Zwei außergewöhnliche Raketenstarts im Video

Für die Raumfahrt sind hier in den Kosmologs ja eigentlich andere zuständig, doch ich will es mir nicht nehmen lassen, auf zwei wirklich sehenswerte Videos hinzuweisen. Sie zeigen die beiden Raketenstarts der letzten Woche: Die des Space Shuttle Endeavour sowie des Solar Dynamics Observatory, eines Sonnenobservatoriums, das und bald hoffentlich mit hochaufgelösten Bildern unseres Zentralgestirns beliefert.

Video Nummer eins stammt von der NASA und zeigt den Space-Shuttle-Start vom 8. Februar aus ungewohnter Perspektive –  aufgenommen mit an den Feststoffboostern befestigten Kameras. Das Video mag etwas langatmig beginnen, doch ab etwa 2 Minuten 10 Sekunden geht es richtig ab…

 

Ähnliche Videos gab es auch bei vorangegangenen Shuttlestarts, aber ich finde es immer wieder faszinierend, sie mir anzusehen. Und irgendwie schade, dass das nun der letzte Nachtstart eines Space Shuttles gewesen sein soll…

Das nächste Video ist eine echte Sensation. Es zeigt den Start des Solar Dynamics Observatory (SDO) am 11. Februar vom Kennedy Space Center an Bord einer Atlas-V-Rakete. Es war ein Tagstart, und offensichtlich gab es über dem Startgelände viele Cirruswolken: Die Rakete fliegt vom Boden aus gesehen direkt durch eine Nebensonne. Dabei wirbelt die Rakete die Eiskristalle in der Wolke gehörig durcheinander – und zerstört die Nebensonne! Man beachte die kreisförmige Ausbreitung der Störung aufgrund der vom Raketentriebwerk ausgehenden Schallwellen. Die Orientierung der Eiskristalle wird praktisch sofort aufgelöst und der Halo "ausgeknipst!" Meines Wissens sind diese so genannten "moving ripples" noch nie derart gefilmt worden:

Dieses Video zeigt den Start aus einer anderen Perspektive. Die moving ripples sind am Ende des Videos sehr gut zu sehen: 

Die Nebensonne(n) (auf Englisch "sundogs" genannt) sind übrigens ein recht häufiges Halophänomen, wie der 22°-Halo, den ich in einem meiner ersten Blogbeiträge überhaupt einmal beschrieben hatte.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die Videos! Ich hoffe, dass ich so etwas irgendwann einmal live sehen kann.

    Viele Grüße,
    TEK

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