Cartoons für die Wissenschaft: The Madhouse Effect

madhouseDonald Trump hat sich mit einer Mauer umgeben, mit der er sich vor der Realität des Klimawandels abschottet. Er hält sich die Ohren zu und singt wohl wie ein Kind laut „LaLaLaLaLa“, um die Wahrheit nicht hören zu müssen, während der steigende Meeresspiegel an seine Mauer brandet. Und wir alle werden den Preis dafür bezahlen. So zeigt es ein Cartoon des bekannten amerikanischen Zeichners Tom Toles, entnommen dem neuen Buch The Madhouse Effect, das er zusammen mit meinem Klimaforscherkollegen Mike Mann veröffentlicht hat.

mann17786_fig-8-6

Aus: The Madhouse Effect, mit freundlicher Genehmigung von Tom Toles und Columbia University Press 2016

Dass die Darstellung von Trump als Klimaleugner berechtigt ist, belegen viele seiner Aussagen (z.B. von Scientific American zusammengestellt). Dazu hier nur dieser Tweet:

trumptweet

Trump ist die Gallionsfigur der postfaktischen Welt, die auf empirische Belege, Wissenschaft und Experten pfeift und sich lieber künstlich geschürten Ängsten, Ressentiments und populistischen Scheinlösungen hingibt. Selbst Europa, die Wiege der Aufklärung, erlebt derzeit einen Boom des Rechtspopulismus. Während die globale Temperatur von Rekord zu Rekord eilt, erklärt die AfD allen Ernstes in ihrem Wahlprogramm, es gäbe seit Jahrzehnten gar keine Erwärmung. Wenn jeder sich seine eigenen Wunschfakten wählen kann – wird echte Wissenschaft dann noch da sein, wenn wir sie brauchen? Auch das fragt einer der Toles-Cartoons.

Diese verrückte Welt lässt sich manchmal nur mit Humor aushalten, und so erlauben sich Toles und Mann in ihrem Buch einen großartigen (und doch auch ernsten) Spaß mit den verbiesterten Abstreitern der Realität, die massiv von Interessengruppen finanziert werden, aber sich nicht selten gar als moderne Galileos inszenieren.

mann17786_fig-5-4

mann17786_fig-1-1

Aus: The Madhouse Effect, mit freundlicher Genehmigung von Tom Toles und Columbia University Press 2016

Mike Mann hat mit solchen Leuten einige Erfahrung. Als junger Postdoc in den 1990ern erstellte er – mit zwei älteren Koautoren – aus zahlreichen paläoklimatischen Proxydaten die erste Zusammenschau des Temperaturverlaufs der Nordhalbkugel über die letzten  eintausend Jahre. Die Kurve wurde wegen ihrer Form als „Hockeyschläger“ bekannt und wegen ihrer ikonischen Wirkung rasch zur Hauptzielscheibe von Klimaleugnern. In der Fachwelt wurde sie dagegen durch neuere Studien von anderen Forschergruppen glänzend bestätigt (siehe unsere kurze Darstellung dieser spannenden Geschichte, wo ein Brief mit weißem Pulver auftaucht und bei der auch ein deutsches Nachrichtenmagazin eine unrühmliche Rolle spielt). Mann hat über seine unglaublichen Erfahrungen ein ganzes Buch geschrieben.

Hier noch weitere Kostproben der Cartoons, bei denen einem allerdings oft das Lachen im Halse stecken bleibt.

mann17786_fig-1-4

mann17786_fig-4-1

forecast

mann17786_fig-7-2

time-machine

Aus: The Madhouse Effect, mit freundlicher Genehmigung von Tom Toles und Columbia University Press 2016

Beim Earth101 Projekt findet man das sehenswerte Video eines Vortrags, in dem Mann die Klimakrise anhand der Cartoons von Tom Toles erläutert. The Madhouse Effect bereitet das Menschheitsthema des 21. Jahrhunderts auf eine leichte und lockere Art auf, die die Auseinandersetzung mit dem schweren Stoff erträglicher macht.

Link

Hier eine eben erschienene Buchkritik von Jonathan Koomey (auf Englisch). Zitat:

The campaign of denial and deceit against climate science is an attack on rational thinking and scientific inquiry more generally, and this book is a counterattack against that effort for a non-technical audience.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein bißchen cartoonesk ist es auch , daß eine Autowerbung aufpoppt , wenn man den Beitrag aufruft…
    Dennoch schön sarkastisch , die Cartoons , eine gute Art , mit dem Thema umzugehen. Den Kopf nicht in den Sand stecken , das darf schließlich auch Spaß machen.

  2. Ich habe es immer als grotesk und lächerlich empfunden, wenn von Skeptikerseite die Theorie der anthropogenen Klimaerwärumg als eine Weltverschwörung verteufelt wird. Aber ich kann es auch nicht recht vertragen, wenn Skeptiker unter den Generalverdacht bezahlter Agenten der Energiekonzerne gestellt werden. Und mit allem Respekt, ich fürchte, Sie begeben sich jetzt auch auf diesen Weg.

    • Selbstverständlich sind nicht alle der sogenannten „Klimaskeptiker“ bezahlte Agenten der Energiekonzerne, aber man darf nicht vergessen oder kleinreden, dass gut belegt ist, dass die fossile Lobby allein in den USA mehrere hundert Millionen Dollar (!) in „Think Tanks“ gepumpt hat, die mit Pseudoexpertisen die Menschen über die Fakten des Klimawandels verwirren. Viele „Skeptiker“ sind dem schlichtweg auf den Leim gegangen, weil die beruhigenden Märchen von der fossilen Lobby ihnen besser ins Weltbild passen als die Erkenntnisse der Wissenschaft.

      • ist es falsch, wenn nicht staatliche Think Tanks Gelder von der Wirtschaft und Privaten erhalten?
        Da der Staat und andere Interessengruppen ausschließlich die „weg von CO2“ Industrie fördern, samt Klimawandelschreck, ist es doch nur logisch, dass sich andere Wissenschafter an anderen Quellen versuchen müssen. Und es bedeutet noch lange nicht, dass Öl finanzierte Wissenschafter schlechtere Klimawissenschaft betreiben. Das sollte man niemals pauschal behaupten!

        • Lieber Herr Eng, natürlich kann Industrieforschung seriös sein – so haben ja auch Wissenschaftler von Exxon schon vor Jahrzehnten die Firmenleitung völlig korrekt vor der drohenden Klimaerwärmung durch die CO2-Emissionen gewarnt. Exxon wird derzeit in den USA durch Staatsanwälte untersucht, weil sie wider besseres Wissen der Öffentlichkeit etwas ganz anderes erzählt haben, als die eigenen Forscher sagten – es geht schlicht um den Verdacht der bewussten Täuschung der Öffentlichkeit aus finanziellen Interessen. Ich sprach auch nicht von Think Tanks, die seriöse Forschung betreiben, die dann in der Fachliteratur publiziert wird – sondern von solchen, die das Laienpublikum mit Propaganda hinters Licht führen.

          • Diese ganze Diskussion über den Einfluss von Lobbygruppen droht von anderen wichtigen Zusammenhägen abzulenken. Die meisten Skeptiker haben ohne Zweifel unwissenschaftliche Motive. Die Frage ist, ob unter diesen unwissenschaftlichen Motiven politische Ideologie nicht vielleicht eine viel größere Rolle spielt als die Finanzierung durch Lobbygruppen (siehe bspw. die AfD oder die Tea Party). Naomi Klein hat diesen Aspekt auch im ersten Kapitel ihres neuen Buchs sehr gut beschrieben.

            Ein Fred Singer als eingefleischter „Kalter Krieger“ würde den Klimawandel bestimmt auch leugnen, wenn er keine Gelder von der Ölindustrie bekommen hätte. Diese Gelder spielen eher insofern eine Rolle, als sie ihm helfen, seine Ansichten noch effektiver an die Öffentlichkeit zu bringen.

        • Natürlich kann man all die rhetorischen Fragen stellen, ob Think Tanks auch nichtstaatliche Gelder nehmen sollten und sie nicht automatisch schlechtere Wissenschaft betreiben. Nur sollte man sich im klaren sein, dass diese Think Tanks schon eine klare Ausrichtung haben, was sie am Ende herausbekommen werden. Bei einer staatlichen Einrichtung gehe ich immer noch davon aus, dass am Ende auch etwas anderes herauskommen kann, als man am Anfang vermutete. Sollte es tatsächlich so sein, dass das CO2 kein relevantes Gas für die Klimaentwicklung der letzten 100 Jahre ist, dann gehe ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das in den vielen, vielen Untersuchungen weltweit herausgefunden wird. Und nicht in 4%, oder 2% oder noch weniger der bisherigen Veröffentlichungen. Das ist ja das Gute an der Wissenschaft, selbst wenn man zu Beginn von falschen Annahmen ausging (Erde der Mittelpunkt des Kosmos, Entstehung der Arten durch die Schöpfung, unbegrenzte Geschwindigkeiten durch Superposition) fand man irgendwann zu den „richtigeren“ Einsichten. In der Wissenschaft ist die Beseitigung von falschen Annahmen schon mit eingebaut.

  3. 95% aller US-Republikaner äussern sich heute klimaskeptisch. Und das obwohl einige von Ihnen noch vor wenigen Jahren den Klimaschutz gar explizit unterstützt haben. Wie Donald Trump etwa, der mit 3 seiner Kinder Mitunterzeichner eines Aufrufs von Geschäftsleuten war, der forderte, Kopenhagen 2009 zu einem Erfolg zu machen.

    Einige dieser US-Republikaner – unter anderem auch Trump – haben sich auch dahin geäussert, dass klimpolitische Massnahmen zu teuer wären und der US-Wirtschaft schaden würden.
    Das passt zur postfaktischen Welt in der vor allem die Erkenntnisse und Wahrheiten geleugnet werden, die einem nicht in den Kram passen.

  4. ok Trump ist indiskutabel, aus unzähligen Gründen…

    Aber was ist mit den Obama Lügen?

    Roger Pielke jr. listet in „The rightfull place of science (sehr empfehlenswert!) einige auf. Unter vielen steht auf Seite 88 sinngemäß:

    Fluten, Stürme und Dürren wurden in den USA häufiger und stärker, behauptet die Obama Administration laufend, auch auf der „Withe House Website“…to fight Climate Change…

    Jedoch weist der Nationale Climate Assesment Report eindeutig nach das:

    seit 1900 kein Trend bei Stürmen, Fluten oder Dürren über die gesamte USA ermittelt werden konnte. (NCA2014)

    Und das ist nur ein Beispiel unter vielen. Sind nun die Trump Klima Lügen besser oder schlimmer, als die der Obama, Clinton Fraktion?

    • Der Politologe Roger Pielke Jr hat da seine ganz eigene Auffassung, die kaum ein (oder kein) Klimaforscher teilt. Eine höchst amüsante Übersicht, wie er polemisch über alle und jeden in der Klimaforschung herzieht, findet man hier (mit 111 Beispielen!). Dass Pielke Obama oder Clinton kritisiert überrascht wohl niemanden, der ihn kennt – sagt aber nur über Pielke etwas aus.

      Obamas Wissenschaftsberater ist der Physiker und Harvard-Professor John Holdren, den ich auch persönlich kenne. Er ist Mitlgied der National Academy, ein exzellenter Wissenschaftler und Kenner der Klimaforschung. Hillary Clintons Rede zum Klima vor kurzem in Florida fanden Kollegen und ich sachlich völlig korrekt.

      Trump dagegen vertritt jede Menge ignorante und wissenschaftsfeindliche Thesen, wie die oben verlinkte Sammlung seiner Aussagen durch Scientific American sehr schön zeigt.

      • na und? Das ist ihre subjektive Meinung und klar gefällt ihnen weder der Pielke jr. noch Senior, da sie sachlich bleiben und vom grassierenden Klimaalarm genau so wenig halten, wie wir bescheidene Meteorologen rund um die Welt. […]

        • Sie finden diese 111 Beispiele von Pielke Jr. „sachlich“? Interessant.

          Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel für Pielke’s Stil (das auch unter den 111 Zitaten auftaucht). Im Jahr 2011 publizierte ich mit meinem jungen und brillianten Kollegen Dim Coumou eine Studie in den renommierten Proceedings of the National Academy (PNAS), die sich methodisch mit der Frage befasst, wie viele Temperaturrekorde in einem stabilen Klima allein durch Zufall auftreten und wie viele hinzukommen, wenn es einen Erwärmungstrend gibt. Wir haben dafür eine analytische Formel hergeleitet, Monte Carlo Simulationen durchgeführt und einige konkrete Datenbeispiele analysiert, u.a. die Julitemperaturen in Moskau. Es ist eine in der Fachliteratur bislang 193 mal zitierte Arbeit, die Web of Science damit zu den „highly cited papers“ zählt, d.h. „in the top 1% of the academic field of Geosciences“.

          Was schrieb Pielke Jr. in seinem Blog dazu?

          „Climate science — or at least some parts of it — seems to have devolved into an effort to generate media coverage and talking points for blogs, at the expense of actually adding to our scientific knowledge of the climate system.“
          „That some climate scientists are playing games in their research, perhaps to get media attention in the larger battle over climate politics, is no longer a surprise. But when they use such games to try to discredit serious research, then the climate science community has a much, much deeper problem.“

          Der konkrete Vorwurf hinter dieser Pielke-typischen Polemik bestand darin, wir hätten bei der Berechnung für die Wahrscheinlichkeiten der Rekordhitze in Moskau im Juli 2010 (a) die Messdaten erst ab dem Jahr 1911 berücksichtigt, und (b) dies absichtlich getan um die Rolle der Erwärmung bei diesem Rekord zu übertreiben. Die Behauptung (a) war schlichtweg falsch: im selben Absatz in dem Paper kann man nachlesen, dass bei Betrachtung der Daten ab 1911 die Wahrscheinlichkeit, dass der Rekord durch Klimaerwärmung zustande kam, bei 78% liegt, bei Betrachtung der gesamten verfügbaren Datenreihe ab 1880 bei über 80%. Letzteren Wert hatten wir auch im Abstract des Papers genannt. Die Unterstellung (b) war schlicht eine grundlose Diffamierung. Siehe hier und hier. Liest man Pielkes weitere Diskussionsbeiträge dazu stellt man fest, dass er den Sachverhalt einfach nicht verstanden hat: er versteht z.B. nicht, dass die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Rekord zu setzen, nur von der Höhe des bisherigen Rekordes und der Entwicklung danach abhängt, weshalb das Resultat sehr unempfindlich demgegenüber ist, ob ich 1880 oder 1911 anfange. Er hielt das für irgendeinen schlimmen Trick von uns und verstand nicht, dass dies einfach logisch in der Natur der Sache liegt.

          Mir missfallen die Attacken Pielkes nicht deshalb, weil er sachlich bleibt. Sondern weil er in der Sache Unrecht hat, dafür aber umso polemischer agiert. Sie können gerne meine Reaktion auf Pielke’s Polemik nachlesen unter den beiden letzten Links, und sie werden feststellen, dass sie ausschließlich Argumente zur Sache bringt.

          Wenn das Thema Rekorde Sie näher interessiert: für Spektrum haben ich mit zwei Kollegen von der Universität Köln (wir haben damals ohne voneinander zu wissen am gleichen Thema geforscht) einen allgemein verständlichen Artikel auf deutsch dazu geschrieben: Klimarekorde.

          • Sie schreiben:
            „Liest man Pielkes weitere Diskussionsbeiträge dazu stellt man fest, dass er den Sachverhalt einfach nicht verstanden hat: er versteht z.B. nicht, dass die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Rekord zu setzen, nur von der Höhe des bisherigen Rekordes und der Entwicklung danach abhängt, weshalb das Resultat sehr unempfindlich demgegenüber ist, ob ich 1880 oder 1911 anfange. Er hielt das für irgendeinen schlimmen Trick von uns und verstand nicht, dass dies einfach logisch in der Natur der Sache liegt.“

            Ich kann nicht glauben, dass für Extremereignisse ein Punkt gesetzt werden kann, für den gilt, dass zurückliegende Ereignisse keine Rolle mehr für sie spielen.

            Ist das wirklich logisch oder nicht vielmehr in dem verwendeten mathematisch-statistischemen Modell begründet. Wenn man z.B. nicht einen nichtlinearen Trend sondern einen linearen Trend zugrundelegt, wie in der Klimawissenschaft doch eigentlich üblich, gilt dann auch noch: „dass die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Rekord zu setzen, nur von der Höhe des bisherigen Rekordes und der Entwicklung danach abhängt, dass die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Rekord zu setzen, nur von der Höhe des bisherigen Rekordes und der Entwicklung danach abhängt“.

          • Es geht in der Studie nicht um Extremereignisse generell sondern um Rekorde. Die haben sehr einfache statistische Eigenschaften. Bei einem stationären Klima kennen Sie z.B. sofort die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Zeitreihe von (z.B.) 130 Jahren in diesem Jahr der wärmste Juli auftritt: sie ist 1:130. Denn in einem stationären Klima ist die Wahrscheinlichkeit in jedem Jahr gleich hoch. In einer Nachfolgestudie haben wir die tatsächlich beobachtete Anzahl von Monatsrekorden weltweit analysiert – Sie müssen die einfach nur abzählen, da braucht es kein statistisches Modell. Sie liegt fünfmal so hoch wie in einem stationären Klima zu erwarten wäre. Von fünf beobachteten Wärmerekorden in Monatstemperaturen wäre also nur einer allein durch Zufall auch in einem unveränderten Klima aufgetreten, vier davon sind hingegen auf die Klimaänderung zurückzuführen. Daher kommt die Wahrscheinlichkeit von 80%, dass der Wärmerekord ohne Klimaerwärmung nicht passiert wäre. Auf dasselbe Resultat wie hier für die globale Anzahl waren wir auch für den russischen Rekordjuli 2010 gekommen. Pielke hatte sich darüber echauffiert, dass unser Resultat einer früheren Studie widersprach, die die russische Rekordhitze allein auf Zufall zurückführte, und deren Ergebnis ihm offenbar besser gefallen hatte.

          • Ganz aktuell dazu: die Meteorologische Weltorganisation WMO hat gerade ein Bulletin zum Thema Extremereignisse und „Natur“-Katastrophen herausgegeben: (Un)Natural Disasters. Dort heißt es (meine Übersetzung):

            Obwohl die Häufigkeit bestimmter Klassen von Extremereignissen zugenommen hat, haben die Medien in manchen Ländern nicht Schritt gehalten bei der Kommunikation des wissenschaftlichen Verständnisses über den Zusammenhang von Klimawandel und Extremen.

        • @Christian: Ich lese gerade das Buch „Der Wald“ vom recht bekannten Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben. Da geht es auch um den Klimawandel bzw. die notwendigen Reaktionen der deutschen Forstwirtschaft auf die veränderten Temperaturen der nächsten Jahrzehnte.

          Grob geschätzt behaupte ich jetzt mal, dass generell 99 % der Hochqualifizierten, die im Leben echte Verantwortung tragen und langfristig wirksame Entscheidungen treffen müssen, einen sehr realistischen Blick auf den Klimawandel haben. Der Begriff „Klimaalarmismus“ ist eine Erfindung von Kaltsonnenanbetern und schwadronierenden Rentnern, die ein Berufsleben lang nur Pleuelstangen optimiert oder in endlosen Versuchsreihen Metalle beschichtet haben (und sowieso nie richtig verstehen werden, wie komplexe Systeme funktionieren und sich verändern).

          Ich gucke jetzt mal aus dem Fenster und bleibe beim Waldbeispiel, okay? Dieses Mittelgebirge da hinten war im 19. Jahrhundert fast völlig entwaldet. Dann wurde aus wirtschaftlichen Gründen v.a. mit schnell wachsenden Fichten wieder aufgeforstet, die als Baumart aber eigentlich nur über 1100 m. ü. M. heimisch sind. Was würden Sie denn einem bodenständigen Schwarzwaldbauern, dessen größtes Kapital eine fichtenbestandene Waldfläche ist, der in den nächsten Jahren vor gravierenden Wiederaufforstungsentscheidungen stehen wird, als Meteorologe (!) vor dem Hintergrund des Klimawandels ökosystemmäßig raten? Weitermachen wie bisher, oder was?

          Ihre Antwort würde mich wirklich ernsthaft interessieren!

          • @Jürgen Bucher: „Der Begriff „Klimaalarmismus“ ist eine Erfindung von Kaltsonnenanbetern und schwadronierenden Rentnern, die ein Berufsleben lang nur Pleuelstangen optimiert oder in endlosen Versuchsreihen Metalle beschichtet haben“

            Wobei das schon an Ironie grenzt. Wenn man mal wirklichen Alarmismus erleben will, braucht man nur deren Diskussionsseiten anzuschauen. Nirgendwo wird dort so häufig der sprichwörtliche Teufel an die Wand gemalt, dass wir angeblich vor einem wochenlangen BlackOut stehen, dass die deutsche Wirtschaft zusammenbrechen wird, dass wir bald wie im Mittelalter leben werden. Und das alles nur wegen der bösen Energiewende. Das ist faktenbefreiter Bilderbuch-Alarmismus, den man dort nachlesen kann, die die eigenen Anhänger nicht durchschauen. Statt die eigenen Prognosen mal zu hinterfragen, versuchen sie sich gegenseitig in der Schwarzmalerei zu überbieten. Mit anderen Worten, die haben kein Problem damit, dass man die ganze Zeit „das Ende ist nah“ ruft, sondern die halten 7 Cent EEG-Umlage pro kWh statt 3°C Klimaerwärmung für die größere existentielle Bedrohung.

          • Ich bin ja seit langer Zeit engagierter Daimler-Aktionär und freue mich deshalb ganz besonders, dass Dr. Dieter Zetsche bei seiner Rede für Bündnis 90/Die Grünen am 13. November 2016 meine obigen Ausführungen quasi in jeder Hinsicht voll bestätigt hat. Die Daimler AG hat alles sofort mit höchster Priorität auf ihrer Homepage veröffentlicht, ich zitiere Herrn Zetsche deshalb nur ganz knapp mit folgenden Worten:

            „Der `Antrag zur Energie- und Verkehrswende` Ihres Bundesvorstands bietet jedenfalls eine Menge Gesprächsstoff. Da heißt es zum Beispiel: `Die Automobilwirtschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn sie Fahrzeuge entwickelt, die kein CO2 verursachen.` Meine Damen und Herren, es wird manche von Ihnen vielleicht überraschen, aber dem stimme ich ausdrücklich zu. Abschluss und Inkrafttreten des Pariser Klima-Abkommens sind auch aus meiner Sicht wichtige Erfolge der internationalen Staatengemeinschaft. Die Welt hat sich damit auf den richtigen Weg gemacht. Denn die Dekarbonisierung der Industriestaaten ist notwendig.“ Und: „Wir stellen uns unserer klimapolitischen Verantwortung.“

            Das Verhalten einiger Grüner während der Rede ist übrigens nicht akzeptabel. Vermutlich wird mir jedoch kaum jemand widersprechen, wenn ich anmerke, dass die regelmäßig läppischen und simplen Äußerungen diverser „Klimaskeptiker“ erheblich schlimmer sind.

          • Darf ich noch etwas ergänzen? Auch meine Jungs von BHP Billiton – immerhin der größte Bergbaukonzern der Welt, ich habe von denen ein paar Aktien – plädieren mittlerweile dafür, dass Amerika sich auch unter Trump an das Klimaabkommen von Paris hält, das hat jedenfalls vor drei Tagen die FAZ berichtet.

            Mein oberster Angestellter (das ist ja sozusagen so), der BHP-Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie wird wie folgt zitiert: „Wir hoffen, dass Präsident Trump die engere Bindung, die Präsident Barack Obama und der chinesische Präsident Xi Jinping mit Blick auf das Klima aufgebaut haben, fortsetzen wird, denn das scheint uns ein starkes Fundament für die Zukunft zu sein.“

            Im neuen Bild der Wissenschaft (auch „Lügenpresse“?) ist übrigens ein lesenswerter Artikel „Radikal aus Unsicherheit“ erschienen, dessen inhaltliche Botschaft sehr gut auch auf sog. „Klimaskeptiker“ angewendet werden kann. „Unsicherheit macht empfänglich für extreme Ideologien“, schreibt der Autor treffend, sehr gut arbeitet er z.B. die psychischen Merkmale von „verhärtet Selbstgerechten“ heraus.

  5. Dass es in der zur Diskussion stehenden Studie „nicht um Extremereignisse generell sondern um Rekorde“ geht, habe ich tatsächlich nicht beachtet. Aber dann leuchtet mir ein: Wenn eine normalverteilte Temperatur linear in der Zeit zunimmt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für neue Temperaturrekorde. Zu dem von Ihnen verlinkten Paper „Rekorde“ habe ich dennoch eine Frage. Darin „zeigt die um den Trend bereinigte Datenreihe in Bezug auf Rekorde das Verhalten einer echten Zufallsreihe“. Der Trend, um den die Daten bereinigt werden, ist aber ein nichtlinearer Trend (LOESS), während für die Berechnung der Wahrscheinlichkeiten von Temperaturrekorden offenbar der übliche lineare Trend unterstellt wird. Meine Frage: Ist auch die um einen linearen Trend bereinigte Datenreihe nahezu normalverteilt, und müsste bei einer solchen Trendbereinigung nicht tatsächlich der Zeitpunkt eine Rolle spielen, zu dem die Datenreihe einsetzt?

    • Lieber Herr von Oehsen, bereinigt man eine Datenreihe ab 1880 um den linearen Trend dann zeigt das Residuum noch Strukturen, nicht nur rein zufallsverteilte Daten. Betrachte ich die Daten aber erst ab den 1970ern dann werden sie meist gut durch einen linearen Trend plus Zufallsschwankungen beschrieben. Beide Fälle haben wir in unserer Studie betrachtet. Im ersten Fall muss man einen nichtlinearen Trend nehmen, um Klimasignal und Rauschen zu trennen. Dann muss man die Wahrscheinlichkeiten natürlich auch mit dieser nichtlinearen Trendlinie berechnen, und genau das haben wir auch getan (mit Hilfe von Monte Carlo Simulationen). Für den Fall des linearen Trends gibt es eine analytische Lösung für die Berechnung der Wahrscheinlichkeiten, die wir in unserem Paper aufzeigen.

      • Lieber Herr Rahmstorf,
        auch wenn es vielleicht den Anschein hat, aber ich will Sie wirklich nicht nerven. Ich möchte Ihr mathematisch-statistische Herangehnsweise nur gern vertehen. In dem verlinkten Paper heißt es: „Wenn die Daten durch Zufallszahlen mit einer gaußschen Normalverteilung bestimmt sind, die ihrerseits eine gewisse
        konstante Breite (»Standardabweichung«) s hat und deren Mittelwert langsam mit einer Geschwindigkeit c pro Zeitschritt ansteigt, dann beträgt die Rekordwahr-scheinlichkeit näherungsweise …“ und weiter: „Dabei ist c die konstante jährliche Zunahme des Temperaturmittelwertes…“ Daraus hatte ich geschlossen, dass Sie einen linearen Trend zugrundegelegt haben.

        Und grundsätzlich stellt sich doch auch die Frage, ob es hinreichende Gründe dafür gibt, dass globale Jahresmittelwerte auf eine Normalverteilung zurückgeführt werden können. Sollte diese Überlegung nicht am Anfang der Untersuchung stehen, einen Trend so zu konstruieren, dass die Stammdaten nach der Trendbereinigung mit einer Normalverteilung konsistent sind?

        • Lieber Herr von Oehsen, der populärwissenschaftliche Spektrum-Artikel konnte natürlich nicht alles erklären, zumal er ja über eine ganze Reihe von Fachpublikationen auch meiner Kollegen spricht.
          Für die Betrachtung der Wahrscheinlichkeit von Rekorden ist es nicht essenziell, dass die Zufallschwankungen normalverteilt sind. Es reicht, dass sie IID sind. Das ist eine schöne Eigenschaft; das weiter zu vertiefen würde hier aber zu weit führen – da müsste ich Sie dann doch auf das Lesen unserer Fachpublikation verweisen, wenn es Sie so genau interessiert.