Die Unausweichlichkeit des Meeresspiegelanstiegs

Kleine Zahlen können, große Dinge bedeuten. Im letzten Jahrhundert stieg der Meeresspiegel weltweit um etwas weniger als 0,2 Meter an – vor allem aufgrund der, durch Treibhausgas-Emissionen verursachten, Erwärmung von 0,8°C im weltweiten Mittel. Diese Zahl scheint nicht besorgniserregend, obwohl auch diese 20 cm bereits Folgen haben. Vor allem aber gibt es keinen Zweifel daran, dass der Meeresspiegel auch in diesem Jahrhundert weiter deutlich steigen wird. Die Multi-Milliarden-Euro-Frage ist: um wie viel?

Die Obergrenze von zwei Metern, die derzeit in der wissenschaftlichen Literatur verfügbar ist (Pfeffer et al. 2008, Science), wäre für viele Küstenregionen extrem kostspielig. In manchen Fällen wäre eine Anpassung sogar nahezu unmöglich zu bewerkstelligen. Aber der Meeresspiegel wird weiter ansteigen auch über das Ende des 21. Jahrhunderts hinaus. Klimaaufzeichnungen der Vergangenheit zeigen klar, dass ein wärmeres Klima praktisch immer mit einem höheren Meeresspiegel verbunden war – und hierbei sprechen wir nicht von Zentimetern, sondern von Metern. Diese Zwangsläufigkeit des Meeresspiegelanstiegs liegt an den Eigenschaften der Ozeane und Eismassen auf unserem Planeten. Eis schmilzt und Meerwasser dehnt sich aus bei Erwärmung. Für die Trägheit, also die relative Behäbigkeit des Meeresspiegels gepaart mit der Unausweichlichkeit seines Anstiegs, gibt es zwei Hauptgründe:

Einer bedingt sich durch die lange Lebensdauer des Kohlendioxids in der Atmosphäre und die damit verbundene lange Erwärmungswirkung. Einmal freigesetzt erwärmt Kohlendioxid die bodennahen Luftschichten über viele Jahrhunderte. Diese Erwärmung kann nur dadurch rückgängig gemacht werden, dass aktiv Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernt werden. Das liegt daran, dass der Ozean sowohl weniger Wärme als auch weniger Kohlendioxid aufnehmen kann, wenn die Emissionen stoppen und so verringert sich das Kohlendioxid nur langsam in der Atmosphäre und die Temperatur geht sogar noch langsamer herunter (siehe z.B. Solomon et al., 2008, PNAS). Die Emissionen nicht zu senken würde das Problem selbstverständlich noch verstärken.

Der zweite Grund ist, dass sowohl das Meer als auch die Eismassen gigantisch sind und eine Erwärmung ihrer Umgebung sie nur langsam durchdringt – langsam, aber unvermeidlich. Als Folge tragen sie immer weiter zum Meeresspiegelanstieg bei, auch wenn die Temperatur nicht weiter ansteigt. Während des letzten Jahrhunderts wurde der Meeresspiegelanstieg vor allem durch die Erwärmung der Meere und den Eisverlust der Gletscher hervorgerufen. Unsere aktuelle Studie (Levermann et al. 2013, PNAS) zeigt, dass in Zukunft vor allem der Eisverlust der beiden großen Eisschilde auf Grönland und der Antarktis dominieren wird. Wir beginnen diese schlummernden Riesen zu wecken.

Es ist einfacher, eine wärmere Welt zu verstehen, als den dynamische (vielleicht rapiden) Übergang in diese wärmere Welt – so wie es einfacher ist, vorherzusagen, dass ein Eiswürfel bei Zimmertemperatur schmelzen wird als zu sagen, wie lange das genau dauert. Deshalb haben wir physikalische Modelle des Ozeans, der Gletscher und der großen Eisschilde verwendet, um deren Zustand in einer wärmeren Welt zu berechnen. Die einzelnen Modelle wurden separat mit Daten der Vergangenheit verifiziert und auch der gesamte Meeresspiegelbeitrag aller vier Komponenten wurde mit Paläoklimadaten verglichen.

Hieraus ergab sich, dass für jedes Grad Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau die Meeresausdehnung etwa 0,4 Meter zum mittleren Meeresspiegelanstieg beiträgt, während die Antarktis mit etwa 1,2 Metern einen wesentlich größeren Beitrag hat. Die Gletscher haben eine begrenzte Menge an Wasser gespeichert und somit steigt ihr Beitrag bei höheren Temperaturen weniger stark an. Dieses wird durch die Eisschmelze auf Grönland ausgeglichen, so dass insgesamt der Meeresspiegel langfristig quasi-linear um etwa 2,3 Meter mit jedem Grad globaler Erwärmung ansteigt (siehe Abbildung).

Abbildung: Langfristiger Meeresspiegelbeitrag von (a) thermischer Ausdehnung der Meere, (b) Gebirgsgletschern, (c) dem Grönländischen und (d) Antarktischen Eisschild. Der gesamte langfristige Meeresspiegelanstieg (e) ist etwa 2,3 Meter pro Grad Erwärmung (Levermann et al. 2013, PNAS).

Wie schnell dies geschieht, wissen wir nicht. Alles, was wir sagen können, ist, dass es nicht länger als 2.000 Jahre dauern wird. So sind die 2,3 Meter pro Grad Erwärmung kein Wert für dieses Jahrhundert. Es ist unser Meeresspiegelobligo – der Anstieg, den wir langfristig erwarten müssen, wenn wir eine gewisse Erwärmung verursacht haben.

Ben Strauss von Climate Central hat für verschiedene gesellschaftliche Zukunftspfade berechnete, ab wann welche US-Stadt Gefahr läuft, dem Meeresspiegel langfristig zum Opfer zu fallen. Er stellt sich die Frage, in welchem Jahr wir, bei derzeitigem Emissionsanstieg, einen unvermeidlichen Meeresspiegelanstieg verursacht haben, der bestimmte Städte in Gefahr bringt. Nach seiner Analyse wird diese Grenze für Miami in Florida bereits in den nächsten Jahren erreicht, während für Städte wie Virginia Beach, Sacramento, Boston, Jacksonville und New York City das Überschreiten noch verhindert werden kann.

Wie bei allen Klimafragen ist dieses eine gesellschaftliche Entscheidung – keine naturwissenschaftliche. Die Gesellschaft muss hierbei für zukünftige Generationen entscheiden. Anpassung an den Klimawandel wird unvermeidlich, aber es gibt Dinge an die wir uns nicht anpassen werden können. Diese gilt es zu vermeiden oder mit ihren Konsequenzen zu leben. Deutschland z.B. muss sich entscheiden, ob wir die Nordseeküste opfern wollen oder den Treibhausgasausstoß so in Grenzen halten, dass wir die Altstädte von Bremen, Hamburg und Greifswald erhalten können.

 

Aktueller Artikel in der New York Times zum Thema.

Englische Versionen des Artikels auf realclimate.org und TheCommunication.org.

 

@ALevermann auf Twitter.

 

Anders Levermann ist Professor für Dynamik des Klimasystems im physikalischen Institut der Universität Potsdam. Er leitet den Forschungsbereich Globale Anpassungsstrategien am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er ist unter anderem einer der leitenden Autoren im Meeresspiegelkapitel des letzten IPCC-Klimareports und beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Ozean und Cryosphäre in Vergangenheit und Zukunft.

32 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Welche Gefahr?

    Wie schnell dies geschieht, wissen wir nicht. Alles, was wir sagen können ist, dass es nicht länger als 2.000 Jahre dauern wird.

    Dann hat die Menschheit entweder andere Planeten besiedelt, oder ist schon ausgestorben. Mich wundert immer wieder, wie sehr Klimaforscher darum bemüht sind die zukünftigen Generationen zu beschützen. So als ob diese sich nicht weiterentwickeln würden und Probleme nicht selbst, technisch lösen könnten.

    Deutschland, z.B. muss sich entscheiden, ob wir die Nordseeküste opfern wollen oder den Treibhausgasausstoß so in Grenzen halten, dass wir die Altstädte von Bremen, Hamburg und Greifswald erhalten können.

    Nehmen wir mal Bremen als Beispiel. Bremens Altstadt liegt auf einer Düne und wurde seit Gründung der Stadt um 780 nie überflutet.

    Dank der modernen Deichbau- und Entwässerungstechniken und den Sperrwerken (Lesumsperrwerk von 1974) sind Deichbrüche und Überschwemmungen heute in Bremen zur Seltenheit geworden. In der Zeit vor 1880 ereigneten sich regelmäßig Deichbrüche an der Bremer Wümme. An der sog. Schönen Brake (benannt nach der damaligen Besitzerin und Gutsherrin Schöne) brach der Deich seit 1744 mehrfach. U.a. auch im Dez. 1753. Des Weiteren brach 1830 der Katrepeler Deich, 1846 der Deich in Niederblockland und Wasserhorst und 1855 der Deich in Borgfeld. Der letzte Deichbruch an der Großen Wümme ereignete sich am 29. Dez. 1880.

    Am 29. Dezember 1880 brach beim Gehöft Kropp der Wümmedeich. Das Wasser überflutete das ganze Blockland. Große Teile Bremens standen unter Wasser. Am 19. Februar 1881 brach dann noch auf der linken Weserseite der Deich bei Thedinghausen und das Wasser lief auch über die Ochtumdeiche. Mehrere schwere Hochwasser, die um Weihnachten einsetzten, ließen die Deiche brechen, brachten Überschwemmungen, verursachten im Flussbett der Weser tiefe Kolke (Vertiefung) und ließen eine Uferwand auf 400 Metern Länge einstürzen. Die auf einer Düne und somit etwas höher als die Umgebung gelegene Altstadt ragte laut Augenzeugenberichten wie eine Insel aus der Wasserfläche.

    Und noch was. Die Hochwasser an der Bremer Weser vor 1881 waren viel höher als die nach den Weserausbauten ab 1887.

    Zum Vergleich: Das Binnenhochwasser von 1880/81 erreichte einen Pegel an der Weser über Normalnull von 7,80 m. Die Sturmflutenhochwasser von 1962 und 1994 hatten Pegel über Normalnull von nur 5,41/5,43 m.

    http://commons.wikimedia.org/…:Pegel,_Bremen.PNG

  2. NichtDeutschland,dieWelt mussEntscheiden

    (Zitat)
    „Deutschland, z.B. muss sich entscheiden, ob wir die Nordseeküste opfern wollen oder den Treibhausgasausstoß so in Grenzen halten, dass wir die Altstädte von Bremen, Hamburg und Greifswald erhalten können.“

    Nein: Deutschland entscheidet nicht über den Meeresspiegelanstieg an der Nordseeküste. Egal ob seine Bewohner wenig oder viel CO2 emittieren. Richtig dagegen ist, dass die Gesamtheit aller Treibhausgasemissionen egal ob sie nun in Deutschland, den USA, China oder Indien stattfinden, letztlich Folgen für die Nordseeküste hat.

    Das ist ein noch nie dagewesenes Problem für die Menschheit: Globales Handeln/Globale Emissionen beeinflussen die lokalen Verhältnisse zum Beispiel an der Nordseeküste äusserst stark. Umgekehrt können Nordseeküstenbewohner ihre Emissionen noch so stark einschränken. Die Nordsee beeinflusst das kaum.

    Was bedeutet das für den Kampf gegen den Klimawandel?
    Wohl zwei Dinge
    1) Lokale Folgen kann man nur durch Anpassung an den Klimawandel zuverlässig (im Alleingang) bekämpfen. Also zum Beispiel durch Deichbau oder den Rückbau von Siedlungen.
    2) Nur eine weltweite Reduktion der Emissionen bremst den Klimawandel und besonders wichtig sind Reduktionserfolge in Ländern die besonders viel Treibhausgase austossen. Zur Not könnte die Welt also Katar mit seinen rekordhohen Emissionen „ertragen“, nicht aber die USA oder China. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, es komme ja einfach auf den Pro-Kopf-Ausstoss an, egal wo man lebe. Doch dies reflektiert die politischen Verhältnisse in keiner Weise. Aus heutiger Sicht sind selbstverantwortete Verbraucherreduktionen kaum ausreichend, vielmehr müssen Länder und Regionen wohl Emissionsziele vorgeben.

    Dieser Blogbeitrag zeigt nun ein weiteres Problem des Klimawandels auf, das es in dieser Art noch nie gegeben hat. Der Meeresspiegelanstieg wird auch nach dem Einstellen der Treibhausgasemissionen noch Jahrhunderte anhalten, denn die Temperatur steigt trotzdem noch weiter und die grossen Eisschilde schmelzen selbst dann noch weiter, wenn die Temperaturen sich schon auf dem neuen Niveau stabilisiert haben. Typischerweise plant der Mensch und planen Staaten aber nur über Jahrzehnte in die Zukunft und allenfalls bis zur nächsten Generation.

    Das beste wäre wohl, solche Langzeitwirkungen zu verhindern. Das kann man auf zwei Arten erreichen
    1) Sofortiger Stopp aller CO2-Emissionen.
    2) Senkung des CO2-Gehalts der Atmosphäre.

    Beides ist heute nicht realisierbar.
    Das erste aus technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Gründen nicht, das zweite nicht, weil es für die nötigen ambitionierten Grossprojekte – Biosequestration oder technische Abscheidung und Speichern von CO2 -, weder ausgereifte Technik noch den nötgigen internationalen politischen Rückhalt gibt.

    Der Peak der CO2-Emissionen ist wohl frühestens in den 2030er Jahren erreicht. Das 450 ppm-Ziel wäre dann überschritten und eine Temperaturerhöung von 2° Celsius zu erwarten, was nach obigem Beitrag einen Meeresspiegelanstieg von 4.6 Metern in den nächsten 2000 Jahren erwarten liesse.
    Doch dieser lange Zeitraum eröffnet auch neue Optionen und erlaubt es, erst in 50 oder 100 Jahren ein Projekt zu starten, welches den CO2-Gehalt der Atmosphäre senkt. Nimmt man die Fortschritte in der JetztZeit als Massstab, stehen die Chancen gut, dass die Technologie und das globale Denken dann genügend weit fortgeschritten sind, um solche Projekte zu ermöglichen.

  3. Übertrieben?

    Hallo

    ich finde diese Meeresspiegelanstieg etwas übertrieben. Auch die Erde lebt und es ändert sich laufend so einiges. Vor einigen 1000 Jahren war alles noch ganz anders, wer weiß wie die Zukunft aussieht

  4. Langfristiges MSPL-Niveau

    In diesem Artikel hier u.a von Eelco Rohling, kommt man zu einem wesentlich höheren Meerespiegel, der sich langfristig bei einem Gleichgewicht des Klimasystems einstellt:
    http://www.scinexx.de/…ell-10082-2009-06-23.html

    Hier ist davon die Rede, daß bei dem jetzt aktuellen CO2-Gehalt in der Luft das dazu korrespondierende, sich langfristig (einige TSD Jahre) einstellende Meeresspiegelniveau 25 Meter höher ist als heute.

    ZITAT aus 10082-2009-06-23
    Vergleiche dieser Rekonstruktionen mit globalen Klimadaten und Daten der Kohlendioxidkonzentrationen aus antarktischen Eiskernen legen nahe, dass selbst eine Stabilisierung des heutigen Kohlendioxidniveaus in den kommenden Jahrtausenden zu einem sehr starken Meeresspiegelanstieg führen würde. Der Wert – 25 Meter (plus/minus fünf Meter) – liegt weit über dem, der in Langzeitvorhersagen des vierten Reports des Weltklimarats der Vereinten Nationen – Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC – genannt wurde.

    Starker Anstieg des Meeresspiegels prognostiziert.
    Die neue Einschätzung des Forscherteams stimmt mit unabhängig davon ermittelten Meeresspiegelhöhen überein, die für die Epoche des Mittleren Pliozän erhoben wurden – der Zeit vor drei bis 3,5 Millionen Jahren, als die atmosphärische CO2-Konzentration ähnliche Werte wie heute erreichte. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die festgestellten engen Zusammenhänge zwischen Temperatur, CO2-Konzentration und Meeresspiegelhöhe recht genau die grundlegenden langfristigen Gleichgewichte des Klimasystems über die vergangenen 3,5 Millionen Jahre wiedergeben.
    ZITAT Ende

  5. Lasst uns drueber reden

    „ich finde diese Meeresspiegelanstieg etwas übertrieben“
    Ein guter Punkt. Vielleicht sollte man viel mehr und oefter darueber reden wie unangemessen ein derart starker Anstieg fuer eine so maessige Erwaermung doch eigentlich ist. Wenn man dann noch immer wieder darauf hinweisst, dass es doch Alternativen wie zum Beispiel ein Abfallen oder Gleichbleiben des Meeresspiegels gibt, hat das Klima-Ozean-System vielleicht ein Einsehen und ueberlegt es sich nochmal. Ohne die Straende wuesste man ja auch gar nicht wohinein man seinen Kopf stecken soll.

    [Antwort: Nicht konstruktiv 🙁 … aber lustig 🙂 )
    Anders Levermann]

  6. An: Stefan Schindler
    Welche Gefahr?

    Ihre Aussage „Dann hat die Menschheit entweder andere Planeten besiedelt, oder ist schon ausgestorben. Mich wundert immer wieder, wie sehr Klimaforscher darum bemüht sind die zukünftigen Generationen zu beschützen. So als ob diese sich nicht weiterentwickeln würden und Probleme nicht selbst, technisch lösen könnten.“ ist bemerkenswert.

    Ich vertrete eine entgegengesetzte Ansicht: Handle so, dass es die Lebensmöglichkeiten der Menschen nachkommender Generationen nicht zerstört und auch nicht erheblich einschränkt.
    Nur mal als Gedankenspiel: Wir würden uns sehr bedanken, wenn vor 500 Jahren unsere Vorfahren so gewirtschaftet hätten, dass heute unsere Felder keinen fruchtbaren Boden mehr hätten oder vergiftet wären.
    Raimund Kamm

  7. Austesten der Toleranzgrenzen

    Wenn Probleme wie Meeresspiegelanstieg o.ä. angesprochen werden, gibt es immer Stimmen, die meinen, nicht so schlimm, geht ja langsam, genügend Zeit zur Anpassung etc. Man sollte nicht vergessen, dass aber eine ganze Reihe von Problemen auf verschiedenenen Zeitskalen dräuen, die von einer wachsenden Weltbevölkerung, ihrem Energie und Nahrungsmittelhunger hervorgerufen werden. Die Frage ist, wie groß ist noch die Sicherheitsmarge in einer näheren Zukunft, oder nähern wir uns schon dem orangefarbenen Bereich? Dann könnten durch unglückliche Zufälle sich Krisen so häufen, dass die Ressourcen einer Gesellschaft erschöpft werden, z.B. wenn dreimal hintereinander eine „Jahrhundertflut“ zuschlägt.

  8. Die einfachste, wirksamste und billigste Methode um die Probleme abzumildern wird überhaupt nicht diskutiert weil daran die internationalen Konzerne nichts verdienen können:

    Durch massive Aufforstungen würde nicht nur der CO2 Gehalt der Atmosphäre gesenkt sondern es würden große Mengen Wasser vom Meer aufs Land transferiert. Der Löwenanteil davon würde im Boden gespeichert und füllt das Grundwasser auf, ein geringer Anteil steckt in der neuen Biomasse.

    Ist eine Waldfläche groß genug erhöhen sich die Regenmengen. Wenn zur Bewässerung der neuangelegten Wälder auch noch teilweise Flußwasser genutzt wird gelangt auf diese Weise weniger Süßwasser vom Land ins Meer.

  9. Verstärkende Rückkopplungen

    Erdsystem kann immer weniger CO2 absorbieren:
    http://www.scinexx.de/…ell-16537-2013-08-15.html

    Zitat Herr Levermann:
    So sind die 2,3 Meter pro Grad Erwärmung kein Wert für dieses Jahrhundert.
    Zitat Ende

    Kann man nur hoffen, daß das so ist !
    1m MSPL-Anstieg bis 2100 ist auch Katastrophe genug.

    Interessanter und beunruhigender Ansatz von Hansen:
    Die ersten Jahrzehnte (ab jetzt) ist das (drohende) exponentielle MSPL-Anstiegsverhalten durch Messergebnisse kaum zu erkennen, während in weiterer Folge der Eisverlust so stark wird, daß sogar „Heinrich-Ereignisse“ (nord-/südpolar) ausgelöst werden.
    http://www.columbia.edu/…nlandIceSheetUpdate.pdf

    Wann wird denn der IPCC-AR5 veröffentlicht ?

  10. unglaubwürdig

    das IPCC geht davon aus, dass die projezierte, mittlere Erwärmung über das 21. Jahrhundert zu einem NEGATIVEN Beitrag der Antarktis zum Meerespiegelanstieg führt. Kurz, mehr Wasser wird in Folge dieser Erwärmung mittelfristig um den Südpol gespeichert.
    Wie diese Studie genau das Gegenteil behaupten kann, erscheint bestenfalls fragwürdig und ich vermisse auch die CO2 Senke Biosphäre.

    [Antwort: Sehr geehrter Herr Innerhofer, ich bin IPCC Autor für den nächsten Bericht der in einem Monat herauskommt. Der letzte Bericht hat nicht gesagt, dass die Antarktis negative beiträgt, nur die Oberflächenprozesse tragen negativ bei, der dynamische Effekt (Eisberge) waren explizit aus der Analyse des letzten Berichts herausgenommen. Was gibt es denn an der CO2 Senke zu vermissen? Wir machen eine Analyse in Abhängigkeit der Temperature. Anders Levermann]

  11. @Toni Erlbacher

    Soweit ich informiert bin, erfolgt die Veröffentlichung des neuen IPCC-Reports in mehreren Etappen, aufgeteilt in die Berichte der verschiedenen Arbeitsgruppen. Der erste Teil dürfte wohl noch im Herbst 2013 erscheinen, der Rest folgt dann 2014.

    @Allgemein: Mich verwundert etwas die Tendenz einiger Kommentare. Zwar behandelt dieser Blogbeitrag einen wichtigen Teilbereich des Klimawandels, nämlich den Meeresspiegelanstieg, aber das ist natürlich nur ein Aspekt unter vielen. Diesen Aspekt separat zu betrachten und als beherrschbar zu deklarieren (wie das zum Beispiel im ersten Kommentar zum Ausdruck kommt), ist meines Erachtens eine zweischneidige Vereinfachung, da hierbei der Gesamtkomplex „Globale Erwärmung“ mit seinen vielfach verflochtenen Wirkungen und Rückkopplungen außen vor bleibt.

  12. Die Illusion des Schalter Umlegens

    Die schon eingetretenen 0.8°C Erwärmung lassen den Meeresspiegel langfristig bereits um 2 m ansteigen. Da aber selbst bei sofortigem CO2-Emissionsstopp die Temperaturen weiter steigen, sind wahrscheinlich schon jetzt mehr als 3 m Meeresspiegelanstieg ins System „eingepreist“. Realisiert wird diese eingepreiste Meerespiegelerhöhung aber über den Zeitraum mehrerer Menschengenerationen.

    Dass der Meeresspiegelanstieg über mehrere hundert Jahre anhält und auch andere Klimaveränderungen wahrscheinich über hunderte von Jahren ablaufen, ist noch nicht so richtig ins Bewusstsein der Weltgemeinschaft eingedrungen.

    Solche langen Zeiträume anhaltender Klimaveränderung sind für die Länder dieser Erde denkbar ungünstig, denn sie bedeuten, dass wir fast überall auf der Erde in eine Phase der Anpassung eintreten, die auf unabsehbare Zeit sehr viel Investitionen bindet. Kaum sind die Deiche erhöht muss schon die nächst Deicherhöhung eineplant werden, da die Spiegel weiter steigen. Und nachdem man niedrig liegende Stadtteile einer Küstenstadt dem Meer überlassen hat, muss man später auch höherliegende Stadtteile aufgeben.

    Ich bin überzeugt, dass dieses Zukunftsszenario, wenn es einmal von vielen Menschen als sehr wahrscheinlich eingeschätzt wird, die Menschen davon überzeugen wird, dass es sich lohnt, die Treibhausgasemissionen möglichst schnell einzustellen.

    Doch von heute auf morgen lassen sich die Treibhausgasemissionen nicht einstellen, denn es fehlt an der Vorbereitung und an sinnvollen Szenarien, wie man diesen Ausstieg aus den Kohlenwasserstoffen am besten orchestriert.
    Es ist jedenfalls mehr als nur eine Entscheidung an der Urne oder in einer Uno-Vollversammlung nötig, denn es gibt sehr viele Optionen wie man den Ausstieg lenken könnte.

    Dazu gehören etwa:
    – ein Preis auf CO2-Emissionen überall
    – ein globales Supergrid für Strom, das EE-Strom überall einspeisen und überall abzapfen lässt
    Begrünung von Sahara und australischem Outback mittels entsalztem Meerwasser mit dem Ziel der Sequestration von CO2
    – eine UNO-Behörde von Experten, die Ländern beim Ausstieg aus den Kohlewasserstoffen helfen

    Heute herrscht noch die Illusion vor, es genüge ein Klimavertrag, den alle UNO-Mitglieder unterschreiben und dann laufe alles von selbst. Vielleicht wurde ein solcher Vertrag bis jetzt nicht unterschrieben, weil zuviele Länder nicht wollen, dass alles von selbst in Richtung Verzicht auf Kohle, Gas und Öl läuft. Doch selbst wenn ein solcher Vertrag schon unterschrieben wäre, würde das allein noch nicht genügen.

    Vorbereitet ist die Weltgemeinschaft jedenfalls auf einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas noch nicht.

  13. @ 15.08.2013, 11:04

    Sehr geehrter Herr Levermann,

    danke für ihre Antwort:

    “ Der letzte Bericht hat nicht gesagt, dass die Antarktis negative beiträgt, nur die Oberflächenprozesse tragen negativ bei, der dynamische Effekt (Eisberge) waren explizit aus der Analyse des letzten Berichts herausgenommen.“

    Es ist unvorstellbar, dass über einige Dekaden gesehen, die Dynamik des Kalbens um die Atarktis auf kurzfristige Klimaänderungen reagiert. Dort geht es angesichts der herrschenden Temperaturen um Jahrtausende bis Jahrzehntausende, was ihnen jeder Glaziologe bestätigen wird. Nicht mal die vergleichweise winzigen Alpengletscher, wie der größte Namens Aletsch reagieren nennenswert auf kurfristige Schwankungen in Jahreszeitskalen.

    „Was gibt es denn an der CO2 Senke zu vermissen? Wir machen eine Analyse in Abhängigkeit der Temperature. Anders Levermann] „

    Zitat:
    …Das liegt daran, dass der Ozean sowohl weniger Wärme als auch weniger Kohlendioxid aufnehmen kann, wenn die Emissionen stoppen und so verringert sich das Kohlendioxid nur langsam in der Atmosphäre und die Temperatur geht sogar noch langsamer herunter.

    Was weiß man heute Genaues über die Lebensdauer vom anthropogenem CO2 in der Atmosphäre? Zwischen 20 und 200a. Da liegen schon mal Welten dazwischen und ich nehme an, sie bevorzugen Studien mit 200a, wie ihre Kollegen am PIK.
    Und genau das habe ich mit Senke gemeint, nicht nur die dann eben „zu warmen Ozeane“ sondern die Biosphäre, welche uU. den erhöten CO2 Anteil schneller in mehr Biomasse umsetzen könnte, als über andere Wege.
    Ein fast vollständiges Abschmelzen des Grönlandeises würde bei +3°C ca. 3000a dauern (Böhm et al). Verfeueren wir den Groteil der fossilen Rsourcen in den kommenden 100 bis 200a ist spätestes in 500a mit einer Klimastabilisierung zu rechnen, sprich Werte wie im 20. Jahrhundert. Ein Meerespiegelanstieg von mehr als 2m über Jahrhunderte gesehen ist nicht nachvollziebar, auch wenn 2m freilich ziemlich katastrophale Auswirkungen haben könnten.

    [Antwort: Nur kurz: 1. Was sie über Kalben sagen stimmt nicht. Da arbeiten eine ganze Reihe von Gruppen dran insbesondere meiner. Schon in Pine Island gibt es derzeit große Veränderungen, ob die Anhalten weiß niemand, aber es sind schnelle Veränderungen ebenso wie das 4fach beschleunigte Kalben in Jacobshaven (Grönland). Die Studien zum CO2 sind nicht von mir und auch nicht hauptsächlich vom PIK sondern von einer ganzen Reihe von Gruppen (unter anderem Oxford University, aber auch Vancouver und Studien aus den USA). Ich habe hier die von Susan Solomon referenziert, aber es gibt wesentlich mehr. Anders Levermann]

  14. Gunnar Innerhofer @ 15.08.2013, 11:04 15

    Sehr geehrter Herr Levermann,

    einmal darf ich noch zu oben…

    Sie nennen den Pine Island Gletscher, wo „rasche“ Veränderungen festgestellt werden. OK, das mag alles korrekt sein, nur ist das nur einer von vielen antarktischen Gletschern und andere verhalten sich genau umgekehrt und wie viel dieser zwar gewaltige Eisstrom zum Meerespiegel beiträgt, überlasse ich „Erbsenzählern“.
    Wichtiger ist die Frage, warum verhält sich dieser über den kurzen Messzeitraum wie in der Lit. beschrieben?
    Die Temperaturen od. die relativ geringen Schwankungen dieser im Einzugsgebiet können es wohl kaum sein, südlich von ca. 74°S ist es auch die wärmsten Wochen des Jahres viel zu kalt für nennenswerte Schmelzprozesse (Strahlungsbilanz?, Sublimation?…) In der Bay selbst steigen die T kurz über Null Grad an, zudem haben wir es mit flüssigem Wasser zu tun, zumindest über einige Wochen. Änderungen der Strömungen?

    Wenn ein antropognes Klimasignal in der Antarktis Wirkung zeigen könnte, dann die Ausdehnung des Meereises und das speziell über den Sommer dort. Dieser Bereich wäre wesentlich sensibler, als alle Gletscher im antarktischen Raum. Nur, was zeigen die Daten: das seaice nimmt nicht ab, im Gegenteil, eine leichte Zunahme ist über die letzten Dekaden zu beobachten.
    Alle Erlärungen dazu stehen im Widerspruch zu den Aussagen in Bezug auf das Kalben bzw. die Massenbilanzen einzelner Gletscher im Südpolargebiet.

    Ein Beispiel noch: im Alpnraum haben um 1980 ca. 75% der Gletscher positive Bilanzen gezeit. Gletscher, wie in der Sonnblickregion hatten davor einige Jahre positive Bilanzen, wenn auch deutlich weniger hoch, wie sie heute negativ sind. Dennoch, es hat selbst bei diesen winzigen Eisströmen etliche Jahre gedauert, bis das erste mal eine Längenzunahme gemssen wurde. Die ersten 80ger Jahre waren bilanziell wieder negativ, man mass aber noch ein paar mal kleinere Vorstöße.
    Ich muss ihnen über die Trägheit von Gletschern wohl nichts erzählen, sie sind ja der Forscher, nicht ich. Nur, es liegt auf der Hand, dass gewaltige Eisströme wie sie sie nennen, um Faktoren von 100 bis 1000 träger sind, als diese klitzekleinen Alpengletscher. Was wir heute über einige Jahre in der Antarktis feststellen, kann seine Ursachen Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende zurück haben. Geringe T Schwankungen bei gegebenem Niveau sind es sicher nicht, auch wenn gewisse Studien in diese Richtung argumentieren versuchen. Auch das Wegener Institut hat den kürzlichen Abbruch des gewaltigen Eisberges nicht dem Klimawandel zugeschrieben und sie werden dem wohl nicht widersprechen. Man hat in dieser kurlebigen Welt scheinbar vegessen, in den richtigen Zeitskalen zu denken!

    [Antwort: Nur kurz die Vogelperspektve (im Gegensatz zur Erbsenzählerei): (1) Die Antarktis verliert mittlerweile genauso viel Eis wie Grönland, (2) die Meeresspiegelhöhen in früheren Warmperioden deuten auf einen enormen Beitrag der beiden Eisschilde und (3) in unserem Paper verwenden wir physikalisch basierte Modelle und diese sind konsistent mit den Paleodaten.

  15. M.M. nach gibt es im Eingangsartikel einen gewaltigen Denkfehler: Der Anstieg um 2,3 Meter pro Grad Erwärmung setzt voraus dass die Erwärmung über 2.000 Jahre anhält oder steigt. Kommt es aber z.B. zu einer kleinen Zwischeneiszeit ist die ganze Studie Makkulatur.

    Weiterhin wird der Meeresspiegel nicht nur durch die vorhandene Menge Meerwasser und dessen Temperatur bestimmt. Es kommt auch auf das Volumen an und das kann sich durch unterseeische Gebirgsbildungen, Vulkanismus, Kontinentaldriften oder Bodensenkungen ändern.

    Um 2,3 Meter Anstieg zu erreichen müssten ca. 2-3% vom Festlandeis abschmelzen. Wie das gehen soll wenn in 99,5% der betreffenden Gebiete auch im Sommer tiefe Minustemperaturen herrschen ist vielen Laien nicht verständlich. Dazu müsste man den NETTO Masseverlust über lange Zeiträume berechnen können. Da aber niemand weiß wieviel Schnee in Zukunft auf das ewige Eis fallen wird ist dies eine Rechnung mit extrem vielen Unbekannten.

    [Antwort: Eine „kleine Eiszeit“ ist dafür nicht relevant, da sie entweder regional oder gering in Magnitude ist. Die nächste tatsächliche Eiszeit kommt erst in etwa 40000 Jahren. Die geologischen Aspekte sind im Paper abgedeckt und in den Ergebnissen berücksichtigt. Der zukünftige Schneefall auf die Antantarktis ist aus einer Reihe von Methodiken recht gut einzugrenzen. Das ist nicht das Problem.

    Im übrigen werden wissenschaftliche Artikel in erster Linie nicht für die Laien sondern für die Wissenschaftler geschrieben. Wir informieren hier über die Resultate. Diese populärwissenschaftliche Darstellung wird in den meisten Fällen die Rigorosität eines wissenschaftlichen Artikels nicht erreichen. Entsprechend macht es wenig Sinn von Ihrem Unverständnis auf Lücken in der Arbeit zu schließen.

    Anders Levermann]

  16. Ich schließe nicht auf Lücken in der wissenschaftlichen Arbeit sondern weise darauf hin dass diese Arbeiten für Laien nicht ausreichend verständlich sind. Als Antwort verweisen Sie auf für Laien entweder nicht zugängliche oder nicht verständliche Papers und verlangen dass man den Klimaforschern blind zu glauben und zu vertrauen hat.

    Immerhin weiß ich jetzt warum das so ist: Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind nur für Klimawissenschaftler bestimmt. Die anderen 99,999% der Bevölkerung haben das hinzunehmen (bzw. das was die Medien und Al Gore veröffentlichen) und vor allem ohne murren zu bezahlen.

    Nun gut, jetzt weiß man woran man ist. Danke für die klaren Worte, Herr Levermann.

    [Antwort: Ich verlange in keiner Weise, dass Sie mir blind vertrauen und auch nicht, dass „ohne Murren“ bezahlt wird. Es gibt ein detailiertes System von Forschungsfinanzierung, in dem sehr viel Information von Wissenschaftlern zu Entscheidungsträgern fließt und umgekehrt und es sehr viel Kontrolle gibt.

    Was Sie hingegen tun ist von Ihrem Unverständnis auf Fehler zu schließen und das aus einer populärwissenschaftlichen Darstellung der Ergebnisse heraus.

    Würden Sie annehmen, dass die Relativitättheorie falsch ist, nur weil sie eine populärwissenschaftliche Darstellung dieser nicht verstanden haben? Wie eine Reihe meiner Kollegen bin auch ich theoretischer Physiker und wenn ich die Relativitätstheorie erkläre, habe ich persönlich eine solche Reaktion noch nie bekommen. Im Klimabereich ist sie aber sehr häufig.

    Was ich aber sicher sagen kann ist, dass die Klimawissenschaften wesentlich komplexer sind als es die spezielle Relativitätstheorie ist.

    Vielleicht ist einfach etwas Vorsicht bei den Schlüssen Ihrerseits geboten. Anders Levermann]

  17. Zweck dieses Blogs ist der Austausch zwischen Wissenschaftlern und interessierten Laien. Als solcher erlaube ich mir hier Dinge anzusprechen die nicht nur mir, sondern auch im gesamten Bekanntenkreis nicht hinreichend verstanden werden.

    Was hindert eigentlich Institute wie das PIK daran die Forschungsergebnisse allgemeinverständlich zu veröffentlichen?

    Z.B. fragen sich viele Laien wieso und sich zurückziehenden Gletschern in den Alpen oder Südgrönland Dinge ans Tageslicht kommen die dort höchstens 1.000 Jahre gelegen haben können? Der Laie schließt daraus dass vor 1.000 Jahren die Gletscher kleiner als heute gewesen sein müssen und dann bis vor einigen Jahrzehnten angewachsen sind.

    Oder nehmen wir Ihr Posting von vorhin. Da fragt sich der Laie u.a. warum die Wissenschaft nicht das lokale Wetter für 3 Tage vorhersagen kann, aber sehr wohl weiß wieviel Schnee in 100 Jahren am Südpol fallen wird. Oder wie sich die geologischen Formationen in der Tiefsee verändern werden obwohl diese zu ca. 99% unerforscht ist.

    Ich bin mir sicher dass verständliche Antworten auf derartige Fragen unabdingbar sind wenn man als Wissenschaftler von der Öffentlichkeit respektiert werden und die Diskussion versachlichen will. Hinweie auf die Relativitätstheorie sind völlig daneben weil dies für Laien völlig belanglos ist, der Klimawandel aber alle 7 Mrd Menschen unmittelbar betrifft.

    [Antwort: Das ist selbstverständlich eine Ressourcenfrage. Das Potsdam-Institut investiert sehr viel in die öffentliche Darstellung von Forschungsergebnissen – nicht nur unserer und was ich hier gerade mache geschieht in meiner Freizeit. Daraus dass wir hier Beiträge schreiben leitet sich doch nicht für sie ein Anspruch auf Privatunterricht ab. Das wäre eine ungeheure Verschwendung von Steuergeldern, wenn das in der Arbeitszeit geschehen würde. Es reicht jetzt Herr Binikowski. Ich werde mich auf keine weitere Diskussion, die nicht themenbezogen und sachbezogen ist einlassen. Anders Levermann

  18. OK, zurück zum Thema. Sie behaupten dass eine Zwischeneiszeit keinen Einfluß auf den Meeresspiegel hat. Dann muß es eine andere Erklärung für die Wikingersachen unter den Grönlandgletschern geben.

    Keine Frage, wenn Gletscher schmelzen dann steigt der Meeresspiegel. Also müsste er bei wachsenden Gletschern sinken. Falls nicht, wo kommt dann das Wasser her?

    Die Aufklärung dieses Sachverhalts ist ganz sicher kein „Privatunterricht“ sondern von allgemeinem Interesse.

  19. @Jochen Binikowski

    Ich habe den Eindruck, dass Sie sich mit aller Macht an etwas festklammern und dabei Argumente ins Feld führen, die bei näherer Betrachtung nicht sehr stichhaltig anmuten. Zum Beispiel umfasst der relevante Zeitrahmen für unterseeische Gebirgsbildungen und die Kontinentalverschiebung einige Millionen Jahre, aber keineswegs die im Artikel behandelten zwei Jahrtausende. Und selbst der Ausbruch eines Supervulkans dürfte auf das Volumen der Weltmeere so gut wie keinen Einfluss haben.

    Es ist meines Erachtens auch wenig zielführend, an dieser Stelle jede erwähnte Studie bis ins Detail zergliedern zu wollen. Das würde bei Adam und Eva beginnen und wahrscheinlich nie ein Ende finden. Ich kann Herrn Levermann durchaus verstehen, wenn er dieses Spiel nicht endlos mitmachen will (zumal in Ihren Statements immer ein Grundzweifel hinsichtlich selbst gut belegter Aussagen mitschwingt).

    Wenn mich neue Forschungsergebnisse brennend interessieren, schaue ich mir die entsprechenden Studien im Original an. In vielen Fällen ist damit leider auch eine Zahlungsaufforderung verknüpft (prominentes Beispiel: Nature). Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass einer per Mail verfassten Bitte an den Hauptautor, mir ein PDF des Papers zuzusenden, relativ häufig entsprochen wird.

    Natürlich sind diese Papers dann „Wissenschaft pur“ und nicht für Laien geschrieben, wobei der Begriff „Laien“ auf keinen Fall abwertend gemeint ist. Es mag ein Dilemma sein, aber es gibt meines Erachtens auf diesem Sektor nur die beiden Möglichkeiten, sich entweder anhand der Primärliteratur in ein Thema einzuarbeiten oder eine populärwissenschaftliche Darstellung im Vertrauen auf deren Seriosität zu akzeptieren (was Rückfragen und Diskussion selbstverständlich nicht ausschließt). Ein Generalzweifel an allem und jedem würde mich hingegen auch nerven.

  20. @ Jochen Binikowski

    Es gibt einige Möglichkeiten, sich auf einem populärwissenschaftlichem Niveau zu informieren, die Sie nutzen können. Die deutschen wikipedia-Artikel zu diesem Themkreis scheinen mir ganz gut zu sein:

    Zu Wikinger im Permafrostboden z.B.:

    http://de.wikipedia.org/…ttelalterliches_Optimum

    Zum Meeresspiegelanstieg:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Meeresspiegelanstieg

    Grundlegende Informationen gibt es auch bei
    http://Klimafakten.de

    Die IPCC-Berichte gibt es (teilweise) auch auf Deutsch:

    http://www.de-ipcc.de/de/128.php

    Fachzeitschriften kann man in der Regel an Universitäten kostenlos einsehen, wenn man einen Benutzerausweis hat, weil die Universitäten über Lizenzen verfügen.

    „Spektrum der Wissenschaft“ veröffentlicht auch immer wieder mal Artikel zur globalen Erwärmung und liegt in Bibliotheken aus.

    Gewisse Inkonsistenzen und offene Fragen gibt es in jedem Wissenschaftsbereich und sind an sich noch kein Grund, eine Theorie abzulehnen. Wie relevant solche Fragen sind, können in der Regel nur Experten beurteilen. Lobbyisten der Energieindustrie (z.B. Vahrenholt) missbrauchen sie aber zu Desinformationskampagnen. Nicht alles aber, was dem Laien als ein Widerspruch erscheint, ist tatsächlich einer.

  21. Ich zweifel die Forsachungsergebnisse nicht an sondern wundere mich darüber warum bei derart langfristigen Prognosen die vielen Unbekannten in der Rechnung einfach als unbedeutend abgetan, und auch keine realistischen Fehlerbalken angegeben werden.

    Das ist schon seit Beginn der Klimadiskussion vor gut 30 Jahren so und hat weltweit zu politischen Fehlentscheidungen in Billionenhöhe geführt. Ich nenne da nur mal den Zertifikatehandel, EEG, Urwaldabholzungen für Palmöl und Konferenztourismus. Es wurde netto keine einzige Tonne Treibhausgase eingespart, im Gegenteil, die Emissionen steigen immer weiter an.

    Vor lauter Klimaschutz wird das eigentliche Problem völlig aus dem Blick verloren: Solange fossile Energien in der Herstellung billiger sind als erneuerbare werden die auch verbrannt. Eine Umkehr wird es wahrscheinlich erst dann geben wenn billige und effiziente Stromspeicher erfunden werden. Das wird höchstwahrscheinlich vor dem Zeitpunkt geschehen an dem fossile Energien durch Verknappung und/oder globale Besteuerung spürbar teurer und damit unwirtschaftlich werden.

    Bis das soweit ist sollten die vorhandenen Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden. Es geht dabei nicht nur um eine Reduzierung der Emissionen sondern auch um die Vergrößerung der CO2-Senken. Entsprechende Konzepte gibt es zuhauf, sie müssen nur umgesetzt werden.

    [Antwort: Woher wissen Sie was als unbedeutend abgetan wurde und woher können Sie die Fehlerbalken besser abschätzen als wir? Anders Levermann]

  22. @ Paul Stefan

    ich bin mir da schon weniger sicher, ob ihre angeführten Links zu Wikipedia wirklich hilfreich sind und schon gar nicht, ob man dort wirklich objetive Informationen findet. Egal, wäre hier auch zu sehr OT.

    Aber, zu Herrn Vahrenholt und Co. noch was. Sie glauben doch wohl nicht im ernst, dieser und andere würden sich so „verhalten“, um damit ihren Lobby Interessen gerecht zu werden? Diese Milchmädi Story, die Öllobby ua. gäbe Studien in Auftrag, welche gegen die AGW Gemeide wirken sollen, sind doch was für den Kindergarten od. preigekröntem „Hollytainment“ a la Al Gore. Der Ölindustrie kann es nur Recht sein, wenn die Preise allgemein steigen und die Reserven und Resourcen womöglich etwas länger verfügbar bleiben. Öl wird so oder so gebraucht, auch wenn es nicht zu Diesel & Co verarbeitet wird.

    Nicht das ich V&L (Kalte Sonne) verteidigen will, da steht mE zu viel Unsinn drin, aber Herrn V. anzulasten, er würde für die Energie Lobby solche Arbeiten verfassen, ist völlig haltlos, unlogisch und naiv zugleich.

    [Hinweis an alle: Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikel. Danke! Anders Levermann]

  23. Na ja, Sie haben ja Faktoren wie kleine Eiszeiten oder verstärkten Vulkanismus als unbedeutende Faktoren abgetan. Dann ist das Thema technischer Fortschritt überhaupt noch nicht angesprochen worden. Den kann niemand vorhersagen, wird aber einen enormen Einfluß auf das künftige Klima haben.

    In fast allen düsteren Prognosen werden die Temperaturen und CO2 Gehalt von vor ca. 130 Jahren als Bezugspunkt gewählt. Damit wird der Eindruck erweckt dass diese Verhältnisse eine Art Idealzustand sind. Das halte ich nicht nur für unwissenschaftlich sondern für extrem gefährlich.

    Was würde passieren wenn es durch den technischen Fortschritt gelingen würde z.B. innerhalb von 20 Jahren die Temperatur um 0,8 Grad zu senken und den CO2 Gehalt auf 280 ppm zu reduzieren? Darüber habe ich noch keine Studie gesehen.

    Deshalb wage ich mal eine Prognose: Das würde den Hungertod von mindesten 2 Mrd Menschen sowie den Zusammenbruch aller Dritte Welt Länder durch Hungerrevolten und Anarchie bedeuten!

    Der Grund dafür liegt in der Tatsache begründet dass die heutigen Nutzpflanzen zwingend auf einen möglichst hohen CO2 Gehalt angewiesen sind. Die höchsten Erträge werden in Gewächshäusern mit 1.100 bis 1.400 ppm erzielt. Im Freiland würden 280 ppm zu Ertragsrückgängen von 25 bis 40% führen die auch durch zusätzliche Düngung oder Züchtung neuer Sorten nicht ausgeglichen werden können.

    Hinzu kommt dass bei kühleren Temperaturen die Luftfeuchtigkeit sinkt und es weniger regnet. Auch werden in den gemäßigten Zonen die warmen Wachstumsperioden für bestimmte Pflanzen zu kurz.

    Das war jetzt nur mal ein Szenario mit der Kehrseite der Medaille. Ich bin mir ziemlich sicher dass es weder zu Erwärmungs- oder Abkühlungskatastrophen kommen wird da künftige Generationen ganz andere Möglichkeiten zur Wetterbeeinflussung haben werden als wir es uns je erträumen können.

  24. Nordseeküste opfern

    „Deutschland z.B. muss sich entscheiden, ob wir die Nordseeküste opfern wollen oder den Treibhausgasausstoß so in Grenzen halten, dass wir die Altstädte von Bremen, Hamburg und Greifswald erhalten können.“

    Greifswald…

    Entschuldigung, wollte nur darauf hinweisen. Bei allen Papers der Welt sollte dennoch auch eine nur kleine Universitätsstadt am alten Platz verbleiben dürfen.

    [Antwort: 🙂 Das hat aber lange gedauert bis das einer gemerkt hat. Danke für die Korrektur 🙂 . Anders Levermann]

  25. Studien: unterschiedliche Ergebnisse

    Mich irritiert die Diskrepanz der MSPL-Anstiegsprognosen, gültig für das equilibrierte Klimasystem (also langzeitstabilisiert nach einigen Jahrtausenden): Herr Levermann kommt auf 2,3m/°C, während Eelco Rohling und James Hansen von +25m im Pliozän (bei 400ppm CO2), welches ca. 2°C wärmer war als heute, reden.
    Jetzt die Preisfrage: Welche Studie ist die Richtigere ?
    Nach meinem Gefühl ist 2,3m/°C viel zu gering. Dann stiege der MSPL bei einer globalen Erwärmung von 5°C ! ja nur um 12 Meter; das ist die Abschmelzung von weniger als ein Fünftel der gesamten Eismassen auf der Erde.(Die Volumsausdehnung des Wassers ist ja bei den +12m auch dabei)
    Das bezweifle ich mal sehr stark.

    Antwort: Das ist eine völlig valide Frage und wie ich schon in anderen Bloganworten gesagt habe, ist unsere Arbeit eine Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion. Wichtig ist auch, dass die 2.3 m/K nicht beliebig extrapoliert werden können. Wir haben uns auf den Bereich bis etwas über 4 Grad beschränkt, weil es Hinweise darauf gibt, dass die selbstverstärkende Deglaziation der Ostantarktis erst bei höheren Temperaturen einsetzt. Wenn Sie sich das Paper genau ansehen, dann sehen Sie dass wir in Fig 1 Paleodaten angeben, die mit denen von Hansen und Rohling vergleichbar sind. Entscheidend hierbei ist aber, dass die Paleodaten sehr große Unsicherheiten haben und somit die Meeresspiegelanstiegsabschätzungen nicht gut eingrenzen. Wir haben deshalb gesagt, dass wir physikalische Modelle brauchen, die jede einzelene Komponente modelliert und haben diese mit regionalen Paleoklimadaten validiert. Die Summe der so erhaltenen Beiträge liegt in der (großen) Unsicherheit der Paleodaten, ist aber durch die physikalische Modellierung wesentlich genauer eingeschränkt. Deshalb glaube ich, dass unsere Abschätzung besser ist als die von Hansen und Rohling. Aber ich kann mich natürlich irren. Wir werden sehen. Anders Levermann]

  26. @Jochen Binikowski , CO2 Pflanzen

    Die Darstellung der Rolle von CO2 in der Pflanzenphysiologie ist hier so vereinfacht worden, daß so ziemlich alles daran falsch ist.
    Ersteinmal muß bei den Nutzpflanzen in C3 und in C4 Pflanzen unterschieden werden.
    C4 Pflanzen ( Mais, Hirse etc.) speisen das CO2 bereits als Oxalacetat vorfixiert in den Calvin-Zyklus ein, sind so von der vorhandenen CO2 Konzentration innerhalb einer deutlichen Bandbreite unabhängig. Nun sind es durch ihren Stoffwechselweg aber auch die C4 Pflanzen die mit hohen Temperaturen gut zurecht kommen.
    C3 Pflanzen sind in ihrer Kohlenhydrat-Synthese in der Tat auf hohe C02 Konzentrationen angewiesen. Bei steigender Temperatur löst sich jedoch Sauerstoff um ein vielfaches besser im wässigrigen Zytosol als CO2, sodaß trotz der nun gestiegenen Aussenkonzentration von Kohlenstoffdioxid, RubisCO ein erhöhtes Sauerstoffangebot präsentiert wird, mithin die Photorespiration gesteigert wird.
    Bei der CO2 Zufuhr im GEWÄCHSHAUS wird daher die Temperatur GEHALTEN auf für die jeweilige Planzenart optimalem Niveau.
    Die erhöhe Biomassenproduktion von Nutzpflanzen über die letzten Jahrzehnte, ist das Resultat des Einsatzes von gezüchteten Hochertragspflanzen ( grüne Revolution).

    [Antwort: Bitte trotzdem beim Thema des Artikels bleiben. Anders Levermann]

  27. Ich bin mir ziemlich sicher dass die Sache mit dem Co2 und Pflanzenwachstum einer der Schlüssel ist mit dem die Folgen des Klimawandels beeinflusst wird. Deshalb würde ich es begrüßen wenn zu diesem wichtigen Thema ein separater Thread eröffnet werden könnte. Dann werde ich detailliert über unsere eigenen Feldversuche berichten deren Ergebnisse teilweise im Widerspruch zu den Thesen von Herrn Dobbertin stehen.

    [Antwort: ok. Fahren Sie fort.]

  28. Ich lebe den größten Teil des Jahres auf den Philippinen und betreibe sort seit langer Zeit eine Demofarm. Alles nur aus eigenem Interesse an der Landwirtschaft und mit eigenem Geld finanziert. Ich bin weder Wissenschaftler noch Bauer, sondern Kaufmann. Eines unserer Experimente möchte ich kurz schildern:

    Wir haben eine 5×5 Meter Fläche ca. 1 Meter hoch ummauert, mit verschließbarer Pforte, nach oben vollkommen offen. Dort haben wir dann Pflanzbeutel mit gerade gekeimten Gemüse- und Baumsetzlingen reingestellt. Zur Kontrolle die gleiche Anordnung nebenan ohne Mauer.

    Nach 6 Wochen waren alle Pflanzen drinnen deutlich größer als im Aussenbereich. Die Unterschiede lagen je nach Sorte zwischen 10 und 30%.

    Leider können wir uns kein CO2-Meßgerät leisten. Deshalb konnten wir nur die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen. Beide Werte waren innen deutlich höher und hatten sicherlich Einfluß auf das Wachstum.

    Der entscheidende Punkt ist nach Auskunft mehrerer Wissenschaftler die faktische Windstille im Innenbereich. Nachts gasen die Pflanzen einen Teil des am Tage aufgenommenen CO2s wieder aus, deshalb ist der bodennahe CO2 Gehalt morgens höher als abends. Im freien Feld wird morgens das CO2 einfach weggeweht und vermischt sich mit der Aussenluft.

    Für das Pflanzenwachstum ist praktisch nur der bodennahe CO2 Gehalt von Bedeutung. Aus diesem Grund wachsen Pflanzen in städtischen Bereichen auch besser als in Reinluftgebieten.

    Leider verstehe ich das Fachchinesisch von Herrn Dobbertin nicht so richtig. Deshalb versuche ich jetzt mal die Sachlage mit meinen eigenen Laien-Worten zu beschreiben:

    Seit Beginn der industriellen Revolution haben sich die Hektarerträge mehr als verzehnfacht. Hauptgrund ist die Grüne Revolution, also bessere Züchtungen, Düngung, Landbearbeitung, Pflanzenschutz usw. Zusammengenommen sind diese Faktoren aber nur für, je nach Pflanzenart, 70-90% des Mehrertrages verantwortlich. 10-30% haben ihre Ursache im seitdem gestiegenen CO2 Gehalt der Luft. Das sagen jedenfalls fast alle mir persönlich bekannten Wissenschaftler.

    Natürlich spielt das Liebig-Minimumgesetz hier eine große Rolle. D.h. die Pflanzen können das zusätzliche CO2 nur dann verwerten wenn alle anderen Parameter wie Düngung, Temperatur, Licht usw. optimal sind und CO2 der limitierende Faktor ist. Und genau das ist bei den heutigen Hochleistungspflanzen fast immer der Fall.

    Man darf also den CO2 Gehalt nicht isoliert betrachten. In der Natur ist alles ein kompliziertes System mit unzähligen Wechselwirkungen. Es gibt zudem noch zahlreiche schleichende Änderungen die über kurze Zeiträume kaum meßbar sind.

    Der CO2 Gehalt steigt seit 150 Jahren. Das sind nur 6 Menschengenerationen, aber beim Getreide in Europa 150 und in den Tropen bis zu 450 Generationen. Ich vermute mal dass wenn man aus Saatgutbanken 150 Jahre alte Samen heute auspflanzt und wie damals düngt, die Pflanzen werden vom höheren CO2 Gehalt nur wenig profitieren weil sie genetisch nicht dafür ausgelegt sind.

  29. @Jochen Binikowski

    Sie schreiben: „…150 Jahre alte Samen heute auspflanzt und wie damals düngt, die Pflanzen werden vom höheren CO2 Gehalt nur wenig profitieren weil sie genetisch nicht dafür ausgelegt sind.“

    Nein, das dürfte ein Trugschluß sein.

    Alles andere sehe ich wie Sie -und schaue mir gern auf Ihrer Website Ihre Experimente an.

  30. Hallo Herr Müller, ja, das war auch nur eine Vermutung von mir. Wenn Sie nähere Informationen dazu haben, immer her damit…

    Vieleicht sollte man in diesem Zusammenhang auf eine weitere wichtige Sache hinweisen die den meisten Laien nicht wirklich bewusst ist: Jede Nutzpflanze hat ein sog. genetisches Potenzial. D.h. unter absolut perfekten Laborbedingungen sind z.B. beim Körnermais Erträge von knapp 20 t/ha möglich.

    In der Praxis liegen die Erträge aber ca. 50% niedriger. Das liegt ganz einfach daran dass die Bedingungen während der Wachstumsphase nicht immer perfekt waren. Zuviel oder zuwenig Regen, zu warm oder zu kalt, periodischer Schädlingsbefall usw., irgend etwas ist immer suboptimal.

    Das ist der Grund dafür dass z.B. die Getreideernte weltweit Jahr für Jahr geringfügig steigt, trotz der vielen Unbilden der Natur. Das gleicht sich immer mehr oder weniger aus. Deshalb gibt es bei den Nahrungsmitteln auch kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem.

  31. Jochen Binikowski , 1.9.13.

    In der Tat bin ich, was den Nutzpflanzenanbau betrifft, Theoretiker. Mein Punkt, der offenbar nicht gut deutlich geworden ist, ist die immer wieder auftauchende Behauptung, ein CO2 Anstieg würde als kostenloser Booster global die Ernteerträge steigern. Das Problem ist hier die mit dem CO2 steigende Temperatur, die vom reinen CO2 Anstieg eigentlich profitierende Pflanzen wieder beinträchtigt.
    Daß optimierte Züchtungen, optimal gedüngt, bewässert und mit Pestiziden abgeschirmt, hohe Erträge erwirtschaften ist trivial, wie hier der Anteil der CO2 Erhöhung zu bestimmen ist, würde mich sehr interessieren. Nur sind vorgenannte Anbauweisen primär für Exporterzeugnisse (Cash crops)durchführbar, da Lizenzgebühren für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel Devisen kosten, die in der indigenen Landwirtschaft regelmässig nicht vorhanden sind. Eine fortschreitende globale Erwärmung wird diese Problematik eminent verschärfen.
    Die auf dem 4. International Crop Science Congress 2004 von Fujimura et al. vorgestellte Studie zum Verhalten von Sommerweizen bei erhöhtem CO2 UND erhöhter Temperatur zeigt, wie das theoretisch abzuleitende Problem leider prompt in praxi auftritt: http://www.cropscience.org.au/…55_fujimuras.htm.
    Wie der fortschreitende Meeresspiegelanstieg, wird auch dieser Aspekt der globalen Erwärmung, die Volkswirtschaften verschärft treffen, die ohnehin durch geringe vorhandene Ressourcen kaum eine Möglichkeit, schnell und umfassend zu reagieren haben.

  32. Leider funktioniert der Link nicht. Dafür habe etwas Interessantes:

    http://www.pioneer.com/…d-corn-production-guide/

    Das ist eine Pflanzanleitung für Gen-Mais, haben wir kürzlich ausprobiert und ein Debakel erlebt, nur 3,5 t/ha geerntet obwohl mehr als 10 möglich sind. Achten Sie darauf was zum Thema Bewässerung gesagt wird, es sind 5 Perioden von einigen Tagen an denen der Boden unbedingt feucht sein muß. Bei uns waren 2 dieser Perioden von kurzen Dürren betroffen. Wenn man nicht künstlich bewässern kann ist das also ein reines Glücksspiel.

    Der Clou ist aber dass bei indigenen Maissorten genau das gleiche Problem besteht. Nur dass dann diese beiden Dürrephasen dazu geführt hätten dass statt der optimalen 2,5 nur 1,5 t/ha rausgekommen wäre. Der Aufwand für Landvorbereitung, Aussaat, Unkrautbekämpfung usw. wäre genauso hoch wie bei GVO, nur Saatgut und Dünger hätten geringere Kosten. In beiden Fällen würde diese Wetterkostellation zu einem großen finanziellen Schaden für den Farmer führen.

    Was ich damit sagen will: Durchschnittstemperaturen und CO2 Gehalt sind nur 2 Faktoren von vielen. Mal ein krasses Beispiel: 120 Tage zwischen Aussaat und Ernte, davon 115 Tage optimales Wetter. 5 Tage Dauerregen genau während der Blütephase, also kaum Bestäubung, und es gibt ca. 90% Ernteausfall, egal ob mit F1 oder indigenen Sorten.

    Für den Pflanzenwuchs sind globale Durchschnittstemperaturen usw. praktisch unerheblich, es kommt auf die gesamten Wettereinflüsse während der Wachstumsphase auf dem betreffenden Acker an. In Deutschland z.B. schwanken die durchschnittlichen Sommertemperaturen von Jahr zu Jahr in einer Bandbreite von ca. 3 Grad, die gesamte Erntemenge bleibt aber im Schnitt weitgehend konstant.

    [Antwort: Sorry, aber dieser Diskussionsstrang ist wirklich sehr vom Thema Meeresspiegel abgedriftet und wird hier nicht mehr weiter verfolgt. Stefan Rahmstorf]