Eine neue Klimawette + Update

Gestern habe ich Fritz Vahrenholt, Manager in Diensten von RWE, die folgende Wette für einen guten Zweck angeboten. Ich wollte wissen, wie ernst ihm seine Prognose einer kommenden Abkühlung ist – ob sie ihm einen Einsatz wert ist.

Sehr geehrter Herr Vahrenholt,

in der Welt vom 27. Mai schrieben Sie, dass "sich die wissenschaftlichen Stimmen (außerhalb des WGBU und des Potsdam-Institutes) mehren, dass wir vor einer langjährigen Abkühlungsphase des Klimas stehen." Dies ist eine ungewöhnliche und interessante These – sollten Sie tatsächlich an eine kommende klimatische Abkühlung glauben, bietet sich eine Wette dazu geradezu an. Ich möchte Ihnen daher folgendes vorschlagen:

Wenn das angelaufene Jahrzehnt (2010-2019) global kühler ausfallen sollte als das vorherige (2000-2009), dann spende ich ein Monatsgehalt an einen gemeinnützigen Zweck Ihrer Wahl. Ungekehrt gilt das gleiche: wenn die 2010er Jahre wärmer ausfallen als die 2000er, dann spenden Sie ein Monatsgehalt an einen gemeinnützigen Zweck meiner Wahl.

Ich würde mich freuen, wenn Sie einschlagen würden. Über die Details (wie die zu verwendenden Datensätze und einen neutralen Schiedsrichter) können wir uns sicher rasch einig werden. Dieser Vorschlag soll demnächst auch öffentlich bei sueddeutsche.de vorgestellt werden. Ich freue mich auf Ihre Antwort (auch für unsere Leser),

mit freundlichen Grüßen, Stefan Rahmstorf

Am Abend kam folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

ich finde es bemerkenswert, dass ein Vertreter des Potsdam Instituts für Klimaforschung die ernste Debatte um die Veränderung unseres Klimas auf das Niveau eines Hütchenspielers reduzieren will. Ich stehe für solche Spielchen nicht zur Verfügung. Wie sollte ich mich  mit jemandem vereinbaren, der selbst die seit 1998 ausgebliebene Erwärmung, die nach RSS, UAH und Hadcrut offensichtlich ist, in Abrede stellt. Sie haben doch in Ihrem Buch ( The climate crisis,S. 42)  eine Steigerung um 0,18  Grad Celsius für 2000 bis 2010 sowie für 2010 bis 2020 angenommen. Dann müssten wir 2020 etwa bei einer globalen Mitteltemperatur von 14,5 (2000)  plus 0,36 gleich 14,86 Grad Celsius landen. Ich bin davon nicht überzeugt, weil die zugrundeliegenden Annahmen fehlerhaft sind, aber ich würfle nicht.  

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

Schade. Heute ist auch mein Artikel zu den globalen Temperaturdaten bei sueddeutsche.de erschienen, wo die Frage der angeblich "ausgebliebenen Erwärmung" geklärt wird. Dort werden alle fünf Zeitreihen gezeigt, sodass sich jeder ein eigenes Bild machen kann.

Noch zum Kontext: KlimaLounge-Leser erinnern sich sicher an die vergangene Klimawette, die eine ganze Reihe von Forschern vorgeschlagen hatte. Auch da ging es um eine vorhergesagte Abkühlung, die dann aber nicht eingetreten ist.

Und was steht auf Seite 42 von The Climate Crisis? Jedenfalls nichts über den Trend 2000-2010 oder 2010-2020. Das betreffende Kapitel ist hier online – schauen Sie nach. Das ganze Kapitel dreht sich um die Messdaten, nicht um Prognosen. Das Buch erläutert die Erkenntnisse des IPCC-Berichts in allgemeinverständlicher Form – demzufolge ist auf Seite 42 die Grafik über den Temperaturverlauf seit dem Jahr 1850 aus dem IPCC-Bericht reproduziert sowie eine IPCC-Tabelle, die den beobachteten Trend über die letzten 25 Jahre (damals war das 1982-2006) mit 0,18 ºC pro Dekade angibt. Dazu wird im Text erläutert, dass es keinen Sinn macht, den Trend innerhalb eines einzelnen Jahrzehnts zu betrachten, weil der nicht statistisch robust ist.

Ich kann nur folgern, dass ich eine grundlegend andere Realitätswahrnehmung habe als Herr Vahrenholt – siehe auch hier und hier. Vielleicht erklärt dass auch, warum er in seinem Welt-Beitrag behauptet, das neue WBGU-Gutachten, das sich für mehr Demokratie und Bürgerbeteiligung ausspricht, führe in die Ökodiktatur und sei "jakobinisch" (das sind die mit der Guillotine und Massenhinrichtungen politischer Gegner). Und angesichts der vom WBGU herausgestellten wirtschaftlichen Chancen von verstärkten Investitionen in Erneuerbare Energien und andere zukunftsfähige Technologien fabuliert, "von manchem politischem Akteur" sei wohl eine "Deindustrialisierung" gewollt.

p.s. 8. Juni: Zur grotesken Ökodiktatur-Debatte gab es gestern auch einen sehr lustigen Kommentar von Martin Unfried: Lang lebe die Ökodiktatur! Übrigens brachte der faz.net Kommentar von Winand von Petersdorff (Unfried dazu: "erfrischend crazy") sogar eine von Wirtschaftliberalen immer wieder geforderte klassische Deregulierungsmaßnahme, nämlich die Lockerung des Mieterschutzes, als Beispiel für den Einstieg in die Ökodiktatur.

Update 9. Juni: Herr Vahrenholt hat seine Antwort jetzt auch bei sueddeutsche.de publiziert, und dazu eine Grafik von woodfortrees.net. Die illustriert nochmals sehr schön, was man mit Rosinenpickerei alles machen kann. Nicht umsonst habe ich alle fünf Datensätze und einen langen Zeitraum gezeigt. Vahrenholt pickt dagegen den Zeitraum ab Anfang 1998 heraus und lässt die Datensätze der NASA und der NOAA weg, da sie nicht so in sein Bild passen. Ansonsten unterscheidet sich seine Grafik von meiner nur darin, dass er Monatsdaten zeigt, während ich die Jahresmittel genommen habe. Die Monatswerte rauschen natürlich nochmals kräftig, sodass der klimatologische Trend vergleichsweise weniger klar erkennbar ist.

Update 14. Juni: Mit den Daten von 2010 jetzt signifikant, sagt Phil Jones zu seinem oft von Klimaskeptikern misbrauchten Zitat, die Erwärmung seit 1995 sei knapp nicht statistisch signifikant. KlimaLounge Leser wissen, dass das vor allem daran lag, dass ein zu kurzer Zeitraum keine signifikanten Trends liefert, angesichts des "Rauschens" der natürlichen Schwankungen. Schon 2008 hatte Phil Jones der KlimaLounge ein Interview zum Thema gegeben. Zitat von damals passend zu Herrn Vahrenholt: "Einige Leute nehmen selektiv den Trend ab 1998, einem extrem warmen Jahr weit oberhalb der Trendlinie. […] Es gibt keine Anzeichen für ein Abflachen im Trend."

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Um mal

    einen früheren Chef von mir (in Wales) in einer vergleichbaren Situation zu zitieren:
    „If he won’t put his money where his mouth is, why should I put mine in his hand?“

    Warum sollte ich jemandem glauben, der nicht bereit ist, auf seine Behauptungen zu wetten?

  2. Memme?

    Ou mann. Schon in dem Mail merkt man, dass der Herr Probleme mit logischer Argumentation hat. Was genau hat eine Wette aufs Klima bittesehr mit Würfeln zu tun?

  3. Dieser Artikel vom Vahrenholt bei welt.de war wirklich mehr als lächerlich.

    Ich finde ja es ist auch mal lobenswert (bei aller Kritik an unserem politischen Personal), dass wir einen dermaßen breiten Konsens in Klimafragen im Parlament haben und die Konservativen nicht, wie in den USA, den Klimawandel leugnen. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit. Leute wie Vahrenholt sind bei uns zum Glück eher die Ausnahme.

    Wie wichtig die Elitenpositionen von Politikern verschiedener Parteien zum Thema Klima auch für breitere Bevölkerungsschichten sind, hat neulich eine sehr interessante Debatte in der amerikanischen Bloggosphäre noch einmal deutlich gemacht:

    http://thinkprogress.org/…-and-elite-signalling/

  4. Ich finde es gut, dass Sie sich mit den Verwirrungen denen ein Zeitungsleser ausgeliefert ist auseinandersetzen!
    Vielen Dank dafür

  5. Bei einem Monatsgehalt

    überlegt man sich schon mal, ob man sich seiner Sache ganz sicher ist.

  6. „ernste“ Debatte

    Ich kam mir nur schwer vorstellen, dass Professor Dr. Vahrenholt seinen Vergleich der Jahresmittelwerte seit 1998 als ernsthaften Beitrag zu irgendeiner Debatte versteht.

    Er ist offensichtlich nicht bereit, 1% seines Gehalts bis 2020 für die Glaubwürdigkeit seiner Lobbying-Bemühungen zu investieren. Ich habe Verständnis dafür, da ich nicht glaube, dass es einen nenneswerten Effekt hätte, es also auf Geldverbrennen hinausliefe. Die klassischen Energieunternehmen erinnern mich immer mehr an die Tabakindustrie, die jahrzehntelang wider besseren Wissens geleugnet hat, dass Rauchen krebserregend ist, um zumindestens Zweifel offen zu lassen.

  7. Klasse!

    Ich bin begeistert! Vahrenholt ist ein Interessenvertreter der voll dem Klischee entspricht. Als er noch Hamburger Umweltsenator war – lang´ ist es her – hatte ich gar nicht mal so einen schlechten Eindruck von ihm. Bei ihm gilt der alte Spruch: „Wes´ Brot ich ess, des Lied ich sing´“. Dabei kann man heutzutage doch auch aufrecht durch Leben gehen …

  8. Vahrenholt bei EIKE?

    EIKE schreibt, man hätte sich am 20.4.2011 zu einem wissenschaftlichen Kolloquium im PIK getroffen.
    Als Teilnehmer von EIKE wird dabei auch Prof. Fritz Vahrenholt aufgeführt.

    Können Sie das bestätigen? Ich kann es kaum glauben.

    Quelle:
    http://www.eike-klima-energie.eu/…ium-vom-20411/

    [Antwort: Stimmt. (Die Auflistung der Teilnehmer ist eines der wenigen Dinge, die an diesem EIKE-Protokoll stimmen.) Stefan Rahmstorf]

  9. slant

    was bisher nicht thematisiert wurde, ist die Wortwahl Vahrenholts: „Hütchenspieler“ ist ein anderes Wort für berufsmäßigen Betrüger. Also eine weitere Schmierenattake ad Hominem statt eines tatsächlichen Argumentes.
    Gleichzeitig zeigt es Vahrenholts Wissenschaftsfeindlichkeit, zumindest gegenüber der Klimawissenschaft, die Forschungsergebnisse mit Glückspiel gleichsetzt.

  10. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    bei dieser von Ihnen angebotenen Wette wollen sie aufs Wetter (Witterung) wetten und nicht aufs Klima. Insofern hat Ihre Wette mit der Aussage von Herrn Vahrenholdt zum Klima nicht viel zu tun. Da könnten Sie genau so ein Monatsgehalt darauf wetten, dass die Tageshöchstwerte in Potsdam am 1.8.2011 über 25°C liegen werden.
    Ihr Artikel in der Süddeutschen ist dann auch ähnlich inhaltsvoll wie Ihre Wette. Glauben Sie ernsthaft, dass Sie die Aussage von Herrn Vahrenholdt, dass es in den letzten 12 Jahren keine Erwärmung gegeben hat, damit widerlegen können, dass Sie den linearen Trend der letzten 30 Jahre betrachten?
    Auch andere Aussagen von Ihnen in diesem Artikel sind kritikwürdig.
    Ihre Ausführungen zum Jahr 2010 sind dann schon eher erschreckend. Wenn Sie aus den Temperaturen und der Sonnenaktivität von 2010 ableiten wollen, „wie schwach der Einfluss der Sonnenschwankungen im Vergleich zu dem der steigenden Treibhausgase ist“, dann könnte man mit gleichem Recht aus der Tatsache, dass das El-Nino-Jahr 1998 etwa gleich warm war wie das El-Nino-Jahr 2010 ableiten, dass das CO2 keinen Einfluss auf die Temperatur hat. Beide Schlussfolgerungen halte ich für wissenschaftlich unhaltbar.

    MfG

    [Antwort: Lieber Herr Langer, die Wette hat nichts mit Wetter zu tun, sondern sie vergleicht zwei aufeinander folgende, nicht überlappende 10-Jahresmittel der Temperatur. Machen Sie das einmal für die letzten 30 Jahre – da können Sie (gleitend) 20 solche Paare von aufeinander folgenden 10-Jahresmitteln vergleichen. Die Temperaturdifferenz schwankt zwischen 0,11 und 0,24 ºC Erwärmung, im Mittel 0,16 ºC (in den Hadley-Daten). D.h. allein durch Wetterschwankungen werden Sie in dieser Metrik keine Abkühlung bekommen. Wenn es da eine Abkühlung gibt, dann ist das eine echte Trendumkehr und nicht mehr im Rahmen der natürlichen Schwankungen um den Erwärmungstrend herum. Es geht also genau um das, was Herr Vahrenholt behauptet.


    Haben Sie meinen SZ-Artikel denn gelesen? Da stehen doch die linearen Trends über 12 und 13 Jahre drin, die Herrn Vahrenholt in diesem Punkt widerlegen.
    Stefan Rahmstorf]

  11. @Fischer

    Zum Glück muss bei uns niemand RWE und Konsorten sein Geld in die Hand geben – auch nicht jeden Monat mit der Stromrechnung. Eine Übersicht über Ökostromanbieter: http://www.ecotopten.de/prod_strom_prod.php
    Einfach einen aussuchen und mit ein paar Mausklicks wechseln!

  12. Put your money where your mouth is.

    Danke, Herr Rahmstorf, für Ihre unerschrockene Aufklärungsarbeit. Angesichts der irrationalen Kritik, bis hin zu Hetze und Todesdrohungen gegen Wissenschaftler (so jüngst in Australien:
    http://www.telegraph.co.uk/…debate-heats-up.html ) keine Selbstverständlichkeit. Für mich waren auch Ihre Beiträge vor einigen Jahren wichtige Hilfe zur Selbsthilfe, die unseriösen Argumente sogenannter Klima“skeptiker“, wie die eines Herrn Vahrenholt oder damals B. Lomborg, zu durchschauen.

    Und volle Unterstützung für Herrn Brunkhorst: Jeder Stromverbraucher hat es in der Hand, nicht noch den Gewinn bestimmter Konzerne zu mehren.

  13. Vahrenholt is not alone

    Vahrenholts Klima-Dissidenz – „die Erwärmung fehlt, es ist die Sonne“ – ist wohl kaum allein auf seinem Mist gewachsen. Die grundlegend andere Realitätswahrnehmung, die sich in Briefen und Artikeln voller altbekannter Skeptikerargumente äussert, aber auch die Einschätzung eines WBGU-Gutachtens als „jakobinisch“, deutet vielmehr darauf hin, dass er sein Welt- und Klimabild von englischen und amerikanischen Webseiten (und vielleicht auch von der Klimazwiebel) formen lässt.

    Viele Skeptikerargumente sind eigentlich nichts anderes als Haarspaltereien und Fehlinterpretationen von statistischen Zusammenhängen.

    Allerdings geben auch Klimaforscher mit ihren eigenen, zu detaillierten Klimaprognosen den Skeptikern immer wieder Futter. Wer sich als Klimawissenschaftler als gehobener Wetter- und Regionalklimaonkel verkauft und Dinge äussert wie „mit den kalten Wintern ist es in Deutschland wohl definitiv vorbei“, darf sich nicht wundern, wenn schon der nächste kalte Winter Anlass für Klimaskeptiker-Hohn gibt.

  14. Wetten macht Spaß

    Schade, dass diese Wette nicht zustande kommt. Kann es sein, dass trotz aller Behauptungen um eine „Ökodiktatur“ am Ende die Klimawandelleugner die humorloseren Menschen sind. Vielleicht haben sie noch mehr zu verlieren, wenn diese 10 Jahre vorüber sind: Die Geschäftsgrundlagen, die Reputation, die öffentliche Meinung.

  15. PIK – EIKE Protokoll

    Habe besagtes Protokoll und angeschlossene Postings über das Treffen beim PIK durchgelesen.
    Mein lieber Mann, da geht´s ja ganz schön zur Sache…
    Aha … Prof. Patzelt ist auch im EIKE-Fachbeirat.

  16. Unverständnis

    Ich frage mich, warum Vahrenholt nicht selbst denken kann? Warum er nicht mal nachsieht, wie man Zeitreihen untersucht? Wie die verschiedenen Trends für verschiedene Zeiträume aussehen (so mal Trends von verschiedenen Startjahren, „gleichlange“ Trends in verschiedenen Zeiten wie Prof Rahmstorfs Grafik vor ein paar Jahren), Unsicherheiten sich ansieht, oder Prof Rahmstorfs SZ-Artikel liest 😉 usw. Er kann sich ja auch Rat bei Prof von Storch (nichts gegen Prof von Storch) holen.

    Oder dass Vahrenholt einfach mal in die Alpen fährt und da sich die Gletscher ansieht. Die Gletscher beweisen nicht den globale Temperaturanstieg oder dass der Mensch an der Erwärmung schuld ist… aber man erkennt die Erwärmung sehr deutlich. Das kann er dann ja auch in allen anderen Teilen der Welt machen.

    Ist Prof Vahrenholt so festgefahren im Hirn? Ich meine, er ist Prof, wie er in seiner E-Mail deutlich zu verstehen gibt, Professoren sollten doch aber offen sein und lernen wollen.


  17. das neue WBGU-Gutachten, das sich für mehr Demokratie und Bürgerbeteiligung ausspricht,

    o-ton schellnhuber:
    “ Sie brauchen also auch ein paar wenige Leute, die eine ethische Elite darstellen. Am Ende werden Sie vermutlich mit einer breiten Mehrheit nicht Probleme lösen können, die eine kausale Distanz wie beim Klimawandel besitzen.“

    und dieser verein berät die bundesregierung. da wundert eine wirklich nichts mehr

  18. An Herrn Fahrenholt

    Sehr geehrter Herr Fahrenholt,

    wenn Sie wirklich an das glauben was Sie behaupten, so wäre die Ihnen von Herrn Rahmstorf angebotetene Wette DIE Gelegenheit gewesen, diesen „in die Suppe Spucker der fossilen Energiewirtschaft“ ein für alle mal zu diskreditieren und loszuwerden.

    Dass Sie mit fadenscheinigen „Argumenten“ (Sie verwechseln z.B.in peinlicher Weise Wetter und Klima („Würfelspiel“)…) dieser Wette ausweichen zeigt nur, dass Sie selbst nicht an das glauben was Sie sagen. Das allerdings lässt tief blicken, was die moralisch-ethische Verfassung des RWE und Ihrer Person betrifft!

  19. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    erstmal vielen Dank für Ihre stets sehr interessanten Beiträge hier und an anderen Stellen und Ihre Richtigstellungen vielerlei obskurer Aussagen.
    Was ich mich beim Durchlesen des Artikels von Vahrenholt und Ihres Artikels bei der SZ jedoch gefragt habe war, warum Sie auf Diagramme verzichten um das mit der Rosinenpickerei deutlicher zu machen. Etwa so in dieser Art: http://www.woodfortrees.org/…wti/from:1999/trend Mir ist klar, das Sie als Klimawissenschaftler vermutlich Bauchschmerzen kriegen beim Legen solcher kurzfristiger Trends, jedoch finde ich, das ein derartiges Diagramm es deutlich klarer machen kann, warum es eben Blödsinn ist einfach das Jahr 1998 als Startpunkt zu betrachten und daraus etwas abzuleiten. (Man könnte natürlich noch mehr kurzfristige Trends reinlegen die dann wild in alle Richtungen zeigen). Gerade auch um Menschen zu erreichen, die nicht so verankert sind im naturwissenschaftlichen Denken. (Und die sich leider wohl leicht täuschen lassen von solchen Taschenspielertricks wie der Herr Vahrenholt sie betreibt).
    Nunja, nur meine Idee dazu. (Wobei ich natürlich nicht weiß, ob Sie genau dies an anderer Stelle bereits getan haben, war eben nur meine Idee beim Durchlesen der beiden Artikel.)
    Mit freundlichen Grüßen,
    Marie

  20. Man, Fahrenholt…

    … sie alter Rosinenpicker.

    Ihr Klimaleugner müsst schon echt am Verzweifeln sein, wenn ihr nur noch durch selektives Herauspicken eines Jahres wie 1998, dass aufgrund des starken El-Ninos in diesem Jahr weit über den langfristigen herausragt, und durch Weglassen der NOAA und NASA-Datensätze eure angebliche Abkühlung zusammen konstruieren könnt. Macht man das gleiche Spiel mit 1997 oder 1999, dann zeigt der Trend in allen Temperaturdatensätzen nach oben. Wen – außer komplett Ahnungslosen – wollen sie damit bitte überzeugen? Ihre unehrliche Argmentation lässt tief blicken in ihr fehlendes moralisch-ethisches Verantwortungsbewusstsein.

    Aja, und BTW: Wenn es nach ihrer Meinung die Erwärmung gar nicht gibt, dann können Sie ihre Atomkraftwerke ja beruhigt ausschalten, weil dann läuft ihre Argumentation, dass wir die zwecks Einsparung von CO2 brauchen würden, ja völlig ins Leere 😉

  21. Vahrenholt glaubt selbt nicht an den Stuss, den er verbreitet. Er geriert sich als Klimaskeptiker, seit er dem RWE-Innogy-Vorstand vorsitzt – das hat mit seinen Überzeugungen wenig zu tun, eher mit seinen Karrierezielen. Wenn man recherchiert, stößt man auch auf völlig gegenteilige Äußerungen Vahrenholts.

    RWE sollte sich aber überlegen, welche Signale sie da aussenden wollen. Kognitive Dissonanz? RWE Innogy ist ja nicht die Braunkohle-Abteilung. Vielleicht versteht jemand, welchen Sinn diese Äußerungen aus Sicht von RWE Innogy haben.

    Im Kommentar von leo solar: „Vielleicht haben sie noch mehr zu verlieren, wenn diese 10 Jahre vorüber sind: Die Geschäftsgrundlagen, die Reputation, die öffentliche Meinung.“

    Aber welche Art von Reputation will RWE sich damit aufbauen? Auf lange Sicht kann das nur nach hinten losgehen. Andererseits habe ich natürlich kein Problem damit, wenn RWE sich um Kopf und Kragen redet. Zeichen von Agonie?

  22. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    Sie antworten mir u.a. mit:
    „… die Wette hat nichts mit Wetter zu tun, sondern sie vergleicht zwei aufeinander folgende, nicht überlappende 10-Jahresmittel der Temperatur. Machen Sie das einmal für die letzten 30 Jahre …“
    Ja wenn man das über mindestens 30 Jahre macht, ist man beim Klima. Vergleicht man aber nur zwei 10-Jahresmittel, wie Sie es in der Wette vorschlagen, vergleicht man Witterung und ist nicht beim Klima!
    Ihre Idee mit den gleitenden 10-Jahresmitteln ist aber ganz toll! Machen Sie das doch mal mit den 30-Jahrestrends aus Ihrer Grafik in der Süddeutschen z.B. über die gesamte Hadley-Reihe. Vielleicht begreifen Sie ja dann, dass die Aussagen von Herrn Vahrenholdt nicht nur „Rosinenpickerei“ sind, wie Sie wiederholt vermuteten.

    MfG

    PS: Einige Ihrer Aussagen erstaunen mich immer wieder, wie z.B. in Ihrem Update:
    „Die Monatswerte rauschen natürlich nochmals kräftig, sodass der klimatologische Trend vergleichsweise weniger klar erkennbar ist.“
    Wenn ich mehr Daten benutze, wird der Trend qualitativ schlechter???
    Im Umkehrschluss: Wäre dann der Trend aus den zwei Durchschnittstemperaturen 1850-1930 und 1930-2010 der ultimativ richtige Klimatrend???

    MfG

    [Antwort: Sie haben mich falsch verstanden. Ich sprach davon, genau wie in der Wette vorgeschlagen aufeinander folgende 10-Jahresmittel zu vergleichen. also vergleichen Sie einmal den Mittelwert 1980-1989 mit dem Mittelwert 1990-1999. Oder 1981-1990 mit 1991-2000. Usw. Das ist robust. In keinem einzigen Fall ist das spätere Jahrzehnt kühler als das direkt vorangegangene.


    Was die Monatsdaten angeht: der Trend ist natürlich fast genau der gleiche, ob Sie ihn aus Monatswerten berechnen oder aus Jahresmittelwerten (die natürlich auch aus den Monatswerten berechnet sind, die eingehende Datenmenge ist genau die gleiche). Weil die Monatswerte aber stark schwanken, sieht der Trend in der Grafik rein optisch vergleichsweise klein aus, weil die y-Achse dann einen sehr großen Schwankungsbereich umfasst. Wenn Sie Tageswerte nehmen würden, würden Sie vor lauter Rauschen kaum noch den Klimatrend sehen. Stefan Rahmstorf]

  23. Frage zum SZ-Artikel

    Hallo Prof Rahmstorf,

    eine kleine Frage zu ihren SZ-Artikel. Wie haben sie da den linearen Trend berechnet? Nimmt man die einfachste Variante, least-square fit, bekommt leicht niedrige Trends pro Dekade (0,14-0,16K/Dekade, je nach Quelle). Ich halte das nicht so für doll wichtig, nur bei Diskussionen ist es wichtig, zu wissen woher der Unterschied kommt, damit man bestimmte, eigenartige Unterstellungen eben kontern kann.

    [Antwort: Es ist das Standardverfahren, least-squares. Wenn Sie leicht geringere Trends erhalten, vielleicht liegt es daran, dass sie auf Monatswerten beruhen oder nicht exakt der gleiche Zeitraum betrachtet wurde?
    Stefan Rahmstorf]

  24. Vielen Dank

    ja richtig, ich habe die Monatswerte genutzt und den Zeitraum vom Start von RSS/UAH bis jetzt. Also muss ich die Jahresdurchschnittswerte von 1980 bis 2010 nehmen, richtig? Okay. Ich werde es noch mal testen 🙂

    Ich bin kein Statistiker oder so: ist es besser Monatswerte oder schon weiter vorgefilterte Werte wie Jahresdurchschnitte zu nehmen?

    Aber das alles ändert ja nichts Entscheidendes an der Aussage.

    Beste Grüße,
    Ingolf.

    [Antwort: 30 Jahre … 1981-2010. Stefan Rahmstorf]

  25. How Fast is Earth Warming
    Es lohnt immer wieder bei Tamino vorbei zu schauen, der bekannte Einflüsse herausrechnet, verschieden Stadien der Glättung präsentiert und die gute Übereinstimmung aller fünf Kurven hevorhebt:

    Second, it enables us to remove the estimated impact of el Nino, volcanic eruptions, solar variation, and the residual annual cycle, leaving only the global warming trend and any remaining natural variation. This gives us an adjusted data set for each source. Here they are, for monthly data, for all five data sources:

    http://tamino.wordpress.com/2011/01/20/how-fast-is-earth-warming/

  26. Ihre Klimawette

    Sehr geehrter Prof Rahmstorf,
    eine gute Nachricht: Sie haben Ihren Wettpartner gefunden! Ich nehme die Wette ueber 2500 EU an:
    Hintergrund: Ein Blogger stellte fest: One should put the money where the mouth is, und, Sie meinen das Gleiche mit Ihrem Wettangebot und ich bin ebenfalls dieser Meinung!
    Ein gewisser Unterschied besteht allerdings schon: Ich bin voll auf der sicheren Wettseite ohne Risiko.
    Alle Blogger, die dies nicht glauben moegen, koennen sich durch mein Buechlein ISBN 978-3-86805-604-4 davon vollstaendig ueberzeugen, es ist transparent fuer jeden, auch detailliert nachrechenbar.
    Der IPCC projiziert fuer die Dekade 2010-2019 eine globale Temp-steigerung von 0,2 C. Ich halte dagegen, diese wird nicht eintreten, sichtbar u.a. durch das Temp-plateau des 21. Jh., auf dem wir nun angekommen sind und auf dem wir fuer die naechsten Jahrzehnte verharren werden. Nur nebenbei: Die empirische Bestaetigung des Buechleins: Temp-anstieg bis 2001, Tipping point (Kipppunkt) 2001 in ein hohes Plateau und Verharren der Temp auf diesem hohen Plateau ist bei mir genauestens vorgerechnet und alle Messungen, seither, sind nur eine bescheidene, nachtraegliche Bestaetigung der Vorgerechnungen.
    Meine Aussage: Die globalen Temp. 2010 bis 2019 verharren auf dem bisherigen hohen Plateau im Rahmen von bescheidener 0,03 C maximal durchschnittlicher Tempsteigerung in der Dekade.
    Wir wollen beschliessen: Top, die Wette gilt!
    und, weil die Wette wichtig ist: (Money und Mouth) warte ich auf Ihre geschaetzte Zusage.
    Freundlichst
    Ihr JSei.

    des 21. Jh.
    (Hinweis an alle lieben Blogger: Erst Buch lesen, dann Fehler finden und dann als 3. sich melden, ist die Reihenfolge, sonst hat’s ja keinen Zweck)

    [Antwort: Sie schlagen einfach eine andere Wette vor und sagen dann „Top, die Wette gilt“? Wie seriös ist das denn? Stefan Rahmstorf]

  27. Klimawette mit oder ohne Ozeane ?

    GISS gibt für die ersten 5 Monate des Jahres 2011 folgende Temperaturabweichungen zum Vergleichszeitraum 2000-2009 aus:

    over land; ocean:none
    Jänner: -0,03
    Februar: -0,16
    März: -0,07
    April: +0,10
    Mai: -0,05

    somit im Mittel [-0,042°C] für die ersten 5 Monate im Vergleich zu 2000-2009.

    [Antwort: Natürlich mit Ozeanen – es geht um die globale Durchschnittsstemperatur. Nur die hängt direkt mit der globalen Strahlungsbilanz zusammen, die durch das zusätzliche CO2 in der Luft verändert wird. Wenn Sie nur Land nehmen, lassen Sie mehr als zwei Drittel der Oberfläche außer Betracht. Stefan Rahmstorf]

  28. Klimawette

    Lieber Prof. Rahmstorf,
    Ihre Idee der Klimawette ist das beste, was ich in den letzten Monaten zum Klima gelesen habe. Ich bitte um Annahme der Wette, damit man zum Potti kommt und die ganze schoene Wette nicht in Vergessenheit geraet oder als April, April gehandelt wird. Ich bin auch der richtige Ansprechpartner dafuer, denn all die Kritiker die der Klimachaostheorie oder der „kleinen Wichte Theorie“ (i.e. „unsere Computerkapazitaet reicht nicht aus und wir wissen alle nicht genug…..“) sind vom Risiko so geaengstigt und fuerchten um ihre bescheidenen 2,5 Mille.
    Bei mir ist es anders: Sie haben ja damals Ihr Preisgeld gut angelegt und koennen sich den Einsatz sowieso leisten, ich selbst habe das Klima so praezise vorgerechnet(im meinem Buch), das alles Risiko von Haus aus
    eliminiert ist.
    Ausserdem wuerden Sie sich das Wettgeld mit Archer und Mann teilen.
    Ganz toller Einfall: We raise the stake: Wer verliert, schwoert seine Irrlehren oeffentlich ab! Jawohl!
    Im Jahre 2020. vor der Inquisition.
    Wenn Sie in mein Buch schauen wuerden, koennten Sie selbst sehen, dass das Abschwoeren in unserer Lebzeit sowieso kommen wird. Wollen Sie denn Zeit ueber 2020 hinaus schinden und
    erst auf dem Sterbebett widerrufen? — das
    doch gar nicht, nie, niemals, da bin ich felsenfest sicher. So wollen wir unsere Abschwoerung feierlich auf das Jahr 2020 legen! Mit Archer und Mann im Boot setzen wir dann die Klimawissenschaft auf eine neue Grundlage.

    Zu Ihrem Kommentar: Was soll das unserioese Element meines Wettvorschlages sein? Ich bitte um eine kleine Erklaerung, falls moeglich.
    Der IPCC veranschlagt 0.2 C Temp-increase 2010-2020, so sind Sie doch auf der „sicheren“ Seite, auch Frau Haigh in London ist sich sicher, das CO2 erbringt genuegend Steigerung ueber die Sonnenflecken bis 2020! Wo ist das Risiko?
    (Ich will hiermit einhalten, fuer alle Bloggers, die mein Buch nicht kennen, soll nur kurz gesagt sein: Klimabestimmend ist die Himmelsmechanik der Erdumlaufbahn, und nicht das CO2. Man
    hat in AR3 und AR4 die Himmelsmechanik konstant bzw „invariant“ on a „millenium scale“ angesetzt, damit man nach Herzenslust RF auf das CO2 umverteilen konnte….)

    Ich freue mich auf Ihre ehrenwerte Zusage, so haben wir gleichzeitig dem
    Fortschritt in der Klimawissenschaft einen grossen Dienst erwiesen, wofuer wir ja als bottomline ja eigentlich arbeiten.
    Mit erwartungsfrohen Gruessen,
    bis in Kuerze verbleibt Ihr
    JSei.

  29. CO2 kein Einfluß ?

    Wenn das so wäre, hätte es aufgrund der Erdbahnparameter als klimabestimmende Hauptgröße ab 1850 zu keiner Erwärmung kommen dürfen, zumal noch dazu Effekte wie „Global Dimming“ entgegenwirk(t)en.
    Woher kommt also die bislang beobachtete Erderwärmung ?

  30. Forscher-Bashing in der Presse

    Herr Rahmstorf,

    Sie nehmen den FAZ-Artikel mit fatalistischem Humor (was angesichts der abstrusen Thesen des FAZ-Redakteurs auch verständlich ist). Die Wirkungen, die dieser Artikel in der Medienwelt hervorgerufen hat, sind jedoch alles andere als harmlos. Im Interview gegenüber Focus Online beleidigt der Historiker Wolfgang Wippermann alle Mitglieder des WBGU als „wissenschaftliche Fanatiker“, eine kaum noch zu überbietende Beschimpfung von Wissenschaftlerkollegen. Das Interview hat übrigens der freie Journalist Jan-Philipp Hein von der „Achse des Guten“ geführt, an den Sie sich sicher noch erinnern.
    Sogar auf einer französischen News-Website („Contrepoints“), die von einer kleinen marktradikalen Gruppe betrieben wird, wird der FAZ-Artikel zitiert und gleichzeitig Klimaforscher, Sie eingeschlossen, aufs Übelste beleidigt (unter dem Titel „Réchauffement climatique. Les nazis verts attaquent“). Sowas grenzt schon an justiziable Beleidigung. Und es ist bestürzend, wie auf diese Weise gegen Wissenschaftler aufgestachelt wird. Ich finde es jedenfalls beunruhigend.

  31. Auch 2011 auf dem Weg zu

    GISS gibt für die ersten 7 Monate des Jahres 2011 folgende Temperaturabweichungen [°C] zum Vergleichszeitraum 2000-2009 aus:

    Jänner: -0,07
    Februar: -0,11
    März: -0,05
    April: +0,03
    Mai: -0,04
    Juni: +0,05
    Juli: +0,12

    Average: +0,01°C

  32. 2011 wird wohl kühler als avg. 2001-2010

    GISS gibt für die ersten 10 Monate des Jahres 2011 folgende Temperaturabweichungen [°C] zum Vergleichszeitraum 2001-2010 aus:

    Jänner -0,14
    Februar -0,13
    März -0,08
    April 0,02
    Mai -0,07
    Juni 0,03
    Juli 0,1
    August 0,11
    September -0,07
    Oktober -0,04
    November:
    Dezember:
    Average: -0,027

  33. sehr gut!

    So sieht doch eine sachliche Argumentation aus, mit der man Lobbyisten in die Schranken weist.