Ganteförs Laienklimatologie

Gastbeitrag von Carl-Friedrich Schleussner

Glückliche Eisbären an Karibikstränden scheinen im Moment en vogue zu sein, so auch auf dem Einband des bei Wiley-VCH erschienen Buches  “Klima – der Weltuntergang findet nicht statt” von Prof. Dr. Gerd Ganteför.

Gerd Ganteför ist Physiker und Professor für Clusterphysik an der Universität Konstanz und beschäftigt sich eigenen Angaben zufolge darüber hinaus mit Klima- und Energiefragen, ohne jedoch selbst in diesem Fachbereich wissenschaftlich tätig zu sein.

Dass das Buch bei einem renommierten Fachbuchverlag erschienen ist, lässt auf eine interessante Lektüre hoffen, auch der Klappentext verspricht “wissenschaftlich fundierte Aufklärungsarbeit”. Doch diese Hoffnungen werden schnell enttäuscht. Schon in der Einleitung stellt Ganteför die Warnungen vor unkontrollierbaren Folgen des Klimawandels direkt in eine Reihe mit biblischen Strafen und konstatiert: “ Oder ist es vielleicht doch so, […] dass der Mensch nur gerne glaubt, dass etwas Gutes schlechte Folgen hat.” Das “Gute” sind dabei natürlich “praktisch alle Dinge, die in der Konsumgesellschaft Spaß machen”.

Selbst diese Position könnte man versuchen “streng naturwissenschaftlich”, wie Ganteför stets betont, zu untermauern. Doch der Rundumschlag, an dem er sich nun versucht, scheitert kläglich. Dabei ist zuvorderst die unseriöse Quellenarbeit des Autors zu bemängeln.

Bei deutlich über der Hälfte der von ihm angeführten Quellen handelt es sich um Sekundärliteratur, teilweise zweifelhaften Ursprungs, und allein Wikipedia findet sich weit über dreißig Mal in der Liste wieder, ohne jedoch im Text eindeutig gekennzeichnet zu werden. Durch diese Nichtunterscheidung von Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachjournalen und Sekundärquellen wird die Illusion einer soliden wissenschaftlichen Grundlage von Ganteförs Thesen erzeugt, die sich bei genauerem Hinsehen als Augenwischerei entpuppt. So kann es dann eben auch einmal passieren, dass der Meeresspiegelanstieg im Nordatlantik, wie er für eine Abschwächung der thermohalinen Zirkulation prognostiziert wird (Levermann et al., 2005), fälschlich als “Vorzeichenfehler” abgetan wird. Ganteförs Begründung: die damit einhergehende Abkühlung des Nordatlantiks würde eine “Eiszeit” auslösen und dann sinke ja bekanntlich der Meeresspiegel. Dass ein solcher Effekt nicht eintreten wird und dass für den lokalen Anstieg im Nordatlantik Strömungs- und Dichteveränderungen verantwortlich sind, ist ihm offensichtlich nicht bekannt obwohl dieses Gegenstand einer Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist und zum Grundwissen der Klimaforschung zählt. Man liest weiter und hofft, dass nicht alle “Ergebnisse” seiner “Aufklärungsarbeit” Folge seiner Unkenntniss der Materie sind.

Entgegen den starken Erwartungen, die der provokante Titel erzeugt, geht es in “Klima – der Weltuntergang findet nicht statt” jedoch nur am Rande um den Klimawandel. Deutlich mehr Raum nimmt die Eindämmung des Wachstums der Weltbevölkerung und deren langfristige Stabilisierung auf einem nachhaltigen Niveau ein. Eine zweifelsohne für die Zukunft der Menschheit auf diesem Planeten entscheidende Frage. Leider beschränken sich Ganteförs Ausführungen dazu auf die Erklärung seines Patentrezepts: “Mehr Kohlekraftwerke bedeuten billige Energie, bedeutet Wirtschaftswachstum, bedeutet Rückgang der Geburtenrate”, welches in seiner Simplizität sicherlich verführerisch ist, doch der Komplexität gesellschaftlicher Transformationsprozesse nicht ansatzweise Rechnung trägt. Hier rächt sich die Ignoranz des Autors gegenüber ökonomischer, sozialwissenschaftlicher und anthropologischer Forschung.

Darüber hinaus setzt er die maximal verträgliche Weltbevölkerung für die Zukunf auf 5 Milliarden Menschen fest, eine Zahl, die angeblich im “Living Planet Report” des WWF von 2008 angegeben ist. Was so leider nicht stimmt. Vielmehr wurde diesem Report zufolge die Biokapazität der Erde im Jahr 1990 bei einer Weltbevölkerung von 5 Milliarden Menschen bereits vollständig aufgebraucht und unser Verbrauch ist seitdem weiter gestiegen. Der Ressourcenverbrauch der Menschheit wird dabei aus dem Produkt der Weltbevölkerung und eines individuellen Fußabdrucks berechnet, und wie sich letzterer entwickelt, liegt in jedermanns Hand. Eine Aussage über eine zukünftig maximale Weltbevölkerung wird also in diesem Report gar nicht getroffen und erscheint angesichts einer ungesicherten Entwicklung des individuellen Fußabdrucks auch wenig zielführend. Doch das scheint Ganteför leider entgangen zu sein. Angesichts einer Weltbevölkerung von bald 7 Milliarden muss er sich auch fragen lassen, wer denn hier nun die Katastrophenszenarien entwirft.

Der im Anschluss längste Teil des Buches ist einem Kompendium der Energieformen gewidmet und liefert ebenfalls kaum neue Erkenntnisse. Darüber hinaus werden schnell auch einmal Äpfel mit Birnen verglichen, wenn Ganteför beispielsweise aus Effizienzen von Solar-Prototypanlangen in Mitteldeutschland Aussagen über die Sinnhaftigkeit der Nutzung von Solarenergie im globalen Maßstab ableitet. Auf der Basis solch undifferenzierter Vergleiche und unter Missachtung grundlegender ökonomischer Prinzipien Empfehlungen für Kohle und Kernkraft als “Energien der Zukunft” abzugeben, liest sich wie eine zwanzig Jahre alte Werbebroschüre deutscher Energiekonzerne und hat mit einer differenzierten Diskussion über Energieformen der Zukunft wenig zu tun.
Wer an einem kritisch realistischen und leicht zugänglichen Überblick über die Potentiale erneuerbarer Energien interessiert ist, dem sei stattdessen das Buch “Sustainable Energy  – without the hot air” des an der der Cambridge University lehrenden Physikers David JC MacKay empfohlen.

Zu guter Letzt geht es dann doch noch ein bisschen um den Klimawandel und auch hier ist Ganteförs Argumentation voller Widersprüche und Ungereimtheiten. Der Autor ist Naturwissenschaftler genug, um nicht grundlegende physikalische Erkenntnisse zum Klimawandel zu verleugen. Etwa die Tatsache, dass unsere Emissionen zu einer globalen Erwärmung führen und damit grenzt er sich klar von sogenannten “Klimawandelleugnern” ab. Auch akzeptiert er die Prognosen des Weltklimarates bezüglich der Temperaturentwicklung und der damit verbundenen Folgeerscheinungen, aber er verharmlost deren Auswirkungen auf unsere menschliche Zivilisation. Beispielhaft sei der vom Autor in den Ring geworfene “realistische Richtwert” von 50cm Meeresspiegelanstieg bis 2100 genannt.  Unkommentiert soll diese Zahl wohl die Illusion erzeugen, dass “alles schon nicht so schlimm sei”, die unsichere Zukunft Manhattans, Bangladeschs und der kleinen Inselstaaten, um nur einige betroffene Regionen zu nennen, scheint ihm dabei nebensächlich. Dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahrhunderten weiter um mehrere Meter steigen dürfte, wird von Ganteför nicht geleugnet, ja er propagiert sogar 10m Anstieg in den nächsten tausend Jahren. Aus welchem Grund dieser dramatische Wert und die damit verbundene Überschwemmung “einiger tiefliegender Regionen” von ihm als “Vorteil” der Klimaerwärmung gewertet werden, wird dabei wohl sein Geheimnis bleiben.

 
Fig. 1: 10m Meeresspiegelanstieg an der deutschen Nordseeküste (nach http://flood.firetree.net/). Überflutete Gebiete in dunkel blau schließen Städte wie Hamburg und Amsterdam ein. Bei einem solchen Meeresspiegelanstieg könnten diese Gebiete auch mit Deichen nicht geschützt werden. Laut Ganteför ein möglicher “Vorteil” der Klimaerwärmung.

Schlussendlich gipfeln seine Ausführungen darin, das eine Klimaerwärmung nötig sei, “um die nächste Eiszeit zu verhindern” und weil es in den nächsten Jahrhunderten sonst zu “heftigen Kälteperioden käme, während derer Nordeuropa […] zeitweise unbewohnbar geworden wäre”. Dabei geraten ihm die Zeitskalen etwas durcheinander, denn den Orbitalzyklen der Erde folgend wird die nächste Eiszeit frühestens in 30.000 Jahren eintreten (nachzulesen zum Beispiel im IPCC-AR4). Ganteför bastelt sich hier seine eigene Prognose zusammen, basierend auf einer methodisch mehr als zweifelhaften Mittlung über die drei letzten Zwischeneiszeiten. Ihm scheint nicht bekannt zu sein, dass die aktuelle Orbitalkonfiguration (mit einer geringen Exzentrizität der Erdbahn) vielmehr der viertletzten Zwischeneiszeit ähnelt, die mindestens doppelt so lange dauerte (eine aktuelle wissenschaftliche Publikation hierzu finden Sie in der Fachzeitschrift Nature).

Die letzte Eiszeit war im globalen Mittel rund 4-7°C kälter als die vorindustrielle globale Mitteltemperatur. Eine menschengemachte Erwärmung um den gleichen Wert wäre bei der von Ganteför hier propagierten Gleichgültigkeit nicht ausgeschlossen. Damit würden Temperaturen erreicht, wie sie seit mehreren Millionen Jahren nicht mehr auf der Erde geherrscht haben und das Klima- und Ökosystem unseres Planeten würde sich tiefgreifend verändern.

Einen Eindruck von Ganteförs Ansichten bietet dieses Kurzinterview:

Hier wiederholt er einige seiner im Buch formulierten Thesen in all ihrer Widersprüchlichkeit. Zwar seien die Prognosen des IPCC richtig, aber dennoch seien die Folgen im “normalen Rahmen” der natürlichen Schwankungen des letzten Jahrtausends. Zu den zentralen Aussagen des IPCCs zählt aber gerade, dass die globale Erwärmung schon heute das Maß der natürlichen Schwankungen der letzten 2000 Jahre übersteigt und im 21. Jahrhundert noch um ein Vielfaches größer werden wird. Wie kann Ganteför dann behaupten, dass die Folgen dieser Klimaveränderungen “nicht schlimmer als früher” werden? Und wenn bereits eine lokale Abkühlung in Teilen der Nordhalbkugel von weniger als 1°C während der “kleinen Eiszeit” die von ihm kurz erwähnten und im Buch ausführlicher beschriebenen Auswirkungen hatte, warum sollte eine globale Erwärmung von 2°C oder gar 5 ºC keine weiteren negativen Folgen haben? Auch bleibt unverständlich, wieso Ganteför mit Verweis auf Sturmfluten der Vergangenheit und die von ihnen angerichtete Zerstörung einer Verstärkung in Häufigkeit und Stärke solcher Fluten keine Bedrohung sehen mag. So muss beispielsweise für einen Meeresspiegelanstieg von 1m an deutschen Küsten mit einem zehn- bis hundertfach höheren Risiko für zerstörerische Sturmfluten gerechnet werden (Sterr, 2008). Eine “Jahrhundertflut” käme demnach jedes Jahrzehnt oder sogar jährlich vor. Ähnliche Zahlen lassen sich auch für New York finden, wo für das sehr hohe A1F1 Emissionsszenario eine “Jahrhundertflut” 2100 alle drei Jahre prognostiziert wird. (Rosenzweig, C. & Solecki, W. D. Climate change and a global city – The Potential Consequences of Climate Variability and Change. Metro East Coast, 1-8 (2001))

Die Lektüre des Buches von Gerd Ganteför irritiert. Verantwortlich dafür sind jedoch weniger die im Klappentext versprochenen “handfesten Überraschungen”, vielmehr stellt sich die Frage, wie ein solches Machwerk in einem Verlag erscheinen konnte, der sich Veröffentlichungen für “die wissenschaftliche Community”, so die eigene Webpräsenz, verpflichtet fühlt. Wiley VCH setzt mit solchen Veröffentlichungen, die in keinster Weise wissenschaftlichen Standards genügen, die eigene Reputation aufs Spiel und muss sich die Frage gefallen lassen, wem damit gedient ist.

 

Anders Levermann

Anders Levermann ist Professor für Dynamik des Klimasystems im physikalischen Institut der Universität Potsdam. Er leitet den Forschungsbereich Globale Anpassungsstrategien am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er ist unter anderem einer der leitenden Autoren im Meeresspiegelkapitel des letzten IPCC-Klimareports und beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Ozean und Cryosphäre in Vergangenheit und Zukunft.

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Besten Dank für die Buchbesprechung

    Dazu interessant, daß die Salzburger Nachrichten (österr. Zeitung) ab 24.2 eine große Serie mit dem Titel „Apocalypse never“ bringen.
    Bin gespannt, welche Themen und welche Autoren.

  2. Als einer der Leser von Ganteförs Buch kann ich mich der Kritik anschliessen, dass der Autor inkonsequent und widersprüchlich argumentiert und sich letzlich die wissenschaftlichen Fakten seiner Vision der wirklichen Menschheitsprobleme beugen müssen. Die wirklichen Menschheitsprobleme sind für ihn: Bevölkerungs- und- Wirtschaftswachstum in den aufstrebenden Ländern.

    Dennoch deckt Ganteför auch eine Lücke in der Klimaliteratur für Laien ab. Er geht ungewohnt breit auf Probleme der Bevölkerungszunahme, der gegenwärtigen und zukünftigen Energieversorgung und auf Gründe ein, warum Wirtschaftswachstum und billige Energie vor allem in den ärmeren Ländern entscheidenede Faktoren sind und warum Kohle nicht so schnell verdrängt werden wird – Kohle ist (mindestens heute noch) oft der erste Energieträger, den sich aufstrebende, aber noch arme Länder leisten können.

    Viele ansonsten besser fundierte „Klimabücher“ bekennen sich einfach zu den neuen erneuerbaren Energien, einige auch zur Nuklearenergie. Doch eine tiefere Analyse – ökonomisch und zeitlich (kann die belobte Energieform bis 2050 einen wichtigen Stellenwert erreichen) fehlt meist.

    Ich selber denke mir, dass alle nichtfossilen Energien massiv gefördert werden müssen, um das Ziel bis 2050 die CO2-Emissionen zu halbieren, zu erreichen. Die Forschung im Energiesektor ist zudem stark unterdotiert. Wenn schon Nuklearenergie, dann eine Form, in der der Brennstoff einige hundert Jahr reicht. Wenn schon Erneuerbare Energie, dann sollte untersucht werden, wie schnell Entwicklungs- und Schwellenländer substantielle Anteile ihres Energiebedarfs damit decken können.
    China verhält sich für mich vorbildlich, wenn man nur die nichtfossilen Energien betrachtet: Es baut die Wasserkraft massiv aus (430 Gigawatt bis 2020), will bis 2020 100 Gigawatt an „konventionellen“ Nuklearreaktoren bauen und plant für später einen geschlossenen Brennstoffkreislauf mit Brutreaktoren. Zudem hat es ein langfristig angelegtes Programm für die Entwicklung von Liquid Florid Thorium Reaktoren gestartet. Im Bereich neue erneuerbare Energien will China bis 2020 200 Gigawatt an Windturbinen installieren.

    Leider baut China weiterhin Kohlekraftwerke – allein für 2011 ist eine Kapazitätserhöhung im Bereich thermische Kraftwerke (Kohle) von 80 Gigawatt geplant. Es gilt weiterhin: Wirtschaftswachstum hat in armen und sich entwickelnden Ländern Vorrang vor allen anderen Zielen und es wird der billigste und schnellste Weg gewählt und der beinhaltet meist fossile Energien.

  3. Dinge und Sachen

    Klingt ein wenig als hätte Ganteförs sich in seine Theorie verliebt.
    Liebe macht bekanntlich ein bischen blind.

    WileyVCH scheint mittlerweile auch mitbekommen zu haben, das einige Menschen nicht so begeistert vom Buchinhalt sind.

    Immerhin hat Ganteförs es mittlerweile sogar zu einer positiven Buchkritik beim Kopp Verlag gebracht.

  4. @Martin Holzherr

    Die Idee, den Co2- Ausstoß innerhalb 40 Jahren zu halbieren, zu vierteln oder was weiss ich, durch Förderung aller *nichtfossilen* Energieträger sehe ich sehr skeptisch. Einzig der Kernenergie würde ich das zutrauen. Die jedoch wollen „wir“ nicht.

    Mit *massiver Förderung* werden wir, Fehlanreize geben (nein haben wir bereits) um im Nachinein festzustellen: „Teuer, aber recht nutzlos (Photopholtaik in D.)“ .

    Nebenwirkungen übler Art natürlich inklusive: Monokulturen für den Energiepflanzenanbau, Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion, ungünstige Energiebilanzen beim Betrachten der gesamten Produktionskette (nur ausgeblendet wg. Förderung), massenhafter Einsatz von Pestiziden, Dünger (auch aus Erdöl) etc., Flächenverbrauch, Auswirkungen auf das hydrologische Verhalten der Böden, auf Artenvielfalt, auf Bodenzustand…

    Ich habe manchmal den Eindruck, wir sind dabei, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Im Namen des Kampfes gegen Co2.

    Der Buchautor hat schon recht, wenn er die wesentlichen Probleme im Bevölkerungswachstum sieht, denn viele der *Auswirkungen des Klimawandels*, die wir glauben wahrzunhmen, hängen direkt damit zusammen. In Pakistan ist die Bevölkerung in den letzten hundert Jahren um mindestens das 6- fache gestiegen (seit 1950 um das vierfache). Gleichzeitig sind von den Galeriewäldern des Indus nicht mal mehr 5% geblieben. Usw. Und wir wundern uns über „nie dagewesene Überschwemmungen“…

  5. @H Müller
    Einzig der Kernenergie würde ich das zutrauen. Die jedoch wollen „wir“ nicht.

    Wenn ich den Satz lese, verstehe ich, warum „alternativlos“ zum Unwort des Jahres gekürt wurde.

    Sicherlich muss man die Angst vor kerntechnischen Risiken in Anbetracht der Risiken durch den Klimawandel einer neuen Bewertung unterziehen. Aber nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir in D derzeit schon 17% des Stroms regenerativ erzeugen. Hätte das jemand vor 10 Jahren behauptet.
    Nun gibt es Studien z.B. vom Deutschen Inst. für Luft und Raumfahrt (DLR, Stuttgart), wonach bis 2020 47% des Stroms regenerativ erzeugt werden kann und 80% bis 2050. Also ihre „sehr skeptische Grundhaltung wird nicht von allen geteilt.

  6. nicht fossile Energieträger/Kernenergie

    .. und es gibt weitere Studien: Die Professoren Jacobson und DeLucchi von der Stanford Universität Kalifornien legten Ende 2010 ein Szenario dar, nachdem schon bis 2030 (!) die Welt sich vollständig mit EE versorgen kann. Natürlich nur, wenn wir das alle politisch wollen und die Bedenkenträger auf die Plätze verweisen.
    Die Begründung der beiden liegt nicht im Klimaschutz sondern in der Wirtschaflichkeit. Sie sagen, dass der Preisanstieg bei den atomar-fossilen Energien so hoch werden wird, dass die Alternativen sich schneller entfalten als angenommen.
    Im Übrigen hat 1994 die deutsche Stromindustrie behauptet, dass die EE auf Dauer nicht über 4 % Stromanteil kommen können und die damalige Chefin des Umweltministeriums hat das so übernommen.
    Sag niemal nie, v. a. bei den Alternativen.

  7. @H.Müller
    Sie schreiben Mit *massiver Förderung* werden wir, Fehlanreize geben (nein haben wir bereits) um im Nachinein festzustellen: „Teuer, aber recht nutzlos (Photopholtaik in D.)“.

    Mit massiver Förderung aller nichtfossilen Energien meine ich vor allem Forschung und Entwicklung, nicht aber Subventionen und Einspeisevergütungen über unbegrenzte Zeit.
    Für mich ist die entscheidende Frage: Sind die nichfossilen Energiequellen, die Kohle, Öl und Gas ersetzen sollen ähnlich kostengünstig wie heute Kohle. Denn nur dann erreichen sie auch die armen und aufstrebenden Länder, die ja den meisten Ausbaubedarf bei der Energieversorgung haben. In D werden jährlich Garantien für 10 Milliarden Euro an Einspeisevergütung über die nächsten 20 Jahre für Photovoltaik ausgelöst – das ist deutlich mehr als das Bruttoinlandprodukt von Mali, einem Entwicklungsland mit 14 Millionen Einwohnern. Es wundert deshalb nicht, dass die internationale Weltenergieagentur, die IEA, in ihrem World Energy Outlook schreibt (siehe http://www.worldenergyoutlook.org/…es_german.pdf ) : Die Strom-Erzeugung durch Photovoltaik-Anlagen nimmt rasch zu, obgleich ihr Anteil an der Weltstromerzeugung 2035 nur ca. 2% erreicht.
    Die IPCC-Klimatologen fordern eine weltweite Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 – und das trotz einem starken Wirtschafts- und Energiewachstum bis dann. Um dies zu erreichen sollte man alle nichtfossilen Energien fördern und fit-machen, auch mehrere Formen der Kernenergienutzung (Liquid Fluorid Thorium Reactor, verschiedene Formen von Brutreaktoren), denn allein auf die heute dominanten once-through-Reaktoren zu vertrauen würden einen Engpass bei der Uranversorgung auslösen. Wenn sie, Herr Müller, schreiben:
    Einzig der Kernenergie würde ich das zutrauen. Die jedoch wollen „wir“ nicht. so offenbaren sie ein Grundproblem der Entfossilierung – kaum jemand denkt global, jede Region denkt vor allem an sich. In Mitteleuropa setzen die meisten auf die neuen erneuerbaren Energien und wollen damit vor allem ihre eigenen Energieprobleme lösen. Richtig wäre eine globale Sichtweise. Dann müsste man alle nichtfossilen Energien entwickeln – nicht nur ein paar momentan favorisierte und umworbene.

    @Bleyfuss
    Sie schreiben Aber nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir in D derzeit schon 17% des Stroms regenerativ erzeugen. Hätte das jemand vor 10 Jahren behauptet. und gehen damit von Deutschland als Vorreiter einer Energierevolution aus. Doch der immer grössere Anteil von erneuerbarer Energie in Deutschland oder auch Dänemark schafft auch Energie-Integrationsprobleme und verlangt nicht nur nach Backup-Kraftwerken sondern auch nach Speichern und neuen Hochspannungsleitungen wie im ausgezeichneten Buch “Sustainable Energy – without the hot air” dargestellt. Für Länder wie China und Indien ist übrigens bereits die Netzintegration von einigen Windkraftanlagen ein Problem (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Wind_power_in_India ): Despite the high installed capacity, the actual utilization of wind power in India is low because policy incentives are geared towards installation rather than operation of the plants. This is why only 1.6% of actual power production in India comes from wind although the installed capacity is 6%..
    In China wiederum ist das Netz zurzeit an vielen Stellen schlecht ausgebaut, was bei viel Wind Probleme schafft (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Wind_power_in_China ): The increasing penetration of wind power has exacerbated the problems of delivering reliable power to users. “Because wind energy is unstable, it is a pollutant and affects the safety of the power grid,” said Hu Xueha, the deputy chief engineer of China’s Power Grid Research Institute.

    Fazit:
    Das globale Problem der Dekarbonisierung verlangt nach einer Vielzahl von Lösungen, denn verschiedene Regionen haben andere technologische und ökonomische Bedürfnisse.
    Prognose:
    Sowohl die heute dominante Form der Kernkrafttechnologie als auch die im Westen favorisierten neuen Erneuerbaren Energien werden global gesehen keinen entscheidenden Anteil an der Dekarbonisiserung bis 2050 haben.

  8. Schönrechnen zählt nicht

    @H. Müller:
    Man kann sich alles schönrechnen, in dem man verursachte externe Kosten als nicht existent betrachtet.

    Bei Kohle sind das externe Kosten für CO2-Schäden, gesundheitliche Schäden von Anwohnern in Form von Atemwegserkrankungen oder erhöhtem Krebsrisiko sowie direkte Umweltschäden.

    Eine aktuelle Studie schätzt die externen Kosten für Kohle, die von der Allgemeinheit getragen werden, auf ca. 18 US-Ct./kWh. (siehe http://www.reuters.com/…dy-idUSTRE71F4X820110216 )

    Die Kernenergie ist auch keine Lösung für die Ewigkeit, alleine aus dem Grund, dass die Uranvorkommen begrenzt sind. Wobei mittelfristig auch ein Ausbau der erzeugten Kernenergie möglich wäre. Da stellt sich dann nur das Problem, dass Kernkraftwerke alles andere als günstig sind. Dies sieht man am aktuellen Bau des Block 3 im finnischen Olkiluoto sieht, bei dem allein die Baukosten inzwischen bei ca. 3400 €/kw liegen. Das ist teurer als eine Biogasanlage, die bei ca. 2500 €/kw liegt. Allerdings nicht so teuer wie Solarkraftwerke, die bei ca. 3200 €/kWp liegen (am Beispiel PS10 Solarturmkraftwerk; hier muss der geringere Arbeitsertrag pro kw, je nach Lage, aufs Jahr gesehen berücksichtigt werden).

    Sicherlich ist PV momentan noch teuer, und eine Reduzierung der Förderung sinnvoll (Sonst haben in 10 Jahren alle anderen Länder moderne PV-Anlagen, deren Entwicklung wir finanziert haben, und auf unseren Dächern glitzern die alten, teuren Gurken). Nur sind die Effizienzgewinne durch Entwicklung und Skaleneffekte bei PV auch so gross wie nirgends sonst.

    Die geringsten Kosten liegen allerdings nicht in der Stromerzeugung, sondern in der Energieeffizienz und Stromverbrauchsvermeidung. Hier sind Amortisationszeiten der Investitionen von 2,5 Jahren marktüblich. Und nicht verbrauchte Energie ist auch die sauberste, die es gibt.

    Wenn man über Kosten spricht, dann muss man sehr sorgfältig sein und nicht die Hälfte unter den Tisch fallen lassen. Ein zukunftsfähiger Energiemix wird alle Möglichkeiten nutzen und gleichzeitig sauber kalkulieren müssen. Und abgesehen von Betriebs- und Investitionskosten sowie externen Kosten für Klima- und Gesundheit sollten auch strategische Aspekte wie z.B. Rohstoffunabhängigkeit, Autarkie oder Marktstrukturen (dezentraler Markt mit vielen Teilnehmern oder Oligopol?) in die Strategie mit einfließen.

  9. @H. Müller

    > Die Idee, den Co2- Ausstoß innerhalb 40
    > Jahren zu halbieren, zu vierteln oder
    > was weiss ich, durch Förderung aller
    > *nichtfossilen* Energieträger sehe ich
    > sehr skeptisch. Einzig der Kernenergie
    > würde ich das zutrauen.
    Da überschätzen Sie aber das Potential der Kernenergie bei weitem. Die Kernenergie hat derzeit einen Anteil von etwa 6% am globalen bzw 10% am deutschen Primärenergiebedarf. Am Endenergieverbrauch sind die Werte sogar noch niedriger.

    Möchte man die Kernenergie jetzt auf sagen wir 50% bringen (um den CO2-Ausstoß etwa zu halbieren) dann müssten wir in Deutschland etwa 70 neue Reaktoren bauen. Weltweit wären es sogar über 3000 neue Reaktoren, die dafür nötig wären.

    Bei Baukosten von etwa 5 Mrd. EUR wären das schlappe 350 Mrd EUR für Deutschland bzw 6 Billionen EUR für die Welt.

    Ganz zu schweigen dass es weltweit gar nicht die nötigen Kapazitäten im Kraftwerksbau usw gibt, so dass das ganze vermutlich noch viel teurer werden würde. Von den Kosten für Endlagerung, den Gefahren von Atomreaktoren in instabilen Ländern usw ganz zu schweigen.

  10. Ganteför ist kein Klimaskeptiker

    Da kommt also der Ganteför und gibt Ihnen, Herr Schleussner, und auch allen anderen Autoren hier in der Klimalounge recht. Er zweifelt kein einziges ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse und noch nicht einmal ihre Interpretationen an. Ich konnte live erleben, wie er das IPCC mannhaft gegen ein paar Dutzend Skeptiker in einer Diskussionsveranstaltung verteidigt hat. Ich hatte auch Gelegenheit, direkt mit ihm zu sprechen und er hat mir eindeutig bestätigt: Alles, was die WG 1 des IPCC in ihrem Report zusammengestellt hat, hält er für richtig und belastbar.

    Da wundert es schon, wenn Sie glauben, ihn hier so intensiv attackieren zu müssen.

    Denn alles, was er macht, ist, die Ergebnisse der Klimaforschung unter (energie-)politischen Aspekten anders zu interpretieren. Es ist nun einmal so: Effizienzsteigerung, Senkung der Kohlenstoffintensität und Steigerung der Energieproduktivität stehen im Widerspruch zu strikten Zielen der Emissionsreduktion und zum Einsatz von Sonnenenergie und Biomasse (Windenergie hält Ganteför in einigen Einsatzfeldern für nützlich – ich sehe auch das anders). Energie- und Leistungsdichte von Sonne- und Biomasse sowie deren Wertschöpfungspotential stehen dem prinzipiell entgegen. Das kann jeder Physiker beurteilen (und auch jeder Ökonom). Jedenfalls ist Ganteförs Argumentation an dieser Stelle schlüssig und wird nicht nur von mir (einem Skeptiker), sondern auch von vielen anderen Wissenschaftlern, die die Klimaforschung als solche verteidigen, so gesehen.

    Sie gehen auf sein Kernargument nicht ein. Schade. Denn es ist nun einmal so: keine klimapolitische Maßnahme hat bisher zu einer Emissionsreduktion geführt, nicht der Emissionshandel und auch nicht das EEG. Daß man also idealerweise Emissionen dadurch vermindert, daß man den Entwicklungsländern dabei hilft, effiziente und moderne statt veraltete konventionelle Kratfwerke zu bauen, ist ein einfaches mathematisches Rechenexempel, dem Sie scheinbar nicht viel entgegensetzen können.

    Ganteför sagt im Prinzip: Die Bekämpfung des Klimawandels ist ein nachgeordnetes Problem gegenüber der Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit. Und erst, wenn letzteres bewältigt ist, kann ersteres funktionieren.

    Wenn Sie sich darüber so echauffieren, kann ich daraus nur schließen, daß es Ihnen tatsächlich nicht darum geht, Lösungen, die in Ihrem Sinne sein sollten, zu diskutieren. Sondern ganz einfach nur jeden zu diskreditieren, der nicht einem kompletten Umbau der Gesellschaft hin zu niedrigerer Produktivität das Wort redet. Das gibt mir einmal mehr zu denken.

    [Antwort 1: In diesem Artikel soll niemand diskreditiert werden. Es wird lediglich klar gestellt, dass die Hauptargumente bezüglich der Folgen des Klimawandels nicht belastbar sind. Anders Levermann]

    [Antwort 2: Lieber Herr Heller,

    mir scheint, als ob Sie in Fragen des Klimawandels in sehr starken schwarz-weiß Mustern denken, die es Ihnen auch leider nicht ermöglichen, Grund und Inhalt dieser kritischen Buchbesprechung richtig einzuordnen. Nur weil Herr Ganteför den anthropogenen Treibhauseffekt nicht anzweifelt, heißt das nicht, dass auch seine anderen Thesen, die sich eben zumeist nicht auf einen seriösen wissenschaftlichen Unterbau wie den IPCC stützen können, ebenfalls korrekt sind.

    Auch habe ich oben einige fachliche Fehler Ganteförs bezüglich Fragen des Klimawandels ausführlich erörtert. Ich möchte aber kurz auf ihre Formulierung des Klimawandels als „Nachgeordnetes Problem“ eingehen. Eine Aufrechnung von Klimaschutz gegen wirtschaftliche Entwicklung ist, wie ich oben bereits erwähnt habe, zwar leicht aufzumachen, wird aber der Komplexität des Problems nicht gerecht. Und auch Ganteför argumentiert mit den Beispielen Afghanistan und Pakistan und behauptet, alles was diese Länder zu einer wirtschaftlichen Entwicklung bräuchten, sei „billiger“ Kohlestrom. Wenn es doch so einfach wäre…

    Vielmehr ist es so, dass beide Problemstellungen, Klimaschutz und Entwicklung, auf das engste miteinander verwunden sind und nur gemeinsam nachhaltig gelöst werden können. Denn es werden insbesondere die kaum und wenig entwickelten Länder sein, die besonders stark mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Wie soll dort ein „Wirtschaftswachstum“ möglich sein, wenn die Errungenschaften durch Missernten und Naturkatastrophen wieder zunichte gemacht werden? Nein, ein „Nacheinander“ kann es nicht geben, dazu ist die zerstörerische Kraft des Klimawandels zu groß.

    Ausführliches zu den Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen einer weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung und Klimaschutz finden sie zB. in dem kürzlich erschienenen Report „Global – aber gerecht“ (http://www.klima-und-gerechtigkeit.de).

    Carl-Friedrich Schleussner]

  11. Kopp-Verlag

    @Silentjay,

    Immerhin hat Ganteförs es mittlerweile sogar zu einer positiven Buchkritik beim Kopp Verlag gebracht.

    Ein Lob vom Kopp-Verlag bedeutet für vernunftbegabte Menschen eine vernichtende Kritik.

    Der Kopp-Verlag legt unter anderem auch Erich von Däniken auf, was einer von vielen Belegen dafür ist, dass hier überwiegend „fringe science“, also Schrott-Wissenschaft auf dem Programm steht.

  12. Peter Heller G. ist kein Klimaskeptiker

    Der Emissionshandel hat bisher zu keiner substanziellen Emissionsreduktion geführt bei uns oder weltweit, sondern nur gekostet.
    Aber das EEG als wirksamste politische Maßnahme mit direkter Förderung von neuen Technologien schon:
    Damit werden in D mindestens 80 – 90 Millionen Tonnen CO2 durch Errichtung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen (v. a. Wind, Bio, Solar) eingespart. Ohne dieses EEG wären wir nicht bei einem EE-Anteil im Strombereich von über 17 % mittlerweile.

  13. Photovoltaik, Biomasseanbau u. Effizienz

    @H. Müller (2)
    „Teuer, aber recht nutzlos (Photopholtaik in D.).

    Nebenwirkungen übler Art natürlich inklusive: Monokulturen für den Energiepflanzenanbau, Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion, ungünstige Energiebilanzen beim Betrachten der gesamten Produktionskette (nur ausgeblendet wg. Förderung), massenhafter Einsatz von Pestiziden, Dünger“

    Ich bin versucht, zurück zu fragen: „seit wann wird bei der fotovoltaischen Sonnenenergienutzung Dünger eingesetzt?“

    Sicherlich erfordert die Nutzung von Bioenergie stellenweise den Einsatz von Düngemitteln bzw. die regenerative Energieumwandlung kann nachteilige Umweltauswirkungen haben. Das kann auch und insbesondere beim sogenannten „Biosprit“ der Fall sein. Hier und generell wäre m. E. die durchaus mögliche Verminderung des Verbrauchs bzw. die Verbesserung der Energieeffizienz eine Trumpfkarte, die bislang zurückhaltend ausgespielt wurde.

    Man kann sich fragen, wo in dem Bereich die Blockierer sitzen, ein weites Feld..

  14. Orbital-Parameter

    Um nochmal auf fast dieselbe Erd-Orbital-Konfiguration vor langer Zeit zurückzukommen:
    year(A.D.) Exzent. Obliqu. Perihel.(deg.)
    -388000 0,016632 22,5787 71,666
    2000 0,016704 23,4398 282,895

    Herrschte hier das Mindel-Riß-Interglazial I (vor 420000 bis 370000 Jahren) ?
    Wird diese Warmzeit auch als „Holstein-Warmzeit“ bezeichnet ?

  15. @Toni Erlbacher

    Zu Ihrer Frage: Holstein-Warmzeit und Riß-Mindel-Interglazial sind im Prinzip dasselbe. Die erste Benennung bezieht sich auf das Norddeutsche Tiefland, die zweite auf den Alpen- und Voralpenbereich.

    Bei der genauen zeitlichen Einordnung gibt es in der Literatur leider unterschiedliche Angaben. Der Kernbereich des Holstein-Interglazials umfasst nach meinen Informationen den Zeitraum vor 370.000 bis 347.000 Jahren. Manchmal wird auf eine Feineinteilung verzichtet und das Elster-Spätglazial (vor 386.000 bis 370.000 Jahren) zumindest grob der folgenden Warmzeit zugeschlagen.

    Der von Ihnen angegebene Zeitpunkt einer speziellen Erd-Orbital-Konfiguration (also vor ca. 388.000 Jahren) würde nach diesem Schema mit dem Beginn einer allmählichen Erwärmung korrespondieren.

  16. @Reinhard Köhrer

    Besten Dank für die Erläuterungen.
    Anhand der Perihelposition sieht man, daß bei -388000 years der Nord-Sommer sonnennah war und bis -376000 years in die Sonnenferne (285°) wanderte.
    Die aktuelle Perihel-Position ist bei 283° (3. Jänner)
    Wenn jemand die Erd-Orbital-Parameter für verschiedene Zeiträume bestimmen will, hier der Link dazu:
    http://aom.giss.nasa.gov/srorbpar.html

    -388000 0,016632 22,5787 71,666
    -386000 0,015825 22,7932 107,119
    -384000 0,014925 23,0493 142,533
    -382000 0,013936 23,3266 177,95
    -380000 0,012864 23,6034 213,455
    -378000 0,011714 23,8584 249,192
    -376000 0,010498 24,0719 285,389

    [Antwort: Ich schalte das jetzt noch frei, weil es eine inhaltliche Diskussion ist. Im allgemeinen wäre es aber gut, den Inhalt näher am Post zu halten. Freundliche Grüße, Anders Levermann

  17. Zukunftsfragen

    Lieber Herr Schleussner,

    „…mir scheint, als ob Sie in Fragen des Klimawandels in sehr starken schwarz-weiß Mustern denken…“

    Das ist völlig richtig. Aber denken Sie denn anders?

    Ihre Studie „Klimawandel und Gerechtigkeit“ und auch die Arbeiten Ihres Kollegen Edenhofer zu dieser Thematik sind mir gut bekannt.

    Was soll ich jetzt dazu sagen? Daß Sie die Ausgangslage falsch einschätzen und daraus falsche Schlüsse ziehen? Das führt vom Thema weg und wir werden uns dort eben nicht einigen können. Weil wir in den Grundsätzen völlig unterschiedlicher Auffassungen sind. Deswegen ist „schwarz-weiß“ manchmal durchaus hilfreich, um sich darüber klar zu werden, worin man sich eigentlich unterscheidet.

    Am Beispiel Ganteför läßt sich das ganz gut festmachen. Sie gehen offensichtlich davon aus, die Zukunft ganz genau zu kennen. Oder anders ausgedrückt: Sie verwechseln (reale) Gefahren mit (potentiellen) Risiken. Ganteför hingegen geht davon aus, die Zukunft nicht zu kennen. Ich stimme in diesem Punkt mit ihm überein.

    Verantwortungsvolles politisches Handeln bezieht die Unkenntnis über zukünftige Entwicklungen ein. Politische Entscheidungen werden auf diese Weise robust gegenüber allen möglichen Zukünften. Sie dagegen wollen eine Politik, die schädlich wäre, wenn sich die Zukunft anders entwickelt, als Sie annehmen.

    Darin unterscheiden wir uns. Grundlegend. Das ist schwarz und weiß, in der Tat. Denn ich erkenne hier keine Kompromißmöglichkeit.

    [Antwort: Lieber Herr Heller,

    danke für Ihre ehrliche Aussage und ja, auch ich glaube nicht, dass wir uns einigen werden. Dennoch möchte ich kurz Ihre Unterstellung kommentieren, dass wir „glauben würden, die Zukunft genau zu kennen“ und uns das grundlegend von Ganteför und Ihnen unterscheiden würde.

    Dazu ein Beispiel zu der oben diskutieren Frage von Sturmfluten:

    Wissenschaftliche Studien mit Klimamodellen hoher Komplexität die ihre Leistungsfähigkeit in der Modelierung des Erdklimas an Vergangenheitsdaten vielfältig bewiesen haben, sagen für Szenarien globaler Erwärmung eine Steigerung in Intensität und Häufigkeit von Sturmfluten voraus. Mit dramatischen Folgen für in diesem Fall die europäische Nordseeküste. Die Unsicherheitsbereiche sind dabei sehr groß (eine Größenordnung) und auch würde keiner behaupten wollen, dass diese Modelle die „Realität“ widerspiegeln, von „genau“ kann also keine Rede sein. Aber die Modelle reproduzieren eben wesentliche Physik unseres Klimasystems und deshalb nehmen wir sie als Anhaltspunkt um Aussagen über mögliche zukünftige Auswirkungen zu treffen.

    Ganteför sagt: Sturmfluten hat es schon immer gegeben und da wird sich auch nichts ändern. Auch das ist eine Vorhersage.

    Nun sind das entgegen Ihrer Aussage nicht nur eine, sondern zwei Prognosen und beide „glauben, die Zukunft zu kennen“. Die Frage ist vielmehr, welche von beiden ist besser begründet?

    Und dazu muss ich Ihnen leider sagen, dass Ganteförs Aussage mich in keiner Weise argumentativ überzeugt. Keineswegs ist es so, dass alle Wissenschaftler sämtlichen Prognosen gleichermaßen zustimmen, vielmehr ist die Streuung innerhalb der Expertengruppe sehr groß. Doch jede Einzelansicht kann argumentativ und mit physikalischen Simulationen und Theorien gestützt werden, ja muss sie sogar, sonst wird sie verworfen.

    Ganteför kann seine Thesen eben nicht nach strengen wissenschaftlichen Kriterien belegen, vielmehr werden unbelegbare Behauptungen aufgestellt oder Fakten verdreht bzw. anderslautende Erkenntnisse ignoriert. Und daher rührt meine Ablehnung von Ganteförs Arbeit, mit „schwarz-weiss Denken“ meinerseits hat das wenig zu tun.

    Abschließend noch ein kurzes Beispiel, was Sie hoffentlich zum Nachdenken anregen wird:

    Wenn Sie sich aufgrund einer Erkrankung die Frage stellt, ob Sie sich einer Operation unterziehen sollten, wollen Sie dann vorher nicht eine maximal mögliche Aufklärung über mögliche Risiken, die damit verbunden sind? Sowohl mit der Durchführung der OP, als auch mit der Nichtdurchführung?

    Der Arzt soll Sie dann doch nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Forschung beraten, die Entscheidung liegt dann aber immer bei Ihnen. Doch Aufklärung über „alle möglichen Zukünfte“ ist in jedem Fall Basis dieser Entscheidung.

    Nicht viel anders stellt sich die Lage bei der Klimaforschung dar. Auch wir versuchen die Gesellschaft nach dem aktuellen Stand der Forschung über die möglichen Folgen des Klimawandels aufzuklären und damit politischen Entscheidungsträgern zu erlauben, verantwortungsvolle Entscheidung basierend auf einer größtmöglichen Basis von Erkenntnissen zu treffen.

    Die Kriterien unserer wissenschaftlichen Arbeit unterscheiden sich nicht von denen der Mediziner, doch in dem einen Fall ist Aufklärung auch über die noch so unwahrscheinlichsten negativen Folgen erwünscht, in unserem Fall werden Prognosen wahrscheinlicher Folgen als „Lust am Untergang“ diskreditiert.

    Carl-Friedrich Schleußner]

  18. Ich bin versucht, zurück zu fragen:

    @Bleyfuss

    „Ich bin versucht, zurück zu fragen: „seit wann wird bei der fotovoltaischen Sonnenenergienutzung Dünger eingesetzt?“

    (lach). Natürlich, Entschuldigung. Schnell geschrieben, zu wenig erklärt…Doch Sie haben mich anscheinend trotzdem verstanden.

    Was ich ausdrücken will: Die Effektivität der PV lässt zu wünschen übrig in Relation zu den Förderungen. Das ist offensichtlich. Die durch diese Förderungen anscheinend hohe Rentabilität dieser Anlagen führt zur Vernachlässigung anderer Arten der Nutzung der Sonnenenergie (Markt für Solarwärme -30% im letzten Jahr) und sie stehen auch für andere Arten der Energieerzeugung/Vermeidung usw. nicht mehr zur Verfügung.

    Der Ausbau des Einsatzes von Biomasse wurde anfänglich von mir sehr begrüsst, weil ich der Meinung war, damit seien Abfälle sinnvoll zu nutzen.
    Mittlerweile sehe ich es nicht mehr so entspannt wie Sie, Zitat: „Sicherlich erfordert die Nutzung von Bioenergie stellenweise den Einsatz von Düngemitteln bzw. die regenerative Energieumwandlung kann nachteilige Umweltauswirkungen haben.“
    Spätestens seit Auslobung des NAWARO- Bonus ist die Nutzung von Abfällen für die Biogasproduktion völlig in den Hintergrund und diese Art der Energieerzeugung direkt und in hohem Maße in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion getreten.

    Die Biogasanlagen in Penkun und Güstrow beanspruchen allein für die Betriebsflächen je 15-20 ha und beziehen die Rohstoffe Mais, Getreide im Radius von je 50km! Gedüngt und gespritzt wird *ohne Ende*, ist ja nicht für die Nahrungserzeugung. Die größten Gebiete des Genpflanzenanbaus (Mais) liegen genau dort im Umkreis dieser Anlagen.
    Von den politischen Querelen (z. B. um die Förderung der 20-MW Anlage Penkun in Höhe der Einzelanlagen 500kW) möchte ich gar nicht reden… Da hat sich die Betreiberlobby (Betreiber sind ehem. Angehörige der Unternehmensberatung Roland Berger) fein durchgesetzt und „Lücken“ im EEG eiskalt ausgenutzt zum eigenen Nutzen und Schaden des Bürgers.

    Das meinte ich mit „Teufel mit dem Belzebub austreiben“

    Diese Entscheidungen, begründet letztlich mit dem *Kampf um CO2- Vermeidung“, werden drastische Nebenwirkungen haben, vor denen z. Z. die Augen verschlossen werden.

    mfG
    H. Müller

  19. @martin holzherr

    „Mit massiver Förderung aller nichtfossilen Energien meine ich vor allem Forschung und Entwicklung, nicht aber Subventionen und Einspeisevergütungen über unbegrenzte Zeit.“

    Ihrer Aussage stimme ich vorbehaltlos zu.
    Genauso würde ich es wünschen.

    mfG
    H. Müller

  20. Flächenkonkurrenz

    H. Müller (3)
    „Spätestens seit Auslobung des NAWARO- Bonus ist die Nutzung von Abfällen für die Biogasproduktion völlig in den Hintergrund und diese Art der Energieerzeugung direkt und in hohem Maße in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion getreten.“

    Das sehe ich anders. Energiepflanzen dürfen nur auf Flächen angebaut werden, die für Nahrungsmittelanbau nicht (mehr) zur Verfügung stehen. Insoweit besteht keine Konkurrenz, schon gar nicht „in hohem Maße“. (Die Agrarpolitiker sind nicht so blöde wie sie dreinschauen.) Die Bioenergie wird zielsicher sofort als schuldig am „Hunger in der Welt“ ausgemacht, spätestens, wenn Nahrungsmittelpreise steigen. Die Schuldzuweisung stimmt nicht. Kein Wort über den sehr hohen Fleischkonsum..
    Früher wurde der EU-Haushalt mit Abnahmegarantien für Bauern hoch belastet. Heute gibt es statt dessen Stilllegungsprämien. Auf den betr. Flächen dürfen zum Beispiel Energiepflanzen angebaut werden. Aber auch dieser Anbau unterliegt Restriktionen hinsichtlich des Düngermitteleinsatzes usw..

    Soweit.

  21. Re: Flächenkonkurrenz

    „… dürfen nur auf Flächen angebaut werden, die für die Nahrungsmittelerzeugung nicht (mehr) zur Verfügung stehen.“

    Stimmt eben leider nicht. Wenn sie auf die (nicht mehr bezuschussten) Stillegungsflächen anspielen: Dort durften keine Nahrungsmittel angebaut werden, wohl aber Energiepflanzen.

    Nur bedeutet das nicht, dass auf anderen Ackerflächen Energiepflanzen nicht angebaut werden durften, bzw. allein Stillegungsflächen dem Energiepflanzenanbau vorbehalten sind.

    Stillegungsprämien sind übrigens angesichts der gestiegenen Agrarpreise wieder abgeschafft.

    Im Übrigen kann man auch einmal die Entwicklung der Flächen für den Energiepflanzenanbau vergleichen und daraus Entwicklungen für die Zukunft herleiten.

    Fleischkonsum/Produktion: Muss viel differenzierter betrachtet werden. Das Tier benötigt etwa die 6-10 fache Energiemenge für den eigenen Stoffwechsel als die Energiemenge, die es selbst als Nahrung liefert, das stimmt soweit. Daraus jetzt zu folgern, wir könnten 6 mal mehr Menschen ernähren, wenn wir komplett auf Fleisch verzichten, ist aber leider falsch. Auf der Almwiese kann sich die Kuh ernähren, wir aber kein Getreide anbauen, entschuldigen sie diesen trivialen Vergleich. Natürlich haben wir veränderte Ernährungsgewohnheiten, die durchaus zu hinterfragen sind. Die Massentierhaltung ist eine Folge davon, dass wir dieses zuwenig tun.

    Nur fällt leider unseren Politikern wohl nichts besseres ein, als irgendwann eine Fleischsteuer zu beschliessen, natürlich im Sinne des Klimaschutzes. (diesen Vorstoß gab es bereits und er wurde erfreut aufgenommen)

    Restriktionen hinsichtlich Dünger- und Pestizideinsatzes: Da sollten sie mal tiefer graben und bei den Genehmigungsverfahren und Tests anfangen, z. B. die Wirkung auf *Nichtzielorganismen* LD-50 Test besagt z. B. dass ein betreffendes Mittel als ungefährlich eingstuft wird, wenn weniger als 50% der betreffenden Organismen nach Exposition versterben. (z. B. nur 48 von hundert Bienen tot= bienenungefährlich.)

    Wie gesagt, ich sehe das nicht so entspannt wie Sie und halte die Nutzung der Bioenergie in der jetzigen Form für den Anfang einer Fehlentwicklung wie ich auch die Entwicklung der Landwirtschaft gesamt für bedenklich halte. Die Agrarpolitiker sind sicher nicht blöde, aber sie sind zuallererst auch Lobbyisten.

    mfG
    H. Müller

  22. Fleischerzeugung

    Müller (4)
    Eine Fleischsteuer ist für mich nicht erkennbar. Ob sie politisch durchsetzbar ist, darf bezweifelt werden. Dabei gibt es sehr viele Gründe dafür. Auszüge vom Vegetariebund Deutschland:
    Ich bin selber keiner, aber entwickle mich mehr & mehr dahin. Vieles ist Gewöhnunssache.

    „Fleisch frisst Nahrungsmittel
    Fraßen Nutztiere früher einmal für Menschen Unverwertbares, wie z.B. Heu, sind sie heute Nahrungskonkurrenten, da sie mit „Kraftfutter“ wie Getreide, Soja, Fischmehl etc. gemästet werden. Derzeit werden 36% der weltweiten Getreideernte an Tiere verfüttert, die weltweite Sojaernte geht zu 70% in die Mägen von Tieren. Auch knapp die Hälfte der Fischfänge und selbst ein Drittel der Milchprodukte gehen diesen Weg. 22 Durch den steigenden Fleischkonsum steigt in den Entwicklungsländern die Verwendung von Getreide als Futter stärker als der Getreideertrag. 23

    In Österreich wurden 1999 2,8 Mio. Tonnen Getreide (ca. 63% der Gesamtmenge) als Viehfutter ver(sch)wendet (s. Abb. 4) 24, dieses Verhältnis ist leider auch in der österreichischen Biolandwirtschaft gegeben. 25 Damit nicht genug, importiert Österreich Jahr für Jahr fast 500.000 Tonnen Soja‑Futtermittel und über 10.000 Tonnen Fischmehl. Ein positives Beispiel geben die Biobauern: Für sie ist der Zukauf importierter Futtermittel verboten. 26 Die Umweltbelastungen, die von Futtermitteln ausgehen, müssen natürlich ebenfalls dem Verzehr tierischer Produkte angelastet werden.“

  23. @bleyfuss

    Nun, sie müssen nicht agitieren, ich wies darauf selbst hin (u.a…… veränderte Ernährungsgewohnheiten, die… zu hinterfragen sind. .. Massentierhaltung ist eine Folge davon, …)

    Ich finde es nur bemerkenswert, dass Sie zwar den gestiegenen Fleischkonsum als treibende Kraft beim Flächenverbrauch sehen, diese Rolle aber bei dem sog. Energiepflanzenanbau negieren.

    Diese Debatte ist halt ideologisch geprägt, insofern verstehe ich Sie.

    mfG
    H. Müller

  24. Liebe Klimalounge-Blogger,

    falls es die Zeit erlaubt, wäre ein Rebuttal zu den in der Sendung „Das Philosophische Quartett“ (Ausstrahlung: 28.11.11) von Ganteför vertretenen Thesen wünschenswert.

  25. @Slapsticker007

    Ja, das wäre eine gute Idee. Ich hab mir die Sendung auch angetan, und es tat teilweise schon richtig weh beim Zuhören, ob des Unsinns der zuweilen dort gesagt wurde…

  26. Überzogene, teils unfaire Kritik

    1. Ganteförs im Titel als „Laien“ zu diskreditieren, ist insofern unfair, als es in seinem Buch doch gar nicht um Klimawissenschaft, sondern um politische Implikationen aus der Klimaforschung und Kosten-Nutzen-Abwägungen von Maßnahmen geht (etwa: ist schnelle Armutsbekämpfung/Vulnerabilitätsreduktion nicht eine kosteneffizientere Klimafolgenbekämpfung als PV auf deutsche Dächern?). Auf diesem komplexen Gebiet sind Sie Klimaforscher ebenfalls nichts weiter als informierte Laien, genau wie Ganteförs. Übrigens macht auch Greenpeace ständg Laienpublikationen zum Thema, die Sie hier noch nie kritisiert haben.
    2. Was die kritisierten Fehler betrifft, so scheint mir Ihre Kritik teils einseitig, unfair und kleinkariert. Betreffs der nächsten Eiszeit: Sie sollten doch wissen, dass dies unsicher ist und unter Klimatologen kontrovers dikustiert wird. Eine Simulationsstudie aus Ihrem eigenen Haus (oder jedenfalls mit Potsdamer Beteiligung) kommt zu dem Schluss, ich zitiere: „It appears that the natural evolution of the next few thousand years is a close call whether to glaciate or not“, (Archer/Ganopolski 2005), und sagt außerdem, dass erst eine Emission von etwas mehr als dem bisher emittierten CO2 dies sicher verhindert, jedenfalls in den gängigen Modellen. Außerdem gehen Archer/Ganopolski zumindest von einer Temperaturreduktion von ca. 1 Grad im natürlichen Verlauf (d.h. ohne fossile Treibhausgase) aus, und ich muss Experten wie ihnen doch wohl auch nicht sagen, dass wir einen konstanten Abwärtstrend in den arktischen Temperaturen über die letzten Jahrtausend hatten, bis zu dem neuesten Umschwung.D.h. Wenn Herr Gantenförs sagt, dass es ohne die Treibhausgase erst einmal kälter würde (mit bekannetn negativen Folgen), dann hat er Recht.
    3. Wenn Sie schon auf das letzte Langzeit-Interglazial verweisen, darf ich Sie daran erinnern, dass es damals im Verlauf zu einem Meerespiegelanstieg auf etwa 20 m über dem heutigen kam. Auf dem Höhepunkt des letzten (Eem)-Interglazials kam es ebenfalls zu einer zusätzlichen Eisschmelze (5-9m über heute). Der sessshaft gewordene Mensch ist leider vor Meerespiegelschwankungen nicht gefeit. Wie gut wir in der Lage sind, mit einem Anstieg um 10 Meter über 1000 Jahre umzugehen (viel Zeit zum Umsiedeln!), dass können Sie genauso wenig einschätzen wie Herr Ganteförs. Jedenfalls wird PV auf deutschen Dächern keinen messbaren Einfluss auf die Menge des Meerespiegelanstiegs haben. Besser, hätte man das Geld für Hochwasserschutz ausgegeben (zum Beispiel). Sie tun so, als seien die Menschen in New York einem Anstieg um 50 cm, wie dieses Jahrhundert zu erwarten, hilflos ausgeliefert („alle paar Jahre eine Jahrhundertflut“). Das ist genauso falsch wie Ganteförs‘ Schönrednerei. 0,5 oder 1,0 Meter kann man ausgleichen. Ich muss Ihnen doch nicht erzählen, dass manche küstennahen Regionen (etwa Tokio) um weit mehr als diesen Betrag relativ zum Meeresspiegel sinken und das trotzdem im vergangenen Jahrhundert gut verkraftet haben.
    Ihre Reaktion auf Herrn Gantenförs ist überzogen.

  27. Leider scheint keiner der werten Kommentatoren etwas von dem aktuellen Stand der LENR- Technologie gehört zu haben – man tut hier so, als sie WInd, Sonnn usw. alternativlos. Mit der LENR-Technologie scheint es höchst wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit eine Energieversorung ohne Strahlung, ohne Radioaktivität, ohne Umweltbeeinflussung und bei minimalstem ‚Brennstoffverbrauch möglich ist. Es handelt sich hierbei um einen Kernumwandlungsprozess der offenbar dadruch zustande kommt,weil die bisher als unüberwindbare Coulomb-Barriier, die für solche Prozesse nach der gegenwärtigen Lehrmeinung Höchsttemperaturen und Höchstdrücke benötigt, überwunden werden kann. Und das scheint unter gewissen Bedingungen auch bei Niedrigtemperaturen und Normaldruck möglich zu sein.
    Leider wird, wenn überhaupt dazu in deutschen Medien nichts oder wenn doch in höchst skeptischen Tönen berichtet.

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