FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück

Die Frankfurter Rundschau hat einen Artikel zurückgezogen, in dem sie am 8 Februar schwere Vorwürfe gegen den Weltklimarat erhoben hatte. "Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika" war der Artikel überschrieben, und der Titel beschreibt auch den Inhalt. Der Hauptvorwurf: der IPCC-Bericht habe ohne eine "wissenschaftlich tragfähige Basis" gefolgert, dass viele Menschen in Afrika infolge des Klimawandels einer erhöhten Wasserknappheit ausgesetzt würden. Speziell wurde behauptet, aus einer (womöglich fragwürdigen) Studie über drei Nordafrikanische Länder habe man Folgerungen für ganz Afrika gezogen. 

Lesen hilft: jeder kann durch Nachlesen der relevanten Passagen im IPCC-Bericht leicht feststellen, dass die Vorwürfe schlicht falsch sind. Der IPCC-Bericht hat völlig korrekt die wissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet und beschrieben. Die Aussagen über ganz Afrika stammen aus einer Studie über ganz Afrika, vom renommierten britischen Forscher Nigel Arnell (2004). Dort, wo die 3-Länder-Studie von Agoumi zitiert wird, steht auch stets "in some countries" o.ä., nirgends wird aus dieser Arbeit etwas über ganz Afrika gefolgert.

Dieser "jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC" (so die FR) ist also frei erfunden, wie die meisten anderen. Wer unsere Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler gelesen hat, der ahnt schon, wen die Autorin des FR-Artikels, Irene Meichsner, als Quelle dieser Vorwürfe angibt: den Blogger Richard North und Jonathan Leake von der Sunday Times. Vor Ostern hatte ich die FR-Redaktion angeschrieben und darauf hingewiesen, dass die Fakten in dem Artikel nicht stimmen (mein Schreiben ist unten in Gänze angehängt). Inzwischen hat die FR den Sachverhalt geprüft und den fehlerhaften Artikel vom Netz genommen. (Er ist allerdings hier noch auf der Seite des Kölner Stadtanzeiger nachzulesen, wo er tags zuvor erschienen war.)

Ich möchte hier nicht speziell die FR kritisieren, die im allgemeinen eine gute Berichterstattung zum Thema Klima macht – dass ich mich gerade an deren Redaktion gewandt habe, hat teils eher zufällige Gründe (ich wurde mehrfach auf diesen Artikel gestoßen), teils tat ich es gerade deshalb, weil bei dieser Zeitung eine konstruktive Reaktion auf Kritik zu erwarten war. Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.

Es ist erstaunlich, dass sich Medienjournalisten für diesen Coup bislang kaum interessieren: einem Blogger und einem Journalisten gelingt es, mit einer Serie von erfundenen Skandalgeschichten (Deltoid hat eine Auflistung) die halbe Welt zu foppen. Und das, obwohl teilweise weniger als eine Stunde Rechercheaufwand in einem jedermann frei online verfügbaren Dokument (dem IPCC-Bericht) nötig gewesen wäre, um die Behauptungen nachzuprüfen. Dennoch wurden die Geschichten weltweit kritiklos wiederholt und haben die öffentliche Meinung (nach diversen Umfrageergebnissen) erheblich beeinflusst und Zweifel an der Wissenschaft gesät. Und dabei geht es nicht um Axolotl Roadkill sondern um ein Thema, das für die Zukunft der Menschheit von zentraler Bedeutung ist.

In einigen Ländern gibt es inzwischen Versuche von Wissenschaftlern, sich gegen die falsche Berichterstattung zu wehren. Holländische Wissenschaftler haben einen von 277 Forschern unterzeichneten offenen Brief initiiert, der das IPCC gegen falsche Angriffe verteidigt. Auch rund 600 französisiche Forscher haben sich in einem offenen Brief gegen die systematischen Verleumdungen des IPCC gewandt. Der Regenwald-Forscher Simon Lewis hat eine Beschwerde bei der britischen Medienaufsicht eingereicht gegen die "Amazongate" Story von North und Leake, wie der Guardian schreibt. Und einer der renommiertesten kanadischen Klimaforscher, Andrew Weaver von der University of Victoria, hat Klage gegen die Zeitung National Post eingereicht, wie CBC News und Guardian berichten.

Update 30. April: Heute hat die FR (Druckausgabe) eine Doppelseite, auf der über die falschen Angriffe auf das IPCC aufgeklärt wird: "eine Kampagne, die den UN-Klimarat in Verruf bringen sollte" (jetzt hier online). Dort wird auch explizit gesagt, dass als Konsequenz die FR den oben kritisierten Africagate-Artikel in ihrer Online-Ausgabe gelöscht hat. Weiter gibt es einen guten Hintergrundartikel zu den "Klimaskeptikern", wo auch Namen und Geldquellen genannt werden.

Der Kölner Stadtanzeiger hat dagegen den Artikel immer noch online, hat ihn allerdings gestern aktualisiert. Dabei wurde nur der Vorspann geändert. Statt: "Darin wird auch behauptet, dass ganz Afrika von gravierenden Dürren heimgesucht werden wird. Diese These entbehrt jedoch jeder wissenschaftlichen Grundlage" heißt es nun: "Darin wird auch behauptet, dass weiten Teilen Afrikas gravierende Dürren drohen. Diese These ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt."

Update 3. Mai: Am Samstag hat auch der Deutschlandfunk über den Fall berichtet. Als Audio on Demand gibt es da ein Interview mit dem Journalisten Volker Mrasek.

Update 10. Mai: Inzwischen ist auch ein offener Brief von 255 Mitgliedern der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA publiziert worden, der sich in deutlichen Worten gegen die politischen Angriffe auf Klimawissenschaftler wendet.

Update 25. Mai: Heute erwähnt die New York Times in einem Artikel auf der Titelseite den zurückgezogenen FR-Artikel (und zitiert mich dazu).

 

Update 19. Juni: In ihrer morgigen Ausgabe zieht die Sunday Times auch ihren "Amazongate"-Artikel zurück, über den der britische Kollege Simon Lewis sich beschwert hatte, und publiziert auf Seite 2 eine ausführliche Korrektur.

Update 14. März 2011: In der Fachzeitschrift PNAS ist jetzt eine Neuanalyse der Klimarisiken für die Landwirtschaft in Afrika erschienen, siehe zugehörige Pressemitteilung "Erhebliche Klimarisiken für Afrikas Bauern: IPCC lag richtig".

Literaturquelle:

N.W. Arnell, Climate change and global water resources: SRES emissions and socio-economic scenarios, Global Environmental Change 14 (2004), pp. 31–52. Article PDF (1358 K)

Dokumentation: Schreiben an die Redaktion der FR vom 25. März 2010

Das ist interessant: http://www.guardian.co.uk/environment/2010/mar/24/sunday-times-ipcc-amazon-rainforest

Gut, dass ein Wissenschaftler sich einmal gegen falsche Presseberichte wehrt.
Wir haben ja bei KlimaLounge auch schon darauf hingewiesen, dass die Behauptungen des Bloggers Richard North und des Sunday Times Journalisten Jonathan Leake fast durchgehend falsch sind.

Leider hat ja auch Ihre Zeitung in einem Artikel von Irene Meichsner kritiklos falsche Behauptungen von North/Leake übernommen.
http://www.fr-online.de/top_news/2286879_Neue-Fehler-beim-Klimarat-IPCC-macht-aus-Nordafrika-ganz-Afrika.html

Schon die Überschrift ist falsch: "IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika". Wo genau soll IPCC das denn tun?
Die erste im Artikel zitierte Aussage

Bis zum Jahre 2020, so wird auf Seite 50 prognostiziert, würden in Afrika voraussichtlich "zwischen 75 und 250 Millionen Menschen" einer erhöhten Wasserknappheit infolge des Klimawandels ausgesetzt sein.

beruht auf der Studie von Arnell 2004, wie vom IPCC korrekt zitiert – eine Studie in der begutachteten Fachliteratur, die sich tatsächlich auf ganz Afrika bezieht und an deren Wiedergabe durch den IPCC nicht das geringste auszusetzen ist.

Die nächste zitierte Aussage

Ebenfalls "bis 2020 könnten in einigen Ländern die Erträge aus der vom Regen bewässerten Landwirtschaft um bis zu 50 Prozent" sinken.

enthält ja den Satz "in einigen Ländern". Das ist die Aussage, die auf der Agoumi-Studie beruht, die sich (wie dann im Artikel erläutert) auf Algerien, Marokko und Tunesien bezieht. Sowohl im Haupttext des IPCC-Berichts (Kapitel 9.4) als auch in der Summary for Policy Makers als auch im Synthesis Report ist immer im gleichen Satz klar gesagt, dass es sich auf einige Länder bezieht, und nicht auf ganz Afrika. Ich habe das eben selbst nochmals nachgeprüft.

Nirgendwo kann ich eine Aussage finden, wo IPCC "aus Nordafrika ganz Afrika macht" – auch im FR-Artikel findet sich keinerlei Beleg für diese Behauptung, sondern einfach nur eine bunte Vermischung von Aussagen über ganz Afrika (die als solche legitim und in der Fachliteratur begründet sind) und Aussagen über "einige Länder", die vom IPCC stets klar als solche gekennzeichnet wurden. Dieser "jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC" (Meichsner in der FR) ist soweit ich erkennen kann frei erfunden und völlig haltlos, genau wie die Amazonasstory von North und Leake.

Ich möchte Sie daher bitten, zum Meichsner-Artikel eine Korrektur zu publizieren bzw. ihn komplett zurückzuziehen. Ich bin gespannt, ob Sie hier ethischer vorgehen als Ihre Kollegen von der Sunday Times, die ja laut Guardian sogar Kritik an ihrem falschen Artikel von ihrer Webseite gelöscht haben.

Herzliche Grüße,
 Stefan Rahmstorf

 

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. so weit sind wir gekommen

    277 Forscher da, 600 dort usw. Kampf der Forscher und der Medien. Um was?

    Mir ist es als Ösi sowieso egal, was die Frankfurter Rundschau schreibt und der Mehrheit der Deutschen wohl auch. Wozu eigentlich so eine Aufregung um einen Artikel irgendeiner Zeitschrift? Ich versteh das nicht.
    Wie Herr Rahmstorf völlig korrekt anführt, wird über die Medien vieles nicht so wiedergegeben, wie es in den IPCC Reporten steht.
    Und um mich selbst noch einmal zu wiederholen: über Greenpeace, WWF, Al Gore, Grüne usw. und deren Medienartikel wird auch sehr viel verbreitet, was nicht im geringsten mit den Aussagen des IPCC übereinstimmt. Dramatisierungen und alle in die gleiche Richtung. Auch das muss man sich gefallen lassen und mir fehlt dazu schon der Aufschrei aus dem PIK und anderer AGW Verfechter.
    Naja, um alles kann man sich ja wirklich nicht kümmern.

    Aber welchen Punkt haben wir erreicht?
    Hat man vielleicht den Fehler begangen, zu oft über die Medien auszurichten, dass Schnee in Deutschland bald Schnee von gestern sein wird? Was wurde nicht schon alles versprochen und medial ausgereitzt? Der Konsens unter den führenden Wissenschaftern und ein paar %hängengebliebene Skeptiker, welche an die Scheibe Erde, die Mondlandung im Studio usw. glauben?! Auch das wurde und wird „uns“ vermittelt und aus meiner Sicht sollte man sich nicht wundern, wenn das Ganze aus den Ufern zu laufen beginnt.

  2. Frau Meichsners Wahrnehmung

    Durch den Beitrag neugierig geworden, habe ich ein wenig im Web gesucht und diesen Online-Artikel von Irene Meichsner gefunden (Kölner Stadtanzeiger, 25.4.2010):
    http://www.ksta.de/…/artikel/1270457720345.shtml

    Beim Lesen könnte (und soll vermutlich) der Eindruck entstehen, der dort genannte Stephan Borrmann, Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, habe begründete Zweifel an der Existenz einer globalen Erwärmung. Frau Meichsner zitiert dabei Herrn Borrmann nach dem Aufsatz Keime des Klimas, wo in Wahrheit aber ein ganz anderes Bild vermittelt wird. Beispielsweise liest man dort:

    […] dass die erwärmende Wirkung der Treibhausgase von den heutigen Computermodellen zur Klimaberechnung eher unterschätzt wird – mangels guter Wolkenmodelle.

    Das hat Frau Meichsner geflissentlich übersehen. Stattdessen erteilt sie ihrer Leserschaft den folgenden Rat, den ich lieber nicht weiter kommentieren möchte:

    Und sollte ein Wissenschaftler noch einmal behaupten, er hätte in seinem Computer das Weltklima unter Kontrolle, dann glauben Sie ihm kein Wort.

  3. Warum Boden für Mißtrauen

    Wodurch kommt es dazu, daß Unsinn so eine leichte Verbreitung findet?

    1. Eine Nachricht hat hohen Interessewert, wenn Sie etwas Neues bringt. Gute Nachrichten haben deshalb geringen Interessewert, deshalb heißt es bei den Medien „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ und werden deshalb vorrangig verbreitet.

    2. Wie ist die Lage auf Seiten der Leser? Da fehlt auf vielen Gebieten das Wissen und die Propaganda unterstützt das. Schon Ludwig Erhard sagte z.B. das ein jeder ein Mindestmaß an Wirtschaftskenntnissen haben sollte. Was aber an Wirtschaftskenntnissen verbreitet wird spottet jeder Beschreibung. Selbst einige „Wirtschaftsweise“ betrachten die Volkswirtschaft (Makroökonomie) als eine Art vergrößertes Unternehmen oder Familie (Mikroökonomie). Siehe z.B. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konophysik
    Dadurch ist eine großes Mißtrauen in die Wissenschaften ganz allgemein entstanden, da z.B. viele hautnah die angeblich unvermeidliche Arbeitslosigkeit erleben.

    3. Die Bankenkrise wird nur auf das schlechte Verhalten von Spitzenbankern zurückgeführt. Also sind Spitzenleute mit Mißtrauen zu beäugen. Und Konsequenzen aus dem Versagen werden auch nicht gezogen.

    4. Durch dieses Mißtrauen in die Computermodelle der Wirtschaft entsteht Mißtrauen gegen Computermodelle ganz allgemein.

    5. Die Klimaforschung bezieht ihre offiziellen Aussagen hauptsächlich auf Klimamodelle, eine schlüssige nachvollziehbare Beschreibung des Treibhauseffekts erfolgt kaum.

    Insofern gibt es einen guten Boden für Klimaskeptiker.

  4. Presserat

    Der Umgang der meistens Medien mit komplizierten Themen ist ernüchtend. Leicht zu verstehende Meldungen haben Vorrang vor zeitraubenden und tiefgehenden Analysen. Sowohl der Leser als auch die Wirklichkeit werden in ihrer Komplexität unterschätzt.

    Einen schlicht falschen Artikel zu löschen, ist nicht ausreichend. Eine umfassende freiwillige Gegendarstellung wäre angemessen.

    Immerhin gibt es in Deutschland den Presserat und einen Pressekodex. Ersterer zählt zu seoine Aufgaben: Entwicklungen entgegenzutreten, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten.

    Ist nicht langsam mal Zeit für eine Beschwerde?
    http://www.presserat.info/…schwerdeformular.html

  5. Herr Ebel & All

    bei all dem guten Wissen über Energiebilanzen, Strahlungsphysik und Paleoklimatologie, lehne man sich mal bitte kurz zurück und betrachte folgende Abb. mit etwas „Gefühl“.
    Dargestellt sind die letzten 1000a NHK, T Verlauf und Forcings. Zusätzlich der „best estimate“ T Verlauf in rot bis 2100 (+3°C).
    Diese Zukunft zeigen uns also die besten Klimamodelle der Welt, wegen einer CO2 Erhöhung von ca. 0,03% auf 0,06%.

    Also ich bin da ewtas skeptisch, sonst niemand?

    http://i41.tinypic.com/dbph95.png

    [Antwort: Wo ist ihr Problem dabei – liegt es daran, dass 0,06% eine kleine Zahl ist? Haben Sie schon mal versucht, 0,06% Zyankali ihrer Suppe beizumischen? Aber ich gebe ein besseres Beispiel: mit nur 0,06% Wasseranteil in der Luft in Form von kleinen Tröpfchen können Sie einen Nebel erzeugen, der die Durchlässigkeit für sichtbares Licht in ähnlicher Weise behindert wie CO2 die Durchlässigkeit für Wärmestrahlung. 3 Gramm Wasser reichen aus, um Ihr Wohnzimmer zu vernebeln. Stefan Rahmstorf]

  6. Herr Prof. Rahmstorf

    @ 27.04.2010 | 16:37

    mein Wohnzimmer hat 50m³ bei 25°C und rF 40%. Da schwirren bereits 460 Gramm Wasserdampf herum. 3 Gramm H2O zusätzlich machen da gar nichts aus, od. hab ich sie falsch verstanden?

    Zu den 0,03 bzw. 0,06% CO2. Es ist mir schon klar, dass die Zahlen zwar klein sind aber Wirkung zeigen. Was ich sagen bzw. zeigen wollte ist nichts weiter als eine Visualisierung unseres „Wissens“ oder dessen, was wir meinen es müsste so sein. Ich frage mich anhand dieser Darstellung einfach, hmmm dass sieht aber verdammt krass aus und alles „nur“ wegen einem Molekül, welches zwar durch Menschen in der Atmosphäre angereichert wird, am Ende aber immer noch ein elementarer Baustein des Lebens und der Natur an sich ist. Hat die Natur, von der wir heute noch viel lernen können, da wirklich nichts auf Lager, um einer CO2 Anreicherung entgegen zu wirken, außer sich verstärkende Feedbacks und galoppierende Erwärmung?

    [Antwort: Von Ihren 460 g Wasserdampf müssten nur 3 g kondensieren (Tröpfchen bilden) um Ihnen die Sicht zu vernebeln. Dass die Natur offenbar nichts „auf Lager“ hat, um eine CO2-bedingte Erwärmung zu verhindern, zeigen die früheren Treibhausklimate in der Erdgeschichte. Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei – was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet. Stefan Rahmstorf]

  7. Partei und Gegenpartei

    Die Klimadebatte hat in den Medien eine dialektische Form angenommen oder wenn man will die Form einer Gerichtsverhandlung in dem sich Parteien gegenübersitzen. Die Gegenpartei zu den IPCC-Kliamwissenschaftlern hat sich erst in den letzten Jahren formiert und für viele Journalisten sind ihre Argumente genau so plausibel wie die Argumente derjenigen, die vor den Folgen einer globalen Erwärmung warnen.

    Sicher müssen Klimawissenschaftler gegen falsche Behauptungen, Unterstellungen und unwissenschaftliche
    Argumente antreten.

    Andererseits gibt es auch den Weg, dass man den imaginären Gerichtssaal verlässt und sich längerfristig orientiert.

    Unabhängig vom Ausgang der momentanen Debatte wird es nämlich noch seine Zeit brauchen, bis die wichtigsten Staaten der Welt die notwendige Dekarbonisierung aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche in Angriff nehmen – da darf man sich keine Illusionen machen.

    Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit richtet sich meiner Ansicht nach auch zu stark auf nachrangige Themen – wie den regionalen Einfluss des Klimawandels mit Schlussfolgerung der Art „ein wärmeres Klima in Deutschland ist gar nicht so schlecht“ oder auf begrenzte Formen des Handelns wie beispielsweise
    „wir müssen unsere CO2-Emissionen in x Jahren um y Prozent reduzieren“.

    Nur wenigen ist bewusst, dass die richtige Antwort auf die treibhausgasbedingte Erwärmung eine vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft ist und dass dies unter anderem eines grundlegenden Technologiewechsels bedarf.

    Fazit:
    Man sollte die Aufmerksamkeit der Medien weglenken von Themen wie den zu erwartenden Folgen des Klimawandels in Afrika oder auf die Himalajagletscher.

    Wirksamer wären Artikel, die eine Gesamtschau des Treibhauseffekts in der Klimageschichte und Klimagegenwart präsentieren, sowie Artikel, die zeigen, wie man zu einer Welt ohne fossile Treib-und Brennstoffe gelangen kann.

  8. Engagement in der Diskussion

    Hallo Herr Rahmstorf,
    ich verfolge schon lange die immer absurderen Verfälschungen der sogenannten „Klima-Skeptiker“ als auch der mittlerweile zahllosen „Journalisten“, die aufgrund von Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen(-wollen) zugunsten schneller (und sensationsgieriger) Berichte die öffentliche Meinung manipulieren und damit fatale Politik auf Kosten der Zukunft der jetzigen Kinder machen.

    Ich bin daher sehr froh, dass Sie sich immer wieder sehr detailliert dagegen wehren und auf allen Informationskanälen einmischen.

    Vielen Dank und weiter so !!
    Herzliche Grüße

  9. Ein kleines Experiment…

    Lieber Herr Rahmstorf,

    habe soeben ganze 4 (vier) Gramm Wasser im offenen Topf verdampft um meine Küche damit mal so richtig effizient zu vernebeln.

    Hat leider überhaupt nicht geklappt. Hat nur einmal kurz und völlig unspektakulär Pfft gemacht und schon war’s weg! :-/

    [Antwort: Verdunstet, genau. In Gasform machen 4 Gramm Wasser keinen Nebel, dazu müssen sie in flüssiger Form (Tröpfchen) vorliegen. Das ist der Grund, warum Sie Wolken sehen, oder manchmal Ihre Atemwölkchen im Winter. Mein Punkt war nur: Sie brauchen keine hohen Konzentrationen einer Substanz, um den Durchgang von Strahlung zu behindern, vorausgesetzt diese Substanz absorbiert in den entsprechenden Wellenlängen (wie Wassertröpfchen das Sichtbare Licht, oder CO2 und Wasserdampf im langwelligen Bereich). Stefan Rahmstorf]

  10. CO 2 vor 40 mill. jahre

    Zitat :Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei – was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet. Stefan Rahmstorf]

    Ja verflixt wo kam das CO2 her ohne uns böse menschen.

    oder sind die dinos zuviel auto gefahren?

    also lieber H. Rahmdorf beweisen Sie doch endlich den AGW oder schweigen Sie für immer.

    gruss
    U Meinen

    [Antwort: Auf Zeitskalen von vielen Millionen Jahren führt der Kohlenstoffaustausch mit der Erdkruste zu Veränderungen der atmosphärischen CO2-Konzentration. Die Quelle ist Vulkanismus, die Senke die Verwitterung von Gestein. Die Raten von beiden sind variabel aufgrund der Plattentektonik, so kommt es zu diesem Typus von natürlichen Veränderungen der CO2-Menge in der Luft. Niemand hat je gesagt, dass *nur* der Mensch die CO2-Konzentration ändern kann. Aktuell tun wir das aber, und es hat die gleichen Folgen wie die früheren, natürlichen CO2-Schwankungen. Stefan Rahmstorf]

  11. Tja, Herr Innerhofer,

    was soll ich mit diesem Ihrem Geschwätz anfangen? Sie versuchen immer wieder Ihre Klimaleugner-Position mit pseudowissenschaftlichen Argumenten bzw. unhaltbaren Daten zu verifizieren und sind damit regelmäßig ganz flach gelandet.

    Nun mal meine Frage: Wie wollen Sie denn irgendwann Ihren Enkeln(?) erklären, dass Sie die folgenden einfachen Tatsachen nicht realisiert haben:

    1. Das Klima ändert sich und zwar nicht irgendwie, sondern nachvollziehbar, wissenschaftlich belegbar und prognostizierbar.

    2. Der Hauptgrund für diese Änderung ist das Eingreifen des Menschen in die globalen ökologischen Prozesse (bspw. Freisetzung klimarelevanter Gase, Vernichtung von Kohlendioxid-Senken).

    3. Die kurzfristigen und langfristigen ökologischen und ökonomischen Folgen werden schwerwiegend sein.

    Ich möchte Ihnen und anderen Klimaleugnern daher in aller Freundlichkeit empfehlen, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, man verliert dabei leicht den Boden unter den Füßen.

    Robert Kühn

  12. @ Martin Holzherr: Journalisten

    Die Gegenpartei zu den IPCC-Kliamwissenschaftlern hat sich erst in den letzten Jahren formiert und für viele Journalisten sind ihre Argumente genau so plausibel wie die Argumente derjenigen, die vor den Folgen einer globalen Erwärmung warnen.

    Von professionellen Wissenschaftsjournalisten sollte man eigentlich erwarten, dass sie mittlerweile gelernt hätten, zwischen wissenschaftlichen Ansätzen und den Nebelkerzen, wie sie speziell von der U.S. Carbon Lobby immer wieder geworfen werden, grundsätzlich zu unterscheiden; siehe z.B.
    http://en.wikipedia.org/…e_denial#Private_sector

    Es ist absolut legitim, allfällige Schlampereien beim IPCC angemessen zu kritisieren. Aber als wirklich schlimm sollten rechtschaffene Journalisten doch die manipulativen Machenschaften der Profitmaximierer erkennen:

    That’s why they put such emphasis on attempting to portray the science of climate change as inconclusive or hotly debated (despite the fact that their own scientists told them in 1995 that the science on climate „is well established and cannot be denied“). If they could make people feel uncertain, they could make it safe for politicians to actively oppose new regulations and treaties (a strategy laid out in the famous leaked „Luntz Memo“). Lying about the science made people uncertain; that uncertainty let the Carbon Lobby stall U.S. action; and by stopping the world’s biggest polluter from participating, they stymied any real global deal on greenhouse gasses.

    (Zitiert nach http://www.worldchanging.com/archives/009784.html)

  13. Klimageschichte und CO2

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    Sie schreiben

    „Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei – was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet. Stefan Rahmstorf]“

    Dieser Zusammenhang wird, wie Sie wissen sollten, kontrovers diskutiert.

    Shaviv & Veizer sehen zwischen dem Klima der letzten 500 Mio. Jahre und dem CO2-Gehalt der Atmosphäre, der früher 5-15 mal höher lag als der heutige, keinen grundlegenden Zusammenhang.

    http://www.geosociety.org/…1052-5173-14-3-e4.pdf

    Das Neoproterozoikum (vor etwa 1.000 bis 542 Millionen Jahren) gilt als eine der ausgeprägtesten Eiszeit-Ären der Erdgeschichte. Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass sich zeitweise ein zusammenhängender Eisschild rund um den Erdball („Schneeball Erde“) gebildet hat. Der CO2-Gehalt lag, während der Vereisungen, ca. 30 mal höher als der heutige. Auch hier gibt es eine kontroverse Diskussion.

    Ein frühgeschichtlicher Zusammenhang zwischen CO2 und Temperatur konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

    Auch der Vostok-Eiskern zeigt über die letzten Jahrhunderttausende, dass das CO2 der Temperatur gefolgt ist und nicht umgekehrt.

    [Antwort: Nun ja. Shaviv und Veizer kommentiere ich mal lieber nicht – vielleicht schauen Sie zur Glaubwürdigkeit z.B. mal hier. Zu den Snowball Earth Episoden: hoch interessant, aber Sie vergessen die zeitliche Abfolge: die CO2-Konzentration stieg während und wegen der fast kompletten Vereisung extrem stark an, weil die CO2-Quelle noch da war, die Senke (Verwitterung) aber weg (da Landmassen eisbedeckt). Aus einer derart vereisten Situation kann die Erde fast nicht wieder herauskommen, weil fast alles Sonnenlicht reflektiert wird. Es war der extreme CO2-Anstieg, der am Ende doch das Eis zum schmelzen brachte – das ist zumindest die gängige Erklärung in der Fachliteratur. Dazu passt auch, dass nach diesen Vereisungen das Klima extrem warm war – man geht sogar von Temperaturen um die 40 ºC im Mittel aus – weil das Eis zwar dann schnell weg war, es aber Millionen von Jahren dauert, bis die hohen CO2-Werte wieder abgebaut sind. Also eine weitere Bestätigung der Klimawirkung von CO2. Ihr letzter Punkt zum Vostok Eiskern ist so ein alter Klimaskeptiker-Ladenhüter, dass ich ihn hier wohl nicht zum x-ten Male beantworten muss. Stefan Rahmstorf]

  14. Lieber Herr Rahmstorf,
    Glückwunsch zu diesem kleinen Erfolg! Dass Irene Meichsner jetzt hier nicht einmal mit Namen genannt werden will, das spricht ja sehr für die „Qualität“ ihrer Arbeit. Dennoch finde ich es sehr erfreulich, dass die FR ihre Fehler einsieht und gar eine umfangreiche Abhandlung dazu veröffentlich (gibt es die eigentlich auch online?)

    Eine Frage habe ich noch an Sie:
    Soweit ich weiss gibt es noch Diskussionen zur Frage, warum die CO2 Konzentration zu Beginn einer Eiszeit sank. Wie Sie in Ihrem Buch schreiben, nimmt man an, dass das CO2 vom Ozean aufgenommen wird.
    Huybers & Langmuir http://www.people.fas.harvard.edu/…/volc_ice.pdf stellen die These auf, dass auch Vulkane ein beduetender Rückkopplungsfaktor für die Kohlendioxid Konzentration sein könnten.
    Ich habe hier ein paar Worte dazu geschrieben: http://klimakrise.de/…das-klima-den-vulkanismus/
    Meinen Sie, dass diese Theorie möglich ist? Angenommen, der Effekt ist tatsächlich so gross wie von Huybers & Langmuir berechnet, dann frage ich mich, wie das etwa mit Frank et al. 2009 („Ensemble reconstruction constraints on the global carbon cycle sensitivity to climate“) zusammenpasst, die gefunden haben, dass der „carbon-cycle Feedback“ kaum zeitabhängig ist. Nach Tuffen 2010 („How will melting of ice affect volcanic hazards in the twenty-first century?“) tritt dieser Vulkan-Feedback jedoch erst nach einigen Jahrhunderten, wenn nicht länger, in Kraft.

    Grüsse
    Martin

  15. Shaviv & Veizer

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    danke für Ihre ausführliche Antwort.

    Sie schreiben

    „Nun ja. Shaviv und Veizer kommentiere ich mal lieber nicht“

    Das bedaure ich sehr. Als Wissenschaftler sollte man gegenüber kritischen Kollegen aufgeschlossen sein. Das das Verhältnis zwischen ihnen gespannt ist, ist mir durchaus bekannt. Aus einer persönlichen Abneigung sollte aber keine grundsätzliche Ablehnung der Forschungsergebnisse wachsen.

    Shaviv & Veizer haben ihre Ergebnisse ordentlich veröffentlicht und verteidigt.

    Wie gesagt

    Ein frühgeschichtlicher Zusammenhang zwischen CO2 und Temperatur konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es gibt diverse Theorien und Modellrechnungen, aber kein eindeutiges Ergebnis. Das sollte man auch so sagen und nicht eine Theorie bevorzugen.

    [Antwort: Als Wissenschaftler bin ich gegenüber jedem sachlichen Argument aufgeschlossen – ich kenne die beiden Herren persönlich gar nicht, sondern habe mich nur auf die Qualität ihrer Sachargumente bezogen. Folgen Sie dem Link, den ich angeben hatte, lesen Sie vor allem den 2. Teil dort, und Sie werden verstehen, was ich meine. Stefan Rahmstorf]

  16. Herrn Prof. Dr. Rahmstorf – 40 Millionen

    @ 27.04.2010

    „Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei – was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet.“

    Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde nicht aufgrund der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei, sondern weil keine Landmasse über den Polen, den beiden kältesten Regionen der Erde lag. Wenn Sie unbedingt mit einem hohen Meeresspiegel alarmieren wollen, dann vergleichen Sie doch lieber den des Würm-Glazials mit dem vor 40 Millionen Jahren. Letzterer lag dann sogar etwa 200 Meter höher als heute. Das hört sich doch viel erschreckender an als nur die von Ihnen genannten 70 Meter.
    Wie schon fast üblich führen Sie hier in Bezug auf die gegenwärtige Erwärmung ein extrem warmes Klimazeitalter der Erdgeschichte an. Mit Beginn der antarktischen Vereisung vor rd. 35 Millionen sank die globale Temperatur. Danach, vor rd. 3 Millionen Jahren kühlte sich durch die bipolare Vereisung logischerweise das globale Klima nochmals um wenige Temperaturgrade ab. Alle drei Hauptklimate entstanden aufgrund der Plattentektonik und nicht aufgrund von Änderungen der CO2-Konzentration. Innerhalb der letzten beiden Hauptklimate – auch während der monopolaren Vereisung (nur Antarktis) – wechselten sich außerdem Glaziale bzw. Eiszeiten mit Interglazialen bzw. Warmzeiten ab.

    @ 29.04.2010
    „Auf Zeitskalen von vielen Millionen Jahren führt der Kohlenstoffaustausch mit der Erdkruste zu Veränderungen der atmosphärischen CO2-Konzentration. Die Quelle ist Vulkanismus, die Senke der Verwitterung von Gestein. Die Raten von beiden sind variabel aufgrund der Plattentektonik, so kommt es zu diesem Typus von natürlichen Veränderungen der CO2-Menge in der Luft.“
    Aha, bei natürlichen Klimaveränderungen hängt die Höhe der CO2-Konzentration von der Drift der Kontinente ab.

    @ 1.05.2010
    „Zu den Snowball Earth Episoden: hoch interessant, aber Sie vergessen die zeitliche Abfolge: die CO2-Konzentration stieg während und wegen der fast kompletten Vereisung extrem stark an, weil die CO2-Quelle noch da war, die Senke (Verwitterung) aber weg (da Landmassen eisbedeckt). Aus einer derart vereisten Situation kann die Erde fast nicht wieder herauskommen, weil fast alles Sonnenlicht reflektiert wird. Es war der extreme CO2-Anstieg, der am Ende doch das Eis zum Schmelzen brachte – das ist zumindest die gängige Erklärung in der Fachliteratur. Dazu passt auch, dass nach diesen Vereisungen das Klima extrem warm war – man geht sogar von Temperaturen um die 40 °C im Mittel aus – weil das Eis zwar dann schnell weg war, es aber Millionen von Jahren dauert, bis die hohen CO2-Werte wieder abgebaut sind. Also eine weitere Bestätigung der Klimawirkung von CO2. Ihr letzter Punkt zum Vostok Eiskern ist so ein alter Klimaskeptiker-Ladenhüter, dass ich ihn hier wohl nicht zum x-ten Male beantworten muss.“

    Eine fantastische Story, das muss man Ihnen lassen. Sie müssten doch eigentlich wissen, dass die „Schneeball-Erde“ eine Hypothese ist, die Sie hier jedoch als eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache darstellen. Klimagate muss Ihnen mächtig zu schaffen machen, wenn Sie zur Bestätigung der Klimawirkung von CO2 diese Hypothese heranziehen müssen.
    Und was den alten Klimaskeptiker-Ladenhüter betrifft, so findet man dazu von einem Ihrer Kollegen im PIK Sept. 2009 folgende Antwort:
    In der Fachzeitschrift „Quaternary Science Reviews“ erklären Forscher, warum die Temperatur bei mehreren Übergängen von Eiszeiten zu wärmeren Zwischeneiszeiten vor der Kohlendioxid-Konzentration angestiegen ist.
    „Daten aus antarktischen Eisbohrkernen zeigen, dass während der Erwärmung am Ende von Eiszeiten die antarktische Temperatur einige hundert bis tausend Jahre vor der CO2-Konzentration zu steigen begann“, sagt der leitende Autor der Studie, Andrey Ganopolski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.“

    Mit freundlichen Grüßen
    C.Ernesto

    [Antwort: Genau – meine Kollegen erklären dort, wie dieser time lag entsteht und weshalb er nicht gegen die Klimawirkung des CO2 spricht. Unsere PM dazu ist hier. Stefan Rahmstorf]

  17. Schavia & Veizer

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    ich danke wiederum für Ihre Antwort.

    Sie schreiben zu Shaviv & Veizer

    „ich kenne die beiden Herren persönlich gar nicht“

    Das finde ich sehr bedauerlich. Dann stellt sich mir wiederum die Frage, warum Sie „Widerrufe“ auf die Veröffentlichungen von Shaviv & Veizer schreiben.

    http://www.pik-potsdam.de/…rf_etal_eos_2004.html

    Sollte vorher nicht ein persönlicher, durchaus auch kontroverser, Austausch der Ergebnisse stattfinden? Ich denke davon würden beide Seiten profitieren.

    Die Kontroverse über Fachzeitschriften und/ oder Blogs bzw. die Presse auszutragen, halte ich für einen ungeeigneten Weg. Früher hat man den wissenschaftlichen „Disput“ bei Kongressen, oder in Briefwechseln ausgetragen. Womit wir wieder beim Thema des Artikels – Presse und Klimawissenschaften – wären.

    Ich denke das Thema wird in der Presse so aufgebauscht, gerade weil die Klimawissenschaftler die Presse suchen. Das die Positivpresse in Negativpresse umschlagen kann ist nicht weiter verwunderlich, hauptsache die Auflage stimmt.

    Weiter möchte ich noch auf die 1. Kritik von Herrn Ernesto, bzgl. Ihrer Aussage, eingehen:

    „Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei – was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet. Stefan Rahmstorf]“

    Der antarktische Kontinent lag zu dieser Zeit noch nicht über dem geographischen Südpol. Schon alleine aus diesem Grund konnten sich dort kein so großer Festlandeisschild wie heute bilden, welcher zu einer deutlichen Absenkung des Meeresspiegels geführt hätte.

    [Antwort: Lieber Herr Krüger, es gehört zu den guten Gepflogenheiten der Wissenschaft, die Arbeitsergebnisse und Thesen in der Fachliteratur zu publizieren, und dann gegebenenfalls auch in der Fachliteratur zu beantworten. Kongresse können das nicht ersetzen. Zur „polar position hypothesis“, die Sie und Herr Ernesto erwähnen: tatsächlich begünstigt es eine Vereisung, wenn ein Kontinent auf einem der Pole sitzt. Allerdings ist die Antarktis schon seit 125 Millionen Jahren direkt über dem Südpol, Eis bildete sich aber erst vor 40 Millionen Jahren, als die CO2-Konzentration genug gesunken war. Näheres zur „polar position hypothesis“ finden Sie z.B. im Paläoklima-Lehrbuch von Bill Ruddiman („Earth’s Climate, Past and Future“) S. 64ff. (das ich auch in meiner Paläoklima-Vorlesung als Lehrbuch verwende). Stefan Rahmstorf]

  18. Antarktis vor 125 Mio. Jahren

    Sehr geehrter Prof. Rahmtorf,

    ich danke erneut für Ihre Antwort.

    Ein Dialog mit CO2-kritischen Wissenschaftlern wird also vermutlich nicht stattfinden und die Kontroverse wird weiter über die Öffentlichkeit, bzw. Fachjournale ausgetragen. Das finde ich sehr bedauerlich. Auf der AGU sollte doch ein interner Austausch problemlos möglich sein? Warum sprechen Sie nicht einmal persönlich mit Shaviv und Veizer?

    Was mir aufgefallen ist, Sie schreiben Leserbriefe an Redaktionen, wenn negativ über die Klimaforschung berichtet wird. Im umgekehrten Fall, wenn z.B. die Folgen des Klimawandels übertrieben/ dramatisiert werden, habe ich das von Ihnen noch nicht erlebt. Ist das so, oder täuscht mein Eindruck?

    Ihrer letzten Antwort entnehme ich

    „Allerdings ist die Antarktis schon seit 125 Millionen Jahren direkt über dem Südpol“

    Dann täuscht offenbar mein Eindruck

    http://creationwiki.org/…7/Continental_drift.jpg

    [Antwort: Lieber Herr Krüger
    – natürlich findet auf Konferenzen immer ein kritischer Dialog über alle vorgestellten Arbeiten statt; wir stellen deshalb auch unsere Arbeiten in der Regel vor dem Einreichen einer Publikation auf Konferenzen vor. Ob Shaviv und Veizer das auch getan haben weiß ich nicht, ich habe das nicht erlebt, aber ich kann ja auch nicht auf allen Konferenzen sein. Was aber einmal in der Fachliteratur ist, sollte auch in der Fachliteratur weiter diskutiert werden – Kommentare zu publizierten Papers sind ein völlig normaler Teil des wissenschaftlichen Diskurses, und ich sehe nicht, warum Sie da ein Problem mit haben.
    – Natürlich habe ich mich auch oft öffentlich gegen Übertreibungen und Dramatisierungen der Medien gewandt; um mehrere Beispiele zu finden, müssen Sie sich nur einmal meine home page ansehen. Bevor Sie öffentlich Vorwürfe erheben, wäre das zuviel verlangt?
    – Bin nicht sicher, was Sie in der Grafik sehen? Ich sehe da schon vor 150 millionen Jahren den Antarktischen Kontinent am Südpol. Zitat aus dem Ruddiman-Lehrbuch: „After 180 Myr ago Pangaea began to break up. Its southernmost part […] moved back over the South Pole by 125 Myr ago, yet no ice sheet developed. Antarctica remained directly over the pole but largely ice-free from 125 Myr ago until near 35 Myr ago, when ice reappeared.“ Wir hatten also für 90 millionen Jahre einen Kontinent am Südpol, ohne dass sich dort Eis bildete. Die einzig überzeugende Erklärung dazu ist die zu der Zeit wesentlich höhere CO2-Konzentration. Stefan Rahmstorf]

  19. Nachtrag zum Paläoklima

    Bzgl. des Paläoklimas möchte ich noch auf diese Arbeit verweisen

    Paleoclimate of the Kimmeridgian/Tithonian (Late Jurassic) world: II. Sensitivity tests comparing three different paleotopographic settings

    http://deepblue.lib.umich.edu/…865/1/0000213.pdf

    Temperaturen um die -30°C waren, den Simulationen nach, im Nord- und Südwinter, im Bereich der Polarregionen, durchaus möglich. Und das vor 154,7-145,6 Mio. Jahren und bei 1120 ppm CO2. (Ca. das 3-fache des heutigen CO2-Gehaltes der Atmosphäre).

    http://i307.photobucket.com/…e-Late-Jurassic.gif

    Der antarktische Kontinent liegt bei weitem noch nicht „zentral“ über den geographischen Südpol.

    [Antwort: Schön, dass Sie einem Klimamodell aus dem Jahr 1992 unbesehen trauen, die richtigen regionalen und saisonalen Temperaturen für ein Klima vor 150 Millionen Jahren zu berechnen. Gewiss haben Sie dann auch keine Zweifel an den modernen Klimaprojektionen mit erheblich leistungsfähigeren Modellen für die nächsten hundert Jahre. Stefan Rahmstorf]

  20. Kimamodelle

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    falls es so rüber gekommen sein sollte, ich möchte Sie keinesfalls belehren. Ich möchte nur auf die verschiedenen Standpunkte, Thesen und Forschungsergebnisse hinweisen. Man sollte alle ausgewogen diskutieren, auch in der Fachpresse. Ein persönlicher Dialog zwischen den „Fronten“ wäre aber sicher hilfreich und würde Vorurteile und Antipathien abbauen, bzw. gar nicht erst aufkommen lassen. Dann hätte die Yellow-Presse auch weniger zu berichten.

    Sie schreiben

    „[Antwort: Schön, dass Sie einem Klimamodell aus dem Jahr 1992 unbesehen trauen, die richtigen regionalen und saisonalen Temperaturen für ein Klima vor 150 Millionen Jahren zu berechnen. Gewiss haben Sie dann auch keine Zweifel an den modernen Klimaprojektionen mit erheblich leistungsfähigeren Modellen für die nächsten hundert Jahre. Stefan Rahmstorf]“

    Ehrlich gesagt halte ich wenig von diesen Modellrechnungen, als Geo-Wissenschaftler, der im experimentellen Bereich arbeitet.

    Modellrechnungen sind gut, werden aber oft von der Realität eingeholt. Welchen Modell man am ehesten vertraut ist Ermessenssache. Politische Entscheidungen aufgrund von Modellrechnungen zu treffen, bei den derzeitigen Schwächen der Klimamodelle, halte ich für fatal.

    [Antwort: Aus meiner Sicht sollten politische Entscheidungen auf dem besten verfügbaren Kenntnisstand der Wissenschaft beruhen. Dazu gehören auch die Ergebnisse von Modellrechnungen (was in anderen Feldern, wie der Ökonomie mit ihren wesentlich unsichereren, nicht auf Naturgesetzen beruhenden Modellen übrigens selbstverständlich ist), und dazu gehört natürlich auch eine kritische Analyse dessen, was belastbare Erkenntnisse aus Modellrechnungen sind und was nicht, und wie groß die Unsicherheitsspannen sind. Es ist der normale Alltag der Politik, Entscheidungen auf Basis einer mehr oder weniger unsicheren Informationsbasis zu fällen – über die Auswirkungen der politischen Entscheidungen in der Zukunft hat man praktisch nie völlig sichere Information, und selten so gut fundierte, wie es sie über die Klimaentwicklung gibt. Informationen einfach zu ignorieren, weil sie aus Modellen stammen, wäre unverantwortlich. Stefan Rahmstorf]

  21. 40 Millionen

    @3.05.2010

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,

    „Genau – meine Kollegen erklären dort, wie dieser time lag entsteht und weshalb er nicht gegen die Klimawirkung des CO2 spricht.“
    Genau ist da gar nichts! Da Sie jedoch die etwas wirre Arbeit Ihrer Kollegen hier verlinkt haben, muss ich doch näher darauf eingehen.

    „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass die zeitliche Abfolge von Temperatur- und CO2-Änderungen in der Antarktis keinen Grund liefert, die entscheidende Rolle von CO2 in Frage zu stellen“, sagt Ganopolski.. Anhand eines Klimamodells konnten Ganopolski und Didier Roche vom französischen Laboratoire des Sciences du Climat et de l’Environnement bestätigen, dass die CO2-Konzentration während der Eiszeitzyklen der wichtigste Faktor für Temperaturänderungen in der Antarktis ist.“

    Der Titel lautet „Zusammenhang zwischen früheren Anstiegen der Kohlendioxid-Konzentration und der Temperatur in der Antarktis aufgeklärt“. Anhand des Klimamodells wurden Eiszeitzyklen untersucht, die über den Wechsel von Eis-zu Warmzeiten und deren zeitliche Abfolge völlig irrelevant sind.
    „Änderungen der Umlaufbahn der Erde um die Sonne haben das Klima während der glazial-interglazialen Übergänge ebenfalls beeinflusst. Man geht davon aus, dass diese regelmäßig wiederkehrenden Veränderungen, die so genannten Milankovitch-Zyklen, für Einleitung und Ende der Eiszeiten verantwortlich sind

    Genau – die sich ändernde Sonnenstrahlungsintensität, ausgelöst durch die sich in 100.000 jährigen Zyklen ständig ändernde Umlaufbahn der Erde um die Sonne, hat das Klima während der glazialen-interglazialen Übergänge beeinflusst – wenn es denn so wäre. Ihre Kollegen gehen jedenfalls davon aus, dass die Sonne für die Einleitung und das Ende von Eiszeiten verantwortlich ist.

    „Die Studie zeigt, dass sich die Veränderungen der Erdumlaufbahn direkt auf das antarktische Klima auswirken und zu dem beobachteten Phänomen des früheren Temperaturanstieges beitragen. Zum Ende der Eiszeiten, ausgelöst durch die Milankovitch-Zyklen, schmolzen die riesigen Eisschilde rasant ab, die Nordamerika und Eurasien bedeckten. Das hatte einen starken Zufluss von Süßwasser in die Ozeane zur Folge, der ausreichte um den Kreislauf von Meeresströmungen im Atlantik, die so genannte Atlantische meridionale Umwälzzirkulation, für mehrere Jahrtausende zu unterbrechen. Die Unterbrechung dieses Strömungskreislaufs verringerte drastisch den Wärmefluss von der Süd- zur Nordhalbkugel. Dies verzögerte die Erwärmung der nördlichen Hemisphäre und führte zu einer plötzlicher einsetzenden und stärkeren Erwärmung der südlichen Hemisphäre. Dies ist die Hauptursache der Temperaturanstiege noch vor den Zunahmen des CO2-Gehalts der Atmosphäre.“

    Man lernst doch immer wieder dazu. Die antarktische Erwärmung hinkt der arktischen um mehrere Jahrtausende hinterher, doch für Ihre Kollegen bedeutet dies direkt. Sie, als renommiertester Klimaexperte Deutschlands müssen bemerkt haben, dass hier zwar ein time lag erklärt wird, aber nicht der zwischen Temperatur- und CO2 -Anstieg. Der time lag von mehreren Jahrtausenden nach Abschmelzen der Eisschilde – man vermutet bis etwa 5.000 Jahre vor heute – ist an keiner einzigen Temperaturkurve der vergangenen 11.000 Jahre erkennbar. Im Übrigen handelt es sich bei dieser Erklärung um eine Hypothese, mehr nicht.

    „Die Temperaturanstiege in der südlichen Hemisphäre sind Reaktionen auf CO2, den Wärmefluss im Meer und Veränderungen der Erdumlaufbahn“, sagt Ganopolski. Jeder dieser Antriebe für klimatische Änderungen unterliegt jedoch zeitlich sehr unterschiedlichen Dynamiken. Daher sei es nicht verwunderlich, dass ihr kombinierter Effekt zu einem Temperaturanstieg noch vor dem Anstieg der CO2-Konzentration führen kann.“

    Was von dem Klimamodell zu halten ist, zeigen die Eisbohrkernanalysen, die von Ihren Kollegen indirekt als falsch dargestellt werden. Die zeitliche Abfolge darin zeigt eben nicht, dass die Temperaturen dem CO2 folgen sondern umgekehrt und genau so verhält es sich mit den Temperaturen der Ozeane. Diese folgen den Temperaturen, die immer von der Sonne, dem einzigen Antrieb für das Erdklima bestimmt werden. Bekanntlich wurde das gegenwärtige Interglazial durch einen Temperatursprung nach oben von über 10 °C innerhalb von 10 bis 20 Jahren eingeleitet. Dass dafür nicht die langsam voranschreitende Änderung der Sonnenstrahlungsintensität verantwortlich sein kann versteht sich aufgrund der Höhe des Anstiegs in diesem enormen Tempo von selbst.
    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ernesto

  22. Klimamodell

    @ 6.05.2010

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,

    Es gilt allgemein als gesichert, dass die letzten drei Interglaziale nur etwa 10.000 bis 15.000 Jahre andauerten. Warmzeiten hinterlassen aber nur klare Eisschichten ohne Jahresringe und Luftblasen. Daran können weder Jahre gezählt noch Temperatur und CO2 -Konzentration festgestellt werden. Die Menge des Schmelzwassers, die den Ozeanen zugeführt wurde, bleibt ebenso unbekannt, denn die jeweilige Höhe des Meeresspiegels am Ende der Warmzeiten sagt nichts über deren Dauer aus. An Sedimentbohrkernen kann man zwar die Länge der Warmzeiten ablesen, doch diese Daten lassen sich nicht mit den klaren Eisschichten in den Eisbohrkernen abgleichen.
    Wie man an der gegenwärtigen, rd. 11.000 Jahre dauernden Warmzeit sehen kann, wird sie von kühleren Phasen wie Rotmoos-Kaltzeit, Holozänes Hauptminimum sowie Kleine Eiszeit unterbrochen, in denen die Gletscher an Masse wieder zulegten. Danach kehrten die Temperaturen jedes Mal auf ein normales warmes Interglazialniveau zurück. Aus welchen Gründen auch immer, möglicherweise jedoch weil weder das grönländische Inlandeis noch das Eis der Antarktis an Masse verlieren wird spekuliert, dass die gegenwärtige Warmzeit noch weitere Jahrzehntausende andauern könnte, etwa wie jene vor 400.000 Jahren, die 35.000 Jahre lang herrschte. Das könnte sein oder auch nicht sein. Theoretisch könnte es schon morgen sein, aber genau so gut erst in 50.000 oder 100.000 Jahren. Eines steht fest, die derzeitige Chronologie der vergangenen 700.000 bis 800.000 Jahre ist definitiv falsch.

    Alle Paläo-Temperaturkurven zeigen von Warmzeiten lediglich Temperaturhöhe und CO2-Konzentration aus den letzten Jahresringen einer voran gegangenen Eiszeit und vom Beginn einer neuen. „Der heutige CO2-Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren“, heißt es lapidar in der Kurzfassung des AR4.

    Was von Klimamodellen zu halten ist, die ohne Daten über den Verlauf von vorangegangenen Warmzeiten und die wahre Ursache ihres Beginns zustande gekommen sind oder Ergebnisse erzielen wie das, die Temperaturanstiege in der südlichen Hemisphäre zu Beginn einer Warmzeit sind Reaktionen auf CO2, muss wohl nicht diskutiert werden.

    In Ihrem Beitrag für die Münchener Rück verwenden Sie, die letzte Eiszeit betreffend, den Begriff „normales kaltes Eiszeitniveau“. Aus meiner Sicht völlig logisch und zu Recht, denn die Temperaturen sinken – unterbrochen von wärmeren Phasen – kontinuierlich nach unten. Die Durchschnittstemperaturen ergeben eine schräg nach unten verlaufende Linie vom Beginn bis zum Ende der Eiszeit.
    Wie kommen das IPCC und Sie zu dem Schluss, dass in der gegenwärtigen Warmzeit die kühlen Phasen bzw. Temperaturen dem „normalen warmen Interglazialniveau“ entsprechen und nicht die warmen Phasen bzw. etwas höheren Temperaturen?

    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ernesto

  23. @ Ernesto, Rahmstorf

    hmm, die Ausführungen von C. Ernesto kann man freilich nicht so einfach in einem Forum in angemessener Kürze beantworten.
    Eines wäre aber schon sehr interessant und zwar, was wissen wir (bzw. sie) wirklich über die sg. Warmzeiten? Wie genau kann man Temperaturen abschätzen und insbesondere die CO2 Konzetration in der Atmosphäre?

  24. Ursache der eiszeitl. CO2-Schwankungen

    Da es hier bei den Kommentaren rege über die CO2- und Temperatur-Daten aus den antarktischen Eisbohrkernen diskutiert wurde, stelle dazu mal eine weitere Frage:

    Kennt man inzwischen die Ursache des eiszeitlichen Schwankens der atmosphärischen CO2-Werte?

    In Rahmstorf/Schellnhuber, Der Klimawandel, steht dazu folgendes:
    «Fällt die Temperatur, so fällt der CO2-Gehalt der Luft, dies verstärkt und globalisiert wiederum die Abkühlung. Im Gegensatz zum zweiten Teil dieser Rückkopplung (also der Wirkung des CO2 auf die Temperatur) ist der erste Teil derzeit in der Forschung noch nicht ganz verstanden: Wieso sinkt der CO2-Gehalt, wenn die Temperatur fällt? Offenbar verschwindet das CO2 im Ozean, aber welche Mechanismen daran welchen Anteil haben, ist noch unklar.»

    Mich würde also interessieren, ob man den ersten Teil der Rückkopplun inzwischen versteht.

    In dem oben verlinkten Artikel (http://www.pik-potsdam.de/…en/co2-und-temperatur) habe ich dazu nichts gefunden. Dort wird zwar das «Hinterherhinken» der CO2-Kurve erklärt, jedoch nicht, wie es überhaupt zu CO2-Schwankungen kommt.

    Anlässlich eines öffentlichen Vortrags habe ich Herrn Latif mal dazu befragt, und der erklärte es mit der temperaturabhängigen Löslichkeit von CO2 im Ozean. Das ist aber schon ein paar Jahre her.

    [Antwort: Lieber Herr Fleischhauer, diese Frage ist noch nicht abschließend gelöst, aber eine mögliche Auflösung wird hier diskutiert. Stefan Rahmstorf]

  25. CO2 / Warmzeiten?

    die Frage und der Einwand CO2 Eisborkerne Warmzeiten (siehe Ernesto Beitrag) bleiben völlig unberücksichtigt.
    Ist das Absicht, od. sollen wir uns mit den gängigen Darstellungen abfinden.

    Eine schwerwiegende Behauptung zu Warmzeiten und CO2 Analysen einfach so stehen lassen?

    [Antwort: Als Diskussionmoderatoren haben wir leider nicht die Zeit, auf alle Leserkommentare einzugehen. In dem Falle war schon die Prämisse am Anfang falsch (dass Warmzeiten keine Luftblasen im Eis hinterlassen) und so ging es dann auch weiter. Dies ist ja ein Leserforum – wer will, kann gerne auf den Kommentar eingehen. Stefan Rahmstorf]

  26. Leserkommentare

    Ich finde es ausgezeichnet, dass hier von den Lesern kommentiert werden kann und ebenso weiss ich zu schätzen, dass das Gröbste erst gar nicht zu sehen ist.

    Allerdings lese ich dann „Eines steht fest, die derzeitige Chronologie der vergangenen 700.000 bis 800.000 Jahre ist definitiv falsch.“

    Da rutscht mir ein gelangweiltes „Ja, Mei“ heraus und ich klicke lieber hier: http://en.wikipedia.org/…e_in_Earth’s_atmosphere und erfahre einiges, ein paar Klicks weiter lande ich hier: http://scienceblogs.com/…05/innsbruck_stubai.php

  27. CO2 – Warmzeiten

    @ 15.05.2010

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    „Als Diskussionsmoderatoren haben wir leider nicht die Zeit auf alle Lesekommentare einzugehen. In dem Falle war schon die Prämisse am Anfang falsch, dass Warmzeiten keine Luftblasen im Eis hinterlassen und so ging es dann auch weiter.“

    Am 21.03.2010 („Heißer Winter“) antworteten Sie Herrn Aniger:

    „Die Antarktis hat nur wenig beigetragen, weil ja auch heute fast der ganze antarktische Kontinent mit Eis bedeckt ist – viel mehr kann es auch während einer Eiszeit nicht gewesen sein. Schmelzschichten im Eis erkennt man als klare Schichten frei von Luftbläschen.“

    Meine Frage am 11.05.2010 lautete:

    „Wie kommen das IPCC und Sie zu dem Schluss, dass in der gegenwärtigen Warmzeit die kühlen Phasen bzw. Temperaturen dem „normalen warmen Interglazialniveau“ entsprechen und nicht die warmen Phasen bzw. etwas höheren Temperaturen?“

    Vielleicht könnten Sie mir diese Frage doch noch in einem kurzen Satz beantworten.

    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ernesto

    [Antwort: In der Antarktis gibt es auch in Warmzeiten keine Schmelzschichten. Interglaziale sind nicht identisch untereinander und die Temperatur während eines Interglazials ist auch nicht vollkommen konstant (schon gar nicht regional). Ich weiß nicht, wo Sie die genannte Schlussfolgerung gelesen haben und was damit genau gemeint ist. Quelle? Stefan Rahmstorf]

  28. CO2 – Warmzeiten

    @ 21.05.2010

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    „In der Antarktis gibt es auch in Warmzeiten keine Schmelzschichten. Interglaziale sind nicht identisch untereinander und die Temperatur während eines Interglaziales ist auch nicht vollkommen konstant (schon gar nicht regional). Ich weiß nicht, wo Sie die genannte Schlussfolgerung gelesen haben und was damit genau gemeint ist. Quelle?“

    Bleiben Sie doch bitte beim Thema „Luftbläschen in klaren Eisschichten“ von Eisbohrkernen. Die

    Frage von Herrn Aniger am 21.03.2010 („Heißer Winter“) lautete:

    „Wie lassen sich geschmolzene Jahresringe an Eisbohrkernen ablesen?“
    Ihre Antwort::

    „Schmelzschichten im Eis erkennt man als klare Schichten frei von Luftbläschen.“

    @ 15.05.2010 (Gunnar Innerhofer) „Im dem Fall war die Prämisse am Anfang falsch (dass Warmzeiten keine Luftblasen im Eis hinterlassen) und so ging es weiter.“

    Danke, Herr Rahmstorf, einen größeren Gefallen hätten Sie mir mit dieser Antwort nicht erweisen können.

    Mein Kommentar vom 11.05.2010 auf @ 6.03.2010 bezieht ganz allgemein auf klare Eisschichten von Warmzeiten in Eisbohrkernen, egal ob aus der Antarktis oder Grönland. Wenn Sie meinen, in der Antarktis wären keine Schmelzschichten aus Warmzeiten vorhanden, dann stellt sich mir die Frage:

    Woran erkennt man denn in antarktischen Eisbohrkernen die Warmzeiten? Vielleicht doch so wie ich behaupte, an den Jahresringen am Anfang und Ende der Eiszeiten?

    Sie sind der Experte und könnten mit einer Antwort Klarheit schaffen. Dass Interglaziale untereinander identisch seien, habe ich nicht behauptet. Und dass die Temperaturen innerhalb von Warmzeiten vollkommen konstant seien, ebenso wenig. Ganz im Gegenteil!

    Hier nochmals die Quelle, die ich am 11.05.2010 bereits genannt habe:

    Münchener Rück „Abrupte Klimawechsel“.
    „Die Temperaturen in Grönland hatten sich wiederholt innerhalb weniger Jahre um 8–10 Grad erhöht und waren dann erst nach Jahrhunderten zum „normalen kalten Eiszeitniveau“ zurückgekehrt.
    Münchener Rück „Abrupte Klimawechsel“, Seite 71.“

    Und nun zum dritten Mal meine einfache Frage an Sie:

    Wie kommen das IPCC und Sie zu dem Schluss, dass in der gegenwärtigen Warmzeit die kühlen Phasen bzw. Temperaturen dem „normalen warmen Interglazialniveau“ entsprechen und nicht die warmen Phasen bzw. etwas höheren Temperaturen?

    Wenn es, wie Sie schreiben, ein „normales kaltes Eiszeitniveau“ gibt, dann logischerweise ebenso ein „normales warmes Interglazialniveau“. Der AGW-Hype zufolge muss die Temperatur jedoch fast konstant auf dem kühleren, vorindustriellem Niveau bleiben, dass eben für Sie und das IPCC das „normale warme Interglazialniveau“ ist, denn andernfalls wäre die gegenwärtige Erwärmung nur eine Rückkehr zu zum „normalen warmen Interglazialniveau“ und beileibe keine Katastrophe. Ich hoffe sehr, dass Sie nun endlich meiner Schlussfolgerung folgen können.
    Nebenbei bemerkt, wären Daten aus Eisbohrkernen von vorherigen Interglazialen vorhanden, würden auch Sie erkennen, dass die Durchschnitttemperaturen auf Temperaturkurven eine schräg nach oben (Glaziale schräg nach unten) verlaufende Linie von deren Beginn bis zum Ende ergeben.

    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ernesto

    [Antwort: Lieber C. Ernesto, die Temperatur- und CO2-Reihen aus den antarktischen Bohrkernen gehen lückenlos durch Warmzeiten (Interglaziale) und Eiszeiten (Glaziale); dabei wird die Temperatur aus Isotopendaten und die CO2-Konzentration aus den eingeschlossenen Luftbläschen bestimmt. Wäre das Eis zwischenzeitlich oben angeschmolzen, dann wären dabei frühere Schichten zerstört worden und man könnte nicht mehr davon ausgehen, dass die Reihen lückenlos sind. Das würde man aber merken, weil man eben die Schmelzschichten deutlich erkennen kann (sie sind klar, ohne Luftbläschen). Weil es in den betreffenden antarktischen Eiskern solche Schmelzschichten nicht gibt, wissen wir, dass sie lückenlos sind. Das war der Punkt. Ob eine Erwärmung für die Menschen schlimm ist ergibt sich aus den Folgen wie Meeresspiegelanstieg usw.. Ob die Temperaturen in früheren Interglazialen wärmer oder kälter waren ist dabei irrelevant. Im letzten Interglazial, dem Eem, war der Meeresspiegel z.B. 3-4 Meter höher – ich denke das wollen wir jetzt nicht haben, wo wir gerade unsere Städte dort gebaut haben, wo im späten Holozän die Küste verlief. Stefan Rahmstorf]

  29. EEM Warmzeit

    Herr Ernesto, Herr Rahmstorf!

    wärend des EEM Intergl. war die Insolation zwischen 60 und 90°N um ca. 30W/m² höher als heute.
    Siehe Seite 2:
    http://www.mad.zmaw.de/…imulation_des_Klimas.pdf

    Ich weiss nicht, wie man mit 2-4W/m² IR Forcing änliche Zustände erreichen könnte?
    Da fehlt der Faktor 10 und wenn man nennenswerte Eismassen schmelzen will und so einen Meerespiegelanstieg von mehr als 1m in etlichen Dekaden zu simulieren, dann frage ich mich, wie das denn funktionieren könnte?

  30. CO2 – Warmzeiten

    @ 22.05.2010

    Lieber Herr Rahmstorf,

    na also, die klaren Eisschichten in Eisbohrkernen sind doch frei von Luftblasen. An Eisbohrkernen aus dem Inlandeis der Antarktis erkennt man Warmzeiten nicht anhand von Schmelzschichten, sondern anhand von Eisschichten mit Jahresringen. An den darin eingeschlossenen Luftblasen kann der Beginn durch einen Temperaturanstieg von 10 – 12 °C und der CO2-Anstieg in der Atmosphäre rekonstruiert werden. Das Ende sieht man dann an den sinkenden Temperaturen und dem sinkenden CO2-Gehalt.

    Der CO2-Wert in der Atmosphäre war lt. IPCC AR4 in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch wie heute. Das heißt nach der AGW-Hypothese, dass die Temperaturen noch nie so hoch waren wie heute. Ob die Temperaturen in früheren Interglazialen höher oder tiefer lagen ist sogar von entscheidender Relevanz. Wenn diese ohne menschlichen Einfluss mehrmals höher lagen als heute – das beweisen Fossilienfunde exotischer Tiere in mittleren Breiten der Nordhemisphäre –und dies der Öffentlichkeit vor Gründung des IPCC bekannt gewesen wäre, hätte kein Hahn aufgrund von 0,7 °C Erwärmung seit dem Auslaufen der Kleinen Eiszeit nach einem Klimaschutz gekräht. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über vergangene Interglaziale sind viel zu gering um das Klima wirklich zu verstehen.

    Ich denke, Herr Rahmstorf, das Klima bzw. die Sonne stört sich nicht an der Plattentektonik oder Eiszeiten und Warmzeiten auf der Erde oder hohen oder niedrigen CO2-Wert in der Atmosphäre. Es bzw. sie interessiert sich nicht im Mindesten dafür, was Sie oder das IPCC wollen oder ob unsere Städte irgend wann mal absaufen werden. Mit dem steigenden Meeresspiegel hatte nachweislich schon die Industal-Kultur um 2.500 BP – nach dem ersten Fundort auch Harappa-Kultur genannt – im Golf von Cambay Probleme, wo in 40 Meter Tiefe eine badähnliche Konstruktion von 40 x 40 m und eine der Akropolis ähnliche von 97 x 29 m sowie riesige Dämme entdeckt wurden.

    Ihre beharrliche Weigerung mir meine Frage, warum das IPCC und Sie die Schlussfolgerung gezogen haben, dass im gegenwärtigen Holozän die kühleren Phasen wie Rotmoos Kaltzeit, Holozänes Hauptminimum und die Kleine Eiszeit dem „normalen warmen Temperaturniveau einer Warmzeit“ entsprechen und nicht die wärmeren Phasen wie Atlantikum/Holozänes Optimum, Römerzeit Optimum und das mittelalterliche Optimum, zu beantworten spricht Bände. Ich wünsche Ihnen alles Gute, wenn die Wahrheit demnächst ans Licht kommt.

    Mit freundlichen Grüßen
    C. Ernesto

    22.05.2010

  31. Ursache der eiszeitl. CO2-Schwankungen

    Lieber Herr Rahmstorf,

    vielen Dank für den Link zu brovkin_etal_2007_Paleoceanography.pdf.

    Folgendes Verständnisproblem habe ich noch: Wenn Sedimentierung von Kohlenstoff (z.B. über die „biologische Pumpe“) eine Rolle für die atmosphärischen CO2-Schwankungen spielt, wie kommt der Kohlenstoff in den Interglazialen wieder in die Atmosphäre?

    [Antwort: Kluge Frage. Allerdings muss der Kohlenstoff ja nicht wieder aus dem Sediment herauskommen, sondern es muss nur in Warmzeiten weniger im Sediment abgelagert werden. D.h. das Sediment braucht keine Quelle zu sein sondern nur eine kleinere Senke – dann verschiebt sich das Fließgleichgewicht zwischen Quellen und Senken so, dass die atmosphärische Konzentration ansteigt. Stefan Rahmstorf]

  32. Was sind schon 5 Jahre?

    Beim Versuch, die genaueren Umstände dieses Vorgangs zu verstehen habe ich mir die relevanten Stellen in (Arnell 2004 S. 43 (Tab. 11), IPCC AR4 SYR, S. 50 und IPCC AR4 WG2, S. 444) genauer angesehen. Dabei ist mir eine Ungereimtheit aufgefallen. Es ist zwar nur ein kleines Detail, aber dennoch wäre ich über Aufklärung dankbar:
    – In Tabelle 11 (Numbers of people (millions) with an increase in water stress by region) in Arnell (2004) sind als Bezugsjahre 2025 und 2055 angegeben.
    – Das wird in dem WG2 Bericht mit „by the 2020s and 2050s respectively“ wiedergegeben
    – Im Synthesis report steht hingegen „by 2020“
    Mir scheint, da sind durch die Verkürzung mal eben 5 Jahre abhanden gekommen, oder??