Meereis-Rekord! + Updates

Das arktische Meereis hat in den letzten Tagen einen neuen Negativ-Rekord erreicht. Warum das auch bei uns in den mittleren Breiten niemanden kalt lassen sollte, diskutieren u.a. Lars Fischer bei Spektrum.de und Neven vom Sea Ice Blog bei Skeptical Science. Wie die US-Kollegin Jennifer Francis es formulierte:

Die Frage ist nicht, ob der Verlust des Meereises die globale Zirkulation beeinflusst, sondern: wie könnte er nicht?

altPhoto (c) Stefan Rahmstorf

Die verschiedenen Forschungsinstitute vermelden den traurigen Rekord jeweils mit einigen Tagen Abstand. Das liegt daran, dass sie unterschiedliche Satelliten-Sensoren verwenden, unterschiedliche Auswerte-Algorithmen, etwas verschiedene Definitionen der Eisausdehnung (z.B. alle Pixel mit weniger als 15% bzw. 30% Eisbedeckung werden als eisfrei gezählt) und auch unterschiedliche Mittelungsperioden (die meisten Institute legen Tageswerte zu Grunde, NSIDC dagegen einen Mittelwert über 5 Tage). Das führt zu im Detail unterschiedlichen Datenkurven und einen etwas anderen Zeitpunkt, an dem der Negativrekord von 2007 unterboten wird. Aber gerade diese Vielfalt in der Methodik der unabhängigen Forschergruppen ist natürlich das, was in der Wissenschaft zu robusten Erkenntnissen führt. Einen Überblick über eine große Zahl von diagnostischen Grafiken zur Meereisentwicklung findet man hier.

altEisausdehnung bis zum heutigen 27. August (rote Kurve) im Vergleich zu den Vorjahren laut IJIS Arctic Sea Ice Monitor.

Dass die „Klimaskeptiker“ die Unterschiede gleich wieder als Grund für Manipulationsvorwürfe nehmen, sei hier nur am Rande vermerkt – die einschlägigen Websites bedienen nun mal ihr Nischenpublikum von Verschwörungstheoretikern. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an unseren Beitrag Zwei Planeten aus dem Jahr 2008, als die „Klimaskeptiker“ polemisierten „Die Arktis weigert sich zu schmelzen“ (ebenfalls verbunden mit abwegigen Manipulationsvorwürfen), weil der Rekord von 2007 nicht sofort im nächsten Jahr wieder unterboten wurde. Ähnliches wird gewiss auch wieder in den nächsten Jahren zu hören sein, denn aufgrund der dem Abwärtstrend überlagerten natürlichen, wetterbedingten Schwankungen ist selbstverständlich nicht jedes Jahr ein neuer Rekord zu erwarten. Jedes Jahr mit einem Rekord (egal ob in der globalen Temperatur, der arktischen Eisbedeckung oder einer anderen Messgröße) wird daher zwangsläufig gefolgt von mehreren Jahren, in denen die „Klimaskeptiker“ behaupten, das Eis erhole sich oder die globale Temperatur stagniere oder falle, etc. (Wie häufig ein Rekord bei einer Zeitreihe mit Trend plus „Rauschen“ auftritt, habe ich mit meinem Kollegen Dim Coumou übrigens 2011 in einem Aufsatz in PNAS analysiert. Das hängt nahezu linear vom Quotienten aus Trend und Varianz ab.)

altDer aus Satellitendaten gewonnene Standardised Melt Index für Grönland, der die kumulative Eisschmelze für jede Schmelzsaison misst. Obwohl die Saison erst im September endet, war bereits bis Anfang August mehr Eis als in den Vorjahren geschmolzen.

Nicht nur das Meereis leidet unter Schwindsucht – auch das Kontinentaleis auf Grönland erlebt dieses Jahr eine Rekordschmelze. Eine Analyse von Media Matters for America zeigt, dass dies von den US-Medien praktisch ignoriert wird – anders als von den deutschen Medien (siehe z.B. Die Welt). Tatsächlich dürften die Ereignisse in der Arktis sich langfristig als wesentlich folgenreicher für uns alle erweisen, als die meisten der derzeit in den Medien sehr breit diskutierten Themen, einschließlich der Eurokrise.

Update 28.8.: Gestern Abend hat das NSIDC ebenfalls den neuen Rekord erklärt. Das Institut weist darauf hin, dass die 6 Jahre mit der geringsten Eisausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen die vergangenen 6 Jahre waren (2007-2012).

Und sueddeutsche.de zitiert diesen Blogbeitrag: „Folgenreicher als die Euro-Krise“ und hat ihn inzwischen in überarbeiteter Form übernommen.

Update 29.8.:

Video: KlimaLounge Autor Anders Levermann im ARD Nachtmagazin

ZEIT Online hat ein Interview mit mir zum Eisrekord

Update 12.9.: Und hier noch ein Kommentar von mir bei Project Syndicate: Melting on Top of the World.

 

Weblinks

Sea Ice Outlook: http://www.arcus.org/search/seaiceoutlook/index.php

National Snow and Ice Data Center (mit täglichem Update)

Sea ice blog

Realclimate: An update on the Arctic sea ice

Lesenswert: Bill McKibben im Rolling Stone: The Arctic Ice Crisis

New York Times zum Rekord

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

34 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Paradebeispiel

    Vielen Dank Herr Rahmstorf für das Update.

    Ein bisschen Schadenfreude sei dann an dieser Stelle dann mal erlaubt, denn noch im April frohlockte ein berüchtigter „Skeptiker“, die Ausdehung des arktischen Eises sei wieder auf dem Normalzustand angelangt:

    http://stevengoddard.wordpress.com/…seven-years/

    Als dann jemand später im Kommentarbereich auf den sich anbahnenden Rekord hindeutete, hat dieser „Skeptiker“ auch noch gewettet, dass es dieses Jahr zu keinem Minimum kommt. Tja und nun windet er sich nach Kräften, um irgendwie noch aus dieser Nummer rauszukommen:

    http://stevengoddard.wordpress.com/…007-minimum/

    Ich finde, dies ist ein Paradebeispiel, wie Skeptiker so ticken. Die Wahrheitsverdrängung nimmt da wirklich beängstigende Züge an. Würde mich nicht wundern, wenn man bald das Minimum als Trendumkehr verkauft…

  2. Trojanerwarnung

    Ich möchte darauf hinweisen, dass der Link zur Klimawandelleugnerseite „Sience-skeptical.de“ bei mir eine Trojanerwarnung ausgelöst hat.

    Ansonsten danke für diesen Beitrag. Ich verfolge dieses Thema seit einiger Zeit, und finde es schlimm, wie schnell das alles abläuft. Selbst vor 10 Jahren noch dachte man, dass erst gegen Ende des Jahrhunderts das arktische Eis im Sommer verschwinden würde. Wenn man sich auch noch die alarmierenden Volumentrends (PIOMAS) ansieht, dann könnte es sogar schon in den nächsten Jahren soweit sein!

  3. ad Trojaner

    Ich habe das noch einmal überprüft, die Trojanerwarnung kommt von der Süddeutschen. Ich verwende übrigens avast, vielleicht war es auch nur ein Fehlalarm.

  4. Arktis:SucheNach dem neuen Gleichgewicht

    Die Arktisexpeditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts haben den Leser mit den Ausdehnungsschwankungen des Polareises vertraut gemacht – schon Roald Amundsen benutzte die Nordwestpassage . Trotz allen Schwankungen erlebte man aber den polaren Einfluss auf Klima und Wetter in unseren Breiten als mässig schwankend.
    Möglicherweise hat jetzt eine Ära begonnen, wo die polaren Einflüsse auf unsere Breiten für einige Jahrzehnte erratisch werden – bis dann alles Eis im Sommer weg ist und sich damit ein neues Gleichgewicht einstellt.

  5. beschleunigter Abbau des Meereises ?

    Der Abbau des nordpolaren Meereises hat ein unglaubliches Tempo aufgenommen. Ich dachte eigentlich, daß der 2007-Minimum-Rekord eine Weile hält; gefehlt.
    Beim derzeitigen Zuwachs von 2ppm/Jahr CO2-Gehalt in der Luft und des Eis-Albedo-Rückkopplungseffektes bin ich überzeugt, daß es bereits 2030 kein Meereis im Sommer mehr geben wird.
    Bin gespannt, was die heurigen Eisdickenmessungen der Polarstern ergeben.

  6. Könnte schon ein Hinweis sein , daß die ganze Klimasache schneller voranschreitet als angenommen .

    Es gibt da immer diese Schätzungen , wonach die wirklich dramatischen Folgen wohl erst Ende des 21.Jhds zu erwarten seien , und die sind ja auch sehr bequem , betreffen sie doch kaum einen der heute Lebenden.

    Sollte es aber tatsächlich schneller gehen , kann das aber auch bedeuten , daß Gegenmaßnahmen schneller greifen könnten als bisher angenommen.
    Beim Ozonloch hieß es auch , das Verbot der FCKW würde erst nach 30 Jahren wirklich sichtbar – dieser Punkt wurde jedoch sehr viel früher erreicht.

  7. warum?

    das ist die einzig wichtige Frage!

    Warum nimmt die arktische Meereisbedeckung wie auch das Volumen dieser so stark ab, über die letzten Dekaden. Glaziologen sagen, Gletscher und „Dergleichen“ sind strahlungssenistiv und nicht temperatursensitiv. Zumindest weit weniger.
    Jetzt stellt man sich, wenn man kritsich und genau überlegt, freilich auch die Frage, warum schmelzen die Gletscher der Alpen seit Mitte der 80 ger wieder so rasch und warum tut das auch das Eis um die Arktis?
    Hier ist alles klar, also in diesem Forum: es ist der Mensch! Wir mit unseren CO2 Emissionen sind schuld, aus pasta fertig!
    Wirklich? zu welchem Teil? Das geht hier wie üblich völlig unter und das ist das wirklich Schlechte an dieser sg. Wissenschaft, welche nichts mehr im Sinn hat, als alles auf das Kunststück CO2 zu schreiben. Wie oft muss man noch wiederholen, dass dies nicht stimmt, wie oft denn noch?

    [Antwort: Wenn Sie nach der Ursache der globalen Erwärmung suchen, müssen Sie die Strahlungsbilanz unseres Planeten anschauen. Die Wärmeenergie muss von irgendwo her kommen, das ist der 1. Hauptsatz der Thermodynamik, das Gesetz von der Energieerhaltung. Aus dem Ozean kommt die Wärme nicht (der Wärmeinhalt des Ozeans nimmt in den letzten Jahrzehnten stetig zu, nicht ab). Also kann die Wärme nur von oben kommen. Und das ist ja bestens belegt, die Strahlungsbilanz ist gut verstanden. Der vom Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgase ist die bei weitem dominante Veränderung der Strahlungsbilanz und übertrifft z.B. die Schwankungen der Sonnenaktivität um einen Faktor 10. Das liegt nicht daran, dass die Wissenschaftler alles auf CO2 schieben wollen – alle Faktoren, die die Strahlungsbilanz verändern, werden untersucht und z.B. in Abb. 2 des IPCC-Berichts miteindander verglichen. Dafür, dass der CO2-Anstieg nun mal der dominante Faktor ist, können wir Wissenschaftler nichts, wir können das nur konstatieren. Wir können uns dabei nicht nach Wunschdenken richten sondern nur nach den Messdaten. Stefan Rahmstorf]

  8. Insolation

    @ Gunnar

    Die Wissenschaft zieht sich sicher nichts aus der Nase, dass Treibhausgase (nicht nur Co2, was gerne vergessen wird) die ORL abschirmt ist keine neue Erkenntniss und dieses können wir tatsächlich auch an der TOA messen, es sind keine Modelle oder dergleichen, es sind harte Messwerte.

    Gehen wir mal ein bischen zurück im Holozän, dazu sehen Sie Ruddiman et al 2003/2007, nicht nur das der menschliche Einfluss ungefähr ins mittlere Holozän nachweisbar ist, sondern auch die Tatsache, dass die Präzession derzeit auf den Tiefstand ist (Nord-Hemisphärische Insolation ist hier das Stichwort).

    Das die Temperatur nicht mehr weit weg vom Holozänen-Maximum sind ist mit keinerlei natürlichen Faktoren erklärbar. Die Sonnenaktivitat reicht nich aus. Wenn sie einer anderen Meinung sind, begründen Sie bitte mit Quellennachweisen.

  9. Klimamodelle zu konservativ?

    …es scheint zumindest so, dass uns die Klimarealität immer wieder einholt, daher die Frage, ob die Klimamodelle bzw. die IPCC Darstellungen nicht zu konservativ sind und die verschiedenen Feedbacks ausreichend abbilden …

    s. hierzu auch

    http://www.sierraclub.ca/…b.ca/files/ht-oped.pdf

  10. @Gunnar Innerhofer

    Sie haben in einem Ihrer letzten Beiträge geschrieben, dass Sie sich gegen den „Alarmismus“ wehren, der nach Ihrer Meinung die Klimawissenschaft prägt. Allerdings kommt es mir so vor, dass Sie einen eigenen Alarmismus pflegen, indem Sie die gewichtige Rolle des am Treibhauseffekt beteiligten Kohlenstoffdioxids (und besonders dessen anthropogenen Anteil) vehement bestreiten.

    Ich frage mich (und Sie natürlich auch), woher Sie die Gewissheit nehmen, dass offenbar vieles, was in seriösen Lehr- und Sachbüchern über atmosphärische Physik und Strahlenphysik zu diesem Thema verzeichnet ist, falsch sein soll. Wo sind die nachprüfbaren Belege, Messungen, Papers, Untersuchungen etc., die Ihre Ansicht stützen?

    Interessant finde ich auch den Passus, wo Sie die Klimawissenschaft als sogenannte Wissenschaft titulieren. Laut Wikipedia ist die Klimatologie „eine interdisziplinäre Wissenschaft der Fachgebiete Meteorologie, Geographie, Geologie, Ozeanographie und Physik“. Gerade im Zusammenwirken dieser Fachgebiete liegt meines Erachtens eine besondere Stärke der klimatologischen Forschung, die schlussendlich auch zu robusten Resultaten führt (und die dabei nicht nur die Rolle des C02 behandelt, sondern eine Vielzahl von Aspekten und Faktoren). Die Klimatologie hat also viel mehr im Sinn, als ständig um das Thema CO2 zu kreisen – was sich an den entsprechenden Publikationen leicht feststellen lässt.

  11. Arktis eisfrei vor 2020, gar 2015?

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf!

    Ich schätze Sie und ihrer Forschungen sehr, daher frage ich Sie nach ihrer Einschätzung bezüglich folgender Grafik:
    https://sites.google.com/site/arctischepinguin/home/piomas/piomas-trnd2.png
    Dieser Trend veranschaulicht den exponentiellen Rückgang des Volumens des arktischen Meereises, scheinbar mit offiziellen Daten (die ich nicht überprüfen kann) und deutet darauf hin, dass wir schon in wenigen Jahren eine eisfreie Arktis im Sommer erleben werden müssen.
    Können sie diese Daten bestätigen?
    Diese Meinung wird ja auch von NASA-Forschern und dem Cambridge Professor Wadhams geteilt:
    http://m.bbc.co.uk/…science-environment-19393075

    Was würde das für das Wetter in Europa bedeuten?

  12. ewiger Alarmismus

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf

    Ihr ewiger Alarmismus ist einfach nur noch ärgerlich und ermüdend.
    Der Kommentar von Eike an die Redaktion von Heute Journal gilt eins zu eins auch für Sie.
    Mehr habe ich dazu auch nicht zu sagen.

    Mit freundlichem Gruß
    Dipl. Ing.(TU) H. Zöllner

    ————————–
    Sehr geehrter Herr Kleber,

    Meldungen über Rekord-Schmelzen in der Arktis kommen bei Ihnen und fast allen anderen Medien, so regelmäßig wie Weihnachten oder Ostern.
    So auch diesmal wieder verkünden Sie, ahnungsvoll (ängstlich tuend, und um Verständnis heischen, weil Sie doch bloß Ihre Pflicht tun) ob der vielen erwarteten Protestschreiben – wann immer es um die Berichterstattung zum (natürlich anthropogen induzierten) Klimawandel geht- im Fanfarenton – und an erster Stelle- über die diesjährige „Rekord“-Arktisschmelze.

    Der Grund für die vielen Protestschreiben und die darin begründete Vermutung, dass in Ihrer Redaktion ausschließlich die Klimahysteriker das Sagen haben, ist nicht, dass Sie häufig über den Klimawandel berichten, sondern nur wie Sie es tun.

    Ihre Berichterstattung kennt nur die alarmistische Sichtweise und Ihre „wissenschaftlichen“ Kronzeugen sind ausschließlich jene Leute, die dieses Lied ebenso singen und zudem vortrefflich von den immensen Ausgaben für die Klimaforschung in großem Umfang profitieren. Unabhängige wissenschaftliche Gegenstimmen, wie sie zahlreich (z.B. bei EIKE) vorhanden sind, finden bei Ihnen weder Gehör noch Stimme. Dass diese einseitige Berichterstattung eklatant ebenso gegen das gesetzliche Neutralitäts- wie Objektivitätsgebot verstößt, wird Ihnen so klar sein, wie Ihren fachkundigen Zuschauern.

    Sie berichteten dann groß aufgemacht (…. seit Bestehen der Zivilisation!!!!) über die diesjährige Rekord-Eisschmelze berichtet. Wobei der „Rekord“ (bis jetzt) gerade mal um 0,07 Mio km^2 unter der Minimum von 2007 lag. Das sind gerade mal 1,7 % weniger und liegen damit innerhalb der Messunsicherheit.

    Sie berichteten hingegen nicht über die Rekordeisausdehnung Ende März diese Jahres wo ein 10-Jahresrekord verzeichnet wurde. Sie berichteten auch nicht, dass andere Institute gar eine stärkere Eisbedeckung gemeldet haben. (http://stevengoddard.wordpress.com/…-record-low/)

    Vor allem berichteten Sie nicht, dass sich das alles immer wieder abgespielt hat, nur dass man damals weder Satelliten hatte, noch Klimapanik schüren wollte.

    Eine schier endlose Liste über frühere „Rekord“-Arktisschmelzen innerhalb der letzen 106 Jahre -also innerhalb unserer Zivilisation- finden Sie hier (http://www.real-science.com/arctic)

    Daraus nur wenige Beispiele, die Sie und Ihre Kollegen nicht kennen oder nicht für berichtenswert halten

    * CLEVELAND, Feb. 16. 1953 (A.A.P.): Der Arktis-Experte Dr. William S. Carlson sagte heute abend, dass die Eiskappen am Pol in einem erstaunlichen und unerklärbaren Tempo schmelzen würden und die Seehäfen durch ansteigende Pegel zu überschwemmen drohten.

    *1947 „Die Gletscher in Norwegen und Alaska haben nur noch die Hälfte ihrer Größe von vor 50 Jahren. Die Temperatur um Spitzbergen hat sich so verändert, dass die Schiffbarkeit von drei auf acht Monate im Jahr angestiegen ist,” (1)

    * 1947 Dr. Ahlman drängte auf die Einrichtung einer internationalen Agentur für das Studium der globalen Temperaturbedingungen. Die Temperaturen hätten sich um 10 Grad seit 1900 erhöht. Die Schiffbarkeitssaison entlang der Westküste Spitzbergens würde nun acht, anstatt drei Monate währen. (2)

    * 1940 … man stellte fest, dass die Temperaturen in Polnähe im Durchschnitt sechs Grad höher sind als Nansen vor 40 Jahren gemessen hat. Die Eisdicken betragen im Durchschnitt nur 1,95 m im Vergleich zu 3,90 m.

    * 1940 Der gerade aus der Arktis zurückgekehrte norwegische Kapitän Wiktor Arnesen behauptet, eine im Umfang 12 Meilen große Insel nahe Franz-Joseph-Land entdeckt zu haben, auf einer Breite von 80,40 Grad. Er meinte, dass die Insel zuvor von einem 19 bis 24 m hohen Eisberg verdeckt gewesen wäre, der nun geschmolzen sei. Dies zeige die außergewöhnliche Natur des jüngsten Abtauens in der Arktis. (3)

    Die Liste geht zurück bis auf 1906, abe rauch knapp 100 Jahre früher meldeten britische Marineschiffe eine ungewöhnlich geringe Eisbdeckung in der Arktis.

    per BCC geht eine Kopie dieser Mail an Klima Interessierte.

    Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
    Ihr
    Michael Limburg
    Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie)
    Tel: +49-(0)33201-31132
    http://www.eike-klima-energie.eu/

    Referenzen

    (1) http://trove.nla.gov.au/…chLimits=#pstart3099914

    (2) http://tinyurl.com/cv3a8wp

    (3) http://tinyurl.com/cp5fa4z

    [Antwort: Wir publizieren dies mal wegen des curiosity value. Stefan Rahmstorf]

  13. Sonnenaktivität

    Bei so einer Entwicklung wird wohl weder die Abnahme der Sonnenaktivität in den nächsten 1-2 Jahren, noch eine vermutlich prognostizierte zyklusbedingte reduzierte Sonnenaktivität wie sie bei der „kleinen Eiszeit“ gegen Ende des Mittelalters auftrat, helfen ..
    Und wenn diese Effekte tatsächlich eintreffen und den von Menschen verursachten Klimawandel abschwächen sollten, dann hilft das wohl mehr den VerschwöhrungstheoretikerInnen und denen die „schon immer gewusst haben“, dass „es nicht so schlimm ist“ .. nur um dann später von den Auswirkungen noch härter getroffen zu werden.

  14. Die Betrachtung des

    arktischen Seeeisvolumens zeigt ein ähnliches Bild und anscheinend einen stetigeren Verlauf.

    Der Eisrückgang dieses Sommers ist in der Graphik noch gar nicht enthalten.

  15. Hallo Herr DITU Zöllner et al

    und danke an den Betreiber dieses Blogs dafür, immer wieder auch Kuriositäten zu publizieren.
    Ich hatte gehofft, dass die borniertesten unter den Klimaleugnern mittlerweile entweder weggestorben sind oder sich zumindest der Realität stellen und danach Asche auf ihr Haupt schütten würden. Angesichts der unbestreibaren Datenlage für eine vom Menschen verursachte Klimaänderung frage ich mich daher, sind diese Leute nicht intelligent genug? Oder von wem werden sie für ihr „Engagement“ eigentlich bezahlt?
    Eike ist nunmal ein Institut, dass nicht wissenschaftlich arbeitet und dessen Finanzierung weitgehend unklar ist.

    Entlarvend ist übrigens der letzte Satz in Eikes Kommentar, dass dieser per BCC(!) an die sog. „Klima Interessierten“ gehe. Offensichtlich scheut man sich sogar davor, dass die angeschriebene ZDF-Redaktion mal nachfragt, wer das denn eigentlich ist.

  16. @Zöllner und Limburg

    Es ist immer bedenklich (und wissenschaftlich unredlich), fließende Prozesse wie die arktische Eisschmelze mit finalen Statements zu kommentieren, da die eigenen Vorurteile dann zumeist mit der Realität kollidieren.

    Inzwischen (2. September) hat die Meereisbedeckung das neue Rekordminimum von ca. 3,7 Mill. qkm erreicht.

    Frage an Sie: Liegt dieses Ergebnis immer noch innerhalb der von Ihnen postulierten „Messunsicherheit“? Ich überlasse es Ihrem mathematisch-statistischen Geschick, auszurechnen, um wie viele Prozent der aktuelle Wert für 2012 den bisherigen von 2007 unterschreitet.

  17. Gibt es reale Änderungen oder nicht

    In meinem beruflichen Leben in der Wirtschat habe ich mich immer für reale Zustände interessiert und nicht auf „alarmistisches Gerede“ achten dürfen. Für die Wirtschaft zählen nur messbare ökonomische Fakten. Nun schauen wir uns mal die Klimaproblematik aus wirtschaftlicher Sicht an. Die Russen fangen an, entlang ihrer Arktisküste Häfen auszubauen bzw. neue anzulegen
    [http://www.stern.de/…ellem-seeweg-1730969.html],
    Reedereien befahren die Nordostroute
    [http://www.n-tv.de/…Passage-article474047.html],
    Kanada baut seine Marinepräsenz im hohen Norden massiv aus
    [http://www.globaldefence.net/…-der-arktis.html],
    die Arktisanrainer verhandeln verbissen um jeden Quadratkilometer Meeresfläche zur Absicherung von Rohstoffclaims
    [http://www.economyaustria.at/…rnroeschenschlaf].

    Und man frage einmal die großen Rückversicherer, warum sie Klimaabteilungen haben und welche Milliardenzahlungen sie aufgrund nachweisbarer Klimafolgeschäden zu zahlen hatten; die Aufwendungen steigen auch, wenn man die höhere Industriedichte und die unverantwortliche Nutzung gefährdeter Räume heraus rechnet [https://www.allianz.com/oneweb/cms/www.allianz.com/de/presse/news/engagement/umwelt/news_2009-11-23.html].

    Kein gut geführtes Unternehmen und kein Staat gibt Geld aus, wenn nicht belastbare wirtschaftliche Analysen dazu Anlass geben.

    Die Wirtschaft fängt weltweit an, die Klimaänderung als gegeben anzunehmen und richtet sich darauf ein. Diese Leute sind alles andere als Träumer und fallen nicht auf „Chaostheoretiker“ herein, die rechnen emotionslos mit Fakten. Da können die Klimaskeptiker schwätzen was sie wollen.

  18. Ist es nicht einfach nur trivial, dass in der wärmsten Dekade der letzen 100 Jahre auch die Minima der Eisbedeckung zu finden sind? Den Anteil des CO2 and dieser Entwicklung kann man aus solchen Beobachtungen wohl kaum ableiten.

    [Antwort:Natürlich nicht. Aber dass die Erwärmung überwiegend durch den Anstieg der Treibhausgase verursacht wurde, ist ja bestens belegt. Wenn also das Eis aufgrund der Erwärmung verschwindet, muss man nur 1+1 zusammen zählen. Stefan Rahmstorf]

  19. @ Blanke

    Sie haben insofern Recht als die Wirtschaft sich auf den Klimawandel einstellt, und zwar unabhängig wovon er verursacht wird. M.M. nach gibt es aber nur einen einzigen wirklich relevanten Parameter: Die Weltgetreideproduktion pro Kopf der Bevölkerung. Diese liegt seit hunderten von Jahren ziemlich konstant bei ca. 350 kg pro Kopf und Jahr.

    Sollte dieser Wert durch den Klimawandel unter eine kritische Marke fallen werden die Folgen für Wirtschaft und politische „Eliten“ unbeherrschbar. Einen kleinen „Vorgeschmack“ haben wir ja 2007/08 erlebt, obwohl das eher weniger mit dem Klimawandel zu tun hatte.

    Die Frage, wie man dieser im wahrsten Sinne des Wortes tödlichen Bedrohung entgegenwirkt ist m.M. nach wesentlich wichtiger als akademische Diskussionen um die Ursachen des Klimawandels. Es ist nämlich für die Menscheit unerheblich ob es nun am CO2 oder an kosmischen Ursachen liegt.

    Beides läßt sich nämlich nicht kurzfristig und vor allem signifikant ändern. Das sieht man ja an den völlig folgenlosen jahrzehntelangen Klimakonferenzen, EEG, Zertifikatehandel usw. Hat alles Milliarden gekostet (die woanders fehlen) und ausser einer gigantischen Geldumverteilung der Umwelt global gesehen netto nichts gebracht.

  20. Tja Herr Binikowski,

    die Getreideproduktion pro Kopf als alleiniges Maß für den Klimawandel zu benutzen führt dann wirklich in absurde Argumentationsmuster. Anscheinend gehen Ihnen als ausgewiesenem Klimaleugner tatsächlich auch die letzten „Argumente“ aus und Sie ziehen sich damit endgültig aus der von Ihnen so genannten akademischen Diskussion über die Ursachen zurück.

    Der Grund für das von Ihnen monierte Scheitern der Klimaverhandlungen liegt selbstverständlich auch an den Aktivitäten von Ihresgleichen, die aggressiv den Unfug der entsprechenden Lobbyorganisationen verbreiten.

  21. Tja Herr Kühn

    könnte es vieleicht so sein dass ich mehr Ahnung von Landwirtschaft und Verhältnissen in der Dritten Welt habe als Sie denken?

    Also, bitte immer schön sachlich bleiben. Angenommen die schlimmsten Befürchtungen treten wirklich ein und in 100 Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur um 3 Grad gestiegen und der Meeresspiegel 2 Meter höher, dazu dann noch 30% mehr Dürren, Tropenstürme und Überschwemmungen.

    A: Der Temperaturanstieg hätte kaum Auswirkungen auf die Getreideproduktion da es genügend angepasste Saatgut-Sorten gibt auf die die Landwirte umstellen können. In manchen Regionen würden die Hektarerträge sinken, in anderen steigen. So würden zusätzliche 10 warme Tage im Jahr in Europa eine zweite Getreideernte ermöglichen.

    B: Bei geänderten Niederschlagsmengen ist es ähnlich. Das läßt sich fast immer durch angepasste Sorten, Investitionen in Bewässerungssysteme usw. ausgleichen.

    C: Ein mehrere Meter höherer Meeresspiegel hätte vor allem Auswirkungen auf die extrem fruchtbaren Flußdeltas. Diese Flächen wären dann aber nicht komplett weg, sondern würden sich ins Hinterland verschieben.

    Ich sehe in Punkt B das Hauptproblem. Wenn im worst case die derzeitigen Hauptanbaugebiete durch gehäufte Dürren signifikant weniger Getreide produzieren kann das nicht ohne weiteres in anderen, plötzlich begünstigten Regionen ausgeglichen werden.

    Das sehen wir ja seit einiger Zeit in der Sahel Zone. Obwohl sich dort die Wetterverhältnisse verbessern steigt die Agrarproduktion nur minimal. Das hat nichts mit Klimawandel zu tun sondern eher mit nicht vorhandenem Kapital der Kleinbauern, fehlender Infrastruktur usw.

    Also, Herr Kühn, mir ist es völlig egal in welche Schublade Sie mich stecken. Im Gegensatz zu Ihnen beleidige ich keine mir unbekannten Menschen und beklage auch nicht wie schlecht die Menschheit ist. Ich arbeite lieber aktiv und effektiv an praktikablen Problemlösungen.

  22. @Jochen Binikowski (1)

    „M.M. nach gibt es aber nur einen einzigen wirklich relevanten Parameter: Die Weltgetreideproduktion pro Kopf der Bevölkerung. Diese liegt seit hunderten von Jahren ziemlich konstant bei ca. 350 kg pro Kopf und Jahr.“

    Nur stimmt das nicht. Ich hatte gleich Zweifel, dass die Pro-Kopf-Getreideproduktion vor dem Hintergrund der heutigen industriellen Landwirtschaft und der Bevölkerungsexplosion konstant sein sollte, und das seit Jahrhunderten. Das *konnte* eigentlich nicht stimmen, also prüfte ich das einfach mal nach. Das Ergebnis:

    http://img9.imageshack.us/…ldcerealproductio.png

    Die Getreideproduktion pro Kopf hat sich von den frühen 60er Jahren bis heute von rund 300 kg auf 360 kg erhöht, also um grob 20%. Das ist eine ganz schön saftige Erhöhung, v.a. da in diesen Zeitraum der Zusammenbruch der Sowjetunion fällt. Und angesichts der Kurve und einer ganzen Reihe von Gründen, z.B. dass wir heute viel mehr Fleisch essen (und Getreide als Futtermittel verwendet wird), bin ich mir ziemlich sicher, dass die Pro-Kopf-Getreideproduktion früher („seit hunderten von Jahren“) wohl noch viel niedriger war. Die Pro-Kopf-Weltgetreideproduktion als Indikator für die Folgen einer Klimaveränderung ist daher völlig ungeeignet, da die Pro-Kopf-Getreideproduktion primär auch von Veränderungen in der Landwirtschaft (mehr Dünger, etc), Veränderungen der bewirtschafteten Fläche (z.B. Rodungen für Ackerland), Veränderungen unseres Konsumverhaltens (z.B. mehr Fleisch, Bio-Sprit aus Getreide, etc) und natürlich der Bevölkerungsentwicklung selbst abhängt. Da spielen so viele Faktoren rein, die sich alle massiv verändert haben, dass dies mit Klimawandel erst mal ziemlich wenig zu tun hat.

  23. @Jochen Binikowski (2)

    „Es ist nämlich für die Menscheit
    unerheblich ob es nun am CO2 oder an
    kosmischen Ursachen liegt.“

    Auch ihrer anderen Aussage kann ich nicht folgen. Denn natürlich ist es erheblich, ob es am CO2 liegt, weil wir selbst bestimmen können, wie viel wir davon freisetzen. Unser Verhalten bestimmt daher in diesem Fall zu einem wesentlichen Teil mit, wie sich das ganze in Zukunft weiter entwickeln wird. Und je länger Energie-Lobbys, Klimaskeptiker, usw jede Möglichkeit nutzen, eine vernünftige CO2-Reduktion zu erreichen, desto schlimmer wird das Problem. Wäre das Problem kosmischer Natur und das CO2 hätte keinen Einfluss, dann könnten wir soviel fossile Brennstoffe verheizen wir wir wollten. Daher macht es einen gewaltigen Unterschied, ob die Erwärmung nun natürlich oder menschengemacht ist und die Diskussion und Erforschung der Ursachen der Erwärmung ist alles andere als eine akademische, weltfremde Sache.

  24. @ Beobachter

    Schade das Ihr Link bei mir nicht funktioniert. Möglicherweise kommen die Diskrepanzen bei der pro Kopf Getreidemenge durch unterschiedliche Berechnungsmethoden zustande, u.a. die Berücksichtigung der Futterpflanzen für Arbeitstiere.

    Ansonsten fürcht ich dass Sie mein Posting nicht richtig verstehen. Der Punkt ist dass eine signifikante Unterversorgung das einzige Problem ist dass nicht beherrschar ist und die Menschheit wirklich ins Chaos stürzen kann. Es ist nämlich nicht mit der Ackerfläche und Niederschlägen getan, das Problem liegt darin dass möglicherweise die durch den Klimawandel begünstigte Regionen diesen Vorteil nicht nutzen können weil es u.a. an der Infrastruktur mangelt. So kann z.B. derzeit Brasilien seine Rekordernte nur teilweise exportieren weil es Probleme mit Transport- und Hafenkapazitäten gibt.

    Deshalb macht es m.M. nach viel mehr Sinn in diese Infrastrukturen zu investieren als endlose Konferenzen usw. abzuhalten.

    Wo bitteschön kann ein Privatmann oder Kleinunternehmer frei bestimmen ob fossile Energien verbrannt werden oder nicht? Überall wo die wirklich großen Mengen im Spiel sind wird sich so schnell nichts ändern. 99,9% der Kraftfahrzeuge werden mit Benzin/Diesel betrieben, Schiffe mit Schweröl, Flugzeuge mit Kerosin, Stahl-, Kraft- und Zementwerke werden mit Kohle befeuert usw. Wir kleinen Leute können vieleicht entscheiden ob wir mit dem Auto oder dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder im Winter die Heizung etwas herunterdrehen. Unser Einfluß auf den globalen fossilen Verbrauch liegt vermutlich bei unter 1%. Der große Rest wird von denjenigen bestimmt denen die fossilen Energien gehören.

    Sollte das Öl in absehbarer Zeit wirklich knapp und teuer werden sage ich voraus, die Autos werden dann mit Erdgas fahren und nicht mit Strom oder Wasserstoff. Ich sage ja nicht dass ich das alles gut finde, sondern sehe nur die geballten finanziellen Interessen die mit den fossilen Energien verbunden sind. Um das grundlegend zu ändern bedarf es weltweit einen Systemwechsel wie 1789 in Frankreich. Das wissen auch diejenigen deren Köpfe dann im wahrsten Sinne des Wortes rollen werden. Das werden die mit allen Mittel verhindern. Die Folge ist dieses seit Jahrzehnten vorherrschende System des weiterwurschteln und Probleme in die Zukunft zu verschieben.

  25. @Jochnb

    Der Link geht einwandfrei, sogar von unterschiedlichen Rechnern getestet. Die Behauptung, dass die Pro-Kopf-Getreideproduktion konstant wäre, ist angesichts der Daten und des gesunden Menschenverstands völlig unplausibel. Wie wärs, wenn du einfach einen Beleg für deine Behauptung bringst, dass die Getreidemenge „seit hunderten von Jahren“ konstant wäre? Ich sehe nämlich nach wie vor nichts, was diese Behauptung wahr machen würde.

    Davon abgesehen:
    Eine Unterversorgung mit Nahrung liegt nicht an zu geringer Produktion. Wir produzieren allein fast doppelt so viel Getreide, wie wir überhaupt bräuchten, um genug zu essen zu haben. Nur mal zur Erinnerung: 350 kg Getreide pro Kopf. Das ist rund 1 kg Getreide pro Tag. Das entspricht rund 3000 kCal. Zum Leben braucht man im Schnitt nur 2000 kCal. Wir hätten also prinzipiell genug Getreide, um die Menschheit mehr als locker allein davon satt zu machen.

    Das Problem ist daher eher die Verteilung und Verwendung der angebauten Nahrung. Und das sind alles politische Probleme.

    Außerdem hat der Klimawandel weit mehr relevante Gefahren als Nahrungsmittelknappheit. Allein die sozialen Folgen z.B. in Folge von Klimaflüchtlingen kann in bestimmten Regionen extreme Verwerfungen verursachen. Denk allein mal daran, was passiert, wenn 100 Millionen Bangladeshis plötzlich nach Indien oder Pakistan drängen (die allein schon genug Probleme haben). Oder Wasserknappheit. Oder mehr Klimaextreme. Oder …

    Und auch mit der Verantwortung der „einfachen Menschen“ machst du es dir ziemlich einfach. Wer braucht denn die Energie die in Kraftwerken oder Autos usw verbrannt wird? Letztlich die Menschen. Es stimmt schlicht nicht, dass der Normalbürger keinen Einfluss hat und er maximal deine 1% an CO2-Einsparungen bewirken könnte. Allein wenn du dein Haus dämmst, dann kannst du schon weit mehr als das an CO2 und Energie einsparen. Genauso durch einen sparsameren Fahrstil oder ein sparsameres Auto, weniger Autofahrten für Kurzstrecken, Kauf von regionalen Produkten, Strommix des Versorgers anschauen usw usf.. Die Summe aller Kleinigkeiten ergibt letztlich einen großen Brocken. Du machst es dir schon zu einfach, dass du das CO2 einfach auf die Konzerne und Kraftwerke schiebst (99%) und die Menschen komplett aus der Verantwortung nimmst (1%). Das ist ein völliger Holzweg.

  26. @ Beobachter

    Wir reden hier über extrem komplizierte Zusammenhänge. Da ist es m.M. nach hilfreich sich auf wissentschaftliche bzw. in der Praxis bewiesene Erkenntnisse zu beziehen anstatt den Parolen von Spendensammelorganisationen wie Foodwatch, Greenpeace, WWF etc. ungeprüft zu glauben.

    Die Information mit der pro Kopf Getreideproduktion habe ich von einem Fachseminar beim Reisforschungsinstitut IRRI auf den Philippinen. Demnach haben sich die Hektarerträge in den letzten 100 Jahren von 0,6 auf 3,8 Tonnen erhöht.

    Bei anderen Getreidearten sind die Zuwachsraten ähnlich. Die Hauptursachen sind bessere Züchtungen, Einsatz von Mineraldünger, höherer CO2-Gehalt im bodennahen Bereich, Mechanisierung und verbesserte Infrastruktur. Über die Reihenfolge dieser Hauptkomponenten streiten sich die Experten.

    In der Praxis sieht es aber z.B. beim Mais so aus: Farmer mit ausreichend Kapital, Mechanisierung und know-how ernten 10 t/ha pro Jahr, viele Dritte Welt Kleinbauern ohne Kapital kommen mit Glück auf 0,5 t/ha. Bei vergleichbaren Boden- und Wetterverhältnissen.

    Das Problem liegt darin dass ein Großteil der globalen Agrarflächen nicht optimal genutzt wird. Das betrifft nicht nur die Entwicklungsländer sondern auch die ehemalige Sowjetunion.

    Ca. 5% der fossilen Energien werden zur Herstellung von Kunstdünger verwendet. Dazu gibt es derzeit keine wirklichen Alternativen. Wer glaubt dass man 7 Mrd. Menschen mit Bio-Produkten ernähren kann ist ein Träumer der mit dem Leben und der Gesundheit von Milliarden Menschen Schindluder treibt.

    Ich betreibe ja nun seit Jahren eine Demo-Farm auf den Philippinen. Dort testen wir alle möglichen Anbaumethoden im direkten Vergleich, also bio mit konventionell und Gen-Technik. Nach unseren Erkenntnissen macht Bio nur dort Sinn wo eh viel Handarbeit erforderlich ist, also z.B. Baumschulen, Saatgutproduktion oder Gemüseanbau.

    Beim Getreideanbau haben wir die besten Ergebnisse mit einer Kombination bio-konvi und auch gvo erzielt. Aber das gefällt weder Greenprace noch Monsanto.

    Es kann sein dass ich mich mit den 1% die der Privatmensch am CO2 Ausstoß direkt (und in der globalen Gesamtbilanz) beeinflussen kann, falsch liege. Vermutlich sind 0,5% realistischer. Z.B. können Sie ja mal erklären wie ein Mieter das Haus in dem er wohnt von aussen isolieren kann.

  27. @ Binikowski et. al.

    Das mit der pro Kopf Produktion von Getreide kann ich nicht im einzelnen prüfen. Nur zum Prinzip eine kleine Wirtschaftsmathematik: Der steigende Hektarertrag der durchschnittlichen Weltproduktion an Getreide muß durch die Zahl der Bewohner der Erde dividiert werden, so einfach. Dabei kann eine Pro-Kopf Steigerung oder -Verminderung rauskommen. Aber das ist nicht das Thema. Bei einer Verschiebung der Klimazonen mag die Quadratkilometerzahl gleich bleiben, in der entsprechende klimatische Voraussetzungen gegeben sind. Dabei lasse ich mal die Flächenverkleinerung bei einer Zonenverschiebung nach Nord und Süd je Hemisphäre außer acht (die Erde ist ´ne Kugel siehe Oberflächenberechnung von Kugelkörpern). Nein, das Problem ist ein anderes. Ich beschränke mich als Beispiel nur auf die russische Schwarzerdezone. Wenn es hier zu einer Klimaverschiebung nach Norden kommt, kommen wir in Zonen anderer schlechterer Bodenzusammensetzung und kürzerer Sonnenscheindauer und damit geringerer Erträge. In Sibirien kommen wir in die Zone borealer Wälder. Sollen die abgeholzt werden? Wie sollen diese riesigen Flächen beim Tauen des Permafrostes entwässert werden, wie soll eine Logistik dorthin aufgebaut werden. Der Bau der Baikal-Amurmagistrale als Parallele zur Transsibirischen Eisenbahn hat die damalige UdSSR fast ruiniert. Das ginge nur bei einer Kraftanstrenung im multinationalen Rahmen. Das gleiche trifft auf den Getreidegürtel der USA zu. Hier kommt noch dazu, dass zwei Staaten (USA-Kanada) betroffen sind. Wir bekommen ja nicht einmal eine klassische Entwicklungspolitik hin! Eine nachsorgende Reparatur wegen unseres heutigen Verhaltens wird eine andere Gesellschaft auf dem Planeten erzwingen oder es erfolgt ein Rückfall in die Barberei (der Gedanke stammt nicht von mir, sondern von einem großen Philosophen und Ökonomen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der das auf andere ungelöste Menschheitsprobleme angewandt hatte). Ach, wenn wir doch die Fähigkeit zur vorauschauenden Handlungsweise hätten!

  28. 100%

    @Jochen Binikowski
    „Unser Einfluß auf den globalen fossilen Verbrauch liegt vermutlich bei unter 1%.“
    Ich würde eher sagen, der Privatmensch beeinflusst 100%. Ganz einfach: Kein Auto kaufen –> kein CO2-Ausstoß durch Herstellung und Fahrt. Keine sonstigen Produkte kaufen –> kein CO2-Ausstoß durch deren Produktion. Ernährung nur durch Bucheckern im Wald und Leben in einer Höhle macht gerundet dann 100% (natürlich verhungere oder erfriere ich dann).
    Spaß beiseite, wenn nicht die Konsumentenentscheidungen, was beeinflußt denn sonst den globalen CO2-Ausstoß? Selbst (halb-)staatliche Leistungen wie Straßenbau, Eisenbahn oder Energieversorgung orientieren sich an der entsprechenden Nachfrage!

  29. @ Blanke

    Ich stimme Ihren Gedanken ja durchaus zu. Vieleicht ist es Ihnen auch aufgefallen dass in dieser ganzen Klima/Zukunftsdiskussion ständig Begriffe „Wir müssen handeln“, „die Wirtschaft“ usw. fallen. Ich frage mich immer wer denn nun genau gemeint ist und wer was tun und wer was bezahlen soll.

    Ich versuche das alles pragmatisch zu sehen. Bei allen Zukunftsentscheidungen geht es immer auch um finanzielle Umverteilungen. Das Kernproblem ist die menschliche Gier, und zwar in allen Gesellschaftsschichten.

    Nehmen wir mal als Beispiel die Ölkonzerne. Deren Manager promoten die fossilen Energien doch nicht weil sie die Umwelt ruinieren wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Würden sie plötzlich auf nachhaltige Verfahren umstellen sinken zunächst einmal die kurzfristigen Gewinne. Deshalb werden die Äktionäre diese Manager sofort rausschmeißen.

    So, wer nun genau sind „die“ Aktionäre? Das sind zunächst einmal letztendlich Menschen. Das fängt bei den nimmersatten Milliadärs-Clans an und geht runter zum „Dienstmädchen“ die ihre Ersparnisse in Aktienfonds investiert hat. Beiden ist eines gemeinsam: Macht der Konzern, und damit indirekt auch der Fond, zuwenig Profit werden beide ihr Geld dort abziehen, sehr zur Freude des Konkurrenz-Konzerns und dessen Aktionäre. Die Bosse vom ersten Konzern und die Fondmanager finden danach vieleicht mit Glück eine Stelle als Toilettenwärter weil sie in der Branche als Parias gelten.

    Dieses Problem ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Zu allen Zeiten hat es besorgte Menschen gegeben die versucht haben diese Zwickmühle aufzulösen. Alle sind am Ende kläglich gescheitert.

    Vermutlich ist es deshalb nutzlos über den großen Wurf, also den Königsweg zur Lösung aller Probleme, zu sinnieren. Praktikabler ist es, sich in seinem persönlichen Bereich verantwortungsvoll zu verhalten. Ein erster Anfang wäre, nicht alles zu glauben was einem die Mainstream-Medien einreden.

    Deshalb empfehle ich, stets den gesunden Menschenverstand einzusetzen und zu versuchen an möglicht unabhängige Informationen zu gelangen. Und vor allem stets beide Seiten der Medaillen zu betrachten. Also sich fragen warum „die“ das so machen und nicht anders? Was genau würde passieren wenn „die“ das anders machen?

  30. @ Hesemann

    Eine umweltschonende und gesunde Lebensweise muß man sich sowohl finanziell als auch zeitlich leisten können. Ob Bio-Lebensmittel, erneuerbare Energien, Spritsparautos usw. kosten ein Mehrfaches gegenüber den Konvi-Produkten. Öffentlicher Nahverkehr ist schön, nützt aber nichts wenn man für den Arbeitsweg 2 Std. und mit dem Auto nur 20 Minuten benötigt. Ebenso ist es mit der Fertignahrung: Wo ist denn die Alternative für Leute die 12 Stunden am Tag arbeiten? Die haben keine Zeit um zum Hofladen zu fahren und anschließend stundenlang in der Küche zu brutzeln.

    Unser Wohlstand beruht auf Konsum. Wenn plötzlich alle spartanisch leben und das eingesparte Geld zur Bank tragen bricht sofort die Wirtschaft zusammen und wir haben Dritte Welt Verhältnisse. Das kann also auch nicht die Lösung sein.

    Was man aber durchaus machen kann ist z.B. beim Einkauf lokal hergestellte Produkte zu bevorzugen. Auf eine andere geniale Sache bin ich durch eigene Erfahrung gekommen: Seit vielen Jahren lebe ich einige Monate auf den Philippinen, dann wieder in Deutschland. Egal wo ich gerade bin, ich freue mich immer darauf bei der nächsten Reise mal wieder das zu essen was es hier gerade nicht gibt. So ähnlich kann man es machen wenn man nur saisonal verfügbare regionale Produkte kauft. Erdbeeren im Juli oder Spargel im Mai schmecken viel besser wenn man sich 11 Monate darauf gefreut und auf eingeflogene Importprodukte verzichtet hat.

    Ein anderer wichtiger Punkt der in dieser ganzen Diskussion oftmals völlig übersehen wird: Es gibt unzählige umweltfreundliche Techniken, Methoden und Lebensweisen die uns von interessierter Seite, oftmals auch mit religiösem Eifer, als alleinseligmachende Wahrheit nahegebracht werden. Bei genauerer Betrachtung stellt man dann fest dass es nur solange funktioniert wie es im kleinem Maßstab betrieben wird. Sollte es sich allgemein durchsetzen entstehen ganz andere Probleme.

    Ein prima Beispiel dafür ist die Bio-Landwirtschaft. Das hört sich gut an, aber wenn alle Landwirte weltweit auf Bio umstellen, werden mehrere Milliarden Menschen verhungern. Im günstigsten Fall halber Ertrag bei doppelten Produktionskosten. Das ist eine wahrhaft tödliche Kombination. Zumindestens für die Menschen am unteren Ende der Einkommensskala.

  31. Nahrungsmittelproduktion ist begrenzt

    Je häufiger und intensiver weltweit die Klimaextreme werden, desto weniger Menschen können auf dem Planeten „leben“
    So einfach ist das !
    Wie wir aber wissen, explodiert die Erdbevölkerung geradezu.
    Diese immer weiter auseinander laufende Schere stellt meiner Ansicht nach eine der größten Herausforderungen für die kommenden 50 Jahre dar.

  32. Erschreckend…

    Diese Thema betrifft und alle und doch kümmert sich kaum einer darum. Greenpeace informiert hierzu schon lange, u. a. auch zum Rückgang von Gletschereis. Hier sollte wir uns alle klar werden, dass wir mit unserem Handel dies zu verschulden haben.

  33. Kühlung durch Abschmelzen?

    Das vermehrte Abschmelzen des Polareises, das Abgleiten grosser Eismassen von den Schilden Grönlands und der Antarktis, müsste die Ozeane eigentlich abkühlen.
    Wäre das eine Erklärung dafür, dass sich die Zunahme der gemessenen globalen Durchschnittstemperatur in den letzten 10 Jahren scheinbar verlangsamt?

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