Und doch ein Foto: Neues vom Asteroidenabsturz über Sudan

Das Astronomische Bild des Tages (APOD) ist eigentlich immer einen Klick wert. Heute, am 8. November 2008, fand ich es  besonders interessant. Denn es ist das bislang erste Bild, aufgenommen vom Erdboden, das etwas vom Absturz des Asteroiden 2008 TC3 zeigt.

Leider entstand die Aufnahe zu spät, um den Meteor selbst zu zeigen. Auf dem Bild zu sehen ist die Rauchspur, die der Asteroid bei seinem Atmosphärenflug am Morgen des 7. Oktober 2008 über dem Sudan zurückließ. Die ursprünglich gerade "Meteorwolke" wurde offenbar bereits stark durch die Höhenwinde verweht, daher muss die Aufnahme einige Minuten nach dem Absturz entstanden sein.

Es handelt sich nach Angabe der Autoren um ein Einzelbild eines Videofilms. Ob das Video zu spät gestartet wurde, um auch den Feuerball selbst abzulichten, weiss ich nicht. Es gäbe aber wohl keinen Grund, diesen spektakulären Schnappschuss des wohl mindestens vollmondhellen Boliden zurückzuhalten.

Auch ob die Aufnahme tatsächlich die Reste des Asteroiden zeigen, kann ich nicht beurteilen. Da ich vor einiger Zeit mal mit einem vorsätzlich gefälschten Bild Nachtleuchtender Wolken auf die Nase gefallen bin, bleibe ich vorsichtig. Schließlich sind auch die Leute vom APOD mal auf eine Falschmeldung hereingefallen: Diese angebliche Meteorwolke war nur ein spektakulär von der Sonne angestrahlter Kondensstreifen…

Hier also das Bild:

Definitiv echte Meteor-Rauchspuren bzw. nachleuchtende Spuren sehen so aus:

Rauchspur Nachleuchtspur eines Leoniden-Meteors. Aufgenommen beim letzten "großen" Leonidensturm 2001 in China. Die Spuren waren auch mehr als 30 Minuten nach dem Meteor ohne Probleme mit bloßem Auge sichtbar. Diese selbstleuchtenden Spuren bei manchen, sehr hellen Meteoren, sind nachts sichtbar, und unterscheiden sich von den tagsichtbaren Meteorwolken, den Rauchspuren (siehe Kommentare). Zu erkennen außerdem die Sternbilder Löwe und Krebs so wie eine Reihe weiterer Leonidenspuren. (Foto: Georg Görgen) 

Die Spur des Meteors von Carancas 2007. Die Aufnahme ist stark kontrastverstärkt, sie entstand zur lokalen Mittagszeit. (Mike Farmer, www.meteoriteguy.com

Animation der Entwicklung einer Meteor-Rauchspur (bitte anklicken). Aufgenommen 2000 nach dem Meteoritenfall von Tagish Lake, Kanada. (Atlin Realty) 

Übrigens: Das APOD – jeden Tag frisch – gibt es auch auf deutsch

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Persistent train UNGLEICH Rauchspur!

    Bitte genau aufpassen: Was man nach massiven Meteoren zuweilen in der Sonne leuchten sieht, wenn sie knapp unter dem Horizont steht, oder auch mal dunkel vor dem Taghimmel, sind tatsächlich Rauchpartikel, die in der Atmosphäre hängen geblieben sind.

    Aber was nachts nach einer Feuerkugel bis zu einer halben Stunde von ganz alleine weiterleuchtet (und dabei auf ähnliche Weise von Winde zerzaust wird), ist ein „persistent train“, der durch eine katalytische chemische Reaktion selber Licht erzeugt. Bitte diese Dinger nicht „Rauchspuren“ nennen!

    M.W. sind die genaue Chemie und Physik bis heute nicht ganz verstanden, aber das Phänomen gehört zu den spektakulärsten der nächtlichen Astronomie überhaupt. 1993 ließ z.B. ein mondheller Perseid einen solchen train 10 Minuten lang über Südfrankreich hängen. Und 1998 war der Himmel über der Mongolei während des Feuerkugelregens der Leoniden von solchen trains überzeugen.

  2. wichtiger Unterschied

    Hallo Daniel,

    danke für den Hinweis, ich habe das beim entsprechenden Bild geändert. Aber eine Frage: heißt es jetzt persistent „train“ oder „trail“? Im Netz finde ich beide Versionen. Leo übersetzt trail immerhin aber auch mit „Nachleuchtschleppe“.

    Ich nenne es einjach „Nachleuchtspur“, dann kann sich auch der deutsche non-meteor-expert was darunter vorstellen…

    Gruß,

    Jan

  3. 3 Fotos v.Meteoritenschweif über Hamburg

    Guten Tag,

    ich habe gute Aufnahmen des Meoritenschweifes über Hamburg vom 18.10.09!

    Ich saß am Abend des besagten Tages auf dem Balkon, als plötzlich von Süden kommend erst ein kurzer Schweif, dann etwa 3-5 sehr helle Lichter auftraten, die aber nach 2-3 Sekunden wieder erloschen.

    Im ersten Augenblick dachte ich an eine Sylvesterrakete. Aber die Entfernung des Objektes war zu gross.

    Leider konnte ich nur noch den Schweif aufnehmen, der sich dann in Richtung Osten auflöste.

    Gruss
    G.Borchert

  4. Hallo Herr Borchert,

    meinen Sie dieses Ereignis: http://www.kosmologs.de/…experiment-macht-wirbel

    oder gab es am 18.10. noch einen hellen Meteor, von dem ich nichts weiss? Ihrer Beschreibung nach handelt es sich um eine Feuerkugel, und nicht um die Raketenstufe in dem von mir verlinkten Bericht. Wissen Sie noch, zu welcher Uhrzeit es war?

    Wenn Sie mögen, können Sie mir ihre Fotos schicken (email siehe Profil).

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