Weltweit Sterne zählen

Ok, ok, Lichtverschmutzung ist ein nerviges Thema, und Sternzählungen zur Bestimmung der Grenzhelligkeit gab es schon zu Hauf. Sie strengen ja auch an und bringen tun sie eh nichts. Diese Einstellung könnte zumindest ein Grund sein, wieso die Beteiligung bei den letzten Zählungen des Great World Wide Star Count so gering war, neben der geringen öffentlichen Bekanntheit dieser Aktion. Zumindest bei uns: 2008 kamen in Deutschland 11 Messungen zu Stande, ein beachtliche Leistung für das bevölkerungsreichtste Land Europas. Da hat die Mobilisierung in Belgien, Polen oder den Niederlanden schon besser geklappt.

Nun gibt es wieder Gelegenheit für diejenigen, die die obige Aussage nicht so ganz unterschreiben wollen: Vom 9. Bis zum 23. Oktober sind Amateurastronomen weltweit wieder aufgerufen, mit Hilfe simpler Grenzgrößenbestimmungen in ausgewählten Sternbildern die Himmelshelligkeit zu messen. Nachdem wir nun wissen, dass die große Politik in unserem Land den Sternenhimmel nicht für schützenswert hält, ist es umso wichtiger, den Damen und Herren die Konsequenz ihrer Ignoranz nachprüfbar vor Augen zu führen. Machen Sie also mit und dokumentieren Sie das Verschwinden des Sternenhimmels! Alle Informationen dazu finden Sie hier

 

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Grenzgrößenbestimmungen

    Die visuelle Grenzgrößenbestimmung – egal mit welcher Methode – ist natürlich sehr subjektiv – evtl. ein Grund für die mangelnde Beteiligung aus D.
    Vielleicht hätte man seitens der Initiatoren parallel auch um SQM-Messungen bitten sollen, selbst wenn die ebenso ihre Tücken haben (Milchstraßeneinfluss, Messtolerenz zwischen den Instrumenten bis zu 0,2 mag/“2 …).
    In jedem Fall sind die entstehenden SQM-Datenbanken höchst wertvoll, auch was zukünftige Veränderungen der Lichtverschmutzung angeht.
    Eine sehr gutes Projekt präsentieren hier übrigens die tschechischen Sternfreunde:
    http://www.skyquality.com/

  2. visuelle Schätzung vs. SQM

    Vermutlich sind die Initiatoren davon ausgegangen, dass längst nicht jeder ein SQM besitzt und gerade viele Einsteiger (die ja explizit angesprochen sind) erst recht nicht. Die Beteiligung war im letzten Jahr stark unterschiedlich je nach Land, daher vermute ich, dass der Grund für die gernige Beteiligung hierzuland in der mangelnden Publizität hierzulande zu suchen ist.

    Du hast aber recht: Man hätte parallel zu SQM-Messungen aufrufen sollen, denn dafurch hätte eine Objektivierung der daten stattfinden können.

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