griff. Welche Lobby dahinter steckt, dürfte klar sein. Dennoch meine Frage: Kennen Sie ein nachvollziehbares Experiment, mit dem die Wirkung der Klimagase nachgewiesen wurde? Die Angaben zur unterschiedlichen Wirkung der verschiedenen Gase müssen ja irgendwo herkommen. Ich habe bei meinen Recherchen bisher leider nichts brauchbares gefunden und zu meiner Schulzeit war das kein Thema.

    Beste Grüße,

    Ingo Sarp

    [Antwort: Lieber Herr Sarp, historisch wurde erstmals im Jahr 1859 durch Labormessungen von John Tyndall belegt, welche Gase den Treibhauseffekt verursachen, Wasserdampf, CO2 etc – das erkläre ich z.B. in meinem Kinderuni-Buch, oder sie schauen unter Tyndall bei Wikipedia. Seither sind die Absorbtionseigenschaften von CO2 und anderen Gasen natürlich unzählige Male bis ins kleinste Detail vermessen worden. Sie können auch in den Satellitenmessungen der abgehenden langwelligen Strahlung sofort sehen, dass CO2 da einen riesigen Happen aus dem Spektrum herausnimmt. Wer die Physik ganz genau verstehen möchte, dem empfehle ich das Lehrbuch von Ray Pierrehumbert: Principles of Planetary Climate. Im Internet kursiert beliebiger Unsinn und das Gegenteil dazu; das ist halt der Unterschied zwischen Internet und Wissenschaft. Stefan Rahmstorf]

  21. Hitzewellen

    Hier noch ein Hinweis bzw. Nachtrag zu einer extremen Erwärmungsphase, die neuesten Forschungen zufolge am größten bekannten Massenaussterben der Erdgeschichte maßgeblichen Anteil hatte. An der Perm-Trias-Grenze vor etwa 251 Millionen Jahren stiegen dabei die ozeanischen Temperaturen um 8 °C über die damaligen Normalwerte.

    Nachzulesen unter:
    http://geology.gsapubs.org/…nt/40/3/195.abstract

  22. @Reinhard

    An der Perm-Trias-Grenze gab es erhebliche Vulkanaktivitäten – denen möglicherweise eine Mitschuld am Artensterben zukommt.
    Also eine andere Situation als heute

  23. @KRichard

    Danke für den Hinweis. Aber die gesteigerten vulkanischen Aktivitäten zu jener Zeit sind mir bekannt bzw. werden auch in dem Artikel erwähnt, auf den ich verlinkt habe.

    Zitat daraus: „A prominent hypothesis for the mass extinction is an accentuated global climate change scenario induced by volcanic CO2 degassing that triggered biotic responses in the sea and on land.“

    Extreme klimatische Veränderungen in jener Epoche wurden zwar seit längerem vermutet. Neu sind jedoch die Belege, die M. M. Joachimski et al. in ihrer Arbeit anhand von Messungen der Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope vorgelegt haben.

    Natürlich verbietet sich ein unmittelbarer Vergleich mit der Gegenwart, da damals auch beträchtliche Mengen an Aerosolen und Stickoxiden freigesetzt wurden.

    Dennoch ist es bemerkenswert, dass durch die angesprochene Temperaturerhöhung resp. Versauerung des Meerwassers weite Teile des Ozeans offenbar zu anaeroben Zonen wurden.

    Übrigens findet sich eine relativ ausführliche Darstellung des Sachverhalts auch in der „Naturwissenschaftlichen Rundschau“, Nr. 770.

    Mit besten Grüßen
    Reinhard Köhrer

  24. Perm Trias Artensterben

    Herr Köhler,

    vergleichen Sie doch mal die gemächliche Zeitspanne der damaligen Erwärmung mit der aktuellen Dynamik.

    Wikipedia:

    „…innerhalb einer Zeitspanne von 200.000 Jahren[6] an der Perm-Trias-Grenze: 95 % aller meeresbewohnenden Arten sowie ca. 66 % aller landbewohnenden Arten (Reptilien- und Amphibienarten) starben aus…“

    Dämmert Ihnen was, oder bedarf es noch einer Erläuterung?

  25. Entschuldigung

    Herr Köhler,

    für den frechen Ton, ich befürchte ich habe Sie voreilig in die falsche Schublade gesteckt.
    Sorry

  26. @RD

    Kein Problem – ich vertrage durchaus einen etwas flapsigen Umgangston 🙂

    Mir ging es in meinen bisherigen Beiträgen vor allem darum, die beliebte Skeptiker-Meinung: „Was soll an ein bisschen Erwärmung so schlimm sein?“ etwas zu relativieren.

    Die Beispiele aus der Erdgeschichte machen deutlich – auch wenn sie sehr unterschiedliche Ursachen und Wirkungen hatten -, dass auch Hitze- oder Warmphasen die Ökosphäre des Planeten nachhaltig beinflussen und manchmal sogar gefährden können. Wobei diese Gefährdungen um so ausgeprägter waren, je schneller die Veränderungen abliefen.

    In diesem Punkt haben Sie mehr als recht: Wozu Naturprozesse Zehntausende von Jahren benötigten, könnte durch menschliche Mitwirkung auf einen Bruchteil dieser Zeitspanne komprimiert werden.

  27. >

    Bei uns war dieser Versuch Teil des Physikunterrichtes, aber der Lehrplan ist ja nicht in allen Bundesländern gleich.

    Es gibt auch Versionen, die im Fernsehen gelandet sind und inzwischen auf Youtube zu finden…. z.B. in Hoimar von Ditfurths legendärer Querschnitt-Sendung von 1978.

    (Timecode ist schon mit drin. Segment dauert etwa 5 Minuten. Unbedingt angucken.)

    http://www.youtube.com/…h?v=CKlMvNUJlJc#t=18m40s

    Genauso faszinierend wie das Experiment ist auch die damalige Mode 😀

    Übrigens… eigentlich dürfte es das Video laut Skepties ja gar nicht geben, schließlich haben in den 70ern „alle eine Eiszeit prophezeit“. Ja nee, is klar.

  28. Antwort auf Professors Frage

    ich beteilige mich an Klimaforen, weil mich der sg. Klimaalarmismus nervt. Der natürliche Anteil an Klimavariationen wird vom PIK unterdrückt und es wird immer so getan, als ob eh alles klar wäre. Beachtet man die IPCC Einschätzungen, so findet man einige sg. LOSU, welche sagen, dass man noch viel zu wenig weiß.
    Ein krasses Beispiel darf ich anführen, wie sie ua. bei Krüger argumentieren. Sie meinen, antarktische Eisströme zeigen eine deutliche negative Massenbilanz. Gut, wie wir wissen, gibt es relativ zuverlässige Messmethoden erst seit einigen Jahren. Daraus einen Trend zu schließen, tut man nicht, wie sie selbst so oft nahe legen. Das Schlimmste ist aber, dass jede mögliche Bilanzänderung weit in der Vergangenheit zu suchen wäre und nicht in den minimalen T Änderungen der letzten Jahre od. Dekaden. Sehen sie sich mal das Verhalten des größten Alpengletschers an (Aletsch) und dann vergleiche sie dessen Trägheit mit dem der gewaltigen Eisströme in der Antarktis. Jeder Glaziologe wird ihnen bestätigen, dass eine mögliche Beschleunigung einzelner Eiströme dort mind. Jahrhunderte zurückliegend zu suchen wäre. Sie allerdings versuchen immer wieder den anthropogenen Anteil einer dort nur regional feststellbaren, geringen Erwärmung als Ursache anzuführen und das nervt und solange so etwas und es gäbe noch dutzende Beispiele von Seiten offizieller Stellen praktiziert wird, werde ich mich gegen solche Falschdarstellungen einsetzen. Egal ob es was „bringt“ oder nicht…

    [Antwort: Lieber Herr Innerhofer, zu ihren inhaltlichen Aussagen: die Fließgeschwindigkeit der Eisströme in der Antarktis reagiert sogar auf den Gezeitenzyklus, nachgewiesen u.a. für einen der größten Eisströme, den Rutford Ice Stream. Und nach dem Verlust von Eisschelfen auf der antarktischen Halbinsel hat man eine Beschleunigung der dahinter liegenden Eisströme um ein Mehrfaches gemessen. Daher war meine Frage ja eigentlich: wieso sind Sie als Laie so überzeugt, es besser zu wissen als die Fachwissenschaftler, die vor Ort diese Dinge messen? Und wieso meinen Sie, durch ständiges Posten im Internet die Welt darüber aufklären zu müssen, dass Sie das alles besser wissen als die Wissenschaft? Stefan Rahmstorf]

  29. Herr Rahmstorf

    zu ihren Antwort darüber.
    Ersten bin ich als Meteorologe wohl nicht so ein Laie wie sie meinen und zweitens erfinde ich nichts, sondern beziehe mich auf einschlägige Fachliteratur. Mir ist es aber oft zu mühselig, den entsprechenden Link anzuhängen, auch weil ich davon ausgehe, dass speziell hier der Link zum 1 mal 1 fehlen darf.
    Es ist völlig klar, dass es heute gute Messungen über die Fließgeschwindigkeiten von Eisströmen gibt, um nochmals OT werden zu dürfen. Es ist genau so trivial anzunehmen, dass ein abruptes Abbrechen der vor gelagerten Schelfe nach „Adam und Newton“ eine Beschleunigung der dahinter liegenden Eismassen bewirken kann.
    Das alles hat aber nichts mit dem zu tun, was ich oben etwas ausführlicher beschrieben habe. Warum sind ein paar Eisschelfe überhaupt abgebrochen? Wegen ein paar 1/10°C Erwärmung über die paar Wochen im Sommer, wo es oberflächlichst etwas taut? Wohl kaum. Auch hier muss man in die Vergangenheit blicken, weit sogar, sagen meine Freunde der Glaziologie (und ihre ganz sicher auch!) und das was heute in der Antarktis zu beobachten ist, hat nichts mit der dort punktuellen, mäßigen Erwärmung der letzten Dekaden zu tun und schon gar nicht mit AGW. Wenn sie anderer Meinung sind, bitte, aber dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn wir im Kollegenkreis etwas schmunzeln.

    [Antwort: Lieber Herr Innerhofer, die Eisschelfe in der Antarktis verschwinden just in der Region, die sich in den letzten Jahrzehnten am stärksten erwärmt hat: der Antarktischen Halbinsel. Dass die Erwärmung dort nicht nur ein paar Zehntel Grad beträgt sollte Ihnen bekannt sein, war dies doch 2009 sogar auf einem Titelbild von Nature. Die Autoren des Papers schreiben gleich im zweiten Satz: „the Antarctic Peninsula is one of the most rapidly warming locations on Earth“.

    Der Mechanismus des Schelfeisverlustes ist vor allem für den spektakulären Kollaps des Larsen B Schelfes detailliert beschrieben worden: Aufgrund der Erwärmung an der Oberfläche in den warmen Sommermonaten hatten sich Schmelzwassertümpel gebildet, die durch Spalten in das Eis eindrangen und es gesprengt haben. Dazu gibt es mehrere Papers und eine kurze Erklärung durch das National Snow and Ice Data Center der USA. Zitat von Ted Scambos, der die Sache erforscht hat: „The findings provide a solid link between climate warming and the recent extensive disintegration of some Antarctic ice shelves,“ said Scambos. „The process can be expected to be more widespread if Antarctic summer temperatures continue to increase.“

    Ihr Argument „ich kenne Glaziologen und mit denen schmunzle ich über sowas“ mag auf „Klimaskeptiker-Websites“ überzeugen; bei den Wissenslogs legen wir eher Wert auf (belegbare) Sachargumente. Stefan Rahmstorf]

  30. @ Stefan Rahmstorf

    Ehrlich gesagt glaube ich seit ca. 4-5 Jahren, dass erst viel viel viel zu spät mit angemessenen Maßnahmen angefangen wird und wir deshalb zwangsläufig mit den Veränderungen leben lernen müssen.
    Sobald eine Rechnung zu komplex ist zahlen wir sie lieber statt Arbeit in eine Lösung zu stecken. Als Beispiel nehm ich bspw. dass man für das gleiche Geld, das in KFZ-Verkehr gesteckt wird, ein mehrere-mal leistungsfähigeres Schienennetz bekommt. Seit 1997 bspw. lebt uns die Stadt Hasselt vor, wie man so ein Problem kosteneffektiver löst, dennoch gibt es Jahrzehnte später kaum Nachahmer. Und das sind gerade mal nationale bis kommunale Probleme, die wir nicht gelöst bekommen…
    Ein anderes Beispiel sind die Verwicklungen der USA mit den OPEC-Staaten, obwohl einen Großteil ihres Energiebedarfs autark tragen könnte. Die Konflikte im Nahen Osten erscheinen aber auf keinem Kostenvergleich und deswegen ziehen die regenerativen Energien den kürzeren…
    Wenn die jetzigen ersten Versuche andere Rohstoffe als Öl am Meeresboden abzubauen erfolgreich sind, wird das unter Umständen die erste Fuß-in-die-Tür-Technik mit denen die Menschen irgendwann ins Meer emigrieren. Japan wäre ein geeigneter Kandidat.

    Denken Sie nicht ähnlich? Wenn wir unsere Wirtschaft trotz erfolgreicher Testlösungen, wie Hasselt, bei so marginalen Problemen nicht angemessen optimieren können, wie können wir dann erwarten, dass wir das auf globaler Skala optimieren können? Sehenden Auges werden wir die Rechnung in 50 Jahren bezahlen und das kann nur Völkerwanderung(notfalls ins Meer) und Ressourcenkrieg sein.

  31. Ende der Warmzeit?

    @ DiplPhys Marco Vogt

    „Niemand bestreitet, dass wir in eine Warmzeit hineingehen.“

    Doch, genau das sagt eine große Zahl von sog. Klimaskeptikern…

    In den einschlägigen Foren tummeln sich zahlreiche klimaskeptische Artikel, die von „Abkühlung“ und „Trendwende“ sprechen oder die ein weiteres Abschmelzen der Polkappen bestreiten.

    Eine kleine Auswahl…:

    http://www.eike-klima-energie.eu/…le-abkuehlung/

    http://www.science-skeptical.de/…-wirklich/0077/

    http://www.eike-klima-energie.eu/…lung-anfangen/

    http://www.eike-klima-energie.eu/…-3-jahrzehnte/

    http://www.eike-klima-energie.eu/…er-als-normal/

    • Nun gut, ich bestreite das nicht. Ich zweifle nur daran, dass der Mensch der Auslöser ist.

      Und leider kann ich die Aussagen in 100% Jahren nicht falsifizieren, Herr Rahmstorf auch nicht. Das war beim Waldsterben noch anders. Dort machte in den 80er Jahren Aussagen für 2000, die mein Vater als Forscher für falsch hielt.

      Er hatte Recht, sie traten so nicht ein, aber da waren die betreffenden Professoren längst unter der Erde oder im Ruhestand. Trotzdem geht die Verseuchung unserer Erde weiter: Siehe China und die Kontamination der dortigen Böden.

      Wir haben umwelttechnisch gesehen wichtigere Dinge, als uns über das Klima in 50 Jahren zu streiten. Umweltzertifikate nutzen dem normalen Menschen wenig, machen heute wenige Länder reich, oder sichern den Reichtum, weil sie Entwicklungsländer bremsen und in Zukunft spielt es keine Rolle, wer Recht hatte oder nicht. Wärmer wird es trotzdem.

  32. Voreilig

    „Man muss also feststellen: die meisten dieser Ereignisse wären ohne die globale Erwärmung nicht passiert. Das ist ein beunruhigendes Beispiel dafür, welche erheblichen Auswirkungen schon eine relativ geringe globale Erwärmung (bislang 0,8 Grad in den letzten hundert Jahren, davon 0,6 Grad seit 1980) für uns haben kann.“

    Gewagte Aussage, besonders wenn man die Ergebnisse von Forschern auf diesem Gebiet liest:

    http://web.missouri.edu/…1_Stambaugh_drought.pdf

  33. @ Herr Innerhofer

    Sehr geehrter Herr Innerhofer.
    Ich stecke Personen ja nicht gerne in irgendwelche Schubladen, zumal, wenn ich sie persönlich nicht kenne, aber bei Ihnen fällt es mir zugegebenermassen schwer. Ich lese seit Jahren Klimablogs, ich kenne daher Ihre Art zu argumentieren. Es ist lobenswert, dass Sier hier zumindest versuchen, einigermassen sachlich zu bleiben, aber wenn ich mir ihre letzten zwei Beiträge zu diesem Thema anschaue, geht automatisch fast bei mir eine Schublade auf.
    Ich selber habe in den 80er Jahren Geologie studiert. Zu dieser Zeit habe ich an verschiedenen Universitäten durchaus Professoren kennen gelernt, deren Fachwissen, wenn auch gross, hoffnungslos veraltet war. Oftmals haben genau diese Personen ihre alten Modellvorstellungen bis aufs Messer verteidigt, neue Modelle entweder lächerlich gemacht, oder vertreter der Jüngeren Generation persönlich angegriffen. In den 80er Jahren gab es an den Universitäten durchaus noch genügend Lehrkräfte, die Alfred wegener belächelt haben, von Milankovic-Zyklen hatten wir Studenten noch nie etwas gehört, und die Entstehung der eiszeiten lag für uns im Dunkeln.
    Es mag sein, dass dieserStrand des Wissens für viele meiner Kollegen von damals auch heute noch der Stand der Dinge ist, zumal das normnale Arbeitsfeld eines Geologen hier keine Auffrischung benötigt, aber das heisst nicht, dass es im Wissen, in der Methodik keinen Fortschritt gibt, der die Anpassung unserer Denkmodelle erfordert.
    Liest man neue Veröffentlichungen, merkt man schnell, was für einen immensen Fortschritt es in den Geowissenschaften und in der Klimatologie in den letzten 20 Jahren gegeben hat.
    Wenn ich Ihre Äusserungen lese, erkenne ich, dass ihr Wissen stehen geblieben ist. Reaktion von Gletschern auf Klimaeinflüsse im Rahmen von Jahrhunderten oder jahrtausenden war für uns in den 80ern Stand der Dinge. Lesen sie heutige Veröffentlichungen, erkennen sie, dass die Wirklichkeit dem damaligen Wissen davongesprungen ist. In den 80ern, war ein Wissen über die Reaktionszeit eines Gletschers auf Klimaeinflüsse auch nicht so von Belang, wir konnten unsere Denkmodelle auch mangels Beobachtungen nicht verifizieren. Heute wissen wir, dass Gletscher innerhalb einer Saison reagieren, nicht in Jahrhunderten. Ihre Glaziologenkollegen mögen dar¨ber vielleicht schmunzeln, meine Glaziologenfreunde sehen das mittlerweile als selbstverständlich, auch wenn man immer wiedre erstaunt ist, wie schnell Gletscher reagieren können.
    Herr Innerhofer, ich kann Ihnen nur raten: lesen Sie und sein Sie offen für neues!
    Ein weiterer Rat, auch wenn ich nicht glaube, dass Sie ihn annehmen: verwenden Sie bitte für sich selber häufig das Wort WARUM!
    Sie argumentieren oft mit den Grosswetterlagen, die sich ja ändern, sie nehmen dass aber schlicht als Erklärung für viele Phänomene. Das was Sie nicht tun ist aber ein wichtiger Schritt, sie fragen nie danach, warum sich die Grosswetterlagen ändern. Damit nehmen Sie Sich die Möglichkeit, letztendlich die Gründe für Veränderungen zu erfassen.

    Herr Innerhofer, bitte aktualisieren Sie Ihr Wissen, und stellen sich nicht mit völlig veralteten Vorstellungen ins Abseits.

    Mit besten Grüssen
    Folke Kelm

  34. Zum Thema „Verzerrung der Aussagen von Klimaforschern“:
    „Herr Latif sagt eindeutig: NIE WIEDER!“ Genau das hat er nicht gesagt, zumindest fehlt bisher jeder Beleg dazu. Der Satz in Spiegel-online lautet anders, das „nie wieder“ ist eine Überschrift der Redaktion. Offenbar macht Latif keine Aussage über künftige Erdzeitalter („nie wieder“ – also auch in 100 Millionen Jahren nicht), sondern über einen begrenzten Prognosezeitraum. Auch ist die Formulierung „wird es nicht mehr geben“ weniger apodiktisch als „nie wieder“, bezeichnet vielmehr einen Normalzustand. Daß es im Einzelfall, als Wetterkapriole doch noch mal einen kalten Winter geben könnte, ist damit nicht ausgeschlossen, anders als bei NIE WIEDER. Ganz abgesehen davon,l daß sich unter „starkem Forst und viel Schnee“ sowieso jeder was anderes vorstellen kann.

    • Sie sagen es: Für jeden an dem Thema Interessierten müsste eigentlich klar sein, dass der Passus „… wird es nicht mehr geben“ sich ausschließlich auf den Kontext der prognostizierten globalen Erwärmung bezog. Und damit war weder die Gegenwart noch das laufende Dezennium gemeint und schon gar nicht eine Zustandsbeschreibung in zig Millionen Jahren.

      Aber es gibt eben gewisse Kreise, die für jeden Satz dankbar sind, der sich aus dem Zusammenhang reißen lässt. Die Kritik an Latifs Aussage ist genauso wenig zielführend wie die berühmten Leerformeln
      „Das Klima hat sich schon immer geändert“
      (ohne zu hinterfragen, welche gravierenden Auswirkungen rasche Klimaänderungen in der Erdgeschichte hatten)
      oder „CO2 ist nur ein Spurengas“
      (wobei dann unterschlagen wird, dass ohne dieses „Spurengas“ die gesamte Vegetation des Planeten nicht existieren könnte).

  35. man kann diese ominöse Aussage drehen wie man will. Latif hat sicher nicht ein Jahr oder die Jahre um 2010 gemeint, wenn dann das Winter Klima in D in einigen Dekaden.

    Aber man kann nicht sagen, ob um 2080 nicht ein sehr kalter Winter D heimsucht, auch wenn es global um 2K wärmer sein sollte. Nur weil gewisse Klimamodelle solche Szenarien fast ausschließen, können sie dennoch auftreten. Denken sie nur an den aktuellen Artikel hier, bzgl. der Rossby Wellen und einen eventuell bis dahin etwas schwächeren Golfstrom. Bleibt die Wetterlage über einige Jänner und Feber Wochen recht konstant und lässt sau kalte bodennahe Luft aus NO Richtung D fließen, wird es trotz globaler Erwärmung sehr sehr kalt, auch starke Nordlagen führen zu dieser Jahreszeit auch um 2100 zu Wind, Kälte und Schnee.
    Winter „wie früher“ kann es also immer geben und so gesehen hat Latif nicht recht gesprochen, auch wenn man seine Aussage großzügig behandelt.

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