Schweizer Gemeinde sagt: Licht aus!

Schlechte Nachrichten aus der Schweiz für alle, die sich um drei Uhr morgens gerne hell erleuchtete Hauswände anschauen oder sich nach Mitternacht in der Innenstadt zum Schaufensterauslagenansehen treffen: Wie die Basler Zeitung heute berichtet, will es der Einwohnerrat der Gemeinde Pratteln bei Basel in Zukunft verbieten, von Mitternacht bis sechs Uhr morgens Hauswände mit Scheinwerfern anzustrahlen und Schaufenster durchgängig zu beleuchten. Dei meisten der betroffenen Firmen scheinen damit auch keine Probleme zu haben.

Auch der Einsatz von Skybeamern, Himmelslasern und ähnlichen Lichtverschmutzungen soll gleich mit verboten werden. Slowenien lässt grüßen! Ausgangspunkt dieser Regelung war der Basler Zeitung zufolge eine Initiative der Sozialdemokratischen Partei in Pratteln zur Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen. Diese Initiative sei von 747 Einwohnern der kleinen Gemeinde unterstützt worden. Das Blatt zitiert auch einen Mitarbeiter der Organisation Dark Sky Schweiz, die das geplante Gesetz naturgemäß begrüßt.

Klar – das tue ich natürlich auch. Nur frage ich mich manchmal, ob es denn wirklich sein muss, dass für jedes Problem ein Gesetz oder eine behördliche Regelung her muss. Sollten die vielen Argumente gegen unnötige Lichtemissionen nicht ausreichen, die Leute freiwillig zum Lichtausmachen zu bewegen? So wie sie es zu Hause im Schlafzimmer doch auch tun? Schön wärs – doch die nicht endenwollende Reihe von Negativbeispielen zeigt ein ums andere Mal, dass dem so nicht ist. Leider. Zumal sich ohne Zweifel auch in Pratteln wieder diejenigen zu Wort melden werden, denen im Dunklen Angst und Bange ist – und die wider besseren Wissens glauben, dass es im Hellen sicherer sei

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Apropos Basel

    Zum Basler Morgenstraich – das ist deren Version von Fasnet – werden morgens um 4 Uhr alle Lichter in der Stadt gelöscht. Das ist immer schön gespenstisch, wenn es in dieser Großstadt plötzlich dunkel wird. Allerdings sollte man dafür keine Werbung machen, weil dann noch mehr Touristen kommen, denen nichts Blöderes einfällt als mit ihren Blitzlichtern die Stimmung zu ruinieren. So sieht das dann aus: http://www.youtube.com/watch?v=Jtb2l2Jzx58
    Das Gequietsche kommt übrigens aus dem Video. Nein, der Lüfter des PC ist nicht kaputt gegangen.

  2. Andreas, Deine epische Diskussion im SciFi-Forum verfolge ich schon seit einiger Zeit. Ich finde es wichtig, dass man sich der Diskussion immer wieder stellt, auch und gerade mit Kritikern. Danke also für deine Ausdauer! Das wichtigste ist doch, das überhaupt über Lichtverschmutzung gesprochen wird – und Beispiele wie Pratteln zeigen zudem, dass es eben doch mehr als nur ein paar Hobbyastronomen sind, die sich von dem Lichtoverkill gestört fühlen. Deshalb auch dieser Blogpost.

  3. So schade es auch ist…

    …dass es ein Gesetz braucht, so schön ist es doch, dass sich so viele Anwohner hinter die Initiative gestellt haben. Immerhin tut sich endlich auch mal was im deutschsprachigen Raum – das lässt doch hoffen. Und was die Notwendigkeit von Gesetzen betrifft: Ein vernünftiger und umsichtiger Fahrstil schützt ebenfalls die eigene Gesundheit (und nicht nur die) – und obwohl das sicher auch jedem bewusst ist, möchte ich nicht wissen, wie es auf unseren Straßen ohne StVo aussehen würde… Leider ist es in vielen Fällen eben doch notwendig – und dass sich in der Gesetzgebung in Sachen Lichtverschmutzung endlich mal was bewegt, war nun wirklich überfällig…

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