Das aktuelle Eisminimum in der Arktis

Es ist Mitte September, daher ist das diesjährige Minimum der Meereisbedeckung in der Arktis erreicht. Als Update zum vorigen Beitrag von Lars Kaleschke zeigen wir zwei aktuelle Grafiken zur Eislage, die die Universität Hamburg gerade mit einer Pressemitteilung verbreitet hat.

Die erste Grafik zeigt die Entwicklung der Meereisausdehnung. Nach dem Rekordminimum des letzten Jahres gab es in diesem Jahr erwartungsgemäß wieder mehr Eis (zumindest in der Fläche – über die Eisdicke sagen diese Daten nichts) – allerdings weniger als in allen Jahren vor 2007. Man sieht hier einen Abwärtstrend überlagert von Schwankungen – genau wie bei der globalen Temperatur, die eine Aufwärtstrend überlagert von Schwankungen zeigt.

Die folgende Grafik zeigt die Eisdecke in den letzten Wochen – zum Vergleich ist als rote Linie die Eisausdehnung im Rekordminimum vom September 2012 gezeigt. Die Hamburger Kollegen weisen darauf hin, dass die teilweise offenen Flächen (dunkelblau) in der Nähe des Nordpols sehr ungewöhnlich sind: „seit Beginn der Satellitenmessungen ein bislang einmaliges Ereignis“.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gegen Null

    Die Schwankungsbreite der Meereisfläche nimmt augenscheinlich immer weiter zu. Wie nützlich ist dieser Indikator überhaupt noch?

    [Antwort:Das könnte daran liegen, dass das Eis immer dünner wird und damit empfindlicher gegenüber Wetterschwankungen. Für das Klima ist die Fläche sehr wichtig wegen ihrer Wirkung auf die Strahlungsbilanz des Planeten – die hellen Eisflächen reflektieren Sonnenlicht. Die Eisdicke dagegen ist wichtig für die Frage, wie lange das Eis noch der Erwärmung standhält. Stefan Rahmstorf]

  2. Mir erscheint die Abnahme des Meereises nördlich Europas viel stärker als auf der amerikanisch – kannadischen Seite.
    Gibt es hier einen Zusammenhang mit den erhöhten Meerestemperaturen und gelangen diese durch den Golfstrom in diesen Bereich?
    Gibt es aktuelle Anzeichen für die befürchtete Abschwächung des Golfstromes durch Süsswassereintrag, wenn in dessen „Mündung“ ein derart hoher Meereisverlust zu beobachten ist?

    [Antwort: Messdaten der Tiefenströmung zeigen zwar eine Abschwächung (siehe http://www.ocean-sci-discuss.net/10/1619/2013/ ) aber die Messreihe ist zu kurz, um Folgerungen über Ursachen etc. zu ziehen. Stefan Rahmstorf]

  3. warum immer weniger Eis?

    von einigen Seiten wir ja gemutmaßt, der antropogene, zusätzliche Treibhauseffekt hat diese Abnahme an seaice um die Arktis verursacht. Vielleicht ist es aber so, dass zB. die NAO die Abnahme des Eises induziert hat, darauf folgt wegen der Albedo Rückkopplung eine weitere Erwärmung und diese arktische Erwärmung trägt ja zu einem gewissen Teil über die Großwetterlagen auch zum Klima und Wetter in den mittleren Breiten wie Deutschland bei. Um die Antarktis ist nichts dergelichen zu bemerken und wenn es wirklich zum Großteil eine über CO2 bedingte Erwärmung um die Arktis wäre, dann müsste auch um die Antarktis eine Abnahme der Meereisfläche zu beobachten sein.

    [Antwort: Nun gibt es die Schwankungen der NAO seit Jahrhunderten, aber noch nie ist das Eis so stark zurückgegangen, wie Lars Kaleschke hier im letzten Beitrag erläutert hat. Wie soll also die NAO diesen Rückgang erklären?

    In der Antarktis sind die geographischen Bedingungen völlig anders – dort gibt es trotz auch dort gemessener Erwärmung eine leichte Ausdehnung des Meereises im Winter, wahrscheinlich aufgrund der zunehmenden Winde, die das Eis weiter verteilen, wie wir hier schon mehrfach erläutert haben. Stefan Rahmstorf]

  4. Wo ist da der Klimaindikator Arktis?

    Die „menschlich verursachte“ Klimaerwärmung, die angeblich immer schneller voranschreiten soll, soll sich doch gerade in der Arktis zeigen. Das Meereis in der Arktis schmilzt aber nicht immer schneller. In der Antarktis nimmt das Meereis gar zu.

    Wie ist das zu erklären?

    [Antwort: Wieder ein Herr Maier? http://scilogs.spektrum.de/wblogs/blog/klimalounge/klimadaten/2013-09-04/langzeit-trends-in-der-arktis#comment-48513 Stefan Rahmstorf]

  5. Danke

    Vielen Dank fuer Ihr ausgezeichnetes Informationsservice. Ihre Faehigkeit die Erkenntnisse, die Sie und Ihre Klimatologie-Kollegen erarbeitet haben, fuer ein Laienpublikum verstaendlich, praegnant und prezise aufzubereiten ist Goldes wert. Es waere natuerlich schoen, wenn Sie nicht so viel Zeit und Energie dem Kampf gegen diverse Missinformations-Kampagnen & Idiotien widmen muessten. Das Problem an sich ist schwierig genug (sollte man meinen). Ich bin eine von den vielen, die es Ihnen hoch anrechnet, dass Sie es trotzdem tun. Vielen, vielen Dank.

    Kurze Frage: Gibt es aktuelle Daten zur Veraenderung der Eisdicke?

    [Antwort: Ich habe ihn mal schnell einen aktuellen Zeitungsbericht dazu rausgesucht: http://www.fr-online.de/klimawandel/arktis-eis-satellit-dokumentiert-dramatischen-verlust,1473244,2716642.html. Stefan Rahmstorf]

  6. @Hubert Maier

    „Die menschlich verursachte Klimaerwärmung, die angeblich immer schneller voranschreiten soll, soll sich doch gerade in der Arktis zeigen.“

    Nicht nur angeblich – die Klimaerwärmung zeigt sich gerade in arktischen Regionen überdeutlich am zunehmenden Wärmeinhalt der Ozeane. Welche gewaltigen Energiemengen dort gespeichert werden, ist im hiesige Blogbeitrag vom 20. August diesen Jahren detailliert nachzulesen.

    Der untenstehende Link bietet hierzu die passende Ergänzung und Bestätigung:

    http://www.awi.de/…5eab8a269b42f4d54bcec1617c805

  7. Tolles Informationsservice !

    Möchte mich der Anerkennung von Frau Anna-Maria Müller gerne anschließen.
    Gibt´s in der nächsten Zeit vielleicht mal Vorträge von PIK-Wissenschaftler im Raum Stadt Salzburg, Österreich ?
    Würde mich brennend interessieren.

  8. Eisbedeckung auf Graphiken der NASA spiegeln nich immer wirklich das wahre Ausmaß des Eises wieder , da die Nasa 15% Eisbedeckung in einem Rasterfeld von
    25 mal 25 km als eisbedeckt wiedergibt. So können Winde die Eisbedeckung optisch vergrössern , wie z.B. derzeit in der Antarktis, wo die Schmelze schon eingesetzt hat ,
    aber stellenweise eine Ausbreitung des Eises noch sichtbar ist , wie etwa westlich der Halbinsel und in der Ross-See.

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