Überschwemmungen in Queensland

Australien steckt mitten in einer der schwersten Flutkatastrophen seiner Geschichte. Nach Medienberichten soll eine Fläche von der Größe von Deutschland und Frankreich zusammengenommen von der Flut betroffen sein. Mehrere australische Flüsse – u.a. der Fitzroy – haben historische Rekordstände erreicht. Unmittelbare Ursache sind die ergiebigsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen in Queensland im Jahr 1900. Sowohl für Dezember als auch für die vorangegangenen drei (Frühlings-)Monate wurden neue Regenrekorde in Queensland gesetzt (Abb. 1).


Abb. 1: Niederschlagsanomalien in Queensland in den Frühjahrsmonaten (Sep-Nov) seit 1900. Quelle: Bureau of Meteorology.

In weiten Teilen Australiens gab es neue Niederschlagsrekorde (Abb. 2).


Abb. 2: Niederschläge in Australien in den letzten drei Monaten. Dunkelblau sind Gebiete mit neuen Rekordwerten. Quelle: Bureau of Meteorology.

Im Südwesten Australiens wird es dabei immer trockener (Abb. 3).


Abb. 3: Niederschlagsanomalien im Südwesten Australiens in der Regenzeit seit 1900. Quelle: Bureau of Meteorology.

In der Forschung gut etabliert ist ein starker Zusammenhang der australischen Niederschläge mit den Meerestemperaturen in der Region. Die Meerestemperaturen um Australien sind so warm wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen (Abb. 4). Dies hat bereits zu einem Korallensterben geführt. Auf Basis der hohen Meerestemperaturen und des sich entwickelnden starken La Niña hatten australische Forscher bereits vor Monaten vor sehr starken Regenfällen in der kommenden Regenzeit gewarnt.


Abb. 4: Meerestemperaturen in der Region Australien seit 1900. (Die Dezemberwerte sind noch nicht publiziert.) Quelle: Bureau of Meteorology.

Meerestemperaturen und Niederschläge in dieser Region sind stark von dem zyklischen Wechsel zwischen El Niño und La Niña im tropischen Pazifik beeinflusst, mit einer Periode von 3-7 Jahren. Solche Regenrekorde treten daher naturgemäß in der für Australien nassen Phase dieses Zyklus auf, also La Niña. Ein Blick auf die Grafik zeigt aber auch, dass es falsch wäre, die Ereignisse allein auf La Niña zu schieben. Eine zyklische Veränderung erklärt ja nicht, warum die höchsten Meerestemperaturen und stärksten Regenfälle seit über hundert Jahren auftreten (genauso wenig wie die Tatsache, dass Sommer war, die Rekordhitze in Russland in diesem Juli erklärt). Ohne den Trend in diesen Daten, der zumindest bei den Meerestemperaturen klar auf die globale Erwärmung zurückzuführen ist, hätte es diese Rekorde wahrscheinlich nicht gegeben.

Dennoch ist es für ein Einzelereignis wie dieses sehr schwer, einen Zusammenhang mit der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung eindeutig zu belegen, weil (besonders bei den Niederschlagsdaten) auch eine starke Zufallskomponente mitspielt – ein neuer Rekord kann auch rein zufällig auftreten. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Häufung neuer Rekorde in den letzten zehn Jahren alles nur Zufall sein kann (siehe Das Jahrzehnt der Wetterextreme). Eine Reihe von Datenanalysen hat eine signifikante Zunahme von Extremen aufgezeigt (u.a. Benestad 2004, Meehl et al. 2009). Auch die WMO hat im letzten August festgestellt:

Die Serie der aktuellen Ereignisse entspricht den IPCC-Projektionen von häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen aufgrund der globalen Erwärmung.

Update 7. Januar: Heute hat das australische Bureau of Meteorology ein Statement zu den Überschwemmungen publiziert.

Update 11. Januar: Inzwischen sind auch die Niederschlagswerte für Dezember veröffentlicht (siehe Grafik): auch die sind in Queenland die höchsten seit mindestens 1900, ebenso wie für das ganze östliche Australien (Grafik). Gleiches gilt für die Meerestemperaturen um Australien (Grafik).

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Schwalbe…

    … macht noch keinen Sommer.

    Und bestimmt werden sich bald Skeptiker einfinden, die sagen, dass diese Überschwemmung überhaupt nichts bedeutet.
    Und dass man ja bei der SST klar erkennen kann, dass es einen seit 1998 rückläufigen Trend gibt, wobei 2010 ja nur ein Ausreisser ist.

    Genauso wenig wie die Dürre in Russland, der niederschlagsreichste August in Deutschland, der stärkste Sturm über Land in den USA, die zweitmeisten atlantischen Hurrikane oder die Überschwemmungen in Pakistan, China, Tennessee, Texas, Mitteleuropa, Frankreich, Albanien, Südspanien, Benin und Nigeria, Brasilien, Guatemala und Costa Rica etc.

    Alles in 2010. Und bestimmt alles ganz natürlich. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort.

  2. Überschwemmungen in Queensland

    Zitat eines von den Überschwemmungen betroffenen Einwohner von Queensland: „I see red before fury if I read that there is still politician who seriously state, there would be no climate change. We see the effects here with ourselves“
    Der Mann hat recht, eine erfolglose Klimakonferenz löst die andere erfolglose ab.

  3. Wetterextrem?

    Das leuchtet mir noch nicht ein.

    Ich verstehe, daß die globale Klimaerwärmung lokale Wetterveränderungen verursacht, daß diese überwiegend negative Folgen haben, und daß die Niederschläge in Queensland wahrscheinlich ein Beispiel einer solchen Wetterveränderung sind.

    Was ich nicht verstehe, ist, warum gerade die Niederschläge in Queensland ein Wetterextrem sein sollen.

    Nach Abb. 1 sind dort ca. 170-180 mm mehr Niederschläge von September bis November gefallen als im langjährigen Durchschnitt. Nach wikipedia sind im betroffenen Bundaberg für diesen Zeitraum 180mm normal (http://en.wikipedia.org/wiki/Bundaberg#Climate). Ergibt 360mm Niederschlag in drei Monaten. Das kommt mir nicht gerade extrem vor, soviel hat es beim Elbehochwasser 2002 im Erzgebirge an einem Tag gegeben.

    Bisher ist mein Kenntnisstand, daß Australien extrem trocken ist, daß zahlreiche Farmen wegen Dürre aufgeben müssen, Wasser importiert wird und sogar Menschen verdursten. Wenn ich mir Abb. 2 ansehe, dann scheinen mir diese von Dürre betroffenen Gebiete gegenwärtig überdurchschnittlich viel Niederschläge zu haben. Ohne es weiter zu recherchieren, wage ich mal die Vermutung, daß es nicht nur Opfer dieser Wetterlage in den Überschwemmungsgebieten sondern auch Profiteure in den Dürregebieten gibt. Und daß die Zahl der Profiteure in diesem speziellen Fall mindestens so groß ist wie die der Opfer.

    Daher scheint es mir, mit allem Respekt, ein bißchen irreführend, in diesem Fall von Wetterextrem zu sprechen. Man könnte auch, scheint mir, mit gleicher Berechtigung umgekehrt argumentieren und sagen, daß Australien bisher unter dem Wetterextrem größter Trockenheit litt, und sich dieses in diesem Frühling und Dezember normalisiert hat. Diese Lesart scheint mir auch deshalb plausibel, weil ich mich zu entsinnen meine, einmal irgendwo bei Jared Diamond gelesen zu haben, daß die ersten weißen Siedler in Australien ankamen, als es dort einmal ungewöhnlich viel Niederschlag gab. Daher hätten sie unrealistische Vorstellungen von der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit gehabt und eine Agrarinfrastruktur aufgebaut, die, als sich die normale (oder extreme) Trockenheit wieder einstellte, an die Grenzen ihrer Durchführbarkeit geriet.

    Normalerweise kann ich über die online-Kommentare in der FAZ nur den Kopf schütteln, wenn viele Leser dem IPCC dort Alarmismus vorwerfen. Bei diesem Post könnte ich ihnen ausnahmsweise nicht widersprechen.

    [Antwort: Extreme sind natürlich immer relativ zu dem, was an einem Ort sonst üblich ist. Das macht auch die Folgen aus: eine Regenmenge, die ein europäischer Fluss ohne weiteres abführen könnte, kann in Australien zu großen Überschwemmungen führen. Was die angeblich positiven Folgen angeht: die australischen Wirtschaftsforscher sehen das anders, sie rechnen mit massiven wirtschaftlichen Einbußen durch dieses Extremereignis. Stefan Rahmstorf]

  4. Derartige Schadensberechnungen sind m.M. nach mit Vorsicht zu genießen. Es gibt einfach zuviele Faktoren, die sich nicht berechnen lassen. Z.B. könnte durch die Regenfälle der Grundwasserspiegel im sonst trockenen Outback steigen, was wiederum zu erhöhtem Pflanzenwuchs und möglicherweise eine Änderung im Mikroklima führt, also mehr Verdunstung und Regen. Dieser Effekt könnte für sehr lange Zeit andauern, mit positiven Auswirkungen für die Landwirtschaft.

    Könnte, wenn und aber. Es sind einfach zu viele Unbekannte in der Rechnung um wirklich seriöse Aussagen zu machen.

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