Nochmal: Sternschnuppenregen im Oktober?

An dieser Stelle möchte ich noch mal auf einen Artikel aus dem vergangenen Jahr hinweisen. Nach wie vor sind sich die Experten nicht einig, ob es am 8. Oktober 2011 einen Sternschnuppenregen der Draconiden (oder auch Giacobiniden) gibt, oder ob sich das Ganze als ziemlich fade Show herausstellt.

Der Anlass ist eine Pressemeldung der Kanadischen Astronomischen Gesellschaft, die von einem erwarteten "dramatischen" Ausbruch der Draconiden spricht. Von bis zu 1000 Meteoren pro Stunde ist die Rede. Das wäre wirklich nicht ohne.

Diese Meldung machte in den letzten Wochen die Runde. Die Vorhersage der Kanadier deckt sich weitgehend mit der Prognose des Franzosen Jérémie Vaubaillon – aber sie liegt völlig überkreuz mit der des Russen Mikhail Maslov. Während der Franzose schon eine aufwändige Flugzeugbeobachtung des Ereignisses organisiert, geht der Russe von maximal 50 Schnuppen pro Stunde aus, und Daniel Fischer weiß gar, dass Maslov unter der Hand noch weit pessimistischer ist.

Mehr zu dem Thema "Sternschnuppenregen 2011 – ja oder nein" im schon erwähnten alten Blogpost. Das dort Geschriebene behält weiter seine Gültigkeit. Nie, zumindest in meiner Erinnerung, lagen die Prognosen zu einem Meteorstrom weiter auseinander als dieses Mal! Wer Recht behält wird man wohl erst hinterher wissen.

Zwei Dinge sind aber bereits jetzt sonnenklar, und angesichts eines zu erwartenden Medienhypes [1] seien sie hier noch mal klar formuliert:

Erstens: Es wird keinen Meteorsturm der Draconiden geben, wie 1933 und 1946. Warum das so ist, steht hier.

Zweitens: Selbst wenn die (für meinen Geschmack sehr optimistischen) Prognosen der Kanadier und Franzosen zutreffen – der fast volle Mond wird jede Beobachtung so erheblich stören, dass man kaum auf eine wirklich beeindruckende Show hoffen sollte.

Also – ich denke man sollte die Erwartungen nicht zu hoch hängen, aber natürlich trotzdem beobachten, wenn man Zeit und klaren Himmel hat. Dafür: Clear Skies!  

[1] Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Superlative den Mainstream-Medien einfallen, wo sie doch schon bei 20 läppischen Meteoren pro Stunde Alarm schreien…

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die NASA bereitet sich jedenfalls schon seit 2010 darauf vor:

    – The 2011 Draconid Shower Risk to Earth-Orbiting Satellites (von 2010):
    http://hdl.handle.net/2060/20100024125

    – NASA Prepares for Potentially Damaging 2011 Meteor Shower (): http://www.space.com/…ng-2011-meteor-shower.html

    – The Draconid Fluence Calculator (DFC) Microsoft Windows tool: http://www.nasa.gov/…eo/software/dfc_detail.html

    – JAVA-Applet um Rate für eigenen Standort zu berechnen:
    http://airborne.seti.org/draconids/rate.html

    Viele Grüße,
    Andreas.

  2. @Hannelore

    Ich bin fies, ich weiß. Aber versuchen Sie es doch einfach mit selektiver Wahrnehmung und ignorieren Sie diesen Blogpost und alle, die Maslovs Prognose erwähnen! Dann können Sie Ihre Vorfreude ungetrübt bis zum 8. Oktober genießen!

    @Andreas Schniertshauer: Danke, interessante Links!

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