Feindesliebe – oder notwendige Ent-Rüstung

„Liebet eure Feinde“ – ein weithin bekanntes Wort von Jesus. Oft zitiert als christliches Markenzeichen: Gegenüber einer Welt, die sonst auf Gewalt und Rache setze, gelte bei Christen das Ideal der Feindesliebe. Im Idealfall, sollte man vorsichtshalber dazu sagen, weil das mit den guten Idealen und den guten Vorsätzen so eine Sache ist und man nicht immer so genau weiß, welche Wege damit gepflastert werden. Deshalb wird diese Idee auch belächelt als bloß schönes „Wort zum Sonntag“, das höchstens dazu da sei, die Gewissen zu schärfen und uns aufzuzeigen, wie entfernt wir von der wahren Gottesliebe seien. Aber ansonsten solle man sich doch, bittschön, der Wirklichkeit stellen, in der andere Gesetze gelten – in der auch mit harten Bandagen gekämpft werden muss, gegen Kriminelle und Terroristen.

Ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Terror der letzten Monate und ausgerechnet in „Bild am Sonntag“ und referiert im Spiegel, hat es nun Margot Käßmann wieder in die Diskussion gebracht: „Den Terroristen mit Liebe begegnen“. Und schnell fielen sie über sie her. Die übliche Internet-Meute bei ihr auf Facebook sowieso, mit wohlfeilen Kommentaren Süffisanz zu äußern über die Folgen von Alkohol der ehemaligen Bischöfin und über naive Wunschträume der „Pfaffen“. Vor Alkohol und Naivität sind die, die da ganz genau wissen, wie das Abendland zu verteidigen wäre, wenn man sie nur machen ließe – vor solchen Schwächen sind diese wackeren Ritter ja sicher allesamt gefeit.

Aber auch sonst ist sich ein breites Spektrum einig gegen Käßmann. Nenne ich vorneweg die konservativ-evangelikale Zeitschrift „idea“. Die weiß sowieso genau, wie das mit der Feindesliebe auf keinen Fall verstanden werden dürfe, jedenfalls nicht so radikal pazifistisch und nicht so politisch. Dazu befragte sie einen Ex-General, einen Militärbischof und eine konservative Landesvorsitzende im Evangelischen Arbeitskreis der CDU. Nu ja, exquisite Zeugen gegen Käßmann…

Sonst an einer anderen Stelle des Meinungsspektrums vermutet, weiß auch der auf dem Feld der Ideen und Ideale schon weit herum gekommene Alan Posener ebenso Käßmann darüber zu belehren, wie in der abendländischen Tradition die „Feindesliebe“ verstanden werden muss. Und der Humanistische Pressedienst übernimmt dies auch bei sich als Beitrag. Ob „idea“, das angeblich dem weltlichen Mainstream der Meinungen widersprechen will, nicht doch mit mancherlei Meinung zusammenpasst?

Posener bastelt ein Argumentationsmuster zusammen mit verschiedensten Versatzstücken aus der Geschichte des Christentums bis hin zu Luther, zu denen man in entsprechenden Kompendien schnell fündig werden kann. Suchet, so werdet ihr finden…. Ja, und bei den von Käßmann genannten pazifistischen Aktivisten – Gandhi, Martin Luther King und Aung San Suu Kyi – da sei natürlich alles ganz ganz anders. Ihr jeweiliger Kontext verbiete solche Schlussfolgerungen wie die Käßmanns. Schon den Kontext bei Jesus und seiner Aufforderung zur Feindesliebe habe sie nicht richtig verstanden. Ja sicher, der „Kontext“ war jedes Mal anders; und jedes Mal gab es andere Begründungen, warum jetzt gerade in diesem Fall oder gerade in jenem Kontext die eigentlich schöne Feindesliebe absolut nichts taugt. Sie taugt auch wirklich nicht zu allem, aber auf einige Impulse könnte man sich denn doch einlassen, wenn man nicht zu schnell mit Denken aufhört, mit Nachdenken über die Hintergründe. Greife ich also „Hinter-Gründe“ doch wieder auf. ( Ist an der Zeit, seit 18. Mai vor drei Jahren….)

Ent-Feindung – ist nicht bloß „lieb“

Dass es mit dem „Liebet eure Feinde“ etwas mehr auf sich haben könnte – das lernte ich am deutlichsten bei einem jüdischen Religionsphilosophen und Religionsgeschichtler: Pinchas Lapide. Die Begegnung mit ihm und mit seinen Büchern eröffnete mir eine neue Perspektive gegenüber dem, was ich vom Studium her kannte. Bis dahin verstand ich die Rede von der Feindesliebe bei Jesus wohl nur als notwendige Bremse gegen wild wuchernden, Hass, unfruchtbare Streitigkeiten – eher für den privaten Bereich brauchbar, nur indirekt sich im politischen Bereich auswirkend.

Dass Jesus aber etwas mehr damit wollte, das kann Lapide aufzeigen, besonders in seinem Buch, auf das ich mich hier beziehe: „Die Bergpredigt – Utopie oder Programm?“ Bei Google-Books in Auszügen zu finden.
Dabei sieht er Jesus selbstverständlich nicht isoliert – nicht als einen, der bis dahin unbekannte Wahrheiten verkündet hätte, gar sich gegen jüdisches Denken abgesetzt hätte. Sondern selbstverständlich in seinem politischen Kontext der verschiedenen damals um Einfluss ringenden, zumeist religiös motivierten Gruppen im breiten Spektrum zwischen Anpassung und Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht. Ja, und dieser Rabbi aus Nazareth habe mit seinem Aufruf zur Feindesliebe eine besondere Aktionsform im politischen Widerstand beabsichtigt:
Nicht als weiches Nachgeben oder Anbiederung an den Feind, sondern als listige Strategie, Feinde zu ent-rüsten, ihr Vertrauen auf die Wirkung ihrer Rüstung zu schwächen – dafür zu sorgen, dass ihnen die Waffen selber aus den Händen gleiten – letztlich ihnen den Boden ihrer Feindschaft unter den Füßen wegziehen. Lapide nennt diese Aktionsform denn auch nicht einfach „Feindesliebe“, sondern zielführender „Entfeindungsliebe“:

Wie sollte das geschehen? Indem man den Feinden etwas überraschend Gutes tut, wodurch sie verblüfft und irritiert werden. Beispielsweise, wenn einem römischen Besatzungssoldaten sein Gepäck zu schwer wird und er sein Recht in Anspruch nimmt, jeden zufällig vorbeikommenden Juden herzupfeifen und ihn als Lasttier dafür zu benützen. Aber, so war’s im Legionärsrecht vorgesehen, nur eine Meile weit galt die Pflicht. Danach konnte der Genötigte die Sachen auf den Boden werfen und das Weite suchen – tat er es vorher, konnten grausame Strafen vollzogen werden. Klares römisches Recht. Wenn nun aber einer seinen Frondienst absichtlich um eine weitere Meile verlängert, könnte daraus ein Gespräch werden und eine Fraternisierung, die die Fronten aufweicht.

Lapide bringt weitere Beispiele, die jetzt nicht ausgeführt werden können – die Sache mit dem „Halt dem, der dich schlägt, auch die andere Backe hin“ oder „Lass deinem Gegner nicht nur den Rock, sondern auch deinen letzten Mantel“: in beiden Fällen soll ein Gegner, dem nichts als Gewalt einfällt, beschämt und irritiert werden. Und er dadurch möglicherweise davon abgehalten werden, nur hemmungslos weiterzumachen. Jedenfalls sollen die verbissenen Fronten aufgeweicht werden können. Auf der Linie sehe ich auch – jetzt ohne mich auf eine Beobachtung Lapides zu berufen – die Selbsteinladung Jesu bei einem Kollaborateur mit den Römern, dem Zöllner Zachäus. Wird vielleicht hinterher fraglich, wie zuverlässig dieser Zöllner noch mit der Besatzungsmacht zusammenarbeitet. Oder die verschiedenen Erwähnungen von römischen Hauptmännern in den Evangelien – wie als deutlicher Wink: Seht, die Reihen der Gegner sind nicht so undurchdringlich….

Und wo kommen wir damit hin?

Ich formuliere absichtlich hier immer wieder mit „möglicherweise“ oder „vielleicht“, „sollte“… Ist ja klar, dass einiges nicht gelingt – besonders wenn man es nicht einmal versucht. Und wenn doch, dann am ehesten über einen persönlichen Kontakt, wenn man das Weiße im Auge des andern sieht und ihm zumindest etwas zurufen kann. Also nicht in einer aktuellen Kriegssituation, während geschossen wird. Aber immerhin doch, und das war ja die Situation bei Jesus, in einer Besatzungszeit – wenn die Feindschaft schwelt, damit es nicht zu einer heißen Phase des Krieges kommt. Da, forderte er auf, immer wieder etwas in dieser Richtung zu versuchen. Wo immer möglich: Deeskalation. Und das deshalb, wie Lapide formuliert: „Er wollte sein Volk befreien, nicht verbluten lassen“.
Ist auch bekannt und bei Lapide durchaus gesehen, dass Jesus damit nicht sehr weit kam. Wenn man so will: er wurde durch die Wirklichkeit widerlegt. Umso schlimmer für die Wirklichkeit: Schon in seiner Gruppe zu viele, die es im Zweifelsfall denn doch wie die Messermänner, die Zeloten hielten. Und schließlich: Auch im damaligen Israel gewannen, wie so oft, die Scharfmacher die Oberhand; und führten das Volk damit in eine nationale Katastrophe.

Wer hat nun Recht? Jesus, der zunächst gescheitert ist ? Oder die Scharfmacher, die zunächst sich durchsetzten? Oder die, die sich aus allem raushalten wollten? Ich meinerseits kenne Anteile von allem, bei mir und bei anderen. Den Impuls zur Feindesliebe lasse ich mir gefallen, situationsbezogen. Und bezogen auf die Situation mit den Terroristen der vergangenen Monate kann ich Käßmann zustimmen und dazu sagen: Es geht nicht um Sympathiebezeugungen, nicht um „Liebe“ im üblicherweise missverstandenen und verkitschten Sinn: „ich mag alle, ich mag auch euch“.
Sondern es sollte darum gehen: den jungen Leuten, die in europäischen Vorstädten auf kriminelle Bahnen kommen (und womöglich im Gefängnis entdecken, dass ihr Gott noch größer sei als die Machtfanatiker ihrer diversen War-Games) , vernünftige Alternativperspektiven aufzuzeigen – ihnen zeigen, dass sie sich nicht mit dem Dreck verwechseln lassen sollten, denen man ihnen sonst zu oft als Stempel aufdrückt. Jedenfalls Ent-Feindung, Deeskalation, bevor noch mehr Bomben explodieren. Also einiges mehr an Geld und Phantasie für solide Sozialarbeit aufbringen.
Sozialarbeit ist – auf diese Situation bezogen – angewandte Feindesliebe. Sie ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

 

Veröffentlicht von

Hermann Aichele Jahrgang 1945. Studium evang. Theologie in Tübingen, Göttingen und Marburg (1964-70), Pfarrer in Württemberg, jetzt im Ruhestand. Hinter die Kulissen der Religion allgemein und besonders des in den christlichen Kirchen verkündeten Glaubens zu sehen, das war bereits schon in der Zeit vor dem Studium mein Interesse: Ich möchte klären, was gemeint ist mit den Vorstellungen des Glaubens, deren Grundmaterialien vor Jahrtausenden geformt wurden - mit deren Über-Setzung für uns Heutige man es sich keinesfalls zu leicht machen darf und denen gegenüber auch Menschen von heute nicht zu leicht fertig sein sollten.

49 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Text zeigt (unfreiwillig), dass die Bedeutung von Liebe deine Feinde unklar ist. Terroristen zu lieben ist zudem besonders schwierig, weil man sie oft nicht kennt, und man damit in ganz praktische Schwierigkeiten gerät, wenn es darum geht Liebesbezeugungen ihnen gegenüber zu machen.
    Auch der Kontext in dem Jesus Liebe deine Feinde äussert, ist für mich unklar. Sind mit den Feinden wirklich die Römer gemeint oder nicht vielmehr alle denkbaren Feinde? Spricht Jesus, wenn er spricht, von Politik und nicht vielmehr vom Menschsein überhaupt?
    Für mich stellt sich aber schon die Frage, wie die Stellvertreter, Verkünder und Wiederverkünder des Evangeliums es mit der Feindesliebe gehalten haben. Luther schreibt zur Feindesliebe:

    Darum wisse du, lieber Christ, dass du, nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.

    Die Frage ist nun ob Luther zur Feindesliebe, in diesem Fall also Judenliebe, aufgerufen hat. Hat er nicht. Statt dessen fragte er rhethorisch warum die Oberen (die Fürsten) nicht längst schon etwas gegen die Juden unternommen hätten. Nun das haben sie ja dann auch, wenn auch erst ein paar Generationen später, wobei sie sich immer noch auf Luther berufen haben. Luther liebte seine Feinde wohl schon, allerdings erst wenn sie tot waren.

    • Zunächst zu Ihrer Einleitung: Ja, es ist einiges unklar. Sie könnten, w e n n Sie da mehr Klarheit wollen, meiner Leseempfehlung folgen und ein paar Zusammenhänge durch Pinchas Lapides Bücher er-klären lassen. Vielleicht wollen Sie aber nicht so viel Klarheit, eher alles Mögliche und Unmögliche hier abladen, abkippen. Dies zu Ihren weiteren Copy&Paste-Ausführungen.
      Bitte präziser beim Thema bleiben: Ob die Rede von der Feindesliebe etwas austragen kann in aktuellen Auseinandersetzungen. Bei dem jüdischen Autor Lapide habe ich viel dazu gelernt. Die Chance sei auch Ihnen gegönnt.

    • @ Herr Holzherr :

      Auch der Kontext in dem Jesus Liebe deine Feinde äussert, ist für mich unklar.

      Dann einfach mal ins Matthaeus-Evangelium gehen und nachlesen.
      Jesus hat hier gegen jüdische Grundsätze agitiert, er hat als ‚Rabbi aus Nazareth‘ nichts mehr vorgehabt als das Judentum zu revolutionieren.
      Weil die Testamente Testamente sind, also Zeugenbekundungen, ein Literalismus scheint hier nicht angebracht, darf auch aus der Ferne sozusagen ein wenig locker interpretiert werden.

      Bei Luther muss man ganz vorsichtig sein, korrekt.

      MFG
      Dr. Webbaer

  2. Nannte Luhter die Juden den natürlichen Feind des Christen, weil er Feindesliebe erwartete? Nein, er erwartete Feindeshass, Judenhass wie sich leicht aus seiner Schrift „Von den Juden und ihren Luegen“ herauslesen lässt. Zum Hass auf die Juden wollte er anstacheln, indem er sie Punkt für Punkt „entmenschte“, ihnen jede positive menschliche Regung absprach:

    Daher gibt man ihnen oft in den Historien Schuld, daß sie die Brunnen vergiftet, Kinder gestohlen und zerpfriemt haben. Sie sagen wohl nein dazu. Aber, es sei oder nicht, do weiß ich wohl, daß am vollen, ganzen, bereiten Willen bei ihnen nichts fehlt, wenn sie mit der Tat, heimlich oder offenbar, dazu kommen könnten. Des versieh dich gewißlich und richte dich danach!

    Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, daß es nicht aus Liebe noch dir zugute geschieht, sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus Not etwas tun, aber das Herz bleibt und ist, wie ich gesagt habe.
    ..
    Wenn ein Dieb zehn Gulden stiehlt, so muß er hängen, raubt er auf der Straße, so ist der Kopf verloren. Aber wenn ein Jude zehn Tonnen Goldes durch seinen Wucher stiehlt und raubt, so ist er lieber als Gott selbst.

    Warum diese lange Sündenliste der Juden. Weil Sünden nach Sühne, nach Strafen verlangen. Und das tut auch Luther

    Was wollen wir Christen nun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden tun?
    Wir müssen mit Gebet und Gottesfurcht eine scharfe Barmherzigkeit üben, ob wir doch etliche aus der Flamme und Glut erretten könnten; rächen dürfen wir uns nicht, sie haben die Rache am
    Halse, tausendmal ärger als wir ihnen wünschen mögen. Ich will meinen treuen Rat geben.

    Erstlich, daß man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen seien und solch öffentlich Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilligt haben.
    Zum zweiten: daß man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre, denn sie treiben ebendasselbe darin, das sie in ihren Schulen treiben.
    Zum dritten: daß man ihnen alle Betbüchlein und Talmudisten nehme, worin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.
    Zum vierten: daß man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren, denn solches Amt haben sie mit allem Recht verloren
    Zum fünften: daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler noch desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben.
    Zum sechsten: daß man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege. Und dies ist die Ursache: alles, was sie haben, haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst kein andres Gewerbe haben.
    Zum siebenten: daß man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase.

    7 Akte der Liebe, die Luther also von den Christen fordert, an den Juden zu verrichten.

    Doch Luhter ist nicht sehr optimistisch, dass diese Massnahmen die Juden wirklich bessern werden. Er schreibt deshalb gegen Schluss:

    Meines Bedünkens wills doch darauf hinaus, sollen wir der Juden Lästerung rein bleiben und nicht teilhaftig werden, so müssen wir geschieden sein und sie aus unserm Lande vertrieben werden.

    Unsern Oberherrn, die Juden unter sich haben, wünsche ich und bitte, daß sie eine scharfe Barmherzigkeit gegen diese elenden Leute üben wollten, obs doch etwas, wiewohl es mißlich ist, helfen wollte, wie die treuen Ärzte tun: wenn das heilige Feuer in die Knochen gekommen ist,
    fahren sie mit Unbarmherzigkeit zu und schneiden, sägen, brennen Fleisch, Adern, Knochen und Mark ab. Also tue man hier auch. Verbrenne ihre Synagogen, verbiete alles, was ich droben erzählt habe, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um, wie Moses in der Wüste tat, der dreitausend totschlug, daß nicht der ganze Haufe verderben mußte.

  3. „Liebet eure Feinde“ – Liebe bedeutet Verständnis, vor allem in der Realität / Hierarchie dieser Welt- und „Werteordnung“, doch wer will dies, im „gesunden“ Konkurrenzdenken des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs um …, schon der Bequemlichkeit / „Verantwortungslosigkeit der systemrationalen Schuld- und Sündenbocksuche im „Recht des Stärkeren“ wirklich-wahrhaftig erfahren?!

    Und so wird der heuchlerisch-verlogene Tanz um das goldene Kalb / den heißen Brei im geistigen Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ weiter funktionieren!?

  4. Zunaechsteinmal bedeutet die „Feindesliebe“ seine Gegner menschlich zu behandeln.
    Bleiben wir beim Beispiel Terrorbekaempfung.
    Wenn heute Drohnen ueber Gebiete fliegen wo terroristische Aktivitaeten vermutet werden, und dort erst schiessen und dann nachfragen, ->
    -> so ist die Folge, dass Hochzeitsgeselschaften zerbomt werden koennen.
    -> So ist die Folge, dass die Menschen Angst haben sich zu versammeln.
    -> So ist die Folge, dass die Menschen sich lieber versteckt halten.
    -> So ist die Folge, dass die Menschen kein normales Leben fuehren koennen
    -> So ist die Folge, dass aus Angst verachtung fuer ‚den Westen‘ wird
    -> So ist die Folge, dass letztendlich die Terroristen sogar staerker werden.
    So etwas ist bestimmt keine Feindesliebe.

    Das Agument „so ist das nunmal im Krieg“ ist tatsaechlich gueltig,- nur muss man sich fragen was man mit einem Krieg bezwecken will.
    Ist es das Ziel den Gegener durch Angst zu entmenschlichen, oder ist es das Ziel den Terroristen den Zulauf zu nehmen.

    Ueberhaupt hat das Wort „entmenschlichung“ sehr viel mit dem fehlen der Feindesliebe zu tun.
    Praesent sind noch Bilder aus irakischen Gefaengnissen wo amerikanische Soldaten das Spiel der entmenschlichung sehr weit getrieben haben. Einige Jahre spaeter stellen wir fest, dass einige aus der ISIS-Fuehrungsetage aus genau diesen Gefaengnissen kamen.

    Voellig anderes Beispiel: Die Nachkriegszeit in Deutschland.
    Nachdem der Krieg vorbei war wurde der Fehler der Entmenschlichung eben NICHT gemacht.
    (Mir ist natuerlich klar, dass das eher politische als menschliche Gruende hatte,- der Ost/West-Konflikt begann, und man wollte neue Verbuendete,- aber das sei mal dahin gestellt).
    Folge: Der Wiederaufbau gelang, es gab keine terroristischen Aktionen, es gab tatsaechliche Freundschaft.

    Natuerlich ist diese Betrachtung naiv,- dennoch ist sie eine Betrachtung wert.

    Andere Beispiele finden sich in aktuellen Konflikten zuhauf.
    Immer wieder die Frage: Werden die Gegener wie Menschen behandelt oder nicht?
    Wenn sie es werden, so gibt es eine Changse auf tatsaechlichen Frieden.

    Insofern ist das Ideal der Feindesliebe aktuell immer noch anwendbar.

  5. Lieber Hermann,
    vielen Dank für diesen – wie immer – erhellenden und vor allem angemessen differenzierten Beitrag.
    Seit Konrad Lorenz‘ „das sogenannte Böse – eine Naturgeschichte der Aggression“ wissen wir ja, dass sämtliche Aggressivität Territorialverhalten ist, wie es bei Mensch und Tier nicht nur vorkommt, sondern auch nötig zum Überleben war. Sie hat aber einen gewaltigen Nachteil: Sie wird im Handumdrehen (z.B. in der Gewaltspirale) selbstzerstörerisch – wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen. Es gibt also ein eigennütziges Argument für die Feindesliebe, dass nämlich die Bedrohung für mich selbst aufhört.
    Man kann also aus rein vernünftigen und eigennützigen Gründen die Feindesliebe favorisieren, ganz ohne Bergpredigt. Wird sie durch Jesus noch spirituell vertieft – umso besser!…….. aber feurige Kohlen wollte man schon gern auf dem Haupt des „Gegners“ sehen – oder?

    • Hast ja recht, großer Johannes, mit deinen Verweisen auf Aggressionsforschung. Auch Lapide erwähnt einmal was: „Halt dem Gegner die andere Wange hin“ erinnert an die Unterwerfungsgeste bei Wölfen – den Hals hinhalten kann eine Beißhemmung bewirken. Aber sonst will ich mich natürlich lieber auf das Kernthema konzentrieren; und mich nicht von Nachbarthemen ablenken lassen. Reißt ja hier schon wieder ein, dass manche ihr Lieblingsthema, das schon längst aufgebaut ist, auch hier präsentieren wollen. Siehe oben.
      Das hat auch in solchen Kommentar-Gruppen etwas mit dem von dir genannten Territorialverhalten zu tun.

    • „Wird sie durch Jesus noch spirituell vertieft – umso besser!……..“

      Eine Vernunft in kompromisslos-fusionierender UNEIGENNÜTZIGKEIT OHNE …, dann wird ein Schuh daraus der von Jesus stammt!!!

  6. @Martin Holzherr:
    Ich bekenne äußerst beschämt, dass ich (als Diplomtheologe) diese Luthertexte nicht kannte/kenne. Die sind einfach nur gruselig, abscheulich.

    @Aichele: Dass man immer die Hoffnung bewahrt, der „Feind“ zeige doch noch sein „wahres Gesicht“ (man erkennt in ihm nach wie vor ein Gotteskind) und er könne eines Tages wieder für ein kooperatives Verhalten gewonnen werden, wenn er seine Verirrung erkennt und sich bekehrt, ist ehrenhaft – aber die Bezeichnung „Feindesliebe“ ist hierfür viel zu weitreichend und dann auch irreführend.

    Hätte Frau Prof. Käßmann ihren Gedanken auch bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Terrors in Paris oder Brüssel oder oder vor Angehörigen geäußert? Ist das nicht in hohem Maße einfach nur zynisch?? Jesus hat nicht die andere Wange hingehalten, als er geschlagen wurde, sondern gefragt, warum man ihn schlägt.

    Die Liebe ist nach H. G. Frankfurt („Gründe der Liebe“, Lesetipp!) eine Konstellation des Willens, deren letzte Gründe sich uns selbst meistens entziehen; sie liefert vielmehr umgekehrt dann die Gründe für unser Handeln. (Die Liebe ist daher gar nicht unter allen Umständen und unbedingt gut in einem ethischen Sinne!) Mir erscheint daher ein moralisches Liebesgebot merkwürdig; jedenfalls hätte eine Liebe, die man moralisch (oder gar rechtlich?) einfordern und dann aufgrund dieser Forderung sogar aufbringen könnte, nur noch sehr wenig mit dem Phänomen zu tun zu haben, das wir üblicherweise Liebe nennen. Diese Verwirrung erreicht beim Begriff der Feindesliebe ihren Höhepunkt.

    Liebe ist nach Thomas von Aquin immer und ausnahmslos eine Erweiterung der Selbstliebe – weil und insofern ich liebe, kann es dann auch in meinem ureigenen Interesse liegen zugunsten des Geliebten und vermeintlich gegen andere meiner Interessen zu handeln (z.B. im Selbstopfer).

    Ich fürchte, hier zeigt sich erneut, dass Lösungen von Konflikten stets nur durch einen vernünftigen, klugen Ausgleich von politischen und wirtschaftlichen Interessen gefunden werden – aber nicht durch Religion. Religiöse Andacht mag Menschen ein gutes Gefühl machen – religiöses Denken bleibt hingegen meist doch zu vage und zu ambivalent. Religion, so scheint mir, ist in puncto Terror derzeit eher das Problem (die Gläubigen zerschlagen sich die Köpfe über die Deutung naturgemäß und ewig ambivalenter Aussagen der eigenen Religion) – und kaum die Lösung (wie jetzt von Frau Käßmann propagiert).

    Für den sogenannten „islamischen Staat“ ist es ideologisch allerdings verheerend, dass Millionen von Muslimen eher vor ihm fliehen und ein Leben in westlicher Freiheit vorziehen – während die Gläubigen doch eigentlich aus aller Herren Länder in dieses muslimische Kalifat strömen müssten. So gesehen ist Willkommenskultur dann tatsächlich ein antiterroristischer Akt. Wenn aber exzeptionell Gläubige auf die fatale Idee kommen, dass diese ganzen Leute dann eben alle vom Glauben Abgefallene und Ungläubige sind, deren Tötung einem selbst die Anerkennung Gottes sicher, da Gott dies sogar von uns fordert — dann erscheint mir das realistisch betrachtet als ziemlich unkorrigierbarer Wahn, vor dem man sich mit den zu Gebote stehenden Mitteln schützen darf und muss. Und wenn schon nicht sich selbst, dann doch seine Lieben. Jesus hin oder her.

    • Entschuldigung @ Christian Hoppe. Da bin ich mit einer Antwort spät; und sicher nicht erschöpfend. Das mit Luthers Unflätigkeit gegen die Juden ist etwas, das in den letzten zwei Jahren in den Medien heftig hochkochte. Aus der evangelischen Fachtheologie gibt es verschiedenste, zT gewichtige Statements zur Sache. Ich bin in dieser Sache nicht besonders kompetent – Ich weiß nur schnell Angelesenes. Und ich werde unwillig, wenn jener Kommentator die (seit Julius Streichers und des „Stürmers“ Zeiten noch nie so bequem, weil jetzt elektronisch auffindbaren) Lutherzitate präsentiert und meint, in jedem Zusammenhang, der auch nur aufs Entfernteste Luther streift, müsse man das auftischen.

      Genau der bei Ihnen (bei dir, Mitblogger bei SciLogs) unterstellten traditionell verstandenen Feindesliebe wollte ich widersprechen. Im Grunde auch an einigen Stellen eine leichte Distanzierung von Käßmann: Dass sie jetzt das so mit den traditionellen Begriffen brachte, war sicher nicht das Klügste und gegenüber den Opfern Sensibelste. Sie hätte ihre Bemerkung, Liebe könne zur größten Provokation für die Terroristen werden, schon noch sehr viel weiter ausführen müssen. So in der Kürze, wie ich es in Spiegel-Online las, wirkt es nicht sehr erhellend.
      Deshalb wollte ich einen sehr tgaktisch-vernünftigen Kern der Sache aufzeigen, wie ich es in Lapides Interpretation entdeckte:
      Entfeindungs-Liebe – man könnte besser sogar auf das Wort „Liebe“ verzichten und Strategie sagen – oder Entfeindungs-Tricks. So, und um es ganz brutal untheologisch zu sagen: Es gibt da Tricks, von denen Gefangene öfters was verstehen – selbst in KZs: Die Front der Wächter aufzubrechen durch taktisches Zuvorkommen, durch kleine Gesten der Kooperation. Sich Luft zu verschaffen und dadurch vielleicht dann entdecken, wo die Kette der Unterdrückung am leichtesten bricht.

      Sie schreiben: „Ich fürchte, hier zeigt sich erneut, dass Lösungen von Konflikten stets nur durch einen vernünftigen, klugen Ausgleich von politischen und wirtschaftlichen Interessen gefunden werden – aber nicht durch Religion.“ Ich wollte genau gegen diese Alternative schreiben. Könnte doch sein – so lese ich es bei Lapide – dass Jesus in seiner Zeit genau solche Ausgleiche taktisch einsetzen wollte (Fraternisierung mit den einfachen Soldaten, Quislinge/Zöllner aus der Front herausbrechen/ Hauptleute mit Guttaten bestechen) , damit nicht in religiösem oder politischen Fanatismus alle verbluten, bevor es zu einer Befreiung kommt.
      Dass natürlich Jesus mit dieser Strategie unterlag und die Scharfmacher die Oberhand behielten – da steckt das Problem, gibt aber den Scharfmachern nicht einfach Recht. Denn die führten in die Katastrophe.

      Über die sozialpolitische Analyse sind wir uns wahrscheinlich gar nicht einig. Ich könnte mich teilweise auf Olivier Roy berufen. Und zur Religion als Zündstoff sage ich: diese Terroristen in Paris und Brüssel haben den Islam nicht in der Moschee und nicht von ihren Eltern gelernt, sondern als Kriminelle in den Gefängnissen. Und wenn dann einer ohne weitere Perspektive merkt, wie er sich mit „Allah akbar“ aufplustern kann; und dass es da plötzlich Geld und lukrative Kontakte gibt, dann ist’s geschehen. Dem – war meine Intention – solltern wir zuvorkommen. Sehen wichtige Leute in Frankreich inzwischen so, In Deutschland muss diese Erkenntnis wohl noch mehr verbreitet werden…

  7. @Aichele: ein guter Kommentar: nur mit friedfertigem Verhalten sind wir auf dem richtigen Weg

    @Hoppe: Es war immer das Antriebskonzept von Al-Kaida und ähnlichen Gruppierungen – Hass zu sähen. Die Strategie ist simpel. Den ´Feind´ so zu provozieren, dass er Unschuldige trifft. Diese Opfer kann man instrumentalisieren um den Hass zu vervielfältigen.

    In den 1970er Jahren gab es einen Spruch: ´Jede Rüstung führt zum finanziellen Ruin eines Landes oder zum Krieg´.
    Aber seitdem galt immer nur die Devise ´Frieden schaffen mit noch mehr Waffen´. Ob IS oder andere Gruppierungen: Wo sind denn die Waffen hergekommen – die von diesen Gruppen eingesetzt werden?

    • @KRichard: Es war immer das Antriebskonzept von Al-Kaida und ähnlichen Gruppierungen – Hass zu sähen
      Ehrlich gesagt, finde ich das erstaunlich, dass offen zu Tage getragener Hass nicht Ablehnung erzeugt sondern eine Fan-Gemeinde aufbauen kann. Aber es ist so. Wer hasst, wird von nicht wenigen geliebt, falls er das Richtige und die Richtigen hasst.

      Ihre Aussage KRichard tendierte aber wohl eher darauf, dass Al-Kaida und der IS Hass bei den Angegriffenen erzeugt. Auch das stimmt und kann durchaus als normale Reaktion gewertet werden. Doch der offen gezeigte Hass rekrutiert zugleich neue Anhänger, Möchtegern-Hasser wenn man so sagen will.

      • Man braucht bloß das Beispiel der Mohammed-Karrikaturen betrachten. Dort erkennt man wie leicht eine Hass-Spirale aufgebaut wird.
        Europäische Karrikaturisten haben absichtlich Zeichnungen veröffentlicht, von denen sie genau wussten, dass damit das religiöse Empfinden vieler Menschen verletzt wird. Dieses Vorgehen war ein gezielt aggressiver Akt – und dies war auch bekannt. Diese Zeichnungen waren wiederum Grundlage für Strategen, die den Koran mißbrauchen, um eine Welle von Hass zu schüren.

        Ich will hier nicht das Mäntelchen von der ´Meinungsfreiheit´ betrachten, welches man sich umgehängt hat. Sondern es gibt so etwas wie Menschenachtung und Höflichkeit: weil man weiß wie solche Karrikaturen Muslime kränken können, hätte man darauf verzichten sollen

        • Sie haben das mit der Freiheit der Meinung und der Freiheit der Kunst irgendwie nicht verstanden, @KRichard. Wenn Sie allen anderen Menschen gegenüber nett und freundlich sein möchten – nur zu! Aber Sie können Erwachsene nicht daran hindern, sich über andere Erwachsene lustig zu machen und über Gläubige jeder Couleur zu denken, was immer sie wollen, und auf dieser Basis dann den Respekt für sie zu empfinden, den sie eben empfinden oder nicht empfinden. Für Menschen, die persönlich unter einem fundamentalistischem Islam leiden, waren diese Karikaturen womöglich sogar wichtig.

          • Ich bin froh, dass es Menschen wie Frau Käßmann und Herrn Aichele gibt, die zur Nächstenliebe/Feindesliebe ermuntern. (Wir bräuchten viel mehr Menschen mit der gleichen Einstellung.)
            Darin sehe ich eine Möglichkeit, für ein friedliches Zusammenleben auf der Erde. Wer in Vorleistung tritt und sich bedingungslos um ein freundliches, friedliches Miteinander bemüht – kann durchaus Rückschläge erleiden; aber dass der Weg der Gewalt/Konfontation nichts bringt, ist leider schon lange bewiesen worden..

          • @KRichard und @CHoppe:
            Da möchte ich – entgegen einem allgemeinen Trend – diese Freiheit der Karikaturisten nicht so hinnehmen. Sicher: Keine Entschuldigung fürs Erschießen bei Charlie Hebdo. Aber es gab widerliche Karikaturen: Mohammed mit nacktem Arsch und mit stachligen Haaren gespickten Hoden – ich wüsste nicht, bei welcher Identifikationsfigur anderer Bevölkerungsgruppen das so von der Mehrheit hingenommen worden wäre. Aber gegen die moslemische Minderheit – da konnte man es ja machen. Da muss einer nicht sehr religiös sein, um es so zu verstehen: die aus den Intellektuellen-Vierteln, die meinen mit dem Arsch uns.
            Die Begründung von wegen Mohammed nicht abbilden, das konnte man leicht drauf setzen. Und die europäischen Intelektuellen konnten jede Empathe auf die Seite schieben , die auch völlig von Religion unabhängige Beleidigung übersehen und sich dafür über die rückständigen Moslems mokieren.
            Ja ja, ist alles erlaubt… Freiheit der Kunst, um Minderheiten ausgrenzend verächtlich zu machen. Aber mich erinnert das an gewisse Stürmer-Karikaturen. Die würde man heute nicht mehr erlauben.

          • @KRichard:
            „Wer in Vorleistung tritt und sich bedingungslos um ein freundliches, friedliches Miteinander bemüht – kann durchaus Rückschläge erleiden“ –
            dieser Tendenz stimme ich zwar zu, aber so „bedingungslos“ auch wieder nicht: Wenn ich die Interpretation Jesu bei Lapide richtig verstanden habe, dann dürfte Jesus mancher Kalkulation (ob eine Entfeindungs-Aktion sich im Augenblick lohnt) nicht widersprochen haben. Vorleistung u.U. schon, aber ausprobieren, wie weit… Und es muss auch nicht immer freundlich sein, sondern geschickt: klug wie die Schlangen, aber schuldlos wie die Tauben, meinte er ja mal.

      • @KRichard und @MHolzherr:
        Da dringt die Diskussion zum Kern der Sache vor. Das mit dem *Hass Säen* ist natürlich mit das Kernproblem – wobei ich auch betonen möchte: Viel *säen* muss man da nicht . Da schwelt einiges an Hass schon lange, zB in den Interessengegensätzen der weltpolitischen Lager, die wie tektonische Platten manchmal Erdbeben auflösen; und die an den Bruchstellen spüren die Erschütterung zuerst. Zum Beispiel in den Vororten der europäischen Großstädte, wo die Perspektivlosigkeit vieler greifbar, spürbar ist .
        Es gibt eben Leute, die den Hass auszunützen wissen.
        Das kennen wir doch auch aus der deutschen Geschichte – außen- oder innenpolitische Hassobjekte finden, um Leute hinter sich zu scharen.
        Ja, zum Spruch aus den 70er Jahren Spruch: ´Jede Rüstung führt zum finanziellen Ruin eines Landes oder zum Krieg´. – da fällt mir noch der andere ein: Warum starben die Saurier aus? Sie hatten zu viel Panzer und zu wenig Gehirn. (besserwisserische Biologen mögen da weghören, wenn sie symbolische Sprache nicht verstehen)

        • „Das mit dem *Hass Säen* ist natürlich mit das Kernproblem – wobei ich auch betonen möchte: Viel *säen* muss man da nicht .“

          Ja ist es denn ein Wunder?, wo die Bewußtseinsschwäche von instinktiver Angst, Gewalt und „Individualbewußtsein“ in hierarchischem „Treuhändertum“ gepflegt wird, seit der „Vertreibung aus dem Paradies“!
          „Sie hatten zu viel Panzer und zu wenig Gehirn.“
          „(besserwisserische Biologen mögen da weghören, wenn sie symbolische Sprache nicht verstehen)“

          Mannoman, das kann und darf man nicht vergleichen oder in scheinbar lockerem Sprücheklopfen benutzen, das sagt einem wirklich Vernunftbegabten der zweifelsfreie Verstand 🙁

  8. Suniten, Schiieten, Alewiten, usw. – Dort kämpfen Volksgruppen, die durch unser Verständnis von „Freiheit“ und „Demokratie“ dazu „inspiriert“ wurden. Am Ende dieser VERGEBLICHEN Bemühungen in der Globalisierung des Zeitgeistes eine Rolle zu …, wird höchstens eine andere Partei die Diktatur der herkömmlich-gewohnten Welt- und „Werteordnung“ dort stellen, zur Zufriedenheit unserer …, die das auch noch „arabischen Frühling“ nennen!

    Ihr könnt euch in symptomatischen Komplexen und Syndromen die Köpfe heiß diskutieren, aber wenn WIR uns nicht wirklich-wahrhaftig / vorbildlich-nachahmenswert zur UNKORRUMPIERBAREN / gottgefälligen Vernunft hin ändern, wird der Hass und die Gewalt auch hier alles wieder in Schutt und Asche legen!

  9. „Jedenfalls Ent-Feindung, Deeskalation, bevor noch mehr Bomben explodieren.“

    Die URSACHE aller bewußtseinsbetäubenden / entmenschlichenden Symptomatiken / Feindbilder, ist der zeitgeistlich-reformistische Kreislauf des FASCHISMUS im „gesunden“ Konkurrenzdenken des nun „freiheitlichen“ WETTBEWERBs um „Wer soll das bezahlen?“ und „Arbeit macht frei“ – nicht nur ich glaube wir haben genug Monopoly im geistigen Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ gespielt!!!

    Solange wir nicht über den zweifelsfreien Zusammenhang / Auftrag von Jesus und Sozialismus reden, ist alles nur Konfusion in Überproduktion von systemrationalem Kommunikationsmüll / heuchlerisch-verlogene Schuld- und Sündenbocksuche / der Tanz um das goldene Kalb / den heißen Brei, was auch die Käßmann besonders betrifft!?

  10. Ent-Feindung

    Vgl. Matthaeus 5:
    http://bibeltext.com/l12/matthew/5.htm (’43Ihr habt gehört, daß gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“  44Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen,  45auf daß ihr Kinder seid eures Vater im Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.‘)

    Der freundlicherweise in der Luther-Übersetzung verwiesene Text beschreibt zuvörderst, wie Jesus sich von der jüdischen Lehre abzusetzen wusste.
    Jesus änderte, wie er meinte: besserte, jüdische Theologie und setzte neue Normen, es geht tatsächlich Richtung Deeskalation.

    Was Jesus aber nie getan hat, war den Unterschied zwischen Freund und Feind zu nivellieren, es ging ihm nie um ‚Ent-Feindung‘, die Feindschaft bleibt ja bestehen, sondern um eine aus seiner Sicht angemessene Behandlung der Gemeinten, eben der Feinde.
    Ganz ähnlich wie beim Ehebruch, der aus Jesu Sicht eine schwere Sünde bleibt – wobei er sich der seinerzeit wohl üblichen Steinigung auch mutig entgegenstellte, siehe Johannes-Evangelium.

    Weder Pazifismus, noch die Freigabe des Ehebruchs, waren seinerzeit von Jesus ins Auge gefasst.


    Aus humanistischer Sicht angemerkt:
    Feindesliebe, die darüber hinaus geht den Feinden mehr als eine faire Behandlung im Rahmen der Menschenrechte zuzusichern, die also dahin geht Feinden, in concreto: islamisch motivierten Terroristen, mit Liebe zu begegnen, in praktischer Form vielleicht so: mit ‚mehr an Geld und Phantasie für solide Sozialarbeit‘ oder zusammen mit ihnen beten zu wollen (Kässmann, Ehebrecherin aus christlicher Sicht), ist irrational und potentiell gefährlich.
    Jesus war auch kein „Hippie“.

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS:
    Dass Jesus das Verhältnismäßigkeitsprinzip um das Deeskalations-Prizip ergänzt hat, war im WebLog-Artikel korrekt und nett angemerkt.
    Religionen können tatsächlich i.p. Kooperationsverhalten geprüft werden, dies könnte ein wichtiger Prüfstein sein.

  11. Nu ja, lieber Dr. Webbaer, alte Bekannte, auch nicht jünger geworden…
    Damit bin ich nun mal nicht einverstanden, dass Jesus sich von der jüdischen Lehre hätte absetzen wollen. Gerade bei Pinchas Lapide aber auch bei christlichen Theologen, die was von Religionsgeschichte verstehen, kann man lernen, wie Jesus durchaus mitten drin im Spektrum der innerjüdischen Diskussionen verortet war. Lapide betont sogar verschiedentlich, besonders nah bei den Pharisäern. Dass dann nach Jesus (theologisch: durch Kreuz und Auferstehung) Aussagen entstanden, die nicht mehr in die jüdische Religion passten und schließlich deren Rahmen sprengten (UND dass manche Aussagen Jesu diesem Trend entsprechend umgeformt wurden, antithetischer wurden), steht auf einem andern Blatt. Aber Jesus agierte als Jude mit Juden. Wollte wohl nicht einmal was revolutionieren – würde ja nur sinnvoll sein, wenn er eine noch längere volks- und weltgeschichtliche Zukunft über seine Generation hinaus erwartet hätte. Da war er viel zu sehr Apokalyptiker. Aber das ist ein anderes Thema.
    Ja doch – ob die Interpretation und die Begriffsbildung bei Lapide stimmt oder nicht: Um Ent-Feindung ging es ihm schon, vielleicht nicht in jedem Falle; und man muss betonen:: ein Pazifist im heutigen Sinne, der jede Art von Waffengewalt abgelehnt hätte, war er nicht. Das betont auch Lapide. Doch ist ja das Wort „Selig sind die, die Frieden MACHEN – pacifici“ sicher nicht zu Unrecht von ihm überliefert. („Friedfertig“ klingt zumindest heutzutage viel zu harmlos).

    Ja und Feindesliebe bzw. – da ich in der gegenwärtigen Diskussion das Wort Liebe am liebsten vermeiden würde – Entfeindungs-Strategie ist auch gegenüber Terroristen sicher etwas anderes als die doch hoffentlich hierzulande selbstverständliche Wahrung der Menschenrechte. Sie sollte auch nicht karikiert werden als Gebetsgruppen mit Terroristen zusammen. Sondern es geht darum, Leute,von den Einflüssen und dem Umfeld abzubringen, wodurch sie möglicherweise zu Terroristen werden. Also Prävention. Und wenn sie dann doch zu Terroristen geworden sind, kann man mit den toten Terroristen zwar nicht viel anfangen, aber mit ihren Familien und mit denen, die gefangen worden sind. Auch hier gibt es etwas mehr Möglichkeiten als Sicherungsverwahrung oder bloße juristisch korrekte Behandlung.

    Vielleicht kriegt man mal den einen oder anderen auch dazu, andere von diesem Weg abzuhalten. So, und auch dafür kann es die einen oder anderen Kniffs der Entfeindungs-Taktik geben. Ich würde zB mal versuchen, so einem einen wertvollen Koran zu schenken und ihn für jede auswendig gelernte UND verstandene Sure extra zu belohnen. Oder vielleicht mit einer Biographie Mohammeds beehren… Da könnte moslemische Gefängnisgeistliche vielleicht auf noch andere Ideen kommen…

  12. Jesus hat mit SICHERHEIT nur die Juden und das was wir als Vernunft des Alten Testaments kennen versucht zu „reformieren“. Eine Sündenbockfunktion, wie sie in der christlichen … aus der „biblischen Geschichte“ gestaltet wurde, hatte er SICHER auch nicht im Sinn gehabt.

    „… so einem einen wertvollen Koran zu schenken und ihn für jede auswendig gelernte UND verstandene Sure extra zu belohnen.“

    Mit dem VERSTEHEN ist das so eine Sache, bzw. der VERSTAND muß dies in dieser heuchlerisch-verlogenen Realität erstmal VERKRAFTEN, denn die Belohnungen gibt es nur für Kapitalution vor der Kompatibilität mit der SYSTEMRATIONALITÄT – „… wie im Himmel all so auf Erden ..“, ist verschoben auf …!? 😉

    • @ Horst Das mit der Sündenbockfunktion – geschenkt; scheint ein Thema zu sein, das Ihnen irgendwo im Nacken sitzt.
      Zum ersten Satz: Ich lege eben Wert darauf und lernte das schon vor einem halben Jahrhundert im jüdisch-christlichen Dialog und im Studium: Das Alte Testament hat keine einheitliche Linie, gegen die dann Jesus aufgestanden wäre. Sondern was von ihm überliefert ist, ist zunächst zu verstehen als eine der vielen möglichen Stimmen im Spektrum innerjüdischer Diskussion. „Feindesliebe“, Völker übergreifende Verständigung und ähnliche Dinge, die man gerne als genuin christlich vereinnahmt, sind längst schon im Alten Testament angelegt (Aber er hat eben solche Diskussionsstränge im AT mehr betont als die auch vorhandenen gegenläufigen). Und die Christen beriefen sich dazu mit Recht auf dieses AT als ihre Bibel. Dass aus ihren Erzählungen und Kommentaren dann ein Neues Testament wurde, hat man mindestens bis etwa zum Jahr 150 nicht geahnt.
      Bei Leuten, die zu sehr den Gegensatz von AT und NT betonen, besteht schon der Verdacht, dass da etwas Abwertendes gegenüber dem AT und den Juden gemeint ist.
      Ja, und gegen das Reformieren – da habe ich eben den Einwand: Jesus als Apokalyptiker wollte wohl keine neu gestaltete Gottesverehrung für die kommenden Generationen, sondern er wollte einen Weg weisen ins damals sehr unmittelbar erwartete Gottesreich.
      Nun ja, er erwartete das Gottesreich – was kam, war die Kirche. Diesen bekannten Satz (Loisy) kann man in verschiedenste Richtungen meditieren 😉
      Ja, und mit „Verstehen“ beim Koran meinte ich schlicht: nicht bloß auiswendig lernen, sondern wenigstens Bereitschaft zeigen, über Inhalte nachzudenken. Diese Bereitschaft ist ja bei einigen Terroristen noch entwicklungsbedürftig…

  13. Interessanterweise interpretiert hier jeder etwas anderes in Margot Käßmanns Aussage hinein. Wobei einige das Wort „Liebe“ gerne relativieren möchten. Das ist angesichts der Terroranschläge natürlich verständlich. Doch was passiert, wenn die Menschen einander nicht mehr lieben können? In seinem Buch „Die Brüder Karamasow“ lässt Fjodor M. Dostojewski den Mönch Starez Sossima ausrufen: „Ihr Väter und Lehrer, was ist die Hölle? Sie ist der Schmerz darüber, dass man nicht mehr zu lieben vermag.“

    Die beiden russischen Schriftsteller Lew N. Tolstoi und Fjodor M. Dostojewski befassten sich sehr intensiv mit den Bibeltexten und dem christlichen Liebesgebot. Wobei sich Tolstoi mehr von der Bergpredigt und Dostojewski mehr vom Johannesevangelium beeindruckt zeigte. In beiden Texten steht jedoch das Liebesgebot an zentraler Stelle. Interessanterweise legte es jeder der Beiden anders aus. Während für Tolstoi selbstlose Handlungen und aktive Nächstenliebe im Vordergrund standen, war für Dostojewski ist die christliche Gesinnung, die sich im Mitgefühl äußert, entscheidend.

    Vielleicht erweisen sich in der aktuellen politischen Realität biblische Gleichnisse als hilfreich. Für Papst Franziskus bedeutet Liebe nämlich auch Eingliederung. Zitat: „Das Mitleid bringt Jesus dazu, konkret zu handeln: den Ausgegrenzten wieder einzugliedern! Das sind die drei Schlüsselbegriffe, die die Kirche uns heute im Wortgottesdienst vorstellt: das Mitleid Jesu angesichts der Ausgrenzung und sein Wille zur Eingliederung.“

    Quelle:
    http://de.radiovaticana.va/news/2015/02/15/im_wortlaut_die_predigt_am_15_februar_2015/1123582

    • Oh, danke @Mona, für diesen Kommentar.
      Ja, die Feststellung ist wichtig: „Interessanterweise interpretiert hier jeder etwas anderes in Margot Käßmanns Aussage hinein. Wobei einige das Wort „Liebe“ gerne relativieren möchten.“ Manche benützen ja auch solche Diskussionen, nur eigene Steckenpferde zu reiten und eigene Duftmarken zu setzen/ Dämpfe abzulassen…. Aber dein Kommentar bringt was zur Diskussion.

      Ist gut, die Bandbreite auszuleuchten, die mit dem Begriff (Feindes-)Liebe verbunden ist. Auch bis zum Vergleich Dostojewski/Tolstoj.
      Ich meinerseits wollte eigentlich Käßmann selber gar nicht interpretieren – zumindest die Meldungen waren viel zu allgemein und zu wenig präzise. Vielleicht waren’s auch nicht bloß die Meldungen, sondern sie selbst. Eine Konkretion wie im Zitat von Papst Franziskus – das wäre sicher gut gewesen.
      Nun ja, ich wollte diese wohl wirklich zu undeutlichen Äußerungen Käßmanns zum Anlass nehmen, um hier bekannt machen, wie ein anderer, Pinchas Lapide, historisch zurückforscht auf Zeit und Umstände bei Jesus. Auch wegen der Forderung von Posener, den „Kontext“ zu berücksichtigen. Da, bei Lapide scheint mir der Kontext sehr plastisch dargestellt. So konkret, dass man von da aus sogar einige Linien ziehen kann in die gegenwärtige Problematik. Und da manches neu durchzudenken, um nicht in der allgemeinen Entrüstung stecken zu bleiben – das fand ich natürlich auch wichtig. Wollte aber als Nicht-Fachmann auch mich auf dem Gebiet der Sozialarbeit nicht zu ausführlich äußern. Sondern eben den Blick auf Entfeindungs-Strategien lenken.

      Ja, und Lapide benützt selbst den Ausdruck „Entfeindungs-Liebe“; ich ging da teilweise ein paar Schritte weiter und sagte auch „Entfeindungs-Strategie“ – um eben deutlich zu machen, es geht nicht bloß drum, „lieb“ zu sein, sondern um aktives und oft auch widerständiges Handeln. Zudem schwingt bei dem Wort „Liebe“ so viel Kitsch und Sentimentalität und noch einiges andere mit, dass es schon mal sinnvoll sein kann, diesen Begriff wegzulassen.
      Andererseits will ich nicht für immer drauf verzichten: In einem Vorgeplänkel zu dieser Diskussion meinte ich auch mal: Solche Sätze wie die von Jimi Hendrix „When the power of love overcomes the love of power the world will know peace. – die sind doch auch verständlich; und da muss man den Begriff „Liebe“ nicht verstecken.

  14. Bonuskommentar:
    Etymologisch meint der ‚Freund‘ jemanden, der geliebt wird, der ‚Feind‘ jemanden, der gehasst wird. es gibt hier eine klare Beleglage.
    Insofern könnte vielleicht mit dem ‚Liebet Eure Feinde‘ [Matthaeus 5] vielleicht doch so etwas wie Ent-Feindung vorgeschlagen worden sein, von Jesus.
    Wäre allerdings ein Oxymoron; es wäre insofern eine Idee mal in die ursprünglichen Texte zu gehen, anderssprachig als im Deutschen, altsprachlich.
    MFG
    Dr. Webbaer (der Martin Luthers Bibel-Übersetzung nie ganz getraut hat, die „Übersetzung“ des Gebots ‚Du sollst nicht morden!‘ in ‚Du sollst nicht töten!‘ bspw. gemeint)

    • Das führt weiter, danke für diesen „Bonuskommentar“. Mir fällt dazu eine Sache im genannten Buch von Pinchas Lapide ein, die ich hier mal ausführlich zitieren will:
      „Wenn Jesus die Gegner „Hasser“ nennt und die Vokabel „Feind“ im Sinn seiner Bibel vermeidet, so schwingt hier auch eine geistige Dimension ganz deutlich mit. „Feind“ hat nämlich in den meisten Sprachen den Klang einer unabänderlichen Gegnerschaft, während „Hasser“ ein substantivisch gebrauchtes Zeitwort ist, das wie alle Zeitwörter die Zeitweiligkeit in sich birgt und so stillschweigend zur „Enthassung“ aufruft. Kriege wurden seit eh und je durch ein Freund-Feind-Denken vorbereitet, das die Angst vor dem anderen dadurch bestärkt, dass es alles denkbar Böse in ihn hineinphantasiert, bis er zur Inkarnation des Unmenschen wird, gegen den alle Mittel nun legitim werden.

      Jesus will diese Eskalation im Keime ersticken, indem er den Gegner als (heilbaren) „Hasser“ Mensch sein lässt, an dem es auch genug gute Züge zu entdecken gilt, die die Hoffnung rechtfertigen, ihn entfeinden zu können.“

      • „Kriege wurden seit eh und je durch ein Freund-Feind-Denken vorbereitet, das die Angst vor dem anderen …“

        Der nächste Krieg wird nun aus dem „gesunden“ Konkurrenzdenken des nun „freiheitlichen“ WETTBEWERBs um die Symptomatiken aus „Wer soll das bezahlen?“ und „Arbeit macht frei“ entstehen, was ja auch dem geistigen Stillstand in GLEICHERMAßEN unverarbeiteter / MANIPULIERBARER Bewußtseinsschwäche von ANGST, GEWALTbereitschaft und „INDIVIDUALBEWUßTSEIN“ entspricht, und geistig-heilendes / „gottgefälliges“ / fusionierendes Selbst- und Massenbewußtsein auf … verschiebt!?

        GLOBALISIERUNG (nur ein anderes Wort für herkömmlich-gewohnte Ausbeutung und Unterdrückung) – „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

        Eine Welt- und Werteordnung OHNE …, auf der Basis eines UNKORRUMPIERBAREN Menschenrechts auf KOSTENLOSE Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN- wie KLASSENLOSER Gesundheit, ist nicht nur absolut machbar, sie ist vor allem die GRUNDVORAUSSETZUNG für zweifelsfrei-eindeutige Kommunikation in wirklich-wahrhaftiger Menschlichkeit!!!

        • Nun ja, @Horst. Ihren Zielvorstellungen mag ich gar nicht so sehr widersprechen. Aber sie sind schon recht global formuliert – alles müsste total anders werden. Hier ist eigentlich das Thema: Was machen wir mit unseren Zwischenschritten, solange wir noch unterwegs sind? Oder anders: Verschiedene Leute sind unterwegs, mit unterschiedlichen Interessen.Und ganz konkret auch mit tödlichen Methoden, ihre Interessen durchzusetzen. Da gibt es Spannungen – wie gehen wir damit um?

          • „Und ganz konkret auch mit tödlichen Methoden, ihre Interessen durchzusetzen.“

            Ganz konkret: Auch die „Entwicklungshilfe“ (die immer nur der ZYNISCHE Tropfen auf dem heißen Stein sein kann, solange …!) war immer eine ÜBERWIEGEND tödliche Methode, denn die Interessen-Gruppen dort, bekommen immer auch die Waffenlieferungen und INTRIGEN der Interessen-Gruppen von hier DAZU – Wenn man die Toten der „Dritten Welt“ über die Jahre mit den Toten der Kriege …, dann wird die Rechnung URSACHE / Wirkung …!?

            GLOBALISIERUNG bedeutet übrigens nichts anderes als die Verhältnisse (1:5 der Weltbevölkerung) von Armut der zeitgeistlichen KONFUSION anzupassen – Das Ziel der Profitler und herkömmlich-gewohnten Bewußtseinsbetäubten: Niemand soll sagen können: Dort die „Entwicklungsländer“ / die „Dritte Welt“, hier die Wohlstandsgesellschaft und …, ARMUT und … ÜBERALL!?

          • Ja, zur „Feindesliebe“ bzw. „Entfeindungs-Strategie“ gehört natürlich auch, nach Ursachen von Feindschaften zu suchen (und womöglich dabei zu entdecken, wie man selber an der Feindschaft des anderen (mit) „schuld“ sein kann. Da nennen Sie einiges. OK. Aber ähnlich wie in der Antwort an Hilsebein gesagt, denke ich: das müssten Fachleute für Weltwirtschaftsfragen ausführen. Ich bin keiner. Ich sehe allerdings die unterschiedlichen Interessen und traue deshalb nicht gerade jedem Wirtschaftsfachmann; die, die solche Gesichtspunkte hervorheben wie Sie es tun, erschienen mir immer wieder ehrlicher, glaubhafter. Ich habe gerade bei vom Staat unabhängigen, oft kirchlichen Entwicklungs-Organisationen wie „Brot für die Welt“ Analysen in dieser Richtung mitbekommen.
            Aber das weiter ausführen, das sollen andere tun. Ich bin da kein Fachmann.

    • Der Urtext ist griechisch, ich kann aber mit der lateinischen Vulgata dienen (Ed. aus dem 16. Jh.,): Mt. 5, 44: Diligite inimicos vestros, benefacite his, qui oderunt vos: et orate pro persequentibus et calumniantibus vos.

      „inimicos“ heißt „Feind“, „diliget“ aber nach meinem Wörterbuch: hochachten, hochschätzen, lieben.

      • Latein bringt da relativ wenig. Fördert vielleicht eher unbewegliche Begriffs-Bildung. Pinchas Lapide versucht an mehreren Stelen aufzuzeigen, wie durch den Text der griechisch schreibenden Evangelisten noch das ursprünglich Aramäisch/Hebräische durchschimmert – dass manche zwar griechisch schrieben, aber im Grunde in ihrer semitischen Sprache – der Sprache Jesu – dachten.
        Und da kommt er zB drauf, dass das „lieben“ eigentlich nicht heißen muss: jemandeN sympathisch finden, hochachten, schätzen… (was Sie zu Recht zum lateinischen Begriff erklärten), sondern jemandeM etwas Gutes tun (egal, ob man ihn „liebt“) – das, was mit dem Lateinischen “ benefacite his “ (Dativ!) zusammenstimmt, das Sie ja mit zitiert haben.
        Und er betont eben (in dem von mir an Dr.Webbaer Zitierten) , dass an mehreren Stellen nicht „Feind“ steht, sonndern „Hasser“ – also ein zeitlicher Vorgang genannt ist, der – weil zeitlich – darum auch vorübergehend sein kann, nicht auf immer festgeschrieben.

  15. „Liebet eure Feinde“

    @ Aichele

    Das mag dort funktionieren, wo man „das Weiße im Auge“ des Feindes sieht -wie Sie schreiben. Man kann, so denke ich, nicht lieben, wenn der Feind entfremdet ist und nur vom Hörensagen über eine Bombe in Erscheinung tritt. Aber, um den Kreis in die Terrorzeit von heute zu schließen: man kann es hinnehmen wie eine Naturkatastrophe. Gegen die kann man sich schließlich auch nicht wehren. Der Haß fällt weg (ausgenommen man ist imstande, die ganze Welt an sich zu hassen), der ohnehin nur Streß für den bedeutet, der da haßt, denn dem Feinde ist der Haß des Gegners ziemlich egal. Insofern erinnere ich mich gerne an jene Worte des Nazareners: „du hättest keine Macht über mich, wäre es dir nicht verliehen von oben her.“ Das kann man schon auch als einen Satz lesen, der von einem Gottesankläger kommt. Ich erinnere mich dunkel an eine Geschichte, obschon ich nicht weiß, ob sie wahr ist. In Auschwitz traten Häftlinge zusammen und klagten G-tt an. Als sie fertig waren sagten sie: und nun lasset uns beten. Möglich, daß diese Ambivalenz auch bei Jesus zu finden ist. Denn wo ein Gott angeklagt und schuldig gesprochen wird, müssen Menschen nicht schuldig werden. Damit fiele auch der Rachegedanke weg. Denn auch der Rachegedanke trifft den, der ihn denkt -dem Gegner ist auch dieser Gedanke völlig wurscht.

    • Die Geschichte wird zB hier erzählt:
      http://www.budge-stiftung.de/uploads/yom_hashoa_budge_stiftung.pdf
      „Elie Wiesel berichtet folgende Geschichte: „Im Königreich der
      Nacht nahm ich an einem sehr merkwürdigen Prozeß teil….“
      Aber es würde etwas weit abführen, darauf einzugehen.
      Ich dachte – im Zusammenhang mit der aktuellen Terrorgefahr – gar nicht so sehr an persönliche Feindschaften, Rachegedanken – eher: Wäre aus dem, was Lapide „Entfeindungs-Liebe“ nennt nicht ein paar interessante Tipps zu gewinnen, wie man diese doch ziemlich jungen Leute (so man ihrer habhaft wird) mit positiven Überraschungen verblüfft und mit gescheiteren Lebensperspektiven als mit ihrem kruden und schlampig zusammen gebastelten Weltbild? Oder – da die vielleicht doch lebenslänglich sitzen sollten — wenigstens ihre potentiellen Freunde. Also dieser Feindschaft das Wasser abgraben. Und eben nicht bloß bestrafen.

      • Danke für den Link. Ja, die Geschichte meinte ich. Zu Ihrer Frage: Möglich ist das schon, hängt aber davon ab, wie immunisiert der Mensch schon ist. Und gesetzt, er ist es nicht, ist dann nicht davon auszugehen, daß er sich selbst therapiert, indem er nicht nach Bestätigung seiner Weltsicht sucht, sondern nach jener, die ihn in Frage stellt? Da mag er einige Male fallen, aber es muß die Aufgabe des Einzelnen sein, wieder aufzustehen. Es besteht ja sonst die Gefahr, daß er ewig unmündig bleibt, wenn er nur immer nach einem Erzieher schreit.

        • Ja, auch möglich, dass Terroristen sich selber an der Nase packen und versuchen, selber neue Orientierung zu finden – keinen Vormund brauchen. Da ist sicher alles Mögliche möglich. Sozialpsychologen wissen sicher da einiges an unterschiedlichsten Beispielen. Ich bin keiner und lasse mich deshalb über Einzelheiten nicht aus. Mir geht es eben um den Hinweis, dass das mit der sog. „Feindesliebe“ keine Gefühlsduselei sein muss (wie man Käßmann teilweise unterstellte) sondern in vernünftige Aktion umgesetzt werden kann (wie Lapide an seinen Beispielen vor, neben und nach Jesus aufweist) . Ja, und genau genommen geht es mir nicht bloß um einen mehr oder weniger schönen Hinweis, sondern ich möchte auch etwas in dieser Richtng pushen: über das bloße Strafen hinaus zu denken und wirklich etwas zu tun gegen das gesellschaftliche Klima, in dem Verbrechen erst richtig gezüchtet werden.

  16. „… die man gerne als genuin christlich vereinnahmt, sind längst schon im Alten Testament angelegt“

    Richtig, aber im Alten Testament ist herauszulesen, daß die Vernunft, wenn immer nötig, mit Gewalt einzubläuen ist, was Jesus anders versuchte umzusetzen!

    „Nun ja, er erwartete das Gottesreich – was kam, war die Kirche.“

    Nun, ich glaube er hatte vielleicht mehr erwartet – was kam, war wieder nur die Ernüchterung der Vorsehung für den Fall der Fortsetzung des „Tanzes um das goldene Kalb“, und die Hoffnung dieses Schicksal vielleicht später zu überwinden, „gottgefällig“ OHNE eine stumpf-, blöd-, wahn- und schwachsinnige Erfüllung!

    „Diese Bereitschaft ist ja bei einigen Terroristen noch entwicklungsbedürftig…“

    Oh wie arrogant und sehr von der Bildung zu … verblendet – nicht nur ich sehe Entwicklungspotenzial überall, aber besonders bei uns, ausgehend vom Terror der Ökonomie im „Recht des Stärkeren“!

    • Vernünftiges „mit Gewalt einbläuen“ – gibt natürlich Schichten im Alten Testament, die es eher so versuchen. Aber es ist auch zu betonen: Die Bibel ist – auch in diesem ersten, älteren Teil – ein Diskussionsbuch mit durchaus verschiedenen Meinungen, mit Spruch und Widerspruch. Und im Rahmen dieser Diskussion beteiligt sich auch Jesus – dabei zieht er mehr die Diskussionslinien aus, die zur Gewaltfreiheit führen können. Aber vermutlich ist das nicht so sehr sein Thema. Eher, dass (auch !) er einfacher Schwazweißmalerei widerspricht (Hier die Guten, dort die Bösen) und das kann dann sekundär auch dazu beitragen, dass man vorsichtiger mit Gewalt umgeht.
      Ich habe eben – aus bekannten Gründen der christlich-jüdischen Geschichte – was dagegen, wenn man so tut, als sei vor Jesus nur absolute Finsternis (Rachsucht, Gewalt, moralisierender Starrsinn) gewesen; und er habe es denen da endlich aufgezeigt.

      Na ja, Terroristen zu bescheinigen, dass ihre inhaltliche Bildung in Sachen Islam noch entwicklungsbedürftig sei – das durfte da vielleicht arrogant klingen. Zugestanden, bei europäischen Nicht-Terroristen/Normalbürgern ist auch einiges entwicklungsbedürftig; aber das dürfte ein anderes Thema sein.

  17. Gespenstisch
    Leute, es wird mir, als ob ich mitten in eine Landschaft von Hieronymus Bosch geraten wäre.

    Ich setze jetzt eine Zwangspause und schalte die Kommentarfunktionen so lange aus.
    Während dieser Pause werde ich sortieren, welche Kommentare überhaupt einen Zusammenhang mit dem Thema sichtbar machen.
    In früheren Jahren wollte ich nur solche Kommentare löschen, die bösartig, beleidigend ff sind. Ich muss es jetzt ausdehnen auf solche, die das Thema nur als Trampolin für ihre eigenen Themen benützen; und diese wohl oder übel auch löschen. Dabei kann es auch ungerecht zugehen.
    Mal sehen, was das Sortieren ergibt…

  18. Scheiben gewischt

    Vielleicht bekomme nicht nur ich jetzt etwas leichteren Durchblick. Was zu weit nebenraus ging, entfernte ich. Dabei auch (einige wenige) eigene Kommentare, die dies thematisierten und (vergeblich) zurechtzurücken versuchten.
    Ich gebe die Kommentarfunktion wieder frei, will aber auch Nachfragen bezüglich meiner Auswahl jedenfalls nicht in den öffentlichen Kommentaren beantworten. Die öffentliche Diskussion sollte beim Thema bleiben: Wie Lapide die sog. „Feindesliebe“ interpretiert; und ob da etwas aktuell umsetzbar ist.

  19. Das Hass-Dreieck Judentum-Christentum-Islam zeigt, dass nicht die fehlende Feindesliebe das Problem ist, sondern die Konstruktion von Feinden, die gar keine Feinde sein müssten.Christen haben in Juden ihre natürlichen, ihre Ur-Feinde sehen wollen, obwohl – oder gerade weil – ihre Leitfigur ein Jude war, Mohammed und seine Jünger haben von Beginn weg Juden aus ihrer Umgebung auf die schlimmsten denkbaren Arten zu Tode gebracht und später und bis heute nicht davor zurückgeschreckt auch die anderen Männer des Buches – die Christen – zu verfolgen und zu töten wo immer sie konnten.
    Luther und Mohammed, beides Menschen, die von sich sagten, Gottes Sprachrohr zu sein, waren beide Gewalttäter, der eine nur im Wort, der andere auch in der Tat. Jedenfalls ist es kein Zufall, dass Adolf Hilter sowohl Martin Luther als auch Mohammed verehrt und für ihren Hass und ihre Menschenverachtung bewundert hatte. Luther war ein Mensch, wurde als Gründer einer Religion in seinen Äusserungen aber weit ernster genommen als andere. Sein deutscher Humor, der sich daran zeigt, dass er in seiner Schrift Von den Juden und ihren Luegen 7 Strafmassnahmen für die Juden in Deutschland vorsieht womit er die Zahl 7 als bedeutende Zahl der Juden und als Zahl der Sieben Plagen der Endzeit zitiert und sein Zynismus, in dem er vorsieht, dass nach der Ausführung der 7 Strafmassnahmen (Verbrennnen der Synagogen und Häuser der Juden etc.) die Juden aus dem heiligen römischen Reich deutscher Nation vertrieben werden weil diese Strafmassnahmen sowieso nichts nützen hat seine logische Fortsetzung im Spruch Arbeit macht frei der über den nationalsozialistischen Konzentrationslager angebracht war.

    Darum abschliessend die Frage: Warum sollte man Feinde lieben, wenn man sich gar keine Feinde machen muss, wenn man gar keine Feinde erfinden muss, wie das das Christentum und der Islam immer wieder gemacht haben.

  20. Zur abschließenden Frage: Es gibt natürlich Feinde, die „man“ sich gar nicht erst „machen“ muss. Zum Teil (! aber nicht nur; doch das ist ein anderes Thema) kann man das auch bei Terroristen sagen.
    Dass Sie auch Beispiele nennen können, bei denen (unnötigerweise, mutwilligerweise, aus Missverständnissen, aus Revierkämpfen…) andere zu Feinden gemacht werden – und dazuhin durch nah verwandte Religionen – das ist schon eine sehr berechtigte Problemanzeige. Die Religionsgeschichte der letzten Jahrzehnte zeigt allerdings auch, dass es sehr wohl Leute gibt, die behutsam und klug dagegen angehen können, neue Brücken des Verständnisses bauen. Man sollte dazu aber nicht ausschließlich mit Tunnelblick auf die Rezeption Luthers durch Julius Streicher sehen. Zumindest wäre für dieses Thema eben auch der Blickwinkel Lapides hilfreich, der als Wiener Jude im KZ war, nach Palästina fliehen konnte; und bereits als junger israelischer Botschaftsangestellter (in Italien) neue Perspektiven entdeckte, die zu einem guten Dialog mit Christen aller Konfessionen führten. Von solchen Leuten will ich lernen. OK?

  21. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“

    Eine Rachegesellschaft ändert sich … nicht zum Positiven, solange sie ihren Propheten für einen Idioten hält. Sie wird nur noch verlogener, wie schon Friedrich Nietzsche in „Der Antichrist“ scharfsinnig ausführte. Die wahre Bedeutung von (Matthäus_5,38-41) wird erkennbar, wenn wir den Bibeltext mit dem folgenden Zitat von Silvio Gesell vergleichen:

    „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“

    Wer jetzt nicht mit dem Denken anfängt, sondern dummer Weise zu widersprechen versucht, um das größte Genie aller Zeiten weiterhin für einen Idioten zu halten, darf sich von Nietzsche erklären lassen, wozu er gehört:

    „Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, – ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…“

    Die exakte wissenschaftliche Begründung dafür, dass dieses Urteil angemessen ist, findet sich in der „Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung“ (1952) von Dr. Ernst Winkler:

    https://www.deweles.de/die-3-gebote.html?file=files/_theme/pdf/nwo_moralisch.pdf

    In welchem Ausmaß der Cargo-Kult des Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute „christlich“ nennt) die halbwegs zivilisierte Menschheit verdorben hat, lässt sich kaum noch in Worte fassen. Anders herum sprengt es jedes Vorstellungsvermögen, wo wir heute sein könnten, wäre das „Königreich des Vaters“ bereits in der Antike verwirklicht worden.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2016/09/das-ende-der-sklaverei.html

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