Adventskalender, Tag 18: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte

Palim, palim … ich hoffe, Sie genießen diesen frühen vierten Advent entspannt! Denn dazu (und zu der Tatsache, dass es Sonntag ist) passt auch der Inhalt des heutigen Türchens. Lassen Sie uns mal reinschauen …

Annette (46) schickte mir für das heutige Adventskalendertürchen etwas ganz Ungewöhnliches, nämlich ein (Reinhold Niebuhr zugeschriebenes) Gebet um Gelassenheit, das ich persönlich sehr schön finde:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Sie schrieb dazu folgendes: „Ich finde, besonders mehr Gelassenheit, auch mal etwas hinzunehmen, könnte Hochbegabten das Leben im Alltag und den Umgang mit ’normalen‘ Menschen sehr erleichtern.

Im Lauf des Lebens habe ich vor allem Geduld mit den Ungenauigkeiten und der Langsamkeit (aus meiner Sicht, natürlich) meiner Kollegen und anderer Menschen im Alltag gelernt. Die Kunst besteht darin, es ihnen nicht übel zu nehmen oder vorzuwerfen, sonst macht man sich nur Feinde. Besser wirkt es, zu versuchen, Verbesserungsvorschläge so anzubringen dass der andere ‚mitgenommen‘ wird, sein Gesicht bewahrt und zumindest so tun kann, als sei er selbst darauf gekommen.“

Das Gebet gibt es wohl auf englisch auch in einer etwas längeren Fassung, die ich Ihnen auch nicht vorenthalten will:

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference.
Living one day at a time,
Enjoying one moment at a time,
Accepting hardship as a pathway to peace,
Taking, as Jesus did,
This sinful world as it is,
Not as I would have it,
Trusting that You will make all things right,
If I surrender to Your will,
So that I may be reasonably happy in this life,
And supremely happy with You forever in the next.

Unabhängig davon, ob nun Gott oder ein anderes höheres Wesen Gelassenheit verleiht oder man diese in sich selbst findet: Entspanntheit und Nachsicht (sowohl mit den Mitmenschen als auch mit sich selbst!) trägt durchaus zum Wohlbefinden bei. Lassen Sie sich in den turbulenten Vorweihnachtstagen also nicht stressen 🙂

Veröffentlicht von

Dr. rer. nat. Tanja Gabriele Baudson ist Diplom-Psychologin und Literaturwissenschaftlerin. Seit Oktober 2016 vertritt sie die W3-Professur für Methoden der Empirischen Bildungsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Davor hatte sie zwei Jahre lang die Vertretung des Lehrstuhls für Pädagogisch-psychologische Diagnostik an der Universität Duisburg-Essen inne. Ihre Forschung befasst sich mit der Identifikation von Begabung und der Frage, warum das gar nicht so einfach ist. Vorurteile gegenüber Hochbegabten spielen hierbei eine besondere Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auf das Selbstbild Hochbegabter auswirken. Hierzu hat sie eine Reihe von Studien in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Sie ist außerdem Entwicklerin zweier Intelligenztests. Im April 2016 erhielt sie den SciLogs-Preis 2016.

2 Kommentare zu »Adventskalender, Tag 18: 24 Gedanken und Wünsche für Hochbegabte«

  1. Gustav Antworten | Permalink

    Verlassenheit

    Die Kurzform dieses Spruches war mir bereits bekannt, die Langform ist mir neu.

    Sie erscheint mir als religiösem Laien widersinnig, vermutlich, weil der Kontext fehlt. Es sträubt sich bei mir alles, wenn ich lese, dass Leute sich aus welchem Grund auch immer, damit abfinden, dass sie als Mensch oder Menschen allgemein, die Welt nicht verbessern können.

    Ich muss mir hierbei immer die Frage stellen, ob die Welt nicht Gottes Fleischklopfer ist. Will Er, dass man die Einsicht des Autors teilt und sich darauf verlässt, dass Gott es schon regeln wird? Ist die Welt deshalb suboptimal designt? Befinden wird uns nur in einem göttlichen Indoktrinationslager, dass uns durch Widrigkeiten empfänglich machen soll für Bevormundung? Immerhin erscheint derjenige, der dem Menschen nach der Welt eine Ewigkeit voller Glückseligkeit bietet, in einem guten Licht. Doch aber nur, wenn man ausblendet, dass Er für das vorangegangene Unglück ebenso verantwortlich war.

    ***

    Es ist in der Tat eine Kunst, mit Mitmenschen umzugehen. Es ist wie ein Minenfeld: man muss sich ganz langsam bewegen und ein Fehltritt kostet (mindestens) eine Extremität. Da eröffnet sich mir immer die Frage, warum man überhaupt hindurch will bzw. muss. Es wäre doch viel produktiver, einfach außerhalb zu wandeln, weg von anderen Menschen. Aber leider funktioniert das in der Praxis nicht. Als Alternative hat sich das Stehenbleiben erwiesen. Es ist nicht kunstvoll aber zweckmäßig, wenn man sich unnötigen Gliedmaßenverlust ersparen möchte.

  2. Tanja Gabriele Baudson Antworten | Permalink

    Gerade das Stehenbleiben halte ich für eine viel zu wenig praktizierte Kunst :)

    Ich würde das Gebet auch nicht so verstehen, dass es Passivität oder gar Resignation legitimiert. Es geht ja genau um die Unterscheidung, wo es sich lohnt, etwas ändern zu wollen, und wo nicht.

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