The MAGIC is back

Den Status als größtes Luftschauer-Cherenkovteleskop der Welt hält ja nun HESS II mit seinem 28-Meter-Spiegel. Die MAGIC-Zwillinge auf La Palma mit ihren beiden 17-Meter-Photonensammlern sind aber nach wie vor beeindruckend. Letzte Woche fand auf La Palma ein Treffen der MAGIC-Kollaboration statt, bei dem vor allem der erfolgreiche Abschluss des umfangreichen „Upgrades“ gefeiert wurde.

Mehrere Monate standen die beiden Teleskope nämlich still – insbesondere MAGIC I, in Betrieb genommen 2004, zeigte deutliche Alterserscheinungen an Mechanik und Elektronik. MAGIC II kam 2009 dazu und ist noch besser in Schuss. Profitiert von den Arbeiten hat daher vor allem das ältere der beiden Teleskope. Es erhielt eine komplett neue Kamera, die nun genau wie die von MAGIC II über 1039 Photovervielfachern verfügt. Zuvor waren es „nur“ 577 – erst jetzt kann man also mit Recht von „Zwillingsteleskopen“ sprechen.

Man könnte auch sagen: MAGIC I wurde von einem halben auf ein Kilopixel aufgerüstet. Klingt nicht nach sehr viel – aber die Pixel sind ja auch in der Lage, einzelne Photonen zu registrieren. Das müssen sie auch, denn ein typischer Cherenkovschauer, ausgelöst durch ein Gammaphoton in der Atmosphäre, bringt es gerade mal auf ein halbes Dutzend Photonen pro Quadratmeter am Erdboden. Mit bloßem Auge ist da nichts zu sehen, da müssten es schon ein paar 100000 Photonen mehr sein. Zumal ein Cherenkov-Lichtblitz nur wenige Nanosekunden dauert.

Hier ein paar Impressionen von den runderneuerten Teleskopen:

Das MAGIC-I-Teleskop bei der „Wieder-Einweihung“ am 16. November 2012. Vlnr: Razmik Mirzoyan (MPP München), Alessandro De Angelis (Universität Udine) und
Francisco Sánchez (Direktor IAC).

Bei näherem Hinsehen fallen einige „blinde“ Spiegelsegmente auf. Diese werden in naher Zukunft ersetzt.

Das geöffnete Auge von MAGIC I: Die silbrige, sechseckige Struktur in der Mitte besteht aus den 1039 lichtempfindlichen Photovervielfachern.

Netter Vergrößerungseffekt der Kamera bei MAGIC II. Links daneben übrigens ist das GranTeCan sichtbar, das derzeit größte Teleskop der Welt, mit dem man einen Teller Linsen auf dem Mond sehen kann!

Kleine Feier auf der Höhe. Der Roque de los Muchachos ist die höchste Erhebung der Insel mit 2423 Metern. Die MAGIC-Teleskope liegen etwas tiefer.

Der Kontrollraum. Vo hier aus werden die beiden Teleskope gesteuert.

Ebenfalls neu: das Rechenzentrum für MAGIC I und II, direkt neben den Teleskopen.

Glühwein wäre besser gewesen: Im November kann es auf dem Roque zugig und kalt werden… 

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @Leonard Burtscher

    Ja, vor Ort, wenn auch nicht live (gebloggt). MAGIC kenn ich schon recht lang. Sollte ich in meinem Job auch 😉 Außerdem komme ich ja ursprünglich nicht aus der optischen Community sondern aus der Astroteilchenecke!

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben