Aus der Arktis

5 Uhr morgens. „Two polar bears ahead on the port side.“ Die ruhige Lautsprecherstimme von Expeditionsleiter Bud Lehnhausen reißt uns aus dem Schlaf. Mein Kabinengenosse, Prof. Jake Jacoby vom MIT, und ich streifen rasch warme Kleidung über und gehen an Deck. Kapitän Lampe nimmt langsam die Fahrt aus der National Geographic Endeavour. Nach und nach erscheinen auch die anderen an Deck. Ehrfürchtige Stille, die Leute flüstern, auch um die Tiere nicht zu erschrecken. Neben mir blickt Bill Ritter, der Gouverneur von Colorado, gebannt durch sein Fernglas. Paul Nicklen, Starfotograf von National Geographic, hat sein halbmeterlanges Teleobjektiv in Anschlag gebracht. Aus gebührender Entfernung können wir ausgiebig eine Eisbärenmutter mit ihrem zweijährigen Jungen auf einer Eisscholle beobachten. Unser Schiff scheint sie nicht besonders zu interessieren.

Wir haben Glück auf dieser Fahrt: schon am Vortag haben wir drei Eisbären beobachten können. Ein kräftiges Männchen rollte sich nach einer Robbenmahlzeit vor unseren Augen genüsslich auf dem Rücken im Schnee auf einer Eisscholle. Langsam dreht der Kapitän das Schiff, und wir lassen die Tiere wieder im Packeis allein.

 

Arctic Expedition for Climate Action

Mitte Juli hatte ich das Privileg, als einziger deutscher Teilnehmer bei der Arctic Expedition for Climate Action dabei sein zu können, die von der National Geographic Society in Zusammenarbeit mit Lindblad Expeditions und dem Aspen Institute organisiert wurde. Idee dieser einzigartigen Reise war es, führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Umweltbewegung, Gewerkschaften, Kunst und Wissenschaft, überwiegend aus den USA, zu einem Dialog und zum direkten Erleben der Arktis zusammen zu bringen. Da trafen „alte Hasen“ der Politik wie Jimmy Carter und Madeleine Albright auf junge Aktivisten wie Majora Carter, die aus einer armen schwarzen Familie in New York’s South Bronx stammt und dort eine erfolgreiche Bewegung für eine grüne Renaissance dieses Stadtviertels gestartet hat. Führer der amerikanischen Evangelikalen diskutierten mit Klimaforschern, CEOs von Konzernen wie Monsanto und Dupont, Google and Ebay plauderten mit den Köpfen von Umweltorganisationen. Der Komiker Chevy Chase sorgte für zahlreiche Lacher, die weltberühmte junge Violinistin Eugenia Choi und die Pianistin Carol Wong begeisterten mit ihrer Musik. Höhepunkt war ein Konzert von Choi an einem abgelegenen Strand der Spitzbergen-Insel Edgeoya, an dem wir mit Schlauchbooten angelandet waren. Die Violine hier einmal nicht vom Klavier begleitet, sondern vom Orchester eines großen Vogelfelsens, der die Szenerie majestätisch überragte und dessen Gipfel sich in den Wolken verlor.

 

Arche Noah für Saatgut

Begonnen hatte die Reise in Longyearbyen auf Spitzbergen mit einer Besichtigung des Saatgutbunkers, der dort im Februar eröffnet wurde. Ein Bauwerk wie aus dem James-Bond-Film. Eine Arche Noah für Saatgut, die für viele Jahrtausende die Grundlagen für die Ernährung der Menschheit sicher verwahren soll. Wohl seit den Pyramiden von Giseh ist kein Bauwerk für eine derart lange Lebensdauer geplant und gebaut worden; Atomkrieg und Terroranschläge sollen die tief in den Permafrost hinein gegrabenen Tunnel gleichermaßen überstehen können.

Prof. Cary Fowler, Leiter der tiefgekühlten Samenbank, erklärt uns die Bedeutung gerade in Zeiten des Klimawandels. Schon in 30 Jahren werden die Klimabedingungen, für die viele heute verwendete Saatgutsorten optimiert worden sind, nirgends mehr auf der Erde existieren. Denn nach einer Klimaerwärmung einfach das Saatgut in höheren, kühleren Breitengraden zu verwenden, das ginge nicht, erläutert er. Dort sind ja u.a. Sonnenstand und Tageslänge anders. Deshalb müssen zur Anpassung an die globale Erwärmung laufend neue Sorten gezüchtet werden – und genau dazu braucht man die genetische Vielfalt, die im Saatgutbunker gegen alle Bedrohungen gesichert werden soll. So sind immer wieder herkömmliche Samenbanken zerstört worden, in den letzten Jahren zum Beispiel im Irak und in Somalia, mit dem unwiederbringlichen Verlust tausender von Sorten.

Der Nordpolschwimmer

In Spitzbergen kam auch der als Nordpolschwimmer bekannt gewordene Lewis Pugh für einen Empfang an Bord. Im vergangen Jahr schwamm er – nur mit Badehose bekleidet – einen Kilometer am Nordpol,  um damit auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen. Derzeit lebt er in Spitzbergen, um für einen neuen Stunt zu trainieren: im September will er mit einem Kajak von Spitzbergen zum Nordpol paddeln. „Ich hoffe, ich schaffe es nicht“, sagte er mir. „Denn ich hoffe, dass das Eis nicht so rasch schwindet, um eine solche Fahrt möglich zu machen.“ In der Tat sieht die Eislage derzeit nicht so aus, als könnte dieses Unterfangen in diesem Jahr gelingen. Zwar ist am Nordpol außergewöhnlich dünnes Eis –  einige US-Eisexperten sorgten sogar vor einigen Wochen mit der Einschätzung für Schlagzeilen, dass die Chancen 50:50 stünden, dieses Jahr erstmals riesige eisfreie Flächen am Pol zu erleben (CNN video dazu). Das liegt neben der Klimaerwärmung aber auch an den ungewöhnlichen Winden, die das dickere, mehrjährige Eis vom Pol weggeblasen haben – in Richtung Spitzbergen. Dort staut sich daher auf der Nordseite eine Eisbarriere, die zu durchqueren die größte Hürde für Pugh werden dürfte und auch unser Schiff daran hinderte, Spitzbergens Nordküste zu besuchen.

Weiter geht’s hier mit Teil 2 des Reiseberichts!

Update (3.9.): Lewis Pugh ist jetzt mit dem Kayak unterwegs – aktuelle Berichte incl. CNN-Video hier.

Weblinks

Mehr zur Arktis auf KlimaLounge: Zwei Planeten (vom 21.8.08)

Präsentation: The 5 most important data sets of climate science

Arctic sea ice news

Tägliche Meereiskarten (Uni Bremen)

Arctic climate impact assessment 

(Alle Fotos (c) S. Rahmstorf)

Foto Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Verdammt

    Ich glaube ich habe das falsche Fach studiert. Da kann man ja neidisch werden…

    [Antwort: Genau. Für alle, die gleich das richtige studieren wollen, bieten wir Klimaphysik als Vertiefung im Rahmen des Physikstudiums an der Uni Potsdam an. Stefan Rahmstorf]

  2. Traumreise in die Arktis

    Sehr schön geschriebener Bericht von einer offenbar sehr inspirierenden Reise.
    Ihre Fotos geben einen guten Eindruck von der „Stimmung“ und wären sicher eine Ausstellung wert.
    Ich selbst hatte im Alter von 12 Jahren das große Glück, mit meinen Eltern nach Spitzbergen zu reisen.Die Eindrücke von damals sind mir heute noch so gegenwärtig, als wäre es gestern gewesen! Ein guter Grund für mich (und sicher auch für Sie), wenn die Zeit reif ist (d.h das Kind alt genug, um nicht zu vergessen), der Familie diese schöne Region der Erde zu zeigen.

    Mit den besten Wünschen
    Jens Christian Heuer
    http://wetterwechsel.wordpress.com

    [Antwort: Danke für die netten Worte. Die Bilder kommen im Netz natürlich nicht gut raus – die Originale sind klassisch auf Rollfilm im 6×6 Format aufgenommen. Gruß, Stefan Rahmstorf]

  3. Ein Haufen Leute unternimmt eine Kaffeefahrt in die Arktis und am Ende verfassen die Teilnehmer eine gemeinsame Resolution gegen klimaschädigende Fernreisen.

    [Antwort: Ein berechtigter Einwand (auch wenn wir keine Resolution gegen Fernreisen verfasst haben). Immerhin wurden die Emissionen kompensiert – Details dazu auf der oben verlinkten Expeditions-Website. Stefan Rahmstorf]

  4. Herr Rahmstorf,

    Erstens, wenn man Ihren Ausführungen Glauben schenken darf, dann sollten wir Emissionen vermeiden, nicht kompensieren. So wie wir es vermeiden sollten, im Straßenverkehr Fußgänger anzufahren, auch wenn wir ihnen Schmerzensgeld zahlen.

    Andernfalls sollten Sie Ihre „Bahnfahrt nach Dresden“ nochmal redigieren:

    „Es ist Ende August 2002. Ich nehme den Flieger von Potsdam nach Dresden. Zunächst mit dem Ferrari nach Schönefeld. (…)“

    Und immer schön die Kompensationen erwähnen.

    Zweitens würde es mich interessieren, wer für diese Kompensationen tatsächlich aufgekommen ist. In einem kürzlich geführten Interview auf Deutschlandradio Kultur erwähnten Sie, daß Dienstreisen einen erheblichen Anteil Ihres ‚Carbon Footprint‘ ausmachen. Ihre persönliche Teilnahme an dieser Fahrt hat nicht unbeträchtliche Emissionen verursacht, die uns und unseren Nachkommen – falls Sie Recht haben – meßbar schaden.

    Also wer hat den Schaden kompensiert, den Sie durch ihre persönliche Anwesenheit dort verursacht haben? Lassen Sie mich raten … es war eine dienstlich veranlaßte Reise … das PIK finanziert sich zu einem erheblichen Anteil durch öffentliche Zuwendungen und Aufträge … also wir alle, die Geschädigten selber?

    [Antwort: Ich habe diese Reise als von den Organisatoren eingeladener Experte gemacht, also finanziert durch die privaten Sponsoren der Expedition, die auch die CO2-Kompensation finanziert haben. Bei der Kompensation von Emissionen geht es übrigens nicht darum, irgendjemanden zu entschädigen. Es geht darum, die verursachten Emissionen an anderer Stelle wieder einzusparen, z.B. durch Investitionen in Aufforstung. Stefan Rahmstorf]

  5. Großartiger Bericht!

    Und nicht stören lassen: Es ist wohl leider noch immer Deutschland-typisch, dass man selbst hart arbeitenden und engagierten Menschen weder Genuss noch Reflektion gönnt. (Nur Sportler dürfen Millionen verdienen, alle anderen haben sich für ihre Erfolge gefälligst zu schämen.)

    Dabei halte ich solche Aktionen wie die o.g. für außerordentlich wichtig: Kreativität und interdisziplinäres Denken können nur dort gedeihen, wo man sich auch mal neuen Eindrücken, ungewöhnlichen Gesprächspartnern und ermutigenden Erlebnissen aussetzt. Wenn Leute über den Tellerrand hinaus denken sollen, soll man sie auch mal darüber hinaus schauen lassen. Erfolgreiche, mittelständische und große Firmen setzen längst auf solche Effekte, die Wissenschaft, Politik und Medienwelt beginnt sie erst zu entdecken.

    Also: von hier aus ein herzlicher Glückwunsch und danke für den Bericht!

  6. Ich habe heute 3 Bäume gepflanzt. Auf meinen CO2-Konto habe ich also etwas gut. Diesen Ablass möchte ich gerne Herrn Rahmstorf verkaufen, damit er weitere „Kaffeefahrten“ in die Arktis unternehmen kann. Kann man sich das in etwa so vorstellen?

    Ich denke so viel Bäume kann man gar nicht zwecks CO2-Kompensation pflanzen, wenn wir uns alle die ein oder andere Fernreise gönnen. Die Welt wäre voller Wälder.

  7. Herr Rahmstorf,

    womöglich denke ich zu kleingeistig, wenn mir scheint, daß man ein Aufforstungsprojekt auch finanzieren könnte, ohne das dadurch gebundene CO2 durch Lustreisen an anderer Stelle gleich wieder freizusetzen. Und daß man noch erheblich mehr hätte aufforsten können, hätte man auf diese Reise und die damit verbundenen Ausgaben verzichtet (die Teilnehmerliste weist ja nicht gerade auf einen Personenkreis hin, der für seinen spartanischen Lebensstil berüchtigt ist).

    Diese Vorreiter der „Koalition der Freiwilligen“(*) fordern mich zB zum Stromsparen und Reiseverzicht auf, damit ich den Planeten nicht in die Nähe irgendwelcher Kipp-Punkte treibe. Und dann demonstrieren mir dieselben Leute mit ihrem Lebensstil und ihrem Verhalten, daß ihnen selbst ein paar Tonnen CO2 pro Nase mehr oder weniger völlig egal sind (An- und Abreise nicht eingerechnet). Wie kann ich das Anliegen dann ernstnehmen, Herr Rahmstorf?

    *) http://www.dradio.de/…r/sendungen/kritik/481633/

  8. Vielleicht hätten Sie auch nicht nur Bilder schmelzender Eisreste, sondern auch von der „Eisbarriere“. Die wesentliche Entwicklung in 2008 war ja bisher, dass sich die Anomalie aus 2007 deutlich zurückgebildet hat, trotz der unvorteilhaften Ausgangssituation mit wenig mehrjährigem Eis.

    Denken Sie dass sich die Anomalie als Folge der Umkehr der PDA ganz abbauen, bzw. úmkehren wird, bzw. welche Konsequenzen hätte dies für die Klimamodelle ?

  9. Ablaßhandel

    @Wolfgang Flamme
    Dieser quasi religiöse Ablaßhandel ist dermaßen pervers, daß man eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann. Und es wird kein „p“ CO2 dadurch eingespart, sondern man beruhigt nur sein Gewissen – leisten können sich da die wenigsten – der Rest kann wieder sehen wo er bleibt.
    Aber das Geld bleibt schon bei den „richtigen“ hängen und wandert in die „richtigen“ Taschen.
    Irgendwann opfern wir dann auch wieder – hoffentlich nur Obst und Gemüse, das mit mehr CO2 in der Athmosphäre besser gedeiht.

  10. Arktis-Reise

    Die Botschaft der Reisegesellschaft habe ich verstanden. Allerdings hatte ich sie schon vorher 10000mal gehört.

    Im Gegensatz zu folgender:

    25% des weltweiten CO2-Ausstoßes werden seit Jahrzehnten durch die Verbrennung der tropischen Regenwälder verursacht.

    Ein Stopp dieser Brandrodungen hätte „auf einen Schlag“ die Wirkung einer weit über 100jährigen Umsetzung des Kyoto-Protokolls.

    Aber darüberhinaus wäre das eine Vermeidung einer der größten Naturzerstörungen überhaupt.

    Herr Rahmstorf:

    Warum ist Indonesien in der Grafik auf der hinteren Umschlagseite Ihres Buchs so klein eingezeichnet, als würde dort z.B. gegenüber Deutschland weniger als die Hälfte an CO2 ausgestoßen?

    War 2002 für die indonesischen Wälder ein besonders „günstiges“ Jahr?

    Im Jahr 1998 beispielsweise hat Greenpeace darauf hingewiesen, dass allein durch die Waldbrände in Indonesien im Jahr 1997 mehr CO2 ausgestoßen worden war als in ganz Westeuropa.

    Im Jahr 2007, als die Umweltkonferenz auf Bali stattfand, hat wieder Greenpeace darauf aufmerksam gemacht, dass der CO2-Ausstoß in Indonesien größer ist als der Ausstoß in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

    Liegt hier nicht Irrsinn vor?

    Aber als Brecht-Leser kennen Sie ja den Spruch:

    „Unsinn übersieht man leicht, wenn er große Ausmaße annimmt.“

    Daraus wird sogar eine Strategie abgeleitet. Man kann das an der Idee erkennen, CO2 mit aberwitzigen Kosten „endzulagern“.

  11. Arktis-Reise

    Gut, dass die Reiseveranstalter auch einen Klimaforscher mit der entsprechenden Experise mit auf die Polarreise genommen haben. Sonst hätte man ja denken können, die Reisenden seien aus reinem Vergnügen unterwegs.

    Mich interessiert nun, wie der Polarschwimmer und andere Reiseteilnehmer reagiert haben, als Sie ihnen Informationen gegeben haben wie z.B. die folgende (siehe IPCC-Bericht AR4WG1_Pub_Ch3, S. 248):

    „The warming over land in the Arctic north of 65°N (Figure 3.7) is more than double the warming in the global mean from the 19th century to the 21st century and also from about the late 1960s to the present. In the arctic series, 2005 is the warmest year. A slightly longer warm period, almost as warm as the present, was observed from the late 1920s to the early 1950s. Although data coverage was limited in the first half of the 20th century, the spatial pattern of the earlier warm period appears to have been different from that of the current warmth. In particular, the current warmth is partly linked to the Northern Annular Mode (NAM; see Section 3.6.4) and affects a broader region (Polyakov et al., 2003). Temperatures over mainland Antarctica (south of 65°S) have not warmed in recent decades (Turner et al., 2005), but it is virtually certain that there has been strong warming over the last 50 years in the Antarctic Peninsula region (Turner et al., 2005; see the discussion of changes in the Southern Annular Mode (SAM) and Figure 3.32 in Section 3.6.5).“

    Es ist ja anzunehmen, dass ihnen vorher bestenfalls die stark reduzierte Form wie z.B. die aus einer Veröffentlichung bekannt war, die das Umweltministerium, das Forschungsministerium und die deutsche IPCC-Koordinierungsstelle zusammen als „Fourth Assessment Report (AR4) of the IPCC (2007) on Climate Change, Part I – The Physical Science Basis, Summary 02/02/2007“ herausgegeben hatten, ein dreiseitiges „Summary“ des 21-seitigen „Summaries for Policymakers“ des 1000(?)-seitigen IPCC-Berichts „Climate Change 2007: The Physical Science Basis“.

    Dort heißt es zum oben erwähnten Punkt knapp:

    „Arctic: Average Arctic temperatures increased at almost twice the global average rate in the past 100 years.“

    Die erwähnte dreiseitige Zusammenfassung der Zusammenfassung des IPCC-Berichts endet übrigens mit dem Satz:

    „This would mean that the critical temperature threshold for the Greenland ice sheet would be significantly overstepped; if the warming trend were sustained for millennia, the ice sheet would melt completely leading to a long-term sea level rise of 7 metres.“

    Ich schlage folgendes Summary des Summaries des Summaries vor:

    „Sieben Meter“

  12. Arktis-Reise

    Ich nehme an, dass selbst bei der bildungsbeflissenen Reisegesellschaft, die ja immerhin einen Klimaforscher mit der entsprechenden Expertise mit an Bord genommen hatte, folgende Darstellungen Ratlosigkeit hinterließen:

    IPCC, AR4WG1_Pub_Ch3, S. 256:

    „The largest negative trends in annual precipitation were observed over western Africa and the Sahel. After having concluded that the effect of changing rainfall-gauge networks on Sahel rainfall time series is small, Dai et al. (2004b) noted that Sahel rainfall in the 1990s has recovered considerably from the severe dry years in the early 1980s (see Section 3.7.4 and Figure 3.37). A drying trend is also evident over southern Africa since 1901.“

    IPCC, AR4WG1, Summary for Policymakers, S. 8:

    „More intense and longer droughts have been observed over wider areas since the 1970s, particularly in the
    tropics and subtropics. Increased drying linked with higher temperatures and decreased precipitation have
    contributed to changes in drought. Changes in sea surface temperatures (SST), wind patterns, and decreased
    snowpack and snow cover have also been linked to droughts.“

    Umweltministerium, Forschungsministerium, deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, „Fourth Assessment Report (AR4) of the IPCC (2007) on Climate Change, Part I – The Physical Science Basis, Summary 02/02/2007“ (dreiseitige Zusammenfassung der IPCC-Berichte), S. 3:

    „Precipitation: long-term trends from 1900 to 2005 observed in many regions, for example, significant increase in the eastern parts of North and South America, northern Europe and northern and central Asia; drying in western Africa (Sahel), the Mediterranean, southern Africa and parts of southern Asia. Droughts in the tropics and subtropics have become longer and more intense since the 1970s.“

    Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report, DRAFT COPY 16 NOVEMBER 2007 23:04– Subject to final copyedit, S. 1:

    „Globally, the area affected by drought has likely increased since the 1970s.“

    a.a.O., S. 6:

    „Human influences have … more likely than not increased risk of heat waves, area affected by drought since the 1970s and frequency of heavy precipitation events.“

    In der Sahelzone verläuft der Niederschlagstrend schon seit 20 Jahren wieder nach oben.

  13. Arktis-Reise

    Durch die Teilnahme eines Klimaforschers mit entsprechender Expertise erfuhren die Polarreisenden aus erster Hand, dass Klimaexperten durchaus auch Argumente anderer anerkennen, sofern sie der Sache dienen.

    So z.B. die Schärfung des in der Klimaforschung so wichtigen Begriffs der „Naturkatastrophe“ durch die Münchner Rückversicherung (S. Rahmstorf, H.J. Schellnhuber, DER KLIMAWANDEL, 6. Auflage 2007; S. 70-71):

    „Ein Beispiel ist die Hitzewelle in Europa im Sommer 2003, die nach Schätzungen 20000 bis 30000 Menschenleben gefordert hat (Abb. 3.4) [Nach neueren Schätzungen noch mehr (Spielberg)] und damit laut Angaben der Münchner Rückversicherung die größte Naturkatastrophe in Mitteleuropa seit Menschengedenken gewesen ist.“

    Die Reisegesellschaft konnte so darüber aufgeklärt werden, wie falsch es beispielsweise wäre, folgendes Ereignis ebenfalls als „Naturkatastrophe“ zu betrachten (http://www.n-tv.de/594072.html):

    „Die Spanische Grippe breitete sich vor Ende des Ersten Weltkriegs bis in die entlegensten Winkel der Erde aus. Sie raffte in wenigen Monaten mehr Menschen dahin als der Krieg in vier Jahren. Allein in Indien soll es bis zu zwölf Millionen Grippetote gegeben haben, in Spanien 300000 und in Deutschland 200000.“

    Dazu im Wikipedia-Artikel zur „Spanischen Grippe“:

    „Die Dritte Welle ist als einheitliche Bezeichnung problematisch, weil sie in den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich verlief. In Deutschland kam es beispielsweise zum Jahresanfang 1919 zu einer weiteren, also dritten Welle, die erst im März oder April auslief. Generell scheint diese dritte Welle abgesehen vom chinesischen Raum allgemein schwächer verlaufen zu sein als die Herbstwelle. Deshalb handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine echte Nachepidemie. Im Übrigen kam es in den meisten Teilen der Welt bis weit in die 20er-Jahre hinein zu weiteren Nachepidemien, die sich dann aber wieder an den ’normalen‘ jahreszeitlichen Rhythmus hielten, also in Europa beispielsweise im Winter auftraten. Man könnte daher im Anschluss an die Herbstwelle im Grunde auch statt von einer einheitlichen Dritten Welle von diversen aufeinanderfolgenden und voneinander unabhängigen Wellen sprechen.“

    Mit großem Interesse dürfte auch folgender Hinweis aufgenommen worden sein (2. Direkte Auswirkungen des Klimawandels):

    „Eine Anwendung dieser empirischen Ergebnisse auf die Prognosen von Klimamodellen, die eine stärkere Steigerung der Winter- als der Sommertemperaturen vorhersagen, auf 20 ausgewählte Städte weltweit, kommt zu dem Schluss, dass möglicherweise besonders bei Herzerkrankungen die Abnahme der Todesfälle durch mildere Wintertemperaturen höher sein wird als die Zunahme durch höhere Sommertemperaturen … Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie, die die klimabedingte Sterblichkeit in kalten, gemäßigten und warmen Regionen Europas (von Finnland über Süddeutschland bis Griechenland) vergleicht und bis 2050 eine größere Abnahme im Winter als Zunahme in den Sommermonaten vorhersagt. … Werden sowohl das verstärke Auftreten von Hitzewellen wie die allgemeine Zunahme der Durchschnittstemperaturen in Erwägung gezogen, lässt sich gegenwärtig allerdings keine gesicherte Aussage darüber machen, ob in einzelnen Staaten oder weltweit die Zunahme der durch höhere Temperaturen verursachten Sterbefälle größer oder geringer sein wird als die Abnahme der Zahl der Toten durch mildere Wintertemperaturen. … Zu der Unsicherheit trägt nicht zuletzt bei, dass sich Anpassungsmaßnahmen und -verhalten, z.B. durch den Gebrauch von Ventilatoren und Aircondition, durch an höhere Temperaturen angepasstes Bauen oder durch veränderte Kleidung, schwer einschätzen lassen.“

    (Ende meiner Beiträge in diesem Forum)

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