Auf dem Weg zum fossil-freien Haushalt

Wir kaufen keine fossile Energie mehr. Das bringt Freude und ist nicht schwer.

Wer sich ein wenig mit der globalen Erwärmung auskennt, der weiß: sie lässt sich nur stoppen, wenn wir möglichst rasch aus der Nutzung fossiler Energien aussteigen. Was liegt also näher als gleich damit anzufangen: dort wo man selbst Geld für fossile Energie ausgibt.

Fossilen Strom kaufen wir schon lange nicht mehr – in Deutschland kann man ja zum Glück 100% Ökostrom kaufen. Da kommen zwar keine grünen Elektronen aus der Steckdose, aber das Entscheidende ist ja, was man mit seiner Stromrechnung finanziert: den Ausbau der Erneuerbaren oder Konzerne, die diesen bremsen. Deshalb: einen der wirklich für Erneuerbare engagierten Anbieter nehmen (wir haben z.B. den Strom von EWS).

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Seit über zwei Jahren erzeugen wir auch Strom auf unserem Dach: ziemlich genau 4 Megawattstunden im Jahr, und damit fast doppelt so viel wie wir (Eltern, zwei Kinder) in unserem Einfamilienhaus im Jahr verbrauchen. Für die eingespeiste Kilowattstunde bekommen wir 16 Cent, für die gekaufte bezahlen wir 24 Cent, daher versuchen wir den Eigenverbrauch zu maximieren. Bei Sonnenschein bin ich daher immer hoch motiviert, die Waschmaschine anzuwerfen! Ich schätze nach rund 15 Jahren dürften wir die Kosten der PV-Anlage (made in Germany) wieder eingespielt haben (der Standort ist nicht optimal, u.a. teilweise durch eine alte Eiche beschattet).

Zum Heizen und Kochen nutzen wir Gas – inzwischen aber 100% Biogas (auch von EWS) – aus Reststoffen, also keine Mais-Monokultur. Es gibt aber auch interessante Versuche zum ökologischen Anbau von Energiepflanzen in Form von artenreichen Wildpflanzenmischungen. Das Biogas ist der einzige Posten, der uns spürbar mehr kostet als die fossile Variante: mit 11 cent pro Kilowattstunde rund doppelt so viel wie Erdgas, macht für uns rund € 70 Zusatzkosten monatlich. Aber das sparen wir locker mehrfach wieder ein, indem wir ohne Auto leben. Einen neuen VW Golf zu fahren würde 640 € pro Monat kosten – siehe die schöne Mussterrechnung von Quarks&Co (der ohne eigenes Auto mobile Mustermensch hat bei Erreichen des Rentenalters fast eine halbe Million Euro mehr auf dem Konto als der Autobesitzer).

Dass wir unseren Altbau beim Renovieren ordentlich gedämmt haben (diffusionsoffen und umweltfreundlich mit Holzweichfaserplatten) versteht sich und erhöht nebenbei den Wohnkomfort, es hält im Sommer das Haus auch kühl.

Warmwasser wird ergänzt durch eine thermische Solaranlage – im Sommer reicht sie dafür alleine aus und man kann die Gastherme abschalten. Im Winterhalbjahr heizen wir am Wochenende gerne mit Holz – mit einem sehr effizienten und sehr sauberen Xeoos Kaminofen mit doppelter Brennkammer. (Alljährliche Frage des Schornsteinfegers, der keinen Ruß im Kamin findet: „Ihren Ofen haben Sie wohl kaum angehabt, oder?“) Dazu nutzen wir auch teilweise Holz aus unserem Garten.

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Irgendwelche Verbrennungsmotoren betreiben wir nicht – wir haben seit jeher kein Auto sondern Fahrräder, für größere Reichweite ist auch ein Stromrad dabei, seinerzeit vor allem für das Ziehen des Kinderanhängers zur Kita angeschafft. Inzwischen radeln beide Kinder alleine zur Grundschule, das Pedelec erweist aber immer noch gute Dienste auf längeren Strecken. Rasenmähen geht genauso gut ohne Motor mit einem klassischen Walzenmäher.

Natürlich ist mir klar, dass es hier nur um den direkten Kauf von fossiler Energie geht – für die Erzeugung der Produkte, die man sonst so verbraucht (z.B. Lebensmittel), wird auch Energie benötigt. Da hilft nur bewusst einzukaufen, z.B. regionale Lebensmittel und keine Flugware oder Obst außerhalb der Saison. Urlaub machen wir in der Regel an der Ostsee oder dem Bodensee. Auch wo man sein Geld anlegt spielt eine Rolle (siehe den aktuellen Beitrag zu Divestment in National Geographic Deutschland). Das gilt auch schon fürs Girokonto – bei meinem bei der GLS Bank kann man auswählen, in welchem Bereich die Einlagen investiert werden, z.B. für erneuerbare Energien.

Dienstlich muss ich natürlich gelegentlich fliegen. Für solche beruflich nötigen Emissionen gilt für mich eine geteilte Verantwortung. Niemand wird wohl den LKW-Fahrer, der einem den Joghurt in den Laden liefert, für die Emissionen seines LKW persönlich verantwortlich machen – die müssen hauptsächlich dem Endverbraucher zugerechnet werden, der den Joghurt kauft. Allerdings hat das LKW-Unternehmen dabei auch eine Verantwortung, den Transport so sparsam und nachhaltig wie möglich zu gestalten. (Zur Zurechnung dieser geteilten Verantwortung für Emissionen, in dem Fall zwischen Erzeuger- und Konsumentenländern, gab es kürzlich übrigens einen interessanten Vorschlag in Nature Climate Change.) Für mich heißt das, mit Flügen möglichst verantwortlich und sparsam umzugehen. Die Mehrzahl der Einladungen, im Ausland Vorträge zu halten, lehne ich ab – auch wenn da in der Regel alle Kosten übernommen werden – und meine Frequent Flyer Karte habe ich verloren. Seit zehn Jahren war ich z.B. nicht mehr bei der AGU-Konferenz in San Francisco, dem wohl größten jährlichen Treffen der Klimaforscher (auch nicht als ich 2010 zum Fellow der AGU gewählt wurde und daher zum Galadinner eingeladen war) – ich halte es für wichtiger, dass Nachwuchsforscher die Chance haben dort hinzufahren, ihre Arbeiten vorzustellen und sich zu vernetzen.

Wer darüber nachdenkt und pragmatisch herangeht, der kann dort, wo er seine Entscheidungsspielräume hat, einen positiven Unterschied für den Klimaschutz machen. Kein Geld mehr direkt für fossile Energie auszugeben ist ein Anfang, und es ist einfach ein gutes Gefühl!

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

177 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herr Rahmstorf, kimafreundlich zu leben bedeutet Verzicht und nicht Konsum. Afrika deckt seinen Energiebedarf zu ca. 50% aus Erneuerbaren Energien (EE), vorwiegend aus Brennholz und hat aufgrund des Verzichts eine so gute Klimabilanz.

    1. Ökostrom stammt vorwiegend aus abgeschriebenen Wasserkraftwerken in Skandinavien und der Schweiz. Per Zertifikat geht der Graustrom aus Deutschland an diese Länder und der Ökostrom an deutsche Kunden. Nur ein Zertifikatehandel, ohne CO2-Minderung.

    2. Der Ausbau der EE wird dadurch nicht gefördert. In Deutschland geht der Ausbau der EE in den letzten Jahren mit der sinkenden EEG-Umlage stark zurück, insbesondere bei der Photovoltaik, die am stärksten gefördert wurde. Der Energiewende droht damit das Aus!

    3. Biogas ist genauso klimaschädlich, oder gar klimaschädlicher als Erdgas. Alleine aufgrund des mit dem Maisanbau freigesetzten Lachgases über Stickstoff-Düngung. Ihr Kollege Paul Crutzen (Chemienobelpreisträger/ Ozonloch) hat u.a. das berechnet.

    4. Ihr Strom vom Solardach wird mit 16 Cent pro kWh vergütet, hat aber nur einen Marktwert um 4 Cent pro kWh. Denn konventioneller Strom wird für 4 Cent pro kWh produziert und gehandelt. Die 12 Cent Differenz zahlt der Stromkunde über die EEG-Umlage zusätzlich oben drauf, an Sie. Betroffen davon sind gerade Stromkunden, die nicht solvent sind. Die Stromabschaltungen steigen von Jahr zu Jahr.

    5. Zudem ist Solarstrom der Strom mit den größten Ausfallzeiten. In der Nacht und im Winter scheint die Sonne nicht, oder nur wenig. Gaskraftwerke müssen dafür einspringen, die sehr teuer sind. Und wenn die Sonne scheint, dann werden Überkapazitäten an Solarstrom ins Netz gedrückt und lassen den Börsenstrompreis teils ins Negative purzeln. Die EEG-Umlage steigt dadurch umso mehr, die Netzstabilität wird gefährdet und der Stromkunde darf es zahlen.

    6. Mit Holz zu heizen ist auch nicht besonders nachhaltig. Energieholz ist in Deutschland bereits die meistgenutzte EE. Dort gibt es nur noch wenig Steigerungspotential. Deshalb kommt Energieholz oft aus Osteuropa, aus zweifelhafter Herkunft.

    7. Sie und Ihre Familie besitzen vielleicht kein Auto und keine Verbrennungsmotoren, nutzen aber die Infrastruktur unserer Gesellschaft, die zu über 80% aus fossilen Kraftstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle) ihre Energie herstellt und nutzt. Allenfalls wenn man aufs Land zieht und sich selbst versorgt, kann man autark davon und klimafreundlich leben.

    Das gute Gefühl ist also nur ein gutes Gefühl.

    MfG

    Michael Krüger

    • Jawoll! Dem haben Sie es aber gegeben, Herr Krüger!

      Jetzt zeigen Sie mal auf, wie man es richtig macht, sprich wie Sie es machen! Und dann vergleichen wir und ziehen Bilanz!

      Auf gehts, Herr Krüger! Ich bin gespannt!

    • Hallo Herr Krüger,
      so wie ICH den Beitrag von Herrn Rahmstorf verstanden habe, will er positive Beispiele und Denkanstöße zur CO2-Vermeidung geben, da wir von den fossilen Brennstoffen weg müssen. Und genau Das leistet der Beitrag. Nicht mehr und nicht weniger. Was zählt, ist die Summe aller Beiträge zur CO2-Einsparung, und nicht, ob ein Einsparungsbeitrag ökonomisch sinnvoll ist oder anders besser gemacht werden kann.

      Beispiel: Unser Dach steht nordwest-südost. Es hat lange gedauert, bis ich einen Solarfachmann gefunden habe. der nach eingehender Darstellung begriffen hat, dass am Ende der Zeit (also nach z.B. 20 Jahren) eine schwarze Zahl stehen muss. Die Anlage läuft und macht Das, was sie soll: Strom produzieren. Nach ca. 13-15 Jahren ist die Anlage abgeschrieben. Und es ist bei der Betrachtung der Anlgen-Effizienz hier unerheblich, ob diese PV-Paddles das dreifache leisten könnten, wenn sie genau Süd ausgerichtet wären. Was zählt, ist hier die schwarze Null am Ende. Wir machen unseren Strom selber und der Rest geht ins Netz. Das ist CO-Vermeidung. Und das gilt auch dann noch, wenn ich die Produktion der Paddles mit einkalkuliere.

      Was Afrika betrifft, so empfehle ich Ihnen, bei der Größe des Kontinents, auf solche pauschalen Aussagen zu verzichten. Es kommt nämlich entscheidend darauf an, in welcher Klimazone sie sich in Afrika befinden und wie der allgemeine Entwicklungsstand des jeweiligen Landes ist. Afrika hat nicht deswegen eine „gute“ Klimabilanz, weil auf dem Kontinent insgesamt die Hölzer verfeuert werden (müssen), sondern weil der Kontinent als Ganzes unterentwickelt ist.

      Übrigens: Sie haben natürlich Recht wenn Sie sagen, dass Heizen mit Holz nicht besonders nachhaltig ist. Es ist sogar überhaupt nicht nachhaltig, bezogen auf die CO2-Vermeidung. Die Idee ist ja, dass genau das CO2, welches der Baum eingelagert hat wieder abgegeben wird, also klimaneutral sein soll. Ist es aber nicht. Wenn ein Baum abstirbt und verrottet, gibt er u.a. das eingelagerte CO2 über 10 bis 20 Jahre langsam wieder ab. Wird der Baum aber in Form von z.B. Pellets verheizt, wird sofort das CO2 wieder freigesetzt. Fossiles Öl und Gas sind eben nichts anderes als „versteinerte“ Bäume. Wir müssen aber CO2 zurückhalten, und nicht frei setzen. Die Lösung kann nur sein: Langfristig auf erneuerbare Heizsysteme umstellen (ja, auch alle anderen, nicht nur die Deutschen). Da haben Sie schon, wie ich finde, einen sehr guten Denkansatz.

      • Hallo Ralph A., also ich denke mal, der entscheidende Punkt ist, was ist die Alternativen zum Holz verbrennen sind und wie sehen die Unterschiede in der CO2-Bilanz aus. Es ist schon richtig, beim Verbrennen von Holz wird das eingesammelte CO2 sofort wieder freigegeben. ABER es ist der Kohlenstoff, der sich in der Luft befindet. D.h. es wird nicht der Kohlenstoff angerührt, der Millionen Jahre lang in der Erde ruhte. Mit fossilen Brennstoffen zu heizen, wäre also die schlechtere Alternative.

        Was gebe es noch? Z.B. Solarthermie und Erdwärme. Wenn man damit seinen Heizbedarf (zum Teil) abdeckt, kann das Holz im Wald weiter ruhen. Ich glaube aber, dass das in der Gesamtbilanz keinen großen Unterschied ausmacht. Das Holz ist ein Kohlenstoff-Kurzzeitspeicher. Es dämpft den CO2-Anstieg in der Atmosphäre etwas, das Beste wäre eigentlich das Holz luftdicht zu lagern und es über Jahrhunderte so zu belassen.

        • Ja, Holz ist (wie übrigens Biomasse allgemein) als Brennstoff weitgehend CO2 neutral. Durch Verbuddeln von Biomasse oder seiner Verbrennungsgase könnte man den atmosphärischen CO2-Spiegel sogar senken, vorausgesetzt man tut es auf einer riesigen, Millionen von Quadratkilometern grossen Fläche (ein Vorschlag will die Sahara künstlich mit schnell wachsenden Bäumen (Eukalyptus) begrünen und das Holz anschliessen „begraben“).
          Deutschland kann aber höchstens 10% seiner benötigten Energie über Biomasse (wozu auch Holz gehört) erzeugen, was letztlich an der hohen Bevölkerungsdichte und dem hohen durchschnittlichen Energieverbrauch in Deutschland liegt.

        • Hallo Herr Hader,
          ich sehe Das auch so, dass die Übergangstechnologie Holz-Peletts z.Z. eine der besten Lösungen ist. Das klappt aber nur dann sinnvoll, wenn nicht im großen Stil auf anderen Kontinenten für unsere Wohlfühl-Peletts ganze Wälder abgeholzt werden müssen (mit den dann dort daraus resultierenden Konsequenzen). Als nächstes käme Erdgas. Ein rusischer Insider hat in einem ARD-Bericht über GazProm gesagt, dass GazProm insgesamt genausoviel Gas abfackelt, wie sie verkaufen. Nun, da Das alle Produzenten machen (incl. der Abfackelungen aller Erölfördertüme) sind die emitierten CO2- und CH4-Raten ein Vielfaches dieser „bei uns“ so als umfreundlich gefeierten Energieart. Nicht wahr? Eine Lösung ist hier z.B. die GigaWatt-Strommengen aus der Wind-Überproduktion (= Abfall!) in nutzbares Gas umzuwandeln und dieses in die Leitungen zu pumpen. Ein erstes Projekt ging ja unlängst an den Start.

          Eine weitere Alternative ist die „Eis-Heizung“. Ober z.B. Umrüsten auf LEDs. Oder z.B. Wasserstoffantrieb bei Fahrzeugen und Elektroantrieb dort, wo es sinnvoll ist.

          Da immer das Gesamtsystem zu betrachten ist, kann die zukunftsfähige Lösung nur sein: CO2-freie Energien nutzen. Wir müssen daher versuchen in den nächsten 10 – 20 Jahren einen großen Teil des Weltenergieverbrauchs in diese Richtung zu lenken.

          Das eigentliche Problem ist das globale, kollektive Begreifen der physikalischen Zusammenhänge: The warmer it gets, the faster it melts. The faster it melts, the warmer it gets. Und wenn Sie und ich und die Anderen es nicht bald hinbekommen, dass das fossile Zeitalter zu Ende ist, dann nützen den Tea-Party-Bojanowskys auch die 600 MIO Dollar nichts mehr, mit denen diese Leute in Florida den Klimawandel aus Miami pumpen wollen.

        • To Whom ‚the Pellet-Thing‘ may concern

          Ergänzend zu meinem Diskussionsbeitrag hier vom 10. u. 11.09.2015 möchte ich gerne auf eine fünfteilige Serie auf Climate-Central mit dem schönen Titel ‚Pulp Fiction‘ The European Accounting Error That’s Warming the Planet (http://reports.climatecentral.org/pulp-fiction/1/) hinweisen. Es geht um das Verbrennen von Pellets.

          In Teil 2 vom 21.10.2014 ‚The American Trees That Are Electrifying Europe‘ (http://reports.climatecentral.org/pulp-fiction/2/#section-1) werden ein paar Zahlen genannt:

          >> Burning wood pellets to produce a megawatt hour of electricity produces 15 to 20 percent more climate-changing carbon dioxide pollution than burning coal, analysis of Drax data provided by the European Commission shows. And that’s just the CO2 pouring out of the smokestack. Add in pollution from the fuel needed to grind, heat and dry the wood, plus transportation of the pellets, and the climate impacts are even worse. According to Enviva, that adds another 20 percent worth of climate pollution for that one megawatt hour. <<

          Sollten sich diese Zahlen bestätigen, dann wären Pellets CO2-bezogen prinzipiell nicht besser als Brennstäbe für ein AKW. Es gilt ja CO2 einzusparen. Außerdem wäre dann die Verbrennung von Pellets keine Brückentechnologie, denn das Gesagte gilt ja grundsätzlich auch für in D hergestellte Pellets.

          Das Alles betrifft aber nicht das Verbrennen von Scheit- oder Sammel-Holz in einem Kaminofen.

    • Die meisten ihrer Kritikpunkte, Herr Krüger, richten sich gegen Einspeisevergütungen/Energiesubventionen. Eine Lösung in ihrem Sinne wäre wohl eine deutliche Bepreisung von Treibhausgasemissionen. Subventionen und Einspeisevergütungen wären dann gar nicht nötig. Allerdings scheint ein Kohlenstoffpreis es fast überall auf der Welt äusserst schwer zu haben. Fördern ist beliebter als die Neubesteuerung, die Bepreisung von bereits bestehenden Anlagen und Gütern. Irgendwann wird man allerdings nicht um einen Preis auf Treibhausgasemissionen herumkommen, den nur so können sämtliche Treibhausgasemissionen „bestraft“ werden und nicht nur diejenigen, die bei der Energieerzeugung entstehen.

    • Schon erstaunlich, Herr Krüger, wie inkompetent manche Leute sein können: Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, schreibt in der FAZ-Beilage vom 9. Juni 2015: „Zu ehrgeizigem Klimaschutz, erneuerbaren Energien und Energieeffizienz gibt es auf Dauer keine sinnvolle Alternative.“ Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverbandes der Elektrotechnikindustrie (ZVEI), schreibt in der Badischen Zeitung vom 8. August 2015: „Strom wird in Zukunft vor allem aus erneuerbaren Energien kommen. Davon ist der ZVEI überzeugt.“

      Soll ich seitenweise weiter zitieren? Wollen Sie hören, was Joe Kaeser (Vorstandsvorsitzender Siemens) am 27. Juni in der FAZ zum Thema geschrieben hat oder was zum Beispiel die Handwerkskammern zu den Erneuerbaren zu sagen haben?

      Wenn Sie sich analytisch weiterentwickeln wollen, müssen Sie schon eine kurz-, mittel- und langfristige Perspektive unterscheiden lernen und einen Sachverhalt in allen relevanten Facetten wahrnehmen. Wichtig ist, wie wir Energie/Strom in 20 Jahren produzieren und dass wir, für den Entwicklungspfad dorthin, heute die richtigen Weichen stellen!

      Ein komplexes System, das über Jahrzehnte durch massive externe Effekte (oder etwa das alte EnWiG) fehlgesteuert wurde, bekommen Sie nicht in ein paar Jahren ohne diverse Rigiditäten fundamental verändert.

      Übrigens, um einmal einen Faktor zu nennen, der ansonsten kaum beachtet wird: Zwischen 2006 und 2013 gab es bei uns in der sog. „Green Economy“ mehr als 170000 Start-ups !

    • Zu den Bemerkungen von Michael Krüger Punkt 4 letzter Satz und Punkt 5:
      Die Stromabschaltungen steigen nicht von Jahr zu Jahr, sondern mit mehr Ökostrom gibt es stabilere Netze, dazu Ex-MdB Hans-Josef Fell …
      http://www.hans-josef-fell.de/content/index.php/presse-mainmenu-49/schlagzeilen-mainmenu-73/888-mit-mehr-oekostrom-stabilere-netze
      Lassen Sie sich durch die Propagande der atomar-fossilen Industrie aus der Vergangenheit nichts vormachen.
      Durch den Merit-Order-Effekt an der Strombörse, weil auch die EE an der Strombörse vermarktet werden, kommt es zum Preisrückgang des Börsenstrompreises und der wiederum führt zu einer Erhöhung der EEG-Umlage (Differenz aus EEG-Vergütung und Börsenstrompreis), das bekannte EEG-Paradoxon.
      Dieses Paradoxon bringt aber die konventionelle Stromindustrie in arge Nöte und macht sie zu eindeutigen Verlierern der Energiewende, notgedrungen natürlich.
      Im Jahre 2009 (schwarz-gelb) wurde der EEG-Strom erstmals an der Börse gehandelt, das war so gewollte unter dem Einfluss der atomar-fossil Lobby, vorher war das anders. Jetzt sollte die EEG-Umlage kräftig steigen, um negative Stimmungen gegen die Erneuerbaren zu machen, diese Umlage stieg dann auch. Aber gleichzeitig kam es zum unerwartet starken Fallen der Börsenstrompreise mit den bekannten finanziellen Folgen der großen Stromkonzerne.

      • @leo solar. Sie missverstehen Michael Krüger Punkt 4 letzter Satz:
        „Die Stromabschaltungen steigen von Jahr zu Jahr,“ Im Kontext meinte er damit, dass immer mehr Haushalte die (hohen?) Stromrechungen nicht mehr zahlen und bei ihnen als Strafmassnahme der Strom abgeschaltet wird. Michael Krüger schreibt zuvor:
        “ Denn konventioneller Strom wird für 4 Cent pro kWh produziert und gehandelt. Die 12 Cent Differenz zahlt der Stromkunde über die EEG-Umlage zusätzlich oben drauf, an Sie. Betroffen davon sind gerade Stromkunden, die nicht solvent sind.“

        Im übrigen schreiben sie zurecht, dass durch den Merit-Order-Effekt und durch lange Phasen von Stromüberproduktion durch Erneuerbare, der Strompreis sehr tief sinken , ja sogar negativ werden kann. Für diesen überflüssigen Strom muss trotzdem Einspeisevergütung gezahlt werden. Später könnte man diesen „Gratisstrom“ aber mittels Power-to-Gas in Erdgas umwandlen und bei Strommangel wieder verstromen . Allerdings gehen dadurch mindestens 60% des urspünglich erzeugten Stroms verloren. Das bedeutet auch, dass die Stromtariffe hoch bleiben werden, denn mit ihnen muss auch die Umwandlung von Strom in Erdgas und die Rückumwandlung zu Strom in neu zu erstellenden Erdaskraftwerken bezahlt werden.
        Fazit: Eine sichere und rein erneuerbare Stromversorgung ist möglich, wenn man Power-To-Gas einbezieht und das erneuerbar erzeugte Erdgas dann in eigens dazu gebauten Erdgaskraftwerken verstromt. Billig ist das aber nicht. Dass Entwicklungsländer wie Indien diesen Weg schon bald gehen, bezweifle ich, denn diese Länder sind auf billigen Strom und ein einfaches Energiesystem angewiesen. Zukünftige Entwicklungen/Verbilligungen könnten das aber ändern.

    • Sehr geehrter Herr Krüger, Sie schreiben „klimafreundlich zu leben bedeutet Verzicht und nicht Konsum“. Das ist in meinen Augen sehr undifferenziert. Es gibt genügend Beispiele, wo viel Energie benötigt und auch verschwendet wurde, ohne das es in Luxus ausartete. Bestes Beispiel, die DDR. In den 80ern Jahren kam man auf Pro-Kopf-Emissionen von 20 Tonnen CO2, mehr als das Doppelte der heutigen Bundesbürger. Auch jede Form von Energieeffizienz ist nicht mit Verzicht verbunden. Hinzu kommt, man kann heutzutage viele Dinge ANDERS machen, was aber nicht gleichbedeutend mit Verzicht sein muss. Ist es beispielsweise immer ein Verzicht, wenn man kurze Strecken statt mit dem Auto mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegt?

      Zu Punkt 1.), wie Herr Rahmstorf schon schrieb, es sind keine grünen Elektronen, die aus der Steckdose kommen. Die Frage ist aber, an wen geht das Geld, dass man beim Stromverbrauch so oder so bezahlen muss. Das halte ich schon für wichtig.

      Zu Punkt 2.), wenn „grüner“ Strom kundenmäßig stärker nachgefragt wird, dann werden die Anbieter sich entsprechend einstellen, was der Entwicklung der EE zugute kommt.

      Zu Punkt 3.), ja und nein, die Frage ob im konkreten Fall Biogas weniger oder mehr klimaschädlich als beispielsweise Erdgas ist, hängt ganz stark von der gesamten Produktionskette ab.

      Zu Punkt 4.), ein Klassiker, aber was soll man sagen? Eine staatliche Förderung bedeutet nun mal, dass diejenigen Vorteile erhalten, die eine bestimmte Technologie nutzen. „It’s not a bug it’s a feature“, oder anders gesagt, es ist staatlich gewollt, weil auf die Weise werden verstärkt bestimmte Technologien früher auf den Markt gebracht. Das eine umlagefinanzierte Energiewende nicht ideal für Geringverdiener ist, wurde schon oft thematisiert. Es wäre durchaus denkbar, die Finanzierung über Steuereinnahmen zu bewerkstelligen, was sozial gerechter wäre.

      Zu Punkt 5.), auch ein Klassiker. Ja, mehr Solarstrom bedeutet auch, mehr Ausgleich durch andere Kraftwerke, wie hier genannt Gas, zu schaffen. Ja, es verteuert den Strom. Was ich aber viel wichtiger finde, wie wird das in 20 oder 50 Jahren aussehen? Da kommt ein wichtiger Punkt hinzu, Stromspeicher. Und genau da wird sich entscheiden, ob man deutlich über 50% EE-Anteil beim Strom kommt oder nicht. Und ökonomisch(!) muss man auch die Frage stellen, was ist die Alternative zur Energiewende? Selbst wenn man all die Folgeschäden durch die Klimaänderung weglässt, auf Dauer werden konventionelle Brennstoffe teurer werden, weil das Angebot irgendwann sinken wird und/oder die Nachfrage global steigt. Konventionelle Kraftwerke sind auf Dauer nicht die billigste Lösung, sie sind von den Brennstoffpreisen stark abhängig.

      Zu Punkt 6.), auch da wieder, es kommt darauf an, wie man es macht…. In wie weit es beim Holz Steigerungspotential gibt, vermag ich nicht einzuschätzen, es wird wohl eher ein Standbein von vielen beim Heizen sein.

      Zu Punkt 7.), das ist ein wichtiger Punkt! Fast alle modernen Produkte beinhalten fossile Kohlenstoffe. Erdöl ist ein Grundstoff der chemischen Industrie. Es ist fast unmöglich, heute(!) völlig auf sie zu verzichten. Das verhagelt auch die persönliche CO2-Bilanz, weil man weiterhin den CO2-Ausstoss der Industrie mitfinanziert. Das wollte wirklich nicht unter den Tisch fallen.

      „Das gute Gefühl ist also nur ein gutes Gefühl.“

      Ich sehe das nicht so. Klar, man muss schon genau hinschauen und es ist äußerst komplex, eine persönliche CO2-Bilanz aufzustellen. Deshalb sehe ich andere Aspekte in dem Artikel vordergründig. Sind weniger fossile Energieträger beim Strom, Heizen und der Mobilität mit Luxusverlust verbunden? Wie aufwändig ist tatsächlich eine Umstellung? Brauchen wir wirklich all die Energie, um uns wohlzufühlen? Ich fände es gut, wenn man sich allein mit solchen Fragen auseinandersetzt. Allerdings halte ich nicht viel davon, andere aufzufordern, es mit dem Verbrauch gleichzutun. Das ist eine persönliche Entscheidung. Und ohne staatliche Regulierungen und Förderungen wird man in der Gesamtbilanz nicht viel erreichen.

    • Sehr geehrter Herr Krüger,

      „1. Ökostrom stammt vorwiegend aus abgeschriebenen Wasserkraftwerken in Skandinavien und der Schweiz. Per Zertifikat geht der Graustrom aus Deutschland an diese Länder und der Ökostrom an deutsche Kunden. Nur ein Zertifikatehandel, ohne CO2-Minderung.“

      Klar, wenn ich einen zusätzlichen Stromverbraucher einschalte, dann kommt der dazu verwendete Strom nicht von einem EEG-Kraftwerk, die laufen nämlich sowieso schon auf Maximum, sondern von einem fossilen Kraftwerk, das entsprechend mehr verbrennen kann, und somit gibt es keinen Ökostrom im physikalischen sinne. Keine Grünen Elektronen.

      Aber die Zahlung an einen Ökostromanbieter zu richten beeinflusst die Art der Kraftwerke, die in Zukunft neu gebaut werden, und genau das hat Herr Rahmstorf ja auch geschrieben.

      „3. Biogas ist genauso klimaschädlich, oder gar klimaschädlicher als Erdgas. Alleine aufgrund des mit dem Maisanbau freigesetzten Lachgases über Stickstoff-Düngung. Ihr Kollege Paul Crutzen (Chemienobelpreisträger/ Ozonloch) hat u.a. das berechnet.“

      Herr Rahmstorf schreibt doch, dass sein Anbieter nicht auf Mais setzt.

      „4. Ihr Strom vom Solardach wird mit 16 Cent pro kWh vergütet, hat aber nur einen Marktwert um 4 Cent pro kWh.[…]“

      Das Umweltbundesamt schätzt hier: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/hgp_umweltkosten.pdf „hält das Umweltbundesamt einen Best-
      Practice-Kostensatz in Höhe von 80 € 2010 / Tonne CO2 für angemessen.“. Demnach verursacht eine kWh aus einem Kohlekraftwerk mit einem Marktwert von 4Ct ca. 8Ct Schaden alleine durch CO2 (Dazu noch Schäden durch viele Andere Gifte, wie z.B. Quecksilber), den zukünftige Generationen zahlen werden. Der Strom vom Solardach kostet in der Produktion aber weniger als 4+8 Ct. Und es gibt höhere Schadensschätzungen, die höchste, die ich gelesen habe, waren 220€/t, entsprechend 22 Ct je kWh Kohlestrom.

      „Die Stromabschaltungen steigen von Jahr zu Jahr.“

      Immer wieder bemerkenswert, dass die ärmsten Bürger hier als Begründung dienen, während die Tatsache, dass Strom schon vor dem EEG immer teurer wurde, kein Grund war, den Konzernen die Renditen zu missgönnen.

      „7. Sie und Ihre Familie besitzen vielleicht kein Auto und keine Verbrennungsmotoren, nutzen aber die Infrastruktur unserer Gesellschaft, die zu über 80% aus fossilen Kraftstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle) ihre Energie herstellt und nutzt. Allenfalls wenn man aufs Land zieht und sich selbst versorgt, kann man autark davon und klimafreundlich leben.

      Das gute Gefühl ist also nur ein gutes Gefühl.“

      Und genau hier muss ich dringend widersprechen. Es ist eine sehr bequeme Haltung, aus der Tatsache, dass man als Bewohner eines Industrielandes auf jeden Fall eine Mindestmenge CO2 emittiert, gleich abzuleiten, dass sich jeder Versuch zur Verringerung nicht lohnt. Wenn der durchschnittliche Europäer 10t CO2 im Jahr emittiert und die Schätzungen, die ich kenne eben besagen, dass alleine schon der Besitz eines Autos (noch ohne es überhaupt zu fahren) 1t CO2 im Jahr verursacht, dann ist die Entscheidung, darauf zu verzichten, eine nennenswerte Reduktionsverringerung.

      Dass wir, wenn die Sonne nicht scheint, und der Wind gerade mal gleichzeitig nicht weht, fossiles Erdgas verbrennden müssen, bedeutet eben nicht, dass kein CO2 gespart wäre, sondern eher, dass ein 25%iger Rest übrigbleibt, aber 75% eingespart sind.

    • Lieber Herr Krüger, aus Ihren Bedenken ergeben sich für mich die folgenden Konsequenzen.

      1. Wer Ökostrom kauft sollte darauf achten, einen guten Anbieter zu wählen, der nicht einfach Strom aus alten Wasserkraftwerken als Ökostrom verkauft sondern sich tatkräftig für die Energiewende engagiert. Das ist seit vielen Jahren der Standardtipp für die Auswahl des Anbieters – z.B. finden Sie auf der ecotopten Seite den Satz: „Doch aufgepasst: nicht alle sogenannten „grünen“ Tarife versprechen wirklich einen Zusatznutzen für die Umwelt. Der Tarifrechner von EnergieVision e.V. garantiert speziell für Ökostromangebote einen Umweltzusatznutzen.“

      2. Bioenergie muss strengen Nachhaltigkeitskriterien genügen, man kann dabei auch viel falsch machen (Maismonokulturen). Das ist auch seit langem Konsens und Grund für meine Wahl von Biogas aus Reststoffen. Der Wissenschaftliche Beirat für globale Umweltveränderungen (WBGU) hat sich in seinem Gutachten „Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“ (dessen Koautor ich bin) detailliert damit auseinandergesetzt, wie und in welchem Umfang Bioenergie nachhaltig genutzt werden kann.

      3. Beim Umstieg auf eine Versorgung mit erneuerbarer Energie muss man unbedingt eine Strategie für das Gesamtsystem haben, um mit den fluktuierenden Quellen keine Probleme zu bekommen. Auch das ist seit vielen Jahren Expertenkonsens und natürlich Kern aller wissenschaftlichen Szenarien zur Vollversorgung mit erneuerbarer Energie. Eine zusammenfassende Diskussion der dazu in der Fachliteratur vorhandenen Energieszenarien hat der WBGU in seinem Gutachten Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation geleistet (Seiten 132 – 143) und auch selbst einen exemplarischen Pfad vorgestellt.

      4. Die Kosten der Energiewende müssen gerecht verteilt werden und dürfen nicht vor allem die weniger Begüterten treffen. Die nötigen Investitionen für eine weltweite Energiewende belaufen sich laut Global Energy Assessment (der bislang umfassendsten Studie zur weltweiten Energieversorgung, an der über 500 Experten mitgearbeitet haben) auf rund 500 bis 1000 Milliarden US$ pro Jahr. Das entspricht einer Erhöhung der derzeitigen Energieinvestitionen um 50-100%. Zum Vergleich: 500 Milliarden US$ verschwendet die Energiewirtschaft derzeit jährlich auf die Suche nach neuen fossilen Ressourcen, die ohnehin im Boden bleiben müssen, wenn man den Klimaschutz ernst nimmt. Und nach einer Studie des internationalen Währungsfonds von diesem Jahr geben Regierungen sogar etwa das Zehnfache, nämlich fünf Billionen US$, zur Subventionierung fossiler Energien aus. An den Kosten sollte die Energiewende also nicht scheitern – es geht dabei vor allem um ein Umlenken von fehlgeleiteten Investitionsströmen in eine sinnvollere Richtung. Dazu müssen Regierungen lediglich den Mut haben, sich mit den Profiteuren des bisherigen Systems anzulegen, statt aus Angst vor deren Lobbymacht die Kosten alleine auf die Verbraucher abzuwälzen.

      • Herr Rahmstorf, es kann nicht jeder Kunde auf kontrollierten Ökostrom, Biogas und Holz zurückgreifen, ganz einfach weil das in Massen nicht vorhanden ist. Es handelt sich um sehr begrenzte Rohstoffe.

        Und was hat die Energiewende denn seit 2000 an Reduktion von Treibhausgasemissionen gebracht?

        http://tinyurl.com/pxla8yg

        Fast gar nichts und seit 2009 gar keine Minderung mehr.

        Und was wurde an Kosten seit 2000 alleine durch die EEG-Umlage verursacht?

        http://tinyurl.com/nf4f6qo

        Rund 130 Milliarden Euro für die Stromkunden, umgerechnet über 1.500€ pro Bundesbürger.

        Und über 20 Milliarden Euro kommen alleine durch die EEG-Umlage in den nächsten Jahren, pro Jahr hinzu.

        Der Bundesrechnungshof beziffert die Ausgaben für die Energiewende gar inoffiziell auf 50 Milliarden Euro pro Jahr. Geld welches weder Deutschland noch die Bürger haben. Ein fossilfreier Haushalt ist für die Leute nicht leistbar.

        • Ihrer Privatmeinung gegenüber steht die Experteneinschätzung, dass (a) 100% Erneuerbare weltweit möglich sind und (b) diese Transformation erstaunlich preiswert sein wird, siehe das von mir zitierte Global Energy Assessment oder die Zusammenfassung der einschlägigen ökonomischen Studien, die Sie im letzten IPCC-Bericht finden. Daraus ergibt sich, dass die mittleren Wachstumsverluste durch dieses Umbauprogramm bei 0,06% des globalen Sozialprodukts liegen. Konkret bedeutet dies zum Beispiel statt eines mittleren Wirtschaftswachstums von weltweit 2,30 % jährlich nur 2,24 % jährlich. Das achtfache Wohlstandsniveau, das wir – wächst die Wirtschaft weiter wie bisher – im Jahre 2100 erwarten können, wäre damit nur zwei Jahre später erreicht. Und selbst wenn es dreimal so teuer würde: billiger als die Klimaschäden, die ansonsten zu erwarten wären, wird es sicherlich.

          Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat das letztes Jahr in der New York Times so formuliert: „Den Planeten zu retten wäre billig, womöglich sogar gratis“.
          Sie werden es mir nachsehen, dass ich seine Einschätzung für erheblich relevanter halte als die eines Michael Krüger, der seit Jahren vor allem durch unsägliche Polemik gegen die Klimawissenschaft und die Energiewende auffällt und meines Wissens nicht durch irgendwelche Forschungsleistungen.

          • Ganz wichtig bei der Energiewende ist es Kosten und Investitionen zu unterscheiden. In der öffentlichen Debatte wird grundsätzlich nur von Kosten gesprochen, tatsächlich stell en die Aufwendungen für die Energiewende jedoch eine Investition dar. Denn den auflaufenden Kosten für den Umbau der Energieversorgung stehen positive Effekte gegenüber, die gegengerechnet werden müssen, was aber zumindest in der Öffentlichkeit kaum getan wird.

            Wie oft liest man die völlig verzerrte Meinung, dass der Wert von Strom dem Börsenstrompreis entspräche. Nichts ist falscher als das! Der Börsenstrompreis ergibt sich zum größten Teil aus den variablen Kosten, spricht den Brennstoffkosten und den (derzeit praktisch zu vernachlässigenden Kosten für Emissionsrechte). Diese betriebswirtschaftlich ermittelten ca. 30 Euro/MWh sind aber nicht der WERT des Ökostroms, ganz im Gegenteil. Der volkswirtschaftliche Wert entspricht den Stromgestehungskosten plus den vermiedenen Externen Kosten. Bei einem Steinkohlekraftwerk sind das ca. 70 Euro/MWh Stromgestehungskosten plus vermiedene Externe Kosten, die laut UBA bei ca. 90 Euro/MWh liegen. Der Wert liegt also bei ca. 160 Euro/MWh (16 ct/kWh), und das ist etwas doppelt so hoch wie die Vergütung für Windstrom von Anlagen an Land und auch günstiger als die durchschnittliche Vergütung von Solar und Offshore-Windenergie. Die betriebswirtschaftlich verzerrte Betrachtungsweise vernebelt also die volkswirtschaftlichen Vorteile der Energiewende.

            Links:
            https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/hgp_umweltkosten.pdf
            https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.pdf

            Dabei sollte man erwähnen, dass das UBA in Bezug auf externe Kosten sogar noch ziemlich zurückhaltend ist, gerade Studien in den USA kommen zum Teil noch zu gravierend höheren Werten. (Shindell z.B. geht in Climatic Change von 14 bis 34 US-cent pro kWh Kohle aus http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10584-015-1343-0 )

            Klar ist jedenfalls, dass die externen Kosten von Kohlekraftwerken fast immer weitaus größer sind als die Stromgestehungskosten, die wiederum viel größer sind als der Börsenpreis, weil dort die Investitionskosten derzeit nicht mehr reingeholt werden können. Ein Vergleich Börsenstrompreis EE-Förderung ist also gleich mehrfach falsch und damit unzulässig.Leider hält sich dieser Mythos ähnlich gut wie der der „Klimawandelpause“.

            Der Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energien ist wissenschaftlich bereits in vielen Studien untersucht worden, und zwar mit dem Ergebnis, dass nicht technische oder ökonomische Hürden im Weg stehen, sondern politischer Unwillen. Beispiele für diese Studien:

            http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421510008645
            http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421510008694
            http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wene.128/abstract;jsessionid=BB46BE7D8AAA16709E4EEAADB49B9E53.f04t02
            http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960148113006745

          • @Martok, ich stimme Ihnen da absolut zu. Die differenzierte Betrachtung von Kosten, Investitionen und auch Nutzen ist bei so einer Debatte unabdingbar. Es ist in den letzten Jahren immer mehr die Unsitte aufgekommen, Großprojekte nur noch nach deren Kosten zu bewerten und den wahrscheinlichen Nutzen völlig auszublenden. Als wenn die Kosten das einzige Kriterium für die Sinnhaftigkeit einer Investition sind. Ist beispielsweise die Hamburger Elbphilharmonie weniger kritisch oder unsinnig als das Projekt Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen, weil es nur knapp 800 Millionen Euro kosten wird, während das andere einige Milliarden?

            Das Erstaunliche ist, die Kostenfrage stellt bei eigenen Investitionen wie dem Auto plötzlich keine entscheidende Rolle mehr dar. Man gibt mittlerweile mehr Monatsgehälter als noch vor einigen Jahrzehnten für einen Neuwagen aus.

            Es ist eine furchtbar langweilige Banalität, aber trotzdem muss man sie wohl immer hinschreiben, die Kosten-Nutzen-Betrachtung ist relevant und nicht der blinde Vergleich der Kosten. Und der Nutzen ist bei einer Investition nicht das, was bis heute an Einnahmen eingegangen ist, sondern welchen wahrscheinlichen(!) Mehrwert es für uns hat in der Zukunft(!) hat.

        • Hallo Herr Krüger, sie scheinen das CO2-Problem nicht begreifen zu können. Warum?

          Wenn wir uns die grafischen Auswertungen der letzten 800.000 Jahre anschauen (falls sie Eisborkerne nicht grundsätzlich ablehnen), so sehen wir, dass das natürliche Erdsystem immer zwischen 180 ppm und 280 ppm CO2 pendelt. Ganz natürlich. Und damit verbunden sind jeweils ca. 5°C Temperaturanstieg oder Temperaturabfall. Zu den jeweiligen Temperautur- und CO2-Werten stellen sich immer Meeresspiegelanstige und -abfälle von 7-12 m ein (je nachdem, an welcher Küste man ist). Alles ganz natürlich und immer. Alles klar, soweit? Und bis jetzt keine Mathematik, Physik oder Chemie, ok? Nur auf die Graphen kucken!

          Schauen wir uns die graphischen Daten der letzten 2,8 MIO Jahre an, so sehen wir, dass es 17 Super-Warmzeiten gab. Soweit ok? In allen dieser Super-Warmzeiten scheint es so zu sein, dass die Eisschilde nicht vorhanden waren. Soweit ok? Sind Sie noch dabei?

          Wir sehen bei allen Wechseln von einer Warmzeit in eine Kalt- oder Eiszeit ein lange andauerndes hinabgleiten der Temperaturen. Bei allen Wechseln von einer Kalt- oder Eiszeit ein blitzschnelles hochschiessen der Temperaturen. Sie geben mir bei der Interpretation der graphischen Daten Recht? Gut.

          Was können wir noch erkennen, an den graphischen Darstellungen? Wir sehen eine Zuordnung von Temperatur, CO2-Gehalt und Meeresspiegelstand. Immer. Und: ganz natürlich. Sie geben mir Recht, das diese natürlichen Prozesse so Ablaufen, weil die Natur eben so ist? Fein. Dann sind wir ja noch beisammen.

          Und nun eine spannende Frage: Warum ist das so? Zum einen weil die Erbahnparameter eben so sind, zum anderen weil die Erde als Ganzes (Erdsystem) auf den Wärme-Input längs ihrer Bahn um die Sonne ragiert. Ist die Erde näher an der Sonne, wird es wärmer. Ist die Erde von der Sonne weiter entfernt, wird es kälter. Das Erdsystem hat eine Atmoshäre. Und hauptsächlich die Gase Wasserstoff und CO2 wirken als Treibhausgase und erwärmen die Erde, sodass wir auf der Erde überhaupt leben können. Das Erdsystem ist immer bestrebt, an jedem Punkt der Erd-Umlaufbahn um die Sonne einen Gleichgewichtszustand einzunehmen. Ausdruck dieses Gleichgewichtszustandes ist die Equilibriums-Temperatur. Das bedeutet: Soundsoviel Temperatur = soundsoviel CO2 und soundsoviel Meereshöchststand. Bis hierher geben Sie mir sicherlich Recht, zudem alles ja irgendwie EIKE-konform ist, nicht wahr?

          Dem natürlichen Lauf der Erde entsprechend befänden wir uns eigentlich auf dem Weg in die nächste Kaltzeit. Sind wir aber nicht. Die Menschen haben zusätzlich CO2 in die Erdatmosphäre gebracht und die Erdtemperatur bewegt sich nun in Richtung der Equilibriumstemperatur, die zu der vorhandenen Menge CO2 gehört. Das Erdsystem will einen Gleichgewichtszustand und Diesen versucht das Erdsystem zu erreichen. Da können wir gar nix machen. Das war schon immer so. Wir sehen in den graphischen Daten, dass vor ein paar tausend Jahren zuerst der CO2-Gehalt und dann die Temperatur angestiegen sind. Der natürliche Weg wäre gewesen, dass die Temperatur weiter fällt und damit auch der CO2-Gehalt. Das war schon immer so. Ganz natürlich. Soweit ok?

          Wir, die Menschen, haben mit dem zusätzlichen CO2 das Erdsystem aus dem Gleichgewicht gebracht und das lässt sich das Erdsystem nicht gefallen. Es versucht wieder ein Gleichgewicht herzustellen. ok? Wir, die Menschen, haben derzeit ca. 402 ppm CO2 verursacht, obwohl der CO2-Gehalt eigentlich irgendwo bei ca. 260 oder 250 ppm liegen müsste (wg. der Erbahnparameter und dem natürlicherweise auf dem Weg in die nächste Eiszeit befindlichen Weg). Zu einem globalen CO2-Gehalt von 400 ppm gehören globale Temperaturen, die ca. 4°C höher leigen, als 1880. Und da will das Erdsystem hin. In einer 4°C wärmeren Welt ist der Meeresspiegel vielleicht 17-25 m höher. Ganz natürlich. War schon immer so. Weil das Erdsystem immer einen Gleichgewichtszustand anstrebt. Da können wir gar nix machen.

          Und da wir auch die nächsten Jahre weiter CO2 in die Atmosphäre bringen, und CO2 nach 1.000 Jahren noch ca. 20 % Klimarelevanz hat, müssen wir jetzt rasch gegensteuern. Sie verstehen? Noch dabei? Wir müssen also den CO2-Ausstoss möglichst auf Null senken, damit wir, die Menschen, im Zeitalter Pliozän hängen bleiben.

          Und deswegen, weil das Erdsystem so ist wie es ist, und wir, die Menschen daran gar nichts ändern können, muss CO2 eingespart werden. Es gibt kein katholisches oder evangelisches CO2, genauso wenig wie es eine kommunistische oder demokratische Physik, Chemie oder Mathematik gibt. Und deswegen macht das Eis in der Arktis und das Eis in der Antarktis und das Eis der Gletscher das, was es machen muss: Seinen Job. Es schmilzt. Und Das Alles, weil wir Menschen das Erdsystem auf eine neue Equilibriums-Temperatur eingestellt haben. Unser Marschziel lautet jetzt: + 4°C und 20 m höherer Meeresspiegel. Und das ist pure Physik, Mathematik und Chemie. Und Sie, Ich, Rahmstorf und alle Anderen, auch die bei EIKE können daran nichts ändern.

          Und deswegen nutzen Kleinklein-Diskussionen über Hölzchen und Stöckchen gar nichts. Wir müssen Alle Akzeptieren und Begreifen, das die ERde als System reagiert und wir versuchen lediglich Das Ganze mit unseren Mitteln der Physik, Mathematik, Chemie und Forschung die Vorgänge zu beschreiben.

          Es geht nicht mehr darum ob wir +4°C bekommen, sondern Wann. Eben Erdsystem.

        • @Michael Krüger: „Und was hat die Energiewende denn seit 2000 an Reduktion von Treibhausgasemissionen gebracht?“

          Von 2000 bis 2008 eine Senkung um rund 7%. Nach 2009 gab es eine Stagnation. Nicht wirklich befriedigend, aber wohlgemerkt bei einer immer weiter wachsenden Wirtschaft mit 1-2% im Jahr. Die allermeisten, die sich für den Klimaschutz einsetzen, sind ja auch mit den Ergebnissen nicht wirklich zufrieden. Und wenn Sie nicht nur Skeptikerforen lesen, sondern auch mal die „Mainstream“-Medien, dann würden Sie auch feststellen, dass der Wunsch nach einer erfolgreichen CO2-Emission-Senkungspolitik vorhanden ist mit der Forderung, mehr und nicht weniger zu tun.

          Aber ich sags mal so, wichtiger finde ich die Emissionszahlen von 2030 oder 2050 als von 2010. Was die Energiewende angeht, so stehen wir am Anfang und nicht am Ende einer Entwicklung. Was die Investitionen angeht, braucht man einen Planungshorizont von mindestens 50 Jahren und kann nicht alles verteufeln, weil man in den ersten 10 Jahren nicht alle Ziele erreicht hat. Es ist auch offen gesagt unsinnig, bei solchen Großinvestitionen die Kosten, die bis heute angefallen sind mit den Nutzen, die es bis heute gibt, zu vergleichen. Wenn Sie ein Haus bauen, dann haben Sie auch erstmal die ersten 20-30 Jahre jede Menge Schulden (oder noch länger). Würden Sie dann auch schon nach 10 Jahren sagen, ich verkaufe das Haus, weil ich immer noch Schulden habe? Aber genau diese Argumentation findet man massenhaft in den sogenannten „Skeptikerforen“.

          Zu den angeblichen 50 Milliarden Euro vom Bundesrechnungshof gebe es auch einiges zu sagen, aber das würde den Rahmen der Diskussion sprengen. Ich verweise da auf die Diskussion, die u.a. auf Primaklima geführt wurde.

  2. Mit klimabewussten Einkaufsentscheiden wählt der deutsche Bürger also direktdemokratisch die Energiezukunft, die er will und überholt damit in Klimadingen vielleicht sogar die Parlamentarier, die sonst bestimmen wo’s energiepolitisch langgeht.
    Besonders engagierte Klimabürger verzichten sogar auf Flüge, ja gar Gratisflüge um ein Zeichen zu setzen und sie investieren ihr Geld in erneuerbare und nicht in fossile Energien.

    Dagegen ist sicher nichts einzuwenden. Klimabewusstes Einkaufen allein kann allerdings die Emission von Treibhausgasen nur etwas dämpfen, nicht vollkommen eliminieren, zumal nicht jeder Bürger die Wahl hat auf ein Auto, auf Flüge oder auf eine fossile Heizung in seinem Büro zu verzichten. Es ist zudem zu erwarten, dass solch klimabewusstes Einkaufen und Konsumieren vor allem in den wohlhabenderen Ländern praktiziert wird. Überhaupt stellt sich die Frage, ob erst relativ wohlhabende Leute und Länder einen Verzicht auf fossile Brenn- und Treibstoffe anstreben wollen und anstreben können. Wenn es so wäre und die Mehrheit erst ans Verzichten denkt, wenn sie schon alle Segnungen der fossilen Energien genossen hat, wäre die Welt insgesamt noch viele Jahrzehnte von einer nichtfossilen Energieversorgung entfernt.

    • Nicht nur Staatsbürger können wählen, auch Kunden mit ihren Kaufentscheidungen. Wenn der Bedarf an „grünen“ Technologien in den großen Energiebereichen Strom, Mobilität, Heizen wächst, dann wird auch die Industrie nachziehen, mehr und bessere Angebote auf den Markt bringen. Und was man auch aus dem Artikel ziehen kann, die Umstellung muss nicht wirklich mit einem Verlust an Lebensqualität verbunden sein, beispielsweise weniger Auto, mehr Fahrrad (oder zu Fuß).

  3. „Klimaforscher wollen sich reinwaschen“
    oder so ähnlich könnte der nächste vermeintlich geschickt-prosaische Erguss des Axel B. lauten. Wie schon sein Alter Ego Ulli K. (ich mache mir die Klima-Welt so, wie sie mir gefällt), scheint Axel B. die physikalische Schlichtheit der komplexen Dinge die Erderwärmung betreffend, nicht begreifen zu können. However.

    Tolle Idee, das Thema mal so anzugehen. Jeder kann z.B. über die KfW mit einem Zinssatz von 0,9 bis 1,9 % sein Dach aufmotzen und bei 30 Jahren Laufzeit sollte Das gehen. Die Investitionen in Energieeinsparung und Eigen-Stromproduktion finanzieren sich von selbst. Auch bei Dächern, die nordwest orientiert sind!

    Man kann auch alle Plastikschüsseln mit der Zeit gegen Glasschüsseln oder Edelstahlbehälter tauschen. Man kann Aluflaschen gegen Edelstahlflaschen tauschen. Und und und.

    Die Sinnfrage stellt sich nicht mehr wirklich. Es geht im Grunde nur noch darum, ob wir den „Zug“ im Pliozän zum Halten bekommen oder ob wir ins Eozän durchstarten. Um so wichtiger ist es für alle Akteure, das „ein gutes Gefühl“ zum Weitermachen anspornt.

  4. „Da hilft nur bewusst einzukaufen, z.B. regionale Lebensmittel und keine Flugware oder Obst außerhalb der Saison.“
    Das regionalste Schnitzel der Welt verursacht mehr Umweltfolgekosten als jede Banane. Regionale Lebensmittel sind der Ablasshandel der gehobenen Mittelschicht. Man kann besser die Bananen aus Brasilien einführt als das Futtermittel für die lokale Massentierhaltung.

  5. Selbstverständlich sind die von Herrn Rahmstorf beschriebenen Maßnahmen allesamt positive Instrumente zum Klimaschutz. Würden dieses oder ähnliches mehr Menschen machen, hätten wir einige Sorgen weniger. Herr Rahmstorf ist nicht nur ein excellenter Wissenschaftler mit bedeutendem, globalen Renommee, sondern selbst in seiner Lebensweise ein Vorbild – dies verdient Respekt.

    Wenn nun hier versucht wird dies kleinzuschreiben, drückt dies nur die Hilflosigkeit derer aus, welche sich aufgrund solch positiver Energie in ihrem eigenen Weltbild bedrängt sehen, welches sie sich abseits der wissenschaftlichen Sachlage, passend dem eigenem Gusto – häufig der eigenen Bequemlichkeit – zurechtgelegt haben. Wir wollen solch skurilen Positionen keinen Raum bieten.

    In der Realität hingegen sind es beim eigenen Klimaengagement zwei grundsätzliche Verhaltensregeln, die entscheidend sind und die man weitläufig selbst beeinflussen kann:
    1. Alles, was mit Verbrennung zu tun hat, muss reduziert werden.
    2. Alles, was verbrennungslos klimaschädliche Emissionen erzeugt, ebenso.

    Auf unserem Klimaportal haben wir 5 Bereiche beschrieben, in denen jeder aktiv etwas für das Klima tun kann: http://www.klimarelevant.de/klimaengagement/ (sofern externe Links erlaubt sind)

    Jedem, der irgendwann einmal den Fragen der nachfolgenden Generationen ausgesetzt sein wird, sollte klar sein, dass die »davon habe ich nichts gewusst«-Nummer nicht mehr zieht – die haben unsere Großväter bereits verbraucht.

    • Sie schreiben: „Alles, was mit Verbrennung zu tun hat, muss reduziert werden.“ Eine Ausnahme dazu fällt mir ein, nämlich mein Pyrolysekocher. Der verbrennt zwar das aus Holz austretende Gas, aber dabei entsteht aus dem Holz Holzkohle, die ich dem Kompost untermische. So wird ein Teil des CO2 aus diesem Holz dauerhaft im Boden eingelagert und effektiv der CO2-Gehalt in der Luft reduziert.

    • Herr Rahmstorf ist nicht nur ein excellenter Wissenschaftler mit bedeutendem, globalen Renommee, sondern selbst in seiner Lebensweise ein Vorbild – dies verdient Respekt.

      Wenn nun hier versucht wird dies kleinzuschreiben, drückt dies nur die Hilflosigkeit derer aus, welche sich aufgrund solch positiver Energie in ihrem eigenen Weltbild bedrängt sehen, welches sie sich abseits der wissenschaftlichen Sachlage, passend dem eigenem Gusto – häufig der eigenen Bequemlichkeit – zurechtgelegt haben. Wir wollen solch skurilen Positionen keinen Raum bieten.

      Dem schliesse ich mich uneingeschränkt an. Ich kenne das:

      Egal, was man auch tut, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen und seinen eigenen kleinen oder grossen Beitrag zu leisten, es tauchen immer wieder Leute auf, die alles miesreden und kritisieren- allerdings, ohne auch nur den geringsten Vorschlag zu liefern, wie man es besser machen könnte.

      @Stefan Rahmstorf

      Für mich jedenfalls sind Sie in Belangen der Wissenschaft, in Ihrer sturen Sachlichkeit und auch in ihrer ökologisch sinnvollen Lebensweise ein positives und inspirierendes Vorbild.

    • Chinesische Module wären billiger gewesen – ich erwähnte das oben wegen der langen Amortisationszeit der Anlage, die bei chinesischen Modulen kürzer ausgefallen wäre. Dafür haben die (vom Hersteller unabhängigen) Monteure der Anlage mir gesagt, dass sie von ihrer Erfahrung mit der Montage her den Eindruck haben, dass die deutschen Module qualitativ deutlich besser gebaut sind.

  6. Das verstehe ich nicht:

    „Für die eingespeiste Kilowattstunde bekommen wir 16 Cent, für die gekaufte bezahlen wir 24 Cent, daher versuchen wir den Eigenverbrauch zu maximieren“

    • Wer Solarstrom ins allgemeine Stromnetz einspeist bekommt dafür eine Einspeisevergütung. Die liegt inzwischen niedriger als der Kaufpreis vom Strom für den Endverbraucher (also mich). Lasse ich die Waschmaschine bei Sonnenschein laufen, nutze ich direkt meinen Solarstrom und spare daher den Stromkaufpreis von 24 Cent pro kWh. Würde ich die Waschmaschine nachts anschalten und den tags erzeugten Strom stattdessen einspeisen, bekäme ich nur 16 Cent pro kWh dafür und müsste nachts dann aber 24 Cent bezahlen um die Waschmaschine zu betreiben, ich würde also 8 Cent pro kWh Verlust machen.

      • Das Wort „maximieren“ ist an dieser Stelle unglücklich. Klingt nach möglichst viel Strom insgesamt zu verbrauchen. Gemeint ist wohl eher zeitlich optimieren.

      • Herr Rahmstorf, d.h. Sie bekommen 16 Cent pro kWh für Ihren PV-Strom, der an der Börse 4 Cent pro kWh wert ist. Der Stromkunde zahlt dafür 12 Cent pro kWh über die EEG-Umlage drauf. Dadurch wird der Strompreis in die Höhe getrieben. Wie Sie sagen auf 24 Cent pro kWh. Das ist Ihnen dann zu teuer und Sie nutzen Ihren PV-Strom bei Bedarf dann lieber selbst. Alles zu Lasten der anderen Stromkunden.

        • Es besteht kein Dissens darüber, dass Solarstrom (heute noch) teurer ist als Kohlestrom. Kohlestrom hat dafür den Nachteil, dass er das Klima verändert – den Preis dafür müssen dann alle Menschen bezahlen, für viele Generationen nach uns, ob sie das wollen oder nicht. Der Kohlestrom ist nur deshalb so billig, weil die Folgekosten einfach auf andere abgeschoben werden, was ethisch m.E. nicht vertretbar ist. Ob die EEG-Umlage das gerechteste Finanzierungsmodell für die Energiewende ist steht auf einem anderen Blatt.

          • Die Klimawirkung ist längst nicht alles, der Kohlestrom sorgt über Luftverschmutzung für gigantische Opferzahlen laut wissenschaftlicher Literatur. Beispiel: Pushker Kharecha and James Hansen (2013) : Die direkte Luftverschmutzung ohne Klimawirkung, die Kohlekraftwerke bewirken würden die anstatt weltweit der AKWs hypothetisch gebaut würden (das wäre nur ein Bruchteil der instaliiereten Kohlekraftleistung), bedeutet innerhalb von 40 Jahren 420 000 – 7 Mio. Todesfälle. Die WHO gibt für 2013 8 Mio. Todesfälle durch Luftverschmutzung in einem Jahr an, gegenüber geschätzten 150 000 Todesfällen durch die derzeitige globale Erwärmung (freilich werden letztere Zahlen noch steigen und ersteres inkludiert nicht nur Kohlekraft, diese stellt aber einen deutlichen Anteil). In westlichen Nationen bewirkt die reine Luftverschmutzung (Klimawandel wird explizit in diesen Studien nicht einbezogen) durch Kohlekraftwerke 50-60 Todesfälle / TWh (v.a. durch Nukleation von Aerosolpartikeln aus der Gasphase, da Verbrennungs-Partikel bei uns gefiltert werden), weltweit gesehen 230 / TWh, dazu kommen ca. 10mal soviel schwere und chronische Herz-Kreislauferkrankungen und ca. 50 mal soviel leichtere Erkrankungen. EE und Nuklear liegen Faktor 50-500 darunter, Gas immer noch deutlich darunter.

        • [Herr Rahmstorf, d.h. Sie bekommen 16 Cent pro kWh für Ihren PV-Strom..] Eigentlich ein Schnäppchen im Vergleich zu den 55 ct, die ich für die kWh bekomme. Als ich die PV-Anlage installieren ließ, galt der Bezugspreis für „normale“ Stromkunden noch als ferne Zielmarke, die in erstaunlich kurzer Zeit erreicht bzw. unterboten wurde. Bei neu installierten PV-Anlagen ist ab 10 kW (Nenn-)Leistung schon eine Abgabe auf den selbst verbrauchten Strom fällig.
          Was ich sagen will ist, dass mit der Förderung eine enorme Preisreduktion erreicht wurde, was dazu führt(e), dass die PV „vom Labor auf’s Garagendach geführt“ wurde.

          Der Preisverfall wird m. E. durch technischen Fortschritt weiter gehen, es steht inzwischen ein weiterer wichtiger Baustein zur annähernd CO2-freien Stromerzeugung zur Verfügung, der international (zB in Indien) immer mehr Bedeutung erlangt.

          Die Strom-Zwangsabschaltungen sind ein anderes Thema. Dagegen würden viele Instrumente zur Preisgestaltung zur Verfügung stehen. Z. B. in Italien, wo ich mich gerade ein paar Tage aufhielt, gibt es eine Progression, d. h. der Stromabnehmer bezahlt für die ersten 1000 kWh deutlich weniger pro Einheit als für den darüber hinaus gehenden Verbrauch.

  7. Danke Herr Rahmstorf für diesen inspirierenden Einblick!

    Ich musste wieder einmal erkennen, dass mein privates Verhalten bezüglich CO2-Reduktion verbesserungswürdig ist – besonders bezüglich Auto, und sonst treiben mein Konsumverhalten objektiv gesehen eher andere Motivatoren wie z.B. Gesundheit (weniger Fleisch) bzw. Spartrieb als der Klimaschutz -, und Ihr Beispiel regt zum Nachdenken an.

    Auf jeden Fall ist bisher trotz Anerkennung der Fakten der Klimaschutz für mein Konsumverhalten ein tendentiell schwacher intrinsischer Motivator (naja Ökostrom und CO2-Kompensationszahlungen taugen mir) – die bequeme kleine Stimme in mir sagt immer: Die Erwärmung dauert sehr lange; was ist, wenn Geoengineering / Technologie X uns nachher 90% der Probleme entheben wird und ich vom Ende her gesehen fast umsonst asketiert hätte? Entschlossener zu Handeln jedoch wäre aus heutiger Informationslage betrachtet die einzig richtige Option. Der luxusorientierte, irrationale Skeptiker von innen wehrt sich gegen Vernunft.

  8. Ich habe mich sehr über diesen Artikel gefreut. Ich halte inzwischen die kleinen Schritte – wobei das, was Sie hier alles gemacht haben gar nicht mal so klein aussieht – für die wichtigsten, denn sie sorgen dafür, dass ein Umdenken stattfindet. Je mehr kleine Schritte man bewusst unternimmt, desto mehr wird man bei neuen Entscheidungen darüber nachdenken, ob man eine Alternative findet, bei der das Klima weniger belastet wird. Und früher oder später wird man dann auch größere Schritte machen.

    Danke auch an die Erinnerung, dass ich auf Bio-Gas umstellen wollte. 🙂

  9. Das mit der Photovoltaik ist wirklich eine sinnvolle Sache. Das kann man meines Erachtens gar nicht genug fördern
    Das was fehlt ist noch eine langfristige Speichermöglichkeit. Wenn man es schaffen würde mit einigermaßen vertretbaren Mittteln brennbares Material damit zu machen könnte man selbst in unseren Breiten einen Großteil der Energieversorgung damit abdecken. Das würde auch die Abhängigkeit von Energieimporten sehr verringern.

  10. 1. wie hoch ist denn der eigenverbrauch?

    2. ab wann lohnt sich ein strom speicher?

    der vorwurf, `alles zu lasten des stromverbrauchers` ist natuerlich absurd. kommt der auch, wenn rwe ein steinkohlekraftwerk baut? erst einmal reduziert eigenverbrauch die eeg umlage UND senkt die nachfrage nach strom. angeblich, nach lehre der marktglaeubigen, damit auch den preis des stromes im markt. dem gegenueber steht die erhoehung der stromkosten durch die eeg umlage – fuer 20 jahre! und dann? die anlagen werden weiter laufen oder durch bessere ersetzt. in beiden faellen wird strom guenstiger produziert als durch kohle, atom, gas. so guenstig, dass dann der entscheidende kostenfaktor die speicherung sein wird.

  11. > Einen neuen VW Golf zu fahren würde 640 € pro Monat kosten – siehe die schöne Musterrechnung von Quarks&Co (der ohne eigenes Auto mobile Mustermensch hat bei Erreichen des Rentenalters fast eine halbe Million Euro mehr auf dem Konto als der Autobesitzer).

    Ranga Yogeshwar erzählt seine Geschichten immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Diesen Musterrechnungen steht die eigene Erfahrung gegenüber: Von 1969 – 2014 habe ich fünf neue Autos angeschafft und wieder verbraucht, d.h. am Ende nichts Nennenswertes mehr erlöst. Diese Autos fuhren aber dennoch in anderen Händen lange weiter. Bei null Finanzierungskosten lag die monatliche Belastung durch Anschaffung im Schnitt bei 100€ (letztes Auto 12.400€, 11 Jahre genutzt, 105.000 km). Betriebskosten: 5 Liter Diesel/100km, Reparaturen: Glühkerzen (150€), Gelenkwelle (100€), Wartung: Ölwechsel wenn absolut notwendig (5×60€ insgesamt), 1xScheibenbremsen vorne (300€), 1 Satz Sommer- und Winterreifen (je 250€), Versicherung 200€/Jahr, Steuer 200€/Jahr, Pickerl 80€/Jahr, TÜV (4×80€)

    105.000km mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind auch nicht geschenkt und bei entsprechenden Lebensumständen unheimlich unpraktisch. Das letzte Auto fuhr 11 Jahre lang wenn ich es wollte und wohin ich wollte ohne Vorausplanung, Umsteigen und Warten.

    50% meiner Autokilometer entfallen auf die Berge. Der DAV hat für seine Mitglieder die Alternativen verglichen. Da schneidet der eigenen PKW überraschend gut ab:

    http://www.alpenverein.de/dav-services/panorama-magazin/klimafreundlicher-bergsport-co2-fussabdruck_aid_14582.html

    In diesem Sommer kam ich auf 1400 eigene und 2700 Mitfahrkilometer im Auto sowie 2000 Bus- 0 Bahn- und 0 Flugkilometer. Die Autos waren im Schnitt mit 3,8 Personen besetzt.

  12. Liebe Kommentator(innen),
    sehr interessantes Thema aber ich möchte anhand der bisherigen Kommentaqre doch Folgendes dazu bemerken :
    1) Holz und vor allem in Afrika ist nicht nachhaltig. Man befürchtet z.B. wegen den zu starken
    Holzverbrauch in Simbabwe zur Herstellung von Holzkohle oder direkt als Brennholz, dass
    das Land in 35 Jahren eine Wüste sein könnte und dies ist auch für das Klima von Nachteil !
    2) Biogas (hauptsächlich mit CO2 verunreinigtes Methan) ist nur dann umweltfreundlich, wenn
    es aus geeigneten organischen Abfällen erzeugt wird aber glauben Sie wirklich, dass alle
    Unternehmen, die Biogas (natürlich gereinigtes) liefern, sich daran halten ?
    3) Wir haben einen Vertreter der Leo Solar GmbH unter den Kommentatoren, den ich jetzt ein
    weng ärgern will (nicht böse von mir gemeint). Wolfgang Schäuble kam vor einem Jahrzehnt
    auf die gut gemeinte Idee, dass Griechenland zum Schuldenabbau Solarstrom durch
    Photovoltaik erzeugen sollte und nördlicher gelegene EU-Staaten damit beliefern sollte.
    Aus welchen Gründen ist dieses Helios Projekt letztendlich 2013 gescheitert . Ich bitte um
    ehrliche Antwort des Leo Solarexperten !
    4) Dass 97 % von renommierten Wissenschaftlern die gleiche Meinung vertreten, kann aber muss
    nicht ein Indiz für die Richtigkeit einer Theorie sein. Ich erinnere nur an Max Planck, als dieser
    aus Beobachtungen von Unstimmigkeiten (Stichwort : Ultraviolettkatastrophe) im
    Strahlungsgesetz von Rayleigh Jeans diese mit der Annahme von Energiequanten ausräumen
    konnte und sein berühmtes Strahlungsgesetz aufstellte. Dies war die Geburtsstunde der
    Quantenphysik – eine geniale Revolution, die den jahrhundertelangen Glauben „Die Natur macht
    keine Sprünge“ in Frage stellet. Und nun raten Sie mal, wieviel Prozent der damaligen
    renommierten Physiker Planck zustimmten, als er seine Quantentheorie vorstellte !
    6) Die großen Hersteller von Stickstoff, Sauerstoff und anderen Gasen aus der Luft können mit
    Hilfe des modernen physikalischen Membranverfahrens CO2 fast 100 % aus der Luft gewinnen.
    Dazu barucht man nicht einmal die energieintensive Luftverflüssigung vornehmen. Dieses
    Verfahren könnte in Zukunft auch für die fast vollständige Entfernung von CO2 aus Abgasen
    verwendet werden. Warum sind Sie also gegen Kohlekraftwerke aus Umweltgründen ? (aus
    sozialen Gründen wie Verschwinden von Wohnraum könnte ich es ja noch verstehen) Ich will
    dazu bemerken, dass ich weder privat noch beruflich etwas mit der Kohleindustrie zu tun habe

    • @Dr.Horst Denzer:
      „4) Dass 97 % von renommierten Wissenschaftlern die gleiche Meinung vertreten, kann aber muss nicht ein Indiz für die Richtigkeit einer Theorie sein.“

      Ich würde es eher anders sagen. Es IST ein Indiz für die Richtigkeit, aber kein Beweis.

    • Hallo Dr.Horst Denzer,
      bzgl. der 97% können wir dem Science Guy (Climate Change Debate (HBO): https://www.youtube.com/watch?v=cjuGCJJUGsg) unter die Arme greifen.

      Gerade ist ein sehr lesenswerter Artikel zu diesem Thema von Carlton et al. in den
      Environmental Research Letters erschienen: The climate change consensus extends beyond climate scientists (http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/10/9/094025/meta).

      >> Prior work has established that there is consensus among climate scientists that anthropogenic climate change exists (Doran and Zimmerman 2009, Anderegg et al 2010, Cook et al 2013). Our findings expand beyond these works to show that there is a general consensus among biophysical scientists across the United States that (1) climate change is occurring, (2) humans are contributing to it, and (3) climate science is a trustworthy, mature, and credible discipline. Scientists who continue to claim otherwise are operating outside of the consensus, not just of climate scientists, but also of scientists as a whole. <<

      Der "Schulterschluss" der Arbeit von Carlton et al. zu vorliegendem Blogbeitrag von Stefan Rahmstorf liegt in der Glaubwürdigkeit.

  13. Ein sehr guter Artikel. Vorbildlich.

    Wir sind schon seit 2009 mit einer PV-Anlage dabei, die pro Jahr bislang durchschnittlich 9.5 MWh erzeugte. Seit 2013 und über 35.000 KM fahren wir ein Elektroauto Renault ZOE, was einen BMW 320d ersetzte. Wir heizen noch mit BioGas, es wird aber demnächst eine Erdwärmepumpe den Gasbrenner ersetzen. Ein chinesischer oder amerikanischer Hausspeicher mit ca. 12 kWh wird unseren aktuellen Autarkiegrad ab nächstem Jahr von ca. 40% auf 85% erweitern.

    Das muss man sich mal vorstellen, wir benötigen dann nur noch 15% Strom aus dem Netz, den Rest erzeugen und verbrauchen wir selber lokal vor Ort. Und der EE-Anteil wird jedes Jahr steigen !

    Da ich in Schleswig-Holstein wohne besteht mein Strom jetzt schon meist aus Windkraft.
    Unser letztes fossiles Gerät ist dann ein Audi. Der wird in 2018 durch einen Tesla Model 3 ersetzt. Wir finden es Familie unverantwortlich zum Autofahren Erdöl zu verbrennen und die Arktis/Regenwälder/Sibirien zu zerstören und korrupte Regierungen zu etablieren. Das wird viel zu wenig thematisiert. Europa hat Peak Oil vor 11 Jahren gehabt und muss 80% von dubiosen Staaten importieren. Das wird alles viel zu wenig thematisiert.

    • Das klingt ja alles überaus umweltfreundlich. Doch die Antwort auf die Frage: Was bringt es denn eigentlich? gibt es erst bei einem Blick auf das Ganze:

      Tausend Anekdoten verblassen vor der Wirklichkeit: http://www.zeit.de/2015/26/suv-boom-audi-kritik

      83. Relevantes und Irrelevantes
      Im letzten Jahrzehnt führte die zielgerichtete Anstrengung der Ingenieure zu einer Reduktion des spezifischen Kraftstoffverbrauchs von 16,5%.

      Was der Kunde wünscht ist mehr Blech und mehr PS. Dadurch verpufft die Leistung der Ingenieure zu ungefähr 90%. Eine substanzielle Reduktion des Kraftstoffverbrauchs hat somit nicht stattgefunden. Der Kunde weiß eben genau, was er will.

      Deutschland ist Weltmeister im Pharisäertum.

      siehe: http://scienceblogs.de/primaklima/2015/07/26/der-neue-dies-und-das-endlich-zurueck/#comment-69323

      Entscheidend ist der Saldo. Da sieht es bescheiden aus:

      Der Endenergieverbrauch in Deutschland ist seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken. Es wird zwar immer mehr Energie effizienter genutzt und teilweise eingespart, doch Wirtschaftswachstum und Konsumsteigerungen verhindern einen deutlicheren Verbrauchsrückgang.

      Im Sektor Industrie ging der Endenergieverbrauch im Betrachtungszeitraum ab dem Jahr 1990 merklich zurück. Dies ist hauptsächlich auf den Schwund der Industrie in den neuen Bundesländern zwischen 1990 und 1993 zurückzuführen. Er bleibt aber weiterhin der verbrauchintensivste Sektor.

      siehe: http://scienceblogs.de/primaklima/2015/07/26/der-neue-dies-und-das-endlich-zurueck/#comment-69656

      Im Juli letzten Jahres habe ich für einen neuen Skoda Fabia Kombi 11.980€ ausgegeben. Irgendwie ist so ein Kauf anscheinend am Rande der Legalität, denn meist wird schnell das Thema gewechselt. Dafür hört eine Oma Hoppenstedt (76) nicht damit auf, mir zu erklären, dass ihr A180 Diesel einen Liter weniger braucht und bei Vollgas auf der Autobahn mit 5,5 Litern auskommt. Der Fuckwitted Kraut weiß eben genau, was er will, auch wenn die meisten sich ihn nicht leisten können: Die Wuchtbrumme

      siehe: http://scienceblogs.de/primaklima/2015/07/26/der-neue-dies-und-das-endlich-zurueck/#comment-69957

      Ein kleiner Vergleich:

      Tesla Model S 70D

      Skoda Fabia Combi 1.2 TSI Active

      William Conolley hat zusammengefasst:

      So what does combatting climate change need? I think sane government policy would go a long way – i.e., carbon tax instead of subsidising particular tech. It would certainly be cheaper than the current approach. And a variety of people, starting with the West, realising that their bloated consumerist lifestyles are pointless. But you could argue that’s about as likely as people being, like, nice to each other.

      http://scienceblogs.com/stoat/2014/11/24/what-it-would-really-take-to-reverse-climate-change/

      • Sie fragen was es bringt:

        1.) Mir Unabhängigkeit
        2.) Ich brauche kein Erdöl mehr im Vergleich zum 320d bei Fahren
        3.) Damit muss für meine Forbewegung im Auto die Arktis nicht geplündert werden
        4.) Vorbildfunktion: Jeder kann sofort ähnliches selber machen
        5.) Später mehr finanziellen Spielraum, da ich über 85% weniger Sprit- Heizungs und Stromkosten habe.

        Ist doch was.

  14. @rmw Richtig, wir benötigen in einem System mit ca. 60% Erneuerbaren Energien im Strombereich Speicher. Das ist jedenfalls die Aussage der meisten Studien (Fraunhofer IZES etc.). Es besteht jedoch kein Grund, deshalb die Energiewende auszubremsen oder gar abzusagen. Die Technologien sind da; ich empfehle hierzu das Buch „Energiespeicher“ von Prof. Michael Sterner und Prof. Ingo Stadler. Bereits heute laufen entsprechende Pilotanlagen (Power to H2, Redox-Flow-Zellen, Lithiumbatterien, Na-S-Batterien) in etlichen deutschen Städten und Industrieparks. Mit einem angemessenen Preis für Kohlenstoff wären diese Anlagen sofort am Regelenergiemarkt gegenüber fossilen Kraftwerken wettbewerbsfähig.

  15. Eine kritische Anmerkung möchte ich ganz allgemein anbringen: Die Diskussion bei „Extrem heiß!“ ist noch in vollem Gange, war es notwendig, jetzt schon ein neues komplexes Thema wie die Energiewende anzuschneiden? Noch zwei Wochen abzuwarten wäre vielleicht besser gewesen!

    Die Kommentare und Argumente der Diskussionsteilnehmer sind sehr diffizil und meist von ausgeprägter Sachkompetenz. Das kann man nicht einfach nur runterlesen, man muss die Zusammenhänge sachlich-fachlich und zeitlich verarbeiten können.

  16. @ heizen und kochen mit Holz-Energie
    Den Gedanken mit Holz zu heizen und zu kochen finde ich gut, fanden andere Generationen vor uns auch schon gut und ist immer noch eine Alternative zu Öl und Gas und Strom.
    Ich heize und koche selbst gern mit Holz und erwärme mit diesem nachwachsendem Energieträger – Holz ist festgewordenen Sonnenenergie – mein Haus.
    Die Energie ist nachwachsend und lokal verfügbar. Sicherlich ist das keine Lösung für Ganz-Deutschland, aber Energie gibt es ja jetzt auch nur im Energiemix!
    Da ist jeder aufgerufen für sich sein Optimum und seinen Mix zu finden und nicht anderen den allein glückselig machenden Weg vorzuschreiben.
    In diesem Sinne mehr Eigeninitiative und Mut zum selber denken (und weniger Bevormundung)

  17. Liebe Kommentator(innen),
    im Gegensatz zu den Kommentaren zu den anderen Artikel beschränken sich hier die Kommentare
    nur auf die Energieerzeugung in Deutschland. Gerade die Vertreter der Solarindustrie scheinen auch nicht über den Tellerand zu blicken, denn unabhängig von Netzstabilität (Batteriekraftwerke sind noch im Versuchsstadium) wäre ein Solarkraftwerk (thermo oder photovoltaik) doch eine ideale Lösung für Meerwasserentsalzung im Nahen Osten oder im nördlichen oder südwestlichen Afrika. Die größte Meerwasserentsalzungsanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird
    zur Zeit noch mit Erdöl oder Erdgas betrieben ! Dass die Hälfte aller Kommentator(innen) in diesem Forum, die Sympathien für Solarstrom zeigen, nicht in der Lage sind, innovative Lösungen
    für aktuelle Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ist ein Armutszeugnis !

  18. @Nemesis und Jürgen Bucher :
    Ich war von Ihrer Konversation über Wirtschaftssyteme beim Artikel „Extrem heiß“ begeistert und da es bei diesem Artikel „Auf dem Weg zum fossil-freien Haushalt“ auch um Politik geht, möchte ich Ihnen beiden ein Buch empfehlen, mit der Bitte, anschließend jeweils einen Kommentar dazu abzugeben. Dies ist besonders interessant, da Sie zu Wirtschaftssystemen konträre Meinungen
    haben aber sehr sachlich miteinander diskutieren können :
    Autor : Oliver Janich
    Titel : Das Kapitalismus Komplott
    ISBN : 978-3-89879-718-4
    Ich freue mich auf Ihre geschätzten Kommentare !

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • @Dr. Horst Denzer

      Sehr gerne gebe ich einen Kommentar zu den Thesen Oliver Janich’s (sie auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Janich ) ab:

      Oliver Janich ist ein neoliberaler Marktschreier und Leugner des anthropogenen Klimawandels(!), dessen Thesen auf den neoliberalen Ideen Friedrich Hayeks gründen ( https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_von_Hayek ). Siehe dazu folgendes Interview mit Janich auf Heise.de:

      http://www.heise.de/tp/artikel/33/33605/1.html

      Oliver Janich ist freier Journalist und schrieb u.a. für die Financial Times, die Süddeutsche Zeitung und Focus Money. Vor kurzem setzte Focus Money die Zusammenarbeit mit Janich aus. Janich ist auch Vorsitzender der Partei der Vernunft (PDV). Eren Güvercin sprach mit ihm über sein neues Buch mit dem provokativen Titel „Das Kapitalismus-Komplott“ und das Parteiprogramm der PDV, die „sozialer als SPD und die Linke, grüner als die Grünen und christlicher als CDU/CSU“ sein soll.“ 🙂

      Zu den Kernpunkten seiner Partei (PDV) sagte Janich im oben genannten Interview:

      Wir wollen dass sich der Staat auf hoheitliche Aufgaben beschränkt. Für innere und äußere Sicherheit gibt der Staat 3 Prozent des Bruttosozialproduktes aus, das wäre auch ein fairer Steuersatz. Wer auch noch Bildung (4%), Straßen und Kindergärten (zusammen knapp 1%) staatlich finanzieren will, für den reicht eine Besteuerung von zehn Prozent aus. Wir haben aber eine reale Abgabenquote von 70%. Ohne diese Abgaben könnten wir also alle das Dreifache verdienen und uns komfortabel privat sozial absichern. Alle Maßnahmen zum „Klimaschutz“ würden wir sofort stoppen. CO2 ist ein Spurengas, das nur zu 0,038 % in der Atmosphäre enthalten ist, der menschliche Einfluss auf das Klima ist gleich null.

      Neoliberale Kapitalisten wie zB Milton Friedman oder Ronald Reagan haben sich übrigens an den Thesen Hayeks orientiert^^ Allerdings, die gesamte Debatte um die Frage, ob „mehr staatliche Kontrolle oder mehr kapitalistische Freiheit“ ist eine SCHEINDEBATTE, die nun schon seit Ewigkeiten läuft- als ob der Staatsapparat den Interessen der Kapitalisten entgegenarbeiten würde und die Kapitalisten wiederum den Interessen des Staatsapparates entgegenarbeiten würden! In Wirklichkeit jedoch spielen sich beide Seiten in der Politik permanent gegenseitig den Ball zu, was sich zB unschwer an der Tatsache erkennen lässt, dass die Banken seit jeher GEMEINSAM mit der Politik hinter verschlossenen Türen beschliessen, wie denn die Banken am besten zu kontrollieren seien^^ Im Übrigen gilt in Politik und Wirtschaft das perfekt geschmierte Drehtürprinzip:

      Unzählige Politiker kommen aus der Wirtschaft, vertreten die Interessen der Wirtschaft und halten bestbezahlte Vorträge im Interesse der Wirtschaft. Und wenn ihre politische Karriere es erfordert, dann gehen sie wieder zurück in die Wirtschaft 🙂 Insofern trifft Janichs Festellung allerdings vollkommen zu:

      Wir leben in einer Orwellschen Welt, in der das Wahre falsch und das Falsche wahr ist

      Allerdings, das grundlegende Prinzip der Partei in „1984“ Orwells war es, stets BEIDE Seiten zu unterstützen und somit zu kontrollieren. Und Janich wendet exakt dasselbe Prinzip an, wenn er erneut jene SCHEINDEBATTE um „staatliche Kontrolle versus neoliberalen Kapitalismus“ aufmacht, er befindet sich also in bester Gesellschaft und führt die bis heute äusserst erfolgreiche Propaganda in der Tradition des radikalen Kontruktivismus fort (in der modernen Debatte übrigens geschickt als „positives Denken“ verkleidet). Hier ein Auszug aus Orwells „1984“, der den Kerngedanken des radikalen Kontruktivismus (Wirklichkeit als reines Konstrukt) perfekt beschreibt, wenn O’Brien zu seinem Opfer Winston sagt::

      „Sie sind hier, weil es Ihnen an Demut, an Selbstdisziplin mangelt. Sie wollten den Akt der Unterwerfung nicht vollziehen, der der Preis für geistige Gesundheit ist. Sie zogen es vor, ein Wahnsinniger, eine Einpersonenminderheit zu sein. Nur der disziplinierte Geist erkennt die Realität, Winston. Sie halten die Realität für etwas Objektives, Äußeres, das seinen eigenen Bestand hat. Sie glauben auch, das Wesen der Realität sei an sich selbstverständlich. Wenn Sie sich der Illusion hingeben, etwas zu sehen, nehmen Sie an, daß alle anderen das gleiche sehen wie Sie. Aber ich sage Ihnen, Winston, daß Realität nichts Äußeres ist. Die Realität existiert im menschlichen Geist und sonst nirgends. Nicht im Geist des Einzelnen, der irren kann und ohnehin bald untergeht; nur im Geist der Partei, die kollektiv und unsterblich ist. Was immer die Partei für Wahrheit erachtet, i s t Wahrheit. Die Realität lässt sich auschließlich durch die Augen der Partei erkennnen. Diese Tatsache müssen Sie wieder neu lernen, Winston. Es erfordert einen Akt der Selbstvernichtung (sic! mo), eine Willensanstrengung. Sie müssen sich erst demütigen, ehe Sie geistig gesund werden können.“ (…)

      „Aber wie könnt ihr denn die Materie kontrollieren“ stieß er hervor. „Ihr kontrolliert ja nicht einmal das Wetter oder die Schwerkraft. Und es gibt Krankheit, Schmerz und Tod –“

      O´Brien brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Wir kontrollieren die Materie, weil wir den Geist kontrollieren. Realität findet im Schädel statt. Sie werden es schrittweise lernen. Es gibt nichts, was wir nicht könnten. Unsichtbarkeit, Levitation – alles. Wenn ich wollte, könnte ich wie eine Seifenblase über dem Boden schweben. Ich will es nicht, weil die Partei es nicht will. (…) Die Naturgesetze machen wir.

      George Orwell, 1984

      Wolln mal sehen, wie lange dieses perfide und äusserst realitätsferne Wunschdenken angesichts der beinharten Realität des Klimawandels und der vollkommen Abhängigkeit gewisser, von der Natur vorgeschriebenen Tatsachen materieller Gegebenheiten noch funktionieren wird. Hunger, Durst, Hitze und Kälte sind todsicher keine Konstrukte, die sich nach Belieben den eigenen Zwecken gemäss negieren lassen- der von O’Brien (völlig zu Recht!) als unendlich hinfällig erkannte menschliche Körper wird sowohl die Kapitalisten als auch den Staatsapparat auf äusserst unangenehme Weise eines Besseren belehren. Der wahre, übermächtige und extrem diktatorische Herrscher über den Planeten Erde ist nicht der Staat und auch nicht der Kapitalismus, sondern die gnadenlose, auf NOT-wendigkeit gegründete Natur selbst und weder „die Partei“, noch „die Bruderschaft“ werden dieser Tatsache entgehen 😎

      Mit freundlichen Grüssen,
      Nemesis

    • @ Denzer und Nemesis: Nehmt es mir nicht übel, aber kollektivistische und nicht weiterführende Begriffe wie „Kapitalismus“ wirken bei mir extrem abschreckend. Als Ökonom in der Freiburger Tradition würde ich – hätte ich die Zeit – lieber noch einmal intensiv Walter Euckens „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ (sollte für alle Umweltengagierten ein Muss sein!) und einige klassische Aufsätze von Friedrich von Hayek (etwa: „Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“) lesen. Ergänzen muss man Eucken heute allerdings durch die Erkenntnisse der „Neuen Institutionenökonomik“.

      Eucken ist von allen Wirtschaftstheoretikern, die ich kenne, der präziseste Denker! Vielleicht war sein Vater, der Literatur-Nobelpreisträger, schuld daran, dass er wie kaum ein anderer verständlich geschrieben hat. Warum nicht gleich das Beste zum Thema Wirtschaftssysteme lesen?

      Auch vieles bei Friedrich von Hayek ist brilliante Analyse von Marktsystemen, er war innovativer als Eucken. Andererseits ist bei von Hayek und seinen kritiklosen Bewunderern, den Paläoliberalen, vieles (aber eben nicht alles!) schwer ideologiebehaftet, dazu gehören sicher auch fließende Übergänge am rechten politischen Rand. Er hat zum Beispiel nie verstanden, dass es kaum ein reales Marktsystem ohne Marktversagen gibt (die Ursachen dafür kann man etwa über die Theorien des sog. „rent seeking“ analysieren).

      Vielleicht noch ein, zwei Hinweise: Jede erfolgreiche Gesellschaft benötigt ein funktionierendes Anreizsystem, geht doch mal bei Wikipedia auf „Theorie der Verfügungsrechte“, vielleicht gleich auch noch auf „Coase-Theorem“. Eine Eigentums-Ordnung (warum nicht einfach mal das BGB durchblättern?) ist immer verdammt komplex und etwas kategorial anderes als ein vorherrschendes Koordinationsverfahren (Markt, Zentralverwaltungswirtschaft?), auch wenn es gravierende Interdependenzen gibt. Eine Marktwirtschaft ist übrigens immer auch eine Planwirtschaft, jedoch planen d i e Akteure, die nahe an den relevanten Informationen sind.

      Gibt es noch ein empfehlenswertes ökonomisches Buch? Ja, nämlich zum Beispiel „Das Prinzip Eigennutz – Zur Evolution sozialen Verhaltens“ von Wolfgang Wickler und Uta Seibt. Wir Menschen sind eigennützig, der „homo oeconomicus“ ist keine leere Fiktion, es gibt ihn wirklich, wir alle sind so! Im Prinzip ist Wirtschaftswissenschaft eine spezialisierte Weiterung der biologischen Verhaltensforschung („Soziobiologie“) mit zusätzlichen Annahmen, die gemeinsame Klammer ist die Spieltheorie. Fast alle Umweltprobleme, sofern sie von Menschen verursacht sind, haben ihre Wurzel in einer bestimmten Ausformung von Eigennutz kombiniert mit einer „prisoners dilemma“-Struktur!

      Individueller Eigennutz plus herrschende Knappheit wird immer ein Konkurrenzsystem ergeben. Wir konkurrieren auf allen Ebenen um Ressourcen! Das kann ich zurückzustauen versuchen – aber nie wirklich verhindern! Der Sozialismus hat nicht funktioniert, weil durch die starren Strukturen Innovation und Weiterentwicklung, die der Wettbewerb automatisch erzwingt, ausgeschaltet wurden. Die gesamte Natur ist ein evolvierendes Wettbewerbssystem (was nicht ausschließt, dass es kooperative Elemente gibt, doch Vorsicht: oft handelt es sich um sog. „reziproken“ oder „unreinen“ Altruismus). Wer Wettbewerb nicht will, wird nichts verbessern, sich jedoch gravierende zusätzliche Probleme einhandeln.

      Muss man im 21. Jahrhundert solche Zusammenhänge wirklich immer noch diskutieren? Der bedeutendste lebende Wissenschaftler ist für mich als Ökonom und Umweltschützer übrigens – Edward O. Wilson!

  19. Ich möchte als Ergänzung zum Artikel „Auf dem Weg zum fossil-freien Haushalt“ noch etwas zur Situation im Transportwesen schreiben, wobei ich sogar die vom Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (WBCSD) angegebenen Zahlen verwende. 2015 wurden weltweit 3 Milliarden Tonnen Treibstoff verbraucht. Diese Menge wird sich bis 2050 auf 5 Milliarden Tonnen Treibstoff erhöhen.
    Wenn man die von allen Menschen weltweit in Kfz oder Flugzeugen zurückgelegten km berechnet, so kommt man auf 40 Billionen km. Im Gütertransport siehtr es ähnlich aus. Wenn wir eine Weltbevölkerung von weniger als 1 Milliarde Menschen hätten, wäre eine alternative dezentrale Versorgung mit Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern eventuell möglich, bei 7 Milliarden Menschen kann man dies vergesssen. Ich hoffe, dass die meisten Kommentator(inn)enin diesem Forum abgesehen von Kindern und Jugendlichen, dies intellektúell
    nachvollziehen können. Man kann bis zu einem gewissen Grad über Hybridantrieb den Treibstoffverbrauch einschränken aber fossile Treibstoffe durch alternative Treibstoffe zu ersetzen,
    sieht selbst der WBCSD zumindest bis 2050 als äußerst problematisch an. Also, liebe Kommentator(innen), lassen Sie sich einfach nur einmal diese Zahlen und Informationen auf der
    Zunge zergehen und denken Sie einfach nur einmal ruhig darüber nach !

    • @Horst Denzer

      Wenn man die von allen Menschen weltweit in Kfz oder Flugzeugen zurückgelegten km berechnet, so kommt man auf 40 Billionen km. Im Gütertransport siehtr es ähnlich aus. Wenn wir eine Weltbevölkerung von weniger als 1 Milliarde Menschen hätten, wäre eine alternative dezentrale Versorgung mit Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern eventuell möglich, bei 7 Milliarden Menschen kann man dies vergesssen.

      Das eigentliche Problem ist nicht der zahlenmässige Umfang der Weltbevölkerung, sondern die (bewusst forcierte!) Verteilung:

      Während eine globale Minderheit in unvorstellbarer Verschwendung lebt, leidet der Rest bittere Armut. Natürlich liegt es da laut der Logik der reichen Industrieländer nahe, einfach die Weltbevölkerung zu reduzieren, damit auf jeden Fall der kranke übermässige Konsum in eben jenen Ländern weitergehen kann. Tja, dumm nur, dass man sich gleichzeitig gigantische Gewinne auf den Märkten der sog. 2. und 3. Welt wünscht^^, siehe zB China (1.3 Milliarden Menschen): VW und andere deutsche Autobauer haben dort gewaltige Gewinne eingefahren. Im Übrigen möchte man auch nicht auf die billigen Arbeitskräfte der sog. 2. und 3. Welt verzichten^^… a propos Autoindustrie:

      24.9.2015 – Abgas-Manipulation auch bei Autos in Europa

      http://meta.tagesschau.de/id/103377/abgas-manipulation-auch-bei-autos-in-europa

      Man kann bis zu einem gewissen Grad über Hybridantrieb den Treibstoffverbrauch einschränken…

      Wie lange labert die Autoindustrie schon von umweltschonenden Technologien? Seit Jahrzehnten. Und was kommt am Ende dabei heraus? Ein Boom im SUV- Verkauf und skrupellose Betrügereien bei den Abgaswerten! Vor einigen Wochen hat mir mir ein SUV- Fahrer allen Ernstes zu verstehen gegeben, dass sein Fahrzeug weniger verbraucht, als ein SMART Mini… Ich sage Ihnen ganz offen:

      Ich kapituliere inzwischen vollkommen angesichts derartiger Ignoranz und Chuzpe. Ist solchen Leuten eigentlich klar, dass sie buchstäblich die Zukunft (nicht nur) ihrer eigenen Nachkommen verheizen ?! Ich sage das übrigens als jemand, der selbst ganz bewusst keine Nachkommen gezeugt hat, ich würde vollkommen durchdrehen, wenn ich mir vorstelle, in was für einer verdrehten, verrückten Welt meine Kinder leben müssten. Ich empfehle jedem fröhlichen Konsumenten, jedem Wirtschaftsboss und jedem Politiker mal einen aufmerksamen Blick zB nach Kalifornien, mitten ins Herz des ach so gepriesenen Kapitalismus- dort kann man die grausige Zukunft des Kapitalismus im Kontext des klimawandels bereits jetzt bestaunen 😎

      Angesichts der Betrügereien der Autoindustrie frage ich mich ernsthaft, mit welchem Gefühl die verantwortlichen Politiker, Manager und auch Konsumenten eigentlich auf die Weltklimakonferenz im Dezember in Paris schauen………. 🙂 Ehrlich gesagt fällt mir inzwischen zur Realpolitik angesichts des Klimawandels nur ein Prädikat ein:

      ABSURD.

      … das Erwachen wird todsicher extrem unangenehm werden, denn die Natur lässt sich nicht betrügen, in der Natur zählen nur knallharte, unbarmherzige Fakten. Die gesamte Doppeldenkstrategie der Wirtschaft, der Politik und auch der Konsumenten wird in einem vollkommenen Desaster enden.

      MfG,
      Nemesis

  20. Das ist ja alles ganz nett und es ist wahrscheinlich keine schlechte Idee, sich so langsam von fossilen Energieträgern zu verabschieden.
    Ich erkenne aber nicht viel mehr, als eine ziemlich hoffnungslose Ideologie. Wie wir alle wissen, sind die globalen CO2 Emissionen seit dem „verbindlichen“ Kyoto Protokoll weiter angestiegen, sogar schneller als vor dessen Ratifizierung. Dieser „Erfolg“ sollte zu denken geben. Ein Kyoto II wird es also auch nicht richten, auch weil alle diese Verträge nicht wirklich bindend sein können.

    Es ist auch allen klar, dass egal was alle Deutschen so treiben, sich nichts am globalen Klima ändern kann, auch nicht am regionalen-. Dafür sind die paar % Beteiligung einfach zu wenig.

    Die Big Player sind wohl bestrebt, deutlich mehr Strom aus EE zu gewinnen, aber es steigt ja gleichzeitig der globale Hunger an Energie weiter an und damit auch die CO2 Emissionen, trotz etwas steigendem EE Anteil.

    Noch dazu wird es ganz schwierig vielen arabischen Ländern, oder auch den Russen und vielen weiteren beizubringen, dass sie ihre wertvollen Rohstoffe nun wegen einer Klimabedrohung einfach unter der Erde lassen sollen. Diese Vorstellung klingt sehr naiv und es wird wohl so enden, dass wir uns mit einem weiteren Anstieg der THG Emissionen abfinden müssen, inklusive weiterer Erwärmung und schlussendlich, wenn es wirklich zu viel werden sollte, werden sich eben die kommenden Generationen mit Geoengineering und weiß der Kuckuck was, weiter helfen. Ich sehe keine reale Chance, dass sich angesichts der weltpolitischen Lage und der wirtschaftlichen Wachstumsverpflichtungen eine deutliche Reduktion der Emissionen erzwingen lassen wird.

  21. Während wir hier uns die Köpfe heissdenken, wie man im bescheidenen persönlichen Rahmen CO2 einsparen kann, gehen andere in die Vollen und betrügen die Verbraucher- haben denn die leitenden Angestellten bei VW, die ein Jahresgehalt von einigen Hunderttausend oder gar Millionen haben, immer noch nicht genug verdient?! Jahrzehntelang hat die Autoindustrie vollmundig das Elektroauto angekündigt und nun stattdessen dies hier:

    22.9.2015 – Manipulierte Software in elf Millionen VW

    Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW-Fahrzeugen hat erheblich größere Dimensionen als zunächst angenommen. Die entsprechende Software sei weltweit in elf Millionen Fahrzeugen eingebaut, teilte der Konzern mit. VW musste eine Gewinnwarnung herausgeben.

    Die Software zur Manipulation der Abgaswerte ist nach Angaben des Volkswagen-Konzerns auch in weiteren Dieselfahrzeugen eingebaut…

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-kontrolle-103.html

    Es ist allgemein bekannt, dass die Autoindustrie in Sachen CO2-Emissionen tarnt und täuscht, wo es nur geht, man denke nur an die schöngerechneten Abgaswerte all der lächerlich protzigen SUV… Tja, das kann man so machen, allerdings fürchte ich, dass damit jetliche sinnvolle Umweltpolitik ad absurdum geführt wird. Warum sagt man denn dann nicht gleich „Die Zukunft des Planeten interessiert uns nicht, auch die Zukunft unserer Nachkommen interessiert uns nicht. Uns interessiert nur eins: Geld, Geld, Geld“ Das wäre doch wenigstens mal eine klare und der Realität entsprechende Ansage. Ob mich das wütend macht? Nein, nicht mehr. Die blinde, offensichtliche kognitive Dissonanz gewisser „Leistungsträger“ unserer Gesellschaft amüsiert mich bloss noch, mehr nicht. Na dann: Weiterhin angenehme Reise.

  22. Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    wir haben unser Haus und unseren Lebensstil in ziemlicher Übereinstimmung mit dem ihrigen angepasst. Altes Haus auf KfW40 Niveau saniert, Pelletheizung mit Solarthermie und 2,5 kWp PV Strom, Lüftungsanlage mit WRG etc..

    Mir ist es wichtig ihnen beipflichtend festzustellen:

    1. Wir konnten unseren jährlichen pro Kopf Ausstoß für Heizen und Strom von 2360kg auf 122kg und somit um über 95% senken (die Emissionen für die Dämmstoffe sind hier allerdings nicht mit eingerechnet, dürften aber über 50 Jahre Nutzungsdauer das Ergebnis nicht komplett verhageln!). Den Wasserverbrauch konnten wir halbieren.

    2. Der Komfortgewinn für das Wohnen ist enorm. Warme Wände und dadurch angenehm niedrige Raumtemperaturen, immer frische Luft, kein Straßenlärm und Planungssicherheit für die Kosten von Heizung und Strom. Lange Rede kurzer Sinn: Wir reden jetzt von „Residieren“ und nicht mehr nur von Wohnen. Also alles andere als ein Minusgeschäft für die Lebensqualität!!!

    3. Auto wurde durch Fahrräder und einen E-Roller ersetzt…und ich liebe es. Frischer Wind, körperliche Betätigung und Stressabbau und somit mehr Lebensqualität (weniger Rücken- und Nackenschmerzen durch Verspannungen). O.K.: 3-4 mal im Jahr (!) einen nassen Hintern, weil man sich mit dem Wetter verschätzt hat und besser den Bus genommen hätte. Im Schnitt benötige ich max. einmal im Monate ein Auto, um sperrige Teile zu transportieren oder mit den Kindern etwas Besonderes zu unternehmen. Für mehr besteht kein Bedarf bei mir! Keine Lebensqualitätseinschränkung (..und keine Staus !!!).

    4. Die Reduzierung von Konsumgütern nach Möglichkeit und sehr zurückhaltende Neubeschaffungen bedeuten auch: Geringere Geldbedarf und damit Verringerung meiner Wochenarbeitszeit (10% weniger Arbeit machen enorm viel aus!). Weniger Einarbeitungen, Reparaturen, Wartung und Ausfälle, da weniger Geräte vorhanden sind. Mehr Ruhe und Lebensgenuss durch weniger Ablenkung und Beschäftigung mit irgendwelchen Konsumprodukten (neuestes Handy, Pad, SmartTV etc.), denn es gilt der Spruch: „Nicht wir konsumieren die Produkte, die Produkte konsumieren uns (/unsere Zeit)“!

    Resümierend muss ich feststellen, dass ihre beschriebene Lebensweise enorme Lebensqualität bedeuten kann. Von Verringerung des Lebensglücks kann schon gar keine Rede sein, da man ruhiger und bewusster durch den Tag geht und mehr Zeit für Muße und Freizeit hat.
    Als Beamter im mittleren Dienst mit A7 Eingangsbesoldung würde ich mich nun auch nicht zu den Topverdienern zählen. Das Geld war aber nie ein Problem und ein Hindernis!

    Wie heißt es so schön: „Wer etwas will, findet einen Weg. Wer etwas nicht will, findet eine Ausrede!“ 🙂

    Mit freundlichen Grüßen,

    Marc Dünninghaus

    P.S.: Eigentlich wollte ich hier nur mal ihre Arbeit würdigen…Kopf hoch und weiter so…sie sind auf dem richtigen Weg und machen ihre Arbeit für uns und ihre Kinder sehr sehr gut! 😉 Danke auch im Namen meiner Jungs!

  23. Nehmen wir mal an, dass das CO2 tatsächlich die ihm unterstellte (und bislang nach wie vor nicht bewiesene) Treibhauswirkung auf die irdische Atmosphäre von +3°C pro Verdoppelung der Konzentration hat, und unterstellen wir, dass Deutschland seine so genannten Klimaziele bis 2020 erfüllt, dann hätte das – relativ leicht nachzurechnen – eine globale Temperaturreduzierung von ca. 0,001°C zur Wirkung. Und ich, als einer von 80 Mio Deutschen hätte, wenn ich dieses Ziel mit meinem Handeln abdecken würde, ein Achtzigmillionstel Anteil an diesem Tausendstel Grad. Das motiviert mich ungemein, ein paar Hundert kg CO2 zu sparen. 🙂 Und nun stellen wir uns noch vor, dass die Klimasensivität des CO2 deutlich kleiner als 3°C ist …
    Wer also meint, aus Klimaschutzgründen CO2 einzusparen, soll das bitte tun, aber sollte sich auch diese Fakten immer wieder vor Augen führen. Aber vor allem sollte man unterlassen, Anderen dieses Handeln als wirksame alternativlose Klimaschutzmaßnahme einreden zu wollen.
    Ich gehe in meinem kleinen Haus natürlich (auch) sparsam mit Energie um, aber vor allem aus rein finanziellen Gründen. Dummerweise entwickelt sich der Strompreis insbesondere in den letzten Jahren wegen der EEG-Umlage & Co. konträr zu meinen Einsparmaßnahmen (Kauf energieeffizienter Geräte, LED-Lampen etc.), sodass ich trotz weniger kWh/a mehr bezahle.
    Bezüglich der Erneuerbaren insbesondere Wind und PV in Deutschland ist die aktuelle Lage so, dass wir eine Kapazität von ungefähr 80GW zusätzlich zu den vorhandenen konventionellen Kraftwerken aufgebaut haben. Trotz dieser immensen Leistung können Wind + PV nicht mal ansatzweise (irgendwo um 1%) die Grundlast abdecken. Aber bezahlt werden muss dieser gigantische Unfug mit gut 20 Mrd. € pro Jahr natürlich trotzdem. Und CO2 haben wir nebenbei dadurch auch nicht eingespart; im Gegenteil.
    Okay, machen wir auf diesem Weg also weiter und retten die Welt!

    Schönen tag noch!

    • Hallo, Herr Bothe,
      gehen Sie eigentlich wählen? Keine Angst, mich interessiert es nicht wirklich; wenn man Ihre Logik zur Treibhausgasvermeidung auf eine Parlamentswahl anwenden wollte, käme man zu dem Ergebnis, dass der Aufwand, wählen zu gehen, nicht lohnt, denn bei Millionen Wahlberechtigten spielt meine eine Stimme sicherlich keine Rolle.
      Spätestens wenn dann am Abend verkündet würde, dass die „Menschenfresserpartei“ im Parlament sitzt, kämen Sie vllt. doch ins Grübeln, ob das „rationale“ Wahlverständnis ein kluger Ratgeber war.
      Zurück zum CO²: Wenn andere Staaten sehen, dass „der Westen“ Brennstoffe verfeuert, als gäbe es kein Morgen, wären sie vermutlich wenig motiviert, (auf niedrigem Emissionsniveau) eigene Anstrengungen zur THG-Vermeidung zu unternehmen. Insoweit ist die Wirkung des eigenen Handelns hierzulande größer als sie scheint bzw. größer als es uns bestimmte Kreise glauben machen wollen.
      Zudem sind wir hier in der glücklichen Lage, Techniken entwickeln und marktfähig machen zu können, die eine Abkehr von fossilen Brennstoffen ohne große Komforteinbuße erlauben, sofern man das denn will.

      • @Bleyfuss,
        einerseits haben Sie Recht. Wenn nirgends jemand mit dem CO2-Einsparen beginnt, gibt es keine Nachahmer.
        Aber wie gesagt: Wenn Deutschland mit seinem sicher nicht ganz unerheblichen CO2-Ausstoß seine Klimaziele einhält, haben wir eine Reduzierung der globalen Temperatur um 0,001°C zu erwarten. Dieser Wert ist praktisch nicht messbar, weil er in den weltweiten Schätzungen und Rundungen im Rauschen verschwindet. Und dafür wollen wir Hunderte Milliarden Euro ausgeben; für praktisch Nichts?

          • @Wizzy,
            „Dieser Betrag von 0,001°C ist um ganz grob geschätzt den Faktor 75 zu klein. Siehe mein Kommentar weiter unten.“

            Okay, nehmen wir mal an, Sie lägen damit richtig. Wir rechnen: 0,001 x 75 = 0,075, also etwas weniger als 1/10 °C. Gut. Werden wir in der Lage sein, diese deutsche Signal 2020 aus den globalen Klimadaten heraus zu filtern? Oder müssen wir es einfach nur glauben? Das wird ein verdammt teurer Glaube.
            Wir werden es ja bald sehen, wo wir mit der globalen Mitteltemperatur 2020 landen. Ich schaue mal in meine Glaskugel und schätze, dass diese etwa in dem Bereich des Mittelwertes der letzten 5 Jahre liegt.

            VG

          • Ich habe den Eindruck Sie vermengen hier mehrere Dinge:
            1. Sie behaupten CO2 hätte weniger Einfluss als der derzeitige Stand der Wissenschaft ist.
            2. Sie legen korrekt dar, dass Deutschland unter 2,5% der globalen Emissionen stellt
            Zu 1., die Meinungen sind frei, aber ich halte mich an den Stand der Wissenschaft, außer Sie spezifizieren Ihre Argumente. Die von Ihnen angeführte Literatur strotzt vor Fehlern (und widerspricht peer-reviewter Literatur), wie z.B. hier im Blog oder dort dargelegt: http://www.klimafakten.de/klimawissenschaft/zwei-analysen-wie-redlich-ist-vahrenholts-buch-die-kalte-sonne
            Zu 2. Wenn das Problem sich wirklich so darstellt wie der wissenschaftliche Stand dazu ist (plus, die mir bekannte ökonomischen Literatur hierzu behauptet CO2-Mitigation wäre vergleichsweise billig), stellt sich die Frage wie wir die Sache politisch angehen. Einen globalen Konsens zu erreichen ist mit Sicherheit nicht leicht, aber auch nicht unmöglich (ab und zu waren sich die UN und der Sicherheitsrat ja auch schon einig). Da CO2 langzeitlich wirkt, gehört Deutschland historisch pro Kopf betrachtet zu den Haupt-„Klimasündern“. Wer, wenn nicht wir, sollte also mit Maßnahmen anfangen?

    • Hallo Herr Bothe,
      genau, machen WIR weiter so und retten die Welt. Guter Ansatz!

      Es geht nämlich um eine Vorbildfunktion. Die ganze Welt schaut auf Deutschland und unsere Energiewende. Wenn man sich regelmäßig anschaut, was auf anderen Kontinenten so los ist, weiß man Das. Und weil die Energiewende bei uns auf einem guten Weg ist, fangen andere Staaten nun an und kopieren unsere umweltpolitischen Ansätze. China beispielsweise legt gerade ein Cap & Trade-Programm auf, welches enorm ist.

      Sie weisen zu Recht darauf hin, dass das Handeln der Einzelnen, egal ob Person oder Staat, kaum statistische Auswirkungen hat. Und? Einer muss anfangen, dann kommen Weitere dazu. Irgendwann haben wir statistisch messbare Auswirkungen. So läuft Das immer.

      Noch ein Wort zur Klimasensitivität: Nach Charney 3°C, nach Hansen 6°C und nach Wasdell 8°C. Da werden wir noch etwas warten müssen, bis da Klarheit herrscht. Die Forschungen hierzu sind laut Peter Wadhams auf einem guten Weg. Aber egal wie die Klimasensitivität ist, der Haupt-Schuldige für das globale Aufheizen ist das von Menschen in die Atmosphäre gebrachte CO2 aus fossilen Quellen. Je mehr CO2, desto höher die Temperatur. Je höher die Temperatur, desto größer und schneller die Eisschmelze, desto mehr Stürme, Dürren und Hungersnöte, desto weniger verfügbare Grundwasserleiter und – auch klar – desto mehr Kriege, die ihre Ursachen in einem Konglomerat aus verschiedensten klimarelevanten Ereignissen haben.

      Wir sollten uns bei den Deppen vom VW-Konzern bedanken für die wundervolle Einsicht in das Denken international ausgerichteter Manager. Die Diesel-Diskussion wird die globale Energie-Debatte befeuern.

      Herr Rahmstorf hat ein paar Vorschläge gemacht um CO2 einzusparen. Andere habe andere Vorschläge gemacht. Da kann sich jeder etwas aussuchen. Keiner muss Alles machen. Was zählt ist, dass in der Summe aller Einsparungen etwas positives herauskommt. Also Herr Bothe, ziehen wir los und retten mit unseren kleinen Schritten die Welt.

      • Herr Arens,
        Sie schreiben, dass die Energiewende bei uns (in Deutschland) auf einem guten Weg ist. Könnten Sie das bitte näher erläutern?
        Meines Wissens ist die deutsche Energiewende alles andere als auf einem guten Weg, sondern eher das Gegenteil ist der Fall. Wir haben gut 80 GW Wind und PV installiert und können davon manchmal tagelang nur einige wenige % dieser Leistung nutzen. Wo dann der Strom her kommt, ist bekannt: aus Kohle & Co.
        Nichts wäre mir lieber, als diese gigantische Buddelei nach Braunkohle zu beenden bzw. diese nicht gerade zur Erzeugung von Strom zu verbrennen. Leider haben wir keinerlei Speichertechnologie, um Strom in nennenswerten Mengen speichern zu können.

        Dann schreiben Sie: „je mehr CO2, desto höher die Temperatur“. Das ist bislang eine unbewiesene Theorie. Die Klimageschichte der Erde weißt zumindest ziemlich deutlich darauf hin, dass diese Theorie eher falsch ist und das CO2 nur eine unbedeutende Rolle als Antriebsfaktor beim Klimawandel spielt. Wie z.B. wurde aus der mittelalterlichen Warmzeit die Kleine Eiszeit? Hanibal hat seine Elefanten vor 2.000 Jahren über nahezu gletscherfreie Alpen geführt. Die Gletscher der Alpen waren zu der Zeit kleiner als heute! Und schaut man sich den Verlauf der globalen Temperaturen der vergangenen 10.000 Jahre an und legt darüber die CO2-Kurve, bleibt offensichtlich nichts mehr übrig von dem oben behauptetem Zusammenhang. An dieser Kurve ist bis heute nichts Ungewöhnliches.
        Schmelzende Gletscher sind ein Zeichen höherer Temperaturen. Diese Erscheinung besagt aber nichts über die Ursache.
        Und weder Stürme noch Dürren haben in den letzten Jahrzehnten global zugenommen; eher das Gegenteil ist der Fall, wenn man z.B. die Stärke und Zahl der Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten in Mittelamerika betrachtet.

        VG

        • „Je mehr CO2, desto höher die Temperatur“ – wenn das nicht bewiesen ist (solange kein sehr seltenes unerwartetes Ereignis eintritt wie massive Vulkanausbrüche), dann kann man gar nichts beweisen. Würden Sie auch dem widersprechen, dass Ihr Kochtopf schneller warm wird, wenn Sie den Herdplattenheizstrom erhöhen? Stichworte zum Nachrecherchieren: Höhe des natürlichen Treibhauseffektes (~33 K bei 280 ppm), Treibhauseffekte auf Venus und Mars, Unsicherheit der Treibhauswirkung von CO2 ohne Rückkopplungen (diese Unsicherheit ist nämlich klein), Klimasensitivität (Delta T ist streng monoton abhängig von der Konzentration), Sättigung der Treibhausgaswirkung

          P.S.: Nach der Wissenschaftslehre (einem Gebiet der logischen Philosophie das sich mit der Funktionsweise von Wissenschaft befasst) gibt es keine unbewiesenen Theorien, da Theorien per definitionem den am höchsten bewiesenen Status darstellen, der in der Wissenschaft möglich ist (vgl. Evolutionstheorie, Newtonsche Theorie, Relativitätstheorie, Urknalltheorie). Was Sie meinen, nennt man Spekulation oder Hypothese – wobei Hypothesen im wissenschaftlichen Sinn inneren und äußeren Konsistenzanforderungen genügen müssen, also deutlich mehr sind als wilde Spekulation.

        • Lieber Herr Bothe, jetzt gehen Sie halt mal bei Wikipedia auf „Joseph Fourier“ (das ist der Begründer der mathematischen Physik), „John Tyndall“ (einer der bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts) und „Svante Arrhenius“ (dritter Nobelpreisträger für Chemie). Auf der Mikro-Ebene naturwissenschaftlicher Gesetze sind die Zusammenhänge seit hunderten von Jahren ganz eindeutig bewiesen.

          Oder kaufen Sie sich eine guten Schüler-Chemie-Experimentierkasten, da können Sie diverse Erkenntnisse dann ganz individuell nachvollziehen.

          Auf der Makroebene benötigen Sie immer ein Erdsystemmodell. Sie betreiben „measurement without theory“, da kann überhaupt nichts Sinvolles dabei herauskommen.

          Mit wenigen Mausklicks und der Aufnahme seriöser Informationen werden Sie schnell feststellen, dass die Fachwissenschaft zu den meisten Ihrer Hypothesen eine etwas diffizilere Sichtweise entwickelt hat.

        • “ Die Klimageschichte der Erde weißt zumindest ziemlich deutlich darauf hin, dass diese Theorie eher falsch ist und das CO2 nur eine unbedeutende Rolle als Antriebsfaktor beim Klimawandel spielt.“

          Meinungen wie diese werden merkwürdigerweise sehr häufig von Menschen geäußert, die weder mit der Klimatologie noch mit der Physik oder der Erdgeschichte besonders engen Kontakt pflegen. Stichwort „Erdgeschichte“: Diese umfasst viel mehr als die vergleichsweise mickrigen 11.700 Jahre, die das Holozän bis dato gedauert hat. In dieser Zeit bewegten sich die globalen Temperaturen bis in das 20. Jahrhundert hinein in einem stabilen und sehr schmalen Korridor, wobei es immer wieder zu regionalen „Ausreißern“ kam. Insgesamt jedoch sanken die Temperaturen im globalen Mittel seit dem Holozänen Klimaoptimum vor rund 8000 Jahren – bedingt durch die natürliche Abkühlungstendenz der Milankovic-Zyklen – um durchschnittlich ca. 0,1 °C pro Jahrtausend. Diese Tendenz wurde durch die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen abrupt beendet, hat sich in der Folge bereits umgekehrt und wird sich in der Zukunft signifkant verstärken..

          Wer diese Entwicklung in Zweifel zieht, für den hält die Erdgeschichte einige Überraschungen bereit, darunter die unbestreitbare Tatsache, dass Treibhausgase (vor allem Kohlenstoffdioxid und Methan) seit Hunderten von Jahrmillionen ein wesentlicher Faktor des irdischen Klimageschehens waren und immer noch sind. Ziemlich deutlich und umfassend ist das hier dargestellt:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4oklimatologie#cite_ref-175

          Darüber hinaus ist auch ein Blick auf die Entwicklung der Klimatologie hilf- und lehrreich. Denn was Sie in Ihrem Kommentar in Zweifel ziehen, ist zum Teil bereits seit mehr als 100 Jahren gesichertes physikalisches Wissen.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsgeschichte_des_Klimawandels

          • Gerade die Daten aus der Klimageschichte werden ja genutzt, um die Empfindlichkeit des Klimas gegenüber CO2 festzustellen. Es kommt dabei schlicht das Gegenteil von dem heraus, was Herr Bothe behauptet hat: die Klimasensitivität beträgt nach der Erfahrung der Erdgeschicht um die 3 °C, völlig konsistent mit dem, was auch die Klimamodelle ergeben. Ein Übersichtsartikel zu diesen Resultaten ist 2012 in Nature erschienen, siehe dazu das Videointerview mit Andrey Ganopolski, einem der Autoren: https://www.pik-potsdam.de/research/earth-system-analysis/news-rd1/video-andrey-ganopolski-climate-sensitivity-what-is-it-and-why-is-it-important-to-know

          • Herr Koehrer,
            „Meinungen wie diese werden merkwürdigerweise sehr häufig von Menschen geäußert, die weder mit der Klimatologie noch mit der Physik oder der Erdgeschichte besonders engen Kontakt pflegen.“ Okay, ich bin sicher kein Experte in diesen Dingen, aber würden Sie dies auch den beiden Autoren des Buches „Klimafakten“ Ulrich Berner und Hansjörg Streif so ins Gesicht schleudern, oder Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning zu deren Buch „Die kalte Sonne“?
            Und ich darf Ihnen versichern, dass ich als Ingenieur mit der Physik keineswegs auf Kriegsfuß stehe. 🙂

            Und dazu: „seit dem Holozänen Klimaoptimum vor rund 8000 Jahren – bedingt durch die natürliche Abkühlungstendenz der Milankovic-Zyklen – um durchschnittlich ca. 0,1 °C pro Jahrtausend. Diese Tendenz wurde durch die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen abrupt beendet“ ganz kurz: wenn ich richtig informiert bin, lagen die Temperaturen im mittelalterlichen Klimaoptimum etwa in der Größenordnung von heute. Und auch die An- bzw. Abstiege zeigen bis einschl. heute keine markanten Auffälligkeiten.
            Oder beziehen Sie sich etwa auf die angeblich manipulierte Hockeystick-Kurve von Michael Mann?
            VG

          • @Frank Bothe:

            Meine Aussagen zur Klimaentwicklung des Holozäns basieren auf aktueller Fachliteratur, zum Beispiel Marcott et al. 2013. Auch was andere paläoklimatologische Aspekte betrifft, sind für mich ausschließlich fachbegutachtete Studien relevant.

            Fritz Vahrenholt & Co als Referenz heranzuziehen, halte ich für ein etwas gewagtes Unterfangen. Die Anzahl fahrlässiger Fehler und falscher Angaben bewegt sich in „Die kalte Sonne“ nachgewiesenermaßen im dreistelligen Bereich. Darüber hinaus hat Vahrenholt die völlig faktenbefreite Aussage getätigt, dass Grönland im Mittelalter weitgehend eisfrei gewesen sei.

            Dahinter steckt die Bemühung, das nordhemisphärische Mittelalterliche Klimaoptimum so überhöht darzustellen, dass die gegenwärtige Erwärmung dadurch relativiert wird.

          • Lieber Herr Bothe,

            auch ich bin Ingenieur und muß bescheiden anmerken: Ich sehe uns Ingenieure lediglich als „Handwerker“, als Anwender der Physik. Physik ist für uns ein Handwerkszeug, ohne dass wir dabei groß ins Detail, in die Tiefe gehen.
            Mehr ist in der Regel einfach nicht unser Bier. Das erreicht dann schnell eine derartige Komplexität, für die uns schlichtweg die Ausbildung fehlt.

    • Auch für Ihre energiepolitischen Ausführungen gilt mein Kommentar weiter oben vom 10. September 2015. Offensichtlich wird meine Auffassung zumindest von d e n Leuten bestätigt, die in Deutschland im Energiesektor eine berufliche Ebene erreicht haben, wo mit entsprechender Verantwortung verbundene echte strategische Entscheidungen zu treffen sind.

      Die Sichtweise des Herrn Marc Dünninghaus vom 23. September 2015, insbesondere seine Punkte 3. und 4., kann ich übrigens durch eigene Erfahrungen voll bestätigen. Machen Sie es auch so! Dann sollten die paar Cent wegen der EEG-Umlage kein großes Problem mehr für Ihren Geldbeutel darstellen.

      Interessieren würde mich, wie der von Ihnen eingeforderte Beweis bzgl. der Wirkungen einer CO2-Verdopplung aussehen sollte? Selbst wenn wir uns jetzt dafür mal schnell (vielleicht durch ein „Wurmloch“, wie Jodie Foster in „Contact“?) 50 Jahre in die Zukunft beamen könnten (um dann die globale Durchschnittstemperatur und das CO2 zu messen), kann ich mir ein solches Beweisprozedere in einem interdependenten komplexen Teilsysteme-Erdsystem immer noch schwer vorstellen.

      Und die jetzige Beweis-(oder Indizien?)-Arbeit der Klimatologen akzeptieren Sie ja nicht, sonst würden Ihr sinnreicher (?) Beitrag ja überhaupt keinen Sinn mehr ergeben.

      • Herr Bucher,
        die Berechnung der Wirkung der beabsichtigten CO2-Einsparungen Deutschlands ist einfacher als man glauben könnte. Trotzdem kann ich die vollständige Berechnung hier jetzt nicht vorstellen. Aber wir gehen dabei wie folgt vor: Der menschliche Anteil am globalen CO2-Kreislauf beträgt ca. 4%. Deutschland hat davon etwa 2,5% Anteil. Das IPCC geht von ca. 3°C Temperatursteigerung bei Verdopplung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre aus (was keineswegs bewiesen, sondern eine Vermutung ist). Jetzt nehmen wir die beabsichtigte CO2-Reduzierung Deutschlands bis zum Jahr 2020 (x Gigatonnen, genaue Zahl habe ich jetzt nicht parat) und rechnen durch. Dann kommen wir auf etwa 1/1000 °C Absenkung. Sollte die CO2-Sensitivität nicht bei 3°C, sondern z.B. bei 6°C liegen, kämen wir auf 2/1000 °C. Weder der erste noch der zweite Wert werden spür- oder messbar sein, uns aber Hunderte Milliarden Euro kosten, d.h. unsere Volkswirtschaft schwächen.

        VG

          • Herr Rahmstorf,
            ich habe den Zusammenhang zwischen meinen Anmerkungen zum Einfluss Deutschlands auf die globale Temperaturkurve durch Einsparung von CO2 und der Teilnahme an Wahlen schon weiter oben nicht verstanden. Ja, ich gehe wählen. Und jetzt?
            VG

          • Sie wählen vermutlich weil Sie wissen, dass zwar noch nie eine einzelne Stimme eine Wahl entschieden hat, dass Demokratie aber nur funktionieren kann, wenn möglichst viele Bürger ihrer individuellen Verantwortung gerecht werden und sich beteiligen. Genauso ist es beim Klimaschutz auch, auch wenn die Temperaturminderung, die ich persönlich mit meinem Einsatz bringen kann, sicher weniger als ein Millionstel Grad beträgt.

          • Bei politischen Wahlen entscheiden oft wenige Stimmen über den Einzug ins Parlament oder gegenüber den Mitbewerbern. Das ist der ganz große Unterschied!

          • Es ist mir fast schon peinlich, aber auch zum sog. „Paradox des Wählens“ haben Ökonomen tiefsinnige Forschungen geleistet, wir sind halt eine „imperialistische Wissenschaft.“ Das Problem ist Bestandteil der sog. „Ökonomischen Theorie der Demokratie“, zu der u.a. Anthony Downs bedeutende Beiträge geleistet hat (bitte, bitte, man muss, um durchzublicken, unbedingt zwischen „Ökonomie“ und „Ökonomik“ unterscheiden!).

            Nicht ganz undenkbar, dass Downs nächste Woche den „Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel“ erhält.

            Einen Nobelpreis für Wirtschaft gibt es eigentlich nicht (wurde hier auch von Herrn Rahmstorf schon falsch dargestellt). Mir wäre es lieber gewesen, die Banker hätten einen Preis für grundlegende und angewandte Systemforschung gestiftet, dann hätte man bedeutende Ökonomen immer noch berücksichtigen können, aber auch ein Wissenschaftler wie Edward O. Wilson könnte seinen verdienten „Nobelpreis“ bekommen, so wie andere Biologen oder auch Klimaforscher oder Geologen oder Historiker oder Mathematiker …….

            Das muss jetzt auch mal gesagt worden sein!

        • Der menschliche Anteil am derzeitigen Wachstum des CO2-Anteils der Atmosphäre beträgt aber recht genau 100%, da die natürliche Bilanz in der geologisch jüngsten Vergangenheit ausgeglichen ist. Der Umsatz im CO2-Kreislauf ist für das Wachstum nicht von Bedeutung, solange wir die Exzess-CO2-Quelle sind und der Kreislauf keinen Netto-Zugewinn mit sich bringt. Demnach wären wir dann doch bei 0,075 K Anteil Deutschlands bei Verdopplung. Wenn wir unseren Anteil am Ausstoß verringern bzw. Schwellenländer den ihren erhöhen, dann weniger.

        • Herr Bothe, ich würde jetzt zunächst gerne von Ihnen wissen, wie Sie sich den mehrfach eingeforderten „Beweis“ vorstellen. Auch ganz generell: Wie kann ich in einem komplexen Systemzusammenhang beweisen, dass in der Zukunft ein Ereignis stattfinden wird, bzw. es einen in der Gegenwart angelegten Prozess gibt, der sicher zu einem diversen Endzustand führt.

          Können Sie übrigens mal ganz kurz beweisen, dass nächsten Montag die Sonne aufgehen wird?

          Sie haben noch nicht einmal ansatzweise verstanden, wie der Treibhauseffekt funktioniert, das beweisen der entlarvende Satz „Der menschliche Anteil am globalen CO2-Kreislauf beträgt ca. 4%“ und die darauf folgenden berechnungsartigen Verrenkungen.

          Klimatologie ist „Erforschung des Komplexen“ im Sinne Ilya Prigogines, mit ganz spezifischen methodologischen Herausforderungen (zum Beispiel ersetzt aus bestimmten Gründen die Simulation die sonst in der Physik üblichen Experimente). Das alles ist etwas kategorial anderes als die Konstruktion einer Pleuelstange oder die Bauplanung eines Einfamilienhauses (der Unterschied zwischen „kompliziert“ und „komplex“ wird Ihnen ja zumindest klar sein).

          Jede Strategie zur Bekämpfung der Erderwärmung wird sich aus vielen einzelnen Maßnahmen und letztlich effizienteren Technologien, Prozessen und veränderten Verhaltensweisen zusammensetzen. Das können, ja müssen Sie bis zu den einzelnen Ländern (natürlich auch Deutschland!), Sektoren, Unternehmen, Haushalten, Produktionsprozessen, Menschen etc. herunterbrechen. Wie sollte das denn sonst sein, das ist doch keinen nennenswerte Erkenntnis, die Sie uns da vorsetzen.

          Als Ökonom sage ich Ihnen, dass die „hunderte Milliarden Euro“ völliger Unsinn sind. Das Gegenteil wird der Fall sein! Ich bin aber gerne bereit, meine Meinung zu revidieren, wenn Sie einen stichhaltigen Begründungszusammenhang für Ihre bloßen Behauptungen liefern.

          Für mich ist das bei Ihnen etwas viel „was keineswegs bewiesen, sondern eine Vermutung ist“, „x Gigatonnen“, „ genaue Zahl habe ich jetzt nicht parat“, „Sollte die CO2-Sensitivität bei ….“, „rechnen durch“, „kommen wir auf“, „sollte, „hätte“, „kämen wir“,„könnte“, „hätte“ usw. usf.

          Hätte, hätte, Fahrradkette!

          Warum können Sie die „vollständige Berechnung hier jetzt nicht vorstellen“, wo doch die Berechnung, nach Ihrer eigenen Darstellung „einfacher ist, als man glauben könnte“?

        • „Aber wir gehen dabei wie folgt vor: Der menschliche Anteil am globalen CO2-Kreislauf beträgt ca. 4%….“
          =============================
          Herr Bothe, der Ansatz ist schon falsch, denn am Kreislauf ist der Mensch zu 0% beteiligt. Er emittiert nur CO2 welches aus sehr langfristigen Senken stammt, und er entnimmt dem Kreislauf auch nichts.

          Relevant für ihre Rechnung ist der Anteil des Menschen am Anstieg.
          Die menschlichen Emissionen sind ca. doppelt so hoch wie der Anstieg des atmosphärischen CO2-Gehaltes.
          MfG Frankfurter

          • @Frankfurter,
            den Satz verstehe ich logisch nicht: „Die menschlichen Emissionen sind ca. doppelt so hoch wie der Anstieg des atmosphärischen CO2-Gehaltes.“
            VG

          • Gemeint ist offenbar die Tatsache, dass der Mensch bislang knapp 600 Gigatonnen Kohlenstoff emittiert hat, die Kohlenstoffmenge in der Atmosphäre in der Folge aber nur um 270 Gigatonnen angestiegen ist (1 ppm Anstieg der CO2-Konzentration entspricht 2,13 Gigatonnen Kohlenstoff). Das zeigt, dass mehr als die Hälfte unserer Emissionen vom natürlichen Erdsystem (Ozean und Landvegetation) aufgenommen worden und nicht mehr in der Atmosphäre ist.

  24. Während wir hier auf dem Klima-Blog über CO2- Einsparungen nachdenken und uns gerade aktuell die gesamte deutsche Autoindustrie um die Ohren zu fliegen droht (Stichwort gefakete CO2- Abgassoftware), geht China im Traumland des Kapitalismus gleich richtig in die Vollen, da wurden und werden ganze Geister-Städte aus dem Boden gestampft, zig Millionen Wohneinheiten, die seit Jahren komplett leerstehen! Da gibt es eine „Italian Town“, eine „German Town“, eine „Manhattan Town“ usw usw und niemand wohnt darin!!“ Und natürlich auch eine komplette Disney World ohne Besucher gibt es in China, die umliegenden, mittellosen Landbewohner nutzen den Freizeitpark als Schrebergarten für ihr Gemüse 🙂 Solche Bilder kann man zB in Spanien oder Italien auch bestaunen, allerdings das, was China da in den Sand gesetzt hat, ist der absolute Oberhammer, dagegen ist die amerikanische Immobilienblase ein Witz! Folgendes Video vermittelt einen kleinen Einblick in das delierende Endstadium des real existierenden Kapitalismus:

    China’s Empty Cities House 64 Million Empty Apartments

    https://www.youtube.com/watch?v=wm7rOKT151Y

    … noch Fragen? Was machen Klimakonferenzen für einen Sinn, wenn überall auf dem Globus in ganz grossem Stil gecheatet und gefaket wird was nur geht ?! Man möge mal all die Ungereimtheiten und Cheats der real existierenden, sog. „freien“ Märkte auf unserem Globus zusammenzählen, also die Hauptursachen (nicht nur) des Klimawandels(!), dann wird man ganz schnell realisieren, wie weit die Karre bereits im Dreck steckt und mit jedem verstreichenden Tag wird die VERANTWORTUNG, die SCHULD den kommenden Generationen gegenüber grösser und grösser^^…….. tick, tick, tick…

    MfG,
    Nemesis

  25. Respekt Herr Rahmstorf, insbesondere für das nicht-Fliegen: Verzicht bedeutet oft Exklusion, in dieser Übergangsphase (die anderen fliegen usw., man selber nicht/selten). Die Klima-Wissenschaftler sind die Überbringer einer unangenehmen Botschaft und werden mehr als der Normalbürger auf Authentizität hin überprüft.

    Allerdings sind einige Dinge davon nur für Leute interessant, die ein Haus besitzen und/oder investieren können. Als Mieter bleibt mir nur der Verzicht: Heizen erst ab 10 Grad Innenraumtemperatur (keine Schimmelgefahr, im Gegenteil, Abstand zum Taupunkt grösser als bei beheizten Räumen): pro Grad unter 20 Grad eine Wollschicht mehr (da ich oben wohne, ist es nur Abwärme und kostet die anderen fast nichts, aber die Rechnung stimmt auch in anderen Konstellationen: Raumwärme ist viel teuerer als direkte Isolation der Körperwärme mit dem Naturmaterial Wolle. Und Stromsparen: wenn ich mein 1-Zi-Appartement mit Bad und Küchenzeile verlasse, ist der Stromverbrauch dort Null (kein Kühlschrank, Internet aus).

    Ansonsten natürlich das Standardprogramm: keine Flüge, kein Auto, möglichst wenig Konsumgüter (da geht immer noch weniger, Work in progress), regionale, saisonale, biologische Lebensmittel, teilweise selber anbauen (Selbsterntegärten der Stadt, natürlich per Fahrrad), kein Fleisch, allgemein wenige tierische Produkte, usw.

    Rechner für ökologischen Fussabdruck und gesunder Menschenverstand und globaler Vergleich lehren mich aber, dass das nicht reicht: viele Dinge (Waschmaschine, Bohrmaschine, ..) müsste ich auch noch teilen, vermutlich sogar Küchen-Infrastruktur und Bad-Infrastruktur (das wäre allerdings für mich ein herber Verzicht, der vermutlich leider noch ansteht): ich weiß nicht, wie ich das Ziel sonst noch erreichen könnte, die niedrig hängenden Früchte sind bereits abgeerntet (bringt viel, reicht aber nicht).

    Reiner CO2-Rechner:
    http://uba.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page/

    Ökologischer Fussabdruck:
    http://www.footprintnetwork.org/en/index.php/GFN/page/calculators

    Erweitern möchte ich die Debatte noch dahingehend, dass es nicht nur um hauptsächlich um CO2 geht, sondern um die allgemeine Belastung des Ökosystems:

    Prof. Hans Peter Dürr 1993 Zukunft S. 161:

    „Wolfram Ziegler hat in einer Studie, in welcher der anthropogene Ausfall biologischer Arten als wichtiger Hinweis für die technisch-zivilisatorische Überbelastung der natürlichen Systeme gewertet wird, die interessante These vertreten, daß der anthropogene und letztlich thermische durchschnittliche Energiefluß pro Zeit- und Flächeneinheit effektiv als Kausal- und Kenngröße für die Umweltbelastung geeignet sei. Für Mitteleuropa kommt er hierbei auf eine maximale Grenzbelastung von 160 ± 20 kW/km2 oder 0,16 ± 0,02 W/m2.

    Es ist interessant, diese ermittelte Grenzbelastung mit der in Deutschland im Mittel am Boden einfallenden Sonnenstrahlung von 116 W/m2 zu vergleichen. Die Grenzbelastung liegt hierzu bei etwa einem Promille.

    Aufschlußreicher erscheint vielleicht ein Vergleich mit dem früher abgeschätzten Mittelwert für die sonnen-induzierte Biomasse von etwa 0,65 W/m2 (also etwa 0,5 % im Vergleich zur am Boden ankommenden Sonnenstrahlung). Dies bedeutet, dass der ökologisch maximal verträgliche kommerzielle Energieumsatz bei etwa einem Fünftel der im Mittel durch Sonnenenergie gebildeten Biomasse liegt. Für den Globus ließe sich daraus eine Grenzbelastung durch anthropogene, technisch aufbereitete Energieumsätze in Höhe von insgesamt 8 TW extrapolieren.“


    In seinem Artikel „Die 1,5 kW-Gesellschaft“ setzt Prof. Dürr obige zieglersche 20% „zulässige“ (Sonnen-) Energie bzw. 8 TW bei (damals) 5,5 Mrd Weltbevölkerung in Relation zu damaligen Konsumzahlen: nachhaltig wäre demnach der Lebensstandard eines Schweizers im Jahre 1969. Heute sind wir schon 7+ Milliarden Menschen und viele leben längst nicht mehr wie die Schweizer in den 50ern und 60ern …

    http://gcn.de/download/D15KW.pdf

  26. @ Jürgen Bucher:
    Herr Bucher, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann, ist wenn man mir Aussagen unterstellt,
    die ich nicht gemacht habe. In Ihrem Kommentar vom 21. September 2015 haben Sie mir und Nemesis vorgeworfen, den Kapaitalismus zu pauschal verdammt zu haben – ich hatte aber in diesem Kommentar nicht meine Meinung zum Kapitalismus zum Ausdruck gebracht sondern Sie wie Nemesis nur nach Ihrer persönlichen Meinung zum Buch von Oliver Janich gefragt. Nemesis hatte mir darauf präzise geantwortet, während Sie wahrscheinlich Wahrnehmungsschwierigkeiten haben und nur aus Kommentaren herauslesen, was Sie hineininterpretiert haben. Dies ist typisch für im Schubladendenken verhaftete Menschen und ein Armutszeugnis für Sie !
    @ Nemesis :
    Ihr sympathischer Schreibstil gefällt mir sehr gut aber bedenken Sie eines : allein aus Gründen des
    Mineraldüngermangels in Zukunft und der durch Stickstoffdünger hervorgerufenen Bodenversauerung (Ammoniumverbidnungen werden durch Mikroorganismen zu Salpetersäure oxidiert und durch den sinkenden pH-Wert werden Aluminiumverbindungen freigesetzt, die die Wurzeln der Pflanzen zerstören) lässt sich eine Ertragssteigerung pro Hektar nicht nur nicht bewerkstelligen sondern die Erträge pro Hektar werden zurückgehen. Die von Ihnen genannte Ungleichverteilung beschleunigt zwar die dadurch bedingten Probleme aber Hauptursache ist die Überbevölkerung. Übrigens entsprechen die von mir bezüglich Mobilität genannten 40 Billionen km dem zweifachen Durchmesser unseres Sonnensystems (!).
    Bezüglich VW stimme ich zwar mit Ihnen in der Beurteilung des Emissionsbetrug überein aber Sie solten wissen, dass nicht Umweltprobleme die amerikanische Umweltbehörde bewogen hat sondern um US-Automobilherstellern zumindest in den USA einen Vorteil zu verschaffen. General Motors brauchte so z.B. vor einigen Jahren wegen eines ähnlichen Vergehens nur10 % der Geldstrafe zahlen, die VW jetzt zahlen muss. Die USA sind zwar unser militärischer Verbündeter aber nicht unser wirtschaftlicher Verbündeter !

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • Sie beide operieren gerne mit dem Begriff „Kapitalismus“, mit dem ich aus methodologischen Gründen nicht viel anfangen kann. In meinen Ausführungen habe ich versucht zu begründen, warum das so ist. Ihre Reaktion, Herr Denzer, halte ich für völlig überzogen.

      Kein ernstzunehmender Klimatologe würde etwa „das Klima“ so überhöhen, dass dieses quasi als eigenständige Entität selbständig zu handeln beginnt und dann vermutlich auch noch Eigenschaften wie „gut, „böse“ oder „hinterhältig“ usw. entwickelt. Bei den Kollektivisten ist so etwas („den Charakter und die Bewegungsgesetze des Kapitalismus erkennen“) jedoch gang und gäbe – mit (auch historisch gesehen) sehr zweifelhaften Resultaten!

      Eucken schreibt dazu zum Beispiel in seinen „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“: „`Kapitalismus` … usw. werden wie riesenhafte Personen oder Geister angesehen, die alles gesellschaftliche Leben lenken und von denen jeder einzelne abhängt.“

      Wirtschaftliche Analyse, die auf dem methodologischen Individualismus basiert, ist intellektuell sehr aufwendig und nicht einfach. Oft widersprechen die Ergebnisse einem idealisierten Menschenbild, denken Sie nur an die bahnbrechenden Forschungen eines Gary S. Becker (er ist übrigens weltweit der meistzitierte Ökonom).

      Nach Douglas C. North hat „Ideologie“ sehr viel auch damit zu tun, dass man dadurch Informationskosten einsparen will. Unpräzise und metaphernartige Begriffe sowie darauf aufbauende zweifelhafte Kausalrelationen sind ein zentraler Bestandteil solcher Ideologien.

      Wir verdanken Walter Eucken eine der besten Wirtschaftsordnungen der Welt – vielleicht hat die Tatsache, dass wir in der Klimaforschung und klimapolitisch führend sind, ja auch etwas damit zu tun (?). Zentrale Probleme waren für Eucken die Begrenzung wirtschaftlicher Macht und die Durchsetzung des Verursacherprinzips. Seine zentrale Forderung – „Wer den Nutzen hat, muß auch den Schaden tragen“ – sollte das Leitbild jeder vernünftigen Umweltpolitik sein!

      Umweltschützer sollten diesen Mann und sein Denken mehr und besser zur Kenntnis nehmen. Selbstverständlich würde Walter Eucken, lebte er noch, heute im Lager der engagierten Klimaschützer zu finden sein!

    • @Herr Denzer, zu Ihrem Beitrag: „allein aus Gründen des
      Mineraldüngermangels in Zukunft und der durch Stickstoffdünger hervorgerufenen Bodenversauerung (Ammoniumverbidnungen werden durch Mikroorganismen zu Salpetersäure oxidiert und durch den sinkenden pH-Wert werden Aluminiumverbindungen freigesetzt, die die Wurzeln der Pflanzen zerstören) lässt sich eine Ertragssteigerung pro Hektar nicht nur nicht bewerkstelligen sondern die Erträge pro Hektar werden zurückgehen. Die von Ihnen genannte Ungleichverteilung beschleunigt zwar die dadurch bedingten Probleme aber Hauptursache ist die Überbevölkerung.“

      Hier und da steckt in diesen Aussagen sicher etwas Wahrheit, aber diese Warnung vor der drohenden Überbevölkerung geistert schon seit Robert Malthus herum und wurde vom Club Of Rome in „Die Grenzen des Wachstums“ Anfang der 1970er Jahre gepflegt. Bislang haben sich die dort aufgestellten Thesen (nicht nur zu diesem Thema) praktisch in Luft aufgelöst.
      Ich finde diesbezüglich haben wir (Deutsche) mit einer Bevölkerungsdichte von ca. 225 Einwohner pro m² nicht mal ansatzweise das Recht, Maßnahmen gegen die vermeintliche Überbevölkerung in den Schwellen- oder Entwicklungsländern zu fordern.
      Wir haben allerdings die verdammte Pflicht, anderen weit weniger entwickelten Nationen und damit den Menschen dort die Voraussetzungen zu ermöglichen oder zu geben, günstig (d.h. preiswert und überall verfügbar) an Energie und sauberes Wasser zu kommen.

      VG

      • Lieber Herr Bothe, die „Grenzen des Wachstums“ 1972 waren eine Pionierstudie, da ging es vor allem auch um eine erste Anwendung der „System Dynamics“. Jegliche spätere fundierte Kritik an der Studie – ich nenne nur mal die unterschätzte Rolle des technischen Fortschritts – wurde von den Autoren damals bereits vorweggenommen und erwähnt. Was haben Sie eigentlich für eine Erwartungshaltung?

        1992 sind zum Beispiel von Donella und Dennis Meadows „Die neuen Grenzen des Wachstums“ erschienen, mit erheblich verbesserten Modellen (ich glaube, dass es mittlerweile auch eine dritte, vielleicht sogar vierte Studie gibt). Vielleicht können Sie kurz eine – allerdings durch Argumente begründete – Kritik an dieser letzten Studie schreiben, so dass wir alle darüber informiert sind.

        Heutige Atomenergie wird von Ihnen vermutlich auch nicht nach dem Leistungsstand von Chicago Pile No. 1 im Jahre 1942 beurteilt? Warum machen Sie das dann beim grandiosen Bericht des Club of Rome so?

        Chicago war damals übrigens bereits Bestandteil des „Manhattan Project“. Drei Studenten standen mit einem Kadmiumsalzwassereimer über dem Reaktor, um diese erste von Menschen ausgelöste atomare Kettenreaktion im Falle eines Falles eventuell noch stoppen zu können. Enrico Fermi steuerte das Ganze mit seinem Superhirn, einem Rechenschieber und einer in den Haufen aus natürlichem Uran-238 und viel Kohlenstoff hineingeschobenen Cadmiumstange.

        Tschernobyl 1986 war übrigens auch ein „Fermi-Reaktor“ (d.h. graphitmoderiert). Leider stand damals kein Physik-Genie mehr am Steuerpult, sondern sich selbst überschätzende Ingenieure.

        Über die verheerende Wirkung des Graphitbrands sind Sie ja sicher informiert. Den wenigen Leuten in Chicago, die auch technikhistorisch durchblicken, muss nachträglich ganz schön heiss geworden sein!

        • Ich muss meine Physik-Folklore selber etwas berichtigen und ergänzen:

          Das mit dem Rechenschieber ist meines Wissens historisch nicht belegt, weil Fermi aber eigentlich immer mit diesem Gerät herumgemacht hat, denke ich, dass das auch bei Chicago Pile No. 1 so gewesen sein muss.

          Die Kettenreaktion lief natürlich, ausgelöst durch die thermischen Neutronen, über das in natürlichem Uran minimal enthaltene U-235. Das U-238 hat viele mittelschnelle Neutronen absorbiert, wurde zu U-239, durch Betazerfall zu Neptunium 239, dann wieder durch Betazerfall zu Plutonium. Es handelte sich also um einen Brutreaktor! Man wollte letztlich erforschen, wie Material für die beiden Plutoniumbomben erzeugt werden kann.

          Das erste Atomkraftwerk mit dem Ziele der Energieerzeugung war, glaube ich, Obninsk in der Sowjetunion.

  27. Zum Strombezug: billigen Ökostrom gibt es nicht, weil das ein Widerspruch in sich wäre. Ökostrom muss einen ordentlichen Anteil für Neubau von regenerativen Stromkonvertern bezahlen.
    Allgemein gilt: Nicht verbrauchen ist besser als ökologisch beziehen. Also dämmen bis zur Schmerzgrenze. LED-Lampen. Den Router nachts vom Netz nehmen und solche Dinge.
    Waschmaschine: Gut, den Strom für den Motor vom Solardach zu holen. Ich glaube, dass aber die Wärme für die Erhitzung des Wassers besser von der Warmwasserversorgung kommen sollte, die natürlich am Besten ebenfalls vom Solardach kommt. Warum? Weil bei vergleichbaren Installationskosten (ist das so? Man korrigiere mich, wenn ich irre.) der Sonnenkollektor 6-700 W/m² rausholt, das Solarpanel aber nur 150 – 200. D.h. generell: keine Wärme aus Strom machen.
    Wärmepumpe: ähnliche Argumentation. Stromgetriebene Wärmepumpe erhöht bei unserer momentanen Struktur die fossile Stromgewinnung, was von den Gewinnen durch die Untergrundwärme abgezogen werden muss. Entropisch besser: gasmotorgetriebene Wärmepumpe.
    Na ja und dann wäre natürlich eine wirksame Reform des Emissionszertifikatesystems gut, d.h. Einbeziehung des gesamten Verbrauchs und Streichung des Zertifikateüberhangs, sowie der zweifelhaften Zertifikatimporte. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

  28. Sehr geehrter Dr. Denzer,

    Bezüglich VW stimme ich zwar mit Ihnen in der Beurteilung des Emissionsbetrug überein aber Sie solten wissen, dass nicht Umweltprobleme die amerikanische Umweltbehörde bewogen hat sondern um US-Automobilherstellern zumindest in den USA einen Vorteil zu verschaffen. General Motors brauchte so z.B. vor einigen Jahren wegen eines ähnlichen Vergehens nur10 % der Geldstrafe zahlen, die VW jetzt zahlen muss. Die USA sind zwar unser militärischer Verbündeter aber nicht unser wirtschaftlicher Verbündeter !

    Natürlich sind auch die Amerikaner ganz sicher keine Umweltapostel 🙂 Allerdings sind die Amerikaner dennoch sehr wohl unsere wirtschaftlichen Verbündeten (denken Sie zB an das sog. deutsche Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg oder an die geheimen Verhandlungen hinsichtlich TTIP), wirtschaftliche und militärische Interessen sind extrem eng miteinander verknüpft, das liegt doch wohl auf der Hand. Ich bin wirklich mal ausserordentlich gespannt, ob es den multinationalen Konzernen gelingen wird, maximalen pekuniären Profit mit vernünftiger Ökologie zu verbinden- ich wage das doch arg zu bezweifeln 🙂

    Im Übrigen:

    Die sog. „Überbevölkerung“ ist ein neoliberaler Mythos, hinter dem die Intention steckt, die horrende globale Ungleichverteilung um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Wussten Sie, dass weltweit eine Milliarde Menschen hungern, während allein in Deutschland jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen?! Allein das Essen, das jährlich in Europa weggeworfen wird, würde ausreichen, um den Welthunger zweimal zu beseitigen! Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass gewisse Interessengruppen die neoliberale Propaganda der sog. „Überbevölkerung“ verbreiten, aber gleichzeitig die knallharten, perfiden und hinreichend bekannten Fakten unter den Tisch fallen lassen! Nähere Informationen bietet zB folgende Dokumentation:

    „Taste the waste“

    https://www.youtube.com/watch?v=4wM5i3_knSQ

    Zur horrenden globalen Ungleichheit siehe zB:

    „Vermögen weltweit. Globale Ungleichheit in Zahlen“

    http://youtube.com/watch?v=IigtJDiHI_k

    Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr, als die restlichen 99%! Während eine globale Minderheit gemästet wird (permanent steigende, höchst ungesunde Fettleibigkeit in den reichen Ländern!), müssen anderswo Menschen hungern. Im Übrigen sinken derzeit die globalen Geburtenraten, siehe zB:

    Derzeit sinken die Geburtenraten in den meisten Ländern der Welt. Im Durchschnitt bekommt eine Frau noch 2,5 Kinder (2,1 Kinder wären nötig, um die Weltbevölkerung konstant zu halten; ein höherer Wert bedeutet Wachstum der Weltbevölkerung). Zwischen 1970 und 2013 ging die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Asien von 5,4 auf 2,2 und in Lateinamerika von 5,3 auf 2,2 Kinder zurück.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberbev%C3%B6lkerung

    Siehe auch folgendes Interview mit Jean Ziegler:

    “ Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 57000 Menschen sterben pro Tag an Hunger. Eine Milliarde Menschen sind permanent schwerst unterernährt. Und das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Der World Food Report der UNO sagt, das die Weltlandwirtschaft heute problemlos 12 Milliarden Menschen, also fast das Doppelte der Weltbevölkerung, ernähren könnte…

    https://m.bpb.de/dialog/145727/wir-lassen-sie-verhungern-interview-mit-jean-ziegler

    Jean Ziegler hat ganz Recht, wenn er sagt, dass jedes Kind, das heute auf unserem Planeten verhungert, ermordet wird und er bezeichnet ganz zu Recht die globale Weltordnung als kannibalistisch.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Nemesis

    • Vielleicht zwei kurze Anmerkungen zum Nachdenken:

      Es sind nicht „die Konzerne“ gewesen, die in Deutschland die oben erwähnten 20 Millionen Tonnen Lebensmittel frevelhaft verschwendet und weggeworfen haben, sondern frei handelnde Bürger.

      Soeben ist ja der „Kirchentag der Autosekte“ (IAA) zuende gegangen. Und trotz bester Informationsmöglichkeiten über den Treibhauseffekt, die externen Kosten des Straßenverkehrs usw. haben wieder hunderttausende Erwachsene wie kleine Kinder ihre Nasen an den Windschutzscheiben plattgedrückt.

      Menschliches Verhalten ist ein Resultat der Evolution mit vielen problematischen Aspekten!

      Gruß
      J.B.

      • Auch Konzerne werden von einzelnen Menschen gesteuert, einzelne Menschen entscheiden, wie sie sich verhalten und jene Entscheidungen sind so vielfältig, wie Menschen nunmal sind. Wer auch immer langfristig auf das eigene Wohl aus ist, der sollte schlicht gewisse Fakten niemals aus dem Auge verlieren. Das Problem ist, dass in einer Profit- und Konsumgesellschaft langfristige Auswirkungen des eigenen Handelns zugunsten kurzfristiger Vorteile ignoriert, verdrängt werden. Wenn dann irgendwann der Bumerang kommt, ist das Geschrei meist gross und die Taten neigen dann dazu, noch irrationaler zu werden. Die Evolution, die Natur hingegen macht eigentlich eher genau das Gegenteil, sie verfährt extrem rational, wenn es um das eigene langfristige Überleben geht- allein dem einzelnen Menschen ist es gegeben, die Naturgesetze, die Wirklichkeit zu ignorieren, keine andere Spezies kann das, Pflanzen und Tiere würden nie auf die Idee kommen, zugunsten reinen, kurzfristigen Vergnügens das eigene Überleben aus dem Auge zu verlieren. Nur der Mensch kann sich willentlich und zu seinen eigenen Ungunsten entscheiden, gegen die Gesetze der natürlichen Evolution und Selektion zu agieren, allerdings hat dieser „Spass“ langfristig äusserst unangenehme Folgen.

        Was die Sekte der der Autofahrer und ihr Vater-Unser der „freien Fahrt für freie Büger“ betrifft, da kann man sehr genau ablesen, wie die psychologische Verfassung des Otto Normalverbraucher beschaffen ist:

        „Freiheit“, ausgelebt in einem 1.5 Tonnen Vehikel, das letztlich mit arabischem Blut angetrieben wird, Freiheit auf der genormten Betonpiste, schön eingereiht in die Herde all der anderen freien Bürger, motorisierte Gleichförmigkeit, der Körper bewegt sich nicht mehr selbst, er wird bewegt und schwimmt gleichförmig mit der Masse der Autoherde dem american dream von Freiheit und Abenteuer entgegen, irgendo muss sie doch sein, die bessere, die teuer erkaufte Lyfestyle- Freiheit, wer die meisten PS hat, kommt zuerst ins Paradies 🙂 … hullygully, eine schöne, eine tolle Fahrt auf dem Kinderkarussel blecherner Träume…

        Die schwebend-rollende Reise wird vermutlich am Ende um einiges angenehmer gewesen sein, als das Ankommen am Ziel der Träume und Phantasien, VWeh ist überall 😎

        MfG,
        Nemesis

        • Ganz so einfach ist das alles nicht: Wir Menschen überschätzen zum Beispiel systematisch den Einfluss einzelner Personen in Entscheidungsprozessen. Man nennt das, glaube ich, einen „fundamentalen Attributionsfehler.“ Der Einfluss von Umfeldfaktoren oder organisatorischen Kulturen wird unterschätzt.

          Herbert A. Simon zum Beispiel hat bahnbrechende Arbeiten über „organizational behaviour“ geleistet.

          Auch Ihre Darstellung von Natur/Evolution scheint mir etwas problematisch. Das Buch von Wolfgang Wickler und Uta Seibt „Das Prinzip Eigennutz – Zur Evolution sozialen Verhaltens“ arbeitet die grundlegenden Zusammenhänge (etwa die methodische Bedeutung der Spieltheorie) vorbildlich heraus. Bernhard Verbeek hat ein Buch über „Die Anthropologie der Umweltzerstörung“ geschrieben.

          Das SPIEGEL-Gespräch mit Edward O. Wilson „Wir sind ein Schlamassel“ kann man leicht googeln.

          Aus den biologischen Themen bin ich jedoch ziemlich raus (es muss ja auch Leute geben, die sich mit „latenten Steuern“ auskennen!), neuere Forschungen kenne ich nicht. Vielleicht kann jemand weiterführende, naturwissenschaftlich fundierte Lektüretipps geben (?).

          Hat das alles was mit Klimaforschung zu tun? Mit Klimapolitik ganz sicher! Der Mensch ist aus dem Eigennutz heraus zu Selbstverpflichtungen in der Lage (Klimaverträge, Paris), das ist eine wichtige Erkenntnis – und Hoffnung.

          Ich fürchte jedoch, dass auch dieses Themengebiet wieder zu inhärenter Komplexität tendiert!

  29. Hallo Herr Bucher,
    Ihr letzter Kommentar vom 29. September 2015 ist noch mehr an der Realität vorbei als derjenige,
    auf den ich in meinem letzten Kommentar eingegangen war. Ich hatte in mehreren Emails zum Ausdruck gebracht, dass ich ein Befürworter der sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard bin aber die in Neudeutsch als „Neokapitalismus“ bezeichnete Variante des sogenannten freien Kapitalismus ablehne, weil sie gerade in Anbetracht der jetzigen Überbevölkerung sozial wie ökologisch katastrophale Auswirkungen hat und vor allem noch haben wird. Jean Ziegler hatte dies sehr gut beschrieben und obwohl ich ihm in manchen Dingen persönlich vehement widersprochen habe, schätze ich ihn dafür sehr ! Sollten Sie in Zukunft nochmals in Ihrem Schubladendenken mir Aussagen unterstellen, die ich nicht gemacht habe, können Sie sich auf eine Verleumdungsklage gefasst machen, die sich gewaschen hat !!!

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

  30. Ich möchte noch mal auf das Eingangsstatement zurück kommen, Herr Rahmstorf.
    Frage: Wie kommen Sie auf diese Aussage: „Wer sich ein wenig mit der globalen Erwärmung auskennt, der weiß: sie lässt sich nur stoppen, wenn wir möglichst rasch aus der Nutzung fossiler Energien aussteigen.“?
    Ich halte dagegen: Wer sich nur ein wenig mit der Historie des globalen Klimas auskennt, weiß, dass CO2 nur recht wenig mit der Klimakurve der Erde zu tun haben kann.

    VG

    • Nun forsche ich seit über 20 Jahren über die Klimaveränderungen der Erdgeschichte und habe dazu viele Fachpublikationen u.a. in der führenden Fachzeitschrift Nature publiziert, außerdem lehre ich zum Thema Klima der Erdgeschichte seit 15 Jahren als Professor an der Uni Potsdam. Ich kenne mich also nicht nur ein wenig, sondern recht gut mit der Historie des globalen Klimas aus, und komme zum genau gegenteiligen Schluss wie Sie. Damit bin ich auch keine Einzelfall, sondern die große Bedeutung des CO2 auch bei Klimaveränderungen in der Erdgeschichte ist allgemein akzeptiertes Lehrbuchwissen, das Sie in jedem Lehrbuch der Paläoklimatologie nachlesen können. Irgendwelche Belege für Ihre Behauptungen bleiben Sie leider schuldig. Wir sind hier ein Wissenschaftsblog – irgendwelche unwissenschaftlichen Behauptungen ohne jeden Beleg einfach in den Raum zu stellen, bringt dieser Diskussion hier gar nichts. Das können Sie gerne auf den Websites der „Klimaskeptiker“ tun.

      • Herr Rahmstorf,
        okay; Sie haben natürlich Recht. Ich habe da mit meiner Behauptung ohne Beleg wohl doch etwas über Ziel hinaus geschossen. Entschuldigung. Mir geht es auch nicht darum, hier quer zu schießen oder aus Prinzip für oder gegen etwas zu sein. Ich stelle mir nach dem Studium diverser Literaturquellen nur die Frage, ob das alles so einfach sein: Viel CO2 in der Luft = viel Erwärmung und fertig. Und im Umkehrschluss: kein zusätzliches CO2 mehr erzeugen und alles ist gut (etwas übertrieben formuliert).
        Deswegen hätte ich noch eine Bitte: Könnten Sie mir ggf. eine der von Ihnen angedeuteten Literaturquellen zur Palöoklimatologie konkret benennen? Ich möchte wirklich mehr zum Thema wissen. Danke vorab!
        (Ich habe hier z.B. das Buch „Klimafakten“ von Ulrich Berner und Hansjörg Streif. Ist das grundsätzlich falsch, was die beiden Autoren dort schreiben oder ziehen sie aus den richtigen Fakten die falschen Schlüsse? Was ist hier eigentlich richtig und falsch?)

        VG

        • „Klimafakten“ ist in der Tat ein politisch motiviertes Klimaskeptikerbuch (das sage ich weil ich die Hintergrundgeschichte seiner Entstehung kenne), in dem jede Menge Unsinn steht. Zudem ist das etwas aus der Frühgeschichte der deutschen Klimaskeptikerszene, längst Schnee von gestern. Konkrete Kritik dazu können Sie in meinen damaligen Artikeln lesen, indem Sie „Klimafakten“ in die Suchmaske auf meiner home page eingeben.

          Fachliteratur speziell zur Klimasensitivität gegenüber CO2 aus Paläodaten: http://www.nature.com/nature/journal/v491/n7426/full/nature11574.html
          Ansonsten das leicht verständliche Einführungsbuch von Bill Ruddiman: http://www.amazon.de/gp/product/0716784904?keywords=ruddiman&qid=1444363770&ref_=sr_1_2&sr=8-2

        • Also ich habe mir einmal von Frank Sirocko in der Uni-Bibliothek „Geschichte des Klimas“ ausgeliehen. Es ist in der „Theiss Wissen Kompakt“-Reihe erschienen, wendet sich also eher an fortgeschrittene Laien und ist deshalb vielleicht für eine erste Orientierung gar nicht schlecht geeignet.

          Dann gibt es mit Rüdiger Glaser einen Geographen in Freiburg, der auch paläoklimatologisch forscht und soeben ein Buch „Global Change“ herausgebracht hat. Leider ist das immer dann, wenn ich in die Stadt fahre – (ein kleiner Seitenhieb an den etwa gleichaltrigen Herrn Rahmstorf: das sind fast täglich insgesamt 32 Kilometer mit normalem Fahrrad, 120 Höhenmeter, ganz ohne E-Bike und Stromverbrauch!) – schon ausgeliehen, aber irgendwann werde ich das Buch bekommen. Eine Beurteilung kann ich also noch nicht abgeben, vielleicht weiß Herr Rahmstorf besser Bescheid.

          • Hallo Herr Bucher,

            wenn ich mir erlauben darf, Ihre kleine Bücherliste um zwei lohnenswerte Tipps zu erweitern:

            Das wäre 1:
            David Archer – The Long Thaw. How Humans are changing the next 100.000 Years of Eraths Climate.

            Und 2.
            Peter D. Ward – Under a Green Sky. Global Warming, the Mass Extinctions of the Past, and what they can tell us about our Future.

            Beide Bücher können dazu beitragen, den eigenen Blickwinkel in erheblichem Maße zu erweitern und zu schärfen. Sie bieten Wissenschaft aus erster Hand und sind, wie unschwer zu erkennen, in englischer Sprache verfasst. Aber ich nehme an, dass Ihnen die Lektüre keine Schwierigkeiten bereiten dürfte. Zu beziehen über den internationalen Online-Buchhandel.

    • Hallo Herr Bothe,
      zunächst eine Frage: Wenn Sie ein nigelnagelneues 60tausend Euro teures Auto führen und Dieses bliebe nach einer Woche mit Elektrikschaden stehen, Was machen Sie? Gehen Sie in eine Fachwerkstatt oder lassen Sie die Reparatur von einem Metzger durchführen, nur weil Ihr Lieblingsbäcker Ihnen gesagt hat, Der könne Das ziemlich gut? Jeder geht doch in die Fachwerkstatt, oder? Vahrenholt und Andere sind aber keine Fachleute, wenn es um Dinge der Athosphärenchemie, der Ozeanchemie, der Glaziologie, etc. etc. geht. Wenn Sie etwas lernen wollen, dann schauen Sie sich bei den Leuten um, deren Beruf es ist, sich mit den Dingen der Globalen Erwärmung auseinanderzusetzen.

      Woher wissen wir. dass das der CO2-Anstieg hauptsächlich aus dem Verbrennen von Energieträgern aus fossilen Quellen stammt? Wir wissen Das, weil wir die Änderung der Zusammensetzung der Kohlenstoff-Isotopenchemie messen können. In einem Beitrag von Jeff Sveringhaus (https://www.youtube.com/watch?v=QEU_QXLGQsc) sehen Sie u.a. eine Grafik, in der CO2 und delta C-13 aufgetragen sind. Wenn Pflanzen durch Photosyntheseprozesse Kohlenstoff aufnehmen, entspricht das Verhältnis im Organismus dem Verhältnis in der Luft, ganz allgemein gesprochen. Stirbt die Pflanze kann sie kein neues C-14 aufnehmen und durch den radioaktiven Zerfall gibt es irgendwann nur noch C-12 und C-13 im „Material“. Und dieses Verhältnis von C-12 zu C-13 ist wohl unterschieden von dem C-12 zu C-13 in der „normalen“ Atmosphäre. Wenn Sie (oder Wer auch immer) nun fossile Brennstoffe abfackeln, dann bringen sie ein bestimmtes Kohlenstoffverhältnis künstlich in die Atmosphäre und ändern damit das natürliche Verhältnis. Und Das Können Wir sehr gut messen. Und deswegen Wissen Wir, das etwa mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jht der gestiegene CO2-Gehalt durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe durch den Menschen die Ursache ist. Tiere bauen keine Fördertürme. Die Isotopenchemie des Kohlenstoffs während der natürlichen Klima-Schwankungen ist eine Andere.

      Wir Wissen auch, dass durch die Erwärmung der Erde, wenn sie sich auf ihrer Bahn der Sonne nähert, dazu führt, dass mehr C und CO2 in die Atmosphäre kommt. Dieses CO2 treibt seinerseits wieder die Temperatur an. Ein Selbstverstärkungseffekt. Wird es wieder kühler auf der Erde, wenn die Erde sich wieder von der Sonne entfernt, nimmt auch das CO2 wieder ab. Durch verringerte Entweichungsraten in den Permafrostgebieten, durch Verwitterungsprozesse, durch Ozean-Atmosphäre-Interaktionen, usw. Das war schon immer so. Ein natürlicher, physikalischer Prozess.

      „Normalerweise“ wäre die Erde auf dem Weg in eine neue Kaltzeit. Der CO2-Gehalt „müsste“ bei etwa 270 ppm liegen, wir haben aber 400 ppm. Und diese Differenz ist anthropogenen Ursprungs.

      Und wenn Sie sich anschauen wollen, was bei einer Erd-Gleichgewichts-Temperatur von 400 ppm so los war, dann schauen Sie sich doch mal einige wissenschaftliche Veröffentlichungen zu den Bohrungen vom Lake El‘ gygytgyn an. Auf dem Portal Climate of the Past (http://www.clim-past.net/recent_papers.html) finden Sie jede Menge zum Thema. Einen Überblick „Tracing Arctic Climate Evolution from a Forested Arctic to the Present“ von Prof. Julie Brigham-Grette können Sie sich unter https://www.youtube.com/watch?v=m_h4TfGB9EA anschauen.

      Auf geht’s. Lernwillige soll man immer unterstützen.

      • Herr Arens,
        mal abgesehen von Ihren durchaus nachvollziehbaren Darstellungen zum CO2, die sicher grundsätzlich unbestritten sind, bringt mich diese Aussage von Ihnen: „“Normalerweise“ wäre die Erde auf dem Weg in eine neue Kaltzeit. Der CO2-Gehalt „müsste“ bei etwa 270 ppm liegen, wir haben aber 400 ppm.“ zu einer anderen Frage: Was ist so schlecht daran, dass wir nicht in eine neue Kaltzeit gelangen?
        Eine wärmere Periode ist doch auch mit vielen Vorteilen verbunden, oder? Gerade auf der Nordhalbkugel haben wir längere Wachstumsperioden, wir können mehr ernten und wir benötigen weniger Brennstoffe zum Heizen, es sterben sicher auch weniger Menschen den Kältetod, die Nordwestpassage wäre / ist ebenso für Schiffe passierbar wie die Nordroute Murmansk bis zur Beringstraße etc. etc.
        Und zum CO2: Pflanzen wachsen besser, weil sie nun mal CO2 dazu benötigen.
        Und selbst die verschiedenen Klimazonen der Erde verändern sich nicht nur zum Negativen. Niederschläge verteilen sich anders, wo es einst trockener war, ist es jetzt feuchter und natürlich – je nach Region – auch umgekehrt.
        Ja, es gibt natürlich auch negative Folgen, wenn z.B. abgeschmolzene Gletscher kein Wasser mehr bringen und deswegen Flüsse u.U. zeitweise versiegen.
        Klar ist auch der Meeresspiegelanstieg ein sehr großes Problem, sofern er sich denn so entwickeln sollte, wie es diverse Modelle prognostizieren.
        Die Menschheit hat sich nach Ende der letzten Eiszeit sehr gut entwickelt. In dieser relativ ruhigen Klimaphase haben wir uns vielleicht zu sehr daran gewöhnt oder einreden lassen, dass alles immer so bleibt wie es ist. Deswegen haben wir Städte nur eine Handbreit über dem Meer gebaut. Tausende von Jahren bestätigten uns, dass das eine gute Entscheidung war. Sind wir überhaupt noch in der Lage, uns auf globale Klimaschwankungen einzustellen, also mehr mental gemeint als technisch / technologisch?
        Ist es somit nicht zu einfach und deswegen zu gefährlich, wenn man der Menschheit einredet, dass allein mit dem Einsparen von CO2 alles so bleibt wie es ist und alles gut wird?
        Sollte man nicht mehr dafür tun, uns vor den Folgen klimatischer Veränderungen zu schützen?

  31. Menschliche und klimatische Ursachen des Welthungers :
    A) 90 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich in der EU weggeworfen :
    1. Hauptursache : EU-Gesetze :
    Lebensmittelläden müssen sämtliche frische Ware bis 40 Minuten vor Ladensschluss
    in vielen EU-Ländern bereithalten – was dann nicht gekauft wird, wird weggeworfen.
    Genormte Lebensmittel in Bezug auf Größendimensionen. Spart Verpackungsmaterial
    aber viel Obst und Gemüse wird dadurch weggeworfen
    2. Hauptursache : Aufrechterhaltung von Lebensmittelpreisen :
    z.B. die zig Tonnen Milch, die jährlich vernichtet werden
    3. Hauptursache : schlechtes Einkaufsverhälten von Konsumenten
    Dies ist verwerflich hat aber keinen Einfluss auf die Versorgung des hungernden Teils der Weltbevölkerung. Z.B. hat die Lieferung von preiswerten Lebensmiitteln aus der EU nach Afrika
    die dortige Landwirtschaft zerstört und damit den Hunger vergrößert und in sofern hinkt der Vergleich mit den weggeworfenen Lebensmitteln !
    B) Zerstörung von landwirtschaftlich nutzbarer Fläche für Ackerbau und Viehzucht :
    Dies ist die eigentliche Ursache für den Welthunger. Verursacher sind Entwaldung (führt zur Desertifikation); zunehmende Dürreperioden, Übernutzung der landwirtschaftlichen Fläche als Folge der Überbevölkerung (ist kein Mythos sondern eine Tatsache); Aufkauf von fruchtbarem
    Land in Kontinenten mit wenig fruchtbarem Land (Bodenspekulation oder Landgrabbing genannt),
    weil seltene Güter (in diesem Fall fruchtbares Land) schnell an Wert gewinnen.
    C) Zunehmende Vernichtung von Feldfrüchten durch Insektenplagen (meist Heuschrecken) :
    Dies ist ein Riesenproblem in Afrika und Zentralasien. Schuld daran sind unter anderem
    Entwaldungen in Gebieten mit ehemaligem Sumpfwald, was nach der Entwaldung zu einer explosionsartigen Vermehrung von Heuschrecken führte. Wirksame Bekämpfung mit Inasektiziden ist ohne gleichzeitige Insektizidanreicherung im Grundwasser nicht möglich – daher ein großes Problem !

  32. @Nemesis
    „Allerdings sind die Amerikaner dennoch sehr wohl unsere wirtschaftlichen Verbündeten (denken Sie zB an das sog. deutsche Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg…..“
    Zu den Ursachen des European Recovery Programms (Marshallplan) nach dem 2. Weltkrieg möchte ich Ihnen noch folgende Zusatzinformationen geben, die Sie interessieren sollten :
    1) Winston Churchill hatte bereits vor der Kapitulation Deutschlands Anfang Mai 1945 erkannt,
    dass nach Niederringung des Hitler Regimes eine ganz große Gefahr von Stalin ausgehen wird
    und ließ bis zum 22. Mai 1945 die „Operation Unthinkable“ ausarbeiten, die natürlich aus vielen
    Gründen nicht durchführbar war (Dokumente wurden 1998 veröffentlicht)
    2) Durch das durch die gewaltigen Zerstörungen während des 2. Weltkrieges in ganz Europa
    entstandene Elend sahen viele Menschen ihre Rettung im Kommunismus und die Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten im griechischen Bürgerkrieg (1946-1949),
    in dem sich auch USA, UDSSR, Großbritannien und einige andere Staaten „beratend“ einmischten, ließen zu Recht die Befürchtung aufkommen, dass Stalins Einfluss sich bis zu den
    Pyrenäen ausweiten könnte. Der kluge George C. Marshall hatte dies erkannt und konnte mit Unterstützung des amerikanischen Präsidenten ab 1948 durch sein umfangreiches European Recovery Program verwirklichen und noch rechtzeitig die Ausweitung des Kommunismus in Westeuropa verhindern, so dass von Ausnahmen abgesehen, sich Westeuropa auf die US amerikanische Seite schlug. Humanitäre und wirtschaftliche Gründe (Absatzmarkt) spielten
    zwar auch eine große Rolle aber nicht die Hauptrolle. Dies sollten Sie unbedingt wissen !

    mit freundlichen Grüßen und Lob für Ihr Engagement, Horst Denzer

  33. sehen wir das mal ganz unaufgeregt und realistisch:

    solange irgendwo am Planeten Öl, Gas und Kohle mit halbwegs überschaubarem Aufwand gefördert werden kann, wird das auch so bleiben, mit oder ohne EE da und dort. Der Energiebedarf wird weiter ansteigen, der Anteil an EE wird sich erhöhen, aber es ist utopisch zu glauben, man könnte den globalen Verbrauch an fossilen Stoffen nennenswert reduzieren, so lange genügend davon da ist.

    Es gäbe genau eine einzige Möglichkeit, damit die Menschen fossile Stoffe unter der Erde belassen: zu geringeren Kosten den gleichen Brennwert erzielen! Davon ist leider noch nichts in Sicht. Öl & Co werden bis zum letzten Tropfen verbrannt werden, völlig unabhängig davon, wie hoch der Anteil an EE in Deutschland oder anderen bemühten Ländern wird. Außerdem ist die politische Lage im globalen Maßstab ja Lichtjahre davon entfernt, eine reine Utopie, um zu glauben, man könnte einen Großteil der Länder dazu zwingen, Gelder für so was wie Klimaschutz auszugeben. Sieht man sich die Strompreisentwicklung in Deutschland an wird auch klar, dass es so nicht mehr lange weiter gehen kann, ohne massive Volkswirtschaftliche Schäden zu verursachen. Millionen Bürger sind heute schon mit ihren monatlichen Betriebskosten überfordert, der Strompreis entwickelt sich beinahe hyperinflationär. Ich wette schon heute, dass wir in den nächsten 10 Jahren eine Renaissance der Atomkraft erleben werden, auch in Europa und natürlich auch in Deutschland, wo ja ein Wechsel zwischen Ja und Nein fast im Tempo der Jahreszeiten einhergeht.

    • @christian,
      Sie schrieben:
      [Sieht man sich die Strompreisentwicklung in Deutschland an wird auch klar, dass es so nicht mehr lange weiter gehen kann, ohne massive Volkswirtschaftliche Schäden zu verursachen. Millionen Bürger sind heute schon mit ihren monatlichen Betriebskosten überfordert, der Strompreis entwickelt sich beinahe hyperinflationär.]
      ———-

      Wiki schreibt zum Thema:
      „Hyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Eine allgemein akzeptierte Definition, existiert nicht, eine 1956 von Phillip D. Cagan aufgestellte Faustregel[1] von monatlichen Inflationsrate von 50 % (entsprechend einer jährlichen Rate von umgerechnet rund 13.000 %) ist aber weit verbreitet.“

      Eine „unaufgeregte“ Sichtweise Ihrerseits vermag ich insoweit nicht zu erkennen, vielmehr eine Tendenz zur Übertreibung.. Abgesehen von solchen Geschmacksfragen lässt eine Studie von Energie-Fachleuten mittelfristig bei etwa gleichbleibenden Rahmenbedingungen eine Senkung der Umlage erwarten.

      http://www.agora-energiewende.de/de/presse/agoranews/news-detail/news/energiewende-kostenscheitel-in-sicht/

    • Ich sehe das definitiv anders: Die Mengen an Kohlenstoff die inkl. unkonventioneller Förderung, bzw. Förderung bei höherem Ölpreis als derzeit, u.a. in entlegenen Gebieten, z.B. Arktis, zur Verfügung stehen, könnten das atmosphärische CO2 je nach Annahmen über das Verhalten der natürlichen Senken und Feedbacks auf 2000 ppm oder nach manchen Quellen noch höher treiben. Bereits lange davor wären die Auswirkungen aber wahrscheinlich* derart katastrophal, dass dies nicht mehr weiterbetrieben würde.
      *je nachdem wie sich Geoengineering oder Carbon-Capture-and-Storage (CCS) bis dahin entwickeln
      *über die katastrophalsten Folgen wie Oceanic Anoxic Events oder sogar Runaway-Greenhouse gibt es zudem beträchtliche Unsicherheiten, aber ab etwa 1050 ppm treten Risiken auf die, falls kühlendes Geoengineering fehlschlägt, das Niveaus eines Weltkriegs erreichen. Selbst ohne die Extra-Risiken durch Feedbacks wie zusätzliche Methan-Freisetzung wäre die große Temperaturerhöhung ein existenzielles Risiko für unseren Nahrungsmittelanbau, ganz abgesehen von versinkenden Küstenstädten. Hierbei ist die Entwicklung von Technologien wie Gentechnik zur Anpassung an die neuen Bedingungen ein unbekannter Faktor. Aber im Moment sieht es so aus als würde die starke Einschränkung der fossilen Verbrennung den optimalen Weg darstellen, möglicherweise, da die Erneuerbaren nicht reichen, sogar zugunsten der Nuklearen Energieerzeugung.

      Zuammengefasst: Ich bin überzeugt dass ein großer Teil des fossilen Kohlenstoffs nicht im Boden bleiben wird, falls die Verbrennung nicht durch CCS direkt am Kraftwerk bzw. „CCS aus Luft“ emissionsneutral gestaltet werden kann.

    • „Ich wette schon heute, dass wir in den nächsten 10 Jahren eine Renaissance der Atomkraft erleben werden, auch in Europa und natürlich auch in Deutschland,“

      Ich kann Ihnen dabei durchaus folgen. Sinnvoll in nahezu jeder Hinsicht wäre es, machbar auf jeden Fall und auch genügend sicher. Praktisch realisierbar gerade in D sehe ich es aber eher nicht; leider. Hier in D wird eine geradezu irrwitzige Angst geschürt vor jedem MikroSievert Radioaktivität; eine ganze Nation scheint nahe einer Gehirnwäsche zu verharren, was die objektiven Auswirkungen künstlich erzeugter radioaktiver Strahlung betrifft. Und dann setzen sich die selben Leute in ein Flugzeug, wo sie bei einem 10-stündigen Flug über den Teich eine 1000-fache Dosis Strahlung bekommen, die hier in D am Boden für tödlich gehalten wird (etwas übertrieben, also bitte nicht an den Zahlen festnageln).
      Wir werden sehen, wohin die Entwicklung geht…
      Eigentlich wäre die Nutzung der Kernkraft die ideale Alternative zu den Fossilen. Wind und Sonne sind es auf Grund der Speicherproblematik jedenfalls auf absehbare Zeit nicht bzw. nur als stark eingeschränkt.

      VG

        • ich sehe hier:
          http://www.kernenergie.de/kernenergie/themen/kernkraftwerke/kernkraftwerke-weltweit.php

          weltweit (12.2014) 440 AKW, Europa 185 AKW in Betrieb.

          Alleine in Frankreich 58 in Betrieb, 1 in Bau. Was bezüglich der Sicherheitsbedenken in Deutschland wahrscheinlich im Gau Falle fast genau so schlimm wäre, wie wenn in D selbst was passieren würde. Einfach wegen der Wetterlagenhäufigkeiten.

          Weltweit sind zudem knapp 70 AKW in Bau, etliche weitere in Planung und das auch in Ländern, welche bisher keine Kernkraft genutzt haben.

          Fazit: der Verzicht auf AKW in D ist genau so ideologisch, wie Deutsche CO2 Einsparungen: sie ändern nichts am globalen Wetter & Klima und sie ändern nichts an der globalen Energieversorgung. Das kann man drehen wie man will, Fakten sind zu akzeptieren.

          • Bezüglich der AKW gehe ich mit Ihnen im Großen und Ganzen d’accord, @Christian, zumindest nach meinem derzeitigen Wissensstand wäre mehr Atomkraft kurz gesagt wohl sehr gut.
            Aber bezüglich (deutscher) Maßnahmen nicht. Denn jede, egal wie sinnvolle, Maßnahme muss immer mit irgendeinem Teilschritt begonnen werden. Und dieser hat meistens marginale direkte Auswirkungen. Selbst wenn man argumentiert, man wolle zunächst einen globalen Konsens erreichen: Auch dann muss man mit einem diplomatischen Teilschritt beginnen. Und dieser hätte, im Fall des Ausbleibens diplomatischer Folgeschritte, allermeist sogar keinerlei Auswirkungen. Also kann man jede Maßnahme mit dem Argument blockieren, der erste Schritt hätte doch (fast) keine Auswirkungen.
            Plus, es gibt gute Argumente dafür – z.B. wir gehören zu den drei Hauptemittenten zeitlich kumuliert pro Kopf, China ist kumuliert pro Kopf noch weit unter uns – dass Großbritannien, die USA und Deutschland mit Maßnahmen beginnen müssten. Auch wenn GB sich meines Wissens nach nicht sonderlich bewegt (die USA schon eher), warum stellen wir uns nicht unserer Verantwortung?
            Es gibt da übrigens zahlreiche Analogien: Nehmen wir an, ich persönlich würde entscheiden, höchst kriminell zu werden und Leute zu ermorden, weil: In der weltweiten Verbrechensstatistik ändert das doch eh (quasi) nichts, also ist es auch egal! Würden Sie eine solche Entscheidung für gut befinden? Oder sollten wir nicht doch versuchen, nach der Goldenen Regel zu leben? Selbst wenn wir nur Strafen vermeiden wollten (im Falle der globalen Erwärmung gibt es im Übrigen auch eine „Strafe“!) – ohne Ethik würde in unserer Gesellschaft sehr viel nicht funktionieren – z.B. das Wählen nicht, wie schon angesprochen.

      • Im SPIEGEL ist soeben ein Interview „Die Frage war, ob Japan untergeht“ (!) mit Naoto Kan, Japans Premier während des Fukushima-Unfalls, erschienen (kann man googeln).

        Damals ging es offensichtlich nicht um ein paar Mikrosievert mehr oder weniger: Nach Kan`s Aussagen sind die Japaner nur durch viel Glück an einer gigantischen Katastrophe vorbeigeschrammt, offensichtlich war zum Beispiel Tokio – mit seinen 50 Millionen Menschen! – akut gefährdet
        .
        Ich bin kein übermotivierter AKW-Gegner, was in Fukushima passiert ist, hat mich aber durchaus beeindruckt.

      • „Eigentlich wäre die Nutzung der Kernkraft die ideale Alternative zu den Fossilen.“

        Es führt zwar vom Thema ab, dennoch soll dem Renaissancegerede widersprochen werden: Die Probleme der Atomenergie werden immer mehr Staatenlenkern bewußt, so dass heute weniger AKW gebaut werden als in den 1980er und den 1990er Jahren. Und keines wird 50 Jahre nach Markteinführung der AKW ohne massive Subventionen, von den die Erneuerbaren Energien nur träumen können, gebaut. Die meisten neuen AKW werden von nicht marktwirtschaftlichen und meistens sogar diktatorischen Staaten gebaut. Am schlimmsten das kommunistische China.
        60 Jahre nach Beginn der „zivilen“ Nutzung der Atomkraft ist das Atommüllproblem nicht gelöst. Erst langsam dämmert immer mehr Verantwortlichen, wie schlimm es ist, tödlich strahlenden Atommüll zu erzeugen, der zum Abklingen über 1 Million Jahre sicher isoliert werden muss. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines katastrophalen Unfalls klein ist (hoffentlich!) sind die dann möglichen Schäden so groß, dass dies ein untragbares Risiko ist. Kein AKW hat eine risikogerechte Haftpflichtversicherung. Und nach Tschernobyl und nach Fukushima erschauderten viele Regierende bei der Aussicht, dass ein atomarer Großunfall ein ganzes Land in die Knie zwingen kann. Tokio hätte bei einer anderen Windrichtung evakuiert werden müssen! Das hätte Japan in den Abgrund geführt.
        Sogar betriebswirtschaftlich ist der Strom aus neuen Windanlagen und bald auch aus neuen PV-Großanlagen billiger als der aus neuen Atom-, Erdgas-, Erdöl- oder Kohlekraftwerken. Bei Einberechnung der auf nachkommende Generationen abgewälzten Folgekosten ist der EE-Strom schon lange preiswerter als der atomare oder fossile Strom.
        Raimund Kamm

        • Die Atomkraft betreffend bin ich mir meiner Ansicht keinesfalls sicher, aber einige Dinge dazu:
          – Aus der Psychologie wissen wir wir, dass Menschen, sagen wir mal vorsichtig, oft nicht rational denken, entscheiden und handeln. Und bezüglich der Atomkraft scheint mir viel Angst und Kritik nicht rational zu sein, denn viele kennen die einfachsten Fakten nicht. Laut Nature Special Report: „Counting the dead“, werden z.B. die Tschernobyl-Opfer 1986-2050 aus wissenschaftlichen Quellen mit statistisch insgesamt 9000-16000 angegeben, während die Luftverschmutzung etwa 7 Millionen Todesfälle pro Jahr(!) verursacht (http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/).
          Aus verschiedenen Papers entnimmt man, dass sowohl die Todesfälle als auch die verursachten Krankheiten der Atomkraft etwa Faktor 1000 unter Kohlekraft liegen und außerdem sogar unter Windkraft (wegen der Todesfälle durch Ressourcenförderung und Wartung, da Uran eine sehr hohe Energiedichte hat und daher pro TWh wenig gefördert werden muss).
          Zum Müllproblem: Man kann sich hier schon fragen, ob die mehrere Größenordnungen mengenmäßig größeren chemischen Abfälle die wir erzeugen und von denen u.a. Schwermetallverbindungen Halbwertszeit unendlich haben, und die ebenfalls tödlich, krankheitserzeugend, kanzerogen und erbgutschädigend wirken, die ebenfalls nicht auf der Welt verteilt werden dürfen, nicht das größere Problem sind. Ist unsere Anti-Atomkraft-Angst nicht vielleicht ein selection bias (selektive Wahrnehmung)!?

          Quellen (leider hat die Europäische Komission ihre Energiereviews vor 2 Jahren offline geschaltet – die angegeben Paper sind aber leichter verfügbar):

          Markandya & Wilkinson (2007) „Electricity generation and health“, The Lancet vol. 370, Issue 9591, Pages 979–990, Elsevier

          ExternE National Implementation; Germany

          http://externe.jrc.es/ger.pdf (accessed Aug 28, 2007).

          JE Berry, MR Holland, PR Watkiss, R Boyd, W Stephenson
          „Power generation and the environment—a UK perspective, vol 1“

          http://externe.jrc.es/uk.pdf (accessed Aug 28, 2007).

          M Dreicer, V Tort
          „ExternE—Externalities of Energy: nuclear. European Commission report EUR 16524, Vol 5EC, Brussels (1995)“

          • Hallo Wizzy,
            [Und bezüglich der Atomkraft scheint mir viel Angst und Kritik nicht rational zu sein, denn viele kennen die einfachsten Fakten nicht…]
            Zu den Fakten zählt eben auch, dass sich die zivile und militärische Nutzung der Atomkraft nie scharf trennen lassen, gerade auch wenn man sich die Umtriebigkeit der Exportwirtschaft vergegenwärtigt.

          • @Bleyfuß

            Das stimmt natürlich, danke! Man kann da durchaus skeptisch sein. Aber ob der Deutsche Atomausstieg bezüglich der Proliferation wirklich wichtig war? Ich wäre ja damit zufrieden, würden wir sonst keine fossilen Energien nutzen würden. So opfern wir jedenfalls zahlreiche Menschenleben.

  34. Denkanstoss zu anthropogenen CO2 Emissionen & CO2 Emissionen bei KKW :
    Die anthropogen verursachten CO2 Emissionen werden mit 32 Gigatonnen = 32 Milliarden Tonnen
    pro Jahr angegeben. Wenn man nun bedenkt, dass die Luft, die Menschen einatmen, 0,04 % CO2 enthält aber die Luft, die Menschen ausatmen, etwa 4 % CO2 enthält und Atemfrequenz und Atemvolumen mit einrechnet, kommt man auf 35 Gigatonnen = 35 Milliarden Tonnen CO2 proJahr allein durch das Ein- und Ausatmen von 7,3 Milliarden Menschen (als um 1800 nur 1 Milliarde Menschen die Erde bewohnten, waren es nur 5 Gigatonnen !) Wenn ich mich nicht verrechnet habe (bitte überprüfen !) und wenn man durch Ausatmen verursachte CO2 Emissionen nicht zu den anthropogenen Emissionen zählt, erzeugt somit die Überbevölkerung mehr CO2 als die
    als alle als anthropogen definierten CO2 Emissionen zusammen ! Nun zu den Kernkraftwerken :
    Die meisten der 415 weltweit existierenden Kernkraftwerke sind entgegen allgemeinem Glauben
    nicht CO2 neutral, zumindest nicht, wenn man in einer LCA (Life Cycle Analysis) eine cradle- to-gate Betrachtung durchführt. Beim Schnellen Brüter ist die Bilanz zwar deutlich besser als bei den Standardtypen aber dafür hat man auch ein wesentlich größeres Sicherheitsrisiko. Aber die Hauptproblematik selbst bei inhärent sicheren Kernkraftwerken ist nicht die CO2-Bilanz sondern
    die Entsorgung der Brennstäbe nach 4 Jahren, die noch viele Monate im Abklingbecken verbleiben
    müssen, weil sie sich sonst innerhalb kürzester Zeit auf über 2000 °C erhitzen würden und auch danach b ereiten sehr langlebige radioaktive Elemente noch viel Kopfzerbrechen!. So war denn leider auch bis 1994 die Verklappung selbst hochradioaktiven Abfalls in den Ozeanen in vielen Ländern nicht einmal strafbar ! Daher mein Apell an viele Kommentator(inn)en (abgesehen von den Expert(inn)en darunter) in diesem Forum : Seid nicht so oberflächlich und zitiert nur euch genehme Aussagen sondern informiert euch sorgfältig über die Hintergründe und denkt vor allem über das erworbene Wissen nach !

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • Der Mensch lebt bekanntlich von Bioenergie – der Kohlenstoff in dem Reis oder dem Salat, den Sie essen und später ausatmen, ist von diesen Pflanzen vorher beim Wachsen mittels Photosynthese aus der Luft aufgenommen worden, es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf. Atmen ist nicht schädlich für das Klima; schädlich sind die fossilen Kohlenstoffmengen, die wir jetzt zusätzlich von außen (aus der Erdkruste) in den Kreislauf hineingeben.

    • @Dr.Horst Denzer. Sie haben sich verrechnet und wohl auch nicht in der Wikipedia nachgeschaut. Alle7.3 Milliarden Menschen zusammen atmen pro Jahr 1.8 Gigatonnen CO2 aus. Die technisch bedingten CO2-Emissionen sind aber im Jahr 2014 etwa 35 Gigatonnen und damit fast 20 Mal grösser als die biogenen durch Ausatmen von CO2 beim Menschen.
      Hier die Rechnung: 6 Liter Atemluft/Minute, 4% Co2 in der Ausatmungsluft, 2gr Co2 pro Liter CO2 =>
      CO2 pro Mensch und Jahr: 60*24*365*6*0.04*0.002 = 252 Kilogramm
      Ausgeatmetes CO2 für 7.3 Milliarden Menschen: 1.8417024 Gigatonnen CO2

      Für mich zeigt diese Rechnung, dass das technisch erzeugte CO2 das „natürlich“ erzeugte umd den Faktor 20 übersteigt. Natürliche Quellen wie die Ausatmungsluft oder der Vulkanismus kommen niemals an das technisch erzeugte heran.

  35. Im Kohlenstoffkreislauf ist es egal, woher die jeweilige Molekülspezies stammt – wie im chemischen Gleichgewicht bestimmen die Konzentrationen auf beiden Seiten das Resultat ! Auch „fossiles CO2“
    wird von Pflanzen aufgenommen. Dies hat nichts mit Klimatologie sondern einfach mit Logik zu tun !

  36. Sehr geehrter Herr Martin Holzherr,
    haben Sie herzlichen Dank für die Korrektur. Dass ich mich um den Faktor 20 verrechnet habe, ist mir direkt peinlich. Dafür spendiere ich Ihnen gerne einmal ein paar Gläser Bier oder Wein, sollten wir uns einmal über den Weg laufen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit an alle Kommentator(inn)en gerichtet jedoch betonen, dass die CO2 Emissionen beim Ausatmen nicht das Hauptproblem der Überbevölkerung darstellen sondern die gefährdete Lebensmittelversorgung von 7,3 Milliarden
    Menschen !

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • Herr Denzer,
      Sie haben nicht verstanden: Das von Menschen ausgeatmete CO2 stellt nicht nur nicht das Hauptproblem dar, sondern überhaupt keines.
      Es erhöht den atmosphärischen Gehalt nicht im geringsten. Würde sie die Atmung einstellen, käme zwar auch ihr Stoffwechsel zum Erliegen, jedoch würde dann die dann von ihr nicht verdaute Nahrung von anderen Lebewesen verdaut. Mit exakt dem gleichen CO2-Austoß.

      Atmen Sie weiter oder halten Sie die Luft an: Der CO2-Gehalt im Kreislauf bleibt dadurch vollkommen unberührt.

      Wenn sie etwas gegen die Nahrungsmittelknappheit unternehmen wollen, werfen Sie weniger Lebensmittel weg, und reduzieren Sie ihren Fleichverbrauch.
      Ich nehme Ihnen aber ehrlichgesagt nicht so recht ab, daß sie sich darum wirklich Sorgen machen.
      MfG Frankfurter

  37. Ein wie immer sehr lesenswerter Artikel. Selbstverständlich, während die manische Vielfliegerei, gerne 5-10 mal im Jahr übers Wochenende, dazu natürlich gegen die „Winterdepression“, neuerdings die „Herbstdepression“, und zusätzlich der Sommerurlaub, gar nicht mehr wahrgenommen wird, ist es wunderbar, sich Gedanken um Fleischkonsum, Luxus-Energieverschwendung und mehr zu machen und danach zu handeln. Viele von uns versuchen ähnliches, in Mietwohnungen ist es schwieriger, aber möglich ist einiges.

    Was mich einmal für einen Artikel von Ihnen interessieren würde, wäre, wie Sie Naomi Klein’s Buch zum Klima einschätzen, das ich für herausragend halte. Sie beschreibt, wie die letzten 25 Jahre, auch dank der selbsternannten „SkeptikerInnen“ a la bei uns die Klein unbekannten Ivo Bozic, Maxeiner/Miersch, Sonja Margolina, Norbert Bolz, Sloterdijk, Lomborg usw. usw. die Diskussion vernebelten. Es ihr aber nicht vor allem um diese Leute. Es geht auch um das Versagen der grünen Bewegung. Während die Leute, die Klimawissenschaft für Kaffeesatzleserei halten wollen und in Medien und Internet mächtig sind, durchaus wissen, was auf dem Spiel steht, nämlich die marktradikale Wirtschaftsform – verstehen das die heutigen Grünen nicht. „Capitalism vs. the climate“ lautet der Untertitel von Klein’s Buch. In manchen Kommentaren klang ähnliches ja schon an. Ich würde mich freuen, einmal einen längeren Artikel von Ihnen zum Thema zu lesen. Die Zielrichtung von Klein und die der Klimawissenschaft ist jedenfalls exakt gleich. In Zeiten, in denen grüne Parteien, ein Beispiel von vielen, die horrende Steuerbegünstigung des Flugverkehrs einfach hinnehmen (Katja Kipping von der Linkspartei dagegen ist sehr für eine hohe Besteuerung des klimaschädlichen Flugverkehrs), werden Grüne, und damit ist nicht nur die heute konservative grüne Partei gemeint, zu VerharmloserInnen. Grün wählen und per Flieger Massentourismus in vorher abgeholzte Skigebiete mit oft künstlicher Beschneiung, x-mal fliegen, jedes Jahr 1 smartphone neu kaufen, dazu zig „gadgets“ – längst „lifestyle“, der akzeptiert ist. Manisch wie er ist.
    Die 500 Millionen, von denen die Wissenschaft und Naomi Klein sprechen, die soviel verschwenden und ausbeuten wie der Rest der Menschheit, also rund 6,5 Milliarden Leute, sind das große Problem.
    Wie schätzen Sie das Buch von Naomi Klein ein? Privatisierungsorgien, marktradikale, einzig auf Wachstum gerichtete Politik, der unreflektierte Glaube, eine „technische Lösung“ werde schon vom Himmel fliegen ist „das Jetzt“. Kapitalismus und wirklich erfolgreiche Klimapolitik, das klappte nie, und widerspricht sich.
    Klein geht sehr ins Detail, eine brillante, hochintelligente Frau. Mich würde freuen, Ihre Sicht dazu zu erfahren.

  38. Wer bestrebt ist, den Energieverbrauch im Privatbereich zu begrenzen, und darum geht es ja wohl, für den lohnt es sich, einen kritischen Blick auf Kühl- und Gefrierschränke zu werfen, denn diese sind ja permanent in Betrieb und verhalten sich weitgehend unauffällig.. Noch kritischer sollte der Blick sein, wenn es sich um ein Modell aus dem „letzten Jahrtausend“, das dürften nicht wenige sein, handelt. Jahresverbräuche von über 300 kWh können durchaus auftreten, wie ich bei meinem „Erbstück“ feststellen musste. Der Verbrauch lässt sich mit einer zwischengeschalteten Messsteckdose rel. leicht feststellen, -ohne besondere Spezialkenntnisse, oder aber er lässt sich über das Typenschild eruieren bzw. vergleichen, das Internet macht’s möglich..
    Bei einem sehr „energiehungrigen“ Gerät hilft entweder nur ein Austausch gegen ein A+++ -Ersatzgerät, oder -für Bastelnaturen- eine Aufbringung von Isoliermaterial an den Außenwänden als Billiglösung aber durchaus wirksam. Den entspr. Stromverbrauch konnte ich so etwa halbieren, was auch der Befriedigung persönlicher Neugier diente. Allerdings ist dies nicht unbedingt die Lösung der Wahl für Designer und Ästheten. All dies soll auch nicht ganz den Blick dafür verstellen, dass es dabei sich um einen sehr kleinen Mosaikstein handelt, und dass die Industrie hierzulande ca. 50% der el. Energie verbraucht, rund doppelt so viel wie der Sektor Privathaushalte.

    • Energiesparen ist Glückssache, können doch Maßnahmen, die pro Haushalt und Monat gerade einmal den Gegenwert einer Kugel Eis erfordern sollten zu einem stattlichen Sümmchen heran wachsen. 🙂

      Den Gefrierschrank einmal einer gründlichen Prüfung zu unterziehen ist mit Minimalaufwand zu erreichen und mit keinen nennenswerten Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

      Das Problem:

      Seit zwanzig Jahren steht mein Einbaukühlschrank mit der gängigen Höhe von 122 cm in der Küchenzeile und arbeitet störungsfrei. Wie viel Strom er tatsächlich verbraucht ist nicht ohne weiteres zu eruieren, denn sein Stromkabel ist in eine Dose an der Wand direkt hinter dem Gerät eingesteckt und eine Messung würde das Losschrauben und das Herausheben des Geräts erforderlich zu machen. Die mitgelieferten Unterlagen sind vollständig, machen aber keine Aussagen über den Stromverbrauch.

      Der Kühlschrank hat ein Gefrierfach sowie eine „Frischekühlung“, die im Gemüsefach Temperaturen von ca. 2 Grad erreicht, um eine längere Haltbarkeit des Lagerguts zu erreichen. Ich meine mich zu erinnern, dass dieses Einrichtung den täglichen Stromverbrauch von 0,8 auf 1,2 kWh erhöhte, was einem Jahresverbrauch von 438 kWh entspricht und auf 130 € Stromkosten hinausläuft.

      Die Lösung:

      Ein neuer Schrank mit 122 cm Einbauhöhe, Energieeffizienzklasse A+++ und eingebautem Gefrierfach kostet inklusive Versand um die 540 € und verbraucht 114 kWh/Jahr, wie man über idealo.de schnell herausfindet. Das Gerät steht zwei Tage später an meiner Wohnungstür.

      Risiken und Nebenwirkungen:

      Der Tausch geht problemlos vonstatten. Das Altgerät wird losgeschraubt, herausgehoben und im nahe gelegenen Hafen abgegeben. Das neue Gerät passt anscheinend problemlos in die Nische, doch beim Festschrauben hakt es. Die verbesserte Isolation führte dazu, dass die (genormten) Nischenmaße bis auf einen halben Zentimeter ausgenutzt werden. Ich muss das Gerät also noch einmal herausnehmen und die Wandsteckdose dahinter abmontieren, dann passt es perfekt. Das Kabel wird nun hinter dem Schrank hoch- und herausgeführt. Das Türblatt des Küchenschranks kann ich weiterverwenden. Der neue Kühlschrank hat sogenannte Flachscharniere, die ein Festschrauben ohne Spezialwerkzeug ermöglichen.

      Jetzt komme ich zur Gretchenfrage: Wie realistisch sind die 114 kWh/Jahr? Verhält es sich damit vielleicht wie beim Dieselmotor wo Test und Realität schon einmal um mehr als eine Größenordnung auseinanderliegen können? Der neue Anschluss ist frei zugänglich, so dass ich problemlos ein Leistungsmessgerät vorschalten kann, das den tatsächlichen Stromverbrauch zuverlässig ermittelt. Das Ergebnis zeigt, dass die Herstellerangaben nicht zu optimistisch ausgefallen sind. Nach fünf Tagen hat der Schrank gerade einmal 0,95 kWh verbraucht, umgerechnet aufs Jahr 70 kWh oder 21 €, entsprechend einer Ersparnis von 109 € pro Jahr. Nach fünf Jahren macht sich der Tausch bezahlt und ich habe bei dieser Aktion keinem anderen das Geld heimlich aus der Tasche gezogen. 😉

      • Hallo Herr Mistelberger,
        im Ergebnis kann man Ihnen gratulieren. Energiesparen kann tatsächlich Spaß machen, auch wenn diese Attitüde nicht von Allen geteilt wird..
        Am Rande noch eine Bemerkung: Trittins Ausspruch von der Kugel Eis stammt aus dem Jahre 2004. Er bezog sich auf die „EEG Umlage“ aus 2003, die 0,41 ct/kWh betrug. Mulipliziert man das mit dem sog. durchschnittlichen el. Monatsverbrauch einer mehrköpfigen Familie (300 kWh), so landet man bei 1,23 €. Vom Eiskugelpreis ist das nicht so weit weg. Gleichwohl dient der Vergleich regelmäßig denjenigen als Aufhänger, die dem EEG kritisch gegenüber stehen und die jetzt nach vielen Jahren umwälzender Entwicklung bewusst so tun, als sei die Zeit stehen geblieben. Das ist sie nicht. Einer Schätzung des Bundesverbandes der Wasser und Stromversorger zufolge wird in 2015 der Bruttostromverbrauch in Deutschland zu einem Drittel aus sog. erneuerbaren Energieträgern gedeckt.
        A propos Spaß beim Energie sparen für den, der’s mag: in der kalten Jahreszeit über Nacht einen Topf mit Wasser gefrieren lassen und diesen dann in den Kühlschrank stellen; so funktionierte die Kühlung vor Linde…

  39. > Stefan Rahmstorf, 12. Oktober 2015 5:56
    > Atmen ist nicht schädlich für das Klima; schädlich sind die fossilen Kohlenstoffmengen, die wir jetzt zusätzlich von außen (aus der Erdkruste) in den Kreislauf hineingeben.

    Man sollte die fossilen Kohlenstoffmengen auch einmal benennen. Nur so wird klar was momentan tatsächlich vor sich geht:

    Was in einem Jahr an Erdöl verbrannt wird brauchte 5 Millionen Jahre, um sich in der Erde abzulagern. So wird Hans Joachim Schellnhuber in „Der Menschenplanet – Aufbruch ins Anthropozän“ zitiert, einer Sonderveröffentlichung der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Spektrum der Wissenschaft zitiert.

    http://www.tempuscorporate.zeitverlag.de/sites/default/files/GDCh_Menschenplanet_final_150811_klein_DS.pdf

  40. @Frankfurter :
    Dadurch, dass ich mich um den Faktor 20 verrechnet habe, ist diese Diskussion zwar obsolet aber
    vom Prinzip her ist Ihre Argumentation unlogisch. Für den CO2 Gehalt der Atmosphäre müssen wir
    das Gleichgewicht zwischen CO2 Emittenten (biologisch : Menschen und Tiere) und CO2 verarbeitende Lebewesen (die meisten Pflanzen und einige Kleinlebewesen) betrachten. Unter den Emittenten hat sich dei Zahl der Menschen in den letzten 200 Jahren versiebenfacht während
    die Zahl der CO2 verarbeitenden Lebewesen abgenommen hat. Dies muss logischerweise zu einer Veränderung des Gleichgewichtes führen – dies sollte doch nicht so schwer zu verstehen sein ! Mit dem Einschränken des Fleischkonsums allein ist das Problem der globalen Lebensmittelversorgung auch nicht allein zu beheben, die Gründe dafür können Sie sich aus UN-Berichten über das Thema einmal selber zusammensuchen, was auch den Vorteil haben wird, dass Sie nicht zu oberflächliche und dadurch zu simple Schlussfolgerungen ziehen. Sie werden hoffentlich erkennen, wie kompliziert die Situation mit der Lebensmittelversorgung ist, wenn Sie die UN-Berichte lesen !

  41. @Frankfurter : Denkfehler in Ihrer Argumentation :
    Ihre Argumentation ist, dass solange keine Kohlenstoffverbindungen aus unterirdischen Lagerstätten an die Erdoberfläche gefördert werden, der Kohlenstoffkreislauf nicht gestört wird und alles im Gleichgewicht bleibt. Dies ist jedoch ein fataler Denkfehler , den ich Ihnen anhand von Beispielen verdeutlichen möchte :
    1) Sollten z.B., was hoffentlich nie passiert, alle CO2 verarbeitenden Lebewesen (z.B. grüne
    Pflanzen, Blaualgen etc.) vernichtet werden würde unabhängig von der Förderung von fossilen
    Energieträgern das jetzt vorhandene Gleichgewicht im Kohlenstoffkreislauf gestört werden
    und der CO2 Gehalt der Atmosphäre allein durch die Emissionen von CO2 emittierenden
    Lebewesen (nicht nur Menschen sondern auch Tiere, aerobe Bakterien etc.) ansteigen.
    2) Es kommt also darauf an, welche Prozesse aus anderen Kohlenstoffverbindungen CO2 und
    Methan (wird in der Atmosphäre auch zu CO2 oxidiert) freisetzen und nicht, woher die
    Kohlenstoffverbindungen kommen : wenn z.B. viele Tonnen Kalkstein (Calciumcarbonat)
    oberirdisch oder unterirdisch abgebaut werden, hat dies keinen Einfluss auf den CO2 Gehalt
    der Atmosphäre. Dies ändert sich nur, wenn aus dem Kalkstein durch Säuren oder Hitze
    (z.B. bei der Brandkalkherstellung) CO2 freigesetzt wird und ob der Kalkstein zuvor oberirdisch
    oder unterirdisch gefördert wurde, spielt dabei keine Rolle.
    3) Kommen wir nun zu den fossilen Energieträgern. Nur fossile Energieträger, die bereits bei Ihrer
    Förderung CO2 oder Methan in die Umgebung freisetzen, stellen ein Problem dar. Dies ist aber
    bei Kohle und dem Hauptteil des geförderten Erdöls nicht der Fall. Erst bei der Verbrennung
    zur Energiegewinnung oder zum Antrieb von Fahr- oder Flugzeugen oder Schiffen wird CO2
    freigesetzt aber die gleiche Menge CO2 würde auch freigesetzt, wenn Holz, Ethanol
    (aus Stärke oder Zucker gewonnen), Biogas und andere Kohlenstoffverbindungen verbrannt
    würden, wenn man die gleiche Energie erzeugen oder die gleichen Strecken zurücklegen will
    . Die Verbrennung von Holz hätte dabei sogar noch den zusätzlichen negativen Effekt, dass
    dabei außerdem die Zahl von CO2 verarbeitenden Kohlenstoffverbindungen (Bäume)
    verringert wird.
    Für den Fall, dass Sie nur Meinungen von anderen übernommen haben und sich keine weiteren Gedanken darüber gemacht haben, sollten Sie jetzt bei einigermaßen ausgeprägtem logischen Denkvermögen in der Lage sein, meine Gedanken nachzuvollziehen (als Chemiker, der hin und
    wieder auch Ökobilanzen (LCA) erstellen muss, können Sie davon ausgehen, dass ich mich mit chemischen Gleichgewichten auskenne ). Sollten Sie aber aus ökonomischen oder politischen Gründen (z.B. als von Subventionen abhängiger Biodieselhersteller oder Mitarbeiter in der Holzindustrie) bewusst wissenschaftliche Tatsachen negieren, ist dies mehr als unverantwortlich. Ich sehe mich hier in der Rolle eines Tim Searchinger, der trotz zahlreicher Anfeindungen aus der Biotreibstoffindustrie nach jahrelangem Kampf auf einen bewußt produzierten Denkfehler hingewiesen hatte und letztendlich die betreffenden EU-Gremien durch seine “indirect land use change“ Beschreibung überzeugen konnte, wodurch Regenwald gerettet wurde.

    • Die Verbrennung von Holz ist ähnlich schädlich wie die von Kohle, wenn das Holz als „Kahlschlag“ gewonnen wird, also nicht durch nachwachsendes Holz ersetzt wird. Mit anderen Worten: nur Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, bei der die Holz produzierenden Wälder erhalten bleiben, nützt dem Klima etwas. Die Emissionen aus Entwaldung werden daher bei allen Analysen des Klimaproblems (wie z.B. in den IPCC-Berichten) entsprechend berücksichtigt.

    • Denzer sagt:
      „…Erst bei der Verbrennung zur Energiegewinnung oder zum Antrieb von Fahr- oder Flugzeugen oder Schiffen wird CO2
      freigesetzt aber die gleiche Menge CO2 würde auch freigesetzt, wenn Holz, Ethanol
      (aus Stärke oder Zucker gewonnen), Biogas und andere Kohlenstoffverbindungen verbrannt
      würden…“
      ==================================

      Sehr geehrter Herr Denzer, ja, es wird die gleiche Menge freigesetzt. Aber es wird nicht die gleiche Menge dem kurzfristigen Kreislauf hinzugefügt.
      Der Kohlenstoff aus Holz und allen anderen Pflanzen ist nämlich sowieso schon Bestandteil des kurzfristige Kreislaufs. Er würde auch dann als Kohlendioxyd freigesetzt werden, wenn sie das Holz nicht verbrennen, sondern der natürlichen Verrottung überlassen.
      Verrottung ist nämlich vom Prinzip her nichts anderes als Verbrennung.
      Der Kohlenstoff aus fossilen Energieträgern dagegen, verbliebe ohne Verbrennung noch viele Millionen Jahre außerhalb des Kreislaufes.
      MfG Frankfurter

      • Hallo Herr/Frau (?) Frankfurter, vor Jahren hat im Fernsehen mal jemand argumentiert, man könne CO2 in der Atmosphäre aktiv mindern, indem man Bäume quasi über lange Zeiträume deponiert und natürlich die Flächen gleich wieder aufforstet. Wäre sowas machbar? Welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten wären mit einer solchen Strategie verbunden?

        Was würde das bringen? Wie sind die Dimensionen? Können Sie mal mit Zahlen spielen: Wenn ich zum Beispiel ganz Deutschland abholze und wieder aufforste, wieviel CO2 könnte ich dann im Lauf der Jahre herausfiltern?

        Markteffekte wie Preisverfall usw. können wir mal weglassen (auch, dass eine globale Wiederaufforstung sowieso eine positive Sache wäre), mich würden die Zusammenhänge jetzt mal rein biologisch interessieren. Außer CCS gibt es ja sonst wohl nur defensive CO2-Strategien!

        • Jürgen Bucher sagt:
          „… man könne CO2 in der Atmosphäre aktiv mindern, indem man Bäume quasi über lange Zeiträume deponiert und natürlich die Flächen gleich wieder aufforstet. Wäre sowas machbar? Welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten wären mit einer solchen Strategie verbunden?“

          Hallo Herr Bucher,
          das wäre ohne weiters machbar. Und prinzipell das Geiche, was bei der Entstehung von Kohle und Öl abgelaufen ist.
          Es macht aber keinen Sinn, denn wenn ich Holz solcherart deponiere anstatt es zu verbrennen, entziehe ich zwar Kohlenstoff dem Kreislauf, muß anstelle dessen aber den Kohlenstoff aus fossilen „Deponien“ dem Kreislauf hinzufügen. Weil ich dann ja anstelle von Holz Heizöl verbrenne. Das wäre ein Nullsummenspiel.

          Neuanlage von Wäldern auf Kahlflächen dagegen wäre durchaus sinnvoll. Egal ob man deren Holzzuwachs nutzen würde oder nicht, wäre dauerhaft Kohlenstoff gebunden. Entsprechend dem Holzvorrat dieses Waldes.
          Noch naheligender wäre aber, erstmal die Vernichtung von Waldflächen zu stoppen.

          Die in einem Wald gspeciherte Kohlendioxydmenge lässt sich einfach berechnen, wenn man den Vorrat kannt, und den Anteil an Kohlenstoff im entsprechenden Holz.

          Nur mal so als Hausnummer: Bei uns dürfte ein 1 Hektar Dauerwald ganz grob 500 Tonnen Holz enthalten. Entspräche ca. 250 Tonnen Kohlenstoff bzw. 1 Gt Kohlendioxyd. Falls ich mich nicht auf die Schnelle verrechnet habe.
          Gruß
          Frankfurter

      • Wenn ich die Photosynthesegleichung nehme:

        6 H2O + 6 CO2 = 6 O2 + C6H12O6 und die spezifischen Atomgewichte
        (H=1 und C=12 und O=16) und alles addiere/multipliziere, so dass ich auf beiden
        Seiten der Gleichung 372 aggregiertes Atomgewicht bekomme:

        Kann ich dann sagen, dass 180 Kilogramm entstehende Biomasse C6H12O6 (das
        dürfte vermutlich Zellulose sein, etwa eines wachsenden Baumes), 72 Kilogramm
        Kohlenstoff bindet (6 C-Moleküle), 192 Kilogramm Sauerstoff produziert (6 O2-Moleküle) bzw. 264 Kilogramm CO2 (6 Moleküle CO2) aus der Atmosphäre herausfiltert?

        Eine mittlere Fichte von vielleicht 1.500 Kilogramm müsste demnach etwa 2.200 Kilogramm CO2 binden (immer den entstehenden Sauerstoff mit einberechnet).

        Ist das jetzt eine naive Rechnung? Gibt es einen Denkfehler?

  42. @Frankfurter :
    1) Die Verrottung von Holz wie auch die Fixierung von CO2 durch Planzen sind langsame
    Vorgänge, die mehrere Jahre dauern, so dass es im Gegensatz zur Verbrennung nicht zur
    plötzlichen Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre kommt.
    2) Nur wenn Sie Energie durch Verbrennung von Kohlenstoffverbindungen erzeugen, wird CO2
    mit relativ hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre emittiert – wobei der Ursprung des
    verbrannten Materials bei vollständiger Verbrennung in der Bilanz belanglos ist !
    Greenpeace hatte z.B. seinerzeit über die verheerenden Waldbrände in den Jahren 1997 und
    1998 in Indonesien zwecks Errichtung von Ölpalmplantagen berichtet. Dabei wurden innerhalb
    von 2 Jahren gewaltige Mengen CO2 in die Atmosphäre emittiert. Die Fixierung der
    entsprechenden Menge CO2 durch Pflanzen ist aber bis dato nicht vollständig abgeschlossen !

    • Dr. Horst Denzer sagt:
      „1) Die Verrottung von Holz wie auch die Fixierung von CO2 durch Planzen sind langsame
      Vorgänge, die mehrere Jahre dauern, so dass es im Gegensatz zur Verbrennung nicht zur
      plötzlichen Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre kommt.“

      Herr Denzer,
      die Geschwindigkeit spielt keine Rolle bei den Zeiträumen die hier von Interesse sind.
      Wenn eine verrottete oder verbrannte Pflanze durch eine neue mit entsprechender Masse ersetzt wird, ist die Kohlenstoffbilanz ausgegeglichen.
      Bei Brandrodungen OHNE Wiederaufforstung durch einen Wald gleichen Holzvorrates ist das natürlich nicht der Fall. Keine Frage.

      Eberhard Freitag sagt:
      „Entsteht bei der Verrottung nicht Humus, welcher Kohlenstoff bindet?“

      Herr Freitag,
      Humus ist unvollständig zersetzte organische Masse, welche noch einen Teil des ursprünglichen Kohlenstoffes enthält. Erst nach der Mineralisierung ist auch dieser in die Atmosphäre freigesetzt.
      MfG
      Frankfurter

    • @ E. Freitag
      [Entsteht bei der Verrottung nicht Humus, welcher Kohlenstoff bindet?]
      Im Prinzip ja.. Die Bindung von Kohlenstoff hängt von den Umgebungsbedingungen bzw. vom Luft- bzw. Sauerstoffkontakt/-abschluss ab. Allerdings ist die Kohlenstoffspeicherung von Humus in der Zeitskala der Bildung fossiler Brennstoffe unbedeutend. Deswegen sollte nach meiner Meinung (!) bei Vermeidung des Treibhausgases CO2 die Schonung fossiler Brennstoffe im Vordergrund stehen.

  43. @Frankfurter :
    In Anbetracht der Tatsache, dass der WWC (World Water Council = Weltwasserrat) wieder tagt,
    dem laut Attac auch eine unrühmliche Rolle bei der Privatisierung von Wasser vorgeworfen wird,
    möchte ich Ihnen noch eine Antwort auf Wasserverbrauch in der Landwirtschaft geben (größter
    durch Menschen verursachter Wasserverbrauch) geben. Die größten Katastrophen in Bezug auf
    Wasserverschwendung wurden nicht durch Viehzucht sondern durch Anbau von viel Wasser
    verbrauchenden Pflanzen verursacht. Alls Beispiel sei die Austrocknung des Aralsees infolge
    gewaltiger Baumwollplantagen genannt. Ähnliche fatale Beispiele können z.B. für Ägypten genannt werden.

  44. @ Jürgen Bucher :
    Herr Bucher, Sie haben die photochemische Bildung von Glucose und Sauerstoff aus CO2 und Wasser angegeben und richtig gerechnet. Cellulose entsteht nachfolgend durch Polymerisation von Glucose. Holz besteht jedoch aus 2 Hauptbestandteieln : Cellulose und Lignin, dessen Biosynthese allerdings anders verläuft und wobei auch Sauerstoff verbraucht wird. Allerdings überwiegt die Sauerstoffproduktion in der Photosynthese der Kohlenhydrate aus CO2 und Wasser deutlich.
    @Eberhard Freitag :
    Herr Freitag, ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihren Hinweis auf Humus, dessen Bildung Kommentator(in) Frankfurter nicht erwähnt hatte. Bei der Verrottung von Holz findet beides statt : die Bildung von CO2, Wasser; Acetat durch Mineralisierung bzw. Gärung als auch die Bildung von Humus, der zum großen Teil aus polymeren aromatischen Verbindungen besteht, deren Ursprung hauptsächlich das Lignin im Holz ist.

  45. Zu Herrn Buchers Rechnung: Die Masse einer Pflanze besteht aus einer Vielzahl verschiedener organischer Stoffe, im Falle des Baumholzes vor allem Lignin, daneben diverse Polypeptide, und nicht zuletzt eine ganze Menge Wasser. Bei der Rechnung wären also wohl noch einige Korrekturfaktoren anzubringen.

  46. @Frankfurter :
    Herr oder Frau Frankfurter, die Geschwindigkeit spielt doch eine Rolle. Dazu folgendes Beispiel :
    Stellen Sie sich vor, die Besucher eines Zoos wären CO2 Moleküle und die Anreicherung von CO2
    in der Atmosphäre entspräche den Besucherzahlen vor der Kasse und die Umsetzung von CO2 in Biomasse der Abfertigungsgeschwindigkeit der Besucher an der Kasse. Nur wenn z.B. in 1 Stunde
    genau so viele Besucher an der Kasse abgefertigt werden wie neue Beucher hinzu kommen, kommt es zu keiner Anreicherung von Besuchern in Warteschlangen. Nimmt allerdings die Zahl der Besucher vor der Kasse schneller zu als der Abfertigungsgeschwindigkeit der Besucher an der Kasse entspricht, kommt es zu Warteschlangen = Anreicherung. Mit anderen Worten : wenn man nach Verbrennen des Holzes eines Baumes warten würde, bis das freigesetzte CO2 wieder in Biomasse gebunden ist, haben Sie natürlich Ihr Gleichgewicht. Aber in der Praxis wird nicht so lange gewartet sondern weiteres Holz verbrannt, so dass es zu einer Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre kommt !

    • „…wenn man nach Verbrennen des Holzes eines Baumes warten würde, bis das freigesetzte CO2 wieder in Biomasse gebunden ist, haben Sie natürlich Ihr Gleichgewicht. Aber in der Praxis wird nicht so lange gewartet sondern weiteres Holz verbrannt..“
      ———————————————————–

      Herr Denzer,
      bei nachhaltiger Nutzung wird durchaus so lange gewartet. Bzw. es wird kontinuierlich höchstens so viel verbrannt wie kontinuierlich nachwächst.

      Holzverbrennung aus Übernutzung oder Raubbau ist natürlich nicht CO2-neutral. Darüber braucht man kein weiteres Wort zu verlieren
      MfG Frankfurter

  47. Danke für die fundierten erklärenden Beiträge zum Thema Biomasse/Wald/CO2, ganz abgeschlossen scheint mir das Thema noch nicht zu sein. Ich habe mal etwas weiter recherchiert und unter http://www.wald.de (dort auf „Der Wald“ und dann auf „Wald und CO2“ gehen) einige fundierte Beiträge entdeckt (bin noch am lesen und drüber nachdenken).

    Jedenfalls speichert der deutsche Wald etwa 4,4 Mrd. Tonnen CO2!

    Der Herr Schellnhuber hat ja wohl ein neues Buch geschrieben, Titel „Selbstverbrennung“. In der Kurzbeschreibung steht: „Nach derzeitigem Wissensstand bewegt sich unsere Zivilisation nicht auf die oft genannte Zwei-Grad-Grenze, sondern viel dramatischer auf eine Erwärmung von 3 bis 4 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu.“

    Diese Einschätzung teile ich! Wir werden jedes Jahr mehr dramatische Folgen unseres verrückten Handelns zu sehen bekommen und irgendwann wird auch der strukturkonservative und paläoliberale Teil des Bürgertums – der bisher jede Verantwortung ablehnt und sog. „rationale Ignoranz“ betreibt – Angst bekommen. Es wird dann weitgehend zu spät sein, aber die Themen „aktive CO2-Minderung“, „climate engineering“ und Atomkraftwerke werden verstärkt diskutiert werden. Nur ja nichts am eigenen Verhalten ändern wird die Devise sein!

  48. Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Diskussionen zu diesem Thema machen mir Spass, auch wenn nicht alle meine Meinung vertreten. Zur globalen Erwärmung gehört auch Thermodynamik und wer etwas davon versteht, kann auch erklären, warum man kalte Füße bekommt, wenn man auf Eis läuft und ein Teil des Eises dabei auch schmilzt. Nun jedoch zu meinem eigentlichen Anliegen, welches mit tatsächlich schwer zu beweisenden naturwissenschaftlichen Theorien und deren Vertretern zu tun hat und meines Erachtens auch anregend für diese Diskussion ist : Ich habe mich neulich zwecks einer Präsentation über den Ursprung des Wassers in diesem Zusammenhang auch mit dem Ursprung und der Geschichte des Universums beschäftigt. Nach dem Lambda CDM (CDM = Cold Dark Matter) – Modell (Urknalltheorie) unter Verwendung der Feldgleichungen der Gravitation waren vor etwa 13,8 Milliarden Jahren ungeheure Mengen Energie (entspräche heutzutage einer Masse von 10 exp. 50 Tonnen) in einer Singularität (ein “Punkt“ kleiner als ein Elektron von unvorstellbar großer Dichte und Temperatur) vereinigt, aus dem sich Materie, Raum und Zeit entwickelt hatten. Man kann sich vielleicht noch die enorme Verdichtung von Materie bei der Bildung eines Neutronensterns vorstellen aber keine Singularität (meines Erachtens nicht einmal Genies wie Steven Hawkings), die man aber errechnen kann (sofern richtig gerechnet wird und man einen besser funktioniereneden taschenrechner hat als ich neulich). Selbst bei Verknüpfung der allgemeinen Relativitätstheorie mit der Quantenphysik übersteigt eine Singularität die Vorstellungskraft aller Menschen und die Tatsache, dass man an einer TOE (Theory of Everything) arbeitet wird nur zu einer besseren mathematischen Beschreibung aber nicht zu mehr Verständnis führen. Um nun den Bogen zur Thermodynamik und damit zum Klima zu schlagen : manche Menschen haben aus der Urknalltheorie zumindest für die Singularität und die ersten Millisekunden nach dem Urknall (unpassender Ausdruck) die voreilige Schlussfolgerung gezogen, dass die herkömmlichen Naturgesetze nicht gelten also auch nicht die Hauptsätze der Thermodynamik. Aber diese Schlussfolgerung ist voreilig und albern, weil man nicht beurteilen kann, was man nicht begreifen kann ! Wenn jemand von Ihnen dazu Bemerkungen machen könnte, würde ich mich sehr freuen !! Da die Feldgleichungen zur Gravitation auf Einstein zurückgehen, möchte ich noch eine treffende Aussage von Einstein zitieren, als er nach dem
    2. Weltkrieg zur Unendlichkeit befragt wurde. Einstein sagte : “2 Dinge können wir als unendlich betrachten : das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum
    bin ich mir nicht ganz sicher !“

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

    • Also ich kann dazu nur beitragen, dass die meisten Physiker sich mittlerweile wohl einig sind, dass es keine Materie gibt. Wieder andere „rechnen“ sogar durch den Urknall „hindurch“, irgendwas schaumig-poröses gibt es dort/dahinter wohl zu entdecken.

      Falls ich in ein paar Jahren meine Drohung wahrmache und ein Physikstudium beginne, werde ich mich eventuell damit beschäftigen. Ich finde aber auch Klimatologie, Biopolymer-Chemie, Entwicklungs- und Soziobiologie sowie Ameisenforschung interessant.

      Mein Kommentar ist jetzt übrigens durchaus ernst gemeint!

  49. Es führt zwar weg vom Klima-Thema, aber weil es angesprochen wurde:
    Eine Singularität kann man durchaus begreifen, aber nicht berechnen (auch ein Stephen Hawking nicht). Eine Singularität ist eine Fehlstelle in der Funktion. So hat z.B: die Funktion f = 1/x bei x=0 eine Singularität, weil 1/0 eben nicht sinnvoll zu definieren ist. Entsprechend ist die Urknallsingularität ein Zustand unendlich hoher Energie- und Materiedichte, und das ist, hart gesagt, physikalischer Unsinn. Darum reden die Astrophysiker auch immer nur von Augenblicken eine Sekunde, eine Millisekunde, eine Nanosekunde… nach „dem Urknall“. Das bezeichnet dann Zustände extrem hoher, aber eben doch endlicher Energie- und Materiedichte. Das sind physikalisch sinnvolle Aussagen. Im Vergleich berechnet man also die Werte 1/0,1, 1/0,0001, 1/0,00000001 usw. Von der Singularität bleibt man aber immer unendlich weit entfernt.

  50. Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr oder Frau Nemesis (ich vermisse Ihre sympathischen Kommentare !),
    bei EIKE diskutiert man zur Zeit über Vorhandensein oder die Größe des Kilimandscharo-Gletschers, was aber völlig unerheblich ist für die Erwärmungsdiskussion. Auch viele von Ihnen begehen (abgesehen von den Experten) diesen Fehler, nur an die Temperatur als Einflussfaktor zu denken. Die Experten unter Ihnen kennen bestimmt die antarktischen Trockentäler im bis 4500 m hohem und 4000 km langem Transantarktischen Gebirge, die trotz Temperaturen von maximal – 10 °C ständig eisfrei sind. Ähnliches gilt für den 30 km langen Fluß Onyx in der Antarktis. Starke Winde und salzhaltiger Boden sind hier die Gründe und nicht die Temperatur.

    MfG, Horst Denzer

  51. Der Kommentar von Herrn Bernhard Strowitzki begeistert mich in Bezug auf Anschaulichkeit als auch deutlicher Stellungsnahme. Herr Strowitzki, Sind Sie eigentlich der Bernhard Strowitzki in der Akademie der Donaldistischen Wissenschaften ?

    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

  52. Ich habe mal meinen dicken Ordner mit populären Wissenschaftsartikeln konsultiert und kann zum Thema Urknall/Singularität noch folgendes empfehlen und ergänzen:

    Ein Interview mit Martin Bojowald in der ZEIT und eines von Brian Greene („Warum ist nicht nichts?“) im SPIEGEL (beides lässt sich leicht googeln). Nach Greene bräuchten wir nur ein winziges „Inflatonfeld“, „etwa 10 hoch minus 30 Zentimeter groß“, dann ergäbe sich der ganze restliche Zirkus wohl wie von selbst (mit Ausnahme natürlich der Frage, wo dieses verflixte Inflatonfeld letztlich herkommt).

    „Wir belasten die Umwelt nicht, wenn wir uns mit der Relativitätstheorie befassen“, hat Thomas Straubhaar einmal gesagt. Also lassen wir unsere Vorstadtpanzer (SUV`s) zukünftig in der Garage und strengen dafür mehr den Kopf an (womit ich auch, zugegeben etwas gewunden, die Kurve zu den Klimafragen gekriegt habe)!

    Beide Interviews sind in jedem Fall absolut lesenswert!

    Mit meiner Materie-Behauptung (siehe oben) möchte ich bitte nicht in allzu große Nähe zu Hans-Peter Dürr (youtube!) gerückt werden, der war mir dann zuletzt doch etwas zu esoterisch ausgerichtet.

    Vielleicht kann mir aber jemand erklären, warum Quarks Punkte ohne Ausdehnung, aber mit Masse sind und was das alles zu bedeuten hat!

  53. Bin ich. Habe im „Donaldist“ (oder damals noch „Hamburger Donaldist“?) Artikel über Sprachquellen und Quellsprachen im Duck-Universum und über altpersische Onomastik veröffentlicht, dann aber leider keine Zeit mehr gefunden, mich weiter in diese Richtung zu engagieren.

  54. Hallo Herr Bucher,
    über Ihren sympathischen Kommentar habe ich mich sehr gefreut !. Mit den Quarks ist das nicht so einfach – sowohl was deren „Masse“ als auch deren „Ausdehnung“ betrifft. Aber bei Eelektronen haben wir es mit noch kleineren Dimensionen zu tun. Ein Atomkern ist ja schon winzig im Vergleich zum Atom : nehmen wir zum Beispiel das Wasserstoffatom, dessen Kern aus 1 Proton besteht : Wenn der Kern die Größe eines Reiskorns hätte, hätte das Wasserstoffatom einen Durchmesser, der der Höhe des Eiffelturms entspricht. Das Proton des Wasserstoffatoms setzt sich nun aus Quarks und Gluonen („Klebstoff“) zusammen. Mehr zum Einstieg in das faszinierende Thema der Quarks finden Sie z.B. unter :
    http://www.drillingsraum.de/room-quarks/quarks.html
    mit freundlichen Grüßen, Horst Denzer

  55. Nochmal (und wohl letztmalig hier) zu Singularitäten, Quarks und anderen Elementarteilchen: Ob es sich bei Quarks noch um klassische Teilchen handelt, ist ja gar nicht klar (Higgs-Feld und so…). Aber die ganze klassische Mechanik geht vom Konzept des Massenpunktes aus, die herkömmliche Feldtheorie von einer punktförmigen Feldquelle. Alles wieder Singularitäten! Wir wissen nicht, was „innen“ passiert, was die Dinge „eigentlich“ sind. Wir sehen nur, wie sie nach außen wirken.

    • Wir wissen nicht, was „innen“ passiert, was die Dinge „eigentlich“ sind. Wir sehen nur, wie sie nach außen wirken.

      Tja, die Wissenschaft ist halt auch nicht allwissend (zum Glück), ebensowenig, wie die Religion. Und die Wissenschaft wird wohl auch niemals allwissend werden, obwohl das manche Strategen, die am liebsten schlichtweg alles kontrollieren würden, sicher gerne so hätten. Wissenschaft und Technik sind sicher in mancher Hinsicht ein Segen, aber sie können auch böse missbraucht werden, ebenso, wie die Religion. Hat man früher die Allmacht dem lieben Gott zugesprochen, so verspricht sich der moderne Mensch die Allmacht der Wissenschaft und Technik. Die Natur kümmert das alles allerdings recht wenig 🙂

  56. Herr Strowitzki, das ist richtig aber ich habe diesen Kommentar nicht für Sie sondern für Herrn Bucher geschrieben, der weder Physiker noch Chemiker ist, um ihn den Einstieg in dieses Thema
    zu erleichtern !

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