Störfall Mensch im Raumschiff Erde

Der Begriff des Anthropozäns stellt den Menschen ins Zentrum der Erdgeschichte. Die Diskussion darüber hat in letzter Zeit sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wissenschaft Fahrt aufgenommen; sie führt uns mit einem prägnanten Schlagwort deutlich vor Augen, dass jeder einzelne Erdbewohner bewusst eine Verantwortung für den blauen Planeten übernehmen sollte. Mit dem „Anthropozän“ hat die Gesellschaft für die Debatte um den Schutz der Geosphäre eine plakative Wort-Ikone erhalten, die übrigens von dem Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen stammt. Er wollte aber mit seiner Wortschöpfung noch mehr erreichen und hat angeregt, dass das Anthropozän auch in die offizielle erdgeschichtliche Nomenklatur der Geologen Eingang finden sollte. Seither debattieren Sedimentforscher kontrovers über die Frage, ob das Anthropozän als Teil der geochronologischen Zeitskala aufgenommen werden und das heute jüngste Zeitalter, das Holozän, ablösen sollte. Jene Erdepoche wurde erst 2008 eingeführt wurde und beginnt – von den Stratigraphen festgelegt – vor 11.700 Jahren mit der Nacheiszeit. Nach der Vorstellung der Befürworter einer stratigraphischen Klassifikation soll dies auch die gesellschaftliche Diskussion um Nachhaltigkeit und das Eindämmen des überbordenden Einflusses menschlicher Aktivitäten auf das komplexe System Erde fördern.

Doch die geowissenschaftlich fundierte Definition eines neuen Zeitalters, einer Epoche des „Jetzt“, ist eine komplexe Aufgabe. Sie führt Sedimentforscher, die sonst in langen und vor allem längst vergangenen Zeiträumen denken, an die Grenzen ihres Forschungsbereichs. In den letzten Jahren wurden von einer internationalen Arbeitsgruppe innerhalb der International Commission on Stratigraphy Vorschläge für mögliche Kriterien des vom Menschen bestimmten Erdzeitalters erarbeitet. Mehr dazu beim Nachbar-Blog „Der Anthropozäniker“ des Geologen und Paläontologen Reinhold Leinfelder, dem meines Wissens nach einzigen deutschen Mitglied dieser Working Group zum Anthropozän. In seinem Beitrag über den Anthropozän-Dialog gibt er eine umfassende Darstellung zum Stand dieser Dinge.

Vor kurzem hat die Working Group ihren Vorschlag unterbreitet, wie sie die Definition eines Erdzeitalters aus geologischer Sicht sieht. Wie lange es jedoch dauert, dieses neue Zeitalter in der Geochronologie offiziell auszurufen – und ob es überhaupt dazu kommt -, bleibt derzeit völlig offen. Zum einen ist der internationale Prozess, der die Zustimmung von vier Gremien vorsieht, reichlich komplex – die letzte Entscheidung liegt bei der International Union of Geological Sciences. Zum anderen – und das mag vielleicht noch bedeutender sein – ist die Gruppe der Befürworter zwar sehr kommunikativ unterwegs, in der gesamten geologischen Szene hat sie derzeit aber – noch? – keine Mehrheit. Hinzu kommt, dass auch aus der wichtigen Fraktion der Paläontologen – forschende Kernnutzer der Erdzeitalter aus der Biologie – eher Gegenwind kommt. Viele unter ihnen mahnen zu mehr Gelassenheit. Es geht dabei natürlich nicht darum, die Bedeutung des Anthropozäns im Kontext einer gesellschaftlichen Diskussion klein zu reden. Ihr hoher Stellenwert steht außer Frage. Es geht einfach darum: Bringt ein neu tituliertes Zeitalter Mehrwert für die Forschung selbst? Und da sind manche doch eher skeptisch, ob diese Frage mit einem „Ja“ zu beantworten ist. Bleibt also vor allem das anvisierte Plus eines Erdzeitalters in der gesellschaftlichen Diskussion – und da ist zu konstatieren: Bisher hat die Nomenklatur von Stratigraphen in der öffentlichen Diskussion nur wenig Relevanz gezeigt. Es bleibt derzeit zumindest fraglich, ob ein erdgeschichtlich etabliertes Anthropozän für die jetzt unter diesem Begriff los getretene Debatte um Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Gesellschaft überhaupt einen ernsthaft fördernden Beitrag leisten kann. Auch für die öffentliche Diskussion bleibt der Mehrwert eines stratigraphisch etablierten Anthropozäns vorläufig eher unbestimmt.

Bei der Anthropozän-Debatte in der Wissenschaft: viel Lärm um Nichts?

Mit Helmuth Trischler, Direktor am Rachel Carson Center, habe ich ein längeres Gespräch über die Bedeutung des Anthropozäns in der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion geführt.

Mehr zum Thema auch in meinem Gespräch mit dem Paläontologen und Geobiologen Gert Wörheide, der in meiner Story „Geschichte in Schichten“ für mehr Gelassenheit in der wissenschaftlichen Diskussion um das Anthropozän plädiert. Er glaubt nicht, dass die Einführung eines neuen Zeitalters aus Sicht der Wissenschaft erforderlich ist.

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Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

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  1. Pingback: Geschichte in Schichten » HYPERRAUM.TV » SciLogs - Wissenschaftsblogs

  2. „… dass jeder einzelne Erdbewohner bewusst eine Verantwortung für den blauen Planeten übernehmen sollte.“

    Das Problem dabei ist aber, daß Mensch seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ eine Vernunftbegabung pflegt, wo „braver Bürger“ die Verantwortung an die „Treuhänder“ eines zeitgeistlich-reformistischen Systems des geistigen Stillstandes in hierarchiescher „Absicherung“ delegiert, die diese Profitler, aus egoistischer Logik des „Individualbewußtseins“, in einer konfusionierten Suppenkaspermentalität auf stets systemrationaler Schuld- und Sündenbocksuche bildungstechnisch etabliert haben!

    „Bei der Anthropozän-Debatte in der Wissenschaft: viel Lärm um Nichts?“

    Viel Lärm und Bewußtseinsbetäubung um KOMMUNIKATIONSMÜLL des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs und sein „gesundes“ Konkurrenzdenken – wo längst ein zweifelsfrei-eindeutiges Menschenrecht zu Möglichkeiten in geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein die Kraft des Geistes der/die uns alle im SELBEN Maß durchströmt gestalten könnte! 😉

  3. Folgendes stimmt über kurze Fristen sicherlich:

    Auch für die öffentliche Diskussion bleibt der Mehrwert eines stratigraphisch etablierten Anthropozäns vorläufig eher unbestimmt.

    Viele Diskussionen, Selbstverpflichtungen und sogar Verträge haben erstaunlich kleine Auswirkungen. Am Beispiel der Klimaverträge à la Kyoto oder dem EU-ETS (European Trading System of emissions) zeigt der Breakthrough-Artikel Does Climate Policy Matter? Evaluating the Efficacy of Emissions Caps and Targets Around The World, dass die CO2-Emissionen nach dem Kyoto-Vertrag den genau gleichen Trends gefolgt sind wie die CO2-Emissionen vor dem Kyoto-Vertrag, Das gleiche gilt für das europäische Handelssystem für CO2-Emissionen. Auch dieses hat bis jetzt keinerlei messbare Auswirkungen auf den Emissionstrend. Dies kann man wohl am besten damit erklären, dass Politiker, die Öffentlichkeit und die Politik das Bedürfnis verspüren für das Richtige zu stehen, was besonders gut und billig ist, wenn man das Richtige gar nicht neu verordnen und tun muss, weil es sowieso schon dem Trend entspricht.
    Ein den Klimaverträgen folgenden Anthropozän-Vertrag für alle UNO-Mitgliedsstaaten könnte diese Tendenz aufnehmen und Ziele auf die Agenda setzen, die allen erstrebenswert erscheinen. Die Ziele müssten nur so gewählt werden, dass sie sich auf der Ziellinie der gegenwärtigen Entwicklung befinden. Alle könnten sich danach – nach der Zielerfüllung -, besser fühlen und das ohne dass Massnahmen ergriffen werden müssten, die über das hinausgehen, was ohnehin im Trend liegt.
    Solche Verträge könnte man – in Anlehnung an den neu aufgetauchten Begriff „postfaktisch“ -, präfaktische Vertrage nennen. Präfaktisch wären solche Verträge, weil sie das kodifizieren, was ohnehin schon beabsichtigt ist und auf was man sich ohnehin schon zubewegt. Das Pariser Klimaabkommen ist das aktuellste Beispiel für einen solchen „präfaktischen Vertrag“, denn dieses Klimaabkommen basiert auf den Selbstverpflichtungen der Teilnehmerstaaten.

    Langfristig kann ein neuer Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der sich Anthropozän nennt, dennoch seine Spuren hinterlassen – so wie das beim Zeitabschnitt „Holozän“ schon passiert ist: Der Buchtitel „Der Mensch erscheint im Holozän“ ist Zeuge davon.

  4. Bislang ist das Aussehen der Erde durch das Klima und die Kontinentalverschiebungen gestaltet worden.
    Jetzt, zum ersten Mal , wird es vom Menschen geformt.
    Dem muss man Rechnung tragen. Und wenn man mit dieser Namensneuschöpfung einen Effekt erzielen will, dann bitte nicht mit so einem Wortungetüm.
    Wissenschafts soll transparenter werden. Rufen Sie die Öffentlichkeit auf, nach einer aussagekräftigen Bezeichnung zu suchen, die jedermann verstehen kann.
    Am besten in Englisch.

    • Nein, von der Wortbilung her ist „Anthropozän“ OK. Und das in mehrfacher Hinsicht. Anthropozän wäre der Erdabschnitt, der dem Holozän folgt und würde wie Holozän mit zän (neu,jung) enden und ein griechisches Präfix besitzen.

      Holozän besteht aus dem Präfix „Holo“ (altgr. ὅλος holos „völlig“) und dem Postfix „zän“ (καινός kainós „neu“, „jung“). Die Endung -zän kommt bereits in Pleistozän, Pliozän, Miozän und weiteren Erabschnittnahmen und bedeutet neu, jung, weil es der jeweils kleinstteilige, aktuelleste Abschnitt von chronostratigraphischen Einheiten ist.

      Anthropzän besteht aud dem Präfix „Antrop“ ( altgr. ἄνθρωπος, ánthropos, „Mensch“) und dem Postfix „zän“ (καινός kainós „neu“, „jung“).

      Oder auf den Punkt gebracht: Neu zu vergebende Namen sollten einem Bildungsprinzip folgen, wenn sie einem System folgen.

  5. Martin Holzherr,
    wissenschaftlich betrachtet haben Sie mit Ihrer Anmerkung zur Namensgebung vollkommen Recht.
    Ich war gerade dabei eine heilige Kuh zu schlachten mit dem Anstoss auch das Vokabular der Wissenschaften zu reformieren.
    Was spricht dagegen diesen Tabubruch durchzuführen mit dem Effekt, dass auch Laien beginnen wissenschaftliche Abhandlungen zu lesen, weil sie zum ersten Mal verstehen was sie lesen. Die Wissechenschaft darf keine Geheimwissenschaft bleiben.

    • @ Laie :

      Ich war gerade dabei eine heilige Kuh zu schlachten mit dem Anstoss auch das Vokabular der Wissenschaften zu reformieren.

      Wissenschaftlich genutztes Fachvokabular orientiert sich gerne am Altsprachlichen, Sie als ‚Laie‘ referenzieren bspw. durch Ihren Nutzernamen ebenfalls derart, nichts Schlechtes daran.
      So wird u.a. auch die Wissenschaftsgeschichte, mit der Philosophie beginnend, kontinuierlich fortgeführt – oder, um einmal mit Terry Pratchett zu sprechen, Wissenschaftler („Zauberer“ sozusagen) sind oft schon ein wenig eigen und versuchen sich bereits sprachlich ein wenig abzusetzen.
      >:->

      MFG
      Dr. Webbaer („Altsprachler“)

    • Die Wissenschaft ist keine Geheimwissenschaft, ein bestimmtes Fachgebiet ist aber meist nur oder vor allem für andere Fachleute dieses Fachgebiets voll verstehbar. Das trifft übrigens nicht nur auf die Wissenschaft zu. Auch vieles von dem was Ökonomen schreiben ist nur für Ökonomen verstehbar.
      Dies zu:

      Was spricht dagegen diesen Tabubruch durchzuführen mit dem Effekt, dass auch Laien beginnen wissenschaftliche Abhandlungen zu lesen, weil sie zum ersten Mal verstehen was sie lesen. Die Wissechenschaft darf keine Geheimwissenschaft bleiben.

      • @ Herr Holzherr :

        Kommentatorenfreund ‚Laie‘ hat sich weiter oben ein wenig exponiert, korrekt, Wissenschaftlichkeit, streng genommen ist hier die Scientia gemeint, die Kunst des Erkennens, die Etymologie bleibt hier zu beachten, im Deutschen hat das Wissen ja einen (ungünstig) absoluten Charakter, ist exoterisch, vgl. mit Ihrem:

        Die Wissenschaft ist keine Geheimwissenschaft

        Nice1, ansonsten war dies hier – ‚Das trifft übrigens nicht nur auf die Wissenschaft zu. Auch vieles von dem was Ökonomen schreiben ist nur für Ökonomen verstehbar.‘ – „mopsig“, die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Ökonomie, die eine Wissenschaft ist, meinend, und das von Kommentatorenfreund ‚Laie‘ beigebrachte und von Ihnen Zitierte ebenfalls.
        Höchst „mopsig“ sozusagen.

        MFG
        Dr. Webbaer

        PS:
        Als ‚mopsig‘ wird hier idR sehr freundlich anti-wissenschaftliche Einstellung und antiwissenschaftliches Verhalten gebrandmarkt.
        Viel netter geht es wohl nicht.

        • Als Auslöser dieser Debatte möchte ich dann doch auch noch ein paar mehr oder weniger intelligente Sentenzen beitragen.

          Erstens: Sprachlichkeit

          Es ist immer wieder erstaunlich zu verfolgen, dass bei der kontroversen Kommunikation unter Menschen in der Alltagswelt beide Seiten meist irgendwie Richtiges sagen. Das unterscheidet sie von der Kommunikation in der sogenannt „exakten“ Wissenschaft. Da gibt es im Booleschen Sinn nur eine Oder-Funktion – zumindest in der Naturwissenschaft, dort lange praktiziert, in der Sozialwissenschaft – einschließlich der Ökonomie! – schon etwas geübt und in der Geisteswissenschaft mit Big Data und Algorithmisierung auf uns zu kommend (meine Meinung). Um das zu ermöglichen, ist es jedoch erforderlich, Begriffe genau formalisiert und inhaltlich eindeutig definiert – halt exakt und damit auch abstrakt – zu verwenden. Die Kunst des Erkennens ist daher leider nur mit großem Aufwand und mit der zunehmenden Entkoppelung von der diffusen Alltagsbegrifflichkeit möglich. Das führt aus meiner Sicht zwangsläufig und wahrscheinlich sogar notwendigerweise zu einer vom normalen Sprachgebrauch abweichenden Ausdrucksweise – bitte Loop nach oben!

          Zweitens: Ich! …

          … finde das eigentlich gut. Denn so kommt dem seriösen Journalismus weiterhin eine wichtige Aufgabe zu.

          Drittens: Mein persönliches Fazit

          Die Transition aus der formalisierten Sprache der Wissenschaft in die Alltagswelt zu leisten, ist inzwischen zwar zur brotlosen Kunst avanciert, aber offensichtlich weiterhin vonnöten … die Debatte hier turnt mich mächtig an! Dank also an alle Gesprächsteilnehmer!

          • Zweitens: Ich! …

            Janz jenau.

            Das erkennende Subjekt spielt im Erkennen, neben der erkannten Sache oder dem dbzgl. Verhalt (natur-)wissenschaftlich eine wichtige oder entscheidende Rolle, (natur-)wissenschaftliche Fakten oder Tatsachen, „Gemachtes“, benötigen Ergänzungen der Art „Wer hat was wie und wo festgestellt / gemessen“, wobei auch das Wann als Zeitstempel mitgepflegt werden darf.

            Erkenntnis wäre insofern, auch Datenhaltungen betreffend, auch sogenannte RDBMSe meinend, derart zu modellieren.


            Für Kommentariate (des Internets oder Webs) gilt dies aber nicht, dort darf auch weiterhin ein wenig herumgetollt werden.

            MFG
            Dr. Webbaer

          • … noch ein bisschen herum schwadronieren, weil’s so entspannend ist: ja, ja, noch so ne Abkürzung RDBMS. Aber ich bin natürlich neugierig und hab nachgeschaut. Das Konzept, ergänzende Inhalte für den „Nutzer“ in einer relationalen Datenbank aufzubereiten und fest zu halten, ist gut, aber löst das Problem nur bedingt, die subjektive Erkenntnis für eine sinnvolle Kommunikation zu „vergesellschaften“. Denn die Öffentlichkeit – mit Ausnahme einiger ganz weniger – ist wohl kaum willig, Daten aus Oracle & Co auszulesen. Und ein Teil der Öffentlichkeit ist sowieso Informations-restistent und lebt lieber in der eigenen Blase der Selbstverstärkung von Pseudo-Wissen. Aber vielleicht kann hier künftig Kollege autonomes System Hilfe leisten – wer weiß? – und die Daten Nutzer-gerecht für jede Zielgruppe oder sogar gleich ganz individualisiert aufbereiten und dann per vorhandener Funkschnittstelle direkt ins Hirn spielen. Dann könnten wir – im Platonschen Modell des Höhlengleichnisses – zu einer Art kollektivem Erkenntnisprozess kommen, der dann wiederum für Erkenntnis-Philosophen ein ganz neues Kapitel einer neuen Denkebene aufschlägt. Deren Wortgewalt versteht zwar kaum einer, aber das macht dann ja nichts mehr. Dank der relationalen Datenbank und des sprachbegabten Syntax-Algorithmus‘ können diese tiefschürfenden Erkenntnisse dem ganzen Kollektiv individualisiert – und daher auch von Service Provider garantiert – ohne gedankliches Nachschlagen in virtuellen Wissens-Datenbanken offenbart werden! (Andernfalls bitte beim Dienstebetreiber aufgrund des umangelhaften Service sofort Beschwerde einlegen!)

    • @Susanne Päch: Die grösste Kommunikationshilfe für Miss/Mister X ist jemand, der weiss, was Miss/Mister X weiss und nicht weiss, was Miss/Mister X glaubt, meint, wo er/sie sich täuscht und wo die Lücken sind. Mit anderen Worten: Die grösste Kommunikationshilfe ist die Schwester/der Bruder, der einen bis ins letzte kennt und zugleich viel mehr weiss als man selbst – es ist also die grosse Schwester/ der grosse Bruder. Solch eine grosse Schwester/ein grosser Bruder in der Form eines AI-Systems kann dann folgendes machen (Zitat):

      Aber vielleicht kann hier künftig Kollege autonomes System Hilfe leisten – wer weiß? – und die Daten Nutzer-gerecht für jede Zielgruppe oder sogar gleich ganz individualisiert aufbereiten und dann per vorhandener Funkschnittstelle direkt ins Hirn spielen.

      Wenn es irgendwann eine solche grosse Schwester/einen solchen grossen Bruder für jeden Einzelnen gibt und zwar in Form eines intelligenten Automaten oder besser gesagt in Form eines intelligenten Begleiters (Escorts), dann wird das alles ändern und fast alle Menschen werden sich einen solche intelligenten Begleiter zulegen. Dieser Begleiter wird sowohl Bruder/Schwester, also auch Ratgeber, Coach, Partner und bei Bedarf Gegner sein (Gegner beim Spiel, Gegner als Gesprächspartner, denn nicht alle wollen, dass man ihnen immer nur zustimmt).

      • @ Martin Holzherr: Absolut! Ich bin sogar der Meinung, dass das weniger lang dauern wird, als sich das manche heute noch so denken. Allerdings auch das: Wer will sich da – perspektivisch – noch mit allzu störrischen oder ziemlich peniblen Geistern, mit nervenden oder allzu langweiligen Zeitgenossen rumschlagen? Die lästige Reibung mit Menschen in der Arbeitswelt entfällt ja sowieso schon bald, das Grundgehalt kommt aus der Robotersteuer und wir arbeiten hie und da ehrenamtlich zum Wohle der Menschheit (wie immer man die dann für sich definieren mag) – aber alles selbstverständlich niemals ohne unseren Partner, unseren ständigen Begleiter in dem von Ihnen beschriebenen Sinn, der uns sowieso der allerliebste Mensch (sic!) von allen ist. Mein Alter Ego versteht mich halt am besten, lässt mich am schnellsten lernen, erklärt mir die Welt am einfachsten, widerspricht, wenn es gut ist, und neckt mich auch am schönsten! Schade, dass die wirkliche Welt nicht ganz so perfekt funktioniert …

  6. Vielen Dank für die 17 Minuten, vielen Dank für das Interview!
    Sehr interessant, sehr nett u.a. auch der Exkurs zu den Phosphaten, sehr bemerkenswert der Verhalt, dass die Einfuhr des Anthropozän denjenigen, die in den Holozän soz. machen, etwas wegnehmen würde u.s.w.

    Reinhold Leinfelder bemüht sich, nein: bewirbt, das Anthropozän und dieses ist ja auch sehr „charmant“, aber für Geologen womöglich nicht anzuerkennen.
    Auch das Holozän ist ein nicht ganz klar umrissenes geochronologisches Zeitalter, sofern hier korrekt gefolgt werden konnte.
    Insofern ist das Anthropozän, das auch das Dominium terrae zum Ausdruck bringt, wohl für Geologen ein „heißes Eisen“, auch weil (naturgemäß) ein politischer Begriff.

    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

  7. „Wortschöpfung“ ist wohl die größte Kunst dieser „Bewußtheit“ im nun „freiheitlichen“ Wettbewerb um KM. So ist es weder Wunder noch Phänomen, daß aus „Brot und Spiele“ das Tittitainment für die Globalisierung der „Dienstleistungsgesellschaft“ (neues Wort für zeitgeistlich-reformistische Versklavung) wurde, oder das der Ärger um Dummheiten der Finanzierung von menschlichen Grundbedürfnissen mit der Prophezeihung von „sozialverträglichem Frühableben“ endet. 😉

    „Wissenschaft“ – die höchste Form von Bewußtseinsbetäubung, dieser ILLUSIONÄREN Welt- und „Werteordnung“!

  8. Dr. Webbaer u.a.
    ……meinen Wink mit der Geheimwissenschaft haben Sie gleich erkannt.
    Es geht mir um mehr Transparenz in den Wissenschaften, die die Bevölkerung , also die Laien direkt betreffen. Dazu zähle ich Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Ökonomie und Ökologie. Da ärgert es mich, wenn ich beim Durchlesen ein Wörterbuch daneben liegen haben muss oder bei jedem Fremdwort googeln muss.
    Da wird Inhalt vorgetäuscht indem man Allem einen wissenschaftlichen Anstrich mit Fremdwörtern verpasst.
    Bei den Naturwissenschaften ist das anders, da geht es ohne Fachtermini nicht.
    Also Ihr Fachleute, zeigt Mitleid mit den Laien.

    • @ Laie :

      Da ärgert es mich, wenn ich beim Durchlesen ein Wörterbuch daneben liegen haben muss oder bei jedem Fremdwort googeln muss.

      Och, gerade das geht doch heutzutage sehr schnell, im Web.
      Sollten Sie sich dafür interessieren, wie Wissenschaftskommunikation aussehen könnte bis sollte, also, da muss hier gepasst werden – aus Abnehmersicht und die pers. Empfängerzufriedenheit meinend: In wissenschaftsnahen WebLogs sieht’s ganz gut aus, es findet sich dort auch kluge Überlegung, wie ‚Wissenschaftskommunikation aussehen könnte bis sollte‘.

      Korrekt wäre natürlich angemerkt, dass mit WebLogs Pull-Medien vorliegen, dass Interesse da sein muss, beim Abnehmer.

      Und jeder ist fast überall Laie, in etwa so wie jeder fast überall Ausländer ist,
      MFG
      Dr. Webbaer

  9. Warum wird der Mensch zum (Zitat)

    Störfall Mensch im Raumschiff Erde

    . Weil sein Einfluss auf die Erde global und disruptiv ist: Der Abfall der menschlichen Zivilisation findet sich in der Atmosphäre (CO2, Russ, Methan), im Ozean (aufschwimmende Plastikteile, im Meer verteilte Mikroplastikpartikel), in den Gewässern und Flüssen (chemische Stoffe und Abfall der mitgeschleppt wird), in Landdeponien. Zugleich wurde und wird die gesamte Erdoberfläche durch Landwirtschaft und Besiedelung umgestaltet und es wurden und werden soviele Tier- und Pflanzenarten ausgerottet, dass man von einem globalen Massensterben, einem globalen Artensterben sprechen kann. Die Biosphäre wird aber auch durch den Transport von Tieren, Krankheitserregern und (invasiven) Pflanzen über den gesamten Globus verändert und gestresst.
    Immerhin ist absehbar, dass in diesem Jahrhundert die Weltbevölkerung ihr Maximum erreichen wird. Doch auch eine nicht mehr wachsende Weltbevölkerung kann bei weiter wachsendem Wohlstand über globale Waren- und Abfallströme die Erdoberfläche weiterhin und zunehmend verändern.
    Das hier beschriebene Anthropozän ist durch eine die ganze Erdoberfläche, die ganze Biosphäre verändernde menschliche Aktivität gekennzeichnet. Die Zeiträume, die bei dieser menschengemachten Erdumgestaltung einen Rolle spielen misst man in Jahrzehnten, während die Zeiträume, die in der durch evolutionäre Prozesse bestimmten Biosphäre und der Geologie eine Rolle spielen in tausenden von Jahren gemessen werden. Das bedeutet auch, dass das Zerstörungspotenzial des Menschen sehr gross ist, denn viele der durch den Menschen verursachten Änderungen sind irreversibel. Aus Sicht des Menschengeschlechts und der Menschenart sind solche irreversiblen Veränderungen der Biosphäre in Form von ausgerotteten und/oder invasiven Tieren und Pflanzen unerwünscht, denn solche Änderungen können von unseren Nachfahren nicht mehr rückgängig gemacht werden und diese Nachfahren müssen mit dem leben was vorhergehende Generationen angerichtet haben.

    Ein Anthropozän das mit weltweiten, diffusen Veränderungen einhergeht ist somit unerwünscht. Wären die Eingriffe des Menschen jedoch auf einen kleinen Teil der Erdoberfläche beschränkt sähe es besser aus. Dies wurde bereits von Cesare Marchetti erkannt, der in seinem in den 1970er Jahren erschienen Büchlein 10^12: A Check on the Earth-Carrying Capacity of Man eine Zukunft entwarf, in der der Mensch sich in seine Städte zurückgezogen hat und in der alle Stoffe zu 100% rezykliert werden. In dieser Vision nutzt der Mensch nur 10% der Erdoberfläche, den ganzen Rest der Erde lässt er unbewohnt, unverändert und unberührt. Auch die Landwirtschaft ist also auf die vom Menschen bewohnten 10% der Erdoberfläche beschränkt.
    Eine solche urbanisierte Welt besthehend aus selbstversorgenden Städten sehe auch ich als Chance für die Menschheit. Dies zumal auch deshalb, weil die Urbanisierung ohnehin ein Trend ist – ein Trend, der schon viele Jahrzehnte lang anhält und der bereits um 2050 dazu führen wird, dass 70% aller Menschen in Städten leben. Wären diese zukünftigen Städte selbstversorgend in Bezug auf Nahrungsmittel und Güter (die zu 100% rezykliert würden), bräuchten sie also nicht das riesige Hinterland heutiger Sädte, dann könnte der Einfluss des Menschen auf die Erde auf diese Stadtflächen beschränkt werden. Um dies zu erreichen müsste die Landwirtschaft noch stärker intensiviert werden und die Flächenerträge so erhöht werden, dass alle Nahrung im städtischen Umfeld hergestellt werden könnte. Die vom Menschen eingesetzten Materialien müssten ebenfalls so gewählt werden, dass eine 100%-ige Rezyklierung möglich würde. Insgesamt müsste der Mensch innerhalb seiner urbanen Räume leben wie in einer von der übrigen Umwelt isolierten Raumstation. Das Raumschiff Erde müsste also ein Kompartiment erhalten, das vom Menschen genutzt wird und dieses Kompartiment müsste gegen den ganzen Rest isoliert sein.
    Nicht alle Entwicklungstrends, die wir heute beobachten, gehen in diese Richtung. So gibt es innerhalb der Erneuerbaren-Szene die Idee, zunehmend Biomasse als Energieträger einzusetzen, also quasi Pflanzen anzupflanzen, der einzige Aufgabe darin liegt, später als Quelle für Verbrennungsvorgänge zu dienen. Wir wissen aber bereits, dass beispielsweise innerhalb Deutschlands maximal 10% der verbrauchten Energie mit Biomasse durch in Deutschland angebaute Energiepflanzen, bereitgestellt werden kann. Diese Energiepflanzen zu importieren ist keine gute Idee, wenn man die Absicht hat, den Einfluss des Menschen auf die Erdoberfläche zu reduzieren. Statt dessen sollte man andere Energiequellen finden und benutzen. Solche, die weniger Fläche in Anspruch nehmen.

    • @ Holzherr :
      Das bedeutet auch, dass das Zerstörungspotenzial des Menschen sehr gross ist, denn viele der durch den Menschen verursachten Änderungen sind irreversibel. Aus Sicht des Menschengeschlechts und der Menschenart (…)
      Jaja, einige würden sich nicht erlauben für das ‚Menschengeschlecht und die Menschenart‘ (btw, wo ist der Unterschied?, aufgeblasen erscheinen soll wohl nicht?!) zu sprechen.
      Insofern: Misanthropie detectet. [1]

      Die Welt, insbesondere die Erde, ist eine Ressource (in der Übersetzung ins D-Sprachige könnte es mit „Wiederquelle“ versucht werden), die alleine keinen Sinn ergibt, sondern nur durch Ausbeutung.

      Die Erde hat keinen Wert an sich, wie sofort klar werden könnte, wenn die Begrifflichkeit auf Subjekte, auf das Ich (s.o.) zurückgeführt wird.
      Die Erde darf nicht angebetet werden.

      MFG
      Dr. Webbaer [2]

      [1]
      Es müsste eigentlich ‚detected‘ heißen.
      „Dudifiziert“ gibt es kein Verb, das in der Vergangenheitsform auf D endet.

      [2]
      -> ‚Die Kernenergie hat in Belgien einen Anteil von 54 Prozent an der gesamten Stromerzeugung.‘ [Quelle]

      • Korrektur:

        Zitat:

        Das bedeutet auch, dass das Zerstörungspotenzial des Menschen sehr gross ist, denn viele der durch den Menschen verursachten Änderungen sind irreversibel. Aus Sicht des Menschengeschlechts und der Menschenart (…)

        Zitatende:

      • Zustimmung zu: „Die Erde hat keinen Wert an sich“. Das heisst doch aber auch: „Die Erde hat einen Wert für den Menschen und der Mensch sollte nicht nur an seine Generation sondern auch an die nachfolgenden denken“

        Mir scheint, da sind sich wohl alle einig. Nicht einig sind sich aber viele, wie gefährlich die menschlichen Eingriffe sind. Sind sie von der Erde zu verkraften, da ihre Regenerationspotenzial ohnehin sehr gross ist oder sind sie problematisch. Ich denke, der Arten- und Biosphärenverlust ist in der Tat irreversibel und mit diesem Verlust verbunden ist sogar eine gewisse Gefahr, dass der Mensch seine eigenen Lebensgrundlagen untergräbt. Sobald man den Blick auf sehr grosse Zeiträume richtet, werden irreversible Veränderungen durch den Menschen besonders problematisch. Denn eine Welt ohne fossilen Rohstoffe (bald sind alle erschöpft), die zudem vorübergehend ein ganz anderes, viel wärmeres Globalklima ist eine andere Welt als wir sie selber angetreten haben. Wenn man sehr lange Zeiträume in Betracht zieht, muss der Mensch offensichtlich eine Zivilisation anstreben, die im Gleichgewicht mit der natürlich gewachsenen Umwelt stehen kann.

        • @ Herr Holzherr :

          „Die Erde hat einen Wert für den Menschen und der Mensch sollte nicht nur an seine Generation sondern auch an die nachfolgenden denken“

          Mir scheint, da sind sich wohl alle einig.

          Ganz klar ist das auch nicht, es ergibt sich jedenfalls kein politisches Mandat für zukünftige Generationen.
          So wird aber leider oft getan.

          Die Artikelüberschrift soll nicht kommentiert werden.
          >:->

          Dieses neue entwickelte Konzept des Anthropozän meint ja gerade den Klimawandel, der sich durch bes. menschen-verursachte Ausgasung ergibt, also da gibt es den Einwand, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn es 10 K wärmer wird (vs. 10 K kälter) und das eigentlich nur Adaptionskosten entstehen. [1]

          Bzgl. der zukünftigen Lebensbedingungen für Menschen dürfen Sie auch ein wenig Phantasie entwickeln, Energieprobleme werden bspw. nicht entstehen und die Biodiversität wird auch nicht sonderlich abnehmen – so meinen zumindest einige.

          Übrigens hält der Schreiber dieser Zeilen diesen Satz, den Sie vielleicht ebenfalls schon einmal gehört haben: ‚Die Erde wäre ohne uns Menschen besser dran.‘ -, für einen der miesesten Sätze.
          Auch das mit dem von Ihnen genannten ‚Gleichgewicht‘ kann anders gesehen werden, was spricht denn hier gegen eine gewisse Dynamik außer vielleicht dem Gefühl (inkl. konservativer Einstellung)?

          MFG
          Dr. Webbaer

          [1]
          So eine Art Geo-Thermostat, mit den Mitteln des Geo-Engineerings hergestellt, wäre nicht schlecht, auch wenn es keinen anthropogenen Klimawandel geben würde.

  10. Mein persönliches Fazit zu all den engagierten Kommentaren, für die ich mich bei den Autoren herzlich bedanke: Die Sichtweise, Mensch und Erde in ein Gleichgewicht zu bringen, wie sie unter vielen auch Martin Holzherr einfordert, nenne ich nicht konservativ wie Dr. Webbaer, sondern anthropozentrisch. Sie ist naheliegend, weil die Schaffung eines austarierten Systems eine die eigene Art erhaltende ist. Die Betrachtung macht aus menschlicher Sicht absolut Sinn. Einerseits – andererseits: Mir persönlich fehlt schlicht der Glaube, dass der Mensch das schaffen wird. Das ist eine ziemlich deprimierende Erkenntnis. Aber dann hilft es eben, das anthropozentrische Blickfeld zu verlassen: Gut, dass die Wesen, die sich über Photosynthese am Leben erhalten und die ja die ersten waren, die diesen Planeten besiedelten, noch keine Intelligenz besaßen. Sonst hätten sie sich darüber vor langer, langer Zeit auch schon Gedanken gemacht – und wären womöglich auf die für uns fatale Idee verfallen, sich nicht so stark auszubreiten, um die Atmosphäre mit weniger Müll zu verseuchen: Sauerstoff… Konsequenz klar! Spätestens in einigen Milliarden Jahren ist unser jetzt noch so schöner, blauer Planet sowieso im Roten Riesen der Sonne verglüht. Was für eine Bedeutung hat der Mensch in der universalen Skala? Er ist ein einziger Versuch unter unendlich vielen, das Lebensspiel auszutesten, mehr aber auch nicht. Trotz vieler interessanter Begabungen, die der Mensch entwickelt hat, bin ich nicht sicher, ob das Modell Mensch aus evolutionärer Sicht als wirklich gelungen betrachtet werden kann. Aber schlimm ist das eigentlich auch nicht, wenn man die Perspektive weit genug von ihm weg bewegt…

    PS mit einer Ankündigung: Nach dem Aufreger-Thema gibt’s heute noch was Neues – wenn auch deutlich Schlichteres – im Programm! Deshalb werde ich mich aus der so anregenden Debatte an diesem Punkt ausklinken.

    • @ Frau Dr. Päch :

      Die Sichtweise, Mensch und Erde in ein Gleichgewicht zu bringen, wie sie unter vielen auch Martin Holzherr einfordert, nenne ich nicht konservativ wie Dr. Webbaer, sondern anthropozentrisch. Sie ist naheliegend, weil die Schaffung eines austarierten Systems eine die eigene Art erhaltende ist.
      […]
      Mir persönlich fehlt schlicht der Glaube, dass der Mensch das schaffen wird.

      Auf austariert und dynamisch anthropozentrisch könnte sich geeinigt werden.
      >:->

      Auch weil im konservativen Sinne das Entstehen von Stagnation zu befürchten wäre.
      Der Mensch (vs. Bär) wird noch so einiges schaffen, er kann sich kaum selbst vernichten und zudem gilt, vielleicht auch in weihnachtlichem Kontext:
      -> https://www.youtube.com/watch?v=67rtd-0syRo (‚Das Leben findet einen Weg.‘ – wobei es der „Chaosforscher“ in Jurassic Park womöglich ein wenig anders gemeint hat, korrekt)

      MFG
      Dr. Webbaer

  11. Holzherr, Päch, Dr.Webbbar,

    Gerade jetzt zur Weihnachtszeit, sollten wir optimistisch bleiben. Der Mensch ist vernünftiger als manchmal gedacht.
    Das FCKW Verbot hat ja immerhin das Ozonlich wieder verkleinert.
    Also, der Joker bleibt der Kapitalismus mit seiner gnadenlosen Bwertung von allem in Dollar und Cent.
    Wenn die Schäden in Dollar ausgedrückt größer werden als der Nutzen einer Entwicklung, dann findet schnell ein Umdenken statt.
    Wenn es gelingen sollte, dass die religiös zentrierten Länder auch etwas von dem kapitalistischen Gedankengut übernehmen, dann wird sich auch in Bezug auf Kriege eine Verbesserung ergeben. Das Internet machts möglich. Die Kaste der Gotteskrieger wird langsam aussterben und einer friedlichen Weltordnung Platz machen.
    Mit weihnachtlichem Gruß
    ein optimistischer Laie

    • Ich bin wegen der 1) Einfallsgabe und der 2) sozialen Natur des Menschen optimistisch.
      Zu 1) Anstatt Kohle, Öl und Erdgas können wir erneuerbare oder nukleare Energien nutzen
      Zu 2) Menschen denken nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihre Gruppe, Ethnie, ihre Brüder und Schwestern und an ihre Kinder. Den wenigsten ist es egal was nach ihnen kommt.
      1) und 2) zusammengenommen bilden mit der Intelligenz und Voraussicht, der Antizipationsfähigkeit des Menschen gute Voraussetzungen dafür, dass Probleme gelöst werden und die Zukunft besser wird.

    • @ Laie :

      Also, der Joker bleibt der Kapitalismus mit seiner gnadenlosen Bwertung von allem in Dollar und Cent.

      Streng genommen handelt es sich hier womöglich um Systeme, die den Ideen und Werten der Aufklärung (Sapere Aude, die Lösung der „Schwarmintelligenz“ und so bleiben gemeint) folgend gesellschaftlich implementieren konnten, u.a. die skeptizistische Wissenschaftlichkeit hervorgebracht haben, es wird ja nicht mehr verifiziert, und die aufklärerische Demokratie („Demokratischer Frieden“ und so), die oft ein wenig lieblos ‚kapitalistisch‘ oder ‚westlich‘ genannt werden, wichtige Aspekte ihres Wesens vernachlässigend.
      Das Monetäre wird dennoch seine Rolle spielen, nicht zwingend ungünstig, korrekt.

      Ihr Optimismus wird hier natürlich geteilt, nicht nur vorweihnachtlich, ein wenig „rough“ wird es abär demnächst und für längere Zeit anhaltend ganz sicher werden, womit nicht der Klimawandel gemeint ist,
      MFG
      Dr. Webbaer

  12. „…fehlt schlicht der Glaube, dass der Mensch das schaffen wird.“

    Schlicht falsch, ist der systematische Glaube im geistigen Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ (erster und bisher einzige GEISTIGE Evolutionssprung), wo Mensch von den „Treuhändern“ gelernt hat IMMER vor dem System zu kapitulieren, damit die „Vorsehung“ / die „göttliche Sicherung“ vor dem Freien Willen nicht „gottgefällig“ überschritten wird (das nennt man auch Dummheit), um beim „Jüngsten Gericht“ … 🙂

    „… ob das Modell Mensch aus evolutionärer Sicht als wirklich gelungen betrachtet werden kann.“

    Wer oder was betrachtet denn da???, wo nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen / Kommunikationsmüll die Wirklichkeit spaltet, konfusioniert, bestimmt – das kann man schmecken, riechen, fühlen 🙂

  13. Horst,
    ehrlich ich bewundere Ihre Beiträge. Die haben die höchste Informationsdichte aller Beiträge. Das macht es aber sehr schwierig sie zu verstehen, weil Sie geichzeitig mehrere Gedanken in einen Satz einfügen. Bitte etwas einfacher, es sind nicht alle so sprachbegabt wie Sie.
    Ich ahne nur, dass da Wahrheiten ausgesprochen werden, die man sonst nirgends finden kann.

    ein Laie

  14. Dr. Webbaer,
    ich möchte mich jetzt nicht als Kapitalist geoutet wissen. Es gilt immer noch die Weisheit der Bibel, man kann nicht Gott und dem Mammon dienen.
    Aber denken darf man doch dialektisch. Wenn sich der Utilitarismus und der Glauben die Hand reichen, dann ist Optimismus angesagt.
    Besonders jetzt in der Weihnachtszeit zeigen die Menschen , dass das Irrationale die Nahrung der Seele ist. Ich denke doch, dass Sie der Seele wenigstens eine Chance geben.

  15. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW50, 2016)

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