COP 22 in Marrakesch – Kleine Schritte zur Realisierung der Pariser Klimaziele

Gastbeitrag von Kai Kornhuber (Doktorand am Potsdam-Institut)

Unter der Präsidentschaft Marokkos fand in den vergangenen zwei Wochen in Marrakesch die 22. Weltklimakonferenz (Conference of the Parties kurz COP) statt, um die im vergangenen Jahr in Paris beschlossene Klimaschutz-Vereinbarung (Paris Agreement) mit Leben zu füllen.

Als Beobachter akkreditiert durfte ich während der ersten Woche das Treffen der 197 Parteien (196 Staaten + EU) des UNFCCC  (United Nations Framework Convention on Climate Change) vor Ort verfolgen. Was nach der Einigung in Paris nun Gegenstand der Verhandlungen ist, Fortschritte und Geschehnisse rund um Marrakesch und was nun noch zu tun bleibt soll im Folgenden kurz zusammengefasst werden. Weiterführende Links zu Quellen und detaillierteren Informationen befinden sich am Ende des Texts.

In Paris wurden die globalen Klima-Ziele definiert, in Marrakesch beginnt nun der Prozess sich auf konkrete Maßnahmen und Regeln zu einigen um diese Ziele auch zu erreichen. Es geht um die technischen Details, Standards, Definitionen sowie Referenz-Zeiträume. Weil sich auch hier nationale Interessen gegenüberstehen versprechen die Verhandlungen nicht weniger Kompliziert zu werden als die Einigung auf die Ziele selbst. Um welche Punkte geht es also konkret?

Die Beschränkung der Erderwärmung auf “weit unter” 2°C und das „Unternehmen weiterer Anstrengungen“ um die Erwärmung auf „1.5°C zu beschränken“ sowie  das Erreichen von Netto-Null Emissionen von Treibhausgasen ab Mitte des 21. Jahrhunderts sind Kernpunkte des Paris Agreements. Die von einzelnen Staaten eingereichten nationalen Klimaschutzpläne (NDCs) reichen bisher nicht aus um das 2°C zu halten (laut climateactiontracker.org lägen wir derzeit bei 2.8°C). Hier muss also nachjustiert werden. Dabei sollen ärmere Länder von Industrie-Staaten unterstützt werden. Hierfür sollen von 2020 – 2025 jährlich 100 Milliarden US dollar durch Industrieländer bereitgestellt werden. Ziel des Green Climate Funds ist es Anpassungs- und Emissions-Verminderungsmaßnahmen in ärmeren Staaten unterstützen. Bisher ist nicht klar geregelt, woher dieses Geld kommen soll und inwiefern der private Sektor mit einbezogen wird. Ebenso bedürfen Pläne wie dieses Geld ausgegeben werden soll noch einer konkreten Ausarbeitung.

Die Frage nach Entschädigungen für Klimaschäden („Loss and Damage“ seit dem Klimagipfel 2013  in Warschau auf der Bühne der Verhandlungen) geht in eine ähnliche Richtung. Wie können Regionen effektiv abgesichert und bei Bedarf entschädigt werden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind (beispielsweise durch Ernteausfälle nach Dürren und Überflutungen oder Sturmschäden), aber oftmals am wenigsten dazu beigetragen haben? Und kann jeder Verlust monetär taxiert und ausgeglichen werden?

Um die globale Erwärmung auf 1.5° zu beschränken sollen dem Paris Agreement zufolge Ziele und Pläne der einzelnen Staaten in fünf Jahres-Abständen verschärft und überprüft werden. In einem ersten Probelauf soll dies das erste Mal 2018 geschehen. Und genau dafür muss sich auf gemeinsame Richtlinien geeinigt werde. (Miss-) Erfolge sollen messbar und international vergleichbar gemacht werden können –  es braucht ein Regelwerk oder eine „Betriebsanleitung“  zu den im Paris Agreement vereinbarten Zielen.

Cop of Action – Paris Momentum

Der Gipfel startete unter positivem Vorzeichen. Schneller als erwartet wurde zuvor das Paris Agreement von ausreichend vielen Ländern ratifiziert und trat somit pünktlich zum Klimagipfel einen am 4. November in Kraft. Somit tagten in Marrakesch neben der COP, dem CMP (Länder unter dem Kyoto Protokoll) erstmals die CMA (Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement), die Gruppe der Länder die das Paris Agreement ratifiziert haben.

Am dem dritten Tag allerdings wurden die Verhandlungen durch den unerwarteten Ausgang der  US Präsidentschaftswahlen überschattet. Nach Trumps fragwürdigen Aussagen zum Klimawandel während des Wahlkampfs, sehen viele mit Sorge auf die klimapolitische Neuausrichtung des Emissions-Schwergewichts USA. Mit der Ernennung des Klimaleugners und Kohle-Lobbyisten Myron Ebell zum Chef des Übergangsteams für die US – Umweltschutzbehörde  EPA (Environmental Protection Agency) scheint diese Sorge berechtigt. Auch wenn der US-Delegierte Christo Artusio im Plenum die „historische Tradition der U.S. ratifizierte internationale Abkommen umzusetzen“ betont, wird man auf die USA unter Trump vermutlich in Klimafragen nicht bauen können.

Allerdings regt sich bereits Widerspruch von unerwarteter Seite. Noch vor Ende der Verhandlungen in Marrakesch appellierten über 360 US-Firmen in Form eines gemeinsamen offenen Briefes an Trump das Abkommen von Paris einzuhalten. China als größter Emitter und Bremser in vergangenen Verhandlungen bekräftigte in einem ersten Statement, seine Ziele ungeachtet der Ereignisse in den USA einzuhalten und signalisierte Bereitschaft zur Übernahme der Vorreiterrolle. Zumindest in Marrakesch nutzte keine Partei den Moment der Unsicherheit zum Versuch, das Paris Agreement zu unterminieren.

Laurence Tubiana, UN Klima-Botschafterin Frankreichs, gab sich optimistisch: “It’s a good test – it’s the first test – it’s good it comes early in a way.”

Was wurde in Marrakesch beschlossen und was bleibt noch zu tun?

In Marrakesch wurde schlussendlich vor allem Einigkeit und Entschlossenheit bekräftigt. Die „Marrakesh Action Proclamation”,  eine Erklärung der versammelten Staatsoberhäupter, welche in der zweiten Woche im Plenum verlesen wurde, bestätigt das Paris Agreement mit den Worten:

We welcome the Paris Agreement, adopted under the Convention, its rapid entry into force, with its ambitious goals [..] and we affirm our commitment to its full implementation

Die Diskussionen zur Klärung der noch obengenannten Punkte wurden begonnen, konkrete Einigungen gab es vorerst lediglich bei organisatorischen Punkten (z.B. Arbeitspläne unter denen die Diskussionen fortgesetzt werden).

Die bemerkenswertesten Ereignisse fanden in diesem Jahr wohl neben den eigentlichen Verhandlungen statt. So reichten, wie in Paris beschlossen, erste Länder (u.a. USA, Deutschland, Mexiko) ihre langfristigen Klimaschutzpläne (Zeitraum bis 2050) ein. Eine Plattform wurde gegründet, um andere Länder bei dem Verfassen dieser Pläne zu unterstützen. Des Weiteren gaben die 47 ärmsten Länder (vereinigt im Climate Vulnerable Forum) bekannt, so bald wie möglich auf 100% erneuerbare Energien umzusteigen. Und noch vor Beginn der Verhandlungen wurde bekannt, dass Weltweite Emissionen im Vorjahresvergleich nicht Angestiegen sind; und das im dritten Jahr in Folge.

[..] we have seen extraordinary momentum on climate change worldwide, and in many multilateral fora. This momentum is irreversible – it is being driven not only by governments, but by science, business and global action of all types at all levels.

So lautet ein weiterer Absatz der Marrakesh Proclamation. Vieles spricht dafür, dass dies nicht nur leere Worte sind.

Das Regelwerk soll nun spätestens 2018 bei der nächsten Zusammenkunft CMA der festgelegt werden. Dies Vorzubereiten bleibt somit auf der auf der To – Do Liste für die bevorstehende COP23. Im kommenden Jahr wird diese unter Präsidentschaft der Republik Fidschi in Bonn (Sitz des UNFCCC) stattfinden.

Dank für Kommentare und Diskussion an Janto Hess, Carl-Friedrich Schleussner, Marlene Kretschmer und Jascha Lehmann.

Weiterführende Informationen:

Marrakesh Action Proclamation: http://unfccc.int/2860.php#auv

Mehr zur Geschichte des UNFCCC hier: http://unfccc.int/essential_background/items/6031.php .

Die Welt des UNFCCC ist reich an Akronymen ein umfangreiches Glossar findet sich hier: http://unfccc.int/essential_background/glossary/items/3666.php

Der Vertragstext des Paris Agreements, Status der Ratifizierung sowie Informationen zu Aufgaben des CMA http://unfccc.int/paris_agreement/items/9485.php .

Die Möglichkeiten Trumps aus dem Paris Agreement auszusteigen: http://www.sciencemag.org/news/2016/11/what-trump-can-and-cant-do-all-himself-climate

Chinas neuer Klima-Champion: http://www.reuters.com/article/us-usa-election-climatechange-idUSKBN1360DK

Statement der High Ambition Coalition: https://www.docdroid.net/7i0FrXj/161111-joint-statement-by-group-of-high-ambition-coalition-ministers-final.pdf.html

Interview mit Laurence Tubiana: http://www.climatechangenews.com/2016/11/12/tubiana-paris-climate-deal-designed-to-cope-with-trump/

Das dritte Jahr in Folge kein Zuwachs an Emissionen: https://www.theguardian.com/environment/2016/nov/14/fossil-fuel-co2-emissions-nearly-stable-for-third-year-in-row

Zusammenfassung der Ergebnisse aus Marrakesch: https://www.carbonbrief.org/cop22-key-outcomes-agreed-at-un-climate-talks-in-marrakech

Eine weitere etwas detailliertere (allerdings auch etwas technischere) Zusammenfassung der Verhandlungen http://www.c2es.org/international/negotiations/cop22-marrakech/summary

Ein aktueller Überblick über Emissionen aus menschlichen und natürlichen Prozessen findet sich hier: http://www.globalcarbonatlas.org

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Pläne sind angesichts der eingegangenen Verpflichtungen (die, wenn umgesetzt die Erwärmung auf 2.8 Grad Celsius begrenzen) sehr ambitioniert. Das 1.5 Grad Ziel durch stärkere Reduktionsanstrengungen zu erreichen, würde bedeuten, dass nicht nur alle 5 Jahre die Ziele verschärft werden müssten, sondern dass die Staaten auch ih,re Emissionen immer stärker und schneller reduzieren müssten, denn bei Fortsetzung des bisherigen Kurses wären die 1.5 Grad Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Wert schon im Jahr 2045 erreicht, also in 29 Jahren, was 6 Fünfjahresetappen des oben erwähnten Adjustierungsregimes entspricht. Dabei bin ich von einer Erwärmung von 0.16 Grad pro Jahrzehnt ausgegangen und habe angenommen wir hätten bis jetzt 1 Grad Erwärmung hinter uns. Doch selbst wenn im Jahre 2045 die Erwärmung nur 1.3 Grad erreicht hätte, hätte man das 1.5 Grad- Ziel wohl trotzdem verfehlt, denn die Erwärmung würde aufgrund der Trägheit des Systems trotzdem noch weitergehen. Nicht umsonst unterscheiden die Klimatologen zwischen dem Langzeitgleichgewicht (ECS) und der aktuellen Erwärmung (TCS).
    Diese Überlegungen zeigen, dass das 1.5 Grad Ziel wohl nicht erreichbar ist.
    Auch folgende Ankündigung ist sehr ambitioniert:

    Des weiteren gaben die 47 ärmsten Länder (vereinigt im Climate Vulnerable Forum) bekannt, so bald wie möglich auf 100% erneuerbare Energien umzusteigen.

    , denn soviel ich weiss gibt es bis jetzt noch kein Land welches zu 100% erneuerbare Energien einsetzt. Deutschland als Vorreiter der Wende und des Umstiegs auf erneuerbare Energien hat bis heute ein fossil-erneuerbares Energiesystem. Es will erst nach weiteren technischen Fortschritten die fossilen Backup-Kraftwerke durch Stromspeicher (Batterien und mittels Strom erzeutes Speichergas) ersetzen. Wenn die 47 ärmsten Länder gleich mit einer Kombination von Windturbinen, Solarpanel, Batterien und erneuerbar erzeugtem Speichergas beginnen, dann wären sie die neuen Vorreiter und würden Deutschland auf dem Weg zu einem rein erneuerbaren Energiesystem links überholen. Möglich ist es – allerdings nur mit massiver finanzieller und technischer Hilfe der Industriestaaten.
    Auch die geplante Ausschüttung von 100 Milliarden Dollar jährlich Klimahilfe an die Entwicklungsländer ist ein ambitioniertes Ziel, entsprechen diese 100. Miklirden doch den Aufwendungen für die gesamteheutige Entwicklungshilfe.
    Fazit: Es müssen einige Wunder geschehen, damit die Erwärmung unter 1.5 Grad Celsius endet und die jährlich 100 Milliarden Klimagelder pro Jahr.ß wirklich fliessen

  2. Die Keelingkurve, die den CO2-Gehalt in der Atmosphäre misst, steigt auch nach dem Kyotoprotokoll 1997 unerbittlich, dem Augenschein nach sogar mit zunehmender Steigung an. Der Erfolg der Klimaschutzmaßnahmen sollte sich doch auch an deren Verlauf ablesen lassen. Wir erfahren häufig, wie die Reduktion des CO2-Ausstosses erfolgen soll, verständlich, da dies die Scharube ist, an der man drehen kann. Es würde mich sehr interessieren, wie sich die projektierten Reduktionen auf den Verlauf der Keelingkurve auswirken würden. Gibt es hierzu Untersuchungen?

  3. Frage an Herrn Kai Kornhuber :
    Herr Kornhuber, Ihre sachliche Beschreibung in Ihrem Gastbeitrag gefällt mir. Dennoch haben Sie vergessen, zu erwähnen, dass auf der COP 22 in Marrakesch etwas sträflich vergessen wurde, der Schutz der Regenwälder. Welche dramatischen Folgen die immer noch in großem Masse stattfindende Reduzierung der Regenwälder auf den Wasserkreislauf hat, zeigt z.B. die Situation in Brasilien, wo eines der ehemals wasserreichsten Länder der Erde nun teilweise schwer unter Wassermangel zu leiden hat. Der WDR 5 hatte vor einigen Wochen auch sehr gut darüber berichtet.
    In Afrika und Südostasien haben ähnliche Entwaldungen einen sehr schädlichen Einfluss auf das Klima gebracht. Ich frage mich daher nun, ob es auf den COP’s wirklich um Klimaschutz anstatt ums Geschäft geht, wenn
    dieses enorm wichtige Thema nicht einmal zur Sprache kommt : Können
    Sie mir dies erklären, Herr Kornhuber ?
    Des weitern eine kleine Korrektur zu Ihrer Beschreibung von President elect Donald Trump als „Klimaleugner“. Ob Herr Trump ein „Klimaleugner“ oder ein Rassist oder ein Frauenfeind ist, können Sie nicht wissen, da er während des Wahlkampfes entsprechende Aussagen machen musste, um gewählt zu werden. Ohne seine Sprüche hätte er die Wahl nicht gewonnen. Also können die während des Wahlkampfes gemachten Aussagen von Herrn Trump nicht automatisch mit seiner Gesinnung gleichgesetzt werden – daher erst einmal abwarten und nicht gleich mit Vorurteilen reagieren.
    An die PIK Redaktion : Ich hoffe, dass dieser Kommentar von mir veröffentlicht wird – ansonsten müsste ich annehmen, dass Sie kritischen Diskussionen aus dem Weg gehen, was an Ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln ließe !

    • Wenn Sie die Leserkommentare unter früheren Artikeln verfolgt haben wissen Sie sicher, dass die KlimaLounge kritische sachliche Diskussionen liebt, die sich im Rahmen der Moderationsregeln bewegen. Sorry wegen verspäteter Freischaltung, ich bin gerade erst aus Indien zurückgekehrt.

    • Führt etwas vom Thema weg, aber die Aussagen zu Trump können so nicht stehen bleiben. Trump hat lange vor seinem Wahlkampf die globale Erwärmung als Schwindel der Chinesen bezeichnet und er hat nach dem Wahlkampf typische Klimaleugneraussagen vertreten (hier nachzulesen: http://nymag.com/daily/intelligencer/2016/11/trumps-climate-change-answer-dumber-than-you-could-imagine.html)
      Der Wahlkampfmodus als Entschuldigung für die komplette Ignoranz in Klimafragen zieht also nicht. Und wenn man seine aktuelle Personalpolitik betrachtet, dann entspricht das Bild Trumps aus dem Wahlkampf ziemlich genau dem wahren Trump: ignorant, verlogen, chauvinistisch. Man sollte daher eher mit dem schlimmsten rechnen. Das beste zu hoffen, wird nur die Enttäuschung vergrößern.

    • Sehr geehrter Herr Dr. Denzer,
      Ihre „Korrektur“ kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich finde nichts korrekturwürdiges daran, den Kandidaten nach seinen Ankündigungen zu beurteilen und erwarte deshalb nicht, dass er ähnliche Akzente zum Klimaschutz setzt wie der noch amtierende Präsident. Sein Credo, Amerika wieder groß machen zu wollen lässt eher darauf schließen, dass er (kurzfristigen) Wirtschaftsinteressen Priorität einräumt -meine ich, schauen wir..

  4. 100 Mrd. Klimahilfe im Jahr für den Umstieg auf C02-freies Wirtschaften hört sich erst einmal viel an – aber es ist leider sehr wenig. Z.b. die Investitionen in Öl alleine, um die aktuelle Fördermenge zu erhalten und leicht auszubauen, sind 600 Mrd. $ pro Jahr. Das ist noch ohne Kohle und Gas. Da alternative Energien heute noch (Skaleneffekte fangen an zu greifen) meist teurer sind als Öl und Kohle zu verfeuern, müssen diese Mittel noch viel mehr steigen. 2 Billionen / Jahr sind da eher realistisch, da auch noch eine neue Infrastruktur aufgebaut werden muß, die Öl- Gas- und Kohleinfrastruktur steht ja schon.

    Z.B. Kohle mit dem Rheinfrachter nach Mannheim – Strom lokal per Leitung -> Nordseewindstrom in einen Pumpspeicher im Harz, mit Leitung nach Mannheim. Es braucht dann mehr als die reinen WKAs hinzustellen – die ganze Infrastruktur muß neu ausgerichtet werden.

    PS: Die Situation in der Arktis/Antarktis ist zur Zeit stark außerhalb der Norm. Ich weiß, das ist Wetter, aber interessant ist es auf jeden Fall. Ein Abschnelzen der Eiskappe der Arktis im November für ein paar Tage ist nicht gerade der Normalfall.

  5. Sehr geehrter Herr Rahmsdorf!

    Meine Frage passt jetzt nicht ganz zum Artikel, kann man den Energiebedarf der für den Eisverlust in der Arktis und auf Grönland benötigt wird quantifizieren? Bzw. ist diese Energiemenge so hoch, dass sich das in den Messreihen der Luft- und Wassertemperaturen wiederfinden lassen müsste. Oder sind diese Energiemengen im globalen Maßstab so gering, dass es hier nur zu lokalen Auswirkungen kommt?

    MfG

    Thomas Blöthe

    • Kann man – habe dazu einen Konferenzbeitrag gesehen, aber die Studie scheint noch nicht publiziert zu sein. Der Beitrag ist nicht groß aber auch nicht vernachlässigbar.

  6. Ich habe gelesen, dass dieser Klimavertrag gar keine Konsequenzen nach sich zieht, wenn diverse Länder ihre Absichten nicht einhalten.
    Wenn dem so ist, halte ich es für sehr optimistisch, jetzt plötzlich an eine deutliche Reduktion der globalen CO2 Emissionen zu denken. Wenn wir uns ansehen, wie es weltpolitisch zugeht, wie viel trotz Bemühungen in Anteile an EE Kohle und Öl gefördert und verbraucht wird und das seit dem Kyoto Protokoll 1 immer weiter ansteigend, dann frage ich mich schon, was all diese Klimakonferenzen gebracht haben? Hätten wir keine einzige abgehalten, wären die CO2 Emissionen nicht weit über den heutigen.
    Das letzte Jahr war ja sehr warm, ein weiteres Rekord Jahr und mildes Wetter führt überall zu geringerem Energieverbrauch und auch weniger CO2 Emissionen…

  7. Herr Oberhuber, ich teile Ihre Befürchtung, dass der Klimavertrag zu optimistisch gewertet wird. Dem wohnt eine gewisse Gefahr inne, nämlich, dass man nun ganz beruhigt sein kann. Im schlimmsten Fall holt man das CO2 in ein paar Jahrzehnten einfach wieder aus der Atmosphäre. Das wirkt einlullend. Deshalb wäre es mir lieber, es würde mehr der tatsächliche Gehalt des CO2, wie er in den Keelingkurven gemessen wird, in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Leider weiß ich nicht, mit welcher Verzögerung dieser auf Reduktionen des CO2-Ausstoßes regieren würde. Es wäre schön, ein Fachmann könnte dazu Stellung nehmen.

  8. Da die Arktis und Grönland in den Kommentaren angesprochen werden, hier die Links um die aktuelle Entwicklung zu verfolgen:
    Arctic Sea Ice Index http://nsidc.org/arcticseaicenews/ zeigt die seit Mitte Oktober geringste See-Eis-Bedeckung seit Beginn der Messungen im Jahr 1981. Figure 2b zeigt die ungewöhnlich hohen Temperaturen im November im Bereich des Nordpols.
    Ocean and Ice Services Danmark: http://ocean.dmi.dk/arctic/icecover.uk.php – hier sehen die Werte zur Eisausdehnung weniger dramatisch aus. Wie man sieht, stimmen die Messungen und Berechnungen zweier Organisationen nicht völlig überein.
    Es gab übrigends im Jahr 1922 auch schon mal die Meldung, dass die Arktis dramatisch abschmelzen würde, der arktische Ozean viel zu warm sei und das Eis erst nördlich von 89 Grad 11 Minuten zu finden sei: https://www.newspapers.com/image/95950988/?terms=arctic%2Bwarming%2Bup
    2) DMI Modelled Ice Thickness http://ocean.dmi.dk/arctic/icethickness/thk.uk.php zeigt die aktuellen Werte und Messungen seit 2004. Bei dieser aktuellen Kurve ist festzustellen, dass sie ebenso verläuft wie beim bisher niedrigesten Wert von 2012.
    Greenland Ice Sheet Surface Mass Budget: http://beta.dmi.dk/en/groenland/maalinger/greenland-ice-sheet-surface-mass-budget zeigt unten in grafischer Darstellung das Massenbugdet des Grönlandeises, das seit Oktober einen sehr starken Massenzuwachs zeigt, den höchsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1990.
    Interessant, aber für Meteorologen sicher nicht unerwartet, führt wohl die warme Luft über dem Pol zu erhöhten Niederschlägen in Grönland.

    Da auch das Thema CO2 angesprochen wurde, hier der Link zum „Global Carbon Project 2016“:
    http://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget/index.htm
    Es wurde berechnet, dass die vom Menschen verursachten jährlichen CO2-Emissionen nun schon im dritten Jahr auf dem gleichen Niveau „stagnieren“, obwohl die Weltwirtschaft weiter gewachsen ist. Die Zusammenfassung der Ergebnisse ist in der pdf-Präsentation http://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget/16/presentation.htm
    auf Seite 59 dargestellt.