„Sternenpark Westhavelland“ ist Deutschlands erstes Dark-Sky-Reservat

Was vom Aussterben bedroht ist, muss geschützt werden, zum Beispiel in Reservaten. Die natürliche, dunkle Nacht ist vom Aussterben bedroht, weltweit, aber besonders in den dicht besiedelten Industrieländern wie Deutschland. Deshalb gibt es welt weit immer mehr „Dark Sky Parks“ und „Dark Sky Reserves“ – Gebiete, die vor der schleichenden Ergrauung des Nachthimmels geschützt werden sollen. Jetzt hat die Internationale Dark Sky Association (IDA) das erste Schutzgebiet in Deutschland zum „Dark Sky Reserve“ erklärt.

BgR0NeTCcAAQue7Die Milchstraße und die Sternbilder des Winterhimmels über dem Naturpark Westhavelland (Bild: Andreas Hänel)

Das Gebiet liegt gerade einmal 70 Kilometer westlich von Berlin im Naturpark Westhavelland und heißt nun offiziell „Sternenpark Westhavelland“. So dicht an Deutschlands größer Stadt gelegen, bietet der Sternenpark einen schnellen Zugang zum Sternenhimmel für Millionen Hauptstadtbewohner. Natürlich ist die Berliner Lichtglocke auch im Sternenpark noch sichtbar, aber die geringe Besiedlung der Gegend hat einen einigermaßen natürlichen Sternenhimmel bis heute bewahrt.

Damit das so bleibt, haben sich die umliegenden Gemeinden zu Einhaltung bestimmter Regeln bei der Außenbeleuchtung verpflichtet, wie es die Statuten der IDA vorsehen. Natürlich nicht ohne Eigennutz: Der einzige Sternenpark Deutschlands zieht hoffentlich Touristen in das Westhavelland. Einmal im Jahr findet dort bereits das Westhavelländer Teleskoptreffen statt, es dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen (nächster Termin: 29.-31.8.2014, Ort: Sportplatz in Gülpe).

Ein „Dark Sky Reserve“ ist so etwas wie die Silbermedaille unter den Schutzgebieten, für „Gold“ hat es nicht gereicht, aber das kann man auch nicht erwarten – wir sind in Deutschland, nicht in Namibia. Ich freue mich sehr über diesen Erfolg, und hoffe, dass er Schule macht. Es gibt in unserem hellen Land nämlich noch ein paar andere dunkle Flecken, die es sich zu schützen lohnt.

Mein herzlicher Dank geht vor allem an Dr. Andreas Hänel, dem Leiter der Fachgruppe Lichtverschmutzung der VdS, ohne dessen Einsatz der Sternenpark Westhavelland sicher nicht Realität geworden wäre!

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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  4. Am meisten erstaunt mich, dass so etwas in Deutschland möglich ist. nach Wikipedia findet man im Westhavelland einer Flächenhelligkeit von 21,78 mag/arcsec². „Deswegen ist es beispielsweise möglich, nicht nur die Milchstraße, sondern sogar den Airglow (ein schwaches Leuchten höherer Atmoshpäre zu beobachten“
    Ähnliche Beobachtungsbedinungen gebe es nur Namibia und in der Atacama-Wüste. Da könnte das gemässigte bis kalte Klima im Westhavelland noch ein Vorteil sein, gibt es doch dann keine störenden Glühwürmchen, mindestens keine stark leuchtenden wie sie in Mittel- und Südamerika vorkommen.

    • Es lässt sich auch nicht mit Sicherheit feststellen, ob der Naturpark Westhavelland wirklich der dunkelste Ort Deutschlands ist. Vermutlich findet man den eher irgendwo in den Alpen. Aber auf einen einsamen Berggipfel kann man natürlich kaum eine größere Menge Besucher hinlocken, weil diese Orte nicht so ohne weiteres erreichbar sind. In einem Naturpark mit guter Infrastruktur, der zudem in der Nähe Berlins liegt, wird es hingegen an Touristen nicht mangeln. Aber egal, das Wichtigste dabei ist, dass die Menschen überhaupt wieder für die Schönheit der dunklen Nacht sensibilisiert werden.

  5. Freiheraus gesagt finde ich diesen Vergleich mit Namibia und der Atacama völlig unpassend. Wer schon mal in Namibia oder der Atacama war, der weiß, dass es in Deutschland keinen, absolut keinen Ort gibt, der den Beobachtungsbedingungen dort nahe kommt.

    Milchstraße, Zodiakallicht und auch der Airglow sind aber einfacher sichtbar, als man vielleicht denkt – wenn man weiss, worauf man achten muss. Ich konnte z.B. den Gegenschein des Zodiakalllichts bereits mehrfach in der lichtverschmutzten Eifel sehen, käme aber nie auf die Idee, von „ähnlichen Bedingungen“ wie in der Atacama zu sprechen. Es ist ein Unterschied, ob man den Gegenschein erkennt, wenn man weiss, wo und wie, oder ob er einem geradezu ins Auge springt (wie mir das bisher nur auf La Palma oder in eben jener Atacama passiert ist).

    Also: Die Bedingungen im Westhavelland sind sicher sehr gut, so wie an einigen anderen Orten Deutschlands. Mit Vergleichen sollte man aber sparsam sein.

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